Diese Fassung wurde von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz aus dem Englischen übersetzt. Im Zweifelsfall ist die Originalfassung maßgeblich.
Adoption & Fostering · Kinderschutz
Was erleben Eltern, wenn sie ihre fremduntergebrachten Kinder besuchen? Polly Baynes, Sozialarbeiterin und heute Forscherin an der University of Bristol, gab vier Vätern und sechs Müttern, von denen die Hälfte Lernschwierigkeiten hat, ein Telefon und eine Frage. Ihre Fotos (ein leeres Kinderzimmer, aufbewahrtes Spielzeug, eine Tasse Tee im Umgangszentrum) erzählen vom Verlust, von Wegen, durchzuhalten, und vom Gewicht eines prüfenden Blicks. Sie verweisen zudem auf eine unterschätzte Quelle der Unterstützung: die Fachkräfte, die die Besuche begleiten.
Inoffizielle deutsche Übersetzung von ‘I lived for those mornings’: Parents’ experiences of visiting their children in care von Polly Baynes, erschienen in Adoption & Fostering (SAGE) (2026), doi: 10.1177/03085759251393716, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique im Oktober 2026 mit Unterstützung künstlicher Intelligenz: Der Originaltext wurde ins Deutsche übersetzt und für die Online-Lektüre neu gesetzt, was eine Bearbeitung des Werks im Sinne der Lizenz darstellt. Die von den teilnehmenden Eltern aufgenommenen Fotos (Abbildungen 1–13) werden aus Respekt vor den beteiligten Personen nicht wiedergegeben und sind in eckigen Klammern mit ihren Bildunterschriften gekennzeichnet; die Tabelle wird als Liste dargestellt; die Erklärungen am Ende des Artikels sind in den Anmerkungen zusammengefasst; Korrespondenzadresse, ORCID-Kennung und Kurzbiografie werden nicht wiedergegeben. Diese Übersetzung stammt weder von der Verfasserin noch vom Verlag, die weder für ihren Inhalt noch für etwaige Fehler verantwortlich sind. Maßgeblich ist die Originalfassung.
Eine zentrale Botschaft der Teilnehmenden dieser Studie ist ihr Bedürfnis, weiterhin als Eltern anerkannt zu werden – als Eltern, die ein Kind verloren haben.
Polly Baynes
Zusammenfassung
Diese Photo-Elicitation-Studie mit vier Vätern und sechs Müttern (die Hälfte von ihnen mit Lernschwierigkeiten) untersuchte, wie sie Besuche bei ihren fremduntergebrachten Kindern erleben – ein wenig erforschtes Feld. Die Teilnehmenden beschrieben den Verlust als zentral für die Familienzeit, benannten aber auch Bewältigungsstrategien vor, während und nach den Besuchen. Der Einsatz visueller Methoden zeigte, wie materielle Gegenstände wie Spielzeug und Essen sich mit vielfältigen Bedeutungen aufluden und eine Brücke schlugen zwischen einer gemeinsam erinnerten Vergangenheit, einer getrennten Gegenwart und einer vorgestellten Zukunft, über die Grenzen zwischen Zuhause und Unterbringung hinweg. Während des Kinderschutzverfahrens, als die Beziehungen zu den Fachkräften der Sozialen Arbeit zerbrochen waren, kam den Fachkräften der Umgangsbegleitung eine Schlüsselrolle zu; die Eltern waren bereit, Unterstützung anzunehmen (einschließlich der Vermittlung an andere Dienste), wenn sie die Fachkräfte als kompetent, mitfühlend und respektvoll gegenüber ihrem Verlust wahrnahmen. Es gibt ein ungenutztes Potenzial: Kompetente, vertrauenswürdige Fachkräfte für Familienzeit könnten nach der Herausnahme eines Kindes die Aussichten auf Veränderung maximieren und Eltern helfen, emotional zu überleben. Dies würde erfordern, den Zweck der Familienzeit neu zu denken, sodass die Unterstützung der Eltern als förderlich für die Kinder mit eingeschlossen wird; es hinge von ausreichenden Ressourcen und Schulungen für die Arbeit mit Eltern mit Lernschwierigkeiten ab.
Schlüsselwörter: Umgang, Familienzeit, Kontakt halten, Eltern, Eltern mit Lernschwierigkeiten, fremduntergebrachte Kinder, Herausnahme von Kindern, Photo-Elicitation
Inwieweit Kinder, die getrennt von ihren leiblichen Eltern aufwachsen, darin unterstützt werden, mit ihrer Familie und anderen wichtigen Menschen in Kontakt zu bleiben, hat lebenslange Folgen für alle Beteiligten. Für die meisten Kinder, die außerhalb ihrer Herkunftsfamilie leben, bleiben die leiblichen Eltern eine starke psychologische Präsenz, doch die Arbeit mit diesen Erwachsenen ist im Vereinigten Königreich ein vernachlässigter Praxisbereich, und es gibt nur wenig Forschung zu ihrem Erleben der „Familienzeit“ oder des direkten Umgangs – Begriffe, die hier synonym verwendet werden (Boddy et al., 2013). Familienzeit bietet die Chance, diese wichtigen Beziehungen zu erhalten und zugleich zu verbessern, ist aber für alle Beteiligten oft emotional belastend (Neil et al., 2015). Für leibliche Eltern kann der Kontakt mit ihrem Kind eine traumatische Erinnerung an ihren Verlust sein, eine frustrierend eingeschränkte Gelegenheit, wieder Elternteil zu sein, eine Chance, die Verbindung aufrechtzuerhalten, eine Quelle der Beruhigung und Freude, wenn sie die Fortschritte ihres Kindes miterleben – oder eine Mischung aus alldem (Collings und Wright, 2022; Ross et al., 2017).
Eine internationale Übersichtsarbeit zur Forschung über verschiedene Unterbringungsformen hinweg ergab, dass ein gut organisierter, kompetent begleiteter Umgang bzw. eine solche Familienzeit mit positiven kurz- und langfristigen Ergebnissen für Kinder einhergeht (Iyer et al., 2020). Dazu gehören eine höhere Stabilität der Unterbringung, ein gefestigteres Identitätsgefühl, bessere Beziehungen zur Herkunftsfamilie und zu den Pflegepersonen, bessere Aussichten auf Rückführung und ein besseres emotionales Wohlbefinden. Dieselbe Forschung ergab jedoch auch, dass unzuverlässiger, unflexibler oder schlecht organisierter Umgang mit negativen Ergebnissen einhergeht, insbesondere wenn Kinder schwierigem oder unberechenbarem Verhalten ihrer leiblichen Eltern ausgesetzt sind. Kinder nehmen die Gefühle ihrer Eltern wahr, machen sich Sorgen, wenn sie sie nicht sehen, und wünschen sich Hilfe, um diese Beziehungen zu verbessern (Selwyn und Lewis, 2022). Sie sind auch vom Konflikt zwischen den beiden Familien in ihrem Leben betroffen, der durch die Kontaktvereinbarungen ausgelöst werden oder sich in ihnen äußern kann (Iyer et al., 2020). Wie Eltern die Familienzeit erleben, ist für das Erleben der Kinder zentral, aber wenig erforscht.
Es gibt eine wachsende Zahl von Studien darüber, wie es sich auf Eltern auswirkt, ein Kind an das Kinderschutzsystem zu verlieren, insbesondere wenn ein Baby direkt nach der Geburt herausgenommen wird (Broadhurst et al., 2018). Sie zeigen, dass die Herausnahme eines Kindes eine katastrophale Quelle aberkannter Trauer ist, die bestehende Schwierigkeiten verschärft, weitere Verluste von Beziehungen, Einkommen und Wohnung nach sich zieht und unverhältnismäßig stark diejenigen trifft, die in ihrer Kindheit selbst Verlust und Trauma erlebt haben (Broadhurst und Mason, 2013, 2020). Viele dieser Eltern müssen die Besuche bei ihren Kindern unmittelbar nach der Herausnahme bewältigen, mit wenig oder gar keiner Unterstützung.
Es gibt erste internationale Belege dafür, dass es die Verlässlichkeit und Qualität der Familienzeit verbessern kann, wenn Eltern bei der Vorbereitung auf das Wiedersehen mit ihrem Kind unterstützt und die Interaktionen während der Besuche begleitet werden (Taplin und Suomi, 2020). Gruppenarbeit, die emotionale Unterstützung im Umgang mit dem Verlust bietet, wird von Eltern geschätzt; eine bessere elterliche Anpassung an diesen Verlust geht mit positiveren und beständigeren Kontakten nach der Adoption sowie mit von gegenseitigem Respekt getragenen Beziehungen zwischen leiblichen und Adoptiveltern einher (Boddy et al., 2020; Neil et al., 2015). Im Vereinigten Königreich erhalten jedoch derzeit nur wenige leibliche Eltern eine solche spezialisierte Unterstützung zum Zeitpunkt der Herausnahme, und es gibt nur wenig Forschung zu ihrem Erleben der Regelpraxis oder zur Rolle der Umgangsbegleitung.
In England und Wales macht die Betonung zügiger Entscheidungen und der geschlossenen Adoption als Weg zur dauerhaften Perspektive die frühen Umgangskontakte während des Kinderschutzverfahrens zu Begegnungen, bei denen besonders viel auf dem Spiel steht und in denen Eltern ihre Erziehungsfähigkeit in einem Kontext unter Beweis stellen müssen, für den es keine sozialen Normen gibt. Bis vor Kurzem nährte der nicht öffentliche Charakter familiengerichtlicher Entscheidungen online ein Klima der Angst und des Misstrauens, das eine Verschwörung der Sozialen Arbeit nahelegte, Kinder zur Adoption herauszunehmen. Wie gut Eltern sich während der Familienzeit im laufenden Verfahren auf die Bedürfnisse ihrer Kinder konzentrieren können, ist jedoch ein schlechter Indikator dafür, ob sie mit angemessener Unterstützung langfristig zum Leben eines Kindes beitragen können – was darauf hindeutet, dass die Verbindungen vieler Kinder zu ihrer Herkunftsfamilie unnötig gekappt werden (Neil, 2006).
Zunehmend wird anerkannt, dass unsere Art, Kindern zu helfen, mit ihrer Herkunftsfamilie in Kontakt zu bleiben, einer grundlegenden Reform bedarf. Dazu gehört, zu der Annahme überzugehen, dass adoptierte Kinder direkten Kontakt zu Familienmitgliedern haben werden, sofern nicht zwingende Gründe dagegensprechen, sowie ein erneuter Fokus auf den Aufbau von Beziehungen durch unterstützte, flexible Vereinbarungen für alle Kinder und Familien (einschließlich Verwandtenpflege) bis ins Erwachsenenalter, unter Anerkennung der Bedürfnisse von Herkunftsfamilien, Pflegepersonen und Kindern (Iyer et al., 2020; Public Law Working Group: Adoption Sub-Group, 2023). Über das heutige Erleben des Umgangs durch leibliche Eltern im Vereinigten Königreich, das diesen Prozess informieren könnte, ist wenig bekannt. Die vorhandene Forschung konzentriert sich weitgehend auf die Auswirkungen solcher Besuche auf das Wohl der Kinder und ist häufig nach Unterbringungsform gegliedert, wobei Familienzeit als Teil des Lebens des Kindes in einer Adoptiv-, Pflege- oder Verwandtenfamilie gerahmt wird. Die Wirklichkeit ist jedoch komplexer, da Kinder und ihre Geschwister im Laufe der Zeit verschiedene Familienformen durchlaufen und unterschiedliche Arten von Besuchen haben können; Familienzeit als sich wandelnder Aspekt des Lebens der Eltern ist kaum erforscht.
International konzentriert sich die Forschung zum elterlichen Erleben des Umgangs vor allem auf Mütter (Philip et al., 2020). Nur wenige Studien schließen Eltern mit Lernschwierigkeiten ein, obwohl diese Gruppe unverhältnismäßig häufig das Sorgerecht für ihr Kind verliert (Tilbury und Tarleton, 2023). In der Forschung überwiegen interviewbasierte Studien (die Menschen mit Lernschwierigkeiten unbeabsichtigt ausschließen können), doch es wurden auch kreative Methoden eingesetzt, um die Zugänglichkeit zu erhöhen und schmerzhafte Gefühle auffangen zu können; dabei entstand eindrucksvolles visuelles Material, das auf mehreren Ebenen kommuniziert (Collings et al., 2022).
Ein Großteil der neueren Forschung zum elterlichen Erleben stammt aus Ländern außerhalb des Vereinigten Königreichs, insbesondere aus Australien und Neuseeland, wo Adoption kaum genutzt wird und weniger Wert auf Entscheidungen innerhalb enger Fristen gelegt wird, was ihre Übertragbarkeit einschränkt. Die wichtigste Arbeit hierzulande ist die Längsschnittstudie von Neil und Team zu Kindern, die in den 1990er-Jahren zur Adoption vermittelt wurden; sie bietet unschätzbare Einblicke in das elterliche Erleben des Umgangs im Zeitverlauf (2006, 2015). Die Studie von Clapton und Team (2022) mit schottischen leiblichen Angehörigen ist ein seltenes Beispiel für eine Untersuchung, die sich auf das heutige Erleben von Besuchen konzentriert: Sie stellte einen anhaltenden Mangel an Empathie für den elterlichen Verlust und die beschädigte Identität fest, der durch die Umgangspraxis noch verstärkt werden konnte, und machte deutlich, dass zur Rolle der Umgangsbegleitung kaum geforscht wird.
Diese Studie, durchgeführt im Rahmen meines forschungsorientierten Masterstudiums in Sozialer Arbeit, sollte einige Lücken der bisherigen Forschung schließen, indem sie untersuchte, was Fachkräfte von Eltern über deren Erleben der Familienzeit und über die von ihnen gewünschte Unterstützung lernen können. Sie wollte wenig erforschte Aspekte des Feldes beleuchten, indem sie die Teilnahme von Vätern und von Eltern mit Lernschwierigkeiten sicherstellte und den Untersuchungsrahmen auf verschiedene Unterbringungsformen und auf den Zeitverlauf ausdehnte: Einbezogen wurden Eltern, die sich noch im Kinderschutzverfahren befanden, ebenso wie solche, die ihre Kinder schon vor längerer Zeit verloren hatten. Indem der Fokus vom Kind auf die erwachsene Person verlagert wurde, sollte die Familienzeit als Ereignis im Leben eines Elternteils betrachtet werden – mit den Stärken und Strategien, die die Eltern vor, während und nach solchen Besuchen nutzten, und den Wegen, die sie fanden, um ihre Identität als Eltern auszudrücken. Die Studie verstand Eltern als Quelle von Wissen darüber, wie man eine solche Erfahrung übersteht, und bat sie um Ratschläge, die sie anderen in ähnlicher Lage geben würden.
Diese qualitative Studie nutzte Photo-Elicitation, einen Ansatz, bei dem Bilder, die die Teilnehmenden nach einem ersten Interview aufnehmen, in einem zweiten Interview als Gesprächsanlass dienen. Die Forschung beruhte auf einer kritisch-realistischen, sozialkonstruktionistischen Perspektive, die Worte und Bilder als bedeutungsvolle Aspekte der sozialen Welt versteht und nicht als Abbild einer einzigen objektiven Wirklichkeit (Mason, 2007). Dieser qualitative Ansatz entsprach dem Charakter des Themas: explorativ, sensibel, inhärent subjektiv, unübersichtlich und relational (Broadhurst et al., 2010; Munro, 2011).
Eine kreative Methode wurde gewählt, um den Ausdruck und das Auffangen starker Emotionen und Gefühle jenseits von Worten zu ermöglichen und es leichter zu machen, über Schwieriges zu sprechen (Mason, 2007). Visuelle Methoden wurden bereits erfolgreich eingesetzt, um ähnliche Themen zu untersuchen: Collings und Team (2022) nutzten Body-Mapping-Collagen, um das Erleben von Frauen beim Umgang mit ihren Kindern in Australien zu erforschen, während Marsh und Leamon (2019) Photo-Elicitation mit Frauen einsetzten, deren Baby direkt nach der Geburt herausgenommen wurde. Visuelle Methoden boten sich auch deshalb an, weil sie zeigen können, wie Gegenstände mit Bedeutung aufgeladen werden, wenn Eltern und Kinder getrennt sind (Smart, 2009). Der Einsatz von Bildern und anderen nonverbalen Kommunikationsmitteln zur Unterstützung von Gesprächen trägt zudem dazu bei, Forschung für Menschen mit Lernschwierigkeiten zugänglicher zu machen, wie Greenstein (2014) gezeigt hat. Die Einbeziehung dieser Gruppe war ein zentrales Ziel des Projekts.
Die Verwendung von Fotos, die zwischen den Sitzungen aufgenommen wurden, erhöhte die Kontrolle der Teilnehmenden über Auswahl und Weitergabe der Bilder, und Machtgefälle wurden durch den Einsatz vertrauter Technik – Smartphones und WhatsApp – weiter verringert (Leal et al., 2018; Stafford, 2017). Dies war angesichts der Ohnmacht, die Eltern erleben, wenn sie im Kinderschutzverfahren ein Kind verlieren, eine wichtige Überlegung. Ein zusätzlicher Gewinn waren eindrucksvolle Bilder, die Fachkräfte ansprechen können – ein weiteres zentrales Ziel der Forschung (Molloy, 2007). Photovoice, eine Methode, die eine gemeinsame Analyse der Bilder in der Gruppe und die Präsentation der Ergebnisse einschließt, wäre partizipativer gewesen, lag jedoch außerhalb des Zeitrahmens dieses Projekts (Evans-Agnew et al., 2022; Stambe und Fryer, 2014).
Alle Informationen zur Studie wurden in „Leichter Sprache“ bereitgestellt; die Teilnehmenden hatten Zeit, sie mit ihren Fachkräften für Familienzeit oder ihren Fürsprechenden durchzugehen, bevor sie über ihre Einwilligung entschieden. Ursprünglich hatte ich ein kurzes erstes Interview geplant, um die Einwilligung einzuholen, einige demografische Angaben zu erfassen und den Ablauf zu erklären. Diesen Plan gab ich rasch auf, als deutlich wurde, dass viele Teilnehmende diese Gelegenheit nutzen wollten, um mir zu erzählen, wie sie ihr Kind verloren hatten. Der Plan wurde so angepasst, dass für dieses erste Treffen so viel Zeit wie nötig blieb und jede Person mir den Teil ihrer Geschichte, den sie wählte, auf ihre eigene Weise erzählen konnte. Diese Gespräche, die entweder im Familienzeitzentrum oder in den Räumen des Fürsprachedienstes stattfanden, dauerten mitunter über eine Stunde, und ich hatte den Eindruck, dass das so entstandene Vertrauen dazu beitrug, dass alle bis auf eine Person zu einem zweiten Interview wiederkamen.
Ein zweites Interview wurde für zwei bis drei Wochen später vereinbart; in der Zwischenzeit wurden die Teilnehmenden gebeten, mit ihrem Handy Fotos aufzunehmen, die ihr Erleben vor, während und nach den Besuchen bei ihren Kindern darstellen. Sie schickten mir diese über WhatsApp (eine verschlüsselte Plattform). Im zweiten Interview sahen wir uns die Fotos gemeinsam auf dem Bildschirm meines Laptops an. Die Fotos dienten dann als Gesprächsanlass, ausgehend von der offenen Einladung, mir etwas zu den Bildern zu erzählen; Schlüsselsätze wurden ausgewählt, um daraus Bildunterschriften für die in die endgültige Studie aufgenommenen Bilder zu erstellen. Es handelte sich um ein weitgehend unstrukturiertes Interview, in dem die Teilnehmenden jeden Aspekt ihres Erlebens ansprechen konnten, den sie für relevant hielten, mit gelegentlichen Hinweisen, ihr Erleben vor, während und nach dem Umgang zu bedenken. Gegen Ende des Interviews wurde jeder Person die folgenden Fragen gestellt:
Beide Treffen fanden persönlich statt, wurden aber über Microsoft Teams als Audio aufgezeichnet. Die Teilnehmenden wählten ihre Pseudonyme selbst, und alle identifizierenden Angaben wurden in den Transkripten ihrer Interviews verändert. Auf keinem der Fotos waren Kinder zu sehen. Für die WhatsApp-Nachrichten wurde ein eigenes Telefon verwendet, und die Nummer wurde am Ende der Studie gelöscht.
Mein beruflicher Hintergrund als Sozialarbeiterin motivierte die Wahl des Forschungsthemas, erleichterte den Zugang zu den beteiligten Organisationen und gab mir die Sicherheit und die Fähigkeiten, schwierige Themen anzusprechen (Beuving und Vries, 2015). Mein Rollenwechsel zur Forscherin verlangte von mir, den Geschichten der Eltern auf neue Weise zuzuhören, ohne den Filter der Verantwortung, Pläne für ihr Kind zu machen. Deshalb musste ich meine innere Stimme zum Schweigen bringen, die sich fragte: „Wie ist es, wenn das deine Mutter oder dein Vater ist?“, und nach Jahrzehnten im Kinderschutz erstmals die leiblichen Eltern in den Mittelpunkt stellen. Die Befürchtung, die Teilnehmenden könnten sich wegen meiner beruflichen Identität in ihren Äußerungen zurückhalten, erwies sich als unbegründet; stattdessen ertappte ich mich bei einem unbehaglichen Gefühl der Mitschuld an dem emotionalen Schaden, den die Soziale Arbeit ihrem Empfinden nach angerichtet hatte (Featherstone und Gupta, 2020).
Die formale ethische Genehmigung wurde von der beteiligten Kommune und der University of Bristol erteilt (Genehmigungsnummer 14175). Die beteiligte gemeinnützige Organisation, ein Fürsprachedienst für Menschen mit Lernschwierigkeiten, der während und nach Kinderschutzverfahren unterstützt, hielt dies für ausreichend. Ethisches Handeln beruhte jedoch auf zahlreichen kleinen Entscheidungen im Verlauf meiner Begegnungen sowie auf der wiederholten Klarstellung, dass die Teilnahme die langfristigen Pläne für die Kinder nicht beeinflussen würde. Das Risiko einer Schädigung der Teilnehmenden wurde verringert durch die Einbindung der Fachkräfte in die Rekrutierung, die Möglichkeit, bei einem oder beiden Interviews eine Begleitperson dabeizuhaben, und eine Nachricht nach jedem Treffen. Die Teilnehmenden erhielten 30 £ für ihre Zeit im Interview; es wurde klargestellt, dass dies nicht davon abhing, ob sie Fotos lieferten oder Fragen beantworteten, und dass sie das Interview jederzeit verlassen oder ihre Einwilligung widerrufen konnten.
Mittels gezielter Stichprobenziehung wurden in zwei Kommunen im Südwesten Englands Männer und Frauen mit und ohne Lernschwierigkeiten rekrutiert (Bryman, 2016). Die beiden Forschungsstandorte waren: (1) ein Familienzeitdienst in ländlicher Lage, der einen unterstützenden Ansatz gegenüber Eltern, Kindern und Pflegepersonen verfolgte, und (2) ein städtischer Fürsprachedienst für Eltern mit Lernschwierigkeiten, die im Rahmen einer Begutachtung begleiteten Umgang erlebt hatten. Die Fachkräfte für Familienzeit bzw. die Fürsprechenden an jedem Standort machten die Studie mit Plakaten bekannt und sprachen persönlich Eltern an, denen sie zutrauten, die Teilnahme emotional zu verkraften; zudem nahmen sie sich Zeit für die potenziellen Teilnehmenden, stellten sicher, dass Informationsmappe und Einwilligungsformulare vollständig verstanden wurden, und boten Unterstützung während und nach den Interviews an. Die Teilnehmenden willigten in die Verwendung ihrer Worte und Bilder für Forschungs-, Publikations- und Schulungszwecke ein. Die für die Kinder zuständigen Fachkräfte der Sozialen Arbeit wurden über die Teilnahme der Eltern nicht informiert.
Für die Analyse kombinierte ich induktive und deduktive Ansätze, gestützt auf die vorhandene Forschung, meine Praxiserfahrung und das in den Interviews entstandene Material, um moderate Verallgemeinerungen ebenso wie Unterschiede zwischen den Berichten herauszuarbeiten (Broadhurst und Mason, 2020). Die Daten wurden in ihrem Entstehungskontext gelesen und als gemeinsam konstruiert statt als extrahiert betrachtet (Beuving und Vries, 2015). Die Bilder wurden als eigenständig gültiges Material behandelt, ohne weitere Interpretation außer der Auswahl von Worten der Teilnehmenden als Bildunterschriften (Sutton-Brown, 2014).
Das kommunale Familienzentrum war mit seinem Fokus auf Unterstützung ungewöhnlich, was die Übertragbarkeit der Ergebnisse möglicherweise einschränkt, aber nützliche Einsichten und Kontraste zum formal begutachteten Umgang lieferte. Der Stichprobe fehlte es an ethnischer Vielfalt, und ethische Erwägungen schlossen die verletzlichsten Eltern von der Studie aus – ein Faktor, der durch Ausfälle wahrscheinlich noch verstärkt wurde (Silverman, 2010). Die Einbindung eines unabhängigen Fürsprachedienstes stellte sicher, dass Eltern mit negativer Sicht auf die Kommune nicht ausgeschlossen wurden. Meine Stichprobenstrategie bot Vielfalt auf Kosten einer vertieften Betrachtung bestimmter Gruppen, lieferte aber eine dichte Beschreibung und reichhaltige, feinkörnige Daten (Bryman, 2016).
Die thematische Analyse hat das Material in gewissem Maße fragmentiert, und die Stimmen von Fachkräften, Kindern und Pflegepersonen wurden nicht einbezogen. Zeitliche Beschränkungen verhinderten eine Beteiligung der Teilnehmenden an der Analyse. Dennoch besitzt die Studie eine hohe kontextuelle und praktische Validität, da sie in Praxiserfahrung und im Wissen der Teilnehmenden verwurzelt ist (Sheppard, 1998).
Sechzehn Eltern bekundeten Interesse, elf davon nahmen an einem ersten Interview teil, und alle bis auf eine Person kamen zu einem zweiten Interview wieder. Alle waren weiß, britischer oder irischer Herkunft und im Alter zwischen 20 und 51 Jahren. Die 10 Eltern stammten aus acht Familien und hatten zusammen 31 Kinder und sechs Enkelkinder. Fünf befanden sich noch im Kinderschutzverfahren, während die anderen seit über vier Jahren getrennt von einigen oder allen ihren Kindern lebten. Fünf hatten wiederholte Herausnahmen erlebt. Die Teilnehmenden hatten ihre Kinder für Zeiträume von wenigen Tagen bis zu 10 Jahren zu Hause oder in der Geburtsklinik versorgt und Kontakt zu ihren Kindern in kurz- und langfristiger Vollzeitpflege, in Adoption, in Verwandtenpflege, in Eltern-Kind-Unterbringungen oder beim anderen Elternteil gehalten. Sie hatten formal begleitete Termine (teils im Rahmen einer Begutachtung), unterstützten Umgang und von Pflegepersonen ermöglichte Besuche erlebt. Die Häufigkeit der Besuche reichte von siebenmal pro Woche bis dreimal im Jahr; vier hatten mindestens ein Kind, das ohne Kontakt adoptiert worden war, nachdem Vereinbarungen über indirekten Kontakt gescheitert waren. Viele Eltern hatten im Laufe der Zeit oder innerhalb von Geschwistergruppen verschiedene Arten von Umgang mit Kindern in unterschiedlichen Familienformen erlebt. Dadurch stellte diese Gruppe eine einzigartige Quelle elterlichen Wissens dar, die die Reichweite der Studie über die relativ kleine Stichprobe hinaus erweiterte. Eine Übersicht über die Teilnehmenden gibt Tabelle 1.
Die Interviews dauerten zwischen 20 Minuten und zwei Stunden. Zwei Elternpaare entschieden sich für ein gemeinsames Interview und lieferten jeweils eine gemeinsame Bildserie. Die Teilnehmenden schickten zwischen drei und 23 Bilder; eine Person machte Fotos, entschied sich aber, sie nicht zu teilen.
Tabelle 1 — Übersicht über die Teilnehmenden.
Die zentralen Ergebnisse dieser Studie werden unter drei Themen dargestellt: (1) „Verlust“ mit den Unterthemen „Nach der Herausnahme“, „Bleibender Verlust“, „Das Alter des Kindes“ und „Vertrauensverlust“; (2) „Elternsein im Umgang“ mit den Unterthemen „Immer noch Eltern“, „Sich vorbereiten“, „Zusammensein“, „Unsere Kinder schützen“ und „Abschied nehmen“; und (3) „Fachkräfte für Familienzeit“ mit den Unterthemen „Sich beurteilt fühlen“ und „Sich unterstützt fühlen“.
Die stärkste Botschaft der Mütter und Väter mit und ohne Lernschwierigkeiten war die untrennbare Verbindung zwischen Familienzeit und Verlust. Die Erfahrung der Herausnahme drängte in unsere Interviews und wollte so dringend erzählt werden, dass es manchmal schwierig war, zuerst die Einwilligungsformulare unterschreiben zu lassen. Emma beschrieb die allgegenwärtige und anhaltende Natur dieser Trauer mit 23 Fotos ihres Zuhauses ohne ihre Kinder. Das erste davon ist in Abbildung 1 zu sehen, mit ihren Worten als Bildunterschrift.
[Abbildung 1 (Das mach ich normalerweise. Ich lieg einfach da, starr die Wand an, keine Gefühle. Denk nur über alles nach … wenn ich zu meiner Mum geh und … wenn ich schlafen geh. Das ist das einzige Mal, dass ich es vergesse. (Emma)) — von einer Teilnehmerin aufgenommenes Foto, hier nicht wiedergegeben.]
Für alle Eltern bis auf eine Person wurde der Verlust ihres Kindes noch verschärft durch die vorübergehende oder dauerhafte Trennung von der Partnerin bzw. dem Partner, sei es wegen einer stationären Begutachtung oder als Reaktion auf Bedenken der Sozialen Arbeit. Dieser Verlust war geschlechtsspezifisch: Väter wurden während Mutter-Kind-Unterbringungen von Partnerin und Kind getrennt, und zwei fühlten sich zu Unrecht häuslicher Gewalt beschuldigt. Mütter trugen die Hauptlast, ihre Versorgungsfähigkeit unter Beweis zu stellen, und mehrere hatten das Gefühl, für die Gewalt eines Partners bestraft zu werden oder unzumutbarerweise künftige Kontakte planen zu müssen, obwohl sie sich damit dem Risiko weiteren Missbrauchs aussetzen könnten.
Selbst für Teilnehmende mit unterstützender Partnerschaft, Angehörigen oder Freundeskreisen gab es nach der Herausnahme ein tiefes Gefühl von Isolation und Stigma: „Niemand versteht, was für Schmerzen ich durchgemacht hab … Ich hab das alles allein gemacht. Ich steh auf meinen eigenen zwei Beinen, und zwar allein“ (Carly).
Die verheerende Wirkung der Herausnahme bildete den allgegenwärtigen Hintergrund für den Bericht jedes Elternteils über die Besuche. Sie wurde jedoch auch durch die Zeit vermittelt. Eltern, die in den letzten Monaten ein Kind verloren hatten, standen unter Schock: „Das kann buchstäblich innerhalb von fünf Minuten passieren. Dein Leben kann einfach auf den Kopf gestellt werden“ (Emma).
Eltern, die sich noch im Kinderschutzverfahren befanden, beschrieben, in einem emotionalen Schwebezustand zu leben, ohne zu wissen, ob ihr Kind zurückkommen würde. Viele erwähnten Schwierigkeiten beim Essen und Schlafen. Sie lebten umgeben von den Sachen ihrer Kinder, in Erwartung ihrer ersehnten Rückkehr:
Es ist immer noch überall … all sein anderes Zeug, seine Spielhöhle und so, steht noch, und sein Hüpfding, steht noch, und all seine Klamotten sind überall. (Lizzie)
All die Spielsachen, die wir ihnen gerade kaufen. Die stellen wir in ihr Zimmer, damit alles bereit ist, wenn sie sozusagen nach Hause kommen. Wir haben gemerkt, dass unser Kleiner bestimmte Sachen da drin mag. Also kaufen wir so ähnliche Sachen. (Jake)
Die Intensität mehrerer Besuche pro Woche bestimmte das Leben mancher Eltern, alles andere schrumpfte zu einem Dasein „dazwischen“. Manche fanden Trost und Ablenkung in bezahlter Arbeit oder in der Nachbarschaftshilfe (siehe Abbildung 2).
[Abbildung 2 (Wenn ich arbeite und mein Kopf beschäftigt ist, denk ich nicht an all die Sachen, die traurigen Sachen, die passiert sind. Ich hatte schon immer eine gute Arbeitsmoral. (Mark)) — von einem Teilnehmer aufgenommenes Foto, hier nicht wiedergegeben.]
Für diejenigen, deren Kinder in langfristiger Fremdunterbringung lebten – vier von ihnen hatten zu mindestens einem Kind keinen Kontakt –, hielt der Schmerz des Verlusts über die Zeit an. Diese Kinder wurden nie vergessen, doch alle, die die Herausnahme vor mehr als vier Jahren erlebt hatten, hatten ihr Leben um diesen Verlust herum aufgebaut – durch Arbeit, ehrenamtliches Engagement oder als Großeltern. Die Mitwirkung in Fürsprachediensten und in der Forschung gab drei Teilnehmenden Sinn und Struktur:
Ich genieße mein Leben jetzt eigentlich, aber ich denk trotzdem gleichzeitig an sie. Ich mach einen Tagesausflug und denk: Meiner Tochter würde es hier total gefallen. Sie ist immer in meinem Kopf. Ich denk immer an sie, rund um die Uhr. (Carly)
Eltern adoptierter Kinder vermittelten das Gefühl, ein Leben in der Warteschleife zu führen, gefangen zwischen einer erinnerten Vergangenheit mit dem Kind und einer vorgestellten künftigen Rückkehr. Für diese Menschen waren die Babysachen ihres Kindes mit Hoffnung und Bedeutung aufgeladen (siehe Abbildung 3).
[Abbildung 3 (Die ganzen Spielsachen, ich hab noch all ihre Spielsachen zu Hause. Die kleine Spielzeugkiste. Meine Nichte hat letztes Jahr ein Baby gekriegt und meinte: „Ach, such doch mal ein paar Spielsachen raus.“ Ich kann ihr keins von diesen Spielsachen geben, also bleiben die wahrscheinlich da, bis sie mindestens 18 ist und nach Hause kommt. (Rachael)) — von einer Teilnehmerin aufgenommenes Foto, hier nicht wiedergegeben.]
Auch das Alter des Kindes spielte eine Rolle. Für die drei Mütter, denen ein Neugeborenes im Krankenhaus weggenommen worden war, war dieser Verlust körperlich spürbar und auch viele Jahre später noch lebhaft in Erinnerung (kein Mann in der Studie hatte dies erlebt):
Wie sie mir weggenommen wurde, aus meinen Armen … Meine Brüste sind ausgelaufen … da hat es mich richtig fertiggemacht. Ich dachte, sie braucht das wirklich, aber sie ist nicht da. Das hat mir am meisten wehgetan. Weil das meine Bindung ist, ich hab meine Bindung zu ihr an diesen drei Tagen und das war’s … es hat sich angefühlt, als wäre es zwischen uns zerbrochen. (Rachael)
Bei ihrem Baby zu sein, war für diese Frauen ein emotionaler Imperativ, verlangte aber enorme körperliche und seelische Anstrengung, da sie noch buchstäblich blutend von der Geburt zu den Besuchen fuhren, verzweifelt bemüht, dieses neue Kind kennenzulernen. Rachael stellte diesen Verlust dem ihrer älteren Kinder gegenüber: „Bei meinen älteren Kindern ist das ganz anders. Die hatte ich ja als Babys, da konnte ich sie umsorgen.“
Nach dem Verlust älterer Kinder trauerten Männer wie Frauen um ihr früheres gemeinsames Leben. Die Abwesenheit des Kindes durchdrang ihr Zuhause und machte Alltagsaufgaben wie Einkaufen oder Kochen zu schmerzhaften Erinnerungen: „Unser Kleiner war sein ganzes erstes Lebensjahr bei uns. Wir sind es so gewohnt, ihn da zu haben, ihn jeden Abend ins Bett zu bringen, dass er uns morgens weckt … das ist sehr schwer“ (Jake).
Die Einleitung des Kinderschutzverfahrens untergrub die Beziehung der Eltern zu den für ihre Kinder zuständigen Fachkräften der Sozialen Arbeit, selbst wenn diese zuvor gut gewesen war; mehrere erwähnten einen Vertrauensverlust, nachdem sie Gerichtsberichte gelesen hatten, die sie für unzutreffend hielten. Die Teilnehmenden fühlten sich nach der Herausnahme oft im Stich gelassen und nicht umsorgt:
Die Eltern sind denen egal. Die kümmern sich nur um ihre eigenen Leute [die Fachkräfte der Sozialen Arbeit], Eltern werden immer zur Seite geschoben, null Rücksicht. (Emma)
Ich finde, die Leute vom Sozialdienst müssen mehr mit dem Herzen denken, statt Entscheidungen zu treffen, weil es halt ihr Job ist. (Lizzie)
Bei vier Eltern reichte dieses Misstrauen über die einzelne zuständige Fachkraft hinaus. Sie schlossen sich im Internet verbreiteten Behauptungen an, die Soziale Arbeit verschwöre sich, Kinder aus Eigennutz herauszunehmen, und verloren jegliches Vertrauen in das gesamte System, während eine fünfte Person die Notwendigkeit erwähnte, Online-Informationen skeptisch zu begegnen. Wenn die Fachkräfte für Familienzeit formal Teil der sozialarbeiterischen Begutachtung waren, konnten sie als mit der Sozialen Arbeit im Bunde wahrgenommen werden (siehe Abbildung 4).
[Abbildung 4 ([Das Umgangszentrum] steht für jede Menge Korruption. Ich geh jeden Tag dran vorbei. Weil ich gleich um die Ecke wohn, und jedes Mal, wenn ich es seh, will ich nur schreien und brüllen und sagen, so, passt bloß auf. (Rachael)) — von einer Teilnehmerin aufgenommenes Foto, hier nicht wiedergegeben.]
Jake kam zu unserem Interview in einem T-Shirt mit der großen Aufschrift „I’m the Daddy“ („Der Papa bin ich“). Das Gefühl, immer noch „Mamas und Papas“ zu sein, war bei allen Teilnehmenden vorhanden, unabhängig von der rechtlichen oder räumlichen Trennung von ihrem Kind oder der verstrichenen Zeit: „Ich bin die, die sie geboren hat. Die sind aus meinem Bauch gekommen. Ich weiß, wenn mit meinen Kindern was nicht stimmt. Auch wenn ich nicht bei ihnen bin, weiß ich es trotzdem, weil ich nachts nicht schlafen kann“ (Wilma).
Die Familienzeit bot einen Moment, in dem dieses starke Gefühl einer ungebrochenen psychischen und biologischen Verbindung zum Kind kurz mit der physischen Wirklichkeit übereinstimmte. Mehrere Eltern nannten Beispiele kleiner Gesten der Freundlichkeit und des Respekts von Pflegeeltern bei der Übergabe, die ihre fortdauernde Rolle und Bedeutung im Leben eines Kindes bestätigten:
Die fragen immer; meiner Kleinen sind die Haare ein bisschen ins Gesicht gefallen, sie kommt zu mir, also, ich schneid sie nicht ab, aber ist es okay, wenn wir mal ein Stück abschneiden und so, und ich so, ja klar. (Emma)
Einmal mit ihrem Kind wiedervereint, schien die Familienzeit die Mütter und Väter selbst fast wieder zum Leben zu erwecken:
Die ganze Zeit, die 10 Wochen, war ich wirklich eine Mama. (Carly)
Für diese paar Stunden konnte ich eine Mutter für sie sein … Ich hab es gehasst, sie zu verlassen, aber ich lebte für diese Vormittage. (Rachael)
Mütter und Väter bereiteten sich mit einer Mischung aus Vorfreude und Angst auf das Wiedersehen mit ihrem Kind vor. Viele Eltern betonten, wie viel emotionale Stärke nötig war, um schmerzhafte Gefühle und schwierige Umstände im Vorfeld der Familienzeit beiseitezuschieben: „Ich glaub, ich hab nicht mal was gedacht … Ich hab nur versucht, pünktlich hinzukommen … Mir war alles andere und jeder andere egal, nur nicht das Baby“ (Rachael).
Die Eltern waren sich der fachlichen Beobachtung bewusst, während sie sich auf die Besuche vorbereiteten (siehe Abbildungen 5 und 6).
[Abbildung 5 (Aufpassen, dass ich ganz sauber bin. Weil wenn man an Orte wie das Umgangszentrum geht, muss man aufpassen, dass man sauber ist und Hygiene und so was alles. (Carly)) — von einer Teilnehmerin aufgenommenes Foto, hier nicht wiedergegeben.]
Wer auf dem Land lebte, war auf Taxis oder auf seltene und unzuverlässige Busverbindungen angewiesen, was die Wege verlängerte und die Angst, nicht pünktlich anzukommen, verstärkte (siehe Abbildung 7).
[Abbildung 6 (Ich leg die Outfits immer am Abend vorher raus. Ich plan alles, ich muss aufpassen, was ich anzieh, weil wenn ich was zu Freizügiges anzieh, dann sagen die was. (Carly)) — von einer Teilnehmerin aufgenommenes Foto, hier nicht wiedergegeben.]
[Abbildung 7 (Warten aufs Taxi, auf der Mauer sitzend. (Wilma)) — von einer Teilnehmerin aufgenommenes Foto, hier nicht wiedergegeben.]
Fast alle Eltern nannten das „Zusammensein“ als das Beste an der Familienzeit. Mehrere Teilnehmende beschrieben, wie es ihnen das Mitbringen von Essen zur Familienzeit ermöglichte, ihr Kind nicht nur zu versorgen, sondern auch die Erinnerungen an eine gemeinsame Vergangenheit lebendig zu halten und damit eine fortbestehende elterliche Identität und ihr Wissen um das Kind zu behaupten (siehe Abbildung 8):
Also alles, was ich mache, sogar die Snacks, ich versuch immer, dass es das ist, was wir früher gegessen haben. So nach dem Motto: Mama hat’s immer noch nicht vergessen. (Emma)
Ich weiß, was unsere Kleine liebt … sie weiß, dass ich was dabeihab. „Papa, Papa, hat Papa was für mich?“ (Fred)
[Abbildung 8 (Wir gehen immer noch Obst für unseren Kleinen kaufen, und er mag seine Trauben, also hat er da Trauben drin und ein paar Joghurtbecher. (Jake)) — von einem Teilnehmer aufgenommenes Foto, hier nicht wiedergegeben.]
Mit älteren Kindern spielen, reden und sie versorgen zu können, schätzten die Eltern sehr. Sie fanden Freude und Beruhigung in den Fortschritten ihrer Kinder:
Man sieht, dass sie immer noch glücklich sind und so, immer noch Spaß haben … Es ist einfach gut zu sehen, dass sie von der jetzigen Situation nicht so sehr betroffen sind … es ist einfach schön, ihn immer noch wachsen und lernen zu sehen. (Jake)
Die Familienzeit war jedoch eine eingeschränkte Gelegenheit, die eigene Elternidentität zu leben; viele Eltern in dieser Studie wünschten sich längere, flexiblere Besuche, bei denen sie mit den Kindern hinausgehen und gemeinsam Geschwister oder die erweiterte Familie sehen könnten. Jim war von den Einschränkungen so frustriert, dass er zu den letzten Familienzeiten vor der Adoptionsvermittlung seiner Söhne nicht mehr erschien (als einziger Teilnehmer, der diese Entscheidung traf).
Die Familienzeit bot eine lang ersehnte Gelegenheit, wieder zusammen zu sein, weckte aber auch heftige Trauergefühle, vor denen die Kinder geschützt werden mussten. Das bedeutete harte emotionale Arbeit:
Wir versuchen, vor den Kindern nicht zu viele traurige Gefühle zu zeigen und so, weil, auch wenn sie noch so klein sind, kriegen sie so was mit, und man will nicht, dass sie einen so sehen, und es ist schwer, aber man muss halt stark bleiben für die Kinder, oder? (Jake)
Besonders schlimm war dies, wenn sie Neuigkeiten aus dem Leben ihres Kindes ohne sie hörten:
[Die Pflegemutter sagt] „Erzähl Mama mal, was wir so machen“ … und ich sitz da und denk: Halt verdammt noch mal die Klappe. Das sollte ich doch machen … Ich muss einfach still sein und mich darüber freuen … wie oft ich in Tränen ausbrechen wollte. Aber ich weiß, wenn die Kinder mich so sehen würden, wären sie aufgewühlt. (Emma)
Für manche war es Ausdruck elterlicher Handlungsfähigkeit, eigene Spielsachen und Ausstattung für die Kinder mitzubringen – eine Art, fortdauernde Fürsorge und Schutz zu bekräftigen (siehe Abbildung 9).
[Abbildung 9 (Ich hab sie mit keinem von deren Spielsachen spielen lassen, weil ich nicht wusste, ob die sterilisiert waren, was sie sich einfangen würde, also hatte sie ihre eigenen Spielsachen, in ihrer Tasche mitgebracht. (Rachael)) — von einer Teilnehmerin aufgenommenes Foto, hier nicht wiedergegeben.]
Mütter und Väter äußerten auch ein umfassenderes Verantwortungsgefühl für die Sicherheit ihres Kindes und sahen den Umgang als einen Schlüsselmoment dafür: „Unsere Fünfjährige kommt rein und sagt: ‚Ich will nicht zurück zur Pflegemutter.‘ Ich setz sie mir auf den Schoß, so … ‚Was hat sie dir getan?‘“ (Fred).
Bei denjenigen, die selbst in Pflegefamilien oder Adoption aufgewachsen waren, waren die Ängste um ihr Kind verstärkt, und der Schaden, den ihre eigene Herausnahme verursacht hatte, stand ihnen deutlich vor Augen:
Heimkinder werden einfach zur Seite geschoben. Uns hört keiner zu, und alle denken, wir sind einfach wütende, gewalttätige Kids … weil manche vom Sozialdienst sich nicht die Mühe gemacht haben, uns und unserer ursprünglichen Familie zu helfen … Das macht auch die Kinder kaputt. (Lizzie)
Zwei Eltern älterer Kinder erwähnten zudem, wie schwer es war, ihren Kindern Entscheidungen zu erklären, die andere getroffen hatten (etwa die Einstellung des Kontakts zwischen Geschwistern).
Fast alle Teilnehmenden nannten den Abschied als den schwersten Teil der Familienzeit: „Wenn ich bleibe und er geht, ist es, als würde er mir wieder weggenommen … wenn ich zuerst gehe, ist es ein bisschen besser, weil ich weiß, dass ich ihn an einem sicheren Ort gelassen habe“ (Lizzie).
Für Eltern älterer Kinder, bei denen noch nichts entschieden war, wurde dies noch schlimmer, wenn die Kinder darum baten, nach Hause zu kommen:
Sie ist weinend, schreiend zurück in den Raum gerannt und wollte nicht aus dem Raum gehen, außer ich halte ihre Hand … ich bin weggegangen und hab sie weinen gehört, „Mama, Mama, Mama“ … deine Kinder wollen dich. Die wollen nicht bei denen sein. Die wollen nach Hause, und du hast keine Wahl, du musst dich umdrehen und von ihnen weggehen. (Emma)
Nach den Besuchen fühlten sich die Eltern erschöpft und emotional ausgelaugt; wer auf dem Land lebte, hatte manchmal lange Heimwege in unzuverlässigen öffentlichen Verkehrsmitteln vor sich, ohne jede Privatsphäre. Teilnehmende mit häufigem Umgang empfanden den letzten Besuch der Woche als besonders schwer, weil das Wochenende vor ihnen lag. Wenn eine Familienzeit abgesagt wurde, waren die Eltern untröstlich (siehe Abbildung 10).
[Abbildung 10 (Meine Kleine war krank, also konnte ich sie nicht sehen. Ich hab die Decke rausgeholt, den Fernseher angemacht und lag einfach so da, den ganzen Tag, den ganzen Tag und die ganze Nacht. (Emma)) — von einer Teilnehmerin aufgenommenes Foto, hier nicht wiedergegeben.]
Der Trennungsschmerz war bei den letzten Abschiedsbesuchen mit einem Kind, das adoptiert werden sollte, besonders heftig, wie Rachael sich lebhaft erinnerte (siehe Abbildung 11).
[Abbildung 11 (Schrecklich, schrecklich. Also der letzte Umgang war extrem schwer. Ich wollte sie einfach hochnehmen und wegrennen. Hab ich aber nicht. Das ist keine gute Idee. (Rachael)) — von einer Teilnehmerin aufgenommenes Foto, hier nicht wiedergegeben.]
Zu Hause fanden manche Eltern Trost in den Sachen ihres Kindes, in der Versorgung ihrer Haustiere (siehe Abbildung 12), beim Fernsehen oder Gaming: „Ich bin wieder ins Bett gegangen und hab mich an einen ihrer Teddybären gekuschelt, und einen davon hab ich heute noch. Ich kuschel mich jede Nacht an ihn und denk an sie“ (Carly).
[Abbildung 12 (Normalerweise werfen wir den Ball, er rennt los … Der Hund hat gemerkt, dass unsere Kinder nicht da sind … er ist bei Fremden ein bisschen komisch … er hat definitiv was mitgekriegt, und ich glaub, er will jetzt einfach seine Familie beschützen, so in der Art. (Jake)) — von einem Teilnehmer aufgenommenes Foto, hier nicht wiedergegeben.]
Manche Eltern fanden auch Trost in dem Wissen, dass ihr Kind in seiner neuen Familie Sachen von zu Hause bei sich hatte: „Ein paar davon hat sie jetzt bei sich, von als sie ein Baby war … weil ihre Tante sie mitgenommen hat“ (Carly).
Zwei Eltern erwähnten die Anstrengung, die es kostete, nach den Besuchen dem Trost durch Suchtmittel zu widerstehen: „[Ich hab] wahrscheinlich einfach auf Facebook gesessen und nicht geredet, weil ich keinen Alkohol oder Drogen genommen hab, um alles auszublenden, es war ehrlich gesagt nur Angst und Stille“ (Rachael).
Alle 10 Eltern hatten Erfahrung mit fachlich begleitetem Umgang, und die meisten mochten ihn nicht (siehe Abbildung 13). Begleitete Familienzeit war für Eltern mit Lernschwierigkeiten besonders negativ, wenn sie Teil einer spezialisierten Begutachtung ihrer Versorgungsfähigkeit war, die sie als verwirrend und unfair erlebten:
Die haben mich beobachtet. Wie ich mich um ein Kind kümmere. Das hat sich nicht schön angefühlt, ich mag es nicht, wenn Leute mir zugucken, wie ich mich um meine eigene Tochter kümmere … Ich hab was richtig gemacht. Aber die haben hingeschrieben, dass ich es falsch gemacht hab, es war, als hätten die sich gar nicht die Mühe gemacht zu helfen oder so, die haben nur Sachen aufgeschrieben. (Carly)
[Abbildung 13 (Die Tasse Tee im Umgangszentrum. Aber weißt du, du musst sie austrinken, du darfst sie nicht mit reinnehmen. Man wünscht sich, die Umgangsbegleitung wäre nicht da … Ich musste die Snacks mitbringen; das war Teil der Begutachtung … das ist Mist. Wenn du eine Sache falsch machst, werten die alles als falsch. (Jim)) — von einem Teilnehmer aufgenommenes Foto, hier nicht wiedergegeben.]
Die drei Eltern, die vom Fürsprachedienst für Menschen mit Lernschwierigkeiten begleitet wurden, konnten ihre früheren Erfahrungen in ein umfassenderes Muster von Diskriminierung einordnen und forderten spezialisierte Begutachtungen und Schulungen für Fachkräfte. Ihre fortgesetzte Beteiligung an Forschung, Aktivismus oder der Unterstützung anderer schien nach dem Verlust ihrer Kinder zu einer neuen, positiven Elternidentität beigetragen zu haben.
Die Sicht der Eltern, deren Umgang Teil einer Begutachtung war, stand im Gegensatz zu der Sicht derer, die ihre Kinder im Familienzeitzentrum sahen, wo sich die Fachkräfte darauf konzentrierten, alle Beteiligten zu unterstützen:
Am Anfang war es echt schwer. Weil man in einem Raum ist, in dem man noch nie war, und Leute einen beobachten, und man hört die Tastaturen klappern … aber dann gewöhnt man sich dran, man lernt das Personal kennen, und es ist viel leichter. (Mark)
Es ist aber schön, weil ich diese Bindung zu ihnen aufbaue. (Emma)
Insgesamt äußerten sich diese Eltern – in deutlichem Gegensatz zu ihren Gefühlen gegenüber der Sozialen Arbeit – positiv über die Fachkräfte für Familienzeit, eine kaum erforschte Rolle. Sie schätzten Freundlichkeit und die Anerkennung ihres Verlusts ebenso wie Fachwissen und praktische Hilfe bei den Besuchen, besonders wenn diese auf ihre spezifischen Bedürfnisse zugeschnitten waren:
Die verstehen, wie schwer das ist … die wissen alles über Kinder. Und einfach die Art, wie sie einem helfen … Ich wusste nicht richtig, wie man das Fläschchen zubereitet … also haben sie es mir beigebracht, aber jetzt, wo ich weiß, was ich tue, sitzen sie da und lassen mich machen. (Lizzie)
Eine vom Personal ist mit dem Auto losgefahren und hat Windeln für uns geholt. Die sind also echt hilfsbereit … Die sind immer da, geben einem immer gute Ratschläge. Und wenn sie was bemerken, wo man sich ihrer Meinung nach verbessern könnte, sagen sie es einem. (Jake)
Erziehungsunterstützung war für manche Teilnehmende nicht der wichtigste oder einzige Bedarf: Sie konnten in einem geschützten Rahmen gut für ihr Kind sorgen, hatten aber jenseits des Umgangsraums tiefer liegende Schwierigkeiten wie häusliche Gewalt. Der kommunale Familienzeitdienst hatte einigen Eltern umfassendere, sehr geschätzte Hilfe vermittelt, darunter die Weiterleitung an psychiatrische und psychotherapeutische Dienste, Schuldnerberatung und Fürsprache.
Diese Studie hat die Stimmen von Eltern eingefangen, die in der Forschung selten gehört werden: von Eltern in laufenden Kinderschutzverfahren, von Vätern und von Eltern mit Lernschwierigkeiten. Einige Teilnehmende hatten im Laufe der Zeit sehr unterschiedliche Formen des Umgangs mit Kindern in verschiedenen Unterbringungsformen erlebt, was eine differenzierte Diskussion und den Vergleich ihrer Erfahrungen ermöglichte. Für diese zum Schweigen gebrachten Gruppen war es eine Gelegenheit, ihr Erleben zu schildern und weiterzugeben, was sie darüber gelernt hatten, wie man überlebt. Die Teilnehmenden waren von dem Wunsch angetrieben, ihre Geschichte zu erzählen, und von der Hoffnung, das fachliche Verständnis zu vertiefen.
Das wichtigste Ergebnis dieser Studie waren visuelle Bilder und eindringliche elterliche Berichte, die Fachkräfte unmittelbar ansprechen können. Die kreative Methode ermöglichte es den Eltern, auf ihre eigene Weise zu antworten, bot emotionale Sicherheit beim Sprechen über schmerzhafte Gefühle und machte die Forschung für Eltern mit Lernschwierigkeiten zugänglich. Die gezielte Stichprobenziehung stellte sicher, dass die Studie das wenig erforschte Erleben von Männern einschloss, und zeigte geschlechterübergreifend geteilte Verlusterfahrungen (wenngleich kein Vater den Verlust eines Neugeborenen erlebt hatte, der für Mütter besonders tiefgreifend war). Es gab geschlechtsspezifische Unterschiede in den Auswirkungen der Paartrennung: Männer wurden bei stationären Begutachtungen eher von kleinen Kindern getrennt, während Frauen die Hauptlast der Verantwortung trugen, ihre Erziehungsfähigkeit nachzuweisen und die Kinder vor männlicher Gewalt zu schützen. Dies spiegelt ein umfassenderes Muster geschlechtsspezifischer Praxis wider und bedarf weiterer Forschung (Scourfield, 2003).
Wie in anderen Studien waren der Schmerz der Herausnahme sowie die Freuden und Ängste des Umgangs bei Eltern mit und ohne Lernschwierigkeiten universell (Collings et al., 2022; Ross et al., 2017). Die Einbindung in Fürsprachedienste hatte drei Teilnehmenden jedoch eine rechtebasierte Perspektive vermittelt, die die unzureichende Unterstützung, die sie erhalten hatten, als Teil eines umfassenderen Diskriminierungsmusters einordnete. Aktivismus und Forschungsbeteiligung waren für diese Eltern wichtige Überlebensstrategien. Dies unterstreicht sowohl die Bedeutung von Fürsprachediensten als auch die Notwendigkeit, alle Fachkräfte für Familienzeit in diesem Bereich zu schulen. Die visuelle Methode machte die Bedeutung materieller Gegenstände für die Verlustbewältigung sichtbar, die zuweilen Übergangsobjekten ähnelten. Die Sachen der Kinder trugen vielfältige Bedeutungen: als Bekundung der Hoffnung auf ihre Rückkehr, als Erinnerung an ihre Abwesenheit, als Behauptung von Handlungsfähigkeit und als Trost nach den Besuchen. Auch Essen diente dazu, Erinnerungen lebendig zu halten und die Familienidentität zu bewahren. Spielsachen und Lieblingsgegenstände, die den Pflegeeltern mitgegeben oder den Kindern beim Wechsel in eine dauerhafte Familie überreicht wurden, waren Botschaften der Liebe und Sorge. Diese Dinge überschritten die Grenzen von Zeit und Raum, verbanden Zuhause, Umgang und Unterbringung neu und schlugen eine Brücke zwischen einer gemeinsamen Vergangenheit, der zerrissenen Gegenwart und der vorgestellten Zukunft, die in der Familienzeit zusammenliefen. Dies hat Implikationen für die Praxis, denn Snacks und Geschenke können in der Familienzeit ein Konfliktpunkt sein; die Bedeutung und die Botschaften zu erkunden, die sie tragen, könnte helfen, solche Konflikte zu entschärfen.
Die verwendete Methode lieferte zudem neue Einsichten in die Familienzeit als Ereignis im Leben der Eltern und machte die emotionale Wirkung langer Hin- und Rückwege zum Treffpunkt deutlich, besonders für Frauen, die kurz zuvor entbunden hatten. Sie legte auch weitere zeitliche Aspekte des elterlichen Erlebens offen, etwa den letzten Besuch der Woche und die Rückkehr in ein leeres Zuhause. Das Warten – auf den Bus, auf den nächsten Besuch, auf den Ausgang des Verfahrens oder auf die Rückkehr des adoptierten Kindes – beherrscht das Leben der Eltern. Zugleich Eltern und nicht Eltern, ertragen sie etwas, das sich wie ein halbes Leben anfühlen kann, zwischen einer erinnerten gemeinsamen Vergangenheit und einer ersehnten oder gefürchteten Zukunft. Der Umgang ist ein liminaler Raum, in dem die physische Wirklichkeit kurz mit dem Gefühl übereinstimmt, immer noch Eltern zu sein – mit dem Potenzial, den Verlustschmerz sowohl zu lindern als auch neu zu entfachen: Er konfrontiert Eltern mit Belegen für das Leben des Kindes ohne sie und schafft neue elterliche Aufgaben, nämlich Erinnerungen lebendig zu halten und das Kind vor elterlicher Trauer und vor Schaden innerhalb des Hilfesystems zu schützen.
Die Ergebnisse dieser Studie decken sich mit bisheriger Forschung zu Eltern, denen wiederholte Herausnahmen drohen: Diese hebt die Auswirkungen hervor, ein Kind an das Kinderschutzsystem zu verlieren, und zeigt, dass die Leitlinien guter Praxis für die Unterstützung von Eltern, deren Babys bei der Geburt herausgenommen wurden, auf die Unterstützung von Eltern ausgeweitet werden müssen, die im Kinderschutzverfahren von älteren Kindern getrennt werden (Broadhurst und Mason, 2013; Mason et al., 2023). Die Studie ergänzt diese Arbeiten, indem sie elterliche Überlebensstrategien sowohl unmittelbar nach dem Verlust als auch längerfristig identifiziert, etwa die Versorgung von Haustieren oder Aktivismus. Sie erfasst zudem die Sicht einer anderen Gruppe von Eltern: Obwohl einige in dieser Stichprobe wiederholte Herausnahmen erlebt hatten, waren alle inzwischen entweder an Fürsprachedienste angebunden oder nahmen während des Verfahrens sehr häufig Umgang wahr, manche mit Aussicht auf Rückführung; in unterschiedlichem Maß hatten sie die in früheren Studien beschriebene katastrophale Eskalation sozialer Schwierigkeiten vermieden oder überwunden (Broadhurst und Mason, 2013).
Ein zentrales Thema der gesamten Studie war die Bedeutung unterstützender Beziehungen zu Erwachsenen, auch zu Pflegeeltern, wie es bereits die vorhandene Forschung gezeigt hat (Collings und Wright, 2022; Neil et al., 2015). Die Teilnehmenden schätzten zudem die Ermutigung und Akzeptanz durch Angehörige und Freundeskreis, sowohl im Umgang mit der Zeit nach den Besuchen als auch längerfristig, während sie ihr Leben nach der dauerhaften Trennung neu aufbauten. Es gibt Raum für innovative Praxis, um solche Unterstützungsnetzwerke schon zu Beginn des Verfahrens aufzubauen, etwa über die Family Group Conference (Familienrat).
Während die Längsschnittstudie von Neil und Team (2006, 2015) zu Kindern, die in den 1990er-Jahren vermittelt wurden, ergab, dass konstruktive Beziehungen zwischen Eltern und Fachkräften der Adoptionsvermittlung für den Umgang entscheidend waren, nannte keine teilnehmende Person in dieser Studie die für ihr Kind zuständige Fachkraft der Sozialen Arbeit als Quelle von Unterstützung. Dies deckt sich mit breiteren Befunden zu negativen elterlichen Erfahrungen mit heutiger sozialarbeiterischer Intervention im Vereinigten Königreich und unterstreicht die komplexen und widersprüchlichen Anforderungen an Fachkräfte, besonders im Kinderschutzverfahren, wenn sie zugleich Beweise für das Gericht liefern und partnerschaftlich mit Eltern zusammenarbeiten sollen (Davies et al., 2023). Die schleichende Wirkung von Online-Desinformation zeigte sich bei den Eltern, die das gesamte System als korrupt ansahen, und bedarf weiterer Forschung. Zugang zu unabhängiger Beratung und Information, wie sie etwa die Family Rights Group bietet, ist entscheidend.
Syrstad und Slettebø (2020) haben die Zurückweisung einzelner Kinderschutzbedenken als Strategie beschrieben, um die schmerzhafte Dissonanz zwischen dem Selbstbild als guter Elternteil und dem Urteil anderer zu vermeiden; die Zurückweisung des gesamten sozialarbeiterischen und gerichtlichen Systems stellt jedoch einen weit tiefer reichenden Vertrauensverlust dar, der partnerschaftliche Zusammenarbeit unmöglich macht. Dennoch gibt es von Fachpraxis, Forschung, Justiz und Eltern geteilte Bedenken hinsichtlich der Fokussierung auf Adoption, die ebenfalls anerkannt werden müssen, während die Reform der Familienzeit voranschreitet (Featherstone und Gupta, 2020; Public Law Working Group: Adoption Sub-Group, 2023).
Die Teilnehmenden dieser Studie bedienten sich dieser beiden Diskurse – das System sei fehlerhaft oder die Bedenken bezüglich ihres Kindes seien unbegründet – auf differenzierte Weise. Bei manchen galt diese Sichtweise für eines, aber nicht für alle ihrer Kinder, oder sie bestand neben anderen, konstruktiveren Reaktionen, etwa dem Hinarbeiten auf Rückführung und positive Veränderung, der Unterstützung neuer Pflegeeltern, der Hilfe für andere und dem Stolz auf ihr Kind. Dies zeigt, wie komplex die Arbeit mit Eltern ist und wie vielfältig die Strategien sind, mit denen sie diesen Verlust überleben und eine neue Elternidentität aufbauen. Es verweist auch auf die Notwendigkeit, Eltern dabei zu unterstützen, die Fragen der Kinder während der Besuche zu beantworten, und in der Biografiearbeit auf widersprüchliche Darstellungen der Gründe für die Herausnahme einzugehen (Baynes, 2008).
Für alle Eltern in dieser Studie waren die Fachkräfte für Familienzeit nach der Herausnahme ihr wichtigster Kontakt mit der Kinder- und Jugendhilfe. Ihre Berichte legen nahe, dass diese wenig erforschten Beziehungen für das Erleben der Besuche bei ihren Kindern zentral sind. Die drei Eltern in dieser Studie, die den Umgang im Rahmen einer spezialisierten Begutachtung für Eltern mit Lernschwierigkeiten erlebten, machten negative Erfahrungen, die ihre Gefühle von Verlust und Versagen verstärkten; dies könnte eine umfassendere, wenig hilfreiche Vermischung von Umgang und Begutachtung im Vereinigten Königreich widerspiegeln, wie Boddy und Team (2013) festgestellt haben.
Die sieben Eltern, die einen unterstützenden Ansatz erlebten (zwei von ihnen mit Lernschwierigkeiten), fanden die Besuche zwar weiterhin schwer, äußerten sich aber deutlich positiver über die beteiligten Fachkräfte, die sie als kenntnisreich, unabhängig im Denken und hilfsbereit schätzten – mit praktischer Hilfe, Ratschlägen, Weitervermittlungen und Zeit für Gespräche nach den Besuchen. Ein fremduntergebrachtes Kind zu besuchen, ist zentral für die Konstruktion und das Ausleben einer neuen Elternidentität nach der Herausnahme (Said Salem und De Wilde, 2022). In unterschiedlichem Maß konnten diese Mütter und Väter sich im Rahmen vertrauensvoller und respektvoller Beziehungen neu als Eltern verstehen, die Hilfe und Unterstützung brauchen (Ross et al., 2017).
Im Vereinigten Königreich erhält nur eine Minderheit der Eltern nach der Herausnahme Unterstützung durch Organisationen wie Pause (www.pause.org.uk); diese beginnt in der Regel erst nach den endgültigen Entscheidungen und richtet sich vor allem an Mütter adoptierter Kinder. Diese kleine Studie in zwei Kommunen legt nahe, dass unmittelbar nach der Herausnahme, wenn die Beziehungen zur Sozialen Arbeit unter extremer Belastung stehen, das Potenzial besteht, vertrauensvolle Beziehungen zu den Fachkräften der Umgangsbegleitung aufzubauen, die es Müttern und Vätern ermöglichen können, den Verlust zu überleben und Hilfe für positive Veränderungen anzunehmen. Damit dies gelingt, müssen die Fachkräfte für Familienzeit wertgeschätzt werden und ausreichend Zeit, Unterstützung und Ressourcen für diese Arbeit erhalten; ein spezialisiertes Modell ist dafür nicht nötig, nur ein neues Verständnis des Auftrags des Familienzeitdienstes, das emotionale und praktische Unterstützung der Eltern, Information und Wegweisung zu anderen Angeboten einschließt. Angesichts der Bereitschaft der Eltern, in diesem Rahmen Hilfe anzunehmen, könnten in manchen Zentren sogar Angebote wie die Unterstützung bei häuslicher Gewalt mit angesiedelt werden. Entscheidend ist, in allen Diensten eine angemessene Schulung und Anpassung an die Bedürfnisse von Eltern mit Lernschwierigkeiten sicherzustellen.
Umgang zu planen und zu begleiten, ist anspruchsvoll, und die Bedürfnisse von Eltern, Kindern und Pflegepersonen können miteinander in Konflikt stehen; vielfältige Perspektiven müssen verstanden werden. Doch die Gefühle der Eltern zählen – für sich genommen, als Personen, und weil ihre Gefühle für die Kinder zählen. Eine zentrale Botschaft der Teilnehmenden dieser Studie ist ihr Bedürfnis, weiterhin als Eltern anerkannt zu werden – als Eltern, die ein Kind verloren haben. Vor allem anderen schätzen sie Respekt, Freundlichkeit, Mitgefühl und praktische Unterstützung. Mütter und Väter wie diese haben wertvolles Wissen und Überlebenskompetenzen weiterzugeben. Die Beteiligung an Forschung, Aktivismus und an der gemeinsamen Entwicklung von Materialien sowie Gruppenunterstützung können dieses Wissen verbreiten, zugleich Isolation verringern und zu einem neuen, positiven Identitätsgefühl als Elternteil beitragen, der Hilfe braucht, der aber auch anderen hilft und zur Entwicklung besserer Angebote beiträgt.
Complexe Systémique: Kernpunkte
Diese Studie verlagert den Fokus vom Kind auf die Eltern und von der Unterbringung auf den Weg, das Warten und die Rückkehr in ein leeres Zuhause. Aus systemischer Sicht erscheint die Familienzeit als liminaler Raum, in dem sich zwei Familien, ein Gericht und ein Dienst begegnen und in dem jeder Gegenstand (ein Snack von früher, ein zurückgegebener Teddybär, ein sterilisiertes Spielzeug) eine Botschaft zwischen Zuhause und Unterbringung überbringt. Der für die Praxis nützlichste Punkt ist der Kontrast zwischen zwei Kontexten: Dient der Besuch der Begutachtung, vertieft er das Gefühl des Versagens, besonders bei Eltern mit Lernschwierigkeiten; ist er als Unterstützung angelegt, nehmen auch Eltern, die mit der Sozialen Arbeit gebrochen haben, Hilfe an. Der Text lädt zudem ein, mit Wut und Misstrauen zu arbeiten, ohne sie abzuwerten, als Überlebensstrategien. Die Grenzen sind die einer kleinen Stichprobe (10 Eltern), ausschließlich weiß, rekrutiert in zwei Kommunen, von denen eine einen ungewöhnlich starken Fokus auf Unterstützung hatte. Lesenswert in Verbindung mit dem Artikel über systemisches Arbeiten mit Eltern fremduntergebrachter Kinder und der Übersichtsarbeit zur Beziehung zwischen leiblichen Eltern und Pflegeeltern.
Anmerkungen aus dem Original
Erklärung zu Interessenkonflikten. Die Verfasserin erklärte, dass im Hinblick auf die Forschung, die Autorschaft und/oder die Veröffentlichung dieses Artikels keine potenziellen Interessenkonflikte bestehen.
Finanzierung. Die Verfasserin gab an, für die Forschung, die Autorschaft und/oder die Veröffentlichung dieses Artikels folgende finanzielle Unterstützung erhalten zu haben: UK Research and Innovation, Economic and Social Research Council, Förderkennzeichen: ES/P000630/1.
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Dies ist eine inoffizielle Übersetzung des Originalartikels „‘I lived for those mornings’: Parents’ experiences of visiting their children in care“, erschienen in Adoption & Fostering (2026) unter der Lizenz CC BY 4.0. Von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz ins Deutsche übersetzt und für die Online-Lektüre angepasst, wie am Anfang dieser Seite dargelegt; maßgeblich ist die Originalfassung.
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Baynes, P. (2026). ‘I lived for those mornings’: Parents’ experiences of visiting their children in care. Complexe Systémique. https://app.complexe-systemique.com/en_GB/articles/i-lived-for-those-mornings-parents-experiences-of-visiting-their-children-in-care (Originalwerk 2025 erschienen in Adoption & Fostering, 50(1), 7-33 (2026); 2026 neu veröffentlicht von Adoption & Fostering, https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/03085759251393716)
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