Diese Fassung wurde von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz aus dem Englischen übersetzt. Im Zweifelsfall ist die Originalfassung maßgeblich.
Journal of Solution Focused Practices · Forschungsüberblick
Jedes Jahr aktualisiert die Forschungsarbeitsgruppe der European Brief Therapy Association die von Alasdair Macdonald übernommene Liste der Studien zum lösungsfokussierten Ansatz. Für 2022: 58 Studien mit 3.582 Teilnehmenden, zwei Drittel aus Asien und vor allem aus dem Iran, nur fünf aus Europa, häufiger Gruppen als Einzelpersonen, häufiger Messungen von Problemen als von Lösungen, und Ergebnisse, die gegenüber keiner Behandlung stets positiv, meist aber gleichwertig mit anderen Ansätzen sind. Eine ehrliche Momentaufnahme eines Feldes, das seit zwanzig Jahren als „vielversprechend“ gilt, und eine Liste dessen, was veröffentlicht werden müsste, damit es nicht nur das bleibt.
Inoffizielle deutsche Übersetzung von Research on the Solution-Focused Approach in 2022: A Scoping Review von Andreea M. Żak, Rytis Pakrosnis und Evgeniya Kuminskaya, erschienen im Journal of Solution Focused Practices (2023), doi: 10.59874/001c.90976, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique im Oktober 2026 mit Unterstützung künstlicher Intelligenz: Der Originaltext wurde ins Deutsche übersetzt und neu gesetzt, die beiden Abbildungen (Verteilung nach Ländern, Verteilung nach Anzahl der Sitzungen) werden im Text beschrieben und die Liste der Empfehlungen steht an ihrer logischen Stelle, was eine Bearbeitung des Werks im Sinne der Lizenz darstellt. Tabelle S1 und die Liste der eingeschlossenen Studien sind weiterhin als ergänzendes Material auf der Website der Zeitschrift verfügbar. Diese Übersetzung stammt weder von den Verfassenden noch vom Verlag, die weder für ihren Inhalt noch für etwaige Fehler verantwortlich sind. Maßgeblich ist die Originalfassung.
Abstract. Im Anschluss an eine Ende der 1990er-Jahre von Dr. Alasdair Macdonald begonnene Initiative führt und aktualisiert die European Brief Therapy Association (EBTA) weiterhin eine Liste mit Verweisen auf Forschungsarbeiten und andere relevante Veröffentlichungen zum lösungsfokussierten Ansatz. Das vorliegende Scoping Review von Mitgliedern der Forschungsarbeitsgruppe der EBTA sollte Trends in Methodik und Ergebnissen ermitteln, die sich aus der neuesten, in die Liste aufgenommenen Forschung zu lösungsfokussierten Praktiken ergeben. Insgesamt wurden 58 im Jahr 2022 veröffentlichte Forschungsartikel identifiziert und auf die wichtigsten Trends hinsichtlich der Merkmale von Stichprobe, Studie und Intervention sowie der Hauptergebnisse geprüft. Im Verlauf des Scoping Reviews ergaben sich aus den Daten für jeden dieser Aspekte mehrere Trends. Neben der Zusammenfassung der wichtigsten Trends werden im Artikel damit zusammenhängende Themen und Fragen erörtert, die für Fachkräfte in der Praxis, Forschende und die gesamte lösungsfokussierte Gemeinschaft wichtig sind. Abschließend werden Empfehlungen für künftige Forschung formuliert, die helfen sollen, offene Fragen zu beantworten, die für die Etablierung des lösungsfokussierten Ansatzes als evidenzbasierte Praxis relevant sind.
Schlüsselwörter: lösungsfokussierter Ansatz, Scoping Review, Ergebnisforschung
Seit Beginn seiner Entwicklung ist der lösungsfokussierte Ansatz recht umfassend untersucht worden; jedes Jahr werden mehrere Ergebnis- und Prozessstudien durchgeführt und veröffentlicht. Angesichts der rasch wachsenden Zahl veröffentlichter Arbeiten, die für Personen außerhalb der Wissenschaft nur eingeschränkt zugänglich sind, und der Notwendigkeit, den Ansatz zu etablieren, begann Dr. Alasdair Macdonald Ende der 1990er-Jahre die Solution-Focused Brief Therapy Evaluation List – eine Sammlung empirischer Belege mit kurzen Zusammenfassungen und weiteren Informationen, die für die Etablierung und Anerkennung des lösungsfokussierten Ansatzes durch Regierungen und Behörden in verschiedenen Ländern relevant sind. Seit 2018 hat die Forschungsarbeitsgruppe der European Brief Therapy Association (EBTA RTG) das Privileg und die Verantwortung übernommen, Verweise auf Forschungsartikel weiter zu sammeln, zu aktualisieren und auf der Website der EBTA zu veröffentlichen (https://www.ebta.eu/sf-research-list/). Die Mitglieder der EBTA RTG bemühen sich aktiv, möglichst viele veröffentlichte Forschungsarbeiten zu Ergebnissen und Prozess des lösungsfokussierten Ansatzes in unterschiedlichen Settings, Kontexten und Ländern ausfindig zu machen und zu sammeln (Einzelheiten im Abschnitt Methoden); die Links dazu werden anschließend auf der Website eingestellt und für eine bequemere Suche oder Analyse kategorisiert. Außerdem werden theoretische Artikel aufgenommen, die neue Konzepte oder Anwendungen beschreiben, die zur Weiterentwicklung beitragen können, sowie Validierungsstudien zu Messinstrumenten, die lösungsfokussierte Werkzeuge vorstellen. Da der lösungsfokussierte Ansatz in verschiedenen Praxisfeldern angewandt wird, die nicht auf den therapeutischen Kontext beschränkt sind, enthält die Liste Forschungsarbeiten und Veröffentlichungen zu lösungsfokussierten Praktiken (SFP, nach dem englischen solution-focused practices).
Die bisherige Forschung hat durchgängig gezeigt, dass der lösungsfokussierte Ansatz für eine große Vielfalt von Personen und Problemen in unterschiedlichen Kontexten hilfreich ist. Dennoch ist die Evidenz noch spärlich und nicht stark genug; sie weist als evidenzbasierte Praxis nur auf „vielversprechende“ Ergebnisse hin (Bond et al., 2013; Franklin & Hai, 2021; Zhang et al., 2018). Daher wird immer wieder mehr Forschung gefordert, um diesen vielversprechenden Ergebnissen Gewicht zu verleihen. Neben neuer Forschung sind Übersichtsarbeiten und Metaanalysen der vorhandenen Forschung ein weiterer wichtiger Schritt, um mehr darüber zu erfahren, ob und wie ein Ansatz zur Veränderung wirkt. Zwar wurden im Kontext der SFP mehrere Metaanalysen und systematische Reviews durchgeführt, doch wurde unseres Wissens bisher kein Scoping Review erstellt, das die in einem bestimmten Zeitraum veröffentlichte SFP-Forschung kartiert, um aktuelle Trends und Lücken zu ermitteln.
Bei der Aktualisierung der Liste mit Forschung zu lösungsfokussierten Praktiken hat die EBTA RTG für 2022 eine beträchtliche Zahl von Veröffentlichungen ermittelt. Daher haben wir als Mitglieder der EBTA RTG beschlossen, jährliche Scoping Reviews der im Vorjahr veröffentlichten Forschung durchzuführen, um neu entstehende Trends, Lücken und Herausforderungen zu verfolgen. Wir meinen, dass solche Reviews als jährliche Momentaufnahmen der Forschung zu lösungsfokussierten Praktiken dienen können: Sie bieten Fachkräften in der Praxis Einsichten, Forschenden Anregungen und Ideen und der gesamten lösungsfokussierten Gemeinschaft ein tieferes Verständnis dafür, wo wir mit der Evidenz für den Ansatz stehen und wohin wir gehen. Dieser Artikel stellt das erste Scoping Review der 2022 veröffentlichten SFP-Forschung vor.
Das vorliegende Review sollte folgende Fragen beantworten: (1) In welchen Kontexten wurde die Forschung zu SFP hauptsächlich durchgeführt, d. h. Land, Stichprobe und Setting, und in welchen Zeitschriften wurde sie veröffentlicht?; (2) Wie wurde die Forschung hauptsächlich durchgeführt, d. h. welche Designs, Methodik, Instrumente und Kontrollgruppen wurden verwendet?; (3) Was waren die wichtigsten Merkmale der Interventionen?; und (4) Was waren die wichtigsten untersuchten Zielgrößen und Ergebnisse?
Um die auf der Website der EBTA verfügbare Literaturliste in Bezug auf aktuelle Veröffentlichungen zum lösungsfokussierten Ansatz auf dem neuesten Stand zu halten, werden Google-Scholar-Benachrichtigungen neben regelmäßigen Recherchen in wissenschaftlichen Datenbanken wie EBSCO, Science Direct und Scopus genutzt. Relevante Studien werden berücksichtigt, wenn sie (1) Originalforschung oder (2) eine Übersicht über Ergebnisse oder Prozess des lösungsfokussierten Ansatzes umfassen, unabhängig vom Anwendungsfeld (z. B. Therapie, Bildung, Coaching) und vom verwendeten methodischen Design, oder wenn sie (3) eine theoretische Diskussion, (4) eine Methodenbeschreibung oder (5) eine Instrumentenvalidierung darstellen, die zu künftiger Forschung und Entwicklung beitragen kann. Berücksichtigt werden nur veröffentlichte Artikel, unabhängig von der Publikationssprache. Es sei darauf hingewiesen, dass die Liste nicht erschöpfend ist und nur Veröffentlichungen enthält, die der EBTA RTG zugänglich und in den genannten Datenbanken indexiert sind.
Im Jahr 2022 wurden insgesamt 71 veröffentlichte Arbeiten ermittelt. Davon waren 58 (81,7 %) Forschungsartikel, 6 (8,45 %) Übersichtsarbeiten (2 systematische Reviews, 1 Metaanalyse, 2 theoretische Übersichten und 1 Scoping Review), 6 (8,45 %) theoretische oder beschreibende Arbeiten und 1 (1,4 %) eine Validierungsstudie zu einem Instrument. Um die Forschungstrends 2022 zu ermitteln, konzentrierten wir uns ausschließlich auf die 58 Forschungsartikel, die sich mit den Ergebnissen (Anzahl der Primärstudien k = 47; 81%), mit Prozess und Ergebnis (k = 8; 13,8 %) oder mit dem Prozess (k = 3; 5,2 %) des lösungsfokussierten Ansatzes befassten. Der Reviewprozess folgte drei aufeinanderfolgenden, für Scoping Reviews typischen Schritten: (1) erstes Screening jedes Artikels, um seine Übereinstimmung mit den Einschlusskriterien zu prüfen, gefolgt von der Extraktion von Informationen zu folgenden Aspekten: Merkmale der Publikation, der Stichprobe, der Studie und der Intervention sowie Hauptergebnisse; (2) quantitative Zusammenfassung jedes Aspekts; und (3) Synthese der Informationen zu Haupttrends für jeden geprüften Aspekt. Im ersten Schritt wurde der Artikelpool zu gleichen Teilen auf die drei Verfassenden aufgeteilt, die getrennt am Screening und an der Extraktion der relevanten Informationen anhand eines vereinbarten Formulars arbeiteten. Ergaben sich Fragen, wurde derselbe Artikel von einer weiteren Person aus dem Team gescreent und geprüft, meist von der erstverfassenden Person. Der zweite Schritt wurde von der erstverfassenden Person durchgeführt; die Ergebnisse wurden anschließend vom gesamten Team diskutiert und gebilligt. Der dritte Schritt erfolgte gemeinsam – das ganze Team diskutierte die beobachteten Trends, bis Einigkeit erzielt war.
Die aus der Analyse der 58 Forschungsartikel gewonnenen Trends werden zusammengefasst, indem zunächst die Merkmale der Publikation, der Stichprobe, der Methodik und der Intervention beschrieben werden. Danach werden die wichtigsten untersuchten Zielgrößen und Ergebnisse dargestellt.
Die Merkmale der Publikation, der Stichprobe, der Methodik, der Intervention sowie die Hauptergebnisse der einzelnen geprüften Artikel sind in Tabelle S1 zusammengefasst (siehe „Data Sets/Files to download“).
Die Mehrheit der 58 Forschungsartikel wurde auf Englisch veröffentlicht (k = 46; 79,3 %), seltener auf Persisch (k = 7; 12,1 %), Indonesisch (k = 4; 6,9 %) und Malaiisch (k = 1; 1,7 %). Die Artikel erschienen in verschiedenen Zeitschriften, von denen vier mehr als einen Beitrag enthielten, nämlich Journal of Solution Focused Practices (k = 5; 8,6 %), Jurnal Bimbingan Konseling (k = 3; 5,2 %), International Journal of Systemic Therapy (k = 2; 3,4 %) und Perspectives in Psychiatric Care (k = 2; 3,4 %).
Da Indexierung und Zitationswerte einer Zeitschrift (zumindest in akademischen Diskussionen) allgemein als Merkmale gelten, die den Impact einer Publikation bestimmen, haben wir die Zeitschriften auch unter diesem Gesichtspunkt geprüft. Wir analysierten Indexierungs- und Zitationsdaten aus den drei gängigsten Quellen: den Impact Factor (IF) aus den Journal Citation Reports (JCR) von Clarivate (Daten von 2022), den Indikator SCImago Journal Rank (SJR) von Scopus (Daten von 2022) und den h5-Index von Google Scholar (Daten von 2018–2022). Unsere Analyse ergab, dass 47% (k=27) der Zeitschriften in keinem dieser Indizes gelistet und indexiert waren. Dagegen waren 28% (k = 16) der Zeitschriften in allen indexiert. Einer oder beide der Werte IF und SJR lagen für 31% (k = 18) der Zeitschriften vor, der h5-Wert für 50% (k= 29). Die Werte reichten von 0,5 bis 5 beim IF, von 0,29 bis 2,16 beim SJR und von 7 bis 212 beim h5.
Abbildung 1. Verteilung der 2022 veröffentlichten SFP-Forschung nach Ländern. Abbildung nicht wiedergegeben.
Die 2022 in die Liste aufgenommene Forschung wurde in 15 Ländern (siehe Abbildung 1) aus aller Welt durchgeführt. Bemerkenswert ist, dass die meisten Forschungsarbeiten aus Asien stammten (k = 37; 63,8 %), vor allem aus Ländern des Nahen Ostens und Südostasiens. Traditionell haben Forschende aus den USA einen recht erheblichen Beitrag zur Forschung über lösungsfokussierte Praxis geleistet (k = 12; 20,7 %). Bedenkt man jedoch, dass SFP in ganz Europa gut etabliert sind und angewandt werden, überrascht es, dass nur fünf (8,6 %) der veröffentlichten Forschungsarbeiten aus diesem Teil der Welt stammten. Die wenigsten Beiträge kamen 2022 schließlich aus Afrika (k = 3; 5,2 %) und Südamerika (k =1; 1,7 %).
Insgesamt nahmen 3.582 Personen an den Studien teil (Mittelwert = 61.76 pro Studie; Spanne 1 bis 468). Die Stichproben wurden vor allem im Bildungsbereich (k = 20; 34,5 %) und in medizinischen/gesundheitlichen oder ambulanten Versorgungssettings (k = 17; 29,3 %) rekrutiert. Andere Settings waren seltener vertreten, nämlich Beratungsdienste (k = 7; 12,1 %), soziale Dienste (k = 4; 6,9 %), arbeitsplatzbezogene Settings (k = 2; 3,4 %), private Praxis (k = 2; 3,4 %), Coaching (k = 1; 1,7 %) oder Ausbildungsambulanzen (k = 1; 1,7 %). Bei 6,9 % der Studien war diese Information entweder nicht angegeben (k = 1; 1,7 %) oder nicht verfügbar (k = 3; 5,2 %).
In den meisten Studien waren die Teilnehmenden Erwachsene (k = 39; 67,2 %), während Jugendliche (k = 14; 24,1 %) oder altersgemischte Stichproben (k = 4; 6,9 %) seltener vertreten waren. Bei einem Artikel (1,7 %) war die Information für das Forschungsteam nicht verfügbar. Die Mehrheit der Studien (k = 30; 51,8 %) beruhte auf Stichproben mit einem höheren Anteil an Frauen als an Männern (d. h. mehr als 51% der Stichprobe); in etwa der Hälfte dieser Studien (k = 16) nahmen ausschließlich Frauen teil. Stichproben mit mehr Männern als Frauen (d. h. mehr als 51% der Stichprobe) wurden dagegen nur in 10,3 % (k = 6) der Studien verwendet, wobei die Hälfte davon (k = 3) nur männliche Teilnehmende umfasste. Eine ausgeglichene Geschlechterverteilung fand sich in 15,5 % (k = 9) der Studien. Allerdings gaben 17,2 % (k = 10) der Studien das Geschlecht der Teilnehmenden nicht an, und bei 5,2 % (k = 3) der Studien war diese Information nicht verfügbar. Weitere demografische Merkmale (z. B. ethnische Zugehörigkeit, Bildung, Beziehungsstatus) wurden noch seltener berichtet, was ihre Analyse verhinderte.
Design und Methodik. Die große Mehrheit der Studien (k = 42; 72,4 %) verwendete eine quantitative Forschungsmethodik; qualitative (k = 6; 10,3 %) oder Mixed-Methods-Forschung (k = 10; 17,3 %) war seltener vertreten. Die vorherrschenden Forschungsdesigns waren nach Angaben der Studien quasi-experimentelle oder experimentelle Designs (k =26; 44,8 %) und randomisierte kontrollierte Studien (RCT; k = 14; 24,1 %); seltener kamen Fallstudien (k = 8; 13,8 %), Prä-Post-Designs (k = 4; 6,9 %) oder Mixed-Methods-Designs (k = 2; 3,4 %) vor. Andere methodische Ansätze (k = 4; 6,9 %), etwa Mikroanalyse, thematische Analyse, der Ansatz praxisbasierter Evidenz und Aktionsforschung in der Beratung, wurden jeweils in einzelnen Studien verwendet.
Instrumente zur Ergebnismessung. In der geprüften Forschung zeigte sich eine starke Tendenz, problemfokussierte Zielgrößen zu messen, entweder als einzigen Aspekt von Interesse (k = 22; 37,9 %) oder in Kombination mit positiv ausgerichteten (k = 15; 25,9 %) oder lösungsfokussierten (k = 5; 8,6 %) Aspekten. Positiv ausgerichtete (k = 13; 22,4 %) oder lösungsfokussierte (k = 1; 1,7 %) Zielgrößen waren als alleiniger Schwerpunkt seltener. In zwei (3,4 %) Prozessstudien war der Einsatz eines Messinstruments nicht zutreffend.
Art der Kontrollgruppe. Die Mehrheit der Studien (k = 40; 69%) gab an, Kontroll- oder Vergleichsgruppen verwendet zu haben. Davon verglichen drei Studien (7,5 %) die Wirkung verschiedener Arten schriftlicher Fragen, die in getrennten Bedingungen gestellt wurden; eine davon enthielt zusätzlich eine passive Kontrollgruppe. Passive (k = 12; 20,7 %), aktive (k = 12; 20,7 %) und gemischte (k = 10; 17,2 %) Kontrollgruppen kamen ähnlich häufig vor. Passive Kontrollen bestanden häufiger in keiner Behandlung (k = 18; 45%) als in einer Warteliste (k = 3; 7,5 %). Eine (2,5 %) Studie präzisierte die Art der passiven Kontrolle nicht. Knapp die Hälfte der aktiven Kontrollen bestand in der üblichen Behandlung (Treatment as usual, TAU; k = 9; 22,5 %), die andere Hälfte im Vergleich der SFP mit anderen bekannten Ansätzen (k = 11; 27,5 %), etwa klientenzentrierter Therapie, narrativer Therapie, emotionsfokussierter Therapie, Compassion-Therapie, behavioraler Paartherapie oder verschiedenen Formen kognitiver Verhaltenstherapie (KVT) wie klassischer KVT oder Schematherapie, Achtsamkeit oder KVT in Kombination mit motivierender Gesprächsführung oder Achtsamkeit. In einer (2,5 %) Studie diente ein Placebo als Kontrollgruppe. Für drei Studien (5,2 %) lagen keine Informationen zur Art der Kontrolle vor, da dem Forschungsteam nur Abstracts ohne diese Angaben zugänglich waren.
Die Merkmale der in den geprüften Arbeiten untersuchten lösungsfokussierten Intervention wurden im Hinblick auf Format (z. B. Einzel-, Gruppensetting) und Modalität (rein vs. kombiniert) analysiert. Auch die Anzahl der Sitzungen wurde betrachtet, da SFP als Kurzzeittherapiemodell entwickelt wurden und Kürze bisweilen als Argument für die Effizienz der SFP angeführt wird.
Format der Intervention. SFP wurden am häufigsten als Gruppenintervention untersucht (k = 26; 44,8 %), darunter fünf Studien, in denen die Intervention infolge der durch die COVID-19-Pandemie bedingten Einschränkungen online oder hybrid stattfand. Die Einzelintervention war mit 14 (24,1 %) Studien das am zweithäufigsten untersuchte Format; in einer dieser Studien wurde zusätzlich Lesematerial über SFP als Intervention eingesetzt. SFP als Paartherapie wurden in sechs (10,3 %) Studien untersucht, von denen drei sie in Form von Gruppensitzungen für Paare anboten. Vier (6,9 %) Studien untersuchten den lösungsfokussierten Ansatz als Übung, bei der die Teilnehmenden gebeten wurden, eine Situation oder ein Ziel zu beschreiben, indem sie bestimmte lösungsfokussierte Fragen beantworteten. Eine gemischte Einzel- und Familienintervention (k = 1; 1,7 %) oder Unterstützung per Online-Chat (k = 1; 1,7 %) wurden in einzelnen Studien untersucht. In drei (5,2 %) Studien wurde das Interventionsformat nicht angegeben, und bei drei weiteren (5,2 %) war diese Information für das Forschungsteam nicht verfügbar.
Modalität der Intervention. Mehr als die Hälfte der Studien (k = 34; 58,6 %) gab an, SFP als reine Interventionsmodalität eingesetzt zu haben. Wegen fehlender detaillierter Angaben in einigen Arbeiten war jedoch nicht immer klar, was die Verfassenden meinten, wenn sie schrieben, den lösungsfokussierten Ansatz verwendet zu haben. Außer bei Gruppeninterventionen, deren Sitzungsprotokolle meist im Artikel selbst veröffentlicht wurden, fehlten mitunter die Beschreibung der SFP-Intervention oder der Hinweis auf verwendete Manuale oder Protokolle. In fast einem Drittel der Studien (k = 17; 29,3 %) wurden SFP mit TAU (k = 3; 5,2 %), Psychoedukation (k = 6; 10,3 %) oder einer großen Vielfalt von Elementen anderer Ansätze, vor allem der KVT, kombiniert. Auch hier waren die Angaben zu diesem Aspekt nicht für alle geprüften Studien angegeben (k = 3; 5,2 %) oder verfügbar (k = 4; 6,9 %).
Abbildung 2. Verteilung der 2022 veröffentlichten SFP-Forschung nach Anzahl der Sitzungen; N = 41 Abbildung nicht wiedergegeben.
Anzahl der Sitzungen. Die genaue Zahl der durchgeführten Sitzungen wurde in 41 (70,7 %) Artikeln angegeben; insgesamt waren es 274 Sitzungen, zwischen 1 und 15, im Durchschnitt 6,37 Sitzungen pro Studie. Zwei weitere Studien nannten nur einen Durchschnitt, nämlich 14,48 (Medina et al., 2022), oder eine Spanne, nämlich 1 bis 29 (Żak, 2022), in beiden Fällen mehr als in den übrigen geprüften Studien. Die Daten dieser beiden Studien wurden daher bei der Berechnung des genannten Durchschnitts und der Spanne nicht berücksichtigt, da Angaben zur Gesamtzahl der Sitzungen fehlten. Bei der Betrachtung der Häufigkeit der in den 41 Arbeiten angegebenen Sitzungen anhand der von früherer Forschung vorgeschlagenen Schwellenwerte von 4 bis 6 Sitzungen (Macdonald, 2011) stellten wir fest, dass weniger Studien eine einzige Sitzung (k = 3; 7,3 %) oder weniger als vier Sitzungen (k = 7; 17,1 %) angaben, während mehr Studien bis zu sechs (k = 10; 24,4 %) oder mehr (k = 21, 51,2 %) Sitzungen nannten (siehe Abbildung 2). Erwähnenswert ist, dass einige Studien, insbesondere solche mit Gruppeninterventionen, in ihrem Design eine festgelegte Sitzungszahl (meist acht) vorsahen. Die Gesamtzahl der Sitzungen hing also nicht immer mit dem „natürlichen Bedürfnis“ der Klientel zusammen, die Intervention zu beenden, weil die therapeutischen Ziele erreicht waren.
Die Wirkung des lösungsfokussierten Ansatzes wurde mit ähnlicher Häufigkeit für eine große Vielfalt von Problemen untersucht, die sich folgenden Bereichen zuordnen lassen: emotionaler Zustand (k = 19; z. B. Depression, Angst, positiver und negativer Affekt), Wohlbefinden (k = 10; z. B. mentale Stärke, Hoffnung), Paar-/Familienbeziehung (k = 9; z. B. eheliche Passung, Konflikte, sexuelle Intimität), kognitive Aspekte (k = 9; z. B. irrationale Überzeugungen, Verarbeitungsgeschwindigkeit), allgemeine Gesundheit (k = 8; z. B. Schmerz, Vitalität, Gesundheitsverhalten), psychische Gesundheit (k = 7; z. B. psychiatrische Symptome), Sucht (k = 7; z. B. Internet, Gaming, Drogen), Verhalten (k = 7; z. B. gewalttätiges Verhalten), Selbst (k = 7; z. B. Selbstwert, Selbstkompetenz) sowie lösungsfokussierte (k = 6; z. B. Lösungssprache, Klarheit langfristiger Lösungen) oder schulische (k = 5; z. B. Schulleistung, akademische Resilienz) Aspekte. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass internalisierende Aspekte am häufigsten untersucht wurden. Mehr als die Hälfte der Studien (k = 30; 51,7 %) untersuchte mehr als einen Aspekt, weshalb die Summe der genannten Kategorien größer ist als die Zahl der geprüften Studien.
Ergebnisse innerhalb der Gruppe (Prätest bis Posttest/Follow-up). Mehr als zwei Drittel der geprüften Studien (k = 39; 67,2 %) untersuchten die Wirkung der SFP, indem sie die Prätest-Ergebnisse mit den Posttest- oder Follow-up-Ergebnissen innerhalb einer Interventionsgruppe verglichen. Die Ergebnisse waren in allen Studien durchgängig positiv. Eine statistisch signifikante positive Veränderung wurde jedoch in 24 (61,5 %) Studien bei allen gemessenen Zielgrößen und in 3 (7,7 %) Studien nur bei einigen der gemessenen Zielgrößen erreicht.
Ergebnisse zwischen Gruppen (SFP vs. Kontroll-/Vergleichsgruppe). Wie bereits erwähnt, umfasste das Studiendesign in 40 (69%) Arbeiten eine Vergleichs- oder Kontrollbedingung. Mit zwei Ausnahmen (J. Kim et al., 2022; Yildirim & Aylaz, 2022) berichteten alle Studien Ergebnisse zugunsten der SFP im Vergleich zu keiner Behandlung, Warteliste, Placebo oder TAU. Bessere Ergebnisse erzielten SFP auch in den Studien, in denen die Art der Kontrollgruppe nicht beschrieben oder die Beschreibung für das Forschungsteam nicht verfügbar war.
Gemischte Ergebnisse zeigten die Studien dagegen, wenn die Wirkung der SFP mit anderen bekannten Ansätzen verglichen wurde. Von 11 solchen Studien zeigten 63,3 % (k = 7), dass SFP ähnliche Ergebnisse erzielten wie Schematherapie (Hashemi Saraj et al., 2022), KVT oder KVT in Kombination mit motivierender Gesprächsführung (Johnson et al., 2022; J. S. Kim et al., 2022; Naseriniya & Smkhani Akbarinejhad, 2022), emotionsfokussierte Therapie (Bagheriniya et al., 2022), narrative Therapie (Oktava et al., 2022), Beratung (Sagar & Özabaci, 2022), achtsamkeitsbasierte KVT (Naseriniya & Smkhani Akbarinejhad, 2022) und behaviorale Paartherapie (Ghorbani et al., 2022a). Drei Studien (27,3 %) berichteten signifikante Ergebnisse zugunsten anderer Behandlungen, darunter Achtsamkeit (Zafarghandi et al., 2022), behaviorale Paartherapie (Ghorbani et al., 2022b) und mitgefühlsfokussierte Therapie (Ghari Saadati et al., 2022). Schließlich berichtete nur eine (9,4 %) Studie (Johnson et al., 2022) signifikante Ergebnisse zugunsten der SFP im Vergleich zu einer spirituellen Intervention und zu klientenzentrierter Therapie, aber ähnliche Ergebnisse im Vergleich zur KVT. Ausführliche Informationen zu den Hauptergebnissen enthält Tabelle S1 (ergänzendes Material).
Wirksamkeit des lösungsfokussierten Prozesses. Die 11 (19%) ermittelten Prozessstudien befassten sich entweder damit, wie die Klientel den Prozess erlebte, oder mit der unterschiedlichen Wirkung lösungsfokussierter Fragen auf die Ergebnisse. Eine einzelne Studie untersuchte die von Therapierenden verwendete Sprache und fand signifikante Unterschiede in Häufigkeit und Art des Gebrauchs präsuppositionaler Sprache in der heutigen Praxis im Vergleich zu den Anfängen der SFP-Entwicklung (Froerer et al., 2023). Ebenso wurde die Wirkung der Darbietungsform der lösungsfokussierten Intervention in einer einzelnen Studie untersucht; die Ergebnisse zeigten signifikant bessere Lösungsentwicklungsfähigkeiten der Teilnehmenden, wenn die Intervention online statt hybrid angeboten wurde (J. Kim et al., 2022).
Die Forschung zum Erleben der Klientel wies durchweg auf positive Themen im Zusammenhang mit dem lösungsfokussierten Prozess sowie auf den Nutzen spezifisch lösungsfokussierter Aspekte für die Hilfesuchenden hin (Hsu et al., 2022; Sagar & Özabaci, 2022; Turns et al., 2022; Żak, 2022). Thematische Analysen zeigten, dass die Klientel die Frage nach den größten Hoffnungen („best hopes“) und die Erkundung dessen, was funktioniert, als hilfreiche Elemente erlebte (Firth & Tripathi, 2022), während es ihr schwerfiel, auf die Wunderfrage zu reagieren (Turns et al., 2022). Alle für den lösungsfokussierten Ansatz spezifischen Elemente waren aus Sicht der Klientel hilfreich, ihr Nutzen variierte jedoch mit dem Grad des Engagements (Żak, 2022).
Die Prozess-Ergebnis-Forschung zeigte, dass der Einsatz lösungsfokussierter Fragen im Vergleich zu problemfokussierten Fragen mit einer Verbesserung der gemessenen Zielgrößen einherging, auch wenn der Unterschied nicht bei allen Aspekten statistische Signifikanz erreichte (Koorankot et al., 2022; Solms et al., 2022). Die Ergänzung von Ausnahme- und Wunderfragen um zukunftsgerichtete Zeitmaschinenfragen erhöhte die Bereitschaft, Zeit sinnvoll zu verbringen, signifikant (Takagi et al., 2022). Nach einer lösungsfokussierten Paartherapie wurde zudem eine Zunahme der lösungsfokussierten und eine Abnahme der problemfokussierten Äußerungen der Klientel festgestellt (McDowell et al., 2023).
Die EBTA RTG hat eine recht große Zahl von 2022 veröffentlichten Forschungsarbeiten ermittelt, was das anhaltende Interesse an Ergebnissen und Prozess des lösungsfokussierten Ansatzes in verschiedenen Praxisfeldern widerspiegelt. Einige der geprüften Arbeiten erschienen in hochrangigen Zeitschriften mit guten Zitationswerten, was auf eine gute Berichtsqualität und einen potenziellen Impact in der Wissenschaft und darüber hinaus hindeutet. Fast die Hälfte der Arbeiten wurde jedoch in Zeitschriften veröffentlicht, die weder von Clarivate noch von Scopus oder Google Scholar indexiert werden. Das schmälert nicht automatisch die Qualität der Forschung oder ihrer Darstellung, könnte aber in Diskussionen über Impact und Ansehen der SFP-Forschung zu einem wichtigen Argument werden.
Betrachtet man die Merkmale des Kontexts, in dem die Forschung zum lösungsfokussierten Ansatz vorwiegend durchgeführt wurde, zeigt sich ein Trend: Mehr Forschung kam aus Asien – überwiegend aus Südostasien und dem Nahen Osten (vor allem dem Iran) –, gefolgt von Nordamerika (insbesondere den USA), als aus jedem anderen Teil der Welt, Europa eingeschlossen. Sollte dieser Trend kein Zufall sein, der nur für 2022 gilt, stellt sich die Frage, ob der lösungsfokussierte Ansatz in einigen Teilen der Welt stärker gefördert, angewandt oder erforscht wird als in anderen. Angesichts der geringen Zahl veröffentlichter Studien aus Europa, Afrika und Südamerika stellt sich zudem die Frage, was getan werden könnte, um die Forschung in diesen Regionen zu erleichtern und zu steigern.
Ein weiterer beobachteter Trend betraf das Überwiegen von Studien in Bildungs- oder medizinischen/gesundheitlichen und ambulanten Versorgungssettings, während Beratungsdienste, soziale Dienste und andere Settings wie private Praxis, Arbeitsplatz und Coaching weniger untersucht wurden. Dieser Trend entspricht der Verbreitung des lösungsfokussierten Ansatzes in andere Praxisfelder jenseits des therapeutischen Settings oder der sozialen Dienste, in denen er ursprünglich entwickelt wurde. Die relativ geringe Zahl von Forschungsarbeiten aus Beratungs- bzw. Therapiesettings wirft jedoch die Frage auf, ob die Verbreitung des lösungsfokussierten Ansatzes in andere, nichttherapeutische Praxisfelder die Aufmerksamkeit der Forschenden von seinem Nutzen im ursprünglichen Setting ablenkt.
Die Merkmale der Stichproben zeigten ein deutliches Überwiegen von Studien mit erwachsenen weiblichen Teilnehmenden. Solche Ergebnisse können also auch bedeuten, dass wir mehr über Wirksamkeit und Prozess bei dieser bestimmten Gruppe erfahren werden. Andere demografische Merkmale wurden jedoch nicht in allen Arbeiten einheitlich berichtet, was die Analyse weiterer Trends erschwerte.
Mit Blick auf die Merkmale der Studien war der größte Teil der ermittelten veröffentlichten Forschung auf Ergebnisse ausgerichtet, d. h. es handelte sich um Wirksamkeitsstudien, die einer quantitativen Methodik folgten und überwiegend problemfokussierte statt positiv ausgerichteter oder lösungsfokussierter Ergebnismaße verwendeten. Das mag der allgemeinen Tendenz der Ergebnisforschung entsprechen, Wirksamkeit durch die Abnahme problematischer oder negativer Aspekte statt durch die Zunahme positiver Aspekte unseres Lebens nachzuweisen. Zugleich widerspricht es in gewisser Weise dem Grundgedanken der SFP, nach dem zu suchen, was funktioniert. Die Forschung deckte eine große Vielfalt von Problemen ab, mit ähnlichem Interesse an den verschiedenen Aspekten, mit Ausnahme der emotionalen, die stärker untersucht wurden. Die meisten Forschungsarbeiten untersuchten jedoch jeweils einen anderen spezifischen Aspekt einer allgemeinen Problemkategorie und lieferten so nur spärliche Evidenz für die Wirksamkeit der SFP. Passive, aktive und gemischte Kontrollgruppen wurden in der Forschung des Jahres 2022 ähnlich häufig verwendet. Allerdings wurden Kontrollen ohne Behandlung häufiger eingesetzt als Vergleiche mit anderen bekannten Ansätzen.
Obwohl SFP häufiger als reine Modalität untersucht wurden, zeigt sich in einem Drittel der geprüften Studien eine gewisse wachsende Tendenz, sie mit anderen Ansätzen zu kombinieren oder um psychoedukative Elemente zu ergänzen. Interessanterweise wurden SFP als Gruppenintervention viel häufiger untersucht denn als Einzel- oder Paar-/Familienintervention. Man kann sich fragen, inwieweit diese Trends die reale Welt und die praktische Anwendung der SFP vollständig widerspiegeln. Wird der lösungsfokussierte Ansatz auch in der Praxis häufig in Kombination mit Psychoedukation und anderen Ansätzen eingesetzt? Wird der lösungsfokussierte Ansatz überwiegend im Gruppen- statt im Einzelformat angewandt? Sind dies die Modalität und das Format, in denen SFP angewandt werden sollten, um wirksamer zu sein? Oder spiegelt sich darin wider, dass SFP in verschiedenen Teilen der Welt nach unterschiedlichen Gepflogenheiten und Praktiken angewandt werden?
Bei den Hauptergebnissen zeigte sich ein klarer Trend, da alle Studien positive Ergebnisse innerhalb der Gruppe berichteten. Das deutet darauf hin, dass SFP für eine große Vielfalt von Problemen hilfreich sind, von emotionalen über beziehungsbezogene und selbstbezogene bis zu medizinischen. Keine Studie berichtete negative Wirkungen der SFP, was darauf hindeuten könnte, dass es (zumindest 2022) keine dokumentierte Evidenz dafür gibt, dass dieser Ansatz Schaden verursacht. Das Überwiegen positiver Ergebnisse kann allerdings auch dadurch verzerrt sein, dass ausschließlich veröffentlichte Studien einbezogen wurden, die eher positive als negative Ergebnisse berichten. Dennoch steht dieser beobachtete positive Trend im Einklang mit den Befunden früherer systematischer Reviews oder Metaanalysen, die auch unveröffentlichte Forschung einschlossen (Franklin et al., 2022; Gingerich & Peterson, 2012; Karababa, 2023).
Darüber hinaus haben die Studien durchgängig gezeigt, dass SFP besser abschneiden als passive Kontrollen wie keine Behandlung oder Warteliste, was nahelegt, dass SFP besser sind als keine Intervention. Im Einklang mit dem bekannten Dodo-Bird-Verdikt, wonach alle Veränderungsansätze ähnlich gute Ergebnisse erzielen (Luborsky et al., 2002; Wampold, 2010), zeigte die Mehrheit der Studien eine ähnliche Wirksamkeit der SFP wie anderer bekannter Behandlungen. Während jedoch drei Studien signifikante Ergebnisse zugunsten der anderen Behandlungen fanden (Ghari Saadati et al., 2022; Ghorbani et al., 2022b; Zafarghandi et al., 2022), berichtete nur eine Studie (Johnson et al., 2022) signifikante Ergebnisse zugunsten der SFP, und zwar im Vergleich zu zwei der drei untersuchten anderen Ansätze. Dieser Trend aus der Forschung von 2022 zeigt, dass SFP ein wirksamer Ansatz sind, meist ebenso wirksam wie andere etablierte Ansätze.
Dennoch bleibt die nachgewiesene Wirksamkeit der SFP weiterhin im „vielversprechenden“ Bereich, wie frühere Reviews festgestellt haben (Bond et al., 2013; Franklin & Hai, 2021; Zhang et al., 2018), angesichts der großen Vielfalt untersuchter Settings, Interventionsformate und Ergebnisindikatoren, die dazu führt, dass sich verschiedene Studien mit der Wirkung verschiedener SFP-Formate bei verschiedenen spezifischen Problemen befassen, oft in verschiedenen Settings. Zudem fehlten mehrere wesentliche interventionsbezogene Aspekte wie Format, Modalität und Sitzungszahl in etwa 5% bis 12% der geprüften Arbeiten oder wurden unzureichend berichtet. Mit Ausnahme der Gruppenintervention, deren Protokoll meist im Artikel veröffentlicht wurde, fehlte auch recht häufig die Angabe zur Verwendung eines Manuals oder zu den genauen lösungsfokussierten Elementen. Das erschwert die Bewertung der Wirkung der SFP in gewisser Weise, da Fragen zur Treue (Fidelity) der untersuchten Intervention aufkommen.
Alle diese Befunde sind unter Berücksichtigung der Grenzen des vorliegenden Reviews zu interpretieren. Erstens wurden Screening und Datenextraktion – abgesehen von einem Drittel der eingeschlossenen Artikel, die doppelt geprüft wurden – von den Verfassenden jeweils einzeln durchgeführt. Trotz desselben Extraktionsrahmens können normale menschliche Fehler aufgetreten sein. Zweitens wurde keine statistische Analyse eingesetzt; alle beobachteten Unterschiede in den Trends beruhen daher auf der Sichtprüfung der ermittelten Häufigkeiten. Drittens wurden keine Daten zur Verwendung spezifischer SFP-Elemente oder von Manualen/Protokollen extrahiert, sodass keine genauen Angaben zur Treue der in der Forschung von 2022 verwendeten Intervention gemacht werden können. Schließlich wiesen einige der geprüften Studien komplexe Designs mit gemischten Methoden, mehreren Kontrollen und Ergebnismaßen auf, was ihre Einordnung und Kategorisierung erschwerte. In einigen Fällen mussten Informationen reduziert werden, um in unser Reviewprotokoll zu passen. Künftig könnten wir erwägen, das Protokoll des Scoping Reviews zu verbessern, um all den genannten Grenzen und Herausforderungen besser gerecht zu werden.
Ausgehend von den ermittelten Trends in der 2022 veröffentlichten SFP-Forschung schlagen wir folgende Empfehlungen für künftige Forschung vor. Angesichts des großen Anteils quantitativer Studien, die weiterhin willkommen und aufschlussreich sind, empfehlen wir künftigen Forschenden, auch qualitative oder gemischte Methoden in Betracht zu ziehen, die Antworten auf andere und komplexere Fragen liefern könnten. Auch Replikationsstudien sind nötig, um mehr Evidenz für die Wirksamkeit der SFP bei einem bestimmten Aspekt zu sammeln, einschließlich der Diversität der Stichprobe – nicht nur in kultureller Hinsicht, sondern auch durch eine ausgewogenere Geschlechterzusammensetzung. Die Bündelung von Evidenz in einem Bereich oder zu einem Aspekt führt zu stärkerer Evidenz für Wirksamkeit als die Untersuchung getrennter Aspekte in Einzelstudien.
Angesichts der Vielfalt der Kontexte und Settings, in denen der lösungsfokussierte Ansatz angewandt wird, ist mehr Forschung in anderen als klinischen oder schulischen Settings nötig, einschließlich des Beratungs- bzw. Therapiesettings sowie der sozialen Dienste oder des Justizsystems; Letzteres wurde in der ermittelten veröffentlichten Forschung von 2022 nicht untersucht.
Es sollten mehr Studien gefördert werden, die die Wirkung der SFP im Vergleich zu anderen bekannten Ansätzen untersuchen, statt immer mehr Belege für die Überlegenheit der SFP gegenüber üblichen Kontrollgruppen, insbesondere passiven Kontrollen, anzuhäufen. Auf Grundlage des größten Teils der bereits veröffentlichten Forschung (nicht nur aus dem Jahr 2022) lässt sich bereits sagen, dass SFP wirksamer sind als keine Behandlung. Aktive Vergleiche können zeigen, bei welchen Problemen und welchen Arten von Klientel SFP wirksamer sein können als andere bekannte Ansätze oder – falls sich eine ähnliche Wirksamkeit zeigt – in welchen Fällen SFP effizienter sind, weil sie dieselben Ergebnisse in kürzerer Zeit erreichen und damit die bevorzugte Option darstellen.
Wir fordern außerdem Ergebnisstudien, die die Wirksamkeit des lösungsfokussierten Ansatzes in dem Format und der Modalität untersuchen, in denen er in der realen Praxis am häufigsten eingesetzt wird, um Evidenz zu liefern, die dem Bedarf der Fachkräfte in der Praxis nahekommt. Wird der lösungsfokussierte Ansatz in Kombination mit Psychoedukation oder anderen gut etablierten Ansätzen wie der KVT eingesetzt, könnten auch Notwendigkeit und Nutzen des Verzichts auf reine SFP beschrieben und erläutert werden. RCT könnten hilfreich sein, um zu untersuchen, ob die Kombination zweier wirksamer Ansätze, d. h. SFP und KVT, zu einer stärkeren Verbesserung durch den ersten, den zweiten oder beide führt.
Wir fordern mehr Prozess-Ergebnis-Studien, die mehr Wissen über den Veränderungsprozess nach Anwendung des lösungsfokussierten Ansatzes liefern oder darüber, wie verschiedene SFP-Elemente zu den Ergebnissen beitragen. Schließlich sind weitere Studien zur Effizienz der SFP (z. B. Kosten-Nutzen-Verhältnis, vergleichende Kürze, optimale Dosis) willkommen, da wir über diesen Aspekt sehr wenig wissen, der für Gesetzgebende und Entscheidungstragende in verschiedenen Praxisfeldern besonders wichtig ist.
Forschende sollten auch erwägen, ihre Arbeiten in Zeitschriften zu veröffentlichen, die in bekannten und allgemein anerkannten Datenbanken (z. B. Clarivate, Scopus, Google Scholar) indexiert sind und gute Zitationswerte aufweisen. Bei der Veröffentlichung ihrer Studien und Ergebnisse ermutigen wir Forschende, grundlegende Informationen sorgfältig zu berichten, damit die veröffentlichten Arbeiten helfen, Antworten auf Fragen zu finden wie: „Welches Format und welche Modalität der Intervention (z. B. Einzel-/Gruppen-/Paarsetting; rein oder mit etwas kombiniert) ist für welche Gruppe von Klientinnen und Klienten, in welchem Setting, bei welcher Art von Problemen und im Vergleich womit hilfreich?“. Wir empfehlen daher, grundlegende Angaben zu machen über:
Es ist darauf hinzuweisen, dass alle diese Trends und Empfehlungen auf den von der EBTA RTG ermittelten veröffentlichten Forschungsarbeiten beruhen, die in die auf der Website ebta.eu geführte Liste aufgenommen wurden. Es handelt sich nicht um ein systematisches Review, sondern um eine Sammlung von Veröffentlichungen zu Ergebnissen und Prozess der SFP, von denen zumindest das Abstract online verfügbar ist. Trotz der Recherche auf verschiedenen Plattformen und in verschiedenen Datenbanken hatten die Mitglieder der EBTA RTG möglicherweise nicht Zugang zu allen veröffentlichten Arbeiten. Dennoch erlaubt die große Menge der 2022 veröffentlichten und von der EBTA RTG ermittelten Forschung, methodische und ergebnisbezogene Trends und Fragen zu erkennen. Bei ihrer Betrachtung fällt auf, dass mehrere wichtige Fragen, die für die Etablierung des lösungsfokussierten Ansatzes als evidenzbasierte Praxis relevant sind, in künftiger Forschung noch beantwortet werden müssen. Wie bereits erwähnt, planen wir, in den kommenden Jahren ähnliche jährliche Reviews der SFP-Forschung fortzuführen, die Vergleiche und die Verfolgung der Entwicklung von Forschungstrends über einen längeren Zeitraum ermöglichen werden.
Ethikerklärung: nicht zutreffend, da die Studie ausschließlich auf bereits veröffentlichter Literatur beruht. Interessenkonflikte: keine. Finanzierung: keine. Eingereicht am 25. Oktober 2023, angenommen am 8. Dezember 2023.
Complexe Systémique: das Wichtigste
Der erste Teil einer jährlichen Reihe und die nützlichste Bestandsaufnahme für alle, die ohne Schlagworte über Wirksamkeit sprechen wollen. Drei Zahlen sind festzuhalten: 58 Studien, davon 63% aus Asien und fünf aus Europa; 47% in Zeitschriften veröffentlicht, die in keinem Index geführt werden; und im Vergleich zu anderen Therapien sieben gleichwertige, drei ungünstige und ein günstiges Ergebnis. Mit anderen Worten: das Dodo-Bird-Verdikt, zu dem sich die Verfassenden bekennen. Was das Review zwischen den Zeilen sagt, ist für die klinische Praxis interessanter: Die Forschung misst Probleme, die abnehmen, selten Lösungen, die wachsen, und feste Gruppenprotokolle mit acht Sitzungen widersprechen der Idee einer Therapie, die endet, wenn die Person sie nicht mehr braucht. Zu lesen zusammen mit Żaks Studie darüber, was die Klientel als hilfreich erlebt, dem Review von Eads und Lee und Kort, Froerer und Walker zu den gemeinsamen Wirkfaktoren.
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Inoffizielle deutsche Übersetzung von Research on the Solution-Focused Approach in 2022: A Scoping Review von Andreea M. Żak, Rytis Pakrosnis und Evgeniya Kuminskaya, erschienen im Journal of Solution Focused Practices, Bd. 7, Nr. 1 (2023), doi: 10.59874/001c.90976, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzung und Satz: Complexe Systémique, Oktober 2026, mit Unterstützung künstlicher Intelligenz; das Werk wurde im Sinne der Lizenz bearbeitet (Text übersetzt, Abbildungen beschrieben, Liste umgestellt). Diese Übersetzung stammt weder von den Verfassenden noch vom Verlag, die weder für ihren Inhalt noch für etwaige Fehler verantwortlich sind; maßgeblich ist die Originalfassung.
Dies ist eine inoffizielle deutsche Übersetzung des Originalartikels „Research on the Solution-Focused Approach in 2022: A Scoping Review“, erschienen im Journal of Solution Focused Practices (2023) unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz, wie zu Beginn dieser Seite erläutert; maßgeblich ist die Originalfassung.
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Żak, A. M., Pakrosnis, R., & Kuminskaya, E. (2023). Research on the Solution-Focused Approach in 2022: A Scoping Review. Complexe Systémique. https://app.complexe-systemique.com/en_GB/articles/research-on-the-solution-focused-approach-in-2022-a-scoping-review (Originalwerk 2023 erschienen in Journal of Solution Focused Practices, Bd. 7, Nr. 1 (2023); 2023 erneut veröffentlicht von Journal of Solution Focused Practices, https://journalsfp.org/article/90976)
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