Diese Fassung wurde von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz aus dem Englischen übersetzt. Im Zweifelsfall ist die Originalfassung maßgeblich.
Journal of Marital and Family Therapy · Familientherapie
Ist das Sprechen über queere Identität in der Paartherapie eine Form der Anerkennung oder macht es sie zum Problem? 35 LGBTQ+-Personen in emotionsfokussierter Paartherapie sahen sich Ausbildungsvideos an und beschrieben ihre eigene Therapie. Ihre Antworten gehen auseinander, und gerade das macht den Wert der Studie aus: Je nach Fall entsteht Othering aus Beharrlichkeit oder aus Schweigen, aus unangebrachter Verwunderung oder aus einem Gespräch, das an der Oberfläche bleibt.
Inoffizielle deutsche Übersetzung von “I'm Not Here to Teach You How to Be Gay:” LGBTQ+ Client Experiences of Othering in Emotionally Focused Couple Therapy von Caitlin Edwards, Lekie Dwanyen, Andrea Wittenborn und Robert Allan, erschienen in Journal of Marital and Family Therapy (Wiley) (2026), doi: 10.1111/jmft.70141, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique im Oktober 2026 mit Unterstützung künstlicher Intelligenz: Der Originaltext wurde ins Deutsche übersetzt und für die Online-Lektüre neu gesetzt, was eine Bearbeitung des Werks im Sinne der Lizenz darstellt. Diese Übersetzung stammt weder von den Verfassenden noch vom Verlag, die weder für ihren Inhalt noch für etwaige Fehler verantwortlich sind. Maßgeblich ist die Originalfassung.
Es gibt keine richtige Antwort darauf, wie mit den Feinheiten der Präferenzen von Klientinnen und Klienten in Bezug auf das Gespräch über Identität und die Offenlegung der Identität der Therapierenden umzugehen ist; dieses Gespräch ist keine Einheitsgröße, die allen passt.
Caitlin Edwards, Lekie Dwanyen, Andrea Wittenborn und Robert Allan
Abstract
Trotz der zunehmenden Betonung, die Schnittstellen zwischen der Identität der Klientel und jener der Therapierenden zu berücksichtigen, um die Therapieergebnisse zu verbessern, erleben Menschen in Therapie, die marginalisierte Identitäten haben, weiterhin Othering. Othering ist ein Prozess, der auf der Grundlage einer vorgefassten Gruppenidentität Marginalisierung und Ungleichheit hervorbringt, die hegemoniale Konstruktion von Zugehörigkeit und Nichtzugehörigkeit umfasst und häufig sowohl Stereotypisierung als auch Rassifizierung mit sich bringt. Dieser Beitrag berichtet über die Erfahrungen von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans, queeren/questioning und weiteren (LGBTQ+) Personen in emotionsfokussierter Paartherapie (EFCT) mit Othering, sowohl in ihrer eigenen Therapie als auch im Rahmen der Teilnahme an einer Forschungsstudie zur Anpassung der EFCT an die besondere Lebenserfahrung von Angehörigen der LGBTQ+-Communitys. Die Studie stützte sich auf die Analyse negativer Fälle im Rahmen einer thematischen Analyse (TA), um drei Themen herauszuarbeiten: (1) Identität verstehen versus aufblähen, (2) die therapierende Person aufklären und (3) Gespräche über Identität vertiefen.
Schlüsselwörter: emotionsfokussierte Paartherapie, LGBTQ+, Othering
Die vorliegende Forschung dokumentiert die positiven Ergebnisse kulturell responsiver Psychotherapie, einschließlich der Paartherapie (Ellis et al. 2022; Hall et al. 2019; Soto et al. 2018). Ein inhärenter Aspekt kulturell responsiver Therapie ist die Integration der Identitäten von Klientel und Therapierenden (Davis et al. 2018; Pettyjohn et al. 2020). Trotz der Forschung, die eine multikulturelle Ausrichtung der therapeutischen Arbeit stützt (z. B. Jennings and Sprankle 2023; Owen et al. 2014), erleben Klientinnen und Klienten mit marginalisierten Identitäten in der Therapie weiterhin Othering. Othering ist ein mehrdimensionaler Prozess, durch den eine dominante Eigengruppe sich in reduktionistischer Weise auf die „mangelhaften“ Merkmale einer Fremdgruppe konzentriert, was zu Diskriminierung und Marginalisierung führt (Jensen 2011). Um diese anhaltende Kluft zwischen dem Versprechen kulturell responsiver Praxis und der Realität, mit der Ratsuchende konfrontiert sind, besser zu verstehen, berichtet dieser Beitrag über die Erfahrungen lesbischer, schwuler, bisexueller, trans, queerer/questioning und weiterer (LGBTQ+) Personen in emotionsfokussierter Paartherapie (EFCT) mit Othering – sowohl in ihrer eigenen Therapie als auch im Rahmen ihrer Teilnahme an einer Forschungsstudie (Edwards et al. 2025).
Sowohl Therapierende als auch Klientinnen und Klienten bringen ihre eigenen, unterschiedlichen Identitäten in die Therapie ein; diese Identitäten interagieren im Verlauf der Therapie und erzeugen so eine Mischung aus potenziell übereinstimmenden Perspektiven, Kulturen und Erfahrungen (Pettyjohn et al. 2020). Die Identität der Klientel und die der Therapierenden wirken sich beispielsweise auf die therapeutische Allianz aus (d. h. eine kooperative Beziehung mit Konsens über Ziele und Aufgaben der Therapie [Cruwys et al. 2023]). Eine geteilte soziale Identität sagt sowohl die Arbeitsallianz als auch die Einschätzung der Nützlichkeit der Therapie durch die Klientel vorher (Cruwys et al. 2023), während die Kompetenz der Therapierenden im Umgang mit rassischen und ethnischen Unterschieden sowohl vom Geschlecht der Klientel als auch vom Geschlecht der Therapierenden abhängt (Kivlighan et al. 2019); Therapierende scheinen die Überschneidungen von Unterdrückung, die Women of Color erleben, zu übersehen (Kivlighan et al. 2019). Identität beeinflusst auch, wie die Klientel die Kompetenz der Therapierenden wahrnimmt: Klientinnen und Klienten aus rassischen und ethnischen Minderheiten erleben Therapierende aus rassischen/ethnischen Minderheiten als authentischer und kulturell kompetenter (Phillip and Maimon 2023).
Darüber hinaus beeinflusst eine marginalisierte Identität die Inanspruchnahme von Therapie, da Menschen mit historisch marginalisierten Identitäten zögerlicher eine Therapie beginnen (Jones 2024) und Ratsuchende aus rassischen/ethnischen Minderheiten die Therapie früher abbrechen (Zeber et al. 2017). Daher können Therapierende, die mit Menschen arbeiten, deren Identitäten sich von ihren eigenen unterscheiden (z. B. cisgeschlechtliche Therapierende, die mit trans Personen arbeiten), auf besondere Herausforderungen stoßen, unerwartete Lernerfahrungen machen und wesentliche Kenntnisse und Fähigkeiten entwickeln müssen, die ihre Fähigkeit zu wirksamer therapeutischer Arbeit unterstützen (McGeorge et al. 2021; Salpietro et al. 2019). Ein Aspekt der Kenntnisse und Fähigkeiten, die nötig sind, um mit der Komplexität der Identität von Therapierenden und Klientel in der Therapie umzugehen, ist die Fähigkeit zu konzeptualisieren, wie Identitäten interagieren.
Mehrere Rahmenkonzepte können Therapierenden helfen, die Wechselwirkungen zwischen ihrer eigenen Identität und der Identität der Klientel zu konzeptualisieren, darunter Intersektionalität (Crenshaw 1989), multikulturelle Orientierung (MCO; Davis et al. 2018; Owen 2013; Owen et al. 2011) und das ADDRESSING-Modell von Hays (2024). Intersektionalität (Crenshaw 1989) begreift gelebte Erfahrungen als vielschichtig, dynamisch und subjektiv geprägt von der sozialen Position einer Person, also von ihrer Nähe zu strukturellen Vor- und Nachteilen aufgrund ihrer sich überschneidenden Identitäten. Dieses Rahmenkonzept erkennt zudem die Nähe zu systemischer Marginalisierung (z. B. Armut, Inhaftierung einer Bezugsperson, erzwungene Familientrennung) als zentral für die soziale Position an und geht über die individuelle Identität hinaus. Eine intersektionale Perspektive macht sichtbar, wie die wahrgenommene Gruppenzugehörigkeit Menschen und Beziehungen besonderen und komplexen Formen von Diskriminierung und Voreingenommenheit aussetzt (Crenshaw 1989). Da das Verständnis, das ein Mensch von seinen Identitäten hat, einzigartig ist, wird auch seine Erfahrung von Voreingenommenheit und Diskriminierung zwangsläufig einzigartig sein (Crenshaw 1989).
Das Rahmenkonzept der multikulturellen Orientierung (MCO; Davis et al. 2018; Owen 2013) schlägt Weisen vor, mit der Klientel zu sein. Die drei Säulen der MCO sind kulturelle Demut, kulturelle Sicherheit im Umgang (cultural comfort) und kulturelle Gelegenheiten. Kulturelle Demut spiegelt die Fähigkeit der Therapierenden wider, egalitäre Beziehungen zur Klientel aufzubauen und dabei selbstreflektiert und nicht defensiv mit der eigenen Fähigkeit umzugehen, sich am Gegenüber zu orientieren. Kulturelle Sicherheit im Umgang bezeichnet das Maß, in dem sich Therapierende beim Führen multikultureller Gespräche in der Therapie wirklich wohlfühlen, und kulturelle Gelegenheiten beziehen sich auf therapeutische Handlungen zur Erkundung kultureller Identität (Davis et al. 2018; Owen 2013). Die Forschung zeigt, dass Therapierende mit einem hohen Maß an kultureller Demut und kultureller Sicherheit im Umgang – die zudem kulturelle Gelegenheiten aufgreifen – bessere Therapieergebnisse erzielen (Davis et al. 2018; Owen et al. 2016).
Das ADDRESSING-Modell hebt kulturelle Normen und Systeme hervor, die Privilegien gewähren oder verweigern, und ermöglicht ein Verständnis der Vielfalt innerhalb einer Gruppe (Hays 2024). Das Akronym kann Therapierenden helfen einzuschätzen, wie ihre eigenen Identitäten die therapeutische Beziehung beeinflussen können und wie Klientinnen und Klienten die Welt aufgrund ihrer sich überschneidenden Identitäten erleben können: Age/generation (Alter/Generation), Developmental/other Disability (Entwicklungs- oder andere Behinderung), Religion/spirituality (Religion/Spiritualität), Ethnicity/racial identity (Ethnizität/rassische Identität), SES (sozioökonomischer Status), Sexual orientation (sexuelle Orientierung), Indigenous heritage (indigene Herkunft), National origin (nationale Herkunft) und Gender (Geschlecht) (Hays 2024). ADDRESSING ermutigt Therapierende, (1) fortlaufend selbst zu reflektieren, wie Identität die therapeutische Arbeit prägt, (2) auf strukturelle Ungleichheiten im System der psychischen Gesundheitsversorgung zu achten, (3) systemische Unterdrückung anzusprechen und (4) sich auf die Stärken der Klientel zu konzentrieren (Hays 2024). Obwohl zahlreiche Modelle und Rahmenkonzepte Therapierenden helfen, die Wechselwirkungen zwischen den Identitäten von Klientel und Therapierenden im Verlauf der Therapie zu konzeptualisieren und anzusprechen, übersehen viele Therapierende möglicherweise kulturelle Gelegenheiten (Davis et al. 2018) oder sagen oder tun unbeabsichtigt etwas, das ihr Gegenüber zum „Anderen“ macht.
Allgemein ist Othering ein Prozess, der auf der Grundlage einer vorgefassten Gruppenidentität Marginalisierung und Ungleichheit hervorbringt (Powell and Menendian 2016) und die hegemoniale Konstruktion von Zugehörigkeit und Nichtzugehörigkeit umfasst (Akbulut and Razum 2022). Othering findet statt, wenn einer Person oder Gruppe systematisch oder zwischenmenschlich Eigenschaften zugeschrieben werden, die als fremd, unerwünscht oder andersartig erlebt werden (Milkavcic and LeBlanc 2014), und bringt häufig sowohl Stereotypisierung als auch Rassifizierung mit sich (Powell and Menendian 2016). Damit Othering stattfinden kann, muss eine Eigengruppe Identität als dichotom verstehen und so eine Fremdgruppe erzeugen (Akbulut and Razum 2022). Tatsächlich setzt Othering voraus, dass die Gesellschaft aus realen, unterscheidbaren Gruppen besteht, und geht somit davon aus, dass echte Gruppenunterschiede existieren (Akbulut and Razum 2022).
Leider kommt Othering auch in der Therapie vor, da die Art und Weise, wie Macht und Unterdrückung im Therapieraum existieren, widerspiegelt, wie sich diese Dynamiken im größeren soziokulturellen Kontext entfalten (Moodley 2009). Therapierende, die marginalisierte Stimmen außerhalb des Therapieraums entwerten und an den Rand drängen, können diese Prozesse mit ihrer Klientel reproduzieren, während Therapierende, die sich empathisch auf die Erfahrungen von Unterdrückung und Marginalisierung ihrer Klientel einstimmen, dies wahrscheinlich auch außerhalb der Therapie tun (Kuo et al. 2022). Othering durch Therapierende beeinträchtigt den Zugang zu qualitativ hochwertiger Behandlung und verschärft damit bestehende gesundheitliche Ungleichheiten (Bhugra et al. 2023).
Othering ist oft ein komplexer Prozess, der sowohl von den beteiligten Personen als auch vom Kontext abhängt (Powell and Menendian 2016). Bestimmte Anteile einer Person können zum „Anderen“ gemacht werden (z. B. eine Behinderung), während andere Identitätsaspekte angenommen werden (z. B. die rassische Zugehörigkeit). Othering tritt nämlich dann auf, wenn ein unerwünschter Aspekt sozialer Identität sichtbar ist, im jeweiligen Kontext aber zugleich abgewertet wird (Powell and Menendian 2016). Othering kann auch unbeabsichtigt oder aus Unwissenheit geschehen, durch Therapierende, denen nicht bewusst ist, wie Identität die therapeutische Arbeit beeinflusst. Daher ist der Einsatz von Modellen und Rahmenkonzepten, die verstehen helfen, wie die Identitäten von Klientel und Therapierenden interagieren, notwendig, um Othering-Erfahrungen der Klientel zu begrenzen.
Mikroaggressionen (d. h. alltägliche, kurze zwischenmenschliche Erfahrungen, die auf der Grundlage unbewusster Vorurteile und Überzeugungen herabsetzende Botschaften über eine Gruppe von Menschen vermitteln [Sue et al. 2022]) sind eine häufige Form von Othering. Mikroaggressionen können verbal oder nonverbal sein, sind oft indirekt, können in Situationen auftreten, in denen es alternative Erklärungen für ein Merkmal oder Verhalten gibt, und treten eher auf, wenn Menschen so tun, als bemerkten sie keine Unterschiede (Sue et al. 2022). Wer Mikroaggressionen ausübt, betrachtet Merkmale und Verhaltensweisen von Menschen oft individualistisch und leugnet damit die systematische, kognitive und verhaltensbezogene Wirkung von rassischer Zugehörigkeit, Ethnizität, Geschlecht, sexueller Orientierung, Behinderung und Religion/Spiritualität (Sue et al. 2022). Es gibt mehrere Arten von Mikroaggressionen, darunter Mikrobeleidigungen (subtile Herabsetzungen), Mikroangriffe (offene Kränkungen) und Mikroentwertungen (d. h. die Leugnung der Erfahrung einer Person, insbesondere von Marginalisierung und Unterdrückung [Sue et al. 2022]). Wenn Mikroaggressionen in der Therapie auftreten, gehen sie mit schlechteren Ergebnissen für die Klientel einher (Davis et al. 2016). So berichten trans Klientinnen und Klienten beispielsweise von fehlendem Respekt gegenüber ihrer Geschlechtsidentität (z. B. Misgendering), von der Vermengung von sexueller Identität und Geschlechtsidentität und von einer Überbetonung der Geschlechtsdysphorie als Diagnose, was sich negativ auf die Therapieergebnisse auswirkt (Morris et al. 2020).
Der vorliegende Beitrag ist Teil einer größeren Studie, die darauf angelegt war, die Erfahrungen von LGBTQ+-Personen mit EFCT und ihre Empfehlungen zur Anpassung der EFCT zu verstehen. Im Rahmen dieses Prozesses sprachen die Teilnehmenden über identitätsbestätigende Erfahrungen in der Therapie, aber auch über Erfahrungen, die sie als Othering erlebten. Dieser Beitrag beschreibt, was die Teilnehmenden darüber berichten, sich sowohl in ihrer eigenen Therapie als auch im Rahmen dieser Studie zum „Anderen“ gemacht gefühlt zu haben.
EFCT (Johnson 2019) ist ein gut erforschter und evidenzbasierter Ansatz der Beziehungsbehandlung (Spengler et al. 2022). EFCT integriert Elemente der Systemtheorie, erlebnisorientierter Methoden und der humanistischen Familientherapie und ist in der Bindungstheorie verankert (Johnson 2019). Die mit EFCT verbundenen Interventionen zielen darauf ab, eine größere emotionale Abstimmung zwischen den Partnerpersonen zu fördern, destruktive Interaktionsmuster zu verringern und Bindungen zu stärken (Johnson 2019).
Die empirische Literatur zur Anwendung der EFT bei diversen Populationen ist begrenzt. „Reine“ EFCT wurde bei iranischen Paaren (z. B. Ahmadi et al. 2014; Najafi et al. 2015), taiwanischen Paaren (Tseng et al. 2024) und heterosexuellen afroamerikanischen Paaren (Nightingale 2019) untersucht. Inzwischen sind jedoch sowohl konzeptionelle (z. B. Allan and Johnson 2016; Guillory 2021) als auch empirische Artikel erschienen, die diese Lücken angehen. So haben Allan et al. (2022) allgemeine kulturelle Anpassungen der EFCT beschrieben, Hattori (2014) veranschaulicht eine kulturell angepasste EFCT mit japanischen Paaren, und Edwards et al. (2025) dokumentieren Empfehlungen von EFCT-Therapierenden für den Einsatz von EFCT bei LGBTQ+-Personen und -Beziehungen.
Diese Studie war ursprünglich darauf angelegt, von EFCT-Klientinnen und -Klienten, die sich selbst als Angehörige der LGBTQ+-Communitys identifizierten, Informationen darüber zu sammeln, wie die EFCT an ihre besonderen Lebenserfahrungen angepasst werden kann. Diese zentralen Ergebnisse sind in Edwards et al. (2025) beschrieben. Der vorliegende Beitrag konzentriert sich speziell auf das unerwartete Thema Othering, das sowohl auftauchte, als die Teilnehmenden über ihre persönlichen EFCT-Erfahrungen sprachen, als auch während des Studienprozesses selbst – des Theater Testing.
Theater Testing ist eine Methode der Datenerhebung, die in der Marktforschung entwickelt wurde, um Rückmeldungen von Teilnehmenden zu Produkten, Dienstleistungen und Werbung einzuholen (National Cancer Institute 2004). Beim Theater Testing interagiert eine kleine Gruppe gezielt ausgewählter Teilnehmender mit audiovisuellen Materialien und/oder diskutiert darüber (National Cancer Institute 2004). In der Marktforschung wird Theater Testing häufig mit Fokusgruppen kombiniert (National Cancer Institute 2004). Fokusgruppen mit Theater Testing ermöglichen es, ein Spektrum von Meinungen und Erfahrungen zu erfassen und zu verstehen, warum die Teilnehmenden der Fokusgruppe so über das audiovisuelle Material denken und empfinden, wie sie es tun (Hodock 1980; Whitehill King et al. 1993). In der Marktforschung bietet dies dem Forschungsteam die Möglichkeit, Änderungen vorzunehmen, um das Produkt oder die Dienstleistung besser zu verkaufen (Atkin and Freimuth 2013).
In der Interventionsforschung bedeutet Theater Testing mit Fokusgruppen, dass die Zielgruppe einer Intervention deren Wirkung, Umsetzbarkeit und das Potenzial für kulturell relevante Veränderungen beobachtet und diskutiert (Wingood and DiClemente 2008). Insbesondere kann Theater Testing genutzt werden, um die Stimmen und Erfahrungen bestimmter kultureller Gruppen aus erster Hand zu erfassen und so zu bestimmen, wie sich die kulturelle Relevanz einer Intervention erhöhen lässt (Wingood and DiClemente 2008). Zu den kulturellen Anpassungen, die aus dem Einsatz von Theater Testing hervorgegangen sind, gehören ein stärkerer Fokus auf das Selbstmanagement von HIV-Symptomen in Thailand (Khumsaen and Stephenson 2017) und die Entwicklung einer HIV-Präventions-App für Männer, die Sex mit Männern haben (MSM; Goldenberg et al. 2015).
Die Studie wurde zwischen April und Oktober 2023 über die queere EFCT-Mailingliste, die Mailingliste des International Centre for Excellence in Emotionally Focused Therapy (ICEEFT) und queere EFCT-Gruppen auf Facebook beworben. Auch Leitungen von EFCT-Zentren und Community-Organisierende wurden kontaktiert und gebeten, Informationen über die Studie in ihren lokalen EFCT-Netzwerken zu teilen. Alle im ICEEFT-Verzeichnis aufgeführten Therapierenden in englischsprachigen Ländern erhielten Einladungen per E-Mail. Die Ausschreibungen enthielten Einzelheiten zu Zweck, Ablauf und Freiwilligkeit der Studie sowie zur Aufwandsentschädigung.
Teilnahmeberechtigt waren Personen, die (1) sich selbst als Angehörige der LGBTQ+-Communitys identifizierten, (2) mindestens sechs EFCT-Sitzungen mit einer Partnerperson absolviert hatten, mit der sie seit mindestens 1 Jahr in einer Beziehung waren, und (3) mindestens 18 Jahre alt waren. Ausgeschlossen wurden Personen, die eine akute Psychose, Gewalt in der Partnerschaft oder Suizidgedanken erlebten. Wer beim Screening Suizidgedanken angab, wurde an die Krisenhotline 988 und an entsprechende lokale Unterstützungsangebote verwiesen.
Insgesamt nahmen 35 Personen teil, die sich als LGBTQ+ identifizierten. Die meisten Teilnehmenden identifizierten sich als weiß (71%) und stammten aus den Vereinigten Staaten (89%). Die übrigen lebten in Belgien (3.67%), Kanada (3.76%) und Australien (3.76%). Zwei Teilnehmende identifizierten sich als multiethnisch, zwei als asiatisch, zwei als Schwarz, und zwei machten keine Angabe zu ihrer rassischen Zugehörigkeit. Drei Teilnehmende identifizierten sich als hispanisch, Latino/a/x oder spanischer Herkunft – zwei als mexikanisch, mexikanisch-amerikanisch oder Chicana/o/x und eine Person als brasilianisch. Sieben Teilnehmende gaben an, therapeutisch tätig zu sein; vier von ihnen hatten speziell eine EFCT-Ausbildung, sechs hatten einen Masterabschluss und eine Person einen Doktortitel. Die meisten Teilnehmenden (95%) äußerten sich zufrieden mit der EFCT. Weitere demografische Angaben (z. B. Alter, Jahreseinkommen) sind in Edwards et al. (2025) dargestellt.
Die Datenerhebung begann nach der Genehmigung durch das IRB der Michigan State University (Nr. 8915). Eine Woche vor jeder Fokusgruppensitzung erhielten die Teilnehmenden eine E-Mail mit Tagesordnung und Zielen, dem Interviewleitfaden, einem Link zum Microsoft-Teams-Meeting sowie Links zur Einwilligungserklärung und zum demografischen Fragebogen. 24 h vor der geplanten Sitzung wurde eine Erinnerungs-E-Mail verschickt. Die Fokusgruppen dauerten zwischen 105 und 142 min, im Durchschnitt 122 min (siehe Edwards et al. (2025) für weitere Einzelheiten zur Methodik).
Entsprechend den Empfehlungen von Krueger und Casey (2015) zur Durchführung von Fokusgruppen begannen die Fokusgruppen mit einer Reihe von Einstiegsfragen dazu, wie die Teilnehmenden ihre EFCT-Fachperson gefunden hatten und wie diese ein Gefühl von Sicherheit gefördert hatte. Anschließend sahen sich die Teilnehmenden zwei Ausschnitte aus den EFCT-Ausbildungsvideos The EFT Path to Secure Connection: Working Successfully with Same‐Sex Couples (Reel Concepts for Susan Johnson Inc. 2011) an. Der erste Ausschnitt konzentrierte sich auf das Erkennen negativer Interaktionszyklen bei einem schwulen Männerpaar, der zweite zeigte, wie bei einem lesbischen Paar eine zurückgezogene Partnerin wieder einbezogen wird. In beiden Sitzungen demonstrierte dieselbe erfahrene EFCT-Therapeutin, Ausbilderin und Supervisorin die EFCT modellgetreu. Diese Videos veranschaulichten die Standardpraxis der EFCT, bezogen jedoch keine soziokulturellen Strategien ein, die bei marginalisierten Bevölkerungsgruppen üblicherweise eingesetzt werden. Obwohl die Videos also eine wirksame und „reine“ EFCT vorführten, verfolgten sie nicht ausdrücklich das Ziel, kulturell responsive und/oder affirmative Therapiepraktiken abzubilden.
Die Transkripte der Fokusgruppen wurden von Microsoft Teams erstellt und anschließend für die Datenanalyse verwendet. Vor der Analyse prüfte die erstautorende Person jedes Fokusgruppentranskript, während sie die zugehörige Audioaufnahme anhörte, und korrigierte Transkriptionsfehler. Es wurden flexible und induktive Analyseverfahren eingesetzt, um der Fülle gerecht zu werden, die sich innerhalb der Daten zeigte. Alle Daten wurden mit den Verfahren der TA analysiert, einer sechsstufigen Methode zur Analyse qualitativer Daten. Die sechs Schritte (Braun and Clarke 2006) umfassen (1) sich mit den Daten vertraut machen, (2) erste Codes generieren, (3) mögliche Themen identifizieren, (4) diese Themen überprüfen, (5) die Themen definieren und benennen sowie (6) den abschließenden Bericht verfassen.
Um sich mit den Daten vertraut zu machen, hörte die erstautorende Person jede Fokusgruppenaufnahme an, machte sich dabei Notizen und las dann jedes Transkript viermal, wie es empfohlen wird, um eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Daten zu ermöglichen (Saldana 2021). Auch das Notieren unterstützte diesen Prozess, indem es die wichtigsten Erkenntnisse aus jeder Gruppe und erste Eindrücke von den Daten festhielt. Anschließend wurden erste Codes generiert, indem Schlüsselwörter, Konzepte, kurze Wendungen und In-vivo-Codes (die genauen Worte der Teilnehmenden) identifiziert wurden, die für die zentralen Forschungsfragen wesentlich waren.
Um mögliche Themen zu identifizieren, begann die erstautorende Person dann damit, Muster, wiederkehrende Ideen und mögliche Kategorien zu erkennen, die die zentralen Codes ordnen könnten. Darauf folgte latentes Codieren, mit dem tiefere, zugrunde liegende Bedeutungen und Konzepte aus dem Kontext der Daten heraus interpretiert werden (Saldana 2021). Die latenten Codes wurden anschließend mit einem standardisierten Verfahren in Microsoft Word indexiert. Während des Codierens tauchten mehrere markante Themen auf, die im ursprünglichen Studiendesign nicht ausdrücklich vorgesehen waren. Diese Themen wurden in den folgenden Analyse- und Themengenerierungsrunden durch einen iterativen Prozess der Codeverfeinerung und des Memoschreibens einbezogen. Das Auftauchen dieser Befunde gab Anlass zu häufiger reflexiver Auseinandersetzung mit dem ursprünglichen Zweck der Studie, da in qualitativer Forschung unerwartete Befunde auftreten können (Creswell and Poth 2018).
Daher führten die zweit-, dritt- und viertautorende Person interne und externe Audits durch, um die Vertrauenswürdigkeit der Studie zu stärken. Die drittautorende Person führte interne Audits der Datenspur durch, die die Übereinstimmung zwischen den vorhandenen Daten (Audioaufnahmen, Transkripte, Notizen der erstautorenden Person) und den endgültigen Themen und Unterthemen sicherstellten. Alle Verfassenden führten externe Audits durch, um zu prüfen, ob die endgültige Darstellung der Ergebnisse mit den Studienzielen, den Methoden und den Aussagen der Teilnehmenden übereinstimmte. So wurde gewährleistet, dass Codes, Themen und Abschlussbericht so nah wie möglich an den Perspektiven der Teilnehmenden blieben, insbesondere beim unerwarteten, emergenten Thema Othering. Diese Prozesse unterstützten die Reflexivität im Forschungsteam und halfen, mögliche Annahmen und Voreingenommenheiten während des gesamten Forschungsprozesses zu handhaben.
Die Glaubwürdigkeit qualitativer Forschung wird danach beurteilt, wie klar Daten und Forschungsmethoden dargestellt werden (Hadi and José Closs 2016). Um die Transparenz dieser Studie zu erhöhen, legten die Verfassenden eine detaillierte Beschreibung des Forschungsablaufs und Belege für Triangulation vor (d. h. die Nutzung mehrerer Datenquellen, um ein umfassendes Verständnis des Themas zu entwickeln [Hadi and José Closs 2016]), einschließlich der Notizen und Memos der Person, die die Fokusgruppe mitmoderierte. Um die Genauigkeit der Transkripte zu überprüfen, erhielten alle Teilnehmenden per E-Mail eine Kopie ihrer Antworten zur Durchsicht (d. h. Member Checking). Member Checking ermöglicht es den Teilnehmenden zu bestätigen, ob ihre Perspektiven zutreffend wiedergegeben wurden, und hilft so dem Forschungsteam, die Authentizität der Darstellung ihrer Erfahrungen sicherzustellen (Creswell and Poth 2018). Drei Teilnehmende prüften ihre Transkripte und bestätigten, dass ihre Ansichten zutreffend wiedergegeben waren, und zwei weitere Teilnehmende stellten Notizen zur Verfügung, die sie während der Fokusgruppensitzungen gemacht hatten.
Zu Beginn dieses Projekts erwarteten die Verfassenden nicht, dass das Gespräch über Identität bei Teilnehmenden zu dem Gefühl führen würde, zum „Anderen“ gemacht zu werden; die vorliegende Forschung spricht deutlich für die Einbeziehung von Identität in den therapeutischen Prozess, insbesondere bei LGBTQ+-Klientel (Neff 2024). Daher konzentriert sich dieser Beitrag auf die Analyse negativer Fälle, also die gezielte Analyse und Einbeziehung von Daten, die nicht zu theoretischen Vorhersagen oder erwarteten Mustern passen (Hanson 2017; Miles et al. 2019). Die Analyse negativer Fälle erhöht die Vertrauenswürdigkeit und Strenge qualitativer Forschung, da sie eine umfassende Untersuchung der Faktoren beinhaltet, die die unerwarteten Daten erklären könnten, und es dem Forschungsteam ermöglicht, theoretische Annahmen zu überdenken (Hanson 2017; Miles et al. 2019).
Die erstautorende Person – weiß, pansexuell, polyamor, agender, feminin auftretend und aus der unteren Mittelschicht stammend – führte während des gesamten Projekts ein Reflexionstagebuch, um zu untersuchen, wie die eigenen sozialen Identitäten die Wissensproduktion und -interpretation prägten. Da die erstautorende Person alle Fokusgruppen organisierte und leitete, hat ihre Positionierung den Forschungsprozess wahrscheinlich beeinflusst. Die Übereinstimmung zwischen ihren Identitäten und denen vieler Teilnehmender könnte den Beziehungsaufbau erleichtert, die Teilnehmenden zu offeneren Schilderungen ermutigt und die Erhebung reichhaltigerer Daten ermöglicht haben. Als Gruppe repräsentieren die vier Verfassenden vielfältige Identitäten, und alle teilen Forschungsinteressen an evidenzbasierter Praxis und kulturell abgestimmten systemischen Therapien.
Die Teilnehmenden gaben komplexe und differenzierte Rückmeldungen zu ihren Beobachtungen der Videos sowie zu ihren eigenen EFCT-Erfahrungen, aus denen das unerwartete Thema Othering hervorging. Alle Teilnehmenden gaben an, gezielt nach Therapierenden mit Erfahrung in der Arbeit mit LGBTQ+-Communitys gesucht zu haben. Wie stark sie sich jedoch wünschten, dass ihre LGBTQ+-Identitäten in die EFCT einbezogen werden, war unterschiedlich, was bei einigen Teilnehmenden dazu führte, sich zum „Anderen“ gemacht zu fühlen. Tatsächlich wurde die Art und Weise, wie über Identität gesprochen wurde – oder eben nicht –, sowohl in der Therapie als auch in den Ausbildungsvideos auf komplexe Weise erlebt. Aus der Analyse negativer Fälle gingen drei Themen zu dieser Othering-Erfahrung hervor: (1) Identität verstehen versus aufblähen, (2) die therapierende Person aufklären und (3) Gespräche über Identität vertiefen.
Alle Teilnehmenden waren sich einig, dass Therapierende Erfahrung in der Arbeit mit LGBTQ+-Communitys haben müssen; es war ihnen wichtig, dass ihre therapeutische Fachperson verstand, was es bedeutet, nicht heterosexuell und/oder nicht cisgeschlechtlich zu sein. Einige cisgeschlechtliche Teilnehmende erklärten jedoch, dass sie sich zum „Anderen“ gemacht fühlen würden, wenn die Fachperson ihre sexuelle Identität thematisieren würde – sie würden ihre Identität als aufgebläht erleben, wodurch ein Vergleich zwischen heterosexuellen/cisgeschlechtlichen und LGBTQ+-Beziehungen entstünde, was bedeuten würde, dass ihre Beziehung nicht „auf derselben Ebene wie jede andere Beziehung“ stehe (P15). Durch diesen Vergleich, so berichteten die Teilnehmenden, hätten sie den Eindruck, dass die Fachpersonen nichts über LGBTQ+-Beziehungen wüssten und/oder dass es einen inhärenten und problematischen Unterschied zwischen ihren Beziehungen und heterosexuellen/cisgeschlechtlichen Beziehungen gebe.
Tatsächlich merkten mehrere Teilnehmende an, dass es bedeuten würde, ihre Beziehung sei nicht normal, wenn die therapierende Person ihre sexuelle Identität thematisieren würde. P2 erklärte, die Therapie sei kein Raum, in dem Geschlecht oder Sexualität „herausgestellt“ werden sollten, weil P2 „einfach so sein wollte wie alle anderen“. Dass nicht über Sexualität gesprochen wurde, bedeutete daher, „im Grunde einfach wie alle anderen“ zu sein (P11). Über Identität zu sprechen, würde dazu führen, dass sich die Teilnehmenden „anders fühlen“ (P11). Dies hing unmittelbar mit dem Gefühl von Sicherheit in der therapeutischen Beziehung zusammen, wie P8 erklärt: „[Unsere Sexualität] war kein Thema, und dadurch habe ich mich sicher gefühlt, weil es nichts war.“ P7 fasste es so zusammen: „Ich glaube, es wurde eigentlich [nie] erwähnt, und das fühlt sich wie völlige Akzeptanz an.“
Außerdem äußerten mehrere Teilnehmende, dass ihre LGBTQ+-Identität für ihr Vorstellungsanliegen keine Rolle spiele. Sie nannten dafür verschiedene Gründe: Sie fühlten sich in ihrer lesbischen Identität so sicher, dass diese nicht relevant erschien (z. B. P7, P16, P17), ihre queere Identität wurde von der Partnerperson voll akzeptiert (z. B. P27, P28), ihre Anliegen betrafen Erfahrungen, die nichts mit LGBTQ+-Marginalisierung zu tun hatten (z. B. P7, P8, P11, P12, P14, P24), und weil die Bewältigung von Herausforderungen in einer interethnischen Beziehung Vorrang hatte (z. B. P12, P13, P14). Deshalb war es für einige Teilnehmende schwierig, sich das Ausbildungsvideo zur ersten Phase anzusehen, in dem die Therapeutin offen über schwule männliche Identität spricht. P4 sagte: „[Die Therapeutin] hat ihr Schwulsein zum Thema gemacht, und das Thema war Sicherheit und Verletzlichkeit…. Mach Schwulsein nicht zum Thema. Wenn es für dich ein Thema ist … solltest du kein schwules Paar beraten.“
Andererseits stellten zwei nicht cisgeschlechtliche Teilnehmende fest, dass auch eine Fokussierung auf die Geschlechtsidentität, die so weit ging, dass das Vorstellungsanliegen ausgeblendet und andere Teile der Identität eines Paares ignoriert wurden, als Othering erlebt wurde. P27 berichtete über die eigene EFCT-Erfahrung: „… es wurde einfach angenommen, dass mein Transsein ein Problem sei, vor allem ein Problem in meiner Bindung zu anderen. In meiner Einzelsitzung hat sich [unsere therapeutische Fachperson] ganz auf meine trans Identität konzentriert.“ (P27). Die Partnerperson von P27 (P28), die sich als nichtbinär identifizierte, erläuterte weiter, wie dieser Fokus auf die trans Identität als Othering empfunden wurde: „Es war wirklich verletzend, dass [unsere therapeutische Fachperson] meine [nichtbinäre] Identität nicht einmal zur Kenntnis genommen hat. Und niemand von uns beiden hatte das Gefühl, dass [unsere Einzelsitzungen] etwas mit unserer Beziehung zu tun hatten.“ Die Fokussierung auf Identität – auf bestimmte Identitäten – statt auf das, was die Klientel selbst für relevant hält, verstärkte das Gefühl, zum „Anderen“ gemacht zu werden, und verstärkte Marginalisierungserfahrungen.
Die Teilnehmenden suchten oft gezielt nach Therapierenden mit LGBTQ+-Erfahrung, um die Fachperson nicht über LGBTQ+-Identitäten und -Erfahrungen aufklären zu müssen; wie P20 sagte, bedeutete eine therapeutische Fachperson, die mit der gelebten Erfahrung des LGBTQ+-Seins vertraut ist, nicht „all die verdammten Erklärungen liefern“ zu müssen. Die Verantwortung, Therapierende über LGBTQ+-Communitys aufzuklären, wurde daher als etwas wahrgenommen, das marginalisierten Menschen routinemäßig aufgebürdet wird, und als einer der Hauptwege, sich zum „Anderen“ gemacht zu fühlen. P35 erklärte: „Ich zahle dafür, [die therapierende Person] über etwas aufzuklären, bei dem man vernünftigerweise erwarten kann, dass [sie] es weiß. Das würden wir, glaube ich, von Leuten, die keiner Minderheit angehören, nicht erwarten.“ Die Notwendigkeit, die therapierende Person über die LGBTQ+-Communitys aufzuklären, führte auch dazu, dass die Teilnehmenden über den Mangel an Sicherheit sprachen, der darin liegt, dass Therapierende während der Therapie erst etwas über ihre Identitäten lernen. So sagte P24: „Ich würde mich nicht so unterstützt fühlen … wenn ich erklären müsste, wie es ist, queer zu sein.“ P3 brachte es knapp auf den Punkt: „Ich bin nicht hier, um dir beizubringen, wie man schwul ist.“
Mehrere Teilnehmende berichteten, es sei wichtig, dass die therapierende Person lerne – aber auch dafür sorge, dass der Fokus auf der Erfahrung der Klientel bleibe und nicht auf ihrem eigenen Lernen. Besonders deutlich wurde dies bei Teilnehmenden, denen auffiel, dass die Therapeutin im Ausbildungsvideo mehrfach wiederholte, eine besonders häufige Erfahrung schwuler Männer (hyperunabhängig zu sein, um nicht als feminin zu gelten) sei ihr nie in den Sinn gekommen. Der Fokus der Therapie verschob sich von der Beziehung des Paares auf die eigene Erfahrung der Therapeutin, neue Informationen zu verarbeiten. P31 bemerkte: „Ich glaube, was wirklich Othering ist, ist, wenn jemand auf einen Aspekt deiner Identität oder Erfahrung mit großem Erstaunen reagiert.“ Dies unterstrich, dass die Sexualität der Teilnehmenden und damit wesentliche Teile ihrer selbst anders, fremd, befremdlich seien – und dass sie von Therapierenden, die sie zu „Anderen“ machten, keine Sicherheit erwarten konnten. Die Beobachtung dieses Mangels an Sicherheit machte einige Teilnehmende wütend, wie P14 erklärte:
Die Reaktion [der Therapeutin] hat mich gestört … [der Klient im Ausbildungsvideo] hatte erzählt, dass er ein junger schwuler Junge gewesen war, was andere Folgen hatte, und jede Emotionalität wurde der Weiblichkeit zugeschrieben. Was eine sehr negative Konnotation hatte. Und als die Therapeutin sagte ‚Darüber habe ich nie nachgedacht‘ … dachte ich mir … das solltest du wissen. [Ich weiß,] das wurde Anfang der 2000er gedreht, und die Ausbildung von Therapierenden zu queerer Identität gab es einfach nicht. Gibt es immer noch nicht … aber das ist dir nie in den Sinn gekommen?
Andererseits betonten einige Teilnehmende, wie wichtig es sei, dass Therapierende offen dafür sind, von ihrer Klientel zu lernen. P15, P16, P17, P21 und P22 erwähnten alle, dass die echte Neugier ihrer therapeutischen Fachperson auf ihre gelebten Erfahrungen bedeutsam war und Sicherheit stiftete. Diese Dualität – die Vorstellung, dass es wichtig ist, dass Therapierende lernen, und ebenso wichtig, dass sie dieses Lernen gegenüber der Klientel nicht aussprechen, besonders wenn es um sexuelle Identität und/oder Geschlechtsidentität geht – unterstreicht, wie komplex das Wie und Wann des Othering-Erlebens von LGBTQ+-Klientel war.
Die Teilnehmenden merkten außerdem an, dass es unter bestimmten Umständen hilfreich war, wenn Therapierende offen über LGBTQ+-Identitäten sprachen. P16 und P17 berichteten, dass ihre Therapeutin zu Beginn der Therapie nach ihren Pronomen fragte und ihre eigene Identität ansprach, was ein Gefühl von Wohlbefinden und Sicherheit erzeugte. Darüber hinaus gaben alle Teilnehmenden, die sich als nicht weiß identifizierten, an, dass das Gespräch darüber, wie rassische Zugehörigkeit und Ethnizität die Dynamik ihrer Beziehung beeinflussten, wesentlich war, um Sicherheit in der therapeutischen Beziehung zu gewährleisten. Alle Teilnehmenden, die das Gespräch über Identität als wichtig bezeichneten, betonten, dass Identität nicht oberflächlich angesprochen werden sollte, sondern dass ein tiefergehendes Gespräch über Identität und ihre Implikationen nötig sei.
Zum Vertiefen des Gesprächs über Identität gehörte unter anderem, dass die therapierende Person über Stereotype hinausgehen musste. So bemerkte P11 beim Ansehen des Ausbildungsvideos, wie wichtig die Wortwahl ist, wenn über eine Identität gesprochen wird, die die therapierende Person nicht mit ihrer Klientel teilt: „… [die Therapeutin] hat nicht einmal gesagt, es ist, als ob [sic] du ein Fremder in einem fremden Land wärst. Sie hat gesagt: ‚Du bist ein Fremder in einem fremden Land.‘ Ich dachte: Du kannst nicht wirklich über die Erfahrung einer queeren Person sprechen, wenn du nicht queer bist.“ Die Betonung der Sprache, der Art, wie die therapierende Person Aussagen über Identität formuliert, unterstreicht, wie wichtig es ist, Fragen zu stellen und aus einer Position des Nichtwissens heraus zu arbeiten, in der die Klientel die Expertise innehat.
Wie wichtig es ist, Fragen zu stellen und sie zum Vertiefen zu nutzen, wurde deutlich, als die Teilnehmenden auf Momente in den Ausbildungsvideos hinwiesen, in denen die erfahrene Therapeutin das Gespräch über Identität hätte vertiefen können: „… sie haben über Geschlechterrollen gesprochen, und [die Therapeutin] redet über Männer im Allgemeinen. Es gab so viele Gelegenheiten, ihre Sexualität und ihre Beziehung zu reflektieren und in den Rahmen der Bindung zu stellen“ (P34). P1 merkte an, dass die erfahrene Therapeutin das Gespräch über das Coming-out nicht vertiefte – was die Therapeutin sowohl daran hinderte, den Klienten tiefer zu verstehen, als auch das Paar daran hinderte, darüber zu sprechen, wie sie in ihrer Beziehung genug Sicherheit geschaffen hatten, damit einer der beiden sich zum ersten Mal am Arbeitsplatz outen konnte. Mehrere Teilnehmende bezeichneten dies als entscheidendes Versäumnis, da das Coming-out für LGBTQ+-Personen ein Übergangsritus sein kann, der zugleich von Freude und Angst geprägt ist.
Zwar sprach die Therapeutin im Ausbildungsvideo die Dualität von „äußerer Unterdrückung“ und der daraus folgenden Erfahrung verinnerlichter Unterdrückung an, doch es fehlte „eine gewisse Tiefe in der Art, wie [die Therapeutin] auf diese beiden Elemente reagierte“ (P31). P30 führte aus:
… anfangs dachte ich, wie stark, dass sie sich entschieden hat, das Thema der Botschaften über Männlichkeit anzusprechen … sie benennt diese andere Kraft genauso, wie sie die inneren Kräfte und die Bindungskräfte benennt, die im Spiel sind. Und dann, sobald der Moment kam, in dem es über das hinausging, was sie begreifen konnte … reduktionistisch ist genau das richtige Wort – als ob sie versuchte, es wieder auf eine Ebene herunterzuholen, auf der sie es versteht und auf der es eine rein individuelle Entscheidung und eine rein individuelle Dynamik ist.
Tatsächlich erwähnte einer der schwulen Männer im Ausbildungsvideo zur ersten Phase, dass er durch ein Coming-out „potenziell zerstört“ werden könnte. P11 fiel dies auf, und P11 bemerkte: „Das war so eine wichtige, emotional große Sache, die er da sagte. Und [die erfahrene Therapeutin] hat es wiederholt, aber sie hat nichts daraus gemacht.“ Der Mangel an Tiefe, das fehlende Vertiefen, führte zu dem Gefühl, zum „Anderen“ gemacht zu werden. Zudem wurde die fehlende Fähigkeit, die Komplexität von Intersektionalität in der Beziehung zu halten, nicht nur in den Ausbildungsvideos beobachtet, sondern auch in den eigenen EFCT-Erfahrungen der Teilnehmenden gespürt. P35, eine Person, die sich als genderfluid identifizierte, erklärte, nicht das ganze Selbst und alle Nuancen der eigenen Beziehung in die Therapie einbringen zu können:
… im Auto auf dem Heimweg haben wir darüber gesprochen … wollen wir einfach aufhören zu versuchen, dass [unsere Therapeutin] mein Geschlecht versteht? Es gab einfach so viele Ebenen, die wir einfach [losgelassen haben]…. Wir lassen sie uns einfach wie ein cis/hetero Paar behandeln und schauen, ob es so funktioniert…. Ich glaube, wir haben aus den folgenden Sitzungen mehr mitgenommen, nachdem wir [unsere] Nuancen losgelassen hatten.
Das fehlende Vertiefen von Identität, die Unfähigkeit, Komplexität zu halten, und die Normalisierung, Klientinnen und Klienten „genauso wie jedes Hetero-Paar“ (P21) zu behandeln, hinterließen bei einigen Teilnehmenden das Gefühl, fremd, nicht normal und zu „Anderen“ gemacht zu sein, während andere sich danach sehnten, dass ihre Identitäten den Zweck der Therapie nicht überschatten.
Die vorliegende Studie dokumentiert mithilfe der Analyse negativer Fälle den unerwarteten Befund des Othering, das Angehörige der LGBTQ+-Communitys in der EFCT erleben. Die Teilnehmenden berichteten, dass das Warum, Wann und Wie des Sprechens – oder Nichtsprechens – über LGBTQ+-Identität ihre Erfahrung sowohl der Therapie als auch des Ansehens der Ausbildungsvideos beeinflusste. Konkret beschrieben die Teilnehmenden, dass das Thematisieren von Identität darauf hindeuten konnte, dass die therapierende Person ihre sexuelle Identität mit ihrem Anliegen vermengte; dass die Art, wie über Identität gesprochen wurde, darauf hindeuten konnte, dass die Klientel Zeit darauf verwenden musste, die Fachperson über verbreitete Erfahrungen in den LGBTQ+-Communitys aufzuklären; und dass, wenn über Identität gesprochen werden sollte, das Gespräch darauf ausgerichtet sein müsse, das Verständnis der gelebten Erfahrungen der Klientel zu vertiefen. Diese Befunde legen nahe, dass das Gespräch über LGBTQ+-Identität vielschichtig und intersektional ist, da es eine Vielfalt an Vorstellungen darüber gibt, was jede einzelne Person (und jede Beziehung) bevorzugte.
Die Präferenzen der Teilnehmenden im Hinblick auf das Gespräch über ihre sexuelle Identität verdeutlichen wesentliche Aspekte kulturell responsiver Therapie, darunter den Wert eines offenen Dialogs zur Klärung der Präferenzen der Klientel für den Fokus der Sitzung und die Bedeutung, die Behandlung an der Weltsicht der Klientel auszurichten. Das Eingehen auf die Präferenzen der Klientel führt zu weniger Therapieabbrüchen und besseren Ergebnissen (Swift et al. 2018), und Ratsuchende bevorzugen Therapierende, die das offene Gespräch nutzen, um die Therapie an ihre besonderen Bedürfnisse anzupassen (Di Malta et al. 2025). Darüber hinaus ist der Einsatz therapeutischer Modelle, Methoden und Interventionen, die mit den Werten, Überzeugungen und Annahmen der Klientel (d. h. ihrer Weltsicht) übereinstimmen, sowohl ein Kernprinzip kultureller Demut (Mosher et al. 2017) als auch ein Weg zu kulturell sicherer Versorgung (Wright et al. 2021).
Die Forschung stützt den Einsatz von Broaching in der Therapie (Chang and Berk 2009; Sanders Thompson and Alexander 2006; Zhang and Burkhard 2008; Zhang and McCoy 2008). Broaching bezeichnet eine beständige Offenheit und die Verpflichtung, gemeinsam mit der Klientel Fragen von Diversität, Kultur, Identität, Macht, Privilegien und Unterdrückung zu erkunden (Day‐Vines et al. 2020; Pettyjohn et al. 2020). Broaching umfasst mehrere Dimensionen, darunter die intraberaterische (d. h. die Anerkennung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen beratender Person und Klientel), die intraindividuelle (d. h. die Anerkennung der intersektionalen Natur von Identität), die intrakulturelle (d. h. die Anerkennung möglicher Probleme, die in der Eigengruppe der therapierenden Person entstehen) und die interkulturelle Dimension (d. h. die Anerkennung jener Aspekte von Unterdrückung, die das Leiden der Klientel beeinflussen, durch die therapierende Person [Day‐Vines et al. 2020]). Die Wirksamkeitsforschung zum Broaching belegt eine höhere Glaubwürdigkeit der Fachperson, eine reichere Selbstöffnung der Klientel, eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass Ratsuchende wiederkommen, eine gestärkte Arbeitsallianz und bessere Therapieergebnisse (Chang and Berk 2009; Sanders Thompson and Alexander 2006; Zhang and McCoy 2008). Therapierende, die Broaching praktizieren, werden von ihrer Klientel als kulturell kompetenter wahrgenommen (Allen 2024), insbesondere von LGBTQ+-Klientel (Quiñones et al. 2015).
Es gibt keine richtige Antwort darauf, wie mit den Feinheiten der Präferenzen von Klientinnen und Klienten in Bezug auf das Gespräch über Identität und die Offenlegung der Identität der Therapierenden umzugehen ist; dieses Gespräch ist keine Einheitsgröße, die allen passt. Obwohl Therapierende, die Identität ansprechen, als kulturell kompetenter gelten und die vorliegende Forschung Broaching stützt (Chang and Berk 2009; Sanders Thompson and Alexander 2006; Zhang and Burkhard 2008; Zhang and McCoy 2008), riskieren sie auch, die therapeutische Beziehung zu beschädigen. So kann die therapeutische Beziehung Schaden nehmen, wenn Therapierende mit Ratsuchenden, die eine „farbenblinde“ Haltung vertreten, über rassische Zugehörigkeit sprechen (Allen 2024), und Therapierende, die eine Behinderung ansprechen, riskieren ein stärkeres Leiden der Klientel, weil diese sich von der Fachperson beurteilt fühlt (Anderson 2024). Wir empfehlen daher, sich einerseits auf die Forschung zu stützen, wenn begründet wird, warum es aus therapeutischer Sicht wichtig ist, über die Identitäten von Klientel und Therapierenden zu sprechen, und andererseits langsam vorzugehen, Einverständnis einzuholen, bei der Klientel nachzufragen, worüber sie sich zu sprechen wohlfühlt, und ihrer Führung zu folgen.
Forschungsbasierte Modelle wie das Rahmenkonzept der Intersektionalität (Crenshaw 1989) ermöglichen es Therapierenden, zu berücksichtigen, wie mehrere sich überschneidende Identitäten die gelebten Erfahrungen der Klientel beeinflussen können, und die Klientel zugleich in ihre eigenen Perspektiven auf Fragen von Privilegien und Benachteiligungen einzubeziehen, die ihren Alltag in besonderer Weise prägen. Das ADDRESSING-Modell (Hays 2024) und ähnliche Ansätze können solche Rahmenkonzepte ergänzen und es Therapierenden ermöglichen, strukturelle Erfahrungen, die Voreingenommenheit und Diskriminierung fortschreiben, einzuschätzen und anzuerkennen, dabei aber nah an den gelebten Realitäten der Paare zu bleiben, indem sie ihnen Raum geben mitzuteilen, ob und wie ihre Gesundheit als Einzelpersonen und als Paarsystem von Marginalisierung betroffen sein kann. Diese Rahmenkonzepte stärken nicht nur Bewusstsein, Wissen und Demut gegenüber Erfahrungen, die sich von unseren eigenen unterscheiden, sondern ermöglichen auch eine Selbstprüfung hinsichtlich verbreiteter Annahmen und Verhaltensweisen, die beabsichtigt oder unbeabsichtigt Mikroaggressionen in der Therapie fortschreiben und letztlich die Ergebnisse der Klientel beeinträchtigen können (Davis et al. 2016).
Eine therapeutische Grundregel lautet, „die Klientel dort abzuholen, wo sie steht“. Diese Befunde zeigen, dass es wichtig ist, dass Therapierende ihre Klientel in deren jeweiliger Phase der Identitätsentwicklung abholen. Identität bezeichnet das fortdauernde Selbstempfinden eines Menschen, das durch individuelle körperliche, psychische und zwischenmenschliche Merkmale sowie durch Zugehörigkeiten und soziale Rollen bestimmt ist und aus dem Gefühl erwächst, dass die eigenen Erinnerungen, Überzeugungen und Werte zum Selbst gehören (American Psychological Association 2022). Es gibt verschiedene Modelle der Identitätsentwicklung (z. B. Bishop et al. 2020), die beschreiben, wie Angehörige der LGBTQ+-Communitys ihre nicht heterosexuelle/nicht cisgeschlechtliche Identität verstehen und integrieren. Eines der detailliertesten Modelle der lesbischen, schwulen und bisexuellen Identitätsentwicklung wurde beispielsweise von Cass (1979) beschrieben.
Cass (1979) vertritt die Auffassung, dass Identität durch Entwicklungsprozesse und Verhaltensänderung erworben wird und dass Stabilität in der Wechselwirkung zwischen einem Menschen und seiner Umwelt liegt. Menschen können sowohl öffentliche als auch private Identitäten haben, und mit fortschreitender Entwicklung werden diese Identitätsaspekte integriert und kongruenter. Das Modell umfasst sechs Stufen, von der Verwirrung (d. h. der Erkenntnis, dass nicht heterosexuelle Informationen persönlich relevant sind, und Erfahrungen von Inkongruenz im Selbstbild) über eine dritte Stufe, die als Toleranz bezeichnet wird (d. h. zunehmender Kontakt mit anderen Menschen, die sich als nicht heterosexuell identifizieren), bis hin zu einer sechsten Stufe, der Synthese (d. h. der Fähigkeit, sowohl LGBTQ+- als auch heterosexuelle Menschen flexibel und idiografisch zu beurteilen, sowie der Akzeptanz einer nicht heterosexuellen Identität als einem Teil der unzähligen Aspekte des Selbst [Cass 1979]). Eine Identitätsabschottung (Foreclosure) kann eintreten, wenn sowohl die eigenen Reaktionen als auch die Reaktionen anderer auf das Erkennen und/oder Offenlegen der Identität als negativ wahrgenommen werden.
Trotz der frühen breiten Akzeptanz des Cass-Modells wurden wichtige Kritikpunkte laut, die einen linearen Stufenansatz der Identitätsentwicklung infrage stellen (z. B. Horowitz and Newcomb 2002). Zu diesen Kritikpunkten gehören die Grenzen eines unidirektionalen Entwicklungsmodells mit Endpunkt, das es nicht erlaubt, Identitäten in komplexeren Schemata zu konzeptualisieren, die sich fortlaufend entwickelnde, iterative Identitäten einschließen, die von entwicklungsbezogenen, soziokulturellen, zwischenmenschlichen und historischen Kontexten geprägt sind (D'Augelli 1994; Diamond 2006). Ein weiterer Kritikpunkt lautet, dass das Modell von Cass und andere frühe Entwicklungsmodelle vor allem auf kleinen Community-Stichproben beruhten, die überwiegend aus weißen schwulen erwachsenen Männern bestanden. Bishop et al. (2020) etwa stellten den Wert intersektionaler und lebenslaufbezogener Ansätze für die Entwicklung sexueller Identität fest und wiesen auf erhebliche Unterschiede im Zeitpunkt und Tempo von Entwicklungsmeilensteinen bei lesbischen, schwulen und bisexuellen Teilnehmenden hin. In einer systematischen Übersicht über die Evidenz aus Längsschnittstudien zur Entwicklung der Geschlechtsidentität fanden Fisher et al. (2025), dass sich je nach verwendeten Messinstrumenten und Konstrukten von Geschlechtsidentität unterschiedliche Entwicklungsmuster beobachten lassen. Aus bindungstheoretischer Sicht können die Teile des Selbst, die die sexuelle Identität und/oder Geschlechtsidentität ausmachen, je nach soziokulturellem Kontext und gelebter Erfahrung abgespalten oder unterdrückt werden. Für die Klientel kann es unsicher sein, diese Teile ihrer selbst in der Therapie zu erkunden, und sie braucht möglicherweise beständiges und behutsames Broaching durch die therapierende Person, um am Modell zu erfahren, wie sie sicher über ihre Identitäten sprechen kann. Es ist auch möglich, dass mehrere der Teilnehmenden, die angaben, keine Einbeziehung ihrer Identität in die Therapie zu wünschen, ihre weitere Identitätsentwicklung abgeschlossen haben (Foreclosure).
Identität als eingebettet in soziokulturelle Kontexte und soziale Dimensionen zu betrachten (Margi and McQueen 2023), ermöglicht es, zu berücksichtigen, wie Beziehungen von einer Identitätsabschottung betroffen sind, und mögliche Gründe dafür zu beschreiben, Identität in die relationale therapeutische Arbeit einzubeziehen. So ist beispielsweise das Verbergen der Identität (d. h. die Tendenz, die eigene sexuelle Orientierung und gleichgeschlechtliche Liebesbeziehungen privat zu halten (Mohr and Kendra 2011]) zwar adaptiv, steht aber in negativem Zusammenhang mit der Beziehungszufriedenheit (Guschlbauer et al. 2019; Pepping et al. 2019) und in positivem Zusammenhang mit psychischer Belastung (McIntyre et al. 2021; Riggle et al. 2017). Eine höhere Beziehungszufriedenheit und eine geringere Belastung gehen für Angehörige der LGBTQ+-Communitys daher zwangsläufig mit Identitätsintegration einher, was zusätzlich dafür spricht, dass EFCT-Therapierende das Gespräch über Identität einbeziehen.
Darüber hinaus unterstreichen die Erfahrungen dieser Teilnehmenden, wie wichtig es ist, dass Therapierende das MCO-Rahmenkonzept und insbesondere kulturelle Demut anwenden. Therapierende, die kulturelle Demut in ihre Arbeit einbeziehen, sind motiviert, ein Leben lang von anderen zu lernen, prüfen ihr eigenes kulturelles Bewusstsein kritisch, legen Wert auf zwischenmenschlichen Respekt, konzentrieren sich darauf, partnerschaftliche Arbeitsbündnisse mit ihrer Klientel aufzubauen, die Machtungleichgewichte angehen, und nehmen eine am Gegenüber orientierte Haltung ein, die es ihnen ermöglicht, neue kulturelle Informationen anzunehmen (Mosher et al. 2017). Die Teilnehmenden dieser Studie gaben an, dass die Therapeutin in den Ausbildungsvideos nicht immer kulturelle Demut praktizierte; dies zeigte sich besonders darin, wie sie ihr eigenes kulturelles Bewusstsein prüfte und neue kulturelle Informationen annahm. Diese Erfahrungen machen deutlich, wie wichtig es ist, mit der Klientel ganz präsent zu sein, wenn sie kulturelle Informationen teilt, die für uns als Therapierende neu sind, und auch, wie wir diese kulturellen Informationen im Moment verarbeiten. Dies erfordert eine Reflexion im Moment darüber, wie man verbal und nonverbal auf die neuen kulturellen Informationen reagiert.
Auch wenn diese Studie wichtige Einblicke darin gibt, wie LGBTQ+-Klientel Othering erlebt, kann sie unmöglich alle Formen beschreiben, in denen es auftreten kann. Dies dürfte besonders für Teilnehmende gelten, die mit intersektionalen und weiteren marginalisierten Identitäten leben, etwa im Hinblick auf rassische Zugehörigkeit, Ethnizität, soziale Klasse oder Behinderung. Tatsächlich identifizierte sich der größte Teil dieser Stichprobe als weiß und war über 30 Jahre alt, was die Übertragbarkeit auf jüngere Angehörige der LGBTQ+-Communitys und People of Color einschränkt. Eine weitere Limitation dieser Studie bestand darin, dass die ersten beiden Fokusgruppen die Videos aufgrund technischer Probleme nicht sehen konnten. Sie konnten zwar den Ton hören, doch ist es möglich, dass ihnen Informationen entgingen, die nur durch das Ansehen der Aufnahme zugänglich waren, und/oder dass ihre Aufmerksamkeit stärker schwankte. Die Teilnehmenden machten zudem mehrere auf Annahmen beruhende Aussagen darüber, was für bestimmte Gruppen unter dem LGBTQ+-Dach am besten passen würde (z. B. schwule Männer, lesbische Frauen). Es ist daher festzuhalten, dass die Teilnehmenden trotz ihrer verallgemeinernden Aussagen nur über ihre eigenen gelebten Erfahrungen sprechen können. Schließlich sprachen die Teilnehmenden aus ihrer eigenen Therapieerfahrung heraus. Da wir keine der EFCT-Therapierenden, die ihre Klientel an die Studie verwiesen, befragt oder beurteilt haben, können wir nicht sicher sein, ob die Teilnehmenden auf eine „reine“ EFCT oder auf eine angepasste Version reagieren.
Die Befunde dieser Studie sprechen dafür, dass EFCT-Therapierende manche EFT-Mikrofertigkeiten (z. B. empathische Reflexionen, Validierung, evokatives Antworten, Intensivieren, empathisches Vermuten und das Choreografieren engagierter Begegnungen) anders einsetzen, um Othering zu vermeiden. So betonten die Teilnehmenden, wie wichtig es ist, Fragen zu stellen, statt sich auf Spiegeln und Zusammenfassen zu verlassen. Fragen ermöglichen es der Klientel, eine Wahl in Bezug auf die eigene Erfahrung zu treffen; daher kann bei der Arbeit mit Menschen mit marginalisierten Identitäten eine Verschiebung hin zu evokativen Fragen statt evokativen Reflexionen angebracht sein. Tatsächlich hoben die Teilnehmenden die Bedeutung und die tiefe Wirkung der Neugier von Therapierenden für mehr Sicherheit hervor.
Ein unverzichtbarer Aspekt bei der Umsetzung sowohl kultureller Demut als auch des Broaching ist die Ausbildung von Therapierenden. Eine qualitativ hochwertige Ausbildung kann die Sicherheit von Therapierenden im Umgang mit Broaching (Askren 2022) und mit dem MCO-Rahmenkonzept (Davis et al. 2018) verbessern, insbesondere im Kontext der Supervision (Winkeljohn Black et al. 2025). Wir empfehlen EFCT-Therapierenden daher nachdrücklich, Fortbildungen und Supervision zu suchen, die sich sowohl auf Broaching als auch auf das MCO-Rahmenkonzept konzentrieren (Davis et al. 2018). Neben Fortbildungen zu Modellen kultureller Demut legen die Befunde dieser Studie auch nahe, dass EFCT-Therapierende von einer besseren Kenntnis ergänzender forschungsbasierter Modelle (z. B. Intersektionalität, ADDRESSING) profitieren könnten, um die möglichen Erfahrungen von Menschen im Blick zu behalten, die mit mehreren sich überschneidenden marginalisierten Identitäten leben. Es ist wesentlich, dass EFCT-Therapierende sich wohl dabei fühlen, über ihre eigene Identität und die ihrer Klientel zu sprechen, kulturelle Demut praktizieren, kulturelle Gelegenheiten nutzen und genügend Sicherheit schaffen, um eine Reparatur zu ermöglichen, wenn es zu Brüchen im Zusammenhang mit Othering kommt.
Die Teilnehmenden dieser Studie sind der Ansicht, dass Othering vermieden werden kann, wenn Therapierende die Erfahrungen von Marginalisierung und Unterdrückung ihrer Klientel bewusst bezeugen. Wenn Therapierende den Erfahrungen der Klientel mit kultureller Demut begegnen und es vermeiden, ihre eigenen Werte aufzuzwingen, ist es weniger wahrscheinlich, dass sich LGBTQ+-Klientel zum „Anderen“ gemacht fühlt. Schließlich erwähnen therapeutische Kompetenzprofile und Leitlinien häufig die Einbeziehung der Identitätsentwicklung in den therapeutischen Prozess (z. B. Ratts et al. 2016). Angesichts des Zusammenhangs zwischen Bindung und Identitätsentwicklung ist es wichtig, dass EFCT-Therapierende diese Modelle kennen und in ihre therapeutische Arbeit mit LGBTQ+-Klientel einbeziehen.
Die Befunde dieser Studie unterstreichen nachdrücklich, wie wichtig es ist, dass Therapierende die Identität der Klientel bewusst in einen multikulturellen Rahmen einbeziehen. Die Therapie mit einem minimalen Gespräch über Identität zu beginnen, kann Therapierenden helfen, offen für die Präferenz jeder einzelnen Person zu bleiben, ob ihre sexuelle Identität und/oder Geschlechtsidentität in die Behandlung einbezogen werden soll. Wenn Identität angesprochen wird, sollten Therapierende sie sowohl breit als auch in die Tiefe gehend erkunden, damit dies für die Erfahrung der Klientel bedeutsam und relevant ist.
Complexe Systémique: Kernpunkte
Die Studie hat das Verdienst, zu veröffentlichen, was ihre eigenen Hypothesen erschüttert: Das Team erwartete, dass das Sprechen über Identität hilft, und manche der befragten Personen erlebten das Gegenteil. Aus systemischer Sicht zeichnet der Befund eine vertraute Zwickmühle: Identität zu benennen kann zum „Anderen“ machen („du bist anders“), und sie zu verschweigen ebenso („dich gibt es nicht“). Daraus folgt keine inhaltliche Regel; was hilft, ist Metakommunikation, also das Paar zu fragen, ob, wann und wie es diese Fragen in die Sitzung einbringen möchte, und dann seiner Antwort zu folgen. Das Thema der Aufklärung der Therapierenden ist ebenso nützlich: Sichtbares Erstaunen lenkt die Sitzung auf das Lernen der Fachperson um und macht die Klientel zum Studienobjekt. Schließlich erinnert die Kritik an einem Ausbildungsvideo aus den frühen 2000er-Jahren, gedreht mit einer Expertin, daran, dass Modelle auch über ihre blinden Flecken weitergegeben werden. Die Grenzen sind real: eine überwiegend weiße Stichprobe über 30 Jahre, zwei Gruppen ohne Bild und keine Stimme der betroffenen Therapierenden. Zu lesen zusammen mit den Leitlinien zur EFT für gleichgeschlechtliche Beziehungen und dem Interview über die Arbeit mit queeren und neurodivergenten Menschen.
Anmerkungen aus dem Original
Danksagung. Diese Arbeit wurde teilweise durch die jährliche Anschubfinanzierung (Seed Grant) des Sexual and Gender Minority Health Consortium der Michigan State University gefördert.
Literatur
Ahmadi, F. S., E. Zarei, and S. R. Fallahchai. 2014. “The Effectiveness of Emotionally Focused Couple Therapy in Resolution of Marital Conflicts Between the Couples Who Visited the Consultation Centers.” Journal of Education and Management Studies 4, no. 1: 118–123. https://jems.scienceline.com/attachments/article/21/J.%20Educ.%20Manage.%20Stud.,%204(1)%20118-123%202014.pdf.
Akbulut, N., and O. Razum. 2022. “Why Othering Should Be Considered in Research on Health Inequalities: Theoretical Perspectives and Research Needs.” SSM‐Population Health 20: 101286. 10.1016/j.ssmph.2022.101286.
Atkin, C., and V. Freimuth. 2013. “Guidelines for Formative Evaluation Research in Campaign Design.” In Public Communication Campaigns, edited by Rice R. and C. Atkin, 52–68. SAGE Publications.
Allan, R., C. Edwards, and N. Lee. 2022. “Cultural Adaptations of Emotionally Focused Therapy.” Journal of Couple & Relationship Therapy 22, no. 1: 43–63. 10.1080/15332691.2022.2052391.
Allan, R., and S. M. Johnson. 2016. “Conceptual and Application Issues: Emotionally Focused Therapy With Gay Male Couples.” Journal of Couple & Relationship Therapy 16, no. 4: 286–305. 10.1080/15332691.2016.1238800.
Allen, E. 2024. “Does Diversity Ideology Moderate Participants' Perceptions of Therapists Who Do and Do Not Broach?” (Order No. 30994311). ProQuest Dissertations & Theses A&I; ProQuest Dissertations & Theses Global (3065236890). https://proxy.lib.ohio-state.edu/login?url=https://www.proquest.com/dissertationstheses/does-diversity-ideology-moderate-participants/docview/3065236890/se-2.
American Psychological Association. 2022. “APA Dictionary of Psychology: Identity.” https://dictionary.apa.org/identity.
Anderson, K. 2024. “Counselors' Experiences Broaching Disability With Clients: A Generic Qualitative Inquiry (Order No. 31766910).” ProQuest Dissertations & Theses A&I; ProQuest Dissertations & Theses Global. (3147365796). https://proxy.lib.ohio-state.edu/login?url=https://www.proquest.com/dissertationstheses/counselors-experiences-broaching-disability-with/docview/3147365796/se-2.
Askren, K. 2022. “Integrated Model for Teaching Multicultural Competence: Incorporating Broaching as a Basic Skill for Counseling Students.” https://digitalcommons.liberty.edu/doctoral/3662/.
Bhugra, D., A. Smith, M. Liebrenz, et al. 2023. “Otherness”, Otherism, Discrimination, and Health Inequalities: Entrenched Challenges for Modern Psychiatric Disciplines.” International Review of Psychiatry 35, no. 3–4: 234–241. 10.1080/09540261.2023.2192275.
Bishop, M. D., J. N. Fish, P. L. Hammack, and S. T. Russell. 2020. “Sexual Identity Development Milestones in Three Generations of Sexual Minority People: A National Probability Sample.” Developmental Psychology 56, no. 11: 2177–2193. 10.1037/dev0001105.
Braun, V., and V. Clarke. 2006. “Using Thematic Analysis in Psychology.” Qualitative Research in Psychology 3, no. 2: 77–101. 10.1191/1478088706qp063oa.
Cass, V. C. 1979. “Homosexual Identity Formation: A Theoretical Model.” Journal of Homosexuality 4, no. 3: 219–235. 10.1300/J082v04n03_01.
Chang, D. F., and A. Berk. 2009. “Making Cross‐Racial Therapy Work: A Phenomenological Study of Clients' Experiences of Cross‐Racial Therapy.” Journal of Counseling Psychology 56, no. 4: 521–536. 10.1037/a0016905.
Crenshaw, K. 1989. “Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics.” University of Chicago Legal Forum 1, no. 8: 138–167. http://chicagounbound.uchicago.edu/uclf/vol1989/iss1/8.
Creswell, J. D., and C. N. Poth. 2018. Qualitative Inquiry and Research Design: Choosing Among Five Approaches, 4th ed. Sage.
Cruwys, T., G. C. Lee, A. M. Robertson, et al. 2023. “Therapists Who Foster Social Identification Build Stronger Therapeutic Working Alliance and Have Better Client Outcomes.” Comprehensive Psychiatry 124: 152394. 10.1016/j.comppsych.2023.152394.
D'Augelli, A. R. 1994. “Identity Development and sExual Orientation: Toward a Model of Lesbian, Gay, and Bisexual Development.” In Human Diversity: Perspectives on People in Context, edited by Trickett In. E. J., Watts R. J. and D. Birman, 312–333. Jossey‐Bass.
Davis, D. E., C. DeBlaere, K. Brubaker, et al. 2016. “Microaggressions and Perceptions of Cultural Humility in Counseling.” Journal of Counseling & Development 94, no. 4: 483–493. 10.1002/jcad.12107.
Davis, D. E., C. DeBlaere, J. Owen, et al. 2018. “The Multicultural Orientation Framework: A Narrative Review.” Psychotherapy 55, no. 1: 89–100. 10.1037/pst0000160.
Day‐Vines, N. L., F. Cluxton‐Keller, C. Agorsor, S. Gubara, and N. A. A. Otabil. 2020. “The Multidimensional Model of Broaching Behavior.” Journal of Counseling & Development 98, no. 1: 107–118. 10.1002/jcad.12304.
Diamond, L. M. 2006. “What We Got Wrong About Sexual Identity Development: Unexpected Findings From a Longitudinal Study of Young Women.” In Sexual Orientation and Mental Health: Examining Identity and Development in Lesbian, Gay, and Bisexual People, edited by Omoto A. M. and H. S. Kurtzman, 73–94. APA Press. 10.1037/11261-004.
Edwards, C., A. K. Wittenborn, and R. Allan. 2025. “‘Be Open to All Those Ways That People Can Live Their Lives:’ LGBTQ+ Client Recommendations for Adapting Emotionally Focused Couple Therapy.” Journal of Marital and Family Therapy 51, no. 3). 10.1111/jmft.70037.
Ellis, D. M., A. A. Draheim, and P. L. Anderson. 2022. “Culturally Adapted Digital Mental Health Interventions for Ethnic/Racial Minorities: A Systematic Review and Meta‐Analysis.” Journal of Consulting and Clinical Psychology 90, no. 10: 717–733. 10.1037/ccp0000759.
Fisher, E., S. Wright, and C. Sargeant. 2025. “What Do Measures of Gender Identity Tell us About Gender Identity Over Time?” British Journal of Developmental Psychology 43: 319–341. 10.1111/bjdp.12491.
Goldenberg, T., S. J. McDougal, P. S. Sullivan, J. D. Stekler, and R. Stephenson. 2015. “Building a Mobile HIV Prevention App for Men Who Have Sex With Men: An Iterative and Community‐Driven Process.” JMIR Public Health and Surveillance 1, no. 2: 1–13. 10.2196/publichealth449.
Guillory, P. T. 2021. Emotionally Focused Therapy With African American Couples: Love Heals. Routledge.
Guschlbauer, A., N. G. Smith, J. DeStefano, and D. E. Soltis. 2019. “Minority Stress and Emotional Intimacy Among Individuals in Lesbian and Gay Couples: Implications for Relationship Satisfaction and Health.” Journal of Social and Personal Relationships 36, no. 3: 855–878. 10.1177/0265407517746787.
Hadi, M. A., and S. José Closs. 2016. “Ensuring Rigour and Trustworthiness of Qualitative Research in Clinical Pharmacy.” International Journal of Clinical Pharmacy 38: 641–646. 10.1007/s11096-015-0237-6.
Hall, G. C. N., J. E. Kim‐Mozeleski, N. W. Zane, et al. 2019. “Cultural Adaptations of Psychotherapy: Therapists' Applications of Conceptual Models With Asians and Asian Americans.” Asian American Journal of Psychology 10, no. 1: 68–78. 10.1037/aap0000122.
Hanson, A. 2017. “Negative Case Analysis. The International Encyclopedia of Communication Research Methods.” 10.1002/9781118901731.iecrm0165.
Hays, P. A. 2024. “Four Steps Toward Intersectionality in Psychotherapy Using the Addressing Framework.” Professional Psychology: Research and Practice 55, no. 5: 454–462. 10.1037/pro0000577J.
Hodock, C. L. 1980. “Copy Testing and Strategic Positioning.” Journal of Advertising Research 20, no. 1: 33–38.
Horowitz, J. L., and M. D. Newcomb. 2002. “A Multidimensional Approach to Homosexual Identity.” Journal of Homosexuality 42: 1–19. 10.1300/J082v42n02_01.
Jennings, T. L., and E. Sprankle. 2023. “Therapist Multicultural Orientation: Client Perceptions of Cultural Humility, LGB Identity, and the Working Alliance.” Journal of Homosexuality 71, no. 9: 2200–2216. 10.1080/00918369.2023.2229473.
Jensen, S. Q. 2011. “Othering, Identity Formation and Agency.” Qualitative Studies 2, no. 2: 63–78. 10.7146/qs.v2i2.5510.
Johnson, S. M. 2019. Attachment Theory in Practice: Emotionally Focused Therapy (EFT) With Individuals, Couples, and Families. Guilford Publications.
Jones, G. K. 2024. “Mistrust as a Treatment Barrier to Couple Therapy for Underserved Populations: A Mixed Method Study.” Doctoral dissertation, Regent University.
Khumsaen, N., and R. Stephenson. 2017. “Adaptation of the HIV/AIDS Self‐Management Education Program for Men Who Have Sex With Men in Thailand: An Application of the ADAPT‐ITT Framework.” AIDS Education and Prevention 29, no. 5: 401–417. 10.1521/aeap.2017.29.5.401.
Kivlighan, D. M., I. W. Hooley, M. G. Bruno, L. L. Ethington, P. M. Keeton, and B. A. Schreier. 2019. “Examining Therapist Effects in Relation to Clients' Race, Ethnicity, and Gender: An Intersectionality Approach.” Journal of Counseling Psychology 66: 122–129. 10.1037/cou0000316.
Krueger, R., and M. A. Casey. 2015. Focus Groups: A Practical Guide for Applied Research, 5th ed. SAGE Publications.
Kuo, P. B., H. Hashtpari, C. J. Chea, and K. W. Tao. 2022. “Centering and Decentering Client Disclosures: A Qualitative Study of Therapists' Responses to Clients' Experiences of Discrimination.” Psychotherapy 59, no. 4: 533–544. 10.1037/pst0000453.
Di Malta, G., M. Cooper, H. Oddli, J. K. Swift, and S. Knox. 2025. “Clients' Preferences for Their Therapists' Relational Styles in Psychotherapy: A Consensual Qualitative Research Study.” Counselling and Psychotherapy Research 25, no. 1: e12887. 10.1002/capr.12887.
Margi, E., and P. McQueen. 2023. Critical Phenomenology: An Introduction. Polity Press.
McGeorge, C. R., K. O. Coburn, and A. A. Walsdorf. 2021. “Deconstructing Cissexism: The Journey of Becoming an Affirmative Family Therapist for Transgender and Nonbinary Clients.” Journal of Marital and Family Therapy 47, no. 3: 785–802. 10.1111/jmft.12481.
McIntyre, S. L., E. A. Antonucci, and S. C. Haden. 2021. “Being White Helps: Intersections of Self‐Concealment, Stigmatization, Identity Formation, and Psychological Distress in Racial and Sexual Minority Women.” In Lesbians and White Privilege, edited by A. L. Dottolo, 57–72. Routledge.
Miles, M. B., A. M. Huberman, and J. Saldana. 2019. Qualitative Data Analysis: A Methods Sourcebook, 4th ed. SAGE Publications.
Milkavcic, A., and M. N. LeBlanc. 2014. “Culture Brokers, Clinically Applied Ethnography, and Cultural Mediation.” In Cultural Consultation Encountering the Other in Mental Health Care, edited by L. J. Kirmayer, Guzder J. and C. Rousseau, 115–137. Springer.
Mohr, J. J., and M. S. Kendra. 2011. “Revision and Extension of a Multidimensional Measure of Sexual Minority Identity: The Lesbian, Gay, and Bisexual Identity Scale.” Journal of Counseling Psychology 58, no. 2: 234–245. 10.1037/a0022858.
Moodley, R. 2009. “Multi(ple) Cultural Voices Speaking “Outside the Sentence” of Counselling and Psychotherapy.” Counselling Psychology Quarterly 22, no. 3: 297–307. 10.1080/09515070903302364.
Morris, E. R., L. Lindley, and M. P. Galupo. 2020. “‘Better Issues to Focus On’: Transgender Microaggressions as Ethical Violations in Therapy.” Counseling Psychologist 48, no. 6: 883–915. 10.1177/0011000020924391.
Mosher, D. K., J. N. Hook, L. E. Captari, D. E. Davis, C. DeBlaere, and J. Owen. 2017. “Cultural Humility: A Therapeutic Framework for Engaging Diverse Clients.” Practice Innovations 2, no. 4: 221–233. 10.1037/pri0000055.
Najafi, M., A. A. Soleimani, K. Ahmadi, N. Javidi, A. Hosseini Kamkar, and F. Pirjavid. 2015. “The Study of the Effectiveness of Couple Emotionally Focused Therapy (EFT) on Increasing Marital Adjustment and Improving the Physical and Psychological Health of the Infertile Couples.” IJOGI 17, no. 133: 8–21. 10.22038/ijogi.2015.3703.
National Cancer Institute. 2004. “Making Health Communication Programs Work.” U. S. Department of Health and Human Services. https://www.cancer.gov/publications/health-communication/pink-book.pdf.
Neff, B. T. 2024. Identity‐Focused Therapist Self‐disclosure in Matched Sexual/Gender Minority Dyads: A Longitudinal Therapy Process‐Outcome Study. https://academicworks.cuny.edu/cc_etds_theses/1169/.
Nightingale, M., C. I. Awosan, and K. Stavrianopoulos. 2019. “Emotionally Focused Therapy: A Culturally Sensitive Approach for African American Heterosexual Couples.” Journal of Family Psychotherapy 30, no. 3: 221–244. 10.1080/08975353.2019.1666497.
Owen, J. 2013. “Early Career Perspectives on Psychotherapy Research and Practice: Psychotherapist Effects, Multicultural Orientation, and Couple Interventions.” Psychotherapy 50, no. 4: 496–502. 10.1037/a0034617.
Owen, J. J., K. Tao, M. M. Leach, and E. Rodolfa. 2011. “Clients' Perceptions of Their Psychotherapists' Multicultural Orientation.” Psychotherapy 48, no. 3: 274–282. 10.1037/a0022065.
Owen, J., T. A. Jordan, D. Turner, D. E. Davis, J. N. Hook, and M. M. Leach. 2014. “Therapists' Multicultural Orientation: Client Perceptions of Cultural Humility, Spiritual/Religious Commitment, and Therapy Outcomes.” Journal of Psychology and Theology 42, no. 1: 91–98. 10.1177/009164711404200110.
Pepping, C. A., T. J. Cronin, W. K. Halford, and A. Lyons. 2019. “Minority Stress and Same Sex Relationship Satisfaction: The Role of Concealment Motivation.” Family Process 58: 496–508. 10.1111/famp.12365.
Pettyjohn, M. E., C.‐F. Tseng, and A. J. Blow. 2020. “Therapeutic Utility of Discussing Therapist/Client Intersectionality in Treatment: When and How?” Family Process 59, no. 2: 313–327. 10.1111/famp.12471.
Phillip, J. S., and M. R. Maimon. 2023. “Interpersonal Identity Cues: The Effect of Therapist Identity on Expectations for the Therapeutic Relationship.” Psi Chi Journal of Psychological Research 28, no. 1: 67–78. 10.24839/2325-7342.jn28.1.67.
Powell, J. A., and S. Menendian. 2016. “The Problem of Othering: Towards Inclusiveness and Belonging.” Othering & Belonging 1, no. 1: 14–40.
Quiñones, T. J., E. N. Woodward, and D. W. Pantalone. 2015. “Sexual Minority Reflections on Their Psychotherapy Experiences.” Psychotherapy Research 27, no. 2: 189–200. 10.1080/10503307.2015.1090035.
Ratts, M. J., A. A. Singh, S. Nassar‐McMillan, S. K. Butler, and J. R. McCullough. 2016. “Multicultural and Social Justice Counseling Competencies: Guidelines for the Counseling Profession.” Journal of Multicultural Counseling and Development 44, no. 1: 28–48. 10.1002/jmcd.12035.
Reel Concepts for Susan Johnson, Inc. 2011. “Working Successfully With Same‐Sexcouples: The EFT Path to Secure Connection.” International Center for Excellence in Emotionally Focused Therapy.
Riggle, E. D. B., S. S. Rostosky, W. W. Black, and D. E. Rosenkrantz. 2017. “Outness, Concealment, and Authenticity: Associations With LGB Individuals' Psychological Distress and Well‐Being.” Psychology of Sexual Orientation and Gender Diversity 4, no. 1: 54–62. 10.1037/sgd0000202.
Saldana, J. 2021. The Coding Manual for Qualitative Researchers. SAGE Publications.
Salpietro, L., C. Ausloos, and M. Clark. 2019. “Cisgender Professional Counselors' Experiences With Trans* Clients.” Journal of LGBT Issues in Counseling 13, no. 3: 198–215. 10.1080/15538605.2019.1627975.
Sanders Thompson, V. L., and H. Alexander. 2006. “Therapists' Race and African American Clients' Reactions to Therapy.” Psychotherapy: Theory, Research, Practice, Training 43, no. 1: 99–110.
Soto, A., T. B. Smith, D. Griner, M. Domenech Rodríguez, and G. Bernal. 2018. “Cultural Adaptations and Therapist Multicultural Competence: Two Meta‐Analytic Reviews.” Journal of Clinical Psychology 74, no. 11: 1907–1923. 10.1002/jclp.22679.
Spengler, P. M., N. A. Lee, S. A. Wiebe, and A. K. Wittenborn. 2022. “A Comprehensive Meta Analysis on the Efficacy of Emotionally Focused Couple Therapy. Couple and Family Psychology: Research and Practice.” Ahead of print. 10.1037/cfp0000233.
Sue, D. W., D. Sue, H. A. Neville, and L. Smith. 2022. Counseling the Culturally Diverse: Theory and Practice. John Wiley & Sons.
Swift, J. K., J. L. Callahan, M. Cooper, and S. R. Parkin. 2018. “The Impact of Accommodating Client Preference in Psychotherapy: A Meta‐Analysis.” Journal of Clinical Psychology 74, no. 11: 1924–1937. 10.1002/jclp.22680.
Tseng, C.‐F., P. C. Morgan, and A. K. Wittenborn. 2024. “Predicting Change in Relationship Distress and Depressive Symptoms Among Couples in Taiwan: The Role of Attachment, Emotional Expressivity, and Gender Roles in Emotionally Focused Therapy.” Journal of Marital and Family Therapy 51, no. 1. 10.1111/jmft.12743.
Whitehill King, K., J. D. Pehrson, and L. N. Reid. 1993. “Pretesting TV Commercials: Methods, Measures, and Changing Agency Roles.” Journal of Advertising 22, no. 3: 85–97. https://eds.p.ebscohost.com/eds/pdfviewer/pdfviewer?vid=5&sid=cd6538d2-cc41-4e08a5ba-7c93d633e51f%40redis.
Wingood, G. M., and R. J. DiClemente. 2008. “The ADAPT‐ITT Model: A Novel Method of Adapting Evidence‐Based HIV Interventions.” JAIDS Journal of Acquired Immune Deficiency Syndromes 47: S40–S46. 10.1097/QAI.0b013e3181605df1.
Winkeljohn Black, S., M. M. Wilcox, A. E. Pérez‐Rojas, and L. West. 2025. “Identifying and Enhancing the Necessary Ingredients for Cultural Humility in Supervisory Relationships.” Psychotherapy 62, no. 1: 55–62. 10.1037/pst0000538.
Wright, M., A. Lin, M. O'Connell, J. Bullen, and H. Flavell. 2021. “Understanding and Working With Different Worldviews to Co‐Design Cultural Security in Clinical Mental Health Settings to Engage With Aboriginal and Torres Strait Islander Clients.” Primary Health Care Research & Development 22: e59. 10.1017/S1463423621000499.
Zhang, N., and A. W. Burkard. 2008. “Client and Counselor Discussions of Racial and Ethnic Differences in Counseling: An Exploratory Investigation.” Journal of Multicultural Counseling and Development 36, no. 2: 77–87. 10.1002/j.2161-1912.2008.tb00072.x.
Zhang, N., and V. A. McCoy. 2008. “Discussion of Racial Difference in Counseling: A Counselor's Perspective.” Journal of College Student Psychotherapy 23, no. 1: 3–15.
Zeber, J. E., K. J. Coleman, H. Fischer, et al. 2017. “The Impact of Race and Ethnicity on Rates of Return to Psychotherapy for Depression.” Depression and Anxiety 34, no. 12: 1157–1163. 10.1002/da.22696.
Inoffizielle deutsche Übersetzung von “I'm Not Here to Teach You How to Be Gay:” LGBTQ+ Client Experiences of Othering in Emotionally Focused Couple Therapy von Caitlin Edwards, Lekie Dwanyen, Andrea Wittenborn und Robert Allan, Journal of Marital and Family Therapy, Bd. 52 (2026), doi: 10.1111/jmft.70141, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzung und Satz: Complexe Systémique, Oktober 2026, mit Unterstützung künstlicher Intelligenz; das Werk wurde im Sinne der Lizenz bearbeitet. Diese Übersetzung stammt weder von den Verfassenden noch vom Verlag, die weder für ihren Inhalt noch für etwaige Fehler verantwortlich sind. Maßgeblich ist die Originalfassung.
Der Originalartikel „“I'm Not Here to Teach You How to Be Gay:” LGBTQ+ Client Experiences of Othering in Emotionally Focused Couple Therapy“ erschien in Journal of Marital and Family Therapy (2026) unter der Lizenz CC BY 4.0. Inoffizielle deutsche Übersetzung von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz, wie zu Beginn dieser Seite angegeben; maßgeblich ist die Originalfassung.
Originalartikel lesenSo zitieren Sie diesen Artikel
Edwards, C., Dwanyen, L., Wittenborn, A., und Allan, R. (2026). “I'm Not Here to Teach You How to Be Gay:” LGBTQ+ Client Experiences of Othering in Emotionally Focused Couple Therapy. Complexe Systémique. https://app.complexe-systemique.com/en_GB/articles/i-m-not-here-to-teach-you-how-to-be-gay-lgbtq-client-experiences-of-othering (Originalwerk 2026 erschienen in Journal of Marital and Family Therapy, 52, e70141 (2026); 2026 erneut veröffentlicht von Journal of Marital and Family Therapy, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/jmft.70141)
Weiterführende Lektüre