KI-gestützte Übersetzung

Diese Fassung wurde von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz aus dem Englischen übersetzt. Im Zweifelsfall ist die Originalfassung maßgeblich.

Family Process · Familientherapie

Erforschen, was wir praktizieren – das Paradigma der systemischen Familienforschung: Teil 1

Als in Norwegen familientherapeutische Fachkräfte gebeten wurden, ihre Klientinnen und Klienten routinemäßig Monitoring-Fragebögen ausfüllen zu lassen, lehnten 70% ab, oft aus Prinzip: „Das ist entmenschlichend.“ Vier Fachleute aus systemischer Forschung und Klinik sehen darin das Symptom einer Spaltung: Ein Teil des Feldes, inspiriert von einem starken Sozialkonstruktionismus, begegne jedem Wissen aus quantitativer Forschung mit Misstrauen. Als gemeinsame Grundlage plädieren sie für die evidenzbasierte Praxis im Sinne der APA, die keine Rangordnung der Methoden kennt.

Verfassende Lennart Lorås, Kristoffer Whittaker, Jan Stokkebekk und Terje Tilden (Western Norway University of Applied Sciences, Modum Bad Research Institute, University of Oslo, Bufetat)Erstveröffentlichung Family Process, 1. September 2023Übersetzung Complexe Systémique, inoffizielle KI-gestützte Übersetzung

Inoffizielle deutsche Übersetzung von Researching what we practice—The paradigm of systemic family research: Part 1 von Lennart Lorås, Kristoffer Whittaker, Jan Stokkebekk und Terje Tilden, erschienen in Family Process (Wiley) (2023), doi: 10.1111/famp.12903, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique im Oktober 2026 mit Unterstützung künstlicher Intelligenz: Der Originaltext wurde ins Deutsche übersetzt und für die Online-Lektüre neu gesetzt, was eine Bearbeitung des Werks im Sinne der Lizenz darstellt. Diese Übersetzung stammt weder von den Verfassenden noch vom Verlag, die weder für ihren Inhalt noch für etwaige Fehler verantwortlich sind. Maßgeblich ist die Originalfassung.

Wir sollten uns nicht auf Designfragen versteifen; worauf es wirklich ankommt, ist die Forschungsfrage.

Lennart Lorås, Kristoffer Whittaker, Jan Stokkebekk und Terje Tilden

Zusammenfassung

Dies ist Teil 1 von zwei Artikeln, die sich mit der ideologischen und philosophischen Präferenz befassen, wie man sich im Feld der systemischen Paar- und Familientherapie zur Forschung verhält und wie man sie betreibt. Der vorliegende Artikel legt somit die theoretische Grundlage für Teil 2 von „Researching what we practice“ in derselben Zeitschrift. Die Forschung in bestimmten Bereichen der systemischen Paar- und Familientherapie (CFT), etwa in den vom Sozialkonstruktionismus und der Postmoderne beeinflussten, hat eine andere erkenntnistheoretische Tradition als die Naturwissenschaften. Daher ist nur Forschung aus einem schmalen, ausgewählten Spektrum von Epistemologien als zentrale Quelle in die Wissensbasis der systemischen CFT eingegangen. Die Folge ist, dass das Feld der postmodernen systemischen CFT Gefahr läuft, nur ein begrenztes Spektrum an Forschungsdesigns und Wissen zu fördern und andere Designs und Wissensformen auszuschließen, mit der Begründung, diese seien in der klinischen Praxis weniger nützlich. Die Begründung dieser Sichtweise speist sich eher aus Ideologie und Philosophie als aus wissenschaftlichen Kriterien. Dementsprechend werden in unserem Fachgebiet unterschiedliche erkenntnistheoretische Perspektiven leicht als dichotom wahrgenommen, was zu fachlichen Gräben in unserem Feld führt. Diese Tendenz hemmt den notwendigen wechselseitigen Austausch und die notwendige Entwicklung. Wir zeigen einen möglichen Ausweg aus dieser dichotomisierten Pattsituation auf, vor allem indem wir die große Vielfalt und Breite der vorhandenen Forschung und des vorhandenen Wissens anerkennen – und zu ihrer Nutzung ermutigen. Unter Bezug auf die Leitprinzipien der evidenzbasierten Praxis argumentieren wir, dass dies therapeutisch und wissenschaftlich Tätigen in der systemischen CFT eine breitere Wissensbasis und ein größeres Spektrum an Forschungsmethoden verschaffen würde. Dies könnte dazu beitragen, die Qualität der Behandlung für die Menschen, die wir begleiten, zu verbessern und die Legitimität der postmodernen systemischen CFT als Zweig der Psychotherapie zu stärken.

EINLEITUNG

Die Systemtheorie wurde in den 1950er-Jahren von Bateson, Jackson, Watzlawick und Bowen und später von Minuchin, Patterson und anderen in die Forschung und Praxis der Paar- und Familientherapie eingeführt (Carr, 2012). Die zentrale Einsicht, die diese Pioniergeneration verband, war, dass menschliche Probleme im Wesentlichen eher interpersonell als intrapersonell sind. Dieses Verständnis erfordert einen Interventionsansatz, der sich unmittelbar den Beziehungen zwischen Menschen zuwendet. Damit stellte die Systemtheorie eine Antithese zum damals vorherrschenden Modell dar, das sich auf lineare Kausalität konzentrierte (etwa in der kindlichen Entwicklung) (Tilden et al., 2022).

Die Pioniergeneration betonte die Bedeutung der Forschung als Ausgangspunkt für die Verbesserung der Praxis. Am bekanntesten ist wohl das Mental Research Institute (MRI) in Palo Alto mit seinen Studien zur schizophrenen Kommunikation. Mit seinen Studien versuchte es – wie auch andere –, eine allgemeine „nomothetische“ Theorie des Familienfunktionierens zu begründen (Anderson, 2003). Dies wurde später von der postmodernen systemischen Familientherapie infrage gestellt, die sich gerade in Abgrenzung zu diesen früheren Theorien und Forschungen über Familiensysteme definierte. Die postmoderne systemische Paar- und Familientherapie (CFT) vertrat einen idiografischen und weitgehend atheoretischen Ansatz (etwa die Ablehnung der traditionellen Familiensystemtheorie und normativer Theorien über gesunde und ungesunde Interaktionsmuster durch White & Epston, 1990). Gestützt wird dies durch postmoderne und sozialkonstruktionistische Positionen wie die von Anderson & Goolishian (1992) und De Shazer (1993), nach denen wir uns nicht mit den Merkmalen der Phänomene befassen sollten, mit denen wir konfrontiert sind, sondern damit, wie wir sie als Therapierende interpretieren und semantisch konstruieren. Aus ihrer Sicht sollten die Anliegen der Ratsuchenden nicht als Ausdruck einer zugrunde liegenden Störung verstanden, sondern offen und unvoreingenommen aufgenommen werden. Uns ist bewusst, dass Sozialkonstruktionismus ein weiter und vielfältiger Begriff für unterschiedliche Positionen zum Verhältnis von Konstruktionen und Wirklichkeit ist (Burr, 2003; Flaskas, 2002; Smith, 2010), sodass jede allgemeine Aussage über den Konstruktionismus Gefahr läuft, differenziertere Positionen falsch darzustellen (Pocock, 2015). Wir wenden uns jedoch vor allem gegen einen starken Sozialkonstruktionismus, wie er in unserem Feld erheblichen Einfluss hat, etwa den von Anderson (2016, 2019) und De Shazer (1993). In seiner extremsten Form wurde er von De Shazer (1993) vertreten, der behauptete, nichts außerhalb des Therapieraums könne uns helfen zu verstehen, was in der Therapie geschieht. Infolgedessen lehnte die Anhängerschaft dieser Positionen forschungsbasiertes Wissen über die Phänomene, denen wir in der Therapie begegnen, weitgehend ab oder stand ihm gleichgültig gegenüber – ob es nun um psychische Störungen, Substanzmissbrauch oder um auffällige Entwicklungen und Verhaltensschwierigkeiten bei Kindern und Jugendlichen ging. Ihre Skepsis galt vor allem Wissen aus Forschung auf Gruppenebene (nomothetisches Wissen), das ihrer Argumentation nach ungültig und nutzlos sei, wenn es auf einzelne Ratsuchende (auf idiografischer Ebene) angewandt werde.

An diesem Punkt der Entwicklung des Feldes besteht somit ein Konflikt zwischen denjenigen, die in Theorie, Forschung und Praxis der Familiensysteme nomothetische Theorien und Befunde allgemeiner Muster befürworten und nutzen, und der postmodernen systemischen CFT, die nomothetische Perspektiven ablehnt. Wir erkennen zwar an, dass die postmoderne systemische CFT ein Bedürfnis befriedigt, indem sie diese einzigartigen Merkmale berücksichtigt, meinen aber auch, dass wir durch die Pflege solcher Unterschiede Gefahr laufen, in dieselbe Orthodoxie zu verfallen, gegen die wir ursprünglich angetreten sind. Wer bei der Pflege des eigenen bevorzugten Ansatzes keine Haltung des Respekts und der Demut gegenüber benachbarten Fachgebieten einnimmt, riskiert eine unproduktive Dichotomie. Das könnte bedeuten, es sich im eigenen Lager zu bequem zu machen und im schlimmsten Fall an die eigene Überlegenheit zu glauben. Damit liefe man Gefahr, das Wissen benachbarter Fachgebiete und/oder Wissen, das mit anderen als den uns vertrauten oder bevorzugten Forschungsmethoden gewonnen wurde, abzutun. Wir stellen fest, dass Teile des Feldes der systemischen CFT eine solch enge, puristische Sicht darauf übernommen haben, was „systemisch“ bedeutet und wie Wissen hervorgebracht werden sollte. Dies kann eine Barriere zwischen diesem Feld und benachbarten Fachgebieten der Psychotherapie errichten und so den wechselseitigen fachlichen Austausch und die Diskussion einschränken. Wir halten das für bedenklich. In der Folge könnte die systemische CFT insgesamt als Außenseiterin wahrgenommen werden, die man nicht ernst nehmen muss (Tilden et al., 2022). Wird die systemische CFT als eigenständiger Zweig der Psychotherapie als Außenseiterin gesehen, droht sie in mehreren einflussreichen Kontexten an Boden zu verlieren (Bertrando, 2009; Lorås, 2016, 2021; Tilden et al., 2022). Unsere Sorge ist nicht neu. Andere haben bereits die Notwendigkeit formuliert, die systemische CFT nicht länger in Abgrenzung zu anderen Verfahren zu definieren, sondern stattdessen Inklusivität, kohärente Integration, Respekt und Gastfreundschaft gegenüber allen Modellen und therapeutischen Diskursen wertzuschätzen (Larner, 2003; McNamee, 2005; Pinsof et al., 2018).

BEDENKLICHE GRÄBEN IN UNSEREM FELD

Wie dargestellt, gibt es unterschiedliche und widersprüchliche Auffassungen darüber, wie das systemische Feld definiert werden sollte. Es gab einige Versuche, systemische Therapie zu definieren, etwa von Lorås et al. (2017) und Sydow et al. (2010). Doch wie Friedlander et al. (2021) schreiben: „Einfach gesagt: Es gibt keinen Konsens darüber, was systemische Therapie ist und was nicht“ (p. 540). Folglich kann es Gräben in Bezug auf Ontologie und Epistemologie geben, wie etwa die erwähnte Debatte zwischen nomothetischem und idiografischem Ansatz zeigt (Fraenkel, 1995). Dieser Graben hängt teilweise mit einem anderen, seit Jahrzehnten bestehenden Graben zwischen klinisch und wissenschaftlich Tätigen zusammen, der sowohl in der Psychotherapie allgemein als auch in der systemischen CFT im Besonderen anerkannt ist (Drabick & Goldfried, 2000; Kazdin, 2009; Pinsof & Wynne, 2000; Teachman et al., 2012). Wir würden daher argumentieren, dass dieser Graben in der postmodernen systemischen CFT komplexer geworden ist, weil Teile des Feldes Ideologien beherbergen, die die Anerkennung bestimmter Forschungsarten einschränken (Tilden et al., 2022). Tatsächlich begegnet man in diesen Teilen des Feldes nomothetischem Wissen mit Misstrauen (Fraenkel, 1995). Manche theoretisch und therapeutisch Tätige halten solches Wissen für schädlich für den einzelnen Menschen: Es zwänge ihn in generische Beschreibungen, die die Kreativität einschränken, den Stolz unterdrücken und die Person bei ihren Versuchen, Probleme zu lösen, entmächtigen (Fraenkel, 1995). Dieser Graben zwischen denjenigen, die der postmodernen systemischen CFT anhängen, einerseits und denjenigen, die gemäßigtere Ansätze der systemischen CFT vertreten, andererseits ist bedauerlich – zum einen, weil der geringe Austausch zwischen den auseinanderstrebenden Lagern unseres Feldes auf mangelnde Einheit innerhalb der systemischen CFT hindeutet, zum anderen, weil er Kontakt und Zusammenarbeit zwischen Klinik und Forschung verringert. Dieser Mangel an wechselseitiger Kommunikation und Interaktion kann beispielsweise Forschende frustrieren, wenn klinisch relevante Befunde, die die Behandlung verbessern könnten, in der Therapie nicht umgesetzt werden. Praktizierende wiederum können frustriert sein, wenn sie nicht an der Entwicklung klinisch relevanter Forschungsfragen beteiligt werden, die Forschungsziele und -designs beeinflussen könnten. Aus diesem Grund werden Befunde womöglich nicht als klinisch verwertbar wahrgenommen. Selbst wenn Forschung darauf abzielt, neues Wissen zu schaffen, das die Behandlungsqualität verbessert und der Klientel zugutekommt, erschwert dieser Graben die Übertragung klinisch nützlicher Befunde in die klinische Alltagspraxis. Kommt nomothetische Forschung beispielsweise überzeugend zu dem Schluss, dass für eine bestimmte Gruppe von Ratsuchenden ein bestimmter Behandlungsansatz empfohlen werden sollte, müssen diese Ergebnisse an die klinisch Tätigen weitergegeben werden, gefolgt von der Schulung und Begleitung, die nötig sind, um die betreffende evidenzbasierte Behandlung in der Therapieeinrichtung einzuführen (Tilden et al., 2022). Andernfalls profitieren die Betroffenen nicht vom besten verfügbaren Behandlungsansatz, was unnötiges individuelles Leid und höhere öffentliche Kosten zur Folge hat.

Der Graben zwischen klinischer Praxis und Forschung ist durch kontextuelle, fachliche und hierarchische Distanz gekennzeichnet: kontextuell, weil Forschung selten innerhalb klinischer Einrichtungen stattfindet; fachlich, weil die meisten klinisch Tätigen mit dem Wesen der Forschung – insbesondere mit quantitativen Designs – nicht vertraut sind und sie im klinischen Arbeitsalltag als übergriffig erleben können; und hierarchisch, weil Forschende und Klinikleitung häufig Entscheidungen von oben treffen und Forschung in einer klinischen Einrichtung anstoßen, ohne das Personal in einem gründlichen Prozess einzubeziehen. Dadurch besteht die Gefahr, dass das klinische Personal weder im Projekt verankert ist noch sich verpflichtet fühlt oder begeistert ist, es zu ermöglichen und zu unterstützen (Håland & Tilden, 2017). Eine Möglichkeit, diesen Graben zu überbrücken, besteht darin, eine forschende Person aus der Klinik selbst zu gewinnen, die eine engere Verbindung zwischen dem Wissen um die klinische Praxis und der Vertrautheit mit dem Forschungsprojekt herstellt.

Wie bereits Fraenkel (1995) festgestellt hat, enthält das Feld der postmodernen systemischen CFT Elemente, die die Überbrückung dieses Grabens behindern. So haben Stimmen der systemischen Theoriebildung, die eine stark sozialkonstruktionistische Haltung und/oder eine kollaborativ-dialogische Praxis bevorzugen, Skepsis gegenüber der Anwendung nomothetischen Wissens in der klinischen Praxis geäußert (Anderson, 2016, 2019; Anderson & Goolishian, 1992; Lock & Strong, 2014). Wie Anderson (2016) schreibt: „Autoritative Diskurse weichen aus dieser Perspektive einem auf lokaler Ebene konstruierten Wissen, das für die beteiligten Teilnehmenden praktische Relevanz hat“ (p. 185). Damit betont sie den Nutzen idiografischen Wissens, das aus dem inneren Wissen der Person über ihre eigene gelebte Erfahrung, ihre Meinungen und Deutungen stammt. Solches Wissen gilt als sprachlich erzeugt und wird vor allem gewonnen, indem man die Ratsuchenden fragt, als wie hilfreich sie die Therapie erleben. Folglich werden qualitative Forschungsdesigns bevorzugt, und quantitative Ansätze gelten als weniger nützlich für die Disziplin. Der Einfluss des Sozialkonstruktionismus kann daher dazu beitragen, den Graben zwischen klinischer Praxis und Forschung aufrechtzuerhalten, da klinisch und wissenschaftlich Tätige unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was nützliches, relevantes Wissen ist und wie es entsteht. Tatsächlich kann dies auch Gräben innerhalb der Klinik und innerhalb der Forschung schaffen, bedingt durch divergierende Ideologien und Wissenschaftsphilosophien – Gräben, die umso bedenklicher sind, als sie zu einer Spaltung innerhalb des gesamten Feldes der systemischen CFT führen könnten.

Auch wenn man behaupten mag, dass die Forschung im Feld der systemischen CFT aus einer anderen erkenntnistheoretischen Tradition erwachsen ist als der Großteil der psychiatrischen und psychotherapeutischen Forschung (Lorås & Sundelin, 2018), erklärt dies die gegenwärtige Lage nicht vollständig. Und mit Blick auf die Feststellung von Friedlander et al. (2021), dass „systemische Therapie“ keine einheitliche Definition erlangt hat, vertreten wir die Auffassung, dass sie eine große Breite umfasst. Das halten wir für folgerichtig, da unser Interessengebiet komplex und umfassend ist. Dementsprechend gilt es, die Vielfalt der verfügbaren ausgefeilten und hochmodernen methodischen Ansätze aufzugreifen und zu nutzen. Die systemische CFT-Forschung der Zukunft sollte daher eine Vielzahl von Forschungsdesigns umfassen, alle Beiträge willkommen heißen und sie als wertvoll für das wachsende Wissensfeld betrachten.

Da forschungsbasierte empirische Evidenz in der Regel ebenso in die Wissensbasis einer Disziplin eingeht wie Praxis (erfahrungsbasierte empirische Evidenz) und Theorie, mag die begrenzte Aufnahme forschungsbasierter empirischer Evidenz in die Wissensbasis der systemischen CFT merkwürdig erscheinen (Tilden et al., 2022). Allerdings ist die Forderung nach forschungsbasierter Arbeit in den letzten Jahren gewachsen und wird voraussichtlich weiter wachsen. Heute wird erwartet, dass Wissen bewertet, überprüft und für die Situation, in der es angewandt werden soll, als geeignet befunden wird. Die Wissensbasis trägt damit zur Rechtfertigung unserer Berufsausübung bei. Aus diesem Grund ist die Frage, auf welcher Art von Wissen unser Fachgebiet beruht, ein wesentliches, geradezu existenzielles Anliegen.

Evidenzbasierte Praxis als Werkzeug zur Überbrückung fachlicher Gräben

Wie erwähnt, betreffen unsere Bedenken den Graben zwischen Wissenschaft und Klinik sowie eine Spaltung zwischen Gruppen klinisch und wissenschaftlich Tätiger in der systemischen CFT. Auf der Suche nach Mitteln, diese Gräben zu überbrücken, greifen wir das Schlüsselwort Integration auf, das wir auf mehreren Ebenen für anwendbar halten. Eine zentrale Prämisse für Integration findet sich in der Erklärung der European Family Therapy Association (EFTA, 2011), wonach wissenschaftliches und klinisches Wissen als entscheidend für die berufliche Entwicklung und die Anerkennung der CFT als Feld der Psychotherapie gelten:

Ziel der EFTA ist es, die Anerkennung der Familien- und systemischen Therapie als eigenständige, wissenschaftlich fundierte Form psychotherapeutischer Praxis zu erreichen und in ganz Europa strenge Standards für Ausbildung und Berufspraxis zu gewährleisten. (EFTA Training Standards, 2.1)

Wir halten es für besonders wichtig, dass diese Erklärung der EFTA die systemische Therapie als psychotherapeutischen Zweig einordnet. Dementsprechend kann systemische Therapie nicht als grundlegend verschieden von anderen psychotherapeutischen Ansätzen betrachtet werden. Dies sollte dazu anregen, ihre Integration mit anderen therapeutischen Ansätzen statt ihrer Abgrenzung von ihnen in Betracht zu ziehen. Auch wenn die systemische CFT so entwickelt wurde, dass sie sich von anderen Zweigen der Psychotherapie unterscheidet – insbesondere von jenen, die ein medizinisches Modell anwenden –, und daraus ihre Identität bezog, bedeutet eine integrative Perspektive, dass wir auch von anderen Bereichen der Psychotherapie lernen und uns mit ihnen austauschen müssen. Was der systemischen Therapie womöglich eigen bleibt, ist, dass der Forschungsbestand, mit dem klinisch Tätige vertraut sein sollten, über die Psychotherapieforschung hinausgeht. Beispiele sind die Forschung in kognitiver Psychologie, Sozial- und Entwicklungspsychologie, Neurowissenschaften und klinischer Psychologie, die allesamt für die klinische Praxis relevant sind (Priest, 2021).

Eine weitere zentrale Prämisse für Integration ist – angesichts der Bestimmung der systemischen Therapie als Zweig der Psychotherapie – die Art und Weise, wie die Psychotherapie als Feld den Graben zwischen Wissenschaft und Klinik zu überbrücken versucht hat. Die wohl gezielteste Anstrengung in dieser Hinsicht war die Declaration on Evidence Based Practice (EBP) der American Psychological Association (APA, 2006). Die EBP entstand als Antwort auf das, was man an den früheren Paradigmen der evidenzbasierten Behandlung (EBT) und der evidenzgestützten Behandlung (EST) vermisste (Duncan & Reese, 2013). Nach diesen Paradigmen galten randomisierte kontrollierte Studien (RCT) als die Designs, die die verlässlichsten und nützlichsten Ergebnisse für die Anwendung in der klinischen Arbeit liefern. So dienen diese Designs etwa dem Ziel, bestimmte evidenzbasierte Behandlungsansätze für Menschen mit bestimmten Störungen zu empfehlen. Da die Befunde dieser Studien jedoch in Kontexten gewonnen wurden, die sich erheblich von natürlichen klinischen Kontexten unterschieden, fiel es klinisch Tätigen schwer, die Ergebnisse zu übertragen und in natürlichen klinischen Settings anzuwenden. Mit anderen Worten: Es fiel ihnen schwer, Befunde auf Gruppenebene (nomothetisches Wissen) in der klinischen Praxis unmittelbar auf einzelne Ratsuchende (Paare und Familien) anzuwenden (idiografisches Wissen). Waren die klinisch Tätigen nicht darin geschult, die Vorsichtsmaßnahmen und Vorbehalte bei der Anwendung von Ergebnissen aus Gruppendaten auf die klinische Praxis zu verstehen, stellten sie oft fest, dass die empfohlene evidenzbasierte Methode nicht zu allen von ihnen begleiteten Menschen passte, und folgerten daraus, dass die betreffenden Ergebnisse für die klinische Praxis wenig oder gar keine Relevanz hätten. Zudem verstand man die EBT- und EST-Paradigmen so, dass sie die Anwendung dieser zugelassenen Therapieansätze über Manuale vorschrieben, was viele Therapierende provozierte. Sie hatten das Gefühl, die Manuale schrieben ihnen vor, was zu tun sei, ohne anzuerkennen, dass sie ihr fachliches Urteilsvermögen einsetzten, um die Behandlungsmodelle für den Einzelfall anzupassen und zuzuschneiden; die Manuale wurden daher als Bedrohung ihrer beruflichen Autonomie empfunden. Als neue Studien, die die Wirksamkeit von Behandlungsmodellen verglichen, kaum Unterschiede in den Behandlungsergebnissen der Modelle fanden, wohl aber größere Unterschiede zwischen Therapierenden innerhalb jedes Modells (Wampold & Imel, 2015), wurden die Grundannahmen von EBT und EST infrage gestellt. Dementsprechend verlagerte sich der Fokus der Psychotherapieforschung allmählich auf die Untersuchung gemeinsamer Wirkfaktoren sowie der Merkmale und Kompetenzen der Therapierenden. Insbesondere wurde die Notwendigkeit betont, der Stimme der Ratsuchenden mehr Gewicht zu geben – teils als ethische Verpflichtung, teils weil Wissen von ihnen nötig ist, damit sie von der Behandlung profitieren können (Tilden & Wampold, 2017). Die Prinzipien der EBP markierten damit eine klare Abkehr von den vorherrschenden Paradigmen der EBT und EST.

Definitionsgemäß integriert die EBP das Wissen aus der besten verfügbaren Forschung mit klinischer Expertise im Kontext der Merkmale, der Kultur und der Präferenzen der behandelten Personen (Nordtvedt et al., 2012). Integration bedeutet, dass idealerweise alle drei Wissensarten in der klinischen Arbeit angewandt werden sollten, ohne eine Hierarchie, die nahelegt, eine Wissensart sei wichtiger als eine andere. Um die Beteiligung der Nutzenden zu erhöhen und so die Behandlungsergebnisse zu verbessern, empfiehlt die EBP-Erklärung ausdrücklich den Einsatz systematischen Feedbacks wie des routinemäßigen Outcome-Monitorings (ROM) (Tilden & Wampold, 2017). Die Prinzipien der EBP bieten damit eine neue Sichtweise auf das Verhältnis von klinischer Praxis und Forschung, insbesondere durch ihre stärkere Ausrichtung auf Phänomene, die dem klinischen Alltag näher sind, was hilft, den Graben zwischen Wissenschaft und Praxis zu überbrücken. Dementsprechend legen die EBP-Prinzipien nahe, dass Psychotherapie ein gemeinsames Unterfangen von therapierender und ratsuchender Person ist. Die Zusammenarbeit beider ist nicht nur ethisch und humanistisch geboten; es gibt auch empirische Belege für den Zusammenhang zwischen der aktiven Beteiligung der ratsuchenden Person an ihrer Behandlung und besseren Ergebnissen (Wampold & Imel, 2015). Es wird angenommen, dass eine solche Beteiligung der Nutzenden eng damit zusammenhängt, wie das Arbeitsbündnis zwischen beiden Seiten aufgebaut und aufrechterhalten wird (Tilden & Wampold, 2017), also die Übereinstimmung über Ziele und Aufgaben in Verbindung mit einer ausreichenden emotionalen Bindung (Bordin, 1979). Und da es starke Belege dafür gibt, dass ein solches Bündnis mit positiven Ergebnissen in der Psychotherapie allgemein (Norcross & Lambert, 2018) und in der systemischen CFT im Besonderen (Friedlander et al., 2018; Glebova et al., 2011; Knobloch-Fedders et al., 2007; Pinsof, 1994; Whittaker et al., 2022) verbunden ist, wird ein Zusammenhang zwischen verstärkter Beteiligung der Nutzenden und den Ergebnissen angenommen. So würde etwa eine verstärkte Beteiligung der Nutzenden, bei der Prozess und Fortschritt über ROM-Feedback in Echtzeit in der Therapie thematisiert werden, Aufschluss über Fragen des Arbeitsbündnisses geben (Tilden & Wampold, 2017). Das Teilen und Besprechen solcher Rückmeldungen kann es beiden Seiten ermöglichen, gemeinsam die Anpassungen der Behandlung zu bewerten und umzusetzen, die zur Optimierung der Ergebnisse nötig sind. Dies veranschaulicht, welchen Einfluss die Prinzipien der EBP auf die klinische Praxis haben können.

Die praktischen Konsequenzen der Anwendung des EBP-Paradigmas zur Überbrückung des Grabens zwischen Wissenschaft und Praxis lassen sich in die vier im Folgenden erörterten Kategorien einteilen:

Besserer Dialog

Forschende müssen mit klinisch Tätigen ins Gespräch kommen und sie fragen, welche klinisch relevanten Bereiche sie für unzureichend erforscht halten. Darüber hinaus sollten klinisch Tätige daran beteiligt werden, wie künftige Forschung, die diese Lücke schließen soll, an ihrem Arbeitsplatz durchgeführt werden kann, ohne ihre klinische Arbeit zu behindern. Folglich sollten klinisch Tätige aktiv an Planung, Umsetzung und Durchführung der Forschung beteiligt werden und so selbst zu Mitforschenden werden. Auch eine Beteiligung der Ratsuchenden als Mitforschende sollte in Betracht gezogen werden; so könnten beispielsweise Personen, die früher in Behandlung waren, als Erfahrungsberatende hinzugezogen werden, während Studien konzipiert und deren mögliche Auswirkungen abgewogen werden.

Einbeziehung häufiger Einschätzungen durch die Ratsuchenden

Die klinische Praxis sollte ein ROM einsetzen, das therapierelevante Themen aufgreifen kann und bei dem die ratsuchende Person der therapierenden Person regelmäßig Rückmeldung zu Prozess und Fortschritt der Behandlung gibt. Solche Rückmeldungen zwischen den Sitzungen ermöglichen es beiden Seiten, die Therapie in Echtzeit gemeinsam einzuschätzen, zu bewerten und anzupassen. Feedback kann somit die Ergebnisse optimieren, indem es Beteiligung und Empowerment der Ratsuchenden stärkt. Da die EBP ausdrücklich empfiehlt, Forschung in größerem Umfang in einem natürlichen klinischen Setting durchzuführen (d. h. praxisorientierte Forschung [POR]) (Castonguay & Muran, 2015), deren integraler Bestandteil das ROM ist, könnten die erhobenen ROM-Daten auch Forschungszwecken dienen. Die angestrebte Verbesserung der Behandlungsqualität auf individueller Ebene wie auf Ebene der Einrichtungen und die Durchführung von Forschung lassen sich so als zwei Seiten derselben Medaille betrachten. Klinisch und wissenschaftlich Tätige sollten daher eng zusammenarbeiten und so den Graben zwischen klinischer Praxis und Forschung überbrücken.

Untrennbarkeit von klinischer Arbeit und Forschung in der Ausbildung

Lehrende und Ausbildende müssen den Reichtum und die Vielfalt des gesamten Feldes der CFT kennen, in dem eine große Bandbreite an Designs zum Einsatz gekommen ist. Studierenden muss geholfen werden, die Forschung zu interpretieren und klinisch anzuwenden. Studierende sollten sich mit POR vertraut machen, indem sie ROM in ihre klinische Ausbildung einbeziehen, und sich so an die Mitwirkung an Forschungsprojekten gewöhnen. Eine Möglichkeit, dies zu vermitteln, sind Übungen, etwa die Aufgabe, Rollenspiele zu verschiedenen Vorstellungsanlässen von Paaren und Familien durchzuführen (Untreue, eine Familie, in der bei einem Kind ADHS diagnostiziert wurde, ein Paar, bei dem eine Person depressiv ist, eine eingewanderte Familie der ersten Generation, in der Eltern und Jugendliche darüber in Konflikt stehen, inwieweit die Jugendlichen Verhaltensweisen übernehmen dürfen, die im Einwanderungsland üblich sind, ein Paar in einer Stieffamilie usw.). Die Studierenden lesen einen Forschungsartikel oder ein Buchkapitel zum jeweiligen Rollenspiel bzw. Vorstellungsanlass, verfassen eine kurze Zusammenfassung der Forschung und der wichtigsten Punkte, die bei der Arbeit mit einer solchen Familie oder einem solchen Paar zu beachten sind, und führen dann das Rollenspiel durch. Diese Übung trainiert Studierende darin, vor Beginn der Arbeit mit einem neuen Paar oder einer neuen Familie stets nach Forschung zu suchen, um sich auf die klinische Arbeit vorzubereiten. Im Kern geht es darum, bei den Studierenden das Verständnis und die Erfahrung zu fördern, dass klinische Arbeit und Forschung wechselseitig voneinander abhängen.

Die Übertragung von Forschungsbefunden in die klinische Praxis optimieren

Verlagert man das Gewicht der Forschung von der Wirksamkeit unter Studienbedingungen (Efficacy) zur Wirksamkeit im Versorgungsalltag (Effectiveness), rücken Prozess-Outcome-Forschung und Forschung zu Veränderungsmechanismen in den Vordergrund. Forschungsziele und -ergebnisse dürften so allmählich als klinisch relevanter wahrgenommen werden. Ein Hindernis dafür, dass sich klinisch Tätige mit Forschung vertraut machen, ist die Stammessprache, die insbesondere die veröffentlichte quantitative Fachliteratur prägt. Dies betrifft nicht nur die systemische Praxis, denn quantitative Befunde zu übertragen und in der klinischen Arbeit anzuwenden, ist für die meisten klinisch Tätigen frustrierend. Aufgrund der erwähnten Präferenz für Qualitatives in bestimmten Lagern der systemischen CFT kann unser Feld jedoch zusätzlichen Einschränkungen unterliegen: Ist eine klinisch tätige Person in der systemischen CFT mit Andersons (2016) Sicht auf bevorzugte Forschungsmethoden vertraut, kann ihre Frustration auf eine ideologische und philosophische Begründung zurückgehen, nach der Wissen aus quantitativen Forschungsdesigns als irrelevant und in der klinischen Praxis weniger nützlich gilt – mit der Folge, dass sie sich keinerlei Mühe gibt, die anspruchsvolle Stammessprache zu verstehen. Eine wichtige Aufgabe der forschenden Person, die diese akademische Sprache einschließlich der statistischen Begriffe und sonstigen Fachjargons hoffentlich versteht, besteht daher darin, das, was diese Forschung vermitteln will, in vertraute klinische Begriffe zu übersetzen. Aus diesem Grund empfehlen wir nachdrücklich, dass Forschende selbst klinisch tätig sind, da eine solche Übersetzung so in einer verständlichen Sprache vermittelt werden kann, die als relevant für die klinische Praxis gilt. Zudem würde eine bessere Schulung klinisch Tätiger in der Anwendung solcher Befunde sowohl Frustration verringern als auch den Wert der Forschung für die klinische Praxis anerkennen. So sollten alle klinisch Tätigen die nötigen Vorsichtsmaßnahmen und Vorbehalte kennen, wenn nomothetisches Wissen in einem idiografischen klinischen Setting angewandt wird. Ebenso sollte bei der Vermittlung evidenzbasierter Therapiemodelle anhand von Manualen betont werden, dass diese als Leitlinien innerhalb eines theoretischen Rahmens zu verstehen sind, die nahelegen, wie Forschungsbefunde passgenau für den jeweils einzigartigen klinischen Kontext angewandt werden können. Wie dies vermittelt wird, ist entscheidend, denn der historische Widerstand systemischer Familientherapie gegen Manuale war erheblich (Sundelin, 2013), da Empfehlungen aus Manualen als „instruktive Interaktionen“ wahrgenommen wurden. Ein Teil der Kritik richtete sich gegen die Tendenz von Manualen, Aspekte der Therapie zu bevorzugen, die sich leichter spezifizieren und messen lassen (Pote et al., 2003). Meist betonen Manuale jedoch Flexibilität und ermutigen damit dazu, notwendige Anpassungen vorzunehmen und die Behandlung auf die Bedürfnisse und Ziele der Ratsuchenden und den jeweils einzigartigen Behandlungskontext zuzuschneiden (Sundelin, 2013). Wir halten das Ausmaß der „instruktiven Interaktion“ für entscheidend dafür, welche zentralen erkenntnistheoretischen Grundsätze der systemischen CFT gewahrt bleiben (Lorås, 2016, 2021).

Dichotome Forschungshierarchie als Hindernis für die Überbrückung fachlicher Gräben

Ein erhebliches Hindernis für die Überbrückung der genannten fachlichen Gräben ergibt sich aus der Perspektive der früher vorherrschenden Hierarchie von Forschung und Wissen, die die überholten EBT- und EST-Paradigmen kennzeichnete. Interessant finden wir, dass das Feld der systemischen CFT mit seinem Wachstum offenbar ähnliche Argumente vorgebracht hat wie die Task Force der American Psychology Association, die die Prinzipien der EBP festlegte (APA, 2006). Wir sind daher der Ansicht, dass systemische CFT und die Prinzipien der EBP gemeinsame Ziele verfolgen, und finden es rätselhaft, dass unseres Wissens zumindest in Norwegen heute nur wenige systemisch orientierte Fachkräfte die Prinzipien der EBP kennen und anerkennen. Und trotz der erwähnten Bemühungen, den Graben zwischen Wissenschaft und Klinik über die Prinzipien der EBP zu überbrücken, stellen wir fest, dass er fortbesteht. Ein Grund für diese Zurückhaltung könnte sein, dass manche Praktizierende und Forschende die EBP als ähnlich wie EBT und EST wahrnehmen und sie dementsprechend als Verfechterin einer positivistischen Sichtweise deuten. Die Verbreitung einer solchen Wahrnehmung ist plausibel, angesichts des Einflusses gewichtiger Stimmen in Teilen der postmodernen systemischen CFT als Fachgebiet, die eine Präferenz für ausgewählte Forschungsdesigns und Wissensarten vertreten (Tilden et al., 2022). Ihre Präferenzen sind in erster Linie von Theorien inspiriert, die aus dem Positivismus entgegengesetzten Ideologien und Philosophien stammen. Dementsprechend werden bestimmte Forschungsdesigns (nämlich quantitative) und nomothetisches Wissen entweder verworfen oder als in der klinischen Praxis weniger nützlich angesehen. So ist beispielsweise Andersons kollaborativ-dialogische Praxis (2016, 2019) zu einer wichtigen Inspirationsquelle für mehrere Ausbildungseinrichtungen in unserem Fachgebiet geworden. Ihre erklärte Priorität und Präferenz für idiografisches Wissen hat viele Studierende und klinisch Tätige der systemischen CFT beeinflusst und ist für deren negative Wahrnehmung eines Großteils des vorhandenen empirischen Wissens verantwortlich, das mit quantitativen Methoden gewonnen wurde. Wir verstehen systemische Opposition auch als ein Sich-Abgrenzen von benachbarten Fachgebieten, um die eigene Identität zu begründen. Aus unserer Sicht hatte Andersons (2016, 2019) offen geäußerte Präferenz die schädliche Folge, wertvolles Forschungswissen über Bord zu werfen – „das Kind wird mit dem Bade ausgeschüttet“ – zum Nachteil der systemischen CFT und derer, die von ihr profitieren. Wir halten es daher für problematisch, dass bestimmte Ideologien und Wissenschaftsphilosophien die Begründung für Zugänge zu Forschung und Wissen liefern, die tatsächlich als wissenschaftsfeindlich gelten können. Denn sie können das Bewusstsein für wertvolles Wissen und dessen Anerkennung in Teilen der systemischen Praxis einschränken. Vermitteln Ausbildungseinrichtungen insbesondere nur den Wert von Wissen, das mit qualitativen Designs gewonnen wurde, wird Wissen aus anderen Forschungsdesigns ignoriert und/oder abgewertet. Dies widerspricht einem Grundsatz der EBP, der die Anwendung eines breiten Spektrums von Forschungsdesigns und -ergebnissen betrifft, die klinisch Tätige als hilfreich für die Unterstützung der Ratsuchenden erachten. Die Prinzipien der EBP implizieren keine Präferenz für ein bestimmtes Forschungsdesign oder eine bestimmte Wissensart; die Faustregel lautet, die zur Beantwortung der Forschungsfrage am besten geeignete Forschungsmethodik anzuwenden. Sollte der genannte einseitige Zugang zu Wissen vorherrschen, werden Studierende die wertvolle Forschungsliteratur zu anderen Forschungsdesigns weder kennen noch mit ihr vertraut sein und womöglich die entscheidende Kompetenz vermissen lassen, die mit auf Gruppen- bzw. nomothetischer Ebene gewonnenem Wissen verbunden ist und für die ratsuchende Person einen Unterschied machen könnte.

Darüber hinaus werden Studierende nicht darin ausgebildet, an anderen als qualitativen Forschungsdesigns mitzuwirken oder solche durchzuführen. Andere Berufsgruppen und Beteiligte würden diese einseitige Betonung einer Wissensart als seltsam, ja als unwissenschaftlich ansehen. Systemische akademische Einrichtungen und die systemische Praxis könnten so am Ende ins Abseits geraten und von Fach- und Wissenschaftsgesellschaften nicht ernst genommen oder nicht einmal anerkannt werden. Angesichts dieser Folgen sehen wir darin ein großes Problem für unseren Beruf und unser Feld der systemischen CFT. Nach außen wird dies einschränken, wie klinisch und wissenschaftlich Tätige aus unterschiedlichen Traditionen und benachbarten Fachgebieten miteinander kommunizieren und zusammenarbeiten können. Da dieser Graben auch innerhalb unseres eigenen Feldes der systemischen CFT besteht, kann eine ähnliche Einschränkung auch nach innen gelten. Da wir es als natürlich und normal empfinden, lieber mit denen zu kommunizieren, die im eigenen Lager unsere Überzeugungen teilen, verpassen wir die Gelegenheit zum Austausch mit anderen, und so bleiben die erörterten Gräben bestehen.

Eine Einigung auf die Prinzipien der EBP kann Gräben überbrücken

Wir stellen fest, dass die Ausbildung in systemischer CFT zwei der drei Anforderungen der EBP-Prinzipien stark betont: die Berufserfahrung der klinisch Tätigen und das lokale Wissen der Ratsuchenden. Die dritte dieser Anforderungen, forschungsbasiertes Wissen, könnte die Achillesferse des systemischen Feldes sein; einen möglichen Grund dafür hat Glenn Larner formuliert:

Zwar erkennt man in der Familientherapie die Notwendigkeit an, dass klinische Praxis evidenzbasiert sein muss, doch die Schwierigkeit besteht darin, eine einzelne Methodik zu finden, die der Arbeit gerecht wird. (2003, p. 20)

Da Larner dies 2004 schrieb, kann man darüber spekulieren, ob er es nach der Veröffentlichung der EBP-Prinzipien (APA, 2006) anders formuliert hätte. Der erste Teil seiner Aussage bezieht sich darauf, dass die systemische Praxis evidenzbasierte Ansätze durchaus anerkennt. Wie erwähnt, zeigt unsere Erfahrung, dass manche Fachkräfte der systemischen CFT sehr wählerisch sind, welche Art von Evidenz sie in der klinischen Praxis für gültig und nützlich halten. Als beispielsweise ROM-Systeme in norwegischen CFT-Einrichtungen eingeführt wurden (Anker et al., 2009; Håland & Tilden, 2017; Tilden, 2017; Tilden et al., 2015), herrschte unter den Therapierenden erhebliche Skepsis. Eine landesweite Stichprobe zeigte, dass 70% der CFT-Fachkräfte in den gesetzlichen Familienberatungsdiensten negativ auf die Einführung von ROM in ihrer Praxis reagierten (Stokkebekk, 2013). In einer Studie (Håland & Tilden, 2017; Tilden et al., 2015) äußerten Therapierende erhebliche Skepsis aus ideologischen Gründen, etwa mit Aussagen wie „Wir glauben nicht an den Wert quantitativer Fragebögen“, „Es ist entmenschlichend, leidenden Menschen mit Fragebögen zu begegnen“, „Das lenkt die Therapie in die falsche Richtung, hin zu Technisierung und mathematischen Algorithmen“ und „Wenn schon geforscht werden soll, liefern nur qualitative Designs gültiges und verwertbares Wissen“. Wurden solche Haltungen geäußert, berief man sich am häufigsten auf Anderson (2016), und zwar hinsichtlich der Skepsis gegenüber allgemeinem (nomothetischem, generellem) Wissen und der Präferenz für qualitative Forschung, um das idiografische Wissen der Ratsuchenden zu erfassen. Wir stellten fest, dass ihre Position so gedeutet wurde, als spreche sie dem durch quantitative Forschung gewonnenen Wissen den Wert ab. Diese Abwertung wurde mit dem Argument gerechtfertigt, nomothetisches Wissen habe für die postmoderne systemische Praxis nur begrenzten Wert. Anderson (2016) empfiehlt zudem Zurückhaltung beim Teilen von Expertenwissen mit den Ratsuchenden, teilt solches Wissen aber, wenn danach gefragt wird. Vor dem Hintergrund der genannten Präferenzen für bestimmte Wissensarten legt dies nahe, dass das, was geteilt werden kann, aus einer eingegrenzten Basis potenziellen Wissens ausgewählt wird und daher als einseitig gelten muss. Eine Grundfrage lautet deshalb: Wessen Bedürfnis hat Vorrang – das Bedürfnis der Ratsuchenden, auf der Grundlage vorhandenen Wissens informiert zu werden, oder das Bedürfnis der therapierenden Person, das mit ihren eigenen theoretischen und ideologischen Präferenzen zusammenhängt? Wir halten es für unethisch, Forschungsbefunde aus ideologischen oder theoretischen Gründen abzutun, wenn sie Familien unmittelbar nützen können, sofern sie als psychoedukative Interventionen vermittelt werden (indem sie ihre Schwierigkeiten normalisieren, ihnen bewusst machen, dass sie damit nicht allein sind, und interaktionelle Orientierung für den Umgang mit ihren Herausforderungen bieten), oder wenn solche Befunde wichtig sind, um die Behandlung durch die therapierende Person zu leiten.

Wie ein weiterer Sozialkonstruktionist, Ekeland (2022), behauptet, wird das Wort „Evidenz“ als Machtinstrument eingesetzt. Er argumentiert außerdem, die Manualisierung sei Ausdruck monopolistischer Manipulation. Ein schwedisches Forschungsteam kommentiert diesen Einfluss im systemischen Feld wie folgt: „Sozialkonstruktionistische und sprachorientierte Milieus haben sich forschungsfeindlich geäußert (…), was den Graben zwischen klinischer Praxis und Forschung in der Entwicklung der CFT verdeutlicht. Anders als andere Felder ist die CFT nicht von Forschung beeinflusst worden“ (Cederblad et al., 2022, p. 161).

Zusammenfassend scheint der sozialkonstruktionistische Einfluss auf das Milieu der systemischen CFT die Bemühungen, den Graben zwischen Forschung und Praxis zu überbrücken, negativ zu beeinflussen. Man kann sich daher fragen, ob sozialkonstruktionistische Strömungen die Prinzipien der EBP ablehnen. Eine Möglichkeit ist, wie bereits erörtert, dass die Konzepte der EBP fälschlich als denen der EBT/EST ähnlich verstanden werden. Wir hoffen, hier deutlich gemacht zu haben, dass sie sich stark unterscheiden. Da die Gräben trotz der vielen Bemühungen fortbestehen, fragen wir uns, ob wir einen weiteren möglichen Grund für die fehlende Einigkeit in unserem Feld übersehen haben; wir halten es für notwendig zu erkennen, dass wir uns als Fachleute auf unterschiedliche -ismen beziehen, deren Tragweite über den Graben zwischen Forschung und Klinik hinausgeht. Beziehen sich beispielsweise zwei Fachleute auf unterschiedliche Paradigmen wie die hier erörterten – die Prinzipien der EBP und die sozialkonstruktionistische Ideologie –, können ihre Bezüge grundlegende und unüberbrückbare Unterschiede in Philosophie, Wissenschaftstheorie, Ideologie und Paradigma darstellen. Nach Gilje und Grimen (1993) befinden sich die betreffenden Fachleute in solchen Fällen in zwei verschiedenen Paradigmen, was zu großen Kommunikationsproblemen führt: „Sie sprechen nicht mehr dieselbe Sprache. Sie befinden sich in zwei verschiedenen Welten. Zwei Paradigmen sind daher nicht nur unvereinbar; sie können auch inkommensurabel sein“ (p. 92).

Unser Ziel ist es daher zu prüfen, ob es einen solchen -ismen-Graben zwischen den verschiedenen Lagern der systemischen CFT geben könnte. Falls ja, ist er weit umfassender als der Graben zwischen Forschung und Praxis allein. Wenn wir uns mit dieser Annahme nicht befassen, werden unsere Bemühungen, den fachlichen Graben zu überbrücken, nur von begrenztem Wert sein. Trifft unsere Hypothese zu, müssen wir uns einigen unausgesprochenen, nicht bearbeiteten Konflikten stellen, die die Grundannahmen und Prämissen unseres Fachgebiets betreffen. Dies führt uns zurück zum zweiten Teil von Larners (2003) Aussage über die Schwierigkeit, eine einzelne Methodik zu finden, die der Arbeit gerecht wird. Angesichts der komplexen und umfassenden Natur der systemischen CFT halten wir es für natürlich und notwendig, dass unser Feld durch vielfältige und unterschiedliche Methodiken gekennzeichnet ist, in der klinischen Praxis wie in der Forschung. Dies könnte ein Grund dafür sein, dass es keinen Konsens über die Definition systemischer Therapie gibt (Friedlander et al., 2021). Ausgehend von dieser Erkenntnis sind systemisch orientierte klinisch und wissenschaftlich Tätige höchstwahrscheinlich vielfältig und heterogen, wie Tilden et al. (2022, p. 318) nahelegen, und umfassen mindestens fünf Typen systemisch Therapierender (siehe Tabelle 1).

Tabelle 1 — Merkmale systemisch Praktizierender.

  • Nr.: 1; Hauptschwerpunkt: Schaffung eines heilsamen Kontexts durch Anwendung gemeinsamer Wirkfaktoren
  • Nr.: 2; Hauptschwerpunkt: Anwendung spezifischer Modelle, z. B. narrativer und lösungsfokussierter Ansätze
  • Nr.: 3; Hauptschwerpunkt: Anwendung manualisierter Ansätze, z. B. der multisystemischen Therapie (MST) oder der funktionalen Familientherapie (FFT)
  • Nr.: 4; Hauptschwerpunkt: Anwendung von Ansätzen, die ursprünglich für die Einzeltherapie entwickelt wurden, z. B. emotionsfokussierte Therapie und kognitive Verhaltenstherapie
  • Nr.: 5; Hauptschwerpunkt: Anwendung einer Metaperspektive und eines Rahmens für den integrativen Einsatz eines breiten Spektrums spezifischer Ansätze, zugeschnitten auf die Bedürfnisse und Ziele der Ratsuchenden, wie die integrative systemische Therapie (Pinsof et al., 2018)

Diese Vielfalt anzuerkennen, kann eine größere Toleranz gegenüber Unterschiedlichkeit fördern und so die Neugier auf die Voraussetzungen unserer jeweiligen Positionen wecken.

Wir halten diese Vielfalt für vereinbar mit den Prinzipien der EBP, die den übergeordneten Kontext der von klinisch und wissenschaftlich Tätigen in der systemischen CFT gewählten Methodik bzw. Methodiken bilden. Die Anwendung dieser Prinzipien würde klinisch und wissenschaftlich Tätige ermutigen, die Wissenschaftsphilosophien, Wissenschaftstheorien, Ontologien, Ideologien, Epistemologien und Paradigmen der jeweils anderen zu erkunden, die oft unausgesprochen bleiben, unsere fachlichen Sichtweisen und Entscheidungen aber dennoch beeinflussen. Unsere Absicht ist es daher, dies als bedenkliches Phänomen hervorzuheben, das eine eingehendere Untersuchung verdient, um festzustellen, ob es die Entwicklung und Legitimation des systemischen Feldes als wissenschaftlich fundierter Zweig der Psychotherapie einschränkt.

ABSCHLIESSENDE BEMERKUNGEN

Aufgrund persönlicher Gespräche mit Vertretenden des Sozialkonstruktionismus haben wir den Eindruck, dass quantitative Forschung im systemischen Feld als Bedrohung für ihre Praxis und für das Feld der Familientherapie wahrgenommen wird. Das ist verständlich angesichts der Geschichte des Feldes, das um Anerkennung gegen die Vorherrschaft von EBT/EST in der Psychotherapieforschung ringen musste. Auf der Grundlage der EBP-Prinzipien betrachten wir quantitative Forschung jedoch nicht als Bedrohung für das, was in der qualitativen systemischen Forschung erreicht wurde. Die Erklärung der APA (2006) zur EBP befürwortet sehr ausdrücklich vielfältige Arten von Forschungsevidenz, etwa klinische Beobachtung, qualitative Forschung, systematische Fallstudien, experimentelle Einzelfalldesigns, Public-Health- und ethnografische Forschung, Prozess-Outcome-Studien, Studien zu Interventionen in naturalistischen Settings (Effectiveness-Forschung), randomisierte klinische Studien (Efficacy-Forschung), Metaanalysen und systematische Übersichtsarbeiten. Aus unserer Sicht wird keine Art von Forschungsdesign ausgelassen. Tatsächlich sollten wir uns nicht auf Designfragen versteifen; worauf es wirklich ankommt, ist die Forschungsfrage. Der nächste Schritt besteht darin, das Design zu wählen, das am besten zur Frage passt, um sie zu beantworten. Wir sind überzeugt, dass es, wo angemessen, von Vorteil ist, Designs zu kombinieren, etwa in einem Mixed-Methods-Design oder mit zusammengeführten Methoden, einschließlich eines sequenziellen Designs, das qualitative und quantitative Methoden im Verlauf eines Forschungsprojekts nacheinander anwendet. Eine zentrale Voraussetzung für die Überbrückung der oben genannten Gräben ist vielleicht die Erkenntnis, dass es keine Dichotomie zwischen verschiedenen Forschungsdesigns gibt. Sie sollten als einander ergänzend auf einer gleitenden Skala betrachtet werden. Alle Designs werden gebraucht. Allerdings müssen wir hinzufügen, dass in dieser Welt, in der für Entscheidungstragende und Geldgebende unserer beruflichen Tätigkeit Zahlen oft mehr zählen als Worte, das Gewicht quantitativer Forschung uns allen Legitimität verschafft, damit wir unsere Leistungen erbringen können.

Wir sind der Ansicht, dass sowohl nomothetische als auch idiografische Positionen für die systemische CFT gültig und nützlich sind und sich gut ergänzen. Daher halten wir die Debatte zwischen nomothetischem und idiografischem Ansatz für zu polarisiert; sie hat dazu geführt, dass das Feld mit sich selbst entzweit ist. Wie Fraenkel (1995, p. 119) nahelegt, kann die bereichernde Spirale zwischen der Suche nach Gemeinsamkeiten von Familien mit ähnlichen Problemen und der sorgfältigen, qualitativen Beschreibung der einzigartigen Aspekte, wie jede Familie auf ähnliche Probleme reagiert, der systemischen CFT jene Vielfalt und Komplexität bieten, die gute Theorie und Praxis erfordern. Die Vielfalt der Forschung kann Therapierenden ein vertieftes Verständnis und Wissen über die Familie als System und über äußere Faktoren vermitteln, die auf das Familiensystem einwirken, etwa welche Maßnahmen bei wem wirksam sind (Tilden et al., 2022). Solches Wissen kann dazu beitragen, besser zu begründen, welche Interventionen eingesetzt werden sollten, und damit zu einer hilfreicheren Behandlung der betroffenen Menschen. Daher ist es notwendig, dass Therapierende Zugang zu forschungsbasierter Literatur haben (sofern vorhanden), die beschreibt, welche therapeutischen Methoden sich für die individuellen Probleme und Störungen, denen wir in der Praxis begegnen, am besten eignen.

Den -ismen-Graben anzuerkennen bedeutet, unterschiedliche Überzeugungen, Philosophien und Ideologien als Grundlage unserer Arbeit anzuerkennen und zu tolerieren. Dies beschränkt sich nicht auf den Graben zwischen Wissenschaft und Klinik, sondern erstreckt sich auf wissenschaftliche und klinische Gemeinschaften im Allgemeinen. Wir müssen uns jedoch bewusst sein, wie sich dies auf unsere Erzeugung und Anwendung von Wissen auswirkt. Insbesondere müssen, da es sich um ein akademisches Feld handelt, bestimmte wissenschaftliche Anforderungen eingehalten werden. Aus diesem Grund müssen wir prüfen, ob die Epistemologie bestimmter Philosophien hinterfragt werden sollte. So könnte etwa eine ideologisch begründete Präferenz für eine geringe Bandbreite an Wissen und Forschungsdesigns als unwissenschaftlich gelten. Ebenso hat ein positivistischer Forschungsansatz offensichtliche Grenzen. Wir brauchen jedoch die Freiheit, ohne Vorverurteilung das zugängliche Design zu wählen, das die Forschungsfrage am besten beantwortet. Die Wissenschaftsphilosophie ist als Bezugspunkt für unsere berufliche Arbeit unverzichtbar, etwa für unser Menschenbild, unsere Werte und unsere Rollen in der Therapie, auf therapeutischer wie auf ratsuchender Seite. Wenn jedoch bestimmte Philosophien, die den allgemeinen Prinzipien der Wissenschaft widersprechen, die Forschung beeinflussen, halten wir es für angemessen, dies als Einschränkung des gesamten Feldes der systemischen CFT zu betrachten. Wir plädieren daher dafür, die Prinzipien der EBP (APA, 2006) als übergeordnete Leitlinie für die Forschung in der systemischen CFT anzuwenden, da dies alle Arten von Design und Wissen anerkennen würde. Eine Einigung auf diese Prämisse kann eine gemeinsame Grundlage bieten, um unser Feld zu legitimieren, neues Wissen zum Nutzen bestmöglicher Praxis für die Menschen zu schaffen, die wir begleiten, und zugleich das internationale Ansehen der systemischen CFT zu stärken.

Complexe Systémique: das Wichtigste

Dieser Text ist ein Plädoyer und sollte als solches gelesen werden. Seine Diagnose ist präzise: In Norwegen stieß die Einführung des routinemäßigen Outcome-Monitorings auf eine grundsätzliche Ablehnung, gestützt auf eine Lesart von Harlene Anderson, die jedes nomothetische Wissen disqualifizieren würde. Ebenso präzise ist sein Vorschlag: Evidenzbasierte Praxis in der Fassung der APA von 2006 ist nicht die zum Goldstandard erhobene randomisierte Studie, sondern die Integration dreier Wissensarten: Forschung, klinische Expertise und Präferenzen der Ratsuchenden. Das stärkste Argument ist ethisch: Befunde, die Familien nützen, aus Gründen der Schulzugehörigkeit beiseitezulassen, heißt, die Vorlieben der therapierenden Person über die Bedürfnisse der Ratsuchenden zu stellen. Die Grenzen sind die der Gattung. Die Gegenpositionen werden vor allem über Äußerungen aus der Praxis und „persönliche Gespräche“ wiedergegeben, und der kritisierte Sozialkonstruktionismus, der von Anderson und de Shazer, wird kaum in seinen eigenen Begriffen diskutiert. Man hätte gern erfahren, wie ein Monitoring-Fragebogen selbst zu einem Gespräch werden könnte. Lesenswert zusammen mit dem zweiten Teil, der konkret beschreibt, wie „lokale“ systemische Forschung aussähe, und dem Artikel über Sozialkonstruktionismus und narrative Therapien, um das andere Lager zu hören.

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Inoffizielle deutsche Übersetzung von Researching what we practice—The paradigm of systemic family research: Part 1 von Lennart Lorås, Kristoffer Whittaker, Jan Stokkebekk und Terje Tilden, Family Process, Bd. 62 (2023), doi: 10.1111/famp.12903, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzung und Satz: Complexe Systémique, Oktober 2026, mit Unterstützung künstlicher Intelligenz; das Werk wurde im Sinne der Lizenz bearbeitet. Weder die Verfassenden noch der Verlag sind für diese Übersetzung verantwortlich; maßgeblich ist die Originalfassung.

Der Originalartikel „Researching what we practice—The paradigm of systemic family research: Part 1“ erschien in Family Process (2023) unter der Lizenz CC BY 4.0. Diese Fassung ist eine inoffizielle Übersetzung von Complexe Systémique, erstellt mit Unterstützung künstlicher Intelligenz, wie zu Beginn dieser Seite angegeben.

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Lorås, L., Whittaker, K., Stokkebekk, J., & Tilden, T. (2023). Researching what we practice—The paradigm of systemic family research: Part 1. Complexe Systémique. https://app.complexe-systemique.com/en_GB/articles/researching-what-we-practice-the-paradigm-of-systemic-family-research-part-1 (Originalwerk 2023 erschienen in Family Process, 62(3) (2023); 2023 neu veröffentlicht von Family Process, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/famp.12903)

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