KI-gestützte Übersetzung

Diese Fassung wurde von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz aus dem Spanischen übersetzt. Im Zweifelsfall ist die Originalfassung maßgeblich.

Red Sistémica · Satire

In drei leichten Lektionen: Wie man im Feld der Familientherapie ein Territorium absteckt

In den Anfängen der Familientherapie lag ein weites Feld vor aller Augen: Es gab Platz für alle, und niemand hatte es eilig, Zäune zu errichten. Dann wuchs die Bevölkerung mit Riesenschritten, und man begann, nachts die Zäune zu versetzen. Carlos Sluzki verrät hier allen Menschen guten Willens die drei (gar nicht so) geheimen Strategien, mit denen man sich eine eigene Parzelle aneignet: sich zum Propheten eines dunklen Meisters machen, sich die autorisierte Übersetzung seiner heiligen Texte anmaßen und einen guten Strohmann bauen.

Autor Carlos E. Sluzki, Leiter der Abteilung für Psychiatrie des Berkshire Medical Center, Professor für Psychiatrie an der Medizinischen Fakultät der University of MassachusettsErstveröffentlichung Journal of Marital and Family Therapy, Juli 1983, Bd. 9, Nr. 3, S. 235–236Übersetzung Complexe Systémique, inoffizielle KI-gestützte Übersetzung aus dem Spanischen, mit Zustimmung von Red Sistémica

„Wenn die führenden Weltmächte und andere mächtige Organisationen unablässig eine Herrschaftspolitik zur Schau stellen, die darin besteht, künstliche Territorien zu schaffen, Konflikte zu erzeugen und abweichende Positionen auszulöschen – warum sollten ausgerechnet Sie als bloßes Individuum solche Strategien ablehnen?“

Carlos E. Sluzki

Anmerkung der Redaktion

Dieser Text ist ein Pastiche: Carlos Sluzki liefert darin im Ton eines praktischen Handbuchs die Gebrauchsanweisung für genau jenes theoretische Eroberungsverhalten, das er anprangern will. Jeder Ratschlag ist gegen den Strich zu lesen. Der Text erschien 1983 im Journal of Marital and Family Therapy unter dem Titel „How to Stake Territory in the Field of Family Therapy in Three Easy Lessons“, wurde von Emilio Gutiérrez und Jesús Salgado ins Spanische übersetzt und anschließend von Red Sistémica neu veröffentlicht; die vorliegende deutsche Fassung beruht auf dieser spanischen Übersetzung.

Der Wilde Westen der Familientherapie

In einer Weise, die uns gewissermaßen an das erinnert, was sich in den fernen Tagen des Wilden Westens zutrug, lag vor den ersten Generationen der Familientherapie ein weites Feld; es gab Platz für alle, und niemand zeigte große Eile, Zäune zu errichten oder seine Parzelle ins Grundbuch eintragen zu lassen. Der größte Teil der Energie floss in die Erkundung des neuen Feldes und in den gemeinsamen Kampf gegen die Psychiatrie, die Psychologie und die übrigen sozialen Berufe mit individueller statt familiärer Ausrichtung, die nicht ohne Grund ihr eigenes Territorium bedroht sahen. Doch als das Feld einmal etabliert war und die Bevölkerung anschließend mit Riesenschritten wuchs, begann die familientherapeutische Gemeinschaft, untereinander zu streiten: Man warf Abfälle auf das Grundstück der Nachbarn, versetzte nachts die Zäune, brannte das Vieh neu und erwies sich ähnliche Freundlichkeiten (gewissermaßen ließe sich eine Parallele zu dem ziehen, was in überbevölkerten Rattenkäfigen geschieht). Im Übrigen scheint diese kritische Schwelle inzwischen überschritten zu sein. Es ist also an der Zeit, allen Menschen guten Willens drei geheime (gar nicht so geheime) Strategien für die erfolgreiche Umzäunung des eigenen Territoriums zu enthüllen, die bislang nur von einer auserwählten Minderheit praktiziert wurden.

Im Feld der Familientherapie eine Parzelle einzuzäunen, die Sie Ihr eigenes Territorium nennen können, mag auf den ersten Blick wie eine schwierige Aufgabe erscheinen. Nicht so sehr, nicht so sehr. In diesem Artikel finden Sie klare Anweisungen, die es Ihnen, sofern Sie sie getreu befolgen, ermöglichen werden, in diesem weiten Territorium rasch ein eigenes Gut zu erlangen.

Die Frage, ob man beim Einzäunen eines Territoriums eine künstliche statt einer natürlichen Grenze schafft, die eher die Verwirrung vergrößert, als Zweifel auszuräumen, darf kein Hindernis sein. Wenn die führenden Weltmächte und andere mächtige Organisationen unablässig eine Herrschaftspolitik zur Schau stellen, die darin besteht, künstliche Territorien zu schaffen, Konflikte zu erzeugen, abweichende Positionen auszulöschen usw., warum sollten ausgerechnet Sie als bloßes Individuum solche Strategien ablehnen?

Lektion 1: Wie man im Glanz fremden Ruhms erstrahlt

Als ersten Schritt sollten Sie sich selbst zur Fachperson für jemanden erklären. Machen Sie sich zu diesem Zweck mit den Ideen und dem Leben eines attraktiven, kreativen und außergewöhnlichen Mentors oder Wegweisers vertraut – den wir hier Gott nennen wollen (Akronym für gelehrt, orakelhaft, tadellos, tiefsinnig) (1) – und dessen Prophet Sie zu werden gedenken (2). Dieser Gott sollte eine beachtliche Menge an Produktionen vorzuweisen haben: Schriften, Aufnahmen, Palimpseste, Hieroglyphen oder Zeugnisse, die den genannten gleichwertig sind. Die Worte dieses Gottes sollten dunkel genug sein, um vielfältige Deutungen zuzulassen, die man gegebenenfalls als wörtlich abtun kann, wenn sie in Wirklichkeit metaphorisch gemeint waren, oder als metaphorisch, wenn sie wörtlich gemeint waren. Ein solcher Gott sollte entweder tot sein (versäumen Sie nicht die Gelegenheit, einen Nachruf in memoriam über sich selbst und nebenbei über den Verstorbenen zu schreiben) oder sehr weit entfernt wohnen (vor allem, wenn Sie sich dafür entscheiden, Guru in Vertretung zu werden, eine Strategie, auf die weiter unten eingegangen wird), oder er sollte zumindest die den Zen-Meistern eigene Abneigung zeigen, sich einfach und geradeheraus mitzuteilen (vor allem, wenn Sie sich für die in Lektion 2 beschriebene prophetische Strategie entscheiden).

Sobald Sie mit Ihrem Gott vertraut sind, können Sie den Status eines Gurus in Vertretung erlangen. Um Ihre Stellung als Sprachrohr „in Vertretung“ fest zu verankern, müssen Sie sich selbst und den Gott beständig und unerbittlich in all Ihren Vorträgen und Schriften wie ein einziges Paket erwähnen. Sie sollten sich zum Beispiel auf herzliche und vertraute gemeinsame Erlebnisse beziehen (ob sie zur Sache gehören oder nicht, denn sie sollen bei Ihrem Publikum einen Verschmelzungseffekt erzeugen), indem Sie persönliche Mitteilungen zwischen Ihnen und Gott zitieren (ohne innezuhalten und über die Substanzlosigkeit solcher Zitate nachzudenken), indem Sie ihn beim Vornamen oder Spitznamen nennen (um die Vertrautheit anzudeuten, die Sie verbindet) oder indem Sie schlicht das Pronomen der ersten Person Plural verwenden, das auf diese Weise Sie und Gott einschließt, als bestünde zwischen Ihnen ein beinahe mystisches Band (was einen interessanten Effekt seelenwanderischer Vereinigung hinzufügt, falls Gott bereits tot sein sollte).

Übung zu Lektion 1

Nehmen wir an, Sie möchten Guru in Vertretung von, sagen wir, Ludwig Wittgenstein werden. Von nun an müssen Sie Ihre Vorträge und Schriften mit Sätzen schmücken wie „Ludwig – Wittgenstein natürlich – sagte mir oft, dass …“ oder „Als ich Wittgenstein kurz vor seinem Tod in seinem abgeschiedenen Rückzugsort traf, sagte er mir im Vertrauen und sah mich dabei mit seinen großen, intensiven blauen Augen an (oder waren sie vielleicht braun?), dass …“ oder „Ich bin sicher, dass Ludwig auf die Vorstellung von … mit derselben Leidenschaft reagiert hätte wie ich“ oder auch „Es war Wittgensteins klare Absicht, … und nicht …“.

Richtig eingesetzt, wird dieser Stil bei Ihrem Publikum den Eindruck erwecken, Ludwig Wittgenstein und Sie seien unzertrennliche Kameraden gewesen, bis zu dem Moment, in dem der große Mann seinen letzten Atemzug tat. Mehr noch: Mit einem gewissen literarischen Geschick können Sie vermitteln, dass Ludwig selbst Sie direkt zum ideologischen Erben bestimmt hat und dass Sie beide auf gewisse Weise noch immer über die Schranke von Leben und Tod hinweg Botschaften austauschen.

Lektion 2: Wie man zum Hüter der heiligen Texte wird

Die zweite mögliche Strategie, die die soeben beschriebene weitgehend ergänzt, besteht darin, den Status eines Propheten oder Übersetzers der heiligen Texte zu erlangen, um auf diese Weise zum Mittler zwischen der (dunklen und unfehlbaren) Wahrheit Gottes und den (vielleicht unwissenden, aber gewiss begierigen) Massen zu werden. Gestatten Sie mir, dies etwas genauer zu fassen: Es geht nicht darum, dass Sie aus den allgemeinen Modellen Ihres Gottes eigene Ideen entwickeln (und gleichsam weiter sehen, weil Sie auf seinen Schultern sitzen). Nein, darum geht es nicht; vielmehr werden Sie dem Publikum klarmachen, was Gott wirklich gesagt hat (er wird durch Ihren Mund sprechen). Als Inspirationsquelle können Sie sich vom Beispiel der mittelalterlichen Geistlichen leiten lassen, die ihre Eigentums- und Vertretungsrechte am Wort Gottes betonten und so ein Unterlegenheitsverhältnis der Gläubigen gegenüber Gott und folglich gegenüber sich selbst herstellten. Zweifellos mögen Sie einen Moment zögern, wenn Sie sich an die schrecklichen Geschichten erinnern, die Sie über die Inquisition gelesen haben, aber denken Sie rasch an die Macht und den Ruhm, die jene Geistlichen erlangten.

Um eine angemessene prophetische Statur zu erreichen, sollten Sie damit beginnen, die Quellen Ihres Wissens – nämlich das persönliche Werk Gottes – als zu kompliziert für den direkten Verzehr durch Menschen zu definieren, und darauf bestehen, dass Ihre eigenen Worte (Ihre ganz eigenen) die korrekte (ein wichtiges Wort, verwenden Sie es häufig) Übersetzung der Ideen Gottes sind. Selbstverständlich müssen Ihre Äußerungen mindestens ebenso kryptisch sein wie die Originale, doch Sie müssen sie verbreiten, als läge ihre Klarheit auf der Hand. Dieser Stil wird bei Ihrem Publikum das Gefühl erzeugen, schlicht dumm zu sein, während Sie ungewöhnlich brillant erscheinen (da Sie Ihre kryptischen Behauptungen für klar halten), und so das übergeordnete Ziel noch besser sichern: bei Ihrem Publikum ein Unterlegenheitsverhältnis herbeizuführen. Sie können sogar behaupten, Gott sei zu schwer zu verstehen, und sich so vorsorglich absichern, ohne seine Ideen klären zu müssen – Sie beschränken sich einfach darauf, die Folgen zu verbreiten, die die Worte Gottes für das Leben Ihres Publikums haben.

Übung zu Lektion 2

Versuchen Sie, in Ihren nächsten Vortrag eine Aussage nach dem Muster des folgenden Beispiels einzubauen: „Ich werde versuchen, einige der grundlegenden Modelle, die Wittgenstein vorgeschlagen hat, allgemein verständlich zu erklären. Um Ludwigs komplexen Ideen gerecht zu werden, wären für diese Aufgabe allerdings fortgeschrittene Kenntnisse der Neurophysiologie und der Philosophie erforderlich, was im Übrigen die für diese Präsentation verfügbare Zeit übersteigen würde. Diese Ideen lassen sich in der Formel ausdrücken: sofern z (eine Konstante) unterhalb der Schwelle bleibt. Was folgt, ist ein Überblick über sämtliche Folgen, die die Anwendung der Wittgenstein’schen Formel für das Berufsleben des Publikums hat …“

Es ist normal, dass Sie an diesem Punkt in einem autoritären Stil schreiben oder sprechen möchten (wobei ein paar in die Rede eingestreute Demutskniffe wie „meiner Meinung nach“ nie schaden) und mit einer gewissen Fülle von Erklärungen darüber, was „korrekt“ und „angemessen“ ist. Das hat den zusätzlichen Vorteil, allen, die sich weigern, dem Dogma zu folgen, eine verschleierte Exkommunikationsdrohung zu übermitteln.

Lektion 3: Wie man einen Strohmann baut

Es empfiehlt sich, zumindest am Anfang, sich nicht ungestüm in eine Bekehrungskampagne zu stürzen, sondern sich eher an ein konkretes Ziel zu halten – etwa an einen vollkommen etablierten, ja nützlichen Begriff, wie es sie in unserem Feld so reichlich gibt. Ich erinnere daran, dass Schlachtenlärm, so nutzlos er auch sein mag, stets die Nachrichtenagenturen anlockt und eine gute Berichterstattung sichert. Um klug vorzugehen, können Sie eine falsche begriffliche Dichotomie erzeugen (jeder Begriff lässt sich in zwei Teile zerlegen, von denen der eine als gut oder korrekt etikettiert wird – der, den Sie bevorzugen – und der andere als schlecht oder falsch – der, den Sie ablehnen) und eine Situation nach dem Motto „Sollen sie sich doch gegenseitig zerfleischen“ herbeiführen, die Ihnen zweifellos eine gewisse Macht verschaffen wird. Sie können zum Beispiel erklären, dass „die Bemühungen der strategischen Therapie kurzsichtig und banal sind, da sie nicht berücksichtigen, was Wittgenstein und ich (persönliche Mitteilung) übereinstimmend eine epistaktische Dimension nannten, die für eine korrekte Perspektive auf die mehrdimensionale Wirklichkeit unverzichtbar ist“.

Noch besser: Sie könnten eine dürftige, schwache oder eingeschränkte Definition eines Schlüsselbegriffs ausfindig machen (eine erschöpfende Literaturrecherche wird Ihnen eine reiche Ernte an ungenauen, begrenzten und sogar dummen Verwendungen vieler nützlicher Begriffe bescheren) und anschließend behaupten, diese Verwendung sei die einzige in der gesamten Literatur gewesen. Danach führen Sie, gestützt auf das Argument, der hemmungslose Missbrauch habe den Schlüsselbegriff jenseits jeder möglichen Erlösung verseucht, statt eine angemessene Verwendung und Definition des Schlüsselbegriffs vorzuschlagen, ein neues Wort aus eigener Ernte ein oder importieren es aus einem anderen Feld (3).

Übung zu Lektion 3

Fügen Sie eine freie Fassung des folgenden Absatzes in Ihren nächsten Artikel ein: „Wie oben gezeigt, belegt eine erschöpfende Durchsicht der Literatur, dass der Begriff der Grenze durch frühere fehlerhafte Verwendungen des Wortes hoffnungslos verseucht ist. Ich schlage daher vor, ihn durch den klareren und frischeren Begriff der Demarkation zu ersetzen, die ich als ein Gefüge interpersoneller Regeln definiere, die festlegen, wer was wann mit wem tut, sowohl innerhalb eines gegebenen Systems als auch in seinen Beziehungen zu den supra- und subsystemischen Ebenen.“

Überzeugend, nicht wahr? Aber bitte vergessen Sie es gleich wieder. Es ist nur ein Beispiel, und sein Inhalt wird sich in fünf Sekunden in Ihrem Kopf selbst zerstören. Am Begriff der Grenze ist nichts auszusetzen (sieht man von einigen begrenzten und fehlerhaften Verwendungen hier und da ab); tatsächlich habe ich für die Definition des Begriffs „Demarkation“ eine freie Fassung von Minuchins Definition der „Grenze“ verwendet (oder darf ich Sie, wenn ich es mir recht überlege, zu meinem nächsten Vortrag einladen: „Jenseits des Begriffs der Grenze: hin zum Konzept der Demarkation“) (4).

Zum Schluss: Ihr Lehen, mit wehenden Bannern

Zum Schluss möchte ich betonen: Wenn Sie vorhaben, die genannten Strategien zu befolgen, sollten Sie sich nicht von dem Verdacht aufhalten lassen, Ihr Gott, zweifellos ein origineller Denker, habe in seinem so eigentümlich dunklen Stil nicht unabsichtlich, sondern bewusst geschrieben. Ziehen Sie gar nicht erst die Möglichkeit in Betracht, dass der Gott mit seiner sokratischen – oder zenbuddhistischen – Lehrmethode bei seiner Leserschaft rätselhafte, Zweifel weckende Gedanken hervorrufen wollte, um kreatives Denken zu fördern und anzuregen oder um die Flexibilität und Vielseitigkeit der kognitiven Prozesse zu steigern. Wenn Sie solche Überlegungen ausblenden, vermeiden Sie den gefährlichen Sumpf ethischer Fragen, die Ihre Entschlossenheit untergraben könnten, Ihr eigenes Territorium im Feld der Familientherapie einzuzäunen. Um Sie noch mehr zu motivieren, stellen Sie sich nur vor … Ihr eigenes Lehen, die Banner im Wind, stolz Ihr Wappen zur Schau tragend, ein magentafarbenes Feld mit zwei blauen Löwen, diagonal durchzogen von Ihrem Wahlspruch: vis primum, tum mores (5).

Anmerkungen des Originals

(1) Und, rein zufällig, auch: gewunden, okkult, trüb, tautologisch.

(2) Die Wahl von Gott statt Göttin (gelehrt, ökumenisch, tadellos, tiefsinnig, inspiriert, nebulös) folgt literarischen Konventionen. Im Prinzip wäre Göttin ebenso gültig, auch wenn die noch immer vorherrschende Macho-Kultur in unserer Gesellschaft den vergleichsweise weniger umstrittenen Gebrauch von Gott nahelegt.

(3) Die Definition zu korrigieren, birgt das Risiko, dass der ursprüngliche Begriff beibehalten statt der von Ihnen vorgeschlagene übernommen wird, was Ihre unverzichtbare Sichtbarkeit verringern würde. Zudem entgingen Ihnen die höchst befriedigenden Gelegenheiten, den Schlachtenlärm überall dort neu zu entfachen, wo der Schlüsselbegriff erwähnt wird. Außerdem müssen Sie Ihre künftige Anhängerschaft mit einem Losungswort ausstatten, an dem man sich in einer Menge erkennt, ganz besonders im Dunkeln.

(4) Tatsächlich gibt es eine vierte Technik, die auf dem Markt als Korsakow-Variante bekannt ist (abgeleitet vom Leitsymptom des psychiatrischen Krankheitsbildes namens „Korsakow-Syndrom“, das durch Amnesie und die Produktion konfabulierten Materials zur Füllung von Gedächtnislücken gekennzeichnet ist). Diese Technik besteht darin, in allen Schriften und Vorträgen systematisch jeden Verweis auf frühere Arbeiten, gleich welcher Art und von wem auch immer, wegzulassen. Konsequent angewandt, erzeugt diese Politik beim Publikum nicht nur die Illusion Ihrer völligen Originalität – das heißt, dass Ihre Ideen auf Ihrem eigenen Mist gewachsen sind –, sondern sie hat einen zusätzlichen Vorteil: Am Ende bringt sie dieselbe Überzeugung auch bei Ihnen selbst hervor, besonders wenn Sie sich viel selbst lesen oder zuhören.

Eine Warnung allerdings: Diese Methode ist nichts für Neulinge, sondern für alte Hasen des Feldes. Halten Sie sich also an die drei im Text dargelegten Lektionen und warten Sie, bis Sie berühmt sind, bevor Sie sich an der Korsakow-Variante versuchen.

(5) Was, frei aus dem Lateinischen übersetzt, bedeutet: „Erst die Gewalt, dann die Moral“. Ein gebildetes Publikum wird bemerkt haben, dass dieser Wahlspruch eine freie Fassung des Arguments ist, mit dem Macheath (später besser bekannt als Mackie Messer) in Bertolt Brechts Die Dreigroschenoper seine zahlreichen Verbrechen rechtfertigt: „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.“ Tatsächlich hat mir Bert kurz vor seinem Tod im Vertrauen gesagt, dass er eigentlich meinte …

Wer ist Carlos E. Sluzki?

Dr. Carlos E. Sluzki ist Leiter der Abteilung für Psychiatrie des Berkshire Medical Center, Pittsfield, MA 01201, USA, und Professor für Psychiatrie an der Medizinischen Fakultät der University of Massachusetts.

Dieser Artikel ist eine inoffizielle deutsche Übersetzung aus dem Spanischen von „En tres fáciles lecciones: Cómo cercar un territorio en el campo de la terapia familiar“, veröffentlicht von Red Sistémica (Erstveröffentlichung: Journal of Marital and Family Therapy, Bd. 9, Nr. 3, Juli 1983). Übersetzt von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz und mit Zustimmung der Zeitschrift neu veröffentlicht.

Originalartikel lesen

Wie man diesen Artikel zitiert

Sluzki, C. E. (2022). En trois leçons faciles : comment délimiter un territoire dans le champ de la thérapie familiale (Complexe Systémique, Übers.). Complexe Systémique. https://app.complexe-systemique.com/fr_FR/articles/en-trois-lecons-faciles-comment-delimiter-un-territoire-dans-le-champ-de-la-therapie-familiale (Originalwerk 1983 im Journal of Marital and Family Therapy, Bd. 9, Nr. 3, Juli 1983 erschienen; 2022 von Red Sistémica neu veröffentlicht, https://redsistemica.ar/2022/06/20/en-tres-faciles-lecciones-como-cercar-un-territorio-en-el-campo-de-la-terapia-familiar/)

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