KI-gestützte Übersetzung

Diese Fassung wurde von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz aus dem Spanischen übersetzt. Im Zweifelsfall ist die Originalfassung maßgeblich.

Red Sistémica · Familientherapie

Systemische Einzeltherapie unter Einbeziehung bedeutsamer Angehöriger

In diesem Artikel wird ein Modell der Einzelpsychotherapie vorgestellt, bei dem in der ersten Behandlungsphase die Aushandlung mit der Person in Therapie darüber, welche Angehörigen zur Sitzung eingeladen werden, enorm dabei hilft, das Hier und Jetzt der Beziehung zu den Angehörigen und der therapeutischen Beziehung in den Blick zu nehmen. Anschließend kann die Arbeit in den Sitzungen mit den Angehörigen in kurzer Zeit bedeutende Bewegungen emotionaler Annäherung und gegenseitiger Annahme ermöglichen, die als Katalysatoren für das Wachstum der Person und für ihre Suche nach einem eigenständigen Lebensentwurf wirken.

Verfassende Alfredo Canevaro, Psychiater, Psychotherapeut, Dozent an der Scuola di Psicoterapia della Famiglia „Mara Selvini Palazzoli“; Matteo Selvini, Mitverantwortlicher derselben Schule; Francesca Lifranchi und Laura Peveri, Psychologinnen in Ausbildung und Forschungsmitarbeiterinnen am „Nuovo Centro per lo studio della famiglia“Erstveröffentlichung der Zeitschrift Psicobiettivo vorgeschlagener Text, Juli 2007Übersetzung Complexe Systémique, inoffizielle KI-gestützte Übersetzung aus dem Spanischen, mit Zustimmung von Red Sistémica

„Den Hass auf einen Vater in sich zu tragen, mit dem wir unsere Beziehung nicht klären konnten, wird uns für immer einen Teil von uns selbst hassen lassen. Der Groll bindet uns stärker als die Liebe.“

Alfredo Canevaro, Matteo Selvini, Francesca Lifranchi und Laura Peveri

Schlüsselwörter: Herkunftsfamilie als therapeutische Ressource; emotionale Begegnung; Vergebung und Versöhnung.

Vorbemerkung: ein integriertes Protokoll für hilfesuchende und kompetente Personen

Ziel dieses Artikels ist es, die Bedeutung der Einbeziehung der Herkunftsfamilie in die Einzelpsychotherapie einer kompetenten und hilfesuchenden Person zu begründen und zu veranschaulichen, die historisch dem neurotischen Bereich oder dem des existenziellen Unbehagens zugeordnet wurde: Sehr oft wird es sich um junge Erwachsene handeln, doch eignet sich das Modell auch besonders für Menschen fortgeschritteneren Alters.

In der italienischen Familientherapie begann man nach der puristischen Phase der Siebzigerjahre, schon weit in den Achtzigerjahren, von der Wiederentdeckung des Individuums zu sprechen (die Sonderhefte der Zeitschrift Terapia Familiare von 1985 und 1989) sowie von systemischer Einzeltherapie. [Siehe Loriedo, Angiolari und De Francisci (1989) sowie Boscolo und Bertrando (1996).] In jüngerer Zeit wurde die Debatte in der Zeitschrift Terapia Familiare von Viaro (2004 und 2005) und anderen Stimmen wieder aufgegriffen: Was an diesen inzwischen zwanzig Jahre alten Vorschlägen auffällt, ist, dass keine systemische Veröffentlichung je von der gewohnheitsmäßigen und systemischen Einladung der bedeutsamen Angehörigen spricht (die wir Erweiterungen nennen). Diese Praxis, obwohl sie bereits – weniger systematisch – von einem Gründervater wie Framo (1992) erprobt und theoretisch ausgearbeitet worden war, wurde Anfang der 2000er-Jahre von der Leitung und dem Lehrkörper der Scuola di Psicoterapia della Famiglia Mara Selvini Palazzoli wiederbelebt, unter dem Einfluss der Zusammenarbeit mit Alfredo Canevaro (Sorrentino, 2004), der für viele Auszubildende der Schule zum Einzeltherapeuten geworden war.

Im Übrigen werden Vorschläge zur Erweiterung im Verlauf von Einzelpsychotherapien in verschiedenen Psychotherapieschulen immer häufiger; siehe zum Beispiel De Bernart (2005, S. 111), Loriedo (2005, S. 106) oder Yalom (1989).

Eine vorläufige Untersuchung

Um auch anhand quantitativer Daten argumentieren zu können, haben wir die Personen in Therapie selbst um ihre Mitarbeit gebeten. Die Untersuchung wurde an einer Stichprobe von 82 Personen durchgeführt, die im Zeitraum 2001–2006 eine Einzeltherapie bei A. Canevaro gemacht hatten. Die Therapien eines einzigen Therapeuten zu untersuchen, erlaubte es, eine homogene Population zu untersuchen; die Mitwirkung des zweiten Autors als Beurteiler (ohne an den Therapien beteiligt gewesen zu sein) gewährleistete eine größere Objektivität der Bewertung.

Am Ende der Therapie wurde ihnen ein Fragebogen zugeschickt, bestehend aus einer offenen Frage zur Gesamtbewertung der Therapie und einigen ebenfalls offenen Fragen, die vor allem darauf abzielten, etwaige Schwierigkeiten bei der Annahme der Erweiterungen zu erkunden, ihre Bewertung dieser Erweiterungen und die Frage, ob die Therapie Auswirkungen auf den eigenen Beruf gehabt habe.

Von diesen 82 Personen haben 66, also immerhin 80,5 % der Stichprobe, den Fragebogen beantwortet.

Beschreibung der Stichprobe

Das Durchschnittsalter der Stichprobe liegt bei etwa 32 Jahren, auch wenn das Unbehagen in den meisten Fällen schon vor diesem Alter begonnen hatte. Es handelt sich also um erwachsene Personen aus normal zusammengesetzten Familien (80,3 %), mit mittlerem sozialem Status (90,9 %), die in 51,5 % der Fälle einen helfenden Beruf ausüben (Psychologie und Psychotherapie) und die wegen Beziehungsproblemen neurotischer Art um eine Konsultation gebeten haben (80,3 %); Borderline-Fälle sind seltener (15,2 %), und es gibt nur 3 Fälle mit psychotischen Symptomen (4,5 %). 68,2 % der Stichprobe weisen ein gutes sozial-affektives Funktionsniveau auf, und 31,8 % hatten bereits eine frühere Therapie versucht.

Beschreibung der Therapie

Die Therapien waren in 51 % der Fälle kurz, mit einer Sitzungszahl, die in 61 % der Fälle zwischen 11 und 30 lag (mindestens 3 Sitzungen, höchstens 93).

In den meisten Fällen (60,6 %) nahmen die Personen in Therapie keine Psychopharmaka ein, und es entstand (nach Einschätzung des Therapeuten) eine kooperative therapeutische Beziehung; nur in 8 Fällen war die Beziehung von Schwankungen und Ambivalenzen geprägt. In der Regel fand die erste Sitzung mit Erweiterung bei der vierten (22,7 %) oder fünften Begegnung (18,2 %) statt, gerade weil es, wie wir weiter unten ausführen werden, wichtig ist, die Veränderungsfähigkeit der Person einzuschätzen und mit ihr ein gutes therapeutisches Bündnis aufzubauen. Die Zahl der erweiterten Sitzungen lag in den meisten Fällen bei vier (oder weniger), und nur in einem besonderen Fall erstreckte sich die Erweiterung über vierzehn Sitzungen.

In 23 Fällen bezog die Erweiterung die Eltern und den Partner oder die Partnerin ein; andere Erweiterungen bezogen nur die Eltern ein (13 Fälle), die Eltern und die Geschwister (10 Fälle) oder die Eltern, die Geschwister und die Partnerperson (7 Fälle); die übrigen 13 Fälle hingegen weiteten die Teilnahme an der Sitzung auch auf andere für die Person bedeutsame Menschen aus, wie zum Beispiel die Großmutter.

Gesamtbewertung der Therapie und der Erweiterungen durch die Personen in Therapie

Die Gesamtbewertung, die die Befragten dem Nutzen der Therapie gaben, war in der großen Mehrheit (89,4 %) positiv oder sehr positiv, und nur 7 äußerten sich unzufrieden. Interessanterweise stammt die negativste Bewertung der Therapie von den Personen, die eine lange Therapie gemacht haben (6 von 31 bewerteten die Therapie negativ), im Vergleich zu denen mit einer Kurztherapie (1 von 33 bewertete die Therapie negativ).

80,5 %
der 82 angeschriebenen Personen haben den Fragebogen beantwortet
89,4 %
bewerten die Therapie positiv oder sehr positiv
83,3 %
bewerten die Erweiterung positiv
45 %
beschreiben sie als emotional starke Erfahrung

Die Mehrheit der Befragten gibt an, keine Probleme gehabt zu haben, die Erweiterung anzunehmen, auch wenn 25 Personen Schwierigkeiten äußerten, die eigenen Angehörigen einzubeziehen. Interessanterweise waren es die Personen in helfenden Berufen (Psychologie und Psychotherapie), die die größten Schwierigkeiten äußerten, die Erweiterungen anzunehmen (16 von 33 gaben an, Schwierigkeiten gehabt zu haben, die Erweiterung anzunehmen), im Vergleich zu denen, die andere Berufe ausüben (7 von 31).

In 83,3 % der Fälle wurde die Erweiterung positiv bewertet und als emotional starke Erfahrung betrachtet (45 %), die es ermöglichte, sowohl ein Gefühl der Nähe und der Zugehörigkeit zu Angehörigen zu erleben, die bis dahin als fern empfunden worden waren, als auch ein positives persönliches Gefühl zu erfahren: mehr Selbstvertrauen, größeres Wohlbefinden usw.

45,5 % des Teils der Stichprobe, der einen helfenden Beruf ausübt (Psychologie und Psychotherapie), gaben außerdem an, dass dies positive Auswirkungen auf den eigenen Beruf gehabt habe. Dieser Teil der Stichprobe fühlte sich nämlich entschlossener, die eigene Klientel um Erweiterungen zu bitten, und besser in der Lage, die Vorteile und Schwierigkeiten dieser Erfahrung zu verstehen.

Die zehn Befragten, die die Erweiterung negativ bewertet haben, gaben hingegen an, sie als nutzlos empfunden (5 Fälle) oder als vom Therapeuten gewollte Auflage erlebt zu haben (2 Fälle). Es ist wichtig hervorzuheben, dass die negative Bewertung nur in 3 Fällen auf eine negative Reaktion der Angehörigen zurückging.

Weiter unten werden wir diese Daten ausführlich analysieren: Hier wollten wir einige davon in knapper Form vorwegnehmen, um einen Eindruck von dem starken Gefühl der Machbarkeit und des Erfolgs zu vermitteln, das wir mit diesem therapeutischen Modell erleben.

Die Grundphilosophie unseres therapeutischen Modells

Gerade in allen Modellen der Einzelpsychotherapie versucht die Therapie, die Fähigkeit der Person zu stärken, an sich selbst zu glauben und ihre eigene Identität frei und spontan zu suchen. Unser Modell ist zum Teil anders, weil es darauf hinwirkt, dass auch die Eltern (oder die anderen Angehörigen) eine grundlegende Botschaft der Annahme und Bestätigung vermitteln: Ich nehme dich an, so wie du bist. Dieser Prozess kann sich nicht auf kognitiver Ebene vollziehen, sondern nur durch eine intensive emotionale Begegnung. Ein paradigmatisches Beispiel dafür ist die Erfahrung des Rucksacks (siehe unten).

Sehr oft bleiben die einzelnen Kind-Eltern-Paare in einem endlosen Spiel gefangen, in dem jedes Mitglied lebt, um das andere zu verändern, indem es genau versucht, ihm ein Beispiel dafür zu geben, wie es leben sollte: Ein typischer Fall ist die Spirale oder die komplementäre Verstrickung zwischen einer frömmelnden Mutter mit übertriebenem Pflichtgefühl und einer grenzüberschreitenden, hedonistischen Tochter. Die Erfahrung einer starken emotionalen Begegnung, einer echten gegenseitigen Annahme, macht beide freier zu verstehen, wie sie wirklich sein und leben wollen, und den Zwang zur Frömmelei oder zur Grenzüberschreitung aufzugeben.

Die Grundphilosophie dieses Modells der Einzeltherapie besteht darin, die Beziehung zu verändern, indem ein Gefühl der Zugehörigkeit zur Familie gestärkt wird: eine Veränderung, die sich innerhalb der Familie vollzieht, durch emotionale Annäherung und nicht durch physische und psychische Distanzierung. Das weitere Wachstum und die Differenzierung der Person werden sich spontan einstellen, dank des Bedürfnisses jedes Menschen, die Welt zu erkunden und einen eigenen Lebensentwurf zu zeichnen. Die therapeutische Anstrengung wird darin bestehen, ihnen zu helfen, die Hindernisse zu beseitigen, die die Beziehung verkleben und verhindern, dass sie eine Beziehung von Person zu Person (und nicht von Rolle zu Rolle) ist.

Das Wichtigste

Die angestrebte Veränderung wird nicht durch Entfernung erreicht, sondern innerhalb der Familie selbst: Gestärkt wird das Gefühl der Zugehörigkeit, und die Botschaft der Annahme („Ich nehme dich an, so wie du bist“) muss auch von den Eltern kommen, nicht nur von der Therapie. Eine solche Botschaft läuft nicht über das Kognitive: Sie erfordert eine intensive emotionale Begegnung.

Die zentrale Stellung der Person in Therapie als Protagonistin der Veränderung

Das erste Ziel der ersten Einzelsitzungen ist es, die Ressourcen der Person zu prüfen, um hinreichend sicher zu sein, dass sie Protagonistin einer Veränderung ihrer selbst sein kann. Warum meinen wir, dass es bei der Art von Menschen, mit denen wir uns hier befassen, weder angezeigt noch wirksam ist, die bedeutsamen Angehörigen sofort einzuladen? Nicht wegen der alten Mythen nach dem Muster: In der Phase der Ablösung von der Herkunftsfamilie müssten wir ihr helfen, sich physisch oder emotional von ihr zu distanzieren, oder weil die Person die Anwesenheit der Angehörigen nicht akzeptiert (Boscolo und Bertrando, 1996). Der grundlegende Beweggrund ist, dass die Suche nach einer Psychotherapie für sich selbst gewöhnlich (in den günstigsten Fällen der sogenannten authentischen Motivation) das Ergebnis eines langen Weges des Leidens und des Nachdenkens über dieses Leiden ist. Es wird Versuche gegeben haben, ihm durch Veränderungen der Lebensweise, Medikamente, Trennungen, Reisen, neue Leidenschaften, Arbeitswechsel und so weiter zu entkommen. Irgendwann spürt die Person, dass sie es allein nicht schafft: Sie braucht Hilfe und ahnt ihre eigene, erhebliche Verantwortung dafür, dass das Unbehagen fortbesteht. Zugleich ist sie fähig, auf Pessimismus und Defätismus zu reagieren: In ihr ist eine Hoffnung entstanden. Das sind drei grundlegende Schritte: dahin gelangen, um Hilfe zu bitten, annehmen, für das eigene Leben verantwortlich zu sein, und in sich eine Hoffnung wachsen lassen – Schritte, die oft einen sehr langen Weg erfordert haben, um die Verleugnung des Problems zu überwinden, die Allmacht, es ohne Hilfe schaffen zu wollen, den Opferhabitus, der einem anderen Ich die Verantwortung für das Unbehagen zuschreibt, und um aus dem Gefühl der Ohnmacht herauszufinden (die vier Stadien vor dem Zugang zu einer Psychotherapie, Selvini, 2007).

In all den Fällen, in denen der Wunsch nach einer Einzelpsychotherapie die Frucht dieses grundlegenden Weges ist (der manchmal schon für sich genommen ein wichtiger Besserungsfaktor ist, noch bevor die Therapie begonnen hat), wäre es wirklich falsch, solche Fortschritte durch eine sofortige erweiterte Einladung zu demütigen, die implizit eine Entwertung dieses Weges vermittelt und Gefahr läuft, starke, implizite und falsche Botschaften auszusenden wie: Die Hilfe der Therapie reicht nicht aus; wenn sich deine Angehörigen nicht ändern, wirst du nie aus deinen Schwierigkeiten herauskommen. Die Person mag einen wichtigen Schritt gegen ihre Allmacht und ihren Defätismus getan haben (eine integrierende Bewegung gegenüber dieser klassischen Polarisierung), und die sofortige erweiterte Einladung läuft Gefahr, sie in eine dramatische pathogene Polarisierung zurückzustoßen: entweder in den Opferhabitus (alles ist ihre Schuld) oder in die Ohnmacht (sie werden sich nie ändern, ich werde es nie schaffen).

Die ersten vier oder fünf Sitzungen mit einer hilfesuchenden Person dienen gerade dazu, den Weg zu überprüfen und zu festigen, der sie zur Einzeltherapie geführt hat: Ist sie wirklich fähig, ihre Verantwortung (Yalom, 1989) für das Unbehagen anzunehmen, zu denken und zu verarbeiten? Lässt sich ihre Hoffnung auf Veränderung stützen und stärken? Kann die Person vom Teilen profitieren, geht es ihr besser, wenn sie bei der Suche nach Antworten und Lösungen nicht mehr allein ist? Fallen die Antworten auf diese Fragen positiv aus, dann ist ein gutes therapeutisches Bündnis möglich, und das gibt uns eine gute Grundprognose für den Erfolg der Einzeltherapie.

Die inzwischen sehr langen und historischen Erfahrungen mit systemischen, psychoanalytischen, kognitiven und anderen Einzelpsychotherapien, die auf diesen ausgezeichneten Ausgangspunkten beruhen, zeigen uns jedoch, dass das Risiko des Scheiterns gleichwohl hoch bleibt und die Therapiedauer leider zu lang ist für die realen Möglichkeiten vieler Menschen in Therapie.

Kürze und Wirksamkeit sind eng miteinander verbundene Dimensionen: Ein zu langes Vorhaben ist oft nicht durchführbar, und damit geht die potenzielle Wirksamkeit verloren.

Historisch hat die Psychoanalyse alle therapeutischen Faktoren auf die analytische Beziehung gesetzt und die Ansicht vertreten, die analysierende Person dürfe keinerlei Kontakt zum Umfeld der Person in Analyse haben, weil dies die Übertragungsbeziehung verunreinigt oder verzerrt hätte. Diese Technik hat sich in den schwersten Situationen gewöhnlich als undurchführbar erwiesen und dazu gezwungen, die Dauer der Therapie und die Zahl der Wochensitzungen enorm zu verlängern. Unsere Erfahrung zeigt dagegen, dass die Einbeziehung der Angehörigen einer hilfesuchenden Person, wenn sie auf die richtige Weise und im richtigen Moment geschieht, die Therapie verkürzen und ihre Wirksamkeit verbessern kann.

Die grundlegenden Gründe für die Erweiterungen

Durch die Erweiterungen verbessert sich die Wirksamkeit der Therapien aus zwei grundlegenden Gründen. In der Einzeltherapie ohne Erweiterungen kann es sehr lange dauern, bis die Person in der therapeutischen Beziehung die verschiedenen Aspekte ihrer Persönlichkeit durchlebt; gleichzeitig kann die Therapie nicht umhin, der Beschreibung der Angehörigen zu glauben, die diese Person mitbringt (Kohut, 1979). Die Therapie wird so unvermeidlich von den Realitätsverzerrungen der Person angesteckt (Selvini, 1993) und erfordert auch hier eine intensive Arbeit an der eigenen Gegenübertragung, um der Person ihre Verantwortung dafür verständlich machen zu können, dass sie bei anderen negative Haltungen ihr gegenüber hervorruft.

Die Einladung der bedeutsamen Angehörigen auf der Grundlage eines guten therapeutischen Bündnisses bekämpft sehr wirksam diesen Verstärkungs- oder Verzerrungsfaktor von Einzelpsychotherapien, die auf einer Art Autismus zu zweit beruhen. Die Patientin, die in den Einzelsitzungen nur ihre Züge von Depression, Zerbrechlichkeit, Unfähigkeit und Abhängigkeit von den Angehörigen zeigt, offenbart, wenn man sie mit ihnen zusammen sieht, ein ganz anderes Gesicht ihrer Persönlichkeit: Sie greift sie vielleicht aus nichtigen Gründen an, wird herrisch und versucht, sie mit absurden Ansprüchen zu beherrschen.

Eine solche Sitzung eröffnet der Einzeltherapie ein neues und grundlegendes Arbeitsfeld.

Das andere wesentliche Potenzial der Erweiterung liegt darin, die Beschreibung der Angehörigen durch die Person in Therapie mit der direkten Beobachtung der therapeutischen Fachkraft (und gegebenenfalls ihres Teams) zu konfrontieren. Jener Vater zum Beispiel, der uns als chronisch psychotisch, aggressiv und misshandelnd beschrieben worden war, erscheint uns als kranker, verwirrter, ohnmächtiger und depressiver alter Mann. Was kann also erklären, dass unsere Patientin noch eine so heftige explosive Wut auf ihn in sich trägt? Dieses Gefühl findet keinerlei Grundlage im gegenwärtigen Verhalten dieses armen, mit Medikamenten vollgestopften Mannes. Was verhindert, dass sich ihre Wut legt? Was lähmt eine natürliche empathische Regung gegenüber einem so mitgenommenen Vater? Eine solche Konfrontation eröffnet der Einzeltherapie neue Gebiete, Gebiete, die unzugänglich geblieben wären, wenn wir jahrelang weiterhin mit ihr und wie sie an die aktuelle Notwendigkeit gedacht hätten, sich gegen einen gefährlichen Verrückten zu verteidigen, ohne zu vermuten, dass die Wut die Sehnsucht nach einer positiven emotionalen Begegnung verbirgt.

Aber warum hatte die klassische psychoanalytische Technik, also die Phobie vor gemeinsamen Sitzungen, so viel Erfolg, und warum hat sie ihn noch immer?

Weil die erweiterten Einladungen eine zielgerichtete, lenkende Leitung erfordern, auf die die meisten Ausbildungen in Einzelpsychotherapie keineswegs vorbereiten. Die erweiterte Sitzung kann sich, zumindest in der großen Mehrheit der Fälle, nicht auf das Zuhören stützen. In der Familientherapie weiß man per Definition, dass man der Familie nicht erlauben kann, in der Sitzung so zu interagieren, wie sie aktuell und gewöhnlich funktioniert. Dieses Problem stellt sich im Einzel-Setting weniger und auf andere Weise. Die Einzel-Settings sind in ihren verschiedenen Modellen gerade so strukturiert, dass sie an sich eine neue emotionale und kognitive Erfahrung darstellen.

Im erweiterten Setting aber ändern sich die Dinge: Dieselben Techniken können nicht funktionieren. Wir müssen die Person, die wir begleiten, vor der Gefahr schützen, angegriffen, disqualifiziert, gedemütigt oder ignoriert zu werden, zugleich aber auch die eingeladenen Angehörigen vor denselben Gefahren schützen. Per Definition darf die Sitzung keine unangenehme und nutzlose Erfahrung sein, keine Wiederholung alter und schmerzhafter Dynamiken. Sie muss eine neue Erfahrung sein, und das erfordert eine direktive Leitung, die es erlaubt, die Erfahrung dieser Sitzung zu steuern und zu planen.

In der Familientherapie muss die therapeutische Haltung die der vielgerichteten Parteilichkeit (Boszormenyi-Nagy) sein, das heißt, sich mit allen verbünden und mit niemandem gemeinsame Sache machen; bei diesem Modell hingegen müssen die zentrale Stellung der Person in Therapie und das Bündnis mit ihr fest und unumstritten sein. Die Angehörigen kommen, um ihr zu helfen, und sollte künftig ein Familienmitglied eine neue Sitzung für sich selbst erbitten, könnte diese nur in Anwesenheit der Person in Therapie als Ko-Therapeutin oder Ko-Therapeut gewährt werden: Es wird darum gehen, ihr zu helfen, ihrem leidenden Angehörigen zu helfen, indem sie Zuneigung und Verständnis gibt, als erwachsenes Kind gegenüber Vater oder Mutter und nicht mehr in der Position der Patientin oder des Patienten. So verhindert man eine mögliche Manipulation durch das Familienmitglied, das eine Sitzung nur erbitten könnte, um über dunkle oder unbekannte Dinge der Person zu sprechen, die wir begleiten. Sollte für ein Familienmitglied eine Psychotherapie nötig sein, muss man es an eine andere Fachperson verweisen und sie niemals selbst übernehmen, weil die Person in Therapie das als Verrat erleben könnte.

Der Gefahr einer erzwungenen und zerstörerischen Trennung von der Herkunftsfamilie entgegenwirken

Ein in der Einzeltherapie aller Richtungen weitverbreiteter Mythos behauptet, man müsse sich physisch und emotional von einer dysfunktionalen Familie entfernen, um sich differenzieren zu können. Das ist der sogenannte „emotionale Bruch“ oder cut-off, den Bowen (1978) in seinen historischen Schriften beschrieben hat. Viele Einzeltherapierende, die die Komplexität des therapeutischen Weges nicht beherrschen, die Bedeutung des Gefühls positiver Zugehörigkeit zur eigenen Familie gravierend unterschätzen und sich unkritisch mit dem familienfeindlichen Anteil der Person in Therapie überidentifizieren, setzen eine therapeutische Strategie um, die zwar darauf abzielen möchte, deren Fähigkeit zur Selbstbehauptung zu stärken, in Wirklichkeit aber in einer banalen Aufwiegelung gegen Angehörige und Partnerperson endet. Vor allem im Borderline-Bereich, der durch Diskontinuität oder Desorganisation zwischen idealisierenden und dämonisierenden Aspekten gegenüber den Angehörigen gekennzeichnet ist, ist eine solche Strategie iatrogen, weil sie ausgeglichene integrierende Prozesse in keiner Weise fördert; im Gegenteil, sie bringt aus dem Gleichgewicht und polarisiert hin zur dämonisierenden Negativität. In diesen Fällen ist es die beste Supervision, die Angehörigen direkt zu sehen! (Selvini, 2004, S. 236.) Therapierende, die sich die Klagen ihrer Klientel anhören, ohne deren Ambivalenz zu berücksichtigen, gleichen dem Umfeld (Freundeskreis oder Verwandtschaft), das sich die Mitglieder eines Paares in der Krise getrennt anhört, ohne sie miteinander interagieren zu sehen. Am Ende werden alle sagen: „Wenn die Person, mit der du lebst, so unzuverlässig und so achtlos ist, dich schlecht behandelt und dich nicht liebt, dann trenn dich! Das ist das Beste für dich!“ Wenn man das Paar interagieren sieht, wird man verstehen, dass es zur Erklärung ihres Leidens (und ihrer Freuden) auf die Beziehung ankommt, zirkulär verstanden, und dass eine individuelle Lesart niemals die Komplexität ihrer Bindung wird erklären können.

Der erwachsene Mensch ringt beständig auf einer Achse, die zwischen zwei großen Bedürfnissen hin- und herschwingt: dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit zu einem Familiensystem, das uns das Leben und den Namen gegeben hat und mit dem wir Tausende und Abertausende von Interaktionen angesammelt haben, und dem Bedürfnis nach Differenzierung, einem spontanen Antrieb, der uns dazu bringt, die Welt zu erkunden und einen eigenständigen Lebensentwurf zu entwerfen, um uns kreativ in die umgebende Kultur einzufügen und uns gegebenenfalls mit unseren Nachkommen in einen transgenerationalen Mechanismus des Fortlebens der ererbten positiven Werte einzureihen.

Den Hass auf einen Vater in sich zu tragen, mit dem wir unsere Beziehung nicht klären konnten, wird uns für immer einen Teil von uns selbst hassen lassen, oder, schlimmer noch, wir werden überall Feinde sehen, oder in unseren Partnerinnen und Partnern oder Kindern, in dem trügerischen Versuch, dieses Leiden zu lindern: Der Groll bindet uns stärker als die Liebe!

Solange die Eltern leben, und gleich in welchem Alter, kann eine therapeutische Begegnung, die die ungelösten Knoten angehen und sie gegebenenfalls lösen kann, ein Leben verändern. Wir haben Situationen gesehen, die sich jahrelang ohne Lösung hinzogen und die durch eine angemessene Klärung und, wenn möglich, durch das Anhören der aufrichtigen Bitte um Vergebung eines alten Vaters, der seine Fehler anerkennt, das Erleben einer Person völlig verändern können.

Der Mythos der Distanzierung

Sich physisch und emotional von einer dysfunktionalen Familie entfernen, um sich zu differenzieren: der von Bowen beschriebene emotionale Bruch, der zu einer gängigen Strategie der Aufwiegelung gegen die Angehörigen geworden ist.

Die Wette auf die Annäherung

Solange die Eltern leben, die ungelösten Knoten lösen: Das Gefühl positiver Zugehörigkeit wird zur eigentlichen Voraussetzung der Differenzierung und nicht zu ihrem Hindernis.

Das Problem der Indikationen für diese Art von Intervention

Die drei Kriterien, von denen wir gesprochen haben – Verantwortung, Anliegen und Hoffnung –, bilden also die Grundlage für die Einschätzung der Indikationen dieser Behandlungsform, die gewöhnlich kurz ist: zwanzig bis vierzig Sitzungen über etwa zwei Jahre. Wie Sorrentino (2004) hervorhebt, betrifft die grundsätzliche Indikation also Menschen, die fähig sind, von sich zu erzählen (gute autobiografische Kompetenz), Erwachsene mit existenzieller Autonomie sowie hilfesuchende Jugendliche, deren Eltern die Therapie veranlassen und ihr zustimmen. In den übrigen Fällen (Kinder, widerstrebende oder ambivalente Jugendliche, Erwachsene mit erheblichen Erkrankungen) bleibt die Familientherapie indiziert.

In einer früheren Arbeit hat uns Canevaro (2005) ein Phantombild der Personen geliefert, mit denen er dieses Interventionsmodell erfolgreich erprobt hat.

1

Autonome Erwachsene

Gewöhnlich zwischen 30 und 40 Jahre alt, ohne schwere psychische Erkrankungen und in der Lage, für sich selbst zu sorgen, die aber über wiederholtes Scheitern in Liebesbeziehungen klagen, das sie als persönliche Unfähigkeit erleben, eine wichtige gefühlsmäßige Bindung einzugehen und durchzuhalten.

2

Junge Erwachsene in der Ablösungsphase

Ohne auffällige Symptomatik, aber mit einer phobischen Haltung gegenüber der Einbeziehung der Familie, weil sie meinen, es allein schaffen zu können.

3

Symptomatische, aber autonome junge Erwachsene

Mit normalem autonomem Funktionsniveau (Arbeit, eigene Wohnung), mit Symptomen wie Bulimie, Panikattacken, Anorexie, Depressionen oder Zwangssymptomatik; sie wollen die Herkunftsfamilie nicht einbeziehen, aus Angst, von ihr vereinnahmt zu werden.

4

Von Geheimnissen geprägte Situationen

Geheimnisse, deren Klärung für unmöglich gehalten wird (sexueller oder körperlicher Missbrauch unter Beteiligung von Angehörigen, eheliche Untreue, alternative sexuelle Orientierungen …), stehen der Einbeziehung der Familie im Weg und erfordern, wenn möglich, eine lange Vorbereitung der Person, um gegebenenfalls einen Dialog mit den Mitgliedern des für sie bedeutsamen affektiven und relationalen Systems zu führen und zu einer besseren Verarbeitung zu gelangen.

Eine gute Einzelbehandlung kann auch in sehr viel schwereren Situationen nützlich und grundlegend sein, etwa bei Menschen ohne familiäre Ressourcen, die Opfer strafbarer Handlungen geworden sind (sexueller Missbrauch, Misshandlung), oder bei schweren Persönlichkeitsstörungen und psychotischen Symptomen. In diesen Fällen wird die therapeutische Philosophie jedoch völlig anders sein, denn die auf die Person zentrierte Psychotherapie wird nicht, wie in dem hier vorgestellten Modell, die einzige Intervention sein, sondern Teil eines integrierten, multidisziplinären Netzes von Interventionen bei der Person, der Familie und im Lebensumfeld.

Leitung der ersten Sitzungen

In den ersten Sitzungen wird das therapeutische Bündnis mit einer Reihe von Techniken aufgebaut, auf die wir hier nicht näher eingehen können: Beschreibung des Problems, persönliche Lebensgeschichte der Person in Therapie, erste Erklärungen zum persönlichen und abwehrbezogenen Funktionieren, Vereinbarung einer Konsultation unter Einbeziehung bedeutsamer Angehöriger, schrittweise Erhebung der Dreigenerationengeschichte der Familie (Genogramm), Formulierung einer Hypothese über die Beziehungsbedeutung des Symptoms, gegebenenfalls psychoedukative Verschreibungen zur Eindämmung des Symptoms und zur Erprobung alternativer Verhaltensweisen, bis hin zur Aushandlung der Einladung der Angehörigen.

Die Überlegung mit der Person in Therapie, wen wir einladen

Wir müssen mit der Person die übergreifenden Ziele der Erweiterung besprechen, die wir auf den vorangehenden Seiten dargelegt haben.

  1. Mehr Anhaltspunkte haben, um zu verstehen, wer sie ist und wie sie in ihren wichtigsten Beziehungen funktioniert.
  2. Mehr Daten haben, um zu verstehen, wer ihre Angehörigen sind und wie diese in der Beziehung zu ihr funktionieren.
  3. Zu verstehen versuchen, wo die Verzerrung dieses oder jenes Aspekts ihrer Selbstwahrnehmung liegt.
  4. Zu verstehen versuchen, wo die Verzerrung ihrer Wahrnehmung dieses oder jenes Aspekts ihrer Angehörigen liegt.

Zu all dem können einige spezifischere Ziele hinzukommen, die gewöhnlich mit einem Problem emotionaler Distanz und fehlenden Zugehörigkeitsgefühls zu tun haben: Die gemeinsame Sitzung ist besonders nützlich bei jenen wichtigen Menschen, die wir als fern empfinden und mit denen es nur sehr wenig Kommunikation gibt. Oft können das Geschwister sein oder sogar ein Elternteil, gewöhnlich der Vater.

Ein weiteres spezifisches Problem kann darin bestehen, dass die Angehörigen wichtige Aspekte des Lebens der Person nicht kennen: Sie wissen zum Beispiel nichts von der Schwere ihrer Symptome und ihres Leidens. In diesem Fall kann eine erweiterte Sitzung nützlich sein, die alle in das Teilen dieser neuen und schmerzlichen Information einbezieht.

Mit der Person auszuhandeln, wen man wann einlädt, gehört zur Einschätzung ihrer aktiven Rolle: zum Beispiel den Vater allein, wenn die Mutter es dem Kind historisch immer schwer gemacht hat, sich ihm zu nähern, und wenn der Vater selbst sich oft entzogen hat. Ist die Person vor Zweifel wie gelähmt, ist es grundlegend, dass die Therapie das Risiko der Entscheidung übernimmt.

Es kommt vor, dass ein Kind zu starr in eine beschützende Rolle gegenüber einem oder beiden Elternteilen gedrängt wurde: So musste es allein zurechtkommen und hatte nicht einmal die Kraft, gegen jene Verhaltensweisen zu protestieren, unter denen es gelitten hat. Eine erweiterte Sitzung könnte zum Beispiel dazu genutzt werden, dass eine erwachsene Frau ihrem Vater endlich ihr Leiden darüber mitteilen kann, dass er ihren ersten Freund schroff und respektlos abgelehnt hat. Ein Verhalten, das noch heute schmerzt, weil es nach wie vor zutrifft, dass der Vater es weiterhin für selbstverständlich hält, dass seine Tochter sich nach den Mustern verhalten wird, die er ihr zugeschrieben hat. In vielen Fällen hängt das Thema der übermäßigen emotionalen Distanz zwischen der Person und ihren bedeutsamen Angehörigen mit einer aktiven oder passiven Rollenumkehr zusammen. Die Person hat ihre beunruhigendsten Gefühle nie mitgeteilt, um ihre Angehörigen nicht zu belasten oder zu beunruhigen. In diesen Fällen fällt es ihr sehr schwer, schon die Einladung selbst zu akzeptieren, weil sie die alten Regeln bricht: Zum ersten Mal bittet das Kind um Hilfe für sich, statt Hilfe zu geben, zum ersten Mal werden heikle oder undankbare Fragen gestellt. Die Sitzung muss dann gut vorbereitet werden, um zu vermeiden, dass die Person auch in diesem Moment verstummt und die Begegnung auf eine nutzlose und formelle Zeremonie zusammenschrumpft. In Wirklichkeit ist diese Gefahr nicht sehr häufig, weil schon die Einladung zu einer Therapie von einer wirksamen und neuartigen emotionalen Botschaft begleitet wird.

Zweifellos erscheint die erweiterte Einladung in ihren verschiedenen Formaten bei jenen Persönlichkeitstypen angezeigt, bei denen die verschiedenen Formen von Rollenumkehr und Distanzierung besonders ausgeprägt und verwurzelt sind: symbiotisch-abhängige (passive Rollenumkehr), vermeidende (fehlendes Zugehörigkeitsgefühl), Parentifizierung (aktive Rollenumkehr) und zwanghafte (Schutz der Eltern durch Gehorsam und Erfolg).

Die Besprechung der Widerstände der Personen in Therapie gegen die Erweiterungen

Die Einladung ist immer voller Zweifel und Ängste. „Werden meine Angehörigen zusammenbrechen, wenn ich wirklich offenlege, was ich denke?“ „Wird Papa, der einen Herzinfarkt hatte, in der Sitzung einen Anfall bekommen?“ Man könnte antworten: „Wenn er einen Herzinfarkt hatte, dann deshalb, weil er sein Herz nie von seinen Ängsten befreien konnte. Lassen Sie ihn frei sprechen. In den dreißig Jahren, in denen ich diese Begegnungen mache (Canevaro), ist (bisher) nie etwas Derartiges passiert. Gewöhnlich sagen mir die Menschen, die ich begleite: ‚Mein Vater ist ganz gelöst und gesprächig. Die Begegnung hat ihm gutgetan!‘“ „Und wenn die Familie nach der Begegnung zerbricht?“ „Wie sollen sie mit all den Ängsten und Befürchtungen umgehen, die geweckt werden?“ Antwort: „Familiensysteme sind sehr starke Organisationen, die sich nach einer Erschütterung leicht wieder zusammenfügen. Wir Individuen, ob in Therapie oder therapeutisch tätig, sind sehr viel zerbrechlicher, aber aus dieser Schwäche kann die Kraft entstehen, zu erschüttern, um eine Veränderung anzuregen und zu fördern.“

Im vorigen Abschnitt haben wir bereits einige der häufigsten Themen berührt: eine Geschichte der Rollenumkehr durch eine ausdrückliche Bitte um Hilfe umkehren, seit jeher unterdrückten Gefühlen eine Stimme geben, Distanz und Formalismus durch echtes Teilen, durch Intimität und Nähe bekämpfen.

Diese Ziele können dann gezielt auf verschiedene Personen ausgerichtet werden. In einer Geschwisterreihe zum Beispiel geht die Überverantwortlichkeit eines Geschwisters oft mit der Polarisierung eines anderen in die entgegengesetzte Richtung einher, hin zu einer egozentrischeren, hedonistischen und grenzüberschreitenden Lebenshaltung. Die erweiterte Sitzung kann dann darauf ausgerichtet werden, über die Vor- und Nachteile dieser Polarisierung nachzudenken, um ihr entgegenwirken zu können, vielleicht durch eine gerechtere Aufteilung der Unterstützung der alternden Eltern. Wie wir gesehen haben, kann in anderen Fällen ein Kind „Privateigentum“ der Mutter gewesen sein; den Vater wieder ins Spiel zu bringen, ist dann das Ziel der Erweiterung.

Die Erweiterung erfolgt erst dann, wenn die Person zumindest teilweise von ihrem Nutzen überzeugt ist. Manchen Menschen kann die Erweiterung unmöglich und unannehmbar erscheinen. Das kann bei Personen mit ausgeprägten schizoiden oder paranoiden Zügen der Fall sein, die schon große Schwierigkeiten haben, ein grundlegendes Vertrauen in die Therapie zu festigen, und die die Erweiterung so erleben werden, als müsse sie sich gegen sie wenden: Sie haben panische Angst, dass die Therapie sich auf die Seite ihrer Angehörigen schlägt.

Die Erweiterung muss auch bei Personen mit erheblichen Diskontinuitäten der Persönlichkeit (Borderline-Bereich) sehr gut überlegt und vorbereitet werden, da hier die Gefahr impulsiver und aggressiver Bewegungen größer ist, sowohl von den Angehörigen gegenüber der Person in Therapie als auch von ihr gegenüber den Angehörigen. In diesen Fällen beginnt die Erweiterung mit den Angehörigen, mit denen das Bündnis als am stärksten erlebt wird, gewiss nicht mit denen, die historisch als feindlich gelten (siehe die gesamte Debatte über die Kontraindikationen für Familiensitzungen, Selvini, 2004, S. 228–229, und Cuccuru, 2006).

Eine häufige Bedenklichkeit, ebenfalls im bereits genannten Bereich der Parentifizierung und Rollenumkehr, tritt auf, wenn die Kinder studiert haben und die Eltern nur eine einfache Bildung besitzen. Das Kind kann eine Demütigung des Vaters befürchten; es muss also erklärt werden, dass die Sitzung so geleitet wird, dass sie dem Vater hilft, seinen affektiven und emotionalen Beitrag bestmöglich zur Geltung zu bringen, unter Verzicht auf jede intellektuelle Raffinesse.

Die Entscheidung über die erste und die folgenden Einladungen

Mehrere Antworten auf diese Frage haben wir bereits vorweggenommen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass man vor allem in Situationen intensiver Triangulierung und Konflikthaftigkeit (getrennte und/oder zerstrittene Eltern, harte Rivalitäten unter Geschwistern) jeweils mit einer Einladung vorgeht und mit dem am wenigsten konfliktbeladenen Angehörigen beginnt. Oder wir beginnen mit den Geschwistern, um ein Bündnisnetz aufzubauen, das den Eltern in Schwierigkeiten helfen soll. Wie bereits gesagt, wird man in anderen Fällen den Angehörigen bevorzugen, bei dem die Verringerung der emotionalen Distanz am nützlichsten erscheint.

Die erweiterte Einladung der ganzen Familie kann genutzt werden, um deren Existenz in all jenen Situationen zu bekräftigen, in denen diese kollektive Identität (Zusammenhalt und Zugehörigkeitsgefühl) recht labil ist.

Ein weiteres Kriterium kann sein, Angehörige einzuladen, die über interessante, nicht geteilte Informationen verfügen könnten.

Bei Personen, die durch ausgeprägte Züge von Beschützen und Gefälligkeit gekennzeichnet sind (abhängig-symbiotischer Bereich, siehe Selvini, 2007), besteht die Gefahr, dass in einer fortgeschrittenen Phase der Therapie das Fortbestehen erheblicher Schwierigkeiten in der Therapie verborgen wird, aus Angst zu enttäuschen. In diesem Fall stellt eine Erweiterung auf Angehörige oder Partnerpersonen eine sehr wichtige Überprüfung der tatsächlichen Wirksamkeit der Intervention dar und kann eine Wende in einer Behandlung ermöglichen, die nach einer anfänglichen Phase ausgezeichneter Fortschritte ins Stocken geraten ist.

Techniken der Leitung der erweiterten Sitzung

Das grundlegende Kriterium wird sein, die verschiedenen Wahrnehmungen miteinander zu konfrontieren, sowohl der Eigenschaften der Person in Therapie als auch der Schlüsselelemente der Familiengeschichte.

Die Angehörigen werden immer gefragt, wie sie die Einladung zur Teilnahme aufgenommen haben und wie sie ihnen übermittelt wurde (ob sie jeder Person einzeln mitgeteilt oder über jemanden ausgerichtet wurde, gewöhnlich über die Mutter usw.). Das sind wichtige Informationen, die verstehen lassen, wie Informationen innerhalb des Familiensystems fließen. Einmal begann zu Beginn einer Begegnung mit der Mutter und den beiden Schwestern eines Patienten die Mutter mit Vehemenz zu sprechen. Canevaro unterbrach sie nach einigen Minuten, um sie zu fragen, ob sie verwitwet sei, da sie in ihrer Erzählung ihren Mann nie erwähnte. Sie antwortete: „Nein, keineswegs. Ich habe ihm nur nichts von dieser Begegnung gesagt, weil er sich immer aus unseren Angelegenheiten heraushält … er interessiert sich nie dafür …“

Nachdem die Reaktion auf die Einladung und die Art ihrer Übermittlung geklärt sind, wird der Grund der Einladung erläutert: „Diese Person hat mich um Hilfe bei ihren Problemen gebeten, und da ich die Familie im Leben eines Menschen für sehr wichtig halte, möchte ich Sie um Ihre Mitarbeit und Ihre Informationen bitten, um ihr besser helfen zu können. Ich bitte Sie also, offenen Herzens über die bestehenden Probleme zu sprechen, über deren Gründe und über die Lösungen, die Sie vorschlagen. Helfen Sie mir, ihr zu helfen.“

Diese aufrichtige Bitte um Hilfe ist sehr wichtig, um die Familie für den therapeutischen Prozess und nicht gegen ihn zu gewinnen. Die therapeutische Kunst besteht darin, diese Kräfte zugunsten einer Intervention zu bündeln, die oft aus Vorurteil als nutzlos abgestempelt wird. Viele Menschen, oft die Eltern, schicken voraus, dass sie nicht an diese Therapien glauben, aber aus Liebe zu ihrem Kind bereit sind zu helfen. Meistens interagieren sie, ohne dass irgendeine Klärung nötig wäre, und es kommt häufig vor, dass dieselben Menschen, die anfangs zurückhaltend waren, sich am Ende der Begegnung bedanken und ihren Angehörigen unserer Obhut anvertrauen.

Veronicas Bedürfnis, sich anlässlich ihrer bevorstehenden Heirat von ihrer Familie zu verabschieden, ermöglichte es allen Geschwistern und den Eltern, das Ihre zu sagen und ihr eine gute Erfahrung zu wünschen. Die Mutter, die gewöhnlich eine exklusive Beziehung zu Veronica pflegte (unter Ausschluss des Vaters), musste einer langen Ausführung des sonst schweigsamen Vaters Raum lassen, über die Zuneigung, die er stets für seine Tochter empfunden hatte, und darüber, wie gern er mit dem neuen Paar in Kontakt bleiben würde. Die zärtliche Umarmung, die Veronica ihrem Vater und dann jedem anderen Familienmitglied gab, schuf eine sehr bewegende Atmosphäre, die für sie ein echtes Abschiedsritual und einen Übergang in einen neuen Lebensabschnitt darstellte.

Wenn eine emotionale Scheidung der Eltern vorliegt, empfiehlt es sich, getrennte Begegnungen durchzuführen, die darauf ausgerichtet sind, eine positive persönliche Beziehung zu jedem Elternteil zu festigen, und zugleich die therapeutischen Versuche der Person in Therapie, die Eltern wieder zusammenzubringen, als „Mission Impossible“ zu definieren. Wenn junge Menschen in Therapie verzweifelt versuchen, ihren Eltern bei deren Streitigkeiten zu helfen, zeigen wir ihnen, wie das Dazwischentreten zur Vermeidung der Auseinandersetzung – etwas Altruistisches und Positives – zugleich unbewusst eine Begegnung zwischen den Eltern verhindert, die erhellend und lösend sein könnte.

Die Angehörigen werden nie als Patientinnen oder Patienten eingeladen, sondern immer als privilegierte Zeugen: Sie sollen der Therapie helfen, indem sie ihre Sicht sowohl auf die Grenzen als auch auf die Ressourcen der Person in Therapie darlegen und angeben, welcher Weg ihr helfen könnte, besser zu leben. Manchmal ermöglicht schon die bloße Gegenüberstellung der Sichtweisen eine befreiende Klärung alter Missverständnisse und Verwechslungen.

Wie oben gesagt, kann sich die therapeutische Beobachtung gewöhnlich nicht auf eine Haltung bloßen Zuhörens stützen. Einige Schlüsselfragen werden vorab mit der Person in Therapie vorbereitet worden sein, und die eine oder andere Seite wird sie an die beteiligten Angehörigen richten.

Bei Personen aus dem neurotischen Borderline-Bereich, die durch ein intensives Opfererleben gegenüber ihren Angehörigen gekennzeichnet sind, kann ein Weg, der ihnen hilft, die Dreigenerationendramen ihrer Eltern zu verstehen, die über diese errichtete negative Mythologie auflösen, kann ermöglichen, dass die Eltern selbst um Verzeihung für das unabsichtlich verursachte Leid bitten, und kann den Weg zu einem echten Prozess der Vergebung und Versöhnung ebnen.

Die therapeutische Leitung muss sehr aktiv darin sein, die Kommunikation, den Beziehungsaustausch und die Schaffung eines therapeutischen Klimas zu fördern, das die Begegnung ermöglicht. Sie muss in hohem Maße direktiv sein bei der Gestaltung des therapeutischen Settings und bei den strukturellen und erfahrungsorientierten Manövern, und absolut neutral gegenüber den Veränderungen, die sich ergeben und die von den beteiligten psychologischen und emotionalen Vektoren abhängen, die durch diese kontextuelle Intervention verändert werden.

Der Körper, die Emotionen und die Gegenvermeidungsmanöver

Wir halten es für sehr nützlich, an einem bestimmten Punkt der Sitzung (nie zu Beginn), in der Wärme der Psychotherapie, wenn sehr belastende Themen oder hochkonflikthafte Situationen angesprochen werden, eine körperliche Begegnung zu fördern, die die Auflösung der Widerstände ermöglicht.

So wie die Chinesen sagen, ein Bild sei mehr wert als tausend Worte, könnten wir sie abwandeln und dasselbe von einer Umarmung sagen. Wenn sie im richtigen Moment geschieht, kann sie ein therapeutisches Ergebnis verändern. Im richtigen Moment heißt niemals bevor die Wut und der Groll beiseitegeräumt sind, die jene fast immer ersehnte emotionale Begegnung verhindern, selbst nach erbitterten Vorwürfen, die oft eine Bitte darstellen (Canevaro, 2003).

Die Sprache, höchste Errungenschaft der Lebewesen, kann leider auch dazu benutzt werden, Aspekte des persönlichen, familiären oder psychotherapeutischen Lebens zu belügen, zu verfälschen oder zu verschleiern.

Gefühle hingegen lügen nie.

Die nonverbale Kommunikation zu verstehen (75 % der menschlichen Kommunikation) ist in der Therapie eine unersetzliche Kunst. Den Tonfall der Stimme, die Gesichtsbewegungen und die Proxemik (die Lehre von der räumlichen Verteilung der Mitglieder einer Gruppe) zu lesen, kann grundlegend sein, um eine zwischenmenschliche Beziehung stimmig zu machen.

Einem Menschen, der sich als gelassen bezeichnet, während er unkontrolliert mit dem Bein wippt, zu sagen: „Was wird Ihr Bein wohl von dem halten, was Sie gerade sagen?“, heißt widersprüchliche Aspekte zu integrieren, was eine doppelte Botschaft aufhebt oder ein Verhalten verständlicher macht.

In der dysfunktionalen Kommunikation sind die Angehörigen Meister in der Kunst der Vermeidung von Emotionen, die die Rationalität der Begegnung stören könnten.

Häufige Beispiele sind:

  • sich hinter der Elternrolle verstecken, statt als Person zu sprechen;
  • das Thema wechseln, wenn man sich einem strittigen Thema nähert;
  • woandershin schauen und nicht in die Augen des Gegenübers;
  • den Körper vom Gegenüber entfernen und so eine körperliche Begegnung verhindern;
  • die Bitte verharmlosen oder disqualifizieren, besonders wenn in der Sitzung um eine körperliche Annäherung gebeten wird;
  • mit der Person, die die Therapie leitet, über den Sohn oder die Tochter sprechen und nicht direkt mit ihm oder ihr (Vermeidung plus Triangulierung der therapeutischen Fachkraft). Beispiel: „Er weiß, dass ich ihn liebe“ ist nicht dasselbe, wie es ihm direkt zu sagen und ihm dabei in die Augen zu sehen;
  • eine förmliche und keine „volle“ Umarmung geben. Einen Klaps auf den Rücken geben, statt die Person in die Arme zu schließen.

Die Therapie muss bei den Gegenvermeidungsmanövern sehr aktiv sein und den richtigen Moment abwarten, um um Platzwechsel und Annäherungen zu bitten, die den Menschen Angst machen können.

Den richtigen Moment abwarten heißt, die emotionale Intensität zu steigern, indem man universelle Themen anspricht, die tiefe Emotionen wecken: die Liebe, den Tod, den Wahnsinn, die Weitergabe an die nachfolgenden Generationen usw.

  • die Personen bitten, miteinander zu sprechen und sich dabei in die Augen zu sehen;
  • darum bitten, dass sie weder ausweichend noch zweideutig antworten;
  • die Personen einander gegenüber Platz nehmen lassen, sich an den Händen haltend und einander in die Augen schauend.

In dieser Position ist es unmöglich, nicht zu kommunizieren, es sei denn, man schaut die Person an, die die Therapie leitet, oder wendet sich an sie. Es genügt, darum zu bitten, das Gegenüber anzusehen, um das Vermeidungsmanöver zu neutralisieren.

Zu verlangen, dass mit dem Gegenüber und nicht über das Gegenüber gesprochen wird, ist sehr wichtig, und manchmal muss man es angesichts des Widerstrebens der Beteiligten, ihre Haltung zu ändern, wiederholt tun.

In unserer Kultur gilt es als Verdienst, die eigenen Emotionen zu kontrollieren, vor allem um die Kinder besser zu erziehen. Mehrmals habe ich in Sitzungen sagen hören: „Kinder muss man küssen, wenn sie schlafen …“ Als würde das Küssen als emotionale Verletzlichkeit wahrgenommen und als etwas, das der Erziehung schadet.

Wenn es gelingt, eine emotionale Begegnung zu fördern, kommt es sehr häufig vor, dass die Menschen weinen oder dass unproduktive Abwehrmechanismen fallen, was eine aufrichtigere Mitteilung dessen fördert, was man wirklich empfindet und manchmal nicht auszudrücken vermag. Eine Psychotherapie, die auf diesem Ansatz beruht, ist keine gutmenschliche oder naive Therapie, denn es kommt zum Vorschein, was tatsächlich in der Beziehung liegt und nicht ausgedrückt werden kann. Die wahre emotionale Färbung einer Beziehung zu klären, kann helfen, sie zu bestimmen, sei es im Sinne des Ausdrucks des Bedürfnisses nach Bindung und Zärtlichkeit, sei es im Sinne des angesammelten Hasses oder Grolls. Die Therapie kann nur den Ausdruck dessen fördern, was in der Beziehung liegt; sie kann keine Gefühle erschaffen, die es nicht gibt.

Erst wenn diese Gefühle zum Ausdruck gekommen sind, können die an der Beziehung Beteiligten über sie metakommunizieren oder Aspekte ihres eigenen Verhaltens oder ihrer eigenen Geschichte klären. So gelangt man oft zum Verständnis eines Lebens voller Missverständnisse, die manchmal in einer früheren Generation entstanden sind.

Das Wichtigste

Die erweiterte Sitzung lässt sich nicht aus dem Zuhören heraus leiten: Sie erfordert eine in hohem Maße direktive Leitung bei der Gestaltung des Rahmens und der Manöver und eine absolut neutrale Haltung gegenüber den Veränderungen, die daraus folgen. Die Aufgabe besteht darin, den üblichen Vermeidungen entgegenzuwirken – über den anderen statt mit ihm sprechen, sich hinter der eigenen Rolle verstecken, den Blick abwenden –, ohne jemals Gefühle zu fabrizieren: Man kann nur den Ausdruck dessen fördern, was bereits in der Beziehung liegt.

Typischer Verlauf einer Therapie nach diesem Modell

Schema 1

  • Sitzungen 1–5: einzeln
  • Sitzung 6: mit dem Vater
  • Sitzungen 7–8: einzeln
  • Sitzung 9: mit der Mutter
  • Sitzungen 10–11: einzeln
  • Sitzung 12: mit der Schwester
  • Sitzungen 13–18: einzeln
  • Sitzung 19: mit dem Partner oder der Partnerin
  • Sitzungen 20–30: einzeln

Dies kann als Schema einer langen Therapie mit vierzehntäglichen Sitzungen gelten, mit längeren Abständen in der Schlussphase und zwei vierteljährlichen Kontrollterminen, bei einer Dauer von etwa zwei Jahren.

Die Sitzungen nach den ersten

Wenn ein gutes, reflektierendes und kooperatives Klima entstanden ist, auch mit den Angehörigen, können spezifische Übungen eingeführt werden, die darauf abzielen, die Techniken zur Vermeidung emotionaler Annäherung entschieden anzugehen, die Personen in Therapie und Angehörige oft unbewusst weiter praktizieren. Eine sehr wirksame Übung wurde von Alfredo Canevaro erfunden und la mochila, der Rucksack, genannt (Canevaro, 1999).

Ein therapeutisches Ritual zur positiven Neudefinition der Eltern-Kind-Beziehung: der Rucksack

Nach den ersten Phasen der Problemdefinition und der Einladung der Angehörigen zur Sitzung befinden wir uns mitten in der dritten Phase, der zentralen Phase der therapeutischen Begegnung, die auf die Klärung der Missverständnisse ausgerichtet ist. Wenn ein gutes Klima der Zusammenarbeit entstanden ist, werden die Eltern und die Person in Therapie eingeladen, diese Übung zu erproben.

Klinische Fallvignette: Antonio

Sehen wir uns das Beispiel von Antonio an, zweiundzwanzig Jahre alt, der nach einigen Jahren Industriedesign das Studium abbricht und eine Phase der Depression, der Verwirrung und des Rückzugs durchlebt. Bei der Begegnung, zu der auch die sehr ängstlichen Eltern eingeladen wurden, legt die Mutter, Psychologin, dem Therapeuten ein Genogramm über mehrere Generationen vor, in dem sich eine Reihe von Psychosediagnosen abzeichnet. Der Vater, Cristiano, Architekt, beteiligt sich wenig und erzählt vielmehr, dass seine Kernfamilie immer stark unter den Fittichen der Herkunftsfamilie seiner Frau gestanden habe, in der die herausragende Figur der Schwiegervater sei, ein von der ganzen Familie sehr geschätzter Mensch, an dem seine Frau sehr hänge. Cristiano, ein unermüdlicher Arbeiter, der in der Familie recht abwesend ist, hatte nicht viel Beziehung zu Antonio und überließ ihn seiner Frau.

Antonio hört seinen Eltern zu, beteiligt sich wenig und erzählt von seiner Auslandsreise, bei der er eine Panikattacke erlitt, die ihn daran hinderte, zu besichtigen, was er sich vorgenommen hatte. In der ersten Phase der Therapie wird wirksam gearbeitet, auch mit Verschreibungen, um Antonio seinem Vater näherzubringen. Die Dinge laufen etwas besser, und es kommt zu einer Familiensitzung, in der man beginnt, über Antonios Zukunft zu sprechen: Das ist der richtige Moment, um die Erfahrung zu beginnen.

Die Formulierung lautet ungefähr so: „In diesem Moment wäre es sehr nützlich, gemeinsam eine Erfahrung zu machen. Sie (an die Eltern gerichtet) setzen sich Ihrem Sohn gegenüber und beginnen nacheinander diese Erfahrung, während jeweils die andere Person sich daneben setzt, wartet, bis sie an der Reihe ist, und schweigend beobachtet, was geschieht.

Beginnen wir mit Ihnen, Laura. Setzen Sie sich Ihrem Sohn gegenüber, die Knie geschlossen und ohne die Beine übereinanderzuschlagen. Nehmen Sie einander an den Händen und sehen Sie sich in die Augen. In diesem Moment ist Antonio im Begriff, eine lange Lebensreise anzutreten, und er nimmt einen Rucksack mit. Versuchen Sie, zwei oder drei wichtige Dinge von sich selbst zu finden, die Sie zu pflegen vermochten und auf die Sie stolz sind, um sie Antonio zu geben; er wird sie in den Rucksack stecken, und wenn er sie auf dem langen Lebensweg braucht, wird er sie herausnehmen und sich zu eigen machen.

Nehmen wir zum Beispiel einen Aspekt Ihres Charakters, der Ihnen in Ihrem Leben gedient hat und mit dem Sie zufrieden sind.“

Laura nimmt daraufhin Antonios Hände mit großer Entschlossenheit, sieht ihm eindringlich in die Augen und sagt zu ihm: „Ich gebe dir meine Begeisterung, weil sie es mir im Leben ermöglicht hat, Schwierigkeiten zu überwinden und neue Wege einzuschlagen.“

(Der Therapeut nimmt ein Blatt, teilt es in der Mitte und notiert sorgfältig, was Laura sagt: auf der einen Seite den Begriff, auf der anderen seine Erklärung.)

„Ich gebe dir mein Vertrauen in die Frau, weil mir das Gleichgewicht und die Zusammenarbeit zwischen den Geschlechtern immer richtig erschienen sind.

Ich gebe dir meine Liebe zu den Kindern, weil sie stets mein Verhalten geleitet hat.“

Der Therapeut sagt: „Sehr gut, Laura, fassen wir diese drei Dinge noch einmal zusammen.“ Er wiederholt die Begriffe und lässt Laura sie wiederholen, wobei er versucht, sie mit einem einzigen Wort oder mit wenigen Worten zu bestimmen, um das Warum dieser Worte zu erklären.

Nachdem die Begriffe wiederholt wurden, bittet der Therapeut Antonio, der bewegt ist und seine Mutter mit feuchten Augen ansieht, vor dem Aufbruch zu der langen Reise etwas von sich bei seiner Mutter zu lassen, etwas, von dem er meint, dass seine Mutter es gern bei sich tragen würde.

Antonio spricht daraufhin mit bewegter Stimme zu seiner Mutter und sagt:

„Ich lasse dir meinen Schutz, der immer da sein wird.

Ich lasse dir eine andere Sensibilität, auch wenn wir beide eine ähnliche Kreativität haben.

Und schließlich meine Fähigkeit, den Menschen vor mir zu beobachten und zu erspüren, eine Tür zur Welt.“

Der Therapeut liest noch einmal vor, was Antonio gesagt hat, und lässt ihn es wiederholen. Danach bittet er beide, sich wortlos zu umarmen und den Kopf auf die Schulter des anderen zu legen. Das tun sie in einer langen Umarmung, die mit einem Kuss endet. Cristiano betrachtet bewegt und schweigend, was zwischen ihnen geschehen ist, und schickt sich an, sich Antonio gegenüberzusetzen.

Der Therapeut sagt zu ihm: „Jetzt sind Sie an der Reihe, Cristiano. Setzen Sie sich Antonio gegenüber und wählen Sie, wie Laura, zwei oder drei Dinge, mit denen Sie zufrieden sind, um sie ihm für seinen langen Lebensweg mitzugeben.“

Die für diese Übung gewählten Worte und die verwendeten Metaphern wecken bei allen Anwesenden tiefe Emotionen, die dazu beitragen, eine sehr warme und engagierte Atmosphäre zu schaffen.

Der Vater wählt seine Worte sorgfältig, wobei ihm der Therapeut hilft, die Begriffe klar zu bestimmen.

„Ich gebe dir meinen Sinn für intellektuelle Freiheit, der es mir ermöglicht hat, mich von nichts und niemandem vereinnahmen zu lassen.

Ich gebe dir meinen Zweifel, weil er es mir im Leben ermöglicht hat, die Dinge besser zu analysieren.

Und ich gebe dir meinen Mut, mich im Leben verschwenderisch einzusetzen, um den Dingen auf den Grund zu gehen.“

Antonio, sehr bewegt, nimmt die Hände seines Vaters, führt sie zitternd an sein Gesicht und hält sie dort, in einem sehr bedeutungsvollen Schweigen.

Dann sagt er: „Ich lasse dir einen neuen Raum, in dem du die Deckung fallen lassen und dich unbeschwert vergnügen kannst!

Ich lasse dir meine Art, die Zeit zu leben, indem ich sie sanft verfließen lasse.“

Danach lässt der Therapeut ihn die Begriffe wiederholen und bittet dann beide, sich wortlos zu umarmen, den Kopf auf die Schulter des anderen gelehnt. Das tun sie in einer langen, bewegten Umarmung. Laura sieht schweigend zu, mit feuchten Augen. Dann schließt der Therapeut: „Diese Momente, die Sie mit intensiver Ergriffenheit erlebt haben, lassen Sie sie in sich fließen, ohne nach Erklärungen zu fragen, und genießen Sie diese Empfindungen.“

Etwa eineinhalb Monate nach der Erfahrung des Rucksacks kommt Antonio nach den Ferien zur Sitzung. Er ist viel entspannter und lächelt, und er erzählt, dass er eine sehr schöne Zeit auf dem Land mit seiner Familie und seinem Großvater verbracht habe. Danach sei er mit Freunden ans Meer gefahren und habe sich sehr gut amüsiert. „Ich war in mich zurückgezogen. Ich habe sehr komplexe Aspekte der Selbstbeobachtung überwunden, die mich zu Grausamkeit und Zersplitterung geführt haben. In letzter Zeit gab es eine Erholung.“

Der Therapeut: „Und wie geht es deinen Eltern?“ „Ich glaube, gut. Die Dinge haben sich deutlich verbessert. Die Beziehung zu ihnen hat sich entspannt, es gibt mehr Annahme. Nach der Sitzung mit dem Rucksack brauchte ich zwei Tage, um mich zu erholen. Ich musste diese Dinge verarbeiten, die vorher nie ausgesprochen worden waren. Es war wie ein Komma, das mich das Thema wechseln ließ. Es war sehr heftig. Ich habe diesen Moment geliebt und gehasst. Mir ist klar geworden, dass ich ein feinfühliger Mensch bin, nicht stark, aber sehr emotional. Was mich am meisten beeindruckt hat, ist ein Widerschein von Liebe in den Augen meines Vaters. Ich habe ihn so gesehen, wie ich ihn noch nie gesehen hatte.“

Die Erfahrung des Rucksacks, zu diesem Zeitpunkt des therapeutischen Weges gemacht, hat eine synergetische Wirkung, die den manchmal sehr leidvollen Übergang in dieser Phase des Familienlebenszyklus verkürzt, da sie alle an der Beziehung Beteiligten einbezieht und erlaubt, die intensiven Emotionen, die mit diesen Differenzierungserfahrungen verbunden sind, von ihrer positiven Seite her zu erleben.

Die Eltern spüren, dass sie ihre Aufgabe erfüllen können, und sie haben die Erlaubnis, ihre Gefühle ohne Scheu zu zeigen. Das ist zweifellos ein sehr wichtiger Ritterschlag für das Kind, das für sein Wachstum eine Bestätigung der elterlichen Zustimmung braucht.

Es hilft den Eltern auch, ihr Leben weniger auf das Kind ausgerichtet neu zu überdenken und die Phase des leeren Nestes anzugehen, einen für das Paar sehr schwierigen Moment, da das Paar in unserer mediterranen Kultur fast ausschließlich von der Elternschaft lebt und sehr viel weniger von einer Intimität, die aufgebaut und erlernt werden muss.

Der Rucksack ist eine therapeutische Erfahrung, die die Differenzierung erleichtert, und zugleich ein Test, der uns die Entwicklung der Eltern-Kind-Beziehung und die Fähigkeit zum mentalen Funktionieren von Kind und Eltern zeigt. Von ihrer Fähigkeit zur Symbolisierung (ein einziges Mal, bei Dutzenden von Versuchen, ist es mir passiert, dass die Eltern ihrem Kind ein wenig Salami und verschiedene Wurstwaren in den Rucksack gesteckt haben!) und von ihrer Fähigkeit, diesen gegenseitigen Abschied anzunehmen, kann die künftige Entwicklung ihrer Beziehung und des Lebensentwurfs des Kindes abhängen.

Der Nutzen des Scheiterns der Erweiterung

Es ist wirklich sehr selten, dass Angehörige die Teilnahme verweigern, während es häufiger vorkommen kann, dass die erweiterte Sitzung zu einer enttäuschenden Erfahrung wird, insbesondere wenn es der Therapie nicht gelingt, emotional sehr kalte oder stark konflikthafte Familiensituationen angemessen zu handhaben. Die Angehörigen bleiben zum Beispiel auf ihre eigenen Bedürfnisse fixiert und sind unfähig, sich in die Sichtweise ihres Kindes oder ihres Geschwisters hineinzuversetzen; tatsächlich nagelt die Familie diese Person weiterhin auf die oft aufopfernde Rolle fest, die ihr seit jeher zugeschrieben wurde. Eine so schmerzhafte Sitzung ist sehr wichtig, auch damit in der Therapie verstanden wird, wie äußerst begrenzt die Ressourcen dieser Familie sind und wie notwendig es ist, die Person bei der Verarbeitung dieser Trauer zu begleiten, ihr zu helfen, sich besser zu schützen und sich mit ein paar „Krümeln“ zufriedenzugeben, ohne mehr zu erwarten.

Doch auch in diesem Bereich gilt, was Cirillo (2005) für misshandelnde Familien vertreten hat: Setzen wir nicht vorschnell auf die Unverbesserlichkeit – zu gewinnen wäre ebenso leicht wie gefährlich!

Teamarbeit, Häufigkeit der Sitzungen

Dieses therapeutische Modell erfordert eine ausgezeichnete Glaubwürdigkeit und große Sicherheit. Einer von uns, Alfredo Canevaro, Erfinder und Erprober dieser Techniken, war fähig, sie stets allein arbeitend anzuwenden. Ein anderer Autor, Matteo Selvini, hat dieses Modell häufiger im Team mit Einwegspiegel erprobt (und manchmal mit einer weiteren Fachperson, die die Familiensitzungen leitete). Generell empfehlen wir die Arbeit im Team, besonders für Therapierende, die noch am Anfang ihrer Laufbahn stehen oder wenig Erfahrung mit Familiensitzungen haben. In diesem Zusammenhang erscheint uns die Ko-Therapie – beide therapeutischen Fachkräfte im selben Raum, wenn auch womöglich mit unterschiedlichen Rollen (aktiver/weniger aktiv) – geeigneter als der Einwegspiegel.

Die Frage der Sitzungshäufigkeit muss noch vertieft werden. Canevaro hat sehr gut mit vierzehntäglichen Sitzungen oder sogar Sitzungen alle drei Wochen gearbeitet. Bei Menschen, die sehr leiden, ist es jedoch gewöhnlich nützlich und notwendig, mit wöchentlichen Sitzungen zu beginnen. Bei stabileren Personen eignen sich auch noch größere Abstände gut.

Schlussfolgerungen

Mit diesem Artikel möchten wir den Mythos bekämpfen, wonach Einzeltherapie nur mit dem Individuum stattfinden dürfe.

Die Erfahrung der Familientherapie liefert wichtige Lehren, um das Einzel-Setting durch die Schaffung einer eigens entwickelten Technik (ad hoc) zu bereichern, die die Herkunftsfamilie als therapeutische Ressource in den Vordergrund stellt.

Durch die Förderung der emotionalen Begegnung kann sie die Versöhnung mit den bedeutsamen Bezugspersonen begünstigen und so jedem Menschen die Suche nach einem eigenständigen und originellen Lebensentwurf erleichtern.

So werden wir auf ein integratives Szenario zugehen, in dem die „natürliche Auslese“ der großen Ideen aus der Geschichte der Einzelpsychotherapie sich dieser neuen Techniken bedienen kann, um immer wirksamere Psychotherapien zu erfinden und zu verbessern.

Anmerkungen des Originals

(1) Text, der der Zeitschrift Psicobiettivo zur Veröffentlichung vorgeschlagen wurde. Juli 2007 (4. Fassung).

(2) Alfredo Canevaro: Psychiater, Psychotherapeut, Dozent an der Scuola di Psicoterapia della Famiglia „Mara Selvini Palazzoli“.

(3) Matteo Selvini: Mitverantwortlicher der Scuola di Psicoterapia della Famiglia „Mara Selvini Palazzoli“.

(4) Francesca Lifranchi und Laura Peveri: Psychologinnen in Ausbildung und Forschungsmitarbeiterinnen am „Nuovo Centro per lo studio della famiglia“.

Literatur

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Dieser Artikel ist eine inoffizielle, aus dem Spanischen mit Unterstützung künstlicher Intelligenz angefertigte deutsche Übersetzung von „La terapia individual sistémica con la implicación de los familiares significativos“, veröffentlicht von Red Sistémica (Erstveröffentlichung: Psicobiettivo, 2007 (der Zeitschrift vorgeschlagener Text)). Übersetzt und neu veröffentlicht mit Zustimmung der Zeitschrift. Maßgeblich ist die Originalfassung.

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So zitieren Sie diesen Artikel

Canevaro, A., Selvini, M., Lifranchi, F., & Peveri, L. (2023). La thérapie individuelle systémique avec l’implication des proches significatifs (Complexe Systémique, Übers.). Complexe Systémique. https://app.complexe-systemique.com/fr_FR/articles/la-therapie-individuelle-systemique-avec-l-implication-des-proches-significatifs (Originalwerk 2007 erschienen in Psicobiettivo, 2007 (der Zeitschrift vorgeschlagener Text); 2023 neu veröffentlicht von Red Sistémica, https://redsistemica.ar/2023/02/10/la-terapia-individual-sistemica-con-la-implicacion-de-los-familiares-significativos/)

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