KI-gestützte Übersetzung

Diese Fassung wurde von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz aus dem Englischen übersetzt. Im Zweifelsfall ist die Originalfassung maßgeblich.

Family Relations · Familie

Verletzung, Verlust, Freude und Vergebung: die Beziehung junger Erwachsener mit Pflegeerfahrung zu ihren leiblichen Eltern

Was wird mit 20 aus den Bindungen zu Eltern, von denen man in der Kindheit getrennt wurde? Sally Holland, Heather Taussig und Judy Havlicek haben 191 Antworten junger Erwachsener aus einem Bundesstaat im Westen der USA ausgewertet, die um das 10. Lebensjahr in Pflege gelebt hatten. Adoption, Rückführung oder Verlassen der Jugendhilfe mit Erreichen der Volljährigkeit: Der Weg sagt die Beziehung nicht voraus, die von wiedergefundener Freundschaft bis zu bewusst gewählter Distanz reicht. Und Vergebung, gewährt oder verweigert, wird zu einer Möglichkeit, ein Stück Kontrolle zurückzugewinnen.

Verfassende Sally Holland (CASCADE Children’s Social Care Research and Development Centre, Cardiff University, Wales, Vereinigtes Königreich); Heather Taussig (Graduate School of Social Work, University of Denver, und Kempe Center, University of Colorado School of Medicine, Aurora); Judy Havlicek (School of Social Work, University of Illinois Urbana-Champaign), USAErstveröffentlichung Family Relations, 12. April 2025Übersetzung Complexe Systémique, inoffizielle KI-gestützte Übersetzung

Inoffizielle deutsche Übersetzung von Hurt, loss, joy, and forgiveness: Foster care–experienced young adults' relationships with their birth parents von Sally Holland, Heather Taussig und Judy Havlicek, erschienen in Family Relations (Wiley) (2025), doi: 10.1111/fare.13184, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique im Oktober 2026 mit Unterstützung künstlicher Intelligenz: Der Originaltext wurde ins Deutsche übersetzt und neu gesetzt, was eine Bearbeitung des Werks im Sinne der Lizenz darstellt. Diese Übersetzung stammt weder von den Verfassenden noch vom Verlag, die weder für ihren Inhalt noch für etwaige Fehler verantwortlich sind. Maßgeblich ist die Originalfassung.

Vergebung, ob gewährt oder nicht, kann für junge Erwachsene eine Möglichkeit sein, in ihren Beziehungen ein gewisses Maß an Handlungsmacht auszuüben.

Sally Holland, Heather Taussig und Judy Havlicek

Zusammenfassung

Ziel. Dieser Artikel untersucht die Beziehung junger Erwachsener zu ihren leiblichen Eltern, nachdem sie in der Kindheit aufgrund einer Unterbringung in Pflege von ihnen getrennt worden waren.

Hintergrund. Eltern-Kind-Beziehungen verändern sich häufig im Verlauf von Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter – von Abhängigkeit hin zu mehr Unabhängigkeit und schließlich zu Gegenseitigkeit, mit großer Variationsbreite. Weniger bekannt ist über diese Beziehungen bei jungen Erwachsenen, die einen Teil ihrer Kindheit in Pflege verbracht haben.

Methode. Mit jungen Erwachsenen, die in der mittleren Kindheit, kurz nach ihrer Unterbringung in Pflege, in eine Längsschnittstudie aufgenommen worden waren, wurden Folgeinterviews geführt. Qualitativ ausgewertet wurden 191 Antworten auf eine offene Frage nach ihrer aktuellen Beziehung zu ihren leiblichen Eltern.

Ergebnisse. Die Beziehungen reichten von sehr eng und positiv bis zu nicht vorhanden oder belastend. Viele junge Erwachsene, die adoptiert worden waren oder die Jugendhilfe mit Erreichen der Volljährigkeit verlassen hatten, berichteten von engen Beziehungen; umgekehrt hatten sich einige, die zu ihren leiblichen Eltern zurückgeführt worden waren, später von ihnen entfremdet.

Schlussfolgerung. Für die meisten Teilnehmenden blieb die Beziehung zu ihrem leiblichen Elternteil bzw. ihren leiblichen Eltern bedeutsam – trotz mancher Entscheidungen der Jugendhilfe, etwa einer Adoption, die in der Kindheit oft zum Abbruch des Kontakts zu den Eltern führen.

Implikationen. Junge Erwachsene, die in der Kindheit Pflege erlebt haben, benötigen wahrscheinlich Unterstützung im Umgang mit der Beziehung zu ihren leiblichen Eltern bis ins junge Erwachsenenalter; diese Unterstützung sollte geplant und mit Ressourcen ausgestattet werden.

Dieser Artikel stellt Befunde und Analysen zur Beziehung junger Erwachsener zu ihren Eltern vor. Ziel ist es, die komplexen Weisen zu veranschaulichen, in denen diese Beziehungen erlebt werden können, und zu belegen, dass Unterstützung im Umgang mit der Beziehung zwischen jungen Erwachsenen und leiblichen Eltern nötig ist, wenn die junge Person einen Teil ihrer Kindheit in Pflege verbracht hat.

Die jungen Erwachsenen dieser Studie teilen die Erfahrung, einen Teil oder die gesamte mittlere Kindheit und/oder Jugend in den Vereinigten Staaten in Pflege verbracht zu haben (einschließlich der Unterbringung bei nicht verwandten Personen, bei Verwandten, in stationären Einrichtungen und/oder in Adoptivfamilien). Viele Teilnehmende erlebten nach der mittleren Kindheit mehr als eine Form der Unterbringung, und einige traten unter prekären Wohnverhältnissen ins Erwachsenenalter ein, etwa wohnungslos oder bei Freundinnen und Freunden lebend. Da nur eine Minderheit der Teilnehmenden dieser Studie die Jugendhilfe mit Erreichen der Volljährigkeit verließ, bezeichnen wir sie insgesamt als „Care-Erfahrene“ und nicht als „Careleaver“ oder als junge Menschen, die „mit der Volljährigkeit aus der Jugendhilfe ausscheiden“.

KONTEXT

Es gibt eine umfangreiche Literatur zu den Perspektiven und Erfahrungen junger Menschen, die die Pflege mit Erreichen der Volljährigkeit verlassen (Häggman-Laitila et al., 2018). Weniger bekannt sind die qualitativ erhobenen Perspektiven junger Erwachsener, die aus staatlicher Obhut adoptiert wurden (Sánchez-Sandoval et al., 2020). Ebenso wenig weiß man – mit einigen Ausnahmen (Mateos et al., 2017) – über die Sichtweisen derjenigen, die einen Teil ihrer Kindheit in Fremdunterbringung verbracht haben, später aber zu ihrer Herkunftsfamilie oder in das weitere Verwandtschaftsnetz zurückgekehrt sind (Biehal, 2007). Diese geringere Aufmerksamkeit für diejenigen, die nicht mit der Volljährigkeit aus der Jugendhilfe ausscheiden, überrascht, denn nur eine kleine Minderheit der jungen Menschen, die vor dem 13. Lebensjahr in Fremdunterbringung kommen, verlässt die Jugendhilfe später mit der Volljährigkeit (Barth et al., 2022). Im Erwachsenenalter erfahren sie soziale Benachteiligungen im Vergleich zu Gleichaltrigen ohne Fremdunterbringung; dazu tragen Traumata vor der Unterbringung, die Trennung und negative Erfahrungen mit dem Hilfesystem bei (Lindner & Hanlon, 2024). Schwarze und indigene amerikanische Bevölkerungsgruppen sind unverhältnismäßig stark betroffen (Wildeman & Emanuel, 2014).

Dieser Abschnitt gibt einen kurzen Überblick über die bisherige Forschung zu Erfahrungen und Perspektiven care-erfahrener junger Erwachsener, mit Schwerpunkt auf Befunden zur Beziehung zu den leiblichen Eltern. Die Darstellung ist nach den Wegen Rückführung, Adoption und Verlassen der Jugendhilfe mit der Volljährigkeit gegliedert, weil diese Kategorien in der Literatur weit verbreitet sind; es sei jedoch darauf hingewiesen, dass viele junge Erwachsene eine komplexe Mischung von Hilfeverläufen erlebt haben, die sich nicht in klare, vergleichbare Kategorien fügt.

Junge Erwachsene, die eine Rückführung in die Herkunftsfamilie erlebt haben

Studien zur Beziehung zwischen zurückgeführten jungen Menschen und ihren leiblichen Eltern konzentrieren sich meist auf die Qualität der Beziehung vor und kurz nach der Rückführung, weniger auf das Erwachsenenalter (Luu et al., 2022). Eine Ausnahme bildet eine Längsschnittstudie von Fargas-Malet und McSherry (2021), deren Datenerhebung auch zurückgeführte junge Menschen einschloss. Die Studie begleitete Säuglinge und Kleinkinder, die in Nordirland in Obhut gekommen waren, und befragte sie in späteren Jahren erneut, unabhängig davon, ob sie noch in staatlicher Obhut waren. In qualitativen Interviews mit einer Teilstichprobe von 41 Teilnehmenden im Alter von 16 bis 21 Jahren wurde die emotionale Reaktion dieser jungen Menschen auf ihre Herkunftsfamilie untersucht. Typischerweise zeigten sich tiefe, oft komplexe und widersprüchliche Gefühle, wobei sich die emotionalen Reaktionen auf die Herkunftsfamilie im Laufe der Zeit veränderten, auch rund um wichtige Lebensübergänge wie den Eintritt ins Erwachsenenalter. Die Studie berichtete, dass die Hilfeerfahrung der jungen Person – Rückführung zu den leiblichen Eltern, Verwandtenpflege, Vollzeitpflege, Adoption – offenbar nicht mit ihrer emotionalen Verbundenheit mit der Herkunftsfamilie zusammenhing. Das mag kontraintuitiv erscheinen angesichts der sehr unterschiedlichen rechtlichen Zielsetzungen: der Rückführung, bei der Kinder wieder in die Obhut ihrer Eltern kommen; der langfristigen Fremdunterbringung, bei der der Kontakt zu den leiblichen Eltern oft von den sozialen Diensten geregelt wird; und der Adoption, die das rechtliche Band zwischen Kindern und ihrer Herkunftsfamilie durchtrennt.

Junge Erwachsene, die in der Kindheit aus der Pflege adoptiert wurden

Häufig suchen adoptierte junge Menschen im Erwachsenenalter Kontakt zu ihren leiblichen Eltern und benötigen Unterstützung in diesem oft schwierigen Prozess (Sánchez-Sandoval et al., 2020). Studien legen nahe, dass sich im Erwachsenenalter positive Beziehungen zu den leiblichen Eltern entwickeln können (zum Beispiel Howe & Feast, 2001); einige Studien deuten darauf hin, dass offene und positive Beziehungen zu den Adoptiveltern die Grundlage dafür bilden (Farr et al., 2014; Richardson et al., 2013).

Junge Erwachsene, die die Pflege mit der Volljährigkeit verlassen haben

Zu jungen Menschen, die bis ins Erwachsenenalter in Pflege bleiben, gibt es mehr Studien als zu denjenigen, die zurückgeführt oder adoptiert werden – vielleicht, weil diese Population leichter zu identifizieren ist.

Havlicek (2021) führte auf Grundlage von 10 Studien eine systematische Übersichtsarbeit zu den Beziehungen zwischen Jugendlichen in Pflege und ihren leiblichen Eltern vor und nach dem Verlassen der Jugendhilfe mit der Volljährigkeit durch. Der Übersicht zufolge sind Beziehungen zu den leiblichen Eltern nach dem Ende der Pflege, insbesondere zur Mutter, verbreitet. Das Übergewicht quantitativer Studien bedeutet, dass weniger Befunde aus qualitativen oder Mixed-Methods-Studien vorliegen, die eine vertiefte Untersuchung von Bereichen ermöglichen würden wie (a) der Qualität – nicht nur der Häufigkeit – solcher Beziehungen; (b) der Art, wie früher zerbrochene Beziehungen wiederhergestellt werden; und (c) des Austauschs von Ressourcen zwischen Eltern und Jugendlichen.

Trotz des Übergewichts quantitativer Forschung zu diesem Thema gibt es eine Reihe einschlägiger qualitativer Studien. Driscoll (2019) begleitete 18 junge Menschen zwischen 15 und 18 Jahren in Pflege. Einige von denen, denen der Kontakt zu ihren Eltern verwehrt worden war, bemühten sich mit 18 Jahren darum, ihn wiederaufzunehmen; das war jedoch nicht immer einfach, und unter manchen Umständen „young people often took on a role more akin to parenting in relation to both birth parents and siblings“ [übernahmen die jungen Menschen oft eine eher elterliche Rolle gegenüber den leiblichen Eltern wie auch gegenüber den Geschwistern] (Driscoll, 2019, S. 544). Holland und Crowley (2013) stellten fest, dass care-erfahrene junge Erwachsene ihre leiblichen Eltern als starke emotionale Präsenz in ihrem Leben beschrieben, selbst wenn aktuell kein Kontakt bestand.

Auch andere qualitative Studien aus verschiedenen Ländern bestätigen, dass die leiblichen Eltern für Careleaver im frühen Erwachsenenalter wichtig bleiben, selbst wenn die Eltern misshandelnd waren oder als Eltern wahrgenommen wurden, die normativen Erwartungen nicht gerecht wurden (Boddy, 2023). In manchen Fällen bewerten junge Menschen nach der Pflege ihre Gefühle gegenüber ihren Eltern und deren früheres Verhalten neu, und diese Bewertung kann positiver oder negativer ausfallen, wenn sie neue Rollen übernehmen – darunter die, selbst Eltern zu werden. Beispiele sind die qualitative Studie von Cmurová und Záhorcová (2023) aus der Slowakei, die Längsschnittforschung von Wade (2008) mit 118 Careleavern in England sowie die qualitative Forschung von Mauri (2023) mit Careleavern in Italien, die selbst Eltern sind.

Insgesamt zeigen die bisherigen Studien deutlich, dass die Herkunftsfamilie im Leben junger Menschen, die die Jugendhilfe mit der Volljährigkeit verlassen, eine wichtige Rolle spielt; diesen Beziehungen im Leben junger Erwachsener, die einen Teil ihrer Kindheit in Pflege verbrachten, die Jugendhilfe aber nicht mit der Volljährigkeit verließen, scheint dagegen weniger Aufmerksamkeit gewidmet worden zu sein. Der Einbezug dieser jungen Erwachsenen in die vorliegende Studie schließt diese Lücke teilweise.

Beziehungen zwischen jungen Erwachsenen und ihren Eltern

Psychologische empirische und theoretische Forschung, die die Beziehungen zwischen jungen Erwachsenen und ihren Eltern in der Allgemeinbevölkerung zu verstehen sucht, gibt Einblick in die Dynamik solcher Beziehungen im Zeitverlauf, im Zusammenhang mit Zyklen der Identitätsentwicklung und deren Wechselwirkung mit zwischenmenschlichen Beziehungen (Koepke & Denissen, 2012). Studien zu Eltern-Kind-Beziehungen zeigen in der Regel deutliche Veränderungen während der Adoleszenz und eine gewisse Stabilisierung im frühen Erwachsenenalter (Fang et al., 2021). Auch wenn sich allgemeine Entwicklungstrends von Beziehungen erkennen lassen, verweisen empirische Studien jedoch auf die Vielfalt individueller Erfahrungen und auf die Gefahr, Beziehungen und Identitätsbildung junger Erwachsener übermäßig zu verallgemeinern (Schwartz et al., 2005).

Die Individuationstheorie untersucht das Verhältnis zwischen wachsender Autonomie und Verbundenheit mit den Eltern in Adoleszenz und Erwachsenenalter; Eltern-Kind-Beziehungen bewegen sich dabei häufig von (unterschiedlich ausgeprägter) elterlicher Autorität hin zu Gegenseitigkeit und Kooperation (Buhl, 2008). In Gesellschaften, die in den letzten Jahrzehnten einen raschen sozialen Wandel erlebt haben, ist das Ausmaß der Handlungsmacht junger Erwachsener als Aspekt der Individuation zu einem weiteren Forschungsfeld geworden. In der ethnienübergreifenden Studie von Schwartz et al. (2005) mit Studierenden ging ein höheres Maß an Handlungsmacht mit Aspekten der Identitätsentwicklung einher, die als positiv gelten, etwa der Fähigkeit zu explorieren, für zwischenmenschliches Feedback empfänglich zu sein und Entscheidungen zu treffen. All diese Aspekte können für die Fähigkeit relevant sein, als junge erwachsene Person die Beziehung zu den Eltern auszuhandeln, und sie haben die Datenanalyse der vorliegenden Studie mitgeprägt.

Soziologische Theorien familialer Beziehungen erweitern das Verständnis von Eltern-Kind-Beziehungen, indem sie das Zusammenspiel von menschlicher Erfahrung und makrosozialem wie ökonomischem Wandel untersuchen (zum Beispiel Beck & Beck-Gernsheim, 2002). Eine Welle von Arbeiten seit den 1990er-Jahren hat der Forschung geholfen zu verstehen, wie familiale Beziehungen durch „family practices“ (Familienpraktiken) konstruiert, gelebt, ausgehandelt und verstanden werden können (Morgan, 2011). Soziologische Studien haben zudem gezeigt, dass heutige Familienerfahrungen nicht von biologischen oder ehelichen Bindungen abhängen und dass wir mit anderen Familie „machen“ können, auch über Freundschaften (Smart, 2007). Solche Familienverständnisse können besonders für Menschen bedeutsam sein, deren Familienverläufe nicht den normativen Verläufen gefolgt sind, darunter care-erfahrene Erwachsene (Rees et al., 2024).

Theoretische und empirische Arbeiten zur Beziehung zwischen Eltern und erwachsenen Kindern bieten reichhaltige und hilfreiche Rahmen für die Auswertung der Daten der vorliegenden Studie. Sie stoßen jedoch an Grenzen, weil die meisten care-erfahrenen jungen Erwachsenen ungewöhnlich stark unterbrochene Familienbeziehungen erlebt haben.

Bei aller Anerkennung der zunehmenden Vielfalt von Familienformen gehen sowohl psychologische als auch soziologische Theorien in der Regel davon aus, dass junge Erwachsene ihre Kindheit und Jugend bei einem oder beiden leiblichen Elternteilen verbracht haben und dass veränderte ökonomische und soziale Bedingungen dazu geführt haben, dass viele frühere Marker des Erwachsenseins – der Berufseinstieg, ein eigener Haushalt, die Heirat – später erreicht werden als in früheren Generationen.

Beide Annahmen greifen für viele care-erfahrene junge Erwachsene nicht, die oft einen beschleunigten Übergang ins Erwachsenenalter bewältigen müssen (Stein & Munro, 2008) und deren Beziehungen zu den leiblichen Eltern häufig mit Trauma und Trennung verbunden sind. Ihre Beziehungen zu den leiblichen Eltern können daher komplex sein: geprägt von den langfristigen Auswirkungen von Unterbringungsphasen bei anderen primären Bezugspersonen, von Wiederbegegnung und Wiederentdeckung oder von der Auseinandersetzung mit einem endgültigen Verlust.

Die vorliegende Studie

Die vorliegende Studie wollte das Verständnis der Beziehung zwischen jungen Erwachsenen und ihren Eltern vertiefen, wenn es in der Kindheit aufgrund einer Unterbringung in Pflege zu einer Trennung von den leiblichen Eltern gekommen ist, und dazu beitragen, den Unterstützungsbedarf dieser Kohorte zu ermitteln.

METHODE

Die für diesen Artikel ausgewerteten Daten stammen aus Interviews im jungen Erwachsenenalter mit Teilnehmenden, die zuvor in eine Längsschnittstudie über junge Menschen in Pflege aufgenommen worden waren. Die Kinder stammten aus einem Bundesstaat im Westen der Vereinigten Staaten (siehe Taussig et al., 2023, für weitere Angaben zu Stichprobe, Ethik und Studiendesign). Zu Beginn waren die Teilnehmenden (N = 243) 9 bis 11 Jahre alt und lebten in Fremdunterbringung; die Teilnahme war freiwillig. Die Folgeinterviews fanden statt, als die Teilnehmenden 18 bis 22 Jahre alt waren (Mittelwert = 19,4 Jahre). Das Interview im jungen Erwachsenenalter, auf das sich dieser Artikel konzentriert, umfasste 215 der ursprünglichen Teilnehmenden, durchschnittlich 9,4 Jahre nach der Ersterhebung – eine Haltequote von 88,5 %. Das Interview wurde persönlich oder telefonisch geführt und umfasste quantitative Messinstrumente und offene Fragen. Die Studie wurde vom Colorado Multiple Institutional Review Board ethisch genehmigt; zu Beginn gaben die Betreuungspersonen der Teilnehmenden ihre Einwilligung, die Kinder ihre Zustimmung. Bei der Nachbefragung willigten die jungen Erwachsenen selbst ein.

52,1 % der Teilnehmenden waren männlich, die übrigen weiblich. Vierundfünfzig Prozent identifizierten sich als lateinamerikanisch/hispanisch, 48,8 % als weiß, 28,8 % als American Indian/Alaska Native und 27,4 % als Schwarz/afroamerikanisch (nicht exklusive Kategorien). Die meisten Teilnehmenden hatten in der Kindheit mehr als eine Wohnform erlebt: Eine große Mehrheit (87,9 %) hatte bei Verwandten gelebt, drei Viertel (75,8 %) in Pflegefamilien ohne Verwandtschaftsbeziehung und gut die Hälfte (52,9 %) in Wohngruppen oder Heimen. Fast die Hälfte (45,2 %) war irgendwann zu den leiblichen Eltern zurückgeführt worden, und gut ein Viertel hatte eine oder mehrere Adoptionen erlebt (27,2 %). Sowohl Adoptionen als auch Rückführungen sind womöglich nicht gelungen; obwohl Rückführung und Adoption als „Permanenz“-Wege gelten, auf denen Kinder die staatliche Obhut verlassen, bieten sie Kindern leider nicht immer ein dauerhaftes, stabiles Zuhause (White, 2016). Es zeigt sich also, dass die meisten dieser jungen Erwachsenen vor Erreichen des Erwachsenenalters von mehreren verschiedenen primären Bezugspersonen betreut worden waren. Fast ein Viertel (24%) war zum Zeitpunkt der Interviews bereits selbst Mutter oder Vater.

Dieser Artikel stellt eine Analyse der offenen Antworten der Teilnehmenden auf folgende Frage vor: Wie würdest du deine aktuelle Beziehung zu deinen leiblichen Eltern beschreiben? Diese Frage gehörte zu einer kleinen Zahl offener Fragen gegen Ende der Befragung. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Teilnehmenden etwa 3–4 Stunden mit den Interviewenden verbracht. Viele Antworten wirken deshalb offen und freimütig; möglich ist aber auch, dass die befragte Person mitunter annahm, bestimmte Aspekte dieser Beziehung bereits bei früheren Fragen erläutert zu haben, was zu kürzeren Antworten führte.

Der Datensatz mit 191 kodierbaren Antworten auf die Frage nach der aktuellen Beziehung zu den leiblichen Eltern umfasst über 14.000 Wörter. Die Antworten reichten von ein oder zwei Wörtern wie „eng“, „nicht vorhanden“, „schlecht“ bis zu Antworten von etwa 200–350 Wörtern, die ein lebendiges Bild der früheren und gegenwärtigen Beziehung zeichnen. Sechsundzwanzig Befragte werden in diesem Artikel wörtlich zitiert; ihre Aussagen veranschaulichen die Themen, die sich aus allen Antworten ergaben.

Wörtliche Zitate sind mit fiktiven Initialen versehen, die die Anonymität wahren, aber menschlicher wirken als Teilnehmendennummern. Weitere soziodemografische Angaben werden nur aufgeführt, wo sie relevant sind. Für die Zwecke dieses Artikels betrachten wir die Hilfeerfahrungen als relevant für Analyse und Darstellung.

Obwohl viele junge Erwachsene unserer Stichprobe komplexe Hilfeerfahrungen haben, geben wir bei ihren Zitaten ihre Wohnsituation im Alter von 18 Jahren an und ob sie die Jugendhilfe mit der Volljährigkeit verlassen haben. Außerdem nennen wir jeden dokumentierten Wechsel, der üblicherweise mit Permanenz verbunden ist: Adoption oder Rückführung in die Herkunftsfamilie. Ist mehr als ein solcher Wechsel dokumentiert, wird dies vermerkt. Ist kein solcher Wechsel dokumentiert und hat die Person die Jugendhilfe nicht mit der Volljährigkeit verlassen, geben wir lediglich ihre Wohnsituation mit 18 Jahren an. Viele junge Menschen dieser letzten Gruppe haben wahrscheinlich zeitweise bei Verwandten gelebt. Tatsächlich gibt die große Mehrheit (88%) aller Teilnehmenden an, einen Teil der Kindheit bei Familienangehörigen verbracht zu haben, die nicht ihre leiblichen Eltern sind. Analysen nach weiteren soziodemografischen Merkmalen wie Geschlecht oder Race/Ethnizität haben wir nicht durchgeführt, und wir geben diese Merkmale zur Wahrung der Anonymität nicht an.

Alle Antworten wurden in die Analysesoftware NVivo eingelesen, und es wurden die üblichen iterativen Verfahren der qualitativen thematischen Analyse angewandt (Braun & Clarke, 2006). Ein Kodierrahmen wurde nach einer ersten Durchsicht der Daten zur Einarbeitung zunächst von der erstverfassenden Person entwickelt. Dieser Rahmen wurde anschließend mit den beiden anderen Verfassenden diskutiert, und die Codes wurden angepasst. Nach der Kodierung der ersten 30 Antworten wurden weitere Änderungen von allen drei Verfassenden vereinbart. Die erstverfassende Person kodierte daraufhin den gesamten Datensatz und stellte dem Team eine erste Analyse vor. Alle drei Verfassenden entwickelten die entstehenden Themen dann in regelmäßigen transatlantischen Online-Treffen weiter und brachten dabei unterschiedliche kulturelle, disziplinäre, politische und praxisbezogene Expertise ein.

Eine Gruppe von Teilnehmenden der Studie wirkt in regelmäßigen Treffen mit der Studienleitung weiterhin an Veröffentlichungen und Weiterentwicklungen der Gesamtstudie mit. Dieser Beirat ehemaliger Teilnehmender (Alumni Board) beriet zu den praktischen Implikationen dieser Studie und kommentierte eines der analytischen Themen (Vergebung).

ERGEBNISSE

Bezugspunkte, um über die leiblichen Eltern zu sprechen

Die Analyse deutete auf eine große Bandbreite hin, wie die jungen Erwachsenen den Interviewenden die Art ihrer Beziehung zu den leiblichen Eltern beschrieben. Manchen fiel es leichter, einen Elternteil im Kontrast zum anderen zu beschreiben. Gut ein Viertel der Befragten strukturierte die Antwort auf diese Weise, wie im Folgenden veranschaulicht:

Mit meinem Dad ist es so, wenn ich dich seh, seh ich dich, so in der Art. Mit meiner Mom ist es einfach, ich bin immer da, sie ist immer da. Es ist mehr … gesünder, würd ich sagen. (LM, erlebte eine Rückführung und war mit 18 Jahren inhaftiert)

Mit meiner Mutter rede ich nicht, ich bin immer noch sehr wütend auf sie und warte auf eine Entschuldigung von ihr. Mit meinem Vater dagegen habe ich eine tolle Beziehung. Er ist auf mich zugekommen, als ich ungefähr 17 war, und hat sich für alles entschuldigt, was in meinem Leben schiefgelaufen ist, und mir gesagt, dass er, wenn er die Gelegenheit hätte, zurückgehen und es noch mal anders machen würde. (SH, erlebte eine Adoption durch nicht verwandte Personen, verließ die Jugendhilfe aber mit der Volljährigkeit; war mit 18 Jahren inhaftiert)

Eine kleine Zahl von Teilnehmenden beschrieb die Beziehung im Vergleich mit „normalen“ Beziehungen – entweder mit dem Hinweis, dass ihre Beziehung Höhen und Tiefen habe wie in allen normalen Familien (z. B. „Es ist okay. Wir haben ein paar schwierige Phasen, aber das ist bei jeder Mutter und jedem Sohn so“ [FF, lebte mit 18 Jahren bei einem Großelternteil]), oder mit der Feststellung, dass sich ein Elternteil nicht wie eine normale Mutter oder ein normaler Vater verhalte (z. B. „Er sagt so viele verletzende Dinge zu mir, die ein Vater nicht zu einer Tochter sagen sollte. Meine Mom auch“ [KS, lebte mit 18 Jahren bei einem leiblichen Elternteil]).

Wie bereits in anderen Studien festgestellt (Ie et al., 2022), bezogen sich einige Teilnehmende auf die biologische Verbindung zu ihren Eltern, wenn sie über ihre Beziehung sprachen. So erklärte DS, dass er sich zwar mit seinem Vater streite, weil dieser ihm Ratschläge zu geben versuche, obwohl er nicht für ihn da gewesen sei, „aber gleichzeitig ist es … ich spür da schon diese Liebe, weil, weißt du, das ist mein Dad, und ohne ihn wär ich nicht hier, weißt du“ (DS, verließ die Jugendhilfe mit der Volljährigkeit und lebte mit 18 Jahren in einer Wohngruppe).

Wie jedoch in einem früheren Artikel über die Bedeutung von Familie für diese Kohorte erörtert wurde (Rees et al., 2024), ist für viele junge Menschen, die familiäre Trennungen erlebt haben, die Qualität der Beziehungen wahrscheinlich wichtiger als biologische Bindungen. Im Folgenden untersuchen wir, wie die jungen Erwachsenen dieser Studie ihre Beziehung zu den leiblichen Eltern beschrieben. Dies gliedert sich in folgende Themen: (a) Verlust und fehlende Beziehung, (b) positive Beziehungen und das Nachholen verlorener Zeit, (c) die Auswirkungen der Vergangenheit auf die aktuelle Beziehung und (d) sich selbst und andere schützen, indem man die leiblichen Eltern auf Abstand hält.

Verlust und fehlende Beziehungen

Etwa ein Drittel der Befragten gab an, überhaupt keine Beziehung zu einem oder beiden leiblichen Elternteilen zu haben. Vermutlich ist dies eine Unterschätzung, da einige Befragte nur über einen Elternteil sprachen und unklar blieb, ob sie mit dem anderen in Kontakt standen. Als Gründe für die fehlende Beziehung wurden genannt, dass der Elternteil verstorben war, dass sie seine Identität nie gekannt hatten, dass die Beziehung so schlecht war, dass sie gar keine Beziehung darstellte, dass die junge erwachsene Person beschlossen hatte, den Kontakt zu den Eltern abzubrechen, oder dass sie die Eltern nicht erreichen konnte. Manchmal kam beides zusammen: „Mit meiner Mom rede ich nicht, und mein Dad ist gestorben“ (WA, erlebte eine Adoption [unbekannt, ob in der Verwandtschaft oder durch nicht verwandte Personen] und lebte mit 18 Jahren selbstständig).

Die Hilfeerfahrungen derjenigen, die eine fehlende Beziehung zu beiden Elternteilen beschrieben, waren vielfältig. Zu dieser Gruppe gehörten nicht nur junge Erwachsene, die adoptiert worden waren oder die Pflege mit der Volljährigkeit verlassen hatten (und bei denen daher eine fortbestehende Beziehung zu den leiblichen Eltern womöglich weniger wahrscheinlich war als bei anderen), sondern auch solche, die laut Akten in der Jugend zu einem oder beiden leiblichen Elternteilen zurückgeführt worden und danach nicht erneut ins Hilfesystem gekommen waren.

Einige Befragte berichteten recht nüchtern von der fehlenden Beziehung (z. B. „Ich hab keine“ [DQ, lebte mit 18 Jahren bei einem Geschwister]), während andere ein Gefühl des Verlusts vermittelten und erkennen ließen, dass sie an die fehlenden Eltern dachten. Dazu gehörten mehrere adoptierte junge Menschen, die alle (mindestens einmal) nach dem 9. Lebensjahr adoptiert worden waren und womöglich frühe Beziehungen zu ihren leiblichen Eltern gehabt hatten. JF, eine adoptierte junge Person, die mit 18 Jahren bei den nicht verwandten Adoptiveltern lebte, antwortete: „Ich wüsste es eigentlich nicht, weil ich seit ewig nicht mit meiner Mutter geredet hab. Ich weiß nicht wirklich, was sie so macht. Es wär komisch, glaub ich. Aber ich würde, ich wäre nett zu ihnen. Es sind trotzdem meine Eltern.“

Eine andere junge Person, CA, berichtete von einer positiven Beziehung zur leiblichen Mutter, mit der sie mit 18 Jahren in einem Mehrgenerationenhaushalt lebte. Über den Vater sagte CA dagegen:

Ich kenne meinen Dad nicht, ich hab ihn nie getroffen. Ich hab versucht, ihm auf Facebook eine Freundschaftsanfrage zu schicken, und er hat mich blockiert, und dann hat es meine Mom versucht, und er hat sie auch blockiert, also hab ich keine Ahnung, wo er lebt, ob er eine andere Familie hat oder was auch immer.

Dieses Zitat lässt sich so lesen, dass es sowohl die Verhinderung einer aktiven Rolle dieser jungen Person in der Beziehung („er hat mich blockiert“) als auch Verlustgefühle („keine Ahnung, wo er lebt, ob er eine andere Familie hat“) veranschaulicht; dies zeigte sich auch in den Schilderungen anderer Befragter. Um auf DS zurückzukommen, der weiter oben mit Aussagen über seinen Vater zitiert wurde: Seine Beziehung zur Mutter beschrieb er so:

Sie hat sich irgendwie von mir distanziert, weil sie nicht mehr verletzt werden will, weißt du. Und ich versteh das, aber es tut trotzdem weh, weißt du, weil ich das Gefühl hab, dass sie außer Gott die einzige andere Person ist, die ich hab. Und jetzt will sie, sie, sie will mich irgendwie einfach aufgeben. (DS, verließ die Jugendhilfe mit der Volljährigkeit und lebte mit 18 Jahren in einer Wohngruppe)

Diese jungen Erwachsenen, die den Kontakt verloren hatten oder aktiv daran gehindert worden waren, eine Beziehung zu verfolgen, hatten weniger Freiheit, jene agentischen Persönlichkeitsmerkmale auszuüben, die Schwartz et al. (2005) mit einer positiven Identitätsbildung in Verbindung bringen, darunter die Fähigkeit, in Beziehungen Entscheidungen zu treffen – zumindest in Bezug auf die leiblichen Eltern. Im Gegensatz dazu, und seltener, wurde die fehlende Beziehung als positive Entscheidung der jungen Person dargestellt, die damit ein Gefühl von Handlungsmacht und Kontrolle zum Ausdruck brachte:

Ich rede überhaupt nicht mit ihnen. Das ist einfach eine persönliche Entscheidung. Solche Leute kann man einfach nicht in der Nähe seiner Kinder haben. (AL, erlebte eine Rückführung und lebte mit 18 Jahren bei der Familie der Partnerin oder des Partners)

Es kam so weit, dass ich nicht will, ich rede eigentlich nicht mit ihnen, also, ich rede überhaupt nicht mit ihnen, aber ich hab auch die Kommunikation abgebrochen, weißt du, zu meiner Sicherheit. (CZ, erlebte eine Adoption durch nicht verwandte Personen und lebte mit 18 Jahren bei den Adoptiveltern)

Erzählungen von Verlust und fehlender Beziehung waren in diesem Datensatz häufig, doch andere schilderten glücklichere aktuelle Beziehungen, wie im Folgenden beschrieben.

Positive Beziehungen

Mindestens ein Viertel der Kohorte beschrieb die Beziehung zu einem oder beiden Elternteilen überwiegend positiv – im Unterschied zu denjenigen, die gemischte, wechselhafte, komplexe oder durchweg negative Beziehungen schilderten. Viele dieser jungen Erwachsenen erhielten offensichtlich Unterstützung, Gesellschaft und Liebe von ihren leiblichen Eltern. Junge Menschen mit der ganzen Bandbreite an Hilfeerfahrungen beschrieben ihre Beziehung auf diese Weise, darunter solche, die adoptiert, zurückgeführt worden waren, die Jugendhilfe mit der Volljährigkeit verlassen hatten oder eine Kombination davon erlebt hatten.

Die größte Gruppe unter denjenigen, die die Beziehung überwiegend positiv beschrieben, bildeten junge Erwachsene, die vor dem 18. Lebensjahr zu ihren Eltern zurückgeführt worden waren und danach weder erneut ins Hilfesystem gekommen waren noch es mit der Volljährigkeit verlassen hatten. Eine von ihnen, eine junge Frau, die selbst Mutter war, sagte:

Meine Beziehung zu ihnen ist echt gut, wir stehen uns sehr nah … Ich rede mit ihnen, weißt du, eigentlich jeden Tag. Wir bleiben also in Kontakt und schauen, dass es uns allen gut geht, und ob wir Hilfe brauchen oder nicht, sie sind da. (RT, erlebte eine Rückführung und lebte mit 18 Jahren selbstständig)

Doch auch junge Menschen ohne dokumentierte Rückführung beschrieben diese Beziehungen ganz oder überwiegend positiv. So berichtete IL, nach dem Verlassen der Jugendhilfe mit der Volljährigkeit mit 18 Jahren bei den Pflegeeltern lebend: „Wir haben eine gute Zeit zusammen, wir reden, wir lachen, wir mögen ganz viele gleiche Serien.“ Und UM, mit 18 Jahren in einer Partnerschaft zusammenlebend, sagte: „Sie sind gut. Ich liebe sie. Auch wenn mein Dad und ich viel streiten, liebe ich ihn trotzdem. Und meine Mom liebe ich immer. Ich bin ein Mamakind. Haha.“

Um die positiven Seiten der Beziehung zu beschreiben, verglichen manche sie mit einer Beziehung unter Geschwistern oder mit einer besten Freundschaft. Die folgenden vier jungen Erwachsenen haben jeweils unterschiedliche Wege erlebt, darunter das Verlassen der Jugendhilfe mit der Volljährigkeit, Adoption und Rückführung, doch ihre Beschreibungen der Beziehung zu ihren Eltern ähneln sich auffallend:

Meine Mutter und ich haben eine wunderbare Beziehung. Wir sind wie Zwillinge; wir machen genau die gleichen Sachen, wir reden gleich, und wir haben jedes Mal eine gute Zeit, wenn wir zusammen abhängen. Wir streiten zehn Minuten und dann prusten wir aus dem Nichts los vor Lachen. Verstehst du, was ich meine? Weil wir so leben – wir lachen nur. (FY, verließ die Jugendhilfe mit der Volljährigkeit und war mit 18 Jahren wohnungslos)

Er und ich sind so was wie beste Freunde. (BC, erlebte eine Adoption durch nicht verwandte Personen und lebte mit 18 Jahren bei den Adoptiveltern)

Unglaublich. So als hätte ich meine Mom zurück, und ich hab in ihr eine Freundin. (OH, erlebte eine Adoption in der Verwandtschaft und lebte mit 18 Jahren bei einem Adoptivelternteil)

Wir sind ein Herz und eine Seele, sie und ich sind ein Herz und eine Seele. Das ist meine beste Freundin, wir sind uns viel zu ähnlich, wir, jedes Mal bevor wir entweder an ihren freien Tagen – auch wenn mein Stiefvater wieder im Haus ist – haben wir einfach alle Spaß. Wir wachen auf, na ja, meistens wach ich auf, weil sie zu viel Lärm machen, dann geh ich in ihr Zimmer und wir lachen alle zusammen. Sie lachen; es ist wieder wie eine große glückliche Familie. (GE, erlebte eine Rückführung und lebte mit 18 Jahren bei einem Großelternteil)

Auch wenn viele junge Erwachsene in der Allgemeinbevölkerung ihre Beziehung zu den Eltern als Freundschaft oder sogar als geschwisterähnlich beschreiben mögen und im frühen Erwachsenenalter häufig eine Neujustierung dieser Beziehung hin zur Gegenseitigkeit zu beobachten ist (Buhl, 2008), haben alle in dieser Kohorte die Trennung von ihren leiblichen Eltern in der Kindheit erlebt. Es ist daher bemerkenswert, aber vielleicht nicht überraschend, dass einige die Beziehungen mit einer gewissen Begeisterung als Wiederentdeckung und als Nachholen verlorener Zeit beschrieben. Im letzten Zitat lesen wir „es ist wieder [Hervorhebung hinzugefügt] wie eine große glückliche Familie“, und im nächsten Zitat sprach QW, mit 18 Jahren im College-Wohnheim lebend, dieses Bewusstsein verlorener Zeit ausdrücklich aus: „Ich würde sie beschreiben als … ich weiß nicht … ich schätze, wir versuchen einfach, Zeit zurückzuholen [Hervorhebung hinzugefügt], also hängen wir einfach zusammen ab, machen Sachen, gehen essen oder so was. Also, es ist ziemlich gut.“

In vielen der obigen Zitate spielten die Befragten bei der Beschreibung aktueller positiver Beziehungen auf schwierige Zeiten in der Vergangenheit an: „als hätte ich meine Mom zurück“; „wieder wie eine große glückliche Familie“. Der nächste Abschnitt untersucht die Auswirkungen der Vergangenheit auf aktuelle Beziehungen genauer.

Die Auswirkungen der Vergangenheit auf die aktuelle Beziehung

Bei der Untersuchung der Auswirkungen der Vergangenheit auf die Gegenwart lassen sich folgende Stränge unterscheiden: (a) früheres Verhalten der Eltern, das die aktuelle Beziehung negativ beeinflusst, (b) Beziehungen, die trotz der schwierigen Vergangenheit positiv sind, (c) Schuld und Vergebung und (d) Nicht-Vergeben, um andere zu schützen.

Früheres Verhalten der Eltern, das die aktuelle Beziehung negativ beeinflusst

Viele Befragte verwiesen bei der Beschreibung ihrer Beziehung zu den Eltern auf schwierige Ereignisse in der Vergangenheit, doch dies wirkte sich unterschiedlich auf die Gegenwart aus. Für manche wirkte die Vergangenheit weiterhin negativ auf die aktuelle Beziehung, oft weil belastende elterliche Verhaltensweisen wie Substanzmissbrauch anhielten:

Ich würd eigentlich sagen, es ist so was wie ein hoffnungsloser Fall, weil sie immer noch Drogen nehmen und sie immer noch…. Ich denk einfach, so, ich schätze, für mich, jetzt wo ich selbst ein Kind hab, denk ich, dass es einfach ein Ausstieg aus der Welt war, dass einem die Kinder weggenommen werden. Was so was wie ein Ausgang aus ihrem Leben ist – so als könnten sie ihr eigenes Ding machen, und wir waren praktisch nur zusätzliches Gepäck, das sie nicht wollten. Also ich weiß nicht … ich hab einfach keine Zeit für sie. (HD, lebte mit 18 Jahren bei der Familie des Vaters des eigenen Kindes)

Meine Mom ist jedes Mal, wenn sie uns anruft, auf Drogen, und also okay, das ist derselbe Grund, warum man uns dir weggenommen hat, und du machst immer noch dasselbe alte Zeug – änderst dich nicht. (TN, lebte mit 18 Jahren bei einem Geschwister)

Tatsächlich war elterlicher Substanzmissbrauch ein durchgängiges Thema in diesem Datensatz, was mit den Gründen übereinstimmt, aus denen viele Kinder dieser Studie in Obhut kamen, wie auch mit der Gesamtpopulation in Pflege in den Vereinigten Staaten (U.S. Department of Health and Human Services, 2023). Die negativen Auswirkungen von Substanzmissbrauch auf Kinder sind gut belegt (Staton-Tindall et al., 2014), doch dieser Datensatz erinnert daran, dass junge Erwachsene weiterhin mit dem Substanzmissbrauch ihrer Eltern konfrontiert sein und nach wie vor psychisch darunter leiden können.

Positive Beziehungen trotz schwieriger Vergangenheit

Für andere war die Beziehung trotz der negativen Vergangenheit gut. Einige junge Erwachsene hatten das Gefühl, dass das, was sie als Familie gemeinsam durchgemacht hatten, ihre heutige positive Beziehung geprägt habe. In manchen Fällen bestanden frühere Probleme mit den Eltern bis in die Gegenwart fort, doch die Teilnehmenden hatten einen Weg gefunden, trotzdem eine tragfähige Beziehung aufrechtzuerhalten. In den folgenden drei Zitaten reflektieren Teilnehmende, wie sie sich mit der Vergangenheit ausgesöhnt und zu einer Akzeptanz gefunden haben, die für sie eine annehmbare oder positive Beziehung ermöglichte.

Ähm, meine Mom, wir haben eine gute Beziehung, eine tolle Beziehung. Wenn wir das nicht durchgemacht hätten, hätten wir wahrscheinlich nicht mal eine Beziehung, weißt du, also bin ich dankbar dafür. (Hervorhebung hinzugefügt; FG, lebte mit 18 Jahren bei einem Geschwister)

Und meine Mom, na ja, ich lieb sie, egal was ist. Egal, was sie macht oder was sie durchmacht, ich lieb sie trotzdem. Und egal, was wir durchgemacht haben, als wir klein waren, ich lieb sie trotzdem. Und es ist schwer für sie, aber ich versteh sie. (Hervorhebung hinzugefügt; JJ, erlebte eine Rückführung und lebte mit 18 Jahren bei einem leiblichen Elternteil)

Meine Mom und ich stehen uns ziemlich nah. Sie nimmt immer noch Drogen, aber ich muss sie einfach akzeptieren, wie sie ist. Also wir, wir sind, wir kommen ziemlich gut miteinander klar. Am Anfang hab ich es irgendwie gehasst, dass sie Drogen nimmt, und wollte nie mit ihr reden, aber ich komm einfach damit klar [lacht]. (Hervorhebung hinzugefügt; NB, zurückgeführt und mit 18 Jahren bei einem leiblichen Elternteil lebend)

Das letzte Zitat verwendet die Wendung „sie akzeptieren, wie sie ist“, und dieser Prozess der Akzeptanz, manchmal begleitet von Schuldbekundungen der Eltern und Vergebung durch ihre Kinder, scheint für einige Teilnehmende ein wichtiger Prozess gewesen zu sein, wie im Folgenden ausgeführt wird.

Schuld und Vergebung

Abbott (2024) argumentiert, dass die Analyse, wie Menschen Vergebung in persönlichen Beziehungen erleben, hilft, in Alltagssprache zu verstehen, wie dieses verbreitete soziale Phänomen genutzt wird, um eine Beziehung aufrechtzuerhalten, zu reparieren oder zu beenden. In diesem Datensatz tauchten Verständnis und Akzeptanz neben Vergebung auf, und als Emotionen lässt sich ihnen eine ähnliche Funktion zuschreiben: der Vergangenheit einen Sinn zu geben und einen gewissen Frieden zu finden.

[Die Beziehung ist] ausgezeichnet. Es tut ihm leid, was passiert ist, und jetzt, wo er clean ist und so, wünscht er sich, er könnte zurück, aber weißt du, verständnisvoll wie ich bin, sag ich so: ‚Hey, alles gut … ich versteh, dass es nicht so leicht ist, einfach so von den Drogen loszukommen.‘ (Hervorhebung hinzugefügt; AS, verließ die Jugendhilfe mit der Volljährigkeit und lebte mit 18 Jahren bei einem Pflegeelternteil)

Vergebung erfüllt nicht nur eine Funktion in Beziehungen zu anderen; sie kann auch ein innerer Prozess sein, um der Vergangenheit und dem Verhalten anderer, das einen selbst betroffen hat, einen Sinn zu geben. Sie kann helfen, Verletzung und Konflikt zu verarbeiten (Abbott, 2024). Cmurová und Záhorcová (2023) stellten in einer kleinen qualitativen Studie mit 10 jungen Erwachsenen, die in der Slowakei in Heimerziehung aufgewachsen waren, fest, dass diejenigen, die das frühere Verhalten ihrer Eltern vergeben konnten, davon im Hinblick auf ihre psychische Gesundheit und ihre Beziehungen zu anderen profitierten.

Eine teilnehmende Person hatte aktuell zu keinem Elternteil eine Beziehung, doch die Vergebung gegenüber der Mutter hatte sich positiv auf sie selbst ausgewirkt:

Meine aktuelle Beziehung zu meiner Mutter ist nicht vorhanden. Eine Zeit lang gab es viel Groll, viel Hass … das ist nicht mehr so, es ist kein Hass. Es ist Vergebung, es ist Verständnis, und es ist ein bisschen Mitleid. Und um selbst als Mensch zu wachsen, musste ich ihr all das vergeben, was sie getan hat. Denn Vergebung ist ehrlich gesagt nicht für sie, sondern nur für mich, denn wenn ich so lange an diesem Groll festhalte, weißt du, dann frisst er mich weiter auf, und das brauch ich nicht. (ED, verließ die Jugendhilfe mit der Volljährigkeit und lebte mit 18 Jahren bei Verwandten)

Eine andere teilnehmende Person sagte offen, dass sie ihrer Mutter vergeben habe, doch die Antwort insgesamt deutet auf fortbestehende negative Gefühle gegenüber dem Verhalten der Eltern hin – eine Erinnerung daran, dass Vergebung keine einfache Lösung ist, um mit der Vergangenheit Frieden zu schließen. Nachdem sie erklärt hatte, keine Beziehung zu ihrem leiblichen Vater zu haben, der zwar die alltägliche Versorgung übernommen hatte, aber auch gewalttätig gewesen war, fuhr sie wie folgt fort:

Also, sie hat sich echt nicht um uns gekümmert oder so, und als man ihr die Chance gegeben hat, das Sorgerecht für uns zu bekommen, hat sie es sausen lassen, es war ihr sogar egal, sie wollte es nicht, sie hat sofort auf ihre Rechte verzichtet und wollte ihr ganzes Leben neu anfangen. Ehrlich gesagt, ich vergebe ihr schon, aber ich sehe sie nicht als meine Mom. Sie hat jetzt ein paar Mal versucht, in mein Leben zu kommen, zu versuchen, Mom zu sein, und ich so: Du bist nicht mehr meine Mom, du bist meine leibliche Mom, aber für mich bist du nicht Mama. (Hervorhebung hinzugefügt; VB, lebte mit 18 Jahren bei Verwandten)

Nicht-Vergeben als Akt des Schutzes

Die oben zitierte 19-jährige teilnehmende Person, VB, war ebenfalls Elternteil. Eltern zu werden ist ein bedeutsamer Moment im Leben jedes Menschen und kann es umso mehr für diejenigen sein, die die Trennung von den eigenen Eltern erlebt und möglicherweise Misshandlung und Vernachlässigung durch sie erfahren haben. Andere Studien haben festgestellt, dass care-erfahrene Eltern sich als Menschen beschreiben können, die bewusst versuchen, ihre Kinder anders zu erziehen, als sie selbst erzogen wurden. Sie können darin auch eine Gelegenheit sehen, eine andere Beziehung zu den eigenen Eltern zu haben, denen die Großelternrolle womöglich leichter fällt (Mauri, 2023; Wade, 2008). Die Elternschaft scheint beeinflusst zu haben, wie einige Teilnehmende dieser Studie das Verhalten ihrer Eltern bewerteten, und manche sagten dies ausdrücklich:

Und meine Mom, die ist ständig im Knast, Dad hängt immer noch an den Drogen, also ich, ich bring, weißt du, meine Kinder nicht in so eine Situation. (LL, lebte mit 18 Jahren bei einem Elternteil der Person, mit der LL eine Beziehung führte)

Mit meinem Dad ist es gut, aber meine Mom und ich verstehen uns schlecht, weil sie nicht der beste Mensch ist. Ja, sie ist irgendwie ein schlechter Mensch. Ich weiß nicht, ich glaub nicht, dass ich sie jemals in die Nähe meines Sohnes lasse. Da müsste sie schon einiges ändern. (CN, lebte mit 18 Jahren verheiratet in einem eigenen Haushalt)

Mehrere Teilnehmende nutzten ihre Herkunftsfamilie als Bezugspunkt dafür, wie Familien falsche Verhaltensweisen und Werte zeigen können. Dies wurde auch in vielen anderen qualitativen Studien mit care-erfahrenen jungen Erwachsenen festgestellt, etwa in Wades (2008) Studie in England und in der Forschung von Sting und Groenig (2020) zu Bildungsaspirationen in Österreich.

Weiter oben haben wir festgestellt, dass einigen Teilnehmenden in ihren Beziehungen zur Herkunftsfamilie offenbar Macht fehlte. Sie berichteten, von den Eltern blockiert oder zurückgewiesen worden zu sein oder dass diese ihnen schlicht keine neue Adresse mitgeteilt hatten. Vergebung, ob gewährt oder nicht, kann für junge Erwachsene eine Möglichkeit sein, in ihren Beziehungen ein gewisses Maß an Handlungsmacht auszuüben – nach einer Kindheit, in der sie bei grundlegenden Dingen wie dem Wechsel der primären Bezugsperson und des Haushalts womöglich keine Wahl und keine Kontrolle hatten. In Lebensgeschichten, in denen die zu vergebenden Taten soziale Normen der Eltern-Kind-Beziehung verletzt haben mögen, ist Nicht-Vergeben womöglich nicht die soziale Grenzüberschreitung, die es unter anderen Umständen wäre. Es kann vielmehr als verantwortungsvolle und positive Entscheidung gelten, etwa wenn es dazu führt, die eigenen Kinder zu schützen.

DISKUSSION

Zwar hat frühere Forschung einige Einblicke gegeben, wie care-erfahrene junge Menschen die Beziehungen zu ihren leiblichen Eltern verstehen und gestalten (Holland & Crowley, 2013; Sting & Groenig, 2020), doch waren diese Studien kleiner angelegt als die vorliegende. Der hier verwendete Datensatz bildet die Erfahrungen einer größeren Zahl von Teilnehmenden mit unterschiedlichen Permanenz-Ergebnissen ab, die jedoch alle eine Erfahrung mit Fremdunterbringung teilen. Die Antworten auf eine offene Frage nach der Beziehung zu den leiblichen Eltern liefern wertvolle Einblicke in einen Bereich, über den wenig bekannt ist.

Erstens legt die Analyse nahe, dass die Hilfeerfahrung einer Person – etwa ob sie zur Familie zurückgeführt, adoptiert wurde oder bis ins Erwachsenenalter in Pflege blieb – nicht über ihre Beziehung zu den leiblichen Eltern im jungen Erwachsenenalter entscheidet, wie man vermuten könnte. In unserer Studie galt dies selbst dann, wenn durch die Adoption sämtliche elterlichen Rechte entzogen worden waren, vermutlich auf Grundlage der Einschätzung, dass keine tragfähige langfristige Beziehung zu den leiblichen Eltern wünschenswert sei. Einige der adoptierten Teilnehmenden hatten fortbestehende Beziehungen zu ihren leiblichen Eltern, bis hin zum Zusammenleben im selben Haushalt, und einige der „zurückgeführten“ Beziehungen waren inzwischen negativ oder nicht mehr vorhanden.

Zweitens zeigt sich, dass die aktuelle Beziehung – ob positiv, gemischt oder negativ – für die meisten jungen Erwachsenen bedeutsam war und die meisten etwas dazu zu sagen hatten. Die Herausnahme aus der elterlichen Obhut mag im Alltagsverständnis oder sogar fachlich als Bruch dieser Beziehung verstanden werden; doch neben denjenigen, die später zurückgeführt wurden, bestanden diese Beziehungen auch bei denjenigen, die in Pflege blieben, adoptiert oder bei weiteren Verwandten untergebracht wurden, häufig fort oder lebten im Erwachsenenalter wieder auf.

Drittens lässt sich erkennen, dass die Kindheitserfahrungen unserer Teilnehmenden in ihrer Gestaltung von Beziehungen als Erwachsene großes Gewicht haben können. In diesem Artikel haben wir gesehen, wie Erfahrungen elterlicher Vernachlässigung und Misshandlung, Faktoren wie psychische Erkrankung und Substanzmissbrauch sowie eine lange Trennung dazu führen können, dass die Vergangenheit mit nun erwachsenen Augen neu bewertet werden muss. Die aktuellen Reaktionen waren vielfältig: Begeisterung über das Nachholen verlorener Zeit, Akzeptanz oder Vergebung und Entscheidungen, die Verbindung abzubrechen. Doch nicht alle konnten beim Aufbau dieser Beziehungen eine aktive Rolle spielen, weil ihre Eltern gestorben, verschwunden waren oder sie zurückgewiesen hatten. Der Datensatz enthält einige ergreifende Schilderungen von Verlust.

Die psychologischen und soziologischen Studien und theoretischen Rahmen, die eingangs kurz besprochen wurden, können helfen, die Vielfalt der Weisen zu verstehen, in denen junge Erwachsene in der Allgemeinbevölkerung ihre Beziehungen zu den leiblichen Eltern neu justieren, während sie ihre eigene Identität und ihre Lebensentscheidungen weiterentwickeln. Diese Vielfalt zeigt sich auch in der Kohorte dieser Studie – trotz der gemeinsamen schwierigen Erfahrung der Trennung in der Kindheit –, im Einklang mit der Beobachtung von Koepke und Denissen (2012), dass die Qualität von Beziehungen sowohl von intrapersonalen als auch von interpersonalen Erfahrungen abhängt.

Im Einklang mit soziologischen Theorien, die Familie als Praxis und nicht bloß als Struktur verstehen (Morgan, 2011), lassen sich viele unserer Teilnehmenden als aktiv Gestaltende ihrer erwachsenen Netzwerke sehen, die einen oder beide leiblichen Elternteile einschließen oder ausschließen können, um ein Familiengefühl zu schaffen, das für sie stimmig ist (Smart, 2007). Einige Teilnehmende scheiterten jedoch mit ihren Versuchen, weil die leiblichen Eltern nicht oder wenig hilfreich reagierten. Die Schlussfolgerung von Schwartz et al. (2005), dass manche junge Erwachsene externe Unterstützung brauchen, um das frühe Erwachsenenalter zu bewältigen, erscheint für unsere Teilnehmenden besonders zutreffend.

Implikationen für die Politik

Die wichtigste politische Implikation dieses Artikels lautet: Wer therapeutische und praktische Unterstützungsangebote plant und finanziert, sollte vorsehen, dass Angebote für care-erfahrene junge Erwachsene nicht nur denjenigen offenstehen, die die Jugendhilfe mit der Volljährigkeit verlassen, sondern auch denjenigen, die adoptiert oder zurückgeführt wurden. Auch wenn nicht alle jungen Erwachsenen professionelle Hilfe bei ihren Familienbeziehungen benötigen oder wünschen, legen unsere Befunde nahe, dass viele sie brauchen – und dass sich dies nicht anhand der Hilfeverläufe vorhersagen lässt.

Die in diesem Artikel besprochenen Forschungsarbeiten unterstreichen gemeinsam mit den Befunden dieser Studie die komplexe, dynamische und oft zentrale Rolle, die Beziehungen zur Herkunftsfamilie im Leben care-erfahrener junger Erwachsener spielen, unabhängig davon, ob sie die Jugendhilfe mit der Volljährigkeit verlassen haben oder nicht. Dennoch konzentrieren sich die Unterstützungspolitiken für diese Gruppe meist nur auf diejenigen, die mit der Volljährigkeit ausscheiden, und nicht auf diejenigen, die zwar Pflege erlebt haben, aber adoptiert, zurückgeführt oder langfristig bei Verwandten untergebracht wurden.

Strahl et al. (2021) wiesen in einem vergleichenden Policy-Papier darauf hin, dass die Vereinigten Staaten zu den wenigen Ländern weltweit gehören, die über gut entwickelte Politiken zur Unterstützung junger Menschen beim Verlassen der Jugendhilfe verfügen; die Befunde dieses Artikels erinnern jedoch alle, die in den Vereinigten Staaten und in anderen Ländern Politik gestalten, nachdrücklich an den emotionalen und praktischen Unterstützungsbedarf aller care-erfahrenen jungen Menschen beim Eintritt ins Erwachsenenalter.

Driscoll (2019) griff das Konzept der „reparatory justice“ (wiedergutmachenden Gerechtigkeit) auf, um darauf hinzuweisen, dass manche Politiken darauf abzielen, die frühen Lebensschwierigkeiten der care-erfahrenen jungen Person und mitunter die fortgesetzten schlechten Erfahrungen in staatlicher Obhut wiedergutzumachen. Sie schlug vor, dies nicht nur als wirtschaftliche und praktische Hilfe zu verstehen, sondern auch als „repairing young people's access to, and ability to make and maintain, close familial or quasi-familial links“ [Wiederherstellung des Zugangs junger Menschen zu engen familiären oder quasi-familiären Bindungen und ihrer Fähigkeit, solche Bindungen einzugehen und aufrechtzuerhalten] (Driscoll, 2019, S. 547), und unsere Daten stützen diese Forderung.

Politiken zur Übergangsplanung für junge Menschen, die die Pflege verlassen, erkennen in den Vereinigten Staaten und international in der Regel an, dass die Herkunftsfamilie Teil des Bildes sein kann; dies ist jedoch oft darauf ausgerichtet, dass Familien den Übergang unterstützen oder an der Planung beteiligt sind (siehe zum Beispiel Child Welfare Information Gateway, 2018; Department for Education, 2022), wenngleich beide Dokumente in gewissem Maße darauf verweisen, dass junge Menschen Hilfe beim Aufbau unterstützender Beziehungen benötigen können. Die Befunde dieser Studie bekräftigen, zusammen mit anderen hier besprochenen Studien, den Bedarf an solcher Unterstützung und zeigen, auf welch komplexe Weise care-erfahrene junge Erwachsene diese Beziehungen im Lauf der Zeit verstehen und erleben können. Sie benötigen möglicherweise zu unterschiedlichen Zeitpunkten Unterstützung dabei, diese Beziehung auszuhandeln, neu zu gestalten und die damit verbundene emotionale Arbeit zu leisten – bis weit ins Erwachsenenalter hinein. Und während es etablierte und verpflichtende Verfahren zur Unterstützung von Careleavern beim Übergang ins Erwachsenenalter gibt, existieren weniger etablierte Wege, um die Beziehungen zu den leiblichen Eltern bei denjenigen zu unterstützen, die adoptiert oder vor Erreichen des Erwachsenenalters zu ihren Eltern zurückgeführt wurden. Unsere Daten legen nahe, dass viele diese Unterstützung brauchen könnten.

Implikationen für die Praxis

Aus diesen Befunden lassen sich drei zentrale Implikationen für Fachkräfte ableiten.

Care-erfahrene junge Erwachsene brauchen möglicherweise Hilfe bei der Suche nach Familienangehörigen

In dieser Studie gaben viele Teilnehmende an, keine Beziehung zu einem oder beiden Elternteilen zu haben, und zwar wegen des Todes eines Elternteils, der eigenen Entscheidung, auf Kontakt zu verzichten, oder weil sie einen Elternteil nicht finden oder keine Antwort von ihm erhalten konnten. Manche care-erfahrene junge Menschen könnten von Unterstützung profitieren, um bedeutsame Mitglieder ihrer Familie oder ihres Netzwerks, zu denen der Kontakt abgerissen ist, zu finden oder wieder Verbindung zu ihnen aufzunehmen. Ein solches Angebot wird meist mit Erwachsenen in Verbindung gebracht, die als Säugling adoptiert wurden; unsere Befunde erinnern jedoch daran, dass auch andere von Fremdunterbringung betroffene Menschen diese praktische Unterstützung benötigen können.

Emotionale und therapeutische Unterstützung kann junge Erwachsene befähigen, Familie nach eigenen Vorstellungen zu „machen“

Unsere Befunde erinnern alle, die jungen Menschen emotionale oder therapeutische Unterstützung anbieten, an die Vielfalt der Beziehungsmuster zu den leiblichen Eltern nach einer Trennung in der Kindheit. Beratende, Therapierende und alle, die Übergänge ins Erwachsenenalter planen und begleiten, können junge Menschen darin stärken, die für sie stimmige Beziehung zu ihren leiblichen Eltern zu gestalten und auszuhandeln. Manche junge Menschen geben sich womöglich selbst die Schuld dafür, dass sie fremduntergebracht wurden, und eine Aussöhnung mit früheren Handlungen der Eltern oder mitunter deren Vergebung kann helfen, diese Selbstbeschuldigung aufzulösen und sie zu stärken. Unsere Befunde legen nahe, dass einige junge Erwachsene diese Vergebung tatsächlich als befreiend und mitunter als heilsam erlebt hatten. Das funktioniert nicht für alle, und andere Teilnehmende hatten sich bewusst und positiv dafür entschieden, auf Distanz zu gehen, vor allem wenn negative Verhaltensweisen anhielten.

Indem Fachkräfte jungen Menschen helfen zu verstehen, dass es nicht die eine Art gibt, Familie zu machen oder Familie zu sein, und dass sich familiale Beziehungen im Lebensverlauf verändern können (Morgan, 2011), können sie care-erfahrene junge Erwachsene dabei unterstützen, die für sie stimmigen Beziehungen auszuhandeln und zu gestalten. Wie bei einigen unserer Teilnehmenden kann dies die Entscheidung einschließen, keine Beziehung zu den leiblichen Eltern zu haben, oder sich damit abzufinden, dass sie andere, erfüllende Wege finden müssen, ‚Familie zu machen‘, wenn sie von ihren leiblichen Eltern zurückgewiesen wurden oder diese verloren haben.

Familienkontakt sollte als lebenslanges Projekt betrachtet werden, auch wenn die elterlichen Rechte rechtlich entzogen wurden

Unsere Befunde stimmen mit denen von Boddy (2019) überein, wonach Entscheidungen über Familienkontakte für Kinder in Pflege die Beziehung zur Familie als lebenslanges Projekt betrachten sollten, insbesondere wenn erwogen wird, jeglichen Kontakt zu beenden. Boddy stellte zudem fest, dass es nicht die eine Geschichte care-erfahrener Familien gibt, ebenso wenig wie die eine Geschichte irgendeiner einzelnen Familie. Familien sind nicht statisch, und keine ist zweidimensional – trotz der recht vereinfachenden und stark stigmatisierenden Erzählungen über „problematische“ oder „schlechte“ Familien, deren Kinder in Pflege landen (Boddy, 2023).

Diese lebenslange Perspektive sollte bei der Planung berücksichtigt werden, selbst in Situationen, in denen die Sicherheit des Kindes persönliche Kontakte zumindest für einen Teil seiner Kindheit nicht ratsam erscheinen lässt. Ein Elternteil, der für ein Baby oder ein Kind kein hinreichend guter Elternteil sein konnte, ist möglicherweise in der Lage, eine für beide Seiten bereichernde Beziehung zu einem erwachsenen Sohn oder einer erwachsenen Tochter zu führen. Das kann auch daran liegen, dass der Elternteil selbst sich verändert hat, oder daran, dass der Betreuungsbedarf des Kindes mit dem Eintritt ins Erwachsenenalter nicht mehr so hoch ist.

LIMITATIONEN

Eine Stärke dieser Befunde liegt darin, dass sie qualitative Einblicke von einer im Vergleich zu vielen qualitativen Studien relativ großen Zahl von Teilnehmenden liefern. Was dieser Datensatz jedoch an Breite gewinnt, verliert er teilweise an Tiefe. Die Daten wurden in einem strukturierten Interview erhoben, ohne Möglichkeit, bei Antworten nachzufragen oder nachzuhaken. Einige Antworten sind daher zu mehrdeutig oder zu knapp, um sie mit qualitativen Mitteln wirksam auszuwerten.

Manche Informationen über die Hilfeerfahrungen der Teilnehmenden fehlen oder sind unklar, weshalb wir keine Subgruppenanalysen durchführen konnten. Zudem kamen die Teilnehmenden dieser Studie zu Beginn dieses Jahrhunderts in Pflege, und manche Praktiken zur Aufrechterhaltung und Wiederherstellung der Beziehungen zu den leiblichen Eltern haben sich inzwischen womöglich verbessert.

Dennoch sind wir der Ansicht, dass diese Befunde Einblicke liefern, die zu den laufenden Diskussionen darüber beitragen können, wie junge Erwachsene, die in der Kindheit eine Trennung von ihren leiblichen Eltern erlebt haben, am besten unterstützt werden können – insbesondere im Hinblick auf ihre Beziehung zu den Eltern.

Complexe Systémique: das Wichtigste

Die Studie räumt mit einer hartnäckigen Vorstellung auf: Die Unterbringung durchtrennt die Bindung nicht, und der administrative Weg – Adoption, Rückführung oder Verlassen der Jugendhilfe mit der Volljährigkeit – sagt nichts über die Beziehung aus, die mit 20 bestehen wird. Manche adoptierte junge Menschen leben wieder mit einem leiblichen Elternteil zusammen, manche Rückführungen endeten in Entfremdung. Für die systemische Praxis wird Familie hier als eine Praxis gelesen, die sich im Erwachsenenalter neu bildet, mit ihren Wiederbegegnungen, Rollenumkehrungen und Loyalitäten. Vergebung verdient besondere Aufmerksamkeit: Sie kann Frieden bringen, bleibt aber eine Option unter anderen, und Nicht-Vergeben kann die eigenen Kinder schützen; es ist nicht Sache der Therapierenden, sie zu verordnen. Festhalten lässt sich der Gedanke, Kontakt als lebenslanges Projekt zu denken. Die Grenzen sind deutlich: eine einzige offene Frage am Ende eines langen Interviews, Antworten mitunter nur zwei Wörter lang, keine Nachfragen und keine Stimme der Eltern selbst. Zu lesen zusammen mit dem Artikel über systemisches Arbeiten mit Eltern, deren Kinder fremduntergebracht sind, und dem Artikel über unsichtbare Loyalitäten und den kontextuellen Ansatz.

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Inoffizielle Übersetzung von Hurt, loss, joy, and forgiveness: Foster care–experienced young adults' relationships with their birth parents von Sally Holland, Heather Taussig und Judy Havlicek, Family Relations, Bd. 74, Nr. 4 (2025), doi: 10.1111/fare.13184, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzung und Satz: Complexe Systémique, Oktober 2026, mit Unterstützung künstlicher Intelligenz – das Werk wurde im Sinne der Lizenz bearbeitet. Weder die Verfassenden noch der Verlag sind für diese Übersetzung verantwortlich; maßgeblich ist die Originalfassung.

Dies ist eine Übersetzung des Originalartikels „Hurt, loss, joy, and forgiveness: Foster care–experienced young adults' relationships with their birth parents“, erschienen in Family Relations (2025) unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz: Der Text der Verfassenden wurde ins Deutsche übersetzt und die Darstellung für das Lesen online angepasst, wie zu Beginn dieser Seite erläutert.

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Holland, S., Taussig, H., et Havlicek, J. (2025). Hurt, loss, joy, and forgiveness: Foster care–experienced young adults' relationships with their birth parents. Complexe Systémique. https://app.complexe-systemique.com/en_GB/articles/hurt-loss-joy-and-forgiveness-foster-care-experienced-young-adults-relationships (Originalwerk erschienen 2025 in Family Relations, 74(4), 2000–2016 (2025); 2025 erneut veröffentlicht von Family Relations, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/fare.13184)

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