Diese Fassung wurde von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz aus dem Englischen übersetzt. Im Zweifelsfall ist die Originalfassung maßgeblich.
Journal of Marital and Family Therapy · Familientherapie
Was sagen getrennte Eltern, die seit mehr als zwei Jahren im Konflikt stehen, über den anderen Elternteil und über ihren eigenen Platz? Das Team um Jan Stokkebekk in Bergen hat die Berichte von fünf Vätern und fünf Müttern nebeneinander gelesen. Jeder Bericht konstruiert „das schwierige Gegenüber“, und Kooperation wird unmöglich. Daraus folgt ein Vorschlag: auf parallele Elternschaft und die Resilienz jedes Haushalts zu setzen, statt das Elternpaar zu versöhnen.
Inoffizielle deutsche Übersetzung von “The troublesome other and I”: Parallel stories of separated parents in prolonged conflicts von Jan Stokkebekk, Anette Iversen, Ragnhild Hollekim und Ottar Ness, erschienen in Journal of Marital and Family Therapy (Wiley) (2021), doi: 10.1111/jmft.12474, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique im Oktober 2026 mit Unterstützung künstlicher Intelligenz: Der Originaltext wurde ins Deutsche übersetzt und neu gesetzt, was eine Bearbeitung des Werks im Sinne der Lizenz darstellt. Tabellen werden als Listen wiedergegeben. Diese Übersetzung stammt weder von den Verfassenden noch vom Verlag, die weder für ihren Inhalt noch für etwaige Fehler verantwortlich sind. Maßgeblich ist die Originalfassung.
Wir vertreten daher die Auffassung, dass die vorrangige Pflicht von Eltern nicht das Co-Parenting ist. Die Pflicht der Eltern besteht vielmehr schlicht darin, Elternschaft auszuüben.
Jan Stokkebekk, Anette Iversen, Ragnhild Hollekim und Ottar Ness
Zusammenfassung
Diese qualitative Studie untersucht, wie nicht zusammenlebende Elternpaare in langanhaltenden Konflikten den anderen Elternteil und sich selbst konstruieren. Befragt wurden zehn Elternteile aus fünf Elternpaaren. Verwendet wurde ein dyadisches Analysedesign, bei dem die Konfliktgeschichten jedes Elternteils parallel zu denen des anderen Elternteils analysiert wurden. Ausgehend von der Positionierungstheorie zeigte sich die Selbstidentität als Elternteil in Form impliziter Gegenpositionen in Erzählsträngen, die den anderen Elternteil als „das schwierige Gegenüber“ konstruieren. In den Ergebnissen traten zwei Typologien konflikthafter Erzählstränge hervor: Erzählstränge des Vertrauensbruchs, die den anderen Elternteil in Bezug auf traumatische Ereignisse der Vergangenheit positionieren, und Erzählstränge darüber, wer der schlechte Teil ist, die den anderen Elternteil entweder als illoyalen Co-Elternteil oder als dysfunktionalen Elternteil positionieren. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass langanhaltende Konflikte es unmöglich machten, verfügbare Positionen für Kooperation zu finden. Wir plädieren dafür, dass familientherapeutische Fachkräfte jeden Haushalt dabei unterstützen, die Resilienz von Kindern und Familie zu fördern, statt weiterhin zu versuchen, chronische Konflikte zu lösen.
Langanhaltende Konflikte zwischen Eltern nach Trennung und Scheidung zeugen von der Komplexität und den Herausforderungen, die der wechselseitigen Abhängigkeit im Co-Parenting innewohnen (Kelly, 2007). Nach der Auflösung ihrer Ehe wird von Eltern erwartet, dass sie ihre Wunden heilen, neue Positionen als Eltern finden, neue Allianzen als Verbündete in der Elternschaft sowie als belastbare und effektive Teams aufbauen und die Verantwortung für die Erziehung ihrer Kinder koordinieren und teilen (Emery et al., 1991). Die gestiegenen Erwartungen an Elternschaft (Hollekim et al., 2016) haben zusammen mit einer Entwicklung hin zu mehr Geschlechtergerechtigkeit in der Elternschaft nach Trennung und Scheidung (Braver & Lamb, 2018) die Abhängigkeit vom Co-Parenting, seine Komplexität und den Druck darauf erhöht (Mahrer et al., 2018).
Obwohl die meisten Eltern ihre Differenzen beilegen können, wird geschätzt, dass 10%–15% der Eltern 2 Jahre nach der Trennung langanhaltende Konflikte haben und dass 9%–18% 6 Jahre nach der Scheidung weiterhin in hoch- bis mittelgradigen Konflikten stehen (Hetherington, 2002). Zudem zeigen die Verläufe der meisten getrennten Elternpaare zwar einen Rückgang des Konfliktniveaus, doch lässt sich eine Untergruppe hochstrittiger Eltern identifizieren, die durch sich verschärfende oder fortbestehende chronische Konflikte gekennzeichnet ist (Drapeau et al., 2009). Diese geschiedenen Paare werden häufig nach Ausmaß und Dauer des Konflikts bezeichnet und als in verfestigten, andauernden oder hochstrittigen Konflikten befindlich angesehen (Anderson et al., 2010) oder als in Konflikten mit Hass zwischen den Eltern (Smyth & Moloney, 2019). In diesem Artikel konzentrieren wir uns auf nicht zusammenlebende Eltern in langanhaltenden Konflikten. Mit dem Begriff langanhaltend betonen wir, dass der Fokus auf Elternpaaren liegt, die über 2 Jahre nach Trennung und Scheidung hinaus in belastenden Konflikten verharren und denen es nicht gelungen ist, ihre Konflikte oder Schwierigkeiten im Co-Parenting durch Beratung, Mediation oder gerichtlich angeordnete Maßnahmen zu lösen.
Eltern in langanhaltenden Konflikten positionieren sich oft als Opfer, weil ihr Erleben hoher Konflikthaftigkeit ein tiefgreifendes Misstrauen umfasst (Rød et al., 2013). Die Bedürfnisse und Wünsche getrennter Eltern in langanhaltenden Konflikten schließen einander oft gegenseitig aus. Während beispielsweise ein Elternteil in Verbindung bleiben möchte, um Einfluss auf den anderen Haushalt zu haben und bei Sorgen um das Kind Beruhigung zu erhalten, möchte der andere Elternteil eine Mauer errichten, um sich vor Übergriffigkeit und Kritik zu schützen. Eltern, deren Sorgen um ihr Kind abgetan werden oder die feindseliger Kritik durch den anderen Elternteil ausgesetzt sind, halten diesen infolgedessen oft für ihrer Rücksicht oder ihres Respekts unwürdig (Francia et al., 2019).
Je nach Ausmaß des Engagements und des Konflikts beschreibt die Literatur zur Situation nach der Scheidung häufig drei Typologien des Co-Parentings: konflikthaft, kooperativ und parallel (Ahrons & Rodgers, 1987). Konflikthafte Elternpaare weisen ein hohes Maß an Engagement und ein hohes Konfliktniveau auf. Kooperative Eltern gelten wegen ihres niedrigen Konfliktniveaus und ihres hohen unterstützenden Engagements, verbunden mit der Fähigkeit, Probleme zu lösen und gemeinsame Entscheidungen zu treffen, als „Ideal des Co-Parentings“ (Emery, 1999). Parallel agierende Elternpaare haben nur minimale Interaktion zwischen den Haushalten und ein niedriges Konfliktniveau. Zudem haben sie ein geringes Maß an Engagement, nicht weil ihre Interaktionen kooperativ wären, sondern weil sie Interaktionen minimieren und vermeiden (Sullivan, 2008). Parallele Elternschaft ist die häufigste Form des Co-Parentings nach der Scheidung und macht mindestens 40% der Co-Parenting-Typen nach einer Scheidung aus (Hetherington, 2002).
Trotz zahlreicher Bemühungen von Fachkräften, Streitigkeiten beizulegen, zeigen manche Elternpaare destruktive, andauernde und eskalierende Konflikte, die im Kontext von Therapie, Mediation oder Gerichtsverfahren deutlich werden (Smyth & Moloney, 2019). Obwohl manche Elternpaare im Konflikt verharren, ist im professionellen System oft der Diskurs der kooperativen Elternschaft vorherrschend, verbunden mit der Überzeugung, dass kooperatives Co-Parenting eine notwendige Voraussetzung für gelingende Elternschaft nach der Trennung sei (Sullivan, 2008). So nehmen familientherapeutische Fachkräfte oft eine ähnliche Position ein wie die Familienmediation, indem sie getrennte Eltern als Co-Eltern konnotieren, während sie konfliktbelastete Familien unterstützen (Lebow & Rekart, 2007). Die Beziehung zwischen den Eltern rückt auf die Vorderbühne, während das Funktionieren jedes Haushalts, die Schwierigkeiten in der Erziehung und die Qualität der Eltern-Kind-Beziehungen auf die Hinterbühne verlagert werden, um Goffmans (1971) Begriffe zu verwenden. Letztere sind wichtige Faktoren, die nachweislich Risiken abfedern und eine gesunde Anpassung sowie Resilienz in konfliktbelasteten Familien fördern (Becher et al., 2019). Einige Forschende kritisieren die Annahme, Konfliktlösung und das Ziel eines kooperativen Co-Parentings seien die einzigen adaptiven Antworten, um die familiäre Anpassung im Kontext elterlicher Konflikte nach der Scheidung zu verbessern (Nielsen, 2018; Stokkebekk et al., 2019; Sullivan, 2008). Interventionen, die kooperative Elternschaft fördern und das Engagement hoch halten, halten tendenziell auch das Konfliktniveau hoch (Sullivan, 2008). Es ist die häufige Konfrontation mit Konflikten oder die fortdauernde Verstrickung darin, nicht das Konfliktniveau an sich, die mit schlechteren Ergebnissen für Kinder verbunden ist (Cummings & Davies, 2010). Hochstrittige Eltern unterscheiden sich in ihrer Fähigkeit, ihre Kinder abzuschirmen, und sowohl Kinder als auch Eltern unterscheiden sich darin, wie sie mit familiären Konflikten umgehen (Stokkebekk et al., 2019).
Diese Studie folgt der Forderung nach mehr Wissen darüber, wie Eltern mehr als 2 Jahre nach der Trennung sich selbst in langanhaltenden Konflikten konstruieren und positionieren (Francia et al., 2019; Smyth & Moloney, 2019). Zudem könnten solche Erkenntnisse familientherapeutischen Fachkräften helfen, zu konzeptualisieren, welche Form des Co-Parentings für die Eltern am besten geeignet ist, und zugleich Eltern in langanhaltenden Konflikten und ihre Familien zu unterstützen. Vor dem Hintergrund langanhaltender elterlicher Konflikte bildete die Positionierungstheorie (Davies & Harré, 1990) den theoretischen Rahmen dieser Studie. Positionierung und andere Konzepte der Positionierungstheorie haben sich als nützlich erwiesen, um Bedeutungsbildung im Kontext sozialer Konflikte zu dekonstruieren (Harré & Slocum, 2003).
Die Positionierungstheorie ist ein Ansatz aus der Sozial- und Diskurspsychologie, der die normativen Rahmen betrachtet, in denen Menschen ihr Leben führen, und zwar im Hinblick auf die „Rechte“ und „Pflichten“, an die sie sich in ihren Interaktionen gebunden fühlen (Davies & Harré, 1990). Die Positionierungstheorie besteht aus einer Triade zusammenwirkender Konzepte: Positionen des Selbst und der Anderen, Erzählstränge und Sprechakte. Diskursive Erzählstränge lassen sich als etablierte Normen und Entwicklungsmuster des sozialen Lebens betrachten, die „in einem losen Bündel narrativer Konventionen ausdrückbar“ sind (Harré & Moghaddam, 2003, S. 6). Konstruktionen des Elternseins beinhalten reflexive Positionierung, die dem elterlichen Sprechen über das Familienleben innewohnt. Tan und Moghaddam (1995, S. 389) definieren reflexive Positionierung als „einen Prozess, durch den man sich absichtlich oder unabsichtlich in sich entfaltenden persönlichen Geschichten positioniert, die man sich selbst erzählt“. Menschen unterscheiden sich in ihrer „Positionierungsmacht“; manche Selbstpositionierungen können bewusst erfolgen oder von anderen (Personen/Institutionen) erzwungen sein, und auch die Positionierung anderer kann bewusst oder erzwungen sein (Davies & Harré, 1990). Eltern im Konflikt nutzen oft strategische Positionierung, wenn sie mit einer dritten Partei sprechen (z. B. einer familientherapeutischen Fachkraft), um „die moralische Oberhand zu gewinnen“. Es geht also darum sicherzustellen, dass das, was das Gegenüber (der andere Elternteil) sagt oder tut, gemäß einem Erzählstrang gedeutet wird, der der eigenen Sache dienlich ist. Nimmt beispielsweise ein Elternteil eine Position als Fürsprache des Kindes/Sprachrohr ein, versucht der andere Elternteil womöglich, sich dieser Strategie zu widersetzen, und sieht darin einen Angriff auf die bevorzugte Position als gleichberechtigter Elternteil sieht. Die Position der Fürsprache für das Kind kann zu einem Erzählstrang des „Kindeswohls“ gehören, der die Bedürfnisse des Kindes als vorrangige elterliche Verpflichtung anspricht; so wird Wissen über das Kind zu einer Positionierungskompetenz und einem wirksamen Machtfaktor. Die Position eines gleichberechtigten Elternteils kann darin bestehen, sich auf einen geschlechterbezogenen Erzählstrang gleicher Elternrechte zu berufen, während ungleiche Sorge- und Umgangsrechte als Beleg für eine diskriminierende Praxis dargestellt werden. Während also ein Elternteil Sorgen um das Wohl des Kindes und um fehlende Erziehungskompetenz äußert, bringt der andere womöglich Bedenken wegen einer Sabotage des Umgangs vor. Über den anderen Elternteil zu sprechen beinhaltet auch Sprechakte, die entweder als Bitte (ein Schutzbedürfnis) oder als Angriff (eine feindselige Anschuldigung gegen das Gegenüber) gehört werden können. Sprechakte bezeichnen also Fälle, in denen eine Äußerung oder Handlung je nach Deutung unterschiedliche Wirkungen haben kann. Die vielfältigen Konflikt-Erzählstränge, die in langanhaltenden Konfliktfällen nach der Scheidung im Spiel sind, versetzen die Familientherapie oft in die Position einer richterlichen Instanz, die gezwungen ist zu entscheiden und gleichermaßen wichtigen und berechtigten Anliegen innerhalb einer Familie Legitimität zu verleihen.
Eltern im Konflikt können sich durch den anderen Elternteil in Subjektpositionen gedrängt fühlen, und ihre Fähigkeit zur Gegenpositionierung zeigt sich darin, wie es ihnen gelingt, ihr eigenes Handeln und das des anderen Elternteils in bevorzugte diskursive Erzählstränge einzuordnen. Das Fehlen einer bewussten Wahl ist oft das, was einen Konflikt unlösbar macht. Den sich entfaltenden Erzählstrang anzufechten und die Macht zu haben, die Positionierung durch andere zurückzuweisen, indem man einen dominanten Erzählstrang aufrechterhält, wird als Positionierung zweiter Ordnung bezeichnet (Harré & Lagenhove, 1999).
Die anfänglichen Positionen, die in einer sozialen Situation angeboten oder auferlegt werden, werden als Positionierung erster Ordnung bezeichnet. In manchen Fällen etabliert die Positionierung ein komplementäres oder antagonistisches Muster von Rechten und Pflichten. Ein Elternteil wird mit dem Recht und der Pflicht positioniert, „für das Kind zu sorgen“, während Kinder als „verpflichtet, die Fürsorge anzunehmen“ positioniert werden. In anderen Fällen etabliert die Positionierung ein komplementäres oder antagonistisches Bündel moralischer und psychologischer Attribute. Eine Person kann als „nicht vertrauenswürdig und böswillig“ positioniert werden. Eine andere kann als „freundlich und vertrauenswürdig“ positioniert werden.
Die Positionierungstheorie beschreibt zwei Formen sozialer Konflikte, in denen die Konfliktbeteiligten (1) eine Geschichte teilen, diesen Erzählstrang aber durch das Einnehmen gegensätzlicher Positionen nutzen, um einen Konflikt zu nähren, oder (2) unvereinbare Erzählstränge übernommen haben, zwischen denen „es keine diskursive Brücke vom einen zum anderen gibt“ (Harré & Slocum, 2003, S. 112). So könnten Eltern sich beispielsweise darin einig sein, ihr Kind als Opfer eines elterlichen Konflikts zu positionieren. Dabei würden sie zugleich ihre elterliche Autorität geltend machen („Im Namen des Kindes“), um ihre eigene legitime Position im Konflikt aufzuwerten (Johnston & Roseby, 2009). Eltern präsentieren jedoch oft unvereinbare Erzählstränge darüber, wie es zur Belastung des Kindes kam und wer daran schuld ist. Ziel der vorliegenden Studie ist es, Einblick zu gewinnen, wie nicht zusammenlebende Paare in langanhaltenden Konflikten sich selbst und den anderen Elternteil in parallelen Geschichten über ihre Beziehung konstruieren und positionieren. Folgende Forschungsfragen werden untersucht:
Diese Studie ist eine qualitative Studie, die elterliche Konstruktionen des Familienlebens ausgehend von der erkenntnistheoretischen Prämisse eines konstruktiven Forschungsparadigmas untersucht (Creswell & Miller, 2000). Da diese Studie die Bedeutungsbildung bei getrennten Elternpaaren in langanhaltenden Konflikten untersuchen will, wurde ein qualitatives Design mit explorativen Einzelinterviews gewählt. Darüber hinaus wurde ein dyadischer Analyserahmen angewandt, der Erkenntnisse darüber verbindet, wie jeder Elternteil in einem langanhaltenden Konflikt sich selbst und den anderen Elternteil im Kontext paralleler Geschichten über ihre Beziehung positioniert. Der Vorteil von Einzelinterviews in einem dyadischen (parallelen) Analyserahmen besteht darin, dass sich die reflexiven Einsichten einzelner Personen (reflexive Positionierung) mit trianguliertem Wissen über die relationale Positionierung in Bezug auf den anderen Elternteil verbinden lassen. Eine andere Möglichkeit wäre gewesen, die Paare gemeinsam zu interviewen oder Sitzungen einer Paartherapie aufzuzeichnen, in denen die interaktionelle Selbst- und Fremdpositionierung im Dialog sichtbar würde. Ein Nachteil dieses Designs wäre jedoch, dass die reflexiven Einsichten der Eltern (ihre Geschichte der Selbst- und Fremdpositionierung im Konflikt) weniger sichtbar sein könnten.
Die ethische Genehmigung zur Durchführung der Studie wurde vom Regionalen Ausschuss für medizinische und gesundheitswissenschaftliche Forschungsethik in Norwegen erteilt (Projekt Nr. 2016/1915). Zum Schutz der Identität der Teilnehmenden wurden die Namen geändert, und Anzahl der Geschwister, Geschlecht und Alter der Kinder werden in der Analyse nicht angegeben. Der Erstautor arbeitete im Rahmen der Verpflichtungen eines Promotionsstipendiums als Familientherapeut an der Einrichtung, über die rekrutiert wurde, war jedoch zuvor nicht klinisch mit den Teilnehmenden befasst.
Die Eltern wurden über ein resilienzorientiertes familientherapeutisches Programm einer norwegischen Familienberatungsstelle rekrutiert, das darauf abzielt, Kinder und ihre getrennten Eltern in langanhaltenden Konflikten zu stärken. Eltern wurden nach folgenden Einschlusskriterien in das Programm aufgenommen: (1) Die Eltern haben seit mehr als 2 Jahren nach der Trennung Konflikte oder Probleme im Co-Parenting erlebt; (2) es ist ihnen nicht gelungen, ihren Konflikt nach der Scheidung oder ihre Schwierigkeiten im Co-Parenting durch Gericht, Therapie oder Mediationsangebote zu lösen; und (3) ein Elternteil oder beide betrachten ihre derzeitige Co-Parenting-Beziehung als konflikthaft, festgefahren, belastend und/oder unlösbar. Siebzehn Elternteile willigten in die Teilnahme an der Studie ein und wurden in den Jahren 2017 und 2018 interviewt. Die Interviews wurden vom Erstautor nach der Aufnahme und vor Beginn der Therapie geführt, entweder bei den Teilnehmenden zu Hause (nach eigener Wahl) oder in den Räumen der Familienberatungsstelle. Die Eltern wurden einzeln interviewt, und jedes Interview dauerte 60–90 Min. Verwendet wurde ein halbstrukturierter Interviewleitfaden mit offenen Fragen, etwa zu (1) Beschreibungen der Familie, (2) Wohn- und Betreuungsarrangements, (3) den Sichtweisen der Befragten auf die Beziehung zwischen den Eltern und andere familiäre Beziehungen, (4) Sichtweisen auf den Bedarf an familienberaterischen Angeboten und (5) Stärken der Familie und Zukunftshoffnungen für das Familienleben. Jedes Interview wurde als Audiodatei aufgezeichnet und wörtlich transkribiert.
Für diese Studie wurden nur Interviews verwendet, an denen beide Eltern (der jeweiligen Elterndyade) teilgenommen hatten. Die endgültige Stichprobe dieses Artikels besteht somit aus 10 Einzelinterviews von fünf getrennten Elternpaaren (fünf Väter und fünf Mütter). Im Durchschnitt lebten die Eltern seit 6 Jahren in getrennten Haushalten. Die Haushalte entstammten der Mittelschicht. Ein Elternteil oder beide hatten einen Hochschulabschluss, und ein Elternteil oder beide lebten mit einer neuen Partnerin oder einem neuen Partner zusammen. Die fünf getrennten Paare hatten 10 leibliche Kinder (acht Mädchen und zwei Jungen) mit einem Durchschnittsalter von 13 Jahren (11–16). Zum Zeitpunkt des Interviews lebten sieben Kinder bei einem Elternteil (vier beim Vater und drei bei der Mutter) und sahen den anderen Elternteil jedes zweite Wochenende oder seltener, während drei Kinder im Wechselmodell lebten und gleich viel Zeit bei beiden Eltern verbrachten.
Diese Studie untersucht die reflexiven Positionen von fünf geschiedenen Elternpaaren in langanhaltenden Konflikten. Bei der Analyse der Interviewtranskripte wandten wir eine reflexive thematische Analyse (Braun & Clarke, 2019) an, ergänzt durch eine diskursive Analyse sozialer Konflikte aus der Perspektive der Positionierungstheorie.
Zunächst wurden alle Transkripte gelesen und wiederholt gelesen, ohne jeden Versuch, den Text zu analysieren. Im nächsten Analyseschritt richteten wir unsere Aufmerksamkeit auf die Erzählstränge der Eltern, die im Text sichtbar wurden. Beim Lesen der Transkripte fragten wir analytisch, welche dominanten Erzählstränge sich zeigen, wenn Eltern über den anderen Elternteil sprechen. So zeigte sich Brians dominanter Erzählstrang als „Verrat und Zerstörung eines Mannes der Kernfamilie“. In seiner Erzählung traten Sprechakte über den anderen Elternteil als Groll hervor („sie hatte kein Recht, die Familie zu zerschlagen“), der seine Ex-Partnerin als böswillige Akteurin positionierte, die dafür verantwortlich ist, Schaden zuzufügen. So stellt er sich selbst als Opfer der Scheidung dar, und seine bevorzugte soziale Identität als Mann der Kernfamilie wird deutlich. Die dominanten Erzählstränge, die in jedem Transkript auftauchen, wurden für jedes der fünf Elternpaare parallel als Erzählstrang des Vaters und der Mutter kodiert.
Im letzten Analyseschritt fragten wir: Welche Ich-Positionen nehmen Eltern ein, wenn sie über den anderen Elternteil sprechen, und wie positionieren sie diesen? Außerdem hielten wir fest, wer in den Erzählsträngen über „Positionierungsmacht“ verfügte und wer nicht, wie Harré und Slocum (2003, S. 114) vorschlagen, um zu verstehen, wie einige der Konflikt-Erzählstränge dominanter werden und die elterliche Kooperation infrage stellen. Dieser letzte Schritt liefert Erkenntnisse, die für die Diskussion darüber hilfreich sind, was es für Elternschaft bedeutet, wenn getrennte Eltern in langanhaltenden Konflikten stehen.
Zunächst stellen wir fünf parallele Erzählstränge vor (Tabelle 1), die sich bei der Analyse von 10 Interviews mit fünf Elternpaaren in langanhaltenden Konflikten zeigten. Die Erzählstränge werden mit Auszügen aus den Interviews dargestellt, mit dem, was der jeweilige Elternteil über die Beziehung zum anderen Elternteil sagt, und mit Schilderungen darüber, wie er sich selbst und den anderen Elternteil positionierte. Zum Schutz der Identität der Teilnehmenden haben wir ihre Namen geändert. Außerdem haben wir keinerlei Angaben zur Anzahl der Geschwister, zur Beschreibung der Persönlichkeit, zum Geschlecht oder zum Alter der Kinder gemacht. Wir haben zudem darauf geachtet, keine sensiblen gesundheitlichen oder medizinischen Informationen über die Kinder der Teilnehmenden aufzunehmen. Zweitens beschreiben wir unseren Befund eines übergreifenden Erzählstrangs, also eines spezifischen Modus reflexiver Positionierung, den wir „Geschichten vom schwierigen Gegenüber und mir“ nennen und der sich in verschiedenen Erzählsträngen zeigte. Schließlich stellen wir zwei Typologien von Konflikt-Erzählsträngen und die mit ihnen verbundenen Positionen vor.
Tabelle 1 — Parallele Erzählstränge vom schwierigen Gegenüber und mir
John erzählt, wie er zu Unrecht der Gewalt beschuldigt worden sei. Er positioniert den anderen Elternteil als „Ex“ und „Gegnerin“, die in allem, was sie mit ihm zu tun hat, instrumentell und strategisch vorgeht. Sein Sprechen ist eine Anklage. In seiner Erzählung hat Mary die Scheidung geplant, um das Haus und das Sorgerecht für das Kind zu bekommen. Er stellt sie als nicht vertrauenswürdig und psychisch belastet dar und präsentiert sich damit selbst als psychisch gesund und vertrauenswürdig. Aus seiner Sicht positioniert Mary ihn zu Unrecht als konfliktträchtig. Er schildert: „Wenn wir einen Konflikt haben, dann hat sie einen Vorteil, den sie nutzen kann, und wenn es ihnen gelingt, dich als hochstrittig abzustempeln, verliert man womöglich den Zugang zum Kind.“ Mit dieser Aussage deutet er die Situation als weibliche Geschlechterstrategie, insofern „wenn sie Konflikt haben, dann können sie den Umgang einschränken, und manchmal wird es ein Konfliktspiel, selbst wenn es gar keine Konflikte gibt. Man könnte sagen, dass der Konflikt missbraucht wird oder dass jemand einen Konflikt WILL.“ In dieser Beschreibung stellt er sich als angegriffen dar und sie als im Vorteil, weil sie die Situation strategisch als hochstrittig etikettiert habe.
Mary beschreibt ihre Schwierigkeiten, Vertrauen wiederaufzubauen und eine Co-Parenting-Beziehung zu jemandem herzustellen, der ihr nach eigener Aussage gegenüber gewalttätig war. Sie erklärt, dass sie nicht in der Lage sei, ihren Ex-Partner persönlich zu treffen. Mary ist unsicher, wie sie ihre Beziehung beschreiben soll; sie könnte ihre Schwierigkeiten auf viele Arten erklären. Dennoch findet sie, dass Konflikt eine gute und zutreffende Beschreibung sein könnte. Der Konflikt begann „irgendwann vor unserer Scheidung“. Bei der Beschreibung, wie sich der Konflikt auf ihr Leben auswirkt, nutzt sie reflexive Positionierung und stellt sich Fragen wie: „Wie ist es, damit zu leben? Man könnte sagen, es wirkt sich auf mein ganzes Leben aus.“ Sie beschreibt, wie sie ständig in Alarmbereitschaft ist: „Ich habe Angst, dass der Konflikt bei Kleinigkeiten aufbrechen könnte, verstehst du?“ Sie spricht von einem „großen, über allem schwebenden Konflikt“, der zu „kleinen Konflikten“ führt. Außerdem spricht sie von einem „Wir“, wenn sie sich auf den Konflikt bezieht. Folglich sieht sie den Konflikt als etwas, das ihnen als Elternpaar gehört.
Stig erklärt, dass seine Ex-Partnerin übergriffig und fordernd sei und ihn dazu bringe, jeden Kontakt zu ihr abzubrechen. In seinen Augen verursacht dies den Konflikt und ist der Grund, warum es fast keine Kooperation gibt. Er erzählt, wie seine Ex-Partnerin ihn betrogen und die Ehe beendet habe, nachdem sie jemand anderen kennengelernt hatte. Statt sich während der Trennung demütig zu zeigen, sei sie aus seiner Sicht fordernd gewesen. Seiner Meinung nach hatte sie kein Recht, Forderungen zu stellen oder sich in sein Leben einzumischen, nachdem sie ihre Ehe beendet hatte. In seinen Worten erscheint seine Ex-Partnerin als bösartige Person, die in sein Leben eindringt und versucht, ihm ihren Willen aufzuzwingen, sodass er sich schützen muss. Er erklärt: „Ich bekam mehrmals pro Woche E-Mails, mehrere E-Mails am Tag, und worum ging es? Sie wollte, dass ich Magermilch statt fettarmer Milch kaufe, weil das gesünder für die Kinder sei!“ Mit dieser Aussage pocht er auf Gleichberechtigung als Elternteil und erklärt: „Ich bin genauso Vater, wie du Mutter bist.“ Er beschreibt auch seinen Widerstand gegen das, was er als falsche Behauptungen ansieht, er sei „verbittert“. Er erklärt, dass es sich für ihn umgekehrt anfühle: „In ihren Augen bin ich sehr verbittert und kann nicht loslassen, aber die Wahrheit ist, es ist umgekehrt: Sie lässt mich nicht los! Weil sie versucht zu kontrollieren, wie ich mich den Kindern gegenüber verhalten soll.“
Mette beschreibt in neutralem Ton, dass sie selten miteinander sprechen und dass die Kooperation allmählich immer schwieriger geworden ist. Für die Kinder sei es schwer gewesen, als ihr Vater umzog, erklärt sie. Dieser Schritt habe Schwierigkeiten im Alltag verursacht, etwa bei der Teilnahme an Sportaktivitäten nach der Schule. Sie spricht aus der Ich-Position als Mutter und erklärt, wie es für die Kinder ist. Sie erklärt, dass die Wohnarrangements der Kinder und die Wahl des Schulbezirks einen großen Teil ihres Konflikts ausmachen. „Es ist leichter, in diesem Haus zu sein“, argumentiert sie aus der Position einer Mutter, wenn sie die beiden Zuhause beschreibt: Das Zuhause, in dem sie lebt, sei „leicht“, das Haus ihres Ex-Mannes dagegen belastend, mit vielen Geschwistern. Sie beschreibt auch, wie „ihr Kind verschwand“, da es viel Zeit mit dem Pendeln zwischen zwei Haushalten verbrachte, und dass sie sich Hilfe bei Fachkräften holte, um die Zustimmung des Vaters zu einer Änderung der Wohnarrangements zu erhalten. Daraufhin habe ihr Ex-Partner ihr vorgeworfen, die Kinder zu manipulieren, damit sie dauerhafter bei ihr wohnten, und „das hatte es schlimmer gemacht“. Mette erzählt, dass ihr Leben belastend sei, weil sie wisse, dass die Kinder der Wut ihres Vaters ausgesetzt seien und mitbekämen, wie er sie als unzuverlässig und manipulativ herabsetze. Dabei erklärt sie auch: „Wir wissen ja, wenn jemand schlecht über jemanden redet, den man liebt, dann tut das weh.“ Am verletzlichsten fühlt sie sich jedoch durch das Nichtwissen, und sie verweist auf seine Weigerung zu kooperieren und seine Unfähigkeit, sie persönlich zu treffen. Sie meint, er sei verbittert und wütend, weil sie ihn verlassen habe, und sagt: „Er gibt nur mir die Schuld; er übernimmt keinerlei Verantwortung. Er sagt, ich breche alle unsere Vereinbarungen, und ich sehe es genau umgekehrt. Ich bekomme viele Vorwürfe und versuche, ruhig zu antworten.“ Sie positioniert ihn als Aggressor, und indem sie „ruhig bleibt“, sieht sie sich als Friedensstifterin, die es vermeidet, den Konflikt anzuheizen.
Brian erzählt, dass er die Beziehung zu seiner Ex-Partnerin immer als schwierig erlebt habe, sowohl vor als auch nach der Scheidung. Bei der Beschreibung seiner heutigen Beziehung zu ihr schließt er sie ausdrücklich aus seiner Sicht auf die Welt aus und sagt: „Sie existiert nicht mehr!“ Er betont sein Bedürfnis, sich vor jedem Kontakt mit ihr zu schützen. Er schildert, wie schwer es für ihn gewesen sei, auch noch viele Jahre nach der Scheidung, und dass ihm seine psychologische Fachperson geraten habe, als Strategie der Selbstfürsorge den Kontakt zu seiner Ex-Partnerin zu meiden. Er beschreibt, dass die Entscheidung seiner Frau, „die Familie zu zerschlagen“, für ihn und die Kinder sehr schwer gewesen sei. Er spricht von seiner bevorzugten Identität als Mann der Kernfamilie, auch viele Jahre nach der Scheidung.
Wie er sich erinnert, hatte er immer gewisse Zweifel an ihrer Beziehung, und das habe ihn depressiv gemacht. Er beschreibt, wie seine schlimmste Befürchtung wahr wurde, nämlich dass sie ihn nie geliebt hatte und dass „sie bestätigte“, ihn nie geliebt zu haben. In seiner Traumaerzählung schildert er vielschichtige Verratserfahrungen. Er spricht über die Opfer, die er gebracht habe, um die Familie zusammenzuhalten: „Ich habe die ganze Schuld auf mich genommen; meine Depression und meine Angst waren schuld.“ Wenn er über seine Bemühungen spricht, die Ehe zu retten, positioniert er sich als Märtyrer. Strategisch habe er „sich selbst die Schuld gegeben“ für Fehler, fühlte sich aber außen vor, da „wir nie über uns gesprochen haben“. Er erzählt, dass er das Gefühl, Teil einer Kernfamilie zu sein, immer geliebt habe. Von seiner Frau verlassen und allein mit den Opfern „für das höhere Wohl der Familie“, sieht er sich zu einer Opferposition berechtigt, mit dem Recht, seiner Ex-Partnerin die Schuld zu geben.
Karen berichtet, dass sie die Beziehung zu ihrem Ex-Mann immer als schwierig empfunden habe. Sie habe immer das Gefühl gehabt, in der Beziehung die Starke und Verantwortungsvolle sein zu müssen. Mit dieser Aussage positioniert sie den anderen Elternteil als schwach und verantwortungslos. Sie erzählt, wie Depression und Stimmungsschwankungen ihn, ihre Beziehung und das Familienleben beeinträchtigt hätten. Sie berichtet, dass er große Schwierigkeiten gehabt habe, sich an die Scheidung anzupassen; diese Schwierigkeit habe sich negativ auf ihre Co-Parenting-Beziehung und das Wohlbefinden der Kinder ausgewirkt. Sie beschreibt, wie einige der Kinder Mitleid mit ihrem Vater hatten und ihr die Schuld gaben, ihn verlassen zu haben. Anderen fiel es schwer, ihm zuzuhören, wenn er schlecht über sie sprach. Infolgedessen kam es zu Beziehungsschwierigkeiten zwischen den Kindern und ihren Eltern, insbesondere mit dem Vater.
Ihrer Meinung nach wurde die Trennung schwierig, weil er nicht bereit war, die Beziehung zu beenden. Damit bezeichnet sie sich selbst als die Handelnde, die beschlossen hat, die Beziehung zu beenden. Sie schildert, dass er zu jeder Tages- und Nachtzeit vor ihrer Wohnung auftauchte: „Er versuchte mit allen Mitteln, mich umzustimmen. Also musste ich ihn immer wieder zurückweisen, zurückweisen und zurückweisen, bis er irgendwie verstand, dass ich es ernst meinte.“ Sie erzählt, er sei bedrohlich und wütend gewesen und habe sich selbst bemitleidet. Dann, so erklärt sie, habe es einen Umschwung gegeben, nach dem er jeden Kontakt mit ihr verweigerte. Sie erhält einige Textnachrichten mit feindseligen Anschuldigungen und berichtet, dass er sie ignoriert, wenn sie sich auf der Straße begegnen, und „sie wie Luft behandelt“. Sie beschreibt das als schwierig, am schlimmsten sei es aber, wenn die Kinder dabei sind. Sie erklärt: „Ich komme damit klar, aber ich mag es nicht, wenn er das tut, während die Kinder dabei sind.“ Mit dieser Aussage positioniert sie sich als schützende Mutter.
Adam positioniert seine Ex-Partnerin als Gewinnerin und sich selbst als Verlierer. Er stellt seine Ex-Partnerin als Gewinnerin dar, weil sie das Familienhaus übernommen hat. Aus seiner Sicht hat er den Kontakt zu seinen Kindern verloren, weil sie so an ihrem Elternhaus hängen, dass sie sich gegen Übernachtungen bei ihm in seiner neuen Wohnung sträuben. Er hat das Gefühl, dass seine Ex-Partnerin nichts getan hat, um seine Bemühungen, mit seinen Kindern zusammen zu sein, zu unterstützen. Er erklärt, dass sie „ihnen sagt, es sei in Ordnung, bei den Großeltern zu bleiben, statt zu versuchen, sie zu überzeugen, zu mir zu kommen und bei mir zu sein, damit ich tatsächlich Vater sein kann“. Er fühlt sich machtlos, weil seine Ex-Partnerin besser in der Lage ist, mit den Kindern zu kommunizieren und in der Familienmediation über Fragen von Sorge und Umgang zu verhandeln. Seine größte Sorge ist, einsam und vom Kontakt mit den Kindern ausgeschlossen zu sein.
Er hat das Gefühl, dass seine Ex der dominante Elternteil ist, der ihn ausnutzt, indem er von ihm erwartet, sich im früheren gemeinsamen Zuhause um die Kinder zu kümmern. Er erklärt, dass ihn dies dazu gebracht habe, „mit der Faust auf den Tisch zu hauen“, und sagte ihr: „Ich kann nicht Zeit in einem Haus verbringen, in dem ich nicht mehr wohne, kochen und abwaschen […] und dazu noch den vollen Unterhalt zahlen.“ Er hat das Gefühl, dass seine Ex-Partnerin ihn ausbeutet und ihn als Diener der Familie positioniert. Obwohl er den vollen Kindesunterhalt zahlt, erwartet sie, dass er sich im früheren gemeinsamen Zuhause um die Kinder kümmert.
Hilde erzählt, dass die Paartherapie, die sie während ihrer Ehe besuchten, über ihr Konfliktniveau sehr besorgt gewesen sei. Sie erklärt, dass die „Beziehungsinkompetenz“ ihres Ex-Partners immer Schwierigkeiten verursacht habe, sowohl in ihrer Ehe als auch in seinen Beziehungen zu den Kindern. Ihrer Ansicht nach ist die Weigerung der jugendlichen Kinder, nach der Trennung in der Wohnung ihres Vaters zu bleiben, darauf zurückzuführen, dass er nicht anerkenne, dass sie Zeit brauchen, um sich anzupassen. Indem sie erklärt, wie er diese Prüfung der Vaterschaft nicht bestanden habe, positioniert sich Hilde als sachverständige Zeugin seines absehbaren Scheiterns, weil er „zu ungeduldig“ sei oder „mit ihren erwartbaren Zurückweisungen nicht umgehen“ könne, während sie zugleich beteuert, ihm Erfolg zu wünschen. Im Erzählstrang „der Vaterschaft auf dem Prüfstand“ positioniert sie sich als außenstehende Beobachterin. Im Gegensatz dazu betont sie, dass ihre Kompetenz als Mutter das Gegenstück zur Inkompetenz des Vaters bilde. Sie fühlt sich als Elternteil ganz auf sich allein gestellt und meint, er sei nicht bereit, seinen Teil der Verantwortung zu übernehmen, und nutze die „volle Zahlung des Kindesunterhalts“ als Ausrede.
Hilde erzählt, dass ihr ihr Ex-Partner noch immer am Herzen liege, obwohl er sich „dafür entscheidet, wütend und feindselig“ ihr gegenüber zu sein. Indem sie von „sich entscheiden“ spricht, bezieht sie sich auf seine Reaktion als (dekontextualisierte) individuelle Entscheidungen statt als etwas, das mit ihrem eigenen Handeln oder der Art ihrer Beziehung zusammenhängt. Weiter beschreibt sie: „Wenn man gemeinsame Kinder hat. Dann liegt man sich doch wirklich am Herzen! […] Oder das sollte man zumindest erwarten können. Das ist zumindest etwas, was ich erwarte. Er liegt mir wirklich am Herzen!“ Sie erklärt, sie habe versucht, ihn viele Male davon zu überzeugen, „aber er denkt, ich will mich über ihn lustig machen oder so (Lachen)“. Indem sie versucht, die Position eines fürsorglichen Co-Elternteils einzunehmen, beruft sie sich also auf eine moralische Pflicht von Eltern, sich umeinander zu kümmern. Indem sie sagt, „das sollte man zumindest erwarten können“, bestätigt sie zudem, dass ihr Ex ihre Position als fürsorgliche Person zurückweist. Dennoch rechtfertigt sie ihr Recht, als fürsorglich anerkannt zu werden, da Co-Eltern sich umeinander kümmern „sollten“. Mit ihrem Lachen zeigt sie zudem eine Haltung, nach der sie seinen Protest lächerlich findet. Sie hält also Adams Protest gegen die von ihr selbst beanspruchte Position, sich um ihn zu sorgen, für ungültig.
Roger erzählt, dass er sich zur Scheidung entschlossen und mit Schwierigkeiten gerechnet habe. Sie hätten ein Wechselmodell vereinbart, doch nach einer Weile wollten die Kinder mehr Zeit bei ihm verbringen. Daraufhin habe er das Gefühl gehabt, die gesamte Fürsorgeverantwortung zu tragen, und die Konflikte mit seiner Ex-Partnerin sowie zwischen ihr und den Kindern hätten an seinen Kräften gezehrt. Wenn er über den zusätzlichen Unterstützungsbedarf seiner Ex-Partnerin spricht, stellt er sie als Last dar. Er beschreibt, „unnötige Aufgaben“ zu übernehmen, um der Mutter Zeit mit den Kindern zu ermöglichen. Indem er sagt, er „nehme Rücksicht auf ihre Fähigkeiten“, positioniert er sie als „behinderten Elternteil“ mit Unfähigkeiten, die er ausgleichen muss. Mit dieser Aussage positioniert er sich selbst als fähigen Elternteil und die Mutter als unfähig, und zwar so: „Es sind die kleinen Dinge, die fehlen. Es fehlt eine Beziehung, wie soll ich sagen, die eigenen Kinder als Mutter richtig zu sehen.“
Er beschreibt, dass seine Ex-Partnerin ihn oft anrufe, um sich zu beschweren, und ihm all seine Verfehlungen vorhalte. Er betont, dass er sich vor ihren Beschwerden schützen müsse und dass er als Vollzeitvater nicht in der Lage sei, sie weiter zu unterstützen. Indem er seine Rolle als Vollzeitvater geltend macht, erklärt er, dass er für ihre Kritik keinerlei Toleranz habe. Mit dieser Aussage gibt er zu verstehen, dass sie kein Recht habe, sich zu beschweren, da er mehr Verantwortung trage und „mehr Elternteil“ sei als sie. Als einziger „Vollzeit-Elternteil“ spricht er ihr das Recht auf Informationen über die Kinder ab und beschreibt dies als Belastung. Er betont, dass er den Kontakt nicht verhindere und dass sie gern die Kinder im früheren gemeinsamen Zuhause sehen könne: „Ich habe vorgeschlagen, dass sie regelmäßig hierherkommt, an festen Tagen in der Woche, um sie zum Sport und so zu fahren. Aber das ist immer schwierig, das bringt immer Ärger.“ Er demonstriert seine Bereitschaft, sie als Elternteil einzubeziehen, indem er seine Vorschläge, die Last der Betreuung in seinem Zuhause zu teilen, als Einladung präsentiert.
Margaret spricht über ihre Schwierigkeit, eine funktionierende kooperative Beziehung aufzubauen. Sie beschreibt, dass sie lieber redet und es für notwendig hält, die Dinge als Eltern zu besprechen, um zu Vereinbarungen zu kommen. Sie stellt fest, dass sie, statt als Co-Elternteil zum Gespräch eingeladen zu werden, mit E-Mails bombardiert worden sei.
Sie erzählt, dass ihr Ex-Mann die Strategie verfolge, sie nicht an Entscheidungen über die Kinder zu beteiligen, und dass das Zurückhalten von Informationen Teil davon sei. Sie erklärt das so: „Ich werde völlig im Dunkeln gelassen und nehme wahr, dass … manchmal denke ich, dass er mir absichtlich Informationen vorenthält.“ Außerdem beschreibt sie, wie er „Mutter-Kind“-Konflikte ausnutzt, um sich auf die Seite der Kinder gegen sie zu stellen. Sie hat versucht, ihrem Ex-Partner zu sagen, er solle aufhören, sie als Elternteil zu ignorieren. Sie hat ihm gesagt, es sei falsch, „dass du als Vater mit den Kindern sprichst und dann aufgrund dessen, was sie sagen, entscheidest, wie es laufen soll, und im besten Fall werde ich informiert“. Sie hat das Gefühl, dass ihr Ex-Partner ihr den Zugang zu Informationen aus erster Hand versperrt und dass er die Position eines Fürsprechers der Kinder einnimmt. Sie hat das Gefühl, dass er seine neu gewonnene Position ausnutzt und mit den Kindern ein Bündnis gegen sie schließt. Die Folge ist, dass ihre elterliche Autorität demontiert wird und ihr als Mutter das Recht auf gemeinsame Entscheidungen für die Kinder nicht mehr zugestanden wird. Ihrer Meinung nach hat er ihre früheren Vereinbarungen gebrochen und den Grundstein für drastische Veränderungen in den Wohnarrangements der Kinder gelegt. Obwohl sie laut schriftlicher Vereinbarung gleiche Sorgerechte haben, leben die Kinder bei ihrem Vater. Sie beschreibt es als sehr belastend, nicht zu wissen, ob die Kinder kommen und sich an die Umgangsvereinbarungen halten werden.
Über die fünf parallelen Erzählstränge hinweg zeigt sich ein übergreifender dominanter Erzählstrang. Wir haben diesen spezifischen Sprechmodus bzw. diesen übergreifenden Konflikt-Erzählstrang „Geschichten vom Schwierigen Gegenüber und mir“ genannt. Dieser übergreifende Konflikt-Erzählstrang besteht darin, den anderen Elternteil als Aggressor und sich selbst als Opfer zu positionieren. Im Sprechen über die konflikthafte Beziehung positionieren die meisten Eltern den anderen Elternteil als „das schwierige Gegenüber“, und die „Ich-Positionen“ der Eltern erscheinen oft implizit als Gegenpositionen. Es handelt sich um eine Form bewusster Positionierung des „schwierigen Gegenübers“ als handelnde Instanz, und die Selbstdarstellung des „Ich als Elternteil“ bedarf der Dekonstruktion. So gilt: „Indem Menschen zum Verhalten eines anderen Stellung beziehen, ‚dramatisieren‘ sie auch sich selbst“ (Harré & Langenhove, 1991, S. 403).
Zwei Typologien dominanter Erzählstränge über das schwierige Gegenüber zeigten sich in den Geschichten der Eltern: traumatische Vertrauensbrüche und unvereinbare Erzählstränge darüber, wer der schlechte Teil ist. In den Erzählsträngen traumatischer Vertrauensbrüche wird das schwierige Gegenüber von traumatischen Ereignissen der Vergangenheit her betrachtet. In diesen Erzählsträngen liegt der Fokus auf traumatischen Ereignissen (z. B. Trauma durch das Zerbrechen der Familie oder Episoden von Misshandlung bzw. falschen Anschuldigungen), die den anderen Elternteil als verletzende Instanz und sich selbst als legitimes Opfer positionieren. Hier wird auf kulturelle Vorstellungen von der Bedeutung der Kernfamilie zurückgegriffen (z. B. im Erzählstrang von Stig und Mette), um die zerstörerische Wirkung des Zerbrechens von Familien hervorzuheben, oder um strafbare Handlungen hervorzuheben (z. B. Vorwürfe häuslicher Gewalt oder Vorwürfe, falsch beschuldigt worden zu sein, in den Erzählsträngen von Stig und Mette), was den Status als legitimes Opfer untermauert. In unvereinbaren Erzählsträngen darüber, wer der schlechte Teil ist, wird das schwierige Gegenüber entweder als illoyaler Co-Elternteil oder als dysfunktionaler Elternteil positioniert. So stellt sich Adam in seinem Erzählstrang als Opfer eines illoyalen Co-Elternteils (Hilde) dar, der sich weigert, seine Bemühungen als getrennter Vater zu unterstützen. Hilde positioniert Adam als schlechten Elternteil, der die Prüfung der Vaterschaft nicht besteht. Roger stellt Margaret als „Behinderung“ dar, die sowohl für ihn als auch für ihre Kinder eine Last darstellt. Margaret spricht über die demontierende Wirkung auf die Mutterschaft, wenn ihr vom anderen Elternteil „Vorschriften gemacht werden, sie ignoriert und im Dunkeln gelassen wird“. In diesen Erzählsträngen positioniert sich das „Ich als Elternteil“ selbst als guter Elternteil oder als jemand, dem das schwierige Gegenüber ein kooperatives Co-Parenting erschwert oder verweigert. Außerdem positionierten sich die Eltern als überwiegend bereit oder nicht bereit, sich an einem kooperativen Co-Parenting zu beteiligen, mit der Folge einer erzwungenen Positionierung als nicht kooperierendes Elternpaar (siehe Tabelle 2). Eltern, deren dominante Selbstdarstellung die Kooperationsbereitschaft war, berichteten, wie das schwierige Gegenüber durch Feindseligkeit, Herabsetzung und Sabotage gemeinsame Elternschaft unmöglich machte. Oft jedoch war in einem parallelen Erzählstrang ein überwiegend nicht kooperationsbereiter Elternteil zurückhaltend, sich auf gemeinsames Co-Parenting einzulassen, weil er sich vor Übergriffigkeit und Kritik schützen musste. Das Ergebnis war dann eine erzwungene Positionierung als nicht kooperierendes Paar.
Tabelle 2 — Selbst/Andere-Matrix der Kooperationsbereitschaft
Im Gegensatz zu Äußerungen, in denen das schwierige Gegenüber als allein verantwortlich für die Konfliktdynamik dargestellt wird, waren manche anderen Positionierungen jedoch differenzierter und weniger feindselig (z. B. Marys Erzählstrang). Obwohl Mary eine Position als Opfer von Gewalt einnahm (und ihren Ex-Mann als gewalttätig positionierte), bezog sie sich auch auf eine konflikthafte Beziehung, für die beide Eltern verantwortlich waren. Wenn sie über den Konflikt spricht, bezieht sie sich auf ein „Wir“, was bestätigt, dass der Konflikt ihnen als Elternpaar gehört.
Unsere Ergebnisse zeigen, dass Eltern im Konflikt den anderen Elternteil als das schwierige Gegenüber positionieren, wobei die Gegenposition des Ich als Elternteil implizit bleibt. Die Positionierungstheorie erwies sich als hilfreich, um die Selbstpositionen von Eltern in langanhaltenden Konflikten zu dekonstruieren. Wir erörtern, wie verschiedene Typologien von Konflikt-Erzählsträngen Hindernisse für eine Repositionierung des Paares hin zu einem kooperativen Co-Parenting schaffen können. Zudem erörtern wir die Pflicht der Elternschaft und das Risiko, Familien in verfestigten Konflikten mit professionellen Idealen des Co-Parentings zu kolonisieren.
Unsere Ergebnisse lenken die Aufmerksamkeit darauf, dass in einem konflikthaften Co-Parenting das schwierige Gegenüber zugleich ein Mittel und ein Hindernis ist, um die Pflicht der Elternschaft zu erfüllen und zum Ich als Elternteil zu werden. Der andere Elternteil ist ein Mittel, weil die Möglichkeit, auf ihn Einfluss zu nehmen, eine Art ist, die eigene Pflicht zu erfüllen, für das Wohl des Kindes zu sorgen. Zudem schafft das Elternsein in einem konflikthaften Co-Parenting ein Hindernis, die eigene Pflicht mit den gemeinsamen Anstrengungen des anderen Elternteils zu erfüllen. Daraus folgt, dass der Versuch, auf den anderen Elternteil einzuwirken, für diesen zur Last wird. Wenn Eltern im Konflikt zudem Erwartungen und Hoffnungen aus dem Diskurs der Kooperation übernehmen, wird die fehlende Resonanz des Gegenübers zu einer belastenden Bürde.
Sich selbst als legitimiertes Opfer traumatischer Ereignisse zu positionieren, die das schwierige Gegenüber verursacht hat, verleiht dem Schutzbedürfnis Geltung, und daher wird das, was wir mit dem Begriff traumatische Vertrauensbrüche bezeichnen, zu einem Hindernis für elterliche Kooperation. Eine Verletzung erlitten zu haben und keine Gelegenheit zu Versöhnung und Vergebung zu bekommen, erschwert einen Positionswechsel, da dieser die Gefahr mit sich brächte, frühere Verletzungen zu delegitimieren und das Recht zu verlieren, als berechtigtes Opfer an der eigenen Verletzung festzuhalten (Elizabeth, 2019). Zudem erschweren traumatische Vertrauensbrüche den Wiederaufbau von Vertrauen. Francia et al. (2019) stellten in einer systematischen Übersicht zu hochstrittigen Eltern fest, dass in diesen Co-Parenting-Beziehungen tiefgreifendes Misstrauen offenkundig ist. Holiday (1988) hält fest, dass ein gewisses Maß an Vertrauen als moralische Bedingung vorhanden sein muss, um kommunizieren zu können.
Unsere Studie zeigt, dass Eltern sich in ihrer Fähigkeit unterscheiden, „Positionierungsmacht“ zu erlangen und familiäre Umstände auszuhandeln, und dass ihre Verletzlichkeiten infolge langanhaltender Konflikte oft auseinandergehen. Manche Eltern sind in Bezug auf ihr Kind ungleich positioniert, und ihr Repertoire an Positionierungsmacht wird von ihrer jeweiligen Beziehung zum Kind beeinflusst (Dallos & Vetere, 2012); so kann etwa ein Elternteil im Vorteil sein, weil er mehr Zugang zu den Kindern hat als der andere. Indem er mehr Zeit mit dem Kind verbringt, kann der „gestärkte“ Elternteil eine Position als „einzige legitime Vertretung des Kindes“ oder als „kundiger/sachverständiger Elternteil“ einnehmen, gegenüber dem „isolierten/unkundigen“ Elternteil (Jevne, 2017). Dieses Hindernis der positionellen Machtungleichheit steht im Einklang mit den moralischen Bedingungen von Gerechtigkeit, die vorhanden sein müssen, um kommunizieren zu können (Holiday (1988): Wenn wir verlangen, gehört zu werden, müssen wir das Recht des Gegenübers anerkennen, gehört zu werden. Daher behauptet Holiday (1988) auch, dass die Konventionen einer Sprache durch gemeinsame Achtung sozialer Verfahren etabliert werden müssen; sie können nicht durch Zwang oder Macht etabliert werden. Asymmetrische und konflikthafte Elternbeziehungen können dazu führen, dass ein entmachteter Elternteil stärker vom anderen abhängig ist. Der entmachtete Elternteil kann sich unter Druck gesetzt fühlen, sich zu unterwerfen, verbunden mit fehlendem Vertrauen. Als ungleich entmachtet zu sein, sich missachtet zu fühlen und sich nicht neu positionieren zu können, kann Wut und Groll schüren, die die Konfliktdynamik entfachen (Elizabeth, 2019).
Manchen Erzählsträngen wohnt eine Ambiguität der Co-Parenting-Interessen inne, die zu einem Hindernis für kooperatives Co-Parenting wird. Manche Eltern (d. h. im Erzählstrang von Brian und Karen) äußern den Wunsch, vor der Einmischung des schwierigen Gegenübers geschützt zu werden, und wünschen sich zugleich, über die Haushalte hinweg in gemeinsame Entscheidungen über die Kinder einbezogen und daran beteiligt zu werden. So empfinden Eltern es als belastend, vom anderen Elternteil widersprüchliche Botschaften zu erhalten, mit dem Wunsch, in Ruhe gelassen und zugleich einbezogen zu werden. Dieser Umstand kann ein „schwieriges Paradox“ oder eine „Doppelbindung“ (double bind) erzeugen, die Kommunikation erschwert (Cronen et al., 1982). Bateson (2000) argumentiert, dass Kommunikation Reflexivität über zwei Bedeutungsebenen beinhaltet: eine "Beziehungs"- und eine "Inhalts"ebene, und dass ein Paradox entsteht, wenn die beiden Ebenen „verwechselt“ werden. So kann ich als Elternteil widersprüchliche Botschaften des Gegenübers als verwirrend erleben: Bedeuten sie, dass es einbezogen werden möchte (mit der Metabotschaft der Kooperation) oder dass es in Ruhe gelassen werden möchte (mit der Metabotschaft des Rückzugs)? Die erste Deutung der Botschaft birgt das Risiko, der Übergriffigkeit bezichtigt zu werden, die zweite das Risiko, der Sabotage gemeinsamer Entscheidungen bezichtigt zu werden. Cronen et al. (1982, S. 18) argumentieren, dass Doppelbindungen (oder „paradoxe Schleifen“ im Vokabular der Verfassenden) nur dann problematisch werden, wenn Menschen (und ihren Systemen) bestimmte stabile Auffassungen fehlen, „von denen aus sich die Dilemmata der Deutung und des Handelns prüfen und bearbeiten lassen“. Wenn Eltern also Teil von Konfliktmustern sind, in denen jede Handlung, die „das schwierige Gegenüber“ einbezieht, den Konflikt verstärken kann, bleibt es eine Doppelbindung, solange sie im Rahmen eines Problems zwischen den Eltern verstanden wird. Familientherapeutische Fachkräfte müssen die festgefahrene Positionierung nicht kooperierender Eltern erkennen (siehe Tabelle 2). Eine familientherapeutische Fachkraft kann Eltern durchaus die Vergeblichkeit von Übergriffigkeit aufzeigen, wenn sie versuchen, „über die Mauer zu spähen“ oder sie „einzureißen“, nur um festzustellen, dass der andere Elternteil die Mauer weiter verstärkt, und wie dies Teil eines Konfliktkreislaufs ist (Cottyn, 2009). Wir vertreten die Auffassung, dass eine „Lösung“ einen Wandel zweiter Ordnung in der Bedeutungsbildung erfordert (Watzlawick et al., 1974). Ein Wandel zweiter Ordnung tritt ein, wenn es eine qualitative Veränderung in der Funktionsweise des Familiensystems gibt oder eine Verschiebung des Rahmens, durch die sich das Regelwerk selbst ändert, das die Struktur dieses Systems bestimmt, zum Beispiel durch ein Reframing dessen, „wie man ein Problem versteht“. Statt zu versuchen, die Kooperationsfähigkeit der Eltern zu steigern, könnte das Ziel darin bestehen, grundlegend zu verändern, was es bedeutet, als Familie mit zwei Haushalten zu funktionieren. Aus klinischer Sicht könnte die Therapie mit jedem Haushalt getrennt arbeiten, um ihm zu helfen, neu zu definieren, was ein anpassungsfähiger und resilienter getrennter Haushalt ist (Stokkebekk et al., 2019). So umgedeutet, könnte familiärer Konflikt als psychosoziale Bedrohung (Risiko) für das Funktionieren einer Familie mit zwei Haushalten verstanden werden statt als dyadisches Problem zwischen den Eltern, das gelöst werden muss. Das Risiko aus langanhaltendem Konflikt als „chronische psychosoziale Bedrohung“ neu zu definieren, legt den Schwerpunkt von Bedeutungsbildung und Bewältigung auf jeden einzelnen Haushalt (z. B. die Resilienz von Kindern und Familie).
Unsere Studie deutet darauf hin, dass Eltern in langanhaltenden Konflikten der Zugang zu einem Erzählstrang kooperativen Co-Parentings verschlossen ist. Folglich gibt es keine verfügbaren Positionen der Kooperation, die sie einnehmen könnten. Kooperation erfordert zweifellos die Bereitschaft, auf das Gegenüber Einfluss zu nehmen und sich von ihm beeinflussen zu lassen. Wir vertreten daher die Auffassung, dass die vorrangige Pflicht von Eltern nicht das Co-Parenting ist. Die Pflicht der Eltern besteht vielmehr schlicht darin, Elternschaft auszuüben. Dieser Ansatz folgt dem Argument, dass die elterliche Pflicht zu geben und der Anspruch von Kindern, liebevolle Fürsorge zu erhalten, hervorgehoben werden müssen (Sclater & Piper, 2019). Die Pflicht der Elternschaft anzuerkennen, bedeutet folglich auch, eine autonome Elternschaft in beiden Haushalten anzuerkennen. Dementsprechend ist es eine wichtige Voraussetzung, um die Konfliktdynamik nicht weiter anzuheizen, zu akzeptieren, dass man nicht in die Erziehungspraxis des anderen Elternteils oder in das Familienleben des jeweils anderen Haushalts eingreifen kann. In Fällen, in denen Kinder von Misshandlung und Vernachlässigung bedroht sind, sollten die zuständigen Behörden (z. B. das Jugendamt) zur weiteren Abklärung informiert werden.
Man könnte argumentieren, dass in der Familientherapie ein Diskurs des kooperativen Co-Parentings vorherrscht, in dem die Bildung eines Co-Parenting-Teams als allgemeine Voraussetzung für eine gelingende Anpassung der getrennten Familie vorausgesetzt wird (Sclater & Piper, 2019). Indem sie das Ideal des kooperativen Co-Parentings fördern, laufen Fachkräfte daher Gefahr, gegenüber getrennten Familien in langanhaltenden Konflikten eine kolonisierende Position einzunehmen (Rober & Seltzer, 2010). Eine kolonisierende Position einzunehmen bedeutet, die eigene Macht als Fachkraft zu nutzen, um Konzepte einzuführen, die den Gepflogenheiten, Ressourcen und Fähigkeiten der Familie fremd sind oder ihnen nicht gerecht werden (Rober & Seltzer, 2010). Die Förderung kooperativen Engagements kann den Konflikt weiter vertiefen und so zu einer Lösung werden, die das Problem verursacht (Watzlawick et al., 1967). Eine Alternative zum kooperativen Co-Parenting ist ein „konfliktgesteuertes“ und resilienzorientiertes Modell paralleler Elternschaft, das die Koexistenz zweier selbstbestimmter und autonomer Haushalte anerkennt (Amato et al., 2011). Parallele Elternschaft beinhaltet einen entkoppelten Stil des Co-Parentings, der für das Risiko einer Konflikteskalation zwischen zerstrittenen Eltern sensibel ist und ihm proaktiv begegnet. Im Gegensatz zum kooperativen Co-Parenting umfasst parallele Elternschaft nicht den erwarteten Anspruch, in die laufenden Angelegenheiten des anderen Haushalts einbezogen zu werden. Jeder Elternteil übernimmt Verantwortung für die eigene Erziehungspraxis und die eigene Beziehung zum Kind, ohne den anderen Elternteil zu konsultieren oder einzubeziehen. So wird die Kommunikation zwischen den Eltern auf ein Minimum beschränkt. Gelingende parallele Elternschaft erfordert eine klare, detaillierte Elternvereinbarung, die aktuell ist und regelmäßig überprüft wird. Neben den rechtlichen Verantwortlichkeiten der Eltern und den Sorge- und Umgangsregelungen sollten die Vereinbarungen auch einen angemessenen, kindbezogenen Informationsaustausch festlegen (nur angemessene, kindbezogene Inhalte und die gewählte Form: E-Mail, SMS, Telefon), mit Regelungen, die den Kontakt festlegen und bestimmen, dass gemeinsame Entscheidungen getroffen werden, wenn sie erforderlich sind. Eltern könnten sich zum Beispiel über medizinische Behandlungen uneinig sein; ein Elternteil könnte den Reisepass eines Kindes zurückhalten, oder die Eltern könnten sich über die Schulwahl für das Kind uneinig sein, und so weiter. Die Vereinbarungen sollten auch festlegen, wie und wann Eltern Fragen mithilfe Dritter klären sollen. In manchen Fällen umfasst dies Mediation, eine Elternkoordination oder rechtliche Verfahren. Wir empfehlen familientherapeutischen Fachkräften, von Eltern vor der Aufnahme einen angemessenen und aktuellen Elternplan zu verlangen.
Ein Modell paralleler Elternschaft, das sich an einem Rahmen kindlicher und familiärer Resilienz orientiert, könnte für familientherapeutische Fachkräfte eine vielversprechende Neuausrichtung in der Unterstützung dieser Familien sein (Walsh, 2016). Die Einbeziehung des Kindes (McIntosh & Chisholm, 2008) in die Familientherapie könnte die Bewältigungsfähigkeit des Kindes stärken, und parallele Interventionen in jedem Haushalt könnten die Qualität der Elternschaft und der Eltern-Kind-Beziehungen fördern (Sandler et al., 2017). Wir schlagen vor, dass familientherapeutische Fachkräfte den Fokus von der Lösung von Problemen in der Co-Parenting-Beziehung darauf verlagern, jeden Elternteil in einem langanhaltenden Konflikt dabei zu unterstützen, das Risiko abzufedern und die Resilienz des eigenen Kindes zu fördern. Dieser Ansatz steht im Einklang mit Forschung, die darauf hinweist, dass Beziehungen zwischen Eltern und Jugendlichen nicht beeinträchtigt sein müssen, wenn geschiedene Eltern ein konflikthaftes Co-Parenting praktizieren, und dass die Empfehlung alternativer Formen des Co-Parentings (z. B. parallel) den Bedürfnissen von Eltern und Jugendlichen besser gerecht werden könnte (Beckmeyer et al., 2019). Kelly (2007) argumentiert, dass Kinder bei Eltern, die konfliktfreie parallele Elternschaft praktizieren, offenbar gut gedeihen, wenn sie in beiden Zuhause angemessen versorgt werden und klar formulierte Elternvereinbarungen bestehen.
Eine Bewertung der Stärken und Grenzen einer qualitativen Studie sollte im Kontext der angewandten relevanten Validitätsverfahren erfolgen. Die Studie wandte Validitätsverfahren an, wie sie Creswell und Miller (2000, S. 126) vorschlagen, die zu den Annahmen des konstruktivistischen Paradigmas des Forschungsteams passten. Erstens bietet die dichte, reichhaltige Beschreibung aus der dyadischen Analyse von fünf parallelen Erzählsträngen reichlich Gelegenheit, die Komplexität aufzuzeigen und die (augenscheinliche) Glaubwürdigkeit der dargestellten Ergebnisse zu beurteilen. Zweitens kann der Hintergrund des Erstautors als erfahrener Familientherapeut mit einem langjährigen Engagement im Untersuchungsfeld durch wichtige Einsichten zur Glaubwürdigkeit beitragen. Solche therapeutischen Vorannahmen könnten jedoch auch den Blick auf das Phänomen „trüben“ und neue Perspektiven einschränken, was bei einem explorativen Forschungsdesign entscheidend ist. Um die Qualität des explorativen Forschungsprozesses zu verbessern, wurden daher Anstrengungen unternommen, das Bewusstsein für mögliche Vorannahmen und alternative Konstruktionen zu schärfen. So wurde die Entwicklung analytischer Themen und Ergebnisse von Mitverfassenden mit unterschiedlichem beruflichem Hintergrund sowie von einer angegliederten interdisziplinären Forschungsgruppe kritisch geprüft und hinterfragt. Schließlich wurde nach widersprechender Evidenz gesucht, indem alternative Erzählstränge und Ergebnisse dargestellt wurden (z. B. Marys Erzählstrang).
Für künftige Forschung wäre es interessant zu untersuchen, wie Eltern, die in Konflikte verstrickt sind, ihre Kinder positionieren, um mehr darüber zu erfahren, wie ihre Selbstpositionierung als Eltern mit ihrem Verständnis der Kinder zusammenhängt.
Complexe Systémique: Kernpunkte
Die Studie bezieht ihre Stärke aus ihrem Design: Beide Mitglieder jedes Elternpaares werden getrennt angehört, und ihre Berichte werden nebeneinander gelesen. Auf jeder Seite nimmt „das schwierige Gegenüber“ Gestalt an und mit ihm eine Position des Selbst als guter Elternteil, als Opfer oder als ausgebremster Elternteil. Systemisch gesprochen entdeckt das Team die Doppelbindung wieder: Jeder Versuch, auf den anderen Haushalt einzuwirken, verstärkt die Mauer, die er zu überwinden sucht, und das professionelle Beharren auf Kooperation wird zu einer Lösung, die das Problem aufrechterhält. Der Vorschlag ist ein Wandel zweiter Ordnung: den Konflikt nicht länger als zu lösendes Problem des Elternpaares zu behandeln, sondern ihn als chronische Bedrohung umzudeuten, die jeder Haushalt abzufedern lernt, mit einer parallelen Elternschaft, die durch einen präzisen Plan gerahmt ist. Ein Vorbehalt ist wesentlich: nur fünf Paare und Gewaltberichte, die eine Lektüre im Sinne der Positionierung nicht beurteilen kann; der Artikel selbst erinnert daran, dass das Misshandlungsrisiko Sache anderer Stellen ist. Zu lesen zusammen mit dem Artikel über die sozialen Beziehungen in hochstrittigen Scheidungsfällen und dem Artikel über die Unterstützung von Co-Parenting.
Anmerkungen aus dem Original
Förderung. Diese Studie wird vom Office for Children, Youth and Family Affairs (Bufetat), Norwegen, finanziert.
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Inoffizielle deutsche Übersetzung von “The troublesome other and I”: Parallel stories of separated parents in prolonged conflicts von Jan Stokkebekk, Anette Iversen, Ragnhild Hollekim und Ottar Ness, Journal of Marital and Family Therapy, Bd. 47, Nr. 1 (2021), doi: 10.1111/jmft.12474, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzung und Satz: Complexe Systémique, Oktober 2026, mit Unterstützung künstlicher Intelligenz; das Werk wurde im Sinne der Lizenz bearbeitet (Tabellen als Listen wiedergegeben). Weder die Verfassenden noch der Verlag sind für diese Übersetzung verantwortlich; maßgeblich ist die Originalfassung.
Dies ist der Originalartikel „“The troublesome other and I”: Parallel stories of separated parents in prolonged conflicts“, erschienen in Journal of Marital and Family Therapy (2021) unter der Lizenz CC BY 4.0. Inoffizielle deutsche Übersetzung von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz, wie am Anfang dieser Seite angegeben; maßgeblich ist die Originalfassung.
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Stokkebekk, J., Iversen, A., Hollekim, R., und Ness, O. (2021). “The troublesome other and I”: Parallel stories of separated parents in prolonged conflicts. Complexe Systémique. https://app.complexe-systemique.com/en_GB/articles/the-troublesome-other-and-i-parallel-stories-of-separated-parents-in-prolonged-conflicts (Originalwerk 2021 erschienen in Journal of Marital and Family Therapy, 47(1), 52-68 (2021); 2021 erneut veröffentlicht von Journal of Marital and Family Therapy, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/jmft.12474)
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