KI-gestützte Übersetzung

Diese Fassung wurde von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz aus dem Englischen übersetzt. Im Zweifelsfall ist die Originalfassung maßgeblich.

Journal of Solution Focused Practices · Fallstudie

Den Unglauben aussetzen – Lösungsfokussierte Praxis mit jungen Menschen in psychischen Krisen

„Aber kann man lösungsfokussierte Praxis auch in einer Krise einsetzen?“ Zwei britische Fachkräfte der Sozialen Arbeit, in diesem Ansatz ausgebildet und akkreditiert, antworten mit zwei anonymisierten Berichten, verfasst in der Sprache dienstlicher Dokumentation: ein Spaziergang über ein Feld mit Jerry, fünfzehn, nach der Einnahme von Schlaftabletten mit Alkohol und nach eigener Aussage auf der Risikoskala bei 10; und die gesetzlich vorgeschriebene Begutachtung von Yasmin, die nach dem Mental Health Act 72 Stunden lang auf einer internistischen Station festgehalten wird und noch am selben Abend mit einem Sicherheitsplan, den sie lachend selbst beschrieben hat, zu ihrer Tante nach Hause geht. Dazwischen eine These: Lösungsfokussierte Praxis ist ein sehr praktischer Weg, die antiunterdrückenden Werte der Sozialen Arbeit umzusetzen, und beharrliche Hoffnung ist Teil der Risikoeinschätzung.

Verfassende Nick Perry (University of Brighton) und Luke Goldie-McSorley (North East London NHS Foundation Trust), Fachkräfte der Sozialen ArbeitErstveröffentlichung Journal of Solution Focused Practices, Bd. 8, Nr. 2, 2024Übersetzung Complexe Systémique, inoffizielle KI-gestützte Übersetzung

Inoffizielle deutsche Übersetzung des Artikels Suspending Disbelief – Using Solution Focused Practice With Young People in Mental Health Crisis von Nick Perry und Luke Goldie-McSorley, erschienen in Journal of Solution Focused Practices (2024), doi: 10.59874/001c.125023, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique im Oktober 2026 mit Unterstützung künstlicher Intelligenz: Der Originaltext wurde ins Deutsche übersetzt und neu gesetzt, was eine Bearbeitung des Werks im Sinne der Lizenz darstellt. Die beiden dienstlichen Berichte sind in Kästen gesetzt; eckige Klammern in den Berichten stammen von den Verfassenden. Kästen mit der Überschrift „Complexe Systémique“ stammen von uns, nicht von den Verfassenden. Diese Übersetzung stammt weder von den Verfassenden noch vom Verlag, die weder für ihren Inhalt noch für etwaige Fehler verantwortlich sind. Maßgeblich ist die Originalfassung.

Zusammenfassung

Dieser Artikel ist ein reflektierender Bericht zweier staatlich registrierter Sozialarbeiter, die umfangreiche Weiterbildungen und Akkreditierungen in lösungsfokussierter Praxis (SFP, nach dem englischen Solution Focused Practice) absolviert, ihr Wissen in der Frontarbeit ihrer jeweiligen Arbeitsfelder vertieft und Fortbildungen zur Anwendung der SFP in verschiedenen beruflichen Kontexten gegeben haben. Der Artikel versucht, der Skepsis mancher Teilnehmender dieser Fortbildungen zu begegnen, ob SFP in der Arbeit mit jungen Menschen in psychischen Krisen hilfreich sein kann.

Die beiden anonymisierten Fallstudien sollen zeigen, wie ein lösungsfokussierter Ansatz in zwei sehr unterschiedlichen Settings eine erfolgreiche sozialarbeiterische Intervention ermöglichen, die Risikoeinschätzung und antirassistische Praxis unterstützen, Sicherheit erhöhen und gemeinsam herstellen sowie der Stimme und Handlungsfähigkeit junger Menschen in Momenten größter Belastung und Verletzlichkeit Vorrang geben kann. Die Fallstudien sind recht unterschiedlich geschrieben, entsprechend den verschiedenen gesetzlichen Systemen und ihren Dokumentationsanforderungen.

Schlüsselwörter: lösungsfokussierte Praxis, junge Menschen, psychische Gesundheit, Krise, Soziale Arbeit, antirassistische Praxis, antiunterdrückende Praxis.

Lösungsfokussierte Praxis im britischen Kontext

Wer, wie wir, von lösungsfokussierter Praxis (SFP) überzeugt ist und sie lehrt, schätzt ihre Flexibilität: Der Ansatz lässt sich in vielfältigen Settings und bei vielfältigen Anliegen anwenden – in Einzel- und Familientherapie, im Coaching, im Mentoring, in der Supervision verschiedener Disziplinen (George et al., 2011, 2012, 2013), in pflegerischen Umgebungen (Ferraz & Wellman, 2008) und in spezialisierten Gesundheitsleistungen wie der Sprachtherapie (Burns & Northcott, 2022).

Obwohl es in den Jahren nach dem Munro Review (Munro, 2011; Turnell & Edwards, 1999) deutliche Hinweise auf den Nutzen des Ansatzes gab, ist seine Verbreitung im Vereinigten Königreich – in der Sozialen Arbeit mit Kindern wie mit Erwachsenen – weder systematisch noch flächendeckend erfolgt.

Es gibt Beispiele dafür, dass ein ganzer Dienst SFP nutzt: Der Divisional Based Intervention (DBIT) Service der Kinder- und Jugendhilfe des Essex County Council hat zum Beispiel in den vergangenen 10 Jahren ein Modell lösungsfokussierter Praxis entwickelt, das sich problemlos in die Kontexte von Sozialer Arbeit, Risikomanagement und Familienintervention einfügt.

Es gibt Beispiele für Teile von Diensten, die von Organisationen des Dritten Sektors mit einem lösungsfokussierten Modell betrieben werden – so hilft etwa Learning Space gemeinsam mit anderen gemeinnützigen Organisationen seit 2021, eine lösungsfokussierte Triage für das CAMHS in Surrey anzubieten (www.learningspace.org.uk).

Es gibt randomisierte kontrollierte Studien wie die SASH-Studie (www.sashstudy.co.uk), die Fachkräfte der psychischen Gesundheitsversorgung – darunter durchaus auch Sozialarbeitende – in der Anwendung von SFP bei jungen Menschen schulen, die sich wegen Selbstverletzung und/oder suizidaler Gedanken und Verhaltensweisen in Notaufnahmen vorstellen.

Auch wenn es nicht speziell um Soziale Arbeit geht, hat die walisische Regierung auf den Nutzen von SFP in der Primärversorgung und in schulpsychologischen Diensten hingewiesen (Welsh Government, 2011, 2016).

Die lösungsfokussierte Praxis im Vereinigten Königreich hat wertvolle und kontinuierliche Beiträge von Fachleuten mit sozialarbeiterischer Ausbildung erhalten. Die Arbeit von BRIEF (George et al., 2012, 2013) entwickelte das Modell weiter, das das Team aus erster Hand bei den amerikanischen Begründenden der SFP kennengelernt hatte: Steve de Shazer und Insoo Kim Berg (de Shazer et al., 1986).

Dennoch haben die Autoren – die beide derzeit als registrierte Sozialarbeiter tätig sind (im CAMHS bzw. in der Erwachsenenpsychiatrie) – den Erwerb von Qualifikationen und Akkreditierungen in lösungsfokussierter Praxis und die anschließende Anwendung des Gelernten als etwas erlebt, das am Rand der etablierten sozialarbeiterischen Praxis steht.

Nirgends war dies deutlicher spürbar als in der Arbeit mit jungen Menschen in psychischen Krisen, die für diesen Artikel so definiert werden, wie MIND es tut: „wenn du das Gefühl hast, am Ende zu sein, und dringend Hilfe brauchst“ (MIND, 2020).

Lösungsfokussierte Praxis und die Ausbildungsprogramme der Sozialen Arbeit

Vielleicht ist das Fehlen der SFP in der sozialarbeiterischen Ausbildung und in den gängigen Praxisleitlinien im Vereinigten Königreich nachvollziehbar vor dem kulturellen Hintergrund einer langjährigen Unterfinanzierung der Dienste und eines zunehmenden Managerialismus, durch den die Soziale Arbeit eher technisch als beziehungsorientiert geworden ist (Ingram & Smith, 2018).

Chronische Schwierigkeiten bei der Gewinnung und Bindung von Personal sowie die Konzentration auf Risikomanagement und Schutzaufgaben (Glover-Thomas, 2011) – Prozesse, die ihrerseits auf problemfokussierter Informationssammlung beruhen – haben zu einer Sozialen Arbeit beigetragen, die auf (das Management von) Probleme(n) ausgerichtet ist. In der psychiatrischen Versorgung verstärkt die Vorherrschaft des medizinischen Modells von Behinderung (Szasz, 1956) dies noch.

In Teams der Kinder- und Jugendhilfe mag es noch Vorbehalte gegenüber lösungsfokussierter Praxis geben, weil sie auf Stärken, Fähigkeiten und die Expertise der Klientinnen und Klienten für sich selbst setzt (George et al., 2012, 2013). Dieses berufliche Umfeld ist seit den 1970er-Jahren von aufeinanderfolgenden Untersuchungen schwerwiegender Fälle (CQC, 2009) geprägt, die stärkenorientierte Ansätze kritisiert und sie fälschlich als Mitursachen des Scheiterns benannt haben (statt unzureichende Unterstützung, Supervision und Fortbildung zu benennen, die ein Nachdenken im Sinne sicherer Ungewissheit (Mason, 1993) und wirksamere reflexive Ansätze besser hätten fördern können).

Eine problemfokussierte Denkweise ist kulturell so akzeptiert, dass die Autoren in SFP-Fortbildungen bei vielen Gelegenheiten mit der Frage konfrontiert wurden: „Aber kann man lösungsfokussierte Praxis auch in einer Krise einsetzen?“

In der gesetzlich verankerten Sozialen Arbeit im Vereinigten Königreich mit all ihrer beruflichen Verletzlichkeit – dogmatischen und mechanistischen Ansätzen im Risikomanagement (Glover-Thomas, 2011), oft eingezwängt in die bürokratischen Abläufe der Kommunalverwaltung (Sheppard, 1995) – sollte ein vorherrschender Unglaube gegenüber SFP nicht sonderlich überraschen.

Sozialarbeitenden fällt es möglicherweise viel leichter, diesen Ansatz etwa für Business-Coaching oder für die Arbeit in der Primärversorgung für tauglich zu halten. Vielleicht liegt eine Schwäche des Ansatzes in seiner relativ schmalen (quantitativen) Evidenzbasis (Jerome et al., 2023), was erklären könnte, warum lösungsfokussierte Praxis im Vereinigten Königreich kein zentraler Bestandteil der sozialarbeiterischen Ausbildung geworden ist, obwohl sie ein sehr praktischer Weg ist, antiunterdrückende Werte der Sozialen Arbeit umzusetzen (Dominelli, 1998; Strier & Binyamin, 2013).

In Anlehnung an den berühmten Satz Sigmund Freuds, wie ihn Steve de Shazer aufgegriffen hat (de Shazer, 1994), möchten wir etwas vom Zauber unserer Worte und Geschichten teilen, um bei Sozialarbeitenden Appetit auf lösungsfokussierte Fragen zu wecken – insbesondere mit jungen Menschen, aber auch über alle Altersgruppen hinweg, wenn Menschen und ihre Familien eine psychische Krise durchleben. Wir bieten dies nicht nur an, weil es Fachkräften wie Hilfesuchenden in einem gesetzlichen Umfeld, das sich oft ziemlich hoffnungslos anfühlt, einen Hoffnungsschimmer geben könnte, sondern auch, weil es funktioniert.

Gemeinsamkeiten von lösungsfokussierter Praxis und antiunterdrückender Praxis

SFP-Gespräche sind Übungen in achtsamer Sprache. SFP-Kompetenzen bestehen darin, Fragen mit den Worten zu bauen, die das Gegenüber selbst verwendet. Das erfordert Übung, und gute Fortbildung ist fast immer erfahrungsbasiert. Wenn SFP-Fragen gut gestellt werden, kann der Ansatz leicht wirken und tut es auch; den Menschen, mit denen gearbeitet wird, gefällt er oft; und er kann ein Weg sein, antirassistische Praxis zu unterstützen (Lee, 2003).

Ein Gespräch über die größten Hoffnungen einer Person führt zu einer umfassenden und detaillierten Vorstellung des Lebens, das sie gern führen würde und in dem die benannten Schwierigkeiten – oder die Krise – nicht mehr vorhanden sind (wobei zugleich die vorausgegangenen Herausforderungen gewürdigt werden – Connie & Froerer, 2023).

In der lösungsfokussierten Praxis besteht die feste Absicht, keine Fragen zu der Arbeit zu stellen, die nötig ist, um die bevorzugte Zukunft der Person zu verwirklichen; Aufgabe der Fachkraft ist es vielmehr, viele Fragen zur vorgestellten Wirklichkeit ihres Lebens zu stellen, wenn ihre größten Hoffnungen gelebt werden.

Hier zeigt der Ansatz seine Verbindung zur systemischen Praxis und seine Wurzeln in ihr: durch die detaillierte Beschreibung von Interaktionen zwischen den wichtigen Menschen (an den zentralen Orten) im Leben der Person, durch die Nutzung der Perspektiven anderer Personen (Lee, 2003; Tomm et al., 2001) und durch die Anerkennung unterschiedlicher beobachtbarer Verhaltensweisen – all das liefert Informationen über die Person als die Version ihrer selbst, die ein Leben führt, in dem sich ihre größten Hoffnungen erfüllt haben.

Hier eignet sich der Ansatz auch gut für die Begutachtungsanforderungen gesetzlicher Stellen, und Fachkräfte können „neue“ Informationen über die Geschichte der Fähigkeiten der Person gewinnen, statt sich auf die Geschichte der Defizite zu konzentrieren, die häufig den Inhalt von Überweisungsunterlagen bildet. Wie George et al (2012) beschrieben haben, ergibt sich die Möglichkeit einer Doppelspur: gesetzliche Aufgaben und Verantwortlichkeiten wahrnehmen und zugleich lösungsfokussierte Fragen stellen, die sich am Ende für die Person als nützlich erweisen.

Der SFP-Ansatz ist zugänglich und flexibel und kann, wie Guy Shennan (2014) beschrieben hat, – wo der Wille dazu besteht – „opportunistisch“ eingesetzt werden. Das heißt, bestimmte Fragen (etwa Skalierungsfragen) können eine Intervention unterstützen, ohne die klassische Struktur eines SFP-Gesprächs zu verlangen.

Wenn Sozialarbeitende eine Fortbildung in lösungsfokussierter Praxis erhalten, beginnen sie, ein praktisches Verständnis von Absicht und Struktur zu entwickeln, und stellen fest, dass ihre Praxis die Grundannahmen verkörpert, aus denen SFP-Fragen entstehen. Nach Ansicht der Autoren handelt es sich um eine berufliche Akkulturation mit Ähnlichkeiten zur antiunterdrückenden Sozialen Arbeit (Dominelli, 1998; Hugman, 2003). Die Person, mit der gearbeitet wird, steht (als Fachperson für sich selbst) im Mittelpunkt der Intervention; Sprache wird sorgfältig eingesetzt und fördert die Handlungsfähigkeit der Person; und wenn Sozialarbeitende SFP achtsam einsetzen, kann ein Bewusstsein für strukturelle Ungleichheit und für Diskriminierungserfahrungen schon in die Art und Weise eingebaut sein, wie stärkenorientierte Fragen gestellt werden.

Selbst wenn man nur 10 Minuten Zeit hat, um mit jemandem zu sprechen, bleibt daher eine wichtige Gelegenheit, Fragen zu stellen, die von den Grundannahmen der SFP durchdrungen sind: Fragen, die zum Nachdenken darüber einladen, wie das Leben morgen aussehen könnte (wenn es so besser wäre, wie die Person es sich wünscht), die Informationen darüber hervorlocken, wie jemand Elemente dieses vorgestellten Lebens bereits gelebt hat, oder die einfach Bewunderung dafür zeigen, wie jemand die gegenwärtigen Umstände überstanden hat, fest entschlossen, an der Möglichkeit einer besseren Zukunft festzuhalten.

Ausgehend von unseren sozialarbeiterischen Werten und unseren SFP-Grundannahmen sind die Autoren selbstverständlich der Ansicht, dass Menschen in Krisen die Chance auf eine bessere Zukunft nicht weniger verdienen als alle anderen.

Wir räumen ein, dass Krisensituationen beunruhigend und komplex sind. Doch wir sind fest davon überzeugt, dass die Menschen, mit denen wir arbeiten, und ihre Familien eine Fülle von Informationen über ihre eigenen Fähigkeiten mitzuteilen haben und darüber, wie das Leben jenseits der Krise aussehen könnte, die sie gerade durchleben.

Der SFP-Ansatz – eingebettet in kraftvolle, veränderungsorientierte und personzentrierte Grundannahmen (Goldie-McSorley, 2020) – stellt Fragen, die die Aufmerksamkeit der Person darauf lenken, gemeinsam neue Gedanken und „Erinnerungen“ daran zu konstruieren, wie das Leben jenseits der gegenwärtigen Krise aussehen könnte. Diese Fragen erfordern keine nennenswerte Vorlaufzeit oder Vorbereitung; man kann damit beginnen, ganz gleich, wie viel Zeit zur Verfügung steht. SFP ist ein Ansatz, der einer Person helfen kann, die „am Ende“ ist, und der zu mehr Sicherheit führen kann, zusammen mit einer Bewegung hin zu ihren „größten Hoffnungen“.

Der SFP-Ansatz fördert das Vorhandensein von Sicherheit und Gelingen durch beharrliches, konstruktives Zuhören (wie es Eve Lipchik in de Shazer et al., 1986, vertritt). Wer mit konstruktivem Ohr zuhört, stellt Fragen, die die Anerkennung von Fähigkeiten ebenso fördern wie die bevorzugten Ergebnisse der Person (und ihres professionellen Netzwerks). Durch Zusammenarbeit kann er festgestellte Risiken verringern. In der Krise bezieht er die Menschen aktiv in die gemeinsame Herstellung ihrer eigenen Sicherheit ein. Unsere eigene größte Hoffnung ist, dass die aufgenommenen Praxisbeispiele dafür einen belastbaren Beleg liefern.

Methoden der Praxis

Diese anonymisierten Praxisbeispiele, die zum Schutz der Identität der betroffenen Klientinnen und Klienten sowie Fachkräfte angepasst wurden, sind in der Sprache dienstlicher Interventionen gehalten. Die Texte unterscheiden sich deutlich voneinander – einer ist in der ersten Person geschrieben, der andere in der dritten. Das erste Szenario ist die Dokumentation eines aufsuchenden Unterstützungsbesuchs bei einem suizidalen jungen Menschen. Das zweite dokumentiert die Prüfung nach s13 (Mental Health Act 1983), die mit einem jungen Menschen durchgeführt wurde, der in ein Allgemeinkrankenhaus aufgenommen worden war. Da die Dokumentationen ein dienstliches Format haben und kaum Erläuterungen zu den Interventionsentscheidungen enthalten, haben die Autoren jeweils im Anschluss eine Reflexion ergänzt, um das SFP-Denken herauszuarbeiten und die verwendeten Fragen aufzuschlüsseln.

Anonymisierter Bericht über einen Besuch bei einer von Edge of Care Services begleiteten Familie, durchgeführt von Luke

Besuchsdokumentation (Luke)

Wie geplant kam ich bei der Familie zu Hause an, wo ich die Mutter traf; sie begrüßte mich und brachte mich bei einigen Dingen auf den neuesten Stand, bevor Jerry (15, Pronomen: they/their) nach unten kam. Jerry meinte, es wäre hilfreich, einen Spaziergang zu machen und dabei zu reden: Es sei etwas mit der früheren Beziehungsperson vorgefallen.

Beim Gehen sagte Jerry, alles sei „scheiße“. Im Gespräch darüber, wie Jerry durchgehalten und nicht aufgegeben habe, fielen Andeutungen über „etwas tun“ oder „handeln“, doch es fühlte sich an, als [spräche Jerry] in Codes oder Rätseln.

Jerry wollte es mir nicht erzählen, wegen des Ärgers, den das verursachen würde; ich drängte nicht allzu sehr, stellte aber einige Fragen, erklärte meine Sorgen und fragte, ob wir weiterreden könnten.

Dann ließ Jerry mich wissen, Anfang der Woche Schlaftabletten mit Alkohol genommen zu haben, in der Hoffnung, einzuschlafen und nicht mehr aufzuwachen.

Auf dem Feld in der Nähe angekommen, stellte ich einige Skalierungsfragen zu Jerrys Stimmung und Suizidgedanken, wobei 10 für das höchste Risiko steht, sich das Leben zu nehmen, und 0 für den größten Abstand zu diesem Gefühl. Jerry erklärte, bei 10 zu sein; Jerry wollte tot sein und sprach über Wege, sich das Leben zu nehmen, entweder durch eine Überdosis oder durch Erhängen. Fast jeden Tag habe es Gedanken gegeben, sich zu erhängen, und Jerry wolle einfach nur, dass der Schmerz aufhört.

Jerry sprach darüber, was im eigenen Kopf vor sich geht, und machte unmissverständlich und wiederholt klar, sich nicht umstimmen lassen zu wollen; und trotzdem konnten wir unser Gespräch darüber fortsetzen, wie Jerry mit den Gefühlen rund um den Suizid zurechtkam und sie (bis dahin) überlebt hatte, und auch zum Nachdenken über Hoffnung einladen und über das Vertrauen, dass sich die Dinge verbessern und verändern können: hin zu einem Leben mit weniger Schmerz.

Jerry erzählte von einer kürzlich „beendeten“, wichtigen Beziehung. Jerry sprach davon, sich um [die frühere Beziehungsperson] gekümmert zu haben; wie oft diese Person vor dem Beginn der Beziehung hatte sterben wollen und wie das aufgehört hatte, und sagte: „Ich hab das gar nicht schlecht gemacht!“

Ich fragte nach dieser Mühe und Energie, danach, wie es Jerry [gelungen war], diese Person für den oder die Ex zu sein: was es über Jerry aussagte, so fürsorglich sein zu können, und woran Jerry sich aus der Beziehung gern erinnerte. Ich fragte nach der Kraft, die es gebraucht hatte, um dem Druck standzuhalten, einen nahestehenden Menschen zu stützen.

Jerry sagte, ein Leben ohne diesen Menschen sei nicht lebenswert, und es ergebe alles keinen Sinn. Und trotzdem fragte ich, mit Erlaubnis, eine nächste Frage: in Richtung eines Hoffnungsschimmers oder des Glaubens an ein lebenswertes Leben, ein Leben mit etwas weniger Schmerz.

Jerry sprach vom Kämpfen; davon, so lange gekämpft zu haben und [immer] für andere gekämpft zu haben, dass keine Kraft mehr zum Kämpfen da sei. Ich fragte, was es Jerry ermöglicht hatte, so lange zu kämpfen; wie dieser Kampf aufrechterhalten worden war. Ich fragte, was Jerry bemerken würde, wenn es gelänge, etwas Kraft zu sammeln, um gerade jetzt weiter für sich selbst zu kämpfen.

Jerry zog einen Vergleich: Wäre Jerry ein Tier, würde eine Tierarztpraxis es einschläfern. Jerry hatte geplant, für das ärztliche Personal eine Notiz zu hinterlassen, damit die eigenen Organe an jemanden gespendet würden, der sie braucht.

Ich fragte, was es über Jerry aussage, dass Jerry selbst beim Gedanken an den Tod darauf ausgerichtet war, jemand anderem zu helfen. Jerry sprach von der eigenen Fähigkeit, für andere zu sorgen und für andere sorgen zu wollen; das sei Jerry immer sehr wichtig gewesen. Jerry habe ein Talent dafür, zu sorgen und für jemanden dieser [wichtige] Mensch zu sein.

Jerry machte deutlich, nirgendwohin gebracht werden zu wollen – weder an einen sicheren Ort noch ins Krankenhaus noch sonst wohin –, und wieder ließ Jerry sich nicht umstimmen.

Jerry erwähnte Versuche, sich das Leben zu nehmen, Bitten um Aufnahme in Krankenhäuser, Anrufe bei Hotlines und Stellen, alles, um die nötige Hilfe zu bekommen. Ich fragte, was es nach Jerrys Ansicht aussage, dass Jerry erst gestern eine Stelle angerufen hatte, um mitzuteilen, wie es Jerry ging.

Ich fragte, was Jerry sich von dem Anruf erhofft hatte; und auch, was Jerry sich davon erhoffte, heute unseren Termin wahrzunehmen und mit mir auf dem Feld zu sprechen.

Jerry sagte, Hilfe zu wollen, aber nicht zu glauben, dass Hilfe möglich sei, und ich fragte erneut, was es Jerry über sich selbst sagen könnte, mit dieser Mitteilung an mich gewartet zu haben. Ich fragte, wie das kleinste Zeichen dafür aussehen könnte, dass Hilfe ankommt; und wenn diese Dinge zu geschehen begännen, was Jerry an sich selbst bemerken würde, das darauf aufmerksam machte?

Auf dem Rückweg zum Haus sagte Jerry, niemand könne etwas tun … Ich fragte, was für Jerry das kleinste Zeichen dafür sein könnte, dass die Hoffnung zurückkehrt, und Jerry sagte, das wisse Jerry nicht. Ich sagte, dass ich mir Sorgen um Jerry und um Jerrys Sicherheit machte und dass ich Hoffnung und Vertrauen hatte, dass Jerry weiterleben würde; also fragte [ich], was wir tun könnten, um Jerry etwas von der Hoffnung zu zeigen, die ich für Jerry hatte.

Wir sprachen kurz mit der Mutter, der ich (mit Rücksicht auf jüngere Kinder in der Nähe) behutsam meine Sorgen mitteilte, und ich lud sie ein zu sagen, was ihrer Meinung nach bei Jerry funktionieren würde oder früher funktioniert hatte und was nützlich sein oder einen Unterschied machen könnte.

Danach ließ Jerry mich wissen, es wäre hilfreich, weiterzureden und [sich von] mir ins Krankenhaus fahren zu lassen und während der Fahrt zu sprechen. Jerry tätigte den Anruf zusammen mit der Mutter, und wir machten uns auf den Weg.

Als wir am Krankenhaus ankamen, fragte ich weiter nach Zeichen und Beschreibungen dafür, dass sich das Leben wieder lebenswert anfühlt und dass etwas Hoffnung zurückkehrt. Und dann fragte ich: Was sagt Jerry, dass es vielleicht etwas Hoffnung gibt? Jerry antwortete, Hoffnung auf die Hilfe im Krankenhaus zu haben; die Hoffnung, wieder herauszukommen; etwas Hoffnung auf eine eigene Zukunft.

Reflexive Diskussion 1

Das Gespräch mit Jerry war eine Übung in beharrlicher Hoffnung gewesen: behutsam nach winzigen Zeichen dafür zu fragen, wie Hoffnung aussehen könnte, und darauf zu achten, die Handlungen wahrzunehmen, die Jerrys Motivation zur Zusammenarbeit und zum Leben belegten.

Viele Lesende dieses Protokolls mit SFP-Erfahrung haben vielleicht Gedanken und Fragen zu einem scheinbar ungewöhnlichen Umgang mit der Skala. Meist steht die Null für den schlimmstmöglichen Zustand und die 10 für das Eintreten des gewünschten Ergebnisses, also das bessere Ende der Skala. Der Grund für diese Anordnung der Skala lag in Jerrys Bedürfnissen. Genau in dem Moment, als der Praktiker die Skala einführte, entschied Jerry, dass die 10 für das höchste Risiko und die geringste Sicherheit stehen sollte: den Punkt, an dem Jerry sich wahrscheinlich das Leben nehmen würde. In dieser Richtung funktionierte es für Jerry, und auch wenn wir in anderen Gesprächen konventionellere lösungsfokussierte Skalen verwenden würden, passte diese gut zu Jerry. In Fortbildungen zu lösungsfokussierten Ansätzen hatten wir oft Gespräche, in denen im Kern anerkannt wurde, dass Skalen aller Art in Krisensituationen nützlich sein können, insbesondere im Kontext von Suizid und Selbstverletzung (Jerome et al., 2024). Diese Skalen mögen keine lösungsfokussierten Skalen sein, sind aber im Moment trotzdem nützlich und müssen einbezogen werden. Hier wich die Praxis vom „Regelwerk“ ab, entsprach aber in anderem Sinne dem Wesen der SFP und ihren flexiblen, von der Person geleiteten Wurzeln.

Der Weg und der Verlauf der Genesung seit dieser Sitzung waren geradezu bemerkenswert. Jerry hat die Gelegenheit ergriffen, begonnen, an der Hoffnung festzuhalten und „besser zurechtzukommen“. Jerry spricht begeistert über Zukunftspläne für die Ausbildung, darüber, eines Tages keine Unterstützungsdienste mehr zu brauchen, über Veränderungen der Stimmung, Veränderungen im sozialen Leben und über Hoffnung für sich selbst.

Luke hat später über das Gespräch nachgedacht: darüber, Jerry vertraut zu haben, Jerrys Wunsch vertraut zu haben, dass er da ist, und Jerrys Wunsch zu leben. Lukes beharrliche Hoffnung gehört aufgrund seines SFP-Ansatzes zur DNA seiner Praxis – seine Fragen und seine Entschlossenheit, die Menschen, die er begleitet, weiterhin nach Hoffnungen und Stärken zu fragen.

Luke hat, während Jerry sprach, zentrale SFP-Grundannahmen verkörpert: Er hat konstruktiv zugehört (de Shazer et al., 1986), er hat einen therapeutischen Raum – eine Blase – um sich und Jerry geschaffen, der das Gespräch geschützt und gestärkt hat; und er hat zu Gedanken über das Leben und über eine Lebensweise eingeladen, die zu dem Menschen passte, den er begleitete. Luke erinnert sich, keine Angst gehabt zu haben und von der Sorge nicht gelähmt gewesen zu sein. Er erinnert sich, die Sorge im Gespräch angenommen und anerkannt zu haben und sich entschieden zu haben, mit SFP-Fragen zu antworten: Fragen, die eine Wiederverbindung mit einer bevorzugten Version des Lebens ermöglichen.

Viele Monate später gab Jerry diese Rückmeldung:

Einmal ist er einfach an irgendeinem Tag gekommen und hat sich mit mir getroffen, weil’s mir echt, echt schlecht ging … und wir haben einfach in einem Park gesessen und geredet. Und ich hatte das Gefühl, da ist jemand, dem ich vertrauen kann … und ich hab einfach alles rausgelassen … und dadurch ging’s mir mit allem ein bisschen besser … Wenn die das nicht für mich gemacht hätten, hätte ich vielleicht was Dummes gemacht, also kann das sogar Leben retten.

Jerry, viele Monate nach dem Besuch

Anonymisierter Bericht über eine gesetzliche psychiatrische Begutachtung (Mental Health Act 1983), durchgeführt von Nick

Zum Kontext: In England und Wales werden der Rolle des Approved Mental Health Professional (AMHP, staatlich zugelassene Fachkraft für psychische Gesundheit) verschiedene Pflichten zugeschrieben. Die zentrale Pflicht besteht darin, die Situation einer Person im Auftrag der Kommune zu prüfen (s13(1) des Gesetzes) und zu entscheiden, ob ein Antrag auf Zwangseinweisung gestellt werden muss (s13(1)a). Nach s13(2) sind „alle Umstände des Falls“ zu berücksichtigen, und der AMHP muss gemäß den Leitprinzipien des MHA Code of Practice (2015) handeln, der die am wenigsten einschränkenden Alternativen zur Zwangseinweisung fördert. Im Laufe des Jahres 2024 wurden Forschungsarbeiten und reflektierende Texte veröffentlicht, die diese Prüfpflichten nach s13 (Perry, 2024b, 2024a; Simpson et al., 2024), ihre Bedeutung und den Nutzen lösungsfokussierter Fragen bei ihrer Erfüllung erneut beleuchtet haben.

Begutachtungsdokumentation (Nick)

Der [Approved Mental Health Professional] ist vor Dr. Nitin [in die internistische Aufnahmestation] gekommen und hat einige Zeit mit Yasmin und ihrer Tante verbracht, bevor die übrigen an der Begutachtung Beteiligten eintrafen (darunter Lotty von Committed Coaches, einem anonymisierten Dienst, der jungen Menschen an der Schwelle zur Fremdunterbringung intensive Unterstützung bietet).

[Der] AMHP hat Yasmin gefragt, was ihre größten Hoffnungen für das Ergebnis der Begutachtung sind (nachdem er den Grund seiner Anwesenheit und die Pflicht zur Begutachtung nach Anordnung des Festhalterechts erklärt hatte): Yasmin sagt, sie wolle nach Hause, duschen und ins Bett gehen.

Carrie [Yasmins Tante] war bei der angebotenen Einzelzeit dabei und hat den AMHP über die Schwierigkeiten zu Hause in den letzten zwei Wochen informiert sowie über die Verletzungen, die Yasmin ihrer Oma zugefügt hat. Carrie erwähnte auch die Verwüstung der Station früher am Tag (die Yasmin darauf zurückführte, dass der Sicherheitsdienst des Krankenhauses sie zu grob angefasst habe).

Carrie macht sich Sorgen, dass Yasmin noch nicht bereit ist, nach Hause zurückzukehren, und dass sie eine Therapie und einen Ort braucht, an den sie (in Krisen) gehen kann – auch wenn Carrie [die internistische Aufnahmestation] nicht für einen guten Ort für Yasmin hält, da das Personal nicht auf die Bedürfnisse junger Menschen spezialisiert ist.

Der AMHP hat eine Begutachtung in einem Nebenraum [der Station] geleitet, da der Gesprächsraum der Konsiliarpsychiatrie nicht verfügbar war – Yasmin sagte, sie wünsche sich diesen privaten Raum für das Gespräch.

An dem Gespräch nahmen Yasmin, Carrie, Lotty (von Committed Coaches), Zayna (CAMHS) und Dr. Nitin teil. Der AMHP hat versucht, das Gespräch über lösungsfokussierte Fragen zu rahmen und zugleich die Risiken zu Hause und die Schwere von Yasmins Verhalten in den letzten zwei Wochen anzuerkennen.

Der AMHP konnte einige Fragen dazu stellen, was Yasmin in der mehrere Monate dauernden stabilen Phase Anfang des Jahres geholfen hat – im Verlauf des Gesprächs nannte Yasmin: die richtigen Menschen um sich zu haben (Carrie, Oma, Kris, Tina, Shireen); Kickboxen; Zeit mit Kris [ihrem Freund]; Medikamente.

Yasmin hat außerdem erkannt, dass Cannabis sich negativ auf ihre körperliche und psychische Gesundheit ausgewirkt hat – sie stimmt zu, dass sie es nicht konsumieren darf und dass das schwierig ist, weil ihr Freund viel Cannabis konsumiert. Später im Gespräch willigte Yasmin ein, dass Lotty sich morgen mit ihr und Kris trifft, um ihm zu erklären, warum Yasmin kein Cannabis konsumieren darf.

Yasmin nimmt ihre Medikamente zuverlässig und hat sie heute wieder begonnen – Carrie hat nach PRN-Medikation gefragt („pro re nata“, lateinischer Ausdruck im Zusammenhang mit Medikamenten, der „bei Bedarf“ bedeutet) für Situationen, in denen Yasmin unruhig ist, und Dr. Nitin hat empfohlen, Olanzapin 2,5 mg auf diese Weise einzusetzen – bei Unruhe und bei Einschlafschwierigkeiten.

Yasmin ist sich bewusst, dass sie ihr Verhalten ändern muss, um bei Oma und Carrie bleiben zu können, und es wurde ein Plan für heute Abend vereinbart (sowie ein Plan für die nächsten Tage): Yasmin wird duschen und ihre Medikamente nehmen; sie wird mit Carrie Filme schauen und KFC essen; sie wird Kris morgen (nicht heute) sehen und sich morgen mit Committed Coaches treffen; Lotty wird mit Yasmin und Kris über den Cannabiskonsum sprechen und die Auswirkungen auf Yasmins psychische Gesundheit erklären; die Familientherapie beginnt diesen Monat; Yasmin nimmt das Kickboxen wieder auf (Freitag) und bereitet sich auch auf das College vor; Yasmin nimmt ihre Medikamente und die PRN-Medikation gewissenhaft ein (mit Unterstützung von Carrie und Oma).

Dr. Nitin gibt keine ärztliche Empfehlung [für eine Zwangseinweisung] ab – Yasmin erfüllt die gesetzlichen Voraussetzungen für eine weitere Unterbringung nicht –, und der AMHP sieht keinen Anlass, eine weitere Stellungnahme nach s12 einzuholen. (Nach s12 zugelassen sind ärztliche Fachpersonen, die vom Secretary of State als Personen mit „besonderer Erfahrung in der Diagnose oder Behandlung psychischer Störungen“ anerkannt sind (MHA 1983 in der geänderten Fassung)).

Das Formular zur Beendigung nach s5(2) wurde ausgefüllt und per E-Mail an [die Station] geschickt, und Yasmin wurde entlassen; Lotty wird sich morgen melden (und mit dem CAMHS klären, wann der Familie eine Familientherapie angeboten wird – voraussichtlich Mitte bis Ende September).

Reflexive Diskussion 2

Dies ist die anonymisierte Dokumentation einer Intervention eines Approved Mental Health Professional (AMHP) auf einer internistischen Aufnahmestation bei einem jungen Menschen, der nach s5(2) des Mental Health Act 1983 (in der geänderten Fassung) auf der Station festgehalten worden war. Es handelt sich um ein Notfall-Festhalterecht (für die Dauer von 72 Stunden), das vorschreibt, die Person für eine weitere fachärztliche Begutachtung ihrer psychischen Gesundheit festzuhalten: um zu klären, ob eine Begutachtung nach s2 (stationäre Zwangsunterbringung) oder eine Behandlungsphase nach s3 (stationäre Zwangsunterbringung) erforderlich ist.

Der Code of Practice zum Mental Health Act ermutigt AMHPs, Personen, die auf eine Begutachtung warten, Einzelzeit anzubieten (14.54 – Department of Health, 2015). Nick entschied sich, früher zu kommen, um mit der jungen Frau und ihrer Tante zu sprechen: um den Zweck der gesetzlichen Aufgabe zu erklären und einige lösungsfokussierte Fragen zu stellen (Watson & Perry, 2022). Schon die Eröffnungsfrage – Yasmin nach ihren größten Hoffnungen für das Ergebnis der Begutachtung zu fragen – hat der Intervention eine stärker personzentrierte Richtung gegeben.

Yasmins Tante lag viel daran, dass Nick über alle Risiken Bescheid wusste, die ihre Nichte zeigte. Und tatsächlich macht Carrie, als das multidisziplinäre Gespräch richtig beginnt, deutlich, dass Yasmin ihrer Meinung nach nicht nach Hause zurückkehren kann – sie müsse anderweitig untergebracht werden.

Auch wenn die Risikosorgen aller Beteiligten anerkannt werden mussten, bestand doch die Möglichkeit, nach Dingen zu fragen, die in letzter Zeit gut gelaufen waren. Yasmin (mit einer kräftigen Portion Sarkasmus) sagt ihrer Tante prompt, dass sie in den letzten Monaten einiges gut hinbekommen habe, was die Tante einräumt.

Der AMHP hat außerdem bemerkt, dass es vor dieser Krise eine Phase gab, in der Yasmin nicht im Krankenhaus vorstellig wurde. Nick fragt nach mehr Einzelheiten dazu, was in dieser Zeit dazu beigetragen hat, dass es gut lief. Nach und nach kann Yasmin über einiges davon sprechen. Sie besteht gegenüber den Begutachtenden auch darauf zu erklären, warum sie früher am Tag auf der Station ausgerastet ist – sie hatte das Gefühl, von einer Sicherheitskraft grob angefasst worden zu sein. Das wird anerkannt und anschließend mit dem Stationspersonal nachbesprochen.

Die übrigen Beteiligten im Gespräch bestätigen, dass es voraussichtlich keine Einrichtung geben wird, die Yasmin vor Ort oder in absehbarer Zeit aufnehmen kann.

Im Gespräch selbst bittet Nick Yasmin und Carrie, sich vorzustellen, dass Yasmin nach Hause zurückkehren konnte, dass die Dinge gut gelaufen sind und dass beide sicher waren. Er fragt, was sie im Laufe des Abends getan haben. Laut dem offiziellen Gesprächsprotokoll gibt Yasmin eine sehr flüssige Beschreibung eines Abends, der geholfen haben wird. Yasmin und Carrie lachen bei dieser Beschreibung miteinander. Die beschriebenen Handlungen werden zum Sicherheitsplan, den alle Fachkräfte befürworten.

Die übrigen anwesenden Fachkräfte äußern sich dazu, was voraussichtlich hilfreich sein wird, wenn Yasmin wieder zu Hause ist, und unterstützen Carrie darin, an ihrer Grenze festzuhalten, dass Kris (Yasmins Freund) erst am nächsten Tag vorbeikommt; und dass er und Yasmin etwas Psychoedukation zu den Auswirkungen von Cannabis auf Yasmins psychischen Zustand erhalten.

Nach einer Dampfpause draußen ändert Carrie ihre Meinung darüber, dass Yasmin anderweitig untergebracht werden müsse, und Yasmin geht tatsächlich nach Hause.

Schlussfolgerungen

Die Autoren haben die Erfahrung gemacht, dass unter Sozialarbeitenden Unglaube darüber herrscht, dass SFP in Krisensituationen eingesetzt werden kann (und auch darüber, dass sie eine erfolgreiche Intervention sein kann). Das ist ein merkwürdiger Zustand angesichts der relativen Zerrüttung mancher gesetzlicher Gesundheits- und Sozialsysteme im Vereinigten Königreich – gerade für junge Menschen – und angesichts der starken Bindung an andere therapeutische Interventionsmodelle, selbst wenn Fachkräfte erleben, dass diese Modelle in Krisen scheitern oder wenig wirksam sind.

Es überrascht uns, dass es unter Sozialarbeitenden Skepsis gegenüber lösungsfokussierter Praxis gibt, während so dringend Löcher in Systemen und in einer Gesellschaft gestopft werden müssen, die unter dem Druck chronischer Unterinvestition in öffentliche Dienste ächzen. Wir halten diese Skepsis weder für fair noch für hilfreich oder berechtigt.

In diesem Artikel haben wir zwei recht unterschiedliche Fallszenarien gezeigt, in denen Sozialarbeitende lösungsfokussierte Praxis als Grundlage ihrer Interventionen in psychischen Krisen junger Menschen und ihrer Netzwerke genutzt haben. Wir hoffen, dass der Inhalt – in der Sprache dienstlicher Systeme dargeboten – bei Sozialarbeitenden Anklang findet und dass die Beharrlichkeit und Entschlossenheit der Autoren, Fragen aus einer SFP-Perspektive zu formulieren, sichtbar und verständlich wird.

Es braucht Fortbildung und Übung, um mitten in der Krise beharrlich bei SFP-Fragen zu bleiben, wenn ein starker Sog besteht, zur Problemgeschichte und zu einer institutionellen, defizitorientierten Risikoeinschätzung zurückzukehren.

Wie die Arbeit von Guy Shennan (2014) hervorgehoben hat, ist es nicht immer möglich, SFP in klassischer Form einzusetzen. Nicht immer gibt es die Zeit oder einen förderlichen Raum für ein Gespräch, das von einer Frage nach den größten Hoffnungen über eine detaillierte Beschreibung einer bevorzugten Zukunft zu einer Skalierungsfrage führt, die einschätzt, wie nah die Person dieser bevorzugten Zukunft ist, sowie zu einer Beschreibung schrittweiser Veränderungen auf der Skala hin zu „gut genug“.

Szenarien wie diese sind die gelebte Wirklichkeit Sozialer Arbeit mit jungen Menschen in psychischen Krisen, in der Sozialarbeitende versuchen, jungen Menschen und ihren Familien auf jede erdenkliche Weise zur Seite zu stehen, oft mit nur flüchtigen Momenten, um Teil eines Unterschieds zu sein, der einen Unterschied macht (Bateson, 1972).

Nach Ansicht der Autoren können SFP-Fragen in psychischen Krisensituationen eine Ressource und eine kraftvolle Kraft der Veränderung sein: Sie geben jungen Menschen die Gelegenheit, gemeinsam eine Geschichte zu schaffen, in der einige der Schwierigkeiten, mit denen sie konfrontiert sind, ihren Weg zu mehr Sicherheit nicht länger versperren – und diese neu geschaffene Sicherheit kann weitere Fortschritte hin zu der Zukunft ermöglichen, die sie sich tatsächlich wünschen.

Complexe Systémique: Was mitzunehmen ist

Zwei dienstliche Dokumentationen, in der Sprache von Fallakten geschrieben, und genau darin liegt ihre Stärke: eine Frage nach den größten Hoffnungen, die eine gesetzliche Begutachtung unter einem Festhalterecht eröffnet, eine auf Wunsch des jungen Menschen umgekehrte Skala und ein Sicherheitsplan, der nichts anderes ist als die Beschreibung eines guten Abends. Das zugrunde liegende Argument liegt nah bei Guy Shennan: Lösungsfokussierte Praxis ist ein konkreter Weg, antiunterdrückende Werte zu wahren, auch wenn der Rahmen rechtlich und das Risiko hoch ist. Zusammen zu lesen mit David Hains in der Notaufnahme und John Henden zu schwerem Trauma, wo dieselbe Beharrlichkeit wiederkehrt: In der Krise ist die beharrliche Hoffnung der Fachkraft Teil der Risikoeinschätzung.

Erklärung zu Interessenkonflikten

The authors report that there are no competing interests to declare.

Submitted: July 12, 2024. Accepted: October 14, 2024. Published: October 24, 2024.

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Originalartikel Suspending Disbelief – Using Solution Focused Practice With Young People in Mental Health Crisis von Nick Perry und Luke Goldie-McSorley, erschienen in Journal of Solution Focused Practices, Bd. 8, Nr. 2 (2024), doi: 10.59874/001c.125023, unter der Lizenz CC BY 4.0. Inoffizielle deutsche Übersetzung von Complexe Systémique, Oktober 2026, mit Unterstützung künstlicher Intelligenz, Darstellung für das Lesen am Bildschirm angepasst. Maßgeblich ist die Originalfassung.

Inoffizielle deutsche Übersetzung des Originalartikels „Suspending Disbelief – Using Solution Focused Practice With Young People in Mental Health Crisis“, erschienen in Journal of Solution Focused Practices (2024) unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz, wie zu Beginn dieser Seite angegeben; die Übersetzung stammt weder von den Verfassenden noch vom Verlag, die weder für ihren Inhalt noch für etwaige Fehler verantwortlich sind. Maßgeblich ist die Originalfassung.

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Perry, N., & Goldie-McSorley, L. (2024). Suspending Disbelief – Using Solution Focused Practice With Young People in Mental Health Crisis. Complexe Systémique. https://app.complexe-systemique.com/en_GB/articles/suspending-disbelief-using-solution-focused-practice-with-young-people-in-mental-health-crisis (Originalwerk 2024 erschienen in Journal of Solution Focused Practices, Bd. 8, Nr. 2 (2024); 2024 erneut veröffentlicht von Journal of Solution Focused Practices, https://journalsfp.org/article/125023)

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