Diese Fassung wurde von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz aus dem Spanischen übersetzt. Im Zweifelsfall ist die Originalfassung maßgeblich.
Red Sistémica · Familientherapie
Die systemische Tradition war für Emotionen wenig empfänglich: Bateson sah in ihnen ein „Schlafmittelprinzip“, die strategische und die strukturelle Orthodoxie fragten lieber, was man denkt oder was man tut. Juan Luis Linares erinnert dennoch daran, dass Psychotherapie im Umgang mit Emotionen geschieht – mit denen der Familien wie mit denen der therapierenden Person – und schlägt einen begrifflichen Rahmen für diesen Umgang vor: drei Beziehungsräume (kognitiv, pragmatisch, emotional), drei Kanäle (digitale Sprache, Verhalten, analoge Sprache) und für den letzten ein noch kaum theoretisiertes Instrument, die emotionale Intelligenz in der Therapie, veranschaulicht an drei klinischen Situationen.
„In Zeiten von Komplexität und Ungewissheit, in denen der Trost einer unmöglichen Objektivität so schwer zu finden ist, wird es unerlässlich, die Gültigkeit der subjektiven, intelligent verarbeiteten Emotionalität der therapierenden Person als Kanal ihrer Intervention anzuerkennen.“
Juan Luis Linares
Die systemische Tradition war für die Bedeutung von Emotionen wenig empfänglich. Wenn Bateson (1973) so weit ging, Emotionen als Schlafmittelprinzip zu betrachten, ist es nicht verwunderlich, dass die Kommunikationstheorie sie ignorierte und dass Gestalten wie Virginia Satir gerade aus Palo Alto mit Zurückhaltung, wenn nicht mit Geringschätzung betrachtet wurden. Auch Minuchin (1993) hat jede ausdrückliche Thematisierung des Emotionalen in der Therapie vermieden und griff auf die Umschreibung „der Einsatz des Selbst des Therapeuten“ zurück, um die offenkundige Tatsache zu bezeichnen, dass affektive Reaktionen in der Sitzung eine wichtige Rolle spielen. Zu fragen, was die Person in Therapie oder ein Mitglied des Systems fühlt, galt der systemischen Orthodoxie als ketzerisch und wurde als banal abgetan; sie bestand darauf, es besser durch die Frage zu ersetzen, was jemand denkt oder was jemand tut, je nachdem, ob es sich um die strategische oder die strukturelle Spielart dieser Orthodoxie handelte.
Dieser Realität steht die offenkundige Tatsache gegenüber, dass Psychotherapie im Umgang mit Emotionen geschieht, und zwar gewiss nicht nur mit denen der Person in Therapie oder der Familie, sondern auch mit denen der therapierenden Person. Die europäische Systemik war dafür empfänglicher, vielleicht weil ihr Werk im Wesentlichen jüngeren Datums ist und sie den Tribut nicht entrichten musste, den die amerikanische Systemik der Abgrenzung von der Psychoanalyse zahlte. Tatsächlich haben – um nur einige zu nennen – Cancrini (1984) und Andolfi (1977) die Bedeutung emotionaler Arbeit ausdrücklich hervorgehoben, und Elkaïm (1995) hat mit dem Konzept der Resonanz ein nützliches Instrument als systemische Alternative zum Spiel von Übertragung / Gegenübertragung geschaffen.
Selvinis (1987) Wiederaufnahme von Bowlbys Bindungskonzept sowie die Theoriebildung der letzten Phase ihres Denkens stellen sie in dieselbe Linie der Anerkennung des emotionalen Raums, die einen großen Teil der europäischen Familientherapie kennzeichnet.
Doch machen wir uns nichts vor: Die Frage ist längst nicht geklärt, und im heutigen Panorama der Psychologie zeichnen sich Positionen zu einer möglichen neuen Kontroverse um die Emotionen ab. Auf der einen Seite neigen die Arbeiten zur kognitiven Struktur des emotionalen Phänomens (Ortony, Clore und Collins, 1988) dazu, es zu universalisieren und intrapsychisch zu definieren, indem sie es radikal von der Sprache unterscheiden.
Wierzbicka (1986) stellt dazu fest, dass das Fehlen eines Begriffs in einer Sprache für die spezifische Emotion, auf die sich ein Wort einer anderen Sprache beziehen könnte, nicht bedeutet, dass Menschen aus Kulturen, die die erste Sprache sprechen, diese Emotion nicht empfinden können oder nicht empfinden.
Andererseits sind Emotionen für zahlreiche Arbeiten untrennbar mit der Sprache verbunden, da sie soziokulturell konstruiert und in dem Maße empfunden werden, wie sie auf der Grundlage von Glaubenssystemen, moralischen Ordnungen und sozialen Normen bestimmter Gemeinschaften zum Ausdruck gebracht werden (Harré, 1986).
Der soziale Konstruktionismus lehnt den physiologischen Charakter der Emotionen ab – eine Vorstellung, die sich heute übrigens von keiner ernsthaften Position aus mehr halten lässt – und trifft sich mit dem Kognitivismus in der Betonung der Bedeutung des kognitiven Prozesses in Form von Werten und Überzeugungen. Doch damit endet die Übereinstimmung, denn was den Sozialkonstruktionismus wirklich interessiert, sind die Situationen und die Weisen, in denen Wörter verwendet werden, die Emotionen ausdrücken. Diese bleiben dazu verurteilt, im batesonschen Sinn ein Schlafmittelprinzip zu sein oder, in Hoffmans (1992) abschätzigem Ausdruck, die „heilige Kuh der modernen Psychologie“.
Es gibt drei große bedeutsame Räume in der Welt der Beziehungen und folglich in der psychologisch-individuellen Welt: den kognitiven, den pragmatischen und den emotionalen. An ihnen haben sich die verschiedenen psychotherapeutischen Modelle ausgerichtet, indem sie in eher impliziten als expliziten Gleichungen unterschiedliche Anteile dessen kombinierten, was zu denken, was zu tun und was zu fühlen ist. Als bevorzugte Ausdrucksmittel standen ihnen Sprache und Verhalten zur Verfügung, geeignete Kanäle für die kognitive und die pragmatische Kommunikation. Aber die emotionale? Über die offenkundige Tatsache hinaus, dass es emotionale Kommunikation gibt, gelang es dem Kommunikationsansatz von Palo Alto, ihr auszuweichen, indem er seine Unterscheidung zwischen digitaler und analoger Sprache auf Inhalts- und Beziehungsbotschaften bezog.
Und doch ist es völlig legitim, die analoge Sprache in einer bevorzugten Verbindung der emotionalen Kommunikation zuzuordnen, so wie die digitale Sprache das emblematische Medium der kognitiven Kommunikation und das Verhalten der deutlichste Ausdruck der pragmatischen Kommunikation ist.
Was man denkt. Beim Individuum die Wahrnehmungen und Vorstellungen; bei der Familie die Werte und Überzeugungen. Emblematisches Medium: die digitale Sprache.
Was man tut. Beim Individuum das Handeln; bei der Familie die Rituale. Emblematisches Medium: das Verhalten.
Was man fühlt. Beim Individuum die empfundene Emotion; bei der Familie die geteilten Emotionen. Bevorzugtes Medium: die analoge Sprache.
Die systemische Therapie verfügte über zwei äußerst wertvolle technische Instrumente, um sich mühelos im pragmatischen und im kognitiven Raum zu bewegen: die Verschreibung und die Umdeutung.
Mit der Verhaltensverschreibung schlägt die Therapie Einzelnen, Subsystemen oder der Familie als Ganzer bestimmte Verhaltensweisen oder Rituale vor, die darauf abzielen, ihre pragmatische Kommunikation zu verändern. Damit soll ein Keim der Veränderung gesetzt werden, unabhängig von jeder Einsicht – die letztlich eine kognitive Verarbeitung wäre – und selbstverständlich ohne den affektiven Widerhall in den Mittelpunkt zu stellen. Verschreibungen sind im Universum der postmodernen Therapien außer Gebrauch geraten, insbesondere im konversationalistischen Zweig des Konstruktivismus, auf der Grundlage einer verzerrten und engen Auslegung bestimmter Ideen Maturanas (1980), welche die strukturelle Direktivität als Neigung zur „instruktiven Interaktion“ abwerten würden. In Wirklichkeit kann es, je nach vielfältigen Umständen, entweder ein unerträgliches Eindringen sein, anderen Verhaltensmuster vorzuschlagen – zur Ablehnung verurteilt oder bestenfalls zur Bedeutungslosigkeit einer unmöglichen instruktiven Interaktion –, oder eine konversationelle Ressource ersten Ranges, ebenso passend wie gut aufgenommen und akzeptiert. Ganz zu schweigen von den unvermeidlichen kognitiven und emotionalen Komponenten der Verschreibung, die als Störelemente des dysfunktionalen Gleichgewichts wirken können, unabhängig von der relativen Banalität ihrer Ausführung.
Mara Selvini hat mit der invarianten Verschreibung die unendliche Komplexität dieser Form von Interventionen gezeigt, die keinesfalls aus einer bloßen Laune der Mode aus dem systemischen Erbe verschwinden sollten.
Umdeutungen bilden die andere große traditionelle Ressource der systemischen Therapie, fest im kognitiven Raum verankert. Die Wahrnehmung, die Vorstellung der Dinge bei Einzelnen und Familien zu verändern, indem man alternative Sichtweisen vorschlägt, in denen Symptome keinen Platz haben, ist eine wichtige Übung: Man denke nur an die spektakulären Wirkungen der positiven Konnotation, die Familien Wirklichkeiten vor Augen führen kann, die sich radikal von denen unterscheiden, die ihnen bis dahin Schuld zugewiesen und sie in die Zange genommen hatten. Umdeutungen, die weitgehend von der digitalen Sprache abhängen, hatten im heutigen Panorama der systemischen Therapien mehr Glück als Verschreibungen, da ihre konversationelle Struktur besser zu den postmodernen Erwartungen passt. Selbst der sozialkonstruktionistische Narrativismus handhabt mühelos komplexe Umdeutungen im Rahmen seiner Vorschläge neuer narrativer Optionen, mit denen der vom Diskurs der Macht ausgeübten Überdeterminierung entgegengewirkt werden soll.
Doch eine kognitive Veränderung – oder eine epistemologische, wie das systemische Modell sie historisch lieber nannte – ist ohne die entsprechende emotionale Schwingung undenkbar, und beide wären bedeutungslos, wenn sie nicht von pragmatischen Veränderungen begleitet würden. Glücklicherweise stehen die drei psychologisch-relationalen Räume miteinander in Verbindung, sodass sich eine Veränderung in einem von ihnen auf die anderen ausweiten und eine verwandelnde Welle mit unvorhersehbaren Folgen auslösen kann. Unvorhersehbar … außer für eine therapierende Person, die sich ihrer Macht bewusst ist und sie zu steuern und einzuschätzen vermag: Sie kann die Entwicklung der Ereignisse durchaus vernünftig vorwegnehmen und den weiteren Verlauf der Therapie darauf abstimmen. Deshalb kann eine minimale Veränderung in einem der drei Räume, wenn sie über genügend Störkraft verfügt, also in der Lage ist, sich bedeutsam auf die anderen zu verallgemeinern, ein mehr als zufriedenstellendes Ergebnis einer Therapie sein.
Ein Paar, das der therapeutischen Anregung folgt, einige Abende auszugehen, kann mitten in der scheinbaren Banalität seines Tuns plötzlich Seiten aneinander entdecken, die bisher unbemerkt geblieben waren. Zum ersten Mal seit vielen Jahren haben die beiden die Routine verlassen, um gemeinsam eine angenehme Zeit zu verbringen, und das hat ihnen unerwartete Perspektiven aufeinander eröffnet: Was für ihn bisher ihr unerträglicher, erstickender Hang zur Kontrolle war, wird zum Ausdruck von Zerbrechlichkeit und dem Bedürfnis nach Halt; und was für sie seine Verantwortungslosigkeit und sein Egoismus war, wird zum legitimen Bedürfnis nach einem eigenen Raum. Beide werden tolerant und empfinden zugleich eine längst vergessene Zärtlichkeit. Die Reihenfolge kann variieren. Das Auftauchen einer neuen Sichtweise, in der eine jugendliche Person auf Anstoß der Therapie beginnt, ihre Eltern als ungeschickt, aber voller Zuneigung statt als willkürlich und repressiv zu sehen, entspannt und erleichtert sie, sodass ihre provozierenden Verhaltensweisen abnehmen und ihre Mithilfe im Haushalt zunimmt.
Und der Klick der Veränderung kann sich im emotionalen Raum ereignen, als unsagbare Ergriffenheit, wenn man die Scham des Vaters spürt, der um Verzeihung bittet, die Angst der Ehefrau, die um ihr Leben fürchtet, oder die Ohnmacht des Sohnes, der sich für einen Versager hält. Auch dann können neue kognitive Vorstellungen und neue Verhaltensweisen folgen. All das natürlich nur, wenn sich das Ökosystem als günstig erweist und die therapierende Person als bedeutsamer Teil davon ihre Verantwortung auf vernünftige Weise wahrnimmt.
Das Wichtigste
Die drei Räume – kognitiv, pragmatisch, emotional – stehen miteinander in Verbindung. Eine minimale Veränderung in einem von ihnen genügt für eine gelungene Therapie, sofern sie genug Störkraft besitzt, um sich auf die beiden anderen zu verallgemeinern. Es spielt also keine große Rolle, wo man ansetzt: bei abendlichen Ausgängen, die einem Paar verschrieben werden, bei einem neuen Bild, das einer jugendlichen Person angeboten wird, oder bei einer in der Sitzung geteilten Emotion.
Im emotionalen Feld zu intervenieren, ist eine ernsthafte Herausforderung für eine systemische Praxis, die im Kult der Verschreibung und vor allem der Umdeutung und der Erzählung ausgebildet wurde, wenn nicht gar ausdrücklich in der doktrinären Verachtung der Emotionen. Und doch besitzen diese in der analogen Sprache ein überaus feines Instrument, das ihre Ausdruckskraft bis zu Extremen individualisieren kann, die in keinem anderen Kommunikationskanal vorstellbar wären.
Emotionale Intelligenz ist ein kürzlich geprägter Begriff für die Fähigkeit von Menschen, ihre Emotionen in Beziehungen kontrolliert einzusetzen (Goleman, 1995). Man wusste schon immer, dass der Erfolg bei konkreten Aufgaben wie bei den ehrgeizigsten Vorhaben von mehr abhängt als von der durch den IQ gemessenen intellektuellen Fähigkeit, doch nun verfügt man über ein geeignetes Instrument, um dieses Phänomen zu konzeptualisieren. Wer die eigene emotionale Intelligenz mobilisiert und ins Spiel bringt, hat größere Überzeugungskraft, wirkt glaubwürdiger und steigert erheblich die eigene Fähigkeit, andere zu beeinflussen. Allesamt kostbare Eigenschaften für therapeutisch Tätige. Sehen wir uns einige Beispiele an.
Pablo ist ein Kind, das nicht spricht, außer im engsten Familienkreis, und selbst dort so wenig wie möglich. Seine Eltern haben sich zunehmend Sorgen gemacht, seit das Schweigen ihres Sohnes begonnen hat, seine Schullaufbahn zu erschweren und einen Schatten auf seine berufliche und soziale Zukunft zu werfen. Sie überbehüten ihn, lassen ihn nicht ins Ferienlager fahren, „um ihm schwierige Situationen zu ersparen“, und befreien ihn von jeder Aufgabe, die Kontakte außerhalb der Familie mit sich bringt. Pablo ist ein intelligenter Junge, der glänzende Schularbeiten abliefern kann, solange sie nicht verlangen, aktiv mit Lehrkräften oder Gleichaltrigen in Beziehung zu treten. In den Therapiesitzungen bleibt er stumm, betrachtet die Welt mit großen, erschrockenen Augen und verfolgt mit Interesse, was um ihn herum geschieht. Die Versuche des Therapeuten, die Situation zu verändern, indem er der Familie weniger starr schützende Muster vorschlägt, finden kaum Widerhall.
Bis die Mutter eines Tages eine Episode aus ihrem Leben erzählt, die sie bis dahin verschwiegen hatte. Auch sie war als Kind sehr schüchtern und sprach fast so wenig wie Pablo. Als Erwachsene hatte sie mehrere Depressionen, unter denen sie sehr litt. Nach der letzten rieten ihr die Ärzte, ein Kind zu bekommen, um gesund zu werden, und tatsächlich wurde sie schwanger und bekam Pablo. Seitdem weiß sie nicht mehr, was eine Depression ist, und ihr Wesen hat sich tatsächlich sehr gebessert: Sie ist offener und geselliger geworden. Während sie davon erzählt, ist sie sichtlich bewegt, und Pablo ergeht es ebenso, während der Rest der Familie – der Vater und eine etwas ältere Tochter – die beiden mit gelassenem Verständnis betrachtet. Der Therapeut spürt, dass auch er von der intensiven affektiven Atmosphäre angesteckt ist: Seine Augen werden leicht feucht, und ein leichter Kloß schnürt ihm die Kehle zu. Mit einem sanften Räuspern befreit er sich davon und beginnt mit bewegter Stimme zu sprechen. Auch er sei berührt, sagt er, so tief habe ihn die Geschichte dieser so besonderen Beziehung zwischen Pablo und seiner Mutter beeindruckt:
„Jetzt kann ich dieses solidarische Schweigen eines Sohnes besser verstehen, der sich an das klammert, was er für seine Mission in der Welt hält: die Mutter zu heilen.“
Es folgen einige Überlegungen dazu, ob es nicht an der Zeit sei, die Kranke, die inzwischen genesen ist, zu entlassen und sich gegenseitig wegen nicht vorhandener Risiken zu beruhigen. Auch der Junge sei nicht in Gefahr, obwohl er seiner Mutter so ähnlich sei, denn er habe seine Mission mehr als erfüllt, und das habe ihn mit starken Ressourcen ausgestattet.
Vor allem der Vater könne sie beruhigen, indem er während der Genesung die Rolle übernimmt, für die Mutter zu sorgen, und dem Sohn zeigt, wie viele andere faszinierende Missionen es im Leben gibt.
Die Familie geht sichtlich gestärkt, und der Therapeut erklärt dem Team, dass ihm das, was er in dieser Sitzung empfunden hat, sehr nützlich war, denn jedes Mal, wenn er solche Emotionen erlebt, weiß er, dass im Verlauf der Therapie eine positive Veränderung bevorsteht. „Das erlaubt mir, der Spur in aller Ruhe zu folgen, weil ich weiß, dass ich in die richtige Richtung gehe.“
Bestimmte Signale im Körper – die feuchten Augen, der Kloß im Hals – lassen die emotional intelligente therapierende Person wissen, dass das, was gerade geschieht, gut ist, dass sie sich dafür nicht schämen muss und vielmehr der analogen Sprache erlauben sollte, der Familie eine positive Botschaft zu übermitteln. Der so geschaffene emotionale Kanal gibt den kognitiven und pragmatischen Elementen, die bei anderen Gelegenheiten nicht wahrgenommen worden waren, nun eine gute Gelegenheit, verarbeitet zu werden.
Ein Paar ist in einen weiteren Streit verwickelt, diesmal mitten in der Sitzung, in Anwesenheit des Therapeuten. Miteinander sprechen die beiden kaum, aber beide wenden sich an ihn und legen ihm hitzig dar, wie vortrefflich ihre jeweiligen Standpunkte sind. Die Grundsituation ist nicht allzu schlecht: Sie lieben sich, wünschen sich gemeinsame Kinder und hatten noch keine Zeit, viel Groll anzuhäufen, aber eine erbitterte Symmetrie bringt sie ständig wegen Kleinigkeiten gegeneinander auf. Wenn sie, wie gerade jetzt, eine schlechte Phase durchmachen, bekommt sie Angstanfälle, und er neigt dazu, übermäßig zu trinken.
Der Therapeut hat versucht, bisher unbeachtete Seiten jedes der beiden hervorzuheben, die ihnen neue Perspektiven eröffnen könnten, doch seine Anregungen sind im Getöse des Kampfes untergegangen. Die Zeit vergeht, ohne dass sich irgendein Fortschritt einstellt, und der Therapeut wird ungeduldig. Er blickt diskret auf die Uhr und deutet, die Hand vor dem Mund, höflich ein Gähnen an. Die Diskussion stockt, und der Ehemann sagt mit düsterem Ton: „Wir sind furchtbar langweilig, nicht wahr?“ Sie bestätigt: „Tödlich.“ Der Therapeut stellt lächelnd fest: „Da sind Sie sich ja bemerkenswert einig geworden.“ Von diesem Moment an ändert die Sitzung ihr Vorzeichen, und es wird möglich, in eine Verhandlung einzusteigen.
Die eigenen Emotionen als therapierende Person nicht zu leugnen, nicht zu verbergen und nicht zu verstecken, heißt nicht, sie zur Schau zu stellen oder rücksichtslos aufzudrängen. Emotionale Intelligenz verlangt, dass man den Ausdruck der eigenen Affekte mit größter Feinfühligkeit dosiert, um zu informieren, ohne Gewalt anzutun. Hätte der Therapeut im Fall des streitlustigen Paares ein dröhnendes Gähnen von sich gegeben, wäre er ein übermäßiges Risiko eingegangen, sich als unhöflich zu disqualifizieren, was seine Arbeit vermutlich zunichtegemacht hätte.
Die Familie Martínez besteht aus Vater und Mutter, beide um die vierzig, und vier Kindern zwischen zwanzig und dreizehn Jahren. Anlass der Überweisung zur Familientherapie ist die körperliche Gewalt des Vaters gegen die Kinder, die er nacheinander, der Reihe nach dem Alter, misshandelt hat. Das derzeitige Opfer ist Carlos, das dritte Kind und der einzige Junge, fünfzehn Jahre alt. In der ersten Sitzung zeigt sich eine komplexe Situation: Vater und Mutter, gepflegt und attraktiv, rivalisieren heftig miteinander, ohne allerdings sonderlich zu verbergen, dass zwischen ihnen ein Spiel intensiv sinnlicher Verführung und Anziehung besteht. Der ausdrückliche Diskurs der Mutter ist jedoch sehr kritisch gegenüber ihrem Mann und abwehrend und schützend gegenüber den Kindern. Angestachelt von dieser Komödie startet Carlos einen Angriff auf den Vater, den er als Diktator bezeichnet und vor allen lächerlich zu machen versucht, während die Mutter lachend ihren Mann aus dem Augenwinkel beobachtet.
Der Therapeut empfindet zunächst ein vages Unbehagen, das nach und nach einer dumpfen Empörung weicht, je deutlicher sich das Beziehungsspiel abzeichnet und Sinn bekommt. Schließlich greift er ein und unterbricht den Jungen: „Carlos, merkst du nicht, dass du genau so immer wieder Prügel einsteckst? Dein Vater und deine Mutter streiten, und du glaubst, das gebe dir das Recht, dich einzumischen und deinen Vater anzugreifen. Klar, weil deine Mutter dich mit ihren Worten verteidigt … Aber wenn du dich ein bisschen zurückhalten und ihr ins Gesicht sehen könntest, würdest du merken, dass sie in diesen Momenten nur Augen für deinen Vater hat. Deshalb bist am Ende du derjenige, der die Tracht Prügel abbekommt, während die beiden sich am Schluss versöhnen …“
Die Worte des Therapeuten kommen fest und warm, während seine Augen den Jungen eindringlich ansehen und sein Körper sich ihm zuneigt. Als er auf die Eltern anspielt, verhärtet sich sein Gesicht. Am Ende seines Kommentars wirken diese beschämt, den Blick auf den Boden geheftet, während Carlos überrascht und verunsichert scheint. Nach einigen Minuten Schweigen kündigt der Therapeut einige Vorschläge an, die ihnen helfen sollen, manches zu ändern. Er tut es gelassen, sieht allen nacheinander in die Augen und zeigt sich allen gegenüber freundlich.
Erkennt die therapierende Person im Verlauf der Sitzung irgendeine Form von Missbrauch – verstanden als destruktiver Gebrauch von Macht im Dienst der Interessen derjenigen Person, die sie ausübt –, ist es normal, dass sie sich ärgert oder gereizt reagiert, und ebenso normal, dass sie dies auf kontrollierte Weise zum Ausdruck bringt. Wenn man in zwischenmenschlichen Beziehungen im weitesten Sinn erwartet, dass Menschen auf Missbrauch auf die eine oder andere Weise reagieren, kann es bei der therapierenden Person nicht anders sein, die über feine Instrumente verfügt, um ihn zu erkennen, und zwar in Situationen, die dies – wie Familiensitzungen – außerordentlich erleichtern. Unter solchen Umständen wäre es künstlich, zu übersehen, dass menschliche Beziehungen in ihrer Komplexität, und insbesondere familiäre Beziehungen, Ungleichheit und damit die Möglichkeit des Missbrauchs einschließen.
Die therapierende Person muss wissen, dass missbräuchliche Macht durch körperliche Gewalt ausgeübt werden kann, aber auch durch Verführung, emotionale Erpressung, Nötigung und die sprachliche Fähigkeit, bedrohliche Wirklichkeiten zu erschaffen, und sie muss bereit sein, auf jede dieser Formen zu reagieren. Tut sie es kontrolliert und besonnen, legt sie einerseits ihr unverzichtbares ethisches Zeugnis als Fachperson und als Bürgerin oder Bürger ab und schafft zugleich einen emotionalen Kanal, um ihre therapeutische Intervention zu entfalten.
Es gibt zahlreiche Situationen, in denen die therapierende Person ihre emotionale Intelligenz einsetzen kann. Tatsächlich so viele, wie es bedeutsame Momente in jedem therapeutischen Prozess gibt, denn das emotionale Erleben ist eine fortlaufende Wirklichkeit. So kann sie Begeisterung für ein Vorhaben zeigen, das ein Familienmitglied äußert, oder Bewunderung für die Art, wie jemand etwas angeht. Sie kann ihre Enttäuschung über einen Misserfolg zeigen oder ihre Hoffnung angesichts einer Aussicht auf Fortschritt, ihre Niedergeschlagenheit angesichts der Schwierigkeiten oder ihren Elan angesichts der Möglichkeiten, ihren Ärger über eine Provokation oder ihre Belustigung über eine andere. Stets muss sie darauf achten, ihre Ausdruckskraft nicht zu mystifizieren, um sich vor den eigenen Gespenstern zu schützen, und im Umgang damit ehrlich bleiben.
In der systemischen Tradition gibt es bereits wirkungsvolle Ressourcen, die mit den Emotionen der therapierenden Person verbunden sind: sich für machtlos erklären, überschwänglich gratulieren, kritisieren und tadeln, von der eigenen Intimität sprechen … Es geht darum, sie von einer übermäßigen strategischen Last zu befreien und sie in den Raum zurückzuführen, der ihnen zukommt und der kein anderer ist als die legitime und unvermeidliche Ausübung emotionaler Intelligenz.
Wenn die therapierende Person den kognitiven, den pragmatischen und den emotionalen Kanal gleichermaßen nutzen kann, indem sie dafür jeweils auf ihre narrative Fähigkeit, Geschichten zu erschaffen, auf ihren praktischen Sinn, Strategien zu entwerfen, und auf ihre emotionale Intelligenz, Affekte einzustimmen, zurückgreift, ist es offensichtlich, dass auch die Einzelnen und Familien, mit denen sie arbeitet, ihre Intervention in eben diesen Räumen verarbeiten können.
Einzelne nehmen wahr und denken auf kognitiver Ebene, handeln auf pragmatischer Ebene und fühlen auf emotionaler Ebene. Familien wiederum haben Werte und Überzeugungen als kognitives Äquivalent und vollziehen Rituale als pragmatisches Äquivalent. Was den emotionalen Raum angeht, so „fühlen“ Familien offensichtlich nicht, da sie keine Ansammlungen geklonter Individuen sind, aber sie teilen sehr wohl Emotionen, mit unterschiedlichem Vorzeichen und in unterschiedlichem Maß.
Hat die therapierende Person in der Arbeit mit Einzelnen die Gelegenheit, mit Hilfe von Umdeutungen und Verschreibungen direkt auf die kognitiven Vorstellungen und auf das Verhalten einzuwirken, so wirken diese beiden Instrumente bei Familien auf Werte und Überzeugungen sowie auf Rituale. Die emotionale Intelligenz wiederum wirkt direkt auf die Emotionen der Menschen, indem sie manche hervorruft und andere abschwächt oder verstärkt, während sie auf familiärer Ebene den Raum verändert, in dem Emotionen geteilt werden, indem sie seine Zusammensetzung und die Gleichung verändert, nach der sie sich verbinden.
Sind die ökosystemischen Umstände günstig und gelingt die Intervention, wird sich die Veränderung jedenfalls auf die drei Räume ausweiten und Einzelne wie Familie mehr oder weniger erfassen. Dann wird man sagen können, dass sich die individuellen Erzählungen und die Familienmythen verändert haben (Linares, 1996) und dass die Therapie vernünftige Ergebnisse erzielt hat, wenn in dieser Veränderung die früheren Symptome und Dysfunktionen keinen Platz mehr haben.
Letztlich können Interventionen, die auf emotionaler Intelligenz beruhen, nicht beanspruchen, eine Alternative zu den anderen zu sein, sondern nur eine Ergänzung. Der therapeutischen Nutzung emotionaler Intelligenz mit Hilfe des bevorzugten Kanals der analogen Sprache einen begrifflichen Rahmen zu geben, heißt, den Einsatz ebenso wirkungsvoller wie legitimer Ressourcen zu erleichtern.
Will die Psychotherapie im Feld der Psychologie und Psychiatrie glaubwürdig sein, muss sie die Willkür meiden, die in der Flucht in rechtfertigende Argumente wie „ich erlebe es so“ oder „so fühle ich es eben“ liegt, die diesmal tatsächlich tautologisch und als Schlafmittelprinzip gebraucht werden.
In Zeiten von Komplexität und Ungewissheit jedoch, in denen der Trost einer unmöglichen Objektivität so schwer zu finden ist, wird es unerlässlich, die Gültigkeit der subjektiven, intelligent verarbeiteten Emotionalität der therapierenden Person als Kanal ihrer Intervention anzuerkennen.
Vielleicht liegt darin eines der deutlichsten Kennzeichen einer postmodernen Psychotherapie.
Anmerkung des Originals
(*) Dieser Artikel erschien in Nr. 56 von Perspectivas Sistémicas („Vínculos y Emociones“), Mai–Juni 1999.
Wer ist Juan Luis Linares?
(**) Dr. Linares ist Doktor der Psychiatrie, Präsident der Europäischen Gesellschaft für Familientherapie, Leiter der Schule für Familientherapie am Hospital Sant Pau in Barcelona und Autor zahlreicher Bücher und Artikel.
Bibliografie
ANDOLFI, Maurizio (1977) – La terapia con la famiglia. Un approccio relazionale. Roma: Astrolabio Ubaldini Ed.
BATESON, Gregory (1973) – Mind / Environment. Social Change, n° 1, pgs. 6-21. Reeditado en A Sacred Unity (1991).
CANCRINI, Luigi (1984) – Quattro prove per un insegnamento della psicoterapia. Roma: La Nuova Italia Scientifica.
ELKAÏM, Mony (1995) – Panorama des thérapies familiales. Paris: Seuil.
GOLEMAN, Daniel (1995) – Emotional Intelligence. New York: Bantam Books.
HARRÉ, Rom (1986) – The Social Construction of Emotions. Basil Blackwell Ltd. Edition Ital.: La costruzione sociale delle emozioni. 1992. Milano: Giuffré.
HOFFMAN, Lynn (1992) – Una postura reflexiva para la terapia familiar. En: La terapia como construcción social. Barcelona: Paidós. 1996. Edition Angl.: Therapy as Social Construction. London: Sage Pub.
LINARES, Juan Luis (1996) – Identidad y Narrativa. La terapia familiar en la práctica clínica. Barcelona: Paidós.
MATURANA, Humberto and VARELA, Francisco (1980) – Autopoiesis and Cognition. Pays Bas: D. Reidel Publ. Comp.
MINUCHIN, Salvador and NICHOLS, Michael P. (1993) – Family healing. Tales of hope and renewal from family therapy. New York: The Free Press.
ORTONY, Andrew, CLORE, Gerald L. and COLLINS, Allan (1988) – The Cognitive Structure of Emotions. Cambridge: Cambridge University Press.
SELVINI PALAZZOLI, Mara et al. (1987) – I giochi psicotici nella famiglia. Edition Fran.: Les jeux psychotiques dans la famille. 1990. Paris: ESF.
WIERZBICKA, A. (1986) – Human emotions: Universal or culture-specific? American Anthropologist, n. 88, pp. 584-594.
Inoffizielle deutsche Übersetzung aus dem Spanischen von „El uso de la inteligencia emocional en la construcción de la terapia“, veröffentlicht von Red Sistémica (Erstveröffentlichung: Perspectivas Sistémicas, Nr. 56, Mai–Juni 1999). Übersetzt von Complexe Systémique im Oktober 2026 mit Unterstützung künstlicher Intelligenz und veröffentlicht mit Zustimmung der Zeitschrift. Maßgeblich ist die Originalfassung.
Originalartikel lesenSo zitieren Sie diesen Artikel
Linares, J. L. (2022). L’usage de l’intelligence émotionnelle dans la construction de la thérapie (Complexe Systémique, Übers.). Complexe Systémique. https://app.complexe-systemique.com/fr_FR/articles/l-usage-de-l-intelligence-emotionnelle-dans-la-construction-de-la-therapie (Originalwerk 1999 in Perspectivas Sistémicas, Nr. 56, Mai–Juni 1999, erschienen; 2022 von Red Sistémica neu veröffentlicht, https://redsistemica.ar/2022/06/28/el-uso-de-la-inteligencia-emocional-en-la-construccion-de-la-terapia/)
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