Diese Fassung wurde von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz aus dem Englischen übersetzt. Im Zweifelsfall ist die Originalfassung maßgeblich.
Journal of Child and Family Studies · Familie
Was erleben Kinder, wenn sie ihrer Mutter in ein Frauenhaus folgen? Linda Arnell, Sara Thunberg und Åsa Källström haben in Schweden 12 Kindern und Jugendlichen zwischen 7 und 17 Jahren zugehört. Sicherheit ist da, doch ohne Spielzeug, Ausflüge, Schule und Freundschaften wird die Zuflucht schnell zur „sicheren Verwahrung“.
Inoffizielle deutsche Übersetzung von Children’s Experiences of Staying at Domestic Violence Shelters in Sweden von Linda Arnell, Sara Thunberg und Åsa Källström, erschienen in Journal of Child and Family Studies (Springer) (2026), doi: 10.1007/s10826-025-03232-7, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique im Oktober 2026 mit Unterstützung künstlicher Intelligenz: Der Originaltext wurde ins Deutsche übersetzt und für das Lesen online neu gesetzt, was eine Bearbeitung des Werks im Sinne der Lizenz darstellt. Die Tabelle wird als Liste wiedergegeben. Diese Übersetzung stammt weder von den Verfassenden noch vom Verlag, die weder für ihren Inhalt noch für etwaige Fehler verantwortlich sind. Maßgeblich ist die Originalfassung.
Auch wenn ein vorübergehender Aufenthalt in einem Frauenhaus notwendig sein kann, um die Sicherheit von Kindern zu gewährleisten, hat er also oft seinen Preis; Frauenhäuser müssen daher so gestaltet werden, dass sie den Bedürfnissen von Kindern gerecht werden.
Linda Arnell, Sara Thunberg und Åsa Källström
Zusammenfassung
Das Wissen über die Erfahrungen von Kindern während des Aufenthalts in Frauenhäusern (Schutzeinrichtungen bei häuslicher Gewalt, HG) und über ihre Lebensqualität in dieser Zeit ist begrenzt. Ziel dieser Studie ist es zu untersuchen, wie Kinder ihren Aufenthalt in Frauenhäusern in Schweden beschreiben, und wichtige positive wie negative Aspekte dieser Erfahrungen herauszuarbeiten. Mithilfe einer thematischen Analyse wurden 12 Interviews mit Kindern im Alter von 7–17 Jahren ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass die Umgebung des Frauenhauses, Aktivitäten und soziale Beziehungen für ihre Lebensqualität wichtig sind und dass bei deren Fehlen die Gefahr besteht, dass sich die Kinder langweilen und isoliert fühlen. Auch wenn ein vorübergehender Aufenthalt in einem Frauenhaus notwendig sein kann, um die Sicherheit von Kindern zu gewährleisten, hat er also oft seinen Preis; Frauenhäuser müssen daher so gestaltet werden, dass sie den Bedürfnissen von Kindern gerecht werden.
Schlüsselwörter: Aktivitäten, Kinder, Frauenhäuser, Schutzunterkünfte, Soziale Beziehungen
Kernaussagen
Frauenhäuser (Schutzeinrichtungen bei häuslicher Gewalt) spielen eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, auf die Bedürfnisse von Frauen und Kindern einzugehen, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind. Sie gelten oft als sichere, schützende Orte, und ein Aufenthalt im Frauenhaus kann das Sicherheitsempfinden, die psychische Gesundheit und das Stresserleben von Frauen verbessern und bringt im Allgemeinen wenige Nachteile mit sich (Yakubovich et al., 2022). Kinder begleiten ihre Mutter häufig ins Frauenhaus, und meist haben auch sie erhebliche Gewalt erlebt. Unter den Kindern in Frauenhäusern haben 80–90% Gewalt miterlebt, und etwa 50% waren zu Hause selbst direkt Ziel von Gewalt (Fernández-González et al., 2018). Solche Gewalt erhöht das Risiko von Problemen beim Kind, die von emotionalen Schwierigkeiten wie Angst, Depression und sozialem Rückzug bis zu Verhaltensproblemen wie Gewalt und anderem normverletzendem Verhalten reichen (z. B. Sternberg et al., 2006; Vu et al., 2016). Diese Risiken unterstreichen, wie notwendig es ist, Kinder vor häuslicher Gewalt zu schützen, und Frauenhäuser können diesen Schutz bieten. Vor diesem Hintergrund konzentriert sich unsere Studie auf die Erfahrungen von Kindern während ihres Aufenthalts in Frauenhäusern.
Die meisten Kinder schätzen die Sicherheit, die ein Frauenhaus bieten kann (Chanmugam, 2011; Øverlien, 2011a; Thunberg et al., 2022). Die Forschung hat gezeigt, dass die Mitarbeitenden von Frauenhäusern in den letzten Jahren eine kindzentrierte Perspektive eingenommen haben, die die Situation der Kinder während ihres Aufenthalts berücksichtigt und sie neben ihren Müttern unterstützt (Côté et al., 2022; Eriksson, 2010). Die Kinder selbst sagen, dass das Personal nett ist (Øverlien, 2011b). In einer Studie mit jungen Jugendlichen in Frauenhäusern stellte Chanmugam (2011) zudem fest, dass das Beziehungsumfeld und das Milieu des Hauses selbst, einschließlich der anderen dort lebenden Familien und des Gefühls von Kameradschaft, für sie wichtig waren.
Ein Aufenthalt im Frauenhaus bringt für Kinder jedoch auch Herausforderungen mit sich. So erleben sie das Leben im Frauenhaus oft als passiv und langsam, mit starren Regeln, und können häufig nicht zur Schule gehen (Chanmugam, 2011; Øverlien, 2012). Kinder äußern zudem oft ihre Abneigung gegen die Hausregeln, die sie einschränken, etwa Regeln zu Ausgangszeiten, Schlafenszeit und elterlicher Aufsicht (Chanmugam, 2011). Hinzu kommt, dass Thunberg et al. (2022) in ihrem Review feststellten, dass Sicherheitsauflagen sich nachteilig auf andere Lebensbereiche dieser Kinder auswirken können, etwa auf die Möglichkeit, zur Schule zu gehen oder an Freizeitaktivitäten teilzunehmen, sowie auf soziale Beziehungen. Außerdem fanden Pinto et al. (2019), dass Kinder in Frauenhäusern sowohl stärker internalisierende als auch stärker externalisierende Symptome zeigten als Kinder, die mit ihrer Mutter und dem gewalttätigen Partner zu Hause lebten. Es kann also nicht als selbstverständlich gelten, dass Frauenhäuser für Kinder ausschließlich positiv sind.
Darüber hinaus haben Forschende wie Øverlien (2011b) sowie Vass und Haj-Yahia (2021) gezeigt, dass Kindern, die mit ihren Müttern ins Frauenhaus ziehen, Informationen fehlen und sie deshalb nur schwer verstehen, warum sie ihr Zuhause verlassen mussten, wohin sie gingen oder was sie mitnehmen sollten. Sie sorgen sich auch um den emotionalen Zustand ihrer Mutter und die emotionalen Reaktionen ihrer Geschwister sowie darum, was geschehen könnte, wenn sie das Frauenhaus verlassen. All das kann sie verwirren und ängstigen. Nach dem Umzug ins Frauenhaus fällt es Kindern womöglich auch schwer, die Bindungen zu ihren Eltern aufrechtzuerhalten. Nach dem Umzug haben sie möglicherweise nur begrenzt Gelegenheit, die Bindung zu ihrem Vater zu erleben, während der räumliche Kontext des Frauenhauses Kindern und Müttern emotionale und körperliche Praktiken wie Umarmungen und gemeinsame Aktivitäten ermöglicht (Henze-Pedersen, 2021). Vass und Haj-Yahia (2023) stellten jedoch fest, dass die frühere Konfrontation mit Gewalt gegen die Mutter die Kinder weiterhin beeinträchtigt, auch während ihres Aufenthalts im Frauenhaus. Sie sind nicht nur von der Gewalt selbst betroffen, sondern auch von den Folgen dessen, was ihre Mutter erlebt hat, was sich negativ auf das Wohlbefinden der Kinder und ihre Beziehung zur Mutter auswirken kann (Vass & Haj-Yahia, 2023).
Zudem erleben manche Kinder mehrere Aufenthalte in Frauenhäusern. Dies kann auf eine langanhaltende Konfrontation mit häuslicher Gewalt zurückgehen und zu Abbrüchen enger Beziehungen sowie zu wiederholten Unterbrechungen des Kita- und Schulbesuchs führen (Selvik & Øverlien, 2015). Aus internationaler Perspektive kann der Umzug in ein Frauenhaus und das Leben dort für Kinder also sowohl Vorteile als auch Herausforderungen mit sich bringen. Es ist zu bedenken, dass der Schutz von Kindern vor Gewalt zwar wichtig ist, ihre Lebensqualität aber von vielfältigen Dimensionen abhängt, die die Kinder selbst hervorheben. Dennoch ist das Wissen über die Erfahrungen von Kindern mit dem Umfeld Frauenhaus und über ihre Lebensqualität während des Aufenthalts begrenzt, und vor unserem Projekt gab es keine Forschung zu den eigenen Erfahrungen von Kindern mit dem Aufenthalt in einem Frauenhaus in Schweden.
In Schweden erlebt etwa eines von zehn Kindern im Laufe seines Aufwachsens irgendeine Form körperlicher Gewalt zwischen den Eltern, und viele dieser Kinder haben zudem irgendeine Form direkter Misshandlung durch eine erwachsene Person erfahren (Cater et al., 2015; Jernbro et al., 2023). Sowohl die Konfrontation mit häuslicher Gewalt als auch deren Schwere erhöhen das Risiko für Symptome einer posttraumatischen Belastung, Angst und Depression sowie für Selbstverletzung und andere nicht klinische Probleme (Cater et al., 2015). Obwohl die meiste Gewalt zwischen Eltern in Schweden wechselseitig zu sein scheint, ist die Gewalt (und sind die verbalen Angriffe) von Vätern gegen Mütter tendenziell schwerer und mit einer schlechteren langfristigen psychischen Gesundheit der Kinder verbunden (Miller et al., 2014). Die häusliche Gewalt, um die es in diesem Artikel geht, betrifft daher vor allem die Gewalt von Vätern gegen Mütter. Kinder, die in Schweden häuslicher Gewalt ausgesetzt sind, haben typischerweise Mühe, der Gewalt ihres Vaters und seinen späteren Haltungen und Verhaltensweisen einen Sinn zu geben, weil sie davon ausgehen, dass Väter gut und fürsorglich sein sollten und dass Gewalt schlecht ist und etwas, das man bereuen sollte (Arnell & Källström, 2023).
Es gibt keine verlässlichen Statistiken darüber, wie viele Kinder in Schweden einen Aufenthalt im Frauenhaus erleben; laut dem National Board of Health and Welfare (2020) hielten sich 2020 jedoch etwa 6.500 Erwachsene und 6.200 Kinder in Frauenhäusern auf. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt etwa zwei Monate (National Board of Health and Welfare, 2020), kann aber von wenigen Tagen bis zu einigen Jahren reichen. 2020 wurden 54% der schwedischen Frauenhäuser von gemeinnützigen Organisationen betrieben, 37% als private Unternehmen und 9% von Kommunen (National Board of Health and Welfare, 2020). Auch die Unterbringungsformen variieren: Sie umfassen Wohnungen oder Gemeinschaftsunterkünfte, in denen Familien in der Regel ein eigenes Schlafzimmer haben, sich aber Küche und Wohnzimmer teilen, und es gibt keine Vorgaben oder Empfehlungen für spezifische Programme für Kinder. Das bedeutet, dass die Lebensbedingungen und Erfahrungen während eines Aufenthalts von Kind zu Kind verschieden sein können, etwa im Hinblick auf die sozialen Beziehungen im Frauenhaus. In Schweden betonen die Mitarbeitenden von Frauenhäusern, wie wichtig es ist, ein sicheres, würdevolles und wohnliches Umfeld zu schaffen (Ekström & Hvenmark, 2025).
Die Rechte von Kindern im Hinblick auf Gewalt und den Aufenthalt in Frauenhäusern wurden in Schweden in den letzten Jahren auf vielfältige Weise gestärkt. So wurden die Rechte von Kindern, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind, als Opfer von Straftaten 2007 im Sozialdienstgesetz gestärkt (Kap. 5 § 11, 2001:453), 2021 wurde es unter Strafe gestellt, ein Kind Gewalt gegen einen Elternteil auszusetzen (schwedisches Strafgesetzbuch, 1962:700), und 2024 trat eine neue Gesetzgebung in Kraft, die speziell die Rechte von Kindern in Frauenhäusern stärken soll (Gesetz 2024:79 über die Unterbringung von Kindern in Schutzunterkünften). Wie sich dieser Kontext und die jüngsten Bemühungen, die Rechte gewaltbetroffener Kinder zu stärken, auf die Erfahrungen von Kindern in Frauenhäusern auswirken, ist jedoch weitgehend unbekannt. Mit dieser Studie wollten wir daher einen Beitrag zum Forschungsfeld leisten, indem wir untersuchen, wie Kinder ihren Aufenthalt in Frauenhäusern in Schweden beschreiben, und für ihre Lebensqualität wichtige positive wie negative Aspekte dieser Erfahrungen herausarbeiten. Dazu analysierten wir Interviews mit 12 Kindern im Alter von 7–17 Jahren mithilfe der thematischen Analyse nach Braun und Clarke (2006).
Diese Studie ist Teil des Projekts Artikel 19: Was Schutzunterkünfte für misshandelte Kinder bedeuten. Sie beruht auf 12 Interviews mit Kindern, die nach dem Verlassen eines gewaltgeprägten Zuhauses gemeinsam mit ihrer Mutter und in einigen Fällen mit Geschwistern in einem Frauenhaus gelebt haben. Die Kinder, vier Jungen und acht Mädchen, waren zum Zeitpunkt der Interviews 7–17 Jahre alt, bei einem Altersmedian von 10,6 Jahren. Die Dauer ihres Aufenthalts lag zwischen drei Monaten und drei Jahren. Sechs der Kinder hatten in nur einem Frauenhaus gelebt, ein Kind in zwei, und die übrigen fünf in drei bis acht Frauenhäusern. Alle Kinder hatten in Frauenhäusern mit Gemeinschaftsunterkunft gelebt, etwa mit gemeinsamer Küche und gemeinsamem Wohnbereich, einige aber auch in Frauenhäusern, in denen die Familie eine eigene Wohnung hatte und sich keine Räume mit anderen Erwachsenen oder Kindern teilte. Den Schilderungen der Kinder zufolge verfügten die Frauenhäuser mit Gemeinschaftsunterkunft meist über eigene Spielbereiche, strukturierte Aktivitäten und kindorientiertes Personal, während die Unterbringung in einer Wohnung weniger strukturiert war und oft weniger Kontakt zum Personal mit sich brachte. Acht der Kinder lebten zum Zeitpunkt des Interviews noch in einem Frauenhaus, vier waren vor Kurzem ausgezogen. Die Kinder stammten aus acht verschiedenen Familien, und die Interviews wurden einzeln geführt, mit Schwerpunkt auf der Erzählung jedes Kindes und seiner spezifischen Erfahrung des Lebens im Frauenhaus. Zehn Kinder waren vor der Gewalt ihres Vaters geflohen, zwei vor den Misshandlungen ihres Stiefvaters.
Die Rekrutierung der Kinder begann Ende 2020, wurde aber durch die Covid-19-Pandemie behindert, die in dieser Zeit den Zugang zu Frauenhäusern einschränkte. Daher wurden die Interviews zwischen März 2022 und Juni 2023 geführt, die meisten nach dem Herbst 2022, als in Schweden die letzten Beschränkungen aufgehoben wurden. Wir rekrutierten die Kinder mithilfe von Mitarbeitenden schwedischer Frauenhäuser. Das Personal informierte die Mütter über die Studie, und wenn die Mütter eine Teilnahme für angemessen hielten, informierten sie ihrerseits ihre Kinder und fragten, ob diese Interesse hätten. Bei Interesse an einer Teilnahme nahmen die Mütter direkt oder über das Personal des Frauenhauses Kontakt zu uns Forscherinnen auf. Wir vereinbarten gemeinsam Zeit und Ort eines Treffens, an dem sich Mütter und Kinder sicher fühlten. Dort informierten wir die Mütter und die Kinder (altersgerecht) mündlich und schriftlich ausführlich über die Studie und beantworteten alle Fragen zur Teilnahme. Wenn die Mutter daraufhin zustimmte, unterschrieb sie eine schriftliche Einwilligungserklärung für die Teilnahme ihres Kindes bzw. ihrer Kinder. Anschließend wurde jedes Kind gefragt, ob es teilnehmen wolle, und darüber informiert, dass es jederzeit eine Pause machen, Fragen überspringen oder das Interview abbrechen könne, wenn es dies wünsche. Wenn das Kind mündlich seine Zustimmung gab, begann das Interview.
Wir führten die Interviews an einem von der Mutter gewählten Ort, an dem sich sowohl sie als auch das Kind sicher fühlten. Sie waren entlang der fünf Phasen strukturiert, die Frauen und Kinder im Frauenhaus durchlaufen, wie Rösare (2015) sie formuliert hat: (1) die Ankunft und der erste Tag im Frauenhaus, (2) die erste Woche im Frauenhaus, (3) die weitere Zeit im Frauenhaus, (4) die letzte Zeit im Frauenhaus und (5) die Zeit nach dem Auszug. Wir setzten diese Themen in den Interviews jedoch flexibel ein und ließen die Kinder relativ frei erzählen, statt einer chronologischen Reihenfolge zu folgen. Damit die Kinder ihre eigenen Geschichten erzählen konnten, stützten wir die Interviews auf offene Fragen, die sie einluden, ihre Erfahrungen zu beschreiben, zum Beispiel: „Kannst du mir erzählen, wie es war, im Frauenhaus zu wohnen?“ oder „Kannst du beschreiben, wie es im Frauenhaus aussah?“ Die Erzählungen der Kinder wurden dann durch Nachfragen ergänzt, um ihre Erfahrungen besser zu verstehen und manchmal zu überprüfen, ob wir ihre Geschichte richtig verstanden hatten. Während der Interviews luden wir die Kinder auch ein, Bilder zu malen, wenn sie wollten, und boten Kaffee oder Limonade und Kekse an. Die Interviews dauerten etwa 25 bis 60 min, je nachdem, wie viel das Kind erzählen wollte. In der Regel dauerte das Interview länger, wenn es sich um Jugendliche handelte.
Die Interviews wurden anhand der sechs Phasen der thematischen Analyse nach Braun und Clarke (2006; siehe auch Braun & Clarke, 2013, 2022) als Rahmen und Leitfaden ausgewertet. Die sechs Schritte bestehen aus: (1) sich mit den Daten vertraut machen, (2) erste Codes generieren, (3) nach Themen suchen, (4) Themen überprüfen, (5) Themen definieren und benennen und (6) den Bericht verfassen. Diese Phasen lassen sich als Prozess verstehen, in dem man zwischen den Schritten hin- und hergeht, und so sind wir auch bei dieser Analyse vorgegangen. Konkret begannen wir mit dem Analyseprozess, während sich die Erst- und die Drittautorin beim Führen und Transkribieren der Interviews abwechselten (d. h. die Person, die das Interview nicht geführt hatte, transkribierte es), um mit den Daten vertrauter zu werden. Anschließend vertieften wir drei uns weiter in die Daten, indem wir die Transkripte lasen und wieder lasen, um erste Codes zu identifizieren, und mögliche Themen diskutierten, die die Daten gut abbilden würden. Da das Ziel dieser Studie darin bestand, die Erfahrungen der Kinder im Frauenhaus zu untersuchen, ließen wir die Teile der Interviews außer Acht, die die Flucht vor der Gewalt und die Zeit nach dem Umzug aus dem Frauenhaus in eine eigene Wohnung betrafen. Danach ordnete die Erstautorin die Codes in einem gemeinsamen Codierschema, mit Bezug auf jedes einzelne Kind. Dann überprüften und diskutierten alle drei Autorinnen die Themen und ihre Übereinstimmung mit den Codes, bis wir uns einig waren, dass sie dem Inhalt der Erzählungen entsprachen.
Die Themen, Unterthemen und ihre Bezeichnungen überarbeiteten und beschlossen wir in gemeinsamen Diskussionen. Im sechsten Schritt schließlich verfasste die Erstautorin den unten dargestellten Ergebnisbericht, der die Erzählungen der Kinder über ihre Erfahrungen in Frauenhäusern beschreibt. Wir haben Auszüge verwendet, um die Ergebnisse zu veranschaulichen, und diese selbst aus dem Schwedischen ins Englische übersetzt; anschließend wurden sie von einer Fachperson mit Englisch als Muttersprache lektoriert, der auch die Originalauszüge zum Vergleich vorlagen, mit dem Ziel, die Übersetzung so genau wie möglich zu machen.
Wir erhielten ein positives Ethikvotum der Swedish Ethical Review Authority (Dnr. 2020:04561, mit Änderungen Dnr. 2021-03242, 2021-06928-02 ). Da das Projekt Kinder mit Gewalterfahrungen in der Familie einbezieht und viele von ihnen mit geschützter Identität lebten, mussten wir zahlreiche ethische Fragen berücksichtigen. Die Sensibilität des Projekts prägte den gesamten Prozess, von der ersten Planung über die Rekrutierung, die Datenerhebung und den Umgang mit den Daten bis zum Verfassen dieses Manuskripts. Alle drei Autorinnen waren zuvor in der Opferhilfe tätig, eine als ehrenamtliche Opferhelferin, eine als Mitarbeiterin eines Frauenhauses und eine als Vorstandsmitglied eines anderen Frauenhauses, aber keine von uns hat sich je als Kind oder Erwachsene in einem Frauenhaus aufgehalten. Bei der Durchführung dieser Studie kamen uns unsere frühere Arbeit in der Opferhilfe und unsere frühere Forschung zu jungen Kriminalitätsopfern zugute. Um sicherzustellen, dass die Ergebnisse in den gelebten Erfahrungen der Kinder verankert blieben und nicht in unseren eigenen Vorannahmen, haben wir uns sowohl während der Interviews als auch bei der Analyse bewusst bemüht, uns auf die Beschreibungen und Bedeutungen der Teilnehmenden zu konzentrieren.
Während der Interviews achteten wir zum Wohl der Teilnehmenden besonders auf die verbalen und nonverbalen Äußerungen der Kinder. Mütter und Kinder erhielten schriftliche Informationen darüber, wohin sie sich um Hilfe und Unterstützung wenden konnten. Den Kindern wurde außerdem angeboten, während des Interviews eine „sichere“ Person bei sich zu haben, und drei Kinder entschieden sich dafür, ihre Mutter dabeizuhaben. Darüber hinaus halfen uns die Mitarbeitenden der Frauenhäuser, die uns bei der Rekrutierung unterstützt hatten, dem Bedarf der Mütter und Kinder an Unterstützung und Sicherheit gerecht zu werden. Um die Identität von Müttern und Kindern zu schützen, haben wir in der Darstellung unserer Ergebnisse Pseudonyme verwendet. Zudem haben wir spezifische Details wie Namen von Orten und Organisationen entfernt, um die Identität der Teilnehmenden zu schützen.
Im Codierprozess ergaben sich aus den Beschreibungen der Kinder über ihren Aufenthalt im Frauenhaus drei Hauptthemen: Umgebung des Frauenhauses, Aktivitäten und Soziale Beziehungen. Die Kinder beschrieben das Leben im Frauenhaus sowohl positiv als auch negativ. Sie sagten, dass die Umgebung des Frauenhauses, Aktivitäten und soziale Beziehungen für ihre Lebensqualität wichtig seien und dass sie sich, wenn diese fehlten, zu langweilen und isoliert zu fühlen drohten. Kinder, die in mehr als einem Frauenhaus gelebt hatten, beschrieben die einzelnen Häuser meist recht unterschiedlich, sowohl was die Umgebung betrifft als auch die Voraussetzungen für und die Zahl der Aktivitäten und sozialen Beziehungen. Wir stellen die drei Themen im Folgenden einzeln dar und beleuchten dabei sowohl die positiven als auch die negativen Aspekte von Frauenhausaufenthalten, wie die Kinder sie beschrieben haben.
Tabelle 1 — Beschreibung der aus der Analyse abgeleiteten Themen
Die Interviews zeigen, dass die Kinder in ihren Erzählungen Sicherheit und grundlegende Voraussetzungen wie eine saubere und hygienische Umgebung als wichtig hervorhoben, aber auch über negative Aspekte sprachen, die ein Gefühl der Isolation hervorrufen konnten. Was die Sicherheit betrifft, sagten alle Kinder, dass sie die Sicherheit im Frauenhaus spürten und schätzten. Sie sprachen über Sicherheit im Zusammenhang mit Schutz, damit, sich weniger Sorgen zu machen, und damit, an einem Ort zu leben, der frei von der Gewalt war, die sie zu Hause erlebt hatten. So sagt etwa Mattias, ein neunjähriger Junge: „Mir ging’s damals [vor dem Umzug ins Frauenhaus] gut, aber hier geht’s mir viel besser […] Es ist viel sicherer und besser, und man darf mit dem Personal zusammen sein.“ Ein weiteres Beispiel dafür, wie die Kinder über ihr Wohlbefinden im Zusammenhang mit Sicherheit sprachen, stammt von Sebastian, einem 17-jährigen Jungen: „Es fühlt sich einfach gut an, in eine Umgebung zu kommen, wo ich, ich hatte mein eigenes Zimmer, also war es eher so, dass ich für mich sein konnte, weg von allem, also war es einfach schön.“
Diese Beispiele aus den Erzählungen von Mattias und Sebastian veranschaulichen positive Aspekte des Aufenthalts an einem sicheren Ort, die alle Kinder gleichermaßen teilten, unabhängig von ihrem Alter, davon, ob der Täter ihr Vater oder Stiefvater war, oder davon, in wie vielen Frauenhäusern sie gelebt hatten. Auch wenn Sicherheit als grundlegende Voraussetzung für Kinder im Frauenhaus verstanden werden kann, sprachen die Kinder in einigen Fällen auch ausdrücklich über grundlegende Voraussetzungen im Hinblick auf Standard und Sauberkeit der Frauenhäuser. Fehlten diese, beschrieben die Kinder den niedrigen Standard und eine unsaubere oder unhygienische Umgebung als etwas, das ihren Aufenthalt negativ beeinflusste, wie Lisas Erzählung zeigt.
Es war, na ja, ein kleines Zimmer mit vielleicht, es waren drei Betten drin, und die Dusche war überhaupt nicht sauber, also musste Mama tagelang drängeln, dass wir nicht in dem Zimmer bleiben wollten und dass wir das Zimmer wechseln dürfen, weil es so, na ja, dreckig war, dass wir nicht duschen wollten. Ich konnte nicht duschen, weil wir es gewohnt waren, dass alles sauber ist und so, also haben wir mehrere Tage nicht geduscht. (Lisa, Mädchen, 15 Jahre)
Wie Lisas Aussagen veranschaulichen, lassen sich die Erzählungen der Kinder über eine saubere und hygienische Umgebung als Beschreibungen grundlegender Voraussetzungen für das Leben im Frauenhaus verstehen. Darüber hinaus nannten die Kinder den Standard ihrer Zimmer, die Möbel, Spielzeug und Spielbereiche als grundlegende Voraussetzungen, die für das Leben im Frauenhaus wichtig waren. Wurden diese positiv beschrieben, etwa als saubere Räume, ein Zimmer, das groß genug für die ganze Familie war, und ein Ort, an dem sie spielen konnten, sprachen die Kinder positiv über die Frauenhäuser, beschrieben sie als lustig und sagten, dass sie gern dort waren. Fehlten diese grundlegenden Voraussetzungen für das Leben der Kinder, wurde das Leben im Frauenhaus dagegen oft als etwas mit negativer Wirkung beschrieben, als öde, langweilig und sozial isolierend, wie Frejas Erzählung zeigt.
Ich durfte nicht nach draußen, das war also sehr traurig, weil es sehr, ich konnte mich irgendwie nicht bewegen. Das war irgendwie das Schwerste, weil ich es toll finde, draußen zu sein. […] Und dann, jetzt, wo ich zuletzt war, durfte ich sechs Monate lang nicht zur Schule gehen. (Freja, Mädchen, 11 Jahre)
Wie Frejas Erzählung zeigt, kann das Leben im Frauenhaus als langweilig und isolierend erlebt werden, etwa wenn man keine Zeit draußen verbringen oder nicht zur Schule gehen kann. Diese Isolation muss im Zusammenhang mit den Sicherheitsregeln und -vorschriften gesehen werden, die wegen der Bedrohung der Familien eingehalten werden müssen. Sicherheit und Schutz der Kinder, die sie sehr schätzen, müssen daher gegen die negativen Folgen der Isolation abgewogen werden.
Zusammenfassend zeigen die Erzählungen der Kinder, wie wichtig Sicherheit und grundlegende Voraussetzungen in den Frauenhäusern sind, damit ihr Aufenthalt zu einer positiven Erfahrung wird. Dennoch zeigen ihre Erzählungen, dass das Leben im Frauenhaus auch als langweilig und isolierend erlebt werden und sich negativ auf ihre Lebensqualität auswirken kann, besonders wenn es keine Möglichkeit zum Schulbesuch gibt und Aktivitäten fehlen.
Die Erzählungen der Kinder zeigen nicht nur die Bedeutung der Umgebung des Frauenhauses, sondern auch die von Aktivitäten, genauer gesagt von Aktivitäten im Freien und von Dingen, mit denen man in der Freizeit spielen oder sich beschäftigen kann, wie Spielzeug, Kuscheltiere oder Computerspiele, wie Mehmet (Junge, 10 Jahre) betonte: „Es ist cool, dass man sich hier Spiele ausleihen kann, Nintendo und PS4.“ Fehlten diese jedoch, beschrieben die Kinder ihren Aufenthalt im Frauenhaus als langweilig, was negative Aspekte solcher Aufenthalte offenbart, wie Elins Erzählung beispielhaft zeigt:
Ich wünschte, sie würden uns vielleicht ein bisschen Spielzeug geben oder so, damit wir wenigstens irgendwas machen können. Oder uns wenigstens helfen, irgendwelche Aktivitäten zu machen oder so was. Es muss nichts Riesiges sein, aber wenigstens, damit wir was machen können und nicht nur im Frauenhaus herumsitzen und uns langweilen müssen. (Elin, Mädchen, 11 Jahre)
Die Erzählungen der Kinder unterstreichen, wie Elin veranschaulicht, die Bedeutung von Aktivitäten und Beschäftigungsmöglichkeiten in der Freizeit. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Möglichkeit, nach draußen zu gehen, wie Freja oben veranschaulichte und wie es hier ihren Erfahrungen in einem anderen Frauenhaus gegenübergestellt wird.
In dem letzten Frauenhaus, in dem ich war, konnte ich rausgehen. Da gab es einen Hof, einen riesigen, das war wie der tollste Garten, so riesig, in dem wir sein durften, aber nicht über die Grenze hinaus, und dann hab ich ein Fahrrad bekommen, also sind wir viel Rad gefahren und so. (Freja, Mädchen, 11 Jahre)
Wie Frejas Erzählung zeigt, kann das Leben im Frauenhaus recht lustig und angenehm sein, wenn man nach draußen gehen oder Aktivitäten wie Radfahren nachgehen kann; muss man jedoch (aus Sicherheitsgründen) drinnen bleiben, wird es langweilig und isoliert. Die verfügbaren Aktivitäten, insbesondere die Möglichkeit, draußen zu sein, werden oft positiv beschrieben, wie Camillas Erzählung zeigt.
Das Beste war, dass man da, da haben nur wir gewohnt, und wir durften ganz viele Ausflüge machen. Wir waren im [Name eines Freizeitparks] und wir waren im Schwimmbad, wir waren auf einem Spielplatz. Wir haben ganz viele lustige Sachen gemacht. (Camilla, Mädchen, 7 Jahre)
Wie diese Erzählungen zeigen, haben Aktivitäten für die Kinder große Bedeutung. Genauer gesagt betonten jüngere Kinder oft, wie wichtig Spielzeug, ein Trampolin und eigene Spielbereiche im Frauenhaus sind. Ältere Kinder hoben dagegen eher den Wert eines zuverlässigen WLANs hervor, über soziale Medien mit dem Freundeskreis in Kontakt zu bleiben und Aktivitäten im Freien nachzugehen, etwa Radfahren, in die Bibliothek oder ein Eis essen gehen oder an ihren Mopeds schrauben. Die meisten Kinder sprachen jedoch auch davon, dass es an Beschäftigung fehlte und dass sie sich wegen der Sicherheitsmaßnahmen, die ihren Alltag unterbrachen, drinnen langweilten oder isoliert fühlten. Die Regeln und Beschränkungen zum Schutz und zur Sicherheit im Frauenhaus haben also auch ihre Schattenseiten, da sie die Möglichkeiten der Kinder einschränken, drinnen und draußen aktiv zu sein.
Für die meisten Kinder ist die Möglichkeit, mit Freundinnen und Freunden sowie der Familie in Kontakt zu bleiben, nicht nur durch Sicherheitsvorkehrungen eingeschränkt, sondern hängt auch mit dem Umzug aus dem alten Zuhause an einen neuen Ort zusammen, der oft weit vom früheren Wohnort entfernt ist. Freundschaften und das Personal der Frauenhäuser oder neue Freundschaften in der Stadt, in die sie gezogen sind, werden für die Kinder dadurch sehr wichtig. Manche Kinder, die in Frauenhäusern mit Gemeinschaftsunterkunft leben, finden auch im Frauenhaus Freunde, wie Lilly (Mädchen, 7 Jahre) erklärte: „Man findet viele Freunde, mit denen man [im Frauenhaus] zusammenwohnt. [Name] und [Name] sind meine Freunde.“ Die anderen Bewohnenden sind also wichtig, doch die Kinder sagten auch, dass es schwierig sei, Freundschaften zu schließen, wenn es vielleicht keine Kinder im gleichen Alter oder mit den gleichen Interessen gibt, wie im Fall von Natasha.
Ich kann niemanden zu mir einladen, und ich kann auch nicht direkt die Wahrheit sagen, also war es so, ja, aber, ich brauche keine Freundinnen, ich kann bis zur weiterführenden Schule warten. Es war nur noch ein Jahr. Aber jetzt merke ich, dass das nicht klappt, dass ich jemanden an meiner Seite brauche, und ich habe eine Freundin, die auf meiner Schule ist. Aber ich will mehr […] deshalb wünsche ich mir, dass jemand in meinem Alter [ins Frauenhaus] kommt, nur damit ich ihr so nahe sein kann, deshalb habe ich danach Ausschau gehalten. Aber es kommt niemand. […] Dann hätte ich ihr nicht alles erklären müssen. Sie hätte mich sozusagen besser verstanden. (Natasha, Mädchen, 14 Jahre)
Wie Natashas Erzählung deutlich macht, ist es wegen der Sicherheitsvorkehrungen nicht leicht, an einem neuen Ort neue Freundschaften zu schließen: Man darf nicht sagen, wo man wohnt, keine Freunde ins Frauenhaus mitbringen und ihnen nicht von der eigenen Lebenssituation auf der Flucht erzählen. Ihre Erzählung zeigt auch die Sehnsucht nach einer gleichaltrigen Freundin, mit der sie sich verbunden fühlen und Erfahrungen teilen könnte – etwas, das nicht eingetreten war.
Für Kinder, die im Frauenhaus keine Freundschaften schließen oder nicht zur Schule gehen oder Aktivitäten außerhalb des Frauenhauses nachgehen können, werden die Beziehungen begrenzt. Einige Kinder erzählten, dass sie ihre Zeit nur mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern verbrachten und niemanden sonst zum Umgang hatten. Elins Erzählung ist ein Beispiel dafür.
Also, es war ziemlich langweilig, nicht so viele Leute treffen zu dürfen und so, aber wir konnten trotzdem meistens raus zum Einkaufen und so was. Und da hat man dann andere Leute getroffen, aber dann hat man nicht geredet. (Elin, Mädchen, 11 Jahre)
Wie Elins Erzählung zeigt, waren die sozialen Beziehungen der Kinder manchmal sehr eingeschränkt; sie konnten ihren alten Freundeskreis und ihre Familie nicht treffen und am neuen Ort keine neuen Beziehungen aufbauen. In der Anfangszeit im Frauenhaus scheint dies aufgrund der Sicherheitsvorkehrungen besonders schwierig gewesen zu sein, und manchmal hatten sie kaum Kontakt zu jemandem außer ihrer Mutter und, falls vorhanden, ihren Geschwistern. Einige Kinder beschrieben jedoch, wie sie nach einer Weile manchmal wieder Kontakt zur Familie aufnahmen, etwa zu den Großeltern, wie Jills (Mädchen, 8 Jahre) Erzählung zeigt, als wir sie fragten, ob sie jemanden außerhalb des Frauenhauses treffen könne:
Jill: Ja, wir haben meine Oma getroffen. Aber nicht die anderen.
Interviewerin: Und wer sind dann die anderen? Wenn du sagst, nicht die anderen.
Jill: [Name des Großvaters], die Freundin von Opa.
Interviewerin: Du konntest also einige treffen, aber nicht alle?
Mutter: Konnten wir nicht, nein. Opa nicht. Nur Oma. […]
Interviewerin: Wie hat sich das angefühlt? Sie nicht treffen zu können.
Jill: Es war traurig, dass wir das nicht konnten. Wir hätten uns gewünscht, dass alle am selben Ort in [Name der Stadt] wohnen könnten.
Es ist also sehr wichtig, nach der Anfangszeit im Frauenhaus wieder Kontakt zur Familie außerhalb des Frauenhauses aufzunehmen. Die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen erschweren es den Kindern jedoch, mit der Familie außerhalb des Frauenhauses in Kontakt zu bleiben, und erst recht mit dem Freundeskreis. Selten können sie sich persönlich treffen; stattdessen schreiben sie sich oder telefonieren. Ausnahmen gelten allerdings für die wenigen Kinder, die in einem Frauenhaus nahe ihrem früheren Wohnort unterkommen können. Auch wenn sie ebenfalls mit Sicherheitsrisiken umgehen müssen, können sie in manchen Fällen weiterhin zur Schule gehen und ihren alten Freundeskreis sehen.
Die Kinder sprachen auch über das Personal des Frauenhauses, das in ihrem Alltag offenbar eine wichtige Rolle spielte. Die Mitarbeitenden wurden als Personen beschrieben, die den Zugang zur Schule erleichterten und Aktivitäten organisierten, wie Mattias (Junge, 9 Jahre) veranschaulicht.
Interviewerin: Du hast gesagt, dass du das Personal magst.
Mattias: Mit denen macht es Spaß, und sie sind nett.
Interviewerin: Organisieren sie normalerweise etwas, was man machen kann?
Mattias: Ja, manchmal grillen wir Würstchen, und wir hatten einen „Waffeltag“, da haben wir Waffeln gemacht, und wir grillen auch Hamburger.
Neben der Erleichterung des Schulzugangs, der Organisation von Aktivitäten und, wie Mattias veranschaulicht, ihrer Rolle als verspielte Begleitung waren die Mitarbeitenden oft diejenigen, an die sich die Kinder (abgesehen von ihren Müttern) am ehesten wandten, wenn sie Fragen hatten oder Unterstützung brauchten. Das lässt sich an Natachas Antwort veranschaulichen, als wir sie fragten, ob es etwas gebe, das ihr am Auszug aus dem Frauenhaus nicht gefalle:
Dass ich den Kontakt zum Personal verliere. Denn auch wenn sie noch nicht so lange in meinem Leben sind, haben sie mir irgendwie am meisten geholfen, deshalb ist es irgendwie traurig, den Kontakt zu verlieren, weil ich das nicht will. Weil sie mir irgendwie so sehr geholfen haben, sind sie jetzt ein riesiger Teil meines Lebens. (Natacha, Mädchen, 14 Jahre)
Die Erzählungen der Kinder legen nahe, dass die Mitarbeitenden der Frauenhäuser wichtige Bezugspersonen waren, auch wenn ihre Rolle je nach Alter des Kindes unterschiedlich beschrieben wurde. Jüngere Kinder beschrieben das Personal eher als nette und verspielte Begleitung, während ältere Kinder die Rolle der Mitarbeitenden als vertrauenswürdige Erwachsene betonten, bei denen sie Unterstützung suchen konnten. Diese unterschiedlichen Perspektiven verdeutlichen die vielschichtige Rolle des Personals von Frauenhäusern, wenn es darum geht, den Bedürfnissen von Kindern verschiedener Altersgruppen gerecht zu werden. Es gab jedoch auch zwei Kinder, die von negativen Erfahrungen mit dem Personal berichteten, darunter Lisa (Mädchen, 15 Jahre), die sagte: „Da war eine Frau, die dort gearbeitet hat; die war echt gemein.“
Es gab auch eine Person, die alle Kinder nach eigenen Angaben nicht treffen wollten oder der gegenüber sie gemischte Gefühle hatten – den Gewalttäter, meist ihr Vater. Einige der jüngsten Kinder erwähnten, dass sie ihren Vater vermissten, während sie sich zugleich Sorgen machten oder Angst davor hatten, ihm zu begegnen. Einige der älteren Kinder hatten versucht, über Post in Kontakt zu bleiben, sagten aber dennoch, dass sie ihn nicht persönlich treffen wollten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sozialen Beziehungen in den Erzählungen der Kinder Bedeutung beigemessen wurde, dass sie aber nicht immer leicht aufrechtzuerhalten waren, oft fehlten und manchmal kompliziert oder negativ waren. Die Erzählungen veranschaulichen, wie wichtig es ist, den Kontakt zu Freundeskreis und Familie außerhalb des Frauenhauses aufrechterhalten zu können und im Frauenhaus sichere und unterstützende Beziehungen zum Personal und zu anderen Kindern zu haben. Die Erzählungen zeigen auch, dass einige der Kinder außer dem Personal, ihrer Mutter und ihren Geschwistern kaum jemanden trafen.
Insgesamt bestätigen die Themen, die wir in den Erzählungen der Kinder identifiziert haben, die bisherige Forschung und tragen zum Forschungsfeld bei, indem sie zeigen, dass ein Aufenthalt im Frauenhaus in Schweden – wie zuvor bereits in anderen Ländern festgestellt – zwar für die Sicherheit der Kinder notwendig ist, aber oft seinen Preis hat. Konkret berichteten die Kinder in unserer Studie, dass sie sich im Umfeld des Frauenhauses sicher fühlten, was mit früheren Studien übereinstimmt (Arnell & Thunberg, 2025; Chanmugam, 2011; Øverlien, 2011a; Thunberg et al., 2022). Ihre Schilderungen zeichneten das Frauenhaus jedoch nicht als „sicheren Hafen“; vielmehr vermittelten sie – in Ermangelung sinnvoller Aktivitäten, von Spielzeug, Möglichkeiten zum Spielen im Freien und grundlegenden Voraussetzungen wie ausreichend Platz für die Familie und einer sauberen Wohnumgebung – eher das Bild eines Ortes der „sicheren Verwahrung“. Diese grundlegenden Voraussetzungen, die in der bisherigen Literatur selten betont werden, erwiesen sich für die Kinder als entscheidend. Unsere Studie trägt somit zum Forschungsfeld bei, indem sie die Bedeutung dieser Grundlagen in den Vordergrund rückt, deren Fehlen sich negativ auf die Lebensqualität von Kindern während ihres Aufenthalts in Frauenhäusern auswirkt.
Die Art und Weise, wie die in dieser Studie interviewten Kinder die Isolation, die Hausregeln und die Einschränkungen sozialer Beziehungen beschrieben, die einen Aufenthalt im Frauenhaus oft begleiten, steht ebenfalls im Einklang mit der bisherigen Forschung (Chanmugam, 2011; Øverlien, 2012; Thunberg et al., 2022). Die Analyse zeigt beispielsweise die Bedeutung von Freundschaften und deren häufiges Fehlen: Oft hatten die Kinder im Frauenhaus niemanden im gleichen Alter, mit dem sie spielen oder reden konnten. Dennoch deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass Beziehungen zu Familienangehörigen oft aufrechterhalten oder wiederhergestellt werden konnten – mit Unterstützung der Mutter durch Briefe oder Telefonate –, während die eigenen (früheren) Freundschaften der Kinder häufig vermisst wurden und unter dem Umzug ins Frauenhaus litten. Es ist anzunehmen, dass dies mit den Sicherheitsmaßnahmen zusammenhängt, unter denen sie wegen der Gewaltdrohungen lebten, und bei manchen mit dem weiten Umzug an einen Ort fern ihres Zuhauses. Für ihre Lebensqualität ist es daher wesentlich, dass Kinder in Frauenhäusern Zugang zu strukturierten Freizeitaktivitäten und zur Schule gemeinsam mit anderen gleichaltrigen Kindern haben. Solche Begegnungen ermöglichen sozialen Austausch und Unterstützung durch Gleichaltrige.
Darüber hinaus zeigen die Erzählungen, dass diese Kinder unterschiedliche Erfahrungen gemacht hatten und sowohl über positive als auch über negative Aspekte der Frauenhäuser sprachen, in denen sie gelebt hatten. Wenn sie beispielsweise in einem Frauenhaus mit Gemeinschaftsunterkunft lebten, schätzten sie die Möglichkeiten, Freundschaften zu schließen und Unterstützung durch das Personal zu erhalten. Andererseits bedeutete eine eigene Wohnung, dass sie sich keine Gedanken darüber machen mussten, wie es anderen Kindern ging oder wie diese sich verhielten, und Spielzeug und Räume nicht mit anderen Kindern teilen mussten. Unsere Ergebnisse zeigen somit, wie wichtig die Umgebung des Frauenhauses, Aktivitäten und soziale Beziehungen für Kinder während ihres Aufenthalts sind und dass ihre Erfahrungen variieren können, je nachdem, ob sie Gelegenheit haben zu spielen, Zeit im Freien zu verbringen oder Freundschaften und Familie zu pflegen. Im Einklang mit den Ergebnissen von Woodward und Joseph (2003) deutet dies darauf hin, dass Kinder eine bessere Lebensqualität erleben, wenn Frauenhäuser ihr Erleben von Sicherheit und Schutz sowie ihre Handlungsfähigkeit, Kontrolle und Freiheit im Alltag stärken können. Im besten Fall kann dies zu Veränderungen führen und die Befreiung, das Wachstum und das Wohlbefinden von Kindern in Frauenhäusern fördern.
Auch wenn unser empirisches Material zu begrenzt ist, um eine strukturierte Analyse über die Zeit zu ermöglichen, ließe sich die Hypothese aufstellen, dass sich ein Gefühl der Sicherheit mehr oder weniger unmittelbar nach der Ankunft im Frauenhaus zu entwickeln beginnen kann und dass auch das Einleben, indem grundlegende Voraussetzungen geschaffen und Spielmöglichkeiten entdeckt werden, bald nach der Ankunft einsetzen kann. Dennoch kann es einige Zeit dauern, sich an die neue Situation im Frauenhaus zu gewöhnen und vertrauensvolle Beziehungen zu anderen Bewohnenden und zum Personal aufzubauen (Thunberg & Arnell, 2025). Auch wenn es in unseren Interviews nicht ganz deutlich wurde, halten wir es für wahrscheinlich, dass sich Langeweile oder Isolationsgefühle später entwickeln, abhängig von Faktoren wie der Frage, ob die verfügbaren Möglichkeiten für Aktivitäten, Spiel usw. dem Kind genügend Anregung bieten. Ebenso ist es möglich, dass es der Umzug ins Frauenhaus ist, der die Unterbrechung sozialer Beziehungen und des Schulbesuchs bewirkt, und dass das Ausloten von Beziehungsmöglichkeiten mit anderen Kindern oder mit dem Personal des Frauenhauses sowie Hausaufgaben spätere Strategien sind, um mit diesen Unterbrechungen umzugehen. Wenn diese Strategien nicht aufgehen, können Kinder anhaltend belastet sein, ihre Freundschaften vermissen und/oder Schulhalbjahre wiederholen müssen.
Der Prozess eines Frauenhausaufenthalts muss auch im Zusammenhang mit den mehrfachen Aufenthalten diskutiert werden, die viele Kinder aufgrund wiederholter Bedrohungen erleben. Um den Prozess des Lebens im Frauenhaus zu verstehen, müssen wir uns vergegenwärtigen, dass jeder neue Umzug für die Kinder und ihre Mütter bedeutet, wieder ganz von vorn anzufangen: Ankunft in einer neuen Stadt, eine Zeit lang kein Schulbesuch, neues Personal im Frauenhaus und erneut Spielzeug und Freundschaften für einen neuen, unbekannten Ort zurücklassen. Im Einklang mit Selvik und Øverlien (2015) vertreten wir daher die Auffassung, dass ein Frauenhausaufenthalt weder als linear noch als vorübergehende Unterbrechung verstanden werden kann; vielmehr muss er als ein Prozess wiederholter Unterbrechungen verstanden werden, die die Lebensqualität von Kindern beeinträchtigen. Darüber hinaus umfassen Lebensqualität und Wohlbefinden von Kindern mehr als die bloße Abwesenheit von Problemen wie Gewalt und beziehen sich typischerweise auf die subjektive Sicht eines Menschen auf die eigene Gesundheit und die eigenen Lebensumstände. Wenn Kinder über ihre Lebensqualität sprechen, beziehen sie nicht nur Dimensionen wie Sicherheit und Schutz ein, sondern auch Handlungsfähigkeit und Kontrolle im Alltag, Freiheit, Spaß und körperliche Gesundheit (Grip et al., 2014). In ähnlicher Weise legen Woodward und Joseph (2003) nahe, dass ein Gefühl von Befreiung, Freiheit, Bewältigung und Kontrolle für das Wachstum nach Gewalterfahrungen wichtig ist. Es ist daher wichtig, dafür zu sorgen, dass die Umgebung für diese Kinder so stabil und vorhersehbar wie möglich wird und ihre Sicherheit, Handlungsfähigkeit und Kontrolle unterstützt (Grip et al., 2014; Hauge & Kiamanesh, 2019).
Die geringe Zahl von Interviews mit Kindern schränkt unsere Möglichkeit ein, mögliche Unterschiede zwischen Kindern unterschiedlichen Geschlechts oder Alters zu erkennen. Dies ist eine häufige Einschränkung in der Forschung mit Kindern in Frauenhäusern. Dennoch liegt die größte Stärke der Studie darin, dass die Interviews direkt mit einer schwer erreichbaren Stichprobe von Kindern unterschiedlichen Geschlechts und Alters geführt wurden, statt stellvertretend mit ihren Müttern oder mit Fachkräften. Ihre Erzählungen ermöglichten es uns, ihre Erfahrungen unmittelbar zu erkunden. Dennoch braucht es mehr Forschung, die auf den eigenen Beschreibungen von Kindern über ihre Erfahrungen beruht, aus verschiedenen Ländern und Wohlfahrtssystemen, und diese Studie hat in gewissem Maße dazu beigetragen, diese Wissenslücke zu schließen. Darüber hinaus ist es auch wichtig, die Perspektiven des Personals der Frauenhäuser und der Lehrkräfte einzubeziehen, insbesondere nach der Einführung der neuen Gesetzgebung in Schweden, ebenso wie die Perspektive von Angehörigen der erweiterten Familie, die wegen der vom Täter ausgehenden Bedrohung den Kontakt verlieren.
Im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt haben sowohl Mütter als auch Kinder nur begrenzte Macht, ihre Situation zu beeinflussen. Nicht nur sind sie diejenigen, die umziehen müssen, sondern die Folgen reichen weiter und beeinträchtigen die Lebensqualität der Kinder. Bezieht man eine gesellschaftliche Ebene in diese Diskussion ein, wird deutlich, dass das weltweit entwickelte Schutzsystem an Grenzen stößt, wenn es darum geht, den Rechten und Bedürfnissen von Kindern und ihren Eltern gerecht zu werden. Kinder in Frauenhäusern haben nicht nur das Recht, vor Gewalt geschützt zu werden, sondern auch ein Recht auf Entwicklung, Bildung usw. (Thunberg et al., 2022). Der Staat muss zudem alle geeigneten Gesetzgebungs-, Verwaltungs-, Sozial- und Bildungsmaßnahmen ergreifen, um jedem Kind und den Menschen, die für es sorgen, die notwendige Unterstützung zu geben, wie es das UN-Übereinkommen über die Rechte des Kindes (United Nations, 1989) vorsieht.
Unser Befund, dass die Schule für viele Kinder in Frauenhäusern eine erhebliche Herausforderung darstellt, deckt sich mit früherer Forschung, etwa von Ekström und Hvenmark (2025), und erweitert sie. Die beiden Autorinnen stellten fest, dass die Qualität von Frauenhäusern nicht nur die Beziehung zwischen Mutter und Kind umfasst, sondern auch, „dass sicherzustellen, dass diese Kinder auch während ihres Aufenthalts im Frauenhaus zur Schule gehen können, ein echtes Qualitätskriterium darstellt“ (2025, S. 7). Unsere Studie ergänzt dieses Verständnis, indem sie hervorhebt, dass die Kinder selbst ähnliche Anliegen äußern. Sie betonen, wie wichtig es ist, während ihres Aufenthalts den Zugang zu Bildung zu erhalten, was darauf hindeutet, dass dies ein kritischer Bereich mit Verbesserungsbedarf ist. Obwohl unsere Forschung nicht vergleichend angelegt ist, decken sich unsere Ergebnisse auch mit denen von Øverlien und Selvik (2025), die zeigen, dass Kinder in norwegischen Frauenhäusern nicht die Bildung erhalten, auf die sie Anspruch haben. Wird Kindern in Frauenhäusern der Zugang zu Bildung verwehrt, laufen sie Gefahr, schulisch zurückzufallen, was ihre langfristige Lebensqualität beeinträchtigen könnte. Es ist dringend nötig, hierfür Lösungen zu finden, etwa virtuellen Unterricht oder Unterricht im Frauenhaus selbst, wenn ein persönlicher Schulbesuch für die Kinder nicht sicher ist.
Einige Kinder in unserer Studie sagten, dass sie ihren Vater vermissten, während sie sich zugleich Sorgen machten oder Angst davor hatten, ihm zu begegnen. Dies verweist auf eine besondere Herausforderung im Umgang mit möglicherweise auseinandergehenden Perspektiven von Müttern und Kindern. Während Mütter in Frauenhäusern oft widersprüchlichen Anforderungen ausgesetzt sind – nämlich die Notwendigkeit, ihre Kinder vor einem gewalttätigen Vater zu schützen, mit äußerem Druck in Einklang zu bringen, den Kontakt zwischen Vater und Kind aufrechtzuerhalten (Andersson, 2024) –, sind sich Kinder, vor allem jüngere, der damit verbundenen Risiken und Sicherheitsfragen möglicherweise nicht bewusst. Dies unterstreicht, wie wichtig es ist sicherzustellen, dass sowohl die zuweisenden Behörden als auch das Personal der Frauenhäuser gut über die individuellen Umstände, Bedürfnisse und Wünsche jedes Kindes informiert sind, wobei seine Sicherheit oberste Priorität hat. Mütter fühlen sich mitunter auch gezwungen, ihren gewalttätigen Partner zu verlassen oder eine Unterbringung im Frauenhaus anzunehmen, unter der Drohung, dass ihre Kinder andernfalls in Obhut genommen werden könnten (Andersson, 2024). In solchen Fällen können Anforderungen an den Vater-Kind-Kontakt die schützende Absicht des Frauenhausaufenthalts untergraben und die Umsetzung von Sicherheitsmaßnahmen erschweren – insbesondere wenn das Bezirksgericht ein Umgangsrecht gewährt hat (Andersson, 2024). Wenn eine Mutter einer Unterbringung im Frauenhaus vor allem zustimmt, um eine Inobhutnahme ihrer Kinder zu verhindern, obwohl sie diese nicht für das wirksamste Mittel hält, um der Gewalt zu entgehen, muss auch dies von den für Unterbringungen Verantwortlichen und vom Personal der Frauenhäuser anerkannt werden. Es ist entscheidend, diese komplexen Dynamiken zu erkennen, wenn Interventionen entwickelt werden, die der Sicherheit und Lebensqualität von Müttern und Kindern wirklich Vorrang geben.
Auf Grundlage unseres Materials schlagen wir vor, Frauenhäuser besser an die Bedürfnisse von Kindern anzupassen, sowohl bei ihrer Ankunft als auch während ihres Aufenthalts. Die verschiedenen Routinen und Methoden, die Frauenhäuser zur Unterstützung von Kindern entwickelt haben, sollten daher evaluiert werden, damit Beispiele guter Praxis landesweit genutzt werden können. Wir möchten betonen, dass Frauenhäuser an sich kein Problem sind; sie sind eine Antwort auf Männergewalt. Ob Frauenhäuser die beste Lösung sind, ist eine andere Frage, da Kinder in der Regel nicht nur der Gewalt entzogen werden, sondern auch ihrem Freundeskreis, ihrer Schule und ihrer erweiterten Familie. Wir müssen Wege finden, Kinder vor häuslicher Gewalt zu schützen, ohne dass sie gezwungen sind, ihr Zuhause zu verlassen und ihre vertraute Wohn- und Schulumgebung, ihre Lehrkräfte, Freundschaften und Angehörigen der erweiterten Familie, ihr eigenes Spielzeug und ihre Freizeitaktivitäten zu verlieren. Um dies zu ermöglichen, schlagen wir vor, dass die Politik Wege prüft und findet, Kinder vor häuslicher Gewalt zu schützen, indem gegen den Täter vorgegangen und dieser aus der Wohnung verwiesen wird, statt die Kinder aus ihrem Zuhause zu entwurzeln. Dies muss jedoch unter der Bedingung geschehen, dass ihre Sicherheit gewährleistet werden kann (siehe z. B. Diemer et al., 2017), und darf nicht zulasten anderer Dimensionen der Lebensqualität der Kinder gehen.
Complexe Systémique: Kernpunkte
Das Frauenhaus schützt, und dafür ist es da; aus der Sicht der Kinder hat dieser Schutz jedoch einen Preis, den das System nicht verbucht. Sicherheitsregeln schneiden die Schule ab, Freundschaften, die erweiterte Familie, manchmal das schlichte Recht, nach draußen zu gehen. Für eine systemische Lesart erinnert die Studie daran, dass Sicherheit kein Zustand ist, sondern ein lebendiger Kontext: Ein Kind braucht einen sauberen Raum, Spiel, Gleichaltrige und verfügbare Erwachsene, damit die Zuflucht zu einem Ort des Wachsens wird. Sie macht auch die Spannungen eines Familiensystems in der Krise sichtbar: ein Vater, der vermisst und gefürchtet wird, eine Mutter zwischen Schutz und dem Druck, den Kontakt aufrechtzuerhalten, Mitarbeitende, die zu Bindungspersonen werden und beim Auszug dann verschwinden. Mehrfache Aufenthalte verwandeln Schutz in wiederholte Brüche. Der abschließende Vorschlag, den Täter aus der Wohnung zu verweisen, statt die Kinder zu entwurzeln, stellt unsere Hilfesysteme infrage. Die Grenzen: zwölf Kinder, überwiegend Mädchen, in Schweden, ohne Verlaufsbeobachtung. Zu lesen zusammen mit dem Review darüber, was gewaltbetroffene Kinder an der Begegnung mit Fachkräften der Sozialen Arbeit schätzen, und der Studie über das Zuhause nach einem Partnerschaftstötungsdelikt.
Anmerkungen aus dem Original
Danksagung. Wir danken den Kindern dafür, dass sie an dieser Studie teilgenommen und ihre Geschichten und Erfahrungen mit uns geteilt haben. Ebenso danken wir den Müttern und dem Personal der Frauenhäuser, die uns ihre wertvolle Zeit geschenkt haben, um uns bei dem Projekt zu helfen.
Finanzierung. Open-Access-Finanzierung durch die Umea University. Diese Arbeit wurde von der Swedish Crime Victim Authority (Brottsoffermyndigheten) gefördert, Fördernummer 03395/2020. Die Ergebnisse und Schlussfolgerungen sind ausschließlich das Werk der Autorinnen; der Geldgeber war nicht an der Forschung beteiligt.
Interessenkonflikt. Die Autorinnen erklären, dass keine konkurrierenden Interessen bestehen.
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Inoffizielle Übersetzung von Children’s Experiences of Staying at Domestic Violence Shelters in Sweden von Linda Arnell, Sara Thunberg und Åsa Källström, Journal of Child and Family Studies, Bd. 35, Nr. 1 (2026), doi: 10.1007/s10826-025-03232-7, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzung und Satz: Complexe Systémique, Oktober 2026, mit Unterstützung künstlicher Intelligenz — das Werk wurde im Sinne der Lizenz bearbeitet (Tabelle als Liste wiedergegeben). Weder die Verfassenden noch der Verlag sind für diese Übersetzung verantwortlich; maßgeblich ist die Originalfassung.
Dies ist eine Übersetzung des Originalartikels „Children’s Experiences of Staying at Domestic Violence Shelters in Sweden“, erschienen in Journal of Child and Family Studies (2026) unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz: Der Text der Verfassenden wurde ins Deutsche übersetzt und die Darstellung für das Lesen online angepasst, wie zu Beginn dieser Seite erläutert. Maßgeblich ist die Originalfassung.
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Arnell, L., Thunberg, S., et Källström, Å. (2026). Children’s Experiences of Staying at Domestic Violence Shelters in Sweden. Complexe Systémique. https://app.complexe-systemique.com/en_GB/articles/children-s-experiences-of-staying-at-domestic-violence-shelters-in-sweden (Originalwerk erschienen 2025 in Journal of Child and Family Studies, 35(1), 264-274 (2026); 2026 erneut veröffentlicht von Journal of Child and Family Studies, https://link.springer.com/article/10.1007/s10826-025-03232-7)
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