KI-gestützte Übersetzung

Diese Fassung wurde von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz aus dem Englischen übersetzt. Im Zweifelsfall ist die Originalfassung maßgeblich.

Journal of Family Therapy · Familientherapie

SFT for ASD: eine systemische Intervention für neurodiverse Familien

Familien autistischer Kinder werden vor allem verhaltensorientierte, auf das Kind zentrierte Interventionen angeboten. Anthony Pennant von der Antioch University Seattle schlägt eine Rückkehr zu Minuchins struktureller Familientherapie vor, neu gelesen im Licht der kritischen Disability Justice, in sechs Schritten. Eine Pilotstudie mit fünf per Telehealth begleiteten Familien deutet auf eine Zunahme der familiären Zufriedenheit hin, bei gemischteren Ergebnissen hinsichtlich der Angst.

Autor Anthony Pennant (Colibri Center for Systemic Training, Antioch University Seattle, USA)Erstveröffentlichung Journal of Family Therapy, 28. Oktober 2024Übersetzung Complexe Systémique, inoffizielle KI-gestützte Übersetzung

Inoffizielle deutsche Übersetzung von SFT for ASD: A systemic intervention for neurodiverse families von Anthony Pennant, erschienen in Journal of Family Therapy (Wiley) (2025), doi: 10.1111/1467-6427.12475, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique im Oktober 2026 mit Unterstützung künstlicher Intelligenz: Der Originaltext wurde ins Deutsche übersetzt und neu gesetzt, was eine Bearbeitung des Werks im Sinne der Lizenz darstellt. Die Tabellen werden als Listen wiedergegeben. Diese Übersetzung stammt weder vom Autor noch vom Verlag, die weder für ihren Inhalt noch für etwaige Fehler verantwortlich sind. Maßgeblich ist die Originalfassung.

Auch wenn die ASS selbst nicht „geheilt“ werden kann, lassen sich die systemischen Auswirkungen der Diagnose, die sowohl die Person mit ASS als auch ihre Familie betreffen, als Familie behandeln.

Anthony Pennant

Abstract

Um die Zahl familienbasierter Interventionen zu erhöhen und unmittelbar an der Familiendynamik anzusetzen, die maladaptive Formen der Bewältigung und der Verbindung hervorbringt, wurde die strukturelle Familientherapie (SFT) für Autismus-Spektrum-Störungen (ASS; englisch ASD) entwickelt. Das Modell unterstützt Familien schrittweise dabei, in ihren Beziehungen und Dynamiken flexibler zu werden, und vermittelt zugleich interpersonelle Fähigkeiten, die die Kommunikation verbessern, insbesondere zwischen den Kindern mit ASS und ihren Eltern, indem es eine angemessene Familienstruktur und Familiendynamik neu gestaltet und stützt.

Hinweise für die Praxis

  • SFT for ASD steht für einen Schritt hin zu einem systemischen Behandlungsangebot für Kinder mit Autismus und ihre Familien.
  • Der Name „SFT for ASD“ entstand, bevor die Bezeichnung Autismus-Spektrum-Störung durch Autismus-Spektrum-Bedingung ersetzt wurde; letztere spiegelt das Wesen des Modells wider (die der Behinderung anhaftende Stigmatisierung aufzuheben).
  • Das Ergebnis dieses Modells lädt unsere Versorgungssysteme ein, sich stärker auf die systemische Behandlung von Kindern mit ASS und ihren Familien auszurichten, statt auf das an der Symptomatik orientierte medizinische Modell.
  • Mehr ausgebildete systemische Fachkräfte, die Kindern mit Autismus und ihren Familien eine systemische Behandlung anbieten können, werden den Familien mehr Behandlungsoptionen eröffnen.
  • Das Narrativ darüber zu verändern, wie wir Behinderung benennen und wie sich dies auf autistische Menschen auswirkt, ist eine sozial gerechte Haltung.

EINLEITUNG

Die ASS ist inzwischen in den Bereich der öffentlichen Gesundheit vorgedrungen, als Diagnose, die jedes Jahr Millionen von Familien betrifft. Laut Zeidan et al. (2022) erhält etwa 1 von 100 Kindern eine Autismusdiagnose. Andere Berichte halten fest, dass „ASS mindestens 1% der Bevölkerung betreffen und die Diagnose aufgrund der Vielfalt des ASS-Symptomprofils und der klinischen Erscheinungsbilder oft erst in der späten Adoleszenz oder im frühen Erwachsenenalter gestellt wird“ (Govind, 2018, S. 908). ASS beeinträchtigen Menschen, indem sie ihre Fähigkeit einschränken, soziale Signale zu verstehen; sie können mit gewissen intellektuellen und Entwicklungsverzögerungen einhergehen und treten häufig komorbid mit anderen psychischen Problemen auf. Govind (2018) stellt außerdem fest: „Lernschwierigkeiten und psychiatrische Komorbiditäten wie Angst und Depression sind häufig mit ASS verbunden. Diese ‚Komorbiditäten‘ erschweren und verstärken die Schwierigkeiten in mehreren Funktionsbereichen zusätzlich und erhöhen die Abhängigkeit von Familienmitgliedern“ (S. 908). Der Weg zu einer gesicherten Diagnose einer Autismus-Spektrum-Störung ist lang und mühsam. Oft wird Familien gesagt, sie sollten auf Anzeichen verzögerter Entwicklungsschritte warten, da jedes Kind in seiner Entwicklung zurückliegen kann; dadurch verzögert sich häufig die Unterstützung, die die Familie braucht. In anderen Familien zeigen Kinder deutlich ausgeprägte, abweichende Entwicklungsbedürfnisse, und eine Diagnose kann früher als üblich gestellt werden. Familien, die Kinder mit ASS großziehen, sind mit besonderen und herausfordernden Umständen konfrontiert, die den Boden für psychische und Beziehungsprobleme bereiten, etwa Depression, Angst, Isolation, Paarkonflikte, Scheidung, finanzielle Probleme und die Vernachlässigung von Geschwistern (Hartley et al., 2011). Wenn diese verschiedenen Probleme Raum haben, sich festzusetzen, wirkt sich das letztlich negativ auf Struktur und Funktionieren der Familie aus, was wiederum weitere Schwierigkeiten und Herausforderungen für die gesamte Familie mit sich bringt (Hsiao, 2018; Miranda et al., 2019; Myers et al., 2009; Norton & Drew, 1994).

LITERATURÜBERBLICK

Mangelnde Klarheit bei der Diagnose

Die ASS ist eine Entwicklungsbehinderung, für die es derzeit keinen eindeutigen biologischen Marker gibt und die beurteilt und diagnostiziert wird, indem man untersucht, wo in einem Bündel von verhaltensbezogenen, emotionalen und womöglich körperlichen Bereichen eine deutliche Minderung und Beeinträchtigung vorliegt (O'Brien, 2007). Zwar kann eine Diagnose schon in jungen Jahren mit hoher Reliabilität und Validität gestellt werden, doch viele Kinder erhalten ihre Diagnose erst im Schulalter (Lord et al., 2006; Moh & Magiati, 2012). Bei Kindern of Color ist die Verzögerung der ASS-Diagnose noch ausgeprägter, was die Entwicklungsverläufe von Kindern und Familien in den Entwicklungsjahren beeinflusst (Lovelace et al., 2018; Sansosti et al., 2012). Je länger Eltern und Kinder auf eine offizielle ärztliche Diagnose warten müssen, desto länger werden Verhaltensweisen ohne angemessene Intervention ertragen, was die emotionale Zerrüttung der Eltern und der gesamten Familie verstärkt (Crowe & Lyness, 2014).

Systemische Probleme von Familien mit Kindern mit ASS

Die ASS ist eine komplexe neurologische Diagnose, die schwer zu diagnostizieren und zu behandeln ist und sich ein Leben lang auf die betroffene Person und die Menschen in ihrem Umfeld auswirkt. Die systemischen Auswirkungen von Autismus liegen außerhalb des Rahmens der „Ausbildung in Verhaltensanalyse, da Bezugspersonen ausschließlich in die Behandlung einbezogen werden, um angemessene Erziehungsfertigkeiten wie Anleitung, Modellieren, Üben und Feedback zu entwickeln, damit das unerwünschte Verhalten abnimmt“ (Parker & Molteni, 2017, S. 135). Familien mit Kindern, bei denen eine Autismus-Spektrum-Störung diagnostiziert wurde, sehen sich einer besonderen Reihe von Problemen gegenüber, die oft zu wenig Beachtung finden. Eines der vorherrschenden Probleme in diesen Familien ist, dass die Diagnose oder die in ihr festgeschriebenen Verhaltensweisen in eine Machtposition über alle Personen im System erhoben werden. Familienroutinen werden häufig darauf ausgerichtet, Übergänge sowie verhaltensbezogene und emotionale Reaktionen der Person mit ASS zu erleichtern. Es bleibt wenig Flexibilität für Anpassungen, und wenn Änderungen der Routine nötig sind, kann ihre Umsetzung viel körperliche und emotionale Arbeit erfordern. Ein weiteres Problem betrifft die emotionale Verbindung und die Gegenseitigkeit der Gefühle zwischen Kind und Elternteil(en). Auf die tatsächliche Vertiefung der zwischenmenschlichen Beziehungen innerhalb des Familiensystems wird nur sehr wenig Zeit verwendet. „Die Forschung zeigt, dass Geschwister ohne ASS eine negativere Sicht auf ihre Geschwister mit ASS haben als Geschwisterpaare, die aus einem Kind mit geistiger Behinderung und einem Kind mit typischer Entwicklung bestehen“ (McVicker, 2013). Kinder mit einem Geschwisterkind mit ASS berichteten zudem, „nur mit jemandem außerhalb der Familie über das Geschwisterkind sprechen zu können, Gefühle von Einsamkeit, den Wunsch, zu Hause zu bleiben, und Sorge um die Zukunft des Geschwisterkindes“ (Smock-Jordan & Turns, 2016, S. 157). Außerdem entstehen häufig Probleme unter den Geschwistern, vor allem durch konkurrierende Bedürfnisse. Geschwister von Kindern mit ASS fühlen sich oft übersehen und abgewiesen, da ihre Bedürfnisse nie ganz dieselbe Dringlichkeit erreichen wie die der Person mit ASS (McDowell & Bryant, 2023). Dies bietet Eifersucht, emotionalen Problemen und Groll Gelegenheit, sich festzusetzen. Zudem erhalten Geschwister wegen der Bedürfnisse ihres Geschwisterkindes mit ASS häufig zu wenig Aufmerksamkeit von ihren Bezugspersonen. Oft wird der Weg der Eltern übersehen, zu wenig anerkannt und als Teil der Fürsorgepflichten betrachtet, als sei er mit dem Großziehen typisch entwickelter Kinder und dem dabei üblichen Stress vergleichbar. Trotz der positiven Impulse der Neurodiversitätsbewegung erleben Eltern viel Scham, Verletzung und Schuld rund um die Erziehung ihres Kindes, ohne die angemessene oder notwendige Unterstützung, um ihre Rollen zu erweitern, die sich erheblich von denen bei der Erziehung eines oder mehrerer neurotypischer Kinder unterscheiden (Lovelace et al., 2018; Myers et al., 2009; O'Brien, 2007). Angesichts des Stresses, der mit einer Rollenerweiterung ohne angemessene Unterstützung einhergeht, bleibt zudem der Paar- und Beziehungsstress im Behandlungskontext oft unbeachtet oder unbehandelt (Zablotsky et al., 2013).

Die Struktur von Familien ist veränderlich, und systemischen Theorien zufolge führen eine flexible Struktur und klare Rollen zu einer Anpassungsfähigkeit, die ein geringeres Angstniveau und eine erfolgreiche Bewältigung von Problemen ermöglicht, einschließlich der Übergänge zwischen Lebensphasen (Colapinto, 2019; Minuchin et al., 2021). Flexibilität der Struktur und Klarheit der Rollen lassen sich in allen Familienkonstellationen beobachten, unabhängig von kultureller Zugehörigkeit, Race oder Ethnizität ihrer Mitglieder (Lopez et al., 2018). Schwierigkeiten entstehen, wenn die Familienstruktur in irgendeiner Form aus dem Gleichgewicht geraten ist. Die strukturelle Familientherapie besagt: Wenn sich das elterliche Subsystem nicht ausrichten und gegenüber dem Subsystem der Kinder abgrenzen kann, führt die dem elterlichen Subsystem innewohnende Entscheidungshierarchie dazu, dass die Eltern ihre Aufgaben, für Sicherheit und Unterstützung der Familie zu sorgen, nicht erfüllen können (Colapinto, 2019). Familien mit Kindern mit besonderen Bedürfnissen oder Behinderungen haben oft Schwierigkeiten aufgrund der sich ständig wandelnden emotionalen, körperlichen und spirituellen Bedürfnisse, die widerspiegeln, wie dynamisch ihre Probleme sind. „Die Literatur zur Anpassung von Familien mit Kindern mit Behinderungen weist wiederholt darauf hin, dass es für Dienste und Fachkräfte wichtig ist, die familiären Glaubenssysteme zu verstehen, sowohl allgemein als auch im Hinblick auf jede Familie als einzigartige Einheit“ (King et al., 2009, S. 50). Es ist äußerst wichtig festzuhalten, dass Familien auf grundlegender Ebene Einheiten und Systeme sind, die eine Organisation haben und sich selbst regulieren.

Bevor sie herauszufinden versuchen, was in Familien nicht stimmt, sollten klinische Fachkräfte laut King et al. (2009) untersuchen und hervorheben, wo in der Familie Stärken vorhanden sein könnten. „Die Fähigkeit der Familie, Lebensereignissen eine positive Bedeutung zuzuschreiben, gilt als ein Faktor, der die Resilienz ihres Kindes fördert“ (King et al., 2009, S. 51). Zudem „gilt das Verständnis der familiären Überzeugungen als wesentlicher Aspekt, um Eltern in den Therapieprozess einzubinden“ (King et al., 2009, S. 51). Dies sind grundlegende Joining-Techniken, die für die Arbeit mit Eltern von Kindern mit ASS unverzichtbar sind. Um die richtige oder kulturell am besten abgestimmte Intervention zu verordnen, sollten klinische Fachkräfte (einschließlich der Ärzteschaft) sich Zeit nehmen, die Kultur der Familie zu verstehen (Lovelace et al., 2018; Suite et al., 2007), und sich für einige der wahrgenommenen und offensichtlichen Stärken interessieren, die vorhanden sind. Darüber hinaus verschafft die Entwicklung systemischer Behandlungsformen, die an die Bedürfnisse von Familien mit Kindern mit ASS angepasst sind, den Bezugspersonen mehr Spielraum, in ihren Rollen flexibel zu sein und einander zu unterstützen, wenn diese Rollen die nötigen Anforderungen nicht erfüllen. Das ist für Eltern äußerst hilfreich, die immer wieder den Mangel an familiärer Unterstützung für die ASS-Behandlung beklagen (Kiami & Goodgold, 2017). Ebenso gibt es der Familie konkrete Möglichkeiten zu feiern, wenn ihre Anpassungen und ihre Grenzziehungen zum Wachstum und zur Entwicklung des Kindes sowie zum familiären Zusammenhalt auf Makroebene beitragen.

Disability Justice

Kritische Disability Justice ist ein theoretischer Rahmen, der das Verständnis fördert, dass Behinderung nicht unbedingt in der Feststellung und Untersuchung körperlicher und psychischer Beeinträchtigungen besteht, sondern darin, wie wir die Merkmale und Eigenschaften dieser Beeinträchtigungen kategorisieren und Personen als Norm zuschreiben (Sami, 2017). Diese Merkmale und Eigenschaften werden oft verallgemeinert, durch gesellschaftliche Interaktionen verstärkt und legen ohne Einwilligung der Betroffenen fest, was eine Person tun kann und was sie nicht zu tun vermag. Die Reduzierung von Fähigkeiten und das Überstülpen von Vorstellungen beeinträchtigen massiv die Möglichkeit dieser Personen, mitzuteilen, wo sie Abhängigkeit oder Unabhängigkeit brauchen, und vermitteln Vorstellungen darüber, wozu sie fähig sein könnten. Die ASS gehört unter das Dach der Neurodiversität und unterliegt zweifellos der Kritik der kritischen Behinderungsforschung. Auch wenn die Bedürfnisse von Person zu Person verschieden sind, wird durch gesellschaftliche Botschaften und Beziehungen oft im Voraus festgelegt, dass das, was eine Person mit ASS erreichen oder auch nur über ihr Leben oder sich selbst mitteilen kann, begrenzt und unbewusst sei. Dieses Problem begleitet Kinder mit ASS ihr ganzes Leben lang. SFT for ASD nutzt diesen theoretischen Rahmen, um das Verständnis von Eltern, Kindern und anderen zu verschieben: weg davon, Familienmitglieder zu behindern (also sie danach zu sehen, was sie nicht können), hin dazu, Menschen mit möglichen „Behinderungen“ darin zu unterstützen, die spezifische Unterstützung zu benennen, die sie ihrer Ansicht nach brauchen, um bei Aufgaben, in Beziehungen und sogar im Leben erfolgreich zu sein.

Strukturelle Familientherapie

Die strukturelle Familientherapie (SFT) gilt als einer der ursprünglichen familientherapeutischen Ansätze, die aus einem systemischen Rahmen hervorgingen, und prägt die familientherapeutische Praxis bis heute. Salvador Minuchin arbeitete mit mehreren Communities of Color, die marginalisiert waren und in der psychotherapeutischen Welt oft weder Entlastung noch Unterstützung fanden. Die strukturelle Familientherapie entstand aus Minuchins Arbeit mit Schwarzen Kindern und ihren Familien an der Wiltwyck School (Reiter, 2017), wo er feststellte, dass traditionelle Therapieformen keine Veränderung bewirkten und die Familien sich nicht auf sie einließen. Die Erfindung der strukturellen Familientherapie war ein radikaler Schritt nach vorn im Feld der Familientherapie. Das Modell stellte einen reflexiven, auf Familien of Color zugeschnittenen Rahmen dar, indem es die Realität einbezog, wie Rassismus, Sexismus und Unterdrückung ihr Leben und ihren Zugang zur Therapie prägten.

Das übergeordnete Ziel der SFT ist es, die Belastung unter den Familienmitgliedern zu lindern, indem „die gegenwärtige, maladaptiv gewordene Familienorganisation umstrukturiert wird“ (Parker & Molteni, 2017, S. 137). Die Durchsicht der Forschung zur SFT und zu ihrer Behandlung von Familien mit Kindern mit ASS zeigt mehrere Bereiche, in denen sie Entlastung bringt. Der erste Bereich ist die familiäre Loslösung.

Loslösung geht mit übermäßig starren und undurchlässigen Grenzen einher, die Isolation begünstigen und die gegenseitige Unterstützung unter den Familienmitgliedern blockieren. Man kann argumentieren, dass Eltern von Kindern mit Autismus noch stärker auf gegenseitige Unterstützung und Interdependenz angewiesen sind als Eltern typisch entwickelter Kinder, und zwar wegen der überwältigenden Anforderungen an die Elternschaft, die nachweislich zu übermäßigem Stress, Angst und Depression führen (Parker & Molteni, 2017, S. 138).

Zwar kann Distanz eine vorbeugende und gesunde Maßnahme sein, um mit Stress in Beziehungen umzugehen, doch sich bei der Erziehung eines Kindes mit ASS ständig von den eigenen Gefühlen zu entfernen, kann die Beziehung zwischen Bezugsperson(en) und Kind ebenso schädigen wie die familiären Beziehungen. Das zweite Behandlungsziel ist die Verstrickung. Jedes dieser beiden Extreme beeinträchtigt gesunde Familienbeziehungen.

Ramisch (2011) erklärt, dass Familien, die von Autismus betroffen sind, als natürliche Reaktion auf die Bedürfnisse des Kindes leicht verstrickt werden können. Viele der mit ASS verbundenen Defizite, etwa beim Problemlösen und in Form kognitiver Rigidität, legen nahe, dass Eltern von Kindern mit Autismus intensive Fürsorge und Schutz bieten müssen, weit über das hinaus, was für ein typisch entwickeltes Kind angemessen wäre (Parker & Molteni, 2017, S. 139).

Zudem lassen Interventionen zur Grenzziehung, die unmittelbar darauf zielen, diffuse Grenzen zwischen Elternteil und Kind mit ASS zu klären, oft die mit Autismus verbundenen Anforderungen und Erwartungen in der Familie außer Acht. Therapeutische Fachkräfte müssen Verstrickung daher neu konzeptualisieren, wenn sie mit Familien von Kindern mit Autismus arbeiten (Parker & Molteni, 2017, S. 139–140). Die SFT bietet ein besonderes Verständnis für das Maß an Nähe, das mit der Fürsorge für ein Kind mit ASS untrennbar verbunden ist. Die SFT schafft Raum, die emotionale Nähe zwischen Elternteil und Kind nicht zu pathologisieren, sondern sie als Form gesunden Funktionierens umzugestalten. Schließlich spricht die SFT von Umstrukturierungsinterventionen. „Statt sich auf den Bericht der Familie über ihre Sorgen zu stützen, ermöglichen Interventionen zur Grenzziehung der Familie, ihre gegenwärtigen und alternativen Interaktionen in der Sitzung zu erleben“ (Parker & Molteni, 2017, S. 140). Bezugspersonen, Eltern, Kindern mit ASS und ihren Geschwistern die Gelegenheit zu geben, einander auf Weisen zu erleben, die nicht zwangsläufig durch die Brille der ASS bestimmt sind, ist eine wirkungsvolle, beziehungsverändernde Intervention, die tiefgreifende Effekte auf die Stärkung von familiärer Stabilität und Zusammenhalt haben und sicherstellen kann, dass Eltern in ihren Rollen als Bezugspersonen flexibel sein können.

Diese Studie nutzt die systemische Theorie der strukturellen Familientherapie und erweitert ihre Fähigkeit, Kinder mit ASS und ihre Familien zu behandeln, indem sie den Rahmen der kritischen Disability Justice bzw. Disability-Theorie sowie fundiertes Wissen über ASS und deren Auswirkungen auf die Familiendynamik einbezieht. Die erweiterte Theorie ermöglicht es klinischen Fachkräften, den Umgang mit der ASS-Symptomatik zu entpathologisieren und strukturelle Interventionen durchzuführen, die den Feinheiten der ASS entsprechen.

Das Modell SFT for ASD

Das Modell SFT for ASD verbindet den Rahmen der kritischen Disability Justice mit dem Modell der strukturellen Familientherapie. Die strukturelle Familientherapie in ihrer reinen Form und die kritische Behinderungsforschung stehen in einem synergetischen Verhältnis, das klinischen Fachkräften Werkzeuge an die Hand gibt, um schädliche Stereotype über Autismus infrage zu stellen und die Struktur einer Familie so zu verändern, dass Wachstum, Unabhängigkeit und Nähe gefördert werden. Ziel dieses erweiterten und modernisierten Ansatzes ist es, Kindern mit ASS und ihren Familien eine systemische Behandlung anzubieten. Zudem ist das Modell in besonderer Weise geeignet, die Dynamiken und Probleme anzugehen, die neurodiversen Familien eigen sind. SFT for ASD wird in sechs Schritten umgesetzt, die im Folgenden ausgeführt werden:

  • Schritt eins: Die therapeutische Fachkraft nimmt sich Zeit, die Gefühle und Geschichten der Eltern zu validieren. Dieser Schritt sollte nur mit den Eltern erfolgen. Allzu oft kommen Eltern nicht ihretwegen in die Therapie, sondern wegen der Bedürfnisse ihrer Kinder. Die SFT versucht, elterliche Bedürfnisse und Grenzen in die Therapie einzubeziehen, da sie oft eine vermittelnde und/oder moderierende Wirkung auf die ASS-Verhaltensweisen des Kindes haben, sich auf die eigene psychische Gesundheit und das eigene Wohlbefinden auswirken und die Eltern daran hindern können, tiefere Verbindungen zu ihren Kindern aufzubauen. So können Eltern beispielsweise mit überwältigender Angst und Depression kommen, weil sie sich um den Zustand ihrer Familie sorgen und weder den Bedürfnissen ihres Kindes mit ASS noch denen der Familie (einschließlich ihrer Paarbeziehung) gerecht werden können. Diese Erfahrung zu validieren hilft, die Eltern stärker in die Ziele der Therapie einzubinden, und hilft der therapeutischen Fachkraft, zu planen, wie dieses Problem angegangen werden kann. Das Joining der therapeutischen Fachkraft mit den Eltern ist die eine Hälfte des Prozesses von Joining und Akkommodation mit der Familie.
  • Schritt zwei: Die therapeutische Fachkraft sollte sich Zeit nehmen, die Erfahrung des Kindes mit ASS zu verstehen und zu validieren. Dieser Schritt ist aus mehreren Gründen äußerst wichtig. Erstens kann so Raum entstehen, um zu verstehen, was das Kind versteht, und sein Weltbild nach und nach zusammenzusetzen. Kinder mit ASS und anderen neurodiversen Ausprägungen haben oft keine Gelegenheit, anderen zu erklären und zu verdeutlichen, nicht nur wie sie sich fühlen, sondern auch, welche Auswirkungen ihre neurologische Beschaffenheit auf sie selbst und ihre Beziehungen hat. Das Kind in den Mittelpunkt dieses Gesprächs zu stellen, ist wertvoll, um später in der Familienarbeit Veränderung zu bewirken. Zweitens sollte die therapeutische Fachkraft in dieser Zeit sowohl die Stärken des Kindes als auch die Lebensbereiche erheben und erkunden, in denen es bei seiner Entwicklung Unterstützung braucht. Schließlich ermöglichen diese Informationen, zusammen mit dem Wissen darüber, wo die Eltern stehen, die in der Familiendynamik vorhandenen Beziehungsprobleme zu verstehen und mögliche Einsichten zu gewinnen, wie die Familie in Bewegung gebracht werden kann. Die Schritte eins und zwei zusammen bilden vollständig den Prozess von Joining und Akkommodation sowohl in der SFT als auch in SFT for ASD ab.
  • Schritt drei: Die therapeutische Fachkraft beginnt den von Minuchin et al. (2006) bekannt gemachten Vier-Schritte-Prozess, jedoch in erweiterter Form. Erstens erschließt sie das Verständnis des Problems aus den Familiengeschichten in der Sitzung und leitet ein Enactment an. Zweitens erkundet sie, welche Lösungen es in der Vergangenheit gab, und untersucht, ob „unlösbare“ Probleme vorliegen. Drittens untersucht sie die Vergangenheit gezielt, um zu verstehen, warum die Familie tut, was sie tut, oder warum sie die getroffenen Entscheidungen getroffen hat. Schließlich arbeitet sie darauf hin, eine gemeinsam getragene Vision zu entwickeln, wie die Familie vorankommen und das Problem bewältigen kann.
  • Schritt vier: Die therapeutische Fachkraft stellt durch Unbalancing wenig hilfreiche Annahmen sowie Vorstellungen über Fähigkeit und Behinderung infrage. Familien fallen naturgemäß in frühere Dynamiken und kognitive Muster zurück und müssen während der Beurteilung oft an die gemeinsame Vision erinnert werden. Dieser Schritt ist ein bestimmendes Element des Modells, da die therapeutische Fachkraft direkt infrage stellt, wie Familien Kinder aktiv „behindern“ können, indem sie nicht sehen, was diese aufgrund ihres Entwicklungsalters und/oder der Ausprägung der ASS-Symptomatik können oder nicht können. Zudem werden therapeutische Fachkräfte ermutigt, in diesem Schritt die Selbstvertretung und Selbstbestimmung der Kinder mit ASS deutlich in den Vordergrund zu stellen.
  • Schritt fünf: Die therapeutische Fachkraft sollte gemeinsam mit der Familie neu konzeptualisieren, wie sich Dynamiken und Beziehungen verändern lassen, indem die Bindung an die spezifischen Rollen und Regeln jeder Person überprüft wird. Die Rollen und Regeln jeder Person und sogar der Familie sollten weniger starr werden, indem mehr Flexibilität darin entsteht, wie und wann jede Person (oder die Familie) ihre Rollen verkörpert oder wann Regeln eingehalten werden. Das kann unangenehm sein, da Starrheit im System für Beständigkeit in den alltäglichen Interaktionen sorgt, was die ASS-Symptomatik beruhigt; sie begrenzt jedoch, wie die Familie im Laufe der Zeit wachsen und die Herausforderungen bewältigen kann, mit denen sie in ihrer Entwicklung konfrontiert ist.
  • Schritt sechs: In diesem letzten Schritt arbeitet die therapeutische Fachkraft daran, die Beziehung zwischen dem Kind mit ASS und seiner Familie und umgekehrt zu vertiefen. Da die Familie nun frei genug ist, in ihren Rollen flexibel zu sein, können die Eltern mehr über ihre Kinder jenseits der ASS und ihrer Symptomatik verstehen und eine größere Beziehungsfähigkeit untereinander entwickeln. Zudem können Kinder mit ASS die grundlegenden Fähigkeiten rund um Sicherheit in Beziehungen erlernen und ein gesundes Vorbild für soziale Interaktion und Gegenseitigkeit in Beziehungen erhalten.

Forschungsfragen

Auf Grundlage des vorliegenden Literaturüberblicks können die Bedürfnisse von Eltern von Kindern mit ASS extrem, überwältigend und weitreichend sein, insbesondere bei Problemen wie elterlicher Angst infolge extremer Rollenüberlastung, Funktionsstörungen in den Geschwisterbeziehungen aufgrund der gezeigten Verhaltensweisen sowie der Starrheit von Grenzen und Kommunikation, die Familien mit Kindern mit ASS eigen ist. Dies sind besondere Herausforderungen, die die Einbeziehung einer familienbasierten Behandlung erforderlich machen. Diese Studie untersucht gezielt zwei Fragen:

  1. Ist die SFT ein geeignetes therapeutisches Modell, um familienbezogene Angst (Elternteil + Kind) in einer Familie mit einem Kind mit ASS zu lindern?
  2. Steigert die SFT die familiäre Zufriedenheit in Familien mit Kindern mit ASS?

METHODE

Die Studie soll die Wirksamkeit der SFT belegen, untersuchen, ob die SFT die Angst in Familien mit Kindern mit ASS verringern kann, und klären, ob eine familienbasierte Behandlung für Familien mit Kindern mit ASS angemessen ist. Die Studie folgt einem Einzelfallexperiment-Design (SCE, englisch single-case experiment). SCE werden seit über 50 Jahren in der Forschung eingesetzt, haben wertvolle Erkenntnisse darüber geliefert, wie wirksam eine bestimmte Behandlungsintervention sein kann, und belegen die Wirksamkeit von Interventionen in Pilotstudien (Hilliard, 1993; Krasny-Pacini & Evans, 2018; Thyer & Curtis, 1983). SCE-Designs zeigen die Wirksamkeit von Interventionen durch wiederholte Messungen über die Zeit, die mindestens drei Phasen umfassen: Baseline, Behandlung und Nachbehandlung (Dickey, 1996; Kratochwill et al., 2010). Die Analyse der Daten, die mit Messinstrumenten erhoben werden, die zur Beantwortung hypothetischer Fragen angemessen ausgewählt wurden, erfolgt hauptsächlich durch visuelle Analyse (Kratochwill et al., 2010; Lenz, 2015). Im Mittelpunkt dieser Studie standen fünf Familien (jede Familie bildete einen Fall), bei denen die erweiterte SFT zweiwöchentlich angewandt und als intensive Familientherapie per Telehealth angeboten wurde. Jede Sitzung dauerte 90 Minuten, aufgeteilt in 45 Minuten Therapie mit allen Familienmitgliedern und 45 Minuten Therapie nur mit den Eltern. Die Daten wurden vor der ersten Sitzung (Baseline), vor der fünften Sitzung (Behandlung, repräsentiert durch die Vier-Schritte-Beurteilung, Psychoedukation über die Auswirkungen der ASS auf die Familie und Interventionen zur Umstrukturierung der Familie) und schließlich nach der zehnten Sitzung erhoben. Eingesetzt wurden die Anxiety Scale for Children – autism spectrum disorder in der Kinderversion (ASC-ASD; Rodgers et al., 2016), die Anxiety Scale for Children – autism spectrum disorder in der Elternversion (ASC-ASD; Rodgers et al., 2016) und die Family Adaptability and Cohesion Scale (FACES-IV; Olson, 2011). Die behandelnden Fachkräfte dieser Studie waren Therapierende in Ausbildung, die im Modell SFT for ASD, in der Diagnostik der ASS, in Telehealth sowie im Person-of-the-Therapist-Modell geschult worden waren. Sie wurden vom Autor dieses Beitrags unterrichtet, supervidiert und ausgebildet. Keine der therapeutischen Fachkräfte in den einzelnen Fällen identifizierte sich als neurodivergent.

FORSCHER

Qualitative Forschung gewinnt durch die Reflexivität der forschenden Person an Legitimität (Creswell & Poth, 2023). Quantitative Forschung hat diesen Auftrag in der Regel nicht; für dieses Manuskript glaube ich jedoch, dass sie die Botschaft der Forschung stärken wird. Ich bin eine multiethnische, als Schwarz wahrgenommene Person und neurodivergent [Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)]. Ich arbeite seit über zehn Jahren mit anderen neurodivergenten Menschen und Familien und habe informell von den Schwierigkeiten gehört, die sie erleben, wenn sie missverstanden werden und auf ärztliche und klinische Fachkräfte treffen, die nicht verstehen, wie es ist, neurodivergent zu sein oder einen neurodivergenten Menschen großzuziehen. Diese Forschung und ihre weiteren Fassungen sind für jene Familien, mit denen ich gearbeitet habe, die mir ihre Geschichten anvertraut haben und darauf vertraut haben, dass ich das Feld der Psychotherapie herausfordere, inklusiver zu werden.

Teilnehmende

Die Teilnehmenden dieser Studie wurden in der lokalen Gemeinschaft von Seattle und darüber hinaus gewonnen, indem die Eckdaten der Studie bekannt gemacht wurden. Flyer, E-Mails und andere Anzeigen wurden an Arztpraxen, das University of Washington Autism Center for Human Development, das Seattle Children's Hospital, die ABA Centers of America und verschiedene weitere medizinische Einrichtungen im gesamten Bundesstaat Washington verschickt, da die Familien über verhaltensmedizinische Telehealth-Angebote an der Studie teilnehmen konnten. Sobald die Teilnehmenden für die Studie ausgewählt waren, konnten sie die Leistungen sofort in Anspruch nehmen. Die Studie stand Teilnehmenden jeder Familienkonstellation offen, also Alleinerziehenden, gleichgeschlechtlichen Elternpaaren, heterosexuellen Elternpaaren und Großeltern, die als Hauptbezugspersonen fungierten. Die Familien mussten mindestens ein bei ihnen lebendes Kind haben, bei dem eine Autismus-Spektrum-Störung bestätigt war und das zu diesem Zeitpunkt ABA-Leistungen erhielt. Erhoben wurden demografische Angaben der Teilnehmenden: Alter, biologisches Geschlecht, Geschlechtsidentität, Religion, Race, Ethnizität und Schweregrad der ASS beim Kind. Von den fünf Familien war ein Elternpaar gleichgeschlechtlich, die übrigen waren cisgeschlechtliche heterosexuelle Paare. Eine Familie identifizierte sich als Schwarz, die übrigen als weiß. Das Alter der Eltern lag zwischen 32 und 50 Jahren. In einer Familie gab ein Elternteil an, selbst eine ASS zu haben. Vor der Aufnahme in die Studie wurden Eltern und Kinder auf Angst, Depression und andere psychische Probleme untersucht, die möglicherweise zu ausgeprägt waren und besser an andere Stellen verwiesen werden sollten (keine Familie wurde ausgeschlossen). Dieser Schritt war wesentlich, um die Gesundheit und Sicherheit derjenigen zu schützen, die an der Studie teilnehmen wollten, für die aber andere Leistungen vor einer anschließenden familienbasierten Behandlung möglicherweise sinnvoller gewesen wären. Der Patient Health Questionnaire-9 (PHQ-9; Kroenke & Spitzer, 2002) wurde zum Screening des Depressionsniveaus eingesetzt; schwere Depression entspricht einem Wertebereich von 20–27. Werte über 20 wurden an eine Einzelbehandlung verwiesen. Zudem wurde der Generalised Anxiety Disorder-7 (GAD-7; Spitzer et al., 2006) zum Screening des Angstniveaus eingesetzt; schwere Angst entspricht einem Wertebereich von 15–21. Werte über 16 wurden an eine Einzelbehandlung verwiesen. Alle Familienmitglieder gaben ihre Einwilligung (oder, wo nötig, ihre Zustimmung) zur Teilnahme an der Studie.

Messinstrumente

Angstskala für Kinder – Autismus-Spektrum-Störung

Die Studie verwendet die Eltern- und die Kinderversion der ASC-ASD (Rodgers et al., 2016), um das Angstniveau sowohl beim Elternteil eines Kindes mit ASS als auch beim Kind mit ASS zu erfassen. Die Elternversion der ASC-ASD misst die Einschätzung der Eltern, wie hoch das Angstniveau ihrer Kinder ist. Beide Instrumente sind Selbstbeurteilungsfragebögen mit vierundzwanzig Items, die das Angstniveau der Person zuverlässig erfassen. Die Skala ist Likert-skaliert und reicht von 0 (Nie) bis 3 (Immer). Sie umfasst zudem vier Subskalen (Trennungsangst, Unsicherheit, Leistungsangst und ängstliche Erregung), die in dieser Studie jedoch nicht verwendet wurden. Es werden nur Summenwerte herangezogen. Die ASC-ASD wies ein Cronbachs Alpha von 0.94 für die Gesamtskala der Elternversion und von 0.94 für die Kinderversion auf (Rodgers et al., 2016). Werte von 20 oder mehr gelten als Hinweis auf ein signifikantes Angstniveau. Zudem wurde die ASC-ASD in der Längsschnittstudie mit australischen Schülerinnen und Schülern mit Autismus eingesetzt, in der bestätigt wurde, dass das Instrument zuverlässig zwischen autistischen Verhaltensweisen und Angst unterscheidet; dabei ergab sich ein Cronbachs Alpha von 0.93 (Den Houting et al., 2018).

Skalen zur Bewertung familiärer Anpassungsfähigkeit und Kohäsion

Die FACES-IV (Olson, 2011) ist eine Skala, die das Funktionieren der Familie anhand von Kohäsion und Flexibilität misst. Diese beiden Dimensionen der Skala sind in zwei Subskalen unterteilt: balancierte und unbalancierte Skalen. In den balancierten Skalen erfasst das Instrument das Ausmaß an Kohäsion und Flexibilität. Kohäsion ist definiert als das Maß an emotionaler Bindung in der Familie. Flexibilität ist definiert als Qualität und Ausdruck von Führung und Organisation, Rollenbeziehungen, Beziehungsregeln und Aushandlungen. In den unbalancierten Skalen erfasst das Instrument das Ausmaß an Verstrickung, Loslösung, Rigidität und Chaos. Für die Reliabilität der Subskalen ergaben sich Alpha-Werte von 0.77 für Verstrickt, 00.87 für Losgelöst, 0.89 für Balancierte Kohäsion, 0.86 für Chaotisch, 0.84 für Balancierte Flexibilität und 0.82 für Rigide (Olson, 2011). Um die Datenerhebung dieser Studie zu fokussieren, werden die Quotientenwerte verwendet, um Veränderungen in familiärer Kohäsion, Flexibilität und Kommunikation zu messen. Jeder Elternteil und jedes Kind gab die Werte mit Unterstützung der wissenschaftlichen Hilfskraft ab. Dieser Beitrag berichtet nur über die familiäre Zufriedenheit sowohl der Kinder als auch der Eltern. Zur Orientierung und zur leichteren Interpretation der Zahlen folgen die Wertebereiche und ihre Deutung. Werte zwischen 50 und 45 werden als sehr hohe Zufriedenheit interpretiert: Die Familienmitglieder sind sehr zufrieden und geben an, die meisten Aspekte ihrer Familie zu genießen. Werte zwischen 44 und 40 werden als hohe Zufriedenheit interpretiert: Die Familienmitglieder sind mit den meisten Aspekten ihrer Familie zufrieden. Werte zwischen 39 und 36 werden als mittlere Zufriedenheit interpretiert: Die Familienmitglieder sind einigermaßen zufrieden und genießen einige Aspekte ihrer Familie. Werte zwischen 35 und 30 werden als niedrig interpretiert: Die Familienmitglieder sind eher unzufrieden und machen sich Sorgen um ihre Familie. Werte zwischen 29 und 10 schließlich bedeuten, dass die Familienmitglieder sehr unzufrieden und um ihre Familie besorgt sind.

Ablauf

Vor der ersten Sitzung (Baseline), nach der fünften Sitzung (Halbzeit) und 1 Woche nach der zehnten Sitzung (Nachbehandlung) legten die familientherapeutischen Fachkräfte der Familie (beiden Eltern und dem Kind) die ASC-ASD (Eltern- und Kinderversion) und die FACES-IV vor. Kinder ab 12 Jahren füllten ihre eigenen Fragebögen (ASC-ASD in der Kinderversion und FACES-IV) ohne Unterstützung ihrer Familie aus; ihre Eltern hatten bestätigt, dass sie die Fragebögen verstanden. Auch die Eltern füllten ihre jeweiligen Formulare aus (ASC-ASD in der Elternversion und FACES-IV). In Familien mit mehr als einem Elternteil wurde ein Formular stellvertretend für beide Eltern ausgefüllt.

Analysestrategie

Vor Beginn der Pilotstudie wurden die Teilnehmenden im Hinblick auf die Aufnahme in die Studie gescreent. Vor der Behandlung erhielt die Familie Informationen über die Studie. Die ASC-ASD (Eltern- und Kinderversion) und die FACES-IV wurden vorgelegt, um die Werte zur Baseline, während der Behandlung und nach der Behandlung zu verfolgen. Nach dem letzten Messzeitpunkt wurde der Fall visuell analysiert, um das Ergebnis des Experiments zu untersuchen.

Datenaufbereitung und -analyse

Die durchgeführten Vortests umfassten eine visuelle Analyse. Zudem prüfte das Forschungsteam univariate und multivariate Annahmen. Die Daten wurden von allen teilnehmenden Eltern (die ASC-ASD in der Elternversion wurde als ein Formular pro Familie vorgelegt) und für alle Instrumente erhoben; die ASC-ASD (Eltern- und Kinderversion) und die FACES-IV wurden dreimal vorgelegt (Baseline, Behandlung und Nachbehandlung). Die visuelle Analyse der Daten mithilfe von Grafiken lieferte eine Erklärung der Studie.

Reliable-Change-Index

Der Reliable-Change-Index (RCI) dient dazu, festzustellen, ob die Veränderung der Werte der Untersuchten zwischen Prä- und Posttest statistisch signifikant ist. Zwar kann die visuelle Analyse von Werten in Einzelfällen Ergebnisse liefern, die auf eine Veränderung hindeuten, doch der RCI bestätigt statistisch, ob die beobachtete Veränderung real ist, und nutzt dafür den Standardmessfehler (SEM; Guhn et al., 2014). Diese Studie verwendete folgende Gleichungen, um den RCI für jeden Test zu bestimmen: Der Stichprobenmittelwert der Familie wurde mit (∑x)/n berechnet. Anschließend wurde die Stichprobenvarianz mit S2 ∑(x − x¯)/n − 1 berechnet. Danach wurde die Standardabweichung mit √s2 berechnet. Schließlich wurde der SEM mit der Gleichung SD/√n berechnet. RCI-Werte über 1.96 zeigen eine bedeutsame Veränderung im Wert einer teilnehmenden Person an. Der RCI allein belegt keinerlei klinische Bedeutsamkeit, bestätigt aber die statistische Signifikanz.

ERGEBNISSE

Diese Studie befasst sich mit zwei wichtigen Fragen, nach denen die Darstellung der Ergebnisse gegliedert ist:

  1. Ist SFT for ASD eine wirksame familienbasierte Behandlungsform für Angst bei Kindern mit ASS?
  2. Ist SFT for ASD wirksam, um die familiäre Zufriedenheit zu steigern, also dass die Familienmitglieder miteinander zufrieden und erfüllt sind?

Die Daten zum Angstniveau der Kinder (selbst eingeschätztes Angstniveau) finden sich zusammen mit den Mittelwerten und RCI-Werten in Tabelle 1. Zwei Kinder (erste und dritte Familie) zeigten eine Zunahme ihrer Angst, und drei Familien (zweite, vierte und fünfte Familie) zeigten eine Abnahme der Angst. Die RCI-Werte der Kinder, die ihre eigene Angst einschätzten, lauteten: erste Familie 6.28, zweite Familie −5.97, dritte Familie 6.11, vierte Familie 6.26 und fünfte Familie 6.26. Drei Kinder hatten RCI-Werte über 1.96. Diese Befunde zeigen gemischte Ergebnisse, wobei SFT for ASD bei den meisten Kindern die Angst offenbar wirksam verringerte.

Tabelle 1 — ASC-ASD (Kinder): Werte, Mittelwerte und RCI.

Werte der ersten, zweiten, dritten, vierten und fünften Familie.

  • Vor der Behandlung. 15; 28; 21; 17; 1
  • Halbzeit. 32; 24; 32; 12; 0
  • Nach der Behandlung. 43; 23; 36; 9; 0
  • Mittelwert. 30; 25; 29.7; 12.67; 0.33
  • RCI. 6.28; −5.97; 6.11; −6.26; 6.26

Die Daten der Elternversion der ASC-ASD finden sich zusammen mit den Mittelwerten und RCI-Werten in Tabelle 2. Ein Elternteil (erste Familie) zeigte insgesamt keine Veränderung in der Wahrnehmung des Angstniveaus des Kindes. Drei Familien (zweite, vierte und fünfte Familie) verzeichneten eine sichtbare Abnahme ihrer Einschätzung der Angst ihres Kindes, und eine Familie (dritte Familie) verzeichnete eine Zunahme der Angstwerte. Die RCI-Werte der Eltern, die ihre Wahrnehmung des Angstniveaus ihrer Kinder einschätzten, lauteten: erste Familie 0, zweite Familie −5.45, dritte Familie 3.16, vierte Familie 3.16 und fünfte Familie 5.97. Die meisten Familien, die das Angstniveau ihres Kindes niedriger einschätzten, erzielten RCI-Werte über 1.96; daher lässt sich der Schluss ziehen, dass die SFT wirksam darin war, die elterliche Wahrnehmung der Angst ihrer Kinder mit ASS zu verringern.

Tabelle 2 — ASC-ASD (Eltern): Werte, Mittelwerte und RCI.

Werte der ersten, zweiten, dritten, vierten und fünften Familie.

  • Vor der Behandlung. 22; 25; 23; 4; 9
  • Halbzeit. 20; 25; 28; 2; 5
  • Nach der Behandlung. 22; 23; 28; 3; 4
  • Mittelwert. 21.3; 24.3; 26.3; 3; 6
  • RCI. 0; −5.45; 5.47; −3.16; −5.97

Die Daten in Tabelle 3 zeigen die Zufriedenheits-Subskala der FACES-IV über den Behandlungszeitraum von der ersten bis zur zehnten Sitzung für die Kinder. Die Analyse der visuellen Daten in den Tabellen zeigt eine sichtbare Zunahme der Werte familiärer Zufriedenheit in vier Familien und insgesamt keine Veränderung in einer Familie. Die RCI-Werte der Kinder, die ihre eigene Zufriedenheit einschätzten (siehe Tabellen 3 und 4), lauteten: erste Familie 6.13, zweite Familie 6.2, dritte Familie 6.27, vierte Familie 0 und fünfte Familie 5.17. Alle Kinder bis auf eines hatten RCI-Werte über 1.96; daher lässt sich folgern, dass SFT for ASD nach der Wahrnehmung des Kindes mit ASS die familiäre Zufriedenheit nachweislich steigert.

Tabelle 3 — Werte der Zufriedenheits-Subskala der FACES-IV (Kinder).

Werte der ersten, zweiten, dritten, vierten und fünften Familie.

  • Vor der Behandlung. 32; 38; 22; 37; 41
  • Halbzeit. 39; 41; 24; 36; 40
  • Nach der Behandlung. 34; 43; 27; 37; 50
  • Mittelwert. 35; 41; 24.33; 36.67; 43.67
  • RCI. 6.13; 6.2; 6.27; 0; 5.17

Die Daten in Tabelle 4 zeigen ebenfalls die Zufriedenheits-Subskala der FACES-IV, hier für die Eltern, die ihre Sicht auf die familiäre Zufriedenheit über den Behandlungszeitraum einschätzten. Visuell zeigt sich, dass drei Elternteile (erste, zweite und dritte Familie) eine Zunahme ihrer Zufriedenheit verzeichneten, bei einem Elternteil (vierte Familie) keine Veränderung auftrat und bei einer Familie ein leichter Rückgang des Wertes festzustellen war. Die RCI-Werte der Eltern (siehe Tabelle 4) lauteten: erste Familie 6.32, zweite Familie 1.52, dritte Familie 6.27, vierte Familie 0 und fünfte Familie −1.19. Drei Familien hatten RCI-Werte über 1.96; somit gab die Mehrheit der Eltern an, dass SFT for ASD ihre Sicht auf eine wachsende familiäre Zufriedenheit beeinflusst hat.

Tabelle 4 — Werte der Zufriedenheits-Subskala der FACES-IV (Eltern).

Werte der ersten, zweiten, dritten, vierten und fünften Familie.

  • Vor der Behandlung. 27; 26; 22; 37; 39
  • Halbzeit. 32; 30; 24; 36; 34
  • Nach der Behandlung. 36; 27; 27; 37; 38
  • Mittelwert. 31.67; 27.67; 24.33; 36.67; 37
  • RCI. 6.31; 1.52; 6.27; 0; −1.19

DISKUSSION

Ziel dieser Studie ist es zu untersuchen, ob die SFT ein geeignetes Therapiemodell ist, um familienbezogene Angst in Familien mit einem Kind mit ASS zu behandeln. Die vorhandene Literatur zeigt, dass Eltern häufig ein erhöhtes Maß an Depression, Angst, Stress und Erschöpfung sowie eine Vielzahl weiterer Probleme erleben, die sich unmittelbar auf ihr psychisches Wohlbefinden auswirken (Zablotsky et al., 2013). Oft hängen diese Belastungen damit zusammen, eine Diagnose zu erhalten, sich nach der Diagnose im Versorgungssystem zurechtzufinden und als Eltern keinen sicheren Ort zu haben, an dem sie ihre Trauer und ihren Verlust verarbeiten können (Spain et al., 2017). Das derzeitige Behandlungsprotokoll für Kinder mit ASS besteht in der Regel in der Überweisung an Leistungen der angewandten Verhaltensanalyse (ABA), was in mancher Hinsicht angemessen ist, aber bei der Bearbeitung der systemischen Probleme in Familien mit einem Kind mit ASS weit hinter dem Nötigen zurückbleibt.

Implikationen

Diese Studie verwendete mit SFT for ASD ein erweitertes Modell der SFT und zeigte in diesen fünf Fällen Wirksamkeit in mehreren Bereichen, die im Leben der Familien einen Unterschied machen. Die SFT ist häufig ins Abseits geraten, weil sie als veraltetes Modell gilt oder als eines, das in gewisser Form das Patriarchat verstärkt (Vetere, 2001). Diese Studie zeigt, dass die SFT nach wie vor eine relevante und nützliche Theorie zur Behandlung heutiger Probleme von Familien ist. Die SFT gibt therapeutischen Fachkräften zusätzliche Werkzeuge an die Hand, um zahlreiche Probleme anzugehen, die Familien mit Kindern mit ASS belasten, von Angst und Depression, durch eine Anpassung der Familienstruktur, bis hin zu Problemen der doppelten Empathie, bei denen die Kommunikation zwischen zwei Personen zusammenbricht, denen Verständnis und Gegenseitigkeit für unterschiedliche Weltsichten oder Erfahrungen fehlen. Zudem könnte die Zunahme der Angst, die viele Kinder in der Studie bei sich selbst angaben, obwohl ihre Zufriedenheitswerte stiegen, auf die Angst vor der sich verändernden Familiendynamik zurückzuführen sein. Bekanntlich geht Therapie mit einer Zunahme von Angst einher, wenn Menschen sich mit Problemen auseinandersetzen, die ihnen Schmerz bereiten.

Das Versorgungssystem vieler Länder beruht weitgehend auf dem medizinischen Modell, das sich auf die Pathologie einer einzelnen Person konzentriert und die systemischen Auswirkungen dieser Pathologie auf ihr Beziehungsumfeld außer Acht lässt. Das Modell SFT for ASD fordert das etablierte medizinische Modell heraus, Praktiken aufzunehmen oder zu reformieren, damit sie einen systemischen Neurodiversitätsansatz stärker einschließen. Wie bereits gesagt, ist die ASS eine individuelle Diagnose, die zwar das Funktionieren der einzelnen Person beeinträchtigt, aber weitreichende Auswirkungen auf Familiendynamiken und -beziehungen hat (Govind, 2018; Miranda et al., 2019). Die Ergebnisse, auch wenn sie diesen Familien eigen sind, zeigen, dass eine familienbasierte Behandlung positive Ergebnisse bei individuellen Problemen erzielen kann, die traditionell nur über die betroffene Person behandelt wurden. Diese Studie lenkt die Aufmerksamkeit auf den Bedarf an einer stärker systemisch ausgerichteten, inklusiven Behandlung einer Person innerhalb ihrer Familie, die auf die Bedürfnisse von Eltern, Geschwistern und Kindern mit ASS sowie auf ihre Beziehungen eingeht. Ein systemisch orientiertes, familienbasiertes Behandlungsangebot als Teil des Versorgungssystems wird es Eltern erleichtern, Entlastung von erhöhter Angst, elterlichem Stress und Depression zu finden (Zablotsky et al., 2013), Geschwistern von Kindern mit ASS, ihre Isolation zu verarbeiten (Sansosti et al., 2012), und Kindern mit ASS, Beziehungen zu ihren Eltern zu entwickeln, die über den Bereich ihrer Diagnose hinausgehen (Norton & Drew, 1994; Spain et al., 2017). Die letzte Implikation dieser Studie ist, dass Familientherapie Veränderung bewirken und ASS auf systemischer Ebene behandeln kann. Auch wenn die ASS selbst nicht „geheilt“ werden kann, lassen sich die systemischen Auswirkungen der Diagnose, die sowohl die Person mit ASS als auch ihre Familie betreffen, als Familie behandeln. Das Ergebnis sind engere Beziehungen, eine größere Fähigkeit, künftige Probleme zu bewältigen, und mehr qualifizierte klinische Fachkräfte, die diese verletzliche Gemeinschaft mit hohem Unterstützungsbedarf begleiten können.

Implikationen für die Öffentlichkeit

Mehr verfügbare Behandlungsoptionen für Familien mit Kindern mit besonderen Bedürfnissen sind für ihr Wohlbefinden und ihre Fähigkeit, sich gut zu entwickeln, von größter Bedeutung. Dieses erweiterte Modell kann Unterstützungsangebote für die Familie als Einheit als primäre Intervention und erste Wahl für Kinder mit ASS voranbringen. Die psychischen Bedürfnisse und Schwierigkeiten eines Elternteils konkurrieren mit den Bedürfnissen des Kindes, und oft stellen Eltern die Bedürfnisse des Kindes in den Vordergrund, während sie ihre eigenen Symptome aufschieben und häufig verschlimmern. Diese Dynamik ist unter Geschwistern noch stärker, wenn ein Kind eine ASS hat und das andere nicht. Die Wirkung dieser Studie besteht darin, dass Elternteil und Kind bei der Behandlung psychischer Probleme nicht miteinander konkurrieren müssen, Entlastung bei Fragen von Unabhängigkeit und Abhängigkeit finden und als Familie neue Fähigkeiten erwerben, die bei künftigen Entwicklungsschritten und späteren Problemen im Familienleben äußerst nützlich sein können. Die Fähigkeiten und Möglichkeiten zur Bewältigung künftiger Probleme zu stärken, indem Familien in der Gegenwart unterstützt werden, wird zu einem Rückgang der Probleme führen, die Familien mit Kindern mit ASS eigen sind.

Vorschläge für künftige Forschung

In künftigen Fassungen dieser Studie würden die Rekrutierung einer großen Zahl von Familien und der Einsatz einer Kontroll- bzw. Vergleichsgruppe die Befunde stärken. Zudem würde eine höhere Zahl von Sitzungen für die Familien Bedingungen schaffen, die mit einer ambulanten Behandlung vergleichbar sind.

Complexe Systémique: Kernpunkte

Der Beitrag zählt weniger wegen seiner Zahlen als wegen seiner Geste: Minuchins strukturelle Therapie, oft als überholt abgetan, wird für Familien autistischer Kinder wieder in Dienst genommen, gekreuzt mit kritischer Disability Justice. Mehrere Ideen sind in der Sitzung unmittelbar nutzbar: zuerst die Eltern allein sehen, um ihre Erschöpfung anzuerkennen; dem Kind eine Stimme zu seiner eigenen Erfahrung geben; die Nähe, die Fürsorge verlangt, nicht mehr als pathologisch lesen; und Unbalancing nutzen, um infrage zu stellen, was eine Familie stillschweigend als für das Kind unmöglich festgelegt hat. Die Evidenz bleibt dünn: fünf Familien, drei Messzeitpunkte, vom Autor geschulte und supervidierte Therapierende in Ausbildung, ein auf ungewöhnliche Weise berechneter Veränderungsindex und Werte, die zwischen Text und Tabellen nicht immer übereinstimmen. Bei zwei Kindern nahm die Angst sogar zu. Die Studie ist eher als zu prüfender klinischer Vorschlag zu lesen denn als Wirksamkeitsnachweis. Dazu passend: der Beitrag über narrative Kurzzeit-Familientherapie und Autismus und der Beitrag über den strukturellen Ansatz in der systemischen Therapie.

Anmerkungen aus dem Original

Danksagung. Der Autor dankt den Familien, die ihre Zeit dafür eingesetzt haben, diese Behandlung zu erhalten und Einblicke in die systemische Behandlung von Familien und autistischen Kindern zu geben.

Förderung. Die in diesem Beitrag beschriebene Forschung wurde nicht finanziell gefördert.

Erklärung zu Interessenkonflikten. Der Autor erklärt, dass keine konkurrierenden Interessen bestehen.

Erklärung zu Ethik und Integrität. Der Autor erklärt, bei der Durchführung dieser Studie die einschlägigen ethischen Richtlinien befolgt zu haben. Die Grundrechte der Teilnehmenden wurden gewahrt.

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Inoffizielle deutsche Übersetzung von SFT for ASD: A systemic intervention for neurodiverse families von Anthony Pennant, Journal of Family Therapy, Bd. 47, Nr. 1 (2025), doi: 10.1111/1467-6427.12475, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzung und Satz: Complexe Systémique, Oktober 2026, mit Unterstützung künstlicher Intelligenz; das Werk wurde im Sinne der Lizenz bearbeitet (Tabellen als Listen wiedergegeben). Weder der Autor noch der Verlag sind für diese Übersetzung verantwortlich; maßgeblich ist die Originalfassung.

Dies ist eine Übersetzung des Originalartikels „SFT for ASD: A systemic intervention for neurodiverse families“, erschienen in Journal of Family Therapy (2025) unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz: Der Text des Autors wurde ins Deutsche übersetzt und die Darstellung für die Online-Lektüre angepasst, wie zu Beginn dieser Seite angegeben.

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Pennant, A. (2025). SFT for ASD: A systemic intervention for neurodiverse families. Complexe Systémique. https://app.complexe-systemique.com/en_GB/articles/sft-for-asd-a-systemic-intervention-for-neurodiverse-families (Originalwerk erschienen 2025 in Journal of Family Therapy, 47(1), e12475 (2025); erneut veröffentlicht 2025 von Journal of Family Therapy, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/1467-6427.12475)

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