Diese Fassung wurde von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz aus dem Englischen übersetzt. Im Zweifelsfall ist die Originalfassung maßgeblich.
Journal of Contemporary Psychotherapy · Paare
Wenn die Depression oder Angst einer Person die Paarbeziehung belastet und die Beziehung ihrerseits das Leiden beider verstärkt: Wo soll die Therapie ansetzen? Das Team um Ladislav Timulak in Dublin schlägt vor, die transdiagnostische emotionsfokussierte Therapie auf Paare auszuweiten: Die Symptome werden als Wiederaufflammen einer alten Verletzlichkeit (Einsamkeit, Scham, Angst) verstanden, an der sowohl in jeder Person als auch zwischen beiden gearbeitet wird. Ein zusammengesetztes Fallbeispiel, Mark und Sonja, veranschaulicht den Ansatz.
Inoffizielle deutsche Übersetzung von Transdiagnostic Emotion-Focused Therapy for Couples with Co-Morbid Relational and Mood, Anxiety and Related Difficulties von Ladislav Timulak, Jessica Dailey, Jessica Lunn und Jessica McKnight, erschienen in Journal of Contemporary Psychotherapy (Springer) (2025), doi: 10.1007/s10879-024-09645-7, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique im Oktober 2026 mit Unterstützung künstlicher Intelligenz: Der Originaltext wurde ins Deutsche übersetzt und für die Online-Lektüre neu gesetzt, was eine Bearbeitung des Werks im Sinne der Lizenz darstellt. Die mit Buchstaben nummerierten Aufzählungen des Originals werden als Stichpunktlisten wiedergegeben. Diese Übersetzung stammt weder von den Verfassenden noch vom Verlag, die weder für ihren Inhalt noch für etwaige Fehler verantwortlich sind. Maßgeblich ist die Originalfassung.
Die Liebesbeziehung kann Schmerz lindern oder als Puffer gegen eine weitere Zunahme der Belastung dienen.
Ladislav Timulak, Jessica Dailey, Jessica Lunn und Jessica McKnight
Zusammenfassung
Es besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen Unzufriedenheit in Liebesbeziehungen und erhöhten psychischen Problemen wie Depression und Angst. Der Zusammenhang kann in beide Richtungen wirken und macht sowohl die Beziehungsschwierigkeiten als auch die individuellen Schwierigkeiten komplexer. Einer der am besten untersuchten paartherapeutischen Ansätze, die emotionsfokussierte Therapie (EFT) für Paare, konzentriert sich auf den Interaktionszyklus zwischen den beiden Partnerpersonen und betont zugleich, wie wichtig es ist, individuelle Verletzlichkeiten zu beruhigen, um belastende Beziehungsinteraktionen zu verändern. Bislang gab es keinen Versuch, einen systematischen Rahmen für die Anwendung der EFT bei Paaren mit komorbiden psychischen Problemen zu beschreiben. Dieser Beitrag möchte diese Lücke schließen. Er baut sowohl auf neueren Arbeiten zur transdiagnostischen EFT für Einzelpersonen als auch auf dem Rahmen der EFT für Paare auf, die als optimales Gerüst für einen transdiagnostischen EFT-Ansatz dienen, der Beziehungsprobleme ebenso wie depressions- und angstbezogene Erscheinungsbilder bei Paaren adressiert. Der Beitrag skizziert mehrere Wege, auf denen die chronische emotionale Verletzlichkeit einer Person ein klinisches Belastungsniveau erreichen und eine Liebesbeziehung erschweren kann. Anschließend beschreibt er spezifische therapeutische Strategien, wie im Kontext der Paarbeziehung mit der emotionalen Verletzlichkeit einer Person und der damit möglicherweise verbundenen Symptombelastung gearbeitet werden kann. Die Arbeit an der emotionalen Verletzlichkeit der einzelnen Person wird zusammen mit den Beziehungsinteraktionen verfolgt, um heilsame und verändernde Interaktionen und emotionale Erfahrungen zu ermöglichen. Ein Fallbeispiel aus einem laufenden Forschungsprojekt veranschaulicht den Einsatz spezifischer therapeutischer Strategien und die klinische Anwendung des transdiagnostischen EFT-Ansatzes in der Paartherapie.
Schlüsselwörter: Emotionsfokussierte Therapie, Paartherapie, Depression, Angst
Psychische Gesundheit und Zufriedenheit in Liebesbeziehungen scheinen auf komplexe Weise miteinander verbunden zu sein. Es besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen erhöhten psychischen Problemen wie Depression und Angst und Beziehungskonflikten in Liebesbeziehungen (Leach et al., 2013; Whisman et al., 2021). Die Zufriedenheit in einer Liebesbeziehung kann sich auf die Schwierigkeiten einer Person auswirken, und ebenso können individuelle Schwierigkeiten die Beziehungszufriedenheit weiter beeinträchtigen (Whisman et al., 2023). Während die psychischen Probleme einer Person für ihr Gegenüber und für die Beziehung einen möglichen Stressfaktor darstellen, kann eine unbefriedigende Liebesbeziehung auch die Schwierigkeiten der Person verstärken. Andererseits können die Verfügbarkeit und Ansprechbarkeit der Partnerperson als Puffer gegen psychische Schwierigkeiten wie Depression und Angst wirken (Baucom et al., 2020). Tatsächlich ist das dyadische Coping ein gut erforschtes Gebiet, das zeigt, dass der Stress der einen Person das Wohlbefinden der anderen beeinflusst, dass aber auch eine gemeinsame Bewältigung eine mögliche Ressource ist, die beiden zur Verfügung steht (Bodenmann et al., 2019).
Paartherapien, die komorbide psychische Probleme und Beziehungsschwierigkeiten behandeln, erleben einen regelrechten Aufschwung. Die neueste Auflage des großen Sammelbandes, der als Referenzwerk für das Gebiet der Paartherapie gilt, Clinical Handbook of Couple Therapy (Lebow & Snyder, 2023), enthält Kapitel zur Paartherapie bei posttraumatischer Belastung (PTBS) (Monson & Fredman, 2023), bei Alkoholproblemen (McCrady et al., 2023) sowie bei Depression und Angst (Whisman et al., 2023). So wurden zu einem der am besten untersuchten komorbiden Erscheinungsbilder, der Depression, mindestens 14 randomisierte kontrollierte Wirksamkeitsstudien durchgeführt, wie eine neuere Metaanalyse belegt (Barbato & D’Avanzo, 2020). Die Studien dieser Metaanalyse zeigten zudem, dass Paartherapie bei komorbider Depression und Beziehungskonflikten sowohl die Beziehung als auch die depressiven Symptome verbessert. Was die verwendeten Modelle betrifft, scheint die kognitiv-behaviorale Paartherapie (Baucom et al., 2020) das am besten untersuchte Modell zu sein (z. B. Baucom et al., 2018; Monson et al., 2012). Auch für andere Therapien, etwa die emotionsfokussierte Therapie für Paare, gibt es gewisse Belege für ihre Wirksamkeit bei Beziehungsschwierigkeiten und komorbiden Erscheinungsbildern wie Depression und PTBS (z. B. Denton et al., 2012; Weissman et al., 2018).
Die emotionsfokussierte Therapie für Paare (Emotion-Focused/Emotionally Focused Therapy, EFT; Greenberg & Johnson, 1988) ist ein paartherapeutischer Ansatz, der auf humanistischen und systemischen Traditionen der Psychotherapie aufbaut. Hinsichtlich ihrer Wirksamkeit gehört sie zu den am besten untersuchten paartherapeutischen Ansätzen (Spengler et al., 2022). Ausgehend von der ersten Arbeit von Greenberg und Johnson (1988) hat sie sich zu zwei unterschiedlichen Traditionen entwickelt. Die ursprüngliche Formulierung von Greenberg und Johnson (1988) betonte die Herausarbeitung des problematischen Interaktionszyklus, in dem das Paar gefangen ist und der von der verletzlicheren Emotion jeder Person gespeist wird, die zu einem Verhalten führt (z. B. Vorwürfe, Rückzug), das wiederum die verletzlichen Emotionen der anderen Person hervorruft. Die therapeutische Arbeit konzentriert sich darauf, die Zyklen zu verstehen, jedoch mit dem Ziel, beiden letztlich zu helfen, einander ihre verletzlichen Emotionen und die damit verbundenen Bedürfnisse zu zeigen und so beim Gegenüber zugewandtere Reaktionen hervorzurufen.
Im Lauf der Jahre haben Johnson (2020) und ihre Kolleginnen und Kollegen die Bedeutung der Bindungstheorie hervorgehoben, um zu verstehen, warum das Suchen und Geben einer beruhigenden Antwort im Leben eines Paares so wichtig ist (Johnson, 2019). Greenberg (siehe Greenberg & Goldman, 2008) hat die ursprüngliche Arbeit dagegen erweitert, indem er betonte, dass ein Paar neben bindungsbezogenen problematischen Zyklen (z. B. Bist du für mich da, wenn es mir schlecht geht?) auch in identitätsbezogenen Konflikten gefangen sein kann (z. B. Akzeptierst du mich so, wie ich bin?). Im Bereich der therapeutischen Arbeit betonte Greenberg (zusammen mit Goldman) auch die individuelle Arbeit innerhalb des Paares, bei der sich eine Person auch um ihre eigene Verletzlichkeit kümmert.
Was die Ausarbeitung des Ansatzes für die Arbeit mit Paaren mit komorbiden psychischen Problemen betrifft, gibt es keine Literatur, die einen systematischen Rahmen für die EFT bei komorbiden Beziehungs- und psychischen Problemen bieten würde; daraus ergibt sich das Ziel dieses Beitrags. Eine Ausnahme bildet eine Formulierung von Johnson (2002) für die Arbeit mit Trauma, die vor allem erörtert, wie traumatische Erfahrungen und PTBS die übliche Paararbeit zusätzlich erschweren können. Johnson (2002; S. 97) fasst das zugrunde liegende emotionale Erleben, das die problematischen Interaktionszyklen speist, im Kontext der Echos des Traumas. Johnson betont, dass die Person mit dem früheren Trauma das zugrunde liegende emotionale Erleben möglicherweise vermeidet. Sie betont außerdem, dass Therapierende bei der Arbeit mit Paaren, in denen eine Person an PTBS leidet, auf Schwierigkeiten beim Aufbau der Arbeitsbeziehung stoßen können (z. B. Vertrauensprobleme). Die Schwere belastender Erfahrungen bei der Person mit Traumageschichte und Schwierigkeiten der Affektregulation können die Therapie ebenfalls vor Herausforderungen stellen. Auch wenn auf spezifische Herausforderungen hingewiesen wird, scheint der therapeutische Ansatz insgesamt der ursprünglichen EFT-Formulierung treu zu bleiben (Johnson, 2020).
Wenn wir einen Überblick über die Arbeit mit komorbider Unzufriedenheit in der Liebesbeziehung und psychischen Problemen geben wollen, müssen wir präzisieren, welche psychischen Probleme wir meinen, da es sich offensichtlich um ein sehr weites Feld handelt. Wir konzentrieren uns hier auf Depression, Angst und verwandte Störungen (etwa die Zwangsstörung [OCD] oder die posttraumatische Belastungsstörung [PTSD]), da sie die häufigsten psychischen Probleme sind, viele Merkmale teilen und auch mit gemeinsamen transdiagnostischen therapeutischen Strategien behandelt werden (z. B. Barlow et al., 2018). Die Zwölfmonatsprävalenz für irgendeine Angststörung, einschließlich OCD und PTSD, liegt bei etwa 18%, für Depression bei fast 7%, für Dysthymie bei 1,5 % – (Kessler et al., 2005; Depressions- und Angstprobleme treten zudem häufig komorbid auf). Auch wenn dies nicht im Mittelpunkt dieses Beitrags steht, werden Depression, Angst und verwandte Störungen oft zusätzlich durch Persönlichkeitsschwierigkeiten verstärkt, die formal als Persönlichkeitsstörungen klassifiziert werden (Lenzenweger et al., 2007). Depression, Angst und verwandte Störungen haben zudem viele gemeinsame Elemente (Lahey et al., 2021). Zu diesen Elementen gehört nicht nur eine sehr hohe Komorbidität (also das gleichzeitige Auftreten von mindestens zwei „Störungen“ zu einem Zeitpunkt oder nacheinander über einen langen Zeitraum), sondern auch die Ätiologie (z. B. genetische Vulnerabilität, belastende Ereignisse).
Die bestehenden psychologischen Behandlungen für Depression, Angst und verwandte Störungen teilen zudem viele gemeinsame therapeutische Strategien, was zur Entwicklung sogenannter transdiagnostischer Behandlungen geführt hat (Kennedy & Barlow, 2018). Eine transdiagnostische Variante der emotionsfokussierten Therapie für Depression, Angst und verwandte Schwierigkeiten, die auf der ursprünglichen Arbeit von Greenberg und Kollegen zur individuellen EFT aufbaut (Greenberg et al., 1993), wurde ebenfalls vor Kurzem konzipiert und in Manualform vorgelegt (Timulak & Keogh, 2022). Die Formulierung von Timulak und Keogh unterschied zwischen der Belastung auf Symptomebene und der zugrunde liegenden emotionalen Verletzlichkeit, aus der diese Belastung hervorging. Sie konzipierten somit zwei Ebenen der therapeutischen Arbeit: die eine auf der Ebene der Symptome, die andere auf der Ebene der Veränderung der zugrunde liegenden Verletzlichkeit.
Die Arbeit auf Symptomebene zielte auf gemeinsame transdiagnostische Symptome von Depression und Angst wie Sorgen, Grübeln und die Vermeidung von (den Schutz vor) schmerzhaften emotionalen Erfahrungen. Zu den gemeinsamen therapeutischen Prozessen der Arbeit auf Symptomebene gehörte es, das Bewusstsein der Klientinnen und Klienten für ihren eigenen aktiven Anteil an den Symptomen (das Sich-selbst-Sorgen-Machen) sowie für die Kosten solcher Prozesse zu stärken (z. B. die durch das Sorgen erzeugte Angst und Müdigkeit). Anschließend werden sie dabei unterstützt, die symptomerzeugenden Prozesse loszulassen (das Sorgen loszulassen) oder ihnen eine Grenze zu setzen (z. B. dem Sorgen eine Grenze zu setzen). Die Veränderungsarbeit in der transdiagnostischen Formulierung konzentrierte sich in typischer EFT-Weise auf die zugrunde liegende Verletzlichkeit (Greenberg et al., 1993). Die zugrunde liegende Verletzlichkeit (z. B. die Kernscham bei sozialer Angst oder Depression) wurde zugänglich gemacht, und es wurde geholfen, sie auszuhalten. Die darin enthaltenen unerfüllten Bedürfnisse (z. B. nach Akzeptanz) wurden ausgesprochen, und neue adaptive Reaktionen wie Mitgefühl und grenzsetzender Ärger wurden hervorgebracht.
Die transdiagnostische Formulierung von Timulak und Keogh (2022) hat uns dazu geführt, sie vom Einzelsetting auf die Arbeit mit Paaren auszuweiten, bei denen mindestens eine Person die formalen klinischen Kriterien für eine Depression, eine Angststörung oder eine verwandte Störung erfüllt. Die folgenden Ausführungen konzeptualisieren den Platz dieser psychischen Schwierigkeiten in den problematischen Interaktionszyklen und schlagen therapeutische Strategien vor, mit denen komorbide psychische Probleme und Beziehungsunzufriedenheit angegangen werden können, aufbauend auf dem von Greenberg und Goldman (2008) vorgestellten Rahmen. Wir hoffen damit, einen kohärenten Rahmen zur Konzeptualisierung einer transdiagnostischen emotionsfokussierten Paartherapie bei komorbider Beziehungsunzufriedenheit und Depression, Angst und verwandten Störungen anzubieten.
Die EFT für Paare verortet die Hauptquelle der Beziehungsunzufriedenheit im Interaktionszyklus des Paares, der bei beiden schmerzhafte Emotionen erzeugt. Dieser Zyklus entsteht aus zugrunde liegenden Emotionen und deren sekundärem Ausdruck (z. B. Ich fühle mich nicht anerkannt, aber ich greife mein Gegenüber lieber an, als meine Verletzung zu zeigen). In der klassischen EFT für Paare (Greenberg & Goldman, 2008) liegt der Fokus meist auf einem dominanten problematischen Zyklus, wobei er sich in einer längeren Therapie auf andere Zyklen verlagern kann. Ein problematischer Interaktionszyklus kann sich folgendermaßen darstellen:
Ein Verhalten von Person A (z. B. emotionale Unerreichbarkeit) löst bei Person B eine schmerzhafte Erfahrung aus (z. B. sich allein fühlen), die bei Person B zu einem (oft schützenden, aber unwirksamen) Verhalten führt (z. B. Person A Vorwürfe machen), das wiederum bei Person A ein schmerzhaftes Gefühl hervorruft (z. B. das Gefühl, das Gegenüber zu enttäuschen), das bei Person A zu einem Verhalten führt (z. B. Rückzug), welches das schmerzhafte Gefühl bei Person B (ein Gefühl von Einsamkeit und Verlassenheit) weiter verstärkt und zu weiterem (eskalierendem) problematischem Verhalten (Vorwürfe) beiträgt. So schließt sich der Kreis, und der Teufelskreis verfestigt sich und führt ein Eigenleben. Bei der zugrunde liegenden Verletzlichkeit (z. B. einsame Verlassenheit, Angst, Scham) fällt es schwer, bei ihr zu bleiben und sie dem Gegenüber zu zeigen; gezeigt werden vielmehr sekundäre Emotionen (z. B. Ärger) oder ein daraus hervorgehendes Verhalten (z. B. Mauern und Rückzug), da sie weniger verletzlich machen, was die erlebten verletzlichen Emotionen weiter verstärkt.
Aus Sicht einer individuellen transdiagnostischen EFT werden die psychischen Schwierigkeiten, welche die Symptome von Depression, Angst und verwandten Schwierigkeiten ausmachen, als emotionale Schwierigkeiten auf Symptomebene betrachtet, die der tiefer liegenden emotionalen Verletzlichkeit nachgeordnet sind (Timulak & Keogh, 2022). Die Belastung auf Symptomebene kann sich als Hoffnungslosigkeit, Hilflosigkeit, Reizbarkeit, Angst, allgemeines Gefühl der Überforderung oder als Unterbrechung/Vermeidung von Gefühlen zeigen, die Depression und Angst kennzeichnen. Die zugrunde liegende emotionale Verletzlichkeit bei Depression und Angst scheint aus chronischen und überwältigenden schmerzhaften Erfahrungen von Einsamkeit (oder Verlust), Scham und Angst zu bestehen (z. B. Dillon et al., 2018; Keogh & Timulak, 2023; McNally et al., 2014; O’Brien et al., 2019). Diese Verletzlichkeit entwickelt sich wahrscheinlich aus dem Zusammenspiel biologischer Prädispositionen, die unsere Emotionalität prägen, und belastender Ereignisse, insbesondere in entwicklungssensiblen Lebensphasen, die schmerzhafte, überwältigende emotionale Erfahrungen erzeugen. Diese überwältigenden emotionalen Erfahrungen sind oft chronisch oder besonders intensiv. Die emotionalen Bedürfnisse, die in den durch diese belastenden Ereignisse erzeugten Emotionen enthalten sind, z. B. das Bedürfnis nach Verbundenheit in der Einsamkeit, das Bedürfnis nach Akzeptanz in der Scham, das Bedürfnis nach Schutz in der Angst, bleiben typischerweise unerfüllt.
Menschen entwickeln so einzigartige emotionale Empfindlichkeiten gegenüber bestimmten Arten von Ereignissen, gegenüber Auslösern. Die klassische EFT beschreibt die Entwicklung problematischer emotionaler Schemata (Greenberg, 2017), die in unserer Interaktion mit einem bestimmten sozialen Umfeld aktiviert werden können. Die Aktivierung dieser emotionalen Verletzlichkeit (insbesondere wenn sie chronisch oder sehr prägend ist) kann ein Maß an Belastung und Leiden erreichen, das eine klinische Schwelle oder die diagnostischen Kriterien für Störungen wie Depression, Angst und verwandte Schwierigkeiten erfüllt. Nebenbei bemerkt zeigen Längsschnittstudien, dass praktisch niemand davor gefeit ist, im Laufe des Lebens eine Belastung zu erleben, welche die Kriterien einer psychischen Störung erfüllt (Caspi et al., 2020).
In einem Paar geht die emotionale Verletzlichkeit einer Person (die Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Auslösern und den Erfahrungen, die diese mit sich bringen) oft der Beziehung voraus (Greenberg & Goldman, 2008). Häufig (oder sogar typischerweise) sind dabei belastende Ereignisse in entwicklungssensiblen Phasen entscheidend, doch manchmal treten traumatische oder anderweitig belastende Erfahrungen später im Leben auf, im Verlauf der Beziehung oder im Kontext der Beziehung (das Konzept der emotionalen Verletzungen in der Liebesbeziehung bezieht sich darauf – siehe Meneses & Greenberg, 2019). In bestimmten Kontexten, und bei manchen Menschen mehr als bei anderen, kann diese Empfindlichkeit ein klinisches Belastungsniveau hervorrufen. Der Auslöser kann von außerhalb der Paarbeziehung kommen oder von der anderen Person. Da die primäre Liebesbeziehung in der Regel die bedeutsamste Beziehung ist, schmerzt es besonders, wenn das Verhalten oder der emotionale Ausdruck des Gegenübers die zugrunde liegende Verletzlichkeit aktiviert. Selbst wenn der aktuelle Auslöser von außerhalb der Beziehung kommt (z. B. Arbeit, Herkunftsfamilie, Schwiegerfamilie, Krankheit), kann die wahrgenommene Reaktion der Partnerperson auf die emotionalen Folgen eher als Verstärkung denn als Linderung der Verletzung erlebt werden. Ruft die aktivierte Verletzlichkeit ein klinisches Belastungsniveau hervor, kann es für die andere Person schwieriger werden, beruhigend oder anerkennend zu reagieren. Dies kann die Interaktion dann besonders belasten und zur Entwicklung eines problematischen Interaktionszyklus führen, der durch das klinische Ausmaß der erlebten Belastung verstärkt wird. Die zyklische Interaktion kann noch komplexer sein, wenn die Belastung beider ein klinisches Niveau erreicht.
Eine chronische emotionale Verletzlichkeit, die ein klinisches Belastungsniveau erreichen kann, kann eine Liebesbeziehung auf verschiedene Weise erschweren. In manchen Fällen etwa:
In all diesen Beispielen machen das Ausmaß der zugrunde liegenden Verletzlichkeit und das Ausmaß der Belastung, die sie hervorruft, die Interaktion anfällig dafür, in Schwierigkeiten zu münden. Die aktivierte Verletzlichkeit bringt also nicht nur der betroffenen Person Leiden, sondern erhöht auch, was für die Ansprechbarkeit der anderen Person auf dem Spiel steht. Die Interaktion verläuft dann womöglich nicht gut, und die Antwort des Gegenübers kann darin scheitern, als Puffer gegen das Anwachsen der Verletzlichkeit zu einer voll ausgeprägten klinischen Störung zu dienen. Andererseits weist die zentrale Bedeutung der Antwort des Gegenübers auf die zugrunde liegende emotionale Verletzlichkeit darauf hin, dass die Liebesbeziehung Schmerz lindern oder als Puffer gegen eine weitere Zunahme der Belastung dienen kann. Tatsächlich steht die mögliche Funktion der Beziehung als Ressource im Kontext schwieriger Erfahrungen (Bodenmann et al., 2019) im Zentrum der Paarbehandlungen, die für komorbide Beziehungs- und psychische Schwierigkeiten entwickelt wurden (Whisman et al., 2023).
Der von Greenberg und Goldman (2008) skizzierte Rahmen der EFT für Paare bietet ein optimales Gerüst für einen transdiagnostischen EFT-Ansatz in der Paartherapie, der sowohl Beziehungsprobleme als auch depressions- und angstbezogene Erscheinungsbilder behandelt. Der ursprüngliche EFT-Rahmen geht davon aus, dass sich die Paartherapie auf die Herausarbeitung des problematischen Interaktionszyklus konzentriert und zugleich auf das Erkennen der Empfindlichkeiten und emotionalen Verletzlichkeiten der einzelnen Personen, die im Kern ihrer Interaktionspositionen in diesem Zyklus stehen. Dieser Rahmen ist mit der hier vertretenen Sichtweise vereinbar, dass solche Verletzlichkeiten nicht nur bei der Beziehungsbelastung, sondern auch bei individueller Belastung wie Depression und Angst eine Rolle spielen. Der Fokus auf die lebensgeschichtlichen Ursprünge der Beziehungsempfindlichkeiten und -verletzlichkeiten unterscheidet die Formulierung von Greenberg und Goldman von jener Johnsons (2020): Johnson sucht den lebensgeschichtlichen Kontext der zugrunde liegenden verletzlichen Gefühle eher unter dem Blickwinkel des früheren Bindungssuchverhaltens in Belastungssituationen (z. B. bei anderen Beruhigung suchen, Erfahrungen gemacht haben, von anderen beruhigt zu werden). Die Sicht von Greenberg und Goldman ist viel umfassender, da sie danach fragt, welche Erfahrungen zur Herausbildung solcher Empfindlichkeiten und Verletzlichkeiten geführt haben. Wir möchten zudem betonen, dass emotionale Verletzlichkeiten, die mit den Beziehungsschwierigkeiten oder mit Depression/Angst verbunden sind, zwar oft in entwicklungssensiblen Lebensphasen entstehen, sich aber zu jedem Zeitpunkt entwickeln können, auch im Kontext der Beziehung selbst.
Die Formulierung von Greenberg und Goldman (2008) geht (ähnlich wie die ursprüngliche Formulierung von Greenberg & Johnson, 1988 und von Johnson, 2020) ferner davon aus, dass das Offenlegen verletzlicher Emotionen in der Sitzung im Zentrum verändernder Austauschprozesse steht, wenn beide von der therapeutischen Fachkraft dabei unterstützt werden, auf verletzliche Gefühle mit Akzeptanz und Fürsorge zu reagieren. Die Blockaden eines solchen Prozesses werden erkannt (ihre schützende Funktion wird bewusst gemacht), es wird aber auch geholfen, sie zu überwinden. Greenberg und Goldman führen hier ein neues Element in die therapeutische Arbeit ein (eines, das in der ursprünglichen Formulierung von Greenberg und Johnson von 1988 nicht vorhanden war und auch in Johnsons eigener Formulierung fehlt), nämlich eine innere Arbeit jeder Person an ihrer eigenen Verletzlichkeit, allerdings in Anwesenheit des Gegenübers (z. B. Arbeit an der Selbstakzeptanz, während man zugleich anerkennende Antworten vom Gegenüber erhält). Dieser Prozess wird für die transdiagnostische Formulierung der Arbeit mit Beziehungsunzufriedenheit und komorbiden Depressions- und Angstschwierigkeiten besonders relevant sein, da die zugrunde liegende Verletzlichkeit als Kern der Dynamik gesehen wird, die ein klinisches Belastungsniveau hervorrufen kann, und sowohl relational als auch individuell bearbeitet werden muss, wobei das Gegenüber die Arbeit bezeugt.
Der zusätzliche Fokus der transdiagnostischen EFT für Paare baut auf folgende Weise auf der Formulierung von Greenberg und Goldman auf:
Person A beispielsweise (mit einer Vorgeschichte beängstigender Erfahrungen, in denen die Eltern nicht verfügbar waren und alles überwältigend war) kann empfindlich auf die Unsicherheit reagieren, dass die Dinge nicht vorhersehbar sind, während Person B nicht teilt, wie wichtig es ist, unvorhersehbare, überwältigende Situationen unter Kontrolle zu halten (bei der Kinderbetreuung, bei der Haushaltsführung). Dies kann zu einem klinischen Ausmaß an Angst beitragen, das auch mit der unkontrollierbaren Situation an der Arbeitsstelle von Person A zusammenhängt, unabhängig von dem, was zu Hause geschieht. Dies kann Person A dazu bringen, das Gegenüber zu kritisieren und festzulegen, welches Verhalten von Person B erwartet wird und akzeptabel ist. Person B fühlt sich kritisiert und nicht anerkannt, und das aktiviert ihre chronischen Gefühle der Unzulänglichkeit (Ich enttäusche mein Gegenüber, alles, was ich tue, ist falsch). Dies führt bei Person B zu einer Lähmung und dazu, bei der Kinderbetreuung oder den Haushaltsaufgaben oder bei der Linderung der Angst von Person A nicht „bei der Sache“ zu sein. Dies wiederum lässt die Angst von Person A eskalieren. Dies kann dann eindeutig als der problematische Zyklus erscheinen. Es gibt eine zugrunde liegende Verletzlichkeit bei Person A (Angst) und eine zugrunde liegende Verletzlichkeit bei Person B (Scham/Unzulänglichkeit).
Person B kann sich aber auch chronisch einsam fühlen, und die überforderte Person A kann zu ängstlich und unglücklich sein, was sie zum Beispiel dazu bringt, Intimität zu verweigern. Dies kann Person B gereizt und kritisch gegenüber dem Gegenüber werden lassen, was bei Person A ein Gefühl der Unzulänglichkeit hervorrufen kann. So kann ein zweiter Zyklus entstehen, in dem Person A sich einsam fühlt, aber Reizbarkeit zeigt, und Person B sich unzulänglich fühlt, sich aber zurückzieht und ihrerseits gereizt reagiert. Dieser zweite Zyklus kann mit dem ersten Zyklus zusammenwirken, und die Angst von Person A sowie die Unzufriedenheit mit dem Verhalten von Person B können auch instrumentell (außerhalb des Bewusstseins) zum Ausdruck kommen, indem Annäherungsversuche von Person B zurückgewiesen werden.
Das Beispiel veranschaulicht das Bestehen zweier miteinander verbundener Zyklen. Wir würden daher empfehlen, routinemäßig nach zwei möglichen Zyklen zu suchen, auch wenn sich die Arbeit vorrangig auf einen von ihnen konzentrieren mag (denjenigen, der derzeit stärker verfestigt erscheint und mehr Belastung erzeugt). Der Fokus auf nur einen Zyklus kann insbesondere dann gegeben sein, wenn die Paartherapie zeitlich begrenzt ist. Im Fall der transdiagnostischen EFT für Paare kann dies bedeuten, sich auf den Zyklus zu konzentrieren, der am stärksten zur Entstehung eines klinischen Belastungsniveaus beiträgt.
Um zu veranschaulichen, wie die transdiagnostische EFT für Paare in der Praxis aussehen kann, betrachten wir ein zusammengesetztes Beispiel aus unserem laufenden Projekt, das sich mit einer Adaptation der EFT als Therapie bei komorbider Beziehungsunzufriedenheit und Depression, Angst und verwandten Schwierigkeiten bei mindestens einer der beiden Personen befasst. Ein heterosexuelles Paar Ende dreißig, Mark und Sonja, stellt sich mit einem Kommunikationsproblem (aus Marks Sicht) und/oder einem Konflikt darüber vor, dass Mark sich bei der Haushaltsführung und der Betreuung ihrer beiden Kinder nicht genug einbringt (aus Sonjas Sicht). Zusätzlich zum Beziehungskonflikt und zur Beziehungsunzufriedenheit hat Mark die Hauptdiagnose Depression (mit wiederholten früheren Episoden, darunter eine besonders schwere, die einen stationären Klinikaufenthalt erforderte), während Sonja die Kriterien einer generalisierten Angststörung als Hauptdiagnose (mit komorbider Depression) erfüllt.
Im Verlauf der Therapie zeigt sich bei diesem Paar ein dominanter Interaktionszyklus, den die therapeutische Fachkraft verfolgt und dem Paar zurückmeldet. In diesem Zyklus fühlt sich Sonja von der Haushaltsführung und ihren elterlichen Pflichten überfordert (sekundäre Belastung). Sie ist verärgert, dass Mark nichts beiträgt, oder sie empfindet seinen Beitrag als unzuverlässig. Sie hat Angst, dass etwas schiefgehen könnte und sie nicht für ihre Kinder sorgen können, oder dass sie ihre Kinder im Stich lassen, weil sie ihnen keine optimale Erziehung bieten (z. B. sicherstellen, dass die Kinder genügend Anregung bekommen und ihre künstlerischen und sportlichen Talente entfalten können). Sonja fühlt sich mit ihren Bemühungen allein. Sie ist oft in Panik, doch was sie zeigt, ist Groll gegenüber Mark und Zweifel daran, dass er sich um den Haushalt und die Kinder kümmern kann. Sie kritisiert Mark häufig und übernimmt die Hausarbeiten oder die Kinderbetreuung, die Mark ursprünglich übernommen hatte. Mark wiederum fühlt sich kritisiert, angezweifelt, nicht anerkannt und auch kontrolliert. Innerlich fühlt er sich inkompetent, doch was er zeigt, ist seinerseits Groll oder Rückzug (er reagiert nicht, ist in Gedanken versunken), was Sonja noch mehr in Panik versetzt, da sie ihn als nicht verfügbar wahrnimmt. Je zurückgezogener und unerreichbarer Mark ist, desto mehr übernimmt Sonja und kritisiert Mark.
Es gibt auch einen zweiten Zyklus, den die therapeutische Fachkraft mithilfe der beiden herausarbeitet. Um unsere Darstellung einfach zu halten, gehen wir hier nicht auf diesen zweiten Zyklus und die damit verbundene Arbeit ein; es sei nur gesagt, dass er dadurch gekennzeichnet ist, dass Mark sich allein fühlt und Nähe und Intimität sucht, während Sonja sich zurückzieht, innerlich aber das Gefühl hat, Mark zu enttäuschen. Während Sonja das Gefühl hat, Mark zu enttäuschen, weil sie kein Interesse an Nähe mit ihm hat, zeigt sie ihm gegenüber Ärger: Wie kann es sein, dass er nicht da ist, um bei der Hausarbeit und der Kinderbetreuung zu helfen, wenn er möchte, dass sie keinen Groll hegt und sich für ihn interessiert (hier liegt die Verbindung zum dominanten Zyklus)? Je mehr Mark ihre Nähe sucht, desto mehr zieht sich Sonja zurück und reagiert mit Ärger.
Die therapeutische Arbeit konzentriert sich darauf, den dominanten Zyklus zu verfolgen, und der Einfachheit halber beziehen sich unsere Beschreibungen hier nur auf den dominanten Zyklus. Wir zeigen auf, wie die zugrunde liegende Panik Sonja dazu bringt, Mark immer mehr zu lenken und ihm Anweisungen zu geben, was für Mark sehr entwertend ist und ihn dazu bringt, sich noch weiter zurückzuziehen. Die zugrunde liegende Verletzlichkeit (Panik, Angst, Selbstzweifel und Alleinsein bei Sonja, ein Gefühl der Unzulänglichkeit bei Mark) wird im Kontext der jeweiligen Lebensgeschichte erkundet. Prägende Erinnerungen werden lebendig und erlebnisnah zugänglich gemacht und beiden offengelegt, und beide werden gebeten, aus ihrem Inneren heraus auf die verletzlichen Gefühle des Gegenübers zu antworten.
Es stellt sich heraus, dass Sonja von ihrer Mutter chronisch entwertet wurde, die sehr ängstlich, zugleich aber nicht verfügbar war (wegen ihrer psychischen Probleme oft im Krankenhaus), was Sonja verängstigt und von Verantwortung überfordert zurückließ (die beide Eltern auch offen von ihr verlangten, da sie das älteste Kind war). Schon früh übernahm Sonja viel Verantwortung und kümmerte sich um ihren Vater und ihre jüngeren Geschwister, fühlte sich davon aber sehr überfordert. Sie macht sich ständig Sorgen darüber, was schiefgehen könnte. Besonders fürchtet sie, dass ihre Kinder einige der Erfahrungen machen könnten, die in ihrer Kindheit und Jugend Gefühle von Panik und Scham in ihr auslösten. Sie versucht, sie davor zu schützen. Ihre Sorgen um die Situation zu Hause können durch die Sorgen bei der Arbeit noch verstärkt werden, wo sie eine Führungsposition innehat und mit Bedrohungen ihrer Stellung und dem Druck, beruflich erfolgreich zu sein, umgehen muss. Ihre Verletzlichkeit (sich nicht unterstützt fühlen, Angst haben, dass etwas schiefgehen kann, aber auch sich allein fühlen und das Gefühl haben zu versagen) eskaliert zu einem klinischen Ausmaß an Sorgen (generalisierte Angst) und Schlaflosigkeit, aber auch zu überbehütendem und kontrollierendem Verhalten. Ihre Stimmung ist zudem gedrückt, und sie ist leicht reizbar.
In der Therapie wurde die Dynamik von Sonjas Verletzlichkeit und die Art, wie sie zu einem klinischen Belastungsniveau eskaliert, klar herausgearbeitet. Ihre Verletzlichkeit wurde lebendig und erlebnisnah zugänglich gemacht (durch episodische Erinnerungen aus der Zeit vor der Beziehung, aber auch durch prägende Ereignisse in der Beziehung mit Mark). Da die Verletzlichkeit mit einer begleitenden emotionalen Erregung und mit unerfüllten Bedürfnissen nach Unterstützung und Fürsorge zugänglich wurde, wurde sie in den von der therapeutischen Fachkraft angeleiteten Enactments auch ausgedrückt und Mark offengelegt (indem Sonja gebeten wurde, sie direkt mit Mark zu teilen). Mark war berührt und antwortete sehr fürsorglich und bewegend:
Ich bin da, du bist nicht allein, ich will nicht, dass du das Gefühl hast, dass alles an dir hängt, ich will das mit dir gemeinsam tragen.
Sonja wurde auch dabei unterstützt, ihre Sorgenprozesse aufzuschlüsseln, ihren eigenen aktiven Anteil am Sorgen zu erkennen [Wie machen Sie sich selbst Sorgen?] und die Auswirkungen des Sorgens zu sehen (Angst und Müdigkeit). In der Sitzung wurde sie in einer individuell ausgerichteten Arbeit (in Marks Anwesenheit) dabei unterstützt, zu prüfen, ob sie versuchen könnte, die Sorge loszulassen oder ihr eine Grenze zu setzen. Die therapeutische Fachkraft half ihr außerdem, die Aufgabe „Freiraum schaffen“ zu nutzen (bei der belastende Gefühle in der Vorstellung beiseitegestellt werden), um sich zu regulieren, wenn sie sich (außerhalb der Sitzungen) überfordert fühlt. Mark war zudem entschlossen, ihr zu helfen zu erkennen (ohne Schuldzuweisung), wann sie anfängt, sich Sorgen zu machen und in Panik zu geraten, und erklärte sich bereit, sie daran zu erinnern, wie sie sich auf die in der Sitzung berührten Prozesse stützen kann (die Sorge loslassen oder ihr eine Grenze setzen). Mit diesem Vorgehen als Hausaufgabe zwischen den Sitzungen hatten sie einigen Erfolg.
Der Hintergrund von Marks zugrunde liegender Verletzlichkeit ist, dass er als Kind ein sehr guter Schüler war, in der Jugend aber Konzentrationsprobleme ihn daran hinderten, gute schulische Leistungen zu erbringen. Da beide Eltern sehr bildungsbeflissen waren, bekam er das Gefühl, sie zu enttäuschen. Dies wurde durch gelegentliche Kritik verstärkt, vor allem von seiner Mutter, die den Eindruck hatte, er strenge sich nicht genug an. Er fühlte sich oft als Versager und hatte das Gefühl, dass seine Eltern recht hatten, wenn sie meinten, er strenge sich nicht an. Immer wenn er diesen Gefühlen begegnete, ein Versager und eine Enttäuschung zu sein, fiel es ihm schwer, sich wieder zu fangen, und er machte gewöhnlich dicht, fühlte sich leer und zog sich zurück. So war es während seiner späten Jugend, doch es verschlimmerte sich vor einigen Jahren erheblich, als er seine Stelle verlor, weil es seinem Unternehmen finanziell schlecht ging. In dieser Zeit äußerte sich sein Gefühl des Versagens, verbunden mit Selbstkritik, in einem ausgeprägten inneren Abschalten und in einer Unfähigkeit zu funktionieren (er konnte nicht aufstehen), was zu seiner stationären Behandlung wegen Depression führte.
In der aktuellen Paartherapie wurde Marks Gefühl, ein Versager zu sein, wenn Sonja ihn kritisierte, in den Sitzungen lebendig zugänglich gemacht. Die prägenden Erinnerungen daran, sich als Enttäuschung zu fühlen und durch die Entlassung traumatisiert worden zu sein, wurden lebendig zugänglich gemacht. Das unerfüllte Bedürfnis nach Akzeptanz und Anerkennung wurde ausgedrückt (auch in einem an Sonja gerichteten Enactment). Sonja war aufrichtig berührt und antwortete in mehreren eindringlichen Enactments in den Sitzungen aus einer fürsorglichen Haltung heraus. Mark führte außerdem in Sonjas Anwesenheit einen imaginären Dialog mit seinem jüngeren Selbst, das sich als Enttäuschung fühlte, und war unterstützend und anerkennend gegenüber seinem vorgestellten jugendlichen Selbst (das sich allein und verloren fühlte). Dies gab ihm auch das Gefühl, umsorgt zu werden. Die Arbeit konzentrierte sich auch auf den selbstkritischen Prozess. Mark konnte Parallelen zwischen seiner eigenen Selbstkritik und der Kritik seiner Eltern erkennen. Er konnte die Funktion der Kritik sehen (besser zu werden), aber auch ihre emotionale Wirkung (lähmende Scham). Er war entschlossen, zu versuchen, seine Selbstkritik loszulassen und ihr eine Grenze zu setzen (Ich bin wertvoll).
Das war für Sonja sehr bewegend, und sie empfand große Zärtlichkeit für Mark. Sie begann auch zu verstehen, dass er, wenn er verstummt, vielleicht mit seinem eigenen Gefühl des Versagens ringt, und sie äußerte die Entschlossenheit, in solchen Momenten zu versuchen, geduldig zu sein und für Mark da zu sein. Mark erkannte durch eine gründliche Verfolgung durch die therapeutische Fachkraft, wie sein Rückzug ihn davor schützt, sich beurteilt zu fühlen, ihn aber auch in ein weiteres Abschalten führt, aus dem er immer schwerer wieder herausfindet. Er erkannte (und drückte dies in einigen Enactments auch direkt gegenüber Sonja aus), wie wertvoll es ist, für sich einzustehen und seinem eigenen inneren Kritiker eine Grenze zu setzen, aber auch anderen Menschen, vor allem Sonja (und früher seinen Eltern). Dieser selbstbehauptende Ärger, der für Sonja zuweilen schwer anzunehmen war, war ihr mehr wert als der Rückzug, in den die beiden früher verfallen waren.
Die Beziehungszufriedenheit hängt in manchen Fällen mit einem klinischen Ausmaß psychischer Probleme wie Depression, Angst und verwandten Schwierigkeiten zusammen. Die EFT kann, ähnlich wie andere Formen der Paartherapie, als Therapie bei komorbider Beziehungsunzufriedenheit und Depression, Angst und verwandten Störungen eingesetzt werden. Wir haben hier die Grundprinzipien der transdiagnostischen EFT für Paare skizziert. Wir haben vorgeschlagen, psychopathologische Symptome als sekundäre Symptome einer zugrunde liegenden chronischen emotionalen Verletzlichkeit zu behandeln, die in der Paarbeziehung aktiviert (zuweilen auch geformt) oder außerhalb der Beziehung aktiviert werden kann, wobei die antwortende Person nicht in der Lage ist, eine heilsame oder lindernde Beruhigung oder Anerkennung zu bieten. Wir haben vorgeschlagen, ausdrücklich mit dem Konzept der zugrunde liegenden Verletzlichkeit zu arbeiten, verbunden mit einer ausdrücklichen Arbeit daran, zu verfolgen und hervorzuheben, wie die Aktivierung dieser Verletzlichkeit ein klinisches Belastungsniveau hervorbringt. Ferner haben wir betrachtet, wie die klinische Belastung und ihre Symptome die Interaktionen im Paar belasten und verschärfen und schließlich zu einem problematischen Interaktionszyklus führen – die klinische Belastung verleiht ansonsten verbreiteten problematischen Interaktionszyklen ein zusätzliches Gewicht.
Wir haben vorgeschlagen, dass die therapeutische Arbeit ausdrücklich Zeit für die intrapsychische Arbeit jeder Person an ihrer Verletzlichkeit (z. B. Aufbau von Selbstmitgefühl und Selbstanerkennung) sowie an den Prozessen vorsehen muss, die Symptome von Depression und Angst hervorbringen (z. B. das Sorgen). Wir haben außerdem betont, wie wichtig es ist, die Beziehung als Mittel zu nutzen, um der zugrunde liegenden Verletzlichkeit heilsame und verändernde Erfahrungen (von Liebe, Schutz und Anerkennung) zu ermöglichen, sowie als Ressource, die hilft, die klinische Belastung zu lindern, und als Stütze im Kampf gegen belastungserzeugende intrapsychische Prozesse (z. B. Selbstkritik, Sich-selbst-Sorgen-Machen, emotionale Überbehütung). Schließlich haben wir betont, wie wichtig ein gemeinsamer Umgang mit Hausaufgaben ist und dass sichergestellt werden muss, dass alle relevanten problematischen Zyklen bearbeitet werden.
Complexe Systémique: das Wesentliche
Für die systemische Praxis liegt der Wert dieses Beitrags in der Weigerung, zwischen dem individuellen Symptom und der Beziehungsschleife zu wählen. Marks Depression und Sonjas Angst sind weder Ursache noch Folge ihres Konflikts: Sie sind Teil davon und machen die Antwort jeder Person entscheidender und schwieriger. Daraus ergibt sich eine doppelte Aufgabe: an der Verletzlichkeit jeder Person vor dem Gegenüber als Zeugin oder Zeuge zu arbeiten und die Beziehung zu einer Ressource gegen die Prozesse zu machen, die das Symptom hervorbringen (Sorgen, Selbstkritik). Zwei Vorschläge verdienen es, festgehalten zu werden: von Anfang an nach zwei Zyklen statt nach einem zu suchen, um nicht die Darstellung der dominanteren Person zu übernehmen, und auf die Zuschreibung einer „designierten“ kranken Person zu verzichten, da jede und jeder eines Tages ein klinisches Belastungsniveau erreichen kann. Die Grenzen sind klar: Es handelt sich um einen theoretischen Rahmen, veranschaulicht durch einen zusammengesetzten Fall, ohne Ergebnisdaten, und die Arbeit an der Vergangenheit jeder Person nimmt einen Raum ein, den andere systemische Modelle infrage stellen würden. Zu lesen zusammen mit dem Beitrag über emotionsfokussierte Therapie bei depressiven Symptomen und dem Beitrag über empathische Vermutungen in der emotionsfokussierten Paartherapie.
Anmerkungen aus dem Original
Danksagung. Wir danken Les Greenberg für die Unterstützung des Projekts zur transdiagnostischen emotionsfokussierten Therapie für Paare. Wir danken den bisher am Projekt beteiligten Kolleginnen und Kollegen: Ronan O’Malley, Leonard Hayes, Suzanne Byers, Simone Poppelton, Katarina Timulakova. Dank an Dominika und Natalia Timulakova für das Korrekturlesen einer früheren Fassung des Beitrags.
Finanzierung. Ladislav Timulak gehört zu den Verfassenden eines Buches über eine individuelle transdiagnostische emotionsfokussierte Therapie. Die übrigen Verfassenden haben keine finanziellen oder nichtfinanziellen Interessen. Der erste Entwurf des Manuskripts wurde von der erstverfassenden Person erstellt. Alle Verfassenden haben am Inhalt des Beitrags mitgewirkt. Open-Access-Finanzierung durch das IReL Consortium
Interessenkonflikte. Alle Verfassenden haben das endgültige Manuskript gelesen und genehmigt. Der Beitrag ist keine empirische Arbeit und erforderte daher keine ethische Genehmigung. Er enthält zudem keine Daten von Teilnehmenden, und die verwendeten Beispiele sind konstruiert.
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Inoffizielle deutsche Übersetzung von Transdiagnostic Emotion-Focused Therapy for Couples with Co-Morbid Relational and Mood, Anxiety and Related Difficulties von Ladislav Timulak, Jessica Dailey, Jessica Lunn und Jessica McKnight, Journal of Contemporary Psychotherapy, Bd. 55, Nr. 1 (2025), doi: 10.1007/s10879-024-09645-7, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzung und Satz: Complexe Systémique, Oktober 2026, mit Unterstützung künstlicher Intelligenz; das Werk wurde im Sinne der Lizenz bearbeitet. Weder die Verfassenden noch der Verlag sind für diese Übersetzung verantwortlich; maßgeblich ist die Originalfassung.
Inoffizielle Übersetzung des Originalartikels „Transdiagnostic Emotion-Focused Therapy for Couples with Co-Morbid Relational and Mood, Anxiety and Related Difficulties“, erschienen in Journal of Contemporary Psychotherapy (2025) unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt und gesetzt von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz, wie am Anfang dieser Seite angegeben; maßgeblich ist die Originalfassung.
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Timulak, L., Dailey, J., Lunn, J., und McKnight, J. (2025). Transdiagnostic Emotion-Focused Therapy for Couples with Co-Morbid Relational and Mood, Anxiety and Related Difficulties. Complexe Systémique. https://app.complexe-systemique.com/en_GB/articles/transdiagnostic-emotion-focused-therapy-for-couples-with-co-morbid-relational-and-mood (Originalwerk 2024 erschienen in Journal of Contemporary Psychotherapy, 55(1), 1-10 (2025); 2025 erneut veröffentlicht von Journal of Contemporary Psychotherapy, https://link.springer.com/article/10.1007/s10879-024-09645-7)
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