KI-gestützte Übersetzung

Diese Fassung wurde von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz aus dem Englischen übersetzt. Im Zweifelsfall ist die Originalfassung maßgeblich.

Adolescents · Familie

Widerstehen, um zu existieren, und der subtile unsichtbare Protest: sechs lösungsfokussierte Taktiken im Umgang mit herausforderndem Verhalten

Tom will nicht aufstehen, und das Team, das ihn betreut, ist mit seinem Latein am Ende. Anita Goldschmied und Dean-David Holyoake, die seit zehn Jahren britische Teams supervidieren, die mit 16- bis 21-Jährigen arbeiten, greifen die Geste Steve de Shazers auf: den Widerstand „töten“. Schweigen, Schmollen und Lächeln werden zu Formen der Resilienz, und der Widerstand der Teams wird zum Spiegel des Widerstands der Jugendlichen. Ein Essay, der sechs Taktiken und ein 6D-Modell für die Supervision vorschlägt.

Verfassende Anita Z. Goldschmied (School of Health and Social Care, Sheffield Hallam University, Sheffield, Vereinigtes Königreich) und Dean-David Holyoake (School of Nursing, University of Wolverhampton, Vereinigtes Königreich)Erstveröffentlichung Adolescents, 2. September 2024Übersetzung Complexe Systémique, inoffizielle KI-gestützte Übersetzung

Inoffizielle deutsche Übersetzung von Resisting to Exist and the Subtle Invisible Protest: Six Solution Focused Tactics about Challenging Behaviour von Anita Z. Goldschmied und Dean-David Holyoake, erschienen in Adolescents (MDPI) (2024), doi: 10.3390/adolescents4030030, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique im Oktober 2026 mit Unterstützung künstlicher Intelligenz: Der Originaltext wurde ins Deutsche übersetzt und für die Online-Lektüre neu gesetzt, was eine Bearbeitung des Werks im Sinne der Lizenz darstellt. Die Erklärung zur Datenverfügbarkeit und das ergänzende Material (Abbildung S1) werden nicht wiedergegeben. Diese Übersetzung stammt weder von den Verfassenden noch vom Verlag, die weder für ihren Inhalt noch für etwaige Fehler verantwortlich sind. Maßgeblich ist die Originalfassung.

Wenn Widerstand eine Art zu existieren ist, eine Art zu überleben, statt herausforderndes Verhalten, dann ist er auch eine Art, aufzublühen.

Anita Z. Goldschmied und Dean-David Holyoake

Abstract

Laut Young Minds „wird jeder mal wütend“. Die Website der Organisation bietet eine Reihe deeskalierender Strategien an, darunter ruhig bleiben, die eigenen Reaktionen steuern und Grenzen setzen, um jungen Menschen zu helfen, die die meisten als widerständig ansehen. Doch Young Minds steht damit nicht allein, denn solch logische Ratschläge sind in der Literatur über herausforderndes Verhalten allgegenwärtig, obwohl nach unserer Erfahrung die meisten jungen Menschen in Zuständen hoher Erregung dazu neigen, zuerst zu handeln und sich erst später mit den Folgen zu befassen. Nicht, dass sie dumm wären oder ihnen alles egal wäre, sondern sie sind Menschen, zu großen Leistungen ebenso fähig wie zu Dummheiten. Dasselbe gilt für jede Behauptung, lösungsfokussierte (SF) Gespräche könnten mehrere Jahrzehnte psychologischer Theorie korrigieren, der zufolge Widerstand Logik und bessere Kognition erfordert. Wenn man ihnen die richtigen Denkfähigkeiten vermittelt, so die Annahme, werden junge Menschen sich vom Risiko abwenden, körperliche Konfrontationen vermeiden, schwierige Situationen wie logisch Denkende bewältigen und im Allgemeinen außer Acht lassen, dass der Prozess des Erwachsenwerdens Teil der Herausforderung ist. Vor diesem Hintergrund haben wir in den letzten Jahren in unserer aktuellen SF-Praxis (mit Gruppensupervision von Teams) das Konzept des „Widerstands“ untersucht und wie es als Prozess der Zusammenarbeit genutzt werden kann. Dazu haben wir die SF-Theorie wieder aufgegriffen, die viele der Personen, die sie begründet haben, in den 1980er- und 1990er-Jahren beschäftigte, und versucht, sie für die frühen 2020er-Jahre nutzbar zu machen, für Fachkräfte, die Gespräche mit jungen Menschen führen, die in traditionellen Modellen als herausfordernd etikettiert werden. Wir möchten zentrale Unterschiede der lösungsfokussierten Praxis vorstellen und zeigen, wie unsere Forschung begann, ein 6D-SF-Modell (Details, Dynamiken, Dimensionen, Dispositionen, Dislokationen, Deskriptionen) zu formulieren, um zu betrachten, wie Gruppen von Fachkräften zueinander in Beziehung stehen und durch herausforderndes Verhalten getriggert werden. Wir beanspruchen weder Beweise noch Logik noch Exaktheit für uns, aber wir zeigen gern, wie unser Widerstand das widerspiegelt, was viele Teams empfinden und beschreiben, wenn sie ihre Arbeit durcharbeiten.

1. Einleitung

„Nachdem wir 1978 hinter dem Spiegel gesessen und gesehen hatten, wie unser Team (am Brief Family Therapy Center) mit Klientinnen und Klienten arbeitete, die von den überweisenden Therapierenden als ‚hochgradig widerständig‘ angekündigt worden waren, und gesehen hatten, wie bereitwillig diese mit uns kooperierten, beschlossen wir, dass ein wenig begriffliche Gewalt angebracht sei, und so ermordeten wir den Widerstand.“

(Eröffnungsabsatz von Resistance Revisited, Steve de Shazer, 1989) [1]

In diesem Artikel stellen wir vor, was wir unter einem lösungsfokussierten (SF) Gespräch verstehen, und legen nahe, dass dieser Ansatz im Vergleich zu traditionellen Modellen zu herausforderndem Verhalten eine eigene Perspektive bietet. Eine Perspektive, die nicht bestreitet, dass junge Menschen wütend werden und sich manchmal nicht beherrschen können, sondern einen Ansatz, der versucht, diese Energie in irgendeiner Weise nutzbar zu machen. Für die Zwecke dieser Untersuchung beziehen wir uns in erster Linie auf junge Menschen, die in die gewaltfreien Kategorien der meisten Modelle herausfordernden Verhaltens fallen (selbstverletzend, destruktiv, störend, passiv), und nicht auf junge Menschen, die gewohnheitsmäßig gewalttätig sind per se. Der NHS (National Health Service, das öffentlich finanzierte Gesundheitssystem in England, Vereinigtes Königreich) erklärt herausforderndes Verhalten bei Kindern wie bei Erwachsenen als Verhalten, das „sie selbst oder ihr Umfeld gefährdet oder zu einer geringeren Lebensqualität führt“.

In den vergangenen 10 Jahren waren wir an der wöchentlichen Supervision von Fachkräften aus Gesundheitswesen und Sozialer Arbeit beteiligt, die mit Jugendlichen im Alter von 16 bis 21 Jahren arbeiten. Ein vorherrschendes Thema ist, wie diese Teams mit den subtilen herausfordernden Verhaltensweisen umgehen sollten, die viele der jungen Menschen zeigen. Infolgedessen wandte Anita ein 6D-Modell an (Details, Dynamiken, Dimensionen, Dispositionen, Dislokationen, Deskriptionen), eine Palette von Interventionen, um zu erfassen und zu analysieren, wie die Supervidierten das SF-Gespräch in ihren alltäglichen Interaktionen mit den ihnen anvertrauten jungen Menschen übernahmen und anpassten. Dieser Artikel verfolgt die folgenden drei Ziele:

Erstens, den Begriff des herausfordernden Verhaltens und des Widerstands zu untersuchen und nahezulegen, dass es sich um häufig anzutreffende Verhaltensweisen handelt, insbesondere in spezialisierten Diensten für Jugendliche, in Schulen und in der Notfallversorgung.

Zweitens, die Idee der lösungsfokussierten (SF) Praxis vorzustellen, die 6D-Anwendung zu erkunden und sechs praktische Taktiken für Teams anzubieten, die mit herausforderndem Verhalten arbeiten.

Drittens, kurze Fallstudien, Abbildungen, Zitate aus Supervisionsgruppen und einige einfache Kniffe zu nutzen, damit Fachleute aus Praxis, Politik und Forschung sich unserem Neudenken dessen anschließen können, was es bedeutet, mit widerständigen Jugendlichen, ihren Familien und den betreuenden Umfeldern umzugehen.

2. Einführung in das widerständige 6D-Motiv und die SF-Praxis

Herausforderndes Verhalten scheint eine normale und gesunde Dimension, Dynamik und Disposition des Erwachsenwerdens zu sein. Das ist jedenfalls die Meinung der meisten Fachkräfte, die täglich damit zu tun haben. Es ist weithin anerkannt, dass junge Menschen ständig in der einen oder anderen Form an Grenzen stoßen müssen, damit ein Selbstgefühl entstehen kann. Auch in kultureller Hinsicht scheint die Gesellschaft Zyklen von Schlagzeilen über „Kinder außer Kontrolle“ und eine allgemeine Panikmache in Bezug auf die Straßenkultur und ihre elternfeindlichen Konnotationen zu durchlaufen. Doch die meisten erkennen an, dass die Mehrheit der heutigen jungen Menschen weder diesen journalistischen Spaltenzentimetern entspricht noch das Motiv der Wilden bei William Golding [2] widerspiegelt. Tatsächlich erkennt der Großteil der Fachliteratur, und gewiss jene, die sich mit der Gesundheit und dem Wohlbefinden Jugendlicher befasst, wie bereits angedeutet an, dass Erwachsenwerden Grenzen braucht, die man austesten kann. Diese Art zu handeln tritt besonders in den Details und der Deskription der heutigen digitalen Kultur hervor. Ein solcher Trend alarmiert Berufsgruppen angesichts einer Generation, die nicht bereit ist, sich zu engagieren, oder zu verängstigt, um sich zu irgendeiner relevanten dislozierenden Ordnung der Dinge zu äußern, zu Ideen, die die Fähigkeit haben, zu bewegen und zu verändern. Ein solcher Rückzug oder eine offen hektische Aktivität an der Tastatur im Zusammenhang mit der Tendenz sozialer Medien, Selbstfindung, Selbstberuhigung, Selbstverletzung und Gruppendenken zu fördern, was aller Logik zu trotzen scheint, wird von etablierten Modellen herausfordernden Verhaltens aufgegriffen und vorgeführt. Diese neuen digitalen Gewissheiten zeigen, wie relativ die gegenwärtige Ungewissheit im weiten Feld der psychischen Gesundheit ist (insbesondere in den Child and Adolescent Mental Health Services (CAMHS) und den Diensten für Menschen mit Lernbehinderung (im Vereinigten Königreich verwendeter Begriff für geistige Behinderung)) und in den professionellen Teams, die wir supervidieren.

Wenn wir zudem, auch wenn dies hier nicht im Mittelpunkt unserer Überlegungen steht, die Zunahme neurologischer Entwicklungsstörungen wie Autismus und ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) betrachten, lässt sich erkennen, wie etwas, das einst eine scheinbar einfache Frage war, heute ausufert und äußerst komplex ist. Junge Menschen und die Fachkräfte, die sie betreuen, sind zunehmend immer mehr ausgesetzt, von ihnen wird immer mehr erwartet, und infolgedessen reagieren sie immer stärker. So reicht das Spektrum dessen, was den Widerstand herausfordernden Verhaltens ausmacht, von tatsächlicher körperlicher Gewalt bis zur Weigerung, aus dem Bett aufzustehen. Wie bereits erwähnt, befasst sich unsere SF-Untersuchung mit Letzterem, denn wir haben in unserer eigenen SF-Praxis festgestellt, dass gegenwärtiges herausforderndes Verhalten nicht unbedingt etwas ist, das man pathologisieren oder behandeln muss, sondern etwas, das wie beim Judo dazu neigt, mit dem Schlag mitzugehen. Der Widerstand, dem die Teams begegnen, scheint nicht derselbe zu sein wie seine Ausdrucksformen vor dem digitalen Zeitalter. Der neue Moment ist subtil, von der Masse ausgelöst, und simuliert eine ganze Reihe von Links-Wischbewegungen, die die Widerstandsfähigkeiten junger Menschen prägen, beschäftigen und aufzehren, die Tag und Nacht anonyme Kommentare zu globalen Zuständen abgeben können, die sie aufwühlen mögen, über die sie aber wohl nie Autonomie oder Einfluss haben werden.

„Es ist, als würde unser Team immer noch Freud heranziehen, um zu erklären, warum Tom nicht aus dem Bett kommt“, sagte Sally.

Die Gruppen schweigen und schauen auf ihre Füße.

„Ob Carl Rogers wohl ein Handy hatte?“, lachte John, um die Stimmung aufzulockern.

Wenn sich also die Natur des Widerstands verändert, dann verändert sich folglich auch die Art, wie Fachkräfte seinen dynamischen Feinheiten begegnen.

3. Herausforderndes Verhalten im Detail und der Begriff des SF-Widerstands

Insgesamt ist das, was Fachkräfte über herausforderndes Verhalten denken, stabil geblieben und zunehmend gut erforscht und definiert. So ist die Vorstellung von Risiko das, was unmittelbar darüber entscheidet, ob eine junge Person bereit und in der Lage ist, sich für eine Stunde SF-Beratung zu uns zu setzen. Das ist zum Teil der Grund, warum gewalttätige, suizidale und bedrohliche Verhaltensweisen hier nicht untersucht werden, denn ihr akuter Charakter ist ein anderes Thema; die Vorstellung von „Lebensqualität“ und das Folgende ist jedoch ein beständiges Thema in den Gesprächen der Teams: „Es kann auch ihre Fähigkeit beeinträchtigen, an alltäglichen Aktivitäten teilzunehmen. Herausforderndes Verhalten kann Folgendes umfassen: Aggression, Selbstverletzung, destruktives und störendes Verhalten“ [3,4]. Auch wenn es Unterschiede in Definitionen und Terminologie gibt (etwa Verhalten, das herausfordert; emotionale, verhaltensbezogene oder psychische Schwierigkeiten; besorgniserregendes Verhalten; Verhaltensstörungen; Belastungsverhalten), herrscht in der Supervision allgemeine Einigkeit darüber, dass herausforderndes Verhalten ein widerständiges Verhalten ist, das man früher als persönlichkeits-, charakter- und/oder eigenschaftsbedingt betrachtet hätte [5,6,7,8]. Ebenso erkennen die meisten Supervisionsgruppen an, dass „herausforderndes Verhalten“ der bevorzugte Begriff zur Beschreibung von Menschen mit Lernbehinderung ist, während die anderen Begriffe allgemein für Jugendliche mit und ohne psychische Erkrankungen verwendet werden. Wir haben herausforderndes Verhalten in Abbildung 1 zusammengefasst.

Abbildung 1.

Für die Zwecke dieses Artikels gehen wir davon aus, dass der Begriff des Widerstands als gewaltfreies Verhalten gegenüber Eltern und vertrauten Bezugspersonen verstanden wird, etwa Lehrkräften und anderen Autoritätspersonen, einschließlich Geschwistern und Gleichaltrigen. Obwohl es keine einheitliche Definition gibt, wird er im Allgemeinen als eine Verhaltensform beschrieben, bei der Jugendliche ihre Macht missbrauchen, um sich selbst und andere körperlich oder psychisch zu beherrschen, zu nötigen und zu kontrollieren [9,10,11]. Coogan [12] liefert eine hilfreiche Geschichte dieses Begriffs und macht auf das Fehlen einer einheitlichen Definition aufmerksam; doch als bemerkenswerter Punkt und als etwas, das zunehmend online erlebt wird, scheint die Welt wütender und gespaltener denn je (daher die Anwendung eines flexiblen 6D-Schemas, um zu erfassen, wie sich die SF-Supervision auf die Berufsgruppen auswirkt). In jüngerer Zeit wurden häusliche Gewalt [13] sowie antisoziales Verhalten und kriminelle Aktivitäten [14,15], einschließlich Jugendkriminalität [16], im Zusammenhang mit Widerstand ausgiebig erforscht [17]. Gleichsam um die Tragweite der Frage, ihrer Ursachen und ihrer anschließenden Behandlung zu unterstreichen, fragt das Team um Moulds [18] zu Recht, ob Widerstand besser innerhalb des Jugendstrafsystems zu verstehen ist als innerhalb von Strukturen wie der Familie, den örtlichen Sozialdiensten und/oder spezialisierten CAMHS. Zusammenfassend bleibt daher die Frage des herausfordernden Verhaltens und insbesondere der Begriff des Widerstands als etwas Gewaltfreies, aber der Qualität des Alltagslebens einer jungen Person Abträgliches, eine akademisch umstrittene Frage, und wird es wohl immer bleiben; das führt uns zu der Überlegung: Wenn der Widerstand nicht verschwindet, sich nicht gewandelt hat und unvermeidlich ist, auf welche Weise arbeiten Teams dann mit ihm und berücksichtigen ihn?

3.1. Disposition und Deskription des Widerstands

„Was ich auch hasse, ist das Schmollen“, sagte John, „weißt du, manchmal tagelang; das ist schlimmer, als nachtragend zu sein.“

„Ich weiß“, sagte Jack, „da wäre es mir lieber, sie würden ausrasten oder so.“

Die Gruppen schweigen.

„Das ist doch all das Zeug, das sie online lesen, oder?“, sagte John, der sich schließlich mit dem Scheitern abgefunden zu haben schien.

Sucht man in der Literatur über Jugendliche nach gewaltfreiem widerständigem Verhalten, ist ein Konsens nicht nur unmöglich zu finden, sondern das Bild ist geradezu verwirrend, wie Abbildung 2 zeigt. Widerstand wird bei Jugendlichen übermäßig als Entwicklungsmerkmal diskutiert, das zusammen mit Anpassung in dieser Lebensphase zentral für die Sozialisation und die Bildung des autonomen Selbst ist. Von traditionellen psychologischen Ansätzen über Ideen zu Race und feministische Ansätze bis hin zu Queer-Theorien wird jugendlicher Widerstand in unterschiedlichen Kontexten und vor verschiedenen theoretischen Hintergründen ausführlich untersucht. Gewaltfreier Widerstand wird selten als bedeutsames jugendliches Verhalten per se untersucht, wohl aber im Zusammenhang mit einer wachsenden Zahl gesellschaftlich prägender Fragen wie der Ethik des Fleischessens [19], dem Teilen persönlicher Informationen im Internet [20] und der Finanzkompetenz [21]. Es sind Eltern, Bezugspersonen und Fachkräfte, die sich oft ratlos am Kopf kratzen angesichts der verletzlichen Positionen, in die sich junge Menschen heute bringen können, und angesichts der eigenwilligen Natur der Kämpfe, die sie führen, um Widerstand zu leisten und „dazuzugehören“ [22,23]. Und schließlich haben wir vergessen zu erwähnen, dass verschiedene Formen des Widerstands von Kindern und Erwachsenen auch in Bezug auf Gesundheitsdienste und das dort tätige Fachpersonal gut dokumentiert sind. Sie reichen von wiederholt versäumten Terminen und gestörten Elternabenden in der Schule bis hin zu passiv-aggressiver Verweigerung und mangelnder Mitwirkung [24,25].

Abbildung 2.

3.2. Traditionelle Theorien und Antworten in der Arbeit mit Widerstand

„Und dann hört es einfach nicht auf zu eskalieren“, sagte John, „eins führt zum anderen, und ehe man sich’s versieht, hat er seine Schuhe gegen das Fenster geworfen“, und ahmte dabei eine Wurfbewegung nach.

„Und du hast trotzdem gedacht, dass es dafür einen guten Grund geben muss?“, sagte Anita.

„Na ja, ich weiß nicht, ob der Grund gut war, aber ich habe mich an deine Idee erinnert, dass ich an Elastizität denken sollte, und dachte: ahhh, gut, ich gebe ihm Zeit, nicht unbedingt, um sich zu beruhigen, sondern um sozusagen nachzukommen.“

Wir möchten damit beginnen, diese erste Hälfte zusammenzufassen, indem wir festhalten, dass die Zahl der Theorien zur Erklärung herausfordernden Verhaltens und des Widerstands beträchtlich ist, sodass dieser Artikel ihnen nicht gerecht werden kann. Wir können jedoch mit Zuversicht behaupten, dass ein großer Teil der Psychologie und der Praxis mit Jugendlichen auf strukturellen und kausalen Annahmen über Jugendliche und ihr Verhalten beruht, von Freud und Bandura über Piaget und Erikson bis zu Wermer, Garmezy und Rutter. Die meisten grundlegenden Werke zu kindlicher Entwicklung und kindlichem Verhalten behandeln die wichtigsten Theorien, etwa Rutter und Taylors Child and adolescent psychiatry [26], Shaffer und Kipps Developmental psychology: childhood and adolescence [27] oder Shute und Slees Child development theories and critical perspectives [28]. Das Entscheidende an einer traditionellen Betrachtung des Widerstands ergibt sich aus einem strukturellen Weltbild. Für viele der begleiteten Menschen fühlt es sich genau so an: das Ausmaß an Frustration, die Wut, die Angst und die Zustände geringer Erregung.

Auch wenn viele Wege zu Interventionen führen, teilen traditionelle Theorien das Ziel, die Ursache oder den Grund des Verhaltens zu ermitteln und eine passende Theorie aufzustellen, wie wir in Abbildung 2 zusammengefasst haben. Ein solcher Ansatz wurzelt im Anspruch auf Heilung. Heilung ist nur dann nötig, wenn es ein reales oder wahrgenommenes normales Verhalten gibt. Wie die oben genannten Definitionen, die Widerstand und herausforderndes Verhalten als eher schädliche Verhaltensweisen betrachten, zielen die meisten Ausbildungen und Interventionen von Fachkräften auf die Korrektur solcher Verhaltensweisen ab. Wir sollten Fachkräften und spezialisierten Diensten als solchen keine Schuld geben. Letztlich hat sich die Haltung der Gesellschaft nicht wesentlich verändert. Die Unterdrückung oder zumindest die Verringerung und Veränderung herausfordernden Verhaltens, herausfordernder Handlungen und Äußerungen bleibt die Erwartung und damit die häufigste Antwort in den Diensten für Menschen mit Lernbehinderung und in der psychiatrischen Versorgung. Das gilt auch dann, wenn die meisten heutigen Fachkräfte anerkennen würden, dass Verhalten nur eine weitere Form der Kommunikation ist.

Traditionelle Theorien scheinen die Welt der Jugendlichen bequem in scheinbar einfache gegensätzliche Bereiche aufzuteilen, etwa die äußere und die innere Welt, Widerstand versus Rebellion, Unterdrückung versus Empowerment, Resilienz versus Verletzlichkeit oder Risiko- versus Schutzfaktoren. Solche traditionellen, in erster Linie psychologischen Ansätze sind auch nicht verlegen, Ursachen oder zumindest begünstigende Faktoren für solche Verhaltensweisen zu finden: Rebellion gegen die Eltern, Anzeichen abwesender Väter, dysfunktionale Familien, ein schwieriges Wohnviertel, Kindheitstraumata, problematische Beziehungen, Formen der Vernachlässigung, Kommunikationsprobleme, Umweltursachen, Gruppendruck, fehlende Vorbilder, kulturelle Unterschiede und, in den meisten Fällen, Widerstand gegen Veränderung. Solches Theoretisieren mag tröstlich sein, doch in der Teamsupervision (wie die Zitate zeigen) herrscht meist ein resigniertes Gefühl des Scheiterns, Frustration und die Wahrnehmung, dass Widerstand in keiner Weise positiv genutzt werden kann. Deshalb begannen wir vorzuschlagen, dass sie sich als Team darauf einigen, im Umgang mit dem „Bedürfnis“ junger Menschen, sich so zu widersetzen, wie sie es tun, eine gewisse „Elastizität“ walten zu lassen (Abbildung 1). Dass Widerstand Kommunikation ist und dass junge Menschen, wenn man ihnen die Gelegenheit gibt, vielleicht beginnen, eine neue Sprache zu lernen, wie wir in den folgenden Abschnitten und in Abbildung 3 darlegen. Das heißt, dass der eigentliche Widerstand vielleicht in der Weigerung der Teams zu sehen war, sich zu verändern, sich anzupassen und mit der sich wandelnden Natur der Opposition zusammenzuarbeiten. In unseren gängigen Ansätzen und Interventionen steckt die Annahme einer Opposition von etwas gegen etwas anderes oder gegen jemand anderen. Abbildung 2 zerlegt die wichtigsten Theorien herausfordernden Verhaltens auf der linken Seite und die traditionellen und typischen Antworten auf der rechten Seite in ihre zentralen Bestandteile. Im Gegensatz dazu nimmt der lösungsfokussierte SF-6D-Ansatz, wie in Abbildung 3 und Abbildung 4 zusammengefasst, eine neugierigere Haltung ein: Er widersteht dem Drang, das Verhalten junger Menschen in diese Schubladen zu stecken, und konzentriert sich auf die Ausnahme, darauf, wie es nützlich, wertvoll oder zumindest im Moment notwendig sein könnte.

Abbildung 3.
Abbildung 4.

3.3. Lösungsfokussierte Praxis (Widerstand ist Resilienz)

„Manchmal möchte ich sie einfach anschreien, dass sie den Mund halten sollen“, sagte Sally (Stationspflegekraft).

„Was hält dich davon ab?“, fragte Anita [hält inne, um unlogisch zu formulieren].

In der lösungsfokussierten Praxis ist gewaltfreier Widerstand ein grundlegendes Werkzeug im Arsenal des Existierens und meist auch des Überlebens. In der lösungsfokussierten Praxis ist Widerstand Resilienz. Auf der Grundlage unserer langjährigen SF-Praxis und -Forschung mit Jugendlichen im Bereich psychischer Gesundheit und Lernbehinderung schlagen wir vor, widerständiges Verhalten (wobei wir daran erinnern, dass wir gewalttätiges Verhalten ausgeklammert haben) und passive Formen herausfordernden Verhaltens (insbesondere Schweigen, Schmollen und Rückzug) als die Fähigkeit zu betrachten, angesichts von Herausforderungen resilient zu bleiben. Statt die Logik und die vermutlich richtige Einschätzung vorauszusetzen, dass ein solch kindisches Verhalten im Weg steht, haben wir begonnen, die Hypothese aufzustellen, dass es nur ein kleines Fragment der jungen Person ist, das für ihre Persönlichkeit per se nicht charakteristisch ist. Insofern sind ihre törichten und vielleicht selbstgefälligen Eskapaden „eine Phase“ und zugleich ein unlogischer, aber irgendwie vernünftiger Versuch, zu kommunizieren, neu zu verhandeln und sich strategisch zu „verändern“. Auch wenn wir keine Belege haben und keine Gewissheit bieten können, dass unser SF-Umdenken – über ein „Du schaffst das“-Menü dessen hinaus, was Jugendliche tun sollten, um ihre Eltern, Betreuungspersonen und andere wichtige Bezugspersonen zu ärgern – kaum mehr ist, als die Logik aus der Theorie des herausfordernden Verhaltens herauszunehmen und durch Hoffnung zu ersetzen, ist uns bewusst, dass dies einiger Erklärung bedarf.

In seinem Artikel „The Death of Resistance“ argumentierte Steve De Shazer [29], dass Menschen in Therapie im Allgemeinen einen guten Grund dafür haben, das zu sagen und zu tun, was sie tun, sodass die therapierende Person am besten so handelt, dass sie Kooperation fördert und in der Folge Optimismus aufbaut. Das heißt nicht, zu übersehen, dass Jugendlichen womöglich das Wissen oder die Mittel fehlen, es besser zu machen, und dass sie auch Grenzen brauchen; es heißt vielmehr, dass ihr Weltbild vermutlich das ist, was den subtilen Widerstand und die lästigen Dinge bestimmt, die sie tun und die wir als Fachkräfte als eine Art herausforderndes Verhalten betrachten würden. Deshalb streben wir in unserer SF-Praxis eine Zusammenarbeit an, die jungen Menschen den Raum lässt, „die Mittel“ hervorzubringen, um ihr Weltbild zu dislozieren und zu verändern und andere und hoffentlich positivere Verhaltensweisen zu entwickeln, die in Abbildung 1 nicht aufgeführt sind. Wir müssen das näher erläutern: erstens das Prinzip, dass junge Menschen im Großen und Ganzen und wenn man ihnen die Chance gibt, kooperieren werden; zweitens, dass sie auf Konfrontation in der Regel mit Widerstand reagieren, weshalb die Fachkraft am besten eine neugierige Haltung einnimmt; drittens, dass sie eingeladen werden, sich an einem gemeinsamen Versuch zu beteiligen, „der therapierenden Person und der Fachkraft etwas beizubringen“; viertens die Erweiterung ihres SF-Vokabulars „ohne Ball“ (nicht als direkte Folge von Handlungen, sondern als Wirkung oder Anhäufung einer Reihe von Ereignissen, die im Voraus meist nicht vorhersehbar ist, im Rückblick aber offensichtlich erscheint), damit sie nach und nach bessere Entscheidungen treffen können; fünftens, etwas Neues aus dem Besten ihrer selbst heraus zu beginnen; und sechstens, auf Schweigen als eine Taktik des Pacings in der Zusammenarbeit zu antworten, wie in Abbildung 2 dargestellt.

3.4. Die lösungsfokussierte 6D-Praxis in der Arbeit mit Widerstand

„Deine Hoffnung ist also, dass du ihn nicht ständig bestrafen musst; was noch?“, fragte Anita.

„Ich habe gesagt, wenn du dich noch einmal betrinkst und betrunken nach Hause kommst, fliegst du raus“, sagte Sally. [nachdenkend, um zu formulieren] „Hm, wie kommt das?“, fragte Anita.

„Weil er genau das tun sollte“, sagte Sally [verdutzt über die Frage].

„Nein, wie kommt es, dass du ihm nicht mit weiteren Strafen gedroht hast?“ [der Unterschied zwischen der besten Hoffnung und der wahrgenommenen Realität].

Wir möchten nun fortfahren und hervorheben, wie Anitas 6D-Praxis ein Modell bietet, um die SF-Zusammenarbeit in Gruppen von Fachkräften neu zu denken, die infolge der Details, Dimensionen, Dynamiken, Dispositionen, Dislokationen und der Deskription, die herausforderndes Verhalten auslöst, zueinander und zu sich selbst in Beziehung treten. Anitas Supervision stationärer und ambulanter Teams, die Jugendliche zwischen 16 und 21 Jahren betreuten, führte zuweilen zu hitzigen Debatten unter den Mitgliedern. Nichts bringt die Dynamik und die Disposition einer Gruppe besser zum Vorschein als das herausfordernde Verhalten der jungen Menschen. Diese Konzepte bilden den Anfang eines sich entwickelnden Modells, das wir 6D nennen. Deskriptionen helfen uns, die vielen mitwirkenden Faktoren (Details) und die Art der Verbindungen zwischen ihnen (Dimensionen) neugierig zu erkunden, um wahrzunehmen, welche Lösungen aus diesen Interaktionen hervorgehen könnten (Dynamiken). Das 6D-Modell hilft uns, die Dinge anzunehmen, die wir nicht ändern können, oder zumindest nicht jetzt (Disposition), und zu erkennen, wo es Gelegenheiten für die nächstbesten Schritte und künftige Handlungen gibt (Dislokation). Mit anderen Worten: 6D berücksichtigt alle möglichen Menschen, Objekte, Ideen, Verhaltensweisen und Diskurse, etwa Kommunikation und Zusammenarbeit. Dimensionen erinnern uns daran, dass Details eine Spannweite haben, die die strukturierende Natur von Differenz und Menschlichkeit widerspiegelt, um unlogische und sogar imaginäre Faktoren in der Zusammenarbeit wirksam werden zu lassen. Solche Dimensionen und Details können im Zusammenspiel eine Reihe von Dynamiken zwischen Fachkräften und letztlich von Verhaltensweisen hervorbringen, die uns dazu bewegen, vorschnelle Annahmen darüber, was möglich sein könnte, fallen zu lassen oder zu betonen. Disposition ist eine konstituierende Kraft, die (unter anderem) das Gefühl der Akteure für Kontrolle und Reichweite formt, gestaltet und ordnet, während Dislokation uns Mittel an die Hand gibt, uns auf Gelegenheiten und Möglichkeiten der Veränderung zu konzentrieren. Deskriptionen sind ästhetisches Gefüge, Logiken und, in der SF-Praxis, Begründung in Gesprächen, die eine Grundlage für Zusammenarbeit, Verhandlungen, Veränderung und das gemeinsame Verfassen neuer Wirklichkeiten bieten. Abbildung 4 gibt einen kurzen Überblick über das 6D-Modell.

Unabhängig von Definition und Terminologie sind Widerstand und herausforderndes Verhalten Jugendlicher häufig anzutreffende Verhaltensweisen in Gesundheits- und Sozialdiensten und im Gemeinwesen, einschließlich der Schulen. Jugendliche lernen zudem schnell, dass herausforderndes Verhalten Konsequenzen hat und in verschiedenen, vor allem sichtbaren Formen bestraft wird. Solche Sanktionen reichen von Aufnahmen in stationäre Einrichtungen über Schulausschluss und Isolation im Gemeinwesen bis hin zu verlorenen Privilegien, abgelehnten Anliegen und verbauten Perspektiven. Die Folgen können gravierender sein und zu körperlichen, emotionalen oder finanziellen Verlusten führen. Welche Möglichkeiten haben Jugendliche also, sich den Herausforderungen zu stellen und resilient zu bleiben? Wir schlagen vor, dass Schweigen, Lächeln und andere gewaltfreie Formen herausfordernden Verhaltens Jugendlichen in vielen Situationen als Mittel der Resilienz dienen können, wenn man sie durch die Brille der lösungsfokussierten Praxis betrachtet.

4. Unsere lösungsfokussierte Theorie in der Praxis

„Also habe ich mir gedacht: Wenn alle anderen es ausprobieren, warum nicht?“, sagte Sally.

„Was noch?“, sagte Anita.

„Na ja, ich habe tief durchgeatmet und, ohne es auszusprechen, gedacht: Ich lasse Tom der Person, die ihn konfrontiert, etwas beibringen, und das war’s. Ich glaube, er dachte: Was zum Teufel …“

„Was ist passiert?“, sagte Anita.

„Die ganze Stunde, in der er noch im Bett lag, habe ich ihn nicht gedrängt, und er hat sich gefragt, was anders war“, überlegte Sally.

„Du hast also den Unterschied arbeiten lassen“, sagte Anita, „weißt du, die Idee, dass etwas Neues zu beginnen alte Verhaltensweisen durcheinanderbringen kann.“

Im Laufe der Jahre haben wir zahlreiche Teams supervidiert, die viele jugendliche Verhaltensweisen erlebt haben, die sich nicht ohne Weiteres in eine dieser Schubladen einordnen ließen, in die bestehenden und oft isoliert stehenden Theorien, die Abbildung 4 zusammenfasst. Schweigen und sogar Lächeln gehören dazu. Selbst wenn die Intervention von der rechten Seite der Abbildung 4 aus angewandt wurde, abgeleitet aus dem beobachteten Verhalten und den Theorien, von denen viele auf der linken Seite der Abbildung 4 aufgeführt sind, erreichte sie zudem oft nicht das Ideal einer positiven, unterstützenden und produktiven Verhaltensänderung, die zu einer besseren Lebensqualität der Jugendlichen führt. Wenn das funktionieren würde, hätten wir nicht so viele Jugendliche, die erneut straffällig werden oder wieder in spezialisierte stationäre Einrichtungen aufgenommen werden. Die Wahrheit ist, dass Fachleute der Psychologie und andere, die in diesem Bereich arbeiten, lieber verschweigen, dass Fachkräfte in realen Situationen oft mit überraschenden, komplexen und unerwarteten Verhaltensweisen konfrontiert sind. Tatsächlich sind wir im Alltag, ob auf einer Station oder in einer Wohneinrichtung, im betreuten Wohnen, in einem gemeindenahen Setting oder im Klassenzimmer, selten in der Lage, ein oder zwei scheinbar zutreffende universelle und allgemeine Gesetze menschlichen Verhaltens auf der linken Seite der Abbildung 4 zu identifizieren, die Merkmale auf der rechten Seite der Abbildung 4 lange genug zu beobachten und sie dann alle zusammen mit dem in Abbildung 1 dargestellten beobachteten Verhalten zu betrachten. Das liegt zum Teil daran, dass es allgemeine Gesetze beim menschlichen Verhalten kaum gibt. Welche Funktion hat Schweigen? Was ist die Ursache von Schweigen? Was sehen Fachkräfte? Wie sieht Schweigen aus? Fachkräfte haben auch keine Möglichkeit, alle Fakten des beobachteten Verhaltens zu kennen, einschließlich der Vorgeschichte der Person, ihrer Familie, ihres Umfelds, ihrer finanziellen Lage und alles Weiteren, um sie einer wahrscheinlichen Theorie zuzuordnen. Bestenfalls können wir annehmen, dass etwas der Fall sein könnte, mit einer Intervention experimentieren, einschätzen, analysieren, überprüfen und weitergehen. Dasselbe tun oder etwas anderes tun. Bleiben wir bei Tom, in einer anderen Situation. Eine Pflegefachkraft, eine Fachperson der Psychologie, eine Betreuungsperson, eine Fachkraft der Sozialen Arbeit oder jemand, der in einem Einkaufszentrum unterwegs ist, beobachtet Toms Verhalten.

„… Tom bleibt plötzlich stehen. Er schaut nach unten, nach oben und um sich. Im nächsten Moment wird Tom sichtlich unruhig. Er beginnt zu schreien. Sein Körper bebt, seine Gesten werden chaotisch. Sein Verhalten stört andere. Er hebt eine leere Dose auf und wirft sie weg. Sein Körper zittert. Seine Stimme ist laut und aggressiv …“

4.1. Die Disposition, einen Unterschied zu machen

In diesem Fall würde die Feststellung, dass Toms Verhalten herausfordernd ist, keine sehr kontroverse Debatte auslösen. Um auf Toms Verhalten mit einer Intervention oder Lösung reagieren zu können, schlagen traditionelle Ansätze einen von zwei Wegen ein. Die erste Option besteht darin, nach einer Regel zu suchen, nach einer Theorie wie all jenen psychologischen Idealen auf der linken Seite der Abbildung 4, die davon ausgeht, dass sich Verhaltensweisen in Ursachen und Wirkungen trennen lassen. Ein Beispiel könnte sein, dass Tom unter Stress steht. Tom hat gelernt, dass Aggression und lautes Schreien Wege sind, mit Frustration umzugehen. Wir haben die „Fakten“ (Schreien, Aggression, Werfen von Gegenständen, schnelle Körperbewegungen), die der Theorie (erlerntes Verhalten oder Konditionierung) entsprechen, wenn wir zudem wissen oder, wie im wirklichen Leben meist, annehmen, dass Toms Vater sich ebenso verhält. Eine Theorie oder eine Handvoll Theorien, einige „Fakten“ und die Beobachtung ergeben einen Fall, eine Intervention und ein Ergebnis. Manche Fachkräfte würden einen solchen Ansatz ablehnen und sich für die zweitbeliebteste Option entscheiden. Zuerst sammeln sie so viele „Fakten“ wie möglich über Toms beobachtetes Verhalten. Sie beginnen auf der rechten Seite der Abbildung 4. Wie laut schreit Tom? Wie lange dauert es? Wiederholt es sich? War Tom aggressiv gegen sich selbst? Gegen andere? Beides? Wo und wann ist es passiert? Dann ordnen sie die „Fakten“ einer passenden Theorie zu oder entwickeln eine neue, meist als Mischung bestehender Theorien. Eine solche „zufällige“ Kombination kann problematisch sein, wenn den Fachkräften die zugrunde liegenden Annahmen dieser Theorien nicht bewusst sind, einschließlich dessen, was sich mischen lässt und was nicht. So oder so haben wir wiederum einen Fall, eine Intervention und ein Ergebnis. Ironischerweise muss die tatsächliche Intervention in beiden Fällen nicht einmal verschieden oder logisch damit verbunden sein. In beiden Fällen bekommt Tom vielleicht Medikamente. Tom wird vielleicht aus dem Einkaufszentrum gebracht. Tom wird an eine therapeutische Fachkraft überwiesen.

In der lösungsfokussierten Praxis interessieren uns die bestehenden Theorien wenig, um die passenden Fakten zu finden, ebenso wenig wie die scheinbaren Fakten, um sie einer Theorie zuzuordnen. Wir haben auf der einen Seite begrenzte Werkzeuge oder Interventionen und auf der anderen einzigartige Jugendliche und ihr Verhalten in unterschiedlichen Zeiten und Räumen. Wir haben auch gelernt, dass wir in realen Situationen nie alle Fakten haben, wie gut unsere Einschätzung auch sein mag. Meistens haben wir nicht einmal eine Einschätzung, bevor wir handeln und etwas tun müssen. In der lösungsfokussierten Praxis picken wir uns nicht ein oder zwei Theorien heraus. Scheidung, das Fehlen einer Vaterfigur oder das Aufwachsen in einer dysfunktionalen Familie führen bei Tom nicht zwangsläufig zu Problemen mit Wut. Im Gegenteil: Auch in einer scheinbar perfekten vierköpfigen Familie könnte Tom mitten in einem Einkaufszentrum schreien. Die Vergangenheit bindet eine Antwort auf die Gegenwart zumindest nicht vorbehaltlos. Wir nehmen nicht viel über Toms Schreien an. Alles, was wir brauchen, ist eine Hypothese, der nächstbeste Schritt und eine mögliche Lösung. Wir ziehen verschiedene Optionen in Betracht. Eine davon könnte sein, dass Toms Schreien laut ist. Wir könnten auch die Dauer und Intensität seines Schreiens beobachten. Wir könnten nach seiner Familie oder seiner finanziellen Situation fragen. Anders als traditionelle Ansätze setzen wir jedoch weder in bestehende Verhaltenstheorien als Ausgangspunkt noch in die beobachteten Fakten allzu viel Vertrauen.

4.2. Die dislozierenden Theorien der Veränderung

Auch wenn dieser Beitrag nicht den Raum hat, tief in die Annahmen einzutauchen, die eine 6D-orientierte lösungsfokussierte Praxis über die Wirklichkeit der professionellen Praxis per se trifft, hielten wir es für notwendig, in diesem Abschnitt einige theoretische Stimmen zu nennen, deren Werk und Philosophie ihre metaphysische Position untermauern. Eine solche theoretische Betrachtung richtet sich auf die Konnektivität (statt auf die binären, oppositionellen Strukturen der Sprache), aus der jugendliches Verhalten und Teams bestehen. Daher hat uns 6D Deskriptoren geliefert, um die Vorstellung neu zu denken, dass Widerstand das eine und Teams etwas anderes seien, mit ihren eigenen dynamisch komplexen lokalen Widerständen und Dispositionen. Es gibt interne Streitigkeiten, Eifersüchteleien und Rivalitäten, die Fachkräfte dimensional daran hindern, auf verbindende Weise ehrlich zu sein. Es gibt auferlegte und oft unausgesprochene Narrative, die institutionelle Verhaltensweisen verstärken, welche gewohnte Praktiken bewahren, sodass Dislokationen in Form innovativer Ideen wie der sechs Taktiken zu verschwommen oder unklug erscheinen. Wir haben jedoch festgestellt, dass viele Teams erkennen, dass ihr Widerstand den der ihnen anvertrauten jungen Menschen widerspiegelt. Einer der wesentlichen Unterschiede zwischen traditionellen Ansätzen und lösungsfokussierter Praxis besteht darin, dass Letztere weder eine universelle Hintergrundtheorie noch vollständige Beobachtungen benötigt. SF- und 6D-Praxis bestimmen den wahrscheinlichen Fall im Wissen, dass es viele andere mögliche Antworten gibt. Sie bleibt offen, flexibel und in ihrer Antwort auf die jugendliche Person und die Teamarbeit sogar revolutionär. Wir suchen nach Gelegenheiten, kreativ und reaktionsfähig zu sein, mit den Teams im Mittelpunkt. Der alltägliche Gebrauch der „besten Vermutung“ oder der „Ahnung“ fasst die lösungsfokussierte 6D-Praxis ziemlich treffend zusammen und wird oft als Kritik an diesem Ansatz angeführt. Wir sprechen lieber von der Wissenschaft und der Kunst der Betreuung Jugendlicher und der Teamarbeit, wobei lösungsfokussierte Praxis und das 6D-Schema einen Rahmen für die Kunst bieten. Die Wahrheit ist: Wenn wir die Zusammenarbeit eines Teams beobachten, wie wir es mit jugendlichem Verhalten tun, sei es ein lebhaftes Gespräch oder Schweigen, können wir meist viele Hypothesen darüber aufstellen, was ein Team braucht, doch nur eine oder wenige werden als „beste Erklärung“ des beobachteten Verhaltens ausgewählt und weiter untersucht. Das liegt daran, dass, wie in Toms Fall, die Zeichen herausfordernden Verhaltens in einem gewöhnlichen Umfeld (dem Schlafzimmer), ob sie Materielles (Gegenstände werfen), Abstraktes (schweigen) oder Diskursives (schreien) betreffen, mehrdeutig, illusorisch, logisch oder glaubwürdig sein können, und dasselbe gilt für die Zusammenarbeit von Teams. Tatsächlich begegnen Fachkräfte in realen Situationen selten statistischen, genetischen, familiären oder anderen Fakten, sondern Zeichen (materiellen, abstrakten, diskursiven) und eher semiotischen als formalen und logischen Verknüpfungen zwischen ihnen. Deshalb vertritt eine wachsende Zahl zeitgenössischer Stimmen aus Theorie und Praxis, wie Magnani [30], Lipton [31], Locke et al. [32] und Shank [33] – im Einklang mit der Philosophie von Baudrillard [34], Latour [35] oder Law [36] –, die Auffassung, dass wir im Alltag nicht durch universelles Schlussfolgern nach Wahrheiten suchen sollten, sondern nach Bedeutung und Verbindungen.

5. Diskussion: Details sind „schön in ihrem eigenen Recht“

Wenn jugendliches Verhalten als herausfordernd und problematisch gilt, treten in der Praxis Fachleute in die Welt des Kindes ein. Sie beobachten, beurteilen und urteilen. Fachkräfte sind selten, wenn überhaupt, eingeschlossen, außer in ihren Rivalitäten. Jugendliche schon. Unsere Aufgabe bestand darin, mit den sechs SF-Taktiken das Selbstvertrauen und die Motivation des Teams zu stärken und schließlich eine Veränderung seines Ansatzes zu bewirken. Im wissenschaftlichen Teil des jugendlichen Verhaltens haben wir großartige Ergebnisse erzielt. Wir verfügen über Statistiken zu Jugendlichen, etwa umfangreiche Sammlungen von Risiko- und Schutzfaktoren, darunter Finanzen, Bildung, biologische Veranlagungen und Umwelteinflüsse wie das Wohnviertel, die Größe von Freiflächen, die Art der Unterkunft oder die Nähe zur Schule. Tatsächlich lässt sich die Wissenschaft des 20. Jahrhunderts durch die Besessenheit charakterisieren, jeden winzigen und einzelnen Faktor zu finden. Wir haben auch viele Theorien. Allein das Team um Davis [37] identifizierte in seinem Scoping Review 82 Theorien des Verhaltens und der Verhaltensänderung in den Sozial- und Verhaltenswissenschaften. Fachkräfte müssen gleichermaßen in der Lage sein, die Dutzenden möglichen Faktoren sowie die Theorien zu erkennen und sie dann wieder zusammenzufügen, damit wir Tom dabei nicht aus den Augen verlieren. Neugierige Gespräche schärfen das Bewusstsein für all diese Dimensionen und Dynamiken von Details, die in ihrer als konfrontativ wahrgenommenen Interaktion mit Tom und anderen jungen Menschen eine Rolle spielen könnten. Disruption ist nicht die einzige Taktik, die wir eingesetzt haben, um das Team zu inspirieren und behutsam dazu anzustoßen, seinen Ansatz auf den Kopf zu stellen und von innen nach außen zu kehren; es gibt auch die Gelegenheit, die wir ihnen gegeben haben, uns, die wir die Supervision leiteten, all das über das Verhalten Jugendlicher beizubringen.

Kollaboratives Schweigen geht im Tempo mit und stimmt sich ab auf die Bereitschaft der Teammitglieder, Spaltungen in ihrer Arbeit mit den jungen Menschen wahrzunehmen, die sich in der Teamarbeit und in den Gesprächen untereinander widerspiegeln. Auch wenn die Teammitglieder oft in ihre sichere Welt zurückkehren, wie es Jugendliche tun, beginnt die Zusammenarbeit doch, die Vorstellung einzuüben: Was wäre, wenn es so etwas wie Opposition oder Widerstand gar nicht gäbe, wie in Abbildung 4 veranschaulicht? Was wäre, wenn es auch so etwas wie Resilienz nicht gäbe? Was wäre, wenn wir nur Jugendliche hätten? Wenn Widerstand eine Art zu existieren ist, eine Art zu überleben, statt herausforderndes Verhalten, dann ist er auch eine Art, aufzublühen. In unserer SF-Praxis sind wir uns der harten Realität mehr als bewusst, dass unsere Alltagssprache mit Binaritäten arbeitet, um der Welt um uns herum einen Sinn zu geben, indem sie Kategorien und Gegensätze und damit Ordnung schafft. Daran ist nichts falsch. Wir müssen uns nur erstens vergegenwärtigen, dass daraus logisch nicht folgt, dass die Welt selbst binär existiert, wie Widerstand versus Resilienz. Wir verwenden dieses 6D-Werkzeug hier in diesem Artikel und in der Praxis, weil es praktisch ist und hilft, komplexe Symbolik und Materialien zu verarbeiten. Während Jugendliche und Fachkräfte ständig die Macht der Sprache erfahren, sind sie sich ihrer Fähigkeit, zu bewegen, womöglich weniger bewusst. Deshalb ist zweitens die Bedeutung der Erweiterung ohne Ball und der sorgfältigen Wahl von Worten und Fragen in der Teamsupervision und Zusammenarbeit, wie die kurzen Gespräche zeigen, so wesentlich für unsere Taktiken und für die Taktiken der Teams in der Arbeit mit Jugendlichen.

In der Gruppensupervision sind Details der erste Bereich der lösungsfokussierten 6D-Praxis, um den Unterschied zwischen dem, wie die Dinge erscheinen, und dem, wie sie sind, zu erkunden. Tom und andere junge Menschen stellen das Team vor komplexe Dilemmata. Wenn wir die Idee weiterführen, dass Teams wie das Verhalten von Jugendlichen sind, da es keine Opposition, sondern ein Kontinuum gibt, und dass die Teammitglieder Teil der Intervention sind, dann sind Teams komplex und schön in ihrem eigenen Recht. Das 6D-Modell versucht, das logische Gegenteil wissenschaftlicher Ansätze zu tun, weil es sich der besten Erklärung bedient. Statt das Team zu kritisieren, versucht es, „die Herausforderung arbeiten zu lassen“. Statt zu lenken, bringt es durcheinander. Statt nach Ursachen und Gründen zu suchen, stellt es Fragen. Wie siehst du, Sally, was du siehst, wenn du Tom beobachtest? Ein Verhalten muss sich das Recht, als herausfordernd zu gelten, erst verdienen, indem es dynamisch und dimensional detailliert wird. Dasselbe gilt für die Zusammenarbeit im Team. Daher ist Schweigen vielleicht nicht immer ein bewusster Protest oder eine Folge von Angst oder Sorge, sondern etwas anderes, das sich in vielen Gruppensupervisionen von Teams durchaus zeigt. Wir haben keine Möglichkeit, das mit Sicherheit zu wissen.

Psssst: Schweigen und die Herausforderung in der Arbeit mit Jugendlichen arbeiten lassen – SF-Taktiken, der Einsatz von 6D und die Abkehr vom üblichen Begriff von Widerstand und Resilienz

Zusammengefasst ist die lösungsfokussierte 6D-Praxis (Details, Dynamiken, Dimensionen, Dispositionen, Dislokationen, Deskriptionen) eine neuartige Weise, mit alltäglichen Erfahrungen zu arbeiten, einschließlich der Art, wie Teams mit jungen Menschen, ihren Familien und Bezugspersonen arbeiten. In einer Sitzung bemerkten John und Sally, wie ihnen der Einsatz der Taktik des kollaborativen Schweigens half, Standpunkte zu verarbeiten und zu überdenken, ohne die übliche oppositionelle Haltung, die aus dem Gefühl der Bedrohung entsteht. Mit anderen Worten: wie für die in der Gruppensupervision Anwesenden Schweigen zu einem Werkzeug werden kann, um resilient zu bleiben. Das veranlasste uns, einen „unsichtbaren Protest“ als hervorragenden Ausgangspunkt anzubieten, um Herausforderungen arbeiten zu lassen. Ein unsichtbarer Protest ist eine Form jugendlicher Existenz – eine Kunstform für sich, die viele Fähigkeiten jenseits des rebellischen Verhaltens stationär behandelter Jugendlicher zeigt. In baudrillardschem [38] Sinne wird vorgeführt, wie abstrakte und komplexe Theorien die Praxis prägen, denn alles kann als „simulierbar und simuliert“ betrachtet werden, da „Wahrheit, Referenz, objektive Ursache aufgehört haben zu existieren“. Mit anderen Worten: Wendet man 6D-Methoden an, sind Schweigen oder ein Lächeln vielleicht kein Zeichen von Verletzlichkeit oder Schwäche, sondern die Fähigkeit, resilient zu bleiben. Schweigen und Lächeln sind für Jugendliche besonders wirksame Mittel, sich dagegen zu verwehren, dass andere – sachkundige Fachkräfte wie Pflege- und Sozialarbeitsfachkräfte und Stimmen, die für diese Gruppen sprechen, etwa aus Psychiatrie oder Psychologie – für sie sprechen und handeln. Ebenso war Schweigen für Sally und John der ideale Ort, um zu überlegen, auf wie viele Arten Toms Verhalten in einer Gruppensupervision des Teams gesehen, erlebt, beobachtet und nacherzählt werden kann.

Die Zusammenarbeit in der Gruppe brachte ans Licht, wie Toms Schreien die Antwort auf viele Zutaten ist, wie sein sogenannter Widerstand (oder passives herausforderndes Verhalten), nicht aus dem Bett aufzustehen, demselben Zweck dient wie sein Schreien (sofern die Verbindung hergestellt wird), und wie beides aus derselben Mischung hervorgeht, weil es nicht das Problem, die Ursache oder die Vergangenheit ist, die sein Verhalten zwangsläufig verbindet. Wie Toms Verhaltensweisen auftreten, fortbestehen, sich verändern und verschwinden, hängt stärker davon ab, wie das Team Details und dynamische Interaktionen in der Gruppensupervision vermittelt; das sagt mehr darüber aus, wie das Team und Tom mit Widerstand umgehen und Ideen und als bewährt geltende Praktiken überdenken, neu bewerten und erproben werden. Zumindest war es so, bis sie begannen zu bedenken, dass es in der SF-Supervision weniger um Wahrheit geht als darum, wie Tom, wenn man ihm die Chance gibt, ermutigt werden könnte zu erkunden, wie er seine Handlungen und die der Fachkräfte begründet, sodass Raum für das Entstehen neuer Wirklichkeiten bleibt. Neue Verbindungen können sich bilden, weil sich die Gruppe nun darauf konzentriert, auf wie viele Arten Toms Wahrheit als das betrachtet werden kann, was funktioniert. Dazu gehört, wie er im Einzelnen beschreiben kann, was sich im Verhalten bezeugen und begründen, messen, materialisieren und durch Vorstellungskraft und Sinne wahrnehmen lässt. Toms Schweigen ist kein passiver Zustand mehr, aber auch nicht unbedingt eine Schwäche. Es wird für ihn zu einem aktiven Werkzeug, um zu überdenken, neu zu bewerten und Widerstand zu leisten, so wie es John und Sally einst taten. Auch Toms Schreien ist vielleicht kein herausforderndes Verhalten, sondern ein Protest dagegen, sich auf die von der Fachkraft bevorzugte Weise einzulassen und zu antworten. Im Verlauf der Gruppensupervision des Teams wächst meist die Wertschätzung dafür, dass Schweigen, Lächeln und andere Formen unsichtbaren Protests die Macht haben, Dinge zu verändern. An einem Punkt gab Vera zu bedenken, dass Schweigen zu unerfüllten Bedürfnissen, Missverständnissen oder Fehldeutungen von Jugendlichen führen könne. Das kann durchaus der Fall sein, besonders wenn wir glauben, dass unsere Rolle darin besteht, endgültige und dauerhafte Antworten zu geben. Wenn unser Ziel aber darin besteht, resilient zu bleiben, einen Schritt nach dem anderen zu gehen und zu experimentieren, wie es die sechs lösungsfokussierten Taktiken nahelegen, dann haben wir keine Angst vor Ergebnissen, die weniger als ideal sind, die überdacht und früher oder später angepasst werden müssen.

SF- und 6D-Praxis stellen das, was funktioniert, als wichtigsten Antrieb und als zentrale Logik in den Vordergrund. Zudem ist in traditionellen Ansätzen alles Schöne, Freudige und Gelungene, oder in unserem Fall Stille, meist nicht besonders interessant, weil sich Interventionen vor einem keineswegs unsichtbaren Hintergrund aus Ursachen, Faktoren und Theorien herauszubilden scheinen. Ausgangspunkt ist das, was falsch läuft, und nicht das, was gut funktioniert, oder wie es kommt, dass du nur bei einer und nicht bei allen deinen Aufgaben gescheitert bist. Es ist auch nicht nötig, Toms Vergangenheit vollständig zu verstehen. Es braucht keine Gewissheit, um Toms Beiträge zu würdigen. Wir müssen weder wissen noch fühlen, um handeln zu können. Wir brauchen Hoffnung. Wir brauchen eine Hypothese, mit der wir beginnen. Wir brauchen eine Lösung, die wir erproben. Unsichtbarer Protest ist nicht nur für Fachkräfte wichtig, sondern auch als Werkzeug, das Jugendlichen als alternative Intervention zur Veränderung und Modifikation von Verhalten angeboten werden kann.

Eine Möglichkeit, wie Teams beginnen könnten, SF-Taktiken und das 6D-Modell zu nutzen (siehe ergänzendes Material, Abbildung S1), besteht darin, zu beobachten, wie sich jedes der sechs Konzepte in ihrer alltäglichen Praxis zeigt. Auf diese Weise können wir unser Theoretisieren voranbringen und gegebenenfalls neue Praxisformen für bedürftige Kinder und ihre Familien anwenden. Indem wir diese Werkzeuge hervorbringen, ermutigen wir Teams, ihre eigenen Praktiken so weiterzuentwickeln, dass sie ihren Bedürfnissen entsprechen.

6. Schlussfolgerungen

Wir haben versucht, im Umgang mit unlogischen Therapien recht unbekümmert vorzugehen. Doch das zu behaupten ist auch ziemlich unaufrichtig, denn auch wenn unsere sechs SF-Taktiken und das 6D-Modell den Anspruch erheben, unlogisch zu sein, sind sie es nur im traditionellen Sinne. Beide Werkzeuge beruhen tatsächlich auf gut etablierten Theorien und auf abduktiver, informeller Logik. Im Verlauf dieses Artikels haben wir einen Teil dieser Theorie kurz vorgestellt und gezeigt, wie traditionelle Modelle herausforderndes Verhalten betrachten. Zusammenfassend kommen wir zu dem Schluss, dass herausforderndes Verhalten Teams von Fachkräften in der Betreuung mehr als andere Störungen auf die Probe stellt, reizt und verwirrt, indem es sich in der Logik des Offensichtlichen versteckt. Unsere lösungsfokussierten Taktiken bieten sechs grundlegende Werkzeuge zur Förderung der Zusammenarbeit, während die 6D-Methode die Art infrage stellt, wie wir über das Verhalten Jugendlicher und über Teams denken. Wie wir dargelegt haben, gibt es letztlich keinen großen Unterschied zwischen ihnen. So wie Fachkräfte Teil der Lösungen junger Menschen sind, hat das Verhalten Jugendlicher die Fähigkeit, Teams zu beeinflussen.

Complexe Systémique: Kernpunkte

Mehr als eine Studie ist dies ein Essay über Supervision, geschrieben mit einer bewussten und mitunter irritierenden Freiheit. Sein Interesse für die systemische Praxis liegt in einer bekannten, aber stets nützlichen Verschiebung: Schweigen, Schmollen oder die Weigerung, aufzustehen, nicht länger als zu korrigierende Symptome zu behandeln, sondern sie als Kommunikation und als eine Art des Durchhaltens zu lesen. Der Text greift Steve de Shazers „Tod des Widerstands“ auf und die Idee, dass jedes Verhalten in seinem Kontext Sinn ergibt. Sein fruchtbarster Schritt ist es, die Frage an die Teams zurückzugeben: Ihr eigener Widerstand gegen Veränderung, ihre Rivalitäten und ihre institutionellen Narrative spiegeln die der jungen Menschen, und die Supervision wird zu dem Ort, an dem man „die Herausforderung arbeiten lässt“. Die sechs Taktiken (elastische Kooperation, mit Disruption verbundene Neugier, der konfrontierenden Person etwas beibringen, Erweiterung ohne Ball, etwas Neues beginnen, kollaboratives Schweigen) müssen sich noch bewähren: keine Daten, kurze Fallvignetten, ein noch vage definiertes 6D-Modell. Zu lesen zusammen mit dem Artikel über Steve de Shazers Theorieentwicklung und der Studie über gewaltfreien Widerstand in einer Wohneinrichtung für junge Menschen.

Anmerkungen des Originals

Beiträge der Verfassenden. A.Z.G. und D.-D.H. haben zur Konzeption und Durchführung der Studie sowie zum Verfassen des Manuskripts beigetragen. Alle Verfassenden haben die veröffentlichte Fassung des Manuskripts gelesen und ihr zugestimmt.

Finanzierung. Diese Studie erhielt keine externe Finanzierung.

Erklärung der institutionellen Ethikkommission. Diese Studie erforderte kein Ethikvotum. Die angeführten Arbeiten wurden gemäß den beruflichen und ethischen Standards der British Psychological Society (Vereinigtes Königreich), des Nursing and Midwifery Council (Vereinigtes Königreich) und von Social Work England (Vereinigtes Königreich) durchgeführt.

Erklärung zur informierten Einwilligung. Im gesamten Essay werden Pseudonyme verwendet. Von allen beteiligten Personen wurde eine informierte Einwilligung eingeholt.

Interessenkonflikte. Die Verfassenden erklären, dass keine Interessenkonflikte bestehen.

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Inoffizielle deutsche Übersetzung von Resisting to Exist and the Subtle Invisible Protest: Six Solution Focused Tactics about Challenging Behaviour von Anita Z. Goldschmied und Dean-David Holyoake, Adolescents, Bd. 4, Nr. 3 (2024), doi: 10.3390/adolescents4030030, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzung und Satz: Complexe Systémique, Oktober 2026, mit Unterstützung künstlicher Intelligenz; das Werk wurde im Sinne der Lizenz bearbeitet. Diese Übersetzung stammt weder von den Verfassenden noch vom Verlag, die weder für ihren Inhalt noch für etwaige Fehler verantwortlich sind. Maßgeblich ist die Originalfassung.

Dies ist eine inoffizielle deutsche Übersetzung des Originalartikels „Resisting to Exist and the Subtle Invisible Protest: Six Solution Focused Tactics about Challenging Behaviour“, erschienen in Adolescents (2024) unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz, wie zu Beginn dieser Seite angegeben; maßgeblich ist die Originalfassung.

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Goldschmied, A. Z., und Holyoake, D.-D. (2024). Resisting to Exist and the Subtle Invisible Protest: Six Solution Focused Tactics about Challenging Behaviour. Complexe Systémique. https://app.complexe-systemique.com/en_GB/articles/resisting-to-exist-and-the-subtle-invisible-protest-six-solution-focused-tactics (Originalarbeit erschienen 2024 in Adolescents, 4(3), 426-439 (2024); 2024 erneut veröffentlicht von Adolescents, https://www.mdpi.com/2673-7051/4/3/30)

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