KI-gestützte Übersetzung

Diese Fassung wurde von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz aus dem Englischen übersetzt. Im Zweifelsfall ist die Originalfassung maßgeblich.

Contemporary Family Therapy · Familientherapie

Wie Paar- und Familientherapeutinnen und -therapeuten of Color ihre multikulturellen Beratungskompetenzen entwickeln

Ausbildung für Diversität, gewiss – aber aus wessen Perspektive? Jessica Holmes und Valerie Glass haben acht Paar- und Familientherapierende of Color zu ihrer Ausbildung in den Vereinigten Staaten befragt: ein weißes Umfeld, Theorien, die für die weiße Kernfamilie entworfen wurden, ein einziger Kurs in multikultureller Beratung. Neugier, geteilte Bedeutung, kulturelle Linse, Allianz, der Umgang mit Kommentaren zum Aussehen: Die meisten ihrer Kompetenzen haben sie außerhalb ihrer Ausbildung aufgebaut.

Autorinnen Jessica Holmes und Valerie Glass (National University, San Diego, USA)Erstveröffentlichung Contemporary Family Therapy, 22. November 2024Übersetzung Complexe Systémique, inoffizielle KI-gestützte Übersetzung

Inoffizielle deutsche Übersetzung von How MFTs of Color Develop Their Multicultural Counseling Competencies von Jessica Holmes und Valerie Glass, erschienen in Contemporary Family Therapy (Springer) (2025), doi: 10.1007/s10591-024-09724-w, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique im Oktober 2026 mit Unterstützung künstlicher Intelligenz: Der Originaltext wurde ins Deutsche übersetzt und für die Online-Lektüre neu gesetzt, was eine Bearbeitung des Werks im Sinne der Lizenz darstellt. Diese Übersetzung stammt weder von den Verfassenden noch vom Verlag, die weder für ihren Inhalt noch für etwaige Fehler verantwortlich sind. Maßgeblich ist die Originalfassung.

Kultur lässt sich aus dem therapeutischen Prozess nicht herauslösen.

Jessica Holmes und Valerie Glass

Zusammenfassung

Ausbildungsprogramme in Paar- und Familientherapie werden dafür kritisiert, dass sie multikulturelle Beratung für diverse Bevölkerungsgruppen aus weißen und westlichen Perspektiven vermitteln. Die Ausbildungsprogramme widmen dem Ausbildungsbedarf von Studierenden of Color im Hinblick auf kulturelle Kompetenz und kulturelle Demut weniger Aufmerksamkeit. Diese Forschungsarbeit verfolgt einen phänomenologischen Ansatz, um die Erfahrungen von Studierenden of Color in ihren MFT-Ausbildungsprogrammen und in ihren ersten klinischen Erfahrungen zu verstehen, während sie ihre multikulturellen Beratungskompetenzen entwickelten. Nach Interviews mit acht Teilnehmenden über ihre gelebte Erfahrung wurden die Daten mittels thematischer Analyse ausgewertet, wobei drei Themen identifiziert wurden. (1) Es gibt spezifische multikulturelle Beratungskompetenzen, die die Teilnehmenden häufig einsetzen. (2) In einem weißen Umfeld zu lernen bedeutet, ohne angemessene Repräsentation, ohne diverse Inhalte und Forschung und ohne Diskussionen über Diversität zu lernen. (3) MFT-Programme müssen einen diverseren Ausbildungsansatz verfolgen, der mehr Diversität im Lehrkörper, in der Literatur und in den Inhalten insgesamt einschließt.

Schlüsselwörter: Ausbildung, Bildung, Kulturelle Kompetenz, Therapierende of Color

Einleitung

Trotz langjähriger Bemühungen um eine kulturell kompetente und sensible Versorgung wird das Feld der Paar- und Familientherapie (MFT, nach dem englischen marriage and family therapy) seit Langem dafür kritisiert, dass es sich auf die weiße Mittelschichtfamilie konzentriert. Zudem sind MFT-Theorien wohl stärker auf die dominante kulturelle Erfahrung weißer US-Amerikanerinnen und US-Amerikaner ausgerichtet (McGoldrick & Hardy, 2019). In den letzten Jahren richtete sich die Kritik auch darauf, dass weiße Studierende für die multikulturelle Beratung diverser Bevölkerungsgruppen ausgebildet werden, während der Ausbildungsbedarf von Studierenden of Color in Bezug auf kulturelle Kompetenz und kulturelle Demut weniger Beachtung findet (Pieterse et al., 2016; Pulliam et al., 2019). Viele Studierende of Color haben ihre MFT-Ausbildungsprogramme für mangelnde Repräsentation kritisiert, ebenso dafür, dass sich viele Programme darauf verlassen, dass Studierende of Color ihre weißen Kommilitoninnen und Kommilitonen über Fragen von Privileg und Unterdrückung aufklären (Erolin & Wieling, 2020). Solche Ausbildungsprogramme sind für Studierende of Color bestenfalls nicht hilfreich und können schädlich sein (Erolin & Wieling, 2020).

Wer sich zur Paar- und Familientherapie ausbilden lassen möchte, sollte eine nützliche und relevante Ausbildung erhalten. Programme sollten eine Ausbildung anbieten, die sich nicht nur auf weiße Studierende konzentriert, sondern auch für Studierende of Color anwendbar ist und sie darauf vorbereitet, diversen Bevölkerungsgruppen Paar- und Familientherapie anzubieten. Kurse in multikultureller Beratung konzentrieren sich häufig auf Fragen von Macht und Privileg im Zusammenhang mit den unterschiedlichen sozialen Identitäten der Studierenden; wenn jedoch die Mehrheit einer Kursgruppe weiß ist, liegt der Schwerpunkt meist darauf, sich das Privileg des Weißseins einzugestehen (Pieterse et al., 2016; Pulliam et al., 2019). Damit Studierende of Color gleich und gerecht ausgebildet werden, muss sich der Fokus dahin verschieben, Ausbildung und Entwicklung für alle Studierenden anzubieten.

Leider gibt es kaum oder gar keine Forschung, die diesen Übergang anleiten könnte. Die Forschung zeigt, dass es für klinische Fachkräfte of Color wichtig ist, sich in ihrem Ausbildungsumfeld sicher zu fühlen (Pieterse et al., 2016; Pulliam et al., 2019). Ebenso ist offensichtlich, dass ein diverser Lehrkörper für den Erfolg diverser Studierender wichtig ist (Pieterse et al., 2016). Es gibt jedoch keine Forschung dazu, wie Studierende of Color die Kompetenzen entwickeln, die sie für multikulturelle Beratung brauchen.

Diese Studie bildete einen Anfang, um zu verstehen, was für Studierende of Color während ihrer Ausbildung zur Paar- und Familientherapie hilfreich wäre. Die Studie nutzte ein phänomenologisches Design, um die Erfahrungen der Teilnehmenden zu verstehen. Mit acht klinischen Fachkräften of Color mit vorläufiger oder voller Zulassung wurden halbstrukturierte Interviews geführt, um über ihre Erfahrungen in den Kursen zur multikulturellen Beratung zu sprechen sowie darüber, was sie nach ihrem Masterstudium gelernt haben und was zu lernen ihnen schon vor Beginn ihrer Berufstätigkeit geholfen hätte. Die Interviews wurden transkribiert und analysiert, und es wurden emergente Themen identifiziert. Die gewonnenen Daten werden in künftige Studien und künftige Ausbildungspraktiken einfließen.

Theoretischer Rahmen

Der theoretische Rahmen dieser Studie war die Critical Race Theory (CRT), weil sie sich auf die Auswirkungen von Rassismus auf Einzelne und Gemeinschaften konzentriert. Die CRT bietet eine Struktur, um zu betrachten, wie klinische Programme von Rassismus geprägt sind und wie klinische Fachkräfte of Color diese Einschränkungen auf Makro- und Mikroebene innerhalb ihrer Ausbildungsstruktur wahrnehmen. Zudem hat sich neuere Forschung mit diesem Rahmen auch auf die Erfahrungen von People of Color in Bildungskontexten konzentriert (Amiot et al., 2020). Da diese Forschung darauf abzielte, die klinische Ausbildung von MFT-Studierenden of Color zu verbessern, passte der theoretische Rahmen sehr gut.

Die CRT geht davon aus, dass Rassismus alltäglich ist und auf offensichtliche wie subtile Weise zum Vorteil aller weißen Menschen auftreten kann (Delgado & Stefancic, 2017). Er ist in den Gesetzen, Institutionen und dem Alltagsleben unserer Gesellschaft verankert. Akademische Institutionen sind trotz gegenteiliger Bemühungen nicht frei vom Einfluss des Rassismus. Die CRT führt dies darauf zurück, dass die oft subtilen Richtlinien und Verfahren, die in Institutionen etabliert sind, es schwer machen, Rassismus anzuerkennen und anzugehen. Weil diese Richtlinien so vielen zugutekommen, ist es zudem noch schwieriger, sie abzuschaffen. Letztlich betont die CRT, wie wichtig es ist, institutionellen Rassismus abzubauen, um das Trauma zu heilen, das People of Color über Generationen erlebt haben. Einer der Wege, auf denen sich institutioneller Rassismus nach Auffassung der CRT abbauen lässt, besteht darin, Gegenerzählungen zu teilen, also die Erfahrungen und Sichtweisen von People of Color. Diese Studie wollte den Stimmen von MFT-Fachkräften of Color mehr Gehör verschaffen und ihre Erfahrungen teilen.

Literaturübersicht

Mehrere Studien haben Studierende of Color und ihre Erfahrungen in ihren Masterprogrammen untersucht. Über diese Studien hinweg gaben Studierende of Color an, dass die in ihrem Masterstudium eingesetzten Strategien zur Entwicklung von Selbstwahrnehmung in Fragen von Race und Diversität hilfreich waren, um ihre eigene Selbstwahrnehmung aufzubauen (Erolin & Wieling, 2020; Laszloffy & Habekost, 2010; McDowell et al., 2003). Sie merkten jedoch auch an, nicht das Gefühl zu haben, dass ihnen dies geholfen habe, kompetenter in der therapeutischen Arbeit mit Klientinnen und Klienten anderer Herkunft zu werden (Erolin & Wieling, 2020). Dieses mangelnde Bewusstsein für den Hintergrund der klinisch Studierenden wurde dadurch verschärft, dass marginalisierte Stimmen im gesamten Curriculum fehlten. Manche Studierende hatten den Eindruck, dass Diskussionen über Diversität lediglich vorkamen, um die Akkreditierungsstandards zu erfüllen, statt für die therapeutische Entwicklung bedeutsam zu sein (Erolin & Wieling, 2020; Pulliam et al., 2019). Insgesamt bewerteten Studierende of Color ihre Ausbildung zu Kultur und Diversität als schlecht (Erolin & Wieling, 2020).

Hilfreiche Unterstützung

Studierende of Color berichteten auch über einige positive Erfahrungen in ihren Beratungsprogrammen im Zusammenhang mit verschiedenen Formen der Unterstützung, die ihnen zugutekamen. Erstens ist es für Studierende of Color wichtig, Zugang zu einem diversen Lehrkörper zu haben (Erolin & Wieling, 2020; McDowell, 2004; Pieterse et al., 2016; Pulliam et al., 2019). Studierende berichteten von negativen Erfahrungen mit weißen Lehrenden und dem Gefühl, abgewiesen zu werden; hatten sie hingegen Kontakt mit Lehrenden ähnlicher Herkunft, fühlten sie sich in ihrer Erfahrung bestätigt und gestärkt (Erolin & Wieling, 2020; McDowell, 2004; Pieterse et al., 2016). Zweitens betonten die Studierenden die Bedeutung einer diversen Peergruppe (Erolin & Wieling, 2020; McDowell et al., 2003; Pulliam et al., 2019). Ist ein Jahrgang divers, kommt es während des Ausbildungsprogramms seltener zu Erfahrungen von Tokenismus und Stereotypisierung, und das Bewusstsein für Rassismus steigt (Erolin & Wieling, 2020).

Rassismus in der Therapie ansprechen

Therapierende of Color machen die besondere Erfahrung, in Sitzungen mit weißen Klientinnen und Klienten mit rassistischen Vorfällen umgehen zu müssen (Bayne & Branco, 2018). Ausgehend von den oben dargestellten Übersichten über die Erfahrungen von Studierenden of Color in ihren Masterprogrammen scheint es, dass viele Programme die Rassismuserfahrungen, die Studierende of Color in klinischen Kontexten machen können, nicht angemessen thematisieren. Bayne und Branco (2018) stellten fest, dass klinische Fachkräfte of Color in der Therapie mit weißer Klientel durchgängig Mikroaggressionen erleben. Das erste hervorzuhebende Thema ist, dass sich klinische Fachkräfte of Color auf Mikroaggressionen vorbereiten und sie abfedern, wenn sie auftreten (Branco & Bayne, 2020). Diese Vorbereitung und dieses Abfedern rühren daher, dass klinische Fachkräfte of Color an Mikroaggressionen gewöhnt sind und sie ebenso gelassen hinnehmen wie im übrigen Leben. Sie wiesen zudem darauf hin, dass Mikroaggressionen sowohl verdeckt als auch offen auftreten. Manche weiße Klientinnen und Klienten machen in ihrer Gegenwart unverblümt rassistische Bemerkungen, andere äußern sich vage über ihr Aussehen oder Auftreten. Mitunter gehört dazu, ihre therapeutische Kompetenz infrage zu stellen. Schließlich schienen klinische Fachkräfte of Color gespalten in der Frage, wie auf verschiedene Formen von Mikroaggression zu reagieren sei. Manche reagierten gar nicht, andere stellten Nachfragen, und wieder andere sprachen das Problem direkt an.

Diese Studie zeigte, dass klinische Fachkräfte of Color eine Ausbildung im Umgang mit rassistischen Vorfällen in der Sitzung benötigen. Branco und Jones (2021) schlugen eine Methode vor, wie in Sitzungen mit weißer Klientel auf Mikroaggressionen reagiert werden kann, doch zur Wirksamkeit dieser Methode gibt es keine Forschung. Weitere Forschung ist daher erforderlich. Auf Grundlage dieser Informationen scheint der Umgang mit rassistischen Vorfällen in der Sitzung eine Kompetenz zu sein, die klinische Fachkräfte of Color als Teil ihrer multikulturellen Beratungskompetenzen entwickeln müssen.

Die Entwicklung kultureller Kompetenz

In den Feldern der klinischen Beratung gibt es eine Fülle von Literatur darüber, wie wichtig es ist, diversen Bevölkerungsgruppen aus der Perspektive weißer Fachkräfte eine angemessene therapeutische Behandlung anbieten zu können (Haskins et al., 2013; McDowell & Hardy, 2019; Katafiasz & Patton, 2021). Der erste Begriff, der umfassend erforscht und zitiert wurde, ist der der kulturellen Kompetenz. Kulturelle Kompetenz konzentrierte sich anfangs weitgehend darauf, verschiedene Kulturen zu verstehen und wie Wertunterschiede die Behandlung beeinflussen können (Sue et al., 1982). Da das Konzept der kulturellen Kompetenz jedoch kritisiert wurde, weil es sich nur auf andere Kulturen konzentrierte und dadurch tendenziell Stereotype fortschrieb, und da es mit dem Einwand konfrontiert wurde, Kompetenz impliziere ein Ende der Entwicklung, kamen neue Begriffe auf, die eine umfassendere Anerkennung der Arbeit mit Unterschieden beinhalteten (Fisher-Borne et al., 2015; Kissil et al., 2013; Mosher et al., 2017; Niño et al., 2016).

Kulturelle Sensibilität und kulturelle Demut sind die beiden am häufigsten verwendeten Begriffe, die aus der Kritik an der kulturellen Kompetenz hervorgegangen sind (D’Aniello et al., 2016; Fisher-Borne et al., 2015; Mosher et al., 2017). Kulturelle Sensibilität bezieht sich auf die Notwendigkeit, dass Therapierende für die Wert- und Kulturunterschiede zwischen sich selbst und den Klientinnen und Klienten sowie der Familie, mit denen sie arbeiten, sensibel sind (D’Aniello et al., 2016). Dies ist eine bemerkenswerte Kritik an der kulturellen Kompetenz, weil sie festhält, dass Therapierende nicht nur über andere Kulturen Bescheid wissen sollten, sondern offen und nachdenklich dafür sein müssen, wie sich Unterschiede zwischen den Werten der Klientel und den eigenen auf die Behandlung auswirken können; dies war ein großer Schritt hin zur Anerkennung, dass die Person der Therapeutin oder des Therapeuten die therapeutische Beziehung beeinflusst (Tohidian & Mui-Teng Qeck, 2017).

Kulturelle Demut greift die Notwendigkeit auf, über andere Kulturen Bescheid zu wissen, indem man neugierig ist und die Familie um ihre Sicht auf ihre Werte und Überzeugungen bittet, statt aufgrund ihrer Race oder eines anderen demografischen Merkmals pauschal eine kulturelle Überzeugung zu unterstellen (Fisher-Borne et al., 2015; Mosher et al., 2017). Wer kulturelle Demut zeigt, sollte offen und bescheiden sein und anerkennen, nicht alles zu wissen und sich von der Familie Klarheit über ihre Bedürfnisse verschaffen zu müssen.

Multikulturelle Beratungskompetenzen ist ein Begriff, den die Commission on Accreditation for Marriage and Family Therapy (COAMFTE) 2018 übernommen hat, um dem Ausbildungsbedarf der Studierenden in MFT-Programmen zu begegnen (COAMFTE, 2018). Dieser Begriff umfasst die Entwicklung kultureller Sensibilität und Demut und ermutigt Studierende, sich mit den verschiedenen Kulturen vertraut zu machen, mit denen sie im Laufe ihrer Berufstätigkeit arbeiten könnten. Indem sie die Idee der kulturellen Kompetenz mit Sensibilität und Demut verband, wollte die COAMFTE möglicherweise die große Debatte um kulturelle Kompetenz beenden und mit konkret benannten Kompetenzen vorankommen, die Studierende entwickeln sollen. Für diese Studie habe ich den Begriff multikulturelle Beratungskompetenzen in dem Bewusstsein verwendet, dass sich die angemessenste Sprache für die Arbeit mit Unterschieden in klinischen Kontexten fortlaufend weiterentwickelt, und ich habe mich für den Begriff entschieden, den uns die COAMFTE (2018) vorgegeben hat.

Methode

Die Phänomenologie ist ein qualitatives Studiendesign, das sich auf die gelebten Erfahrungen der Forschungsteilnehmenden konzentriert und ein Phänomen zu verstehen sucht (Creswell, 2007). Diese Studie ist eine phänomenologische Untersuchung dessen, wie klinische Fachkräfte of Color multikulturelle Beratungskompetenzen entwickeln, wenn sie oftmals gebeten werden, ihre weißen Peers über Fragen von Privileg und Unterdrückung aufzuklären, statt sich auf die Entwicklung ihrer eigenen Kompetenzen oder ihrer Selbstwahrnehmung zu konzentrieren (Pieterse et al., 2016; Pulliam et al., 2019). Halbstrukturierte Interviews wurden geführt, bis eine thematische Sättigung erreicht war und keine weiteren Themen mehr aufkamen (Guest et al., 2020). Die Interviews wurden für die Datenanalyse aufgezeichnet und transkribiert. Mit den Interviews wurde eine thematische Analyse durchgeführt, aus der Haupt- und Unterthemen entwickelt wurden.

Grundgesamtheit und Stichprobe

Einschlusskriterium der Studie waren MFT-Fachkräfte auf Associate-Ebene, die sich als klinische Fachkräfte of Color identifizieren und ihren Masterabschluss vor 2–10 Jahren erworben haben. Die Teilnehmenden mussten ein von der COAMFTE akkreditiertes MFT-Programm abgeschlossen haben. Über den Besuch eines von der COAMFTE akkreditierten Programms hinaus war keine besondere Ausbildung erforderlich, da die Studie untersuchen wollte, was in diversitätsbezogenen Ausbildungspraktiken hilfreich war und was nicht. Daher wurden alle Arten von Programmen berücksichtigt. Die Stichprobe wurde mittels strategischer Stichprobenziehung gewählt, einer Methode, bei der das Forschungsteam Teilnehmende rekrutiert, die sich auf der zu bewertenden Skala stark unterscheiden (Farrugia, 2019: Willis, 2007). Ich habe diese Methode gewählt, weil sie mir half, eine diverse Stichprobe zusammenzustellen, die hoffentlich einen ganzheitlichen Blick auf die Erfahrungen der Teilnehmenden ermöglichen würde. Es sei angemerkt, dass es schwierig war, eine ausreichend große Stichprobe für dieses Projekt zu rekrutieren. Potenzielle Teilnehmende äußerten Bedenken, ob sie anonym bleiben könnten, da es in ihrem Jahrgang an der besuchten Hochschule an Diversität mangelte.

Interviewfragen

Die Interviewfragen bezogen sich auf die Erfahrungen der Teilnehmenden in ihren Masterprogrammen im Hinblick auf die Entwicklung ihrer multikulturellen Beratungskompetenzen sowie auf ihre Erfahrungen in der Praxis, einschließlich dessen, was sie in ihrer Ausbildung gern gelernt hätten. Zu den Fragen gehörten: Was war in deinem Kurs zur multikulturellen Beratung hilfreich? Was war in deinem Kurs zur multikulturellen Beratung nicht hilfreich? Was hast du in der Praxis gelernt, das du gern schon in deiner Ausbildung gelernt hättest? Da es sich um ein halbstrukturiertes Interviewverfahren handelte, stellte die Interviewerin Nachfragen, um die Antworten zu klären.

Studienablauf

Die Interviews wurden wegen der großen geografischen Streuung der Stichprobe per Videokonferenz geführt. Sie waren halbstrukturiert, mit einer Liste von 12–18 offenen Interviewfragen und Nachfragen. Ein halbstrukturiertes Vorgehen wurde gewählt, weil es den Teilnehmenden mehr Flexibilität gab, ihre eigenen Gedanken, Einsichten und Ideen zur Entwicklung ihrer multikulturellen Beratungskompetenzen einzubringen, und der Forscherin erlaubte, Nachfragen zu stellen, um Details zu ergänzen oder die Antwort der teilnehmenden Person zu klären (Jacob & Furgerson, 2012; Merriam & Tisdell, 2016). Qualitative Interviews erreichen in der Regel nach etwa 12–15 Interviews eine Sättigung, doch kann diese schon mit nur sechs Interviews erreicht werden (Guest et al., 2020). In dieser Studie wurde die Sättigung mit acht Interviews erreicht.

Datenanalyse

Nach Abschluss der Interviews wurden diese mit 360 Transcription, einer HIPAA-konformen Software, transkribiert, und es wurde eine thematische Analyse durchgeführt. Nachdem die Forscherin die Themen identifiziert hatte, wurden die Teilnehmenden mit ihrer vorherigen Zustimmung per E-Mail kontaktiert; sie bestätigten die Themen und lieferten nötige Klarstellungen. Dieses Vorgehen stellte sicher, dass die Aussagen der Teilnehmenden in keiner Weise verfälscht wurden.

Ergebnisse

Die Ergebnisse der qualitativen Studie beruhen auf acht per Videokonferenz geführten Interviews mit Teilnehmenden. Teilgenommen haben Latinos (n = 2), Latinas (n = 2), ein Schwarzer Mann (n = 1) und Schwarze Frauen (n = 3). Zwei dieser Personen wurden außerhalb der Vereinigten Staaten geboren, und 3 sprachen eine andere Sprache als Englisch. Die Teilnehmenden verteilten sich über das gesamte Festland der Vereinigten Staaten und hatten eine große Vielfalt von COMAFTE-akkreditierten Programmen besucht, darunter Programme in Neuengland, im Süden (einschließlich Texas, Kentucky, Virginia und Georgia) und in Kalifornien. Alter und Ethnie der Teilnehmenden werden nicht angegeben, da zu viele bekannte demografische Angaben eine Identifizierung ermöglichen könnten. Die Interviews wurden aufgezeichnet und transkribiert. Nach der Transkription wurden Themen entwickelt. Diese wurden in vier Kategorien gegliedert: Lernen in einem weißen Umfeld, Entwicklung multikultureller Beratungskompetenzen, Teilnahme an multikultureller Supervision und Einbeziehung diverser Stimmen.

Lernen in einem weißen Umfeld

Die Teilnehmenden berichten, dass sie sich in einem Lernen zurechtfinden mussten, dessen Blickwinkel vor allem darauf ausgerichtet war, weiße US-Amerikanerinnen und US-Amerikaner der Mittelschicht für die Behandlung weißer Menschen der Mittelschicht auszubilden. Dazu gehörten mangelnde Repräsentation im Lehrkörper und unter den ausbildenden klinischen Fachkräften sowie Aspekte ihrer Ausbildung, die ihre Erfahrungen nicht aufgriffen. Einige Teilnehmende berichteten, dass Race oder Diversität kaum zur Sprache kamen, außer in ihrem einzigen Kurs zu kultureller Kompetenz, der sich oft ausschließlich auf Race konzentrierte und anderen sozialen Identitäten wenig Aufmerksamkeit schenkte.

Die Teilnehmenden gaben an, dass der Lehrkörper überwiegend nicht ethnisch divers war. Die Lehrenden waren größtenteils weiße US-Amerikanerinnen und US-Amerikaner, und für die meisten Teilnehmenden gilt: Gab es eine Lehrperson of Color, dann nur eine einzige. Auf den Bericht hin, dass es im Programm einer teilnehmenden Person überhaupt keine diversen Lehrenden gab, betonten die Teilnehmenden, wie wichtig ihnen Repräsentation ist. Teilnehmer 4 bemerkte: „Ich finde, Repräsentation zählt. Nicht nur Studierende of Color zu haben, sondern auch Lehrende of Color, das zählt wirklich.“ Teilnehmerin 5 sagte: „Ich kann sagen, dass ich mich während meines ganzen Masterprogramms in keiner einzigen meiner Lehrpersonen wiedergefunden habe.“

Teilnehmer 3, der von einer diversen Lehrperson in seinem Programm berichtete, sagte: „Das (die multikulturellen Beratungskompetenzen) kam eher von den Lehrenden, wegen ihrer Erfahrungen.“ Er hob damit hervor, dass seine diverse Lehrperson aufgrund ihrer Erfahrung in der Arbeit mit diversen Bevölkerungsgruppen als Therapeut oder Therapeutin of Color anders über multikulturelle Beratung sprechen konnte.

Die Teilnehmenden betonten zudem, dass der Großteil der Literatur und Forschung, mit der sie in Berührung kamen, von weißen Autorinnen und Autoren stammte. Sie berichteten von sehr wenig oder gar keinem Kontakt mit Literatur von ethnisch diversen Verfassenden. Wollten sie etwas von ethnisch diversen oder repräsentativen Verfassenden lesen, mussten sie selbst danach suchen. Teilnehmer 2 sagte: „Ich bin nie mit akademischen Materialien in Berührung gekommen, die tatsächlich von Forschenden unterschiedlicher Nationalitäten und unterschiedlicher kultureller Hintergründe geschrieben wurden.“ Dieser Teilnehmer sprach über die Homogenität der akademischen Materialien in seinem Masterprogramm. Teilnehmer 4 erzählte, dass er erst von diversen klinischen Fachkräften erfuhr, als er nach seinem Abschluss selbst nach Informationen suchte: „In meinem Programm habe ich nichts über People of Color in der Psychologie gelernt. Von den Schwarzen Psychologen und Therapeuten, die den Weg für die Sozialarbeit geebnet haben, habe ich erst nach meinem Programm erfahren.“ Dieser Teilnehmer sprach außerdem über die Fülle diverser Verfassender, die einen bedeutenden Einfluss hatten und als Pioniere des Feldes der psychischen Gesundheit gelten sollten.

Teilnehmerin 5 sprach über einen der Nachteile fehlender Diversität: „Wenn es (im Kurs) um Fallstudien ging, waren das typischerweise weiße Paare, Familien, Einzelpersonen. Kultur oder Diversität wurden nicht erwähnt. Alles war Kernfamilie.“ Ihre Einschätzung legt nahe, dass das Feld – wie Teilnehmerin 5 zudem anerkannte – durch die alleinige Konzentration auf weiße Mittelschichtfamilien einen riesigen Teil der Bevölkerung ignoriert, der Unterstützung benötigt.

Entwicklung multikultureller Beratungskompetenzen

Die Teilnehmenden berichteten, sie hätten das Gefühl gehabt, ein eigenes Verständnis therapeutischer Theorien und Ansätze sowie für sie funktionierende Interventionen entwickeln zu müssen, weil viele der in ihren Programmen gelehrten Ansätze von weißen Männern für weiße Männer geschaffen worden waren. Wie die teilnehmende Person 8 es ausdrückte: „Ich weiß nicht, wie ich diese Dinge sagen und damit durchkommen kann … ohne meine Sicherheit aufs Spiel zu setzen.“ Teilnehmer 4 stellte fest, dass „bestimmte Dinge bei bestimmten Bevölkerungsgruppen einfach nicht funktionieren“, und merkte an, dass viele MFT-Theorien für die weiße Kernfamilie der Mittelschicht entwickelt wurden und die verwendeten Ansätze sich nicht auf andere Familien mit anderen Strukturen und Hintergründen übertragen lassen. Aufgrund dieses Phänomens hatten die Teilnehmenden das Gefühl, selbst Forschung finden zu müssen, die ihre Erfahrungen und die ihrer diversen Klientel besser abbildet. Teilnehmerin 6 sagte: „Ich glaube, das hat viel damit zu tun, dass es kein bestimmtes Kompetenzset gibt, das irgendjemandem beigebracht wurde. Es ist fast selbst erlernt.“ Im Zuge dieses Selbstlernprozesses mussten die Teilnehmenden nach eigenen Angaben selbst herausfinden, welche Ansätze für sie funktionierten. Sie identifizierten fünf zentrale Kompetenzen, die sie entwickelt haben, um die Lücken in ihrer Ausbildung zu schließen: Neugier entwickeln, geteilte Bedeutung entwickeln, die kulturelle Linse schärfen, die therapeutische Allianz gestalten und die Wirkung des äußeren Erscheinungsbilds anerkennen.

Neugier entwickeln

Die Teilnehmenden haben gelernt, dass das Entwickeln von Neugier ein Weg ist, eine Verbindung zu Klientinnen und Klienten unterschiedlicher Herkunft aufzubauen und auf den therapeutischen Prozess und Fortschritt eingestimmt zu bleiben. Diese Kompetenz hilft den Teilnehmenden, Annahmen über die Klientel zu vermeiden, und ermöglicht es ihnen, die jeweilige Person wirklich kennenzulernen und ihre Erfahrung zu verstehen zu versuchen.

Teilnehmerin 5 fasste die Idee, neugierig zu bleiben, zusammen:

Wir sprechen viel über kulturelle Demut und kulturelle Kompetenz, und ich glaube wirklich, es geht einfach darum, unsere Klienten als Experten ihres eigenen Lebens zu betrachten und uns zu erlauben, neugierig zu bleiben. Selbst wenn wir einen ähnlichen kulturellen Hintergrund haben, ob es nun um Ethnie, sozioökonomischen Status oder Religion geht, haben wir alle unterschiedliche Erfahrungen, auch wenn wir Gemeinsamkeiten haben.

Diese Teilnehmerin hat aus ihrer eigenen Erfahrung heraus ein Verständnis dafür entwickelt, dass Neugier zum Aufbau von Verbindungen mit diverser Klientel führen kann. Sie hält zudem fest, dass die therapeutische Fachkraft neugierig bleiben kann, wenn die Klientin oder der Klient in der Rolle der Expertin bzw. des Experten bleibt, was Annahmen über Gemeinsamkeiten oder Unterschiede vorbeugen kann.

Teilnehmerin 1 berichtete, dass Neugier auf die Kultur einer Person es Therapierenden nach ihrer Erfahrung auch ermöglicht zu prüfen, ob die Behandlung für diese Person hilfreich ist.

Sich bewusst sein, mit wem (man) da sitzt, und natürlich neugierig auf die Kultur sein … aber ich finde … da fehlt ein Stück … Hilft die Behandlung? Natürlich wollen wir kompetent darin sein, diese Informationen zu sammeln, aber ich würde sagen, was mir fehlt, ist der nächste Schritt: darüber nachzudenken, ob diese bestimmte Behandlung oder Modalität bei dieser Person nützlich und erfolgreich ist.

Insgesamt konzentrierten sich die Teilnehmenden auf die Idee, dass Neugier ihnen als Therapierenden half, Annahmen zu vermeiden und eine Verbindung zu ihrer Klientel aufzubauen. Sie hatten zudem den Eindruck, dass Neugier über das Interesse an der Kultur der Klientel hinausgeht. Sie möchten auch neugierig darauf sein, was im Therapieraum in Bezug auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der Klientel und ihnen selbst geschieht und wie sich das auf den therapeutischen Prozess auswirken kann. Schließlich hilft Neugier den Teilnehmenden, kritisch darüber nachzudenken, ob ihr therapeutischer Ansatz für die jeweilige Person hilfreich ist oder nicht.

Geteilte Bedeutung entwickeln

Geteilte Bedeutung zu entwickeln verweist darauf, wie die Teilnehmenden Sprache in ihren klinischen Kompetenzen nutzen, um Verbindungen zu Klientinnen und Klienten aufzubauen, die anders sind als sie. Die Teilnehmenden hielten dies für ein wirksames klinisches Werkzeug, das in ihrer Ausbildung fehlte, und führten aus, wie geteilte Bedeutung ihnen in der Therapie hilft.

Teilnehmer 3 betonte die Bedeutung des Ortes und wie dieser die Bedeutung hinter Wörtern oder die Art, wie Wörter ausgesprochen werden, beeinflussen kann:

Wahrscheinlich Spanisch sprechen … Das ist ein bisschen knifflig, weil, also, bei den Hispanics aus Südkalifornien ist unser Spanisch anders als an anderen Orten im Bundesstaat. Das kriege ich oft zu hören, so nach dem Motto: Du bist aus Kalifornien, was? Und ich dann: Warum spielt das eine Rolle? Na ja, das merkt man daran, wie du sprichst.

Das Zitat dieses Teilnehmers legt nahe, dass Sprache je nach geografischem Ort unterschiedliche Bedeutungen haben kann, und zeigt, wie er besonders auf diese Nuancen achtet, um eine Verbindung zur Klientel aufzubauen.

Zwei Teilnehmende betonten, wie wichtig es ist, „es zu kapieren“, und dass Klientinnen und Klienten sich nicht weiter erklären müssen, wo sie es bei einer anderen Fachkraft vielleicht müssten. Die Teilnehmenden reflektierten darüber, wie tröstlich es für die Klientel sein kann, etwas nicht im Detail erklären zu müssen, damit die therapeutische Fachkraft versteht, was gemeint ist, weil sie dieselbe Definition und Konnotation teilt. Teilnehmer 4 sagte: „Eins davon ist einfach der Jargon: bestimmte Dinge sagen zu können, oder wenn sie mir etwas sagen, verstehe ich es. Das ist dann so: Oh wow, ich muss mich nicht weiter erklären.“

Teilnehmerin 5 berichtete:

Ich hatte Klienten, die mir gesagt haben, dass es ungeschriebene Regeln unserer Kultur gibt, die nicht ausbuchstabiert werden müssen, was sie bei früheren Therapeuten vielleicht tun mussten. Bei einer Fachkraft of Color müssen sie es dagegen vielleicht nicht so genau erklären – was für sie sonst ein bisschen überwältigend sein kann.

Die Teilnehmenden hoben hervor, wie sehr sie davon profitieren, mit Klientinnen und Klienten ähnlicher Herkunft geteilte Bedeutungen zu haben. Dies ist eine besondere Kompetenz, die der Klientel helfen kann, sich wohler und mit der therapeutischen Fachkraft stärker verbunden zu fühlen.

Die kulturelle Linse schärfen

Die Teilnehmenden beschrieben eine geschärfte kulturelle Linse als eine Art, die Welt und unsere Klientel zu betrachten, die das Gesamtbild der Gemeinschaft, der Kultur und der sozialen Verortungen einer Person erfassen, aber auch ganz nah an die einzigartigen, individuellen Eigenschaften eines Menschen heranzoomen kann. Als Wege, auf denen sie eine kulturelle Linse entwickelt haben, nannten die Teilnehmenden, genau auf die Bedeutung des Kontakts mit diversen Bevölkerungsgruppen zu achten, die eigenen Vorurteile zu überprüfen und die eigenen Erfahrungen als Wissensquelle zu nutzen.

Teilnehmer 2 betonte, wie wichtig es ihm in seiner eigenen Arbeit war, sich wirklich über andere Menschen zu informieren, die anders sind als er selbst:

Kulturelle Demut beschränkt sich nicht darauf, sich der richtigen Erfahrung auszusetzen. Es heißt, mit Menschen zu sprechen, die anders sind als du, und über sie zu lesen. Das versuche ich zu tun. Ich versuche, mich aus diesem Blickwinkel zu verorten.

Dieser Teilnehmer hat in seiner eigenen Arbeit beobachtet, dass das Erschließen externer Informationen und das Bestimmen der eigenen Verortung eine Kompetenz ist, die zu einer offenen kulturellen Linse beiträgt.

Teilnehmer 4 berichtete, eine der Kompetenzen, die er gelernt habe, sei, wie er sich über Gemeinsamkeiten mit der Klientel verbinden und verstehen könne, wie es ist, marginalisiert zu sein:

Ich war schon immer jemand, der weiß, wie es ist, draußen zu sein, weißt du, in dieser Hinsicht marginalisiert. Ich weiß, wie sich das anfühlt. Und weil ich weiß, wie sich das anfühlt, hilft mir das, mich mit einem anderen Menschen zu verbinden, der ebenfalls zu einer marginalisierten Gruppe gehört.

Indem er seine Erfahrungen offenlegt, hat er das Gefühl, dass die Klientel sich mit ihm identifizieren kann, und das kann bei Menschen, die sich von ihrer therapeutischen Fachkraft verschieden fühlen, zu mehr Wohlbefinden führen.

Teilnehmerin 5 betonte, wie wichtig es ihr ist, in ihrer therapeutischen Arbeit flexibel zu sein und zu verstehen, dass ihre Erfahrung nicht die einzige ist: „Wenn wir uns von unseren eigenen kulturellen Erwartungen leiten lassen, behindern wir am Ende die Arbeit, die getan werden kann.“ Dieses Zitat bringt zum Ausdruck, wie ihre Werte, Überzeugungen und Vorurteile ihrer Ansicht nach der Arbeit im Weg stehen können. Wenn wir erwarten, dass andere, selbst wenn wir derselben Race angehören, dieselben Erfahrungen machen wie wir, treffen wir wahrscheinlich Annahmen, die sich negativ auf die Behandlung auswirken können.

Die therapeutische Allianz gestalten

Zwar werden Kompetenzen zum Aufbau einer therapeutischen Allianz in allen Therapieprogrammen als wichtiger Bestandteil des Aufbaus der therapeutischen Beziehung gelehrt, doch hatten die Teilnehmenden nicht immer das Gefühl, dass diese den Bedürfnissen diverser Therapierender und Klientinnen und Klienten gerecht wurden. Die Teilnehmenden betonten, wie wichtig es ist, Gemeinsamkeiten und Unterschiede anzunehmen, um eine starke therapeutische Allianz zu bilden. Sie gehen tief darauf ein, wer ihre Klientinnen und Klienten als einzigartige Menschen sind, wer sie als Mitglieder ihrer Gemeinschaft sind und was sie brauchen.

Als sie beschrieb, wie sie mit der Klientel über deren Kultur, Bedürfnisse und Erwartungen an die Therapie spricht, brachte Teilnehmerin 1 diese wichtige Haltung zum Ausdruck: „Mir liegt sehr daran, dich kennenzulernen, und mir liegt sehr daran, dass du die Hilfe bekommst, die du verdienst.“ Ihre Aussage greift grundlegende Kompetenzen zum Aufbau der therapeutischen Allianz auf und ergänzt sie um eine Perspektive kulturellen Bewusstseins: wirklich im Kontext der Erfahrung einer Person aufzubauen. Für die Teilnehmenden geht es beim Aufbau der Allianz nicht nur darum, die Person kennenzulernen, sondern ihren Kontext.

Die teilnehmende Person 7 merkte an, wie die therapeutische Allianz die therapeutische Beziehung beeinflusst, indem sie Vertrauen zu diverser Klientel aufbaut:

Ich lerne das Verhalten der Menschen kennen, was ihre Bedürfnisse sind, was ihnen fehlt, was sie brauchen. Ich baue Beziehungen auf. Ich glaube, sobald man eine Beziehung zu Menschen aufbaut … sind sie eher bereit, sich einem zu öffnen.

Kultur zu verstehen scheint ein wesentlicher Bestandteil der Gestaltung der therapeutischen Beziehung zu sein. Die Teilnehmenden haben das Phänomen hervorgehoben, dass eine Person, die sich gesehen und verstanden fühlt, sich bei ihrer therapeutischen Fachkraft wohler fühlt, was ihr erlauben würde, noch mehr mitzuteilen.

Die Wirkung des äußeren Erscheinungsbilds anerkennen

Viele Teilnehmende mussten mit Kommentaren der Klientel zu ihrem äußeren Erscheinungsbild umgehen. Sie hielten diese Kommentare mal für Formen von Mikroaggression, mal für schlichte Neugier, besonders in der Arbeit mit Kindern. Klientinnen und Klienten sind aufgrund des Aussehens mitunter neugierig auf ihre Race oder ihre Herkunft. Einige Teilnehmende teilten ihren inneren Dialog zu diesen Gedanken und Erfahrungen, andere sprachen über Wege, wie sie solchen Momenten begegnen können.

Teilnehmerin 1 reflektierte ihre Erfahrungen als hellhäutigere Fachkraft. Sie bemerkte, dass die Klientel sich offenbar sehr wohl dabei fühlt, ihr Dinge mitzuteilen, die sie Therapierenden mit dunklerem Teint ihrer Meinung nach vielleicht nicht anvertrauen würde: „Viele Leute fragen nicht einmal nach meiner Herkunft und denken einfach: die weiße Frau, mit der ich spreche – was mir in mancher Hinsicht helfen kann, weil sie sagen können, was sie wollen.“ Andere Teilnehmende sprachen über Aspekte ihres Aussehens im Zusammenhang mit einer „hellen Haut“ und darüber, wie dies ihrem Empfinden nach die Therapie mit Klientinnen und Klienten anderer ethnischer Herkunft beeinflusste. Teilnehmer 4 berichtete: „Auch wenn ich ein Mann von 6′5″ (1,96 m) bin, habe ich auch helle Haut, deshalb wirke ich etwas weniger einschüchternd … wenn ich einen dunkleren Teint hätte, wäre es ziemlich sicher ganz anders.“

Andere Teilnehmende sprachen darüber, wie die Klientel aller möglichen ethnischen Hintergründe ihrer Ansicht nach aufgrund ihres Aussehens auf sie reagieren könnte. Teilnehmer 3 erzählte, dass er mitunter eine negative Reaktion spürt: „Mach dich auf Widerstand gefasst, nicht alle Kids wollen das, und auch nicht alle Erwachsenen, ich hatte beides; sie schauen dich an und denken: Du willst mir helfen?“ Seine Worte legen nahe, dass er eine wahrscheinliche Voreingenommenheit oder Reaktion aufgrund seiner Race wahrnimmt. Teilnehmer 3 führte weiter aus, dass die Klientel sehr neugierig auf seine Ethnie und Herkunft ist und oft fragt: „Was bist du?“ Besonders seine Tattoos ziehen die Aufmerksamkeit der Klientel auf sich: „Meine Tattoos zum Beispiel, das ist das Erste, was sie bemerken, dann meine Größe. Und dann geht es los. Ich weiß, dass sie neugierig auf meine Tattoos sein werden.“ Dieser Teilnehmer sprach über das Gefühl, dass die Klientel aufgrund seines Äußeren Annahmen über ihn trifft. Er schilderte, dass er häufig auf zwei verschiedene Arten reagiert. Entweder lässt er sie raten, was sie bedeuten, und erlaubt der Person, ihre Annahme zu treffen – was auch Teilnehmerin 1 so beschrieb –, oder er nutzt die Gelegenheit, etwas Humor in die Beziehung zu bringen, etwa so:

Wenn es Teenager sind, sage ich ihnen: Na ja, ich habe mir für jedes Mal, wenn ich einen Klienten zum Weinen gebracht habe, ein Tattoo stechen lassen – und sie schauen mich nur an. Dann sage ich: War nur ein Witz. Aber das ist meistens ein guter Eisbrecher, weil sie dann denken: Okay, das ist hier nicht superernst, und Teenager brauchen das.

Teilnehmer 3 zeigte seinen ganz eigenen Stil, der es ihm erlaubt, Kommentare zum Aussehen nicht nur aufzugreifen, sondern sie auch als Chance zum Aufbau der therapeutischen Allianz zu nutzen.

Teilnahme an multikultureller Supervision

Die Teilnehmenden berichteten, dass Supervision für ihre eigene Reflexion über Diversität wichtig war. Manche bedauerten, nie das Gefühl gehabt zu haben, eine supervidierende Person zu haben, der gegenüber sie sich über ihre eigenen sozialen Identitäten und über ihre Erfahrungen mit der Klientel im Zusammenhang mit diesen Identitäten wirklich öffnen konnten. Andere hatten das Gefühl, eine prägende Supervisionserfahrung gemacht zu haben, die sie zu den Therapierenden gemacht hat, die sie heute sind.

Einige Teilnehmende berichteten von negativen Erfahrungen mit Supervision; eine Person erzählte: „Ich hatte nur weiße Supervisoren, Race und Kultur kamen in meiner Supervision nie zur Sprache.“

Eine andere Teilnehmerin schilderte ähnliche Erfahrungen:

Ich bin frustriert, weil ich nicht viel konstruktive Kritik bekomme. Ich weiß, dass ich nicht perfekt bin … ich weiß, dass es Dinge gibt, die ich lernen muss, aber ich habe das Gefühl, wenn ich in die Supervision gehe – weil mein Supervisor ein weißer Mann ist und ich eine Schwarze Frau bin –, ist er zu vorsichtig. Ich habe das Gefühl, er bewegt sich wie auf Eierschalen.

Beide Teilnehmerinnen berichteten, dass die Erfahrungen mit ihren Supervisoren keine Gespräche über unterschiedliche Hintergründe zuließen. Sie schildern, dass sie nicht genug gefordert wurden, um ihre Kompetenzen zu entwickeln, und dass sie kaum das Gefühl hatten, es handle sich um ein Thema, über das man sprechen könne.

Teilnehmerin 1 reflektierte eine positive Supervisionserfahrung, die mit der Möglichkeit zusammenhing, offen über Diversitätserfahrungen zu sprechen und Rückmeldungen dazu zu erhalten, wie die Arbeit mit diverser Klientel zu gestalten ist: „Einfach eine gute Supervision zu haben, rund um das Gespräch: Wie geht es dir damit, wie alt ich bin, oder wie geht es dir damit, wie ich aussehe?“ Diese Teilnehmerin sprach darüber, wie wichtig ihre Supervisionsbeziehung dafür war, eine eigene Sprache zu entwickeln, um Diversität anzusprechen und dabei die therapeutische Allianz aufzubauen.

Teilnehmerin 6 gab an, eine sehr gelungene Supervisionsbeziehung mit einem weißen Supervisor gehabt zu haben:

Einer der ersten Menschen, denen ich begegnet bin und der meiner Meinung nach ein ziemlich gutes Verständnis davon hatte, war tatsächlich ein Supervisor, ein älterer weißer Mann. Er war sich dessen sehr bewusst und fühlte sich sehr sicher darin, auszusprechen: Hier gibt es einen Unterschied, über den wir selten sprechen, auf den wir aber achten sollten. Und wir müssen beide erkennen, wie wir im Kontext dieses Unterschieds miteinander arbeiten werden.

Die Teilnehmenden betonten, wie wichtig es ist, in der Supervision Fragen von Race und kultureller Identität besprechen und offen die Komplexität der Arbeit mit diversen Bevölkerungsgruppen als Therapierende of Color reflektieren zu können.

Inklusive Ausbildung integrieren: Empfehlungen

Die Teilnehmenden hoben hervor, wie wenig Aufmerksamkeit diversen Stimmen in ihren Kursen und ihrer Ausbildung geschenkt wurde. So erinnerte sich eine teilnehmende Person, dass beim Thema strukturelle Familientherapie nur über „Kernfamilien“ gesprochen wurde. Diese fehlende Beachtung diverser Familienstrukturen war ihr im Gedächtnis geblieben. Vielen Teilnehmenden war es ein zentrales Anliegen, dass ihre Ausbildung mehr Inhalte bieten müsse, um ihre Arbeit mit diversen Familien und Gemeinschaften zu verbessern.

Teilnehmer 2 berichtete, dass Programme mehr Repräsentation marginalisierter Gemeinschaften brauchen: „Wir müssen mit anderen marginalisierten Epistemologien in Berührung kommen, die in Lateinamerika oder in Asien entstehen.“ Hier richtet Teilnehmer 2 den Blick auf ein internationales und nicht nur US-amerikanisches Verständnis von Kultur. Dies ist entscheidend, um flexible Theorien und Ansätze für die Arbeit mit Bevölkerungsgruppen aus Gemeinschaften außerhalb der USA zu entwickeln.

Teilnehmer 4 sagte: „Bringt ihre Forschung (die von Forschenden of Color) ein. Es gibt eine ganze Fülle von People of Color, die zu diesem Feld beigetragen haben, und zum Feld der Psychologie, der psychischen Gesundheit ganz allgemein, und sie werden nicht anerkannt.“ Auch hier erkennt Teilnehmer 4 an, dass den in Masterprogrammen vermittelten Inhalten diverse Stimmen fehlen, obwohl viele diverse Forschende hochwertige Literatur zur Therapie mit diversen Bevölkerungsgruppen veröffentlicht haben.

Die Teilnehmenden vertraten die Ansicht, dass ein einziger Kurs in multikultureller Beratung nicht ausreicht, auch wenn das derzeit alles ist, was die COMAFTE verlangt (COAMFTE, 2018). Einige merkten an, dass dieser Kurs nur Race behandeln konnte und daher andere soziale Identitäten außer Acht ließ, die wahrscheinlich großen Einfluss auf ihre eigene Identitätsentwicklung und die ihrer Klientel haben. Andere hatten den Eindruck, der Kurs sei nur ein nachträglicher Einfall gewesen. Teilnehmer 2 bezeichnete seine Erfahrung in einem multikulturellen Kurs als „performative kulturelle Demut“.

Teilnehmerin 6 berichtete, sie habe zwei Kurse belegt und sich besser vorbereitet gefühlt als Absolvierende anderer Programme:

Wir hatten einen Kurs über diverse Familien und einen Kurs über Klasse, Geschlecht und Ethnien, die uns beide die Gelegenheit gaben, einige der Herausforderungen hervorzuheben und anzugehen, die andere Programme meiner Meinung nach nicht behandelt haben. Und das sage ich aus der Perspektive, als ich mich und meinen Jahrgang mit anderen Fachkräften verglichen habe, die zur gleichen Zeit ins Berufsleben eingestiegen sind. Ich hatte das Gefühl, dass unsere Vorbereitung besser war. Es gab ein Bewusstsein, das ich bei meinen Kollegen nicht gesehen habe.

Die Teilnehmenden betonten, wie wichtig es ist, in ihren Kursen genügend Zeit für eine Vielzahl von Identitäten zu haben, und dass ein einziger Kurs, der hauptsächlich Race gewidmet war, weder ausreichend noch wirksam war. Die fehlende Beachtung von Intersektionalität und allen Aspekten von Identität war für die Teilnehmenden ebenfalls ein Anlass zur Sorge und eine Herausforderung.

Die Teilnehmenden betonten die Notwendigkeit von mehr Repräsentation im Lehrkörper, verstanden aber auch, dass es Zeit brauchen kann, sie zu erreichen, und entschieden sich daher für kreative Antworten, um Zugang und Repräsentation zu verbessern. Teilnehmerin 1 und Teilnehmerin 6 äußerten sich jeweils wie folgt:

Es sollte Raum dafür geben, dass Fachkräfte of Color mit anderen Fachkräften of Color sprechen können, selbst wenn das bedeutet, auf andere Fachbereiche wie Soziale Arbeit oder sogar auf andere Universitäten zuzugehen.

Ich glaube, man müsste aktiv praktizierende Absolvierende of Color stärker in Gremien wie Beiräte einbinden, damit sie über Empfehlungen sprechen, und einfach, um Rückmeldungen aus der klinischen Praxis zu bekommen.

Die Teilnehmenden haben festgestellt, dass es trotz aller Hindernisse kreative Wege gibt, Studierenden den Zugang zu diversen Stimmen zu sichern. Zwar ist ein diverser Lehrkörper in einem MFT-Programm wichtig, damit sich alle Studierenden willkommen fühlen, doch gibt es auch andere Wege sicherzustellen, dass Studierende of Color sich im Fach repräsentiert sehen.

Limitationen

Eine der größten Herausforderungen phänomenologischer Forschung ist die Subjektivität der Daten (Dahl & Boss, 2005). Liegen Daten in Form von Worten vor, sind sie offen für Interpretationen, und es kann zu Missverständnissen kommen. Eine weitere Herausforderung dieses Designs ist die Voreingenommenheit der forschenden Person (Dahl & Boss, 2005). Wer das Interview führt, kann das Gespräch in eine bestimmte Richtung lenken und die Daten verzerrt interpretieren. In dieser Studie wurden mehrere Schritte unternommen, um diesem Problem entgegenzuwirken. Erstens wurden die Interviewfragen im Voraus vorbereitet und in allen Interviews einheitlich verwendet. Zweitens wurde bei der Datenerhebung und -analyse Bracketing (Einklammerung) praktiziert. Drittens wurden die Themen an die Teilnehmenden zurückgespiegelt, um ihre Richtigkeit sicherzustellen.

Weitere Studien werden angeregt, um die Daten zu replizieren und zu erweitern, da viele ethnische Gruppen und Hintergründe in dieser Studie nicht vertreten waren. Auch Programme im Mittleren Westen oder im pazifischen Nordwesten wurden nicht einbezogen. Diese Studie wurde zwar als Ausgangspunkt hervorgehoben, um zu verstehen, wie MFT-Fachkräfte of Color ihre multikulturellen Beratungskompetenzen entwickeln, doch sollte eine Folgestudie die Lücken in der Diversität der Stichprobe schließen.

Diskussion

Die Ergebnisse dieser Studie unterstreichen, wie wichtig es ist, ein inklusiveres und umfassenderes Ausbildungsumfeld für MFT-Studierende zu schaffen. Institutioneller Rassismus hat erhebliche Auswirkungen auf die Ausbildung, wie sich daran zeigt, dass der Fokus auf der Ausbildung weißer Studierender liegt und Studierende of Color für ihre Race sprechen sollen, um ihre weißen Peers aufzuklären (Erolin & Wieling, 2020). Institutioneller Rassismus trägt auch dazu bei, dass es an Material über diverse Bevölkerungsgruppen fehlt, da es sich vorwiegend auf die traditionelle Kernfamilie konzentriert (Erolin & Wieling, 2020; Pieterse et al., 2016; Pulliam et al., 2019). Die Teilnehmenden sprachen über konkrete Kompetenzen, die sie im Laufe ihrer Praxis entwickelt haben und die ihrer Überzeugung nach erheblichen Einfluss auf ihre Fähigkeit haben, mit diverser Klientel zu arbeiten. Darüber hinaus berichteten die Teilnehmenden, was sie als wesentliche Hindernisse in ihrer Ausbildung empfanden und wie sich Ausbildungspraktiken angesichts dieser Hindernisse verbessern ließen.

Kompetenzen, die zu einem positiven Therapieergebnis führen

Die Teilnehmenden konzentrierten sich auf das Phänomen, dass Kultur in allem steckt, was sie tun. Als klinische Fachkräfte of Color können sie der Kultur nicht entkommen und betrachten die Welt stets durch eine kulturelle Linse. Durch diese Linse beschrieben die Teilnehmenden fünf multikulturelle Beratungskompetenzen, die ihnen helfen, diverser Klientel wirksame therapeutische Leistungen anzubieten. Sie berichteten, diese Kompetenzen weitgehend selbst entwickelt zu haben, was auf ein weiteres Phänomen verweist: MFT-Fachkräfte of Color müssen sich zusätzliche Informationen beschaffen, um ihre Klientel dort abzuholen, wo sie steht, und eine kulturell kompetente Versorgung zu bieten. Dies sind die Kompetenzen, die MFT-Studierende in ihrer Ausbildung entwickeln sollten. Auch wenn diese Liste nicht vollständig sein mag, ist sie ein guter Ausgangspunkt, um die besonderen Kompetenzen zu verstehen, die MFT-Fachkräfte of Color in ihrer täglichen Praxis einsetzen. Diese Kompetenzen wurden in Literatur und Curricula auf unterschiedliche Weise hervorgehoben (Aponte, 2021; D’Aniello et al., 2016; DuPree et al., 2013; Fisher-Borne et al., 2015; Foronda et al., 2016; McGoldrick & Hardy, 2019; Mosher et al., 2017). Es scheint jedoch, dass die Teilnehmenden allem, was sie tun, eine kulturelle Linse überlagern, was unterstreicht, dass sie diese Kompetenzen anders einsetzen als ursprünglich vorgesehen. Zudem behalten die Teilnehmenden stets das Ziel im Blick und nutzen diese Kompetenzen, um ein positives Therapieergebnis zu erreichen.

Diese fünf multikulturellen Beratungskompetenzen weisen alle in eine ähnliche Richtung, wobei sich die Teilnehmenden darauf konzentrieren, wie die therapeutische Allianz das Therapieergebnis beeinflusst. Die Forschung zu gemeinsamen Wirkfaktoren hat gezeigt, dass die therapeutische Beziehung der wichtigste Prädiktor für ein positives Therapieergebnis ist (D’Aniello et al., 2016). Selbst die Art, wie die Teilnehmenden auf Kommentare zu ihrem Aussehen reagieren, behält die therapeutische Beziehung im Blick und stellt sicher, dass die Klientel sich wohl und sicher genug fühlt, um sich im Therapieraum zu äußern. Die Ergebnisse zeigen das Phänomen, dass Kultur sich aus dem therapeutischen Prozess nicht herauslösen lässt und dass MFT-Fachkräfte of Color ebenso wie weiße MFT-Fachkräfte in der Lage sein müssen, bei aller Klientel und in allen Aspekten der Arbeit eine kulturelle Linse einzusetzen.

Institutioneller Rassismus ist das Hindernis

Nach der CRT ist Rassismus alltäglich und darauf angelegt, der dominanten Kultur zu nutzen, also weißen US-Amerikanerinnen und US-Amerikanern der Mittel- bis Oberschicht (Delgado & Stefancic, 2017). Institutioneller Rassismus ist ein Weg, auf dem die dominante Kultur ihre Macht erhalten kann, und akademische Institutionen wie MFT-Ausbildungsprogramme sind von den Auswirkungen systemischen Rassismus nicht ausgenommen (Amiot et al., 2020; Delgado & Stefancic, 2017). Den Teilnehmenden zufolge konzentrieren sich MFT-Ausbildungsprogramme darauf, Studierende in Theorien auszubilden, die historisch für weiße Kernfamilien der Mittelschicht genutzt wurden. MFT-Programme vermitteln zudem Literatur und Forschung, die überwiegend von weißen Verfassenden stammt. In der Praxis führt dieser Ausbildungsansatz zu wenig bis keinem Verständnis dafür, wie Therapierende mit diversen Familien und Kulturen arbeiten können. Die Teilnehmenden berichteten, dass sich viele der in ihrem Masterprogramm erlernten Kompetenzen nicht auf die Arbeit mit nicht-weißen Familien übertragen ließen. Mehr noch: Sie hatten das Gefühl, dass diese Strategien schädlich wären, würden sie bei nicht-weißen Familien angewandt. Dieser Ausbildungsansatz hinterließ bei den Teilnehmenden das Gefühl, dass ihre Bedürfnisse als klinische Fachkräfte of Color von ihren Ausbildungsprogrammen nicht berücksichtigt wurden. Es wurde nicht thematisiert, dass klinische Fachkräfte of Color bestimmte therapeutische Ansätze nicht nutzen können, weil sie von der Klientel und den Familien, mit denen sie arbeiten, beim Einsatz dieser Ansätze anders wahrgenommen würden.

Empfehlungen für die Praxis

Die Empfehlungen der Teilnehmenden waren eine direkte Antwort auf die Herausforderungen, denen sie als Studierende in ihren Programmen begegnet waren, und liefen auf ein Wort hinaus: mehr. Die Teilnehmenden wünschen sich mehr Gespräche über Kultur, mehr Zugang zu diverser Literatur und diversen therapeutischen Ansätzen, mehr Zugang zu diversen Lehrenden, Praktizierenden und Peers sowie mehr Kurse in multikultureller Beratung. Die Programme könnten sich stärker der Intersektionalität und der Komplexität von Identität widmen, statt Identitäten isoliert zu betrachten. Ein weiteres zentrales Konzept aus den Ergebnissen ist das Phänomen, dass Kultur eine Linse sein sollte, durch die alles betrachtet wird. Das MFT-Curriculum könnte dazu übergehen, Familienstrukturen, ethnische Zugehörigkeiten und Hintergründe in allen Kursen zu berücksichtigen, und mehr Zeit für eigene Kurse zur multikulturellen Beratung vorsehen.

Eine gute Möglichkeit, Kultur in alle Aspekte der Ausbildung einzubeziehen, bestünde darin, die von den Teilnehmenden beschriebenen multikulturellen Beratungskompetenzen aufzugreifen. Jede dieser Kompetenzen hat ihre Grundlage in der heutigen MFT-Ausbildung. Die Teilnehmenden haben diese Kompetenzen jedoch auf eine andere Ebene gehoben, die es ihnen ermöglichte, die Klientin oder den Klienten und die Familie ganzheitlich zu sehen. Diese multikulturellen Beratungskompetenzen könnten in alle Kurse integriert werden. So berichteten einige Teilnehmende, wie sie traditionelle Theorien der Familientherapie umgearbeitet hatten, um sie kulturell responsiv zu machen, wie im Lehrbuch von McGoldrick und Hardy (2019), Revisioning Family Therapy. Dieses Lehrbuch neben traditionellen Lehrbüchern zu verwenden, wäre ein interessanter Weg, Kultur im gesamten Curriculum zu verankern.

Supervisionspraktiken waren ein weiterer Bereich, der großen Einfluss auf die Teilnehmenden hatte. Sie berichteten, sich von supervidierenden Personen stärker unterstützt zu fühlen, die bereit waren, sich mit ihnen auf Fragen von Kultur und anderen sozialen Identitäten einzulassen. Dieses Engagement ermöglichte es den Teilnehmenden, sich zu öffnen und ihre Überzeugungen zu Kultur und Werten zu erkunden, wodurch sie ihre therapeutischen Kompetenzen weiterentwickeln konnten. Teilnehmende, die weniger Unterstützung durch ihre Supervision erlebten, stellten eher fest, dass sie Informationen und Fortbildung eigenständig suchen mussten. Auf Grundlage dieser Ergebnisse sollten alle supervidierenden Personen einen multikulturellen Supervisionsansatz verfolgen, wie ihn Tohidian und Mui-Teng Qeck (2017) beschreiben, die betonen, wie wichtig kulturelle Gespräche in der Supervision sind.

Empfehlungen für künftige Forschung

Diese Forschungsarbeit beruhte auf einem phänomenologischen Design, das die gelebten Erfahrungen von MFT-Fachkräften of Color in ihren Ausbildungsprogrammen untersuchte. Daher gibt es mehrere Aspekte der Studie, die genauer betrachtet werden müssen. Weitere Forschung zu den fünf multikulturellen Beratungskompetenzen sollte erwogen werden, um zu untersuchen, ob MFT-Fachkräfte of Color weitere Kompetenzen einsetzen und ob sich die identifizierten Kompetenzen mit anderen Forschungsdesigns replizieren lassen, da dieses Design qualitativ und die Stichprobe klein war. Dies ist besonders wichtig, wenn MFT-Programme diese Kompetenzen in ihr Curriculum aufnehmen wollen.

Ausgehend von den Antworten der Teilnehmenden ist weitere Forschung zu familientherapeutischen Modellen und ihrer Anwendung bei diversen Bevölkerungsgruppen nötig. Da die Teilnehmenden berichteten, dass sie Wege finden mussten, die Therapiemodelle kultursensibler zu gestalten, sollten ihre Methoden untersucht und auf ihre Wirksamkeit hin erforscht werden. Anekdotisch machen sich die meisten Therapierenden Theorien zu eigen und passen sie nach Bedarf an. Die Forschung sollte sich jedoch darauf konzentrieren, diese Lücke mit einigen standardisierten Ansätzen für eine kultursensible Versorgung zu schließen. Schließlich konzentrierte sich diese Studie ausschließlich auf MFT-Fachkräfte of Color und ihre Erfahrungen. Angesichts der Komplexität von Intersektionalität sollte weitere Forschung entweder andere soziale Identitäten untersuchen oder stärker auf eine ganzheitliche Darstellung von Personen und darauf eingehen, wie die MFT-Ausbildung sie prägt.

Fazit

Jeder Mensch hat eine Kultur. Manche ihrer Aspekte teilt man vielleicht mit der größeren Kultur, in anderen unterscheidet man sich von ihr. In der therapeutischen Arbeit müssen Therapierende alle Aspekte der Kultur einer Person erfassen können und wie diese den therapeutischen Prozess prägt, und MFT-Ausbildungsprogramme müssen Studierende im Curriculum und in der Supervision darauf vorbereiten. Die Teilnehmenden dieser Studie haben gezeigt, wie wichtig es ist, sich auf die Kultur der Klientin oder des Klienten einzustimmen, neugierig auf die Person zu sein, eine starke therapeutische Beziehung aufzubauen und geteilte Bedeutung zu entwickeln. Indem sie diese Kompetenzen einsetzten und Wege fanden, mit schwierigen Gesprächen umzugehen, etwa mit Kommentaren zum Aussehen, konnten die Teilnehmenden die bemerkenswerte Arbeit zeigen, die sie mit ihrer Klientel und mit Familien leisten. Leider wurden diese Kompetenzen eigenständig und mit wenig Unterstützung durch die MFT-Programme erworben. Dies verdeutlicht, wie wenig Raum der Behandlung diverser Familien und der Ausbildung diverser Fachkräfte eingeräumt wird. Das MFT-Feld wird immer diverser, und unsere Ausbildungspraktiken müssen diesen Wandel widerspiegeln.

Complexe Systémique: Kernpunkte

Die Studie kehrt eine Frage um, die sich die Ausbildung selten stellt: Sie bringt einer weißen Mehrheit bei, mit „Diversität“ zu arbeiten – doch was erhalten Therapierende of Color, die die Kultur nicht vor der Tür des Therapieraums ablegen können? Die fünf beschriebenen Kompetenzen (Neugier, geteilte Bedeutung, geschärfte kulturelle Linse, eine im Kontext aufgebaute Allianz, der Umgang mit Kommentaren zum Aussehen) werden jede systemische Praxis ansprechen: Sie verlagern den Blick von der Person auf ihre Kontexte und machen die Position der therapeutischen Fachkraft zu einer Gegebenheit der Sitzung statt zu einem Störgeräusch, das es zu neutralisieren gilt. Der stärkste Punkt betrifft die Supervision: Wo Unterschiede benannt werden können, entwickeln sich Kompetenzen; wo sie vermieden werden, findet Lernen im Alleingang statt. Die Grenzen sind die einer kleinen Stichprobe von acht Interviews, einer knapp beschriebenen Analyse und von Themen, die von den Teilnehmenden ohne jede kontroverse Diskussion bestätigt wurden. Für frankophone Ausbildungsprogramme bleibt die Frage offen. Zu lesen zusammen mit dem Interview mit Celia Falicov über gemeinwesenorientierte Interventionen und dem Artikel über eine an Kambodscha angepasste familientherapeutische Ausbildung.

Anmerkungen aus dem Original

Finanzierung. Die Open-Access-Finanzierung wurde von SCELC, Statewide California Electronic Library Consortium, bereitgestellt.

Interessenkonflikt. Die Autorinnen haben keine relevanten finanziellen oder nicht finanziellen Interessen offenzulegen.

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Inoffizielle deutsche Übersetzung von How MFTs of Color Develop Their Multicultural Counseling Competencies von Jessica Holmes und Valerie Glass, Contemporary Family Therapy, Bd. 47, Nr. 3 (2025), doi: 10.1007/s10591-024-09724-w, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzung und Satz: Complexe Systémique, Oktober 2026, mit Unterstützung künstlicher Intelligenz; das Werk wurde im Sinne der Lizenz bearbeitet. Diese Übersetzung stammt weder von den Verfassenden noch vom Verlag, die für ihren Inhalt nicht verantwortlich sind; maßgeblich ist die Originalfassung.

Das Original ist der Artikel „How MFTs of Color Develop Their Multicultural Counseling Competencies“, erschienen in Contemporary Family Therapy (2025) unter der Lizenz CC BY 4.0. Inoffizielle deutsche Übersetzung von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz, wie zu Beginn dieser Seite angegeben; maßgeblich ist die Originalfassung.

Originalartikel lesen

Wie man diesen Artikel zitiert

Holmes, J., und Glass, V. (2025). How MFTs of Color Develop Their Multicultural Counseling Competencies. Complexe Systémique. https://app.complexe-systemique.com/en_GB/articles/how-mfts-of-color-develop-their-multicultural-counseling-competencies (Originalwerk 2024 erschienen in Contemporary Family Therapy, 47(3), 328-338 (2025); 2025 erneut veröffentlicht von Contemporary Family Therapy, https://link.springer.com/article/10.1007/s10591-024-09724-w)

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