Diese Fassung wurde von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz aus dem Englischen übersetzt. Im Zweifelsfall ist die Originalfassung maßgeblich.
The British Journal of Social Work · Kinderschutz
In einer englischen Kommune hat die Verfasserin die Fallakten von 19 Geschwistergruppen ausgewertet, die fremduntergebracht und anschließend getrennt wurden. Die Gründe sind selten an einer Stelle festgehalten: Verhalten, Wünsche und Bedürfnisse der Kinder, aber auch fehlende Plätze und die Grenzen der Pflegeeltern, die oft erst spät sichtbar werden. Ein Plädoyer für eine Dokumentation, die es jungen Menschen ermöglicht, ihre eigene Geschichte zu verstehen.
Inoffizielle deutsche Übersetzung von Reasons for sibling separation in care in England: A case file analysis von Florie J. E. Schmits, erschienen in The British Journal of Social Work (Oxford University Press) (2026), doi: 10.1093/bjsw/bcag157, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique im Oktober 2026 mit Unterstützung künstlicher Intelligenz: Der Originaltext wurde ins Deutsche übersetzt und neu gesetzt, was eine Bearbeitung des Werks im Sinne der Lizenz darstellt. Tabelle 1 wird als Liste wiedergegeben; die Erklärungen am Ende des Artikels (Danksagung, Interessenkonflikte, Förderung) sind in den Anmerkungen zusammengefasst; das ergänzende Online-Material wird nicht wiedergegeben. Diese Übersetzung stammt weder von der Verfasserin noch vom Verlag, die weder für ihren Inhalt noch für etwaige Fehler verantwortlich sind. Maßgeblich ist die Originalfassung.
Wenn die Gründe für eine Trennung schwer zu finden sind, können Kommunen nicht aus der Vergangenheit lernen und nicht die Evidenzbasis schaffen, die nötig ist, um die Zukunft der Geschwister in ihrer Obhut zu verbessern.
Florie J. E. Schmits
Zusammenfassung
In England sollen Geschwister nach dem Children Act 1989 gemeinsam untergebracht werden, es sei denn, dies entspricht nicht dem Wohl des Kindes (bzw. der Kinder) oder ist nicht durchführbar. Neuere Daten zeigen jedoch, dass viele Geschwister weiterhin getrennt werden. Diese Studie analysierte die Fallakten von 19 getrennten Geschwistergruppen in der Fremdunterbringung in England. Sie ergab, dass bei den meisten Trennungsereignissen eine Kombination mehrerer Erwägungen dokumentiert war, darunter Erwägungen zum Wohl der Kinder ebenso wie praktische Erwägungen, etwa die Fähigkeit der Pflegeeltern, mit mehreren Geschwistern zurechtzukommen. Die Ergebnisse zeigten zudem fortlaufende Veränderungen in der Situation, dem Verhalten, den Bedürfnissen und Wünschen der Geschwister sowie in den Ressourcen, die ihnen die Fachkräfte der Sozialen Arbeit bieten konnten. Dies unterstreicht den dynamischen Charakter der Unterbringungsentscheidung für Geschwister und die Notwendigkeit, ihre Unterbringung fortlaufend zu überprüfen. Obwohl die Fallakten wertvolle Einblicke in die Gründe für Geschwistertrennungen boten, macht dieser Beitrag auch deutlich, wie wichtig es ist, Inhalt und Darstellung der Dokumentation zur Geschwistertrennung zu verbessern. Davon würden junge Menschen mit Pflegeerfahrung profitieren, die ihre Fallakten einsehen, um Informationen über ihren Unterbringungsweg mit oder ohne ihre Geschwister zu finden, und es könnte Politik und Praxis dabei unterstützen, wertvolle Evidenz zu gewinnen, um die Zukunft fremduntergebrachter Geschwister zu verbessern.
Im März 2025 lebten in England fast 82.000 Kinder in staatlicher Obhut (Department for Education 2025), und eine aktuelle, landesweit repräsentative Befragung von Kindern in Fremdunterbringung ergab, dass 94% von ihnen mindestens ein Geschwister haben. In schwierigen familiären Verhältnissen können Geschwister die wichtigste Bezugsbeziehung von Kindern sein (Bank and Kahn 1982; Shlonsky et al. 2005; Silverstein and Smith 2009). Wie die Children’s Commissioner kürzlich festhielt: „Sie sind oft die liebevollsten und wichtigsten [Menschen] im Leben von Kindern und [können] eine Quelle von Kraft, Stabilität und Unterstützung sein“ (The Children’s Commissioner 2023, S. 8). Die Trennung von Geschwistern kann lebenslange Folgen haben (The Children’s Commissioner 2023) und zusätzliche Traumatisierung, Identitätsverwirrung und ein Verlustgefühl verursachen (Kosonen 2001; Wojciak 2017; Wojciak et al. 2023). Eine gemeinsame Unterbringung kann dagegen ein Gefühl von Zugehörigkeit und emotionaler Verbundenheit schaffen (Hindle 2000; Leathers 2005; Tarren-Sweeney and Hazell 2005; Hegar and Rosenthal 2011). Die Forschung hat gezeigt, dass eine gemeinsame Unterbringung die Stabilität der Unterbringung und die Wahrscheinlichkeit einer Rückführung in die Familie erhöhen kann (Leathers 2005; Tarren-Sweeney and Hazell 2005; Webster et al. 2005; Albert and King 2008; Waid et al. 2016). In jüngerer Zeit zeigte sich, dass das Zusammenleben mit mindestens einem Geschwister die psychische Gesundheit schützen kann (Wijedasa et al. 2025).
Neuere Arbeiten mit Kindern und Jugendlichen zeigen, dass diese Bezeichnungen wie „Brüder und Schwestern“ oder „Menschen, mit denen ich verwandt bin“ bevorzugen, wenn es um Geschwister in der Fremdunterbringung geht (TACT Fostering & Adoption 2019). In offiziellen Dokumenten wird jedoch häufiger der umfassendere Begriff „sibling“ (Geschwister) verwendet (The Children’s Commissioner 2023), der auch in diesem Beitrag gebraucht wird. Auch der Begriff „placement“ (Unterbringung) wird in Übereinstimmung mit der Sprache der Politik und der Verwaltungsdatensysteme verwendet, wobei anerkannt wird, dass Kinder und Jugendliche Begriffe wie „Zuhause“ oder „wo du wohnst“ bevorzugen mögen (TACT Fostering & Adoption 2019).
Nach dem Children Act (1989) sind die Kommunen in England verpflichtet, Geschwister gemeinsam unterzubringen, wann immer dies vernünftigerweise durchführbar und mit dem Wohl des Kindes vereinbar ist. Zudem müssen sie das Kind schützen, sein allgemeines Wohlergehen fördern und seine Wünsche und Gefühle berücksichtigen. Trotz dieser gesetzlichen Pflicht sind Geschwistertrennungen nach wie vor häufig. Eine aktuelle Studie in England zeigte, dass 37% der Geschwisterkinder bei ihrer ersten Fremdunterbringung von mindestens einem Geschwister getrennt wurden (The Children’s Commissioner 2023), und eine landesweit repräsentative Befragung von Kindern in Fremdunterbringung im Jahr 2025 ergab, dass nur 65% der fremduntergebrachten Kinder mit Geschwistern mit mindestens einem Geschwister zusammenlebten (Wijedasa et al. 2025).
Die Gründe für diese Geschwistertrennungen in England sind noch nicht gut verstanden. Nur eine Handvoll Studien hat die Begründungen für Geschwistertrennungen in England untersucht. Wedge und Mantle (1991), die anhand der Fallakten von 160 Kindern aus 71 Geschwistergruppen die Zuweisung und Unterbringung von Geschwistern untersuchten, fanden als Gründe individuelle Bedürfnisse, Wünsche des Kindes und eine begrenzte Verfügbarkeit von Plätzen. Abbrüche gemeinsamer Unterbringungen wurden auf die Anforderungen an die elterliche Fürsorge, finanzielle Engpässe der Pflegeeltern oder Schwierigkeiten im Verhalten und in den Beziehungen der Geschwister zurückgeführt. Dance und Rushton (1999), die Fachkräfte der Sozialen Arbeit aus dem Kinder- und dem Pflegekinderdienst befragten, identifizierten unterschiedliche Bedürfnisse, Einschränkungen bei den Plätzen und den Zeitpunkt der Aufnahme in die Fremdunterbringung als Faktoren. Die Interviews von Sharpe (2014) mit Fachkräften der Sozialen Arbeit zur Entscheidungsfindung bei der Unterbringung von Geschwistern zeigten vor allem, dass die Entscheidungen von praktischen Zwängen geprägt waren, etwa einem Mangel an gemeinsamen Plätzen und Zeitdruck. Dies wurde durch die Befunde der Verfasserin (Schmits 2026) bestätigt: Entgegen der von den meisten befragten Fachkräften bevorzugten Praxis wurden Geschwister häufig aus praktischen Gründen getrennt. Hollows und Nelson (2006) argumentierten auf der Grundlage von fünf Fallstudien mit großen Geschwistergruppen, dass frühe, pragmatische Entscheidungen bei Unterbringungen zwar manchmal notwendig sind, aber überprüft werden müssen, damit sie nicht zu langfristigen Strategien werden, die die Rechte der Kinder übergehen. In jüngerer Zeit stellte auch die Children’s Commissioner (CC) bei der Auswertung von Fällen ihrer Beratungshotline und von Interviews mit jungen Menschen mit Pflegeerfahrung fest, dass Geschwister häufig wegen eines Mangels an ausreichenden Plätzen oder wegen unterschiedlicher Perspektivplanungen für die Kinder getrennt wurden. Der Bericht argumentierte zudem, dass die Bedürfnisse und Ansichten der Kinder von den Kommunen nicht ausreichend berücksichtigt würden (The Children’s Commissioner 2023).
Insgesamt spielen bei der Unterbringungsentscheidung für Geschwister viele unterschiedliche Erwägungen eine Rolle. Eine aktuelle Arbeit (Schmits 2026, in Begutachtung) hob diese Komplexität hervor und argumentierte, dass dabei Faktoren zusammenwirken, die das Kind und seine Geschwistergruppe betreffen (z. B. Alter, Größe der Gruppe, Bedürfnisse, Wünsche), die Kommune (z. B. Prioritäten, fehlende Ressourcen) sowie externe Faktoren (z. B. gerichtliche Fristen und öffentliche Meinung). Wichtig ist, dass sie auch die zentrale Rolle der zuständigen Fachkraft der Sozialen Arbeit im Entscheidungsprozess herausstellte (siehe auch Sharpe 2014).
Interviewdaten belegen nicht unbedingt die Begründung einer Trennung im Einzelfall. Hier können Fallakten eine nützliche Perspektive bieten, indem sie zeigen, warum es in bestimmten Fällen zu einer Trennung kam (Wedge and Mantle 1991).
In der Kinder- und Jugendhilfe hat jedes Kind eine eigene Akte im Fallmanagementsystem der Kommune, in der die Fachkräfte der Sozialen Arbeit Einschätzungen, Entscheidungen und Pläne zum Hilfeverlauf des Kindes dokumentieren. Gesetzliche Leitlinien verpflichten die Fachkräfte, ihre Maßnahmen, Entscheidungen, Ergebnisse und Empfehlungen zu dokumentieren, um Entscheidungsfindung, Rechenschaftspflicht, Kontinuität und Reflexion zu unterstützen (Department for Education 2018; Ofsted 2019; O’Keefe and Maclean 2023). Wichtig ist, dass die Falldokumentation auch für die Kinder selbst eine zentrale Informationsquelle ist, da sie nach dem Data Protection Act 2018 ein gesetzliches Recht auf Einsicht in ihre Akten haben (Shepherd and Hoyle 2022). Sie hilft jungen Menschen mit Pflegeerfahrung, ihren Weg, ihre Beziehungen und ihre Erfahrungen zu verstehen (Ofsted 2019; Gorin et al. 2024). Abgesehen von den allgemeineren gesetzlichen Leitlinien zur Dokumentation gibt es in der nationalen Gesetzgebung derzeit keine spezifische Pflicht, die die Kommunen verpflichtet, Entscheidungen zur Unterbringung von Geschwistern in den Fallakten der Kinder ausdrücklich zu begründen und festzuhalten. Zudem fordert die Regierung von den Kommunen keinerlei Daten zur Unterbringung von Geschwistern an, und Geschwister- und Familienkennungen fehlen in den nationalen Daten auffällig (Department for Education 2023).
Bislang haben nur wenige Studien Fallakten genutzt, um Geschwistertrennungen in der Fremdunterbringung zu untersuchen, und insgesamt werden Fallakten in der Forschung zur Ermittlung der Trennungsgründe nach wie vor selten genutzt. Staff und Fein (1992) verwendeten in ihrer Studie zur Unterbringung von Geschwistern in den Vereinigten Staaten Fallaktendaten in Kombination mit Interviews mit Mitarbeitenden, unterschieden aber nicht, welche Informationen aus welcher Quelle stammten, sodass sich kaum feststellen lässt, welche Befunde allein auf den Fallakten beruhten. Thorpe und Swart (1992) konzentrierten sich auf Risikofaktoren, die sich aus kanadischen Fallakten entnehmen und mit Geschwistertrennungen korrelieren ließen; sie nutzten die Fallakten also, um Prädiktoren der Trennung zu untersuchen, und nicht, um dokumentierte Trennungsgründe zu identifizieren. Im englischen Kontext untersuchten Wedge und Mantle (1991) vor über 35 Jahren (kurz nach Einführung des Children Act 1989) die Begründungen für Geschwistertrennungen in Zuweisungen von Geschwistergruppen in England. Die Studie ergab, dass bei den Geschwistern, deren Zuweisung eine Trennungsempfehlung enthielt, 87% auch die Begründung enthielten. Obwohl dieser Anteil hoch erscheint, bezieht er sich auf die Begründung der Empfehlung zum Zeitpunkt der Zuweisung und nicht auf die nach der Entscheidung dokumentierten Trennungsgründe.
Eine aktuelle Studie aus den Niederlanden (n = 480) untersuchte die dokumentierten Trennungsgründe anhand von Fallakten direkter. Sie ergab, dass die Trennungsgründe in den Fallakten nicht systematisch dokumentiert waren und fast die Hälfte der Akten überhaupt keine Begründung enthielt (Stolwijk et al. 2021). In den Akten mit Informationen wurden, wenn auch nicht immer ausdrücklich, in 50% der Fälle praktische Erwägungen genannt, während die andere Hälfte Kontraindikationen als Trennungsgrund angab (z. B. Geschwisterkonflikte, Verhaltensprobleme oder Bedarf an spezialisierter Betreuung).
Diese begrenzte Evidenz legt nahe, dass Fallakten zwar eine gewisse Form der Begründung für Geschwistertrennungen enthalten können, eine systematische Dokumentation jedoch kaum stattfindet. Zudem scheint es derzeit keine Forschung dazu zu geben, in welchem Umfang Entscheidungen zur Unterbringung von Geschwistern in den lokalen Fallaktensystemen in England dokumentiert werden.
Durch die Untersuchung von Fallakten einer Kommune in England will diese Studie eine Lücke schließen und folgende Frage beantworten: Wie werden die Gründe für Geschwistertrennungen in den Fallakten der Kinder- und Jugendhilfe dokumentiert, und welche konkreten Gründe werden festgehalten?
Anhand individueller Fallakten der Kinder- und Jugendhilfe werden die dokumentierten Gründe für Geschwistertrennungen untersucht. Die Studie untersucht, wie diese Gründe dokumentiert werden, und betrachtet dabei sowohl den Inhalt als auch das Format der Aufzeichnungen zur Geschwisterunterbringung. Sie erörtert außerdem das Potenzial der Fallaktenanalyse als Methode zur systematischen Gewinnung von Evidenz und zeigt Wege auf, wie die Dokumentation zur Unterstützung von Praxis, Politik und Forschung verbessert werden könnte.
Das Ethikvotum für diese Studie wurde von den Ethikgremien der beteiligten Kommunen und der University of Bristol eingeholt. Die Forschung folgte den Anforderungen der britischen DSGVO (UK GDPR) und des Data Protection Act 2018. Alle Daten wurden pseudonymisiert, und die aus den Fallakten extrahierten Daten wurden in der gesicherten Forschungsdatenspeicherung der University of Bristol aufbewahrt. Auch im Ergebnisteil wurden Pseudonyme verwendet.
Fallakten der Sozialen Arbeit bieten umfassende und wertvolle Daten zur Untersuchung fremduntergebrachter Kinder (Hayes and Devaney 2004), auch wenn kritische Stimmen die Qualität der Fallaktendaten, mögliche Ungenauigkeiten und eine verzerrte Interpretation von Ereignissen in Frage stellen (Teater et al. 2017). Um Validität und Reliabilität zu verbessern, wurde eine Pilotstudie durchgeführt: Die verfügbaren Daten wurden gesichtet, die Datenextraktion aus den Fallakten von 11 Kindern erprobt und erste Ergebnisse mit Fachkräften der Sozialen Arbeit besprochen. Die Pilotstudie zeigte, dass die Gründe für Geschwistertrennungen an verstreuten Stellen in den Akten dokumentiert waren; dies lenkte die Gespräche mit der Bereichsleitung darauf, die Schlüsseldokumente durchzugehen, die die Informationen am ehesten enthielten. Die Pilotstudie machte zudem deutlich, wie viel Zeit es erforderte, die wesentlichen Informationen in den Fallakten zu finden und zu extrahieren, was dazu führte, dass der Umfang der in der Hauptstudie zu analysierenden Fälle angepasst wurde.
Eine Kommune in England gewährte Lesezugriff auf die Fallakten aller Kinder, die zwischen 2015 und 2017 erstmals in dieser Kommune fremduntergebracht wurden, mindestens 30 Tage in Fremdunterbringung waren und mindestens ein Geschwister hatten, das bereits fremduntergebracht war oder gleichzeitig aufgenommen wurde. Daraus ergab sich eine Stichprobe von 89 Kohortenkindern aus 38 Familien. Gespräche mit Fachkräften der Sozialen Arbeit dieser Kommune zeigten, dass sich Informationen über Unterbringungsentscheidungen für Geschwister und deren Begründungen nicht in einem einzigen Abschnitt der Fallakte befanden, sondern über mehrere Abschnitte und Dokumente verteilt waren (siehe ergänzendes Material A). Was die in dieser Studie verwendete Definition von Geschwistern betrifft, wurden die Geschwisterbeziehungen so übernommen, wie sie im Fallmanagementsystem (CMS) erfasst waren. Es wird jedoch anerkannt, dass diese nicht immer der Definition des Kindes selbst entsprechen. In ihrem Beitrag zur Definition von Geschwistern in der Praxis der Sozialen Arbeit stellten Schmits und Dermott (2026) fest, dass Fachkräfte die Vielfalt von Geschwisterdefinitionen jenseits biologischer Bindungen anerkannten. Aufgrund konzeptioneller und logistischer Herausforderungen in der Praxis dienten biologische und rechtliche Definitionen bei Entscheidungen und in der Dokumentation jedoch häufig als Standard.
Die Einwilligung in den Zugang zu den Fallaktendaten erteilte die Leitung der Kinder- und Jugendhilfe (Director of Children’s Services) in ihrer Funktion als institutionell sorgeberechtigte Stelle für die Kinder. Für Kinder, die freiwillig fremduntergebracht waren (Vereinbarung nach Section 20 des Children Act 1989), oder für solche, die die Fremdunterbringung zugunsten einer Adoption verlassen hatten, konnte die Leitung keine Einwilligung erteilen, da die Kommune hier nicht das Sorgerecht innehatte. Diese Kinder sowie Kinder, deren einzige Geschwister adoptiert oder nach Section 20 untergebracht waren, wurden daher aus der Stichprobe ausgeschlossen. Hatte ein Kind mehrere Geschwister, von denen einige freiwillig untergebracht oder adoptiert waren, blieb es in der Stichprobe; diese Geschwister wurden vermerkt, ihre persönlichen Fallakten aber nicht ausgewertet.
Diese Studie nutzte eine fallübergreifende thematische Analyse von Fallakten der Kinder- und Jugendhilfe und verband dabei Elemente der thematischen Analyse (Braun and Clarke 2021) und der fallübergreifenden Synthese (Yin 2017).
Untersucht wurden die Fallakten von 89 Kindern aus 38 Familien. Da das Ziel dieser Studie darin bestand, die Gründe für Trennungen zu untersuchen, wurden nur die Geschwistergruppen in die Analyse einbezogen, die als getrennt erfasst waren. Von den 19 getrennten Geschwistergruppen wurden drei zweimal getrennt (zum Beispiel wurden Kinder zunächst von einigen ihrer Geschwister und später auch von anderen getrennt) und eine Geschwistergruppe dreimal.
Dieser Beitrag betrachtet Geschwister so, wie sie von den Fachkräften der Sozialen Arbeit im Fallmanagementsystem (CMS) definiert werden. Das CMS enthält einen Beziehungsabschnitt, der die engen Beziehungen jedes Kindes zeigt, darunter Geschwister: Schwester, Bruder, Halbschwester, Halbbruder, Stiefschwester, Stiefbruder, Pflegeschwester und Pflegebruder. Zudem wird angenommen, dass die in der Aktendokumentation beschriebenen Geschwister denen entsprechen, die im Beziehungsabschnitt erfasst sind. Dieser Beitrag erkennt an, dass diese CMS-Definitionen die vom Kind ausgehende und beziehungsbasierte Wirklichkeit dessen, wer für fremduntergebrachte Kinder Geschwister sind, nicht vollständig abbilden mögen; für die Zwecke dieser Analyse sind dies jedoch die verfügbaren Definitionen. Ein früherer Beitrag von Schmits und Dermott (2026) bietet eine ausführlichere und kritischere Erörterung der Schwierigkeiten, Geschwisterschaft für fremduntergebrachte Kinder zu definieren.
Zunächst wurde eine auf die Geschwister fokussierte Fallbeschreibung erstellt, die darlegte, warum die Kinder fremduntergebracht wurden, ob ihre erste Unterbringung mit oder ohne Geschwister erfolgte, welche Gründe zur Trennung führten und wie sich dieses Muster gemeinsamer oder getrennter Unterbringung im Lauf ihrer Zeit in Fremdunterbringung veränderte. Sie enthielt Zitate aus relevanten Dokumenten, die im Ergebnisteil verwendet wurden. Dieses Vorgehen ermöglichte eine einheitliche Datenextraktion über die Fälle hinweg, wahrte die Integrität der einzelnen Fälle und unterstützte die fallinterne Analyse (Yin 2017).
Zweitens wurde ein deskriptives Raster entwickelt, um die Daten zu ordnen und Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Themen zwischen den Fällen herauszuarbeiten. Dieses deskriptive Raster, das in der fallübergreifenden Synthese häufig verwendet wird, gab der Analyse Struktur und trug zu ihrer Stringenz bei (Yin 2017). Die Zeilen des Rasters standen für Familien, die Spalten erfassten die Bezeichnungen der einzelnen Gründe für Geschwistertrennungen innerhalb der Familien (siehe Tabelle 1 für einen Auszug aus dem deskriptiven Raster). Wurden mehrere Gründe dokumentiert, sind diese nicht als hierarchisch geordnet zu verstehen.
Tabelle 1 — Auszug aus dem deskriptiven Analyseraster.
a „Trennungsabfolge“ bezeichnet die chronologische Reihenfolge der Geschwistertrennungen innerhalb der Familie. Einige Familien, zum Beispiel Fam3, erlebten mehrere (im Fall von Fam3 drei) aufeinanderfolgende Trennungsereignisse. b „Trennungsgrund/-gründe insgesamt“ ist eine Zusammenfassung dessen, was in der Fallakte dazu festgehalten wurde, warum es zu diesem Trennungsereignis kam. c „Grund a–d“ schlüsselt die einzelnen Erwägungen auf, die Teil des Gesamtgrundes für das jeweilige Trennungsereignis in dieser Zeile waren.
Anschließend wurden diese Bezeichnungen analysiert und induktiv zu übergeordneten Kategorien zusammengefasst (Braun and Clarke 2021), und die Kategorien wurden in die Spalten der deskriptiven Tabelle (Tabelle 1) aufgenommen. Schließlich ging die Analyse über die Kategorisierung hinaus und entwickelte übergreifende Themen. Um einen umfassenden Überblick über die Vielfalt der innerhalb der Fälle und fallübergreifend dokumentierten Gründe zu gewinnen, wurden die Trennungsgründe für jedes einzelne Trennungsereignis erfasst. Insgesamt wurden 24 Trennungsereignisse in das deskriptive Raster aufgenommen, was zeigt, dass einige der 19 Geschwistergruppen mehrere Trennungen erlebten.
Sowohl die Fallbeschreibungen als auch das deskriptive Raster dienten dem fallübergreifenden thematischen Vergleich. Ziel des Beitrags war es zu untersuchen, wie die Trennungsgründe in den Fallakten dokumentiert wurden und welche konkreten Gründe festgehalten waren. Die Analyse konzentrierte sich daher darauf, ausdrücklich genannte oder implizite Trennungsgründe zu identifizieren und zu interpretieren und diese zudem in Kategorien zu ordnen. Elemente und Zitate aus den Fallakten wurden herangezogen, um zu zeigen, wie die dokumentierten Informationen interpretiert wurden, und um die Entwicklung und Validität der Kategorien zu belegen.
Mit Blick auf die Dokumentationspraxis untersucht dieser Abschnitt, wo Informationen über die Gründe für Geschwistertrennungen zu finden waren und wie sie dargestellt wurden. Zunächst und vor allem ist festzuhalten, dass die relevanten Informationen über 13 verschiedene Stellen in der Fallakte verstreut waren. Dies zeigt, dass es keinen einheitlichen, klaren Ort gab, an dem die zugrunde liegenden Gründe für Geschwistertrennungen festgehalten wurden, und verweist auf eine erhebliche Streuung der Informationen, die es schwer macht, ein kohärentes Verständnis des Entscheidungsprozesses zu gewinnen.
Zweitens war die tatsächliche Dokumentation der Trennungsgründe in den Fallakten uneinheitlich. Was die Dokumentationspraxis der Fachkräfte der Sozialen Arbeit bei den 24 Trennungsereignissen betrifft, waren die Gründe für drei Trennungsereignisse überhaupt nicht und für zwei nur unzureichend dokumentiert. In einigen dieser Fälle zeigten die Fallakten, dass die Kinder entweder nicht immer zusammengelebt hatten (einige hatten im Rahmen einer informellen Vereinbarung vorübergehend bei Verwandten gelebt) oder zu unterschiedlichen Zeitpunkten fremduntergebracht worden waren. In diesen Fällen gelang es der Dokumentation nicht, diese Umstände klar wiederzugeben, was die inhärente Komplexität von Geschwisterunterbringungen und die Schwierigkeit, sie zu erfassen und zu dokumentieren, unterstreicht. In zwei der Fälle war nichts dokumentiert: Die Kinder wurden in Notunterbringungen gebracht und dabei getrennt. Auch wenn man annehmen könnte, dass sie getrennt wurden, weil es schwierig war, eine gemeinsame Notunterbringung zu finden, war dies nicht klar festgehalten.
Bei den übrigen 19 Trennungsereignissen wurden die zugrunde liegenden Gründe oft nicht direkt genannt. Die Forscherin musste sie daher aus den in der Fallakte verfügbaren Informationen erschließen, indem sie die festgehaltenen Angaben zur Geschwisterunterbringung, zu den Umständen und zu den in den Akten dokumentierten Trennungen analysierte. Zu den festgehaltenen Angaben gehörten die Sichtweisen von Eltern, Kindern und Fachkräften, auch wenn diese Sichtweisen nicht in allen Fällen systematisch und einheitlich dokumentiert waren.
Darüber hinaus standen Aussagen zu Geschwistern und Geschwistertrennungen oft im breiteren Kontext der Unterbringungsentscheidungen für das einzelne Kind, erschienen aber selten in einem eigenen Abschnitt zur Unterbringungsentscheidung für die Geschwister. Allgemeiner gesagt: Wenn mehrere Gründe dokumentiert waren, ging aus den Fallakten oft nicht hervor, welche Erwägungen die Entscheidung stärker beeinflusst haben könnten und wie der Entscheidungsprozess verlaufen war.
In einigen Fällen lag eine Geschwistereinschätzung vor, die ein umfassendes Verständnis der Beziehungsqualität der Geschwister und der Bedürfnisse der einzelnen Kinder innerhalb der Gruppe vermitteln soll. Eine detaillierte Analyse der Nutzung von Geschwistereinschätzungen geht zwar über den Rahmen dieses Beitrags hinaus, doch fiel auf, dass für fast die Hälfte der Trennungsereignisse (10 von 24) keine Geschwistereinschätzung oder vergleichbare Dokumentation gefunden wurde, die die Trennung begründete. Zudem wurde die Einschätzung in einigen Fällen erst zu einem späteren Zeitpunkt erstellt (nicht früh im Entscheidungsprozess), was die Frage aufwirft, ob sie womöglich dazu diente, eine faktisch bereits getroffene Entscheidung nachträglich zu rechtfertigen.
Auch wenn die Trennungsgründe für die meisten Trennungsereignisse letztlich in den Fallakten ermittelt werden konnten, war dieser Ermittlungs- und Extraktionsprozess schwierig. In vielen Fällen waren mehr als zwei Stunden pro Kind nötig, um alle relevanten Dokumente durchzusehen und die Trennungsgründe zu finden. Dies könnte die Eigenart der Aktenführung und ihren kumulativen Charakter widerspiegeln, ebenso wie den organisatorischen Kontext, in dem die Aufzeichnungen entstehen, einschließlich der Personalfluktuation (Schmits 2026, in Begutachtung).
Wie in den vorangegangenen Abschnitten deutlich wurde, war oft kein einzelner, klarer, vorrangiger Grund und keine entsprechende Begründung für die Trennung dokumentiert. Stattdessen schien die Entscheidung zur Trennung von einem Bündel impliziter oder expliziter Erwägungen bestimmt zu sein. Dies spiegelt die Komplexität von Geschwistertrennungen wider. Über die Fälle hinweg ließen sich mehrere, teils konkurrierende Interessen und Prioritäten erkennen. Es zeichneten sich jedoch zwei Themen ab, die eng mit den Vorgaben des Children Act (1989) zur Unterbringung von Geschwistern übereinstimmen. Das erste Thema, „Nicht im Interesse des Kindes (bzw. der Kinder)“, umfasst Trennungsereignisse, bei denen die Dokumentation zeigte, dass eine gemeinsame Unterbringung der Geschwister als schädlich für das Wohl des Kindes bzw. der Kinder angesehen wurde. Das zweite Thema, „Praktische Erwägungen für eine Trennung“, umfasst Situationen, in denen Geschwister aufgrund praktischer Erwägungen oder Zwänge nicht gemeinsam untergebracht wurden. Diese Themen bieten eine strukturierte Perspektive, unter der dieser Abschnitt die Gründe für Geschwistertrennungen in Fallakten untersucht.
Die Falldokumentation befasste sich mit den Verhaltensschwierigkeiten (einiger) der Kinder und damit, wie sich diese auf andere in der Gruppe auswirken konnten, sowie mit der Beziehung zwischen den Geschwistern. So kamen in der Familie DeLuca drei Jungen am selben Tag wegen Misshandlung und Vernachlässigung in Fremdunterbringung und wurden gemeinsam in einer Pflegestelle untergebracht. Der Jüngste (erst 11 Monate alt) kehrte bereits nach wenigen Wochen zu den Eltern zurück; die Eltern gaben den älteren Jungen (9 und 10 Jahre alt) die Schuld an dem Geschehenen und weigerten sich, weiter für sie zu sorgen. Die älteren Jungen blieben gemeinsam in derselben Pflegestelle. Die Fachkräfte waren jedoch über das Verhalten der Jungen besorgt; die Hilfeplanüberprüfung für das fremduntergebrachte Kind (CLA Review, child looked after), die einige Wochen nach der Unterbringung stattfand, hielt fest:
„V.s Verhalten deutet auf einen kleinen Jungen unter extremem Stress hin; er und sein Bruder R erledigen grundlegende Dinge nur gemeinsam, also zum Beispiel auf die Toilette gehen, zusammen schlafen usw. […] Wir sind besorgt über die Interaktion zwischen den Jungen, die entweder überbehütend oder aggressiv ist. […] Es gibt viel zu verstehen, warum V ein solches Verhalten zeigt, und er wird ein hohes Maß an Unterstützung brauchen, um seine offensichtlichen Ängste und das hohe Maß an Furcht, das er jeden Tag zeigt, zu verringern. Wir glauben, dass ein Großteil dieser Belastung auf die Rückkehr seines jüngeren Bruders nach Hause in den letzten drei Tagen folgt.“
Die CLA-Überprüfung hob die starke Bindung zwischen den beiden Jungen hervor, vermerkte aber auch einen gegensätzlichen Aspekt: das übermäßig beschützende und aggressive Verhalten zwischen ihnen. Dies könnte von den Schwierigkeiten herrühren, die sie erlebt hatten, weil sie nicht immer in derselben Pflegestelle gewesen waren, wie die einen Monat später durchgeführte nächste CLA-Überprüfung nahelegte. Dieses Verhalten soll die endgültige Trennungsentscheidung beeinflusst haben. Supervisionsprotokolle aus der Zeit vor der CLA-Überprüfung zeigten jedoch auch, dass die Kinder die Pflegestelle wechseln mussten, weil die Pflegeeltern „mit ihrem Verhalten nicht zurechtkamen“. Außerdem wurden Bedenken der Pflegeeltern erwähnt, wie sich dieses Verhalten auf das andere Pflegekind in ihrem Haushalt auswirkte. Die Pflegeeltern äußerten sehr deutlich die Ansicht, dass die Jungen in eine andere Pflegestelle wechseln und nicht zusammenleben sollten. Obwohl die Dokumentation aus der Zeit der Entscheidung nahelegte, dass das Verhalten der Jungen der Hauptgrund für die Trennung war, offenbarten andere Quellen, dass die Pflegeeltern mit ihnen nicht zurechtkamen und Bedenken wegen der Auswirkungen auf ihr anderes Pflegekind hatten, was offenbar zur Trennung beigetragen hat.
Andere Fallakten hoben Probleme in der Geschwisterbeziehung hervor. Dazu gehörten Aggression, negativer Einfluss älterer auf jüngere Geschwister, das Risiko von Missbrauch sowie Sündenbockdynamiken. Die Fallakten zeigten auch deutlich, wie sich Geschwisterbeziehungen im Lauf der Zeit verändern. Ein Beispiel ist die Familie Bloom: Vier Geschwister wurden fremduntergebracht, weil eines von ihnen von ihrem älteren Bruder, der nicht fremduntergebracht war, missbraucht worden war. Die vier Geschwister wurden zunächst in zwei getrennten Paaren untergebracht, aber bald wieder zusammengeführt, um gemeinsam bei einer der Pflegefamilien zu leben – eine Entwicklung, die von Fachkräften, Pflegeeltern und den Kindern selbst begrüßt wurde. Frühe Aufzeichnungen erörtern ausdrücklich die Beziehung zwischen den drei Geschwistern (zwei Mädchen und ein Junge im Alter zwischen 6 und 13 Jahren) und ihrer missbrauchten Schwester (C, 15 Jahre alt):
„Auch wenn die drei jüngeren Geschwister traurig darüber sind, dass sie nicht zu Hause leben, ist ihre Beziehung zu C unverändert geblieben. Es gibt keine offene oder erkennbare Feindseligkeit gegenüber C, und sie geben ihr weder die Schuld an ihrer derzeitigen Situation in der Pflegefamilie noch nehmen sie sie ihr übel.“
Einige Monate nach dem Umzug in dieselbe Pflegestelle traten jedoch Spannungen zwischen C und ihren Geschwistern auf. Die drei Geschwister äußerten, dass sie nach Hause wollten, und gaben C die Schuld daran, in einer Pflegefamilie zu sein. Obwohl die zuständige Fachkraft versuchte, die Beziehung zu reparieren, und viele Möglichkeiten zu ihrer Stabilisierung erwog, bat C darum, von ihren Geschwistern wegzuziehen, was dann auch geschah. Aus den Berichten geht nicht hervor, was das Sündenbockverhalten der drei Geschwister auslöste, oder ob sie nicht sogar schon immer so empfunden hatten, ohne dass die Fachkräfte es bemerkten. Jedenfalls zerbrachen eine Geschwisterbeziehung und eine gemeinsame Unterbringung, die zunächst erfolgreich schienen, bereits nach sechs Monaten. Solche Abbrüche beschränkten sich nicht auf Fälle mit Sündenbockdynamik; in anderen Fällen schien laut den Fallakten ein Geschwisterkind abrupt zu entscheiden, nicht mehr mit seinen Geschwistern leben zu wollen. Die Gründe für diesen plötzlichen Wandel gingen aus den Aufzeichnungen nicht immer hervor, doch ein ähnliches Muster wurde in mehreren Fällen beobachtet.
Die Fallakten zeigten nicht nur, wie sich wandelnde Geschwisterbeziehungen im Lauf der Zeit Entscheidungen beeinflussen konnten, sondern allgemeiner, wie sich Situationen, Verhaltensweisen und Wünsche mit der Zeit verändern konnten.
Für die Familie Taylor, eine Geschwistergruppe von vier Kindern, sah der ursprüngliche Plan vor, sie zu zweit unterzubringen: Die Mädchen A und S (10 und 9 Jahre alt) und die Jungen E und L (8 und 6 Jahre alt) sollten jeweils zusammen untergebracht werden. A und S wurden zunächst gemeinsam untergebracht, aber ein halbes Jahr später wegen der Verhaltensprobleme von S getrennt. A und S äußerten zudem, dass sie nicht zusammenleben wollten. Nach dem Abbruch der Unterbringung von A landeten sie jedoch wieder gemeinsam in einer Pflegestelle. Anschließend entschieden die Fachkräfte der Sozialen Arbeit, dass die Mädchen zusammenbleiben sollten (die Geschwistereinschätzung sprach sich für eine gemeinsame Unterbringung aus). Wegen der Verhaltensprobleme von A und des Bedarfs von S an Einzelzuwendung wurden die Mädchen schließlich dauerhaft getrennt. Für E und L war geplant, sie zusammenzuhalten, doch in zwei aufeinanderfolgenden Pflegestellen kamen die Pflegeeltern mit ihrem Verhalten nicht zurecht, was zur dauerhaften Trennung der Jungen führte.
Diese Fallbeschreibung unterstreicht, zusammen mit Befunden aus anderen Fällen, nicht nur die Vielzahl der Trennungsgründe, sondern auch die Veränderungen im Verhalten, in den Wünschen und Bedürfnissen der Kinder und in den verfügbaren Ressourcen im Lauf der Zeit sowie die Schwankungen in diesen Phasen darüber, was die Beteiligten für die beste Entscheidung für das Kind bzw. die Kinder im Hinblick auf die Geschwisterunterbringung hielten. Zudem zeigt sie, dass das Anstreben einer gemeinsamen Unterbringung angesichts der Instabilität, die die Kinder in diesem Fall erlebten, nicht ohne Risiken ist.
In allen Fällen, in denen die Wünsche des Kindes (einer) der Trennungsgründe waren, wollte das Kind von allen Geschwistern getrennt werden, nicht nur von einigen. Die Wünsche und die Stimme der Kinder waren in den Fallakten nicht immer klar formuliert. Wo sie jedoch dokumentiert waren, stimmten die endgültigen Entscheidungen meist mit den geäußerten Wünschen der Kinder überein.
In einigen Fallakten nannten die Fachkräfte der Sozialen Arbeit unterschiedliche Bedürfnisse als Grund für die Trennung von Geschwistern. So legte etwa im Fall einer älteren Jugendlichen (15 Jahre alt), die über lange Zeit eine Fürsorgerolle für ihre Mutter und ihren Bruder (9 Jahre alt) übernommen hatte, der Plan für das Gericht fest: „Wir würden M getrennt von ihren Geschwistern unterbringen. Das würde M die Möglichkeit geben, eine Jugendliche zu sein und sich zu entwickeln und zu wachsen, ohne als junge Pflegende für ihren Bruder zu sorgen.“ Andere, komplexere Bedürfnisse, etwa gesundheitliche Bedürfnisse, Entwicklungsverzögerungen sowie kommunikative, verhaltensbezogene oder soziale Bedürfnisse, wurden oft als zu schwer zu bewältigen beschrieben, vor allem wenn Geschwister innerhalb einer Gruppe unterschiedliche Bedürfnisse hatten, und führten dazu, dass die Fachkraft oder die Pflegeeltern die gemeinsame Unterbringung ablehnten. Dies zeigt erneut, dass es oft nicht nur die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder sind, die die Fachkraft der Sozialen Arbeit zur Trennung der Kinder veranlassen, sondern vielmehr der Umstand, dass diese unterschiedlichen und kombinierten Bedürfnisse für Pflegeeltern schwer zu bewältigen waren. Die Bedürfnisse schienen die Trennung nur dann direkt zu beeinflussen, wenn sie mit den Perspektivplanungen zusammenhingen, etwa wenn für die jüngeren Geschwister eine Adoption und für die älteren eine dauerhafte Unterbringung in einer Pflegefamilie vorgesehen war.
Wie im vorigen Abschnitt deutlich wurde, waren es oft nicht nur Erwägungen zum Wohl der Kinder, sondern auch praktische Zwänge, die zur Trennung der Geschwister führten.
Ein Mangel an Ressourcen wurde in den Fallakten häufig als Grund für die Trennung von Geschwistern genannt: „Die derzeitige Geschwisterunterbringung ist aufgrund hochkomplexer Geschwisterdynamiken gescheitert, und die Kommune konnte keine hinreichend tragfähige Geschwisterunterbringung als Alternative finden.“
Bemerkenswert ist, dass ein Mangel an Plätzen für Geschwistergruppen, wenn er zu den Erwägungen gehörte, die die Unterbringungsentscheidung beeinflussten, oft erst später in der Dokumentation und mit weniger Nachdruck erwähnt wurde. Dies war zum Beispiel in den Fallakten der Kinder der Familie Price der Fall. Von den Geschwistern der Familie Price, zwei Jungen (B und C) und einem Mädchen (A) im Alter zwischen 8 und 11 Jahren, wurde berichtet, dass sie Ansichten zum Zusammenleben geäußert hatten: A wollte mit B untergebracht werden, und C wollte nicht mit A untergebracht werden. Die Entscheidung bewegte sich jedoch schnell in Richtung: „Der Plan ist, sie getrennt unterzubringen.“ Berichten zufolge beruhte dies auf individuellen Bedürfnissen; die Kommune hielt eine gemeinsame Geschwisterunterbringung wegen der komplexen Bedürfnisse und der Geschwisterrivalität nicht für in ihrem Interesse. Ein späterer Bericht beschrieb, wie die beiden Brüder begannen, der missbrauchten Schwester die Schuld an der Fremdunterbringung zu geben. In den Berichten wurde immer wieder die Notwendigkeit einer Geschwistereinschätzung erwähnt. Sie wurde jedoch nie erstellt. Insgesamt wurde die Trennungsentscheidung als Folge ihrer Bedürfnisse und ihrer Beziehung dargestellt; in einer CLA-Überprüfung neun Monate nach der Fremdunterbringung und Trennung der Kinder zeigte sich jedoch plötzlich, dass es auch eine Frage der Ressourcen war: „Nach ersten Einschätzungen der Kinder- und Jugendhilfe (CSC) wurden A und ihre beiden älteren Brüder aus der Familie genommen und in getrennten Pflegestellen untergebracht. Dies geschah, weil die CSC nicht über ausreichende Plätze verfügte, um sie gemeinsam unterzubringen.“ Dies wirft die Frage auf, wie stark diese Erwägungen die Gesamterzählung rund um die Entscheidung zur Trennung der Geschwister beeinflusst haben.
Ressourcenprobleme gingen oft über einen bloßen Mangel an Plätzen für (komplexe) Geschwistergruppen hinaus. Noch wichtiger war, dass sie häufig mit der Eignung, Belastbarkeit und Bereitschaft der Pflegeeltern zusammenhingen sowie mit den diesbezüglichen Annahmen der Fachkräfte der Sozialen Arbeit. Bei einer Geschwistergruppe (von vier Kindern) zeigten die Fallakten, dass – noch bevor überhaupt die Suche nach Pflegeeltern begonnen hatte – bereits entschieden war, dass die gemeinsame Betreuung dieser Geschwister Pflegeeltern überfordern würde; die Annahmen über die Belastbarkeit potenzieller Pflegeeltern beeinflussten die Entscheidung unmittelbar: „Ein Großteil der Diskussion drehte sich um die möglichen Optionen, wie die Kinder am besten aufgeteilt werden könnten. Man war sich einig, dass alle drei oder möglicherweise vier Kinder für ein einzelnes Pflegeelternpaar zu viel wären.“
Mehrere Fälle verwiesen auf die Unerfahrenheit der Pflegeeltern oder darauf, dass sie sich vermeintlich nicht in der Lage sahen, mehrere Geschwister mit unterschiedlichsten Bedürfnissen zu betreuen. In einer Fallnotiz hieß es: „Liegt es eher an der mangelnden Erfahrung der Pflegeeltern als am Verhalten der Kinder? Dies muss weiter geklärt werden.“ In anderen Fällen wurde berichtet, dass scheinbar einzelne Ereignisse dazu geführt hatten, dass die Pflegeeltern nicht mehr bereit waren, eines der Geschwister zu betreuen. In einem Fall ging es um einen Streit nach einem Drogenvorfall in der Schule. Interessanterweise schienen die Fachkräfte der Sozialen Arbeit anzudeuten, dass die Pflegeeltern womöglich zu schnell „aufgegeben“ hatten, da die geschilderten Vorfälle als typischer Teil der Erziehung Jugendlicher gelten konnten. „Es ist enttäuschend, dass es dazu gekommen ist; in letzter Zeit hatte es viele Gespräche über die Unterstützung der Pflegestelle gegeben, und der Pflegekinderdienst unterstützte die Notwendigkeit, dass die Pflegeperson Verantwortung für die Herausforderungen übernimmt.“ Allgemeiner legten die Fallakten nahe, dass Pflegeeltern sich oft in einer Position relativer Macht befanden und diese nutzen konnten, um sicherzustellen, dass Entscheidungen ihren Präferenzen entsprachen. Sie übernahmen in der Regel Fälle, denen sie sich gewachsen fühlten, und beendeten Unterbringungen – vielleicht schneller, als es den Fachkräften der Sozialen Arbeit lieb gewesen wäre –, wenn es für sie nicht funktionierte. Diese Dynamik könnte zu Geschwistertrennungen in Fällen geführt haben, in denen die Geschwister womöglich hätten zusammenbleiben können. Der Fall der Familie DeLuca etwa (siehe vorheriger Abschnitt), in dem die Pflegeeltern unnachgiebig darauf bestanden, die Jungen in neue, getrennte Pflegestellen zu verlegen, zeigte den potenziell starken Einfluss, den Pflegeeltern haben können.
Dieser Beitrag sollte folgende Frage beantworten: Wie werden die Gründe für Geschwistertrennungen in den Fallakten der Kinder- und Jugendhilfe dokumentiert, und welche konkreten Gründe werden festgehalten?
Mithilfe einer fallübergreifenden Synthese von Fallakten der Kinder- und Jugendhilfe zeigte sich, dass Geschwister oft getrennt wurden, weil die Fachkräfte der Sozialen Arbeit ein Zusammenleben nicht für in ihrem Interesse hielten. Konkrete Gründe in den Fallakten waren Verhaltensprobleme, Wünsche oder Bedürfnisse des Kindes bzw. der Kinder. Dabei konnte es sich um rein individuelle Gründe handeln, etwa wenn ein Kind ohne seine Geschwister leben möchte. Die Gründe konnten aber auch mit der Geschwisterbeziehung zusammenhängen, etwa bei einer Sündenbockdynamik gegenüber einem Geschwisterkind. Diese Ergebnisse stimmen mit anderen in England durchgeführten Studien überein, die andere Methoden verwendeten. Sie zeigen, dass das Kindeswohl bei der Abwägung der Unterbringungsoptionen für Geschwister berücksichtigt wird. Standardisierte Einschätzungen der Geschwisterbeziehung und der Bedürfnisse (z. B. eine Geschwistereinschätzung) schienen jedoch für viele Geschwistergruppen zu fehlen. Es liegt außerhalb des Rahmens dieses Beitrags, genauer darauf einzugehen, warum dies der Fall gewesen sein könnte, und allgemeiner auf die Praxis, vor der Entscheidung über die Unterbringung Geschwistereinschätzungen durchzuführen. Für die Praxis ist dies jedoch ein wichtiger Punkt, da solche Einschätzungen die strukturierte und fokussierte Darstellung liefern könnten, die in Fallakten nötig ist, um Unterbringungsentscheidungen für Geschwister zu fundieren und zu begründen (Department for Education 2018; Ofsted 2019; O’Keefe and Maclean 2023; Gorin et al. 2024).
In vielen Fallakten fanden sich jedoch auch Gründe, weshalb Geschwister aufgrund praktischer Zwänge nicht gemeinsam untergebracht werden konnten. So verwiesen Fallakten auf Trennungen wegen fehlender Plätze, vor allem aber auf die Unfähigkeit oder fehlende Bereitschaft von Pflegeeltern, mehrere Geschwister zu betreuen. Ähnlich wie in der anderen Studie der Verfasserin (Schmits 2026) zeigte die Fallaktenanalyse, dass einzelne Trennungsereignisse oft mehr als einen Grund hatten und dass sich darunter, im Einklang mit früherer Forschung, häufig praktische, ressourcenbezogene Gründe befanden (Wedge and Mantle 1991; Dance and Rushton 1999; Hollows and Nelson 2006; The Children’s Commissioner 2023). Diese Befunde haben wichtige Implikationen für Politik und Praxis. Insbesondere legen sie nahe, dass der Grundsatz der Durchführbarkeit im Children Act (1989) bisweilen mit dem Grundsatz des Kindeswohls in Konflikt geraten kann. Die Befunde deuten darauf hin, dass die mehrdeutige Ausrichtung der Grundsätze von Durchführbarkeit und Kindeswohl möglicherweise Raum lässt, Trennungen zu rechtfertigen, die hätten vermieden werden können (Joint Committee on Human Rights 2008).
Die Darstellungen in den Fallakten zeigten Veränderungen in den Umständen, im Verhalten, in den Wünschen, Bedürfnissen und Meinungen der Beteiligten (z. B. Kinder, Pflegeeltern, Fachkräfte der Sozialen Arbeit) in Bezug auf die Geschwisterunterbringung. Dies zeigt, wie wichtig es ist, Unterbringungsentscheidungen für Geschwister als fortlaufenden, dynamischen Prozess zu betrachten und nicht als punktuelle Beurteilung, wobei sich die „richtige“ Entscheidung im Lauf der Zeit mit den sich wandelnden Umständen und Beziehungen weiterentwickelt. Dies steht im Einklang mit der Allgemeinen Bemerkung Nr. 14 (2013) des UN-Ausschusses für die Rechte des Kindes, die betont, dass das Kindeswohl als dynamisches Konzept zu verstehen ist, das eine fortlaufende Prüfung erfordert, während sich Situationen verändern. Der dynamische Charakter der Unterbringungsentscheidungen für Geschwister unterstreicht auch, wie wichtig es ist, die Wohnsituation von Geschwistern regelmäßig zu überprüfen; die Überprüfungen für fremduntergebrachte Kinder bieten dafür eine klare Gelegenheit (UN Committee on the Rights of the Child 2013).
Diese Studie fand in den Fallakten nur sehr wenige ausdrückliche Hinweise auf Faktoren aufseiten der entscheidenden Person, die die Entscheidung zur Trennung von Geschwistern beeinflussen. Auch wenn Fachkräfte der Sozialen Arbeit in der Praxis oft umfangreiche Reflexionsprozesse durchlaufen, reflektierten die von ihnen verfassten Fallakten nicht, inwieweit ihre Interpretationen, Werte und Annahmen ihre Entscheidungsfindung bei Geschwistertrennungen beeinflussen. Dieses Fehlen ausdrücklicher Hinweise in den Fallakten könnte die Rolle der Werte und Urteile der Fachkräfte unterschätzen lassen. Die Forschung zeigt, dass professionelles Urteilen in der Regel nicht wertneutral ist, sondern von normativen Vorstellungen darüber geprägt wird, was als lebenswertes Leben gilt (Evans 2017). Angesichts der Unbestimmtheit des Kindeswohlmaßstabs im Children Act schlägt Thomson (2021) den Capability-Ansatz als Quelle einer klareren „normativen Sprache“ (Deneulin 2006) zur Unterstützung der Entscheidungsfindung vor.
Insgesamt verweist diese Studie auf das Potenzial von Fallakten der Kinder- und Jugendhilfe, Einblicke in die Gründe für die Trennung von Geschwistern in der Fremdunterbringung zu geben. Fallakten können im Vergleich zu Verwaltungsdaten differenziertere und fallspezifischere Einblicke bieten und dennoch die Untersuchung relativ großer Stichproben ermöglichen. Gerade bei der Unterbringung von Geschwistern können sie vertieftes Wissen darüber liefern, warum Geschwister getrennt werden und wie mehrere Gründe im Einzelfall zusammenwirken. Damit haben sie das Potenzial, detaillierte Muster der Trennungsgründe aufzudecken.
Die Studie untersuchte außerdem, wie die Gründe für Geschwistertrennungen in der Fremdunterbringung dokumentiert wurden. Für einige Trennungsereignisse fehlten Angaben zu den Unterbringungsentscheidungen oder waren unklar, doch für die Mehrheit der Trennungsereignisse ließen sich die Erwägungen hinter der Trennungsentscheidung in der Falldokumentation finden. Die fehlende Struktur bei der Dokumentation der Trennung erschwerte es jedoch, diese Gründe zu extrahieren. Die Bandbreite und Vielfalt der Dokumente und Stellen, an denen die Gründe festgehalten waren, erhöhte die Wahrscheinlichkeit, dass relevante Informationen übersehen wurden. Auch der Detaillierungsgrad der dokumentierten Trennungsgründe variierte: Einige Erwägungen waren nur kurz vermerkt und im Text versteckt, während andere klar erläutert und mit Quellen wie Geschwistereinschätzungen verknüpft waren.
Die Befunde dieser Studie zeigen, dass die Zugänglichkeit und systematische Dokumentation von Informationen zur Entscheidungsfindung bei der Geschwisterunterbringung verbessert werden könnten. Die Akten spiegelten oft viele Erwägungen statt weniger ausdrücklicher Gründe wider, und die Forscherin musste die gesamte Akte durchlesen und die Erwägungen erschließen, die zur Entscheidung geführt hatten. Dies hat Folgen für Rechenschaftspflicht, Transparenz und das Recht des Kindes, die Entscheidungsfindung rund um die Trennung nachzuvollziehen. Diese uneinheitliche Dokumentation könnte sowohl die begrenzte Zeit für reflektierte Fallarbeit widerspiegeln als auch eine Hilfeplanungspraxis, die der Bedeutung von Geschwisterbeziehungen und den Dokumentationsrichtlinien nicht voll gerecht wird, sowie Systeme, die nicht ausdrücklich nach Informationen zur Geschwisterunterbringung fragen.
Eine bessere Dokumentation der Entscheidungsfindung bei der Geschwisterunterbringung würde jungen Menschen, die ihre Akten einsehen, helfen herauszufinden, warum sie von ihren Geschwistern getrennt wurden. Festgehalten werden sollte eine längsschnittliche Geschichte, die beschreibt, was im Lauf der Zeit mit ihrer Geschwisterunterbringung geschah und warum sich diese Arrangements veränderten oder nicht. Eine bessere Dokumentation der Geschwisterunterbringung könnte auch der Forschung helfen, Fragen zu Geschwistern in Fremdunterbringung systematischer zu beantworten. Zu wissen, warum Geschwister getrennt werden, könnte mögliche Verbesserungsbereiche aufzeigen und eine angemessene Gewinnung, Schulung und Unterstützung von Pflegeeltern voranbringen. Mit anderen Worten: Wenn die Gründe für eine Trennung schwer zu finden sind, können Kommunen nicht aus der Vergangenheit lernen und nicht die Evidenzbasis schaffen, die nötig ist, um die Zukunft der Geschwister in ihrer Obhut zu verbessern.
Diese Studie hatte Grenzen. Das Ethikvotum für den Zugang zu Fallakten zu erhalten, erwies sich als langwieriger Prozess. Erste Gespräche wurden mit vier Kommunen geführt; zwei gelangten in eine weitere Phase, wobei sich eine davon in letzter Minute wegen unterschiedlicher Auffassungen über die Ethik des Aktenzugangs zurückzog. Für die Forschung zu Geschwistertrennungen in der Fremdunterbringung könnten vergleichbare Studien in mehreren Kommunen etwaige Unterschiede zwischen Kommunen in den Trennungsgründen und deren Dokumentation untersuchen.
Ursprünglich war geplant, eine größere Zahl von Fallakten auszuwerten und die extrahierten Trennungsgründe für eine quantitative Analyse zu nutzen; dies erwies sich jedoch wegen des Zeitaufwands als nicht machbar. Die Trennungsgründe zu finden, war wegen der Streuung der Informationen ein komplexer und zeitraubender Prozess.
Die reichhaltigen Daten der 19 in dieser Studie untersuchten Geschwistergruppen ergaben ein umfassendes Bild der Problematik von Geschwistertrennungen und insbesondere dessen, was sich aus Fallakten darüber lernen lässt. Sie lieferten jedoch keine Erkenntnisse darüber, wie Fachkräfte der Sozialen Arbeit, die in diesem Prozess oft die zentrale Entscheidungsrolle innehaben, Erzählungen über Geschwistertrennungen konstruieren, wie sie Ereignisse interpretieren und welchen Sinn sie ihnen geben. Dies würde unser Verständnis der Rolle der Fachkräfte als Entscheidende bei der Geschwisterunterbringung in der Fremdunterbringung erweitern.
Complexe Systémique: das Wichtigste
Systemisch gelesen zeigt die Studie, dass die Trennung von Geschwistern selten eine einzelne Entscheidung ist: Sie ist ein Prozess, der sich auf das Kind, die Geschwistergruppe, die Pflegeeltern, das Team und die Institution verteilt und in dem jede Seite Gewicht hat, ohne dass die Akte es sagt. Pflegeeltern können aus einer Position relativer Macht heraus eine Unterbringung beenden; das Argument der „Bedürfnisse des Kindes“ verdeckt mitunter einen Platzmangel, der erst neun Monate später zutage tritt. Auch Geschwisterbeziehungen verändern sich: Sündenbockdynamiken, ein Kind, das wegwill, eine parentifizierte Jugendliche, die woanders untergebracht wird, um ihr ihre Jugend zurückzugeben. Für klinisch Tätige und Fachkräfte der Sozialen Arbeit ergeben sich zwei Lehren. Die Entscheidung als revidierbar behandeln und bei jeder Hilfeplanüberprüfung erneut prüfen. Und die Begründung schriftlich festhalten, einschließlich des Gewichts materieller Zwänge, damit junge Menschen eines Tages verstehen können, warum sie getrennt von ihren Brüdern und Schwestern aufgewachsen sind. Grenzen: eine einzige Kommune, 19 Geschwistergruppen, Gründe häufig von der Forscherin erschlossen. Zu lesen zusammen mit der norwegischen Studie zu Entwicklungsverläufen von Geschwisterbeziehungen bei fremduntergebrachten Kindern und der Grounded Theory des restaurativen Rahmens bei Abbrüchen von Pflegeverhältnissen.
Anmerkungen zum Original
Danksagung. Dieser Artikel beruht auf Arbeiten, die im Rahmen der Dissertation der Verfasserin durchgeführt wurden. Die Verfasserin dankt Prof. Esther Dermott und Prof. Dinithi Wijedasa für ihre Begleitung und Unterstützung während der gesamten Promotion. Ebenso möchte sie den Kommunen ihren herzlichen Dank für ihre Zusammenarbeit und Unterstützung aussprechen.
Interessenkonflikte. Keine angegeben.
Förderung. Diese Arbeit entstand im Rahmen der Anforderungen für eine Promotion in Sozialer Arbeit an der University of Bristol und wurde durch ein Promotionsstipendium von UK Research and Innovation (UKRI), Economic and Social Research Council (ESRC) [ES/P000630/1] gefördert.
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Inoffizielle Übersetzung von Reasons for sibling separation in care in England: A case file analysis von Florie J. E. Schmits, The British Journal of Social Work, Online-Vorabveröffentlichung (2026), doi: 10.1093/bjsw/bcag157, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzung und Satz: Complexe Systémique, Oktober 2026, mit Unterstützung künstlicher Intelligenz — das Werk wurde im Sinne der Lizenz bearbeitet (Tabelle als Liste wiedergegeben). Weder die Verfasserin noch der Verlag sind für diese Übersetzung verantwortlich; maßgeblich ist die Originalfassung.
Dies ist eine Übersetzung des Originalartikels „Reasons for sibling separation in care in England: A case file analysis“, erschienen in The British Journal of Social Work (2026) unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz: Der Text der Verfasserin wurde ins Deutsche übersetzt und die Darstellung für das Lesen online angepasst, wie zu Beginn dieser Seite erläutert.
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Schmits, F. J. E. (2026). Reasons for sibling separation in care in England: A case file analysis. Complexe Systémique. https://app.complexe-systemique.com/en_GB/articles/reasons-for-sibling-separation-in-care-in-england-a-case-file-analysis (Originalarbeit 2026 erschienen in The British Journal of Social Work, Online-Vorabveröffentlichung (2026); 2026 erneut veröffentlicht von The British Journal of Social Work, https://academic.oup.com/bjsw/advance-article/doi/10.1093/bjsw/bcag157/8744115)
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