Diese Fassung wurde von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz aus dem Englischen übersetzt. Im Zweifelsfall ist die Originalfassung maßgeblich.
Frontiers in Psychology · Paare
„Weiß Anna, wie sehr Sie verletzt sind?“ Abgeleitet von den zirkulären Fragen der Mailänder Schule und den reflexiven Fragen Karl Tomms, sind Fragen, die eine Person im Paar danach fragen, was die andere denkt, weiß oder fühlt, in der Paartherapie allgegenwärtig. Peter Muntigl und Adam Horvath untersuchen sie mit den Mitteln der Konversationsanalyse, Zug um Zug, in videografierten Sitzungen mit zwei Paaren.
Inoffizielle deutsche Übersetzung von Strategic use of observer-perspective questions in couples therapy von Peter Muntigl und Adam O. Horvath, erschienen in Frontiers in Psychology (Frontiers Media) (2023), doi: 10.3389/fpsyg.2023.1229991, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique im Oktober 2026 mit Unterstützung künstlicher Intelligenz: Der Originaltext wurde ins Deutsche übersetzt und neu gesetzt, was eine Bearbeitung des Werks im Sinne der Lizenz darstellt. Die Tabelle der Transkriptionskonventionen wird als Liste wiedergegeben; die Erklärung zur Datenverfügbarkeit ist nicht abgedruckt. Diese Übersetzung stammt weder von den Verfassenden noch vom Verlag, die weder für ihren Inhalt noch für etwaige Fehler verantwortlich sind. Maßgeblich ist die Originalfassung.
Die OPQ wurden nicht „vorgefertigt“ gestellt, sondern sequenziell, interaktiv und responsiv Zug um Zug aufgebaut, mitunter wiederholt und verstärkt.
Peter Muntigl und Adam O. Horvath
Zusammenfassung
Fragen gehören zu den am häufigsten eingesetzten Strategien in der Therapie. Es gibt eine Reihe theoretischer Arbeiten darüber, welche Arten von Fragen in bestimmten Behandlungsansätzen bevorzugt werden. Forschung zum Einsatz von Fragen im Allgemeinen – wie sie gebildet werden und welche spezifische therapeutische Arbeit sie leisten – ist in der Literatur jedoch vergleichsweise rar. In dieser Studie nutzen wir den konzeptuellen Rahmen und die Methoden der Konversationsanalyse (KA), um zu untersuchen, wie systemische Fragen, die die Perspektive der Klientinnen und Klienten auf die Gedanken und Absichten der jeweils anderen Person im Paar erfragen (Fragen aus der Beobachtungsperspektive, Observer-Perspective Questions; OPQ), in der realen klinischen Praxis interaktiv umgesetzt werden und welche Bandbreite therapeutischer Arbeit sie in der Paartherapie leisten. Wir identifizierten 78 OPQ in Archivdaten videografierter zeitlich begrenzter Paartherapien mit einer klinischen Population, die mit einem professionellen Therapeuten arbeitete. Aus diesem Bestand von 78 OPQ wurden fünf Auszüge ausgewählt, die unterschiedliche Verwendungsweisen von OPQ repräsentieren. Diese Auszüge wurden detailliert transkribiert, wobei nicht nur der Textinhalt, sondern auch die prosodischen, gestischen und nonverbalen Aspekte dieser Episoden erfasst wurden. Mithilfe der KA-Methodik identifizierten wir vier spezifische Arten von Veränderung, die diese Fragen fördern können: Fortschritte hin zu relationalem Optimismus, Unterstützung positiver Aspekte der Paarbeziehung, Förderung der Vorstellung, dass die Erfahrungen und Emotionen des Paares miteinander verknüpft sind, und Einführung neuer, kreativer Beziehungsoptionen. Detaillierte KA-Analysen dieser klinischen Auszüge ermöglichten es uns zu identifizieren, wie die OPQ-Sequenzen aufgebaut wurden, um diese therapeutisch nützlichen Züge zu realisieren, indem verschiedene Gesprächsressourcen schrittweise und interaktiv genutzt wurden. Die Gesprächsanalyse dieser Sequenzen erleichterte die Erkundung der Zusammenhänge zwischen der Art, wie die Fragen formuliert, zeitlich platziert und vorgebracht werden, und den spezifischen Funktionen, die sie erfüllen, um die Therapie voranzubringen. Abschließend vertreten wir die allgemeine These, dass die Untersuchung wichtiger Therapieereignisse aus KA-Perspektive einen bedeutsamen komplementären Zugang zur quantitativen Forschung über den Therapieprozess bietet.
Wörterbuchdefinitionen von „Fragen“ stellen oft Begriffe in den Vordergrund wie „Fragesätze oder -teilsätze … die darauf angelegt sind, Informationen zu erhalten, und durch Syntax oder grammatische Struktur definiert sind“ (z. B. Merriam-Webster, 2019). In der therapeutischen Praxis ist die grammatische Frageform eine der am häufigsten verwendeten (Hill, 2020) und kann darauf angelegt sein, eine große Vielfalt von Funktionen zu erfüllen; das Einholen von Informationen ist jedoch nur eine sehr kleine Teilmenge der möglichen Gestaltungen.
Obwohl Therapierende in der Therapie häufig Fragen stellen, ist die (theoretische und empirische) Literatur zu Fragen relativ dünn (Williams, 2023). In den meisten verfügbaren Veröffentlichungen zur Psychotherapie werden Fragen einfach in zwei Kategorien eingeteilt: „offene Fragen“ – oft in Form von W-Fragewörtern (z. B. was, wer, wann und warum); diese Art von Fragen soll zur Erkundung oder Vertiefung des Themas anregen. Die zweite Kategorie sind „geschlossene Fragen“; sie erfragen relativ knappe konkrete Informationen oder eine Ja/Nein-Antwort. Einige Therapietheorien – z. B. die klientenzentrierte und die humanistischen – vermeiden geschlossene, interrogative Fragen und bevorzugen offene Formulierungen (wenn überhaupt Fragen eingesetzt werden), während andere (z. B. die KVT) dem Einsatz von Fragen offener gegenüberstehen und keinen Typ bevorzugen (Elliott et al., 1987; Hill, 2020). Zudem sind „offen“ und „geschlossen“ sehr grobe Unterscheidungen. Fragen erfüllen in der Psychotherapie eine vielfältige und reiche Palette von Funktionen und sind ein grundlegender Bestandteil psychotherapeutischer Praxis.1 Während Fragen in allen Formen der „Gesprächstherapie“ allgegenwärtig sind, konzentrieren sich manche Behandlungsrichtungen auf bestimmte Fragetypen, um spezifische Ziele zu erreichen, und der Einsatz dieser Fragen ist ein Kernelement der Behandlung. So werden sokratische Fragen in der Rational-Emotiven Therapie (RET) und in manchen Umsetzungen der KVT eingesetzt, um falsche und/oder dysfunktionale Überzeugungen zu klären (Ellis, 2019; Beck, 2021); die lösungsfokussierte Kurzzeittherapie (BSF) nutzt hypothetische (auch „Wunder“-)Fragen, um die Aufmerksamkeit der Klientel auf spezifische, erreichbare, aber bislang vernachlässigte Lösungen zu lenken (de Shazer et al., 2007). Die „Mailänder Schule“ der systemischen Familientherapie (SFT) entwickelte den Begriff der zirkulären Fragen – sie erfragen von allen Beteiligten Informationen darüber, wie ihrer Vorstellung nach andere Mitglieder des Systems bestimmte Beziehungsthemen sehen oder wahrnehmen. Für die Mailänder Variante der SFT wurden diese zirkulären Fragen zu einem Mittel, das Problem der Indexperson als eingebettet in einen dynamischen Familienkontext umzuformulieren, was nach ihrer Auffassung wesentlich ist, um zu einer kooperativen/interaktiven Lösung zu gelangen (Palazzoli Selvini et al., 1986).
Die gründlichste und einflussreichste theoretische Arbeit zum Einsatz von Fragen – mit besonderem Augenmerk auf Familien- und Paartherapie – legte Tomm in einem dreiteiligen Artikel vor (Tomm, 1987a,b, 1988). Tomm untersuchte die formalen Eigenschaften von Fragen im therapeutischen Kontext und konzentrierte sich auf einen besonders hilfreichen Fragetyp: die reflexive(n) Frage(n) (RQ). Er definierte RQ als „Fragen, die in der Absicht gestellt werden, die Selbstheilung eines Individuums oder einer Familie zu fördern, indem die Reflexivität zwischen Bedeutungen innerhalb bestehender Überzeugungssysteme aktiviert wird, die es den Familienmitgliedern ermöglichen, aus eigener Kraft konstruktive Kognitions- und Verhaltensmuster zu entwickeln oder zu verallgemeinern“ (Tomm, 1987b, S. 197). Innerhalb dieser breiten Kategorie reflexiver Fragen führte er acht spezifische Typen auf: zukunftsorientierte Fragen, Fragen aus der Beobachtungsperspektive, Fragen zur [unerwarteten] Kontextveränderung, Fragen mit eingebetteten Vorschlägen, Fragen zum normativen Vergleich, Fragen zur Klärung von Unterscheidungen, Fragen, die Hypothesen einführen, und Fragen zur Prozessunterbrechung. Tomms ursprüngliche Listen von Fragetypen wurden in der Folge kritisiert: Statt unterschiedliche Typen oder Formen von Fragen zu spezifizieren, gebe es oft erhebliche Überschneidungen zwischen den Kategorien, und diese bezeichneten eher die therapeutische Arbeit oder die Ziele, die mit den Fragen erreicht werden sollten. Dennoch bereichern und prägen diese wegweisenden Artikel bis heute unser Verständnis der Bandbreite dessen, was Fragen leisten können – nicht nur in der Familien- und Paartherapie, sondern auch in der Einzelbehandlung (Collins und Tomm, 2009).
Es ist jedoch wichtig festzuhalten, dass nahezu die gesamte aktuelle Forschung zu diesem Thema2 die Typologie und den Einsatz von Fragen in der Therapie aus einer theoretischen und an den Therapierenden orientierten Perspektive betrachtet. Die verfügbare Literatur konzentriert sich auf die Begründung für den Einsatz von Fragen, benennt mehrere zu erreichende Ziele und liefert in vielen Fällen hypothetische Beispiele für den Einsatz von Fragen in der Therapie. Zudem haben sich Untersuchungen tendenziell nicht auf folgende wichtige Fragen konzentriert: Wie werden Fragen in realen klinischen Kontexten gestaltet und umgesetzt? Wie entfalten sie sich sequenziell und interaktiv? Wie leisten Fragen über die Zeit Beziehungsarbeit, wenn sie mit Paaren oder Familien eingesetzt werden? Kurz gesagt: Es fehlt an einer Untersuchung der unmittelbaren und kurzfristigen Auswirkungen dieser Fragen auf den nachfolgenden Diskurs. Es gibt Studien zum interaktionalen Gebrauch von Fragen in Alltagsgesprächen (Stivers, 2010), doch nur sehr wenige befassen sich mit dem Einsatz von Fragen im Kontext der formalen Disziplin der Psychotherapie, und wie oben gesehen bietet der therapeutische Kontext besondere Chancen (und vielleicht Risiken) beim Einsatz von Fragen. Die hier vorgestellte Studie will einen Schritt zur Schließung dieser Lücke leisten.
Die theoretischen und praktischen Grundlagen unserer Studie wurzeln in der Konversationsanalyse (KA) (Heritage, 2005; Sidnell, 2013). Auch wenn uns das oben genannte übergeordnete Ziel leitet, mussten wir realistischerweise die Grenzen unserer Ressourcen berücksichtigen: In der psychotherapeutischen Praxis werden Fragen auf sehr vielfältige Weise eingesetzt. Wir haben daher für diese Studie eine relativ enge (statt repräsentative) Auswahl von Fragen getroffen: Wir konzentrieren uns auf die von Tomm als „Fragen aus der Beobachtungsperspektive“ (OPQ) bezeichnete Kategorie im Kontext einer narrativen Behandlungsmodalität, in der der Einsatz dieser Art von Fragen eng mit Theorie und Methode der Behandlung verknüpft ist (White und Epston, 1990; de Shazer et al., 2007).
Auf einer allgemeineren Ebene ist unsere Forschung im Kontext komplementärer Forschungsansätze angesiedelt, die den Veränderungsprozess in der Psychotherapie besser verstehen wollen. Ein Großteil der Forschung zum psychotherapeutischen Prozess, theoretisch wie empirisch, zielt darauf ab, bestimmte Interventionen und Sequenzen zu identifizieren, die zu einer wirksamen und effizienten Behandlung psychischer Belastungen der Klientel führen. Gemeinsam ist diesen wichtigen Beiträgen der Versuch, die Frage nach dem „Was“ [wirkt] in der Therapie zu beantworten. Der wichtige Aspekt des „Wie“ [es zum Wirken gebracht wird] im Veränderungsprozess bleibt in diesen Designs weitgehend am Rand. KA-basierte Forschung nimmt eine komplementäre Perspektive ein und konzentriert sich darauf, wie sich wichtige Ereignisse der Therapie in der „Gesprächstherapie“ entfalten – wie diese Interventionen umgesetzt und wirksam gemacht werden. Überwiegend standen bei diesen KA-Untersuchungen in der Paar- und Familientherapie die therapeutische Allianz (Muntigl und Horvath, 2016), die Zusammenarbeit zwischen Therapierenden und Klientel (Sutherland und Strong, 2011), Widerstand (Muntigl, 2013), sogenannte „Veränderungsmomente“ (Couture, 2006, 2007), therapeutische Agenden (Gale, 1991), Paarmitglieder, die Unabhängigkeit und Kontrolle beanspruchen (Janusz et al., 2021), Schuldzuschreibungen (Buttny, 1993; Edwards, 1995), Beschwerden der Klientel (O'Reilly, 2005; Peräkylä et al., 2023) und die familiäre moralische Ordnung (Hutchby und O'Reilly, 2010; Wahlström, 2016) im Mittelpunkt. Eine „kritische methodologische Übersicht“, die für die Vorteile der KA bei der Untersuchung von Familientherapie argumentiert, bietet Tseliou (2013). Wir hoffen, dass die hier vorgestellte Forschung nicht nur dazu beiträgt, besser zu verstehen, wie OPQ in der Paartherapie wirken, sondern auch das Argument stärkt, dass KA-Forschung zum psychotherapeutischen Prozess eine wichtige Ergänzung zu den traditionelleren Designs der Prozessforschung bieten kann.
Es ist gezeigt worden, dass Fragen ein primäres Mittel sind, um therapeutische Arbeit zu leisten (Ferrara, 1994; Peräkylä, 1995; Vehviläinen et al., 2008). Fragen werden grammatisch auf verschiedene Weise gestaltet, die meisten erscheinen jedoch als Entscheidungsfragen oder als W-Fragen (Stivers, 2010). Frage-Antwort-Sequenzen leisten nachweislich verschiedene Arten diskursiver Arbeit, und die wichtige Rolle des Fragens im institutionellen Diskurs ist ein aufstrebendes Forschungsfeld (z. B. Freed und Ehrlich, 2010). In ärztlichen Konsultationen etwa setzen Fragen nachweislich die Agenda, enthalten Präsuppositionen, zeigen eine epistemische Position an und machen Antwortpräferenzen sichtbar (Heritage, 2010). Indem sie die Agenda setzen, machen Fragen ein bestimmtes Untersuchungsthema relevant. Fragen lassen sich somit als Thematisierung eines bestimmten Problems, einer Beziehungsfrage, eines vergangenen Ereignisses usw. verstehen; neben der Erfragung neuer Informationen können Fragen auch bestimmte Informationen bzw. bestimmtes Wissen voraussetzen, das eine Antwort implizit bestätigen kann. Weil sie Informationen suchen, können Fragen nahelegen, dass Therapierende weniger wissen oder sich gegenüber dem Paar in einer epistemisch herabgestuften Position befinden. Therapierende können dieses herabgestufte Wissen eigens markieren oder ihren Wissensstatus durch bestimmte Merkmale der Redezuggestaltung sogar heraufstufen; schließlich laden Fragen zu bestimmten Antwortpräferenzen ein (Schegloff, 2007), etwa zur Bestätigung nach einer Ja/Nein-Frage oder zu einer Antwort, die nach einer W-Frage die erfragte Information liefert. Diesen Präferenzen zu entsprechen gilt als affiliativ (Stivers et al., 2011). KA-basierte Studien haben begonnen, einige wichtige Funktionen des Fragens in gesundheitlichen Abklärungen und therapeutischen Interaktionen zu identifizieren, darunter: der Klientel positive Eigenschaften zuschreiben, sogenannte optimistische Fragen (MacMartin, 2008); hypothetische Fragen, um die Ansichten oder die Behandlungsbereitschaft der Behandelten zu prüfen (Speer, 2012); reflexive Fragen, die „das Denken der Klientel hervorlocken, klären und entfalten – ihre Erklärungen der eigenen Erfahrung und ihre Reflexionen darüber“ (Gaete et al., 2018, S. 125), sowie zirkuläres Fragen, um die Perspektive einer Person auf die Überzeugungen oder Gefühle einer anwesenden anderen Person zu erfragen (Peräkylä, 1995; Rossen et al., 2020; Lester et al., 2022).
Unser besonderes Interesse in dieser Studie galt der interaktiven Organisation von OPQ in der Paartherapie. Aus allgemeiner interaktionaler Sicht laden OPQ die Befragten ein, über die Erfahrung (z. B. Perspektive oder Gefühle) einer anderen Person aus ihrem sozialen Netzwerk nachzudenken (z. B. Partnerperson, Freundeskreis, Elternteil). Nach Tomm (1987b, S. 5) sind OPQ „darauf ausgerichtet, die Fähigkeit der Familienmitglieder zu stärken, Verhaltensweisen, Ereignisse oder Muster zu unterscheiden, die sie bisher noch nicht unterschieden haben, oder die Bedeutung bestimmter Verhaltensweisen und Ereignisse zu erkennen, indem sie deren Rolle als Glieder oder Verbindungen in laufenden Interaktionsmustern erkennen“. Und obwohl diesen Fragetypen ein Element des „Gedankenlesens“ anhaftet, ist ihr Fokus interpersonal, und sie können genutzt werden, um auf rekursive Beziehungsmuster aufmerksam zu machen (Tomm, 1987b). Interaktional rufen OPQ nachweislich „beziehungsrelevantes“ Sprechen hervor, lenken die Aufmerksamkeit auf die systemische Natur von Problemen und helfen, Widerstand zu überwinden (Peräkylä, 1995). Obwohl OPQ in der AIDS-Beratung untersucht wurden (z. B. Peräkylä, 1995), ist noch zu erforschen, wie solche Fragen in Paartherapiesitzungen eingesetzt werden, um Verbundenheit zwischen den beiden Personen des Paares zu fördern.
Die in diesem Projekt analysierten Auszüge wurden aus einer früheren Studie ausgewählt, die darauf angelegt war, Veränderungsprozesse zu untersuchen, die verschiedenen Formen der Paartherapie gemeinsam sind (Horvath et al., 2010).3 Den Paaren wurde eine kostenlose, zeitlich begrenzte Behandlung (sechs Sitzungen) durch qualifizierte und erfahrene Fachkräfte der Paartherapie angeboten, die mindestens einen Masterabschluss in einem einschlägigen Fach besaßen. Die Therapierenden behandelten so, wie sie es bei ihrer Privatklientel getan hätten, und wurden für ihre Leistungen bezahlt.
In dieser Studie wollten wir zeigen, wie KA auf klinisch relevante Episoden des Gesprächs in der Paartherapie angewendet werden kann und wie OPQ eine besondere Rolle dabei spielen können, dieses therapeutische Vorhaben in Gang zu bringen. Um KA in der Praxis zu veranschaulichen, stützen wir uns auf transkribierte Auszüge aus Videoaufnahmen von Paaren, die eine Behandlung mit einer Kombination narrativer und lösungsfokussierter Techniken durchlaufen haben (White und Epston, 1990). Die Auszüge zeigen denselben Therapeuten bei der Arbeit mit zwei verschiedenen Paaren: Fall 10 benannte selbst „Kommunikation“ als gemeinsames Anliegen4, und Fall 16 befasste sich mit den Nachwirkungen einer außerehelichen Beziehung; in beiden Fällen lag das aggregierte Ergebnis nach der Behandlung in der Kategorie „verbessert“.
KA ist die zentrale Methode dieser Studie (Heritage, 1984; Sacks, 1995; Schegloff, 2007). In Anlehnung an Sidnell (2013) bestand unser analytisches Vorgehen aus drei Teilen: (1) Beobachtung; (2) Identifizierung und Sammlung eines Korpus; und (3) Beschreibung einer Praxis. Im ersten Schritt beobachteten wir beim Ansehen von Videos, in denen der betreffende narrativ-lösungsfokussierte Therapeut mit Paaren arbeitete, dass er häufig Fragen stellte, die die Perspektive der befragten Person auf das Gegenüber im Paar erfragten – was wir oben als OPQ bezeichnet haben. Daher wollten wir diese Handlung genauer untersuchen. Dies führte uns zum zweiten Schritt, der Identifizierung und Sammlung von Sequenzen mit OPQ aus den Transkripten aller 3 Fälle (18 Sitzungen). Einige Beispiele für diesen Fragetyp waren: „Wie kommt er auf die Idee, dass Sie sich schon entschieden haben?“; „Weiß sie, was in Ihnen vorgeht, wenn das passiert?“; „Ist es für sie ein Problem, dass Sie dorthin gehen?“; „Wie lässt er Sie wissen, dass Ihre Meinung nicht zählt?“ In diesem Schritt wurden alle Sitzungen nach den KA-Transkriptionskonventionen transkribiert (Hepburn und Bolden, 2013). Die in dieser Studie verwendeten Transkriptionskonventionen sind in Tabelle 1 aufgeführt. Für den dritten Schritt stützten wir uns auf Sidnells (2013, S. 83) Unterscheidung zwischen Praktiken des Sprechens und den Handlungen, die sie vollziehen. Obwohl die zentrale Handlung über eine Frage vollzogen wird, die Informationen sucht, beziehen sich die „Praktiken des Sprechens“ auf Merkmale der Redezuggestaltung, die für das Zustandekommen der Handlung des Fragens folgenreich sind. Uns interessierte daher, die verschiedenen Weisen zu identifizieren, in denen OPQ grammatisch und interaktional gestaltet werden, und wie diese Gestaltungsmerkmale beeinflussen können, wie sich die beiden Personen des Paares an der Frage orientieren. Um unsere Analyse der OPQ angemessen zu kontextualisieren, untersuchten wir diese Handlungen daraufhin, wie sie in eine Gesprächssequenz eingebettet waren (Schegloff, 2007). Die minimale Einheit zur Untersuchung dieser Konstruktionen umfasste drei Teile: Frage (Therapeut) – Antwort (befragte Person) – Rückantwort (Therapeut). Antworten innerhalb der Sequenz wurden zudem hinsichtlich zweier unterschiedlicher Konzepte betrachtet: Affiliation, also etwa, ob die Befragten die Frage direkt beantworteten (oder die Antwort durch fremdinitiierte Reparatur hinauszögerten, Schegloff et al., 1977) oder ob der Therapeut die Antwort bestätigte oder nicht – eine ausführliche Diskussion der Affiliation findet sich bei Lindström und Sorjonen (2013); Epistemik, also wie der Therapeut sich als weniger oder „herabgestuft“ wissend darstellte oder wie die Befragten sich als „heraufgestuft“ wissend oder als ohne das nötige Wissen für eine angemessene Antwort darstellten (siehe Heritage, 2012). Weitere relevante Konzepte werden kurz erläutert, wenn sie im Verlauf der Analyse der Auszüge eingeführt werden. Da es uns schließlich auch darum ging, zu explizieren, inwiefern OPQ-Sequenzen als interaktionale Arbeit im Einklang mit systemischen Therapiezielen gesehen werden können, betrachteten wir auch, wie diese Fragesequenzen eine bestimmte Qualität der Verbundenheit zwischen den beiden Personen des Paares herstellten oder, schlichter gesagt, Beziehungsarbeit leisteten.
Tabelle 1 — Transkriptionsnotation
Insgesamt wurden in den Daten 78 Beispiele für OPQ-Sequenzen identifiziert, die auf andere Perspektiven zielten. Aus diesem Korpus identifizierten wir vier unterschiedliche Praktiken, mit denen diese Fragen interpersonale Arbeit leisteten: mögliche optimistische Szenarien erfragen (hypothetische Fragen; n = 9), auf beziehungsförderndes Verhalten des Gegenübers aufmerksam machen (n = 37), das Bewusstsein für das Wissen des Gegenübers fördern (n = 10) und Hindernisse für produktive Formen der Beziehungsgestaltung erkunden (n = 22). Beim ersten Typ, den hypothetischen Fragen, erfragte der Therapeut die Sicht einer Person darauf, wie die Beziehung besser werden könnte, wenn sich ein Aspekt der Erfahrung der anderen Person (d. h. Wissen und Gefühle) änderte. „Wenn …, dann …“ und „Was wäre, wenn …?“ sind gängige sprachliche Praktiken, um diese Handlung in Gang zu setzen. Bei der zweiten Kategorie, auf beziehungsförderndes Verhalten des Gegenübers aufmerksam machen, brachte der Therapeut eine Person dazu, sich auf die positiven Beiträge der anderen zur Unterstützung der Beziehung im Hier und Jetzt zu konzentrieren, statt hypothetisch. Häufig identifizierte Redezuggestaltungen waren „Wie zeigt er/sie Ihnen Y?“ oder „Haben Sie bemerkt, dass er/sie Y tut?“. Die dritte Kategorie, das Bewusstsein für das Wissen des Gegenübers fördern, lenkt die Aufmerksamkeit in besonderer Weise darauf, was der anderen Person möglicherweise nicht bewusst ist (oder sogar auf das fehlende Bewusstsein einer Person dafür, was die andere weiß …), und darüber hinaus darauf, dass es der Beziehung nützen kann, der anderen Person zu diesem Wissen zu verhelfen. Gängige generische Redezuggestaltungen dieser Kategorie waren „Was weiß er/sie / was weiß er/sie nicht?“. Schließlich, Hindernisse für produktive Formen der Beziehungsgestaltung erkunden: Dieser OPQ-Typ bringt eine Person dazu, über die Gründe nachzudenken, aus denen die andere sich in ihrem Verhalten oder ihren Emotionen zurückhalten könnte. Einige gängige Formate für diese Handlung waren „Warum tut er/sie Y / tut Y nicht / hört auf, Y zu tun?“. Kurze Gesprächsauszüge, die jede dieser Handlungen veranschaulichen, werden in den folgenden Unterabschnitten vorgestellt.
Hypothetische Fragen wurden als Fragen beschrieben, die typischerweise ein Handlungsformat „Wenn …, dann …“ oder „Was wäre, wenn …“ aufweisen (Peräkylä, 1995; Speer, 2012). Eine hypothetische Frage zeigt Auszug 1, etwa 15 Minuten nach Beginn der zweiten Sitzung. Vor diesem Auszug hatte das Paar, Melvin und Leyla, über die Bedeutung ihrer eigenen persönlichen Beziehungen zu Familienmitgliedern (d. h. Bruder, Schwester, Elternteil, Cousin) gesprochen. Melvin hatte erwähnt, wie sehr er die Gespräche mit seinem Onkel schätzte, besonders nach dem Tod seines Vaters, und welche Bedeutung er seinen jährlichen Familienreisen (ohne Leyla) beimaß, um mit seinen Angehörigen in Verbindung zu bleiben. Melvin beklagte sich auch über das, was er als mangelnden Respekt bzw. mangelndes Verständnis Leylas für sein Bedürfnis, bei seiner Familie zu sein, wahrnahm.

Zu Beginn von Auszug 1 stellt der Therapeut eine Frage in Form einer Ja/Nein-Frage (Can you…). Die Frage ist zudem aus einer Position heraus gestaltet, die man als „Position des Nichtwissens“ bezeichnen kann (Anderson et al., 1992) und die den Therapeuten klar mit herabgestuftem epistemischem Zugang zu Melvins Perspektive positioniert (Heritage, 2012). Indem der Therapeut Melvin bittet, ihm „zu helfen:: zu verstehen“, sucht er also mehr als ein „Ja“ oder „Nein“, nämlich eine Klärung oder eine ausführlichere Erzählung von Melvin. In den Zeilen 04–09 liefert Melvin daraufhin eine Darstellung, in der er behauptet, Leyla teile nicht dieselben Prioritäten und erkenne vielleicht nicht immer, was für ihn wichtig sein könnte. Wir stellen fest, dass Melvin den Beginn seines Redezugs als Meinung gestaltet (I would say that), was nicht nur anzeigt, dass das, was er gleich sagen wird, kontrovers sein könnte (d. h. Leyla könnte widersprechen oder eine andere Sicht haben), sondern sich auch an Leylas größeren epistemischen Rechten zu orientieren scheint. Schließlich gibt Melvin Auskunft darüber, was Leyla denkt. Daraufhin stellt der Therapeut eine hypothetische Frage, die Melvin dazu bringt, zu überlegen, wie Leyla seine Situation anders sehen könnte, wenn sie verstünde, wie wichtig ihm bestimmte familiäre Angelegenheiten sind. Einerseits schlägt die Frage dem Paar ein alternatives Szenario vor, in dem Leylas Denken stärker mit Melvins übereinstimmt. Andererseits erzeugt die Frage Zustimmung von Melvin zu einem produktiveren und positiveren Beziehungsszenario: Leyla versteht Melvins Bedürfnisse. In Zeile 17 leitet Melvin mit „∧Say that again.∧“ eine fremdinitiierte Reparatursequenz ein (Schegloff et al., 1977), lehnt sich aber zugleich zum Therapeuten vor und zeigt damit eine stärkere körperliche Beteiligung an dem, was vorgeschlagen wird. Nach der Reparatur des Therapeuten produziert Melvin eine schwache Bestätigung (Zeile 21), woraufhin der Therapeut den letzten Teil der hypothetischen Frage neu formuliert. Dies wiederum ruft starke Zustimmung von Melvin hervor. Zusammenfassend scheint die hypothetische Frage, indem sie ein aus Melvins (aber auch aus der Paar-)Perspektive produktiveres Szenario einführte, einen Ausweg aus dem Dilemma aufgezeigt, die Zustimmung des Klienten gesichert und dem Paar eine Möglichkeit eröffnet zu haben, weiterzukommen. Zudem entfaltete sich diese positive Bewegung sequenziell über eine Reihe von Redezügen: Der Therapeut nahm zunächst eine Haltung des „Nichtwissens“ gegenüber Leylas Gründen ein, was zu weiteren Ausführungen Melvins führte. Dies schuf dann einen guten Kontext für eine hypothetische Frage, die auf ein mögliches Szenario zielte, in dem Leyla Melvin gegenüber unterstützender und verständnisvoller wäre.
Manche Fragen, die von einer Person im Paar andere Perspektiven erfragen, sind so gerahmt, dass sie die Aufmerksamkeit darauf lenken, was die andere Person denken, fühlen oder tun mag. Diese Fragen können darauf abzielen, die befragte Person die Handlungen oder Gedanken/Gefühle des Gegenübers erklären oder veranschaulichen zu lassen und zu zeigen, wie diese sich positiv auf die Paarbeziehung auswirken können. Sie können auch vorsichtiger gestaltet sein, als Frage danach, was die Person am Gegenüber bemerkt hat. Ein Beispiel für diesen Fragetyp zeigt Auszug 2, der von einem anderen Paar stammt – Colin und Anna – und etwa 40 Minuten nach Beginn der zweiten Sitzung liegt. Eines der Hauptprobleme dieses Paares war, dass Anna einige Jahre zuvor eine Affäre gehabt hatte, von der Colin erst kürzlich, viele Jahre danach, erfahren hatte. Dieses Ereignis verursachte viel Spannung in der Beziehung; Colin fühlte sich verletzt und war zynisch und brachte diese Gefühle oft zum Ausdruck.

Colin beginnt diesen Auszug, indem er von der Enttäuschung erzählt, die er empfand, als Anna mit einem anderen Mann geschlafen hatte. In Zeile 08 affiliiert T mit Colins Redezug, indem er seine Gefühle der Verletzung formuliert (It hurts.=doesn't it.)5, was sofort bestätigt und anschließend mit leiser Stimme verstärkt bestätigt wird [°(It does/sucks)°]. In Zeile 13 greift der Therapeut Colins aufkeimenden emotionalen Ausdruck auf, indem er fragt, ob er die Verletzung immer noch spürt, und hebt damit Colins Schmerz im gegenwärtigen Moment der Therapie hervor, sodass Anna ihn bezeugen kann. Dann, nach einer minimalen Bestätigung des Klienten, setzt er zu seiner OPQ an (Zeilen 15–18). Die Frage leistet verschiedene Arten interaktionaler Arbeit. Erstens verschiebt sie das Thema von „Anna verletzt Colin“ hin zum emotional unterstützenderen „Wie zeigt Ihnen Anna jetzt, dass Sie ihr wichtig sind / dass sie das Vertrauen wiederherstellen will“; zweitens versucht sie, Colin dazu zu bringen, prosozialere Motive auf Annas Seite in Betracht zu ziehen (d. h., dass sie etwas wiedergutmachen will). Obwohl dieser Zug als Versuch gesehen werden könnte, Colins Aufmerksamkeit auf Annas positive Kraft in der Beziehung zu lenken, statt darauf, wie sie Colin verletzt hat, könnte es sein, dass der Therapeut das Thema zu schnell wechseln wollte. In Zeile 20 entsteht eine Pause von 1 s, und Colin zeigt Schwierigkeiten zu antworten, indem er Nichtwissen beansprucht (°Um:° °°I dunno,°°) und noch leiser spricht. Zudem orientiert sich der Therapeut nicht an Colins gezeigter Emotion, sondern konzentriert sich in den Zeilen 23–28 weiterhin auf Annas mögliche prosoziale Motive (d. h., sie hat zugehört, sie nimmt an der Paartherapie teil, sie will die Beziehung reparieren). Nach einer minimalen Bestätigung durch Colin setzt er eine weitere OPQ ein, damit Colin unabhängig von dem, was der Therapeut bereits vorgeschlagen hatte, weitere prosoziale Motive benennt, die Anna haben könnte. Die Frage spricht zugleich Colins Verletzung an, ohne Anna direkt damit zu konfrontieren, und ermöglicht es Anna, Colins Verletzung zu „sehen“, ohne dass sie aufgefordert wird, Stellung zu beziehen – und womöglich in die Defensive zu gehen.
Die wiederholten Versuche des Therapeuten, Annas positive Absichten zu thematisieren und Colin diese Perspektive erwägen zu lassen, erfolgten jedoch möglicherweise zu schnell und trugen Colins wachsender Belastung, sich dieser schmerzhaften Episode stellen zu müssen, womöglich nicht angemessen Rechnung; das heißt, er war vielleicht noch nicht bereit, Annas Handlungen aus einer alternativen, nicht verletzenden Perspektive zu betrachten. Das zeigt sich an der Pause von 2 s in Zeile 34 und am anschließenden „°Lassen Sie sich Zeit,°“ des Therapeuten. Solche Antworten, bekannt als take-your-times oder TYT, kommen nachweislich auch in anderen institutionellen Settings vor, etwa bei telefonischen Hilfsangeboten und polizeilichen Vernehmungen (Hepburn und Potter, 2007; Antaki et al., 2015). Sie dienen nachweislich eher dazu, Störungen im Gespräch zu bewältigen, als mit „emotionalem Sprechen“ zu affiliieren und mehr davon hervorzurufen; das heißt, TYT behandeln Emotionen tendenziell als potenziell störend für die anstehende Aufgabe, die in unserem Auszug darin bestünde, Colin dazu zu bringen, Annas Perspektive aus einem prosozialen Blickwinkel zu betrachten. Colin zeigt große Schwierigkeiten, sich auf die Aufgabe einzulassen, erkennbar an den zahlreichen langen Pausen und dem unverständlichen Sprechen. Er orientiert sich zugleich an der Erwartung, sich auf das Vorhaben des Therapeuten einzulassen, indem er eine Begründung dafür liefert, dass er nicht antworten kann (Can't think of anything right ↑now.), aber auch, indem er versichert, dass es Wege geben müsse, auf denen sie ihre Zuwendung und ihr Vertrauen zeigt.
Im Verlauf dieses Auszugs zeigte Colin mehrfach wachsende Belastung und war den Tränen nahe. Eine Möglichkeit für den Therapeuten wäre gewesen, mit seiner Belastung zu affiliieren, indem er sie formuliert und/oder in angemessenem Maß darauf eingeht, und Colin einzuladen, seine Verletzung weiter zu erkunden (Muntigl, 2020; Muntigl et al., 2023). Stattdessen richtete der Therapeut seine Interventionen beharrlich (und rasch) darauf aus, Colin Annas Perspektive unter dem Gesichtspunkt des „Beziehungsaufbaus“ betrachten zu lassen. Hätte der Therapeut mehr Affiliation oder Empathie in seine Antwort gelegt, bevor er mit seinem therapeutischen Vorhaben fortfuhr, Colin Annas prosoziale Motive erkennen zu lassen6, hätte dies Colin vielleicht ermöglicht, sich im Moment mit seiner Verletzung auseinanderzusetzen, und ihm die Unterstützung und den Raum gegeben, mit dem Therapeuten zusammenzuarbeiten. Dann allerdings hätte sich das Gespräch vor allem auf Colins Emotionen und Bedürfnisse konzentriert statt auf die Beziehung und die systemischen Implikationen seiner Verletzung und, vor allem, darauf, wie Anna (statt des Therapeuten) ihm bei seiner Verletzung helfen könnte. In Zeile 43 verzichtet der Therapeut erneut darauf, auf die Verletzung einzugehen, und deutet stattdessen an, dass Colin dem Thema ausweicht (Are are you saying that because (.) Anna's here?). Das bringt Colin dazu, in die Defensive zu gehen, das Ausweichen zu bestreiten und stattdessen zu beanspruchen, Annas Absichten zu kennen, ohne sie jedoch benennen zu können.
Zusammenfassend unterstützt der Therapeut, indem er sich entscheidet, beim optimistischen/positiven Faden zu bleiben, konsequent die Vorwärtsbewegung der Erzählung: vom Mitfühlen mit und Validieren der „Verletzung“ hin zum Hinweis auf die Möglichkeit, dass Anna an der emotionalen Dynamik beteiligt sein könnte, indem sie versucht, zur Reparatur der Beziehung beizutragen. So wird Colins Schmerz nicht nur als „Privatangelegenheit“ umgedeutet, die er allein zu lösen hat, sondern als interpersonale Angelegenheit, an der Anna wesentlich beteiligt ist. Zugleich entsteht eine Verschiebung von der Vergangenheit in die Gegenwart, die es Anna ermöglicht, Colins Auseinandersetzung mit seinem Schmerz zu bezeugen.
OPQ können auch das Wissen einer Person über das Wissen des Gegenübers erfragen, und diese Fragen erscheinen oft in folgenden Redezugformaten: „Was weiß er/sie (nicht) über X?“ und „Weiß er/sie von X?“, wobei X in der Regel auf die Gefühle des Gegenübers oder auf wichtige Beziehungsangelegenheiten verweist.7 Impliziert ist dabei, dass das Gegenüber die Bedürfnisse der befragten Person möglicherweise nicht kennt und es daher wichtig sein könnte, sie ihm mitzuteilen. Epistemisch implizieren diese Fragen, dass die befragte Person bestimmte epistemische Berechtigungen übernehmen kann, indem sie erschließt, wie weit das Wissen der anderen Person über bestimmte Beziehungsereignisse reicht. Ein Beispiel für eine OPQ, die auf das Wissen des Gegenübers zielt, zeigt Auszug 3, die Fortsetzung von Auszug 1 mit Melvin und Leyla. Zur Erinnerung: Das Gespräch drehte sich um Melvins Klage, dass Leyla sein Bedürfnis, bei seiner Familie zu sein, nicht respektiere.

Der Therapeut setzt das vorherige Gespräch (aus Auszug 1) fort, indem er eine OPQ produziert (Zeilen 1–3). Epistemisch versetzt der erste Teil der Frage Melvin in eine heraufgestufte Wissensrolle ([K+]; Heritage, 2012), in der er erschließen oder in Erfahrung bringen kann, was Leyla nicht weiß. Der zweite Teil der Frage erfragt dann, was Melvin denkt, dass „sie vielleicht wissen müsste“. Melvins Antwort ab Zeile 05 orientiert sich an beiden Teilen der Frage. Melvin reflektiert zunächst in herabgestufter Weise über Leylas Wissen (I think she thinks that uh::) und schlägt dann vor, was Leyla nicht bewusst ist (>she doesn't<s::ee the visible importance of uh (.) the interaction,). Ab Zeile 16 erklärt Melvin sehr ausführlich, warum es wichtig ist, dass Leyla die Interaktion zwischen ihm und seinen Familienmitgliedern versteht. Er erwähnt zunächst seinen Cousin und erzählt, dass, wenn er den Raum betritt, beziehungsmäßig „vie::l mehr los ist“, als für andere vielleicht wahrnehmbar ist. Ein weiteres Beispiel gibt er mit seiner Cousine Sarah (Zeile 24). Er sagt, sie hätten „eine Menge Geschichte“, und auch wenn sie sich vielleicht nicht oft oder nicht lange sehen, „da ist Intensität, da sind Gefühle,“. Zusammengefasst brachte die OPQ des Therapeuten Melvin nicht nur dazu, seine Sicht auf Leylas Perspektive hinsichtlich ihres fehlenden Wissens über Melvins Beziehung zu seiner Familie auszuführen, sondern veranlasste auch eine detaillierte Darstellung, wie wichtig ihm die Beziehungen zu seinen Cousins und Cousinen sind. Indem sie auf Leylas Wissen zielte, ermöglichte die OPQ Leyla somit, Marvins Überzeugungen darüber zu bezeugen, was ihr nicht bewusst ist, aber auch, was ihm wichtig ist und wie tief bedeutsam seine familiären Beziehungen sind.
OPQ, die auf das Wissen des Gegenübers zielen, können auch dazu dienen, eine Person darüber nachdenken zu lassen, was sie über das Wissen des Gegenübers zu wissen glaubt. Diese Fragen werden tendenziell in einem Kontext eingesetzt, in dem der Person noch nicht klar ist, dass das Gegenüber bereits über das nötige Wissen verfügt. Ein Beispiel zeigt Auszug 4, die Fortsetzung von Auszug 3, mit Colin und Anna.

Wie aus Auszug 2 erinnerlich, drehte sich das Gespräch um Colins Gefühle der Verletzung und um die gegenläufige therapeutische Agenda, ihn Annas prosoziale Motive – Vertrauen aufzubauen und sich um seine Verletzung zu kümmern – in Betracht ziehen zu lassen. Der Therapeut verfolgt seine Agenda weiter, indem er Colin bittet, die positiven, fürsorglichen Weisen zu bedenken, in denen Anna sich nach der Affäre verhalten hat (Zeilen 01–06). Die Frage enthält die Prämisse, dass Anna sich verändert hat, führt dann in herabgestufter Weise die Möglichkeit ein, dass sie „versucht, über die Affäre hinwegzukommen“, und bietet die optimistische Einschätzung an, dass sie bleiben will. In Zeile 06 scheint die Verwendung von „me“ Colin eine Option „in der ersten Person“ anzubieten. Colin ist jedoch weiterhin hörbar aufgewühlt, wie sein schnaubendes Schniefen in Zeile 03 belegt (Hepburn und Potter, 2007). Colins Antwort spricht zwar verschiedene positive Veränderungen Annas an, wirkt aber eher disaffiliativ als affiliativ. So räumt er zwar ein, dass Anna viel weniger Wut hat, leitet diese Aussage aber mit „↑obviously“ ein, was zwei Implikationen haben kann. Zum einen, dass das, was er gleich sagen wird, nicht besonders neu ist, zum anderen, dass er die Relevanz der Frage oder sogar die Präsupposition ihrer Stellbarkeit infrage stellt (Stivers, 2011).8 Colin stellt Annas verändertes, positives Verhalten dann weiter infrage, indem er anmerkt, „sie redet über meine Wut“, was impliziert, dass Anna womöglich selbst noch Probleme mit Wut hat, was er anschließend explizit sagt (an:' Ann had a lot of anger t↑oo.). Er räumt jedoch ein, dass ihre Wut nachgelassen hat.
Auf Colins Antwort folgt eine Sequenz des Widerspruchs. In Zeile 13 bestreitet Anna die vorherige Behauptung, sie sei oft wütend gewesen. Colin antwortet seinerseits mit einem Widerspruch, der einerseits behauptet, dass sie sehr wohl Wut zeigte, und andererseits, dass sie ihre Wut für sich behielt, weil sie nicht wollte, dass Colin sie mitbekam. Colins Position wird in Zeile 22 knapper formuliert (There was anger th↓ere, and there's a lot less of that. so). Colin zeigt während seines Redezugs zudem eine Aufgewühltheit geringer Intensität (Muntigl et al., 2023), erkennbar an seiner leisen Stimme und den häufigen Pausen, und diese Äußerung könnte den nächsten Zug des Therapeuten in Zeile 24 veranlassen, der Colins Verletzung in OPQ-Form anspricht: does Anna kn:ow how hurt you are?'. So wird das Thema von einem Widerspruch weg zu Colins Gefühlen im gegenwärtigen Moment verlagert – man beachte, dass der Therapeut das Präsens „are“ statt des Präteritums „were“ verwendet. Die Frage positioniert Anna zudem als jemanden, der Zugang zu Colins Gefühlszustand hat.
Colin wirkt jedoch wie mit zugeschnürter Kehle und hat Mühe zu antworten (Zeilen 25–27), was den Therapeuten veranlasst, Annas Wissen um seine Wut und Traurigkeit zu behaupten. In den Zeilen 30–31 hält Colin der Behauptung des Therapeuten jedoch entgegen, dass sie sich seiner Wut nicht bewusst sei, und begründet dies mit „I- I (.) keep it to myself“. Anna kann also keinen Zugang zu Colins Gefühlen haben, weil er sie ihr nicht offenbart. Danach produziert der Therapeut in den Zeilen 34–37 eine weitere OPQ, die erneut darauf zielt, was Colin denkt, dass Leyla weiß: >Does she see the hurt, <. Damit verschiebt der Therapeut das Thema erneut, diesmal von Colins „Wut“ zu seiner „Verletzung“. Nachdem er von Leyla die visuelle Bestätigung erhalten hat, dass sie sie sieht (you do ↓eh, (.)), nimmt er dies als „grünes Licht“, sich auf Colins verletzte Gefühle im Hier und Jetzt zu konzentrieren, was impliziert, dass Colins Verletzung keine „Privatangelegenheit“ ist, sondern etwas, das im gegenwärtigen Gesprächsmoment einen legitimen Platz hat. Dieser Fokus auf den gegenwärtigen Moment wird im weiteren Verlauf des Redezugs des Therapeuten sprachlich durch folgende Ausdrücke hergestellt: „now“, „you started to experience“ und „just a few minutes ago“. Colin bestätigt die Frage des Therapeuten, worauf die Rückbestätigung des Therapeuten folgt, sodass ein empathischer Moment entsteht (Heritage, 2011; Muntigl, 2020), in dem ein wechselseitiges Verständnis darüber erreicht wird, dass Leyla um Colins Verletzung weiß.
Zusammenfassend vertreten wir die Auffassung, dass die OPQ dazu dienen, ein Beziehungsmuster zu durchbrechen, in dem Colin im Stillen leidet“ und Anna sich wegen Colins Schuld schuldig fühlt, aber ebenfalls im Stillen.9 Die OPQ des Therapeuten führten Colin dazu, sich damit auseinandersetzen zu müssen, dass Anna um sein Leiden weiß, und zwangen ihn, dies anzuerkennen, mit dem Ziel, es zu einem späteren Zeitpunkt hinter sich lassen zu können. Mit diesen Fragen versucht der Therapeut, eine neue Art der Beziehung zueinander zu erzeugen, indem er Colins Verletzung im gegenwärtigen Moment thematisiert und sie offenlegt, damit beide im Paar sie wahrnehmen, anerkennen und erkunden können.
OPQ können auch eingesetzt werden, um die Gründe und Motive für das Verhalten des Gegenübers zu erkunden. Fragen wie „Warum, glauben Sie, tut er das?“ oder „Warum hört er damit auf?“ sind typische Beispiele für solche Fragen. Auszug 5 bietet ein Beispiel für eine OPQ, die auf die Motive des Gegenübers zielt. Dieser Auszug aus der zweiten Sitzung betrifft Melvin und Leyla und liegt nur wenige Minuten nach Auszug 3. Zur Erinnerung: Sowohl Melvin als auch Leyla halten Familie für äußerst wichtig, und Melvin hat sich beklagt, dass Leyla sein Bedürfnis, bei seiner Familie zu sein, mit Verachtung behandle. Der Therapeut stellt eine Frage, um Leylas Gründe für ihre Verachtung zu erklären und diesen Widerspruch aufzuklären, woraufhin Melvin eine Geschichte darüber erzählt, wie Leyla sein Bedürfnis, bei seiner Familie zu sein, nicht respektiert.

Zu Beginn des Auszugs richtet der Therapeut eine Frage an Melvin und bittet ihn zu erklären, inwiefern Leyla seine Bedürfnisse nicht respektiert (she treats with contempt (0.2) you:r need,). Der Therapeut wählt einen epistemischen Rahmen (what I don't understand), der nicht nur sein herabgestuftes Wissen zu diesem Thema explizit macht, sondern auch Melvins größeres Wissen und seine Berechtigung signalisiert, über Leylas mögliche Gründe für die Missachtung seiner Bedürfnisse zu sprechen, und dass sein Wissen über ihre Motive hier relevant ist. Melvin ergreift diese Gelegenheit in Zeile 13, indem er mit einem Erzählvorlauf beginnt (Sacks, 1995), der eine Geschichte ankündigt, die die Frage von T beantworten wird (I'll g-give yuh an idea.), und dann in eine Erzählepisode über seinen Angelausflug einsteigt. Während Melvins Geschichte übernimmt T in Zeile 16 einen Redezug, der wichtige diskursive Arbeit leistet. Er unterstreicht, dass dies nicht das erste Mal ist, dass die Geschichte erzählt wird (d. h., Melvin hatte in der vorigen Therapiesitzung erwähnt, dass er seine Verwandten häufig zu einem Angelausflug besucht), und hebt die affektive Natur dieses Themas hervor (d. h. seinen strittigen Charakter).
Ab Zeile 35 beginnt Melvin, die Haupterzählung zu erzählen. Nachdem er erwähnt hat, dass seine Beziehung zu Leyla nicht gut lief, zählt er die verschiedenen moralischen Verfehlungen Leylas auf, die sich alle um Leylas Anruf bei Melvins Cousine Sarah drehten. So verwendet Melvin viele negative Ausdrücke, die verschiedene Formen von Fehlverhalten anzeigen, etwa „behind my ba:ck.“, „laying on to her pretty heavy“ und „broker the idea“. Nach einem Fortsetzungssignal von T in Zeile 46, das Melvin ermutigt, mit seiner Geschichte fortzufahren (Muntigl und Zabala, 2008), deutet er zunächst an, dass ihr Fehlverhalten absichtlich gewesen sein könnte („try'en humiliate me, (0.9) try'en hurt.“), und sagt dann, wie sehr Leylas Handlungen ihn emotional getroffen hätten (°it really pissed me off.°; it really (2.2) really bothered me). Es ist auch festzuhalten, dass sich in den Zeilen 48–51 Melvins Sprechweise hinsichtlich Länge und Häufigkeit seiner Pausen verändert, vor allem aber durch seine weichere und leisere Stimme. In Zeile 52 scheint der Therapeut diese Veränderung aufzugreifen, indem er eine Feststellung produziert, die auf Melvins gezeigte Emotion im Hier und Jetzt aufmerksam macht (its choking you up °right now eh?°), und verlagert so den Fokus darauf, wie dieses vergangene Ereignis ihn im gegenwärtigen Moment der Therapie erheblich beeinflusst. Mit diesem Zug kann der Therapeut Melvins Gefühle der Belastung bestätigen und ihm Empathie vermitteln (Muntigl et al., 2014; Ford und Hepburn, 2021).
Die Forschung hat gezeigt, dass solche Feststellungen tendenziell eine nachfolgende affiliative Antwort der befragten Person nach sich ziehen, etwa eine Bestätigung oder sogar ausführlicheres „Sprechen über Gefühle“ (Muntigl und Horvath, 2014). In Zeile 54 sehen wir, dass Melvin die Feststellung nachdrücklich bestätigt (Oh=it bothers me), dann aber darauf eingeht, wie Leylas Anruf einen Bruch in der Beziehung zwischen ihm und seiner Cousine Sarah hätte verursachen können (my relationship with my cousin I don't wanna change it.). Das liegt daran, dass seine Cousine vorhatte, Melvin zu besuchen und ihn für sein Verhalten zurechtzuweisen (d. h. chew all over him). So wird Leylas Anruf als etwas dargestellt, das potenziell mehrere Linien der Disaffiliation schafft, nicht nur zwischen ihm und seiner Frau, sondern auch zwischen ihm und seiner Cousine. Das könnte Leylas Antwort in Zeile 61 erklären, in der sie Überraschung über Sarahs Vorgehen äußert (↑Sarah told you this?) und damit, dass sie von Sarahs Plänen nichts wusste. Indem sie andeutet, dass es nicht ihre Absicht war, Sarah dazu zu bringen, Melvin zurechtzuweisen, zeigt Leyla einen Versuch, die wachsende Disaffiliation zwischen ihr und Melvin (zumindest teilweise) zu reparieren. Als Antwort darauf kritisiert Melvin Leylas Handlungen jedoch weiterhin als „mies“ und beteuert seine eigene Unschuld in der Sache („alls I wanted to do was go out, (0.8) an on my annual fishing trip. …“).
Angesichts dieser Beschwerdegeschichte, in der Melvin Leylas Fehlverhalten und seine eigene Unschuld ausführlich darlegt, könnte der Therapeut mit einem affiliativen und empathischen Zug antworten – etwa einer Formulierung –, der Melvins emotionale Erfahrung validiert. Das Risiko dabei wäre jedoch, Melvins Darstellung von Leyla als Schuldiger und von sich selbst als Opfer zu vertiefen und zu stützen. Stattdessen stellt der Therapeut Melvin eine Frage, die nicht mit Melvins Beschwerde affiliiert, sondern eine alternative Perspektive und Erklärung der Ereignisse der Geschichte bietet. Die Frage von T – „°was, glauben Sie, hat Leyla davon abgehalten, zu Ihnen zu kommen und direkt mit Ihnen zu sprechen°.“ – leistet eine breite Palette wichtiger therapeutischer Arbeit: Sie präsupponiert, dass Leyla versucht oder gewollt haben könnte, direkt mit Melvin über den Ausflug (und darüber, was sie stört) zu sprechen, sie präsupponiert, dass etwas sie davon „abgehalten“ hat, und schließlich rahmt sie diese Präsuppositionen als Frage, die Melvin selbst beantworten kann. Die OPQ markiert damit eine abrupte Verschiebung in der Art, wie die von Melvin erzählten Ereignisse bis dahin konstruiert und konzeptualisiert worden waren. In Zeile 78 scheint sich Melvin an dieser „radikalen Verschiebung“ zu orientieren, indem er Unverständnis oder Ungläubigkeit ausdrückt, und zwar durch das, was im KA-Jargon fremdinitiierte Reparatur heißt (Schegloff et al., 1977), und indem er sich zu T vorlehnt und dabei die Augen weit öffnet. Nach kurzem Schweigen initiiert Melvin erneut eine Reparatur („wha- wha- what stops her?“), und T bietet in den Zeilen 81–83 eine Reparatur an, indem er seine Frage wiederholt, diesmal aber Melvins Präsensform „stops“ übernimmt. Mit diesem subtilen Zug verlagert sich der Fokus der Aufmerksamkeit von dem, was Leyla in jener konkreten Situation abgehalten haben mag, hin zu dem, was sie allgemein davon abhalten mag, mit Melvin zu sprechen, in der Vergangenheit wie in der Gegenwart. Darauf folgt eine lange Pause, in der Melvin verbale Anzeichen des Nachdenkens gibt (er tippt mit dem Fuß, macht „Mundbewegungen“ mit geschlossenen Lippen). Nachdem Leyla in Zeile 85 scherzhaft anmerkt, sie solle wohl den Redezug übernehmen und antworten, gibt Melvin eine Antwort, der ein gewisses Zögern und möglicherweise ein gewisses Maß an Belastung vorausgeht (man beachte das lange Ausatmen und die langen Pausen). Doch statt sich weiter über Leyla zu beklagen, bringt er nun sein eigenes Verhalten als Hindernis für die Kommunikation zwischen ihnen ins Spiel („be' she thinks I'm not gonna be receptive to her.“). Mit diesem scheinbar subtilen Fragezug gelingt es dem Therapeuten also, Melvins Beschwerde über Leyla als Hauptschuldige in einen reflektierteren Modus zu überführen, in dem beide Personen für die Ko-Konstruktion eines bestimmten Beziehungsmusters verantwortlich gemacht werden.
Melvins Zurückhaltung bleibt im weiteren Verlauf dieses Auszugs Thema. In den Zeilen 90–97 sucht der Therapeut Melvins Bestätigung zur negativen Wirkung der Zurückhaltung (kindagetsinthatwayofyourrelationship;itmakesLeylathink aboutyouinwaysthatmaynotbe(0.5)fairtoyou.). Melvins folgende Antworten sind nicht nur stark bestätigend, sondern unterstreichen auch, in welchem Ausmaß Zurückhaltung als negative Kraft in der Beziehung wirken mag. Erstens wird die Bedeutung des „Zurückhaltendseins“ als höchst bedeutsam behandelt (its probably the s::martest thing I've heard in about (0.6) three years.); zweitens wird Zurückhaltung als neue Perspektive auf die Beziehung oder als „Sprung nach vorn“ im Denken charakterisiert („I'v-have never thought of it that way.“); und drittens vermitteln diese Antworten eine starke Affiliation mit der Sicht des Therapeuten, dass Zurückhaltung ein Beziehungsproblem sein könnte. Melvins Antworten scheinen somit den Aufbau einer Allianz zwischen ihm und dem Therapeuten anzuzeigen, sowohl im Sinne einer Stärkung der therapeutischen Beziehung als auch im Sinne einer wechselseitigen Ausrichtung auf die gemeinsame Aufgabe, wie eine produktive Paartherapie nun weitergehen kann.
Unser Ziel in dieser Studie war ein zweifaches: einige der verschiedenen Weisen zu erkunden, wie OPQ eingesetzt werden können, um in der Paartherapie eine Vorwärtsbewegung zu erzeugen, und einige wichtige relationale Funktionen von OPQ sowie deren Realisierung in der Sequenz zu explizieren. Unser KA-Fokus auf die Merkmale der Redezuggestaltung dieser Fragen zeigte, dass unterschiedliche sprachliche Praktiken eingesetzt werden können, um die Handlung des Fragens nach der Perspektive des Gegenübers auf jeweils eigene Weise zu vollziehen. Damit erweitert unsere Studie frühere Arbeiten, etwa (Peräkylä, 1995), indem sie drei zusätzliche Spektren von Praktiken identifiziert – über hypothetische Fragen nach anderen Perspektiven hinaus –, durch die dieser Fragetyp umgesetzt werden kann. Unsere Untersuchung der vier spezifischen OPQ-Typen ermöglichte es uns auch zu erkunden, wie wichtige „systemische“, interpersonale Arbeit in Gang gesetzt wurde: Optimismus in der Beziehung hervorrufen, eine gesunde Paarbeziehung fördern, das Bewusstsein für die miteinander verknüpften Aspekte der Erfahrungen und Herausforderungen des Paares stärken und neue, kreative Weisen fördern, die eigene Beziehungsdynamik zu kontextualisieren.
Unsere KA-Analysen ermöglichten es uns hervorzuheben, wie diese OPQ in der Sequenz hervorgebracht werden und eine positivere Konzeptualisierung der in der Frage eingeschlossenen oder implizierten „anderen“ erzeugen (z. B. Auszug 1, Zeilen 13–15; Auszug 2, Zeilen 15–18 und 31–32). In anderen Beispielen konnten wir zeigen, wie der Therapeut mithilfe von OPQ-Formaten die Vorstellung thematisierte, dass jede Person im Paar bestimmte private Vorstellungen über die Gedanken der anderen hatte, und indem er dies zum Gesprächsthema machte, Raum schuf, diese privaten Überzeugungen neu auszuhandeln, und die wichtige Verbindung zwischen diesen Überzeugungen und ihrer Beziehung hervorhob (z. B. Auszug 4, Zeilen 24; Auszug 5, Zeilen 7–9). In anderen Fällen waren OPQ so gestaltet, dass sie dem Paar neue Gesprächsressourcen boten, mit denen beide auf andere Weise wieder miteinander in Kontakt treten konnten, z. B. Auszug 5, Zeilen 90–104. In diesem letzten Beispiel sahen wir Hinweise auf eine begeisterte „Aufnahme“ der angebotenen Ressourcen (Zeilen 98–99). Durch die KA konnten wir somit herausarbeiten, dass OPQ nicht „vorgefertigt“ gestellt, sondern sequenziell, interaktiv und responsiv Zug um Zug aufgebaut, mitunter wiederholt und verstärkt wurden.
OPQ enthielten oft ein Angebot, das der befragten Person das eigene Wissen anzeigte, und stuften – im Einklang mit Peräkyläs (1995) Befunden zur AIDS-Beratung – den epistemischen Zugang des Therapeuten herab. Die befragte Person wurde so in eine heraufgestufte epistemische Position versetzt, um Auskunft über das Wissen, die Gefühle oder Motive des Gegenübers zu geben, worauf oft eine positive Hypothese über dessen Absicht folgte. So etwa in Auszug 5 (Zeilen 75–76): „°was, glauben Sie, hat Leyla davon abgehalten, zu Ihnen zu kommen und direkt mit Ihnen zu sprechen°“. So gestaltet, würde die bevorzugte Antwort auf eine W-Frage den Teil „was hat abgehalten“ adressieren, aber Melvin auch einladen, zu der beziehungsmäßig positiven/optimistischen Proposition Stellung zu nehmen, die folgt: „direkt zu Ihnen zu kommen“.
Wie die Studie von Peräkylä und Vehviläinen (2003) über „professionelle Bestände interaktionalen Wissens“ dargelegt hat, eignet sich die KA gut, um praktisch jeden theoretischen Ansatz in den helfenden Berufen daraufhin zu untersuchen, wie die theoretischen Modelle in der tatsächlichen Praxis umgesetzt werden. Diese Studie liefert glaubwürdige Belege für die mögliche Schlüsselrolle von OPQ beim Anstoßen von Gesprächssequenzen, die auf therapeutische Ziele hinarbeiten, wie sie in systemisch-narrativen Therapien betont werden. Auch wenn die in dieser Studie identifizierten umfassenderen therapeutischen Funktionen auch durch andere Arten von Gesprächshandlungen oder Sequenzen angestoßen worden sein könnten, vertreten wir die Auffassung, dass OPQ besonders gut geeignet scheinen, interpersonale Arbeit zwischen den beiden Personen des Paares in Gang zu setzen – Arbeit, die sie dazu bringt, die Handlungen des Gegenübers aus einer alternativen, oft prosozialeren Perspektive zu betrachten. Unsere Auszüge wurden gezielt aus Behandlungen mit systemisch-narrativem Schwerpunkt ausgewählt. Diese Wahl lieferte uns eine Reihe klarer und interessanter Beispiele für den Einsatz von Fragen in der Therapie und bot die Gelegenheit zu veranschaulichen, wie die qualitative Untersuchung von Fragen durch die Linse der KA quantitative Studien ergänzen kann. Auch wenn die herangezogenen Beispiele somit begrenzt waren, glauben wir, dass unsere Forschung ein nützlicher „erster Schritt“ sein kann, um Wissen darüber zu gewinnen, wie Fragen aufgebaut werden, um in der Therapie bestimmte Rollen zu erfüllen. Darüber hinaus erwarten wir, dass Studien wie die hier vorgestellte in der Ausbildung von Therapierenden nützlich sein werden, um zu verstehen, wie Fragen kreativ eingesetzt werden können, und um mögliche Herausforderungen und Fallstricke beim Einsatz dieses Frageformats in der Therapie aufzuzeigen.
Complexe Systémique: das Wichtigste
Zirkuläre Fragen gehören zum Grundbestand systemischer Ausbildung; was sie im Austausch tatsächlich bewirken, ist weniger bekannt. Der Wert dieser Studie liegt darin, es Sekunde für Sekunde zu zeigen. Eine Frage aus der Beobachtungsperspektive versetzt die therapierende Person in eine Position des „Nichtwissens“ und gibt der befragten Person Deutungshoheit darüber, was die andere denkt: Sie kann ein optimistisches Szenario eröffnen, eine Beschwerde hin zu einem Muster zwischen zwei Personen verschieben („Was hält Leyla davon ab, zu Ihnen zu kommen und mit Ihnen zu sprechen?“) oder privates Leiden in etwas verwandeln, das vor dem Gegenüber geteilt wird. Doch die Autoren sind ehrlich genug, auch die Kehrseite zu zeigen: Bei Colin, der durch eine Affäre verletzt ist, drängt der Therapeut zu schnell zu Annas „guten Absichten“, und das „Lassen Sie sich Zeit“ verwaltet die Emotion mehr, als dass es sie aufnimmt. Die klinische Lehre ist wertvoll: Eine zirkuläre Frage ist keine Formel, sondern ein Zug, bei dem das Timing zählt und dem man besser Affiliation mit der Belastung vorausgehen lässt. Grenzen: ein einziger Therapeut, zwei Paare, ausgewählte Auszüge, und ein großer Teil der Analyse stützt sich auf Transkripte, denen Lesende der Übersetzungen nur auf Englisch folgen können. Lesenswert zusammen mit Karl Tomms Artikel über sieben Formen relationalen Schmerzes und der Konversationsanalyse therapeutischer Wiederholungen im Offenen Dialog.
Anmerkungen aus dem Original
1Für eine ausführliche theoretische Diskussion der Frageformen in der Therapie siehe Hill (2020) und McCarthy et al. (2021).
2Zu Ausnahmen siehe Williams (2023) zur Häufigkeit des Einsatzes sowie Hill (2020) und Anvari et al. (2020) zum Zusammenhang mit dem Behandlungsergebnis.
3Die Paare unterzeichneten Einwilligungserklärungen, die die Nutzung der Transkripte zu Forschungszwecken erlaubten. Die Transkripte sind anonymisiert, um mögliche Verbindungen zu den tatsächlich beteiligten Personen zu entfernen; das Forschungsprotokoll wurde von der Ethikkommission der Universität genehmigt.
4Ein drittes Paar, Fall 8, wurde ebenfalls auf OPQ hin analysiert, wir haben uns jedoch vor allem aus Platzgründen entschieden, keine Auszüge dieses Paares in diese Studie aufzunehmen. Stattdessen konzentrierten wir uns auf zwei Fälle, in denen OPQ über längere Gesprächsstrecken eingesetzt und ausgehandelt wurden.
5Unter Formulieren verstehen wir an dieser Stelle der Sequenz, „das Fazit zu ziehen“ aus dem, was Colin empfunden hatte, als er entdeckte, dass seine Frau mit einem anderen Mann geschlafen hatte (Antaki, 2008).
6Nach Peräkylä (2019, S. 267) besteht ein therapeutisches Vorhaben in „der übergreifenden Zielsetzung und Strukturierung der Interaktion, die dieser bestimmten Person helfen sollen, ihre besonderen Hindernisse in ihrem Verhalten, ihren sozialen Beziehungen oder ihrem Innenleben zu überwinden“. Wir denken, dass der Fokus der Frage auf die möglichen prosozialen „Motive“ des Gegenübers ein solches Vorhaben darstellt.
7Neben wissen werden auch andere Verben verwendet, etwa verstehen oder erkennen.
8Stivers’ Arbeit untersuchte Antworten auf Fragen mit „of course“, was „obviously“ zu ähneln scheint.
9Mit Beziehungsmuster meinen wir, dass jede der beiden Personen davon ausgehen mag, ihre Gefühle seien „privat“, für die andere nicht zugänglich und „im eigenen Inneren“ erlebt. Die Fragen des Therapeuten fördern möglicherweise ein neues systemisches Konzept: dass Emotionen aus einem relationalen Kontext entstehen, in dem beide ein wesentliches Interesse daran haben, Zugang zu den Gefühlen der anderen Person wie auch zu den Annahmen über sie zu gewinnen. Emotionen als intersubjektiv (statt intrasubjektiv) zu behandeln, kann Raum eröffnen, neu zu bedenken, „wo die andere Person steht“, und damit eine flexiblere Aushandlung in der Beziehung ermöglichen.
Ethikerklärung. Die Studien mit menschlichen Teilnehmenden wurden von der Forschungsethikkommission der Simon Fraser University geprüft und genehmigt. Die Teilnehmenden gaben ihre schriftliche Einwilligung zur Teilnahme an dieser Studie.
Beiträge der Autoren. PM: hat die Studie konzipiert, die Datenanalyse durchgeführt, die Datenanalyse supervidiert und den Artikel geschrieben. AH: hat die Datenanalyse durchgeführt und den Artikel geschrieben. Beide Autoren haben zum Artikel beigetragen und die eingereichte Fassung gebilligt.
Interessenkonflikt. Die Autoren erklären, dass die Forschung ohne kommerzielle oder finanzielle Beziehungen durchgeführt wurde, die als potenzieller Interessenkonflikt ausgelegt werden könnten.
Hinweis des Verlags. Alle in diesem Artikel geäußerten Aussagen sind ausschließlich die der Autoren und geben nicht notwendigerweise die ihrer angeschlossenen Organisationen oder die des Verlags, der Herausgebenden und der Begutachtenden wieder. Für Produkte, die in diesem Artikel bewertet werden, oder Angaben ihrer Hersteller übernimmt der Verlag keine Gewähr und keine Billigung.
Literatur
AndersonH.GoolishianH.McNameeS.GergenK. J. (1992). “The client is the expert: A not-knowing approach to therapy,” in Therapy as social construction. (Thousand Oaks, CA US: Sage Publications, Inc.) 25–39.
AntakiC. (2008). “Formulations in psychotherapy,” in Conversation Analysis and Psychotherapy, eds. A., Peräkylä, C., Antaki, S., Vehviläinen, and I., Leudar (Cambridge: Cambridge University Press) 26–42. 10.1017/CBO9780511490002.003
AntakiC.RichardsonE.StokoeE.WillottS. (2015). Dealing with the distress of people with intellectual disabilities reporting sexual assault and rape. Disc. Stud. 17, 415–432. 10.1177/146144561557896226458170
AnvariM.HillC. E.KivlighanD. M. (2020). Therapist skills associated with client emotional expression in psychodynamic psychotherapy. Psychother. Res. 30, 900–911. 10.1080/10503307.2019.168090131635543
BeckJ. S. (2021). Cognitive Behavior Therapy: Basics and Beyond, 3rd ed. New York, NY: The Guilford Press.
ButtnyR. (1993). Social Accountability in Communication. London: SAGE.
CollinsD.TommK. (2009). Karl Tomm: His changing views on family therapy over 35 years. Family J. 17, 106–117. 10.1177/1066480709332632
CoutureS. J. (2006). Transcending a differend: studying therapeutic processes conversationally. Contemp. Family Ther. 28, 285–302. 10.1007/s10591-006-9011-1
CoutureS. J. (2007). Multiparty talk in family therapy: complexity breeds opportunity. J. Syst. Ther. 26, 63–80. 10.1521/jsyt.2007.26.1.63
de ShazerS.DolanY.KormanH.McCollumE.TrepperT.BergI. K. (2007). More than Miracles: The State of the Art of Solution-Focused Brief Therapy. New York, NY: Haworth Press.
EdwardsD. (1995). Two to tango: Script formulations, dispositions, and rhetorical symmetry in relationship troubles talk. Res. Lang. Soc. Inter. 28, 319–350. 10.1207/s15327973rlsi2804_1
ElliottR.HillC. E.StilesW. B.FriedlanderM. L.MahrerA. R.MargisonF. R. (1987). Primary therapist response modes: Comparison of six rating systems. J. Consult. Clin. Psychol. 55, 218–223. 10.1037/0022-006X.55.2.2183571676
EllisA. (2019). “Early theories and practices of Rational Emotive Behavior therapy and how they have been augmented and revised during the last three decades,” in Advances in REBT: Theory, practice, research, measurement, prevention and promotion, eds. (Cham: Springer Nature Switzerland AG) 1–21. 10.1007/978-3-319-93118-0_1
FerraraK. W. (1994). Therapeutic Ways With Words. Oxford: Oxford University Press.
FordJ.HepburnA. (2021). “Responding empathically from shifting epistemic terrains,” in How Emotions Are Made in Talk, eds. J. S. Robles and A. Weatherall (Amsterdam, Netherlands: John Benjamins Publishing Company) 189–219. 10.1075/pbns.321.07for
Freed AliceF.EhrlichS. (2010). “Why do you ask?”: The Function of Questions in Institutional Discourse. Oxford: Oxford University Press. 10.1093/acprof:oso/9780195306897.001.0001
GaeteJ.SmoliakO.CoutureS. (2018). “Reflexive questions as constructive interventions: A discursive perspective,” in Therapy as Discourse: Practice and Research, eds. O. Smoliak and T. Strong (Cham: Springer International Publishing) 117–140. 10.1007/978-3-319-93067-1_6
GaleJ. (1991). Conversation Analysis of Therapeutic Discourse: The Pursuit of a Therapeutic Agenda. Norwood, NJ: Ablex.
HepburnA.BoldenG. B. (2013). “The Conversation Analytic Approach to Transcription,” in The Handbook of Conversation Analysis, eds. J. Sidnell and T. Stivers (New York: John Wiley and Sons, Ltd.) 57–76. 10.1002/9781118325001.ch4
HepburnA.PotterJ. (2007). Crying receipts: Time, empathy, and institutional practice. Res. Lang. Soc. Inter. 40, 89–116. 10.1080/08351810701331299
HeritageJ. (1984). Garfinkel and Ethnomethodology. London: Polity Press.
HeritageJ. (2005). “Conversation analysis and institutional talk,” in Handbook of language and social interaction, eds. K. L. Fitch and R. E. Sanders (Mahwah, NJ: Lawrence Erlbaum Associates Publishers) 103–147.
HeritageJ. (2010). “Questioning in medicine,” in Why Do You Ask?”: The Function of Questions in Institutional Discourse, eds A. F. Freed and S. Ehrlich (Oxford University Press), 42–68.
HeritageJ. (2011). “Territories of knowledge, territories of experience: Empathic moments in interaction,” in The Morality of Knowledge in Conversation, eds. T. Stivers, L. Mondada, and J. Steensig (Cambridge: Cambridge University Press) 159–183. 10.1017/CBO9780511921674.008
HeritageJ. (2012). Epistemics in action: action formation and territories of knowledge. Res. Lang. Soc. Inter. 45, 1–29. 10.1080/08351813.2012.64668428078972
HillC. E. (2020). Helping Skills: Facilitating Exploration, Insight, and Action, 5th ed. Washington, DC: American Psychological Association. 10.1037/0000147-000
HorvathA. O.SymondsD.TapiaL. (2010). “Therapeutic alliances in couple therapy: The web of relationships,” in The therapeutic alliance: An evidence-based guide to practice. J. C. Muran and J. P. Barber (New York, NY: Guilford Press) 210–239.
HutchbyI.O'ReillyM. (2010). Children's participation and the familial moral order in family therapy. Disc. Stud. 12, 49–64. 10.1177/1461445609357406
JanuszB.BergmannJ. R.MatusiakF.PeräkyläA. (2021). Practices of claiming control and independence in couple therapy with narcissism. Front. Psychol. 11, 596842. 10.3389/fpsyg.2020.59684233569022PMC7868443
LesterJ. N.O'ReillyM.SmoliakO.MuntiglP.TseliouE. (2022). Soliciting children's views on other-perspectives in child mental health assessments. Clin. Child Psychol. Psychiat. 17, 135910452210928. 10.1177/1359104522109288735616346
LindströmA.SorjonenM.-L. (2013). “Affiliation in conversation,” in The handbook of conversation analysis, eds. J. Sidnell and T. Stivers (New York: Wiley-Blackwell) 350–369. 10.1002/9781118325001.ch17
MacMartinC. (2008). “Resisting optimistic questions in narrative and solution-focused therapies,” in Conversation analysis and psychotherapy, eds. A. Peräkylä, C. Antaki, S. Vehviläinen, and I. Leudar (Cambridge: Cambridge University Press) 80–99. 10.1017/CBO9780511490002.006
McCarthyJ.ShannonE.BrunoM. (2021). Creative question-framing: 12 ideas for counselors-in-training. J. Creat. Mental Health 16, 499–510. 10.1080/15401383.2020.1800543
Merriam-Webster (2019). Merriam-Webste 12th Ed. Springfield, MA: Merriam-Webster Inc.
MuntiglP. (2013). Resistance in couples counselling: Sequences of talk that disrupt progressivity and promote disaffiliation. J. Pragm. 49, 18–37. 10.1016/j.pragma.2013.01.003
MuntiglP. (2020). Managing Distress Over Time in Psychotherapy: Guiding the Client in and Through Intense Emotional Work. Front. Psychol. 10, 3052. 10.3389/fpsyg.2019.0305232140117PMC7042173
MuntiglP.ChubakL.AngusL. (2023). Responding to In-the-Moment Distress in Emotion-Focused Therapy. Res. Lang. Soc. Inter. 56, 1–21. 10.1080/08351813.2023.2170663
MuntiglP.HorvathA. O. (2014). “I can see some sadness in your eyes”: When experiential therapists notice a client's affectual display. Res. Lang. Soc. Inter. 47, 89–108. 10.1080/08351813.2014.900212
MuntiglP.HorvathA. O. (2016). A conversation analytic study of building and repairing the alliance in family therapy. J. Family Ther. 38, 102–119. 10.1111/1467-6427.12109
MuntiglP.KnightN.WatkinsA. (2014). “Empathic practices in client-centred psychotherapies: Displaying understanding and affiliation with clients,” in Pragmatics and Beyond New Series, eds. E.-M. Graf, M. Sator, and T. Spranz-Fogasy (Amsterdam, Netherlands: John Benjamins Publishing Company) 33–57. 10.1075/pbns.252.03mun
MuntiglP.ZabalaL. H. (2008). Expandable responses: how clients get prompted to say more during psychotherapy. Res. Lang. Soc. Inter. 41, 187–226. 10.1080/08351810802028738
O'ReillyM. (2005). The complaining client and the troubled therapist: A discursive investigation of family therapy. J. Family Ther. 27, 370–391. 10.1111/j.1467-6427.2005.0328.x
Palazzoli SelviniM.BoscoloL.CecchinG.PrataG. (1986). Hipotetización-circularidad-neutralidad: Tres directrices para la conducción de la sesión = Hypothesizing-circularity-neutrality: Three directives for conducting the session. Clín. Análisis Grupal 10, 532–546.
PeräkyläA. (1995). AIDS Counselling: Institutional Interaction and Clinical Practice. Cambridge: Cambridge University Press. 10.1017/CBO9780511597879
PeräkyläA. (2019). Conversation analysis and psychotherapy: Identifying transformative sequences. Res. Lang. Soc. Inter. 52, 257–280. 10.1080/08351813.2019.163104435800915
PeräkyläA.TaurogińskiB.Dejko-WańczykK.JózefikB.FurgałM.MatusiakF. (2023). The paradox of disengagement: Bodily displays of inattention in couple therapy. Front. Commun. 8, 1066475. 10.3389/fcomm.2023.1066475
PeräkyläA.VehviläinenS. (2003). Conversation analysis and the professional stocks of interactional knowledge. Disc. Soc. 14, 727–750. 10.1177/0957926503014600327939846
RossenC. B.SchriverK. N.TarberC.NordahlD. V.Thygesen RasmussenG.OngB. (2020). “Y, what do you think about what X just said?” Conversation analysis of stance-eliciting questions in open dialogue network meetings. J. Mar. Family Ther. 46, 719–731. 10.1111/jmft.1243532424864
SacksH. (1995). Lectures on Conversation. New York, NY: Wiley-Blackwell. 10.1002/9781444328301
SchegloffE. A. (2007). Sequence Organization in Interaction: A Primer in Conversation Analysis. Cambridge: Cambridge University Press. 10.1017/CBO9780511791208
SchegloffE. A.JeffersonG.SacksH. (1977). The preference for self-correction in the organization of repair in conversation. Language 53, 361–382. 10.1353/lan.1977.0041
SidnellJ. (2013). “Basic conversation analytic methods,” in The Handbook of Conversation Analysis, eds. J. Sidnell and T. Stivers (London: John Wiley and Sons, Ltd.) 77–99. 10.1002/9781118325001.ch5
SpeerS. A. (2012). Hypothetical Questions: A Comparative Analysis and Implications for “Applied” vs. “Basic” Conversation Analysis. Res. Lang. Soc. Inter. 45, 352–374. 10.1080/08351813.2012.724987
StiversT. (2010). An overview of the question–response system in American English conversation. J. Pragm. 42, 2772–2781. 10.1016/j.pragma.2010.04.011
StiversT. (2011). “Morality and question design: ‘Of course'as contesting a presupposition of askability,” in The morality of knowledge in conversation, eds. T. Stivers, L. Mondada, and J. Steensig (Cambridge: Cambridge University Press) 82–106. 10.1017/CBO9780511921674.005
StiversT.MondadaL.Steensig. (2011). “Knowledge, morality and affliliation in social interaction,” in The morality of knowledge in conversation, eds. T. Stivers, J. Steensig, and L. Mondada, eds. (Cambridge: Cambridge University Press) 3–24. 10.1017/CBO9780511921674.002
SutherlandO.StrongT. (2011). Therapeutic collaboration: A conversation analysis of constructionist therapy. J. Family Ther. 33, 256–278. 10.1111/j.1467-6427.2010.00500.x
TommK. (1987a). Interventive interviewing: part I. Strategizing as a fourth guideline for the therapist. Family Proc. 26, 3–13. 10.1111/j.1545-5300.1987.00003.x3569502
TommK. (1987b). Interventive interviewing: part II. Reflexive questioning as a means to enable self-healing. Family Proc. 26, 167–183. 10.1111/j.1545-5300.1987.00167.x3595824
TommK. (1988). Interventive interviewing: part III. Intending to ask lineal, circular, strategic, or reflexive questions? Family Proc. 27, 1–15. 10.1111/j.1545-5300.1988.00001.x3360095
TseliouE. (2013). A critical methodological review of discourse and conversation analysis studies of family therapy. Family Proc. 52, 653–672. 10.1111/famp.1204324329408
VehviläinenS.PeräkyläA.AntakiC.LeudarI. (2008). “A review of conversational practices in psychotherapy,” in Conversation analysis and psychotherapy, eds. A. Peräkylä, C. Antaki, S. Vehviläinen, and I. Leudar (Cambridge: Cambridge University Press) 188–197. 10.1017/CBO9780511490002.012
WahlströmJ. (2016). “Constructing the moral order of a relationship in couples therapy,” in Research Perspectives in Couple Therapy, eds. M. Borcsa and P. Rober (Cham: Springer International Publishing) 149–165. 10.1007/978-3-319-23306-2_10
WhiteM.EpstonD. (1990). Narrative Means to Therapeutic Ends. New York: W. W. Norton and Company.
WilliamsE. (2023). The Use of Questions in Psychotherapy: A Review of Research on Immediate Outcomes. Chicago, Ill: Psychotherapy. 10.1037/pst000047136848101
Inoffizielle Übersetzung von Strategic use of observer-perspective questions in couples therapy von Peter Muntigl und Adam O. Horvath, Frontiers in Psychology, Bd. 14 (2023), doi: 10.3389/fpsyg.2023.1229991, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzung und Satz: Complexe Systémique, Oktober 2026, mit Unterstützung künstlicher Intelligenz — das Werk wurde im Sinne der Lizenz bearbeitet (Tabelle als Liste wiedergegeben). Weder die Verfassenden noch der Verlag sind für diese Übersetzung verantwortlich; maßgeblich ist die Originalfassung.
Dies ist eine Übersetzung des Originalartikels „Strategic use of observer-perspective questions in couples therapy“, erschienen in Frontiers in Psychology (2023) unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz: Der Text der Verfassenden wurde ins Deutsche übersetzt und die Darstellung für das Lesen online angepasst, wie zu Beginn dieser Seite erläutert.
Originalartikel lesenSo zitieren Sie diesen Artikel
Muntigl, P., et Horvath, A. O. (2023). Strategic use of observer-perspective questions in couples therapy. Complexe Systémique. https://app.complexe-systemique.com/en_GB/articles/strategic-use-of-observer-perspective-questions-in-couples-therapy (Originalwerk erschienen 2023 in Frontiers in Psychology, 14, 1229991 (2023); 2023 erneut veröffentlicht von Frontiers in Psychology, https://www.frontiersin.org/journals/psychology/articles/10.3389/fpsyg.2023.1229991/full)
Weiterführende Lektüre