KI-gestützte Übersetzung

Diese Fassung wurde von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz aus dem Englischen übersetzt. Im Zweifelsfall ist die Originalfassung maßgeblich.

BMC Psychiatry · Familie

Erfahrungen von Familienangehörigen, wenn ein Elternteil wegen einer psychischen Erkrankung stationär behandelt wird: eine qualitative systematische Übersichtsarbeit

Wird ein Elternteil in eine psychiatrische Klinik aufgenommen, ist die ganze Familie betroffen: Kinder, Partnerin oder Partner, Großeltern. Ein Team der Monash University hat die acht qualitativen Studien zusammengeführt, die sich diesem Moment widmen. Sie beschreiben Kinder, die mit Verantwortung belastet, von Informationen ferngehalten werden und bei Besuchen fürchten, den Elternteil aufzuregen, und Eltern, die hin- und hergerissen sind zwischen dem Wunsch, ihre Kinder zu sehen, und der Angst, sie zu verlieren.

Verfassende Andrea Reupert, Phillip Tchernegovski, Lingling Chen und Maddison Huddle (School of Educational Psychology and Counselling, Faculty of Education, Monash University, Clayton, Victoria, Australien)Erstveröffentlichung BMC Psychiatry, 20. Januar 2023Übersetzung Complexe Systémique, inoffizielle KI-gestützte Übersetzung

Inoffizielle deutsche Übersetzung von Experiences of family members when a parent is hospitalized for their mental illness: a qualitative systematic review von Andrea Reupert, Phillip Tchernegovski, Lingling Chen und Maddison Huddle, erschienen in BMC Psychiatry (BioMed Central) (2023), doi: 10.1186/s12888-023-04530-4, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique im Oktober 2026 mit Unterstützung künstlicher Intelligenz: Der Originaltext wurde ins Deutsche übersetzt und für die Online-Lektüre neu gesetzt, was eine Bearbeitung des Werks im Sinne der Lizenz darstellt. Die beiden Tabellen werden als Listen wiedergegeben. Diese Übersetzung stammt weder von den Verfassenden noch vom Verlag, die weder für ihren Inhalt noch für etwaige Fehler verantwortlich sind. Maßgeblich ist die Originalfassung.

Jede Familie ist einzigartig, und deshalb ist es entscheidend, dass klinische Fachkräfte diese Gespräche begleiten, damit sie mit der Familie als Ganzer geführt werden.

Andrea Reupert, Phillip Tchernegovski, Lingling Chen und Maddison Huddle

Zusammenfassung

Hintergrund. Ein beträchtlicher Teil der Menschen, die psychiatrische und psychosoziale Dienste in Anspruch nehmen, sind Eltern mit minderjährigen Kindern. Eine psychische Erkrankung eines Elternteils kann für alle Familienmitglieder belastend sein, auch für die Kinder und die Partnerin oder den Partner. Die stationäre Aufnahme des Elternteils und die damit verbundene Trennung von den minderjährigen Kindern können für alle Familienmitglieder eine besonders schwierige Zeit sein. Ziel dieser Arbeit war es, qualitative Studien zu den Erfahrungen von Familienangehörigen zu sichten, wenn Eltern mit minderjährigen Kindern wegen ihrer psychischen Erkrankung stationär behandelt wurden. Einbezogen werden die Erfahrungen der Eltern selbst, ihrer Kinder im Alter von 0–18 Jahren (einschließlich retrospektiver Berichte Erwachsener über ihre Kindheit) und weiterer Familienangehöriger.

Methoden. Diese systematische Übersichtsarbeit folgte den Leitlinien der Cochrane Collaboration und von PRISMA. Gesucht wurde mit Schlüsselbegriffen zu Eltern, psychischer Erkrankung, psychiatrischer Behandlung, stationären Einrichtungen, Familienangehörigen und Erfahrungen. Zu den Datenbanken gehörten CINAHL Plus, PsycINFO, ProQuest, MEDLINE, PubMed und Scopus. Die Qualitätsbewertung erfolgte mit einer erweiterten Fassung des Critical Appraisal Skills Programme. Die eingeschlossenen Arbeiten wurden einer thematischen Synthese unterzogen.

Ergebnisse. Acht Arbeiten wurden identifiziert. Die Qualität wurde bei einigen Arbeiten als hoch eingestuft, was die Klarheit der Forschungsziele, die Begründung der gewählten Methodik, die Rekrutierungsstrategie und die Berücksichtigung ethischer Fragen betrifft. Bei anderen blieben Studiendesign, Einschlusskriterien und die Angaben zu den soziodemografischen Merkmalen der Teilnehmenden unklar. Herausgearbeitet wurden familiäre Erfahrungen von Druck und zusätzlicher Verantwortung im Zusammenhang mit der stationären Behandlung des Elternteils sowie der Bedarf der Familie an psychoedukativen Informationen und an Anleitung für Besuche beim Elternteil in der Klinik. Die Kinder äußerten verschiedene Gefühle und das Bedürfnis, mit anderen in Verbindung zu stehen. Das letzte Thema betraf nachteilige Auswirkungen auf die Eltern-Kind-Bindung während der stationären Behandlung des Elternteils.

Schlussfolgerung. Die spärliche Forschung in diesem Bereich deutet darauf hin, dass die Bedürfnisse von Familien nicht erfüllt werden, wenn ein Elternteil wegen seiner psychischen Erkrankung stationär behandelt wird. Es besteht ein erheblicher Bedarf an geeigneten Versorgungsmodellen, an familienorientierter Schulung des Personals und an psychoedukativen Materialien für Familien. Weitere Forschung in diesem Bereich ist unerlässlich, um die Erfahrungen der verschiedenen Familienmitglieder in dieser verletzlichen Zeit zu verstehen.

Hintergrund

Familien, in denen ein Elternteil psychisch erkrankt ist und minderjährige Kinder versorgt, gehören zu den verletzlichsten in unseren Gemeinschaften. Zwischen 20 und 38% der Menschen, die psychiatrische Dienste für Erwachsene in Anspruch nehmen, sind Eltern, die Kinder unter 18 Jahren versorgen [1]. Kinder, die mit einem Elternteil mit schwerer und chronischer psychischer Erkrankung aufwachsen, tragen ein erhebliches Risiko, selbst psychische Probleme und/oder Probleme mit Substanzkonsum zu entwickeln [2]. Weitere mögliche nachteilige Folgen sind ein erhöhtes Verletzungsrisiko, eine geringere Schulreife und stressbedingte körperliche Erkrankungen wie Asthma [3–5]. Partnerinnen und Partner psychisch erkrankter Menschen berichteten von Gefühlen des Verlusts und der Isolation und beschrieben sich eher als pflegende Angehörige denn als Teil eines Paares [6]. Ebenso berichteten Großeltern, dass sie wesentliche Betreuungsaufgaben für minderjährige Enkelkinder übernehmen, wenn ein Elternteil psychisch erkrankt ist, insbesondere bei einem Klinikaufenthalt [7]. Ohne gezielte Unterstützung ihrer Elternrolle kann die Erziehungsfähigkeit mancher Eltern beeinträchtigt sein [8], und sie können das Sorgerecht für ihre Kinder verlieren [9], was sich wiederum negativ auf ihre psychische Gesundheit und ihre Genesung auswirkt [10].

Die Bedürfnisse von Kindern und anderen Familienmitgliedern in Familien mit einem psychisch erkrankten Elternteil werden von klinischen Fachkräften der psychiatrischen Versorgung nicht immer erkannt [11]. Aufgrund von Finanzierungsvorgaben und Defiziten im Wissen und Können der klinischen Fachkräfte [12] wird der Behandlung der Eltern häufig Vorrang vor den Bedürfnissen der Kinder eingeräumt, es sei denn, es liegen Vernachlässigung oder Misshandlung vor oder das Kind zeigt eigene psychische Probleme [13]. Auch die Bedürfnisse der Partnerin oder des Partners und der erweiterten Familie werden von klinischen Fachkräften nicht routinemäßig berücksichtigt, was zu Isolation, eigenen psychischen Problemen und Belastungen in den Beziehungen führt [6]. Nachteilige Folgen für Kinder und andere Familienmitglieder sind jedoch nicht unausweichlich. Neuere Ergebnisse belegen die Wirksamkeit manualisierter Interventionen für diese Familien [14]. Anstelle der Standardversorgung oder ergänzend dazu können Einrichtungen einen Ansatz anbieten, der die ganze Familie einbezieht – von der Erfassung über die Aufnahme bis zur Behandlungsplanung und -durchführung [15]. Nach solchen Leitlinien wird die Elternschaft bei der Aufnahme dokumentiert, die Elternrolle der behandelten Person gezielt unterstützt, und den Kindern und anderen Familienmitgliedern werden geeignete Interventionen und Hilfen angeboten.

Familienorientierte Praxis (Family focused practice, FFP) ist ein Begriff, mit dem häufig beschrieben wird, wie klinische Fachkräfte Eltern, deren Partnerinnen und Partner, Kinder und andere Familienmitglieder einbeziehen können. FFP erweitert den Fokus der Versorgung über die psychische Gesundheit des Elternteils hinaus, um das Wohlergehen aller Familienmitglieder einschließlich der Kinder zu erfassen und darauf einzugehen, und erkennt zugleich die Elternrolle der behandelten Person an und unterstützt sie [16]. Die Elternschaft einer behandelten Person anzuerkennen und zu würdigen, kann für ihren Genesungsweg entscheidend sein, weil es Hoffnung und Verbundenheit stiftet und ihre Identität als Mutter oder Vater ehrt [10]. Zudem stärkt es das Vertrauen und die Kompetenz der Eltern, ihre Kinder im Kontext ihrer Erkrankung zu umsorgen [17].

Trotz der Häufigkeit und der Bedürfnisse dieser Familien und trotz des Nutzens eines familienorientierten Ansatzes gibt es Belege dafür, dass psychiatrische Dienste für Erwachsene nicht angemessen auf behandelte Personen eingehen, die Eltern minderjähriger Kinder sind. Auswertungen klinischer Fallakten zeigen, dass FFP in der Erwachsenenpsychiatrie im Vereinigten Königreich, in Neuseeland und in den USA nicht üblich ist [18–20]. Manche klinischen Fachkräfte halten es weder für angemessen noch für ihre Aufgabe, die Kinder der behandelten Personen zu unterstützen [21]. Selbst wenn sie Fragen der elterlichen Verantwortung und des kindlichen Wohlergehens als Teil ihrer Rolle ansehen, berichten Fachkräfte der Erwachsenenpsychiatrie von fehlenden Schulungen, die ihre Defizite an Können und Wissen beheben könnten [12]. Ebenso zeigen andere Untersuchungen, dass klinische Fachkräfte selten die Zeit oder die Kompetenzen haben, um Partnerinnen und Partner von Menschen mit psychischen Problemen einzubeziehen [6].

Darüber hinaus erkennen und beantworten Dienste die Bedürfnisse von Familien möglicherweise nicht durchgängig, wenn ein Elternteil wegen einer psychischen Erkrankung stationär behandelt wird. Frühere Forschung hat dieses Feld überwiegend mit Blick auf die Erfahrungen von Pflegefachkräften untersucht, wenn Kinder ihre Eltern in psychiatrischen Einrichtungen besuchen. Korhonen et al. [22] stellten fest, dass Pflegefachkräfte nur selten mit den Kindern der stationär behandelten Personen zusammentrafen, während O’Brien et al. [23] feststellten, dass Pflegefachkräfte sich über ihre Rolle unsicher waren und nicht wussten, was sie den Kindern der behandelten Personen sagen sollten. In einer Übersicht über Studien zur Praxis psychiatrischer Pflegefachkräfte in stationären Einrichtungen stellten Foster et al. [24] fest, dass es logistische Hürden für Besuche von Kindern auf den Stationen gab, die Elternschaft bei der Aufnahme nicht erfasst wurde und es insgesamt an organisatorischer Unterstützung für FFP fehlte. Weniger klar sind die Erfahrungen anderer Familienmitglieder, etwa von Partnerinnen und Partnern oder Großeltern, während der stationären Behandlung des Elternteils.

Die stationäre Aufnahme und die oft unerwartete Trennung von Eltern und Familie können für den Elternteil, die Kinder und andere Familienmitglieder verwirrend und belastend sein [25]. Mehr über die Erfahrungen der Familienmitglieder während der stationären Behandlung eines Elternteils zu wissen, kann in die Planung und Erbringung von Leistungen einfließen. Qualitative Methoden ermöglichen eine vertiefte, kontextbezogene Analyse und eignen sich besonders, um die gelebte Erfahrung von Menschen zu untersuchen, die von psychischer Erkrankung betroffen sind. Um den Transfer der vorhandenen qualitativen Forschung zu erleichtern, bedarf es einer systematischen Synthese dieser Forschung. Ziel dieser Übersichtsarbeit ist es, die Erfahrungen von Kindern unter 18 Jahren (einschließlich retrospektiver Berichte erwachsener Kinder über ihre Kindheit), des Elternteils, der Partnerin oder des Partners und anderer Familienmitglieder zu erfassen, wenn ein Elternteil wegen seiner psychischen Erkrankung stationär behandelt wird. Die Forschungsfragen lauteten: (i) Welcher Art ist die vorhandene qualitative Forschung zu den Erfahrungen von Familien, wenn ein Elternteil wegen seiner psychischen Erkrankung stationär behandelt wird? Und (ii) Was sagt uns diese Forschung über die Erfahrungen der verschiedenen Familienmitglieder in dieser Zeit, einschließlich des Elternteils, der Kinder, der Partnerin oder des Partners, der Großeltern und anderer Angehöriger? Solche Informationen könnten als Richtschnur für die Gesundheitspolitik dienen und in Fortbildungen sowie Praxisleitlinien für die Arbeit mit Familien einfließen.

Methoden

Im Mittelpunkt der Übersichtsarbeit standen die Erfahrungen von Eltern und anderen Familienmitgliedern (z. B. Kinder im Alter von 0–18 Jahren, Partnerin oder Partner, Großeltern und weitere Mitglieder der erweiterten Familie), wenn ein Elternteil wegen seiner psychischen Erkrankung stationär behandelt wird. Für die Zwecke dieser Übersichtsarbeit wurden die Begriffe Elternteil und Familie weit gefasst. Elternschaft und Familie wurden nicht auf biologische Verwandtschaft oder Wohnverhältnisse beschränkt. Studien zu nicht leiblichen und nicht sorgeberechtigten Eltern galten als relevant, sofern die stationär behandelte Person eine fortbestehende elterliche Beteiligung hatte. Ebenso wurde anerkannt, dass der Familienbegriff je nach Kultur, Umständen und Epoche variieren kann [26]. Wir verwenden die Definition von Osher und Osher [27], wonach Familie „durch ihre Mitglieder definiert wird, und jede Familie definiert sich selbst“. Daher wurden in dieser Übersichtsarbeit keine Einschränkungen hinsichtlich der Familienformen vorgenommen.

Design

Diese systematische Übersichtsarbeit folgte der Methode der Cochrane Collaboration [28, 29] und dem Modell Preferred Reporting Items for Systematic Reviews and Meta-Analyses (PRISMA) [30] für die Suche und Beschaffung geeigneter Studien.

Suchstrategie

Vorläufige Suchen dienten dazu, Umfang und Art der für die Übersichtsarbeit relevanten Forschung zu ermitteln und mögliche Suchbegriffe zu erproben. Gesucht wurde in sechs Datenbanken: CINAHL Plus, PsycINFO, ProQuest, MEDLINE, PubMed und Scopus. Für die Übersichtsarbeit relevante Inhaltsbereiche wurden bestimmt und zur Bildung von Schlagwörtern und Suchbegriffen genutzt. Diese wurden in mehreren vorläufigen Suchen verfeinert, um eine größtmögliche Vollständigkeit zu erreichen. Die in dieser Übersichtsarbeit verwendeten Schlagwörter und Begriffe sind in Tabelle 1 dargestellt. Wo die Datenbanken dies ermöglichten, wurden die Suchbegriffe Schlagwörtern zugeordnet, um die Zahl der gefundenen Datensätze zu erhöhen. Soweit die Suchplattformen es erlaubten, wurden Filter verwendet, darunter Peer-Review, Englisch und Volltext. Die Suchstrategie wurde in Absprache mit der Universitätsbibliothek entwickelt. Es wurden zwei Suchen durchgeführt: Die erste erfasste Arbeiten, die zwischen 2004 und dem 30. Oktober 2020, dem Beginn dieser Übersichtsarbeit, erschienen waren, die zweite Arbeiten, die zwischen dem 30. Oktober 2020 und dem 13. Januar 2022 erschienen waren, um die Übersicht zu aktualisieren und möglichst aktuelle Ergebnisse sicherzustellen. Die Ergebnisse wurden im Licht der beiden neu identifizierten Arbeiten überarbeitet (und nicht nur ergänzt). Dieser Zeitraum wurde gewählt, um die Arbeiten der prägenden Forschenden des Feldes zu erfassen und zugleich sicherzustellen, dass sich die einbezogene Forschung auf die aktuelle Praxis psychiatrischer Stationen in jüngerer Zeit bezieht.

Tabelle 1 — In den Datenbanken verwendete Suchbegriffe zur Ermittlung relevanter Arbeiten

  • Elternteil. parent* OR mother* OR father* OR spouse* AND
  • Psychische Erkrankung. “mental illness*” OR “mental disorder*” OR “mental disabilit*” OR “psychotic disorder*” OR anxiety OR depression OR schizophrenia OR “personality disorder*” OR “severe mental illness*” OR “chronic mental illness*” OR “trauma-related disorder*” OR COPMI OR FAPMI AND
  • Psychiatrische Station. “psychiatric unit*” OR “psychiatric ward*” OR “psychiatric service*” OR “psychiatric hospital*” OR “mental health ward*” OR “mental health service*” AND
  • Stationäre Behandlung. admission OR inpatient* OR consumer* OR client* OR hospitali*ation OR treatment OR “family-focused care” AND
  • Familienmitglied. “family member*” OR famil* OR child* OR mother* OR father* OR parent* OR spouse* OR husband* OR wife* OR grandparent* OR grandmother* OR grandfather* OR relative* AND
  • Erfahrung. experience* OR “life experience*” OR “childhood experience*” OR parenthood

Studienauswahl

Die erste Suche ergab 1328 Datensätze. Nach Entfernung der Duplikate blieben 830 Datensätze übrig. Diese wurden anhand der Ein- und Ausschlusskriterien gesichtet. Zu den Einschlusskriterien gehörten qualitative Arbeiten, die ausdrücklich angaben, dass der Elternteil zur psychiatrischen Behandlung stationär aufgenommen worden war, und die Erfahrungen des Elternteils oder anderer Familienmitglieder in dieser Zeit beschrieben. Studien mit erwachsenen Teilnehmenden, die rückblickend über ihre Kindheit berichteten, wurden eingeschlossen. Ebenfalls eingeschlossen wurden Studien, die die Erfahrungen stationär behandelter Eltern darstellten, sofern der Fokus auf ihren Erfahrungen als Eltern lag und nicht allgemein auf ihren Erfahrungen als behandelte Person auf einer psychiatrischen Station. Ausgeschlossen wurden Studien, die die Erfahrungen von Familienmitgliedern mit der elterlichen psychischen Erkrankung untersuchten statt der Frage, wie sich die stationäre Behandlung auf die Familienmitglieder auswirkte. Entfernt wurden Studien, die die Erfahrungen psychiatrischer Fachkräfte untersuchten, sowie solche, die sich auf Angebote für kindliche Psychopathologie, auf spezialisierte Settings wie Mutter-Kind-Einheiten oder auf spezifische Interventionen wie Elternprogramme konzentrierten. Angesichts des abweichenden Behandlungsbedarfs von Eltern mit Substanzmissbrauch [31, 32] wurden Studien mit diesen Eltern ausgeschlossen. Studien ohne qualitative Primärdaten wurden nicht berücksichtigt. Die Entfernung der Duplikate und das erste Screening erfolgten mit der Online-Software RAYYAN [33]. Während des Screenings wurden die Ausschlussgründe von der Software erfasst und nachverfolgt.

Eine Person aus dem Team sichtete alle 830 Datensätze anhand von Titel und Abstract. Fehlte in einem Datensatz das Abstract, wurde es über Online-Recherchen beschafft. Die ersten und die letzten 110 Datensätze (26%) wurden unabhängig davon von zwei weiteren Verfassenden gesichtet. In der Software RAYYAN wurde eine Verblindungsfunktion genutzt, um unabhängige Screening-Entscheidungen zu gewährleisten. Bei 12 (5%) der doppelt gesichteten Arbeiten kam es zu einer Abweichung zwischen den Bewertenden. Alle drei Forschenden besprachen diese Abweichungen anhand der Ein- und Ausschlusskriterien, bis ein Konsens erreicht war. Nach diesem ersten Screening von Titeln und Abstracts blieben 51 Einträge übrig. Die Literaturverzeichnisse aller identifizierten Arbeiten sowie relevanter Übersichtsarbeiten wurden von Hand durchsucht, was zur Aufnahme einer weiteren Arbeit führte.

Das Volltext-Screening der 52 identifizierten Studien führten zwei der Verfassenden unabhängig voneinander durch. Wie beim ersten Screening wurden die Ausschlussgründe in dieser Phase dokumentiert. Bei Bedarf wurden Gespräche geführt, um die Aus- und Einschlusskriterien zu klären. Die Hauptgründe für den Ausschluss in dieser Phase waren, dass sich die Studien auf andere Settings als psychiatrische Stationen konzentrierten oder die stationäre Behandlung von Personen untersuchten, die keine Eltern waren. Ausgeschlossen wurde außerdem eine Studie mit Schwerpunkt auf Substanzgebrauchsstörungen. Studien mit Mixed-Methods-Design wurden entfernt, wenn die qualitativen Daten nicht zu Themen ausgearbeitet worden waren. Nach dieser Volltextrunde blieben sechs Arbeiten übrig. Nach einer aktualisierten Suche und einem erneuten Screening am 13. Januar 2022 wurden zwei weitere Studien identifiziert, sodass insgesamt acht Studien endgültig in diese Übersichtsarbeit eingingen. Ein PRISMA-Diagramm des gesamten Such- und Screeningprozesses zeigt Abb. 1.

PRISMA-Flussdiagramm
Abb. 1. PRISMA-Flussdiagramm

Qualitätsbewertung

Zur Bewertung der Qualität der eingeschlossenen Arbeiten wurde ein Instrument auf der Grundlage des Critical Appraisal Skills Programme [34] eingesetzt. Es bewertete den Studienkontext (zur Beantwortung der Ziele geeignetes Forschungsdesign; Festlegung der Ein- und Ausschlusskriterien), die Qualität der Analysemethoden (Interrater-Reliabilität; mehrfache Analysen zum Nachweis der Forschungsgüte) und die Einbeziehung relevanter Beteiligter während der Studie (Entwicklung der Interviewleitfäden; Member Checks). Die Qualität der Arbeiten wurde danach bewertet, ob die Studie jedes Kriterium vollständig (2 Punkte), teilweise (1 Punkt) oder gar nicht (0 Punkte) erfüllte. Daraus ergab sich für jede Arbeit ein Qualitätswert zwischen 0 (geringe Qualität) und 62 (hohe Qualität). Die Qualitätsbewertung jeder Arbeit wurde von zwei der Verfassenden vorgenommen. Die Abweichungen waren gering und lagen zwischen 0 und 3 Punkten (0–5% des Gesamtwerts); als endgültiger Wert wurde der Mittelwert der beiden Bewertungen herangezogen. Die endgültigen Werte reichten von 18,5, was auf eine geringe Qualität hinweist [35], bis 52,5, was auf eine hohe Qualität hinweist [36], bei einem Mittelwert von 44,9 (mittlere Qualität). Die Qualitätswerte der einzelnen Arbeiten sind in Tabelle 2 dargestellt. Angesichts der geringen Zahl identifizierter Studien wurden alle Arbeiten in der Synthese der Ergebnisse unabhängig von ihrer bewerteten Qualität gleich berücksichtigt. Hoch bewertete Studien hatten klare Forschungsziele, begründeten die gewählte Methodik schlüssig, berücksichtigten die ethischen Aspekte der Forschung und legten klar formulierte, den Studienzielen angemessene Rekrutierungsstrategien dar. Niedrig bewertete Studien waren unklar hinsichtlich ihrer Forschungsziele, der Begründung des gewählten Designs und der Angaben zu soziodemografischen Merkmalen und Einschlusskriterien der Teilnehmenden.

Tabelle 2 — Merkmale der eingeschlossenen Arbeiten

  • Blegen et al. [37]. Land: Norwegen. Teilnehmende: Mütter (n = 10) mit Kindern im Alter von 0–18 Jahren, auf einer Klinikstation aufgenommen; Diagnosen u. a.: Depression, Angststörung, bipolare Störung, ADHS. Studiendesign: halbstrukturierte Interviews, Analyse mit philosophischer Hermeneutik. Qualitätswert: 40.5. Ziel der Studie: die Erfahrung verstehen, in der psychiatrischen Versorgung als Patientin und als Mutter behandelt zu werden. Zentrale qualitative Befunde zur stationären Behandlung von Eltern: Elterliche Ambivalenz: Angst der Mütter, klinischen Fachkräften ihre inneren Gefühle über sich selbst als Mutter zu offenbaren, obwohl sie sich in diesem Bereich Unterstützung wünschten; eine Maske des Schweigens schützt, schafft aber auch Distanz und verringert die Chancen auf eine optimale Versorgung; Ringen zwischen Verantwortung und Verurteilung.
  • Knutsson-Medin et al. [36]. Land: Schweden. Teilnehmende: erwachsene Kinder (n = 36): Durchschnittsalter 25.8 Jahre, Spanne 19–38 Jahre; 15 Männer, 21 Frauen; die Eltern waren früher stationär psychiatrisch behandelt worden. Studiendesign: schriftliche Befragung, manifeste Inhaltsanalyse. Qualitätswert: 52.5. Ziel der Studie: frühere Erfahrungen erwachsener Kinder im Kontakt mit der stationären psychiatrischen Versorgung ihres Elternteils untersuchen. Zentrale qualitative Befunde zur stationären Behandlung von Eltern: Bedürfnisse der Kinder: Unterstützung und Informationen durch das Klinikpersonal sowie mehr Kontakt zu klinischen Fachkräften erforderlich; Druck: Erleichterung darüber, dass für den Elternteil gesorgt wurde; Einbeziehung und Anleitung: Die Kinder erhielten während der stationären Behandlung keine Informationen über ihren Elternteil.
  • Kosman et al. [35]. Land: USA. Teilnehmende: eine 28-jährige Mutter mit postpartaler Depression, stationär in die Psychiatrie aufgenommen (nicht in eine Mutter-Kind-Einheit). Studiendesign: Fallstudie. Qualitätswert: 18.5. Ziel der Studie: Erörterung der Fragen im Zusammenhang mit postpartaler Depression, darunter die Sicherheit von Mutter und Säugling, die Mutter-Kind-Bindung, psychopharmakologische Optionen bei postpartaler Depression und traumatische Geburtserfahrungen. Zentrale qualitative Befunde zur stationären Behandlung von Eltern: Elterliche Ambivalenz: Ambivalenz der Mutter gegenüber der stationären Aufnahme, emotionale Schwierigkeiten durch die Trennung von ihrem Säugling, logistische und physiologische Probleme beim Stillen und Schwierigkeiten, die Kinderbetreuung während des Klinikaufenthalts zu organisieren.
  • Maybery et al. [38]. Land: Australien. Teilnehmende: 5 Eltern mit affektiver Störung, 3 mit Angststörung, 3 mit Persönlichkeitsstörung, 1 mit psychotischer Störung (insgesamt n = 10), Partnerinnen oder Partner (n = 2); Kinder (6–16 Jahre) (n = 12). Insgesamt n = 24. Studiendesign: Fokusgruppen, qualitative interpretative Analyse; quantitativer Fragebogen, Varianzanalyse zwischen Gruppen. Qualitätswert: 51.5. Ziel der Studie: die Sichtweisen von Kindern, Eltern und Fachkräften auf die Bedürfnisse von Kindern während der stationären Behandlung eines Elternteils und darauf, wie diese Bedürfnisse am besten erfüllt werden können, untersuchen. Zentrale qualitative Befunde zur stationären Behandlung von Eltern: Druck: Ältere Kinder mussten für sich selbst sorgen, während der Elternteil in der Klinik war; Einbeziehung und Anleitung: Die Familien wünschten Informationen über die psychische Erkrankung des Elternteils; Bedürfnisse der Kinder: Gelegenheiten schaffen, die Eltern zu sehen; von Fachkräften bei Aufnahme und Entlassung wahrgenommen/erfasst werden; Geschwister sind eine wichtige Quelle der Unterstützung.
  • O'Brien et al. [25]. Land: Australien. Teilnehmende: Eltern (n = 5), in den letzten 12 Monaten aus einer stationären Einrichtung entlassen, mit einem Kind im Alter von 0–18 Jahren; Partnerinnen oder Partner (n = 2), Kinder (n = 5) im Alter von 8–15 Jahren; und Großeltern (n = 1). Insgesamt n = 13. Studiendesign: halbstrukturierte Interviews, thematische Analyse. Qualitätswert: 47. Ziel der Studie: die Sichtweisen von Kindern, Eltern und Betreuungspersonen auf Besuche von Kindern bei ihren Eltern auf stationären Einheiten untersuchen. Zentrale qualitative Befunde zur stationären Behandlung von Eltern: Druck: familiärer Stress bei Entscheidungen darüber, ob die Kinder ihren Elternteil in der Klinik besuchen, und bei der Betreuung der Kinder während der Besuche; Einbeziehung und Anleitung: Die Einbeziehung der Familie in Aufnahmegespräche wurde geschätzt; Anleitung zu Besuchen der Kinder bei den Eltern war erwünscht; Bedürfnisse der Kinder: Unterstützung bei Besuchen, einschließlich Rat und Nachbesprechung durch das Personal; Elterliche Ambivalenz: Eltern wünschen sich Besuche der Kinder, wollen sie aber auch schützen.
  • Skundberg-Kletthagen et al. [39]. Land: Norwegen. Teilnehmende: Partnerinnen oder Partner (n = 6), Großeltern (n = 2), Geschwister (n = 2), Kinder über 18 Jahre (n = 12) und Teilnehmende mit „anderen Beziehungen“ (n = 2). Der Elternteil war wegen einer Depression auf einer psychiatrischen Station aufgenommen worden. Insgesamt n = 24. Studiendesign: halbstrukturierte Interviews, interpretative phänomenologische Analyse. Qualitätswert: 51.5. Ziel der Studie: die Erfahrungen von Angehörigen einer wegen schwerer Depression stationär behandelten Person im Kontakt mit einem psychiatrischen Dienst beschreiben. Zentrale qualitative Befunde zur stationären Behandlung von Eltern: Druck: Schwierigkeiten, eine Aufnahme der Eltern zu erreichen; Betreuungslast nach der Entlassung; Einbeziehung und Anleitung: Die Familien wünschten mehr Informationen über psychiatrische Dienste und die Einbeziehung in Entscheidungen, insbesondere bei der Entlassungsplanung.
  • Wells et al. [40]. Land: Vereinigtes Königreich. Teilnehmende: Väter (n = 8) im Alter von 27–54 Jahren (M = 43 Jahre), im forensisch-psychiatrischen Maßregelvollzug untergebracht, aktuelle Unterbringungsdauer zwischen 3 Monaten und 9 Jahren; mit Kindern im Alter von 2 bis 39 Jahren. Studiendesign: halbstrukturierte Interviews, Grounded Theory. Qualitätswert: 46.5. Ziel der Studie: die Erfahrung der Vaterschaft von Männern im forensisch-psychiatrischen Maßregelvollzug untersuchen. Zentrale qualitative Befunde zur stationären Behandlung von Eltern: Elterliche Ambivalenz: Körperliche Abwesenheit führt nicht zwangsläufig zu psychischer Entfremdung; Einflussfaktoren der psychischen Verbundenheit (z. B. geografische Lage der Klinik und finanzielle Schwierigkeiten, die Mutter des Kindes, die eigenen Eltern der Teilnehmenden, professionelle Unterstützung); Wege und Schwierigkeiten, während der Unterbringung elterliche Verantwortung wahrzunehmen.
  • Zeighami et al. [41]. Land: Iran. Teilnehmende: Kinder (n = 10) im Alter von 17–26 Jahren, Schwiegertochter (n = 1), Großmütter (n = 2). Die Eltern hatten eine affektive Störung, Schizophrenie oder Zwangsstörung und waren durchschnittlich 13-mal stationär behandelt worden. Insgesamt n = 13. Studiendesign: halbstrukturierte Interviews, Grounded Theory. Qualitätswert: 51. Ziel der Studie: die psychischen Gesundheitsbedürfnisse von Kindern in verschiedenen Phasen der psychischen Erkrankung ihres Elternteils erkunden. Zentrale qualitative Befunde zur stationären Behandlung von Eltern: Druck: Belastung der Kinder, die Eltern zu überzeugen, Hilfe zu suchen bzw. sich auf der psychiatrischen Station aufnehmen zu lassen; Bedürfnisse der Kinder: Menschen, bei denen sie sein und mit denen sie während des Klinikaufenthalts des Elternteils sprechen können; Einbeziehung und Anleitung: Nach der Entlassung brauchen sie Anleitung und Aufklärung über die Situation.

Datenextraktion

Für die Datenextraktion wurde eine Excel-Tabelle angelegt, die unter anderem das Land, in dem die Studie durchgeführt wurde, die soziodemografischen Merkmale der Teilnehmenden, das Studiendesign, den Qualitätswert, das oder die Studienziele sowie die qualitativen Befunde zu den familiären Erfahrungen mit der stationären Behandlung von Eltern enthielt. Bei der Erfassung der Ergebnisse wurden sowohl Primärdaten (Aussagen der Teilnehmenden) als auch Sekundärdaten (Deutungen der Erfahrungen der Teilnehmenden durch die Verfassenden der Studien) gesichtet, die für die Erfahrungen der Familie während der stationären Behandlung eines Elternteils relevant waren, wobei Notizen zur Unterscheidung beider Datenarten angelegt wurden.

Datenanalyse

Zur Analyse der Ergebnisse wurde eine thematische Synthese durchgeführt, ein induktives Vorgehen, das einen „kritisch-realistischen“ Ansatz adaptiert [42]. Die thematische Synthese wurde gewählt, weil sie eine etablierte, wirksame Methode zur Identifizierung, Bewertung und Darstellung von Themen in systematischen Übersichtsarbeiten ist [43] und sich gut für unser Ziel eignet, die Erfahrungen der Teilnehmenden zu bündeln und zu unterscheiden, wie bei Johns et al. [44]. In Anlehnung an das Vorgehen von Thomas und Harden [43] lasen zwei Mitglieder des Forschungsteams alle Artikel mehrfach, um sich gründlich mit dem Inhalt vertraut zu machen. Dabei wurden die Ergebnisse jeder Studie Zeile für Zeile kodiert; anschließend erstellte die zweitgenannte Person eine erste Liste von Codes (siehe letzte Spalte in Tabelle 2). Diese erste Codeliste wurde dann von zwei Teammitgliedern über alle Arbeiten hinweg geprüft und durch Rückgriff auf jede einzelne Studie abgeändert, verfeinert und umstrukturiert und anschließend in „deskriptive Themen“ eingeordnet. Analytische Themen, die über die berichteten Daten hinausgingen, wurden durch wiederholtes Lesen der Originaldaten und der deskriptiven Themen sowie durch Diskussionen im Team entwickelt; daraus ergaben sich die vier hier dargestellten übergreifenden Themen. Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Familienmitgliedern wurden, wo angebracht, hervorgehoben.

Ergebnisse

Merkmale der Studien

Je zwei Arbeiten stammten aus Australien und Norwegen, die übrigen vier aus Schweden, dem Iran, den USA und dem Vereinigten Königreich. Fünf Studien untersuchten die Erfahrungen des Elternteils, der stationär psychiatrisch behandelt worden war [25, 35, 37, 38, 40]. Eine gab die Erinnerungen erwachsener Kinder an die Zeit wieder, in der ihr Elternteil stationär behandelt wurde [36]. Drei Studien stellten die Erfahrungen von Kindern unter 18 Jahren dar [25, 38, 39], eine Studie die Sichtweisen von Kindern im Alter von 17–26 Jahren [41]. Drei bezogen die Sichtweisen von Großeltern ein (Eltern der stationär behandelten Person) [25, 39, 41]. Vier Studien schlossen mehrere Familienmitglieder ein [25, 38, 39, 41]. Zwei Arbeiten konzentrierten sich ausschließlich auf stationär behandelte Mütter [35, 37], eine speziell auf Väter im forensisch-psychiatrischen Maßregelvollzug [40]. Vier Studien schlossen Familien ein, in denen ein Elternteil beliebigen Geschlechts auf einer psychiatrischen Station aufgenommen worden war [25, 36, 38, 41]. Weitere Einzelheiten siehe Tabelle 2. Es ist zu beachten, dass die letzte Spalte von Tabelle 2 die vom Forschungsteam in den frühen Phasen des Analyseprozesses identifizierten ersten Codes enthält und nicht wörtlich in den Primärstudien benannte Themen.

Thematische Synthese

Vier Themen wurden identifiziert: Druck und Verantwortung; Bedarf an Information und Anleitung; die emotionalen Bedürfnisse der Kinder; und die Eltern-Kind-Bindung während der stationären Behandlung.

Thema 1: Druck und Verantwortung

Sechs der acht Studien beschrieben den Druck, den Familienmitglieder erlebten, wenn ein Elternteil stationär behandelt wurde [25, 36, 38–41]. Eine Aufnahme für den Elternteil zu erreichen, war für Familien schwierig. Laut Skundberg-Kletthagen et al. [39] „…beschreiben sie es als einen Kampf, Hilfe zu bekommen“ (S. 119). Eine teilnehmende Person betonte, wie schwierig die Aufnahme war, obwohl der Elternteil schon früher mit dem System in Kontakt gewesen war: „Es sollte nicht so schwer sein, auf eine psychiatrische Station aufgenommen zu werden. Es ist jeden Frühling dieselbe alte Geschichte…“ ([39] S. 119). Den Elternteil davon zu überzeugen, Hilfe zu suchen, war für manche schwierig; ein Kind sagte: „Ich wende tausend Tricks an, um ihn ins Krankenhaus zu bringen“ ([41] S. 99).

Wenn Eltern aufgenommen wurden, veränderte sich die Verantwortung der Kinder. Knutsson-Medin et al. [36] fanden in den Kindheitserinnerungen Erwachsener „…Gefühle der Erleichterung, wenn während des Klinikaufenthalts jemand für ihren Elternteil verantwortlich war“ (S. 748). Eine teilnehmende Person ihrer Studie veranschaulichte dies so: „Ich fand es gut, dass meine Mutter in der Klinik versorgt wurde. Ich wusste, dass sie aß, ihre Medikamente nahm, gut schlief und sich besser fühlte“ (S. 748). Umgekehrt berichteten Skundberg-Kletthagen et al. [39] über die Sorgen erwachsener Kinder um die Qualität der Versorgung ihrer Eltern: „…es gab eine Reihe von Aushilfskräften und viele Leute, mit denen man zu tun hatte, und der Arzt war sechs Wochen weg, als Papa aufgenommen wurde“ (S. 120). Zugleich stellten die Verfassenden fest, dass sich die Kinder „sicherer fühlen, wenn sie erleben, dass das Gesundheitspersonal erreichbar ist und Veränderungen bei der erkrankten Person wahrnimmt“ (S. 120).

Weitere Belastungen und Verantwortlichkeiten wurden identifiziert. Zwei Studien [36, 38] stellten fest, dass manche Jugendliche keine Verwandten oder anderen Erwachsenen hatten, die sich um sie kümmerten, und folglich finanzielle Schwierigkeiten hatten und „sich selbst eine Unterkunft suchen mussten“ ([38] S. 5). O’Brien et al. [25] und Wells et al. [40] wiesen auf ungünstige Besuchszeiten für Familien hin, die den Elternteil besuchen wollten. Angehörige, die die Kinder betreuten, waren mit der Entscheidung belastet, ob die Kinder ihren Elternteil besuchen sollten, und fühlten sich zwischen den jeweiligen Bedürfnissen der Kinder und des Elternteils hin- und hergerissen. Ebenso stellten Wells et al. [40] fest, dass die Verantwortung, die Vater-Kind-Beziehung zu stützen und aufrechtzuerhalten, anderen Familienmitgliedern (vor allem der Mutter) zufiel. Kleine Kinder auf der Station zu beaufsichtigen, war eine weitere Aufgabe, die anderen Familienmitgliedern schwerfiel, insbesondere wenn von ihnen erwartet wurde, an Gesprächen mit dem Klinikpersonal teilzunehmen. O’Brien et al. [25] berichteten: „Mehrere Eltern und Betreuungspersonen gaben an, dass es Meinungsverschiedenheiten über Besuche der Kinder gab, wobei die Betreuungsperson bzw. der Elternteil die Besuche nicht ermöglichen wollte“ (S. 140).

Trotz der Erleichterung, ihre Eltern zu sehen, stellten O’Brien et al. [25] fest, dass Kinder bei Besuchen vielfältige Verantwortung schulterten. Manche Kinder betrachteten die Besuche als eine Form der Unterstützung für ihre Eltern und nicht als etwas zu ihrem eigenen Nutzen. Ein Kind (Alter nicht angegeben) meinte: „Wenn er uns sieht, will er schneller gesund werden“ (S. 140). Diese Vorstellung wurde manchmal von anderen Familienmitgliedern verstärkt. „Ein Kind erzählte, seine Mutter habe gesagt: ‚Mach dir nicht zu viele Sorgen… wir sind einfach für Papa da, also sei einfach für Papa da‘“ (S. 140). Eine Sorge der Kinder war, etwas zu sagen oder zu tun, das ihre Eltern aufregen würde. Ein Kind erinnerte sich, gedacht zu haben: „Vielleicht hätte ich das nicht sagen sollen… vielleicht habe ich es für sie schlimmer gemacht“ ([25] S. 141).

Die Entlassung war eine weitere belastende Zeit, in der die Kinder wissen wollten: „Wann kommst du nach Hause?“ ([40] S. 17). Die Entlassung war auch für Familien und Kinder schwierig, wenn sie die Versorgung des Elternteils wieder übernehmen mussten, bevor sie dazu bereit waren. Skundberg-Kletthagen et al. ([39] S. 120) berichteten: „Der Klinikaufenthalt war zu kurz … die Behandlung war nicht abgeschlossen und … die erkrankte Person war nicht gesund genug, um entlassen zu werden – all das bedeutete eine große Last für die Angehörigen: ‚Wir haben gesagt, sie kann nicht einfach entlassen werden; sie war nicht in der Lage, allein zurechtzukommen, aber genau das hatten sie tatsächlich vor!‘ ([erwachsene] Tochter).“ Wenn alleinerziehende Eltern entlassen wurden, standen die Kinder unter Druck; eine erwachsene Person erinnerte sich an eine frühere Erfahrung: „Ich musste mich ganz allein um meine Mutter kümmern“ ([36] S. 748).

Thema 2: Bedarf an Information und Anleitung

Sieben Studien zeigten, dass Familienmitglieder Informationen und Anleitung zur Erfahrung der stationären Behandlung brauchten [25, 35, 36, 38–41]. Diese Bedürfnisse wurden jedoch vom Klinikpersonal oft nicht erfüllt. Einige Familienmitglieder hatten den Eindruck, dass der Schweigepflicht gegenüber dem Elternteil Vorrang eingeräumt wurde, auf Kosten ihrer Einbeziehung in die Behandlungsplanung oder ihrer Information über die Fortschritte des Elternteils [39]. Kinder fühlten sich von Informationen über die Behandlung ihres Elternteils besonders ausgeschlossen. Ein Kind (Alter nicht angegeben) sagte: „Man sollte nicht im Dunkeln gelassen werden, nur weil man ein Kind ist, und vielleicht trauen sie uns nichts zu… man kann damit umgehen. Es ist viel beängstigender, nichts zu wissen“ ([25] S. 141). Laut Knutsson-Medin et al. [36] „gaben einige Kinder an, dass sie selbst nach einem Suizidversuch ihres Elternteils keinerlei Informationen erhielten“ (S. 748).

O’Brien et al. [25] stellten fest, dass Eltern, Kinder und andere Angehörige gleichermaßen enttäuscht waren über das Fehlen von Informationen oder Anleitung zu Besuchen der Kinder bei ihren Eltern in der Klinik. Wenn sie Kinder in die Klinik brachten, wünschten sich die Familienmitglieder Rat, wie sie den Besuch planen und die Kinder vorbereiten könnten. Sie wünschten sich auch „Unterstützung bei der Begrüßung und beim Abschied“ (S. 141). Die Kinder wollten wissen, wie sie sich auf der Station verhalten sollten. Jedoch „gab es kaum Unterstützung, wenn Kinder zu Besuch kamen oder wenn über einen Besuch entschieden werden musste. Eine Betreuungsperson merkte an: ‚Niemand hat sich dafür interessiert, ob das Kind mitkam oder nicht… Ich kann nicht sagen, dass uns auch nur eine Person vom Personal beraten hätte‘“ ([25] S. 141). Väter wünschten sich, dass Fachkräfte ihnen helfen, bei Klinikbesuchen die Bindung zu ihren Kindern aufzubauen, da sie sich dies allein nicht zutrauten [40]. Gestützt auf eine einzelne Fallstudie empfahlen Kosman et al. ([35] S. 282), Müttern mit postpartaler Depression „häufige und längere begleitete Besuche mit dem Neugeborenen; Stillberatung und einen geschützten Raum zum Abpumpen und Aufbewahren der Muttermilch“ anzubieten.

Stationär behandelte Eltern wünschten sich, dass das Personal ihren Kindern und ihrer Partnerin oder ihrem Partner Psychoedukation über ihre psychische Erkrankung anbietet [38]. Auch die Kinder sagten, dass sie sich diese Informationen wünschten [25, 36, 41]. O’Brien et al. [25] stellten fest: „Kinder (insbesondere ältere Kinder), die während des Klinikaufenthalts ihres Elternteils an Familiengesprächen teilgenommen hatten, schätzten es, einbezogen zu werden und die Erkrankung ihres Elternteils ein Stück weit zu verstehen“ (S. 141). Schließlich wünschten sich manche Kinder Anleitung, wie sie nach der Entlassung mit ihrem Elternteil umgehen sollten: „Wir müssen wissen, wie wir mit ihm umgehen und wie wir ihn behandeln sollen… Sie sollten uns beibringen, wie wir ihn behandeln, um Konflikte zu vermeiden“ ([41] S. 99).

Thema 3: die emotionalen Bedürfnisse der Kinder

Die Kinder erlebten eine Vielzahl von Gefühlen, wenn ihre Eltern stationär behandelt wurden. Manche Kinder wurden antriebslos, depressiv und zogen sich zurück [38, 41], während andere Angsterfahrungen beschrieben: „Dieser Gedanke [dass der Elternteil nicht gesund wird] bleibt bei dir… du denkst nicht logisch… du denkst mit deinen Gefühlen“ ([25] S. 141). Der Aufenthalt in der Klinikumgebung war für manche Kinder emotional schwierig. Eine erwachsene Person erinnerte sich an ihre Kindheitsbesuche bei einem Elternteil in der Klinik: „Die düstere Atmosphäre und die Einrichtung machten mir Angst…“ ([36] S. 749).

In vier Studien [25, 36, 38, 41] beschrieben Kinder unterschiedlichen Alters ein Bedürfnis nach Verbundenheit und nach „jemandem, mit dem man die Dinge durchsprechen kann“ ([38] S. 5). Ein älteres Kind bemerkte: „Ich brauche jemanden, der sich hinsetzt und mit mir redet, mich in eine andere Stimmung versetzt und mich davon abhält, mich an meine Vergangenheit zu erinnern“ ([41] S. 98–99). Die Kinder suchten diese Unterstützung bei verschiedenen Quellen. Sowohl die stationär behandelten Eltern als auch die Kinder erkannten an, dass Geschwister sich oft gegenseitig unterstützten [38]. Auch die erweiterte Familie war wichtig. Eine erwachsene Person erinnerte sich: „…wir gehen zu meiner Großmutter oder zu meinem Onkel, um nicht allein zu sein. Wenn wir allein sind, ist unsere Moral schwer angeschlagen. Wenn aber jemand zu uns nach Hause kommt, uns begrüßt und tröstet, hebt das unsere Stimmung erheblich“ ([41] S. 99). Ein Kind fand Trost bei seinem Hund: „Mein Hund ist das, was einem menschlichen Kontakt tagelang am nächsten kommt, wenn meine Mama in der Klinik ist“ ([38] S. 6).

Obwohl die Familien sich wünschten, dass das Klinikpersonal die Kinder unterstützt, berichteten sie von „…mangelnder Unterstützung und fast keinem Kontakt seitens des Personals“ ([36] S. 750). Eltern wie Kinder gaben an, dass das Personal nach der Aufnahme der Eltern eine Nachbesprechung mit den Kindern führen sollte [38]. Ähnlich sagte ein Kind, dass „jemand nachsehen sollte, ob es dem Kind gut geht, bevor es“ die Klinik nach dem Besuch bei den Eltern „verlässt“ ([25] S. 141). Ebenso wünschten sich manche Kinder eigene professionelle Unterstützung; eine erwachsene teilnehmende Person reflektierte: „Ich hätte mir gewünscht, mit einer Sozialarbeiterin oder einem Psychologen sprechen zu können, mit jemandem, der mich nach meinen Reaktionen gefragt hätte…“ ([36] S. 749). Eine andere Person meinte: „Die Schulsozialarbeit unserer Schule hätte informiert werden sollen“ ([36] S. 749), damit man über die Schule Unterstützung erhalten könne.

Thema 4: die Eltern-Kind-Bindung während der stationären Behandlung

Vier Arbeiten [25, 35, 37, 40] stellten Befunde zu Erfahrungen mit der Eltern-Kind-Bindung während der stationären Behandlung des Elternteils vor. Manche Eltern standen der stationären psychiatrischen Behandlung ambivalent gegenüber: So beschrieb eine Mutter, dass ihr der Klinikaufenthalt für ihre psychische Gesundheit gutgetan habe [35], berichtete aber zugleich, dass es schwierig gewesen sei, eine Bindung zu ihrem Kind aufzubauen und sich an seiner Versorgung und Erziehung zu beteiligen – eine Erfahrung, von der auch Väter im forensisch-psychiatrischen Maßregelvollzug berichteten [40].

Zwei Studien stellten fest, dass manche Eltern während der stationären Behandlung ein Gefühl der Entfremdung von ihren Kindern erlebten [35, 40]. Obwohl sie über Telefonate oder Besuche mit ihren Kindern in Kontakt blieben, beschrieben zwei Arbeiten, eine Studie mit Müttern ([35] S. 280) und eine mit Vätern ([40] S. 14), dass sie die Entwicklung ihrer Kinder „verpassten“ und sich deshalb schuldig fühlten und Reue empfanden. Manche Väter hatten das Gefühl, bei Fragen der Kinderbetreuung nicht mehr mitreden zu können [40]. Für andere Väter führte die körperliche Abwesenheit von ihren Kindern jedoch nicht zwangsläufig zu psychischer Entfremdung, wie ein Vater berichtete: „Meine Kinder werden immer um mich sein … wenn nicht körperlich, dann geistig werden sie immer um mich sein“ ([40] S. 11). Diese psychische Verbundenheit kann aufrechterhalten werden, indem man „sein Kind bzw. seine Kinder gedanklich präsent hält“ ([40] S. 15), oder durch den Kontakt mit den Kindern, der „die… Härte nimmt, sozusagen eine Strafe in einer psychiatrischen Klinik absitzen zu müssen… Ich kann jederzeit zum Telefon greifen und die Kinder anrufen ([40] S. 19).

Die Eltern-Kind-Bindung wurde auch durch die praktischen Fragen der Organisation von Besuchen der Kinder beeinträchtigt, die wegen Transport- und Kostenproblemen nicht leicht zu organisieren waren [25, 40]. Das soziale Unterstützungsnetz, insbesondere der andere Elternteil und die Großeltern der Kinder, war ein weiterer Faktor, der die Besuchsmöglichkeiten der Kinder beeinflusste. Eine stationär behandelte Mutter konnte die Bindung zu ihrem Baby aufrechterhalten, weil ihr Partner und ihre Mutter sich abwechselten, das Kind in die Klinik zu bringen, und ihr Fotos des Babys mitbrachten [35]. Ebenso versuchte ein Vater, ein harmonisches Verhältnis zur Mutter seiner Kinder zu pflegen, „damit ich mit ihnen [den Kindern] sprechen kann, wenn ich es brauche“ ([40] S. 13). Andere Väter gaben dagegen an, dass ihre ehemaligen Partnerinnen die Kinder während des Klinikaufenthalts von ihnen fernhielten, und dass „es von deiner besseren Hälfte abhängt, ob sie sie mitbringen will“ ([40] S. 19).

Manche Eltern waren unsicher, ob ihre Kinder sie besuchen sollten. Einige erkannten den Nutzen, ihre Kinder zu sehen, z. B.: „Wenn die Familie (mich) besuchen kommt, ist das eines der besten Heilmittel“ ([25] S. 139), und die Kinder zu sehen war „das einzig Positive, was in meinem Leben gerade passiert“ ([40] S. 11). Auch die Familienmitglieder erkannten den Nutzen der Besuche für den Elternteil, da diese ihre „Kinder vielleicht viele Wochen lang nicht gesehen haben… und es ist für sie ziemlich belastend, getrennt zu sein und ihren Kindern nicht versichern zu können, dass es ihnen gut geht“ ([25] S. 140). Einige Eltern gaben jedoch an: „Ich will nicht, dass ihr irgendjemand sagt, dass ich in diese Art von Klinik gehe“, was nach Angaben der Verfassenden auf die „Angst zurückging, ihr Kind könnte anderen erzählen, wo seine Mutter sei, und dadurch selbst stigmatisierende Reaktionen auf sich ziehen“ ([25] S. 140).

Viele Eltern machten sich Sorgen darüber, dass ihre Kinder sie in der Klinik besuchen, und manche Mütter „fürchteten, dass die Diagnose sie als Mütter definieren würde. Sie hatten das Gefühl, Gefahr zu laufen, ihre Kinder zu verlieren“ ([37] S. 6). Infolgedessen spielten sie ihre psychischen Schwierigkeiten im Gespräch mit klinischen Fachkräften herunter, obwohl sie wussten, dass dies ihre eigene Genesung beeinträchtigte: „Ich habe wohl Angst, als Verrückte abgestempelt zu werden, und dann nehmen sie mir meine Kinder weg…“ ([37] S. 7). Ebenso äußerte ein Vater, der sich wegen Kinderschutzverfahren sorgte: „Ich bin nicht erfreut… sie [das Personal] nehmen dem Besuch den Moment“ ([40] S. 21). Umgekehrt förderten manche Fachkräfte auf den Stationen die Bindung der Eltern zu ihren Kindern, indem sie zu Besuchen ermunterten und fragten: „‚Wann holt dich deine Tochter ab?‘… sie [das Personal] wollen immer wissen, was sie [die Tochter] sonst noch macht… meine Jungs kommen und sie ziehen sie ein bisschen auf… das ist gut so… sehr unterstützend und sehr wichtig für mich“ ([40] S. 14).

Auch wenn es schwierig war, versuchten manche Eltern, ihre elterliche Verantwortung innerhalb der Grenzen der Klinik wahrzunehmen. Eine Mutter mit postpartaler Depression pumpte Muttermilch ab, damit ihr Partner das gemeinsame Baby füttern konnte [35], während manche Väter im forensisch-psychiatrischen Maßregelvollzug „väterliche Erziehungspraktiken ausübten“, darunter emotionale Unterstützung, Orientierung und Geld für ihre Kinder ([40] S. 18).

Diskussion

Diese Übersichtsarbeit wollte die berichteten Erfahrungen von Eltern, Kindern und anderen Familienmitgliedern erfassen, wenn ein Elternteil wegen seiner psychischen Erkrankung stationär behandelt wird. Während der stationären Behandlung berichteten manche Kinder, erleichtert zu sein, dass für den Elternteil gesorgt wurde, während andere finanzielle Schwierigkeiten und Probleme mit der Unterkunft erlebten. Angehörige, die die Kinder betreuten, waren unsicher, ob und wie die Kinder den Elternteil in der Klinik besuchen sollten. Die Trennung vom Elternteil und die Atmosphäre der Klinik belasteten die Kinder emotional; sie wussten nicht, wie sie ihren Elternteil unterstützen sollten oder ob sie es überhaupt sollten. Die Familienmitglieder betonten den Bedarf an psychoedukativen Informationen und an Anleitung für Besuche der Kinder beim Elternteil in der Klinik. Die Kinder äußerten verschiedene Gefühle und das Bedürfnis, mit anderen in Verbindung zu stehen. Schließlich wirkte sich die stationäre Behandlung nachteilig auf die Eltern-Kind-Bindung aus.

Viele Erfahrungen der Familienmitglieder decken sich mit anderer Forschung, die die Probleme stationär behandelter Menschen beschreibt, angemessene und rechtzeitige Unterstützung zu erhalten [45], sowie die Probleme bei der Entlassung [46]. Der familiäre Blickwinkel, den die identifizierten Studien eröffneten, zeigt, dass diese Probleme nicht nur von der stationär behandelten Person erlebt werden, sondern auch Kinder, Partnerin oder Partner und andere Familienmitglieder betreffen. So wünschten sich Familienmitglieder, insbesondere Kinder, dass ihre angehörige Person rechtzeitig Unterstützung erhält; zudem waren sie unsicher, wie sie ihren Elternteil bzw. Angehörigen nach der Entlassung aus der Klinik unterstützen sollten. Die Unsicherheit der Eltern bezüglich Familienbesuchen und die überwiegend negativen Erfahrungen der Kinder bei Besuchen ihres Elternteils in der Klinik sind angesichts des Unbehagens klinischer Fachkräfte gegenüber familienorientierter Arbeit in diesen Settings und fehlender organisatorischer Vorgaben vielleicht nicht überraschend [24].

Die Übersichtsarbeit ergab, dass die Bedürfnisse der Kinder vom Klinikpersonal nicht ausreichend berücksichtigt wurden, wenn sie ihre Eltern in der Klinik besuchten und unterstützten. Infolgedessen erlebten die Kinder verschiedene Gefühle, darunter Niedergeschlagenheit und Angst. Sie brauchten außerdem jemanden, mit dem sie sprechen oder die Erfahrung des Besuchs bei ihrem Elternteil nachbesprechen konnten und der ihnen Informationen über die Erkrankung und die Behandlung ihres Elternteils gab, sowie Zugang zu professioneller Unterstützung für sich selbst. Sowohl die Kinder als auch andere Familienmitglieder (der andere Elternteil und die Großeltern) wünschten sich Anleitung, ob die Kinder ihren Elternteil besuchen sollten und, falls ja, wie der Besuch am besten zu gestalten sei. Jede Familie ist einzigartig, und deshalb ist es entscheidend, dass klinische Fachkräfte diese Gespräche begleiten, damit sie mit der Familie als Ganzer geführt werden, sodass alle Familienmitglieder sagen können, was sie wollen und brauchen, und sich diese Bedürfnisse im Laufe der Zeit auch verändern dürfen.

Die elterlichen Bedürfnisse einer behandelten Person anzuerkennen und zu unterstützen, kann ein wichtiger Teil ihres Genesungswegs sein [10]. Die Ergebnisse dieser Übersichtsarbeit stützen diesen Zusammenhang für stationär behandelte Menschen, zeigten aber zugleich die Angst der Eltern vor einer assoziativen Stigmatisierung des Kindes aufgrund seiner Beziehung zum Elternteil sowie die Angst vor einer möglichen negativen, verurteilenden Reaktion des Kindes darauf, dass der Elternteil in „dieser Art von Klinik“ ist ([25] S. 140). Solche Stigmaerfahrungen sind auch andernorts dokumentiert [47] und decken sich mit den Erfahrungen der Familien in den gesichteten Studien. Eltern äußerten zudem die Angst, ihre Kinder wegen ihrer Erkrankung zu verlieren – eine Angst, die in manchen Ländern begründet ist. In den USA etwa stellten Roscoe et al. [9] fest, dass sich die Wahrscheinlichkeit, dass Eltern die Kinder weggenommen werden, bei psychisch erkrankten Eltern mehr als verdoppelte. Bemühungen, die elterliche psychische Erkrankung in der Öffentlichkeit zu entstigmatisieren und die Gesundheitskompetenz in Bezug auf psychische Gesundheit in Familien zu fördern [48], könnten dazu beitragen, Erfahrungen mit psychischer Erkrankung, insbesondere stationäre Behandlungen, zu normalisieren und Empathie und Verständnis innerhalb und außerhalb der Familie zu fördern.

Diese Übersichtsarbeit konzentrierte sich auf begutachtete englischsprachige Veröffentlichungen, wodurch relevante Befunde in anderen Sprachen oder in der grauen Literatur, etwa Regierungsveröffentlichungen oder studentische Abschlussarbeiten, ausgeschlossen worden sein könnten. Es wurden nur acht Studien identifiziert. Der Begriff „carer“ (Betreuungsperson) wurde in der Suchstrategie nicht verwendet; hätte man ihn verwendet, wären möglicherweise weitere Arbeiten gefunden worden. Der mittlere Qualitätswert der acht Studien lag bei 44,9 (von 62), mit einer Spanne von 18,5 (gering) bis 52,5 (hoch). Die meisten Qualitätsprobleme betrafen undefinierte Forschungsziele und unklare Angaben zu Studiendesign, Einschlusskriterien, soziodemografischen Merkmalen der Teilnehmenden (insbesondere zur Diagnose) und Methoden der Datenerhebung. Zahlreiche Arbeiten ließen zudem unklar, welche Teilnehmenden bestimmte Gedanken und Zitate in den Studienergebnissen geäußert hatten. Solche Einschränkungen erschwerten es, die Bedürfnisse der Familienmitglieder zu unterscheiden; daher ist weitere Forschung nötig, um die möglicherweise unterschiedlichen Bedürfnisse der Familienmitglieder herauszuarbeiten. Ebenso müssen die jeweiligen Sichtweisen stationär behandelter Mütter und Väter unterschieden werden, da sie Elternschaft mit einer psychischen Erkrankung unterschiedlich erleben [49]. Erfahrungen und Bedürfnisse je nach Alter und Entwicklungsstand der Kinder sind ein zentraler Gesichtspunkt für künftige Forschung. Auch kulturelle und geografische Faktoren sollten in künftiger Forschung berücksichtigt werden, darunter unterschiedliche Gesundheitssysteme, die Verfügbarkeit von Versorgung und kulturelle Sichtweisen auf die Behandlung psychischer Erkrankungen und auf Elternschaft. Ebenso könnten künftige Studien die eigene Rolle und die Bedürfnisse anderer Familienmitglieder, darunter Partnerin oder Partner und Großeltern, gesondert untersuchen. Keine der Arbeiten berücksichtigte, ob der Elternteil freiwillig oder unfreiwillig stationär behandelt wurde; dies verdient eine weitere Untersuchung. Die Erfahrungen von Familien, in denen ein Elternteil ein Substanzmissbrauchsproblem hat und stationär behandelt wird, könnten Gegenstand einer künftigen Übersichtsarbeit sein.

Die Ergebnisse der Übersichtsarbeit legen zusammen mit früherer Forschung [10, 15, 16] nahe, dass Leitlinien guter Praxis für das Klinikmanagement zur familienorientierten Praxis erforderlich sind, einschließlich Strategien für die Arbeit mit den verschiedenen Familienmitgliedern vor, während und nach Phasen stationärer Behandlung. Auch Vorgaben zu familienfreundlichen Besuchsräumen und Besuchszeiten könnten notwendig sein. Es ist zu untersuchen, wie Eltern und Kinder in dieser Zeit in Kontakt bleiben können, ebenso wie kindgerechte psychoedukative Materialien [50]. Jemanden zum Reden zu haben (ein anderes Familienmitglied und/oder eine Fachperson), kann helfen, auf die emotionalen Bedürfnisse von Kindern einzugehen [51], ebenso wie Peer-Support-Programme, in denen junge Menschen in einer unterhaltsamen und unterstützenden Umgebung mit Gleichaltrigen in Kontakt kommen [52]. Informationen über psychische Erkrankungen im Allgemeinen und über die Erkrankung ihres Elternteils im Besonderen können ebenfalls die Ängste der Kinder lindern, wenn sie kindgerecht vermittelt werden [53].

Diese Studie wollte die Forschung zu den Erfahrungen von Familien synthetisieren, wenn ein Elternteil wegen seiner psychischen Erkrankung stationär behandelt wird. Auch wenn weitere Forschung nötig ist, um diese Ergebnisse zu bestätigen und zu erweitern, hat die Übersichtsarbeit gezeigt, wie wichtig Versorgungsmodelle sind, die familienfreundliche Besuchsräume und Besuchszeiten vorsehen, aber auch kompetentes Personal und Verfahren, um den Elternteil, die Kinder und andere Familienmitglieder in dieser Zeit zu unterstützen. Solche Bemühungen kommen nicht nur dem Elternteil zugute, sondern auch seiner Familie, insbesondere den Kindern.

Abkürzungen

  • FFP: familienorientierte Praxis (Family focused practice)
  • PRISMA: Modell Preferred Reporting Items for Systematic Reviews and Meta-Analyses

Complexe Systémique: das Wichtigste

Diese Übersichtsarbeit hat das Verdienst, den psychiatrischen Klinikaufenthalt eines Elternteils als familiäres Ereignis und nicht als individuelle Episode zu behandeln. Die acht Studien zeigen Bewegungen, die in der systemischen Praxis wohlbekannt sind: Kinder, die den Elternteil zur Aufnahme überreden und sich nach der Entlassung um ihn kümmern, Besuche, die eher als zu leistende denn als empfangene Unterstützung erlebt werden, Geheimnisse, die aus Angst vor Stigmatisierung oder vor einer Herausnahme der Kinder bewahrt werden, eine Schweigepflicht, die Angehörige ausschließt. Hier lassen sich Parentifizierung und Loyalitäten am Werk erkennen, und daraus ergeben sich einfache Praktiken: ein Familiengespräch bei Aufnahme und Entlassung, ein Platz für die Kinder in diesen Gesprächen, Aufmerksamkeit für Geschwister und Großeltern, die einspringen. Die Reichweite bleibt begrenzt: acht heterogene Studien, darunter eine einzelne Fallstudie von geringer Qualität und eine Untersuchung mit Vätern in der forensischen Psychiatrie, ausschließlich englischsprachige Quellen und Stimmen von Kindern, die oft von Erwachsenen wiedergegeben oder Jahre später rekonstruiert werden. Zu lesen zusammen mit dem Artikel über Geschwister angesichts psychischer Belastung der Eltern und dem Artikel über die systemische familiäre Hospitalisierung.

Anmerkungen aus dem Original

Anmerkung des Verlags Springer Nature bleibt neutral in Bezug auf Zuständigkeitsansprüche in veröffentlichten Karten und institutionellen Zugehörigkeiten.

Danksagung. Entfällt.

Beiträge der Verfassenden. PT und AR trugen zur Konzeption und zum Design der Studie bei. Die systematische Literaturrecherche, die Datenextraktion und die Qualitätsbewertung führten MH, LC und PT durch. Die Daten wurden von allen Verfassenden analysiert. Den ersten Entwurf des Manuskripts verfasste AR. Alle Verfassenden kommentierten und überarbeiteten frühere Fassungen des Manuskripts kritisch. Alle Verfassenden haben das endgültige Manuskript gelesen und gebilligt.

Finanzierung. Die Verfassenden erklären, keine finanzielle Förderung erhalten zu haben.

Ethikvotum und Einwilligung zur Teilnahme. Entfällt.

Einwilligung zur Veröffentlichung. Entfällt.

Interessenkonflikte. Alle Verfassenden erklären, dass in Bezug auf den Inhalt dieser Studie keine Interessenkonflikte bestehen.

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Inoffizielle deutsche Übersetzung von Experiences of family members when a parent is hospitalized for their mental illness: a qualitative systematic review von Andrea Reupert, Phillip Tchernegovski, Lingling Chen und Maddison Huddle, BMC Psychiatry, Bd. 23, Artikel 56 (2023), doi: 10.1186/s12888-023-04530-4, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzung und Satz: Complexe Systémique, Oktober 2026, mit Unterstützung künstlicher Intelligenz; das Werk wurde im Sinne der Lizenz bearbeitet (Übersetzung, Tabellen als Listen wiedergegeben). Weder die Verfassenden noch der Verlag sind für diese Übersetzung verantwortlich; maßgeblich ist die Originalfassung.

Dies ist eine inoffizielle deutsche Übersetzung des Originalartikels „Experiences of family members when a parent is hospitalized for their mental illness: a qualitative systematic review“, erschienen in BMC Psychiatry (2023) unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz, wie am Anfang dieser Seite angegeben; maßgeblich ist die Originalfassung.

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Reupert, A., Tchernegovski, P., Chen, L., und Huddle, M. (2023). Experiences of family members when a parent is hospitalized for their mental illness: a qualitative systematic review. Complexe Systémique. https://app.complexe-systemique.com/en_GB/articles/experiences-of-family-members-when-a-parent-is-hospitalized-for-their-mental-illness (Originalwerk 2023 erschienen in BMC Psychiatry, 23, 56 (2023); 2023 erneut veröffentlicht von BMC Psychiatry, https://bmcpsychiatry.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12888-023-04530-4)

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