KI-gestützte Übersetzung

Diese Fassung wurde von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz aus dem Englischen übersetzt. Im Zweifelsfall ist die Originalfassung maßgeblich.

Family Relations · Familie

Familiendynamik, Kindheitstrauma und Geschlechternormen bei Männern, die in der Türkei wegen Partnerschaftsgewalt verurteilt wurden

Wie erzählen Männer, die wegen Gewalt gegen ihre Partnerin verurteilt wurden, von ihrer Kindheit und ihren Taten? In einem Gefängnis im Südosten der Türkei hat Fatma Ayhan 44 Inhaftierte befragt: sehr früh erlittene Gewalt, Kinderarbeit, Vernachlässigung und fast überall traditionelle Geschlechternormen. Und doch rechtfertigt nur ein Viertel von ihnen die Gewalt offen.

Autorin Fatma Ayhan (Faculty of Health Science, Batman University), TürkeiErstveröffentlichung Family Relations, 11. Juni 2026Übersetzung Complexe Systémique, inoffizielle KI-gestützte Übersetzung

Inoffizielle deutsche Übersetzung von Family dynamics, childhood trauma, and gender norms among men convicted of partner violence in Türkiye von Fatma Ayhan, erschienen in Family Relations (Wiley) (2026), doi: 10.1111/fare.70214, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique im Oktober 2026 mit Unterstützung künstlicher Intelligenz: Der Originaltext wurde ins Deutsche übersetzt und neu gesetzt, was eine Bearbeitung des Werks im Sinne der Lizenz darstellt. Tabellen werden als Listen dargestellt. Diese Übersetzung stammt weder von den Verfassenden noch vom Verlag, die weder für ihren Inhalt noch für etwaige Fehler verantwortlich sind. Maßgeblich ist die Originalfassung.

Trauma allein führt nicht einheitlich zu einer moralischen Rechtfertigung von IPV.

Fatma Ayhan

Zusammenfassung

Ziel. Diese Studie untersuchte die soziodemografischen Merkmale von Männern, die wegen Gewalt in Paarbeziehungen (intimate partner violence, IPV) verurteilt wurden, ihre Gewalterfahrungen in der Kindheit, ihre Geschlechternormen und die Bedeutungen, die sie ihrer Gewaltausübung zuschreiben.

Hintergrund. Ausgehend vom ökologischen Modell zum Verständnis von IPV wird Gewalt als Ergebnis von Wechselwirkungen zwischen individuellen, beziehungsbezogenen, gemeinschaftlichen und gesellschaftlichen Faktoren konzeptualisiert. Die Studie untersuchte, wie die Familiendynamik der Teilnehmer, die Interaktionen mit der Partnerin und Einflüsse der Gemeinschaft mit individuellen und gesellschaftlichen Faktoren zusammenwirken und gewalttätiges Verhalten prägen. Durchgeführt in einer Provinz im Südosten der Türkei, in der patriarchale und ehrbasierte Normen nach wie vor einflussreich sind, bietet die Studie eine kontextuell verankerte Analyse dazu, wie Männer IPV konstruieren und rechtfertigen. Nationale Daten zeigen, dass etwa 38% der jemals verheirateten Frauen in der Türkei körperliche oder sexuelle IPV erlebt haben.

Methode. Vierundvierzig inhaftierte Männer, die wegen Gewalt gegen ihre Partnerin verurteilt worden waren, wurden gezielt ausgewählt (Purposive Sampling). Die Daten wurden mit halbstrukturierten Interviews erhoben und mittels induktiver qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet.

Ergebnisse. Die Analyse ergab sieben Hauptthemen: Kindheitstraumata, persönliche und familiäre kriminelle Vorgeschichte, Verhalten in der Kindheit, angegebene Gründe für IPV, angegebene Gründe für Femizid, Einstellungen zu Gewalt und Geschlechternormen. Zur besseren Transparenz wird angegeben, wie viele Teilnehmer zu jedem Thema beitrugen. Traditionelle Geschlechternormen waren allgegenwärtig (37/44, 84,1 %), eine Rationalisierung von Gewalt zeigte sich bei einer Teilgruppe (11/44, 25%). Die Befunde verdeutlichen Muster der Normalisierung, der Rechtfertigung und der soziokulturellen Rahmung in den Erzählungen der Teilnehmer.

Schlussfolgerung. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung mehrdimensionaler Präventions- und Interventionsstrategien, die frühe Gewalterfahrungen, starre Geschlechternormen und soziokulturelle Rechtfertigungen von IPV adressieren.

EINLEITUNG

Gewalt gegen Frauen, insbesondere Gewalt in Paarbeziehungen (IPV) und sexuelle Gewalt, stellt ein erhebliches Problem der öffentlichen Gesundheit und eine Verletzung der Menschenrechte der Betroffenen dar. Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge erleben weltweit etwa 30% der Frauen im Laufe ihres Lebens körperliche und/oder sexuelle IPV oder sexuelle Gewalt durch Personen, die nicht ihre Partner sind. Diese Zahlen verdeutlichen die weltweite Verbreitung und Bedeutung von IPV als Problem der öffentlichen Gesundheit. Der größte Teil dieser Gewalt ist vermeidbar. Dem Gesundheitswesen kommt eine wichtige Verantwortung zu, Frauen, die Gewalt erfahren, umfassend gesundheitlich zu versorgen und/oder sie an andere Unterstützungsangebote zu verweisen, die sie möglicherweise benötigen (WHO, 2024).

Die vorliegende Studie stützte sich theoretisch vor allem auf das ökologische Modell von Heise (1998). Dieses Modell ermöglicht ein mehrdimensionales Verständnis von IPV, indem es individuelle Lebensgeschichten mit umfassenderen sozialen und kulturellen Einflüssen verknüpft. Im türkischen Kontext – insbesondere in der südöstlichen Region – prägen starke patriarchale Traditionen, eine Geschlechterhierarchie und ehrbasierte Normen die Einstellungen und Verhaltensweisen von Männern gegenüber Frauen maßgeblich (Dikmen & Münevver, 2020; Hacettepe University Institute of Population Studies, 2019; Sakalh-Uğurlu & Glick, 2003). In der Türkei prägen patriarchale Geschlechternormen und ehrbasierte kulturelle Werte weiterhin die Einstellungen von Männern zu Beziehungen und Männlichkeit (Dikmen & Münevver, 2020; Hacettepe University Institute of Population Studies, 2019). Die Kontrolle von Männern über Frauen wird gesellschaftlich häufig als Schutz der Familienehre gerechtfertigt, und eine Abweichung von traditionellen weiblichen Rollen kann Gewalt auslösen (Kocacık & Dogan, 2006; Sakalh-Uğurlu & Glick, 2003). Darüber hinaus stellen inhaftierte Männer in der Türkei eine besonders risikoreiche Gruppe für die Ausübung von IPV dar, da eine Inhaftierung häufig mit antisozialen Merkmalen, Traumaexposition und dem Festhalten an starren Männlichkeitsideologien einhergeht (Sehlikoğlu et al., 2025). Studien mit inhaftierten Männern in verschiedenen Ländern haben gezeigt, dass ihre IPV im Vergleich zu nicht inhaftierten Männern tendenziell schwerer ist und enger mit Dominanz, Eifersucht und Substanzkonsum zusammenhängt (Henning & Feder, 2004). Die Auseinandersetzung mit IPV im Kontext türkischer Gefängnisse bietet daher wertvolle Einblicke, wie strukturelle Ungleichheit, kulturelle Normen und Inhaftierung zusammenwirken und das gewalttätige Verhalten von Männern prägen. Das Verständnis dieser Dynamiken ist für die Interpretation der Ergebnisse dieser Studie unerlässlich. Nach dem ökologischen Modell von Heise (1998) entsteht IPV aus dem Zusammenspiel von Faktoren auf vier Ebenen: individuell (z. B. Kindheitstrauma, Emotionsregulation, Temperament), beziehungsbezogen (z. B. familiäre Konflikte, Paardynamik), gemeinschaftlich (z. B. soziale Isolation, wirtschaftlicher Stress) und gesellschaftlich (z. B. Geschlechternormen, patriarchale Werte). Im Kontext der Türkei – insbesondere in der südöstlichen Region – wirken diese Ebenen innerhalb eines soziokulturellen Systems zusammen, das Ehre, Gehorsam und traditionelle Männlichkeit betont. Dieses Modell leitete daher sowohl die Forschungsfragen als auch die Interpretation der Befunde und verknüpfte die persönlichen Traumageschichten der Männer mit umfassenderen kulturellen Strukturen, die geschlechtsspezifische Gewalt aufrechterhalten.

Mehr als ein Viertel (27%) der Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren weltweit, die in einer Beziehung waren, berichten, irgendeine Form körperlicher und/oder sexueller Gewalt durch ihren Partner erlebt zu haben (WHO, 2024). Psychische Gewalt ist die am weitesten verbreitete Form von Partnerschaftsgewalt gegen Frauen, gefolgt von körperlicher Gewalt (Santos et al., 2020). Die jüngste nationale Erhebung aus der Türkei ergab, dass 26%, 8%, 15% bzw. 5% der Frauen in den vorangegangenen 12 Monaten emotionale oder psychische, körperliche, wirtschaftliche bzw. sexuelle Gewalt durch ihren Ehemann oder Partner erlitten hatten (Research on Domestic Violence against Women in Turkey, 2015).

Viele IPV-Handlungen enden in einem Femizid (Silva & Schermann, 2021). IPV macht 7% der gesamten Krankheitslast bei Frauen im Alter von 18 bis 44 Jahren aus und beeinträchtigt das emotionale und soziale Wohlbefinden ganzer Familien (Mikton, 2010). Die WHO betont, dass Gewalterfahrungen die körperliche, psychische, sexuelle und reproduktive Gesundheit von Frauen beeinträchtigen und in manchen Kontexten das Risiko einer HIV-Infektion erhöhen können (WHO, 2024). Die gravierendsten Folgen, die in der wissenschaftlichen Literatur bei Frauen mit IPV-Erfahrung beschrieben werden, sind psychische Störungen, kognitive, emotionale und Verhaltensprobleme sowie körperliche Verletzungen (Souza & Silva, 2019). Das Selbstwertgefühl von Frauen, die IPV ausgesetzt sind, wird beeinträchtigt, und ihre Genesung wird durch daraus resultierende Verluste in den Bereichen Einkommen, Beschäftigung, Wohnen und Verbesserung der sozialen Teilhabe erschwert (Hing et al., 2021; Moulding et al., 2021). Diabetes (Stubbs & Szoeke, 2022), Depression, Angststörungen, posttraumatische Belastungsstörung und Suizidgedanken (Pico-Alfonso et al., 2006) treten bei diesen Frauen häufiger auf.

Studien zu den allgemeinen Merkmalen von Männern, die Gewalt gegen Frauen ausüben, zeigen, dass individuelle (Impulsivität, geringe Selbstachtung und Unsicherheit), verhaltensbezogene (Konsum von Alkohol und anderen Drogen) und kontextuelle (patriarchale Gesellschaft) Merkmale, die mit dem Täterprofil verbunden sind, die Ausübung häuslicher Gewalt erklären können (Scott & Oliveira, 2018). Auch die internationale Forschung zu männlichen Tätern von IPV hat mehrere, miteinander interagierende Bereiche hervorgehoben: individuelle Impulsivität und geringes Selbstwertgefühl, Verhaltensmuster wie Substanzkonsum sowie kontextuelle Einflüsse wie patriarchale Normen und sozioökonomische Benachteiligung (Fulu et al., 2017; Scott & Oliveira, 2018). Diese Muster stimmen mit dem ökologischen Modell von Heise überein und begründen die mehrdimensionale Untersuchung der Traumageschichten, Temperamente und Geschlechtereinstellungen von Männern im türkischen Kontext in der vorliegenden Studie. Eine Studie zu den Merkmalen von Männern, die im Zusammenhang mit Gewaltdelikten festgenommen wurden, zeigte, dass es sich um junge, verheiratete Erwachsene mit niedrigem Bildungsniveau handelte, die einer bezahlten Beschäftigung nachgingen, und dass die Mehrheit unter Alkoholeinfluss Gewalt ausübte und weitere Einträge wegen innerfamiliärer Gewalt aufwies (Madureira et al., 2014). Für die Mehrheit der Männer, die in der Türkei körperliche Gewalt gegen Frauen ausüben, wurde festgestellt, dass sie ungleiche Geschlechtereinstellungen aufweisen, ein niedriges Bildungsniveau haben, in ihrer eigenen Kindheit körperliche Gewalt erlitten haben, in arrangierten Ehen leben, drei oder mehr Kinder haben, Alkohol und Substanzen konsumieren und Glücksspiel betreiben (Akkuş, & Yıldırım, 2018). Ein wichtiger Bestimmungsfaktor für Einstellungen zu IPV in der Türkei sind ungleiche Geschlechtereinstellungen (Özpınar & Acar, 2022). Eine qualitative Studie mit Männern, die Gewalt ausüben, berichtete, dass diese sich auf traditionelle Frauenrollen und männliche Hegemonie beriefen (Sikweyiya et al., 2020). Das Verständnis dieser Faktoren ist für die Entwicklung wirksamer Präventionsstrategien unerlässlich.

Die vorliegende Untersuchung

Obwohl in der Türkei und in anderen Ländern zu Männern geforscht wurde, die Gewalt gegen ihre Partnerinnen ausüben, bin ich auf keine Studien gestoßen, die die individuellen Erfahrungen dieser Personen eingehend untersuchten, etwa Kindheitstraumata, Temperamentsmerkmale und die Gründe für die Gewaltausübung. Um die Gewaltbetroffenheit von Frauen zu verringern und kulturell angemessene Interventionen zu entwickeln, ist es unerlässlich, die Merkmale und gewaltbezogenen Vorgeschichten der Männer, die sie ausüben, sowie die Gründe für diese Gewalt zu verstehen. Indem diese Untersuchung im ökologischen Modell von Heise (1998) und in den soziokulturellen Realitäten des Südostens der Türkei verortet wurde, zielte die Studie darauf ab, ein kulturell informiertes Verständnis dafür zu bieten, wie frühe Lebenserfahrungen von Männern, Geschlechternormen und lokale kulturelle Werte zusammenwirken und ihre Gewaltausübung gegenüber Partnerinnen prägen. Aus dieser Perspektive wurde die vorliegende Studie durchgeführt, um die soziodemografischen Merkmale von Männern, die IPV ausüben, ihre Gewalterfahrungen in der Kindheit, ihre Geschlechternormen und ihre Erfahrungen mit der eigenen Gewaltausübung gegenüber ihren Partnerinnen zu ermitteln. Diese Studie leistet einen eigenständigen Beitrag zur Literatur, indem sie ein vertieftes, kulturell kontextualisiertes Verständnis dafür liefert, wie frühes Trauma, Geschlechternormen und männliche Identität zusammenwirken und die Gewalt von Männern gegen ihre Partnerinnen in der Türkei prägen – eine Population, die selten qualitativ eingehend untersucht wird.

Vor dem Hintergrund dieses Ziels sollte die Studie folgende Fragen beantworten:

  • Welche soziodemografischen Merkmale haben Männer, die Gewalt gegen ihre Partnerinnen ausüben?
  • Welche Gewalterfahrungen haben Männer, die Gewalt gegen ihre Partnerinnen ausüben, in ihrer Kindheit gemacht?
  • Welche Geschlechternormen in Bezug auf Gewalt haben Männer, die Gewalt gegen ihre Partnerinnen ausüben?
  • Wie erklären diese Männer ihre Gewaltausübung gegenüber ihren Partnerinnen?

METHODE

Forschungsmethode

Diese Studie verwendete ein qualitatives Forschungsdesign mit induktiver Inhaltsanalyse (Elo & Kyngäs, 2008). Für die Berichterstattung wurden die Kriterien der Consolidated Criteria for Reporting Qualitative Research (COREQ) zugrunde gelegt.

Untersuchungsgruppe

Die Untersuchung wurde in einer geschlossenen Justizvollzugsanstalt in einer Provinz im Südosten der Türkei durchgeführt. Diese Region ist für ihre konservative und patriarchale Sozialstruktur bekannt, in der traditionelle Geschlechterrollen und ehrbasierte Normen tief im Alltag verankert sind. Dieser kulturelle Kontext ist wichtig, um zu verstehen, wie die Teilnehmer IPV wahrnehmen und rationalisieren. Die Untersuchungsgruppe bestand aus männlichen Gefangenen über 18 Jahren in einem geschlossenen Gefängnis, die wegen Gewalt gegen ihre Partnerin verurteilt worden waren, keine Schwierigkeiten hatten, Türkisch zu sprechen oder zu verstehen, und freiwillig in die Teilnahme eingewilligt hatten; sie wurden mittels gezielter Stichprobenauswahl ausgewählt. Einige Teilnehmer könnten weitere Vorstrafen gehabt haben, da Personen, die in der Türkei zu weniger als 3 Jahren verurteilt werden, in der Regel nicht inhaftiert werden und Straftaten gegen Frauen im Allgemeinen kürzere Strafen nach sich ziehen (außer bei Femiziden). Detaillierte Informationen über weitere Straftaten lagen jedoch nicht vor, da das Justizministerium den Zugang zu diesen Unterlagen nicht genehmigte. Im Zeitraum der Untersuchung befanden sich im ausgewählten Gefängnis fünfzig Gefangene, die die Auswahlkriterien der Untersuchungsgruppe erfüllten. Vier von ihnen weigerten sich jedoch, andere Fragen als die zu ihren soziodemografischen Merkmalen zu beantworten, und zwei lehnten die Teilnahme ganz ab. Die Studie wurde daher mit 44 Gefangenen abgeschlossen. Die Daten zu den soziodemografischen Merkmalen der Teilnehmer sind in Tabelle 1 dargestellt.

Tabelle 1 — Soziodemografische Merkmale der Teilnehmer.

  • Code: K-1; Alter: 45; Beruf: Kebabkoch; Familienstand: Geschieden; Art der Ehe: Liebesheirat; Bildungsstand: Mittelschule; Bildungsstand der Ehefrau: Grundschule; Einkommensniveau: Hoch; Anzahl der Geschwister: 9; Alkoholkonsum: Ja; Tabakkonsum: Aufgehört; Drogenkonsum: Ja
  • Code: K-2; Alter: 40; Beruf: Wertstoffsammler und -händler; Familienstand: Verheiratet; Art der Ehe: Arrangierte Ehe; Bildungsstand: Analphabet; Bildungsstand der Ehefrau: Analphabetin; Einkommensniveau: Mittel; Anzahl der Geschwister: 8; Alkoholkonsum: Ja; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Ja
  • Code: K-3; Alter: 46; Beruf: Möbelverkäufer; Familienstand: Verheiratet; Art der Ehe: Liebesheirat; Bildungsstand: Mittelschule; Bildungsstand der Ehefrau: Grundschule; Einkommensniveau: Mittel; Anzahl der Geschwister: 18; Alkoholkonsum: Nein; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Nein
  • Code: K-4; Alter: 43; Beruf: Busschaffner; Familienstand: Verheiratet; Art der Ehe: Liebesheirat; Bildungsstand: Grundschule; Bildungsstand der Ehefrau: Analphabetin; Einkommensniveau: Mittel; Anzahl der Geschwister: 8; Alkoholkonsum: Ja; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Nein
  • Code: K-5; Alter: 46; Beruf: Lehrer; Familienstand: Ledig; Art der Ehe: Liebesheirat; Bildungsstand: Hochschulabschluss; Bildungsstand der Ehefrau: Grundschule; Einkommensniveau: Hoch; Anzahl der Geschwister: 5; Alkoholkonsum: Ja; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Nein
  • Code: K-6; Alter: 55; Beruf: Bäcker; Familienstand: Geschieden; Art der Ehe: Arrangierte Ehe; Bildungsstand: Grundschule; Bildungsstand der Ehefrau: Analphabetin; Einkommensniveau: Mittel; Anzahl der Geschwister: 11; Alkoholkonsum: Nein; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Nein
  • Code: K-7; Alter: 35; Beruf: Schweißer; Familienstand: Verheiratet; Art der Ehe: Liebesheirat; Bildungsstand: Oberschule; Bildungsstand der Ehefrau: Grundschule; Einkommensniveau: Mittel; Anzahl der Geschwister: 9; Alkoholkonsum: Nein; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Aufgehört
  • Code: K-8; Alter: 33; Beruf: Schrotthändler; Familienstand: Verheiratet; Art der Ehe: Arrangierte Ehe; Bildungsstand: Analphabet; Bildungsstand der Ehefrau: Analphabetin; Einkommensniveau: Niedrig; Anzahl der Geschwister: 10; Alkoholkonsum: Ja; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Ja
  • Code: K-9; Alter: 31; Beruf: Landwirt; Familienstand: Verheiratet; Art der Ehe: Liebesheirat; Bildungsstand: Analphabet; Bildungsstand der Ehefrau: Analphabetin; Einkommensniveau: Niedrig; Anzahl der Geschwister: 9; Alkoholkonsum: Ja; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Nein
  • Code: K-10; Alter: 51; Beruf: Lkw-Fahrer; Familienstand: Verheiratet; Art der Ehe: Arrangierte Ehe; Bildungsstand: Mittelschule; Bildungsstand der Ehefrau: Analphabetin; Einkommensniveau: Mittel; Anzahl der Geschwister: 7; Alkoholkonsum: Nein; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Nein
  • Code: K-11; Alter: 38; Beruf: Bauarbeiter; Familienstand: Verheiratet; Art der Ehe: Liebesheirat; Bildungsstand: Analphabet; Bildungsstand der Ehefrau: Oberschule; Einkommensniveau: Mittel; Anzahl der Geschwister: 8; Alkoholkonsum: Aufgehört; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Nein
  • Code: K-12; Alter: 31; Beruf: Schrotthändler; Familienstand: Verheiratet; Art der Ehe: Arrangierte Ehe; Bildungsstand: Mittelschule; Bildungsstand der Ehefrau: Grundschule; Einkommensniveau: Niedrig; Anzahl der Geschwister: 8; Alkoholkonsum: Nein; Tabakkonsum: Nein; Drogenkonsum: Ja
  • Code: K-13; Alter: 43; Beruf: Inhaber eines Antiquariats; Familienstand: Geschieden; Art der Ehe: Liebesheirat; Bildungsstand: Oberschule; Bildungsstand der Ehefrau: Oberschule; Einkommensniveau: Mittel; Anzahl der Geschwister: 6; Alkoholkonsum: Ja; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Nein
  • Code: K-14; Alter: 51; Beruf: Mitarbeiter einer Autovermietung; Familienstand: Zweite Ehe; Art der Ehe: Liebesheirat; Bildungsstand: Grundschule; Bildungsstand der Ehefrau: Analphabetin; Einkommensniveau: Mittel; Anzahl der Geschwister: 10; Alkoholkonsum: Ja; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Nein
  • Code: K-15; Alter: 42; Beruf: Möbelverkäufer; Familienstand: Verheiratet; Art der Ehe: Liebesheirat; Bildungsstand: Grundschule; Bildungsstand der Ehefrau: Analphabetin; Einkommensniveau: Niedrig; Anzahl der Geschwister: 8; Alkoholkonsum: Ja; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Ja
  • Code: K-16; Alter: 45; Beruf: Bauarbeiter; Familienstand: Geschieden; Art der Ehe: Arrangierte Ehe; Bildungsstand: Mittelschule; Bildungsstand der Ehefrau: Grundschule; Einkommensniveau: Mittel; Anzahl der Geschwister: 10; Alkoholkonsum: Nein; Tabakkonsum: Aufgehört; Drogenkonsum: Nein
  • Code: K-17; Alter: 45; Beruf: Kfz-Mechaniker; Familienstand: Verheiratet; Art der Ehe: Liebesheirat; Bildungsstand: Grundschule; Bildungsstand der Ehefrau: Mittelschule; Einkommensniveau: Mittel; Anzahl der Geschwister: 8; Alkoholkonsum: Nein; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Ja
  • Code: K-18; Alter: 30; Beruf: Landwirt; Familienstand: Ledig; Art der Ehe: Liebesheirat; Bildungsstand: Analphabet; Bildungsstand der Ehefrau: Analphabetin; Einkommensniveau: Hoch; Anzahl der Geschwister: 10; Alkoholkonsum: Nein; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Nein
  • Code: K-19; Alter: 31; Beruf: Eismacher; Familienstand: Verheiratet; Art der Ehe: Arrangierte Ehe; Bildungsstand: Mittelschule; Bildungsstand der Ehefrau: Grundschule; Einkommensniveau: Mittel; Anzahl der Geschwister: 9; Alkoholkonsum: Nein; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Ja
  • Code: K-20; Alter: 26; Beruf: Bauarbeiter; Familienstand: Verheiratet; Art der Ehe: Liebesheirat; Bildungsstand: Mittelschule; Bildungsstand der Ehefrau: Grundschule; Einkommensniveau: Mittel; Anzahl der Geschwister: 5; Alkoholkonsum: Ja; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Ja
  • Code: K-21; Alter: 41; Beruf: Bauarbeiter; Familienstand: Geschieden; Art der Ehe: Arrangierte Ehe; Bildungsstand: Grundschule; Bildungsstand der Ehefrau: Grundschule; Einkommensniveau: Mittel; Anzahl der Geschwister: 7; Alkoholkonsum: Ja; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Aufgehört
  • Code: K-22; Alter: 43; Beruf: Freiberufler; Familienstand: Geschieden; Art der Ehe: Liebesheirat; Bildungsstand: Grundschule; Bildungsstand der Ehefrau: Mittelschule; Einkommensniveau: Niedrig; Anzahl der Geschwister: 5; Alkoholkonsum: Nein; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Nein
  • Code: K-23; Alter: 46; Beruf: Bauarbeiter; Familienstand: Verheiratet; Art der Ehe: Liebesheirat; Bildungsstand: Mittelschule; Bildungsstand der Ehefrau: Grundschule; Einkommensniveau: Hoch; Anzahl der Geschwister: 8; Alkoholkonsum: Aufgehört; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Nein
  • Code: K-24; Alter: 35; Beruf: Bäcker; Familienstand: Verheiratet; Art der Ehe: Liebesheirat; Bildungsstand: Analphabet; Bildungsstand der Ehefrau: Analphabetin; Einkommensniveau: Niedrig; Anzahl der Geschwister: 5; Alkoholkonsum: Ja; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Ja
  • Code: K-25; Alter: 29; Beruf: Möbelverkäufer; Familienstand: Geschieden; Art der Ehe: Liebesheirat; Bildungsstand: Mittelschule; Bildungsstand der Ehefrau: Grundschule; Einkommensniveau: Niedrig; Anzahl der Geschwister: 20; Alkoholkonsum: Ja; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Ja
  • Code: K-26; Alter: 36; Beruf: Textilarbeiter; Familienstand: Verheiratet; Art der Ehe: Liebesheirat; Bildungsstand: Mittelschule; Bildungsstand der Ehefrau: Grundschule; Einkommensniveau: Niedrig; Anzahl der Geschwister: 14; Alkoholkonsum: Ja; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Ja
  • Code: K-27; Alter: 43; Beruf: Bauarbeiter; Familienstand: Ledig; Art der Ehe: Arrangierte Ehe; Bildungsstand: Grundschule; Bildungsstand der Ehefrau: Analphabetin; Einkommensniveau: Niedrig; Anzahl der Geschwister: 6; Alkoholkonsum: Nein; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Nein
  • Code: K-28; Alter: 37; Beruf: Schrotthändler; Familienstand: Ledig; Art der Ehe: Liebesheirat; Bildungsstand: Analphabet; Bildungsstand der Ehefrau: Analphabetin; Einkommensniveau: Niedrig; Anzahl der Geschwister: 5; Alkoholkonsum: Ja; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Nein
  • Code: K-29; Alter: 48; Beruf: Hochzeitssänger; Familienstand: Geschieden; Art der Ehe: Liebesheirat; Bildungsstand: Mittelschule; Bildungsstand der Ehefrau: Grundschule; Einkommensniveau: Mittel; Anzahl der Geschwister: 12; Alkoholkonsum: Nein; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Nein
  • Code: K-30; Alter: 22; Beruf: Handwerker; Familienstand: Verheiratet; Art der Ehe: Liebesheirat; Bildungsstand: Grundschule; Bildungsstand der Ehefrau: Grundschule; Einkommensniveau: Mittel; Anzahl der Geschwister: 3; Alkoholkonsum: Ja; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Ja
  • Code: K-31; Alter: 27; Beruf: Landwirt; Familienstand: Verheiratet; Art der Ehe: Arrangierte Ehe; Bildungsstand: Mittelschule; Bildungsstand der Ehefrau: Grundschule; Einkommensniveau: Mittel; Anzahl der Geschwister: 8; Alkoholkonsum: Ja; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Ja
  • Code: K-32; Alter: 29; Beruf: Fahrer; Familienstand: Verheiratet; Art der Ehe: Arrangierte Ehe; Bildungsstand: Hochschulabschluss; Bildungsstand der Ehefrau: Grundschule; Einkommensniveau: Mittel; Anzahl der Geschwister: 9; Alkoholkonsum: Nein; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Nein
  • Code: K-33; Alter: 46; Beruf: Betreiber eines Kaffeehauses; Familienstand: Zweite Ehe; Art der Ehe: Arrangierte Ehe; Bildungsstand: Grundschule; Bildungsstand der Ehefrau: Grundschule; Einkommensniveau: Niedrig; Anzahl der Geschwister: 8; Alkoholkonsum: Ja; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Nein
  • Code: K-34; Alter: 43; Beruf: Textilarbeiter; Familienstand: Verheiratet; Art der Ehe: Liebesheirat; Bildungsstand: Grundschule; Bildungsstand der Ehefrau: Analphabetin; Einkommensniveau: Niedrig; Anzahl der Geschwister: 12; Alkoholkonsum: Nein; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Nein
  • Code: K-35; Alter: 42; Beruf: Händler; Familienstand: Verheiratet; Art der Ehe: Liebesheirat; Bildungsstand: Oberschule; Bildungsstand der Ehefrau: Oberschule; Einkommensniveau: Hoch; Anzahl der Geschwister: 9; Alkoholkonsum: Nein; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Nein
  • Code: K-36; Alter: 36; Beruf: Fischhändler; Familienstand: Verheiratet; Art der Ehe: Liebesheirat; Bildungsstand: Grundschule; Bildungsstand der Ehefrau: Analphabetin; Einkommensniveau: Niedrig; Anzahl der Geschwister: 8; Alkoholkonsum: Ja; Tabakkonsum: Nein; Drogenkonsum: Aufgehört
  • Code: K-37; Alter: 47; Beruf: Fahrer; Familienstand: Verheiratet; Art der Ehe: Arrangierte Ehe; Bildungsstand: Analphabet; Bildungsstand der Ehefrau: Analphabetin; Einkommensniveau: Niedrig; Anzahl der Geschwister: 3; Alkoholkonsum: Nein; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Nein
  • Code: K-38; Alter: 29; Beruf: Hirte; Familienstand: Verheiratet; Art der Ehe: Liebesheirat; Bildungsstand: Analphabet; Bildungsstand der Ehefrau: Analphabetin; Einkommensniveau: Niedrig; Anzahl der Geschwister: 4; Alkoholkonsum: Aufgehört; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Ja
  • Code: K-39; Alter: 33; Beruf: Schrotthändler; Familienstand: Verheiratet; Art der Ehe: Liebesheirat; Bildungsstand: Grundschule; Bildungsstand der Ehefrau: Grundschule; Einkommensniveau: Niedrig; Anzahl der Geschwister: 4; Alkoholkonsum: Nein; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Ja
  • Code: K-40; Alter: 50; Beruf: Wachmann; Familienstand: Verheiratet; Art der Ehe: Arrangierte Ehe; Bildungsstand: Grundschule; Bildungsstand der Ehefrau: Analphabetin; Einkommensniveau: Mittel; Anzahl der Geschwister: 9; Alkoholkonsum: Ja; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Ja
  • Code: K-41; Alter: 39; Beruf: Bauunternehmer; Familienstand: Verheiratet; Art der Ehe: Liebesheirat; Bildungsstand: Grundschule; Bildungsstand der Ehefrau: Mittelschule; Einkommensniveau: Mittel; Anzahl der Geschwister: 10; Alkoholkonsum: Nein; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Aufgehört
  • Code: K-42; Alter: 53; Beruf: Soldat; Familienstand: Ledig; Art der Ehe: Arrangierte Ehe; Bildungsstand: Oberschule; Bildungsstand der Ehefrau: Oberschule; Einkommensniveau: Mittel; Anzahl der Geschwister: 4; Alkoholkonsum: Nein; Tabakkonsum: Nein; Drogenkonsum: Nein
  • Code: K-43; Alter: 41; Beruf: Hersteller von Solarmodulen; Familienstand: Ledig; Art der Ehe: Arrangierte Ehe; Bildungsstand: Analphabet; Bildungsstand der Ehefrau: Analphabetin; Einkommensniveau: Niedrig; Anzahl der Geschwister: 17; Alkoholkonsum: Ja; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Ja
  • Code: K-44; Alter: 37; Beruf: Eisenflechter; Familienstand: Verheiratet; Art der Ehe: Arrangierte Ehe; Bildungsstand: Analphabet; Bildungsstand der Ehefrau: Analphabetin; Einkommensniveau: Hoch; Anzahl der Geschwister: 4; Alkoholkonsum: Nein; Tabakkonsum: Ja; Drogenkonsum: Nein

Rekrutierung und Auswahl

Die Rekrutierung erfolgte in Zusammenarbeit mit dem psychosozialen Dienst des Gefängnisses. Informationen über die Studie wurden allen infrage kommenden Gefangenen von den psychologischen Fachkräften und den Fachkräften der Sozialen Arbeit des Gefängnisses in regulären Gruppensitzungen mitgeteilt. Die Teilnahme war vollkommen freiwillig, und es wurden weder Anreize noch Vergünstigungen angeboten. Um Zwang so gering wie möglich zu halten, war die Forscherin erst dann in den Rekrutierungsprozess eingebunden, wenn potenzielle Teilnehmer gegenüber dem Gefängnispersonal ihr Interesse bekundet hatten. Die Gefangenen erhielten ein schriftliches Informationsblatt, das Zweck, Ablauf, Risiken und Nutzen der Studie in klarer, verständlicher Sprache erläuterte. Interessierte trafen sich einzeln mit der Forscherin und einer psychologischen Fachkraft des Gefängnisses, um die Einwilligungserklärung durchzugehen. Vor der Teilnahme wurde eine schriftliche informierte Einwilligung eingeholt. Die Teilnehmer wurden darüber informiert, dass eine Ablehnung oder ein Rückzug ihre Behandlung, ihre Vergünstigungen oder ihren rechtlichen Status in keiner Weise beeinflussen würde. Die Eignungsprüfung wurde vom psychosozialen Team des Gefängnisses auf der Grundlage offizieller Unterlagen und psychologischer Gutachten durchgeführt. Eingeschlossen wurden Männer, die (a) mindestens 18 Jahre alt waren, (b) wegen Gewaltdelikten gegen eine Intimpartnerin (z. B. Ehefrau, Verlobte oder Lebensgefährtin) verurteilt worden waren und (c) sich auf Türkisch verständigen und freiwillig einwilligen konnten. Ausgeschlossen wurden Personen, die wegen anderer Gewaltdelikte ohne Bezug zu einer Partnerin verurteilt worden waren (z. B. Raub, Angriff auf Fremde).

Definition von IPV

Für die Zwecke dieser Studie wurde IPV gemäß der WHO (2021) definiert als „jedes Verhalten innerhalb einer intimen Beziehung, das den an der Beziehung Beteiligten körperlichen, psychischen oder sexuellen Schaden zufügt“ (S. 2). In diese Definition wurden sowohl körperliche Handlungen (z. B. Schlagen, Ohrfeigen, Würgen) als auch nicht körperliche Handlungen (z. B. Drohungen, Zwang, Demütigung und kontrollierendes Verhalten) einbezogen. Die endgültige Stichprobe bestand jedoch aus Männern, die wegen körperlicher Gewalt verurteilt worden waren, wie durch Gerichtsunterlagen belegt.

Erhebungsinstrument

Die Daten der Studie wurden mit einem halbstrukturierten Interviewleitfaden erhoben, der auf der Grundlage einer Durchsicht der bisherigen Literatur zum Thema erstellt wurde (Madureira et al., 2014; Özpınar & Acar, 2022; Scott & Oliveira, 2018; Sikweyiya et al., 2020). Um die subjektiven Bedeutungen und persönlichen Deutungen der Teilnehmer zu erkunden, setzte die Forscherin in den Interviews Vertiefungstechniken ein. Zusätzlich zu den Hauptfragen wurden Nachfragen wie „Welche Gefühle hatten Sie in diesem Moment?“, „Wie, meinen Sie, wirkt sich das heute auf Sie aus?“ und „Könnten Sie diese Situation genauer beschreiben?“ verwendet, um die Wahrnehmungen und Bedeutungskonstruktionen der Teilnehmer vertieft zu erkunden (Morgan & Guevara, 2008; Prior, 2017). Die endgültige Fassung des Leitfadens entstand durch Einholen der Einschätzungen von drei Fachpersonen (mit Promotion in psychiatrischer Pflege und Veröffentlichungen zum Thema innerfamiliäre Gewalt). Der erste Teil des Leitfadens enthielt Fragen zu den soziodemografischen Merkmalen der Teilnehmer (wie Alter, Ehejahre, Beruf, Bildung, wirtschaftliche Lage und Familienstand). Dieser halbstrukturierte Interviewleitfaden stellte die folgenden Fragen:

  • Würden Sie über Ihre Beziehungen zu Ihrer Familie in der Kindheit sprechen?
  • Würden Sie über Ihre Gewalterfahrungen in der Kindheit sprechen, falls es welche gab?
  • Wie sollten sich Frauen Ihrer Meinung nach gegenüber ihren Partnern verhalten?
  • Welche Rollen haben Frauen Ihrer Meinung nach in der Familie?
  • Würden Sie über Themen sprechen, bei denen Sie sich mit Ihrer Partnerin nicht einigen können?
  • Würden Sie über die Gründe sprechen, aus denen Sie Gewalt gegen Ihre Partnerin ausgeübt haben?

Datenerhebung

Die Forschungsdaten wurden von der Forscherin anhand des halbstrukturierten Interviewleitfadens zwischen dem 1. Februar 2024 und dem 4. Oktober 2024 in einem geeigneten Raum des Gefängnisses in getrennten persönlichen Einzelinterviews mit jedem Teilnehmer erhoben. Jede Person, die sich während des Untersuchungszeitraums im Gefängnis befand oder neu hinzukam, wurde von den Mitarbeitenden des psychosozialen Dienstes des Gefängnisses (drei psychologische Fachkräfte und eine Fachkraft für Sozialdienste) im Hinblick auf die Einschlusskriterien geprüft. Die Forscherin wurde benachrichtigt, sobald für die Untersuchungsgruppe geeignete Teilnehmer ermittelt worden waren, die sie dann nach einem Interviewplan befragte. Während der Interviews wurde die Forscherin von einer Psychologin begleitet, sowohl aus Sicherheitsgründen als auch um den Einfluss der Forscherin zu verringern. Diese Psychologin absolvierte ein Aufbaustudium in Soziologie und hatte, um den Interviewprozess nicht zu beeinflussen, zuvor keinen der Teilnehmer befragt. Die Forscherin, die diese Interviews führte, war eine Wissenschaftlerin mit Promotion in psychiatrischer Pflege, in qualitativer Forschung ausgebildet, mit Veröffentlichungen im Bereich der qualitativen Forschung, und als außerordentliche Professorin an einer Universität tätig. Reflexiv betrachtet hatte die Forscherin keine eigene Gewaltgeschichte, verfügte aber über Berufserfahrung in psychiatrischer Pflege und qualitativer Forschung. Um Transparenz zu gewährleisten und Verzerrungen zu minimieren, wurden während der gesamten Datenerhebung und -analyse reflexive Notizen geführt, die Erwartungen, emotionale Reaktionen und Überlegungen zu den Gewalterzählungen der Männer dokumentierten (Nowell et al., 2017).

Das Gefängnis untersagte die Aufzeichnung der Interviews. Die Forscherin fertigte daher während der Interviews schriftliche Aufzeichnungen an, aus denen anschließend Transkripte erstellt wurden. Die Teilnehmer wurden gebeten, der Forscherin genügend Zeit zu lassen, um ihre Antworten zu notieren. Die Interviews wurden bis zum Erreichen der Datensättigung fortgesetzt, das heißt, bis in weiteren Interviews keine wesentlich neuen Kategorien oder Muster mehr auftauchten. Entschied sich ein Teilnehmer, vorher nicht mehr weiterzuerzählen, wurde das Interview respektvoll beendet, und seine Beiträge wurden dennoch in die Analyse einbezogen. Nach Abschluss jedes Interviews wurden die Transkripte den Teilnehmern zugesandt, damit sie Anmerkungen und/oder Änderungen vornehmen konnten. Nach jedem Interview führten die Forscherin und die begleitende Psychologin eine kurze Nachbesprechung durch, um Eindrücke zum Kontext festzuhalten (z. B. den emotionalen Ton der Teilnehmer, nonverbale Signale und die allgemeine Atmosphäre der Sitzung). Diese reflexiven Notizen dienten der Unterstützung der Interpretation während der Analyse. Die Interviews dauerten zwischen 50 und 60 Minuten. Nach jedem Interview wurden die schriftlichen Aufzeichnungen wortwörtlich in einen Computer übertragen. Die Teilnehmer erhielten Codes von K-1 bis K-44.

Datenanalyse und Vertrauenswürdigkeit

Da die Gefängnisleitung keine Tonaufnahmen gestattete, wurden während jedes Interviews ausführliche zeitgleiche schriftliche Notizen angefertigt und unmittelbar danach zu vollständigen Transkripten ausgearbeitet. Obwohl die Interviews nicht als Tonaufnahme aufgezeichnet wurden, wurde versucht, die Äußerungen der Teilnehmer so genau wie möglich festzuhalten. Die Daten wurden mittels induktiver qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet, entsprechend den von Elo und Kyngäs (2008) beschriebenen Phasen der Vorbereitung, Organisation und Berichterstattung. Alle Transkripte wurden wiederholt gelesen, um ein Eintauchen in die Daten zu gewährleisten, und von der Forscherin codiert. Die Codes wurden anhand von Ähnlichkeiten zu Subthemen gruppiert, aus denen anschließend durch Abstraktion die Hauptthemen entwickelt wurden. Zur Stärkung der Glaubwürdigkeit prüfte eine erfahrene Fachperson der klinischen Psychologie im Rahmen eines Peer-Debriefings ausgewählte Transkripte, vorläufige Codes und den sich herausbildenden thematischen Rahmen. Die Rolle dieser Fachperson beschränkte sich auf methodische Rückmeldungen und umfasste weder eine unabhängige Codierung noch die Entwicklung von Themen oder interpretative Entscheidungen. Alle endgültigen analytischen Entscheidungen blieben in der Verantwortung der Forscherin.

Eine kommunikative Validierung (Member Checking) erfolgte, indem den Teilnehmern kurze schriftliche Zusammenfassungen ihres jeweiligen Interviews zur Überprüfung und Klärung vorgelegt wurden. Die Teilnehmer wurden gebeten, die Richtigkeit des zusammengefassten Inhalts zu kommentieren, nicht die vollständigen Transkripte. Es wurden keine wesentlichen Korrekturen gewünscht. Die Vertrauenswürdigkeit wurde nach den von Guba und Lincoln (1982) vorgeschlagenen Kriterien sichergestellt. Die Glaubwürdigkeit wurde durch längere Auseinandersetzung mit dem Feld, ein reflexives Forschungstagebuch, Peer-Debriefing und Member Checking gestützt. Zuverlässigkeit und Bestätigbarkeit wurden durch einen Audit Trail gestärkt, der Codierentscheidungen und analytische Überlegungen dokumentierte. Der Übertragbarkeit wurde durch detaillierte Beschreibungen des Forschungskontexts und der Merkmale der Teilnehmer Rechnung getragen.

Ethische Aspekte

Die ethische Genehmigung für die Studie wurde von der Ethikkommission der Batman University erteilt (Genehmigung 2023/03–05). Von der Generaldirektion für Gefängnisse und Haftanstalten, der das Gefängnis, in dem die Untersuchung durchgeführt wurde, unterstellt war, wurde eine schriftliche Genehmigung eingeholt (B.M. 2024/419). Zudem wurde von den teilnehmenden Gefangenen eine schriftliche Einwilligung zur Teilnahme eingeholt.

ERGEBNISSE

Die induktive qualitative Inhaltsanalyse der Interviews ergab sieben Hauptthemen mit zugehörigen Subthemen: Kindheitstraumata, persönliche und familiäre kriminelle Vorgeschichte, Verhalten in der Kindheit, angegebene Gründe für IPV, angegebene Gründe für Femizid, Einstellungen zu Gewalt und Geschlechternormen. Zur Erhöhung der Transparenz wird im Folgenden zusammengefasst, wie viele Teilnehmer zu jedem Thema und Subthema beitrugen. Diese Zählungen beruhen auf den Teilnehmercodes (K-1 … K-44), die in den Transkripten erscheinen. Jedes Thema wurde von mehreren Teilnehmern gestützt, wie Tabelle 2 zeigt. Es folgt eine zusammenfassende, aber differenzierte Darstellung jedes Themas, die repräsentative Aussagen der Teilnehmer einbezieht, um die Reichhaltigkeit der Daten zu bewahren.

Tabelle 2 — Themen, Subthemen, Anzahl und Prozentsatz der in den Ergebnissen vertretenen Teilnehmer.

  • Thema: 1. Kindheitstraumata; Subthema: Erleben körperlicher Gewalt in der Familie; Teilnehmer: K-1, K-2, K-4, K-7, K-8, K-9, K-11, K-12, K-14, K-15, K-22, K-23, K-24, K-30, K-31, K-34, K-39, K-42, K-44; n: 19; %: 43.2
  • Subthema: Erleben wirtschaftlicher Gewalt in der Familie; Teilnehmer: K-1, K-2, K-3, K-6, K-8, K-10, K-12, K-14, K-16, K-18, K-19, K-20, K-21, K-22, K-23, K-24, K-26, K-27, K-28, K-34, K-35, K-37, K-38, K-43, K-44; n: 25; %: 56.8
  • Subthema: Miterleben körperlicher Gewalt in der Familie; Teilnehmer: K-2, K-14, K-15, K-21, K-26, K-41, K-43, K-44; n: 8; %: 18.2
  • Subthema: Vernachlässigung; Teilnehmer: K-6, K-12, K-14, K-15, K-17, K-21, K-22, K-26, K-28, K-33, K-37, K-38, K-44; n: 13; %: 29.5
  • Subthema: Selbstgerichtetes Verhalten; Teilnehmer: K-1, K-4; n: 2; %: 4.5
  • Thema: 2. Persönliche und familiäre kriminelle Vorgeschichte; Subthema: Persönliche kriminelle Vorgeschichte; Teilnehmer: K-7, K-10, K-12, K-19, K-21, K-22, K-25, K-39; n: 8; %: 18.2
  • Subthema: Kriminalität in der Familie; Teilnehmer: K-21, K-38, K-41; n: 3; %: 6.8
  • Thema: 3. Verhalten in der Kindheit; Subthema: Aggressive/delinquente Tendenzen; Teilnehmer: K-8, K-12, K-25, K-26, K-31, K-43; n: 6; %: 13.6
  • Thema: 4. Angegebene Gründe für IPV; Subthema: Zusammengefasste Subthemen (Rollen, Eifersucht, Wut, Substanzkonsum, Familienkonflikte, zweite Ehefrau, finanzieller Stress); Teilnehmer: K-1 … K-43 (Einzelheiten im Text); n: 43; %: 97.7
  • Thema: 5. Angegebene Gründe für Femizid; Subthema: Ehre/Treue/Beleidigungen; Teilnehmer: K-5, K-6, K-28, K-42, K-43; n: 5; %: 11.4
  • Thema: 6. Einstellungen zu Gewalt; Subthema: Rationalisierung/Normalisierung; Teilnehmer: K-1, K-2, K-7, K-8, K-11, K-12, K-21, K-23, K-31, K-40, K-44; n: 11; %: 25.0
  • Thema: 7. Geschlechternormen; Subthema: Traditionelle Rollen/gesellschaftliche Werte; Teilnehmer: K-1 – K-44 (außer K-4, K-18, K-24, K-33, K-34, K-39, K-44); n: 37; %: 79.5

Anmerkung. IPV = Gewalt in Paarbeziehungen (intimate partner violence). Die Prozentangaben beziehen sich auf die Gesamtzahl der Teilnehmer (N = 44). Die Teilnehmercodes entsprechen den Interviewtranskripten (K-1 … K-44). Anzahl und Prozentsätze geben an, wie viele verschiedene Teilnehmer Aussagen zu dem jeweiligen Thema oder Subthema beitrugen.

Thema 1: Kindheitstraumata

Die Teilnehmer berichteten häufig, in der Kindheit mehreren Formen von Trauma ausgesetzt gewesen zu sein, darunter körperliche Misshandlung, wirtschaftliche Ausbeutung, das Miterleben häuslicher Gewalt und Vernachlässigung. Diese Erfahrungen wurden als zugleich prägend und in ihrem familiären Umfeld normalisiert beschrieben.

Subthema 1: Erleben körperlicher Gewalt in der Familie (n = 19; 43,2 %)

Viele Teilnehmer berichteten von harter Disziplinierung, meist durch den Vater oder ältere Brüder.

„Mein Vater hat mich viel geschlagen. Ich wurde viel misshandelt – Tritte, Ohrfeigen, und man hat mir sogar Handschellen angelegt.“ (K-22)

„Meine älteren Brüder haben mich geschlagen, bis ich Wunden am Körper hatte. Auch wenn ich etwas falsch gemacht hatte, ich war doch nur ein Kind.“ (K-2)

Subthema 2: Erleben wirtschaftlicher Gewalt in der Familie (n = 25; 56,8 %)

Viele begannen schon sehr jung zu arbeiten und wurden um ihren Verdienst gebracht.

„Als Kind habe ich Tiere gehütet. Ich habe als Schuhputzer gearbeitet. Meine älteren Brüder haben mir das Geld weggenommen, das ich verdient habe.“ (K-2)

„Mit 12 bin ich zum Arbeiten nach Adana gegangen. Ich bin 4–5 Jahre dort geblieben.“ (K-22)

Subthema 3: Miterleben körperlicher Gewalt in der Familie (n = 8; 18,2 %)

Mehrere Teilnehmer sahen, wie ihr Vater ihre Mutter schlug, manchmal mit tragischem Ausgang: „Mein Vater wollte eine zweite Frau heiraten. Meine Mutter war dagegen. Mein Vater hat meine Mutter geschlagen. Sie hat sich umgebracht, als ich 10 war. Vielleicht hat mein Vater sie getötet“ (K-41).

Subthema 4: Vernachlässigung (n = 13; 29,5 %)

Schilderungen emotionaler Vernachlässigung und fehlender Fürsorge waren häufig.

„Mein Vater war ein völliger Alkoholiker. Er hat sich nicht um uns gekümmert. Er hat nicht gearbeitet.“ (K-15)

„Ich bin auf der Straße aufgewachsen … Meinen Vater habe ich nie gekannt. Er hat uns verlassen, als er zum zweiten Mal geheiratet hat. Ich schwöre, ich habe nie Liebe erlebt.“ (K-28)

Subthema 5: Selbstgerichtetes Verhalten (Selbstverletzung/Suizid; n = 2; 4,5 %)

Einige Teilnehmer berichteten von Selbstverletzungen oder Suizidversuchen, was die psychische Belastung im Zusammenhang mit frühen Erfahrungen und Beziehungskonflikten veranschaulicht. Diese Fälle werden in den umfassenderen Kontext der Kindheitstraumata und prägenden Erfahrungen eingeordnet, die späteres Verhalten formten.

„Ich war 19, als ich zum ersten Mal versucht habe, mich umzubringen. Ich war in ein Mädchen verliebt, aber meine Familie fand, dass ich sie nicht heiraten sollte.“ (K-1)

„Ich habe gegen die Wände geschlagen. Ich habe mir selbst mit der Faust auf den Kopf geschlagen.“ (K-4)

Diese prägenden Erfahrungen normalisierten häufig Aggression und beeinflussten, wie die Teilnehmer Konflikte in Paarbeziehungen bewältigten.

Thema 2: Persönliche und familiäre kriminelle Vorgeschichte

Subthema 1: Persönliche kriminelle Vorgeschichte (n = 8; 18,2 %)

Viele Teilnehmer waren bereits früher wegen Diebstahl, Körperverletzung oder Drogendelikten festgenommen worden: „Seit ich 13 bin, bin ich wegen Diebstahl und Straßenraub immer wieder im Gefängnis“ (K-39).

Subthema 2: Kriminalität in der Familie (n = 3; 6,8 %)

Einige berichteten, dass auch ihr Vater oder ihre Brüder im Gefängnis gewesen waren: „Mein Vater war immer im Gefängnis. Ich habe ihn nie gesehen. Er hat einen Mord begangen“ (K-38). Das Vorliegen persönlicher oder familiärer krimineller Vorgeschichten deutet auf die Rolle von Modelllernen und früher Konfrontation mit abweichendem Verhalten für das Verständnis der Teilnehmer davon hin, was akzeptables Verhalten ist.

Thema 3: Verhalten in der Kindheit (n = 6; 13,6 %)

Die Teilnehmer beschrieben sich häufig als aggressive, aufsässige oder delinquente Kinder.

„Wir sind stehlen gegangen und nie nach Hause gekommen. Ich war ein wildes, unwissendes Kind.“ (K-12)

„Mit etwa 14 bin ich von zu Hause weggelaufen. Ich habe mich ständig geprügelt. Ich habe alle verprügelt.“ (K-25)

Diese Muster früher Aggression und Aufsässigkeit könnten zur späteren Gewaltausübung beigetragen haben und spiegeln erlernte Verhaltensweisen und Bewältigungsmechanismen wider, die durch ihre Erziehung geprägt wurden.

Thema 4: Angegebene Gründe für IPV (n = 43; 97,7 %)

Alle Teilnehmer hatten körperliche IPV ausgeübt, und die meisten rechtfertigten ihr Verhalten mit situativen oder beziehungsbezogenen Erklärungen. Zu den Subthemen gehörten die Rollen von Frauen, Eifersucht, Wut, Substanzkonsum, der Einfluss der Familie, eine zweite Ehe und finanzieller Stress.

Subthema 1: Von Frauen erwartete Rollen (n = 2; 4,5 %)

„Hätte ich sie doch nur nicht geschlagen. Wir wollten zu einer Hochzeit. Meine Frau hatte meine Hose schlecht gebügelt. Dann gab es Streit und viel Lärm.“ (K-23).

Subthema 2: Eifersucht (n = 9; 20,4 %)

„Du musst wegen meiner Ehre im Haus bleiben, habe ich ihr gesagt, und ihr den Arm gebrochen.“ (K-1).

„Meine Frau trug freizügige Kleidung … Ich habe ihr gesagt, sie soll ihr Haar bedecken, aber sie hat es nicht getan.“ (K-22).

Subthema 3: Wut und Demütigung (n = 7; 15,9 %)

„Sie hat mich immer mit anderen verglichen … hat gesagt, andere kaufen ihren Frauen Autos, aber ich nie. Also habe ich auf sie eingestochen.“ (K-16).

Subthema 4: Alkohol und Drogen (n = 7; 15,9 %)

„Unsere Streitereien kamen von den Drogen. Unter Drogeneinfluss habe ich meine Frau beschimpft und geschlagen.“ (K-19).

Subthema 5: Einmischung der Familie (n = 11; 25%)

„Meine Frau hat meine Mutter aus dem Haus geworfen … Ich verehre meine Mutter. Ich konnte ihr nicht den Rücken kehren.“ (K-11).

Subthema 6: Finanzieller Stress (n = 3; 6,8 %)

„Wir konnten die Miete nicht bezahlen. Meine Frau hat mich angeschrien und gesagt, ich solle Geld bringen. Geh raus und stiehl, hat sie gesagt.“ (K-34).

Subthema 7: Zweite Ehe (n = 1; 2,3 %)

Ein Teilnehmer verwies auf Konflikte im Zusammenhang mit der Heirat einer zweiten Frau und die daraus entstehenden Spannungen mit seiner ersten Ehefrau: „Ich habe eine zweite Frau geheiratet … und wenn ich sie besuchte, gab es dann Streit mit meiner ersten Frau“ (K-14). Dies veranschaulicht, wie strukturelle und familiäre Erwartungen zu situativen Auslösern von IPV beitragen können.

Thema 5: Angegebene Gründe für Femizid (n = 5; 11,4 %)

Fünf Teilnehmer schilderten, dass sie ihre Partnerin getötet hatten, und nannten als unmittelbaren Auslöser meist eine wahrgenommene Untreue oder Beleidigung.

„Ich habe meine Frau geliebt, aber sie hat mich betrogen. Ich habe sie mit einem anderen erwischt … Ich habe auf sie und ihren Liebhaber geschossen.“ (K-28)

„Es ist in einem Moment der Wut passiert. Meine Frau hat mich beleidigt. Ich habe meine registrierte Waffe gezogen und auf sie geschossen.“ (K-6)

Diese Erzählungen spiegeln die eigene Wahrnehmung der Teilnehmer wider, dass Ehre und Kontrolle in ihren Beziehungen bedroht waren. Im Einklang mit der nationalen und internationalen Literatur zu Femiziden stehen Tötungsdelikte in Paarbeziehungen häufig im Zusammenhang mit wahrgenommener Untreue oder Beleidigungen, was die kulturelle und beziehungsbezogene Rahmung von Gewalt verdeutlicht (z. B. Özpınar & Acar, 2022; WHO, 2021).

Thema 6: Einstellungen zu Gewalt (n = 11; 25,0 %)

Dieses Thema erfasst, wie die Teilnehmer Gewaltanwendung rationalisierten, normalisierten oder moralisch rechtfertigten. Statt konkrete Vorfälle zu beschreiben, spiegelten diese Aussagen allgemeine Überzeugungen wider, dass Gewalt ein notwendiger Bestandteil des Familienlebens, ein Disziplinierungsmittel oder ein Ausdruck von Männlichkeit sei.

„Ein Mann muss sein Haus unter Kontrolle haben. Wenn eine Frau aus der Reihe tanzt, muss er sie zurechtweisen.“ (K-12)

„Wir sind damit aufgewachsen zu sehen, wie unsere Väter unsere Mütter schlugen. Für uns war das normal. Es fühlte sich nicht falsch an.“ (K-8)

„Manchmal helfen Worte nicht. Man muss die Hände benutzen, damit sie es verstehen.“ (K-23)

Von 44 Teilnehmern rationalisierten oder normalisierten 11 (25%) Gewalt ausdrücklich als Teil des Familienlebens oder der Männlichkeit; dies zeigt, dass traditionelle Geschlechternormen zwar weit verbreitet waren (37/44, 84%), die Rationalisierung von Gewalt aber nur bei einer Teilgruppe der Männer vorkam. Diese Aussagen zeigen, wie kulturelle und familiäre Normen Gewaltanwendung legitimieren, und offenbaren verinnerlichte Überzeugungen über Männlichkeit und Autorität, ohne dass dies bedeutet, dass alle Männer, die traditionelle Normen vertreten, Gewalt rechtfertigen.

Thema 7: Geschlechternormen (n = 37; 84,1 %)

Traditionelle Geschlechtererwartungen waren in fast allen Interviews allgegenwärtig. Die Teilnehmer beschrieben den Gehorsam der Frauen und ihre Verantwortung für den Haushalt als unhinterfragbare soziale Tatsachen.

„Meine Frau muss sich um die Kinder kümmern, kochen und den Haushalt machen. Wenn sie das nicht tut, wozu ist sie dann gut?“ (K-8)

„Eine Frau muss ihren Mann respektieren. Sonst ist sie keine richtige Ehefrau.“ (K-10)

Zwar spiegelten einige Aussagen egalitärere Ansichten wider, etwa „Mann und Frau müssen im Haus gleich sein … Sogar unser Prophet hat seiner Frau geholfen“ (K-36), doch waren dies Ausnahmen, die an der Vorherrschaft traditioneller Normen in der Stichprobe nichts ändern.

DISKUSSION

Gewalt gegen Frauen ist eine der zerstörerischsten Folgen gesellschaftlicher Geschlechterungleichheit und beeinträchtigt Millionen von Frauen weltweit körperlich, psychisch und wirtschaftlich. Die vorliegende Untersuchung zu Männern, die Gewalt gegen ihre Partnerinnen ausüben, beleuchtete die soziodemografischen Wurzeln gewalttätigen Verhaltens, Einstellungen zu Gewalt und Erfahrungen extremer Gewalt wie der Tötung der Ehefrau anhand verschiedener Themen, die von Kindheitstraumata bis zu Geschlechternormen reichen. Diese Hintergrundmerkmale – insbesondere niedrige Bildung, wirtschaftliche Not und die Prägung durch traditionelle patriarchale Normen – haben vermutlich beeinflusst, wie die Teilnehmer ihre Gewalterfahrungen wahrnahmen, rechtfertigten und erzählten. Die Befunde lassen sich auch im Rahmen des ökologischen Modells deuten, in dem Trauma und Temperament auf individueller Ebene mit beziehungsbezogenen, gemeinschaftlichen und gesellschaftlichen Kräften interagieren. Frühes Trauma kann die Emotionsregulation beeinträchtigen und die Impulsivität erhöhen – Mechanismen, die das Risiko der Gewaltanwendung in Paarbeziehungen steigern. In patriarchalen Gesellschaften wie der Türkei werden diese persönlichen Verletzlichkeiten jedoch durch kulturelle Erwartungen verstärkt, die männliche Autorität und Kontrolle normalisieren, was das Risiko von IPV und Femizid erhöht. Interventionen müssen daher gleichzeitig die Traumaverarbeitung, die Emotionsregulation und soziokulturelle Geschlechternormen in den Blick nehmen. Darüber hinaus könnte künftige länderübergreifende Forschung untersuchen, wie umfassendere kulturelle und soziale Determinanten, etwa Indizes der Geschlechterungleichheit und nationale Normen, mit individuellen Risikofaktoren zusammenwirken und die Prävalenz von IPV beeinflussen. Wichtig ist auch der Hinweis, dass die Erklärungen der Männer für ihre Gewalt auf selbstberichteten Wahrnehmungen beruhen, die eher Rechtfertigung oder Rationalisierung als objektive Ursachen darstellen können. Diese Erzählungen bleiben jedoch wertvoll, um zu verstehen, wie Täter ihrem Verhalten Bedeutung verleihen.

Frühere Studien haben starke Zusammenhänge zwischen der Ausübung von IPV und dem soziodemografischen und psychosozialen Hintergrund von Männern festgestellt. Ein niedriges Bildungsniveau und wirtschaftliche Not wurden durchgängig mit höheren IPV-Raten in Verbindung gebracht, teilweise aufgrund von Stress, fehlenden Kommunikationsfähigkeiten und dem Festhalten an patriarchalen Geschlechternormen (Capaldi et al., 2012; Fulu et al., 2017). Geschlechterideologien, die Männlichkeit mit Kontrolle und Dominanz gleichsetzen, normalisieren gewalttätiges Verhalten zusätzlich (Jewkes et al., 2015). Darüber hinaus zeigt eine umfangreiche Evidenz, dass Gewalterfahrungen in der Kindheit – ob miterlebt oder selbst erlitten – zu den stärksten Prädiktoren für eine spätere Ausübung von IPV gehören (Widom & Wilson, 2015). Diese Befunde stimmen mit den Themen der vorliegenden Studie zur intergenerationalen Weitergabe von Gewalt überein und zeigen, dass frühes Trauma, starre Geschlechternormen und soziale Ungleichheit zusammenwirken und das gewalttätige Verhalten von Männern im Erwachsenenalter aufrechterhalten. Anders als die meisten früheren Studien, die sich vorwiegend auf die Perspektive der Betroffenen konzentrierten oder quantitative Designs verwendeten, bietet diese Untersuchung einen seltenen qualitativen Einblick in die gelebten Erfahrungen und Prozesse der Bedeutungsbildung inhaftierter Männer, die in der Türkei IPV ausgeübt haben. Indem sie die Erzählungen der Männer in ihren soziokulturellen und entwicklungsbezogenen Kontext stellt, erweitert die Studie das vorhandene Wissen über die intergenerationale und kulturelle Weitergabe von Gewalt.

Die große Mehrheit der in dieser Studie Befragten waren Männer mit niedrigem Bildungsniveau und geringem wirtschaftlichem Status. Die von Gewalt betroffenen Frauen hatten ein niedriges Bildungsniveau und waren erwerbslos. Ähnliche frühere Untersuchungen zu den Merkmalen von Männern, die wegen Gewalt gegen Frauen inhaftiert waren, stellten ebenfalls ein niedriges Bildungsniveau bei diesen Männern fest sowie, dass sie in Niedriglohnjobs arbeiteten. Ein niedriges Bildungsniveau und finanzielle Schwierigkeiten bei Männern können Faktoren darstellen, die zur Gewaltausübung beitragen. Dass besser gebildete Frauen Aggression weniger tolerieren, steht auch im Einklang mit dem Befund, dass Frauen mit niedrigem Bildungsniveau stärker von Gewalt betroffen sind (Magrin & Oliveira, 2023). Eine der angeführten Erklärungen für höhere Raten von Gewalt gegen die Ehefrau bei Männern mit niedrigem Bildungsniveau könnte sein, dass diese Männer keine gewaltfreien Verhaltensmodelle erlernt haben. Tatsächlich wird in Studien empfohlen, Männern gewaltfreie Beziehungsmodelle zu vermitteln und vorzuleben, die sowohl ihnen selbst als auch den Frauen zugutekommen (Magrin & Oliveira, 2023).

Die Mehrheit unserer Befragten war in ihrer Familie und ihrem sozialen Umfeld Gewalt ausgesetzt gewesen und/oder hatte sie miterlebt. Ebenso haben frühere Studien betont, dass die Frage, ob Männer in ihrer Kindheit Gewalt erfahren haben, einer der stärksten Prädiktoren dafür ist, ob sie ihre Ehefrau schlagen. Studien haben auch berichtet, dass Männer, die wiederholt Gewalt gegen Frauen und Kinder ausüben, ebenfalls eine Vorgeschichte innerfamiliärer Gewalt haben und in der Familie Gewalt erfahren und/oder miterlebt haben (Fulu et al., 2017; Goodman et al., 2020; Jeremiah et al., 2017; Zietz et al., 2020). Jungen, die die Gewalt ihres Vaters miterleben, schlagen später mit dreimal höherer Wahrscheinlichkeit ihre eigene Ehefrau, wenn sie heiraten (Campbell, 1993). Dass das Miterleben innerfamiliärer Gewalt das Ausmaß an Wut (Ayhan, 2024) sowie die Akzeptanz und Ausübung von Gewalt (Ayhan & Özkan, 2016) erhöht, zeigt die Bedeutung von sozialem Lernen und Trauma im Zusammenhang mit Gewalt. Es kann daher sinnvoll sein, Programme zur Gewaltprävention und zur Entwicklung gesunder Kommunikationsfähigkeiten für Kinder und Eltern umzusetzen, um diesen Kreislauf zu durchbrechen. Einige Teilnehmer dieser Untersuchung hatten eine Vorgeschichte selbstverletzenden Verhaltens. Diese Befunde deuten auf gemeinsame Risikofaktoren hin, die Gewaltneigungen und selbstverletzendem Verhalten zugrunde liegen.

Eine Reihe von Befragten war in der eigenen Kindheit zudem vernachlässigt worden. Studien zum Thema haben durchgängig gezeigt, dass belastende Kindheitserfahrungen, einschließlich Vernachlässigung, die Neigung beeinflussen können, im Erwachsenenalter zu Gewalt zu greifen (Fulu et al., 2017; Goodman et al., 2020; Jeremiah et al., 2017; Zietz et al., 2020). Untersuchungen zu den Motiven von Gewalt gegen Frauen im Erwachsenenalter bei Männern, die in der Kindheit vernachlässigt wurden, haben gezeigt, dass dem verschiedene psychologische und soziale Faktoren zugrunde liegen. Dazu gehören in jungen Jahren erlebte Traumata, antisoziale Persönlichkeitsstörungen und unzureichende Bewältigungsstrategien (Gauthier et al., 2024; White & Widom, 2003). Zusammenfassend sind die Auswirkungen von Vernachlässigung in der Kindheit komplex und mehrdimensional. Maßnahmen zur Verringerung dieser Auswirkungen sind daher wichtig, um das Risiko von IPV zu senken.

Einige Teilnehmer dieser Studie und ihre Angehörigen hatten eine kriminelle Vorgeschichte, und manche Familienmitglieder ermutigten sie, Straftaten zu begehen. Studien zum Thema haben festgestellt, dass Männer, die Gewalt gegen ihre Eltern ausüben, auch Einträge wegen anderer innerfamiliärer Gewalt (Madureira et al., 2014) und kriminelle Karrieren aufweisen (Walby & Myhill, 2001). Befunde, die auf Kindheitstraumata und kognitive Dissonanz in den familiären Beziehungen straffällig gewordener Personen hinweisen, zeigen jedoch die wichtige Rolle von Kindheit und Familie im Kreislauf der Kriminalität (Ayhan et al., 2024). Die Familie kann die Sichtweisen und Neigungen von Menschen gegenüber kriminellem Verhalten beeinflussen, und die Familienstruktur kann bei der Entwicklung kriminalitätsbezogener Einstellungen eine entscheidende Rolle spielen. Es ist daher wichtig, präventive Maßnahmen zu ergreifen.

Aussagen einiger Befragter in dieser Untersuchung legen zudem nahe, dass sie in der Kindheit antisoziales und sozial unangepasstes Verhalten zeigten. Eine frühere Studie über straffällige Kinder zeigte, dass Temperament und Psychopathie eine ähnliche Vorhersagekraft besaßen, dass aber keines von beiden bei der Vorhersage künftiger Kriminalität bedeutsamer war als eine Vorgeschichte von Straftaten und Gewalt (DeLisi et al., 2018). Weitere Forschung ist nun nötig, um besser zu verstehen, wie sich Verhalten in der Kindheit auf Gewaltneigungen bei Männern auswirkt, die Gewalt gegen Frauen ausüben.

Die Befragten nannten als Erklärungen für ihre Gewalt gegen ihre Partnerinnen unter anderem die Rollen, die sie von ihnen erwarteten, Eifersucht, Alkohol- und Substanzkonsum, ihre Mütter, ihre Schwiegermütter, ihre zweite Ehefrau und finanzielle Schwierigkeiten. Ebenso haben frühere Studien mit Männern, die gegenüber ihrer Ehefrau gewalttätig sind, Alkohol- und Drogenkonsum (Madureira et al., 2014), Wut aufgrund von Untreue und von Bestrebungen der Frauen, die Ehe zu beenden, sowie sexuelle Besitzansprüche von Männern (Fleming et al., 2015; Wilson & Daly, 1996) als wichtige Faktoren beschrieben. Diese Befunde zeigen, dass nicht nur individuelle Merkmale, sondern auch kulturelle Normen, einschließlich Geschlechterrollen und des Besitzdenkens von Männern, wirksame Faktoren hinter IPV sind.

Untreue und die Unfähigkeit, mit wahrgenommener Respektlosigkeit umzugehen, wurden von Teilnehmern dieser Studie als Erklärungen für Femizide angegeben. Frühere Studien haben verschiedene Faktoren als Gründe für Tötungen von Ehepartnerinnen genannt, darunter sexuelle Eifersucht und Verdacht auf Untreue, gesellschaftliche und geschlechtsspezifische Ungleichheit, Trennungs- und Scheidungsverfahren, Alkohol- und Substanzkonsum, bereits bestehende innerfamiliäre Gewalt und psychische Probleme (Adinkrah, 2008; Chimbos, 1998). Das Verständnis dieser Faktoren ist äußerst wichtig, um Tötungen von Ehepartnerinnen zu verhindern und geeignete Strategien zu entwickeln.

Die Untersuchung der Einstellungen der Teilnehmer zu Gewalt zeigte, dass einige sie rationalisierten und andere rationalisierte Gewalt miterlebt hatten. Um die Gewaltbetroffenheit zu verringern und kulturell angemessene Interventionen zu entwickeln, ist es wichtig zu verstehen, wie Männer, die Gewalt anwenden, diese rationalisieren. Daten zur Rationalisierung von Gewalt haben gezeigt, dass eine Reihe patriarchaler sozialer, kultureller und religiöser Faktoren zusammenwirken und traditionelle Männlichkeit konstruieren. Sie zeigen außerdem, dass die Gewaltanwendung durch Männer eine Taktik ist, um Frauen zu kontrollieren und ihre Autorität und Macht über sie zu unterstreichen (Sikweyiya et al., 2020). Dies zeigt, wie Einstellungen zu Gewalt durch die früheren Erfahrungen und sozialen Kontexte von Menschen geprägt werden, und unterstreicht, dass Interventionen zur Gewaltprävention darauf abzielen müssen, diese Einstellungen zu verändern.

Die Teilnehmer dieser Untersuchung beschrieben zudem ungleiche Geschlechterrollen, etwa die Rollen der Frauen im Haushalt und gegenüber ihren Ehemännern, sowie ihre sozialen Geschlechterrollen. Ähnliche Untersuchungen haben bei Männern, die Gewalt anwenden, Einstellungen festgestellt, die auf Patriarchat und Geschlechterungleichheit sowie auf eine Neigung zur Ungleichheit in der Ehe hindeuten (Özpınar & Acar, 2022; Sikweyiya et al., 2020; Walby & Myhill, 2001). Es wurde auch berichtet, dass Männer, die Gewalt gegen ihre Partnerinnen ausüben, diese Gewalt als Mittel betrachten, ihre Ehefrauen zu disziplinieren (Sikweyiya et al., 2020). Patriarchale Gesellschaften können Gewalt gegen Frauen indirekt normalisieren, indem sie bei der Erziehung von Jungen Werte wie Macht, Kontrolle und Gehorsam betonen. Wird bei der Erziehung von Jungen Gewaltanwendung statt emotionalem Ausdruck gelobt, erhöht dies das Risiko, dass sie Gewalt verinnerlichen (Andrus, 2020). Diese Befunde sollten auch im soziokulturellen und kulturhistorischen Kontext der Türkei interpretiert werden. In den südöstlichen Regionen, in denen diese Studie durchgeführt wurde, prägen patriarchale Familiensysteme, männliche Ehrenkodizes und religiös begründete moralische Erwartungen die alltäglichen Geschlechterbeziehungen und normalisieren ungleiche Machtstrukturen zwischen Männern und Frauen (Dikmen & Münevver, 2020; Sakalh-Uğurlu & Glick, 2003). Diese kulturelle Einordnung hilft der internationalen Leserschaft, die Bedeutung der in dieser Studie identifizierten Geschlechternormen zu verstehen. Es könnte sinnvoll sein, Männern Sensibilisierungsschulungen anzubieten, die ihnen helfen, ungleiche Geschlechterrollen zu überdenken und ihre diesbezüglichen Einstellungen und Verhaltensweisen zu verändern. Männer, die gegenüber Frauen gewalttätig sind, haben in der Regel ein niedriges Bildungsniveau und sind innerhalb der Gemeinschaft schwer zu erreichen; die Zeit, die sie im Gefängnis verbringen, kann eine gute Gelegenheit sein, solche Sensibilisierungsschulungen anzubieten.

Limitationen

Diese Studie weist eine Reihe von Limitationen auf. Erstens könnten die Teilnehmer, da die Studie in einem geschlossenen Gefängnis durchgeführt wurde, zusätzlich zu IPV wegen anderer Straftaten verurteilt worden sein (mit Ausnahme derjenigen, die ihre Ehefrau getötet hatten). Detaillierte Daten zu solchen Straftaten standen der Forscherin jedoch nicht zur Verfügung, da der Zugang zu den Strafregistern vom Justizministerium beschränkt wurde. Die Befunde können daher nicht ausschließlich als Merkmale von Männern interpretiert werden, die IPV ausüben. Obwohl die Untersuchung eine große Untersuchungsgruppe umfasste, lässt sie sich aufgrund ihres qualitativen Charakters nicht auf alle Männer verallgemeinern, die IPV ausüben. Zweitens konnte ich die Ehefrauen der Männer, die Gewalt ausgeübt hatten, nicht befragen, sodass die angegebenen Erklärungen für die Gewalt nicht zwischen der Perspektive der Betroffenen und der der Täter verglichen werden konnten. Künftige Studien mit getrennten Interviews beider Eheleute könnten eine genauere Analyse der Unterschiede zwischen den Geschlechtern im Hinblick auf die Gewaltmotive nach demselben Muster ermöglichen. Weitere Forschung, die sich gezielt auf Männer konzentriert, die Gewalt gegen ihre Partnerinnen ausüben, ohne in andere Formen kriminellen Verhaltens verwickelt zu sein, könnte ein klareres Verständnis der IPV zugrunde liegenden Faktoren liefern. Darüber hinaus würden kulturvergleichende Studien helfen zu klären, wie Geschlechterungleichheit und soziale Normen zu Unterschieden im IPV-Risiko in verschiedenen nationalen und kulturellen Kontexten beitragen. Diese Befunde müssen im umfassenderen patriarchalen und ehrbasierten kulturellen Kontext der Türkei interpretiert werden, in dem starre Geschlechternormen weiterhin die Wahrnehmung von Macht, Kontrolle und Familienehre bei Männern prägen. Die Befunde stimmen mit dem ökologischen Modell von Heise (1998) überein und veranschaulichen, wie Gewalt aus interagierenden Faktoren auf individueller, beziehungsbezogener, gemeinschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene entsteht. Diese theoretische Perspektive hilft zu erklären, wie frühes Trauma, patriarchale Werte und das soziale Umfeld der Männer gemeinsam ihr gewalttätiges Verhalten prägen.

Implikationen

Diese Untersuchung zeigt, dass Männer, die Gewalt gegen ihre Partnerinnen ausüben, selbst eine tief verwurzelte Gewaltgeschichte in ihrem eigenen Leben haben. Trauma, Gewalt und Vernachlässigung, die die Teilnehmer in ihrer eigenen Kindheit erlebt haben, nehmen einen wichtigen Platz ein, wenn es darum geht, die Weitergabe von Gewalt von einer Generation an die nächste zu erhellen. Zu den Gründen, aus denen Männer Gewalt gegen ihre Partnerinnen ausüben, gehören eine ungleiche Wahrnehmung gesellschaftlicher Geschlechterrollen, das Versäumnis der Ehefrauen, die von ihnen erwarteten Rollen zu übernehmen, Eifersucht, Wut, Alkohol- und Substanzmissbrauch, der Einfluss von Familienmitgliedern, finanzielle Probleme, Untreue und Respektlosigkeit. Untreue und die Unfähigkeit, mit Beleidigungen umzugehen, erwiesen sich als grundlegende Ursachen der Tötung von Ehefrauen. Diese Befunde zeigen, wie Gewaltneigungen von Männern durch gesellschaftliche Geschlechterungleichheiten, innerfamiliäre Gewalt und intergenerationale Traumata begünstigt werden. Dies wiederum unterstreicht, wie wichtig es zur Gewaltprävention ist, das Bildungsniveau anzuheben, Maßnahmen zur Förderung der Geschlechtergerechtigkeit zu entwickeln und die Traumata anzugehen, die Menschen in ihrer Kindheit erleben.

Diese Studie liefert wichtige Erkenntnisse, die sowohl die klinische Praxis als auch die Sozialpolitik leiten können. Klinisch Tätige, insbesondere Fachkräfte für psychische Gesundheit und Fachkräfte der Sozialen Arbeit, können davon profitieren, das Zusammenspiel zwischen frühen belastenden Erfahrungen von Männern, patriarchalen Geschlechternormen und gewalttätigem Verhalten zu verstehen. Ein Screening männlicher Klienten auf Kindheitstraumata und dysfunktionale Bewältigungsstrategien kann dazu beitragen, Personen mit einem Risiko für die Ausübung von IPV frühzeitig zu erkennen. Die Integration traumainformierter und geschlechtertransformativer Ansätze in Rehabilitationsprogramme für Straffällige kann die Behandlungsergebnisse verbessern und Rückfälle verringern. Auf gesellschaftlicher Ebene unterstreichen die Befunde den dringenden Bedarf an gemeinschaftsbasierten Interventionen, die starre Geschlechterrollen angehen und auf Gleichberechtigung beruhende Beziehungsdynamiken normalisieren. Öffentliche Aufklärungskampagnen, schulische Lehrpläne zur Geschlechtergerechtigkeit und Programme des gemeinschaftlichen Dialogs, die Männer in die Neudefinition von Männlichkeit einbeziehen, haben nachweislich gewaltbefürwortende Einstellungen verringert. Die Umsetzung solcher Strategien in patriarchalen Regionen wie dem Südosten der Türkei könnte dazu beitragen, die intergenerationale Weitergabe von Gewalt zu verhindern. Aus reflexiver Perspektive habe ich beobachtet, dass einige Teilnehmer anfangs zurückhaltend waren, sich aber mit wachsendem Vertrauensverhältnis offener äußerten. Obwohl ich keine ähnlichen Erfahrungen teilte, ermutigten Empathie und ein nicht wertendes Zuhören die Teilnehmer, nicht nur ihre Handlungen, sondern auch ihre Gefühle und Rationalisierungen zu beschreiben. Die Befunde zeigen, dass intergenerationales Trauma unter den Teilnehmern zwar weit verbreitet war – etwa körperliche Misshandlung in der Kindheit, Vernachlässigung und familiäre Gewalt –, aber nur eine Teilgruppe ihr eigenes gewalttätiges Verhalten ausdrücklich rationalisierte oder rechtfertigte (11/44; 25%). Dies deutet darauf hin, dass Trauma allein nicht einheitlich zu einer moralischen Rechtfertigung von IPV führt; vielmehr interagiert es mit verinnerlichten patriarchalen Normen und prägt so, wie manche Männer ihre Handlungen deuten und rationalisieren. Das in den Interviews beobachtete Nebeneinander von Reue und Rechtfertigung könnte daher dieses differenzierte Zusammenspiel zwischen frühen belastenden Erfahrungen und kulturell verstärkten Geschlechtererwartungen widerspiegeln (Jewkes et al., 2015; Shakoor et al., 2022). Mich hat das Nebeneinander von Reue und Rechtfertigung in den Erzählungen der Teilnehmer oft betroffen gemacht; es zeigte, wie tief intergenerationales Trauma und patriarchale Normen bei der Ausbildung des Selbstbildes der Männer ineinandergreifen. Aus Forschungsperspektive sollten künftige Studien Längsschnitt- und Mixed-Methods-Designs nutzen, um die kausalen Mechanismen zu untersuchen, die Kindheitstrauma, Sozialisation und die Ausübung von IPV im Erwachsenenalter verbinden. Vergleichende Studien mit Tätern und Betroffenen sowie kulturvergleichende Forschung würden das Verständnis der komplexen Pfade, die IPV aufrechterhalten, weiter vertiefen. Darüber hinaus würde die Evaluation der Wirksamkeit psychosozialer Interventionen im Strafvollzug, die auf die Veränderung von Geschlechternormen und auf Fähigkeiten zur Emotionsregulation abzielen, der Politik und der Praxis evidenzbasierte Orientierung bieten.

Im Einklang mit der neueren Literatur könnten künftige Interventionen bei strukturellen und beziehungsbezogenen Faktoren ansetzen, die im ökologischen Modell von Heise (1998) hervorgehoben werden, etwa familiäre Unterstützung, Elternprogramme und wirtschaftliche Stabilität, die nachweislich mit IPV verbundene Risikofaktoren verringern (Grych et al., 2015; Jewkes et al., 2020). Solche Programme setzen an beziehungsbezogenen und gemeinschaftlichen Einflüssen an, ergänzen auf das Individuum ausgerichtete Strategien und tragen dazu bei, Umfelder zu schaffen, die der intergenerationalen Weitergabe von Gewalt vorbeugen.

Complexe Systémique: das Wichtigste

Männern, die wegen Gewalt gegen ihre Partnerin verurteilt wurden, eine Stimme zu geben, ist selten, und genau das macht diese in einem Gefängnis im Südosten der Türkei durchgeführte Studie wertvoll. Das ökologische Modell von Heise, das individuelle Geschichte, Beziehungen, Gemeinschaft und soziale Normen verbindet, spricht unmittelbar eine systemische Lesart an: Gewalt erscheint als etwas, das weitergegeben und aufrechterhalten wird, nicht als isoliertes Merkmal. Der nützlichste Befund ist zugleich der differenzierteste: Kindheitstraumata sind sehr häufig, und doch rechtfertigt nur ein Viertel der Männer seine Gewalt ausdrücklich. Das Trauma erhellt also, ohne zu entschuldigen. Diese „Gründe“ sind dennoch mit Vorsicht zu lesen: Es handelt sich um Erzählungen der Täter, ohne Aufzeichnung handschriftlich festgehalten, von einer einzigen Forscherin codiert, ohne die Perspektive der Betroffenen, und einige Zahlen weichen zwischen Text und Tabelle 2 voneinander ab. In der klinischen Arbeit besteht die Gefahr, das Verstehen einer Geschichte mit einer Minderung der Verantwortung zu verwechseln. Zu lesen zusammen mit dem Interview mit Allan Wade über Würde und Gewalt und dem Artikel über gewaltfokussierte Paartherapie.

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Inoffizielle Übersetzung von Family dynamics, childhood trauma, and gender norms among men convicted of partner violence in Türkiye von Fatma Ayhan, Family Relations, Bd. 75, Nr. 4 (2026), doi: 10.1111/fare.70214, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzung und Satz: Complexe Systémique, Oktober 2026, mit Unterstützung künstlicher Intelligenz – das Werk wurde im Sinne der Lizenz bearbeitet (Tabellen als Listen dargestellt). Weder die Verfassenden noch der Verlag sind für diese Übersetzung verantwortlich; maßgeblich ist die Originalfassung.

Dies ist eine Übersetzung des Originalartikels „Family dynamics, childhood trauma, and gender norms among men convicted of partner violence in Türkiye“, erschienen in Family Relations (2026) unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz: Der Text der Autorin wurde ins Deutsche übersetzt und die Darstellung für das Lesen online angepasst, wie zu Beginn dieser Seite erläutert.

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Wie dieser Artikel zitiert wird

Ayhan, F. (2026). Family dynamics, childhood trauma, and gender norms among men convicted of partner violence in Türkiye. Complexe Systémique. https://app.complexe-systemique.com/en_GB/articles/family-dynamics-childhood-trauma-and-gender-norms-among-men-convicted-of-partner-violence (Originalwerk erschienen 2026 in Family Relations, 75(4), 2608-2629 (2026); 2026 erneut veröffentlicht von Family Relations, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/fare.70214)

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