KI-gestützte Übersetzung

Diese Fassung wurde von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz aus dem Englischen übersetzt. Im Zweifelsfall ist die Originalfassung maßgeblich.

Frontiers in Psychology · Offener Dialog

Ko-Therapie im Offenen Dialog: das therapeutische Selbst im gemeinsamen Raum verwandeln

Ziel der vorliegenden Studie war es, die Beziehung zwischen Ko-Therapierenden im Offenen Dialog zu untersuchen und zu klären, wie die individuelle Präsenz der Therapierenden diese Beziehung beeinflusst. Obwohl die Ko-Therapie in den Netzwerktreffen des Offenen Dialogs zentral ist, sind die Prozesse dieser Beziehung bislang weitgehend unerforscht.

Autorinnen Christina Lagogianni und Eugenie Georgaca, School of Psychology, Aristotle University of Thessaloniki; Dimitra Christoforidou, School of Humanities and Social Sciences, University of ThessalyErstveröffentlichung in Frontiers in Psychology, 25. Januar 2023Übersetzung Complexe Systémique, inoffizielle KI-gestützte Übersetzung

Inoffizielle deutsche Übersetzung von Co-therapy in Open Dialogue: Transforming therapists’ self in a shared space von Christina Lagogianni, Eugenie Georgaca und Dimitra Christoforidou, erschienen in Frontiers in Psychology (2023) unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique im Oktober 2026 mit Unterstützung künstlicher Intelligenz: Der Originaltext wurde ins Deutsche übersetzt und neu gesetzt, was eine Bearbeitung des Werks im Sinne der Lizenz darstellt. Diese Übersetzung stammt weder von den Verfassenden noch vom Verlag, die weder für ihren Inhalt noch für etwaige Fehler verantwortlich sind. Maßgeblich ist die Originalfassung.

„So wird der Dialog heilsam.“

Christina Lagogianni, Eugenie Georgaca und Dimitra Christoforidou

Zusammenfassung

Ziel der vorliegenden Studie war es, die Beziehung zwischen Ko-Therapierenden im Offenen Dialog zu untersuchen und zu klären, wie die individuelle Präsenz der Therapierenden diese Beziehung beeinflusst. Obwohl die Ko-Therapie in den Netzwerktreffen des Offenen Dialogs zentral ist, sind die Prozesse dieser Beziehung bislang weitgehend unerforscht. Die Studie wandte eine thematische Analyse auf halbstrukturierte Interviews mit 20 im Offenen Dialog ausgebildeten Therapierenden an, die international im öffentlichen und im privaten Sektor tätig sind. Die Ergebnisse zeigen, dass Therapierende mit ihrem erlebenden und ihrem professionellen Selbst in einem Treffen präsent sind. Bestimmte Prozesse der Ko-Therapie ermöglichen es Ko-Therapierenden, sich verbal und körperlich aufeinander abzustimmen und so einen gemeinsamen Raum zu schaffen, der neue gemeinsame Verständnisse, geteilte Verantwortung und letztlich eine Verwandlung des Selbst und der Praxis jeder therapierenden Person fördert. Vertrauen zwischen Ko-Therapierenden scheint eine Voraussetzung dafür zu sein, dass Ko-Therapie gedeihen kann. Die Ergebnisse der vorliegenden Studie zeigen einen dynamischen Einfluss der ko-therapeutischen Praxis: Die Ko-Therapie fördert eine dialogischere Persönlichkeit und ermöglicht die eigene Verwandlung der Therapierenden, was wiederum gemeinsame Verständnisse und das Teilen von Verantwortung ermöglicht. Angesichts des wachsenden Interesses an dialogischen Ansätzen und an Weiterbildungen im Offenen Dialog müssen Lehrende, Supervisionspersonen und Praktizierende die Dynamik der ko-therapeutischen Beziehung kennen und ihr Aufmerksamkeit schenken, um für sich selbst, für ihr Team und letztlich für die Netzwerke zu sorgen, mit denen sie zusammenarbeiten.

Schlüsselwörter Offener Dialog, Ko-Therapie, professionelles Selbst, erlebendes Selbst, Selbsttransformation, dialogische Praxis.

Einleitung

Der Offene Dialog ist ein philosophischer und therapeutischer Ansatz, mit Menschen in Zeiten von Krise oder Not zu sein, und zugleich eine Art, psychiatrische Versorgung auf der Grundlage von Netzwerktreffen zu organisieren (Olson et al., 2014; Putman, 2022b). An Netzwerktreffen nehmen ein Team aus mindestens zwei Fachkräften, die betroffene Person und ihr soziales Netzwerk teil, also Angehörige, Freundeskreis, Kollegium oder andere Dienste, die bereits an der Versorgung der Person beteiligt sind (Putman, 2022b). In Treffen des Offenen Dialogs kommen Fachkräfte mit unterschiedlichem beruflichem Hintergrund zusammen und bilden einrichtungsübergreifende Gruppen, um Polyphonie zu fördern (Seikkula et al., 2001; Olson und Seikkula, 2003). Die Teams umfassen häufig unter anderem Fachkräfte aus Psychiatrie, Psychologie, Ergotherapie, psychiatrischer Pflege und Sozialer Arbeit sowie Menschen mit Erfahrungsexpertise, sogenannte Peer-Mitarbeitende (Nelson et al., 2022; Razzaque et al., 2022). Für die Zwecke der vorliegenden Studie werden alle an Netzwerktreffen beteiligten Fachkräfte als „Therapierende“ bezeichnet. Unterschiedliche berufliche Hintergründe mit ihren verschiedenen Arten der Bedeutungsbildung können die Reflexionen der Therapierenden mit ihrem ko-therapeutischen Gegenüber und ihren Dialog mit dem Netzwerk beeinflussen (Holmesland et al., 2014).

Ko-Therapie, also die Zusammenarbeit von zwei oder mehr Therapierenden in Sitzungen mit Klientel oder Familien, wurde im Feld der Familientherapie in klinischen und supervisorischen Kontexten entwickelt und steht im Zentrum der Praxis des Offenen Dialogs (Ast et al., 2019). Obwohl anerkannt ist, dass die Qualität der Beziehung zwischen Ko-Therapierenden die Behandlung beeinflusst (Borchers et al., 2013), sind die Chancen und Herausforderungen dieser Beziehung in der Literatur zum Offenen Dialog weitgehend unerforscht. Da jede Beziehung einzigartig ist, zeigen Praktizierende in der Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Ko-Therapierenden womöglich unterschiedliche Seiten von sich und eröffnen den Netzwerkmitgliedern so vielfältige Möglichkeiten der Erkundung. Würdigt man die Bedeutung der Präsenz jeder therapierenden Person und des Einsatzes der eigenen Person in der Therapie, lohnt es sich zu untersuchen, wie Ko-Therapierende ihre Beziehung erleben und wie sie auf ihr eigenes Selbst achten, während sie die Kontinuität der Versorgung mit den Netzwerken fördern. Die vorliegende Studie möchte zu dem bislang begrenzten Dialog über die Beziehungen zwischen Ko-Therapierenden und die damit verbundenen Prozesse beitragen und so die Literatur zur Ko-Therapie im Bereich der Paar- und Familientherapie sowie im Ansatz des Offenen Dialogs erweitern.

Ko-Therapie ist in der Paar- und Familientherapie weit verbreitet und bereichert die berufliche Rolle der Therapierenden, da sie mehr Ressourcen, alternative Perspektiven und Hypothesen bieten kann (Hannum, 1980; Hendrix et al., 2001; Reed, 2013). Durch die Art, wie sie zusammenarbeiten und miteinander sprechen, können Ko-Therapierende Paaren und Familien als Modell für alternative Kommunikationsmuster dienen (Hannum, 1980; Hendrix et al., 2001). Ko-Therapierende ergänzen einander durch wechselnde Rollen, von aktiven bis zu reflektierenden Positionen, und unterstützen sich gegenseitig darin, eine neutrale Haltung zu bewahren und sich nicht von der Familiendynamik vereinnahmen zu lassen – Eigenschaften, die in der systemischen Praxis als hilfreich galten (Selvini et al., 1980; Benjamin und Benjamin, 1994).

Um diese Eigenschaften zu sichern, wurden Aus- und Weiterbildung sowie Supervision als zentral dafür erkannt, Raum für die berufliche Entwicklung der Therapierenden aus der ko-therapeutischen Beziehung heraus zu schaffen (Hendrix et al., 2001). Ein nicht konkurrierendes, geeintes Team trägt wahrscheinlich zum Wachstum sowohl der Klientel als auch der Therapierenden bei (Selvini et al., 1980). Dafür ist es wichtig, dass jede therapierende Person sowohl die Klientel als auch ihr ko-therapeutisches Gegenüber gastlich aufnimmt, sodass jede zugleich gastgebend und zu Gast ist. Therapierende in einem Treffen zugleich als Gastgebende und als Gäste zu betrachten, steht im Einklang mit der Annahme, dass zwei Therapierende der Klientel ein stärkeres Gefühl von Kontinuität und Beständigkeit vermitteln und zugleich einem Burnout der Therapierenden vorbeugen (Hoffman et al., 1995). Es verweist auch darauf, wie wichtig es ist, die Beziehung zwischen den Therapierenden zu untersuchen, ebenso wie die Supervisions- und Sitzungspraktiken, die es erlauben, diese Erfahrung der Gastlichkeit zu kultivieren.

Obwohl Ko-Therapie in der Literatur zur Paar- und Familientherapie als wirksame und oft konstruktive Praxis anerkannt ist, hat sie auch Kritik erfahren. Neben praktischen Herausforderungen wie Zeitaufwand und höheren Kosten können Schwierigkeiten entstehen, wenn Ko-Therapierende Kontrollprobleme miteinander oder eine erotische Beziehung haben und wenn die Klientel in einer symbolischen therapeutischen Elternschaft der Ko-Therapierenden gefangen ist (Russell, 1980; Bowers und Gauron, 1981; Haley, 1987; Hendrix et al., 2001). Diese Bedenken sind sehr wertvoll und unterstreichen, wie wichtig es ist, dass Ko-Therapierende selbstreflektiert sind, aber auch aufmerksam und fürsorglich mit ihrer Beziehung umgehen, um dem betroffenen Netzwerk zu helfen. Personen in Ausbildung, die mit verschiedenen ko-therapeutischen Dyaden zusammenarbeiteten, berichteten, dass sie die Möglichkeit als herausfordernd empfanden, in der Ko-Therapie mit größerer Wahrscheinlichkeit etwas Neues über sich selbst zu erfahren (Hendrix et al., 2001). Auch wenn die Verfassenden dies nicht weiter erörterten, ist es möglich, dass bei der Zusammenarbeit von Ko-Therapierenden mit unterschiedlichem Erfahrungsstand Fragen von Kontrolle und Hierarchie aufkommen, was die Komplexität erhöht und die Wahrscheinlichkeit, dass in einem Treffen Unerwartetes auftaucht. Aus dialogischer Sicht ließe sich dies eher als Chance denn als Herausforderung begreifen, da die Selbstaufmerksamkeit der Therapierenden und das Gewahrsein ihrer emotionalen Reaktionen in der Therapie dem Netzwerk und dem therapeutischen Prozess wertvolle Einsichten bieten können (Rober, 1999).

In dialogischen Praktiken baut Ko-Therapie auf der Nicht-Expertenposition der Therapierenden auf und richtet sich stärker auf relationale Merkmale eines Netzwerktreffens, um den Dialog zu fördern (Seikkula et al., 2012; Hornova, 2020). Dialog wird als gemeinsamer Prozess verstanden, der sich in Netzwerktreffen entwickelt, indem eine Sprache gefördert wird, die neue Fragen und neue Diskurse in Fluss bringt (Seikkula, 1995). Ko-Therapie ist von den sieben Grundprinzipien des Offenen Dialogs inspiriert und inspiriert sie ihrerseits, sowohl in der Organisation der Dienste – sofortige Hilfe, Einbeziehung des sozialen Netzwerks, Flexibilität und Mobilität, Übernahme von Verantwortung und psychologische Kontinuität – als auch in der Art, mit Menschen zu sein – Aushalten von Unsicherheit und Dialogizität (Olson und Seikkula, 2003). „Zwei oder mehr Therapierende im Teamtreffen“ ist das erste der zwölf Treuekriterien dialogischer Praxis (Olson et al., 2014). Mehrere Therapierende in einem Treffen mit einem Netzwerk unterstützen die Entwicklung von Polyphonie, indem sie Alternativen fördern und unterschiedlichen Stimmen Raum geben (Valtanen, 2019; Hornova, 2020). Praktizierende des Offenen Dialogs erleben dialogische Ko-Therapie als einen Prozess mit einzigartigen relationalen Qualitäten, darunter die Fähigkeit, einander zu widersprechen, die Bereitschaft, sich in der Therapie infrage stellen zu lassen, die Pflege des gemeinsamen Beziehungsraums der Ko-Therapierenden und schließlich das Gewahrsein verkörperter Reaktionen und das Sprechen darüber (Hornova, 2020).

In Treffen des Offenen Dialogs reagieren Therapierende auf die Erfahrungen der Netzwerke tendenziell auf körperlicher und verbaler Ebene (Shotter, 2011; Cromby, 2012; Borchers et al., 2013; Kykyri et al., 2017; Seikkula et al., 2018). Wenn Therapierende ihre Gefühle teilen und dabei ihre affektiven Reaktionen und körperlichen Erfahrungen nutzen, tut ihr ko-therapeutisches Gegenüber wahrscheinlich dasselbe und „steckt“ das ganze Netzwerk mit dieser Art zu sprechen „an“ (Borchers et al., 2013; Hornova, 2020). Auf diese Weise ermöglicht dialogische Ko-Therapie ein größeres Körpergewahrsein und mehr Selbstreflexivität (Hornova, 2020). Wachsende Forschung im Projekt „Relational Mind in Events of Change in Multi-actors Therapeutic Dialogues“ zeigt eine verkörperte Synchronie in den physiologischen Reaktionen der Netzwerkmitglieder und der Therapierenden (Karvonen et al., 2016; Päivinen et al., 2016; Kykyri et al., 2017; Seikkula et al., 2018; Laitila et al., 2019). Interessanterweise scheinen Ko-Therapierende untereinander das höchste Maß an Synchronie aufzuweisen, was die Bedeutung der Abstimmung innerhalb ko-therapeutischer Dyaden unterstreicht (Karvonen et al., 2016). Trotz der Anerkennung verkörperter Abstimmung und des Einflusses der Ko-Therapie auf persönlicher Ebene (Borchers et al., 2013) sind die Prozesse, durch die Ko-Therapierende sich aufeinander einstimmen und die Präsenz des Gegenübers beeinflussen, weitgehend unerforscht.

Mithilfe einer dialogischen Schleife aus Interviews mit Ko-Therapierenden und einer Fokusgruppe, die die Glaubwürdigkeit der entstehenden Themen zur Ko-Therapie erhöhen sollte, zeigte Hornova (2020), dass dialogische Ko-Therapie von Therapierenden als belebend erlebt wird. Dies könnte mit der Fähigkeit dialogisch Praktizierender zusammenhängen, in Treffen mit Familien sie selbst zu sein, was zudem ein Gefühl der Zufriedenheit erzeugt (Sidis et al., 2020). Dennoch kann es für Gesundheitsfachkräfte schwierig sein, authentisch zu sein, wenn sie ihrem inneren Dialog und ihren Emotionen Ausdruck geben, da dies eine Erweiterung der beruflichen Rolle erfordern kann (Holmesland et al., 2014). Treffen des Offenen Dialogs fordern Praktizierende oft heraus, indem sie verlangen, die Rolle ihrer ursprünglichen Berufsausbildung – etwa in Psychiatrie, psychiatrischer Pflege, Sozialer Arbeit usw. – loszulassen und zu erweitern (Holmesland et al., 2014). Solche Ausbildungen im Bereich psychischer Gesundheit ermutigen angehende Fachkräfte typischerweise, ihre Emotionen unter Kontrolle zu halten und für sich zu behalten (Rowan und Jacobs, 2011). Therapierende erschließen Bedeutung über Filter, die in verschiedenen Denkschulen und beruflichen Ausbildungen entstanden sind. Diese Filter können Resonanzen zwischen Therapierenden und ihrer Klientel blockieren oder verstärken und beeinflussen, wie sie darauf antworten.

In ihrer Reflexion über die Rolle der Psychiatrie in multiprofessionellen Teams betonte Valtanen (2019) die Bedeutung von Vertrauen und geteiltem Verständnis unter den Teammitgliedern. In einem Klima geteilten Verständnisses können Ko-Therapierende einander widersprechen. Statt als Konkurrenz wahrgenommen zu werden, gilt der Widerspruch gegenüber dem ko-therapeutischen Gegenüber als Weg, eine Polyphonie gleichberechtigter Stimmen zu entwickeln und authentisch zu sein (Hornova, 2020). In einem ähnlichen Kontext, dem der bedürfnisangepassten Behandlung (Need Adapted Treatment) von Psychosen mit zwei oder mehr anwesenden Ko-Therapierenden, erkannten psychiatrische Fachkräfte, die mittels Ko-Forschungspraktiken (Andersen, 1997) und Interviews mit stimulierter Erinnerung (Kagan et al., 1963) befragt wurden, dass sie in einer Behandlungssituation nicht nur als Fachpersonen, sondern auch als Individuen anwesend sind, die eine persönliche Beziehung zu ihrem ko-therapeutischen Gegenüber haben (Borchers et al., 2013). Zudem zeigte sich, dass Therapierende, die eine persönliche Beziehung zu ihrem ko-therapeutischen Gegenüber haben und um dessen persönliche Schwierigkeiten wissen, eher dazu neigen, es selbst als Patientin oder Patienten wahrzunehmen und sich darum zu kümmern (Borchers et al., 2013). Dies fördert zwar ein sicheres und freundschaftliches Arbeitsumfeld, kann aber die Rollen und Verantwortlichkeiten, die Therapierende übernehmen, vor Herausforderungen stellen. Offene Gesprächsräume zwischen Therapierenden können helfen, Unterschiede zu überbrücken, eine gemeinsame berufliche Identität hervorzubringen und das Gefühl der Sicherheit in der ko-therapeutischen Beziehung zu kultivieren (Holmesland et al., 2014; Valtanen, 2019; Hornova, 2020).

Therapierende in einem Treffen des Offenen Dialogs sind nicht nur „Gastgebende“ oder „Gäste“ der Sitzung, sondern Teil der einzigartigen Begegnung der Sitzung und bereit, sich durch die therapeutische Beziehung gleichermaßen verwandeln zu lassen (Olson und Seikkula, 2003; Brown et al., 2015; Kykyri et al., 2017; Hornova, 2020). Dies ist einer der Gründe, warum Weiterbildungen im Offenen Dialog Supervision und Herkunftsfamiliengruppen in ihrem Kern vorsehen, um die theoretischen Grundlagen des Offenen Dialogs durch Praxis und persönliches Engagement erfahrbar zu machen (Putman, 2022a). Die Bereitschaft, sich in einem Treffen verwandeln zu lassen, erfordert Selbstaufmerksamkeit und Ansprechbarkeit – Eigenschaften, die ihrerseits durch Supervisionspraktiken und Therapie (d. h. Herkunftsfamilienarbeit) kultiviert werden. Es wird argumentiert, dass diese Anforderungen dialogischer Weiterbildungen die Wahrnehmung der Praktizierenden von ihrem Selbst und ihrer beruflichen Rolle in der Therapie erheblich verändern und prägen (Von Peter, 2019, 2021; Pocobello, 2021; Hendry et al., 2022). Auch wenn Ko-Therapie in Supervisions- und Weiterbildungskontexten als Thema aufkommen mag, wird der Beziehung zwischen Ko-Therapierenden, der Art, wie sie zusammenarbeiten und mit ihren Unterschieden umgehen, sowie der Frage, wie diese Bereitschaft zur Verwandlung bei Ko-Therapierenden und im Netzwerk präsent sein und erlebt werden kann, nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt.

Im Einklang mit dem Offenen Dialog folgt der vorliegende Beitrag Bachtins (1984) Sicht des Selbst als polyphon, aus verschiedenen Stimmen bestehend. Neuere Forschung zeigt das reiche innere Gespräch der Therapierenden während der Sitzungen, das die Aufmerksamkeit für den Prozess der Klientel, die Verarbeitung ihrer Geschichte, die Konzentration auf die eigenen Erfahrungen und die Steuerung des therapeutischen Prozesses umfasst (Rober et al., 2008). Therapierende sind eingeladen, auf alle Stimmen im Raum zu achten und die horizontale Polyphonie zwischen den Netzwerkmitgliedern und dem professionellen Team ebenso zu würdigen wie die vertikale Polyphonie in sich selbst und wiederum in jedem einzelnen Menschen (Seikkula, 2008). Ko-Therapierende spielen eine aktive Rolle bei der Konstruktion der therapeutischen Wirklichkeit, als Mitglieder des jeweiligen Kontexts und als Begleitende des therapeutischen Prozesses. Daraus folgt, dass sie nicht als Fachleute mit Expertenstatus wahrgenommen werden und ihre Ideen der Klientel nicht aufgezwungen werden, sondern als Anstöße zur Veränderung wirken können (Andersen, 1991; Rober, 1999, 2005b; Anderson, 2005). Als Mitglieder der therapeutischen Begegnung gestalten Therapierende den sicheren Raum mit, in dem das Netzwerk seine Erzählungen entfalten und Worte für das noch nicht Gesagte finden kann (Shotter, 2011, 2015). In diesem Beziehungsraum ist die eigene Erfahrung der Therapierenden entscheidend und kann als Kompass dienen, um sich zwischen den vielen Stimmen eines Netzwerktreffens zu orientieren. Die gelebte Erfahrung der Therapierenden umfasst den Einsatz der eigenen Person, ihre Positionierung, körperliche Veränderungen, emotionale Reaktionen, Gedanken, Werte und Überzeugungen (Simon, 2012; Miller und Baldwin, 2013; Avdi und Seikkula, 2019; Gkantona, 2019; Ong et al., 2021; Aponte, 2022). Wie Therapierende ihre Erfahrungen nutzen, hängt damit zusammen, achtsam für ihren inneren Prozess zu sein und sich der Einflüsse bewusst zu sein, die dieser auf den therapeutischen Prozess haben kann (Rowan und Jacobs, 2011; Mojta et al., 2014).

Um die Polyphonie ihrer inneren Stimmen zu würdigen, müssen Therapierende sowohl auf ihr professionelles als auch auf ihr erlebendes Selbst eingestimmt sein und über beide reflektieren (Rober, 2005b; Borcsa und Janusz, 2021). Das „professionelle Selbst“, geprägt von den Fertigkeiten, der Ausbildung und der beruflichen Entwicklung der Therapierenden, nimmt eine beobachtende Position ein und wird als innere Stimme konzipiert, die Hypothesen bildet und auf die Geschichten der Klientel antwortet (Rober, 2005b). Das „erlebende Selbst“, ein intimeres Selbst, bezieht sich auf Erinnerungen, Bilder und Fantasien, die mit diesen Beobachtungen verbunden sind und aus den persönlichen Erfahrungen der Therapierenden stammen (Rober, 2005b). Da das erlebende Selbst mit den Gefühlen und der persönlichen Geschichte verbunden ist, die während eines Treffens wachgerufen werden, gilt die eigene Therapie als Schlüssel für die Einstimmung auf das erlebende Selbst und für dessen Nutzung (Simon, 2006; Clark, 2009; Flaskas, 2009). Durch die eigene Therapie oder Praktiken persönlichen Wachstums entwickeln sich mehr Selbstgewahrsein und Selbstaufmerksamkeit (Lum, 2002; Miller und Baldwin, 2013).

Das professionelle und das erlebende Selbst der Therapierenden stehen während eines Treffens in einem fortlaufenden inneren Gespräch und bieten unterschiedliche Möglichkeiten, auf die Einladungen und Geschichten des ko-therapeutischen Gegenübers und der Netzwerke zu antworten (Seikkula et al., 2012; Borcsa und Janusz, 2021). Indem sie im äußeren Dialog mit dem Netzwerk zwischen moderierenden und reflektierenden Positionen wechseln und sich auf die reflektierenden Prozesse einlassen, geben Ko-Therapierende einander Raum, auf ihren inneren Dialog zu achten, sich besser auf ihre inneren Stimmen einzustimmen und letztlich Polyphonie zu entwickeln (Seikkula, 1995; Rober, 1999, 2005b; Olson und Seikkula, 2003). Unterschiede in der Reflexivität der Therapierenden und in der Aufmerksamkeit für ihr professionelles und erlebendes Selbst können nicht nur ihre eigene Präsenz in einem Treffen beeinflussen, sondern auch die ko-therapeutische Praxis und letztlich die Versorgung der Netzwerke (Georgaca, 2012; Avdi und Georgaca, 2018). Zu untersuchen, wie die Unterschiede zwischen dem professionellen und dem erlebenden Selbst der Therapierenden die Ko-Therapie beeinflussen, kann unser Verständnis der ko-therapeutischen Praxis und der Netzwerktreffen im Offenen Dialog vertiefen.

Da Weiterbildungen im Offenen Dialog und dialogische Präsenz immer beliebter werden, ist es wichtig, dass Therapierende diese Möglichkeiten anerkennen und die Komplexität der Beziehung zu ihrem ko-therapeutischen Gegenüber würdigen. Die vorliegende Studie möchte zum Verständnis der Beziehung zwischen Ko-Therapierenden beitragen und dazu, wie diese Beziehung die individuelle Präsenz jeder therapierenden Person beeinflusst. Für die Zwecke der Untersuchung werden die Konzepte des professionellen und des erlebenden Selbst verwendet, um einen Teil des inneren Dialogs und der vertikalen Polyphonie der Therapierenden zu erfassen. Es wird angenommen, dass konstruktivere und unterstützendere Praktiken entstehen, wenn besser verstanden wird, wie Ko-Therapierende miteinander interagieren und dabei nicht nur auf ihre eigene Präsenz, sondern auch auf die ihres Gegenübers achten, um mit dem Netzwerk in Verbindung zu treten und mit ihm zu sein.

Die Forschungsfragen lauten:

  • Wie sind das professionelle und das erlebende Selbst der Therapierenden während der Ko-Therapie präsent?
  • Welche Prozesse der Ko-Therapie beeinflussen das Selbst der Therapierenden?

Material und Methoden

Design

Die vorliegende Studie untersucht, welche Aspekte des Selbst der Therapierenden während der Ko-Therapie mobilisiert werden, wie das Selbst der Therapierenden von der Ko-Therapie beeinflusst wird und welche ko-therapeutischen Prozesse es beeinflussen. Die Studie ist Teil eines größeren Projekts zu den Sichtweisen und Erfahrungen von Praktizierenden des Offenen Dialogs mit Ko-Therapie. Mit Praktizierenden des Offenen Dialogs wurden zwei aufeinanderfolgende Interviews anhand unterschiedlicher halbstrukturierter Leitfäden geführt. Die vorliegende Studie wurde von der Erstautorin (CL) geleitet; die zweite, noch laufende Studie konzentrierte sich auf dialogische Praktiken von Ko-Therapierenden und wurde von der Drittautorin (DC) geleitet. Obwohl die Forschung gemeinsam durchgeführt wurde, wurden die beiden Studien getrennt analysiert und verfasst.

Die Erstautorin (CL) schloss zu diesem Zeitpunkt die dreijährige Weiterbildung bei Open Dialogue UK ab, was ihr Zugang zu entsprechenden Netzwerken von Praktizierenden verschaffte. Die Konzeption und der Interviewleitfaden der vorliegenden Studie wurden von ihrer Erfahrung in der Arbeit mit verschiedenen Ko-Therapierenden und von Reflexionen im Supervisionskontext der Weiterbildung beeinflusst. Die Drittautorin (DC) hat mit dem Team für psychische Gesundheit in Volos (Griechenland) zusammengearbeitet, dem ersten öffentlichen Dienst in Griechenland, der seit 2009 vom Offenen Dialog inspirierte Praktiken anwendet. Die Teamdynamik und die Entwicklung des Ansatzes in diesem Kontext regten die Drittautorin an, die Beziehung zwischen Ko-Therapierenden weiter zu erforschen. Nach jedem Interview reflektierten die beiden Forscherinnen ihre Erfahrung und gaben einander Rückmeldungen für die folgenden Interviews. Die beiden Autorinnen arbeiteten in diesem Prozess als Ko-Forscherinnen zusammen und ließen Raum für Reflexivität und fortlaufende Reflexion bei der Entwicklung der Interviewleitfäden, der Kontaktaufnahme mit den Teilnehmenden, der Durchführung der Interviews und der Analyse.

Teilnehmende

Es wurde eine gezielte Stichprobe gebildet, indem internationale Institute des Offenen Dialogs kontaktiert und die Studie in der geschlossenen Facebook-Gruppe „Network for Open Dialogue and Reflective Processes“ bekannt gemacht wurde. Auswahlkriterien waren eine abgeschlossene Weiterbildung im Offenen Dialog und Erfahrung in der Arbeit mit Ko-Therapierenden.

Teilgenommen haben 20 Therapierende des Offenen Dialogs, acht Männer und 12 Frauen. Gemäß den beruflichen Identitäten, mit denen sie sich vorstellten, kamen acht aus der Psychologie, zwei aus der Psychiatrie, drei aus der Sozialen Arbeit, eine Person aus der Pflege, eine Person arbeitete als Peer, und fünf Therapierende nannten keinen spezifischen Hintergrund im Bereich psychischer Gesundheit. Erwähnenswert ist, dass die beruflichen Rollen der Teilnehmenden oft über diese Bezeichnungen hinausgingen; zu den zusätzlichen Rollen gehörten Lehrtätigkeiten im Offenen Dialog und Verwaltungsfunktionen. Die Teilnehmenden arbeiteten sowohl im öffentlichen Sektor als auch in eigener Praxis. Sie kamen aus verschiedenen Regionen: 10 aus der Europäischen Union, fünf aus dem Vereinigten Königreich, drei aus den Vereinigten Staaten von Amerika und zwei aus Australien. Ihre Erfahrung im Offenen Dialog reichte von drei bis 20 Jahren. Sie hatten mit zwei bis dreißig verschiedenen Kolleginnen und Kollegen ko-therapeutisch gearbeitet.

Datenerhebung

Die Sichtweisen und Erfahrungen der Teilnehmenden zur Ko-Therapie wurden in halbstrukturierten Einzelinterviews von 45–60 min über die Online-Konferenzplattform Google Meet erhoben und aufgezeichnet. Vor dem Interview füllten die Teilnehmenden einen Fragebogen zu soziodemografischen Angaben aus und unterzeichneten eine Einwilligungserklärung, in der sie bestätigten, über die vertrauliche und anonyme Behandlung der Daten und ihr Recht auf Rücktritt informiert zu sein, und der Aufzeichnung des Interviews zustimmten. Zu Beginn des Interviews stellten sich die beiden Forscherinnen (CL, DC) einander als Ko-Forscherinnen vor und ließen Zeit für Fragen. Eine Forscherin führte das Interview, die andere nahm eine reflektierende Position ein. Die Forscherinnen hielten fest, dass diejenige in der reflektierenden Position, die darauf wartete, ihre eigene Untersuchung durchzuführen, sich bei Bedarf in das Interview einbringen konnte. Dies geschah jedoch zu keinem Zeitpunkt der Datenerhebung. Der Interviewleitfaden dieser Studie begann mit Fragen dazu, wie der berufliche Hintergrund der Teilnehmenden, also ihre beruflichen Rollen und ihre bisherige Ausbildung, die Reflexionen in einem Treffen beeinflusst. Die Teilnehmenden wurden auch gefragt, was Authentizität in einem Netzwerktreffen bedeutet und wie ihre eigene Therapie, Praktiken persönlichen Wachstums, ihre Herkunftsfamilie und andere Therapien dies beeinflusst haben könnten. Schließlich gab es Fragen dazu, wie Ko-Therapierende einander dabei unterstützen, authentisch zu sein und in einem Netzwerktreffen ganz als verkörperte Personen zu antworten. Die Teilnehmenden wurden ermutigt, klinische Beispiele für ihre Erfahrungen zu geben.

Analyse

Alle Interviews wurden von der Erstautorin (CL) transkribiert, sorgfältig gelesen und im Hinblick auf wichtige Themen und gemeinsame, interviewübergreifende Muster annotiert. Es wurde eine thematische Analyse durchgeführt, mit dem Ziel, Themen zu identifizieren, die wichtige Aspekte der Forschungsfrage erfassen (Braun und Clarke, 2006). Alle Daten wurden kodiert, ohne eine bestimmte Hypothese prüfen zu wollen, vielmehr um die Erfahrungen der Teilnehmenden abzubilden; es handelte sich um eine induktive thematische Analyse. Beim Lesen und Annotieren der ersten beiden Interviews wurde Zeile für Zeile kodiert. Es wurden vorläufige Codelisten erstellt, in denen die Codes Gedanken, Erfahrungen, Gefühle und Bilder der Teilnehmenden zum Untersuchungsgegenstand erfassten. Die Interviews drei und vier ergänzten die Codeliste und führten zu neuen Codes, wenn die Perspektiven der Teilnehmenden neu waren. Für die Interviews 5 bis 20 wurde dasselbe Verfahren angewandt. Um sicherzustellen, dass die zuletzt kodierten Interviews ebenso aufmerksam behandelt wurden wie die ersten, wurden die entwickelten Codes mehrfach überarbeitet, was ein fortlaufendes Hin und Her zwischen Datensatz und Kodierprozess widerspiegelt. Bei der Suche nach Themen wurden die Codes aufgelistet und nach ihren Gemeinsamkeiten gruppiert. Die Erstautorin gab diesen Themen einen Namen und eine Beschreibung.

Die Überprüfung der Themen und die Anpassung ihrer Namen und Beschreibungen erfolgten in ausführlichen Validierungssitzungen mit der Zweit- (EG) und der Drittautorin (DC), die zudem ausgewählte Auszüge mitkodierten, um Genauigkeit und Transparenz im Kodierprozess zu fördern. Dabei wurden keine Übereinstimmungsmaße verwendet; stattdessen wurden Verfahren der konsensuellen Validierung und Einigung angewandt. In jeder Validierungssitzung stellte die Erstautorin die Themen vor und begründete sie anhand von Zitaten der Teilnehmenden. In kollaborativen Diskussionen über abweichende Sichtweisen erzielten die Autorinnen dann einen Konsens über die Themen, die die Erfahrungen der Teilnehmenden am besten erfassten.

Die Erst- (CL) und die Drittautorin (DC) standen während der Interviews mit allen Teilnehmenden der vorliegenden Studie in Kontakt, was ihnen einen erfahrungsbasierten Einblick in die erhobenen Daten verschaffte. Beide sind zudem klinisch tätig, was ihnen eine praxisnähere Perspektive auf die Daten ermöglichte. Die Zweitautorin (EG) ist Wissenschaftlerin, forschungserfahren und dem Datensatz anfangs weniger verbunden. Die unterschiedlichen Perspektiven der drei Forscherinnen auf dieselben Daten ließen bei der Bewertung der Positionen und Erwartungen der Autorinnen an die Studie eine Vielfalt von Stimmen entstehen und sicherten zugleich Reichhaltigkeit und Reflexivität bei der Themenbildung (Tong et al., 2007; O’Connor und Joffe, 2020).

Als Ergebnis des Analyseprozesses wurden die Daten in drei Hauptthemen gegliedert, nämlich die individuelle Präsenz der Therapierenden, Prozesse der Ko-Therapie und Ko-Therapie als gemeinsamer Raum, die jeweils aus verschiedenen Unterthemen bestehen. Darüber hinaus zeigte sich ein viertes Thema, Vertrauen als Voraussetzung, das alle drei Themen verbindet.

Ergebnisse

Die entstandenen Themen und Unterthemen werden im Folgenden dargestellt und beschrieben, begleitet von repräsentativen Auszügen aus den Interviews.

Die individuelle Präsenz der Therapierenden

Therapierende sind in einem Netzwerktreffen präsent und bringen sowohl ihr erlebendes als auch ihr professionelles Selbst ein. Nach Abschluss einer dialogischen Weiterbildung hat sich die Präsenz des erlebenden und des professionellen Selbst der Therapierenden infolge der Anforderungen an Supervision und Selbsterfahrung bereits verändert.

Präsenz des erlebenden Selbst

Nutzung verkörperter Reaktionen. Die große Mehrheit der Teilnehmenden erkannte, dass es zum Einbringen ihres erlebenden Selbst in ein Treffen gehört, sich ihrer eigenen verkörperten Erfahrungen und Reaktionen bewusst zu sein und sie zu teilen.

Teilnehmende Person 8

„Ich verstehe verkörperte Erfahrung so, dass sie uns einlädt, mit unserem Geist in Kontakt zu bleiben. […] Ich kann mir zuerst eine kleine Notiz machen: Okay, das baut eine Spannung in mir auf, und vielleicht sogar ein bisschen tiefer graben, es wahrnehmen, aber vielleicht nicht das Gefühl haben, dass es eine gute Idee ist, es in Worten zu teilen, sondern es einfach wahrnehmen und tiefer atmen und wissen, dass es auch die Person betrifft, mit der ich arbeite: Wie bin ich in diesem Moment, wie halte ich es gewissermaßen.“

Stärker bei Selbstgewahrsein. Allgemein wurde anerkannt, dass Herkunftsfamilienarbeit, eigene Therapie und Praktiken persönlichen Wachstums es Therapierenden ermöglichen, sich ihrer selbst bewusster zu sein und ihr erlebendes Selbst in einem Treffen wahrzunehmen. Einige Teilnehmende erkannten, dass Therapierende sich durch ihren eigenen Weg persönlichen Wachstums ihrer Gefühle, Verletzlichkeiten, blinden Flecken und Traumata bewusster sind. Eine teilnehmende Person merkte an, dass dies hilft, demütiger und neugieriger zu sein und nicht vorschnell über andere zu urteilen, weil man sich bewusst wird, dass alle Familien, die eigene eingeschlossen, „Zusammenbrüche in ihrer Kommunikation“ haben können (P15). Eine andere Stimme kam von einer teilnehmenden Person, die darauf hinwies, dass der Auftrag an Therapierende, selbstgewahr zu sein, bedeuten kann, dass sie „die Macht nutzen, die ihnen in der Arbeit in Psychiatrie und psychischer Gesundheit gegeben ist, während sie ihre eigene Menschlichkeit und ihre Erfahrungen damit erkunden“ (P10).

Der Fokus bleibt auf dem Netzwerk. Einige Teilnehmende betonten die Bedeutung von Selbstreflexivität, wenn sie ihr erlebendes Selbst teilen, indem sie behutsam über ihre Gefühle und Ideen sprechen, sodass das Netzwerk Nein sagen kann. Wenn sie meinen, dass eine Selbstoffenbarung für das Netzwerk hilfreich sein kann, teilen Therapierende mitunter sogar ausdrücklich ihre persönlichen Geschichten und Resonanzen und „verbinden sie mit der Erzählung des Netzwerks“ (P1). Beim Nachdenken über die Verbindung zwischen den Bedürfnissen des Netzwerks und dem erlebenden Selbst der Therapierenden merkte eine teilnehmende Person an, dass Ko-Therapie nicht immer die bevorzugte Praxis für alle Netzwerkmitglieder sein muss; Einzeltherapie kann vorzuziehen sein, um privatere Themen zu erkunden und das Selbstvertrauen der Einzelnen zu stärken.

Mehr Eigenverantwortung. Einige Teilnehmende teilten die Ansicht, dass durch die Aufmerksamkeit für und die Reflexion über das erlebende Selbst ein Gefühl der Eigenverantwortung entsteht, das Therapierenden hilft, „dem Gefühl zu vertrauen, das gerade wachgerufen wird“ (P14). Eine Teilnehmerin, die Psychologin ist, betonte die Verantwortung der Therapierenden sich selbst gegenüber: „[Man muss] für die eigenen Emotionen und Ideen in einem Treffen Verantwortung übernehmen und ihnen eine Stimme geben, ohne mit denen des ko-therapeutischen Gegenübers zu konkurrieren.“ (P17)

Präsenz des professionellen Selbst

Die berufliche Rolle einladen. Alle Teilnehmenden waren sich einig, dass die Denkschule oder Ausbildung Therapierende in einem Treffen des Offenen Dialogs nicht definiert. Alle fügten hinzu, dass unterschiedliche Berufsausbildungen als Kompetenzen der Praktizierenden betrachtet und bei der Teamzusammenstellung berücksichtigt werden, um sich bestmöglich an die Bedürfnisse des Netzwerks anzupassen. Teilnehmende, die in multiprofessionellen Teams arbeiten, vor allem im öffentlichen Sektor, berichteten, dass sie ihr ko-therapeutisches Gegenüber oft nach dessen beruflichem Hintergrund auswählen oder weitere Teammitglieder zu ihren Netzwerktreffen als beratende Personen hinzuziehen, wobei sie deren beruflichen Hintergrund und die Bedürfnisse des Netzwerks berücksichtigen.

Expertise als Teil der Polyphonie. Fast alle Teilnehmenden erkannten, dass Therapierende, auch wenn ein Teil ihres Beitrags zum Dialog aus ihrer beruflichen Rolle, ihrer Expertise, stammen mag, dazu neigen, sich aus der Expertenposition zurückzuziehen und alle ihre Ideen eher tastend anzubieten, in der Anerkennung, dass alle Stimmen in einem Treffen wichtig sind. Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden beschrieb die Arbeit mit Therapierenden unterschiedlicher beruflicher Herkunft mit denselben Worten: Sie ermögliche „horizontale Polyphonie“, „Reichtum im Verstehen“ und „mehr Möglichkeiten in einem Treffen“ (P1, P4, P6, P9, P11, P12, P14, P16, P17, P19, P20). Ideen aus dem professionellen Selbst der Therapierenden werden zu einer weiteren Stimme im Treffen und nicht zur vorherrschenden Art, die Geschichte des Netzwerks zu erkunden. Je nach beruflichem Hintergrund können Therapierende auf unterschiedliche Teile der Erzählung eines Menschen besser eingestimmt sein, etwa: auf Vorgaben zum Umgang mit Risiken.

Teilnehmende Person 12

„Ein Teil dessen, was mir an dieser Arbeit Freude macht, ist, dass ich sagen kann: ‚Ah, das ist ein anderer Ansatz, so hätte ich das nicht gesehen.‘ Aber manchmal sage ich in einer Reflexion: ‚Das ist wirklich interessant, ich frage mich, was die Familienmitglieder denken, wir sollten sie fragen.‘ Es ist fast so, als würde ich, wenn ich es zwischen uns nicht klären kann, die Familie als Ressource nutzen.“

Stärker bei Unsicherheit. Eine andere Stimme, von einigen Teilnehmenden geäußert, vertrat die Ansicht, dass die Präsenz vieler Stimmen in einem Treffen Unsicherheit erzeugen kann. Wenn Therapierende sich unsicher fühlen, greifen sie womöglich auf einen direktiveren Ansatz zurück, auf Techniken und Verständnisweisen aus ihrer Expertise. Sie kehren so unter Umständen zu ihrer beruflichen Identität zurück, die vertraut ist und sich sicherer anfühlt, und „hören, was wir gelernt haben“ (P12).

Prozesse der Ko-Therapie

Die Teilnehmenden benannten spezifische Prozesse, auf die sie sich mit ihrem ko-therapeutischen Gegenüber einlassen und die es ihnen ermöglichen, sich aufeinander und auf das Netzwerk einzustimmen.

Ausgleich durch Reflexion

Die meisten Teilnehmenden erkannten an, dass die Anwesenheit eines ko-therapeutischen Gegenübers in Zeiten von Krise und Unsicherheit helfen kann, die Polyphonie auszuhalten, und es ermöglicht, Emotionen reflektierter zu bedenken. Einige meinten, dass sie so ihre Positionen und Emotionen mit ihrem Gegenüber ausbalancieren können, indem sie das Tempo verlangsamen, ihre Sorge teilen und in ihren Reflexionen eher nach Unterschieden als nach Gleichem suchen.

Teilnehmende Person 14

„Ich glaube, ein ko-therapeutisches Gegenüber kann sehr hilfreich sein, wenn Menschen sich in ihrer Position polarisieren. Und ich kann mich leicht in meiner Position polarisieren, also jemanden in der Ko-Therapie zu haben, der manchmal sagen kann: ‚Ich habe das Gefühl, du steckst fest, wo du bist, ich weiß nicht genau, was bei dir gerade passiert‘ – und so einander herausfordern zu können.“

Einladende Sprache

Wie in den Gesprächen mit dem Netzwerk sahen einige Teilnehmende die Sprache zwischen Ko-Therapierenden als etwas, das einladend, umsichtig und behutsam sein muss. Diese einladende Sprache galt für jede teilnehmende Person aus anderen Gründen als wichtig. Einige wenige Teilnehmende meinten, dass es ihnen hilft, ihr Denken zu entfalten, direkte Verbindungen zum Netzwerk herzustellen und den Dialog beim Netzwerk statt bei sich selbst zu halten, wenn ihr Gegenüber sie einlädt, die Gründe mitzuteilen, aus denen sie eine persönliche Geschichte oder ein Gefühl offenbart haben. Eine teilnehmende Person sagte, dass einladende Sprache Vertrauen fördert: „Ich muss darauf vertrauen, dass du es nicht unangemessen teilst. Und die andere Person muss darauf vertrauen, dass du sie nicht über ihre Grenzen hinaus drängst.“ (P7)

Einander kennen und annehmen

Fast alle Teilnehmenden teilten die Ansicht, dass eine sanftere, umsichtigere und fürsorglichere Haltung gegenüber dem Gegenüber entsteht, wenn Ko-Therapierende einander kennenlernen. Um authentisch zu sein und ihre Gedanken und Gefühle auszudrücken, ist es wichtig, dass Therapierende sich mit ihrem ko-therapeutischen Gegenüber „ausreichend sicher und wohl“ fühlen (P20). Vielen Teilnehmenden war es wichtig, sich von ihrem Gegenüber bedingungslos angenommen zu fühlen, das heißt ohne Erwartungen, ohne richtige oder falsche Arten, in einem Treffen zu sein. Zwei Teilnehmende erwähnten, dass sich wohlfühlen nicht nur die Ausdrucksweisen betrifft, sondern auch den Stil des ko-therapeutischen Gegenübers, etwa im Schweigen zu verweilen oder Humor einzusetzen. Der therapeutische Stil wird von der Berufsausbildung unterschieden, da er sich darauf bezieht, wie Therapierende mit Menschen sind und Halt geben. Einige Teilnehmende meinten, es sei gut möglich, dass sie mit bestimmten Ko-Therapierenden nicht arbeiten können, selbst wenn sie sie gut kennen, da Ko-Therapie eine menschliche Beziehung ist, die wie alle Beziehungen in einzelnen Fällen nicht gut funktionieren kann.

Sich verbal und körperlich abstimmen

Wer das ko-therapeutische Gegenüber kennt, kann wahrnehmen, wie es sich während eines Treffens nonverbal verändert. Fast die Hälfte der Teilnehmenden sah die verkörperten Reaktionen in einem Treffen als einen Kanal, um sich mit dem Gegenüber zu verbinden. Ein paar Teilnehmende erwähnten, dass das Wahrnehmen solcher körperlichen Reaktionen bei sich selbst oder beim Gegenüber ein nützlicher Ausgangspunkt für Reflexionen zwischen Ko-Therapierenden sein kann oder für die Erkenntnis, dass sich jemand anderes in der Sitzung verändert hat, was mehr Raum für das noch nicht Gesagte schafft. Eine teilnehmende Person sagte, dass sie mit ihrem Gegenüber vor Beginn eines Netzwerktreffens manchmal Achtsamkeit praktiziere, um „aufeinander eingestimmt zu sein“ (P7).

Sich um die Beziehung kümmern

Dialogische Beziehungsräume zwischen Ko-Therapierenden außerhalb der Netzwerktreffen wurden von allen Teilnehmenden als wichtig angesehen, da sie es ermöglichen, die gegenseitige Abstimmung zu vertiefen. Ko-Therapierende brauchen weitere Räume, um über sich selbst zu sprechen und darüber, wie es für sie ist, zusammenzuarbeiten. Die Teilnehmenden nannten verschiedene Beispiele dafür, wie solche dialogischen Räume geschaffen werden können, etwa vor den Treffen, in der Supervision oder in Reflexionen nach der Sitzung. Fast alle betrachteten Supervisionsräume als zentral, um Gespräche über die Beziehung zwischen Ko-Therapierenden zu ermöglichen. Zwei Teilnehmende betonten zudem den Bedarf an Supervision, um darüber zu sprechen, wie es sich anfühlt, herausgefordert zu werden – eine Erfahrung, die in alltäglichen Interaktionen eher selten ist. Die meisten sahen Supervisionspraktiken als Weg, Konkurrenz zwischen Ko-Therapierenden zu vermeiden, die als Bedrohung für die ko-therapeutische Praxis anerkannt wurde.

Teilnehmende Person 14

„Wir müssen eine Entscheidung treffen, wenn wir in einem Netzwerktreffen sind: Können wir das hier besprechen, oder ist in uns etwas ausgelöst worden, das zu negativ ist, das wir vielleicht in unsere Supervision mitnehmen müssen, weil es um unsere Beziehung geht, nicht um die Familie, und das wir vielleicht woandershin bringen müssen, um damit umzugehen?“

Ko-Therapie als gemeinsamer Raum

Durch diese ko-therapeutischen Prozesse entsteht zwischen Ko-Therapierenden ein gemeinsamer Raum, der neue gemeinsame Verständnisse, ein Gefühl geteilter Verantwortung und letztlich eine Verwandlung des Selbst und der Praxis jeder therapierenden Person fördert.

Gemeinsame Verständnisse auf der Grundlage unterschiedlicher Perspektiven

Räume, in denen über die Beziehung der Ko-Therapierenden und ihre Erfahrung der Zusammenarbeit gesprochen wird, fördern eine gemeinsame Haltung gegenüber der Klientel und dem Netzwerk. Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden erwähnte, dass sie in der Arbeit mit ihrem Gegenüber gemeinsame Verständnisse schaffen, indem sie Erzählungen auf der Grundlage der Erfahrungen beider ko-konstruieren und dabei ihre Unterschiede respektieren. Einige wenige Teilnehmende betrachten diese gemeinsamen Verständnisse als Voraussetzung für ein offenes Gespräch mit dem Netzwerk, da sie Sicherheit in therapeutischen Begegnungen fördern. Für manche trugen gemeinsame Verständnisse zu einem Gefühl geteilter Hoffnung bei, dass sich die Dinge zum Besseren wenden können. Im Folgenden ein Beispiel einer im Offenen Dialog ausgebildeten therapierenden Person, die mit einer Dramatherapeutin zusammenarbeitet.

Teilnehmende Person 16

„Sie [die Dramatherapeutin] war sehr darauf konzentriert, das Drama zu gestalten, nehme ich an, du weißt schon, die Szene. Und ich habe tatsächlich eine andere Art, darüber nachzudenken, eingebracht. Sie baute eine Szene für diesen jungen Mann auf, dem es ziemlich schlecht ging, damit er sich mit seiner ungewöhnlichen Überzeugung verbinden konnte. Und die Mutter war auch da, und ich konnte sie einbeziehen: Was glaubst du, was deine Mutter darüber denkt, oder: Was glaubst du, was dein Vater dazu sagen würde? So habe ich einen offeneren Dialog darüber geschaffen, während sie sozusagen darauf konzentriert war, die Erfahrung für den Klienten zu gestalten.“

Geteilte Verantwortung

Viele Teilnehmende erkannten, dass die Fähigkeit verschiedener Fachkräfte, in einem Treffen flexibler und offener zu werden, von der Macht und der Verantwortung abhängt, die ihnen in ihrer Ausbildung zugeschrieben werden. Einige Teilnehmende sahen Psychiatrie und Psychoanalyse als Disziplinen, deren Fachleute traditionell dazu ausgebildet werden, in der Sitzung größere Verantwortung sowie ein Gefühl von Gewissheit und Wissen zu tragen. Für diese Fachleute kann der Schritt aus der Expertenposition eine ziemliche Abkehr von ihrer Berufsausbildung bedeuten. Die meisten Teilnehmenden waren sich einig, dass das Teilen von Verantwortung und die Überzeugung, das Netzwerk als Ko-Therapierende gemeinsam zu unterstützen, die Entwicklung offener Beziehungen und eines Dialogs mit dem Netzwerk ermöglichen. Einige wenige Teilnehmende erwähnten, dass sich eine kollaborative, nicht hierarchische Beziehung herausbildet, die nicht auf der ursprünglichen Ausbildung der Therapierenden beruht.

Verwandlung des Selbst und der Praxis der Therapierenden

Die große Mehrheit der Teilnehmenden sah in den ko-therapeutischen Prozessen und der Beziehung zum Gegenüber etwas, das die Art verwandelt, wie Therapierende ihre Praxis wahrnehmen, ebenso wie ihr erlebendes und ihr professionelles Selbst. Die berufliche Identität der Therapierenden scheint grundlegend neu überdacht zu werden, indem die Expertenposition hinterfragt und die berufliche Rolle als eine der vielen Stimmen in der inneren Polyphonie der Therapierenden anerkannt wird. Darüber hinaus waren sich die Teilnehmenden insgesamt einig, dass ko-therapeutische Prozesse helfen, Raum für die Entfaltung ihres erlebenden Selbst zu öffnen, da sie eingeladen werden, in einem Treffen ihre gelebte Erfahrung und nicht nur ihr professionelles Urteil zu teilen. Nicht nur die Art, wie Therapierende Therapie praktizieren, verändert sich, auch die Art, wie sie auf ihre eigene innere Polyphonie achten, wird bereichert – durch die Einladungen ihres Gegenübers, die reflektierenden Prozesse und die Beobachtung des Gegenübers. Einige Teilnehmende merkten an, dass die Zusammenarbeit mit einem ko-therapeutischen Gegenüber, das auf die eigene verkörperte Erfahrung achtet, Therapierenden hilft, dasselbe zu tun und so aufmerksamer für ihr eigenes erlebendes Selbst zu werden. „Man hört nicht nur auf Worte, man nimmt alles auf, was gerade geschieht.“ (P16)

Vertrauen als Voraussetzung

Die Bedeutung von Vertrauen wurde von allen Teilnehmenden als Voraussetzung dafür anerkannt, dass die Beziehung zwischen Ko-Therapierenden entstehen und sich entfalten kann. Dennoch näherten sich die Teilnehmenden diesem Thema auf unterschiedliche Weise. Einige meinten, Ko-Therapierende müssten einander den Raum halten, ähnlich wie sie den Raum für das Netzwerk halten. Für einige Teilnehmende bedeutete Vertrauen in das Gegenüber zu wissen, dass es behutsam und mit guten Absichten reagieren wird. Andere meinten, dass Vertrauen in das Gegenüber es ermöglicht, das eigene erlebende Selbst hervortreten zu lassen und sich in Sitzungen verletzlich zu zeigen. Einige Teilnehmende verstanden Vertrauen und Respekt gegenüber dem Gegenüber als Möglichkeit, es auszuhalten, auf beruflicher und persönlicher Ebene offen herausgefordert zu werden. Für einige wenige ermöglichte es die gemeinsame Ausbildung mit ihrem Gegenüber und die geteilte Erfahrung in der Herkunftsfamiliengruppe, eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen. Für fast alle Teilnehmenden ist Ko-Therapie ein Prozess, der Vertrauen kultivieren kann. In diesem Sinne ist Vertrauen nicht in Stein gemeißelt, sondern wird zwischen Ko-Therapierenden ständig neu aufgebaut. Größeres Vertrauen in der Beziehung zwischen Ko-Therapierenden ermöglicht größeres Vertrauen in den dialogischen Prozess und in das Netzwerk.

Diskussion

Ziel der vorliegenden Studie war es, den Einfluss des professionellen und des erlebenden Selbst der Therapierenden auf die Ko-Therapie zu untersuchen. Zudem sollten die an der Ko-Therapie beteiligten Prozesse untersucht werden und wie diese das Selbst der Therapierenden prägen. Da Ko-Therapie eines der Schlüsselelemente der Treffen im Offenen Dialog ist, wirkt sich die Art, wie das Selbst der Therapierenden in einem Treffen beteiligt ist, wahrscheinlich auf die Zusammenarbeit zwischen Ko-Therapierenden und folglich auf die Fähigkeit aus, sich an die Bedürfnisse des Netzwerks anzupassen (Borchers et al., 2013). Die Aussagen der Teilnehmenden stehen im Einklang mit früherer Forschung zur Ko-Therapie im Kontext des Offenen Dialogs (Borchers et al., 2013; Holmesland et al., 2014; Hornova, 2020) und mit theoretischen Erwartungen (Valtanen, 2019; Sidis et al., 2020), die die Bedeutung von verkörperter Präsenz, Authentizität, geteiltem Verständnis, geteilter Verantwortung, Vertrauen und Supervision in der ko-therapeutischen Praxis anerkennen. Ein eigenständiger Beitrag der vorliegenden Forschung besteht darin, herauszuarbeiten, wie die individuelle Präsenz der Therapierenden, die ko-therapeutischen Prozesse und der entstehende gemeinsame Raum innerhalb und außerhalb von Netzwerktreffen dynamisch zusammenwirken. Die Teilnehmenden erkannten eine individuelle Veränderung als Ergebnis einer gemeinsamen Situation, was Ko-Therapie zu einem hochdynamischen Prozess und einer verwandelnden Erfahrung macht.

Mithilfe der thematischen Analyse wurden die Erfahrungen der Teilnehmenden in drei Hauptthemen erfasst. Therapierende sind mit ihrem erlebenden und ihrem professionellen Selbst in einem Treffen präsent (Thema 1). Bestimmte Prozesse der Ko-Therapie ermöglichen es Ko-Therapierenden, sich verbal und körperlich aufeinander einzustimmen (Thema 2). Durch diese Prozesse entsteht ein gemeinsamer Raum, der neue gemeinsame Verständnisse, geteilte Verantwortung und letztlich eine Verwandlung des Selbst und der Praxis jeder therapierenden Person fördert (Thema 3). Wie in Abbildung 1 dargestellt, ist die Qualität des Vertrauens in all diese Themen eingewoben, wodurch Vertrauen zur Voraussetzung dafür wird, dass sich die individuelle Präsenz der Therapierenden, die ko-therapeutischen Prozesse und der gemeinsame Raum entfalten können.

Abbildung 1 des Originalartikels – die dynamische Beziehung zwischen der Präsenz der Therapierenden, den ko-therapeutischen Prozessen, dem gemeinsamen Raum der Ko-Therapie und dem Vertrauen als Voraussetzung in der ko-therapeutischen Praxis – wird hier nicht wiedergegeben; sie kann im Originalartikel eingesehen werden.

Forschung zu den inneren Gesprächen von Therapierenden in familientherapeutischen Sitzungen mit nur einer therapierenden Person zeigt, wie wichtig es ist, dass Therapierende auf ihr professionelles und ihr erlebendes Selbst achten, um auf die Familien zu antworten und Raum für das noch nicht Gesagte zu schaffen (Rober, 2005a). Die Teilnehmenden erkannten, dass ihr erlebendes Selbst durch ihre verkörperten Reaktionen präsent ist und stärker wird, wenn sie selbstgewahr sind. Im Einklang mit früherer Forschung sind Praktiken persönlichen Wachstums, darunter eigene Therapie, Herkunftsfamilienarbeit, Meditation usw., entscheidend dafür, dass Therapierende sich ihrer eigenen Verletzlichkeiten und blinden Flecken bewusst sind (Lum, 2002; Clark, 2009; Rowan und Jacobs, 2011; Ong und Buus, 2021). Dies hilft ihnen, den Fokus auf dem Netzwerk zu halten und zu entscheiden, welche Stimmen ihres erlebenden Selbst öffentlich werden können oder es wert sind, in anderen Kontexten erkundet zu werden. Weingarten (2010) legte nahe, dass diese Fähigkeit der Therapierenden zum Selbstgewahrsein mit einem Gefühl von Ermächtigung einhergeht. In diesem Sinne sagte eine teilnehmende Person der vorliegenden Studie, dass das Einbringen des eigenen erlebenden Selbst in das Treffen eine größere Eigenverantwortung für die eigenen Gefühle und Emotionen bedeutet. Die eigenen Emotionen zu teilen ist in traditionellen Ausbildungen im Bereich psychischer Gesundheit nicht üblich (Rowan und Jacobs, 2011), während im Feld der Familientherapie eine anhaltende Diskussion über die Chancen und Risiken von Selbstoffenbarung und Transparenz geführt wird (Roberts, 2005). Indem sie durch verschiedene Praktiken selbstgewahrer werden, entwickeln Therapierende ein Gefühl, ihre Emotionen als eigene anzunehmen, und mehr Zuversicht darin, dass ihre Bemerkungen nicht immer „richtig“ sein müssen, sondern von Herzen kommen können (Seikkula und Trimble, 2005).

Das professionelle Selbst im Sinne der beruflichen Expertise ist oft der Grund, warum bestimmte Fachkräfte zu Treffen mit Netzwerken eingeladen werden. Dennoch erkannten alle Teilnehmenden an, dass ihr professionelles Selbst zu einer weiteren Stimme in der Polyphonie wird. Dies könnte erklären, warum es trotz unterschiedlicher ursprünglicher Berufsausbildung keine Unterschiede in den Ko-Therapie-Erfahrungen der Teilnehmenden gab. Ähnlich wie Hornova (2020) feststellte, dass sich die Praktiken von Ko-Therapierenden in Zeiten von Druck und Krise verändern, erkannten die Teilnehmenden, dass die Stimme ihres professionellen Selbst in Zeiten der Unsicherheit tendenziell dominanter wird. Anstatt diese Unsicherheit als gemeinsame, überwältigende Erfahrung der Ko-Therapierenden zu betrachten, scheinen Therapierende sich dafür zu entscheiden, den Sorgen jeder therapierenden Person nacheinander eine Stimme zu geben. Die Sorgen der Therapierenden aufzuschlüsseln, erleichtert es wahrscheinlich, sie durchzuarbeiten, und eröffnet mehr Möglichkeiten für den Dialog mit dem Netzwerk. Bestimmte ko-therapeutische Prozesse könnten Therapierenden helfen, wieder Vertrauen in den therapeutischen Dialog zu gewinnen.

Die Teilnehmenden betonten wiederholt, dass ihre Zusammenarbeit mit dem ko-therapeutischen Gegenüber eher von den persönlichen Arten geprägt ist, miteinander zu sein, als von dessen beruflichem Hintergrund. Mehrere ko-therapeutische Prozesse wurden genannt. Ko-Therapierende gleichen einander tendenziell aus, indem sie offen über ihre Ideen und Sorgen reflektieren. Dies steht im Einklang mit der Literatur, nach der Zeit zur Reflexion Therapierenden hilft, nicht in einer Position festzustecken (Andersen, 1991, 1997; Borcsa und Janusz, 2021). Ko-Therapierende können ihr Gegenüber einladen, sein Denken zu entfalten und die Gründe für bestimmte Fragen mitzuteilen, und dabei sein professionelles Selbst ansprechen und die Art, wie seine Geschichten mit der Erzählung der Netzwerke in Resonanz treten können, oder sein erlebendes Selbst. Es scheint, dass eine Sprache, die sich stärker auf Emotionen und persönliche Resonanzen konzentriert als eine eher dissoziative und beschreibende Sprache, Selbstreflexivität und Körpergewahrsein bei Therapierenden und Netzwerk weiter fördern kann (Hornova, 2020).

Die meisten Teilnehmenden erkannten an, dass es entscheidend ist, das ko-therapeutische Gegenüber zu kennen, um in einem Treffen präsent zu sein und sich in der verkörperten Präsenz aufeinander einzustimmen. Dies steht im Einklang mit der begrenzten Forschung zu den Sichtweisen von Ko-Therapierenden auf Teamtreffen (Borchers et al., 2013; Holmesland et al., 2014; Hornova, 2020). Allerdings ist auf die Verantwortung hinzuweisen, die mit dieser Vertrautheit einhergeht (Borchers et al., 2013), da Therapierende versuchen könnten, ihr Gegenüber zu schützen oder in einem Treffen bestimmte Themen zu vermeiden, die für das Gegenüber heikel sein könnten – zulasten der Erkundung alternativer Erzählungen durch die Familien. Künftige Forschung sollte die Herausforderungen, die mit der Zusammenarbeit und Vertrautheit zwischen Therapierenden einhergehen, eingehender untersuchen.

Räume außerhalb des Treffens zu schaffen, um zu erkunden, wie es für Ko-Therapierende ist, zusammenzuarbeiten, ist entscheidend, da solche Räume es ihnen ermöglichen, sich um ihre Beziehung zu kümmern, indem sie Arten des Miteinanderseins erkunden. Supervision und Weiterbildungsbedarf wurden in der ko-therapeutischen Praxis sowohl in der Forschung zur Paar- und Familientherapie (Hendrix et al., 2001) als auch in der Forschung zum Offenen Dialog (Hornova, 2020) weithin anerkannt. Die Teilnehmenden der vorliegenden Studie definierten Supervision als Raum, um Arten des Miteinanderseins mit dem ko-therapeutischen Gegenüber zu erkunden und Möglichkeiten zu entwickeln, einander den Raum zu halten, und weniger als Ort, um über die Familie zu sprechen oder alternative Hypothesen zu entwickeln (Hendrix et al., 2001). Solche Räume zu haben, um darüber nachzudenken, was Ko-Therapierende aus dem Gespräch mit dem Netzwerk mitnehmen und wie sie ihr Gegenüber und die Netzwerkmitglieder ansprechen wollen, ist entscheidend für die Schaffung eines sicheren therapeutischen Raums und eines Dialogs. Verwaltungs- und Organisationsstrukturen müssen Ko-Therapierende schützen und Räume für solche dialogischen und supervisorischen Praktiken bereitstellen, damit diese zu einer Lernerfahrung sowohl für die einzelnen Therapierenden als auch für das ko-therapeutische Paar werden. Im öffentlichen Sektor kann dies durch die Leitung der Dienste gewährleistet werden, im privaten Sektor ist es jedoch aufwendiger und kostspieliger. Therapierende im privaten Sektor brauchen mehr Eigeninitiative und Engagement, um sich die Supervision und den Reflexionsraum zu verschaffen, die die Pflege der ko-therapeutischen Beziehung erfordert.

Durch diese ko-therapeutischen Prozesse – Ausgleich durch Reflexionen, Pflege der Beziehung, verbale und körperliche Abstimmung, einander kennen und annehmen sowie eine einladende Sprache – schaffen Ko-Therapierende einen gemeinsamen Raum, der gemeinsame Verständnisse auf der Grundlage unterschiedlicher Perspektiven umfasst. Diese gemeinsamen Verständnisse tragen zum Gefühl geteilter Verantwortung zwischen Ko-Therapierenden bei und verweisen auf zwei der Hauptprinzipien der Treffen im Offenen Dialog, nämlich Übernahme von Verantwortung und psychologische Kontinuität. Auch wenn geteilte Verantwortung in einem Treffen mehr Flexibilität ermöglicht, um Neugier zu erkunden und in Krisenzeiten Unsicherheit auszuhalten, kann sie von manchen Fachkräften eine Rollenerweiterung verlangen (Holmesland et al., 2014; Hornova, 2020). Wie bei allen Erfahrungen, die mit Veränderung einhergehen, sind die Gefühle gemischt und umfassen unter anderem Neugier auf das kommende Neue und ein Gefühl des Verlusts für das, was man zurücklässt. Ausgehend von den Aussagen der Teilnehmenden schlagen wir vor, dass Ko-Therapie sowohl als Anstoß für eine solche verwandelnde Veränderung als auch als sichere Basis wirken kann, um die vielfältigen, oft widersprüchlichen Gefühle zu erkunden, die sie begleiten.

Verantwortung wird zu einer relationalen Qualität, die sich in der Art spiegelt, wie Ko-Therapierende mit einem Netzwerk sind, und diese ihrerseits spiegelt (McNamee und Gergen, 1998). Ein gemeinsames Verständnis zu schaffen, beruht wesentlich darauf, dass Ko-Therapierende einander helfen und einladen, ihre Gedanken und Erfahrungen offen zu teilen, statt miteinander zu konkurrieren. Vor allem kann es sein, dass die Netzwerkmitglieder den Bemerkungen des ko-therapeutischen Gegenübers ebenfalls nicht gefolgt sind, wenn eine therapierende Person ihnen nicht folgen konnte. Raum für gegenseitiges Verstehen zu lassen, fördert das Gefühl der Sicherheit, dass Therapierende und Netzwerkmitglieder gemeinsam im therapeutischen Prozess stehen und eine gemeinsame Sprache haben (Valtanen, 2019), was wiederum zur Beziehung zwischen Therapierenden und Netzwerkmitgliedern (Friedlander et al., 2006, 2011) und letztlich zu guten therapeutischen Ergebnissen beiträgt (Fife et al., 2014; Davis und Hsieh, 2019). Dies steht im Einklang mit der Einschätzung der Teilnehmenden, dass gemeinsame Verständnisse mit dem ko-therapeutischen Gegenüber der wichtigste Prädiktor für gute Ergebnisse in den Sitzungen sind.

Beim Vergleich schlechter und guter Ergebnisse des Offenen Dialogs wurden gute Ergebnisse mit einem Mehr an dialogischen gegenüber monologischen Antworten in Netzwerktreffen in Verbindung gebracht (Seikkula, 2002). Die Fähigkeit von Therapierenden, Dialog zu fördern, hängt nicht nur von der Ausbildung ab, sondern vor allem von ihrer dialogischen Persönlichkeit (Brown, 2012; Reed, 2013; Brown et al., 2015). Die Kultivierung einer dialogischen Persönlichkeit kann sich nicht allein auf Fertigkeiten und Techniken stützen, sondern erfordert Zeit und Selbsterkundung; in diesem Sinne kann therapeutische Dialogizität nicht gelehrt, wohl aber gelernt werden. Da Treffen im Offenen Dialog gemeinsam moderiert werden, muss diese dialogische Persönlichkeit im Kontext der Beziehung zum ko-therapeutischen Gegenüber verstanden werden und nicht als isoliertes persönliches Merkmal. In der dialogischen Literatur wurde diese Verwandlung bereits teilweise diskutiert, vor allem im Hinblick darauf, wie Praktizierende ihre berufliche Identität und ihre Expertise wahrnehmen (Von Peter, 2021) und wie sie ihren Gefühlen und Emotionen authentisch Ausdruck geben (Seikkula et al., 2012; Holmesland et al., 2014; Hornova, 2020). Ausgehend von allen in der vorliegenden Studie entstandenen Themen hoben die Teilnehmenden hervor, dass das innere Gespräch der Therapierenden bei der Arbeit mit einem ko-therapeutischen Gegenüber eine zusätzliche Ebene erhält: wie das Gegenüber auf das Geschehen reagiert und wie der Raum mit ihm genutzt werden kann, um über die eigenen Erfahrungen zu reflektieren. Auf diese Weise fördert Ko-Therapie eine dialogischere Persönlichkeit und ermöglicht die eigene Verwandlung der Therapierenden. Diese Verwandlung bereichert ihrerseits die Positionen des Selbst jeder therapierenden Person und ermöglicht gemeinsame Verständnisse und das Teilen von Verantwortung.

Grenzen und Empfehlungen

Abgesehen von einigen Untersuchungen zu den Erfahrungen von Ko-Therapierenden mit dialogischer Ko-Therapie (Hornova, 2020) und einigen empirischen Befunden zur Erfahrung psychiatrischer Fachkräfte in Teams mit anderen Fachkräften (Borchers et al., 2013) ist dies unseres Wissens die erste Studie, die das professionelle und das erlebende Selbst von Therapierenden in einem Kontext vielstimmigen Dialogs und deren Einfluss auf die Ko-Therapie untersucht. Rober (2005a, 2017) untersuchte das erlebende und das professionelle Selbst von Therapierenden mithilfe von Interviews zur Erinnerung an interpersonelle Prozesse (Interpersonal Process Recall), die das innere Gespräch der Therapierenden 24 bis 48 h nach einem Treffen rückblickend genau beleuchten. Die vorliegende Studie hat das professionelle und das erlebende Selbst anders operationalisiert, indem sie den eigenen Geschichten, Erfahrungen und Bedeutungsgebungen der Therapierenden zu ihrer beruflichen Rolle und ihrer gelebten Erfahrung in einem Netzwerktreffen folgte. Dies könnte zu gewissen Abweichungen in der Konzeptualisierung der verschiedenen Aspekte des Selbst führen. Es wäre lohnend, das Zusammenspiel und den inneren Dialog von Ko-Therapierenden nach einem Treffen im Offenen Dialog mithilfe von Interpersonal-Process-Recall-Interviews oder halbstrukturierten Interviews mit beiden Personen des ko-therapeutischen Paares zu untersuchen und zu prüfen, ob ähnliche oder andere Themen entstehen.

Eine weitere Grenze der vorliegenden Studie betraf die ungleiche Verteilung der beruflichen Hintergründe der Teilnehmenden. Die Psychologie war in der Studie überrepräsentiert, während nur zwei Personen aus der Psychiatrie, eine Person aus der psychiatrischen Pflege und nur eine Peer-Fachkraft teilnahmen. Was insbesondere die Unterrepräsentation von Peers betrifft, gibt es eine wachsende Literatur zur Beteiligung von Peer-Mitarbeitenden an Treffen im Offenen Dialog (Nelson et al., 2022; Osborne, 2022; Razzaque et al., 2022). Peer-Mitarbeitende, die Aspekte ihrer gelebten Erfahrung teilen und ihrem erlebenden Selbst mehr Stimme geben, könnten den Einfluss des professionellen und des erlebenden Selbst von Ko-Therapierenden in ein anderes Licht rücken. Es wäre lohnend, dies weiter zu untersuchen.

Obwohl die Teilnehmenden den Wert erkannten, sich Zeit zu nehmen, um über ihre Beziehung zu ihrem ko-therapeutischen Gegenüber nachzudenken, wäre es von großem Interesse, wenn künftige Forschung die Erfahrung von Ko-Therapierenden mit ihrer Beziehung gemeinsam untersuchen würde, in gemeinsamen Interviews oder in einer Fokusgruppe. Gemeinsam über die eigene Beziehung zu reflektieren, wurde von einigen Teilnehmenden selbst vorgeschlagen. Ein weiterer Einblick in die Dynamik und den verwandelnden Wert der Ko-Therapie ergäbe sich aus der Sicht der Netzwerke auf die Beziehung und Präsenz ihrer Ko-Therapierenden, etwa durch Fragebögen oder ein offenes Gespräch darüber, „wie wir die Zusammenarbeit unserer Ko-Therapierenden erleben“.

Schlussfolgerung

Ko-Therapie trägt wesentlich zur Entwicklung des professionellen und des erlebenden Selbst von Therapierenden bei. Durch verschiedene ko-therapeutische Prozesse unterstützen Therapierende einander darin, auf unterschiedliche Stimmen ihres inneren Dialogs zu achten, sie zu entfalten und mit dem Netzwerk zu teilen. Es ist leicht, in einer Position festzustecken, die von den Lernerfahrungen des professionellen Selbst oder von den Erinnerungen des erlebenden Selbst geprägt ist. Indem das ko-therapeutische Gegenüber die verschiedenen Stimmen einlädt, können Therapierende diese Stimmen weniger fordernd werden lassen, sich zwischen verschiedenen Ideen bewegen und Polyphonie entwickeln. Diese Verwandlung von Ko-Therapierenden, die sich als polyphone Individuen neu positionieren, spiegelt sich in einer dialogischen Präsenz füreinander, die nicht durch ihre beruflichen Rollen vorbestimmt ist. Ko-Therapie kann ein gemeinsamer Raum sein, in dem Ko-Therapierende ihre Unterschiede und Meinungsverschiedenheiten gemeinsam erkunden, bis etwas Neues entsteht. So wird der Dialog heilsam.

Anmerkungen aus dem Original

Ethik-Erklärung. Die Studie wurde von Open Dialogue UK geprüft und genehmigt. Die Teilnehmenden gaben ihre schriftliche informierte Einwilligung zur Teilnahme an der Studie.

Danksagung. Die vorliegende Studie bildete die Abschlussarbeit von CL als Teil der dreijährigen Weiterbildung im Offenen Dialog bei Open Dialogue UK. Das vorliegende Manuskript wurde seit seiner ursprünglichen Einreichung zu Ausbildungszwecken erheblich weiterentwickelt und überarbeitet. CL dankt Iseult Twamley und Jorma Ahonen für ihre Supervision und ihr wertvolles Feedback während der gesamten Durchführung der Studie.

Interessenkonflikt. Die Autorinnen erklären, dass die Forschung ohne kommerzielle oder finanzielle Beziehungen durchgeführt wurde, die als potenzieller Interessenkonflikt ausgelegt werden könnten.

Die Erklärungen des Verlags (Erklärung zur Datenverfügbarkeit, detaillierte Beiträge der Autorinnen, Anmerkung des Verlags) und Abbildung 1 werden hier nicht wiedergegeben; sie können im Originalartikel eingesehen werden, der am Ende dieser Seite verlinkt ist.

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Dies ist der Originalartikel „Co-therapy in Open Dialogue: Transforming therapists’ self in a shared space“, erschienen in Frontiers in Psychology (2023) unter der Lizenz CC BY 4.0. Inoffizielle deutsche Übersetzung von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz, wie am Anfang dieser Seite angegeben; maßgeblich ist die Originalfassung.

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Lagogianni, C., Georgaca, E., & Christoforidou, D. (2023). Co-therapy in Open Dialogue: Transforming therapists’ self in a shared space. Complexe Systémique. https://app.complexe-systemique.com/en_GB/articles/co-therapy-in-open-dialogue-transforming-therapists-self-in-a-shared-space (Originalwerk erschienen 2023 in Frontiers in Psychology, 14 (2023); 2023 erneut veröffentlicht von Frontiers in Psychology, https://www.frontiersin.org/journals/psychology/articles/10.3389/fpsyg.2023.1083502/full)

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