Diese Fassung wurde von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz aus dem Englischen übersetzt. Im Zweifelsfall ist die Originalfassung maßgeblich.
Journal of Family Therapy · Familientherapie
Wenn Erwachsene Jugendliche anwerben, um Drogen zu verkaufen – kann Multisystemische Therapie dann noch etwas bewirken? Das Team um Simone Fox hat vier Jugendliche und sechs Mütter befragt, die an drei englischen Standorten eine MST abgeschlossen hatten. Ausgangssperren, neu gewonnene Wärme, ein Netzwerk von Eltern und abgestimmt handelnde Dienste helfen; die ausbeutenden Erwachsenen, mitunter Eltern anderer Jugendlicher, bleiben das Haupthindernis.
Inoffizielle deutsche Übersetzung von Multisystemic therapy for young people involved in or at risk of child criminal exploitation: Young people and Caregivers' perspectives von Simone Fox, Holly Wake und Emily Glorney, erschienen in Journal of Family Therapy (Wiley) (2024), doi: 10.1111/1467-6427.12471, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique im Oktober 2026 mit Unterstützung künstlicher Intelligenz: Der Originaltext wurde ins Deutsche übersetzt und neu gesetzt, was eine Bearbeitung des Werks im Sinne der Lizenz darstellt. Diese Übersetzung stammt weder von den Verfassenden noch vom Verlag, die weder für ihren Inhalt noch für etwaige Fehler verantwortlich sind. Maßgeblich ist die Originalfassung.
Möglicherweise muss die Intervention weiterentwickelt werden, um den besonderen Herausforderungen gerecht zu werden, die sich bei ausbeutungsgefährdeten jungen Menschen stellen.
Simone Fox, Holly Wake und Emily Glorney
Zusammenfassung
Kriminelle Ausbeutung von Kindern ist eine Form der Kindesmisshandlung, die mit der Einbindung Jugendlicher in Gangs zusammenhängt und schwerwiegende, langfristige Folgen für Gemeinschaften hat. Multisystemische Therapie (MST) ist eine systemische Intervention bei antisozialem Verhalten mit umfangreicher Evidenzbasis; es gibt jedoch nur wenig Forschung zu Jugendlichen, die in Gangs eingebunden sind oder kriminell ausgebeutet werden. Mithilfe halbstrukturierter Interviews untersuchte diese Studie qualitativ, wie ausbeutungsgefährdete Jugendliche (n = 4) und ihre Bezugspersonen (n = 6) an drei Standorten in England die MST erlebt haben. In der thematischen Analyse ergaben sich vier Themen: erlebte Veränderungen; eine verbesserte Beziehung zwischen Bezugsperson und junger Person; förderliche Faktoren der Veränderung; und Hindernisse der Veränderung. Der MST-Prozess erleichterte Verhaltensänderungen und unterstützte den Aufbau von Unterstützungsnetzwerken für die Bezugspersonen sowie den Kontakt zu prosozialen Gleichaltrigen. Zu den Hindernissen gehörten die Verbindungen der Jugendlichen zu negativen Erwachsenen und häufig wechselnde Peer-Beziehungen. Empfohlen wird, die komplexen Verbindungen zwischen negativen Erwachsenen und ausbeutungsgefährdeten Jugendlichen weiter zu untersuchen.
Hinweise für die Praxis
Multisystemische Therapie (MST) ist eine gemeindenahe, familienbezogene Intervention für junge Menschen, denen eine Fremdunterbringung oder Haft droht und die erhebliche systemische Verhaltensprobleme zeigen (Henggeler & Borduin, 1990). Ursprünglich in den Vereinigten Staaten zur Behandlung schweren antisozialen Verhaltens entwickelt (Henggeler et al., 1998), beruht sie auf einem sozialökologischen Modell (Bronfenbrenner, 1979) und geht davon aus, dass antisoziales Verhalten multifaktoriell bedingt ist und mit den Risikofaktoren der jungen Person und ihrer weiteren Lebenswelt zusammenhängt (Henggeler et al., 2009). Ziel der Intervention ist es, die Bezugsperson zu befähigen, ihr Kind in seinem Verhalten über verschiedene Systeme hinweg zu unterstützen. Sie wird in der Regel intensiv über 3–5 Monate durchgeführt. MST ist wahrscheinlich weltweit die am umfassendsten evaluierte Intervention bei antisozialem Verhalten junger Menschen; Studien belegen Rückgänge bei Straftaten, Substanzkonsum und Fremdunterbringungen (MST Services, 2024).
Eine Metaanalyse hat gezeigt, dass Kontakte zu negativen Peers der stärkste Prädiktor für antisoziales Verhalten bei jungen Menschen sind (Lipsey & Derzon, 1998). Es wurde festgestellt, dass Kontakte zu negativen Peers die Ergebnisse von Jugendlichen in multidimensionaler therapeutischer Vollzeitpflege vermitteln (z. B. van Ryzin & Leve, 2012). Die Einbindung Jugendlicher in Gangs kann als extreme Ausprägung negativer Peer-Kontakte gelten (Carson et al., 2017) und stellt wahrscheinlich eine echte Herausforderung für positive Ergebnisse dar. Die Ausbeutung von Kindern ist eng mit der Einbindung in Gangs verknüpft (Children Commissioner, 2019). Im Vereinigten Königreich wird die Terminologie der Ausbeutung häufig verwendet, um eine Gruppe junger Menschen zu beschreiben, die womöglich „in Gangs eingebunden“ sind, letztlich aber zum Nutzen anderer kriminell oder sexuell ausgebeutet werden (Home Office, 2018). Zwischen der Ausbeutung von Kindern und antisozialem Verhalten bestehen enge Zusammenhänge (NSPCC, 2024). Opfer von Grooming und Ausbeutung können entweder als Folge des erlittenen Missbrauchs straffällig werden oder aufgrund von Zwang und Drohungen derjenigen, die sie ausbeuten (Cockbain & Brayley, 2012).
2019 finanzierte das Home Office den Aufbau von Violence Reduction Units, die eine koordinierte strategische Antwort zur Verringerung von Gewalt, einschließlich gangbezogener Kriminalität, bieten sollen. Der Ansatz stützt sich auf die Arbeit der Scottish Violence Reduction Unit, die die Definition eines Public-Health-Ansatzes der Weltgesundheitsorganisation übernimmt (Craston et al., 2020). 2021 wurden neue Dienste beauftragt, einen multisystemischen, traumasensiblen Ansatz gegen Jugendgewalt umzusetzen (Fox & Thakordas-Desai, 2024).
Trotz einer breiten Evidenzbasis für die Wirksamkeit der MST gibt es weniger Forschung, die sich speziell mit MST bei in Gangs eingebundenen Jugendlichen befasst. Das Strategiepapier des Home Office Ending Gang and Youth Violence (HM Government, 2011) spricht sich für intensive Familienarbeit mit den am stärksten belasteten Familien aus, einschließlich Gangmitgliedern, und hebt den möglichen Nutzen der MST hervor. Die Serious Violence Strategy (HM Government, 2018) griff diese Empfehlung auf und befürwortete MST als Intervention der Wahl. Boxer (2011) und Boxer, Veysey, et al. (2015) untersuchten, wie sich die Einbindung in Gangs auf die Behandlungsergebnisse der MST auswirkt. Diese Studien zeigten, dass in Gangs eingebundene Jugendliche nach einer MST signifikant seltener einen erfolgreichen Fallabschluss erreichten als nicht eingebundene Jugendliche. Mit derselben Stichprobe wie der Beitrag von Boxer, Kubik, et al. (2015) zeigten Boxer et al. (2017) jedoch, dass sich die Raten erneuter Festnahmen zwischen Jugendlichen mit und ohne Gangeinbindung nicht signifikant unterschieden, was darauf hindeutet, dass MST die Delinquenz in beiden Gruppen gleichermaßen verringerte. Dies steht im Einklang mit Befunden der breiteren MST-Behandlungsliteratur (wonach bereits eine gewisse Dosis MST die Rückfälligkeit bei Jugendlichen im Jugendstrafsystem im Vergleich zur üblichen Versorgung senkt) (Schaeffer & Borduin, 2005).
Regelmäßiger Kontakt zu negativen Peers hat sich als Prädiktor für Behandlungsabbrüche bei Jugendlichen erwiesen (De Haan et al., 2013), und weniger Kontakte zu negativen Peers sagten positive Ergebnisse in der MST voraus (Tiernan et al., 2015). Eine Metaanalyse hat gezeigt, dass MST Peer-Beziehungen weniger erfolgreich veränderte als familiäre Beziehungen oder die individuelle Anpassung (Curtis et al., 2004). Bezugspersonen berichten zudem, dass der schwierigste Interventionsbereich die Kontakte zu negativen Peers waren (Tighe et al., 2012).
Eine Studie, die die Erfahrungen von MST-Therapierenden in der Arbeit mit in Gangs eingebundenen Jugendlichen untersuchte, stellte die Hypothese auf, dass die Gang als Rivalin der Intervention wirkte, weil die Mittel der Gang, die junge Person an sich zu binden, die Ressourcen der Eltern überstiegen (Packer, 2014). Die junge Person als Teil eines getrennten und mächtigeren Systems zu sehen, führte bei den Therapierenden zu einem Gefühl der Hoffnungslosigkeit und zu der Einschätzung, dass in Gangs eingebundene Jugendliche ein erhöhtes Risiko für Gewalt und kriminelles Verhalten aufwiesen. Zum Zeitpunkt dieser Untersuchung hatte sich noch keine Studie ausdrücklich mit MST bei Ausbeutung von Kindern befasst.
Die vorliegende Studie knüpft an erste Befunde aus der Forschung von Packer (2014) an. Sie ist die erste qualitative Untersuchung der Erfahrungen von Jugendlichen und Bezugspersonen mit MST, wenn Bedenken hinsichtlich Ausbeutung oder Gangeinbindung bestehen; die Forschungsfrage zielte darauf, ihr Erleben der MST zu verstehen, einschließlich der Hindernisse und förderlichen Faktoren für die Verringerung des kriminellen Verhaltens der jungen Person und ihres Kontakts zu anderen, die in antisoziales Verhalten verwickelt sind.
Auf der Grundlage einer Literaturübersicht und entlang des zeitlichen Ablaufs und der Ziele der MST wurden zwei halbstrukturierte Interviewleitfäden entwickelt, einer für Bezugspersonen und einer für Jugendliche. Die offenen Fragen waren nach der Zeit vor, während und nach der MST-Intervention gegliedert, ergänzt durch spezifische Fragen zu dem jeweiligen Verhalten, das zur Zuweisung geführt hatte, und in einer entwicklungsgerechten Sprache formuliert. Zu den Fragen gehörten zum Beispiel: Was war hilfreich und was nicht hilfreich, um die Verwicklung Ihres Kindes in kriminelle Aktivitäten anzugehen?, Was hast du mit deiner MST-Therapeutin oder deinem MST-Therapeuten oder deinen Eltern bzw. Bezugspersonen wegen der Leute unternommen, mit denen du abgehangen hast?, Was war daran hilfreich bzw. nicht hilfreich? und Welche Teile davon waren schwierig und warum? Vor geringfügigen Anpassungen und der Datenerhebung holte das Team zu beiden Leitfäden Rückmeldungen einer Bezugsperson und einer jungen Person als Fachleute aus Erfahrung ein, darunter Hinweise, wie das Interview am besten zu führen sei und wie die Fragen klarer formuliert werden könnten.
Die Teilnehmenden wurden an drei MST-Standorten von gemeinnützigen Trägern und kommunalen Behörden in drei Regionen Englands rekrutiert. Einschlusskriterien waren: Jugendliche im Alter von 10–17 Jahren oder ihre Bezugspersonen, die die MST-Intervention in den vorangegangenen 2 Jahren abgeschlossen hatten. Die folgenden Kriterien wurden in Abstimmung mit einer separaten Machbarkeitsstudie entwickelt, die den Einsatz von MST zur Verringerung des Risikos krimineller Ausbeutung untersuchte (Langdon et al., 2023). Es wurde vereinbart, dass mindestens zwei der aufgeführten Verhaltensweisen – gestützt auf die Risikoprädiktoren der Literatur zur Ausbeutung – darauf hinweisen, dass die junge Person gefährdet ist, kriminell ausgebeutet oder in Gangs eingebunden zu werden. Der Fokus lag auf dem Verhalten im Gemeinwesen statt auf dem Verhalten zu Hause.
Die junge Person musste wegen mindestens zwei der folgenden Verhaltensweisen zugewiesen worden sein:
MST-Therapierende ermittelten Personen, die die Einschlusskriterien erfüllten, und informierten sie über die Studie; bei Interesse wurden potenzielle Teilnehmende an die Forscherin weitervermittelt, um vor der Einwilligung weitere Informationen zu erhalten. Es handelte sich also um eine Gelegenheitsstichprobe.
Insgesamt wurden von MST-Therapierenden siebenunddreißig Personen ermittelt (einundzwanzig Bezugspersonen und sechzehn Jugendliche): Sechs wollten nicht teilnehmen, zwanzig konnten nicht erreicht werden, und eine Person willigte ein, zog sich dann aber zurück. Die Gründe für die Nichtteilnahme wurden nicht erfragt, und das Recht auf Ablehnung wurde respektiert. Insgesamt wurden 10 Teilnehmende in die Studie aufgenommen (sechs Bezugspersonen und vier Jugendliche; drei davon bildeten Dyaden aus Bezugsperson und junger Person). Demografische Angaben zu allen Teilnehmenden finden sich in Tabelle 1.
Tabelle 1 — Demografische Merkmale der Teilnehmenden.
Die Ethikkommission der Royal Holloway University of London erteilte die ethische Genehmigung. Darüber hinaus genehmigte jeder Rekrutierungsstandort die Studie für seinen Zuständigkeitsbereich. Vor den Interviews wurde die informierte Einwilligung eingeholt (einschließlich der Einwilligung der Bezugsperson, wenn die teilnehmende Person 15 Jahre oder jünger war). Die Interviews wurden über die Videoplattform Zoom oder telefonisch geführt. Sie dauerten zwischen 40 und 90 min, je nachdem, wie fokussiert die Teilnehmenden die Fragen beantworteten.
Die Interviews wurden wörtlich transkribiert und mit einem induktiven, latenten Ansatz der thematischen Analyse (TA) ausgewertet, um die Erfahrungen der Teilnehmenden in ihrem weiteren sozialen Kontext zu verstehen. Die TA ermöglichte es, Muster und Bedeutungen in den Daten zu identifizieren und zu analysieren, und folgte den sechs Schritten nach Braun und Clarke (2006): Vertrautmachen, erste Kodierung, Identifizieren von Themen, Überprüfen und Verfeinern von Codes und Themen, iteratives Klären und Definieren der Bedeutung der Themen sowie Berichterstattung.
Befolgt wurden die sechs Leitlinien von Elliott et al. (1999) für qualitativ hochwertige qualitative Forschung, einschließlich Glaubwürdigkeitsprüfungen innerhalb des Forschungsteams. So wurde etwa die Transkription des ersten Interviews von den Mitverfasserinnen überprüft, um die Datenqualität zu sichern, und von zwei von ihnen kodiert, mit guter Übereinstimmung. Die ersten Themen wurden von allen Mitverfasserinnen unter Bezug auf alle zehn Transkripte besprochen, und die endgültigen Themen und Unterthemen wurden gemeinsam festgelegt. Anschließend wurde, im Einklang mit Elliott et al. (1999), eine teilnehmende Person zu den Ergebnissen und zur thematischen Landkarte befragt, um sicherzustellen, dass die Themen ihrer Erfahrung entsprachen. Zwar gibt es keine verbindliche Stichprobengröße für die Anwendung der thematischen Analyse, doch besteht ein gewisser Konsens darüber, dass eine Datensättigung in der Regel innerhalb der ersten zwölf Interviews erreicht wird (Guest et al., 2006). Mit der Stichprobe von zehn Personen in der vorliegenden Studie und mit der zusätzlichen Beachtung der sechs Prinzipien von Elliott et al. (1999) für gute qualitative Forschung optimierten die Verfassenden die Integrität der Daten und berücksichtigten zugleich die der thematischen Analyse innewohnende Reflexivität und Subjektivität (Braun & Clarke, 2019).
Alle Interviews wurden von derselben Forscherin geführt, die während des gesamten Forschungsprozesses ein Reflexionstagebuch führte. So konnten persönliche Überlegungen, Annahmen und Voreingenommenheiten während der Phasen der Datenerhebung und -analyse festgehalten werden. Die Überlegungen wurden mit den beiden anderen Verfasserinnen geteilt, von denen die eine umfassende Erfahrung mit MST und die andere mit dem Forschungsprozess hatte. Alle Forscherinnen hatten eine postdoktorale Ausbildung, waren weiß und weiblich und verfügten über Berufserfahrung im Strafjustizsystem. Das Forschungsteam traf sich regelmäßig, um zu besprechen, wie sich dies auf die Interviews, die Analyse und die Interpretation der Daten auswirkte, unter Berücksichtigung von Fragen der Macht und der Differenz. Durch diesen Prozess der Triangulation bemühte sich das Forschungsteam aktiv darum, Verzerrungen im Verständnis der Daten zu verringern.
In Bezug auf die Forschungsfrage ergaben sich in der thematischen Analyse vier Hauptthemen (erlebte Veränderungen, Verbesserungen in der Beziehung zwischen Bezugsperson und junger Person, förderliche Faktoren und Hindernisse der Veränderung) sowie dreizehn Unterthemen (siehe Abbildung 1). Das zweite Thema ist zwar sowohl mit den Veränderungen als auch mit den förderlichen Faktoren verbunden, wurde aber als eigenständiges, bedeutsames Thema betrachtet. Auch wenn nicht jedes Unterthema bei Bezugspersonen und Jugendlichen gleichermaßen explizit auftrat, sind die Sichtweisen beider Gruppen gleich wichtig.

Infolge der Teilnahme an der MST berichteten die Teilnehmenden über Veränderungen in zwei Bereichen: bei den Verhaltensweisen, die zur Zuweisung geführt hatten, und in der Sichtweise der jungen Person.
Die Teilnehmenden berichteten über einen Rückgang und mitunter das völlige Ende der Verhaltensweisen, die zur Zuweisung geführt hatten (Aggression, Verschwinden, kriminelles Verhalten und Substanzkonsum).
„Sie verschwand nachts nicht mehr, ich musste nicht die Polizei rufen … sie hat mir Bescheid gesagt, wo sie war“ (CG2).
„Ich hab angefangen, mich in der Schule viel besser zu benehmen … hab aufgehört, mich mit so, na ja, den falschen Leuten einzulassen, mit der Polizei Ärger zu kriegen“ (YP1).
Durch die Arbeit der MST mit der Familie gewannen die Jugendlichen mehr Einsicht in die Auswirkungen, die ihr Verhalten, insbesondere das Verschwinden, auf das Familiensystem hatte, was sie motivierte, ihr Verhalten zu ändern.
„Dass … ich sie so in Stress gebracht hab, das hat mich wirklich … dazu gebracht, nicht mehr abzuhauen, weil … ich weiß, wenn meine Mutter Stress hat … kann sie epileptische Anfälle kriegen … und das ist der Haupt… grund, warum ich aufgehört hab“ (YP1).
Die Jugendlichen entwickelten ein Bewusstsein für die möglichen Auswirkungen ihres Verhaltens auf ihre künftigen Chancen und auf das Leben, das sie sich aufbauen wollten. Nach der MST richteten sie sich stärker auf die Zukunft aus – eine Veränderung, die sie erst nach dem Ende der Intervention bemerkten: „Früher war ich so ‚nee, ist mir egal‘, aber jetzt hab ich echt gedacht, ich will doch eine Zukunft, weil ich Geld liebe … mir ist klar geworden, ‚warum sollte ich mit denen [nicht hilfreichen Peers] abhängen‘ … ich glaub nicht, dass die [MST] einem in dem Moment helfen, aber danach fängt man an nachzudenken und merkt, dass es was bewirkt hat“ (YP2).
Die Jugendlichen bemerkten eine veränderte Sicht auf ihre Peer-Beziehungen und wurden sich stärker bewusst, wie sehr ihre negativen Peers ihr Verhalten beeinflussten. „Die waren ein schlechter Einfluss, und das hab ich nie gemerkt … die haben mich Sachen machen lassen, die ich nicht hätte machen sollen … haben Sachen mit mir gemacht, die ich in meinem Alter nicht hätte machen sollen“ (YP4).
Sowohl Bezugspersonen als auch Jugendliche bemerkten Verbesserungen in ihrer Beziehung zueinander. Die Bezugspersonen beschrieben, wie sie versuchten, die junge Person dazu zu bewegen, mehr Zeit zu Hause verbringen zu wollen, indem sie die Anziehungskraft des Familienzuhauses erhöhten und ihrem Kind mehr Wärme entgegenbrachten. Die Jugendlichen schätzten die Beziehung zu ihrer Bezugsperson; sie bemerkten, dass die Beziehung positiver geworden war und dass ihre Bezugspersonen mehr Verständnis für ihre Situation und ihre Schwierigkeiten hatten.
„Wir haben einfach angefangen, mehr zusammen zu machen, Aktivitäten und so, was auch immer eigentlich … Ich hab mit Bowling angefangen … und meine Mama und mein Papa sind immer gekommen und haben mich angefeuert“ (YP1).
„Mit der MST … haben wir geplant, was ich machen würde, wenn sie abhaut, und … sie haben mich über Dinge nachdenken lassen. Also, ich weiß, dass [die Jugendliche] Essen liebt, also ging es irgendwie um Wege, wie ich [sie] dazu bringen konnte, nach Hause zurückzukommen …. Wir sind also all diese Dinge durchgegangen, die X am Zuhausesein mag“ (CG4).
Die Bezugspersonen ermutigten ihr Kind, sich mit Gleichaltrigen im Familienzuhause zu treffen, als Alternative zum Herumhängen auf der Straße. So konnten manche Bezugspersonen den Aufenthaltsort und das Verhalten ihres Kindes im Blick behalten und gewannen als Eltern mehr Einblick in seine Peer-Beziehungen:
„Ich war von diesen Freundschaften nicht begeistert, aber so konnte ich sie wenigstens im Auge behalten und mir dann selbst ein Urteil bilden. Dann konnte ich zu [der Jugendlichen] sagen: ‚Ich finde, die Person ist ziemlich unhöflich, ich finde, die Person ist echt respektlos‘, also konnte ich einschätzen, mit was für Leuten sie zusammen war“ (CG4).
Die Bezugspersonen unterstützten ihr Kind, indem sie den Schwerpunkt ihrer Interaktionen vom Negativen auf das Positive verlagerten:
„Ich hab irgendwie aufgehört mit dem … ‚Warum bist du zu spät?‘ und bin übergegangen zu … ‚Ich bin richtig froh, dass du zu Hause bist‘“ (CG5).
Die Jugendlichen nahmen diese Veränderung wahr und schätzten sie: „Meine Mama ist jetzt besser, also sie ist netter zu mir … früher war meine Mama ein Miststück und hat mich jedes Mal zusammengestaucht … jetzt hört sie irgendwie auf [die Therapeutin], und jedes Mal, wenn wir gestritten haben, war sie so ‚bleib ruhig, dies und das‘“ (YP2).
Die Bezugspersonen erkannten, wie wichtig es war, ihre Reaktionen auf das Verschwinden der jungen Person im Zaum zu halten und nicht mit Wut zu reagieren.
„Ich weiß noch, wie sie das erste Mal abgehauen ist, und als sie zurückkam, war ich so: ‚Wie kannst du mir das antun? Ich hab mir furchtbare Sorgen gemacht.‘ Ich bin völlig ausgerastet, und sie ist wieder los und war noch mal 3 Tage weg“ (CG4).
Die Bezugspersonen beschrieben ein Spannungsfeld zwischen der Sorge um die Sicherheit ihres Kindes und dem Setzen klarer, konsequenter Grenzen: „Es war wirklich schwierig … weil die Polizei jedes Mal, wenn sie sie zurückgebracht hat, gesagt hat: ‚Na ja, schimpfen Sie nicht mit ihr deswegen, sonst haut sie wieder ab‘, und dann hatte ich als Mutter das Gefühl: ‚Na, du kommst damit durch‘“ (CG4). Die Bezugspersonen hatten das Gefühl, dass sie, indem sie auf das Verschwinden ihres Kindes nicht negativ reagierten, sie womöglich „einfach machen ließen, was sie will“ (CG2).
Als förderliche Faktoren der Veränderung wurden spezifische Unterthemen identifiziert: klarere Grenzen und Erwartungen setzen, ein Netzwerk mit anderen Bezugspersonen aufbauen, die Kraft behördenübergreifender Beteiligung und ein veränderter Freundeskreis.
Die Bezugspersonen sprachen darüber, wie sie gegenüber der jungen Person klare Erwartungen formulierten, in Kontakt zu bleiben, wenn sie außer Haus war, um ihre Sicherheit zu gewährleisten:
„Es ging nicht darum, ihr etwas zu verbieten, es war eher so: ‚Wenn du es machst, musst du sicher sein, wenn du unterwegs bist.‘ Es war mehr so: ‚Wir müssen wissen, wo du hingehst, dass du sicher bist, und du musst ans Telefon gehen und mit uns reden.‘ …Insofern war das gut, weil es wirklich funktioniert hat“ (CG2).
Als klare Grenzen eingeführt wurden, waren die Jugendlichen eher bereit, ihren Eltern mitzuteilen, wo sie sich aufhielten: „Wenn ich irgendwo übernachte, sag ich es ihr jetzt, statt es ihr einfach nicht zu sagen und ihr Sorgen zu machen“ (YP2).
Die Teilnehmenden sprachen über die Einführung einer Ausgangssperre, mit der explizite Grenzen gesetzt wurden, wann die junge Person abends zu Hause sein sollte:
„Ich musste um halb elf zurück sein … ich glaube, das war, als sie [die MST-Therapeutin] angefangen hat, mit meiner Mama zu reden, da haben sie versucht, eine Uhrzeit festzulegen“ (YP2).
„… wenn ich sie angerufen hab, musste sie rangehen … wenn sie zu spät kommen würde, hat sie mich angerufen … Klingt nach einer Kleinigkeit, aber es war wirklich eine Riesensache“ (CG2).
Die Bezugspersonen beschrieben die Vorteile eines gegenseitigen Unterstützungsnetzwerks, auf das sie zurückgreifen konnten, wenn ihr Kind verschwand. „Wir haben uns so eine Art Kontaktliste mit seinen Freunden und den Eltern seiner Freunde aufgebaut, wo sie alle wohnen und so. Wenn er also aus irgendeinem Grund verschwunden wäre oder wir nicht gewusst hätten, wo er ist, waren sie unsere erste Anlaufstelle, bevor wir die Polizei gerufen haben“ (CG1).
Die Teilnehmenden berichteten, wie die MST mehrere Stellen zusammenbrachte, darunter Polizei, Sozialdienste, spezialisierte Teams gegen Ausbeutung, unterstützende Fachkräfte und Schulen:
„Über die MST haben wir andere Leute mit ins Boot geholt … da war … die Polizei, und ich hab auch mit einem der Bürgerpolizisten zusammengearbeitet, und als Gruppe [von Stellen] haben sie das Aufenthaltsverbot für die Gegend verhängt und die Harbouring Notices 1 und das Kontaktverbot zu den Jugendlichen, mit denen er rumhing. Es war also eine Gemeinschaftsleistung, aber sie [die MST] haben wirklich geholfen, diese Dinge auf den Weg zu bringen“ (CG3).
Ebenso erkannten die Bezugspersonen an, wie wichtig die Zusammenarbeit der Fachkräfte im Umgang mit dem Verschwinden der jungen Person war: „Ich kann das nicht allein machen. Alle waren beteiligt und haben mir geholfen. MST, Polizei, Lehrer in der Schule, also alle haben ein bisschen, bisschen, bisschen geholfen. Es war sehr konstruktiv und gut“ (CG6). Gute Kommunikation und Informationsaustausch waren besonders wichtig: „Ich glaube, es hat auch geholfen, dass alle wussten, was los war. Dass alle Informationen geteilt haben, sodass ich der Schule nicht Bescheid sagen muss, dass er verschwunden ist, die wissen es schon. Die MST weiß es schon, also können wir in der nächsten Sitzung daran arbeiten, es ist einfach, dass alle Bescheid wissen“ (CG5).
Für die Jugendlichen wurde die Beteiligung von Fachkräften mehrerer Stellen als aufdringlich erlebt und motivierte sie, ihr Verhalten zu ändern, in der Hoffnung, dass sich die Stellen dann aus ihrer Familie zurückziehen würden: „Ich mag die Bullen einfach nicht … ich will die Bullen nicht im Nacken haben, ich will nicht als ‚registriert‘ bekannt sein oder was auch immer die da machen … das Einzige, was ich jetzt machen kann, um meine Sozialarbeiterinnen loszuwerden, ist, in die Schule zu gehen, und sie meinte: ‚Wenn du einfach in die Schule gehst und es versuchst, dann sind die weg‘“ (YP2).
Die Bezugspersonen beschrieben, wie sie ihr Kind ermutigten, neue Beziehungen zu positiven Gleichaltrigen aufzubauen, und Gelegenheiten schufen, bei denen ihr Kind Zeit mit diesen positiven Gleichaltrigen verbringen konnte.
„Ich hab ihn wieder mit … seiner alten Clique zusammengebracht, das war besserer Umgang, und … wenn wir gegrillt haben oder so was, haben wir ein paar von seinen alten Freunden eingeladen … Ich hab definitiv Veränderungen in [seinem] Verhalten bemerkt. Ich glaube, weil er mit diesem besseren Umgang unterwegs war, war er weniger wütend und definitiv weniger gewalttätig, weil er sich, glaube ich, irgendwie gedacht hat: ‚Wenn ich richtig wütend und gemein zu diesen Leuten bin, wollen die wahrscheinlich nichts mehr mit mir zu tun haben‘“ (CG5).
Die Jugendlichen erkannten, dass ihre Eltern sie ermutigten, mehr Zeit mit Freundinnen und Freunden in ihrem Alter zu verbringen, und dass sie durch den veränderten Freundeskreis an altersgerechteren Aktivitäten teilnahmen: „Die waren eher in meinem Alter und wollten eher das machen, was ich machen wollte … rausgehen spielen, Fahrrad fahren, Fußball spielen, all so was in der Art“ (YP4).
Die Bezugspersonen nannten Hindernisse im Zusammenhang mit den Verbindungen der Jugendlichen zu negativen Erwachsenen und mit häufig wechselnden Freundeskreisen. Die Jugendlichen selbst nannten diese Hindernisse nicht.
Die Bezugspersonen beschrieben, wie sich die Jugendlichen mit älteren Peers einließen, häufig Erwachsenen aus der Umgebung. Sie schilderten die starke Sogwirkung und die Methoden, mit denen Erwachsene ihr Kind anwarben (Grooming) und kriminell ausbeuteten, um Drogen zu verkaufen.
„Sie war 13, als sie das erste Mal verschwunden ist … Wenn sie nach dem Verschwinden zurückkam, kam sie mit neuen Klamotten zurück … zwei Typen, 24 und 27, … haben versucht, [sie] dazu zu bringen, Drogen über die County Lines zu transportieren, und dann haben sie angefangen, ihr Klamotten zu kaufen und zu sagen: ‚Schau mal, du kannst das neueste Handy haben, du kannst das hier haben‘, und mit 14 hat sie die Vorstellung von einem neuen Handy natürlich ziemlich gereizt“ (CG4).
Die Bezugspersonen beschrieben, wie sie in gefährliche Situationen gerieten, als sie diese Erwachsenen bei der Suche nach ihrem verschwundenen Kind zur Rede stellten:
„Mein Vater ist mit meinem Bruder hingefahren, um zu versuchen, [den Jugendlichen] aus der Wohnung seiner Freunde zurückzuholen, und mein Vater wurde von ein paar … Männern in einem Auto verfolgt, und die haben versucht, ihn mit 100 Meilen pro Stunde von der Straße abzudrängen“ (CG3).
Zu den weiteren negativen Erwachsenen gehörten die Bezugspersonen negativer Peers, die es erschwerten, das Verschwinden und das kriminelle Verhalten des Kindes zu unterbinden. Diese Erwachsenen förderten antisoziales Verhalten, indem sie Alkohol, Drogen und Essen bereitstellten, obwohl gegen die Wohnung Harbouring Notices ergangen waren, und ermutigten die junge Person, in ihrem Auftrag Drogen zu verkaufen:
„Ihre Mutter verkauft die Drogen und macht Party für die Kinder … wenn ich gehe in die Nähe von Haus, ich rieche schon die Drogen … und ich sage ‚meine Tochter ist in deinem Haus?‘ und sie war ‚ach ja, [sie] ist hier‘ … Ich sagte ‚bitte gib mir meine Tochter‘ und sie sagt ‚nein‘“ (CG6).
Häufig wechselnde Freundeskreise machten es den Bezugspersonen schwer, den Überblick zu behalten, mit wem ihr Kind wo Kontakt hatte:
„Das hält so drei, vier Wochen, und dann ist sie zur nächsten Gruppe weitergezogen, wir wussten also nie wirklich, wo sie war oder mit wem. Sie hat ständig den Freundeskreis gewechselt, es war also sehr schwierig, ihr auf der Spur zu bleiben“ (CG2).
Diese Studie untersuchte, wie Jugendliche und Bezugspersonen die MST erlebten, wenn Bedenken hinsichtlich einer Gangeinbindung oder der Ausbeutung von Kindern bestanden.
Die Teilnehmenden berichteten über einen Rückgang von Substanzkonsum, Kontakten zu negativen Peers, Verschwinden und Gewaltanwendung. Dies steht im Einklang mit früheren metaanalytischen Befunden, die signifikante Behandlungseffekte der MST bei der Verringerung von Substanzkonsum und Delinquenz zeigen (van der Stouwe et al., 2014). Die Ergebnisse dieser Studie legen nahe, dass MST problematisches Verhalten bei Jugendlichen, die von Ausbeutung oder Gangeinbindung bedroht sind, wirksam verringern kann, im Einklang mit Boxer et al. (2017).
Bei den Jugendlichen zeigten sich nach der MST veränderte Sichtweisen: Sie berücksichtigten stärker die Auswirkungen ihres Verhaltens auf andere und entwickelten Vorstellungen von einem künftigen Leben. Frühere Forschung hat gezeigt, dass positive Ziele und Zukunftswünsche wichtige Veränderungsprozesse in der MST waren (Tighe et al., 2012) und dass Jugendliche nach der MST zunehmend über ihre Zukunftsziele und ihre Lebensrichtung nachdachten (Conroy et al., 2021; Paradisopoulos et al., 2015).
Die Teilnehmenden beschrieben mehr Wärme und mehr gemeinsame Zeit als Familie bei Aktivitäten, die der jungen Person Freude machten, und berichteten über eine verbesserte Kommunikation und ein besseres gegenseitiges Verständnis. Das Unterthema „Mehr Anziehungskraft des Zuhauses“ knüpft an die vorhandene Literatur zum Push-Pull-Modell der Gangeinbindung an (Decker & Van Winkle, 1996). Insbesondere ließ sich das Wissen der Bezugsperson über den Aufenthaltsort der jungen Person und deren Bereitschaft, diese Information preiszugeben, aus der Wahrnehmung elterlicher Wärme durch die Jugendlichen vorhersagen. Elterliche Wärme hat nachweislich einen direkten Einfluss auf Jugenddelinquenz (Klevens & Hall, 2014). Die Bezugspersonen berichteten über Schwierigkeiten, elterliche Wärme und das Setzen klarer Grenzen in Einklang zu bringen. Der autoritative Erziehungsstil, definiert als hohe Kontrolle bei gleichzeitig hoher elterlicher Wärme, zeichnet sich dadurch aus, dass Bezugspersonen auf die Bedürfnisse des Kindes eingehen und zugleich klare, gut definierte Erwartungen an die junge Person entwickeln und aufrechterhalten (Baumrind, 2005). Dieser Erziehungsstil geht im Vergleich zu autoritären, permissiven oder vernachlässigenden Erziehungsstilen mit mehr prosozialem Verhalten einher (Mensah & Kuranchie, 2013).
Sowohl Bezugspersonen als auch Jugendliche berichteten, dass durch die Einführung einer Ausgangssperre klarere Grenzen und Erwartungen dazu festgelegt wurden, wann die Jugendlichen zu Hause sein sollten. Die Jugendlichen gaben an, ihren Eltern gegenüber offener über ihren Aufenthaltsort zu sein und besser mit ihnen in Kontakt zu bleiben, wenn sie außer Haus waren. Elterliches Wissen, also das Ausmaß, in dem Eltern über Aufenthaltsort und Aktivitäten der jungen Person Bescheid wissen, hat sich als zentraler Prädiktor für antisoziales Verhalten erwiesen (Trentacosta et al., 2009). Interventionen, die gezielt die elterlichen Fähigkeiten zur Beaufsichtigung des kindlichen Verhaltens stärken, verbessern wirksam das Verhalten der jungen Person (Dishion & McMahon, 1998). Im Kontext der MST haben Studien gezeigt, dass eine bessere elterliche Beaufsichtigung die Kontakte zu negativen Peers verringerte (Huey et al., 2000). Diese Studie unterstrich die Bedeutung gegenseitiger Unterstützungsnetzwerke (im Einklang mit Child Safeguarding Review Panel, 2020) und eines konsistenten behördenübergreifenden Vorgehens beim Verschwinden junger Menschen. Die Beteiligung mehrerer Stellen war eine verbreitete Erfahrung der Familien und wirkte für die Jugendlichen als Motivation, ihr Verhalten zu ändern, um die Zahl der beteiligten Fachkräfte zu verringern. Die Bezugspersonen sprachen über den Wert konstanter Ansprechpersonen unter den Fachkräften, die sie unterstützten, und über die Bedeutung gemeinsamer Kommunikation zwischen den Stellen. Verschiedene Berichte haben ein abgestimmtes Vorgehen und behördenübergreifende Zusammenarbeit hervorgehoben, um eine koordinierte Reaktion bei der Erfassung, Identifizierung und dem Schutz ausbeutungsgefährdeter Kinder sicherzustellen (Children’s Society, 2019; Ofsted, 2014). Die Teilnehmenden erkannten den Wert neuer Beziehungen zu positiven Gleichaltrigen, um sich prosozialer und altersgerechter zu verhalten. Kontakte zu negativen Peers zu verringern und Verbindungen zu prosozialen Gleichaltrigen zu stärken, ist ein zentraler Bestandteil des MST-Modells (Henggeler et al., 2009).
Die Bezugspersonen sahen in den Verbindungen ihres Kindes zu negativen Erwachsenen ein erhebliches Hindernis, um seine Verwicklung in kriminelles Verhalten zu verringern. Beziehungen zu kontrollierenden Erwachsenen oder älteren Peers sind bekannte Vulnerabilitätsfaktoren für die Ausbeutung von Kindern (Home Office, 2018). Es ist bereits belegt, dass Familien und Bezugspersonen mitunter mit Drogenhandel und krimineller Ausbeutung kollaborieren, um zusätzliches Geld für den Haushalt zu verdienen (Violence & Vulnerability Unit, 2018). Die Bezugspersonen hatten den Eindruck, dass ihr Kind komplexe Beziehungen zu mehreren verschiedenen Gruppen von Gleichaltrigen und Erwachsenen unterhielt, die einen negativen Einfluss auf es hatten. Sie beschrieben die Peer-Beziehungen als flüchtig und ständig wechselnd, was es schwierig machte, den Einfluss negativer Peers vollständig zu verringern. Tighe et al. (2012) stellten fest, dass Eltern den Kontakt ihres Kindes zu antisozialen Gleichaltrigen für schwer veränderbar hielten und sich machtlos fühlten, dagegen vorzugehen.
Klarere Erwartungen, die Hinwendung zu einem autoritativeren Erziehungsstil, eine bessere Beziehung zwischen Kindern und Bezugspersonen sowie die Lockerung negativer Peer-Kontakte durch die Einführung positiverer, prosozialer Gleichaltriger erwiesen sich als wirksame förderliche Faktoren für Verhaltensänderungen bei den Jugendlichen. Dies sind Strategien, die MST-Therapierende regelmäßig einsetzen, um antisoziales Verhalten und negative Peer-Kontakte anzugehen, und die Befunde legen nahe, dass diese Ansätze auch für Familien hilfreich sein können, in denen Bedenken hinsichtlich Ausbeutung bestehen.
Verbindungen zu negativen Erwachsenen sind ein zentraler Risikofaktor für Ausbeutung und könnten für diese Gruppe eine besondere Herausforderung darstellen, bei der Interventionen schwierig und kompliziert sind. Die Macht und der Einfluss der Eltern von Gleichaltrigen, die antisoziales Verhalten fördern und normalisieren, können die Arbeit, die Eltern und Therapierende in der MST leisten, um das problematische Verhalten und die negativen Peer-Kontakte der Jugendlichen anzugehen, aufwiegen und infrage stellen. Die häufigen Wechsel in den Peer-Beziehungen und die Verbindungen zu negativen Erwachsenen stellen Therapierende vor ein komplexes Problem, bei dem wirksame Interventionen schwierig sein können. Möglicherweise muss die Intervention weiterentwickelt werden, um den besonderen Herausforderungen gerecht zu werden, die sich bei ausbeutungsgefährdeten jungen Menschen stellen. MST-Therapierende, die mit diesen Familien arbeiten, sollten den vielfältigen Verbindungen zu negativen Peers und Erwachsenen besondere Aufmerksamkeit schenken, um wirksame und nachhaltige Verhaltensänderungen zu erreichen und das Ausbeutungsrisiko zu verringern.
Dies ist die erste Studie, die die Sicht ausbeutungsgefährdeter Jugendlicher und ihrer Bezugspersonen auf die MST qualitativ untersucht. Indem sie die Stimmen sowohl der Bezugspersonen als auch der Jugendlichen hörbar macht, leistet sie einen wichtigen Beitrag zur begrenzten Evidenzbasis in diesem Bereich. Trotz aller Bemühungen, an mehreren Standorten zu rekrutieren, stammte die endgültige Stichprobe aus drei MST-Standorten in England, was möglicherweise nicht repräsentativ für die Bevölkerung des Vereinigten Königreichs insgesamt ist. Die Stichprobe war ethnisch wenig divers, da die meisten Teilnehmenden weiß britisch waren; dies spiegelt nicht die Überrepräsentation junger Menschen aus ethnischen Minderheiten im Jugendstrafsystem wider (YJB, 2021). Bei den Bezugspersonen der Stichprobe handelte es sich ausschließlich um Mütter, und das Fehlen von Vätern unter den Teilnehmenden dieses Forschungsprojekts entspricht früheren Befunden, wonach Väter in der kinder- und familienbezogenen Forschung unterrepräsentiert sind (Phares, 1996). Aufgrund von Rekrutierungsschwierigkeiten erklärte sich nur eine relativ kleine Zahl Jugendlicher zur Teilnahme an der Studie bereit. Zudem enthielten die Einschlusskriterien kein objektives Maß für Peer-Beziehungen.
Ein Selektionsbias ist möglich, da eine Gelegenheitsstichprobe gezogen wurde und die von Therapierenden ermittelten Teilnehmenden, die einer Teilnahme zustimmten, möglicherweise stärker motiviert waren. Therapierende haben möglicherweise eher Familien kontaktiert, bei denen sie positive Behandlungsergebnisse erzielt oder eine gute therapeutische Beziehung aufgebaut hatten. Dieser Selektionsbias könnte zu einer günstigeren Interpretation der MST-Erfahrung geführt haben als bei jenen, die sich nicht auf die Behandlung eingelassen haben. Gelegenheitsstichproben können in der qualitativen Forschung jedoch von Vorteil sein, da sich mit ihnen „informationsreiche Fälle“ identifizieren lassen, die vielschichtige Informationen über Erfahrungen liefern und so zur Erweiterung des Wissens über ein Forschungsthema beitragen (Vasileiou et al., 2018). Da ausschließlich Personen einbezogen wurden, die die Behandlung abgeschlossen hatten, wurden mögliche Hindernisse für die Teilnahme an der MST in dieser Gruppe nicht untersucht.
Diese Studie nutzte halbstrukturierte Interviews, um die Sicht ausbeutungsgefährdeter Jugendlicher und ihrer Bezugspersonen auf die MST erstmals zu erkunden. Auch wenn die Ergebnisse weitere Gesichtspunkte für Therapierende aufzeigen, etwa ein stärkeres Augenmerk auf das Verständnis vielfältiger Verbindungen zu Gleichaltrigen und Erwachsenen, unterstreichen sie den Nutzen bestehender, in der MST weit verbreiteter Interventionen. Die Befunde ergänzen die bestehende und wachsende britische Evidenzbasis zur Wirksamkeit der MST bei ausbeutungsgefährdeten jungen Menschen. Es ist zu hoffen, dass die klinischen Implikationen der Studienergebnisse die Praxis von MST-Therapierenden bereichern, die mit Familien arbeiten, in denen Bedenken hinsichtlich Ausbeutung bestehen.
Complexe Systémique: Kernpunkte
Das Verdienst der Studie besteht darin, den Familien eine Stimme zu geben, wo die Literatur über Gangs vor allem in Zahlen spricht. Was sie beschreiben, ist zutiefst systemisch: Eine junge Person wird nicht allein durch Überwachung zu Hause gehalten, sondern dadurch, dass das Zuhause anziehender wird als die Straße, und dadurch, dass Wärme und Grenzen zusammengehalten werden. Das Netzwerk der Eltern, die Schule, die Polizei und die Sozialdienste bilden dann ein abgestimmtes Unterstützungssystem statt einer Summe einzelner Maßnahmen. Doch das Haupthindernis liegt außerhalb des familiären Rahmens: Erwachsene, mitunter Eltern anderer Jugendlicher, organisieren die Ausbeutung. Gegenüber diesem rivalisierenden System stößt die MST an ihre Grenze, und die Frage wird eher eine des Kinderschutzes als der Therapie. Für die Jugendlichen wird die Präsenz der Stellen als Eingriff erlebt, den es zu beenden gilt: ein echter, aber zweischneidiger Hebel. Die Grenzen sind klar: zehn Teilnehmende, ausschließlich Mütter, Familien, die die Behandlung abgeschlossen hatten und von ihren Therapierenden ausgewählt wurden. Lesenswert in Verbindung mit der Studie über wirksame Elemente der Hilfe für Multiproblemfamilien und dem Beitrag über aggressives Verhalten Jugendlicher.
Anmerkungen aus dem Original
1 Eine von Polizei und Jugendhilfe eingesetzte Maßnahme, um Kinder vor Personen zu schützen, die sie gefährden könnten.
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Inoffizielle deutsche Übersetzung von Multisystemic therapy for young people involved in or at risk of child criminal exploitation: Young people and Caregivers' perspectives von Simone Fox, Holly Wake und Emily Glorney, Journal of Family Therapy, Bd. 46, Nr. 4 (2024), doi: 10.1111/1467-6427.12471, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzung und Satz: Complexe Systémique, Oktober 2026, mit Unterstützung künstlicher Intelligenz; das Werk wurde im Sinne der Lizenz bearbeitet. Weder die Verfassenden noch der Verlag sind für diese Übersetzung verantwortlich; maßgeblich ist die Originalfassung.
Dies ist eine inoffizielle deutsche Übersetzung des Originalartikels „Multisystemic therapy for young people involved in or at risk of child criminal exploitation: Young people and Caregivers' perspectives“, erschienen in Journal of Family Therapy (2024) unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique im Oktober 2026 mit Unterstützung künstlicher Intelligenz, wie am Anfang dieser Seite angegeben. Maßgeblich ist die Originalfassung.
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Fox, S., Wake, H., et Glorney, E. (2024). Multisystemic therapy for young people involved in or at risk of child criminal exploitation: Young people and Caregivers' perspectives. Complexe Systémique. https://app.complexe-systemique.com/en_GB/articles/multisystemic-therapy-for-young-people-at-risk-of-child-criminal-exploitation (Originalwerk erschienen 2024 in Journal of Family Therapy, 46(4), 344-360 (2024); 2024 erneut veröffentlicht von Journal of Family Therapy, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/1467-6427.12471)
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