Diese Fassung wurde von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz aus dem Englischen übersetzt. Im Zweifelsfall ist die Originalfassung maßgeblich.
PLOS ONE · Psychiatrie
In Québec beantworteten 27 psychiatrische Fachkräfte einen Fragebogen zu ihren familienorientierten Praktiken; fünf von ihnen wurden zusätzlich interviewt. Fast alle prüfen, ob die behandelte Person Kinder hat, und laden bereitwillig Angehörige ein. Doch Kinder bleiben selten im Raum, und die Unterstützung der Elternschaft beschränkt sich oft auf eine Routinefrage: „Wie läuft es mit Ihren Kindern?“
Inoffizielle deutsche Übersetzung von Exploring psychiatrists’ perspectives on supporting parents with mental health Challenges: A mixed-methods study von Mireille Jasmin, Geneviève Piché, Aude Villatte, Andrea Reupert, Marie-Ève Clément, Anne Dorothee Müller, Marianne Fournier-Marceau, Darryl Maybery, Marie-Hélène Morin und Stéphane Richard-Devantoy, erschienen in PLOS ONE (Public Library of Science) (2026), doi: 10.1371/journal.pone.0342923, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique im Oktober 2026 mit Unterstützung künstlicher Intelligenz: Der Originaltext wurde ins Deutsche übersetzt und neu gesetzt, was eine Bearbeitung des Werks im Sinne der Lizenz darstellt. Tabellen werden als Listen wiedergegeben; die Zusatzdatei und die Erklärung zur Datenverfügbarkeit sind nicht abgedruckt. Diese Übersetzung stammt weder von den Verfassenden noch vom Verlag, die weder für ihren Inhalt noch für etwaige Fehler verantwortlich sind. Maßgeblich ist die Originalfassung.
Die Elternschaft zu erkennen, ist ein grundlegender erster Schritt einer familienorientierten Versorgung.
Mireille Jasmin, Geneviève Piché, Aude Villatte, Andrea Reupert, Marie-Ève Clément, Anne Dorothee Müller, Marianne Fournier-Marceau, Darryl Maybery, Marie-Hélène Morin und Stéphane Richard-Devantoy
Zusammenfassung
Hintergrund. Elterliche Verantwortung kann für Menschen, die in der psychiatrischen Versorgung behandelt werden, besonders herausfordernd sein und hat häufig vielfältige negative Auswirkungen auf die Kinder. Empfohlen wird, einen familienorientierten Ansatz in die Regelversorgung psychisch erkrankter Eltern zu integrieren, um die Recovery der behandelten Person zu fördern und zugleich das Wohlbefinden der Kinder und der gesamten Familie zu unterstützen. Ziel dieser Studie war es, die familienorientierten Praktiken psychiatrischer Fachkräfte in der Arbeit mit psychisch erkrankten Eltern zu dokumentieren und mögliche förderliche und hinderliche Faktoren dieser Praktiken zu untersuchen.
Methoden. Verwendet wurde ein sequenziell-explanatives Mixed-Methods-Design, das eine Online-Befragung und Einzelinterviews kombinierte. 27 psychiatrische Fachkräfte berichteten ihre familienorientierten Praktiken anhand der französischen Fassung des Family-Focused Mental Health Practice Questionnaire. Anschließend wurden qualitative Einzelinterviews mit 5 dieser Fachkräfte geführt. Die quantitativen Daten wurden Item für Item analysiert, die qualitativen Daten anschließend thematisch ausgewertet, wobei die Ergebnisse beider Quellen integriert wurden.
Ergebnisse. Obwohl die Befragten die Elternrolle ihrer Behandelten anerkennen, zögern die meisten, darüber hinausgehende Unterstützung anzubieten. Zentrale Hindernisse für eine familienorientierte Praxis sind die überwiegend individuumzentrierte Ausrichtung der psychiatrischen Versorgung, Stigmatisierung, Fragen der Einwilligung und die begrenzte Zusammenarbeit zwischen Erwachsenen- und Kinder- und Jugenddiensten. Zu den förderlichen Faktoren zählen die berufliche Autonomie, persönliche Erfahrung und Sicherheit in der Durchführung von Familiengesprächen.
Schlussfolgerung. Psychiatrische Fachkräfte können eine Schlüsselrolle dabei spielen, psychisch erkrankte Eltern zu erkennen, ihre Elternschaft anzuerkennen und ihnen sowie ihren Familien, einschließlich der Kinder, angemessene Unterstützung zu bieten. Umfassende Leitlinien und gezielte Fortbildungen sind unerlässlich, um sie mit wirksamen Strategien für den Umgang mit elterlichen Herausforderungen bei komplexen psychischen Erkrankungen auszustatten. Darüber hinaus sollten psychoedukative Angebote für Kinder einbezogen werden. Die Umsetzung dieser Initiativen kann zu einer mitfühlenderen, gezielteren Versorgung und zu besseren Ergebnissen für Eltern und ihre Familien führen.
Viele Menschen in psychiatrischer Behandlung sind Eltern; die Schätzungen reichen je nach Dienst von 20 bis 38,5 % [1,2]. Ein wichtiger Aspekt der psychiatrischen Versorgung und der Recovery betrifft somit Behandelte, die Eltern sind. Die psychische Gesundheit dieser Eltern betrifft nicht nur sie selbst, sondern auch die Entwicklung ihrer Kinder und das Wohlbefinden der Familie; häufig beeinträchtigt sie die Fähigkeit der Eltern, den emotionalen und erzieherischen Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden [3]. Eltern können wegen dieser Auswirkungen Schuldgefühle und Sorgen erleben [4]. Die Elternrolle der Behandelten zu erkennen, anzuerkennen und zu unterstützen, ist für die Recovery entscheidend, denn die Einbeziehung der Elternschaft in die Behandlung fördert die Medikamentenadhärenz und motiviert Eltern, um ihrer Kinder willen „gesund zu werden“ [5], und stärkt zugleich ihr Vertrauen in die eigene Elternrolle [6]. Elternschaft fördert zudem Identität, Verbundenheit und Hoffnung – zentrale Elemente der Recovery [7–9].
Kinder psychisch erkrankter Eltern haben ein erhöhtes Risiko für psychische Probleme [10–12] und psychosoziale Schwierigkeiten [13]. Häufig übernehmen sie Fürsorgeaufgaben für ihre Eltern [14] und ringen zugleich mit der emotionalen „Achterbahnfahrt“ ihres Familienlebens [15]. Diese Kinder äußern ein starkes Bedürfnis, von Fachkräften des Gesundheitswesens Informationen über die Erkrankung ihrer Eltern zu erhalten [16] und über ihre Erfahrungen zu sprechen [17].
Es bedarf daher in der psychiatrischen Versorgung eines familienorientierten Ansatzes, der über die Behandlung der erwachsenen Person hinausgeht und die Bedürfnisse der gesamten Familie berücksichtigt. Familienorientierte Praktiken betonen eine Perspektive auf die ganze Familie, fördern kooperative Partnerschaften, sind familienzentriert und unterstützen Familien bei der Versorgung und Entwicklung ihrer Mitglieder [18]. Dieser Ansatz fördert eine systemische Sichtweise, die die wechselseitigen Auswirkungen von Symptomen auf Elternschaft und Familienfunktion anerkennt [19,20]. Es ist belegt, dass solche Praktiken und familienorientierte Interventionen die Ergebnisse für Menschen mit psychischen Erkrankungen verbessern, unter anderem durch geringere Rückfall- und Hospitalisierungsraten [21–23]. Sie stärken außerdem die elterliche Selbstwirksamkeit [24], festigen die Eltern-Kind-Beziehung, fördern Resilienz und Bewältigung bei Kindern [25–27] und verringern das Risiko einer generationenübergreifenden Weitergabe psychischer Erkrankungen [28].
Kanadische Politikrahmen betonen zunehmend die Einbeziehung der Familie in die psychiatrische Versorgung. Die Strategie für psychische Gesundheit in Kanada (2019) ermutigt Einrichtungen, Familien in Prävention, Diagnostik, Behandlung, Angebotsplanung und Evaluation einzubeziehen. Dies steht für eine lokale wie globale Hinwendung zu einem relationalen Recovery-Modell und einem „familienzentrierten“ Ansatz – im Gegensatz zu einem traditionellen, individualisierten und symptomzentrierten Versorgungsmodell [29]. Das gegenwärtige System der psychiatrischen Versorgung in Kanada steht jedoch vor erheblichen Herausforderungen, darunter lange Wartezeiten, Ressourcenmangel und ungleicher Zugang, insbesondere in ländlichen und unterversorgten Regionen. Die Trennung zwischen spezialisierter psychiatrischer Versorgung und allgemeiner Primärversorgung sowie zwischen Kinder- und Erwachsenendiensten [30] erschwert eine zeitnahe, integrierte Versorgung, die als förderlich für eine stärker familienorientierte Praxis gilt [31].
Psychiatrische Fachkräfte, die bei der Behandlung komplexer psychischer Erkrankungen eine zentrale Rolle spielen [32,33], werden ermutigt, in Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen Familien nicht nur in die Behandlungsplanung einzubeziehen, um die Recovery der behandelten Person zu unterstützen, sondern ihnen auch Ressourcen und Unterstützung zur Bewältigung der Herausforderungen der Angehörigenrolle zu bieten [34]. Angesichts ihrer Schlüsselrolle in der psychiatrischen Versorgung [32,33] ist es wichtig zu klären, wie sie Familien im Umgang mit psychischen Erkrankungen unterstützen. In zwei groß angelegten quantitativen Studien gaben psychiatrische Fachkräfte an, Familien und Kindern ihrer Behandelten mehr Unterstützung zu bieten als andere Berufsgruppen [35,36], etwa Informationen über die psychische Erkrankung für Kinder, Erziehungsratschläge für Eltern und Hinweise auf weiterführende Angebote. Die Ergebnisse zweier qualitativer Studien zeigen jedoch ein begrenzteres Engagement. In der Studie von Laser et al. (38) wurden elterliche Anliegen vor allem in zwei Zusammenhängen angesprochen: bei der Organisation der Kinderbetreuung während stationärer Aufenthalte und bei Gesprächen über mögliche Schwangerschaften im Zusammenhang mit Psychopharmaka [37]. Bei Cognard & Wendland erkannten die Befragten die Bedeutung der Mutter-Kind-Beziehung an, konzentrierten sich aber in erster Linie auf die Beurteilung der psychischen Gesundheit der Mutter und ihrer Fürsorgefähigkeit, statt der Familie direkte Unterstützung anzubieten [38]. In beiden Studien wurden Bedenken hinsichtlich der Schweigepflicht, fehlende Fortbildung und unklare Abläufe als zentrale Hindernisse für familienorientierte Praktiken genannt.
In Kanada wie andernorts gilt es als unerlässlich, auf die Bedürfnisse der Familienmitglieder einzugehen [39]. Psychiatrische Fachkräfte sind gut aufgestellt, um diese Unterstützung zu leisten; ihr Engagement ist daher eine entscheidende Chance, familienorientierte Versorgung besser zu verankern. Bislang haben jedoch nur wenige Studien untersucht, wie sie ihre Rolle bei der Berücksichtigung elterlicher Bedürfnisse psychisch erkrankter Behandelter wahrnehmen und welche Strategien sie zur Unterstützung dieser Familien einsetzen könnten. Frühere Forschung zeigt eine Diskrepanz zwischen dem in quantitativen Studien selbst berichteten Ausmaß an Familienunterstützung und dem vergleichsweise begrenzten, auf Beurteilung ausgerichteten Engagement, das in qualitativer Forschung beobachtet wird. Diese Diskrepanz verdeutlicht die Kluft zwischen dem, was in strukturierten Befragungen angegeben wird, und der Art, wie das Engagement mit Familien in qualitativen Interviews beschrieben wird; sie kann auch darauf hindeuten, dass quantitative und qualitative Methoden unterschiedliche Facetten familienorientierter Praktiken erfassen. Nur wenige Studien haben gezielt die Praktiken der Psychiatrie untersucht. Die meisten konzentrieren sich auf andere Berufsgruppen der psychischen Gesundheitsversorgung, etwa Pflegefachkräfte, Pädiatrie und Allgemeinmedizin [40–42]. Diese Studie will diese Lücken schließen, indem sie erstens untersucht, wie psychiatrische Fachkräfte in Québec (Kanada) psychisch erkrankte Eltern und ihre Familien unterstützen, und zweitens, welche Faktoren ihr Engagement in familienorientierten Praktiken fördern oder hemmen. Die Ergebnisse sollen das Verständnis des Beitrags der Psychiatrie zur Unterstützung von Familien mit psychischen Belastungen vertiefen; zudem werden Empfehlungen zur Stärkung familienorientierter Ansätze in der psychiatrischen Versorgung formuliert.
Diese Studie verwendete ein sequenziell-explanatives Mixed-Methods-Design. Dieser Ansatz diente dazu, eine differenzierte Beschreibung und Deutung des Phänomens zu erarbeiten, bei der die qualitativen Daten die quantitativen Ergebnisse weiter kontextualisieren und anreichern [43]. Phase I umfasste das Ausfüllen des Family-Focused Mental Health Practice Questionnaire (FFMHPQ-FR) [44], der die familienorientierten Praktiken psychiatrischer Fachkräfte dokumentieren soll. Phase II umfasste Einzelinterviews mit ausgewählten Teilnehmenden aus Phase I, um ihre Sicht auf die eigenen familienorientierten Praktiken und auf die förderlichen und hinderlichen Faktoren zu erkunden. Phase III zielte darauf ab, die in den Phasen I und II erhobenen quantitativen und qualitativen Daten zu integrieren. Angewendet wurden die Guidelines for the Good Reporting of A Mixed Methods Study (GRAMMS) [45].
Die Studie wurde von der Ethikkommission der Université du Québec en Outaouais (Nr. 2021–1167) und vom Comité d’Éthique de la Recherche Sectorielle en Santé des Populations et Première Ligne du CIUSSS de la Capitale-Nationale (Nr. MP-13-2021-2135) genehmigt. Alle Teilnehmenden unterzeichneten vor dem Ausfüllen des Online-Fragebogens und vor der Teilnahme an den Interviews online ein Informations- und Einwilligungsformular.
Die Rekrutierung für Phase I erfolgte in allen Regionen der Provinz Québec (Kanada) vom 15.03.2021 bis zum 08.02.2022. Dabei kamen verschiedene Strategien zum Einsatz (z. B. E-Mails an Leitungen der wichtigsten Arbeitsstätten und an Berufsverbände, Anzeigen in sozialen Medien). Die Teilnehmenden mussten folgende Kriterien erfüllen: 1) in der Psychiatrie ärztlich tätig sein; 2) derzeit mit psychisch erkrankten Erwachsenen arbeiten; 2) direkten Kontakt zur Klientel haben; und 3) fließend Französisch sprechen. Einziges Ausschlusskriterium war die ausschließliche Arbeit mit psychisch erkrankten Kindern. Die Rekrutierung für Phase II fand vom 15.06.2023 bis zum 15.08.2023 statt. Einige Monate nach Phase I wurden die Fachkräfte, die daran teilgenommen hatten, per E-Mail zur Teilnahme an Phase II eingeladen. Von den 27 kontaktierten Personen erklärten sich fünf zur Teilnahme bereit (zwei Frauen und drei Männer).
27 psychiatrische Fachkräfte füllten die Online-Befragung aus (Tabelle 1). Die Geschlechterverteilung war ausgeglichen, und die meisten Teilnehmenden (88,5 %) waren in Québec geboren. Das Durchschnittsalter lag bei 47,1 Jahren (Spanne 29–81), die durchschnittliche Berufserfahrung bei 14,2 Jahren (Spanne 1–48). Alle arbeiteten im Krankenhaus (100,0 %) und erbrachten Leistungen der zweiten oder dritten Versorgungsebene, etwa in der psychiatrischen Notaufnahme, auf Stationen oder in Ambulanzen. Im Durchschnitt schätzten sie, dass 35,7 % ihrer Klientel elterliche Verantwortung trug (Spanne: 5–75%), was den in vergleichbaren Kontexten berichteten Raten entspricht [46]. In Phase II nahmen fünf Personen an Einzelinterviews teil (zwei Frauen und drei Männer), im Alter von 37 bis 81 Jahren und mit durchschnittlich 22 Jahren Berufserfahrung.
Tabelle 1 — Soziodemografische und berufliche Merkmale der Teilnehmenden.
Anmerkung: Die Stichprobengröße variiert aufgrund fehlender Werte.
Zur Erfassung der Praktiken, des Wissens und der Sicherheit psychiatrischer Fachkräfte in der Arbeit mit Familien, in denen ein Elternteil psychisch erkrankt ist, wurde die französische Fassung des FFMHPQ [47] (FFMHPQ-FR) eingesetzt. Der zuvor übersetzte und validierte FFMHPQ-FR wies gute psychometrische Eigenschaften auf [44]. Die drei in dieser Studie verwendeten Subskalen waren 1) familienorientierte Praktiken; 2) wahrgenommene Kompetenzen, Kenntnisse und Sicherheit der Fachkräfte; und 3) Einstellungen und Überzeugungen der Fachkräfte gegenüber FFP. Die Teilnehmenden bewerteten ihre Antworten auf einer 7-stufigen Likert-Skala (von 1 = stimme überhaupt nicht zu bis 7 = stimme voll und ganz zu). Das Ausfüllen des Fragebogens dauerte 10–15 Minuten; er enthielt auch Fragen zum beruflichen Hintergrund und Arbeitskontext (z. B. Erfahrung, Arbeitsort und Anteil der Klientel mit Kindern).
Die halbstrukturierten Online-Interviews wurden über Microsoft Teams anhand eines Leitfadens geführt, der aus den Forschungszielen, den vorläufigen Ergebnissen von Phase I und der Literatur entwickelt worden war. Der Interviewleitfaden (siehe Zusatzdatei) erkundete die Erfahrungen der Fachkräfte in der Arbeit mit psychisch erkrankten Eltern (z. B. Wie erleben Sie die Arbeit mit Erwachsenen, die psychisch erkrankt sind und zugleich eine Elternrolle haben? Worin besteht Ihrer Meinung nach Ihre Rolle bei der Begleitung psychisch erkrankter Eltern? Worin unterscheidet sie sich, wenn überhaupt, von der Arbeit mit Erwachsenen ohne Kinder?). Die Interviews dauerten 38–66 Minuten (durchschnittlich 47 Minuten) und wurden als Audio aufgezeichnet.
Die Teilnehmenden konnten „keine Angabe“ oder „trifft nicht zu“ wählen; diese Antworten wurden als fehlende Werte codiert und durch itemweise Mittelwertimputation ersetzt [48]. Über alle 38 Items hinweg lag die Quote gültiger Antworten bei 99,0 %. Die quantitative Analyse erfolgte mit der Software SPSS 27 (IBM Corp., 2020). Die Grundannahmen parametrischer Verfahren (z. B. Normalverteilung) wurden geprüft [49]. Einstichproben-t-Tests verglichen die Itemwerte mit den Subskalenmittelwerten, um Items zu identifizieren, die signifikant über oder unter dem Durchschnitt lagen. Höhere Werte zeigten mehr familienorientierte Praktiken bzw. förderliche Faktoren an, niedrigere Werte weniger familienorientierte Praktiken bzw. hinderliche Faktoren. Das Signifikanzniveau wurde auf P < 0.05 festgelegt.
Die qualitativen Daten wurden mit NVivo 14 mittels thematischer Inhaltsanalyse nach den sechs Phasen von Braun und Clarke [50] ausgewertet: Vertrautmachen, Codieren, Generieren von Themen, Überprüfen, Verfeinern und Berichten. Wöchentliche Teamsitzungen sicherten den Konsens über Codes und Themen.
Im Anschluss an die qualitative Analyse führten drei Mitverfassende eine Integrationsphase durch, um die quantitativen und qualitativen Befunde zusammenzuführen. Dieser Prozess wurde in einer Joint-Display-Abbildung dargestellt, die neue Erkenntnisse hervorhebt, die über das hinausgehen, was die quantitativen und qualitativen Ergebnisse jeweils für sich zeigen.
Tabelle 2 zeigt die Mittelwerte und Konfidenzintervalle der Werte der 27 Teilnehmenden zu ihrem Ausmaß an familienorientierten Praktiken, zu ihren Kompetenzen und Kenntnissen sowie zu ihren Einstellungen gegenüber familienorientierten Praktiken. Außerdem sind die Items aufgeführt, die signifikant über bzw. unter dem Mittelwert liegen.
Tabelle 2 — Itemweise Analyse.
Anmerkung. Die Werte reichen von 1 = Stimme überhaupt nicht zu bis 7 = Stimme voll und ganz zu. R kennzeichnet umcodierte Items, die entsprechend zu interpretieren sind: ein hoher Wert. Δ bezeichnet die Differenz zwischen dem Itemmittelwert und dem Gesamtmittelwert der Gruppe der Teilnehmenden. *p < 0.05; **p < 0.01; ***p < 0.001.
Die Ergebnisse der Subskala familienorientierte Praktiken zeigten eine große Streuung zwischen den Items. Die Teilnehmenden gaben an, dass sie „zustimmen“ bis „voll und ganz zustimmen“, zu prüfen, ob die behandelte Person ein Kind hat und ob sie die Bedürfnisse ihrer Kinder erfüllen kann, aber „nicht zustimmen“ bis „eher nicht zustimmen“, den Behandelten schriftliche Materialien zur Elternschaft auszuhändigen.
Auch die Ergebnisse zu den selbst eingeschätzten Kompetenzen, Kenntnissen und der Sicherheit in familienorientierten Praktiken zeigten Streuung. Während die Teilnehmenden im Allgemeinen zustimmten, kompetent und gut informiert zu sein über die Auswirkungen elterlicher psychischer Erkrankungen auf Familien und über die Bedeutung sozialer Unterstützungsnetze, stimmten sie eher nicht zu, was ihre Kenntnis zentraler Techniken betrifft, mit denen die Behandelten das Wohlbefinden ihrer Kinder fördern könnten, sowie ihre eigene Fähigkeit, die Gesamtentwicklung dieser Kinder einzuschätzen.
Die Items der Subskala „Einstellungen und Überzeugungen der Fachkräfte gegenüber FFP variierten nicht signifikant. Die Teilnehmenden stimmten allen Items zur Relevanz familienorientierter Praktiken im Allgemeinen zu.
Die Teilnehmenden bestätigten, dass die Erfassung der Elternschaft in ihre Regelversorgung integriert war und systematisch erfolgte, und betonten ihre Bedeutung als Informationsquelle. Sie beschrieben außerdem, wie sie die Fähigkeit der Eltern einschätzen, auf die Bedürfnisse ihrer Kinder einzugehen. Obwohl sie ihre Bereitschaft erwähnten, elterliche Anliegen anzusprechen, wurde diese Aufmerksamkeit jedoch als begrenzt beschrieben – insbesondere, wenn die Eltern das Gespräch über ihre Elternrolle nicht aktiv aufnahmen oder vertieften.
Die Teilnehmenden berichteten auch von gezielten Bemühungen, Familienmitglieder in ihre Sitzungen einzubeziehen, insbesondere bei Beurteilungsgesprächen und der Entlassplanung, und gaben an, dass das Zuhören gegenüber den Angehörigen der Behandelten Teil ihrer Rolle sei. Zugleich präzisierten sie, dass Familiengespräche nur selten Kinder einschließen (Tabelle 3).
Tabelle 3 — Integrierte Ergebnisse der Phasen I und II.
Einige Fachkräfte äußerten Zurückhaltung gegenüber der Einbeziehung von Kindern und verwiesen auf Bedenken, ob es angemessen sei, in ihrer Gegenwart über die psychischen Schwierigkeiten der Eltern zu sprechen. Dies könnte zugrunde liegende Überzeugungen widerspiegeln, familienorientierte Ansätze seien in solchen Kontexten ungeeignet – ein Unbehagen, das in Fragen der Schweigepflicht und im sensiblen Charakter psychiatrischer Informationen wurzelt.
Die Teilnehmenden merkten an, dass andere Berufsgruppen für familienorientierte Interventionen besser geeignet sein könnten, und betonten, dass sie die Arbeit mit der Familie zwar schätzten, „…es aber nicht meine berufliche Aufgabe ist, diese Arbeit zu leisten“ (Psychiatrische Fachperson 4). Die meisten räumten ein, sich überwiegend auf eine individuumzentrierte Versorgung zu konzentrieren, die häufig Vorrang vor breiteren, familienorientierten Ansätzen hatte.
Obwohl sich die Fachkräfte ihrer Kompetenzen im Allgemeinen sicher fühlten, gaben viele an, sich schlecht gerüstet zu fühlen und keine spezifische Fortbildung zu Erziehungstechniken und kindlicher Entwicklung erhalten zu haben – eine Fortbildung, die ihrer Ansicht nach zur Verbesserung ihrer Praxis beitragen würde.
Die Teilnehmenden benannten außerdem ein erhebliches strukturelles Hindernis: die begrenzte Zusammenarbeit zwischen Erwachsenen- und Kinderdiensten. Diese Fragmentierung beeinträchtigte ihre Möglichkeit, die Kinder der Behandelten wirksam an geeignete Unterstützungsangebote zu vermitteln, und schränkte ihr Verständnis der umfassenderen Bedürfnisse der Familie ein.
Hervorgehoben wurden auch einige Hindernisse, die mit den Behandelten und ihren Familien zusammenhängen. Mehrere Teilnehmende bemerkten, dass sie die Kinder ihrer Behandelten nur selten sahen, oft weil die Kinder wegen der Schule nicht verfügbar waren oder weil die Eltern „häufig das Sorgerecht für ihre Kinder verloren haben“ (Psychiatrische Fachperson 4). Zudem erwies sich die elterliche Selbststigmatisierung als erhebliches Hindernis: Einige Fachkräfte berichteten, dass Behandelte aus „Angst vor Konsequenzen, Angst vor rechtlichen Konsequenzen oder einfach Angst, verurteilt zu werden“ zögerten, Informationen über ihre Kinder preiszugeben (Psychiatrische Fachperson 4).
Die Teilnehmenden betonten, wie wichtig es sei, die Elternrolle ihrer Behandelten anzuerkennen und Familien in die Versorgung einzubeziehen, und hoben die erheblichen Vorteile eines familienorientierten Ansatzes hervor. Sie gaben an, sich in der Arbeit mit den Familien der Behandelten sicher zu fühlen, was sie zum Teil auf ihre Ausbildung zurückführten.
Trotz der Schwierigkeiten, die sich aus der Zurückhaltung der Behandelten bei der Einbeziehung von Familienmitgliedern ergaben, benannten die Fachkräfte mehrere berufliche Kompetenzen, etwa Verhandlungsgeschick, die ihnen halfen, mit elterlichem Zögern umzugehen und es zu überwinden. Einige Teilnehmende merkten zudem an, dass ihre eigene Erfahrung als Eltern ihre Fähigkeit stärkte, mit anderen Eltern in Kontakt zu kommen und sie zu unterstützen.
Auch die berufliche Autonomie erwies sich als zentraler förderlicher Faktor, da sie den Fachkräften die Flexibilität gibt, ihre Praxis anzupassen. Eine befragte Person formulierte es so: „Als Arzt habe ich große berufliche Freiheit. Wenn ich die Familie stärker einbeziehen will, wird mich niemand daran hindern“ (Psychiatrische Fachperson 4).
Diese Studie untersuchte, wie psychiatrische Fachkräfte psychisch erkrankte Eltern unterstützen und welche Faktoren ihre familienorientierte Versorgung beeinflussen. Die Ergebnisse zeigten ein mäßiges Engagement in solchen Praktiken – im Gegensatz zu früheren Studien, die höhere Werte berichteten [35,36]. Dennoch zeigen unsere Befunde eine erhebliche Streuung in der Unterstützung von Behandelten und Familien, was mit früherer qualitativer Forschung übereinstimmt [37].
Vor allem deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass psychiatrische Fachkräfte in der Regel gut erkennen, ob Behandelte Kinder haben – ein wichtiger Befund angesichts der häufig beobachteten Lücken bei der Dokumentation der Elternschaft in psychiatrischen Diensten [51,52]. Die Elternschaft zu erkennen, ist ein grundlegender erster Schritt einer familienorientierten Versorgung und sollte in allen psychiatrischen Diensten routinemäßig in die Aufnahmeuntersuchung integriert werden [53].
Die Fachkräfte in unserer Studie berichteten jedoch von einer begrenzten oder oberflächlichen Ausrichtung auf die Unterstützung der Elternschaft oder auf die direkte Einbeziehung der Kinder der Behandelten. Zwar erkannten sie den Wert der Einbeziehung von Familienmitgliedern, auch der Kinder, an, sahen sie aber in erster Linie als Mittel zur besseren Symptomkontrolle und Recovery und weniger als Unterstützung der Familie beim Verstehen oder Bewältigen der psychischen Erkrankung. Dies deckt sich mit den Befunden einer aktuellen Studie mit Erwachsenen, die mit einem psychisch erkrankten Elternteil aufgewachsen waren und sich von Fachkräften „einbezogen, aber nicht eingeschlossen“ fühlten: Sie dienten als Informationsquelle, ohne ausreichend unterstützt oder in Behandlungsentscheidungen einbezogen zu werden [54]. Ebenso erkannten die Fachkräfte hier die Auswirkungen elterlicher psychischer Erkrankung auf Familien an, äußerten aber – in Übereinstimmung mit der Studie von Cognard und Wendland [38] – wenig Sicherheit darin, Erziehungskompetenzen anzusprechen oder die Entwicklungsbedürfnisse der Kinder einzuschätzen. Obwohl die meisten angaben, auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen zu versuchen, ging diese Erfassung selten über eine oberflächliche Auseinandersetzung hinaus.
Zudem waren Kinder, auch wenn einige Fachkräfte Familienmitglieder zu Gesprächen einluden, nur selten dabei. Dies spiegelt Ergebnisse von Studien mit verschiedenen Berufsgruppen wider, in denen konkrete Unterstützung für Familienmitglieder, insbesondere Kinder, begrenzt war [2,52]. Eine kanadische Studie von vor zwei Jahrzehnten stellte ebenfalls fest, dass Leistungserbringende zwar die Bedürfnisse der ganzen Familie anerkannten, sich aber nur wenige in der Lage sahen, alle Familienmitglieder wirksam einzubeziehen [55]. Auch Cognard und Wendland (38) beschrieben einen mutterzentrierten Ansatz, geprägt von begrenzten Kompetenzen und geringer Fortbildung, der kaum direkte Unterstützung für den familiären Zusammenhalt oder die Elternschaft bot. Solche Lücken, die auch bei nichtärztlichen Fachkräften vielfach beschrieben wurden [56,57,58], unterstreichen den dringenden Bedarf an Ressourcen und Fortbildung, damit psychiatrische Fachkräfte in der Nachsorge psychisch erkrankter Eltern besser auf kindliche Entwicklung und elterliche Anliegen eingehen können.
Anders als in anderen Studien [36] nannten die Fachkräfte unserer Stichprobe weder die Verfügbarkeit von Angeboten noch die Arbeitsbelastung als wesentliche Hindernisse. Stattdessen betonten sie ihre berufliche Autonomie und Unabhängigkeit. In Übereinstimmung mit früherer Forschung [37] äußerten jedoch viele Zurückhaltung, die psychische Erkrankung der Eltern vor den Kindern anzusprechen – aus Bedenken hinsichtlich der Angemessenheit und der Schweigepflicht. Weitere Gründe für die begrenzte Einbeziehung der Kinder von Behandelten waren deren Nichtverfügbarkeit wegen der Schulzeiten, der Verlust des Sorgerechts, elterliche Selbststigmatisierung und die Angst vor möglichen rechtlichen Konsequenzen.
Während einige Teilnehmende stolz auf ihre Kompetenzen waren und gern Familiengespräche führten, räumten andere ein, dass ihre Praxis überwiegend individuumzentriert blieb. Diese enge Ausrichtung stellt eine erhebliche Lücke dar, denn die Auseinandersetzung mit der Elternschaft kann die Recovery stark motivieren, während das Ignorieren elterlichen Stresses dem allgemeinen Wohlbefinden schaden kann [59]. Die Betonung der Einzelversorgung, die familiäre Dynamiken übersieht, spiegelt wahrscheinlich ein strukturelles Hindernis wider, das die Versorgung zwischen Erwachsenen- und Kinderdiensten aufteilt, statt die Familie als Ganzes in den Blick zu nehmen. Zunehmend sprechen Belege für integrierte Ansätze wie Mutter-Kind-Einheiten, die sowohl für Eltern als auch für Kinder bessere Ergebnisse erzielen [60,61]. Zudem sind manche der Ansicht, dass „andere Berufsgruppen besser geeignet sein könnten“, die Familien der Behandelten zu unterstützen, obwohl die psychiatrische Ausbildung das biopsychosoziale Modell und die recoveryorientierte Versorgung umfasst. Wie Linden bemerkte [62], legt die psychiatrische Ausbildung oft den Schwerpunkt auf Psychopharmakologie und nur wenig Gewicht auf therapeutische Kommunikation, was die Integration der Familienunterstützung in die psychiatrische Versorgung erschwert.
Frühere Forschung zeigt die Schwierigkeiten auf, mit denen Fachkräfte konfrontiert sind, wenn sie mit psychisch erkrankten Eltern und deren Familien über Elternschaft und heikle Themen sprechen [63,64]. Obwohl die Fachkräfte in unserer Studie die Elternschaft routinemäßig erfassten, könnten viele von zusätzlicher Fortbildung profitieren, um Sicherheit und Kompetenz im Umgang mit elterlichen Anliegen aufzubauen. Diese erlernbare Fähigkeit [65] ist entscheidend, um Eltern dabei zu helfen, psychische Gesundheit und elterliche Verantwortung in Einklang zu bringen, und verbessert letztlich die Ergebnisse für Eltern wie Kinder. Die Integration spezifischer familienorientierter Strategien in die klinische Ausbildung würde psychiatrische Fachkräfte besser auf diese sensiblen Gespräche vorbereiten und ein unterstützenderes, inklusiveres Umfeld für Familien schaffen. Belege zeigen, dass Fortbildungen für Fachkräfte in familienorientierter Versorgung wie Let’s Talk about Children und The Parenting Well familienorientierte Praktiken wirksam stärken [59,66].
Darüber hinaus unterstreicht die Anerkennung der Grenzen psychiatrischer Praxis die Notwendigkeit eines stärker integrierten, multidisziplinären Ansatzes, um familiäre Fragen umfassend anzugehen. Psychiatrische Fachkräfte sollten eng mit Fachkräften der Sozialen Arbeit, der Psychoedukation, der Psychologie, der Pflege und der Kinder- und Jugendhilfe zusammenarbeiten. Eine solche Zusammenarbeit erlaubt es der Psychiatrie, sich auf die Behandlung der psychischen Erkrankung zu konzentrieren, während zugleich sichergestellt ist, dass die umfassenderen Bedürfnisse der Familien, insbesondere der Kinder, berücksichtigt werden. Manche Berufsgruppen, etwa die Soziale Arbeit, sind möglicherweise besser in der Lage, Kinder direkt zu unterstützen, indem sie auf ihre Bedürfnisse eingehen, Informationen vermitteln und Eltern in ihrer Fürsorgerolle einbinden. Dennoch erfordert die besondere Rolle der Psychiatrie in der Versorgung, dass sie aktiv daran beteiligt bleibt, die Elternschaft zu erfassen, elterliche Anliegen einzuschätzen, Familienmitglieder in Behandlungspläne einzubeziehen und angemessen an psychosoziale Dienste oder Kinderdienste zu vermitteln. Der Wert multidisziplinärer, institutionenübergreifender und kooperativer Versorgungsmodelle für Familien, die mit psychischen Erkrankungen leben, ist gut belegt [31,39].
Um psychiatrische Fachkräfte in der Arbeit mit Familien besser zu unterstützen, vor allem in komplexen Fällen mit sich überschneidenden familiären Belastungen, könnten psychiatrische Dienste institutionenübergreifende Fallberatungsteams für Familien einrichten [31]. Diese Teams, die sich aus Fachleuten verschiedener Bereiche zusammensetzen (z. B. Kinderdienste, Erwachsenendienste, gemeindenahe Dienste, Kinder- und Jugendschutz), können wertvolle Einblicke in die komplexen Dynamiken bieten, mit denen Familien konfrontiert sind. Die Forschung zeigt, dass eine solche interprofessionelle und institutionenübergreifende Unterstützung die Sicherheit der Fachkräfte in der Unterstützung von Familien stärkt, die wahrgenommene Sicherheit der Kinder verbessert und zu besseren klinischen Ergebnissen führt [5,31,67,68].
Eine zentrale Stärke dieser Studie ist ihr ausschließlicher Fokus auf den Beitrag psychiatrischer Fachkräfte zur Unterstützung von Familien mit psychischen Belastungen – eine Perspektive, die bisher nicht eingehend untersucht wurde. Das Mixed-Methods-Design, das qualitative und quantitative Daten integriert, ermöglicht ein umfassendes Verständnis des Themas. Die Studie hat jedoch Grenzen. Die relativ kleine Stichprobe und die Überrepräsentation älterer, erfahrenerer Fachkräfte, die typischerweise mehr familienorientierte Praktiken angeben, können die Verallgemeinerbarkeit der Befunde einschränken. Die Stützung auf Selbstauskünfte und Interviews birgt zudem die Gefahr einer Verzerrung durch soziale Erwünschtheit. Künftige Forschung könnte an diese Befunde anknüpfen, indem sie die Perspektive der Behandelten einbezieht und Aufnahmeunterlagen auswertet, um die familienorientierten Praktiken psychiatrischer Fachkräfte objektiver zu überprüfen.
Psychiatrische Fachkräfte erkennen zwar die Bedeutung der Elternschaft bei psychischen Erkrankungen an, doch viele zögern, umfassende Unterstützung anzubieten – aufgrund von Hindernissen wie individuumzentrierter Praxis, Stigmatisierung, Schwierigkeiten bei der Einwilligung und mangelnder Abstimmung zwischen Erwachsenen- und Kinderdiensten. Förderliche Faktoren wie berufliche Autonomie, persönliche Erfahrungen und Sicherheit in der Durchführung von Familiengesprächen tragen dazu bei, familienorientierte Versorgung zu fördern. Um diese Hindernisse abzubauen, braucht es integrierte multidisziplinäre Ansätze sowie gezielte Fortbildungen zu elterlichen Herausforderungen und zur Psychoedukation für Kinder. Psychiatrische Fachkräfte mit diesen Werkzeugen auszustatten, kann eine familieneinbeziehende Versorgung fördern und die Ergebnisse für Eltern und ihre Familien verbessern.
Complexe Systémique: Kernpunkte
Die hier aufgedeckte Lücke wird systemisch Arbeitenden vertraut vorkommen: Die Familie wird anerkannt, eingeladen und angehört, aber vor allem als Ressource zur Behandlung der Indexperson. Die Kinder bleiben draußen – im Namen der Schweigepflicht oder aus Sorge, sie zu belasten. Die Studie zeigt, wie eine individuelle medizinische Kultur und die Trennung von Erwachsenen- und Kinderdiensten diesen blinden Fleck erzeugen und wie die Autonomie psychiatrischer Fachkräfte umgekehrt die Tür zur Familienarbeit öffnen kann, wenn Wille und Ausbildung vorhanden sind. Ein Psychiater sagt, er stütze sich vor allem auf seine Erfahrung als Vater: ein Zeichen dafür, dass familienbezogene Kompetenzen selten im Medizinstudium erworben werden. Zu beachten sind die kleine Stichprobe, nur fünf Interviews und Selbstauskünfte. Für die klinische Praxis ist der konkrete Weg einfach: von „Wie läuft es mit Ihren Kindern?“ zu einem echten Gespräch mit dem Elternteil über seine Elternschaft übergehen und es wagen, die Kinder einzuladen. Zu lesen zusammen mit der Studie über Faktoren, die eine familienorientierte Behandlung psychisch erkrankter Eltern fördern oder hemmen, und der Analyse der Erfahrungen von Familien mit dem Programm Family Talk in Irland.
Anmerkungen aus dem Original
Interessenkonflikte: Die Verfassenden erklären, dass keine Interessenkonflikte bestehen.
Danksagung. Die Verfassenden danken allen Organisationen, die bei der Rekrutierung der Teilnehmenden geholfen haben, sowie allen Fachkräften, die sich zur Teilnahme an dieser Studie bereit erklärt haben. Wir danken außerdem Denis Lacerte, Berater am Centre de Recherche Universitaire pour les Jeunes et les Familles (CRUJeF), für seine Beratung und Unterstützung in statistischen Fragen.
Finanzierung. GP erhielt Fördermittel vom Social Sciences and Humanities Research Council of Canada (SSHRC) (Nr. 435–2020–1092). GP erhielt außerdem finanzielle Unterstützung vom Réseau de Recherche en Santé des Populations du Québec (RRSPQ). Die Geldgeber hatten keinen Einfluss auf Studiendesign, Datenerhebung, Datenanalyse, Dateninterpretation oder das Verfassen des Manuskripts.
Literatur
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Inoffizielle Übersetzung von Exploring psychiatrists’ perspectives on supporting parents with mental health Challenges: A mixed-methods study von Mireille Jasmin, Geneviève Piché, Aude Villatte, Andrea Reupert, Marie-Ève Clément, Anne Dorothee Müller, Marianne Fournier-Marceau, Darryl Maybery, Marie-Hélène Morin und Stéphane Richard-Devantoy, PLOS ONE, Bd. 21, Nr. 2, e0342923 (2026), doi: 10.1371/journal.pone.0342923, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzung und Satz: Complexe Systémique, Oktober 2026, mit Unterstützung künstlicher Intelligenz; das Werk wurde im Sinne der Lizenz bearbeitet (Übersetzung ins Deutsche, Tabellen als Listen wiedergegeben). Weder die Verfassenden noch der Verlag sind für diese Übersetzung verantwortlich; maßgeblich ist die Originalfassung.
Der Originalartikel „Exploring psychiatrists’ perspectives on supporting parents with mental health Challenges: A mixed-methods study“ ist in PLOS ONE (2026) unter der Lizenz CC BY 4.0 erschienen. Diese Fassung ist eine inoffizielle deutsche Übersetzung von Complexe Systémique, erstellt mit Unterstützung künstlicher Intelligenz, wie zu Beginn dieser Seite angegeben; maßgeblich ist die Originalfassung.
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Jasmin, M., Piché, G., Villatte, A., Reupert, A., Clément, M.-È., Müller, A. D., Fournier-Marceau, M., Maybery, D., Morin, M.-H., et Richard-Devantoy, S. (2026). Exploring psychiatrists’ perspectives on supporting parents with mental health Challenges: A mixed-methods study. Complexe Systémique. https://app.complexe-systemique.com/en_GB/articles/exploring-psychiatrists-perspectives-on-supporting-parents-with-mental-health-challenges (Originalwerk 2026 in PLOS ONE, 21(2), e0342923 (2026), erschienen; 2026 von PLOS ONE neu veröffentlicht, https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0342923)
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