KI-gestützte Übersetzung

Diese Fassung wurde von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz aus dem Englischen übersetzt. Im Zweifelsfall ist die Originalfassung maßgeblich.

Child & Family Social Work · Soziale Arbeit

Strategien zur Stärkung der Beteiligung von Vätern an Kinderschutzabklärungen wegen Partnerschaftsgewalt in Schweden

In Schweden betrifft fast jede fünfte Meldung an den Kinderschutz häusliche Gewalt, und das Gesetz verpflichtet die Sozialdienste inzwischen, gewaltausübenden Personen bei der Veränderung zu helfen. Wie kann eine Fachkraft der Sozialen Arbeit die Mitwirkung eines Vaters gewinnen, der der Gewalt verdächtigt wird, ohne zu verharmlosen, was er getan hat? Das Team um Maria Grönte hat 15 Fachkräfte durch 12 Abklärungen begleitet: zuerst eine Bindung aufbauen, dann die Gewalt ansprechen – mit dem realen Risiko, sie wegzuverhandeln.

Verfassende Maria Grönte und Lars Plantin (School of Social Work, Malmö University); Tina Mattsson (School of Social Work, Lund University), SchwedenErstveröffentlichung Child & Family Social Work, 28. Dezember 2023Übersetzung Complexe Systémique, inoffizielle KI-gestützte Übersetzung

Inoffizielle deutsche Übersetzung von Strategies to increase fathers' engagement in child protection investigations due to domestic partner abuse in Sweden von Maria Grönte, Tina Mattsson und Lars Plantin, erschienen in Child & Family Social Work (Wiley) (2024), doi: 10.1111/cfs.13126, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique im Oktober 2026 mit Unterstützung künstlicher Intelligenz: Der Originaltext wurde ins Deutsche übersetzt und neu gesetzt, was eine Bearbeitung des Werks im Sinne der Lizenz darstellt. Die Tabelle wird als Liste wiedergegeben. Diese Übersetzung stammt weder von den Verfassenden noch vom Verlag, die weder für ihren Inhalt noch für etwaige Fehler verantwortlich sind. Maßgeblich ist die Originalfassung.

Oberste Priorität der Behörde ist die Sicherheit der Kinder, und darüber wird nicht verhandelt.

Maria Grönte, Tina Mattsson und Lars Plantin

Abstract

Fachkräften der Sozialen Arbeit gelingt es oft nicht, Väter in Kinderschutzabklärungen (KSA) einzubeziehen, insbesondere wenn es um häusliche Gewalt durch den Vater geht. Ziel dieser Studie ist es, die Strategien zu untersuchen, mit denen Fachkräfte der Sozialen Arbeit in KSA, in denen der Vater verdächtigt wird, häusliche Gewalt gegen die Mutter des Kindes ausgeübt zu haben, die Mitwirkung der Väter erreichen. Mit qualitativen Methoden führten wir 31 halbstrukturierte Interviews mit 15 Fachkräften während ihrer Arbeit an 12 KSA-Fällen. Mittels thematischer Analyse wurden zwei Hauptstrategien zur Erreichung von Mitwirkung herausgearbeitet: (1) Eine erste Bindung sichern, was das Abbauen von Spannungen im KSA-Verfahren und das Bestärken des Vaters umfasste; (2) Die Bindung aufrechterhalten und zugleich das gewalttätige Verhalten des Vaters ansprechen, was das Verhandeln mit den Vätern über die häusliche Gewalt umfasste sowie die Unterstützung dabei, ihre Perspektive zu wechseln und zu sehen, wie sich ihr Verhalten auf die Betroffenen ausgewirkt hat. Die Analyse stützt sich auf den theoretischen Rahmen von Scham, Schuld und sozialen Bindungen. Es besteht jedoch das Risiko, dass diese Strategien dazu führen, dass die häusliche Gewalt verharmlost oder übersehen wird. Eine Balance zwischen dem Aufbau einer Bindung und der Thematisierung der Gewalt ist entscheidend, und der Zeitpunkt, zu dem die häusliche Gewalt angesprochen wird, spielt eine zentrale Rolle.

1 EINLEITUNG

Häusliche Gewalt ist ein schwerwiegendes und weltweites soziales Problem (Devries et al., 2013; Dufort et al., 2015; World Health Organization, 2014). Internationale Studien zeigen, dass Männer für den Großteil und die schwersten Formen häuslicher Gewalt verantwortlich sind, die sich vor allem gegen Frauen richtet (Devries et al., 2013; World Health Organization, 2021). Viele dieser Männer sind Väter, und die Betroffenen sind Mütter und Kinder (Gavell Frenzel, 2014). In Schweden haben die Sozialdienste den Auftrag, diese Väter abzuklären, einzuschätzen und ihnen Interventionen anzubieten (HSLF-FS, 2022, p. 39). Fast ein Fünftel der Meldungen an den schwedischen Kinderschutz betrifft häusliche Gewalt (Socialstyrelsen, 2022). Seit 2021 sind die Sozialdienste verpflichtet, dafür zu sorgen, dass Personen, die häusliche Gewalt ausgeübt haben, ihr Verhalten ändern (SFS, 2001, p. 453). Ihnen sollen auf der Grundlage einer Kinderschutzabklärung (KSA) Interventionen angeboten werden (HSLF-FS, 2022, p. 39). Dies markiert eine Verschiebung hin zu einer stärkeren Betonung der Verantwortung der Sozialdienste für die Präventionsarbeit mit Personen, die häusliche Gewalt ausüben.

Das schwedische Kinder- und Jugendhilfesystem beruht auf einem familienorientierten Dienstleistungsmodell (Family Service Model), das Freiwilligkeit, Zusammenarbeit und Unterstützung der Familie betont (Gilbert, 2012); deshalb ist es entscheidend, Väter zur freiwilligen Mitwirkung an KSA zu motivieren. Häusliche Gewalt im Rahmen von KSA abzuklären ist für Fachkräfte der Sozialen Arbeit jedoch eine komplexe Aufgabe, weil die Darstellungen des Geschehens zwischen den Familienmitgliedern oft auseinandergehen. Männer, die Gewalt in der Partnerschaft ausgeübt haben, deuten ihre Handlungen selten als Gewalt (Boethius, 2015; Gottzén, 2012), und mehrere Studien haben gezeigt, dass häusliche Gewalt in KSA tendenziell umgedeutet und übersehen wird (Heimer et al., 2018; Mattsson, 2017). Dem Kinderschutz gelingt es oft nicht, Väter in die Abklärungen einzubeziehen, insbesondere wenn sie häusliche Gewalt ausgeübt haben (Brandon et al., 2019; Campbell et al., 2015; Featherstone & Peckover, 2007; Scourfield, 2006). Die Forschung zeigt, dass sich KSA bei häuslicher Gewalt oft auf die Fähigkeit der Mutter richten, die Kinder zu schützen, statt auf das gewalttätige Verhalten des Vaters (Beth & Stefan de, 2019; Boethius, 2015; Eriksson, 2003; Mattsson, 2017; Scott & Crooks, 2006; Strega et al., 2008). Häusliche Gewalt zu beenden ist jedoch schwierig, wenn wir uns nur auf diejenigen konzentrieren, die sie erlitten haben, ohne uns mit denen zu befassen, die die Gewalt ausüben, und mit ihren tieferliegenden Ursachen (Hoppstadius, 2020; Scott & Crooks, 2006). Vor diesem Hintergrund stellt sich die wichtige Frage, wie der Fokus auf die Väter verlagert werden kann, damit sie stärker in KSA einbezogen werden. Diese Studie untersucht, wie Väter in der Praxis in KSA einbezogen werden. Konkret geht es darum, zu untersuchen, welche Strategien Fachkräfte der Sozialen Arbeit einsetzen, um die Mitwirkung von Vätern in KSA zu erreichen, die eingeleitet wurden, weil der Vater verdächtigt wird, häusliche Gewalt gegen die Mutter des Kindes ausgeübt zu haben. Der Begriff „Strategien“ bezeichnet die Handlungen der Fachkräfte.

1.1 Forschungsstand

Mehrere Studien haben die Schwierigkeit beleuchtet, Väter in KSA einzubeziehen (Gordon et al., 2012; Pfitzner et al., 2017; Scourfield, 2006). Daher ist es wichtig, dass Fachkräfte der Sozialen Arbeit über die nötigen Kompetenzen verfügen, um ein Arbeitsbündnis mit Vätern aufzubauen, etwa indem sie Empathie zeigen und eine nicht wertende Haltung bewahren. Schreiber et al. (2013) argumentieren, dass Fachkräfte, um Eltern in der Anfangsphase von KSA einzubeziehen, in der Lage sein müssen, die Angst der Eltern vor einer Fremdunterbringung ihrer Kinder und die Scham, als schlechte Eltern beurteilt oder etikettiert zu werden, zu überwinden. Brandon et al. (2019) betonen, wie wichtig es ist, frühzeitig Kontakt herzustellen, die Emotionen der Väter aufzufangen und sich flexibel und verlässlich zu zeigen. Scott und Crooks (2006, p. 37) vertreten die Auffassung, ein Leitprinzip in diesem Prozess solle lauten: „einladen, nicht anklagen“. Weitere Methoden, die sich als förderlich für die Beteiligung von Vätern und für ihr Arbeitsbündnis mit den Fachkräften in KSA erwiesen haben, sind ressourcenorientierte und kognitiv-behaviorale Ansätze, die die Stärken, Potenziale und Fähigkeiten der Väter erkennen oder sie motivieren können, indem sie die Diskrepanz zwischen dem, wie sie sind, und dem, wie sie sein möchten, hervorheben (Maxwell et al., 2012; Philip et al., 2019; Scourfield, 2006).

Auch die Fähigkeit, auf Schamgefühle der Klientel einzugehen, gilt als entscheidendes Mittel, um die Hindernisse zu bewältigen, die Scham in KSA erzeugt. Scham erschwert es Eltern tendenziell zu verstehen, wie Kinder von Gewalt betroffen sind, weil sie damit beschäftigt sind, die durch ihre eigene Scham ausgelösten Gefühle zu bewältigen. Ein schamsensibler Ansatz, der darin besteht, Scham zu erkennen und angemessen auf sie zu reagieren, um ihre möglichen negativen Auswirkungen abzumildern, spielt eine entscheidende Rolle bei der Überwindung dieser Hindernisse (Dolezal & Gibson, 2022). In der Forschung wird für schamreduzierende Praktiken (Gibson, 2015; Salter & Hall, 2022; Walker, 2011) sowie für würdeverleihende Praktiken (Dolezal & Gibson, 2022; Salter & Hall, 2022) plädiert, durch die Eltern in ihrer Beziehung zu den Fachkräften Vertrauen und Sicherheit empfinden können. Ziel ist, dass Eltern erkennen, wie ihr Verhalten die Entwicklung ihres Kindes beeinflusst, ohne sich wertlos zu fühlen (Gibson, 2015; Walker, 2011). Die Forschung hat zudem gezeigt, dass Männer, die Gewalt in der Partnerschaft ausgeübt haben, oft nicht bereit sind, sich selbst als Gewalttäter zu sehen, und ihre Handlungen häufig rationalisieren, verharmlosen, umdeuten, rechtfertigen oder entschuldigen. Die zugrunde liegende Annahme lautet, dass diese Männer, wenn sie unter Beobachtung stehen, akzeptable Darstellungen liefern müssen, in denen sie die Gewalthandlungen erklären und zugleich versuchen, sich als moralisch anständig darzustellen. Im Kern geht es darum, dass die Männer erkennen, dass ihre Gewalthandlungen moralisch inakzeptabel sind, was zu der Befürchtung führt, wie andere sie wahrnehmen werden (Anderson & Umberson, 2001; Boethius, 2015; Gottzén, 2017; Hearn, 1998). Väter mit gewalttätigem Verhalten zur Veränderung zu motivieren, ist daher nicht einfach. Die Interventionsforschung zeigt, dass Methoden, die Vätern helfen, über ihr gewalttätiges Verhalten und dessen Folgen für das Wohlergehen des Kindes nachzudenken, genutzt werden können, um ihre Motivation zu fördern, von Gewalt abzulassen (Bourassa et al., 2017; Broady et al., 2017; Hester & Newman, 2020; Humphreys et al., 2019; Stanley et al., 2012).

1.2 Theoretischer Rahmen

Hauptaufgabe der Sozialdienste ist es, Menschen dabei zu helfen, ihr Verhalten zu ändern, um eine bessere und wünschenswertere soziale Situation herbeizuführen. In diesem Sinne lässt sich die Praxis der Sozialen Arbeit als moralische Arbeit verstehen, weil sie eine Dimension umfasst, in der der moralische Wert der Klientel kategorisiert und beurteilt wird (Hasenfeld, 1999). Die Arbeit an KSA, die wegen häuslicher Gewalt eines Vaters eingeleitet wurden, ist ein Beispiel dafür. Wenn Fachkräfte die Erziehungsfähigkeit des Vaters abklären und einschätzen, wird deutlich, dass Gewalt eine sozial unerwünschte Handlung ist, der sie entgegentreten und die sie bekämpfen sollen. Zugleich kann die moralische Dimension die Aufgabe erschweren, mit dem Vater eine schamreduzierende zwischenmenschliche Beziehung aufzubauen.

Nach Scheff und Retzinger (2001) bewegen sich zwischenmenschliche Beziehungen auf einem Kontinuum zwischen sicheren und bedrohten sozialen Bindungen. Beide Arten von Bindung sind eng mit den Emotionen Scham oder Stolz verflochten. Ist die Bindung sicher, entsteht Stolz. Ist die Bindung bedroht, entsteht Scham. Der Zustand der sozialen Bindung bestimmt sich durch den Grad der Abstimmung zwischen Personen, in Form von gegenseitigem Verstehen und gegenseitiger Anerkennung. „Ein hohes Maß an Kooperation beruht auf wirksamen Kommunikationsmustern, die von Abstimmung und Stolz abhängen“ (Scheff & Retzinger, 2001, p. 38). Soziale Bindungen verändern sich ständig und werden in jeder sozialen Situation auf die Probe gestellt: Sie werden abwechselnd bedroht, repariert, wiederaufgebaut, bewahrt oder beschädigt und sind fortwährend gefährdet (Scheff & Retzinger, 2001). Scham umfasst eine Familie von Emotionen mit vielen Varianten wie Verlegenheit, Schuld und Demütigung (Scheff, 2003b). In mehreren Forschungsarbeiten wird zwischen Scham- und Schuldgefühlen unterschieden und angenommen, dass sich Schuld auf das bezieht, was man getan hat, Scham hingegen auf das, was man ist. Schuld gilt als „auf andere gerichtete“ Emotion und ist mit der Fähigkeit verbunden, die Perspektive der durch ein bestimmtes Verhalten geschädigten Person einzunehmen (Leith & Baumeister, 1998; Tangney, 1995). Schuld wirkt in zwischenmenschlichen Beziehungen konstruktiv, indem sie auf eine Verhaltensänderung hinweist, während Scham selbstbezogen wirkt (Tangney, 1995).

Wenn Fachkräfte eine Beziehung zu einem Vater aufbauen, der der Gewalt verdächtigt wird, ist es daher wichtig, dass sie verstehen, dass Scham und Stolz soziale Emotionen sind, die davon abhängen, ob der Vater – zu Recht oder zu Unrecht – wahrnimmt, dass er in der Begegnung wertgeschätzt wird. Scham begleitet die Begegnung mit den Fachkräften oft automatisch, weil der Vater beschuldigt wird, gewalttätig zu sein und moralische Grenzen überschritten zu haben. Scham macht den Menschen befangen und signalisiert eine Bedrohung der sozialen Zugehörigkeit. Scham besteht oft auf einer unbewussten Ebene und wird selten anerkannt (Scheff, 2003b). Scheff (2003a) argumentiert, dass Männer häufig dazu neigen, Schwächegefühle zu unterdrücken, und Scham selten direkt ausdrücken. Fachkräfte müssen sich daher ihrer moralischen Arbeit bewusst sein und sie zugleich gegen das Erleben von Stolz und Scham des Vaters abwägen (Scheff & Retzinger, 2001). Diese Überlegungen bieten eine Grundlage, um zu verstehen, worauf Fachkräfte stoßen, wenn sie Vätern begegnen, warum es schwierig ist, sie zu erreichen, und was Fachkräfte tun können, um sie einzubeziehen.

2 METHODE

Es handelt sich um eine qualitative Studie auf der Grundlage von 31 halbstrukturierten Interviews mit 15 Fachkräften der Sozialen Arbeit, die während ihrer Arbeit an 12 KSA geführt wurden. Alle Interviews wurden von der an erster Stelle genannten Person des Forschungsteams geführt. Die Untersuchung wurde 2020–2021 in zwei mittelgroßen schwedischen Kommunen durchgeführt, die als Kommune A und Kommune B bezeichnet werden.

Für die Studie wurden Personen in Leitungspositionen der kommunalen Sozialdienste kontaktiert. In den beiden Kommunen, in denen die zuständigen Leitungen Interesse zeigten, wurde die Studie den dort tätigen Fachkräften vorgestellt. Fachkräfte, die teilnehmen wollten, nahmen Kontakt mit der an erster Stelle genannten Person des Forschungsteams auf, und Interviewtermine wurden vereinbart, sobald die Teilnehmenden mit der Arbeit an einem Fall begannen, der die Auswahlkriterien der Studie erfüllte: Fälle, die wegen mutmaßlicher Gewalt des Vaters gegen die Mutter des Kindes eingeleitet worden waren und Kinder im Alter von 0–12 Jahren betrafen. Ursprünglich war geplant, die Interviews in den Büros der Fachkräfte zu führen. Wegen der COVID-19-Pandemie und der Empfehlungen zur sozialen Distanzierung wurden jedoch alle Interviews außer den ersten beiden per Videoverbindung geführt.

Die Befragten erhielten mündliche und schriftliche Informationen über die Studie, unter anderem darüber, dass die Teilnahme freiwillig war, wie die Daten gespeichert und verarbeitet würden und dass alle Namen anonymisiert und durch fiktive Namen ersetzt würden. Von allen Befragten wurde eine mündliche Einwilligung eingeholt. Das Projekt wurde von der schwedischen Ethikprüfungsbehörde genehmigt (Ref/dnr 2020-03487).

Um die Praxis der Fachkräfte genau zu verfolgen, beruhte das Design auf einer dreistufigen Interviewreihe: ein Interview zu Beginn, eines in der Mitte und eines am Ende des Abklärungsprozesses. Die Interviews erstreckten sich für jeden begleiteten Fall über einen Zeitraum von etwa 4 Monaten. Die Interviewstruktur blieb jedoch flexibel, je nach den Befragten und ihren Möglichkeiten zur Teilnahme, sodass einige Interviewreihen aus zwei statt drei Interviews bestanden. Verwendet wurden halbstrukturierte Interviewleitfäden, die sich mit den Vorgehensweisen der Teilnehmenden und ihren Überlegungen zur Arbeit mit den Vätern befassten. Die Interviews dauerten 25–53 min.

Für jeden Fall waren zwei Fachkräfte zuständig. In Kommune A nahmen oft beide Fachkräfte an den Interviews teil, während in Kommune B häufig nur eine Fachkraft anwesend war. Dies lässt sich auf Unterschiede in der organisatorischen und personellen Stabilität der beiden Kommunen zurückführen. In Kommune B gab es eine hohe Personalfluktuation, die Kommune durchlief umfangreiche Umstrukturierungen, und die Fachkräfte hatten eine hohe Arbeitsbelastung. Das machte es schwieriger, in Kommune B Interviews mit den Fachkräften zu bekommen als in Kommune A. Dreizehn Teilnehmende waren Frauen, zwei waren Männer, im Alter von 26 bis 48 Jahren. Alle Teilnehmenden hatten einen Bachelorabschluss in Sozialer Arbeit. Vier hatten ihren Abschluss in den vorangegangenen 0–4 Jahren erworben, sieben vor 5–8 Jahren und vier vor neun oder mehr Jahren (Tabelle 1).

Tabelle 1 — Die Tabelle zeigt die Anzahl der KSA-Fälle, der Befragten und der Interviews je Kommune.

  • Kommune: A; Begleitete Fälle: 7; Interviews: 19; Befragte: 10
  • Kommune: B; Begleitete Fälle: 5; Interviews: 12; Befragte: 5
  • Kommune: Gesamt:; Begleitete Fälle: 12; Interviews: 31; Befragte: 15

Abkürzung: KSA, Kinderschutzabklärung.

2.1 Die Fälle

Die Fälle waren dem Kinderschutz von der Polizei, dem Gesundheitswesen, aus der Bevölkerung oder von einer anderen Stelle der Sozialdienste gemeldet worden. In zwei Fällen hatten sich die Mütter selbst an die Sozialdienste gewandt. Die Gewalt reichte von Würgen, versuchter Vergewaltigung, Stoßen, Faustschlägen, Tritten und Morddrohungen bis zu anhaltender verbaler Gewalt, Kontrolle über die finanziellen Mittel und Isolation vom sozialen Leben. Die Häufigkeit der häuslichen Gewalt reichte von Einzelvorfällen bis zu systematischen Handlungen. Insgesamt waren 19 Kinder von den Fällen betroffen. Sieben der 12 Mütter gaben an, Gewalt erlitten zu haben; die übrigen erklärten, es habe keine Gewalt gegeben. Drei der 12 Väter räumten Gewalt gegen die Mütter ein. Die KSA führten zu keinen Zwangsmaßnahmen der Sozialdienste. Interventionen wurden auf freiwilliger Basis angeboten. Die vier Väter, die Interventionen zur Verhinderung ihres gewalttätigen Verhaltens zustimmten, lebten mit den Müttern zusammen, gegen die sie gewalttätig gewesen waren, und wollten die Beziehung fortsetzen. Väter, die die Vorfälle als Konflikte und nicht als Gewalt definierten, lebten entweder nicht mit den Müttern zusammen, die angaben, Gewalt erlitten zu haben, oder, falls sie zusammenlebten, bestritten beide Seiten, dass es Gewalt gegeben habe. Die meisten Väter der Studie waren erwerbstätig oder studierten. Alle Väter bis auf einen hatten einen nicht schwedischen ethnischen Hintergrund.

2.2 Datenanalyse

Die Daten wurden mittels thematischer Analyse in Anlehnung an Braun und Clarke (2006) ausgewertet. Die Methode ist systematisch und flexibel und besteht aus mehreren Schritten (ibid.). Das empirische Material wurde manuell in Codes, Themen und Unterthemen geordnet, um Bedeutungsmuster in den Daten im Hinblick auf das Ziel der Studie zu erkennen (ibid.). Im ersten Analyseschritt wurden alle Interviews als Audiodatei aufgezeichnet und wörtlich transkribiert. Die Transkripte wurden wiederholt gelesen, und bedeutsame Sätze und Absätze wurden markiert. Im zweiten Schritt wurden die Daten geordnet und mit verschiedenen Codes versehen. Die Codes wurden bearbeitet und schrittweise zu zwei Hauptthemen zusammengeführt: sicherheitsstiftende Strategien, die in der Beziehung ein Gefühl emotionaler Sicherheit schaffen sollen, und Strategien, um häusliche Gewalt besprechbar zu machen. Innerhalb dieser Themen wurden verschiedene Unterthemen entwickelt. Die Themen leiteten die Suche nach Theorien, und die Hauptthemen wurden anschließend im Einklang mit der Theorie umbenannt. Die Befunde wurden von den Verfassenden während des gesamten Analyseprozesses diskutiert.

Die thematische Analyse wurde den beteiligten Sozialdiensten vorgestellt, die Gelegenheit erhielten, sich zur Interpretation der empirischen Daten zu äußern. Die Fachkräfte bestätigten, dass sie sich in den herausgearbeiteten Themen wiedererkannten.

2.3 Grenzen der Studie

Diese Studie ist eine lokale qualitative Studie mit einer kleinen Zahl von Fällen und Fachkräften, was ihre Verallgemeinerbarkeit einschränken kann. Die Studie konzentriert sich auf die zwischenmenschliche Ebene, auf der die Mitwirkung von Vätern erreicht werden kann; aber auch andere Ebenen sind relevant und müssen in dieser Arbeit berücksichtigt werden. Zudem richtet sich der Fokus des Artikels auf die Beschreibungen der Fachkräfte von ihren Strategien gegenüber den Vätern und nicht darauf, wie die Väter diese Strategien erleben. Das Erleben der Väter in ihren Interaktionen mit den Fachkräften wird Gegenstand einer weiteren Studie dieses Forschungsprojekts sein.

3 ERGEBNISSE

Die Ergebnisse werden im Folgenden anhand der beiden Hauptstrategien dargestellt, die sich aus der Analyse ergaben: Eine erste Bindung sichern und Die Bindung aufrechterhalten und zugleich das gewalttätige Verhalten des Vaters ansprechen.

3.1 Eine erste Bindung sichern

In den Interviews sprachen die Fachkräfte oft über ihre schwierige Rolle in der Abklärungsarbeit, in der sie alle Beteiligten sowohl abklären als auch unterstützen sollen. Sie berichteten, dass Eltern oft wegen des Kontakts mit den Sozialdiensten besorgt sind, weil sie nicht wissen, welche Folgen er haben kann. Häufig besteht die Angst, dass der Kinderschutz die Kinder in Obhut nimmt, wenn er von der häuslichen Gewalt erfährt. Das zeigt sich besonders deutlich im Kontakt der Fachkräfte mit den Vätern. Dieser geht selten von den Vätern selbst aus, sondern kommt vielmehr zustande, weil die Väter der Partnerschaftsgewalt verdächtigt werden. Das kann die Väter beunruhigen und ihre Bereitschaft zur Mitwirkung mindern, womit die Fachkräfte umgehen müssen.

3.1.1 Spannungen im KSA-Verfahren abbauen

Ein wiederkehrendes Thema in den Interviews war, dass die Fachkräfte beschrieben, wie sie es vermieden, in der Beziehung zu den Vätern „hart“ und „konfrontativ“ aufzutreten, und stattdessen versuchten, die Väter zu entspannen, indem sie „freundlich“ und „angenehm“ waren. Sie berichteten auch, dass sie oft betonten, im Hinblick auf das Geschehene nicht Partei zwischen Vater und Mutter zu ergreifen.

Ines: Es gibt immer so eine Art Balance, wie freundlich man sein soll. […]. Ich finde, wir waren ziemlich flexibel mit den Eltern…

Stina: Vor allem mit dem Vater.

Ines: Ja, respektvoll auch gegenüber seiner Sichtweise und seinem Erleben, um differenzieren zu können… Von der Schule bekommen wir eine andere Sicht. Von der Mutter auch eine andere Sicht, und das, na ja, dass wir uns auf niemandes Seite stellen. Aber wir bekommen verschiedene Sichtweisen darauf, und dann versuchen wir, eine Art Mittelweg zu finden, oder dass die Wahrheit irgendwo dazwischen liegt (Fall A7).

Eine weitere Möglichkeit, Spannungen abzubauen, bestand darin, den Vater konsequent über das KSA-Verfahren und seinen Zweck zu informieren und die helfende und unterstützende Rolle der Fachkräfte hervorzuheben.

Britt: Wir haben versucht, ihn zu beruhigen und ihm zu erklären, dass es uns in diesem Fall darum geht, Unterstützung anzubieten, und um nichts anderes. Dass wir in keiner Weise bedrohlich sind (Fall A6).

Die Unterstützung zu betonen und klarzustellen, dass es nicht um „etwas anderes“ ging, lässt sich als Signal an den Vater verstehen, dass er sich keine Sorgen über negative Folgen des Kontakts mit den Fachkräften machen müsse. Eine weitere befragte Person präzisierte, was es bedeutete, das „Bedrohliche“ der Begegnung zu verringern.

Ines: Wir haben immer wieder über unseren Auftrag gesprochen. Dass wir nicht hier sind, um ihm seinen Sohn wegzunehmen. Am Anfang hatte er wahrscheinlich Angst, dass er seinen Sohn nicht mehr sehen dürfte oder dass ihm seine Elternschaft abgesprochen würde und dass seine Frau ihn verlassen würde (Fall A7).

Auftrag der Fachkräfte ist es, die Gewalthandlungen des Vaters zu erfassen und seine Erziehungsfähigkeit sowie den Interventionsbedarf einzuschätzen, was zwangsläufig eine moralische Beurteilung der Väter einschließt. Brandon et al. (2019) haben betont, wie wichtig es ist, Vätern in den frühen Phasen der Abklärung zunächst unterstützend zu begegnen, um konstruktive Arbeitsbeziehungen aufzubauen, die die gesamte Abklärung über tragen. In diesem Sinne stellten Schreiber et al. (2013) fest, dass eine Möglichkeit, Scham zu verringern und Eltern in der Anfangsphase einzubeziehen, darin besteht, das Verfahren zu erklären und emotionale Unterstützung zu bieten. In KSA, in denen es um häusliche Gewalt geht, ist dies besonders schwierig, weil Gewalthandlungen moralisch inakzeptabel und stark mit Scham verbunden sind, was oft dazu führt, dass es Personen, die Gewalt ausgeübt haben, schwerfällt, über ihre Handlungen zu sprechen und Verantwortung dafür zu übernehmen (Boethius, 2015; Campbell et al., 2010; Gottzén, 2017; Hydén, 1995). Die Strategien der Fachkräfte zum Abbau von Spannungen, die anfangs darauf abzielten, dem Vater verständlich zu machen, dass der Kinderschutz da war, um ihn und die Familie zu unterstützen, lassen sich vor diesem Hintergrund als Mittel verstehen, die moralische Dimension in den Interaktionen mit dem Vater herunterzuspielen. Auf diese Weise können sie beginnen, eine sichere Bindung aufzubauen, in der Scham aufgefangen oder verringert wird und Bedrohungen der Beziehung minimiert werden (Scheff & Retzinger, 2001).

3.1.2 Den Vater bestärken

Bestärkung ist die zweite Strategie zum Aufbau einer sicheren Bindung. Mehrere Fachkräfte verwendeten den Begriff Bestärkung im Zusammenhang damit, dass sie die Väter nach ihrer Darstellung dessen fragten, was in der Familie geschehen war.

Annika: Ich glaube, zur Bestärkung gehört, zu zeigen, dass man ihnen zugehört hat, wiedergeben zu können, was sie gesagt haben, und sicherzustellen, dass man es richtig verstanden hat. Ich habe ihm gesagt, dass er mutig ist, dass die Dinge, über die wir sprechen, schwierig sind und dass es bewundernswert ist, dass er sie in Worte fasst (Fall A4).

Edina beschrieb Bestärkung auf ähnliche Weise und auch, wie sie beim Vater eine positive Reaktion ausgelöst hatte:

Edina: Ich möchte deine Sicht hören, das ist deine Chance. Ich möchte dir ehrlich die Möglichkeit geben, deine Seite der Geschichte zu erzählen, bitte schön. Er sagte, es tut gut, dass du mir zuhörst. Ich kann sagen, dass es guttut (Fall B2).

Neben dem Zuhören und dem Versuch, die Väter zu verstehen, setzten die Fachkräfte auch Lob ein, um sie zu ermutigen, über die Gewalt zu sprechen. Lob wurde zu einem Weg, eine sichere Bindung zu schaffen und die Scham beiseitezuschieben. Es bestand darin, die Väter zu loben, wenn sie über die Gewalt sprachen oder ihre Gefühle beschrieben oder wenn sie positive Seiten ihrer Elternschaft schilderten.

Elin: …das [Loben] hilft meistens sehr, denn wenn man anerkennt, dass etwas, was sie tun, gut ist, egal wie die Situation aussieht – sie haben ein wunderbares Kind in die Welt gesetzt, und man sieht, dass da viel Liebe und Geborgenheit ist und so weiter (Fall A3).

Für ihre Elternschaft und ihre Gefühle gegenüber den Kindern gelobt zu werden, dafür, Teil eines Zusammenhangs zu sein, und zudem in ihrer Rolle als Väter bestärkt zu werden, was auch immer geschieht, sollte zu einem Gefühl von Würde und Selbstachtung beitragen – selbst in einem Kontext, in dem Scham ständig an die Oberfläche zu drängen drohte.

Die Bestärkung durch die Fachkräfte bedeutete also, ihre Bereitschaft zu vermitteln, die Geschichte des Vaters anzuhören und zu versuchen, ihn zu verstehen, ohne ihn infrage zu stellen. Sie umfasste auch, den Vater zu loben, wenn er Mut zeigte, über Gewalt zu sprechen, oder wenn positive Seiten seiner Vaterschaft sichtbar wurden. Auch andere Forschungsarbeiten haben betont, wie wichtig es ist, in KSA eine respektvolle und empathische Beziehung zu Vätern aufzubauen, was gelingen kann, indem man anfangs auf Urteile oder Infragestellungen verzichtet und die Stärken und Fähigkeiten des Vaters hervorhebt (Brandon et al., 2019; Maxwell et al., 2012; Philip et al., 2019; Scott & Crooks, 2006; Scourfield, 2006; Zanoni et al., 2013). Diese Strategie entspricht den Prinzipien der schamsensiblen und würdeverleihenden Praktiken, für die Dolezal und Gibson (2022) eintreten und in denen Beziehungen auf Würde, Respekt, Empathie und Vertrauen beruhen, um ein Gefühl emotionaler Sicherheit zu schaffen. Dies kann Klientinnen und Klienten helfen, sich wohl dabei zu fühlen, ohne Angst vor Verurteilung über ihre Erfahrungen zu sprechen. Ebenso haben Scheff und Retzinger (2001) festgestellt, dass der Grad der Kooperation zwischen Menschen unter anderem vom Maß an Verstehen und Anerkennung abhängt. Der Einsatz von Bestärkungsstrategien durch die Fachkräfte lässt sich als Weg verstehen, die Mitwirkung des Vaters zu fördern. Durch Bestärkung und gezeigtes Verständnis wird dem Vater versichert, dass er trotz der Meldungen über eine moralisch fragwürdige Gewalt von den Fachkräften positiv wertgeschätzt wird. Das trägt dazu bei, die sichere Bindung herzustellen, und legt den Grundstein für die Mitwirkung des Vaters.

3.2 Die Bindung aufrechterhalten und zugleich das gewalttätige Verhalten des Vaters ansprechen

Die zweite Hauptstrategie der Fachkräfte, um die Mitwirkung des Vaters zu erreichen, bestand darin, häusliche Gewalt besprechbar zu machen, ohne die aufgebaute sichere Bindung zu verlieren. Mehrere Fachkräfte vertraten die Ansicht, dass das Gespür dafür, wann und wie sie das Thema Gewalt ansprechen konnten, eine heikle Gratwanderung erforderte. Über häusliche Gewalt zu sprechen, stellt eine erhebliche Herausforderung dar, weil es Schamgefühle wecken und die Bindung bedrohen kann. Um Bindung und Mitwirkung aufrechtzuerhalten und zugleich die Gewalt anzusprechen, verhandelten die Fachkräfte mit den Vätern über die häusliche Gewalt und versuchten, sie die Gewalt aus der Perspektive der Betroffenen sehen zu lassen, also einen Perspektivwechsel herbeizuführen.

3.2.1 Die Benennung häuslicher Gewalt aushandeln

Bei den Verhandlungsstrategien versuchten die Fachkräfte, mit dem Vater eine gemeinsame Sprache dafür zu finden, wie die Gewalt benannt werden konnte. Ausgangspunkt waren das Erleben und die Schilderungen der Gewaltvorfälle durch die Mutter und das Kind. Davon ausgehend erkundeten die Fachkräfte, was die Väter akzeptieren und mittragen konnten, ohne dass die Zusammenarbeit abbrach. Eine in den Interviews wiederkehrende Beschreibung betraf die Verwendung anderer Wörter als „häusliche Gewalt“ in den Gesprächen mit den Vätern. Einige Fachkräfte verwendeten Begriffe wie „Meinungsverschiedenheit“ oder „hohes Konfliktniveau“.

Hannah: Ich versuche, nicht ständig von körperlicher Gewalt zu sprechen, sondern mich eher auf ein hohes Konfliktniveau zu konzentrieren. Das mache ich bewusst, weil man den Vater so vielleicht ein bisschen besser erreicht (Fall B4).

Dadurch werden die Handlungen der Väter als moralische Grenzüberschreitungen weniger aufgeladen. Konflikte kommen in allen Paarbeziehungen vor, während häusliche Gewalt ein eindeutiger moralischer Verstoß ist. Oft versuchten die Fachkräfte, die Worte zu verwenden, die die Väter selbst gebrauchten.

Annika: Ich versuche, die Worte zu verwenden, die sie selbst benutzen, und es besprechbar zu machen, indem ich in derselben Art weiterrede, wie sie sich ausdrücken, und den Begriff Gewalt nicht verwende (Fall A4).

Der Wortwahl des Vaters zu folgen, wurde für die Fachkräfte so zu einer Möglichkeit, sich seinem Tempo anzupassen. Dies lässt sich so verstehen, dass Gewalt besprechbar gemacht wird, auch wenn sie nicht ausdrücklich als solche benannt wird, und dass damit begonnen wird, sie anzugehen. Scham blockiert dann das Gespräch und die Beziehung nicht. In einigen Fällen, in denen Fachkräfte und Väter sich über bestimmte Aspekte der Gewaltsituation geeinigt, sie aber noch nicht als häusliche Gewalt definiert hatten, verlagerte sich der Fokus auf andere Schwierigkeiten, etwa auf das Erleben und die Deutung der Situation durch das Kind. In einem Fall erzählte ein Junge, er werde „traurig, wenn er Papa davon abhalten muss, Mama zu schlagen“; im Gespräch mit dem Vater konzentrierten sich die Fachkräfte jedoch auf die Traurigkeit des Kindes und darauf, dass die Eltern Hilfe brauchten, um ihre „lauten Streitereien“ einzudämmen, statt auf das Erleben des Kindes von der Gewalt gegen die Mutter.

Eine weitere Verhandlungsstrategie bestand darin, sich auf eine weniger schwere körperliche Gewalthandlung zu konzentrieren, die in der Meldung an den Kinderschutz beschrieben worden war.

Annika: Wir haben [mit dem Vater] nicht über die ganze Gewalt gesprochen. Jetzt geht es um die Vorfälle, die vor dem Kind passiert sind (Fall A3).

Annika beschrieb, wie sie gemeinsam mit der zweiten fallführenden Fachkraft über Situationen gesprochen hatte, in denen der Vater „die Mutter gestoßen“ hatte, als das Kind dabei war – obwohl ihnen bewusst war, dass er auch systematischere Gewalt in Form psychischer Kontrolle ausübt. Sie entschieden sich, zunächst eine leichte Form der Gewalt in den Mittelpunkt zu stellen, die zeitlich und räumlich begrenzt war. Dies wurde zum kleinsten gemeinsamen Nenner, auf den sie sich mit dem Vater einigen konnten. Mehrere andere Fachkräfte beschrieben ein ähnliches Vorgehen, bei dem mit dem Vater eine Einigung über bestimmte Aspekte der gemeldeten Gewaltvorfälle erzielt wurde. Diese Einigungen bedeuteten nicht unbedingt, dass der Vater zugab, der Mutter Gewalt angetan zu haben; er konnte aber anerkennen, dass in der Situation, die zur Meldung an den Kinderschutz geführt hatte, etwas problematisch geworden war. Eine der Fachkräfte veranschaulichte diese Art des Verhandelns an einer Abklärung, in der der Vater der Mutter zufolge eine Morddrohung gegen sie ausgesprochen hatte.

Edina: Du sagst, dass du nicht gedroht hast, und die Mama sagt, dass du ihr gedroht hast. Das Kind hat in dieser Situation im Bett gesessen und geschrien. Darüber sprecht ihr beide. Da seid ihr euch einig, und darauf möchte ich mich konzentrieren (Fall B2).

Die Fachkraft fand so eine gemeinsame Grundlage in Bezug auf die Folgen für das Kind, statt sich auf das bedrohliche Verhalten des Vaters gegenüber der Mutter zu konzentrieren. Der Vater gab an, eine „Panikattacke“ gehabt und sich verletzlich gefühlt zu haben. Die Fachkraft suchte mit dem Vater eher eine Einigung über seine psychischen Probleme als über die Gewalt. Auf diese Weise richtete sich der Fokus auf etwas weniger Beschämendes, die Erkrankung des Vaters, die die Bindung nicht in gleichem Maße bedrohte wie ein Gespräch, das sich ausschließlich um die Gewalt gedreht hätte.

Verhandeln kann auch bedeuten, die Eltern so anzusprechen, dass die Verantwortung für das gewalttätige Verhalten zwischen ihnen aufgeteilt wird. So beschrieb etwa ein Sozialarbeiter, wie er mit einem Vater gesprochen hatte, der die Mutter in einen Würgegriff genommen hatte:

Michael: Wenn ihr in so einer Beziehung bleiben wollt, müsst ihr beide Maßnahmen ergreifen, um das Risiko zu verringern, dass es wieder passiert. Was meint ihr beide, was ihr tun müsst? (Fall A5)

Michael erklärte, beide Eltern anzusprechen, sei eine Möglichkeit gewesen, mit dem Vater zu reden, um „die Scham wegzunehmen“, und sich dennoch auf „das eigentliche Problem“ zu konzentrieren. Indem er den Vorfall mit „ihr beide“ ansprach, konnte der Vater das Gefühl haben, nicht allein für die Situation verantwortlich zu sein, obwohl er allein für das gewalttätige Verhalten verantwortlich war.

Ausgehend von Scheff und Retzinger (2001) lassen sich die Verhandlungen der Fachkräfte über die häusliche Gewalt als Weg verstehen, mit dem Vater ein gemeinsames Verständnis über bestimmte Aspekte der von der Mutter oder dem Kind geschilderten Gewalt herzustellen. Auf diese Weise bleiben Mitwirkung und eine sichere Bindung erhalten. Es besteht jedoch das Risiko – wie sich in mehreren Fällen zeigte –, dass die Umformulierungen und Verhandlungen der Fachkräfte mit dem Vater gegen Ende der Abklärungen dazu führten, die häusliche Gewalt abzuschwächen und sie als weniger schwerwiegend oder gar nicht als häusliche Gewalt darzustellen. Im Sinne der Argumentation von Hasenfeld (1999) deutet dies darauf hin, dass die moralischen Wertungen der Fachkräfte von ihren Interaktionen mit dem Vater beeinflusst werden. Wenn der Vater oder die Fachkraft andere Worte wählt, um die Gewalt zu beschreiben, erscheint der Vater moralisch anständiger, was dazu führt, dass die Gewalt heruntergespielt wird. Die Verhandlungsstrategien der Fachkräfte weisen somit eine Doppelseitigkeit auf: Einerseits müssen die Fachkräfte die Gewalt weniger aufgeladen und besser besprechbar machen, andererseits besteht die Gefahr, die Gewalt zu verharmlosen und den Vater als moralisch anständiger darzustellen. Ähnliche Befunde finden sich auch in anderen Forschungsarbeiten (Anderson & Umberson, 2001; Boethius, 2015; Hearn, 1998; Hydén, 1995). So stellte etwa Gottzén (2017) fest, dass Männer, die Gewalt gegen ihre Partnerinnen ausüben, oft versuchen, sich als moralisch anständiger darzustellen, indem sie ihre Gewalthandlungen herunterspielen und rationalisieren, wenn sie mit anderen darüber sprechen. Die in diesem Abschnitt beschriebene Strategie besteht darin, sich der Gewalt über Verhandlungen mit dem Vater aus seiner Perspektive zu nähern. Die im Folgenden beschriebene Strategie besteht darin, die Perspektiven derjenigen, die der Gewalt ausgesetzt waren, in die Gespräche mit dem Vater einzubeziehen.

3.2.2 Perspektivwechsel

In einer KSA gibt es oft unterschiedliche Darstellungen der mutmaßlichen Gewalt, wie auch frühere Forschung gezeigt hat (Heimer et al., 2018; Mattsson, 2017). Perspektivwechsel bedeutet, dass die Fachkräfte in ihren Interaktionen mit den Vätern die Schilderungen der Betroffenen in den Vordergrund stellen und versuchen, den Vätern verständlich zu machen, wie das Kind und/oder die Mutter die Gewalt erlebt haben und wie sie davon betroffen sind. Um diesen Perspektivwechsel zu erleichtern, können die Fachkräfte sowohl die konkreten Erfahrungen des jeweiligen Kindes als auch Forschungsergebnisse darüber teilen, wie Kinder häusliche Gewalt erleben und von ihr betroffen sein können.

Annika: Ich glaube, es wird emotional, wenn wir die Worte des Kindes verwenden und hoffentlich eine zutreffende Beschreibung des Kindes geben können, in der der Vater es wiedererkennt (Fall A4).

Die Schilderungen der Kinder über ihre Gewalterfahrungen können Väter berühren. Das kann dazu beitragen, dass die Väter die Situation tiefer verstehen und erkennen, dass es nicht nur um ihre Beziehung zur Partnerin geht, sondern auch um ihre Beziehung zum Kind. Diese Strategie macht die Gewalt besser besprechbar, weil der Fokus auf dem Erleben des Kindes liegt und nicht auf einem Urteil über den Vater als Person. Die Strategie entspricht den Argumenten sowohl von Walker (2011) als auch von Gibson (2015) zu schamreduzierenden Strategien in der Sozialen Arbeit; das Ziel ist, dem Vater verständlich zu machen, dass seine Handlungen dem Kind zu schaden drohen und deshalb verhindert werden müssen.

Zwei weitere Fachkräfte argumentierten ähnlich:

Madelene: Wir konnten das Gespräch ausgehend von dem, was passiert war [die vom Kind geschilderte Gewaltsequenz], in eine andere Richtung lenken. Die Eltern konnten es beschreiben. Der Vater konnte bis zu einem gewissen Grad darüber nachdenken, wie es seiner Tochter damit ging, dass es nicht gut war. […]

Amanda: Der Vater konnte sich anhören, was die Tochter gesagt hatte. Sich anhören, was wir [über das Erleben der Tochter] gesagt haben, und er hat auch geäußert, dass es ihn traurig gemacht hat, sie das sagen zu hören, dass er sie verstehen will (Fall B1).

In dieser KSA hatte das Kind die Gewalt des Vaters geschildert. Die Fachkräfte hatten die Schilderung des Mädchens dann an den Vater weitergegeben. Obwohl der Vater nicht bereit war, die Situation als Gewalt zu definieren, erkannte er den Ablauf der Ereignisse an, und das Erleben seiner Tochter löste bei ihm eine emotionale Reaktion aus. Indem sie die Perspektive des Kindes vermittelten und den „guten“ Elternteil ansprachen, gelang es den Fachkräften so, die Mitwirkung des Vaters aufrechtzuerhalten und zugleich die Notwendigkeit anzusprechen, eine Wiederholung zu verhindern.

Ebenso beschrieben mehrere Fachkräfte, dass sie auch das Erleben der Mütter von der Gewalt und deren Folgen für die Paarbeziehung vermittelten:

Johanna: Es wird wichtig, zu vermitteln, was die Mutter und die Kinder beschrieben und erlebt haben, und Wege zu finden, das konstruktiv zu kommunizieren. Es ist eine Gratwanderung, ganz klar zu sagen, dass das nicht in Ordnung ist, dass sie so nicht weitermachen können. Gleichzeitig muss man Wege finden, eine Beziehung aufzubauen, sonst lässt sich keine Veränderung erreichen (Fall A4).

Michael: Ich habe versucht, ihm gegenüber ziemlich klar zu sein, was die Folgen eines solchen Verhaltens angeht. Die langfristigen und die kurzfristigen Folgen, sowohl für das Kind als auch im Hinblick darauf, dass er mit seiner Frau zusammen sein will. Es ging darum, ihm bewusst zu machen, dass seine Handlungen zu negativen Folgen führen (Fall A5).

In diesem letzten Zitat hebt die Fachkraft die negativen Folgen hervor, die die Handlungen des Vaters haben können – nicht nur für seine Beziehung zum Kind, sondern auch für seine Beziehung zur Mutter des Kindes. Die Folgen für die Mutter zu betonen, war in diesem Fall besonders wirksam, weil sie ihm ein Ultimatum gestellt hatte: Entweder hört die Gewalt auf, oder sie verlässt ihn. Auch wenn der Vater seine Handlungen nicht als Gewalt definierte, wirkte er also mit und nahm Interventionen an, die auf seine Gewalt abzielten. Dies ist ein deutliches Beispiel für Scheffs (2003a) Überlegungen dazu, wie das Streben nach Konsens bei der Beschreibung des Problems die Fortsetzung von Beziehung und Kooperation erleichtert.

Im Zentrum der Strategien, mit denen die Fachkräfte einen Perspektivwechsel beim Vater herbeizuführen versuchen, steht, ihm zu helfen, das gewalttätige Verhalten aus der Sicht der Betroffenen zu sehen, so sein Mitgefühl zu wecken und ein gemeinsames Verständnis dafür zu schaffen, wie die Betroffenen die Gewalt erlebt haben können und wie sie davon betroffen sind. Das Risiko besteht darin, dass das Bewusstwerden dieser Folgen Schamgefühle hervorruft, die die zwischen Fachkräften und Vater aufgebaute Zusammenarbeit beschädigen können. Diese Strategie wird jedoch in der Regel erst später im Gespräch mit dem Vater eingesetzt, wenn die Bindung als stabiler eingeschätzt und das Risiko von Scham als geringer wahrgenommen wird. Dennoch kann Scham auftreten, wenn der Vater sich mit den Perspektiven von Mutter und Kind auseinandersetzt. Ist die Bindung zur Fachkraft jedoch stark genug, kann sich Scham stattdessen in Schuld verwandeln, Einsicht in das eigene Handeln eröffnen und die Bindung weiter stärken. Dies kann dazu führen, dass der Vater Schuld für seine Handlungen empfindet statt Scham für das, was er ist (Leith & Baumeister, 1998; Tangney, 1995). Die anfänglichen Strategien der Fachkräfte, Scham zu vermeiden und eine sichere Bindung aufzubauen, ermöglichen es ihnen, sich später auf die Gewalt zu konzentrieren, einen Perspektivwechsel des Vaters in Bezug auf Kind und Mutter anzustreben und dem Vater zu helfen, die Folgen seines Verhaltens besser zu verstehen. Wie unsere Beschreibung der Verhandlungsstrategien gezeigt hat, bedeutet dies jedoch nicht automatisch, dass der Vater bereit ist, sein Verhalten als Gewalt zu definieren; er kann aber verstehen, dass diese Handlungen dem Kind geschadet haben und sich nicht wiederholen dürfen. Das bedeutet, dass der Vater motiviert werden kann, Verantwortung für seine Handlungen zu übernehmen. Forschung zu den Faktoren, die Väter motivieren, ihr gewalttätiges Verhalten zu ändern, hat gezeigt, dass die Betonung der Folgen für die Kinder die Motivation fördern kann, von Gewalt abzulassen und sich auf Behandlungsangebote einzulassen (Areán & Davis, 2009; Bourassa et al., 2017; Broady et al., 2017; Featherstone & Peckover, 2007; Hester & Newman, 2020; Smith & Humphreys, 2019; Stanley et al., 2012). Diese Forschung befasst sich jedoch nicht ausdrücklich damit, wie wichtig der Zeitpunkt im Gespräch ist, zu dem perspektivverändernde Strategien eingesetzt werden sollten, um die Schuld hervorzurufen, die es dem Vater ermöglicht, Einsicht in seine Handlungen zu entwickeln.

4 DISKUSSION

Ziel dieses Artikels war es, die Strategien zu untersuchen, mit denen Fachkräfte der Sozialen Arbeit die Mitwirkung von Vätern in KSA erreichen, die wegen mutmaßlicher Gewalt des Vaters gegen die Mutter des Kindes eingeleitet wurden. Die Studie identifizierte zwei übergreifende Strategien zur Erreichung von Mitwirkung: Eine erste Bindung zum Vater sichern, indem Spannungen im KSA-Verfahren abgebaut werden und der Vater als Person bestärkt wird. Die zweite übergreifende Strategie besteht darin, die Bindung aufrechtzuerhalten und zugleich das gewalttätige Verhalten des Vaters anzusprechen. Die Fachkräfte tun dies, indem sie mit dem Vater darüber verhandeln, wie die Gewalt benannt und verstanden werden kann, und indem sie versuchen, den Vater zu einem Perspektivwechsel zu bewegen, sodass er erkennt, wie die Gewalt diejenigen, die seinen Handlungen ausgesetzt waren, getroffen hat und wie sie sie erlebt haben. Die moralische Dimension der Arbeit der Fachkräfte wird zurückgenommen, und der Schwerpunkt liegt auf einer empathischen und unterstützenden Sozialen Arbeit, die es dem Vater nach Scheffs und Retzingers (2001) Theorien sozialer Bindungen ermöglicht, sich in den Augen der Fachkräfte als Person positiv wertgeschätzt zu fühlen – trotz seiner moralisch fragwürdigen Handlungen und der den KSA innewohnenden moralischen Dimension.

Die Mitwirkung des Vaters zu erreichen und zugleich sein gewalttätiges Verhalten anzusprechen, erwies sich jedoch als schwierige Gratwanderung für die Fachkräfte. Treten sie beim Sprechen über die Gewalt zu konfrontativ auf, riskieren sie, die Mitwirkung des Vaters zu verlieren und damit die Möglichkeit, ihn bei der Veränderung seines Verhaltens zu unterstützen. Durch schamreduzierende Praktiken und den Aufbau einer sicheren Bindung zum Vater wird es möglich, das gewalttätige Verhalten anzusprechen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Gewalt über eine Verhandlung mit dem Vater über eben diese Gewalt angegangen werden kann. Ähnlich legen Brandon et al. (2019) nahe, dass in KSA Verhandlungen zwischen Fachkräften und Vätern nötig sein können, um die Väter einzubeziehen.

Die Studie zeigt, dass die Perspektive des Kindes ein Schlüsselelement ist, um die Mitwirkung von Vätern zu erreichen, und einen Veränderungsprozess anstoßen kann. Dies kann geschehen, indem man den „moralisch guten“ Vater anspricht, der unmoralisch gehandelt hat, und ihm bewusst macht, wie seine Handlungen (auch wenn sie nicht als Gewalt definiert werden) vom Kind erlebt wurden und es getroffen haben. Diese Strategie lässt sich vor dem Hintergrund der Unterscheidung zwischen Schuld und Scham verstehen, wobei Erstere Schuldgefühle in Bezug auf die Handlung umfasst und nicht Scham in Bezug darauf, wer man ist. Die Strategie kann so in den Interaktionen mit Vätern als Ressource genutzt werden, um sie dazu zu bringen, sich mit ihren Handlungen auseinanderzusetzen. Auch andere Forschungsarbeiten legen nahe, dass Schuld im Gegensatz zu Scham eine konstruktive Rolle in zwischenmenschlichen Beziehungen spielen und den Weg für Verhaltensänderungen ebnen kann (Tangney, 1995). Gibson (2015) argumentiert jedoch, dass auch schuldinduzierende Praktiken Gefahr laufen, weitere Scham aufzuerlegen. Zeitpunkt und Kombination der im Kontakt mit Vätern eingesetzten Strategien sind, wie diese Studie gezeigt hat, zentral, um diese Unterscheidung zu erreichen. Zuerst muss eine sichere Bindung hergestellt werden, und selbst wenn eine solche Bindung als gegeben gilt, müssen die Strategien zum Aufbau und Erhalt dieser sicheren Bindung fortlaufend mit perspektivverändernden Strategien verwoben werden, um dem Vater zu versichern, dass er als Person positiv wertgeschätzt wird, und so zu vermeiden, ihm weitere Scham zuzufügen. Dies ist eine heikle Balance, die die Fachkräfte ständig halten müssen: zuerst Beziehungen aufbauen und dann das gewalttätige Verhalten konstruktiv ansprechen.

Zugleich bergen die Bemühungen der Fachkräfte, Mitwirkung herzustellen, die Gefahr, sie in die Rationalisierungen der Väter über häusliche Gewalt hineinzuziehen, was im Vergleich zu den Schilderungen der Betroffenen zu einer Umdeutung und Verharmlosung der Gewalt führt. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass der Einsatz von Verhandlungsstrategien den Fokus von der häuslichen Gewalt auf andere Probleme verlagern kann, wodurch die Gewalt umdefiniert und unsichtbar gemacht wird. Ähnliche Ergebnisse fanden sich in anderen Studien, etwa bei Heimer et al. (2018) und Mattsson (2017). Heimer et al. (2018) stellten fest, dass die Bemühungen der Fachkräfte, Eltern während der KSA entgegenzukommen und sie einzubeziehen, oft dazu führten, dass die ursprünglich in den Meldungen an den Kinderschutz beschriebenen Probleme umgedeutet wurden, um sie an die Art anzupassen, wie die Eltern das Problem darstellten. Dies lässt sich zum Teil als Folge des familienorientierten Dienstleistungsmodells verstehen, auf dem die schwedischen Sozialdienste beruhen und das Freiwilligkeit und Partnerschaft mit den Eltern betont. Häusliche Gewalt auf diese Weise zu verdecken, kann zu ihrer Reproduktion beitragen (Berggren et al., 2020) und birgt die Gefahr fehlgeleiteter Interventionen, was schwerwiegende Folgen für die Betroffenen häuslicher Gewalt haben kann. Die Frage ist: Wie weit können Fachkräfte Spannungen abbauen, bestärken und verhandeln, ohne das Problem der häuslichen Gewalt wegzuverhandeln? Die Fachkräfte laufen Gefahr, nicht nur das Problem zu verkleinern, sondern auch ihre eigene Verantwortung und die ihrer Organisation, darauf hinzuarbeiten, dass der Vater sein gewalttätiges Verhalten ändert (SFS, 2001, p.453). Dies wirft die Frage auf, ob eine Einigung mit dem Vater über bestimmte Aspekte der Gewalthandlungen ausreicht, wenn die Alternative darin besteht, keinerlei Einigung über die Gewalt zu erzielen – was es unmöglich zu machen droht, mit dem Vater an der Verhinderung weiterer Gewalt zu arbeiten. Daher ist es wichtig, dass Fachkräfte den Vätern deutlich machen, dass die Grundprinzipien der Sozialdienste in einer KSA auf dem Kindeswohl beruhen (SFS, 2001, p. 453). Oberste Priorität der Behörde ist die Sicherheit der Kinder, und darüber wird nicht verhandelt. Dies wiederum leitet die Formen der Zusammenarbeit, die im Rahmen einer KSA hergestellt werden müssen.

Es ist für Fachkräfte der Sozialen Arbeit eine anspruchsvolle Aufgabe, in KSA die Balance zwischen der Mitwirkung der Väter und dem Fokus auf häuslicher Gewalt zu halten. Wissen über diese Balance muss im Praxisfeld des Kinderschutzes vorhanden sein und sowohl Strategien zur Erreichung der Mitwirkung von Vätern, die der Gewalt verdächtigt werden, umfassen als auch ein Verständnis der damit verbundenen Herausforderungen und Chancen. Weitere Forschung und methodische Entwicklung sind nötig, um zu klären, wie Väter mit gewalttätigem Verhalten erreicht werden können – nicht nur in KSA, sondern auch in anschließenden Interventionen –, ohne den Fokus auf die Gewalthandlungen selbst zu verlieren.

Complexe Systémique: das Wichtigste

Die Studie nimmt einen Moment genau in den Blick, den therapeutische Fachkräfte selten sehen: die erste institutionelle Begegnung mit einem Vater, der der Gewalt verdächtigt wird. Scheffs Rahmen, in dem Scham eine bedrohte und Stolz eine sichere Bindung anzeigt, macht deutlich, warum frontale Konfrontation die Tür schließt und warum der Übergang von der Scham (was ich bin) zur Schuld (was ich getan habe) einen Raum für Verantwortung öffnet. Der fruchtbarste Hebel ist die Perspektive des Kindes, die das Gespräch vom Urteil zur Beziehung verschiebt. Doch das Forschungsteam zeigt redlich die Kehrseite: Wenn von „Konflikt“ oder „lauten Streitereien“ die Rede ist und die Last auf „euch beide“ verteilt wird, wird die Gewalt am Ende umbenannt oder gar ausgelöscht, und der Schutz fällt wieder der Mutter zu. Für die systemische Praxis ist die Lehre eine doppelte: Das Bündnis mit der gewaltausübenden Person ist ein Mittel, nie ein Zweck, und das Reframing stößt an seine ethische Grenze, wenn es Verantwortung verwässert. Die Daten beruhen allein auf den Schilderungen der Fachkräfte, ohne die Stimmen der Väter oder der Mütter. Zu lesen zusammen mit dem Interview mit Allan Wade über Würde und Gewalt und der Studie über wegen Partnerschaftsgewalt verurteilte Männer in der Türkei.

Anmerkungen aus dem Original

Danksagung. Die Verfassenden danken den Forschenden und Promovierenden der Nationalen Forschungsschule für Fachkräfte der Sozialen Arbeit (FYS) für ihre Kommentare und Rückmeldungen. Das Forschungsprojekt wurde aus dem Nationalen Programm für angewandte Wohlfahrtsforschung finanziert, das vom Schwedischen Forschungsrat für Gesundheit, Arbeitsleben und Wohlfahrt verwaltet wird.

Erklärung zu Interessenkonflikten. Es bestehen keine Interessenkonflikte.

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Inoffizielle deutsche Übersetzung von Strategies to increase fathers' engagement in child protection investigations due to domestic partner abuse in Sweden von Maria Grönte, Tina Mattsson und Lars Plantin, Child & Family Social Work, Jg. 29, Nr. 3 (2024), doi: 10.1111/cfs.13126, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzung und Satz: Complexe Systémique, Oktober 2026, mit Unterstützung künstlicher Intelligenz; das Werk wurde im Sinne der Lizenz bearbeitet (Übersetzung, Tabelle als Liste wiedergegeben). Diese Übersetzung stammt weder von den Verfassenden noch vom Verlag, die nicht für sie verantwortlich sind; maßgeblich ist die Originalfassung.

Dies ist eine inoffizielle Übersetzung des Originalartikels „Strategies to increase fathers' engagement in child protection investigations due to domestic partner abuse in Sweden“, erschienen in Child & Family Social Work (2024) unter der Lizenz CC BY 4.0. Veröffentlicht von Complexe Systémique: Der Text wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz ins Deutsche übersetzt und die Darstellung für das Lesen online angepasst, wie zu Beginn dieser Seite angegeben. Maßgeblich ist die Originalfassung.

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Grönte, M., Mattsson, T., und Plantin, L. (2024). Strategies to increase fathers' engagement in child protection investigations due to domestic partner abuse in Sweden. Complexe Systémique. https://app.complexe-systemique.com/en_GB/articles/strategies-to-increase-fathers-engagement-in-child-protection-investigations (Originalarbeit erschienen 2023 in Child & Family Social Work, 29(3), 669-678 (2024); 2024 erneut veröffentlicht von Child & Family Social Work, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/cfs.13126)

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