KI-gestützte Übersetzung

Diese Fassung wurde von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz aus dem Englischen übersetzt. Im Zweifelsfall ist die Originalfassung maßgeblich.

Journal of Marital and Family Therapy · Familientherapie

Das gelebte Erleben einer uneindeutigen Ehetrennung: eine phänomenologische Studie

Sich trennen, „um Klarheit zu gewinnen“: Der Rat kursiert in populären Medien, doch was erleben Paare, die es versuchen, tatsächlich? Sarah A. Crabtree und Steven M. Harris haben zwanzig Personen interviewt, die sich getrennt hatten, ohne zu wissen, ob dies zur Scheidung oder zur Versöhnung führen würde. Ambiguität, Heimlichkeit, Einsamkeit, einige Vorteile und vor allem eine Ungewissheit, die unerträglich wird: Die Trennung bringt selten die erhoffte Klarheit.

Verfassende Sarah A. Crabtree (Albert and Jessie Danielsen Institute, Boston University, USA) und Steven M. Harris (Family Social Science, University of Minnesota, USA)Erstveröffentlichung Journal of Marital and Family Therapy, 13. Dezember 2019Übersetzung Complexe Systémique, inoffizielle KI-gestützte Übersetzung

Inoffizielle deutsche Übersetzung von The Lived Experience of Ambiguous Marital Separation: A Phenomenological Study von Sarah A. Crabtree und Steven M. Harris, erschienen in Journal of Marital and Family Therapy (Wiley) (2020), doi: 10.1111/jmft.12419, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique im Oktober 2026 mit Unterstützung künstlicher Intelligenz: Der Originaltext wurde ins Deutsche übersetzt und neu gesetzt, was eine Bearbeitung des Werks im Sinne der Lizenz darstellt. Diese Übersetzung stammt weder von den Verfassenden noch vom Verlag, die weder für ihren Inhalt noch für etwaige Fehler verantwortlich sind. Maßgeblich ist die Originalfassung.

Der Ungewissheit Raum zu geben, kann helfen, die Integrität des Entscheidungsprozesses eines Paares zu wahren.

Sarah A. Crabtree und Steven M. Harris

Zusammenfassung

Die Forschung hat die eheliche Trennung lange als linearen Übergang behandelt, der unweigerlich zur Scheidung führt. Populäre Quellen legen nahe, dass sich manche Paare trennen, ohne zu wissen, wie die Trennung enden wird, häufig um abzuwägen, ob sie sich scheiden lassen oder verheiratet bleiben sollen. Bislang konnten wir jedoch keine empirische Forschung zu dieser Art der uneindeutigen Trennung ausfindig machen. Anhand einer Stichprobe von 20 derzeit getrennt lebenden Personen aus verschiedenen Teilen der Vereinigten Staaten untersuchte diese Studie mit einem hermeneutisch-phänomenologischen Design, wie es erlebt wird, sich von der Ehepartnerin oder dem Ehepartner zu trennen, wenn die Trennung ohne Klarheit darüber begann, wie sie enden würde. Sechs wesentliche Themen kristallisierten sich heraus: (a) Unsere Beziehung fühlt sich uneindeutig an, (b) die Trennung ist eine private Erfahrung, (c) die Trennung ist eine einsame Erfahrung, (d) Vorteile der Trennung, (e) die Trennung ist nicht von Dauer tragbar und (f) der Ausgang ist unklar. Der Artikel schließt mit einer Diskussion der Befunde und ihrer Implikationen.

Die Forschung interessiert sich seit Langem für Ehe und Scheidung, doch die Scheidung wurde weitgehend als einzelnes Ereignis behandelt, was einen komplexen Prozess übermäßig vereinfacht. In den letzten Jahren haben einige Scheidungsforschende eine „Perspektive multipler Übergänge“ eingenommen, mit der sie untersuchen, inwiefern die auf eine Scheidung folgenden Übergänge Varianz in den Ergebnissen erklären (Amato, 2010, S. 657). Andere haben untersucht, was einer Scheidung vorausgeht, etwa Scheidungsgedanken, wenn eine Ehe belastet ist (Hawkins et al., 2017). Diese prozess- und übergangsorientierten Perspektiven sind vielversprechend, um die Auflösung von Ehen besser zu verstehen.

Die eheliche Trennung ist ein wenig erforschtes Phänomen im Zusammenhang mit scheidungsbezogenen Prozessen und Übergängen. Während einer Trennung bleibt ein Paar rechtlich verheiratet, doch seine Beziehung ruht, rechtlich oder informell, aufgrund von Beziehungsbelastungen. Amato (2010) bezeichnete die Trennung als „sozial uneindeutigen Status – nicht ganz verheiratet, nicht ganz geschieden“ (S. 661). Die breitere Scheidungsliteratur hat in Studienstichproben getrennt lebende Personen nur selten von Personen in Scheidung unterschieden (z. B. Sbarra, Smith, & Mehl, 2014). Zwar legt frühere Forschung nahe, dass eine Scheidung am wahrscheinlichsten ist (z. B. Binstock & Thornton, 2003), doch wie Weiss (1975) feststellte: „Jede Scheidung setzt eine Trennung voraus, aber das Umgekehrte gilt ganz entschieden nicht“ (S. 4). Schätzungen zufolge haben sich 6% (Vennum et al., 2014) bis 18% (Kitson, 1985) der noch verheirateten Paare in den USA irgendwann in ihrer Ehe getrennt. Getrennt lebende Personen so zu behandeln, als befänden sie sich in Scheidung, setzt voraus, dass die Trennung unweigerlich und linear zur Scheidung führt, und lässt wenig Raum, andere Ausgänge (z. B. Versöhnung, langfristige Trennung), Wege zu verschiedenen Ausgängen oder spezifische Elemente des Trennungserlebens zu untersuchen. Zudem impliziert dies, dass die eheliche Entscheidungsfindung vor der Trennung stattfindet, obwohl sie danach weitergehen kann. So stellten Doherty, Willoughby und Peterson (2011) in einer Stichprobe von Paaren, die die Scheidung eingereicht hatten, fest, dass bei einem von neun Paaren beide Eheleute glaubten, die Ehe sei noch zu retten, und dass bei 1 von 10 Paaren beide Partnerpersonen Interesse an Versöhnungsangeboten äußerten – was auf einen komplexeren Weg zwischen Ehe und Scheidung hinweist, als ein Großteil der Literatur nahelegt.

Ein kleiner Literaturbestand hat die Trennung als von der Scheidung verschieden konzeptualisiert und behandelt und vor allem Prädiktoren ihres Ausgangs sowie die Instabilität versöhnter Ehen untersucht. Zentrale Befunde legen nahe, dass der Ausgang vom Zugang zu Ressourcen abhängt: Personen mit geringeren finanziellen und sozialen Ressourcen bleiben nach einer Trennung eher in der Ehe oder versuchen eher, in ihr zu bleiben (Morgan, 1988; Tumin et al., 2015; Wineberg & McCarthy, 1994). Dies dürfte besonders für Frauen von Bedeutung sein, die einer Versöhnung tendenziell weniger positiv gegenüberstehen (Bloom & Hodges, 1981), aber nach einer Scheidung häufiger in finanzielle Not geraten (de Vaus, Gray, Qu, & Stanton, 2017). In der Ehe zu bleiben bedeutet allerdings nicht, dass ein Paar seine Eheprobleme gelöst hat. Personen, die sich getrennt haben, aber in ihrer Ehe geblieben sind, berichten von größerer Instabilität und geringerem Glück als Personen, die sich nie getrennt haben (Binstock & Thornton, 2003; Kitson, 1985; Vennum et al., 2014; Wineberg & McCarthy, 1994).

Die meisten Trennungsstudien entstanden in den 1980er- und 1990er-Jahren, vermutlich als Reaktion auf steigende Scheidungsraten in den Vereinigten Staaten und Veränderungen im Familienleben. Im ganzen Land wurden Gesetze zur verschuldensunabhängigen Scheidung verabschiedet, das durchschnittliche Heiratsalter und die Zahl unverheiratet zusammenlebender Paare stiegen, und die Geschlechternormen waren innerhalb wie außerhalb der Familie im Wandel (Cherlin, 2004; Knox, 1980). Vieles hat sich seither weiter verändert und Paarbeziehungen allgemein beeinflusst, etwa die Auswirkungen sozialer Medien (z. B. McDaniel & Coyne, 2016) oder die bundesweite Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe und in der Folge der gleichgeschlechtlichen Scheidung (z. B. Hoy, 2019), was sich möglicherweise auf eheliche Entscheidungsprozesse auswirkt. Forschungsergebnisse sind in ihren historischen Kontext eingebettet (Chesla, 1995), und es ist unklar, inwieweit diese älteren Befunde heute noch relevant sind. Zudem konnten wir keine qualitativen Studien zur Trennung finden. Zwar kann qualitative Forschung jederzeit wertvoll sein, doch Greenstein und Davis (2012) empfehlen, mit der Erkundung und Beschreibung eines wenig erforschten Phänomens zu beginnen, um weitere Forschung anzuleiten. Die Trennungsliteratur stützt sich hauptsächlich auf sekundäre, quantitative Datensätze (z. B. Binstock & Thornton, 2003; Wineberg & McCarthy, 1994), und in den Analysen könnten Schlüsselvariablen fehlen, entweder weil sie in den Datensätzen nicht verfügbar waren oder weil sie noch nicht als relevant für empirische Untersuchungen erkannt wurden. Qualitative Methoden, insbesondere solche, die die Artikulation gelebter Erfahrung in den Vordergrund stellen, könnten helfen, Aspekte der Trennung zu beleuchten, die der Forschung womöglich entgangen sind, und Hinweise für künftige Untersuchungen liefern. Angesichts der spärlichen empirischen Arbeiten in diesem Bereich ist es unerlässlich, gezielte Stichproben derzeit getrennt lebender Personen zu gewinnen, die Einblick in das Trennungserleben geben können, um diesen Forschungsbereich voranzubringen.

Auch wenn es noch vieles zu bedenken gilt, um die Trennung weiter zu erforschen und ihre Funktion für die eheliche Entscheidungsfindung zu verstehen, erscheint es besonders wichtig, verschiedene Arten der Trennung zu unterscheiden. Denkbar ist, dass sich viele Paare trennen, weil sie eine Scheidung beabsichtigen; diese Trennungen unterscheiden sich jedoch konzeptuell von uneindeutigen Trennungen – solchen, die ohne Klarheit über ihren Ausgang beginnen, weil sich eine Seite oder beide nicht sicher sind, ob sie verheiratet bleiben wollen. Populäre Quellen propagieren uneindeutige Trennungen, die mitunter als Probetrennung, kontrollierte oder begleitete Trennung bezeichnet werden (z. B. Lipe, 2010; Raffel, 1999), als Hilfe bei der Entscheidung über die Zukunft einer Ehe. Die Forschung hat uneindeutige Trennungen zwar erwähnt (z. B. Tumin, Han, & Qian, 2015), doch konnten wir keine Untersuchungen dazu ausfindig machen. Tatsächlich sind die empirischen Auswirkungen uneindeutiger Trennungen auf Familien und ihr Nutzen für die eheliche Entscheidungsfindung weitgehend unbekannt. Wir vermuten, dass fehlende Klarheit über den Ausgang einer Trennung beeinflussen könnte, wie eine Trennung erlebt wird. So müssen Paare in Scheidung neue Beziehungsregeln aushandeln und festlegen (z. B. Peterson & Hendricksen Christiansen, 2008), während uneindeutig getrennte Paare solche Aushandlungen wegen der möglichen Vorläufigkeit ihrer Entscheidungen aufschieben könnten. Zudem hat frühere Forschung die negativen Auswirkungen von Unsicherheitsintoleranz auf die psychische Gesundheit belegt (Carleton et al., 2012), und Ungewissheit über die Zukunft einer Ehe könnte zu besonderen Formen von Belastung beitragen. Diese Möglichkeiten sind jedoch weitgehend unerforscht.

Die vorliegende Studie

Die Trennung wird oft mit der Scheidung gleichgesetzt, und bislang konnten wir keine empirische Literatur zur uneindeutigen Ehetrennung finden, obwohl populäre Literatur sie als Strategie propagiert, um Klarheit über die Zukunft einer Ehe zu gewinnen. Ziel dieser Studie ist es, die Trennungsliteratur voranzubringen, indem sie das gelebte Erleben uneindeutiger Trennungen erschließt, um künftige Forschung sowie die klinische Praxis mit Einzelpersonen und Paaren zu informieren, die über die Zukunft ihrer Ehe entscheiden. Mit qualitativen Methoden ging diese Studie der Frage nach: „Wie wird es erlebt, von der Ehepartnerin oder dem Ehepartner getrennt zu sein, wenn die Trennung ohne Klarheit darüber beginnt, wie sie enden wird, weil eine Seite oder beide entscheiden, ob sie sich scheiden lassen oder verheiratet bleiben?“

Methoden

Studiendesign

Diese Studie verwendete ein Design der hermeneutischen Phänomenologie. Die Phänomenologie betont das gelebte, bedeutungsvolle Erleben eines Phänomens (Giorgi, 2010; Wojnar & Swanson, 2007) und zielt darauf ab, „gelebte Erfahrung in einen textlichen Ausdruck ihres Wesens zu verwandeln“ (van Manen, 1990). Die hermeneutische Phänomenologie geht vom interpretativen Charakter der Erfahrung in historischen Kontexten aus (Chesla, 1995), von einer kollaborativen Interaktion zwischen forschender Person und Teilnehmenden und von einer Darstellung der Erzählungen der Teilnehmenden, wie die forschende Person sie interpretiert (van Manen, 1990; Wojnar & Swanson, 2007).

Teilnehmende

Die Stichprobe bestand aus 20 verheirateten Personen, die sich zum Zeitpunkt der Interviews als von ihrer Partnerperson getrennt bezeichneten und deren Trennung ohne Klarheit darüber begonnen hatte, wie sie enden würde, die 25 Jahre oder älter waren und mit ihrer Partnerperson mindestens ein gemeinsames Kind hatten. Uns ist bewusst, dass ein der uneindeutigen Ehetrennung ähnliches Phänomen auch bei unverheiratet zusammenlebenden Paaren auftreten kann, doch wir entschieden uns für einen spezifischeren Stichprobenrahmen, um möglicherweise eigenständige Erfahrungen nicht zu vermengen. Insgesamt bezeichneten sich 14 Teilnehmende als Frauen und 6 als Männer. Ihr Durchschnittsalter lag bei 36.4 Jahren, und sie hatten im Durchschnitt 2.45 Kinder. Die durchschnittliche Trennungsdauer betrug 5.7 Monate, ohne eine teilnehmende Person, die seit 9 Jahren getrennt lebte; die übrigen Teilnehmenden lebten seit 1 bis 24 Monaten getrennt. Insgesamt bezeichneten sich 16 Teilnehmende als weiß, 1 als Schwarz oder afroamerikanisch, 1 als hispanisch/Latinx und 2 als bi-ethnisch. Insgesamt hatten 14 der Teilnehmenden (12 Frauen und 2 Männer) die Trennung eingeleitet. Die jährlichen Haushaltseinkommen lagen bei $19,999 oder weniger (10%), $20–39,999 (5%), $40–59,999 (20%), $60–79,999 (30%), $80–99,999 (5%) und $100,000 oder mehr (30%). Alle Teilnehmenden lebten in Ehen zwischen einer Frau und einem Mann.

Rekrutierung

Zur Rekrutierung der Stichprobe wurden Selbstselektions- und Schneeballverfahren eingesetzt. Um Teilnehmende unterschiedlicher Herkunft und aus verschiedenen Regionen zu erreichen, und in Anbetracht dessen, dass getrennt lebende Personen mit einem uneindeutigen Familienstand schwer ausfindig zu machen sein können, richteten sich gesponserte Facebook-Anzeigen an Nutzende in den Vereinigten Staaten, die (a) als Beziehungsstatus „verheiratet“ oder „getrennt“ angegeben hatten und (b) 25 Jahre oder älter waren. Die Anzeigen verlinkten auf eine Facebook-Seite, auf der potenzielle Teilnehmende mehr über die Studie erfahren, ein Online-Einwilligungsformular aufrufen, soziodemografische Fragen beantworten und Kontaktdaten zur Terminvereinbarung angeben konnten. Aufrufe wurden auch in den sozialen Netzwerken des Forschungsteams geteilt, um herauszufinden, ob persönliche Kontakte potenzielle Teilnehmende kannten; diese Strategie war jedoch weit weniger wirksam (n = 3).

Ablauf der Interviews

Die Erstautorin kontaktierte interessierte Personen, um ein 60- bis 90-minütiges halbstrukturiertes Interview zu vereinbaren, je nach Wunsch telefonisch (n = 18), per Videoanruf (n = 1) oder persönlich (n = 1). Die Eingangsfrage bat die Teilnehmenden, von ihrem Erleben der Trennung von ihrer Partnerperson zu erzählen; es folgten Fragen zu Themen wie der aktuellen Beschaffenheit der ehelichen Beziehung, Versöhnungsversuchen und der Frage, ob und wie die Trennung dazu beigetragen hatte, Klarheit über die Zukunft der Ehe zu gewinnen. Die Fragen wurden in allen Interviews einheitlich gestellt. Aufgrund des halbstrukturierten Charakters des Leitfadens und des Wunsches, den Impulsen der Teilnehmenden zu folgen, variierte jedoch ihre Reihenfolge. Zudem bezog sich eine Frage darauf, wie die Teilnehmenden die Trennung vor ihrer eigenen Trennung verstanden hatten und wie sich dieses Verständnis durch ihre eigene Erfahrung verändert haben könnte; diese Frage brachte kaum nennenswerte Antworten hervor und wurde daher nicht in allen Interviews gestellt. Die Teilnehmenden erhielten als Aufwandsentschädigung einen Geschenkgutschein über $25 für einen Online-Händler. Alle Interviews wurden als Audio aufgezeichnet und wörtlich transkribiert.

Kodierung und Analyse

Die Erstautorin folgte Verfahren der thematischen Analyse in Anlehnung an van Manen (1990) und zielte darauf ab, Themen innerhalb der Erfahrungen der Teilnehmenden und über sie hinweg herauszuarbeiten. Ein Thema ist ein „Element (Motiv, Formel oder Kunstgriff), das im Text häufig vorkommt“ (van Manen, 1990, S. 78), und eine „Erfahrungsstruktur“, die einen Teil des Erlebens ausmacht (S. 79). Zusammen liefern die Themen eine Interpretation der Erfahrungen der Teilnehmenden mit einem Phänomen und bieten Beschreibungen verschiedener Erfahrungsstrukturen. Zunächst las die Forscherin jedes Interview, um ein ganzheitliches Verständnis des Textes zu gewinnen, und verfasste eine zusammenfassende Aussage, die das Wesen des Erlebens der jeweiligen Person erfasste. In einem zweiten Lesedurchgang wurde identifiziert und kodiert, was einzelne Sätze oder Satzgruppen über das Trennungserleben offenbarten. Jedem Satz oder jeder Satzgruppe wurde ein Code zugewiesen, der ihr Wesen erfasste. Drittens wurde jedes Interview mit dem Ziel gelesen, „Schlüsselaussage(n) oder -formulierung(en), [die] besonders wesentlich oder aufschlussreich erscheinen“, über das Erleben der Trennung von der Partnerperson zu identifizieren und ihnen Codes zuzuweisen (van Manen, 1990, S. 93). Schließlich wurden die Themen auf verschiedenen Abstraktionsebenen angeordnet. Um wesentliche Themen zu bestimmen, schlägt van Manen (1990) vor zu fragen: „Bleibt dieses Phänomen dasselbe, wenn wir dieses Thema in der Vorstellung verändern oder aus dem Phänomen streichen?“ (S. 107). Themen, die das Wesen des Phänomens erheblich verändern würden – also diejenigen, die über die Erfahrungen der Teilnehmenden hinweg am stärksten hervortraten –, wurden als wesentliche Themen eingeordnet. Unterstützende Themen fügten innerhalb der wesentlichen Themen Komplexität und Tiefe hinzu. Die Unterscheidung zwischen wesentlichen und unterstützenden Themen war ein iterativer Prozess, der mehrere zusätzliche Vertiefungen in die Daten erforderte; theoretische Ordnungen wurden auf die Daten angewandt und anschließend überarbeitet, bis die Gesamtheit der strukturellen Erfahrungen die Gemeinsamkeiten zwischen den Erfahrungen der Teilnehmenden und die Unterschiede innerhalb dieser Erfahrungen erfasste.

Vertrauenswürdigkeit

Einer der Grundpfeiler hermeneutischer Forschung ist es, die „Vorstruktur des Verstehens“ der Forschenden offenzulegen (Chesla, 1995, S. 67). Beide Verfassende verfügen über eine Zulassung als Paar- und Familientherapeutin bzw. -therapeut, haben intensiv mit Paaren gearbeitet, die eine Scheidung in Erwägung ziehen, und im Bereich der ehelichen Entscheidungsfindung geforscht. Keine der beiden Personen hat selbst eine eheliche Trennung erlebt, beide kennen jedoch Menschen, die eine erlebt haben. Die Verfassenden gehen nicht davon aus, dass vollständige Objektivität möglich ist, waren aber bestrebt, den Einfluss dieser Erfahrungen auf den Forschungsprozess und die Befunde zu begrenzen. Daher wurden mehrere Strategien eingesetzt, um die Vertrauenswürdigkeit nach den von Lincoln und Guba (1985) aufgestellten Kriterien zu erhöhen. Zur Erhöhung der Glaubwürdigkeit traf sich die Erstautorin alle 1–2 Wochen mit dem Zweitautor, um die Interviews und die aus den Daten hervorgehenden Themen zu besprechen und persönliche Annahmen und Voreingenommenheiten offenzulegen, sobald sie auftauchten. Zur Stärkung der Zuverlässigkeit erhielten zwei externe Prüfpersonen mit inhaltlicher und methodischer Expertise jeweils zwei zufällig ausgewählte, anonymisierte und kodierte Interviews und beurteilten, ob die Kodierung das Wesen der Erfahrungen der Teilnehmenden erfasste. Ihre Interpretationen der Interviews stimmten eng mit denen des Forschungsteams überein, und ihre Rückmeldungen trugen zu differenzierteren Überlegungen und einer prägnanteren Formulierung der Studienthemen bei. Zur Stärkung der Bestätigbarkeit schließlich praktizierte die Erstautorin fortlaufende Reflexivität (Lincoln, Lynham, & Guba, 2011), indem sie theoretische Ideen und Reflexionen über die Erzählungen der Teilnehmenden dokumentierte und diese Notizen drei Fachleuten zur Verfügung stellte, die nicht an der Studie beteiligt waren, aber inhaltliche und methodische Expertise einbrachten.

Ergebnisse

Alle Teilnehmenden lebten zum Zeitpunkt der Interviews getrennt und nannten als Gründe für die Trennung etwa den eigenen Wunsch oder den der Partnerperson nach Klarheit über die Zukunft der Ehe, eine Zeit des Getrenntseins, um die Intensität oder Häufigkeit von Streitigkeiten zu verringern, sowie das Anliegen, die Ernsthaftigkeit ihrer ehelichen Beschwerden zu verdeutlichen. Sechs wesentliche Themen kristallisierten sich heraus: (a) Unsere Beziehung fühlt sich uneindeutig an, (b) die Trennung ist eine private Erfahrung, (c) die Trennung ist eine einsame Erfahrung, (d) Vorteile der Trennung, (e) die Trennung ist nicht auf Dauer tragbar und (f) der Ausgang ist unklar. Diese Themen werden im Folgenden zusammen mit unterstützenden Themen und beispielhaften Zitaten der Teilnehmenden beschrieben.

Wesentliches Thema 1: Unsere Beziehung fühlt sich uneindeutig an

Eines der markantesten Themen war das Ausmaß an Uneindeutigkeit, das in der Beziehung zur Partnerperson erlebt wurde. Es hing zusammen mit fehlender Klarheit über den Beziehungsstatus, Ungewissheit über neue Beziehungsgrenzen, dem Grad, in dem die Bedingungen der Trennung klar oder gemeinsam getragen waren, und den Auswirkungen der Trennung auf die Familienmitglieder.

Uneindeutiger Status

Anders als bei Ehe und Scheidung beschrieben die Teilnehmenden, keine Klarheit darüber zu haben, was ihr Status als Getrennte bedeutete, und griffen stattdessen auf Metaphern wie „Grauzone“, „in der Schwebe sein“, „auf dem Zaun sitzen“, „am Scheideweg stehen“ oder „im Fegefeuer leben“ zurück, die Ungewissheit, ein Gefühl des Wartens und die Vorläufigkeit dieses Zwischenstatus ausdrückten. Eine Frau fasste die fehlende Klarheit, die sie empfand, so zusammen: „Sind wir ein Paar? Sind wir ein Ehepaar? Gehen wir nur … gehen wir nur miteinander aus? Wo stehen wir? In welche Kategorie fallen wir, wenn es, keine Ahnung, um ein Paar ganz allgemein geht?“ (P14).

Uneindeutige eheliche Grenzen

Die fehlende Klarheit über den Beziehungsstatus führte zu Uneindeutigkeit im Umgang mit der Partnerperson. Fast alle Teilnehmenden berichteten, dass eine Seite – sie selbst oder die Partnerperson – mehr auf eine Versöhnung hoffte, während die andere sich weniger sicher war. Diese Dynamik führte zu Verwirrung darüber, wie man „richtig“ miteinander umgehen sollte. Manchmal wirkten die Grenzen unklar, weil widersprüchliche Signale darüber gesendet wurden, ob die Partnerperson eher zur Scheidung oder zur Versöhnung tendierte. Einige erzählten von Momenten, in denen die Partnerperson Verhaltensweisen zeigte, die möglicherweise auf einen Versöhnungswunsch hindeuteten, etwa zärtliche Gesten, den Wunsch nach gemeinsamer Zeit oder flirtende Nachrichten, und dabei dennoch Abstand hielt. Ein Mann, dessen Frau einige Monate zuvor ausgezogen war, war durch ihr Verhalten verunsichert: „Ab und zu gab sie mir ein Signal, oder sie schickte mir eine Nachricht und fragte, ob es mir gut geht, oder sagte mir, dass sie mich liebt“ (P18). Zugleich sprachen viele davon, Verwirrung möglichst gering halten oder keine widersprüchlichen Signale senden zu wollen, dabei aber genug Nähe zu bewahren, um die Möglichkeit einer Versöhnung offenzuhalten. Ein Mann beschrieb, wie es ihm ging, wenn er Zeit mit seiner Frau verbrachte: „Ich weiß nicht unbedingt, wo ich stehe … deshalb mache ich mir Sorgen, ihr falsche Hoffnungen zu machen oder den Eindruck zu erwecken, die Dinge stünden anders, als sie stehen“ (P20). Zwei Teilnehmende sprachen davon, Verwirrung gering halten zu wollen, um die Integrität der Entscheidung über die Zukunft der Ehe zu wahren; zu viel Nähe zur Partnerperson würde von den Eheproblemen ablenken, die dann womöglich ungelöst blieben. Die Ungewissheit über Grenzen erstreckte sich sogar auf öffentliche Symbole der Bindung, etwa das Tragen des Eherings. Ein Mann sagte über das Abnehmen seines Rings: „Ich fühlte mich irgendwie unwohl dabei, [meinen Ring zu tragen], bis zu dem Punkt, an dem ich, wenn sie da war, meinen trug und sie ihren nicht. [Die Kinder] sahen, dass ich meinen trug, und wussten, dass sie ihren nicht trug“ (P10).

Bedingungen der Trennung

Die eheliche Beziehung fühlte sich auch deshalb uneindeutig an, weil die Bedingungen der Trennung schwer auszuhandeln waren. Da der Ausgang unklar war, wollten einige Teilnehmende keine Veränderungen vornehmen, die sich nur schwer rückgängig machen ließen. Eine Frau sagte: „Wir wollten nichts endgültig festzurren … weil wir, glaube ich, beide das Gefühl hatten, dass es einfach zu viele Unbekannte [in Bezug auf unsere Zukunft] gibt“ (P9). Letztlich waren die Regelungen sehr unterschiedlich. Manche nahmen nur wenige finanzielle Änderungen vor, während andere finanziell unabhängig wurden. Manche verbrachten Zeit mit Partnerperson und Kindern gemeinsam, während andere nur getrennt von der Partnerperson Zeit mit ihren Kindern verbrachten. Die Aushandlung dieser Bedingungen nahm jedoch zwei Formen an. Einige wenige Teilnehmende führten gezielte Gespräche mit der Partnerperson über die Bedingungen, meist über die Zeit mit den Kindern, darüber, wie die Auswirkungen auf die Kinder gering gehalten werden könnten, und über Finanzen. Nur fünf sprachen von gezielten Gesprächen mit der Partnerperson darüber, ob sie andere Menschen daten würden. Doch auch solche Absprachen konnten sich als schwierig erweisen. So hatten ein Mann und seine Frau vereinbart, andere Menschen treffen zu dürfen. Seine Frau, die die Trennung eingeleitet hatte, begann sich zu verabreden, und er war überrascht, dass sie verärgert war, als auch er sich zu einem Date entschloss: „Sie ging widerwillig aus, weil sie einsam war und ich nicht für sie da war, obwohl es ihr lieber gewesen wäre, wenn ich es gewesen wäre. Dann war sie verärgert, als ich jemand anderen treffen wollte“ (P20).

Häufiger verließen sich die Teilnehmenden auf Annahmen und Überzeugungen darüber, was die Trennung bedeuten würde, und sprachen die Bedingungen mit der Partnerperson nicht ausdrücklich ab, was zu größerer Uneindeutigkeit führte. So hielten es die meisten für unangemessen, sich mit anderen Menschen zu verabreden, doch nur wenige hatten dies der Partnerperson gegenüber ausgesprochen. Eine Frau sagte: „Ich bin katholisch, also wäre das für mich ein Bruch unserer Ehe. Auch wenn wir getrennt sind, sind wir immer noch verheiratet, und das verstößt in meinen Augen gegen die Regeln“ (P12). Einige Teilnehmende sagten sogar, sie würden sich scheiden lassen, wenn sie erführen, dass die Partnerperson eine Beziehung mit jemand anderem begonnen hätte.

Familiäre Beziehungen

Die Uneindeutigkeit der Beziehung der Teilnehmenden zu ihrer Partnerperson griff auf die Beziehungen zu anderen über, vor allem zu ihren Kindern und zur erweiterten Familie. Teilnehmende mit Kindern im Schulalter äußerten mehr Sorge um die Auswirkungen auf ihre Kinder als diejenigen mit erwachsenen Kindern. Die meisten wollten offen mit der Trennung umgehen, unter anderem weil eine Scheidung ihre Kinder sonst unvorbereitet treffen könnte, und zugleich die Auswirkungen der Trennung auf sie so gering wie möglich halten. Einige Teilnehmende meinten, ihre Kinder hätten sich gut angepasst, andere sahen, dass ihre Kinder damit zu kämpfen hatten. Eine Frau sagte: „Wir haben versucht, es ihr zu erklären, aber sie ist so … wir haben ihr nur gesagt, dass es im Moment das Beste ist, wenn er woanders wohnt. Und ich … wir brauchten eine Pause, aber sie versteht das alles immer noch nicht“ (P16).

Die Teilnehmenden beschrieben auch Uneindeutigkeit in den Beziehungen zur erweiterten Familie, die sie oft als intolerant oder verwirrt gegenüber dem Beziehungsstatus des Paares erlebten. Ein Mann sagte über seine Schwiegereltern: „Die Uneindeutigkeit ist es, die sie stört. ‚Ihr müsst euch einfach entscheiden!‘“ (P11). In anderen Fällen hing diese Uneindeutigkeit damit zusammen, nicht zu wissen, wie man Beziehungen zu Menschen pflegen sollte, die möglicherweise nicht Teil der eigenen Zukunft sein würden. Eine Frau war verunsichert, weil ihre Schwiegermutter auf ihre Kontaktversuche nicht reagiert hatte: „Ich komme nicht dahinter, warum. Was habe ich ihr getan? … Es tut mir weh, zu denken, dass ich auch diese Beziehung verlieren werde“ (P16).

Wesentliches Thema 2: Die Trennung ist eine private Erfahrung

Dieses Thema erfasst, inwieweit die Teilnehmenden ihre Situation anderen gegenüber bekannt machten. Während einige wenige offener mit ihren Erfahrungen umgingen, teilten die meisten ihre Erfahrungen nur mit wenigen Vertrauenspersonen und behandelten die Trennung eher diskret. Eine Frau drückte es so aus: „Für mich ist das einfach privat, und es geht niemanden etwas an, es sei denn, ich entscheide mich, es jemandem zu erzählen“ (P19). Die Entscheidung, die eigenen Erfahrungen für sich zu behalten, war vor allem durch Sorgen um die Wahrnehmung und das Urteil anderer sowie um wenig hilfreiche Rückmeldungen motiviert.

Die Wahrnehmung anderer

Die Angst vor der Wahrnehmung anderer, insbesondere die Sorge, dafür verurteilt zu werden, in der Ehe „gescheitert“ zu sein, und zum Gegenstand von Klatsch zu werden, führte zu großer Diskretion und Heimlichkeit rund um die Trennung. Eine Frau drückte es so aus: „Ich will einfach nicht, dass meine schlechten Nachrichten zum Festessen für irgendwelche Klatschmäuler werden“ (P12). Insbesondere Frauen fürchteten, dafür verurteilt zu werden, dass sie den gesellschaftlichen Erwartungen an Ehefrauen nicht gerecht wurden. Eine Frau beschrieb ihre Zurückhaltung so:

Ich glaube, Frauen sehen eine Trennung – zumindest geht es mir so – so, dass ich irgendwie versagt habe, weil ich es nicht geschafft habe, dass es funktioniert. Dass es etwas über mich als Frau, als Mutter und als Ehefrau aussagt. Dass ich irgendwie versagt habe. Ich habe meinen Mann im Stich gelassen. Ich habe meine Kinder im Stich gelassen. Und in gewisser Weise habe ich mich selbst im Stich gelassen. (P1)

Die Teilnehmenden rangen oft mit der Uneindeutigkeit ihrer Situation, sodass es sich kompliziert anfühlte, sie anderen zu erklären. Eine Frau erzählte, dass sie nicht wusste, wie sie mit ihrer Mutter darüber sprechen sollte: „Sie will wissen, was los ist, und es ist schwer, ihr Antworten zu geben, wenn ich sie selbst nicht kenne“ (P7). Eine andere Frau beschrieb, wie es war, ohne ihren Mann in die Kirche zu gehen: „Und die Leute schauen mich irgendwie komisch an oder fragen nach [meinem Mann], und ich weiß nicht so recht, was ich sagen soll. Ja, es ist seltsam“ (P9).

Die Reaktionen anderer

Auch wenn die meisten Teilnehmenden zurückhaltend blieben, hatten sie sich in der Regel einer kleinen Zahl von Menschen anvertraut. Manchmal erhielten sie Unterstützung und Ermutigung oder Hilfe bei den Kindern oder in finanziellen Dingen. Die meisten Rückmeldungen erkannten jedoch die Komplexität der Eheprobleme nicht an, und einige Teilnehmende verspürten sogar das Bedürfnis, ihre Partnerperson vor ungerechtfertigter Herabsetzung zu schützen. Ein Mann, der die Trennung eingeleitet hatte, verteidigte seine Frau: „Ich sage eher: ‚Oh, es liegt an mir! Bitte gebt nicht ihr die Schuld, denn sie ist wirklich ein wunderbarer Mensch.‘ Ich habe auch meine Fehler“ (P11). Manchmal legten die Rückmeldungen anderer den Teilnehmenden nahe, „nach vorn zu schauen“ und andere Menschen zu daten. Die Teilnehmenden wiesen diese Vorschläge weitgehend zurück. Ein Mann sagte: „Ich glaube nicht, dass das echt ist. Ich glaube nicht, dass das stimmt. Das glaube ich nicht. Ich glaube nicht, dass ich einfach so über sie hinwegkommen kann“ (P17). Oft verstärkten wenig hilfreiche Reaktionen die Muster der Zurückhaltung.

Wesentliches Thema 3: Die Trennung ist eine einsame Erfahrung

Dieses Thema erfasst die Gefühle von Einsamkeit und Isolation der Teilnehmenden, während sie sich an das Leben als Getrennte gewöhnten. Ihre Einsamkeit hing vor allem mit der Zeit ohne Partnerperson und Kinder zusammen, mit alltäglichen Erinnerungen an die Trennung und an das Alleinleben sowie mit der Belastung, die Hauptverantwortung für die Kinder zu tragen.

Zeit getrennt voneinander

Die Partnerperson zu vermissen trug bei den Teilnehmenden zu Gefühlen von Einsamkeit, Traurigkeit, Schmerz und der Sehnsucht bei, dass die Dinge anders wären. Eine Frau beschrieb die Spannung, die sie angesichts der Abwesenheit ihres Mannes empfand: „Das am wenigsten Schwierige ist, abends allein ins Bett zu gehen, und das Schwierigste ist, abends allein ins Bett zu gehen“ (P1). Manchmal trat Einsamkeit auf, wenn die anfänglichen Gefühle in Bezug auf die Eheprobleme an Intensität verloren. Eine Frau, die die Trennung eingeleitet hatte, sagte: „Ich vermisse ihn wirklich. Also hat [die Trennung] mir irgendwie das Gefühl gegeben … ich liebe ihn wirklich, ich will ihn in meinem Leben, und ich will daran arbeiten, dass das wieder möglich wird“ (P12). Diese Frau war versucht, ihren Mann wieder nach Hause einzuladen, obwohl die Eheprobleme nicht gelöst waren. Die anfängliche Einsamkeit schien zu verblassen, wenn sich ein klarer Scheidungswunsch herausbildete. Eine Frau wollte nun die Scheidung, nachdem sie sich von einem drogenabhängigen Ehemann getrennt hatte. Sie verglich ihre anfängliche Einsamkeit mit dem, was sie später empfand:

Die ersten paar Monate waren die schwersten, weil man nicht mehr im selben Bett schläft wie dieser Mensch. Man teilt sein Leben nicht mehr so wie vorher. Man ist einsam, aber jetzt bin ich der glücklichste Mensch der Welt. Die Zeit hat die Wunden geheilt, wie man so sagt. (P2)

Die Teilnehmenden vermissten auch ihre Kinder, die sie wegen der Trennung seltener sahen. Eine Frau fühlte sich „zu sehr einsam“, wenn ihre Tochter bei ihrem Mann war (P16). Für einen Mann war das Getrenntsein kompliziert, weil er die Trennung selbst eingeleitet hatte: „Es ist furchtbar. Es ist absolut das Schlimmste, eines der schlimmsten Dinge, die ich je erlebt habe. Von meinen Kindern und meiner Frau getrennt zu sein … manchmal will ich einfach dort sein und zu Hause sein, aber das kann ich einfach nicht“ (P11).

Alltägliche Erinnerungen

Erinnerungen an das Getrenntsein, etwa Aufgaben zu erledigen, die sonst die andere Seite übernommen hatte, oder die Erkenntnis, dass die Partnerperson nicht mehr Teil der eigenen Routinen war, lösten Gefühle der Einsamkeit aus. Ein Mann beschrieb, wie diese Erinnerungen in seinem emotionalen Erleben wirkten: „Ich kann bei der Arbeit sein und mich normal fühlen, mir geht es gut … und sobald ich anfange, das Abendessen zuzubereiten, merke ich, dass ich nur für mich selbst koche, und meine Gefühlslage kann völlig umschlagen“ (P10).

Verantwortung für die Kinder

In 15 der 17 Fälle mit minderjährigen Kindern übernahmen die Frauen während der Trennung die Hauptverantwortung für die Betreuung. Viele waren froh, bei ihren Kindern zu sein, doch die Betreuung ohne die tägliche Hilfe der Partnerperson empfanden sie als belastend und einsam. Eine Frau erzählte, wie schwer es ihr fiel, allein für ihre Tochter zu sorgen: „Als Elternteil hat der Tag nicht genug Stunden, um all diese Dinge für ein kleines Kind zu erledigen. Es wäre einfach schön, ein weiteres Paar Hände zu haben“ (P4). Danach schämte sie sich gegenüber anderen Frauen, denen das Alleinerziehen leichter zu fallen schien. Die Hauptverantwortung für die Kinder bedeutete auch weniger Zeit für soziale Kontakte, was das Gefühl der Isolation verstärkte. Dies war noch ausgeprägter, wenn die Teilnehmenden finanziell für sich selbst sorgten. Eine Frau fühlte sich belastet, weil sie 2–3 Jobs hatte, um für ihre Kinder zu sorgen: „Die Trennung hat meine finanzielle Lage verschlechtert, was mich zwingt, ständig zu arbeiten. Und dass ich ständig arbeite, hat mein soziales Leben eingeschränkt“ (P13).

Wesentliches Thema 4: Vorteile der Trennung

Trotz der Schwierigkeiten erkannten alle Teilnehmenden bis auf zwei einen gewissen Nutzen in der Trennung. Konkret nahm die Trennung Druck aus der Beziehung, wirkte als Anstoß zur Veränderung, erleichterte den Alltag und führte zu Erkenntnissen über sich selbst.

Weniger Druck auf der Beziehung

Für einige Teilnehmende brachte die Trennung eine Entlastung von der Anspannung einer belasteten Ehe, mit weniger Streit oder weniger intensiven negativen Gefühlen. Eine Frau erzählte, dass sie früher mit ihrem Mann gestritten hatte, weil sie wegen seiner unberechenbaren Arbeits- und Reisezeiten nicht wusste, wo er sich aufhielt. Nach der Trennung verspürte sie weniger das Bedürfnis zu wissen, wo er war, was wiederum zu weniger Streit führte: „Na ja, ich warte jetzt nicht mehr darauf, dass er von einem späten Flug zurückkommt, weißt du, all diese Dinge machen meinen Tag noch angespannter, und deshalb ist es so viel besser“ (P3). Interessanterweise verbesserte sich nach der Trennung auch ihr Sexualleben. Ein anderer Teilnehmer sagte, er würde eine Trennung empfehlen, nachdem sich häufige Streitigkeiten durch das Getrenntleben entschärft hatten: „Allen, die ich kenne und die in so einer Lage sind, würde ich sagen: ja, auf jeden Fall. Macht eine Probetrennung. Gebt euch etwas Raum, um runterzukommen und durchzukommen“ (P11).

Anstoß zur Veränderung

Für einige Teilnehmende gab die Trennung den Anstoß zu positiven Veränderungen bei sich selbst, bei der Partnerperson oder in der Beziehung, was Hoffnung auf eine Versöhnung weckte. So sagte ein Mann über seine Frau: „Sie macht jetzt zum ersten Mal eine Einzeltherapie für sich, was, glaube ich, vielleicht Hoffnung und Neugier weckt, so nach dem Motto: Könnte daraus etwas Gutes entstehen, das die Beziehung verändert?“ (P20).

Ein leichterer Alltag

Trotz der Einsamkeit des Getrenntseins vereinfachte das Getrenntleben manche Bereiche des Alltags, etwa weil man auf die Vorlieben, Routinen oder Bedürfnisse der Partnerperson keine Rücksicht mehr nehmen musste. Eine Frau sagte: „Ich würde sagen, die Unabhängigkeit hat in mancher Hinsicht etwas Leichtes, zum Beispiel, dass ich im Haus alle Entscheidungen allein treffe. Das war auch irgendwie schön, vor allem weil mein Mann und ich so verschieden sind“ (P9). Eine Frau war davon überrascht: „Ich habe ihn nicht im Haus gesehen. Ich habe nicht hinter ihm aufgeräumt, ich hatte kein Durcheinander von ihm aufzuräumen, und ich habe ihm auch kein Essen zur Arbeit gebracht. Ehrlich gesagt war das ein Schock“ (P14). Diese Frau erkannte jedoch, dass auch der Alltag ihres Mannes seit der Trennung leichter geworden war. Sie hatten 8 Monate getrennt gelebt, bevor sie sich versöhnten; 2 Monate später leitete er eine weitere Trennung ein. Über seine Gründe sagte sie: „Er hat keinerlei Verantwortung … Ich kümmere mich ständig um die Kinder. Ich glaube, ihm gefällt einfach, dass er nicht darüber nachdenken muss“ (P14).

Erkenntnisse über sich selbst

Schließlich gewannen einige Teilnehmende Erkenntnisse über sich selbst, die sie als stärkend erlebten, weil sie Fähigkeiten und eine Resilienz entdeckten, die sie zuvor nicht gekannt hatten. Eine Frau entdeckte ihre Fähigkeit zur Selbstständigkeit:

Ich hatte mich irgendwie auf ihn verlassen, wir haben zum Beispiel immer zusammen eine Geschichte vorgelesen, wir haben immer Dinge gemacht, manchmal hat er mir geholfen, wenn ich etwas nicht konnte, und er hat Sachen zusammengebaut, und sogar heute, als sie ein Spielzeug hatte, dachte ich: Ach, er baut ihr ja immer die Spielsachen zusammen … Ich glaube, es ist überraschend, weil ich mehr kann, als ich dachte. (P7)

Manchmal führten die Erkenntnisse der Teilnehmenden über sich selbst zu mehr Klarheit über ihre Wünsche für die Zukunft. Eine Frau sprach über die Einsicht, die sie gewonnen hatte, nachdem sie die Trennung von ihrem Mann eingeleitet hatte, der seit Langem Drogen missbrauchte: „Alles allein zu machen, hat mir das Gefühl gegeben, wow, ich brauche niemanden, der … du weißt schon … ich habe es allein geschafft“ (P2).

Wesentliches Thema 5: Die Trennung ist nicht auf Dauer tragbar

Dieses Thema bezieht sich auf die Vorstellung, dass die Trennung ein auf Dauer nicht tragbarer ehelicher Status war. Die Teilnehmenden sprachen einhellig davon, dass sie die Trennung nicht unbegrenzt fortsetzen konnten, da die Ungewissheit über die Zukunft zu schwer zu ertragen war, weil sie in der Gegenwart Uneindeutigkeit und Unsicherheit erzeugte. Die meisten äußerten das Bedürfnis, sich so oder so zu entscheiden, selbst wenn die Entscheidung Scheidung bedeutete; so schmerzhaft das war, es schien besser, als mit anhaltender Ungewissheit zu leben. Viele Teilnehmende äußerten sich ähnlich wie hier: „Um unserer eigenen geistigen Gesundheit willen müssten wir uns irgendwann [endgültig] trennen, weil ich, weißt du, einfach nicht weiß, wie ich das auf lange Sicht durchhalten soll“ (P3).

Der emotionale Preis der Ungewissheit

Für Teilnehmende, die gerade zwischen Scheidung und Versöhnung entschieden, hing die Untragbarkeit mit dem emotionalen Preis ihrer Ambivalenz und den Folgen des Entscheidungsdrucks zusammen. Auf die Frage, was am schwierigsten sei, sprach ein Mann davon, nicht zu wissen, wie er über die Zukunft seiner Ehe entscheiden solle: „Ich glaube, zum Teil ist es das Ringen darum, herauszufinden, wie es weitergeht“ (P20). Eine andere Frau sagte: „Lass uns das einfach beenden, weil [das Nichtwissen] mich emotional zermürbt. Und ich halte das nicht mehr lange aus“ (P1). Für diejenigen, die sich eine Versöhnung wünschten, war es emotional zehrend, auf eine ambivalente Partnerperson zu warten und dem, was mit der Ehe geschehen war, einen Sinn zu geben. Ein Mann, dessen Frau kaum Auskunft darüber gab, warum sie Abstand wollte, verwendete viel Energie darauf, ihre Entscheidung zu verstehen. Sein Bedürfnis nach einer Antwort beschrieb er so:

Wenn das zu lange dauert, wird es, fürchte ich, an einen Punkt kommen, an dem ich, wenn ich keine Informationen habe, aus denen ich ablesen kann, in welche Richtung es geht … Ich will wissen, wie die Zukunft aussieht, und wenn ich nicht langsam erkennen kann, in welche Richtung es geht, werde ich eine klare [Entscheidung] wollen, so oder so. (P10)

Meistens wuchs die Toleranz der Teilnehmenden gegenüber der Uneindeutigkeit mit der Zeit. Sie beschrieben anfangs intensivere Gefühle von Traurigkeit, Schmerz und Verwirrung und gewöhnten sich daran, mit der Ungewissheit über ihren Familienstand und ihre Zukunft zu leben, jedoch nur als etwas, das man eine Zeit lang aushalten muss. Eine Frau brachte es knapp auf den Punkt: „Ich will einfach, dass es vorbei ist“ (P12).

Das Leben auf Eis

Viele Teilnehmende beschrieben die lähmende Wirkung, den Ausgang der Trennung nicht zu kennen, und das Gefühl, dass ein Großteil ihres Lebens auf Eis lag, bis eine Entscheidung fiel. Sie fühlten sich festgefahren, weil sie nicht wussten, wie sehr sie ihren Alltag an eine möglicherweise nur vorübergehende neue Normalität anpassen sollten. Das Beispiel eines Mannes bringt dies gut zum Ausdruck:

Wenn man sich trennt, läuft es darauf hinaus, dass einer die Bratpfanne bekommt. Der andere muss sich eine Bratpfanne kaufen … Dann wollte ich mir ein Set Töpfe und Pfannen kaufen, und dann habe ich sie tatsächlich gefragt: „Was mache ich … was machen wir damit, wenn ich jetzt das ganze Geld für all das Zeug ausgebe und wir uns dann in 3 Monaten wieder versöhnen und du zurückkommst und wir jetzt alles doppelt haben?“ (P10)

Wesentliches Thema 6: Der Ausgang ist unklar

Das letzte Thema, das sich herauskristallisierte, betraf die Rolle und den Nutzen der Trennung für die Entscheidungsfindung der Teilnehmenden über die Zukunft. Einigen Teilnehmenden half die Trennung, Klarheit zu gewinnen; die meisten Teilnehmenden blieben jedoch im Unklaren über die Zukunft ihrer Ehe, wussten nicht, wie sie zu einer klaren Entscheidung gelangen sollten, und befürchteten, die Trennung habe eine Dynamik in Richtung Scheidung in Gang gesetzt.

Die Trennung brachte Klarheit

Vier Teilnehmende hatten Klarheit darüber gewonnen, dass sie sich scheiden lassen wollten; drei von ihnen hatten schwerwiegende Eheprobleme erlebt, etwa den Substanzkonsum der Partnerperson oder eine schwere, unbehandelte psychische Erkrankung, und die vierte hatte entschieden, nicht bei einem Ehemann bleiben zu wollen, der mehrfach Trennungen eingeleitet hatte. Diese Teilnehmenden sprachen davon, eine neue Perspektive gewonnen zu haben und nicht in emotional zehrende oder unsichere Verhältnisse zurückkehren zu wollen. Eine Frau sagte über den verbalen und emotionalen Missbrauch, den sie erlitten hatte: „Man spielt die eigene Dysfunktion herunter. ‚Ach, so schlimm ist es nicht.‘ Und dann kommt man sogar an den Punkt, an dem man denkt: ‚Ich bin diejenige, die das verursacht hat, weißt du. Ich habe gestern Abend zu viel getrunken.‘“ (P18). Dieser Frau halfen die Trennung und die Distanz zu ihrem Mann, „wieder einen klaren Kopf zu bekommen“. Allerdings hatte zum Zeitpunkt der Interviews keine dieser Personen ein Scheidungsverfahren eingeleitet, und ein paar wirkten diesbezüglich relativ ambivalent. Eine Frau nannte ihre begrenzten finanziellen Mittel als Grund für ihr Zögern, und eine andere verwies auf die Aussicht auf ein emotional zehrendes Gerichtsverfahren, für das sie sich noch nicht bereit fühlte. Keine dieser Personen wusste genau, wann sie ein rechtliches Scheidungsverfahren einleiten würde, doch alle wollten dies irgendwann tun.

Die Trennung hat keine Klarheit gebracht

Die Mehrheit der Teilnehmenden, deren Trennung aus weniger schwerwiegenden Gründen wie fehlender Zuneigung oder Kommunikationsproblemen begonnen hatte, blieb über den Ausgang der Trennung im Unklaren – entweder weil sie selbst unsicher waren oder weil die abwägende Partnerperson noch zu keiner klaren Entscheidung gelangt war. Für diese Teilnehmenden hatte die Trennung die Frage, ob sie verheiratet bleiben sollten, nicht beantwortet. Auf die Frage, ob die Trennung ihr geholfen habe, mehr Klarheit über die Zukunft der Ehe zu gewinnen, gab eine Frau eine Antwort, die zu einer häufigen Antwort wurde: „Ich weiß es nicht. Wirklich nicht. Ich meine, das ist alles so eine verwirrende Situation“ (P12). Manche meinten, die Trennung habe zusätzliche Verwirrung gestiftet und neue Herausforderungen geschaffen, die es zu bewältigen galt. Eine Frau erzählte von ihren unerfüllten Erwartungen:

Ich dachte, [die Trennung] würde helfen. Ich dachte, das wäre die Lösung, das wäre genau das, was wir brauchen, und das ist es nicht. Es ist nicht das, was wir brauchten. Ich glaube, es macht alles schlimmer. Es hat dazu geführt, dass wir uns weiter auseinandergelebt und voneinander entfernt haben. (P16)

Faktoren der Entscheidungsfindung

Die Teilnehmenden nannten mehrere Faktoren, die ihre Überlegungen zur Zukunft der Ehe beeinflussten. Viele bedachten die Auswirkungen ihrer Entscheidung auf ihre Kinder. Manchmal waren die Kinder ein Hauptgrund, eine Versöhnung in Betracht zu ziehen, wie dieser Mann beschrieb: „Wir versuchen einfach abzuwägen … Ist es schlimmer für sie, wenn wir streiten? Ist es schlimmer für sie, wenn wir getrennt sind?“ (P11). Eine andere Frau zog eine Versöhnung nur wegen ihres Kindes in Betracht: „Ich würde sagen, das Wichtigste ist im Moment meine Tochter und ihr Glück und die Familie für ihr Glück zusammenzuhalten, aber manchmal laufen die Dinge eben nicht so, also …“ (P4). Einige bedachten auch die Dissonanz zwischen religiösen und kulturellen Werten und ihren Scheidungsüberlegungen. Eine Frau, die sich wegen der Wut ihres Mannes getrennt hatte, sagte:

Ich bin katholisch, also glaube ich eigentlich nicht an Scheidung, aber er glaubt an Scheidung. Er ist Baptist, deshalb ist es für mich wirklich schwer. Ich würde mich sehr dafür schämen, darin gescheitert zu sein, aber ich muss tun, was für mich und meine Kinder das Beste ist. (P12)

Viele bedachten auch die Finanzen. Begrenzte finanzielle Mittel oder die Erwartung finanzieller Not nach einer Scheidung führten dazu, dass einige Teilnehmende eine Versöhnung ernsthafter in Erwägung zogen oder ein formelles Scheidungsverfahren aufschoben. Eine Frau hatte entschieden, sich scheiden lassen zu wollen, nachdem ihr Mann eine zweite Trennung eingeleitet hatte, war aber hin- und hergerissen, ob sie das Scheidungsverfahren einleiten sollte, weil sie auf seine finanzielle Unterstützung angewiesen war: „Das ist das Schwierigste. Ich will, dass es offiziell vorbei ist, aber ich glaube, ich brauche seine Hilfe … Und ich will es so langsam angehen, wie er es angehen will, aber ich denke mir: ‚Ich habe die Nase voll!‘“ (P5). Eine andere Frau fürchtete die Macht, die ihr allein verdienender Ehemann hätte, wenn er sich entschiede, das alleinige Sorgerecht für die Kinder zu beantragen: „Ich würde hundert Millionen Jahre in einer unglücklichen Ehe bleiben, wenn das hieße, dass man mir meine Kinder nicht wegnimmt“ (P12). Ein Mann sprach dagegen von dem Luxus, sich keine Sorgen um Geld machen zu müssen: „Uns ist klar, dass wir das Glück haben, uns eine Scheidung leisten zu können“ (P11). Schließlich wollten einige Belege dafür, dass sich die Partnerperson verändert hatte. Eine Frau leitete eine Trennung ein, nachdem sie von der Untreue ihres Mannes erfahren hatte. Ihre Entscheidung, ob sie verheiratet bleiben würde, hing vor allem davon ab, ob er ihr versprach, keine weitere Affäre zu haben. Sie sagte: „[Wir könnten über eine Versöhnung nachdenken], wenn er das sagen würde … dann könnten wir weitermachen und so“ (P6). Andere fragten sich, ob die Veränderungen der Partnerperson von Dauer sein würden. So beschrieb ein Mann sexuelle Probleme mit seiner Frau, die sich während der Trennung gebessert hatten, doch er war unsicher, ob die Veränderung anhalten würde.

Eine Bewegung in Richtung Scheidung

Trotz ihrer Offenheit für eine Versöhnung zweifelten mehrere Teilnehmende daran, dass sie diese erreichen könnten, und befürchteten, die Trennung habe eine Bewegung in Richtung Scheidung ausgelöst – einen Ausgang, den sie noch nicht bewusst zu wählen bereit waren. Andere, meist diejenigen, die die Trennung nicht eingeleitet hatten, wollten sich versöhnen, fürchteten aber, dass die Scheidung unausweichlich wurde, während sie darauf warteten, dass sich eine unentschlossene Partnerperson entschied. Einige beschrieben diese Bewegung als eine Frage der Zeit: Je länger sie getrennt blieben, desto schwieriger würde eine Versöhnung. Eine Frau überlegte, wie lange sie die Trennung noch fortsetzen könnte, bevor sie eine endgültige Entscheidung treffen würde: „Ich glaube, ich werde es wissen, wenn wir in 6 Monaten noch am selben Punkt stehen wie jetzt, dann ist es Zeit, weiterzuziehen. Dann heißt es – entschuldigen Sie den Ausdruck – Scheiße oder runter vom Topf“ (P1). Eine andere Frau sagte: „Aus Tagen werden Monate und … nichts ändert sich, und man hat irgendwie das Gefühl, dass es darauf hinausläuft, aber man will es wirklich nicht. Wenn sich nichts ändert, glaube ich schon, dass es so kommen könnte, weil ich so nicht leben kann“ (P7). Andere sahen diese Bewegung als Folge davon, sich an das getrennte Leben zu gewöhnen. Eine Frau fragte sich, ob ihr Mann sich zu sehr an das Alleinsein gewöhnt hatte, um eine Versöhnung in Betracht zu ziehen: „Man entwickelt andere Gewohnheiten, macht Dinge allein und wird unabhängig. Und ich glaube, das hat ihm daran gefallen, wahrscheinlich einfach, nicht gebunden zu sein“ (P14). Eine Frau sprach von ihrer Angst vor der Scheidung, während sie und ihr Mann sich voneinander entfernten und weniger Zeit miteinander verbrachten: „So sehr ich es nicht will, ich glaube, es läuft wahrscheinlich auf eine Scheidung hinaus. Ich weiß nicht, je mehr wir uns auseinanderleben, desto riskanter … je länger es dauert, desto riskanter … es ist so: Was kommt als Nächstes?“ (P16). Schließlich sahen einige Teilnehmende diese Bewegung als Folge fehlender klarer Lösungen für die Eheprobleme. Eine Frau sprach von ihrer Sorge, sich scheiden zu lassen, weil sie und ihr Mann nicht wussten, wie sie die Probleme lösen sollten, die der Trennung vorausgegangen waren: „Und es ist sehr schwer, weil – ich höre mich wahrscheinlich an wie eine kaputte Schallplatte – wir ehrlich versuchen wollen, eine Lösung zu finden. Und ich habe das Gefühl, dass es für uns keine Gebrauchsanweisung gibt.“ (P1).

Diskussion

Ziel dieser Studie war es, das wenig erforschte Erleben der uneindeutigen Ehetrennung zu untersuchen. In der Literatur scheint eine Voreingenommenheit zugunsten der Unausweichlichkeit der Scheidung nach einer Trennung zu bestehen, wie sich daran zeigt, dass getrennt lebende Personen in Studienstichproben mit Personen in Scheidung gleichgesetzt werden (z. B. Sbarra, Smith, & Mehl, 2014). Die Erfahrungen der Teilnehmenden dieser Studie legen jedoch nahe, dass eine Trennung nicht immer mit der Absicht beginnt, sich scheiden zu lassen. Die Entscheidungsfindung über die Zukunft einer Ehe scheint über die Entscheidung zur Trennung hinauszugehen, was mit der Forschung zur Ambivalenz bei Scheidungsentscheidungen übereinstimmt (Doherty, Willoughby, & Peterson, 2011). Das Interesse an Entscheidungsprozessen rund um Ehe und Scheidung wächst (z. B. Allen & Hawkins, 2017; Hawkins et al., 2017), und die Forschung könnte davon profitieren, diese Prozesse über eine Vielfalt ehelicher Arrangements, Status und Übergänge hinweg zu untersuchen.

Eines der zentralsten Themen im Erleben der Teilnehmenden war das Ausmaß an Uneindeutigkeit rund um die Trennung. Die Teilnehmenden taten sich schwer, ihrem Familienstand eine Bedeutung zuzuschreiben, und beschrieben unterschiedliche Grade an Ungewissheit darüber, wie sie mit ihrer Partnerperson umgehen oder die Bedingungen der Trennung aushandeln sollten. Dieses Thema knüpft an das Konzept der familiären Grenzambiguität von Boss und Greenberg (1984) an, das fehlende Klarheit über die Endgültigkeit eines Beziehungsverlusts bezeichnet. Zwar tragen strukturelle Veränderungen im Familienleben zu Gefühlen der Ungewissheit bei, doch sind die Wahrnehmung dieser Veränderungen und die ihnen beigemessene Bedeutung die stärksten Prädiktoren für das Erleben von Grenzambiguität (Carroll, Olson, & Buckmiller, 2007), und höhere Ausprägungen sowie längere Phasen von Grenzambiguität führen zu einem höheren Stressniveau (Boss & Greenberg, 1984). Die Teilnehmenden beschrieben die Trennung nahezu einhellig als auf Dauer nicht tragbar, und einige vermuteten, dass eine klare Entscheidung für die Scheidung Erleichterung von der mit der Uneindeutigkeit verbundenen Belastung bringen könnte, selbst wenn die Scheidung nicht der bevorzugte Ausgang war. Frühere Forschung hat die schädlichen Auswirkungen von Unsicherheitsintoleranz auf die psychische Gesundheit belegt (z. B. Carleton et al., 2012). Auch wenn Grenzambiguität ebenfalls bei manchen geschiedenen Personen beobachtet wurde (Peterson & Hendricksen Christiansen, 2008), könnte die Aussicht auf Klarheit inmitten eines uneindeutigen Erlebens Entscheidungen für eine Scheidung motivieren. Künftige Forschung könnte untersuchen, ob Grenzambiguität und Unsicherheitsintoleranz einen Teil der Ambivalenz von Personen in Scheidung erklären (Doherty, Willoughby, & Peterson, 2011). Ebenso ließe sich untersuchen, ob ausdrücklich formulierte Beziehungsgrenzen und Trennungsbedingungen die Entscheidungsfindung beeinflussen. Verstöße gegen unausgesprochene Grenzen, etwa sich mit anderen Menschen zu verabreden, können neue Schwierigkeiten mit sich bringen, die zu berücksichtigen sind.

Einige Teilnehmende äußerten zudem die Sorge, die Trennung habe eine unerwünschte Bewegung in Richtung Scheidung ausgelöst. Das Commitment-Modell von Stanley und Markman (1992) untersucht eheliche Ausgänge danach, ob sich Beziehungen aufgrund eines prosozialen Commitments zur Beziehung entwickeln oder aufgrund eines Zwangs-Commitments – also des Bleibens, weil die Hindernisse für ein Gehen zu groß sind. Letzteres bezeichnen sie als „Trägheitseffekt“, der dazu führt, dass Paare in Bezug auf die Entwicklung ihrer Beziehung „hineinrutschen statt zu entscheiden“, weil ein Gehen umso schwieriger wird, je stärker ein Paar voneinander abhängig wird (Stanley, Rhoades, & Markman, 2006, S. 503–504). Ebenso kann eine Trennung eine Bewegung – oder Trägheit – in Richtung Scheidung erzeugen, weil die Hindernisse für das Verheiratetbleiben scheinbar abnehmen, je weniger die Leben der Eheleute miteinander verflochten sind. Einige Teilnehmende sprachen davon, dass ihnen eine Versöhnung mit der Zeit oder mit der Gewöhnung an das getrennte Leben unwahrscheinlicher erschien, oder, wie bereits erwähnt, von der Unerträglichkeit anhaltender Uneindeutigkeit. Statt Zuversicht in eine Entscheidung zur Scheidung zu fördern, kann eine Trennung manche Paare dazu bringen, in eine Scheidung hineinzurutschen, wenn auch mit einer gewissen Ambivalenz. Das Commitment-Modell von Stanley und Markman (1992) kann auch helfen, die Gründe zu verstehen, aus denen sich manche Paare versöhnen, sowie die Unzufriedenheit und Instabilität versöhnter Ehen nach einer Trennung (Binstock & Thornton, 2003; Kitson, 1985; Vennum et al., 2014; Wineberg & McCarthy, 1994). Auch wenn die meisten Teilnehmenden einen gewissen Versöhnungswunsch beschrieben, neigten einige wegen anderer Zwänge dazu, verheiratet zu bleiben, etwa wegen finanzieller Belastungen oder der Erwartung finanzieller Not nach einer Scheidung. Dies schien besonders bei den Frauen verbreitet. Das ist angesichts des von der Stichprobe angegebenen Wohlstands bemerkenswert; die Forschung zu familiärem Stress und Bewältigung (z. B. Boss, 1992) geht jedoch davon aus, dass die Wahrnehmung von Ressourcen für Stressreaktionen oft maßgeblicher ist als ihr tatsächliches Vorhandensein. Zudem geraten Frauen nach einer Scheidung häufiger in finanzielle Not (de Vaus et al., 2017), und frühere Trennungsforschung stützt die Annahme, dass Personen mit geringeren finanziellen und sozialen Ressourcen eher verheiratet bleiben oder eine Versöhnung versuchen (Morgan, 1988; Tumin et al., 2015; Wineberg & McCarthy, 1994). Möglicherweise motiviert die Wahrnehmung von Zwängen oder die Erwartung von Not, ob finanziell oder anderweitig, Entscheidungen, verheiratet zu bleiben. Künftige Forschung könnte untersuchen, ob sich die Verläufe von Paaren, die sich aus Zwangs-Commitment versöhnen, von denen unterscheiden, die sich aus prosozialem Beziehungs-Commitment versöhnen. Letztere sind möglicherweise eher bereit, an den Problemen zu arbeiten, die einer Trennung vorausgingen, und verringern so die spätere eheliche Instabilität im Vergleich zu Paaren, die sich aufgrund von Zwängen versöhnen.

Die Teilnehmenden beschrieben außerdem, dass sie die Trennung aus Sorge um die Wahrnehmung anderer und wegen wenig hilfreicher Rückmeldungen eher für sich behielten. Die Frauen schienen besonders besorgt, gesellschaftlichen Erwartungen nicht gerecht zu werden oder dass andere ihre kriselnde Ehe als Zeichen ihres Unvermögens sehen könnten, ihre Beziehung gesund zu halten. Dies deckt sich mit früherer Forschung, die zeigt, dass Frauen sich tendenziell stärker für das Wohlergehen einer Beziehung verantwortlich fühlen (Baum, 2007). Die Sorgen der Teilnehmenden in Bezug auf die Rückmeldungen anderer stimmen auch mit früheren Befunden zur Hilfsbereitschaft der Reaktionen von Vertrauenspersonen überein. Personen, die sich mit ihren Ehe- oder Beziehungsproblemen anderen anvertraut haben, nannten als am wenigsten hilfreiche Reaktionen: zu viele oder nutzlose Ratschläge zu geben, zu viel von sich selbst zu sprechen, die Partnerperson der sich anvertrauenden Person zu sehr zu kritisieren, zu wertend oder kritisch zu sein und der sich anvertrauenden Person nahezulegen, die Beziehung zu beenden (Lind Seal, Doherty, & Harris, 2016). Zusammengenommen deuten diese Nuancen der Zurückhaltung auf ein anhaltendes Stigma rund um Eheprobleme hin, das zum Teil unverhältnismäßig geschlechtsspezifisch sein dürfte – trotz Belegen dafür, dass die Bevölkerung in den USA Scheidungen zunehmend akzeptiert (Dugan, 2017). Die Zurückhaltung der Teilnehmenden wirft jedoch auch Fragen zur Prävalenz uneindeutiger Trennungen auf, die schwer zu erfassen ist, weil eine Trennung nicht zwangsläufig mit einer rechtlichen Änderung des Familienstands einhergeht.

Schließlich stellen die Themen der Studie den Nutzen der Trennung für die Entscheidung, ob man verheiratet bleibt, infrage, wie ihn populäre Quellen propagieren (z. B. Lipe, 2010; Raffel, 1999). Personen, die eine Scheidung erwägen, wünschen sich Klarheit und Zuversicht über die Zukunft einer Ehe, tun sich aber oft schwer, diese zu gewinnen (Harris, Crabtree, Bell, Allen, & Roberts, 2017), und den Erfahrungen der Teilnehmenden zufolge brachte die Trennung in der Regel keine solche Klarheit. Einige berichteten sogar, dass die Trennung ihre Verwirrung vergrößert habe. Vier Teilnehmende waren jedoch zu dem Wunsch nach Scheidung gelangt, und drei von ihnen nannten schwerwiegende Probleme wie den Substanzmissbrauch der Partnerperson oder unbehandelte psychische Erkrankungen als zentral für ihre Entscheidung. Diejenigen, die sich aus weniger schwerwiegenden Gründen getrennt hatten, waren sich im Allgemeinen weniger im Klaren darüber, was sie wollten, oder ihr Versöhnungswunsch ging mit Ungewissheit über mögliche Lösungen einher. Auch wenn Stichprobengröße und Methodik keine Verallgemeinerung zulassen, könnten diese Muster künftig eine genauere Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Eheproblemen und dem Nutzen einer Trennung für die eheliche Entscheidungsfindung rechtfertigen.

Klinische Implikationen

Therapeutische Fachkräfte sind in besonderer Weise in der Lage, Menschen, die über die Zukunft ihrer Ehe im Unklaren sind, zu mehr Klarheit in ihrer Entscheidungsfindung zu verhelfen, und diese Befunde können dafür Orientierung bieten. Erstens bedarf es weiterer Forschung, um festzustellen, ob und wann eine Trennung angezeigt ist, und Therapierende sollten zurückhaltend sein, eine Trennung zum Zweck der ehelichen Entscheidungsfindung zu empfehlen, solange dies nicht gründlicher verstanden ist. Zweitens sollten sie sich bewusst sein, dass die Ungewissheit über die Entscheidung zur Trennung hinaus andauern kann. Teilen Therapierende die Annahme, dass eine Trennung unweigerlich zur Scheidung führt, könnten sie Scheidung und Auflösungsprozesse vorschnell befördern. Der Ungewissheit Raum zu geben, kann helfen, die Integrität des Entscheidungsprozesses eines Paares zu wahren. Schließlich können Therapierende einem Paar, das sich trennt, dabei helfen, einen Plan zu formulieren, der einer Bewegung hin zu einem unerwünschten Ausgang entgegenwirkt. Paare können davon profitieren, klarere Grenzen ausdrücklich festzulegen, um Uneindeutigkeit zu verringern, und gezielt Bedingungen auszuhandeln, die sonst unverhältnismäßig eine Seite belasten könnten, etwa die Verantwortung für die Kindererziehung.

Limitationen

Diese Studie ist nicht ohne Limitationen. Unsere Stichprobe war relativ homogen, was auf die Rekrutierung der Teilnehmenden über Anzeigen in sozialen Medien zurückzuführen sein könnte. Über 75% der Teilnehmenden bezeichneten sich als weiß und 70% als Frauen. Bei Stichproben, die hinsichtlich ethnischer Zugehörigkeit und Geschlecht vielfältiger sind oder die die für die Rekrutierung genutzte Social-Media-Plattform nicht verwenden, könnten andere Themen hervortreten. Zudem lebten alle Teilnehmenden in Ehen zwischen einer Frau und einem Mann. Wir haben Personen in gleichgeschlechtlichen Ehen nicht bewusst ausgeschlossen, konnten für diese Studie aber keine solchen Personen gewinnen. Neben der gewählten Rekrutierungsstrategie könnte dies mit dem Kriterium zusammenhängen, dass die Teilnehmenden verheiratet sein mussten, sowie mit der relativ kurzen Zeit, in der gleichgeschlechtliche Paare rechtlich heiraten können. Zudem deuten neuere Befunde darauf hin, dass geschiedene Personen aus gleichgeschlechtlichen Ehen befürchten, ihre Erfahrungen könnten aufgrund heteronormativer Annahmen unlesbar bleiben (Hoy, 2018), und es ist möglich, dass getrennt lebende Personen in gleichgeschlechtlichen Ehen ein zusätzliches Stigma fürchteten. Verborgene Populationen zu erreichen, ist mit Schwierigkeiten verbunden (Ellard‐Gray, Jeffrey, Choubak, & Crann, 2015), und die Vorstellung der Teilnehmenden, dass die Trennung eine private Erfahrung sei, verweist ganz allgemein auf die Verborgenheit getrennt lebender Personen. Die Forschung sollte dies bei künftigen Versuchen berücksichtigen, Studienteilnehmende zu finden, insbesondere solche, die marginalisierten Gruppen angehören. Auch der Querschnittscharakter der Daten ist eine Limitation. Die meisten Teilnehmenden gaben an, dass die Trennung ihnen nicht geholfen habe, Klarheit über die Zukunft der Ehe zu gewinnen, doch der Ausgang ihrer Trennungen bleibt letztlich unbekannt. Die Erhebung von Daten zu mehreren Zeitpunkten könnte erhellen, wie sich uneindeutige Trennungen und die damit verbundenen Entscheidungsprozesse entwickeln und im Zeitverlauf erlebt werden.

Ausblick auf künftige Forschung

Aus dieser Studie ergaben sich mehrere Möglichkeiten, die Literatur zur ehelichen Trennung voranzubringen. Erstens könnte es nützlich sein, Daten zur Prävalenz uneindeutiger Trennungen zu erheben, da der Anteil der Trennungen, die ohne Klarheit über ihren Ausgang beginnen, unbekannt ist. Die Trennungs- und Scheidungsforschung sollte nach der Absicht hinter der Trennung fragen, auch bei Personen in Scheidung oder bereits geschiedenen Personen, da dies Einblick in die unterschiedlichen Wege geben könnte, auf denen Paare zu einer Scheidungsentscheidung gelangen. Personen, die mit einer uneindeutigen Trennung beginnen und sich später scheiden lassen, könnten darüber berichten, wie sie zu ihrer Entscheidung gelangt sind; dies könnte Schwellen der Toleranz gegenüber Uneindeutigkeit, fehlende Klarheit über die Lösung von Eheproblemen oder andere Faktoren beleuchten, die zu ihrer Entscheidung geführt haben, etwa unklare Beziehungsgrenzen. Möglicherweise „rutschen“ manche Paare tatsächlich in eine Scheidung hinein, ohne überzeugt zu sein, dass die Scheidung wirklich die beste Option ist (Stanley, Rhoades, & Markman, 2006, S. 505), und die durch die Trennung ausgelöste Bewegung könnte einen Teil ihrer Ambivalenz gegenüber der Scheidung erklären. Diese Forschung würde auch von vielfältigeren Stichproben profitieren, die Teilnehmende in gleichgeschlechtlichen Ehen einschließen. Lohnend könnte zudem die Untersuchung sein, ob uneindeutige Trennungen bei unverheiratet zusammenlebenden Paaren anders erlebt werden, die vielleicht nicht denselben rechtlichen Hürden für eine Trennung gegenüberstehen, aber ein ähnliches Maß an Bindung in der Beziehung eingegangen sind. Angesichts der verbreiteten Vorstellung, dass Trennungen bei Entscheidungen hilfreich sind, und der potenziellen Rolle therapeutischer Fachkräfte dabei, Paaren beim Abwägen zu helfen, ob sie verheiratet bleiben wollen, könnte es schließlich wichtig sein, die Haltungen von Therapierenden gegenüber uneindeutigen Trennungen zu erfassen.

Complexe Systémique: das Wichtigste

Das Verdienst der Studie besteht darin, eine Situation zu benennen, der die klinische Praxis häufig begegnet, ohne ihr einen Status zu geben: sich trennen, „um nachzudenken“, weder Bruch noch Versöhnung. Pauline Boss’ Konzept der Grenzambiguität erhellt, worum es geht: verschwimmende Familiengrenzen, ruhende Rollen, Kinder und Schwiegerfamilie, die nicht mehr wissen, woran sie sind. Drei Lehren für Therapierende. Die Trennung nicht als Entscheidungsinstrument verordnen: Hier bringt sie selten Klarheit, außer bei schwerwiegenden Problemen (Sucht, Gewalt, unbehandelte psychische Erkrankung). Die Trennung nicht als angekündigte Scheidung lesen, sonst droht man das System in einen Ausgang zu drängen, den es nicht gewählt hat. Vielmehr dem Paar helfen, die Bedingungen des Dazwischen ausdrücklich zu machen (Kinder, Geld, andere Beziehungen), denn gerade das Unausgesprochene nährt das Abdriften in den Bruch. Auch die Geschlechterasymmetrie verdient Beachtung: Es sind vor allem die Frauen, die die Kinder behalten und das gesellschaftliche Urteil fürchten. Die Stichprobe ist klein, über Facebook rekrutiert, überwiegend weiß und weiblich und wurde nur zu einem einzigen Zeitpunkt befragt. Lesenswert zusammen mit dem Artikel von Robert Neuburger über die Paartrennung und dem Artikel über uneindeutigen Verlust und Rituale.

Anmerkungen aus dem Original

Dieses Projekt wurde durch das Robert E. Keane Fellowship in Ambiguous Loss und das Minnesota Couples on the Brink Project gefördert. Die Verfassenden stellten diese Forschung auf der Jahrestagung 2018 der American Association for Marriage and Family Therapy vor.

Der Copyright-Vermerk dieses Artikels wurde am 4. April 2020 nach der ursprünglichen Online-Veröffentlichung geändert.

Literatur

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Amato, P. R. (2010). Research on divorce: Continuing trends and new developments. Journal of Marriage and Family, 72, 650–666. 10.1111/j.1741=3737.2010.00723.x.

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Binstock, G., & Thornton, A. (2003). Separations, reconciliations, and living apart in cohabiting and marital unions. Journal of Marriage and the Family, 65, 432–443. 10.1111/j.1741-3737.2003.00432.x.

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Inoffizielle Übersetzung von The Lived Experience of Ambiguous Marital Separation: A Phenomenological Study von Sarah A. Crabtree und Steven M. Harris, Journal of Marital and Family Therapy, Bd. 46, Nr. 3 (2020), doi: 10.1111/jmft.12419, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzung und Satz: Complexe Systémique, Oktober 2026, mit Unterstützung künstlicher Intelligenz – das Werk wurde im Sinne der Lizenz bearbeitet. Weder die Verfassenden noch der Verlag sind für diese Übersetzung verantwortlich; maßgeblich ist die Originalfassung.

Dies ist eine Übersetzung des Originalartikels „The Lived Experience of Ambiguous Marital Separation: A Phenomenological Study“, erschienen in Journal of Marital and Family Therapy (2020) unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz: Der Text der Verfassenden wurde ins Deutsche übersetzt und die Darstellung für die Online-Lektüre angepasst, wie zu Beginn dieser Seite angegeben.

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Crabtree, S. A., und Harris, S. M. (2020). The Lived Experience of Ambiguous Marital Separation: A Phenomenological Study. Complexe Systémique. https://app.complexe-systemique.com/en_GB/articles/the-lived-experience-of-ambiguous-marital-separation-a-phenomenological-study (Originalwerk erschienen 2019 in Journal of Marital and Family Therapy, 46(3), 385-398 (2020); erneut veröffentlicht 2020 von Journal of Marital and Family Therapy, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/jmft.12419)

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