Diese Fassung wurde von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz aus dem Englischen übersetzt. Im Zweifelsfall ist die Originalfassung maßgeblich.
Qualitative Social Work · Soziale Arbeit
In einer schottischen Stadt begleitet eine Ethnografie zwölf Schwangerschaften, die einer Kinderschutzabklärung unterliegen. In Interviews sprechen die Väter von Zärtlichkeit und Freude; in den Sitzungen erscheinen sie nur als Risiko – und verschwinden dann. Ariane Critchley zeigt, wie Soziale Arbeit „Geisterväter“ hervorbringt und Mütter überverantwortlich macht.
Inoffizielle deutsche Übersetzung von Giving up the ghost: Findings on fathers and social work from a study of pre-birth child protection von Ariane Critchley, erschienen in Qualitative Social Work (SAGE) (2022), doi: 10.1177/14733250211019463, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique im Oktober 2026 mit Unterstützung künstlicher Intelligenz: Der Originaltext wurde ins Deutsche übersetzt und für das Lesen online neu gesetzt, was eine Bearbeitung des Werks im Sinne der Lizenz darstellt. Die Tabelle wird als Liste wiedergegeben; die Erklärungen am Ende des Artikels sind in den Anmerkungen zusammengefasst. Diese Übersetzung stammt weder von der Verfasserin noch vom Verlag, die weder für ihren Inhalt noch für etwaige Fehler verantwortlich sind. Maßgeblich ist die Originalfassung.
Fachkräfte müssen die Männer im Leben von Kindern als reale, vielschichtige Menschen behandeln, die innerhalb ihrer Familien sowohl zu schädigendem als auch zu fürsorglichem Verhalten fähig sind.
Ariane Critchley
Abstract
Dieser Artikel berichtet über Befunde einer ethnografischen Studie zum vorgeburtlichen Kinderschutz, die in einem städtischen Umfeld in Schottland durchgeführt wurde. Die Studie sollte die Interaktionen zwischen Fachkräften und Familien im Kontext eines Kinderschutzverfahrens während einer Schwangerschaft untersuchen. Ziel der Forschung war es, die Tätigkeiten zu verstehen, aus denen die vorgeburtliche Kinderschutzabklärung bestand, sowie die Bedeutung, die Sozialarbeitende und werdende Eltern diesen Tätigkeiten beimaßen. Im Verlauf der Studie zeigten sich sehr unterschiedliche Perspektiven auf Väter und Vaterschaft. Die Väter teilten im Rahmen der Forschungsinterviews ihre Gefühle familiärer Zärtlichkeit mit. Die Sozialarbeitenden hingegen konzentrierten sich oft auf die Risiken, die von den Vätern ausgingen. Dieser Fokus auf das Risiko führte dazu, dass Fachkräfte Väter in erheblichem Maß ignorierten oder ausschlossen. Den Vätern wurden Gelegenheiten verwehrt, eine aktive Rolle in ihren Familien und in der Versorgungsplanung für ihre Säuglinge zu übernehmen, während die Mütter überverantwortlich gemacht wurden. Den Kindern wiederum blieben möglicherweise die Vorteile einer engagierten Vaterschaft für Beziehung, Fürsorge und Identität vorenthalten. Dieser Artikel zeigt, wie Verfahren und Praxis des vorgeburtlichen Kinderschutzes so wirken können, dass sie den Beitrag werdender Väter begrenzen. Die Art und Weise, wie Väter und Vatersein verstanden werden, bleibt ein umfassenderes Problem der Sozialen Arbeit, das durch Forschung und Praxis weiterentwickelt werden muss. Auch diese Studie entging nicht der Schwierigkeit, Männer auf sinnvolle Weise in sozialarbeiterische Forschung einzubeziehen. Dennoch zeigen die Befunde, wie die Teilnahme an sozialarbeiterischer Forschung einen Raum schaffen kann, in dem Väter ihre Anliegen äußern können, und wie wichtig ihre Perspektive für die Praxis ist.
Schlüsselwörter: Väter, Vaterschaft, Kinderschutz, Herausnahme von Säuglingen
Deutliche Anstiege der Herausnahmen von Säuglingen wurden aus den weitgehend ähnlichen Kinderschutzsystemen der britischen Landesteile England (Broadhurst et al., 2018), Wales (Alrouh et al., 2019) und Schottland (Raab et al., 2020) berichtet. Vergleichbare Muster einer zunehmenden Trennung von Säuglingen von ihren Herkunftsfamilien wurden in Australien (O’Donnell et al., 2019) und in Aotearoa Neuseeland festgestellt, wo Besorgnis über die Auswirkungen auf Familien und Gemeinschaften der Māori geäußert wurde (Keddell et al., 2021; Office of the Children’s Commissioner, 2020). Dieser Beitrag beruht auf einer Untersuchung der Kinderschutzarbeit in der Zeit vor der Geburt eines Babys. Einer Zeit, in der entschieden wird, ob Fachkräfte rechtliche Maßnahmen anstreben, um ein Baby kurz nach der Geburt herauszunehmen, oder ob sie die Familie dabei unterstützen, ihr Neugeborenes zu Hause zu versorgen.
Vorgeburtliche Protokolle unterscheiden sich je nach nationalem und regionalem Kontext (Mc Elhinney et al., 2019). Im schottischen Kontext dieser Forschung wird die Arbeit, die während einer Schwangerschaft mit den Eltern geleistet wird, um zu entscheiden, welche Kinderschutzmaßnahmen für das ungeborene Kind notwendig sind, als „vorgeburtliche Kinderschutzabklärung“ bezeichnet. Nationale Leitlinien beschreiben, wann und wie diese Arbeit durchzuführen ist (Scottish Government, 2014). Die vorgeburtliche Abklärung wird von Sozialarbeitenden geleitet, aber in enger Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen aus Hebammenwesen, kommunaler und pädiatrischer Gesundheitsversorgung sowie Erwachsenendiensten abgeschlossen. Ziel ist es, das Risiko einer Schädigung des ungeborenen Kindes zu bestimmen und festzustellen, ob Schutzmaßnahmen erforderlich sind. Schutzmaßnahmen können auf einem Kontinuum liegen, das von einer freiwilligen, unterstützenden Zusammenarbeit mit der Familie bis zur nicht einvernehmlichen Herausnahme des Neugeborenen aus der Obhut der Herkunftsfamilie reicht, um die Sicherheit und das Wohlergehen des Babys zu gewährleisten.
Gründe für eine Kinderschutzmeldung während einer Schwangerschaft können eine Vorgeschichte von Kinderschutzinterventionen sein, einschließlich Maßnahmen zur Herausnahme älterer Kinder der Familie. Auch Schwierigkeiten der Eltern, darunter körperliche oder psychische Erkrankungen und aktueller Substanzmissbrauch, können Bedenken hinsichtlich ihrer Fähigkeit wecken, für ein erwartetes Baby zu sorgen. Es ist bekannt, dass das Risiko häuslicher Gewalt in der Schwangerschaft steigt (Cottrell 2009) und eine Gefahr für die Gesundheit von Mutter und Kind darstellt (Potter and Feder, 2018). So können Familien mit einer Vorgeschichte innerfamiliärer Gewalt und Misshandlung von Fachkräften als Risiko während der Schwangerschaft und für das Baby nach der Geburt eingeschätzt werden. Wie die Forschung von Ward et al. (2006, 2012) gezeigt hat, werden Säuglinge, bei denen im englischen Kontext ein Risiko erheblicher Schädigung angenommen wird, in Familien geboren, die vielfältige Benachteiligungen und Schwierigkeiten erleben, oft über lange Zeit. Dennoch ist die Entscheidung, ob ein Baby kurz nach der Geburt herausgenommen wird, für Fachkräfte hochgradig belastet und schwierig (Critchley, 2020a). Broadhurst et al. (2017a, 2017b) haben die erheblichen kurz- und langfristigen Folgen der Herausnahme von Säuglingen für leibliche Mütter ausführlich untersucht, insbesondere wiederholter Sorgerechtsverfahren, die zur Herausnahme mehrerer aufeinanderfolgender Neugeborener derselben leiblichen Mutter führen. Eine Erfahrung, die von immensem Verlust und Stigma geprägt ist, wie Morriss (2018) hervorgehoben hat, und die das Leben der Frauen nachhaltig prägt (Broadhurst and Mason, 2020). Bis vor Kurzem wurde jedoch den Auswirkungen auf die Väter weniger Aufmerksamkeit geschenkt, deren Kinder schon vor der Geburt Gegenstand von Kinderschutzabklärungen und -maßnahmen werden oder die die wiederholte Herausnahme ihrer Säuglinge erlebt haben (Bedston et al. 2019).
Dieser Artikel konzentriert sich auf die Erfahrungen werdender Väter, deren ungeborene Kinder einer vorgeburtlichen Kinderschutzabklärung unterlagen. Die hier vorgestellte Studie zielte nicht darauf ab, werdende Vaterschaft per se zu untersuchen. Vielmehr wollte die Forschung die Tätigkeiten des vorgeburtlichen Kinderschutzes verstehen sowie die Bedeutung, die werdende Mütter und Väter und Sozialarbeitende diesen Tätigkeiten zuschrieben. Bei der Analyse der Daten traten jedoch starke Themen in Bezug auf die Erfahrungen der Väter hervor. Das erste auffällige Phänomen in den Daten war, dass die Männer der Studie, die zu Beginn des Kinderschutzverfahrens anwesend waren, im Lauf der Zeit weniger sichtbar wurden und einige ganz verschwanden. Zweitens zeigten sich bei weiterer Analyse Unterschiede zwischen der Art, wie Väter sich in Sitzungen der Sozialen Arbeit präsentierten und von Fachkräften dargestellt wurden, und der Art, wie dieselben Männer in den durch die Forschung geschaffenen Räumen interagierten. Während die Väter der Studie oft als Risiko konzipiert wurden, trat in den Forschungsbegegnungen ihr Potenzial als Ressource für ihre Kinder weit deutlicher hervor. Damit stellt sich die Frage, ob die Praxis der Sozialen Arbeit in Bezug auf die Arbeit mit Vätern etwas von der Forschung der Sozialen Arbeit lernen kann. In diesem Artikel untersuche ich die Spannungen in Bezug auf Väter, Vaterschaft und Soziale Arbeit, die sich aus der Analyse der Daten dieser Studie ergaben. Anschließend skizziere ich, was diese Spannungen für Forschung und Praxis der Sozialen Arbeit mit Männern als Vätern bedeuten könnten, sowohl innerhalb als auch weit über die vorgeburtliche Zeit hinaus.
Seit Langem ist bekannt, dass Männer in Verfahren der Kinderfürsorge und des Kinderschutzes unterrepräsentiert sind, selbst wenn dieselben Männer in irgendeiner Form am Leben ihrer Kinder beteiligt bleiben (Brandon et al., 2009, 2019; Philip et al., 2019). 2009 beschrieben Brown et al. das Problem der „Geisterväter“ der Kinder- und Jugendhilfe.
In der Kinder- und Jugendhilfe werden Väter nicht nur übergangen, sie werden oft überhaupt nicht gesehen, selbst wenn sie anwesend sind … Väter existieren im Leben der Frauen und Kinder, die von der Kinder- und Jugendhilfe betreut werden. Doch die Kinder- und Jugendhilfe sieht Väter selten, selbst wenn sie anwesend sind. Wir haben das Wort „Geist“ gewählt, um diese Väter in der Kinder- und Jugendhilfe zu beschreiben, denn um einen Geist zu sehen, muss man zunächst an seine Existenz und seine Bedeutung glauben (Brown et al. 2009: 25–26).
Über diese anschauliche Beschreibung des Problems hinaus wurden weitere Konzeptualisierungen des Umgangs der Sozialen Arbeit mit Männern in der Kinder- und Jugendhilfe vorgeschlagen (Scourfield, 2001, 2006), von denen viele in irgendeiner Form Männer am Rand (Brandon et al., 2019) oder im Schatten (Ewart-Boyle et al., 2015) des Scheinwerferlichts der Kinder- und Jugendhilfe beschwören. Eindrücklich wird in Brandon et al.s Auswertung von Serious Case Reviews ein Vater als „ein Zuschauer, der in einem dunkleren Teil des Raums steht“ beschrieben (2009: 52). In diesem Artikel stütze ich mich auf das Konzept der „Geisterväter“ von Brown et al. (2009), um zu untersuchen, wie Männer im Kontext vorgeburtlicher Kinderschutzarbeit mit Familien in Erscheinung traten. Die Väter der ungeborenen Kinder existierten und waren den Fachkräften oft bekannt. Doch der Eindruck einer substanzlosen und randständigen Beziehung dieser Männer zum Kinderschutzverfahren, den Brown et al.s Beschreibung vermittelt, hallte bei der Analyse der Daten aus dieser Forschung deutlich wider. Die Studie und die Teilnahme werdender Väter daran werden in den folgenden Abschnitten ausführlicher beschrieben. Anschließend werden die Befunde zu den Männern unter Bezug auf das Konzept der „Geisterväter“ dargestellt.
Die hier vorgestellte ethnografische Studie wurde vom Economic and Social Research Council (ESRC) finanziert und von der Ethikkommission der School of Social and Political Science der University of Edinburgh genehmigt. Der Feldzugang wurde von einer städtischen schottischen Kommunalbehörde gemäß ihren Verfahren für Forschungsethik und Zugang gewährt. Zunächst wurde der Zugang für Fokusgruppen mit Fachkräften und Leitungspersonen der Sozialen Arbeit gewährt, die zwischen 2012 und 2013 als Sondierung durchgeführt wurden. Später wurde der Zugang für ethnografische Feldforschung gewährt, die über ein Jahr zwischen 2014 und 2015 abgeschlossen wurde.
Im Laufe eines Jahres beobachtete die Autorin Sitzungen der Sozialen Arbeit, die zwischen der Zuweisung einer sozialarbeitenden Fachkraft und der Geburt der Babys der Studie stattfanden. Zu den beobachteten Sitzungen gehörten Kinderschutz-Fallkonferenzen (CPCC), Core-Group-Treffen, informelle Besprechungen im Büro und Hausbesuche. Die Studie nutzte mobile Methoden, um die Teilnehmenden über eine Reihe von Orten und Sitzungen hinweg zu begleiten (Critchley, 2019), in Anlehnung an Fergusons (2011, 2016) Forschungsmethoden zur Untersuchung der Mobilitäten (Buscher et al., 2011) des Kinderschutzes an mehreren Orten. Die hier berichtete Forschung fand in Büros der Sozialen Arbeit und anderen öffentlichen Gebäuden statt, aber auch in den Wohnungen der Familien, im Auto der Autorin en route zu verschiedenen Sitzungen und Terminen, die die Teilnehmenden wahrnehmen mussten, sowie in den Autos von Sozialarbeitenden. Die Beobachtungen sollten die Interaktionen zwischen Fachkräften der Sozialen Arbeit und Familien im Kontext eines Kinderschutzverfahrens während einer Schwangerschaft erfassen. Die Interviews unterstützten diese Arbeit, indem sie die Bedeutung erkundeten, die die Teilnehmenden diesen Tätigkeiten beimaßen.
Die Familien wurden über die für das ungeborene Kind zuständige sozialarbeitende Fachkraft zur Teilnahme an der Studie eingeladen. In jedem Fall war die Zustimmung dieser Fachkraft und der werdenden Mutter erforderlich. Wann immer der werdende Vater benannt und in das sozialarbeiterische Verfahren für das Baby einbezogen war, wurde auch seine Zustimmung eingeholt. Keines der angesprochenen werdenden Elternteile verweigerte die Zustimmung. Allerdings verweigerte eine Reihe der angesprochenen Sozialarbeitenden die Zustimmung oder wollte die werdenden Eltern nicht ansprechen. Bei den Familien, die von der Forscherin angesprochen wurden, hielt die zuständige Fachkraft es also bereits für möglich, dass die Teilnahme an der Studie für die Familie von Interesse sein könnte. Insgesamt erklärten sich dreizehn Mütter zur Teilnahme an der Forschung bereit. Eine Mutter zog ihre Zustimmung später zurück, sodass 12 in der endgültigen Stichprobe verblieben. Acht werdende Väter stimmten der Teilnahme zu. Bei den übrigen vier ungeborenen Kindern war entweder die Vaterschaft den Fachkräften nicht mitgeteilt worden, oder ein direkter Kontakt mit dem Vater war im Rahmen der Studie nicht möglich.
Wann immer es praktikabel war, wurden beide Elternteile des Babys zu einem Forschungsinterview eingeladen. Nicht alle Mütter entschieden sich dafür, und noch weniger Väter. Sechs Mütter gaben Forschungsinterviews und nur zwei der Väter, verglichen mit allen 12 Sozialarbeitenden an der Basis und fünf der Sozialarbeitenden, die den Vorsitz der vorgeburtlichen Fallkonferenzen führten. Einige Teilnehmende gaben im Verlauf der Studie mehr als ein Forschungsinterview. Insgesamt wurden 20 Beobachtungen und 31 Forschungsinterviews durchgeführt.
Die folgende Tabelle beschreibt, in welchem Umfang die Väter der ungeborenen Kinder bei den Forschungsbeobachtungen anwesend waren und zu den Interviews dieser Studie beitrugen (Tabelle 1). Obwohl dies die erste Studie ist, die direkt versucht hat, Väter während vorgeburtlicher Kinderschutzverfahren in die Forschung einzubeziehen und ihre Perspektive auf sinnvolle Weise zu berücksichtigen, stand die Rolle der Väter nicht allein im Mittelpunkt. Gegenstand der Untersuchung war letztlich die Interaktion zwischen werdenden Eltern und Fachkräften der Sozialen Arbeit in der Zeit vor der Geburt. Die Autorin unternahm Versuche, Väter einzubeziehen, doch entsprechend dem Vorgehen bei den Müttern wurde der freiwillige Charakter der Teilnahme an der Forschung betont. Ethisch war es wichtig, dass die Eltern selbst bestimmen konnten, in welchem Umfang sie an dieser Forschung teilnahmen, angesichts der Schwierigkeiten in ihrem Leben, die sie ursprünglich mit der Kinder- und Jugendhilfe in Kontakt gebracht hatten. Ältere Teilnehmende schienen etwas eher bereit, Forschungsinterviews zu geben, doch gab es Ausnahmen. Frauen nahmen eher teil als Männer, was sich jedoch teilweise durch die stärkere Beteiligung der Mütter als der Väter der Stichprobe an den Kinderschutzverfahren erklären lässt. Die Mütter hatten keine andere Wahl, als an den Kinderschutzsitzungen teilzunehmen; der professionelle Blick war fest auf sie gerichtet. Die Rollen der Väter waren komplexer, wie die folgende Tabelle zeigt.
Tabelle 1 — Beteiligung der Väter an der Forschungsstudie
Es ist wichtig zu berücksichtigen, dass einige Familien der Stichprobe mit sehr komplexen väterlichen Konstellationen umgingen. Zudem hatten einige Mütter sich entschieden, den Vater ihres Babys nicht zu benennen, oder hatten keinen Kontakt mehr zu ihm. Ein Beispiel: Chloe erwartete ihr zweites Kind. Ihr älterer Sohn Bobby wurde von seiner Großmutter väterlicherseits im Rahmen einer vom Team der Sozialen Arbeit unterstützten Verwandtenpflege betreut. Bobby war zu diesem Zeitpunkt sechs Jahre alt, und Chloe besuchte ihn regelmäßig. Als ich sie kennenlernte, lebte Chloe allein in einer vorübergehenden kommunalen Unterkunft in einer Sozialbausiedlung am Stadtrand. Die Schwangerschaft war nicht geplant gewesen, und Chloe hatte in einem frühen Stadium einen Abbruch erwogen. Sie war nicht mehr mit dem Vater des Babys zusammen und war zu einem früheren Freund zurückgekehrt. Chloe erklärte in einem Forschungsinterview, dass dies Schwierigkeiten in ihrer aktuellen Beziehung verursachte, da ihr jetziger Partner „unbedingt ein Kind wollte. Weil er ziemlich oft weint, weil es nicht seins ist. Aber letztendlich hat er jemand anderen kennengelernt und ich auch, also. Manchmal reibt er es mir immer unter die Nase“ (Auszug aus einem Forschungsinterview mit Chloe, werdende Mutter).
Diese heikle familiäre Situation machte einen Forschungszugang zum Vater von Chloes Baby unmöglich. Eine andere Mutter, die an der Studie teilnahm, Nancy, erwartete ihr fünftes Kind. Zwei der Väter ihrer vier älteren Kinder spielten eine aktive Rolle in deren Leben, und einer von ihnen war regelmäßig an der Betreuung der Kinder beteiligt. Nancy erwartete ihr jetziges Baby mit Jack, der zuvor noch kein Kind gezeugt hatte und dessen Rolle in der Familie sich erst noch herausbilden musste. Alle drei Männer nahmen an der vorgeburtlichen Kinderschutz-Fallkonferenz teil. Bei den späteren Forschungsbegegnungen mit Nancy, ihren Kindern und der sozialarbeitenden Fachkraft der Familie war jedoch keiner der Väter anwesend.
Es gab „Geisterväter“ (Brown et al., 2009), die diese Studie heimsuchten. Obwohl es ethisch und praktisch komplex war, für diese Forschung Zugang zu den werdenden Müttern zu erhalten, war der Zugang zu den Vätern noch schwieriger. Im vorgeburtlichen Kinderschutzverfahren lag ein sehr intensiver professioneller Blick auf den werdenden Müttern. Die Frauen der Familien waren im Zentrum aller Kinderschutzaktivitäten und professionellen Erwartungen sichtbar, während die Männer bisweilen im Schatten blieben. Die Mütter sprachen über die Väter ihrer Babys, ebenso die Sozialarbeitenden, doch die leibliche Anwesenheit und der Beitrag der Männer im Rahmen der Sozialen Arbeit gingen oft verloren. Zwei Väter, Bill und Luke, nahmen an einer Reihe von Forschungsbeobachtungen und Interviews teil, und ihre Sichtweisen werden in diesem Beitrag ausführlicher betrachtet. Ein weiterer junger Vater, Liam, war bei allen beobachteten Sitzungen anwesend, lehnte aber ein Interview ab. Die übrigen Väter traf ich zwar und beobachtete einige von ihnen bei der Teilnahme an Kinderschutzsitzungen für ihre Babys, konnte den Kontakt zu ihnen aber nicht aufrechterhalten. Sie waren bei den beobachteten Sitzungen oder Forschungsbegegnungen mit den Müttern nie wieder anwesend.
Die Forschung erzeugte eine große Menge an ethnografischen Daten aus mehreren Perspektiven. Dazu gehörten Audioaufnahmen, detaillierte zeitnahe Feldnotizen zu Beobachtungen und Interviews sowie das Feldtagebuch der Autorin mit Elementen wörtlicher Aufzeichnung und Reflexion (Gioia, 2014). Transkription und Analyse der Daten wurden von der Autorin über mehrere Jahre während und nach Abschluss der Feldforschung vorgenommen. Transkribiert wurde in den ursprünglichen Dialekten; wo der schottische Dialekt stark ausgeprägt ist, wird in den nachfolgend wiedergegebenen Zitaten aus den Daten eine englische Entsprechung angegeben. Die Analyse war thematisch angelegt und erfolgte über einen Prozess von Kodes und Memos. Das Erkennen dominanter „Symbole und kultureller Bedeutungen“ (Vidich and Lyman, 1998: 44) in den Daten war ein wichtiger Aspekt des Analyseprozesses.
Die Analyse der Daten von Vätern war bewegend. Väter, die sich zur Teilnahme an der Forschung entschieden, wollten etwas von den Gefühlen vermitteln, die sie für ihre Kinder und ihre Partnerinnen hatten. Das wurde im Kontext der Sitzungen der Sozialen Arbeit nicht immer sichtbar. Diese Gegenüberstellung der „riskanten“ Väter der Kinderschutzsitzungen und der Zärtlichkeit, die die Männer in häuslicheren Kontexten zeigten und die von den Müttern beschrieben wurde, gab Anlass zu einer weiteren Analyse der Daten. Obwohl die Studie, wie oben erwähnt, nicht darauf ausgerichtet war, sich speziell auf die Männer zu konzentrieren, ergaben sich aus der detaillierteren Analyse die hier vorgestellten Befunde. Sie sind unter vier Überschriften gruppiert und beschreiben verschiedene Phänomene in Bezug auf die Väter der Studie.
Der erste Abschnitt befasst sich damit, wie die zärtlichen Gefühle der Männer für ihre Partnerinnen, die erwarteten Babys und andere Familienmitglieder in den Forschungsdaten zum Vorschein kamen – auf eine Weise, die in den Sitzungen und Abklärungen der Sozialen Arbeit nur selten sichtbar wurde. Der zweite Abschnitt betrachtet, wie die Gefährlichkeit der Männer festgestellt wurde. Der dritte Abschnitt behandelt den begrenzten professionellen Blick auf den Beitrag des Vaters zur Familie, selbst wenn Männer im Kinderschutzverfahren aktiv anwesend waren. Der vierte und letzte Abschnitt betrachtet, wie Väter in vorgeburtlichen Kinderschutzabklärungen ausgeschlossen wurden oder aus dem Blickfeld „verschwanden“ und so zu „Geistervätern“ wurden. Die Implikationen dieser Befunde werden in der Diskussion erörtert.
Bei der Analyse der Forschungsdaten wurde deutlich, dass zwischen der Art, wie einige Väter die durch die Forschung eröffneten Räume nutzten, und der Art, wie die Männer in Sitzungen und Berichten der Sozialen Arbeit erschienen und beschrieben wurden, eine Kluft bestand. In den Forschungsbegegnungen waren die Gefühle von Zärtlichkeit und Verbundenheit der Väter gegenüber ihren ungeborenen Kindern, älteren Kindern und Partnerinnen sehr deutlich. Ein besonders scharfer Kontrast zeigte sich zwischen dem leisen, nachdenklichen Auftreten eines Vaters, Bill, in den Forschungsinterviews und seinem schrofferen, streitbareren Stil in den Sitzungen der Sozialen Arbeit. Außerhalb der Kinderschutzsitzungen reflektierte Bill seine Erfahrungen als Vater und sprach darüber, was er für das erwartete Baby empfand und wie er die Beziehung zu seiner Partnerin Tracy erlebte. Bill war zum Zeitpunkt seiner Teilnahme an der Forschung 44 Jahre alt und hatte zwei erwachsene Kinder aus einer früheren Partnerschaft. Ich interviewte Bill einmal gemeinsam mit Tracy und einmal allein. Im zweiten Interview fragte ich Bill, ob es Unterschiede gebe, im Kontext einer vorgeburtlichen Kinderschutzabklärung Vater zu werden.
Bill: Ja, es, also, ich meine, es hat Tracy denken lassen, dass sie es am Anfang lieber hätte wegmachen lassen [die Schwangerschaft abbrechen], verstehst du, was ich meine? Es ist nicht gerade schön, wenn dir Leute im Grunde sagen, was du mit deinem eigenen Kind machen sollst. Du, du kriegst dein eigenes Kind nicht mal, die nehmen es dir weg.
[Pause]
B: Ich meine, wenn das Kind da wäre und dem Kind dann was passieren würde, dann ja, okay, dann hättet ihr [hier: die Fachkräfte des Kinderschutzes] jedes Recht. Aber das zu machen, worüber ihr die ganze Zeit rumschreit … das Kind wird so viel Liebe kriegen, das ist unglaublich! Verstehst du, was ich meine?
Autorin: Mmm.
B: Es wird gut versorgt sein, es wird ihm an nichts fehlen, verstehst du, was ich meine?
Auszug aus einem Forschungsinterview mit Bill, Vater von Tracys ungeborener Tochter.
In diesem Auszug drückt Bill seine Wut über das Kinderschutzverfahren aus, das nach seinen Worten im Familienleben mit seinen früheren Kindern keine Rolle gespielt hatte. Gleichzeitig beginnt Bill aber auch, über seine Liebe zu dem Baby zu sprechen, darüber, sich um die Kleine zu kümmern und für sie zu sorgen. In den beobachteten Sitzungen der Sozialen Arbeit hatte es keine erkennbare Gelegenheit für Bill gegeben, diese Verbundenheit mit seinem Baby auszudrücken. Später im Interview fragte ich Bill, wie es ihm damit gehe, wieder Vater zu werden, worauf er antwortete: „Ich freu mich drauf! Irgendwie ja und irgendwie nein. Wenn das Jugendamt nicht hier wäre, wäre ich total glücklich.“ Auch dieser Ausdruck von Freude über das Baby fand im Kontext der Kinderschutzsitzungen oder in der sozialarbeiterischen Abklärung von Bill keinen erkennbaren Raum. Vielmehr richtete sich der Fokus der Sozialen Arbeit fast ausschließlich auf die Risiken, die von Bill in der Familie ausgingen.
Interessanterweise wurde väterliche Zärtlichkeit, wenn Männer sie in formellen Sitzungen zeigten, von den Fachkräften zwar anerkannt, verringerte aber nicht unbedingt deren Einschätzung des Risikos in der Familie. Ellie und William nahmen an einer Fallkonferenz für ihr erwartetes Baby und ihre zweijährige Tochter Emily teil, die bei einer Pflegefamilie lebte. In der beobachteten Fallkonferenz wurde keine endgültige Entscheidung über längerfristige Versorgungsregelungen getroffen; es wurde jedoch angedeutet, dass das Baby wahrscheinlich bald nach der Geburt fremduntergebracht werden würde und dass William und Ellie die Versorgung keines der beiden Kinder zurückerlangen könnten. Hauptgrund dafür war die frühere Vernachlässigung von Emilys Grundbedürfnissen. Es war daher eine belastende Sitzung für die Eltern, und William äußerte sich mehrmals sehr emotional über Emily und seinen erwarteten Sohn, dessen Geburt in etwa 3 Monaten bevorstand.
Emily zu sehen ist der Höhepunkt unserer Woche. Ich sehe Emily so gern, aber es ist hart zu wissen, dass sie nicht bei einem lebt, wegen dem, was passiert ist; was wir getan haben. Da fühlt man sich schlecht
Ich weiß nicht, wie es sich anfühlt, seinen Sohn nicht aus dem Krankenhaus mit nach Hause zu nehmen
Auszüge aus zeitnahen Feldnotizen einer beobachteten Fallkonferenz zum erwarteten Baby von Ellie und William und ihrer älteren, zweijährigen Tochter Emily.
In einem kurzen Interview unmittelbar nach dieser Beobachtung räumte die Sozialarbeiterin Mary ein, es sei „herzzerreißend“ gewesen, William in der Sitzung über seine Liebe zu seinen Kindern und seinen Wunsch sprechen zu hören, sie bei sich zu haben. Mary räumte auch ein, dass William „eine gewisse Leidenschaft an sich hat“. Diese „Leidenschaft“ wurde Ellies Gefühlen gegenübergestellt, denn Mary war der Ansicht: „Sie will Emily nicht zu Hause haben, ich glaube nicht, dass sie sie zu Hause haben will. Sie muss nur so tun, als wolle sie sie zu Hause haben, und das Richtige sagen.“ Obwohl Mary also zugestand, „es ist nicht schön, nein“ und „es ist ziemlich traurig“, war ihre Sicht:
Sie lieben dieses Kind. Sie lieben Emily. Aber sie schaffen es einfach nicht [die Kinder sicher zu versorgen]“ und „man muss an diese Kinder denken, für die wir eintreten, und es wäre schlimmer, wenn sie nach Hause gingen und dann etwas … [unausgesprochen]
Auszüge aus zeitnahen Feldnotizen eines Forschungsinterviews mit Mary, Sozialarbeiterin für das ungeborene Kind von Ellie und William und ihre Tochter Emily.
Die Sozialarbeiterin sah William deutlich positiver als Ellie, die sie als „ziemlich faul“ bezeichnete. In gewisser Weise konnte William als Vater jedoch nicht plastisch, als ganzer Mensch wahrgenommen werden, wie es bei den Müttern möglich war. Sein Beitrag wurde in Relation zu dem seiner Partnerin Ellie gedacht; die Sozialarbeiterin deutete an, Ellie „wickle ihn um den kleinen Finger“, als sei seine emotionale Handlungsfähigkeit innerhalb der Familie gedämpft. In den zeitnahen Feldnotizen der Beobachtung hieß es: „Ellie weinte und wurde von William getröstet (wieder keine Taschentücher), aber William vermittelte wirklich das Gefühl, ein Papa sein zu wollen, sich mit sich selbst und seinem Leben im Reinen fühlen zu wollen.“
Ich notierte, dass ich beide Elternteile danach fragen wollte. Leider war es nicht möglich, William oder Ellie zu interviewen. Die Sozialarbeiterin Mary unterstützte die Teilnahme der Eltern an einem Forschungsinterview nicht, sodass dies nicht weiterverfolgt werden konnte. Die Beziehungen zwischen werdenden Eltern und Sozialarbeitenden wurden sichtlich angespannt, wenn geplant war, das Baby nach der Geburt fremdunterzubringen, und das mag zu Marys Gatekeeping beigetragen haben.
Die Beziehung zwischen Bill, Tracy und Courtney, der Sozialarbeiterin für das ungeborene Kind, wurde von den werdenden Eltern als schwierig und konfliktreich beschrieben. Die Sitzungen zwischen ihnen, die ich beobachtete, waren hoch angespannt. Zu dem Zeitpunkt, als ich Courtney interviewte, hatte sie begonnen, Bill als „Risiko“ zu beschreiben: als Risiko für das Baby, für Tracy und möglicherweise für die Fachkräfte. Das folgende Zitat bringt einen Teil der wahrgenommenen „Gefährlichkeit“ rund um Bill auf den Punkt. Courtney spricht über einen Besuch, den sie an einem Wochentagmorgen mit anderen Fachkräften für ein Core-Group-Treffen bei Tracy zu Hause gemacht hatte. Bill war anwesend und trank mit seinem erwachsenen Neffen Alkohol. Courtney spricht darüber, welche Folgen diese Situation ihrer Ansicht nach für ihre Abklärung hatte.
Aber ich fühlte mich nicht sicher, weil er [Bill], es war einfach auch seine kalte Art dabei. Er war ziemlich aggressiv, ach nein! Passiv, er war nicht aggressiv, aber er war so ein bisschen: „Ja, ich [trinke], na und? Was wollt ihr dagegen machen?“ Statt „Es tut mir wirklich leid“. Wenn er rübergekommen wäre und gesagt hätte: „Schauen Sie, ich habe einen Fehler gemacht, und das hätte ich nicht tun sollen, ich hätte für Tracy da sein sollen.“ Aber er fand das tatsächlich in Ordnung. Es war ein einmaliger Vorfall, also hat er es richtig heruntergespielt, richtig abgetan, und sie [Tracy] auch.
Was also für mich, wenn wir in Zukunft, wir haben Fachkräfte, das wäre etwas, das das Baby, das wäre ein Risikofaktor für das Baby, wenn seine [sic] Eltern nicht in der Lage sind, seine Bedürfnisse, seine, ihre Bedürfnisse über ihre eigenen zu stellen. Weil er [Bill] das an dem Tag nicht getan hat, nicht dazu in der Lage war
Auszug aus einem Forschungsinterview mit Courtney, Sozialarbeiterin für die erwartete Tochter von Bill und Tracy.
Die Gefährlichkeit bezog sich in dieser Situation ursprünglich auf das Baby und konzentrierte sich auf Bills Alkoholmissbrauch und den Verdacht auf häusliche Gewalt. Während Courtney spricht, wird jedoch deutlich, dass sich die Gefährlichkeit auszubreiten begonnen hat: Bill wird zunehmend als Risiko für Tracy gesehen und dann für den Zugang, den Fachkräfte zum Baby zu Hause erhalten könnten. Bill wird schließlich sogar als direktes Risiko für die Sicherheit der Fachkräfte gesehen, da Courtney erklärt, sie habe „sich nicht sicher gefühlt“. Zu diesem Zeitpunkt traf Courtney Bill nicht mehr ohne eine weitere Fachkraft. In Brandon et al.s Begriffen war Bill zunächst ein Mann „im Bild“, als potenzielles Risiko innerhalb der Familie, bewegte sich über „die Ränder“ des Kinderschutzplans hin zum Status eines „gezeichneten Mannes“ (2019: 453). Oder, in den Begriffen von Brown et al., Bill nahm allmählich eine gespenstische Rolle an. Diese Positionierung Bills im sozialarbeiterischen Verfahren stand in scharfem Kontrast zu der Rolle, die Bill sich selbst zuschrieb.
In den Forschungsbegegnungen teilte Bill Informationen über sein Leben mit, die er den Menschen, die diese Informationen wirklich brauchten – den Fachkräften des Kinderschutzes –, nur schwer wirksam vermitteln konnte. So sprach Bill im Interview über ein früheres Alkoholentzugsprogramm, die Unterstützung durch Gesundheitsfachkräfte, die er geschätzt hatte, und die Techniken, die sie angewandt hatten und die er hilfreich fand. Obwohl die Sozialarbeiterin ihn gegenüber dem Baby als „ambivalent“ beschrieb, sprach Bill in den Forschungsinterviews über seine Freude, wieder Vater zu werden. Er beschrieb auch seine Sorgen um Tracys Wohlergehen, falls das Baby nach der Geburt nicht in ihrer Obhut bliebe (Critchley, 2019). So unangenehm es war, diese bruchstückhaften Perspektiven der verschiedenen Teilnehmenden der Forschung hervortreten zu sehen, so wichtig waren die Fragen, die dadurch aufgeworfen wurden: wie wir in der Sozialen Arbeit mit Männern als Vätern sprechen und ein umfassenderes Bild ihres Lebens und ihrer Beweggründe in Bezug auf ihre Kinder gewinnen. Wie Brandon et al. (2019) beschreiben, sind die meisten Männer in Familien, die mit Kinderschutzverfahren konfrontiert sind, für ihre Kinder sowohl ein Risiko als auch eine Ressource. In dieser Familie war der Ressourcenteil dieser Gleichung in den Beschreibungen der werdenden Eltern erkennbar, schien aber in der sozialarbeiterischen Abklärung zu fehlen, die von einem allmählich durchsickernden Risiko durchzogen war, das an Bill haftete.
Der andere Vater, den ich im Rahmen dieser Studie interviewen konnte, war Luke. Auch Luke war zum Zeitpunkt seiner Teilnahme in seinen Vierzigern und hatte ebenfalls erwachsene Kinder, die von ihrer Mutter großgezogen worden waren. Das war in einer Zeit gewesen, in der Luke heroinabhängig war und sich nach eigenem Eingeständnis nicht so sehr um seine Kinder gekümmert hatte, wie er es hätte tun können. Dennoch hatte Luke eine Beziehung zu dieser Familie aufrechterhalten, insbesondere zu seiner erwachsenen Tochter. Ich interviewte Luke und seine Partnerin Rachel ein letztes Mal im Beisein ihrer neugeborenen Tochter Tessa, die zu früh zur Welt gekommen und bei dem Paar zu Hause war. Zum Zeitpunkt von Tessas Geburt war das Paar mit Methadon stabil substituiert und hatte gute Arbeitsbeziehungen zu den beteiligten Fachkräften, insbesondere zu ihrem Sozialarbeiter Callum.
Gřundělová und Stanková (2019: 1915) haben beschrieben, dass Vaterschaft ein vielschichtiges und umstrittenes Konstrukt ist. Doch selbst in diesem Forschungsinterview verkörperte Luke Aspekte von Vaterschaft, die in der Kultur der Studie dominant waren: sowohl die hegemonial männliche Rolle des Vaters als „Versorger“ als auch die eher „fürsorglichen Männlichkeiten“ (Elliott, 2016) der Vaterschaft. Rachel erwähnte häufig, dass Luke müde sei, weil er in der Nacht zuvor aufgestanden war, um die kleine Tessa zu füttern. Im Laufe des Interviews sprach Luke über seine Entschlossenheit, Arbeit zu finden, um Tessa und Rachel zu versorgen, kochte außerdem Kaffee für Rachel und bereitete Tessas nächstes Fläschchen zu. Lukes Ausdrucksformen von Vaterschaft wirkten natürlich und stimmten mit Rachels und Callums Beschreibungen der Familie überein. Im Kontext dieses letzten Forschungsinterviews begann Luke, über die Zeit im Krankenhaus mit Rachel und Tessa kurz nach deren Geburt zu sprechen. Er zeigte ein klares Verständnis dafür, was in Bezug auf Tessas Versorgung hätte geschehen können und was die Fachkräfte von ihm und Rachel gebraucht hatten, damit sie die Möglichkeit erhielten, Tessa zu Hause zu versorgen.
Luke: Wir haben es geschafft, wir wussten, was passieren würde.
[Gemeint ist: Hätten sie den Kinderschutzplan nicht eingehalten, wäre auch Tessa herausgenommen worden, doch sie kam mit ihnen nach Hause.]
Rachel: Im Bett neben mir lag ein Mädchen, der haben sie ihr Baby weggenommen.
L: Wir wussten, wenn wir es nicht machen, würde uns das passieren, aber …
R: Es hat mir das Herz gebrochen, das zu sehen, zu denken, das hätten wir sein können, weißt du?
L: Ken [ich weiß].
R: Aber das hat uns, wir behalten das, ich werde das im Kopf behalten für, so für die Tage, an denen ich gestresst bin. Nicht dass ich jemals in Versuchung gewesen wäre, wieder was zu besorgen. Nie, der Gedanke ist mir nie gekommen. Na ja, am Anfang schon, aber weißt du, seit ich Tessa habe, weil sie Angst hatten, ich könnte wieder anfangen zu trinken oder wieder zu konsumieren, aber das ist nicht, verstehst du, was ich meine, das ist mir nicht mal in den Sinn gekommen. Was wollte ich vorhin sagen? Da war doch vorher noch was?
Autorin: Du hast von dem Mädchen im Bett neben dir in der … erzählt.
R: Sie, ja, der haben sie ihr Baby weggenommen, weil es so ist, als hätte sie nie vorgehabt, ich weiß nicht …
L: Wie du sagst, jeder Fall ist anders, jeder Mensch ist anders …
R: Ich wollte noch was anderes sagen, aber ich weiß es nicht mehr …
L: Manche schaffen es, für die Kinder [von den Straßendrogen] wegzukommen, und anderen werden die Kinder im Grunde weggenommen …
Auszug aus einem Forschungsinterview mit Luke und Rachel, Eltern der kleinen Tessa.
Einige Fachkräfte erkannten das Positive an, das die Männer in ihre Familien einbrachten. Im folgenden Auszug reflektierte Callum über einen gemeinsamen Hausbesuch, den er und ein anderer Sozialarbeiter, Shane, ganz zu Beginn von Callums Tätigkeit mit der Familie bei Rachel und Luke gemacht hatten.
Rachel versuchte, über ziemlich schwierige Dinge mit ihrem Vater zu sprechen, und Luke hielt ihre Hand und streichelte sie irgendwie, und ich habe das bemerkt und war mir nicht sicher, ob Shane es gesehen hatte, aber es war das Erste, worüber Shane mit mir sprach, als wir rauskamen, er sagte: „Die unterstützen sich wirklich, wirklich gegenseitig“, und er sagte, diese kleinen Momente emotionaler Unterstützung seien da, also, weißt du, er ist sehr fürsorglich ihr gegenüber, und was ich ziemlich positiv fand, war, dass Shane sagte, weißt du, vielleicht könnte das für sie funktionieren. Weißt du, vielleicht haben sie da etwas, sodass sie zusammen als Paar in der Lage wären, weißt du, dem Baby alles zu geben, was es braucht
Auszug aus einem Forschungsinterview mit Callum, Sozialarbeiter für Rachels und Lukes Tochter Tessa, vor ihrer Geburt.
Doch selbst im Rahmen einer sehr positiven Beziehung zum fallführenden Sozialarbeiter hatte Luke das Gefühl, dass sein Beitrag zu den Kinderschutzsitzungen und zur Abklärung oft kleingeredet wurde. Der Fokus lag fest auf Rachel als Mutter. In diesem Auszug beschreibt das Paar eine vorgeburtliche Kinderschutz-Fallkonferenz, die kurz vor der Geburt stattgefunden und die ich beobachtet hatte.
Luke: Und sie haben uns ganz am Ende gefragt, die Person mit dem Vorsitz hat uns gefragt, was ich denke?
Rachel: Ich saß da und dachte, wann fragen die Luke überhaupt mal nach seiner Meinung oder, weißt du, reden überhaupt mal mit Luke … Ich hatte einfach das Gefühl, die haben dich bis zum Schluss eigentlich gar nichts gefragt, oder?
L: Bis zum Schluss, ja.
R: Und ich hatte wirklich das Gefühl, dass sich alles nur um mich drehte.
L: Du warst ja die, die das Bairn [Baby] getragen hat.
R: Ich weiß, aber die, also andere Themen, die aus deinem Drogenkonsum kommen und so, verstehst du, was ich meine? Das haben sie alles ein kleines bisschen bis zum Schluss aufgeschoben …
L: Bis zum Schluss, ja.
R: Dabei hätte deins eigentlich genauso gründlich behandelt werden müssen.
Auszug aus einem Forschungsinterview mit Luke und Rachel, Eltern der kleinen Tessa.
Obwohl Luke bei der hier beschriebenen Sitzung anwesend war, teilte das Paar die Ansicht, dass sein Beitrag zur Sitzung kleingeredet wurde. Bei der Analyse der Forschungsdaten kristallisierte sich als Thema heraus, dass Sozialarbeitende glaubten, Väter einzubeziehen. Die Väter – und die Mütter – sahen das jedoch nicht so. Obwohl Lukes Existenz im Sinne von Brown et al. (2009: 26) nicht geleugnet werden konnte, wurde seine „Bedeutung“ von den Fachkräften in Zweifel gezogen. Lukes Bemerkung, Rachel sei „die, die das Bairn getragen hat“, ist mit Blick auf den vorgeburtlichen Charakter der beobachteten Arbeit interessant. Damit die Babys bei den Kinderschutzsitzungen dabei sein konnten, mussten die Frauen physisch anwesend sein. Dies schien einen noch schärferen Fokus darauf zu erzeugen, Mütter in die Sitzungen einzubeziehen, wie im folgenden Abschnitt untersucht wird.
Männer können sehr leicht aus dem Blickfeld geraten, selbst wenn von ihnen die größten Risiken in Familien ausgehen. In der Forschungsstichprobe war Eddie der Vater von Stephanies erwartetem Baby. Es war Stephanies zweites Baby; ihr älteres Kind wurde überwiegend von ihrer eigenen Mutter im Rahmen einer Verwandtenpflege betreut. Auch Eddie hatte ein Kind aus einer früheren Partnerschaft. Er hatte beide Frauen während der Schwangerschaften mit seinen Kindern in den Bauch geschlagen, im Rahmen eines Musters extrem gewalttätiger häuslicher Gewalt. Die Sorge um Stephanie und ihr ungeborenes Kind war daher groß. In diesem Auszug aus einem Forschungsinterview erläutert Benjamin, der Sozialarbeiter für das ungeborene Kind, die Risiken.
Ja. Ich habe Angst wegen Eddie. Ich meine, ich schaue hier auf die Vorgeschichte, wenn wir auf sein erstes Kind zurückblicken, auf die frühere Beziehung. Er hat in der frühen Kindheit dieses Kindes viel Unruhe verursacht. Ja, das Kind hatte viel häusliche Gewalt miterlebt. Ich glaube, auch viel Alkoholmissbrauch. Das ist also meine Sorge. Ich möchte nicht, dass die frühe Kindheit des Kindes so einem Verhalten ausgesetzt ist. Ja. Das ist meine Sorge … Eddie kann zu mir kommen und sich als veränderter Mann präsentieren, aber es ist sehr schwer, das zu glauben. Ja, wir haben Angebote, auf die er sich einlassen soll, wie Angebote zu häuslicher Gewalt und Anti-Aggressions-Training, eine psychiatrische Abklärung, die wir möchten, ich meine, um zu sehen, ob er sich stabilisiert. Wenn er sich gut darauf einlässt … deshalb will ich mich mit ihm treffen. Ich will ihn nicht völlig abschreiben. Ich will ihm trotzdem eine Chance geben, nicht wahr? Bestimmte Angebote einrichten, die wir für relevant halten. Und positive Veränderung unterstützen. Wenn er sich darauf einlässt, dann schauen wir von da aus, was wir tun können. Wahrscheinlich begleiteter Umgang [mit dem Baby], so etwas in der Art, in einem Begegnungszentrum
Auszug aus einem Forschungsinterview mit Benjamin, Sozialarbeiter für das erwartete Baby von Stephanie und Eddie.
Benjamin erkannte das Ideal an, konstruktiv mit Eddie zu arbeiten, damit er eine Rolle im Leben seines Babys spielen kann. Auch Stephanie gab an, dass sie dies trotz seiner früheren Gewalt für wichtig halte. Als ich Stephanie kurz vor der Beobachtung einer Fallkonferenz für das Baby kurz interviewte, beschrieb sie Eddie so: „Ein furchtbarer Mensch, furchtbar zu Frauen, weiß nicht, wie man jemanden respektiert. Er ist ein furchtbarer Partner“ (Stephanie, werdende Mutter, Auszug aus zeitnahen Feldnotizen der Fallkonferenz zum ungeborenen Kind von Stephanie und Eddie). Doch Stephanie beschrieb auch ihre Hoffnung, dass Eddie, obwohl er ein schrecklicher Partner war, irgendwie eine Rolle im Leben ihres Kindes spielen könnte, denn „es tut einem Kind weh, wenn der Papa gar nicht da ist“. Es ist nicht schwer, Stephanies Sichtweise ein falsches Bewusstsein zuzuschreiben, das aus der gewaltgeprägten Beziehung mit Eddie herrührt. Stephanie behauptet jedoch, dass Eddie im künftigen Leben ihres ungeborenen Kindes präsent sein würde, ob er nun physisch anwesend wäre oder nicht und ob es für ihr Kind sicher wäre, Zeit allein mit Eddie zu verbringen, oder nicht.
Was bei der beobachteten vorgeburtlichen Kinderschutz-Fallkonferenz zum ungeborenen Kind von Stephanie und Eddie tatsächlich geschah, war, dass Eddie zur Sitzung ins Büro der Sozialen Arbeit kam. Die Sitzung fand jedoch ohne Eddie statt. Es herrschte Unklarheit darüber, wie er angesichts seiner Drohungen gegen Stephanie einbezogen werden könnte; er wurde eine Zeit lang hingehalten, stand schließlich auf und verließ das Gebäude. Die Fallkonferenz war eine sehr schwierige Sitzung: Der „Name“ des Babys wurde in das Kinderschutzregister eingetragen, und Stephanie wurde mitgeteilt, dass ihr Baby möglicherweise kurz nach der Geburt fremduntergebracht werde. Diese Möglichkeit erschütterte sie sichtlich. In einem Forschungsinterview einige Zeit später erzählte mir Benjamin, dass Eddie nicht mehr mit den Fachkräften des Kinderschutzes zusammenarbeite. Dennoch vermuteten sie stark, dass Eddie noch in Kontakt mit Stephanie stand.
Benjamin: Weil ich nicht ganz überzeugt bin, dass Eddie völlig von der Bildfläche verschwunden ist. Er hat nicht auf meine Anrufe reagiert, ich habe ihn seit der Fallkonferenz nicht mehr gesehen … Ich habe es so oft versucht, ich habe ihm geschrieben, ich habe angerufen, ich habe ihm Textnachrichten geschickt. Ich habe keine positive Antwort bekommen und auch keinen Wunsch von ihm, ein Treffen mit mir zu vereinbaren. Ich habe auch überlegt, einen unangekündigten Hausbesuch bei ihm zu machen, nur um zu sehen, was los ist.
Autorin: Und haben Sie also den Eindruck, dass er weiß, was bei der Fallkonferenz passiert ist?
B: Er weiß es! Er weiß es, er weiß es, er weiß es, ja. Er weiß es. Das ist noch etwas, weshalb ich ihre Beziehung eher infrage stelle, weil Stephanie es vielleicht mitgeteilt hat. Oder Stephanie hat es in ihrem Umfeld oder Freundeskreis erzählt, und die haben die Information an Eddie weitergegeben. Ich weiß es nicht. Aber er weiß es. Er weiß es.
Auszug aus einem Forschungsinterview mit Benjamin, Sozialarbeiter für das ungeborene Kind von Eddie und Stephanie.
Dass Eddie „von der Bildfläche verschwindet“, ist offensichtlich problematisch: Stephanie, von der angenommen wird, dass sie durch Eddie einer unmittelbaren körperlichen Gefahr ausgesetzt ist, ist zu dem Medium geworden, über das Eddie Informationen über das Kinderschutzverfahren für ihr Baby erhält. Diese Vermittlerrolle erhöhte potenziell das Risiko für Stephanie und das Baby. Der Vorsitz der Fallkonferenz räumte später im Interview ein, es wäre besser gewesen, wenn Eddie tatsächlich an der Sitzung teilgenommen hätte. Nachdem ich Eddie vor der Fallkonferenz kurz getroffen hatte, konnte ich ihn nicht interviewen und sah ihn nicht wieder.
Der Umgang mit Vätern und Vaterschaft im Kontext der Kinder- und Jugendhilfe scheint ein hartnäckiges Problem über Zeiten und Orte hinweg zu sein (Coady et al., 2013; Maxwell et al., 2012; Mykkänen et al., 2017; Turesson, 2020; Zanoni et al., 2013). Diese Problematik hat sich weder durch anhaltende Forderungen nach Veränderungen der Praxis (Clapton, 2013; Featherstone et al., 2007) noch durch „Greenshoots“-Initiativen (Scourfield, 2015) wesentlich verbessert. Brandon et al. stellen fest, dass „Fachkräfte trotz der Schwierigkeiten, Väter einzubinden, in der Lage sind, Arbeitsbeziehungen zu Männern aufzubauen“ (2019: 449). Dennoch bleibt die Kinder- und Jugendhilfe überwiegend „Arbeit“ von Frauen (Brown, 2006). In einem Ausmaß, dass, wie Ewart-Boyle et al. (2015: 472) nahegelegt haben, „eine übermäßige Konzentration auf die Arbeit mit Müttern und der Ausschluss von Vätern so tief in der Gesellschaft und der Kultur der Sozialen Arbeit verwurzelt sind, dass sie oft nicht hinterfragt werden“.
Der Ausschluss von Vätern aus Kinderschutzverfahren verstärkt die Responsibilisierung der Mütter für die Risiken und Schwierigkeiten in der Familie (Critchley, 2020b; Stewart, 2020). Nur in einer kleinen Minderheit der Fälle hatte die Arbeitsbeziehung, die die sozialarbeitende Fachkraft zum Vater aufbaute, annähernd die Stärke und Zielgerichtetheit der Arbeitsbeziehung, die von der werdenden Mutter gegenüber den Fachkräften erwartet wurde. Dadurch blieb der Scheinwerfer des Kinderschutzes fest auf die Frauen gerichtet. Die Notwendigkeit einer gründlichen Abklärung dessen, was genau Väter ihren Kindern bieten können – auf einem Spektrum von Informationen zur Lebensgeschichte bis hin zur Erziehung ihres ungeborenen Babys –, wird durch die Forschung von Ward et al. (2006, 2012) zu den Versorgungsverläufen von Säuglingen und sehr kleinen Kindern unterstrichen. Dies ist in Situationen häuslicher Gewalt, in denen die vorrangige Aufgabe darin besteht, die Risiken für Kind und Mutter zu bewältigen, eindeutig eine sehr komplexe Aufgabe (Devaney, 2014; Lloyd et al., 2017). Was O’Hagan (1997) als „Vermeidung“ von Männern durch Sozialarbeitende beschrieb, hat erhebliche Auswirkungen auf alle Familienmitglieder. Wie Pennell et al. (2014: 38) hervorheben, „bedeutet dies, dass Fachkräfte die Gewalt, die Männer gegen ihre Kinder und die Mütter ihrer Kinder ausüben, nicht direkt ansprechen können“.
Der weit verbreitete Ausschluss von Vätern aus dieser Arbeit durch die Soziale Arbeit hat weiterhin gravierende Folgen für Väter, für ihre Kinder und für Mütter in Familien, die mit der Kinder- und Jugendhilfe zu tun haben (Philip et al., 2019). Vätern wird die Gelegenheit verwehrt, ihre elterlichen Rechte und Pflichten wahrzunehmen, während Mütter überverantwortlich gemacht und oft für das schädigende Verhalten von Männern im familiären Umfeld zur Rechenschaft gezogen werden. Kindern bleiben möglicherweise die Vorteile einer Beziehung zu ihrem Vater in Bezug auf Identität und alltägliche Versorgung vorenthalten.
Progressive Initiativen wie geschlechtsneutrale Sprache, die Begriffe wie „Betreuungspersonen“ oder „Eltern“ an die Stelle von „Mütter“ oder „Väter“ setzen … haben wenig dazu beigetragen, den Fokus von Frauen auf Frauen und Männer zu verschieben. Wie unsere Aktenanalyse zeigte, lesen Fachkräfte in Richtlinien und Gesetzen „Elternteil“ beharrlich als „Mutter“ (Brown et al. 2009: 27).
Im Kontext eines vorgeburtlichen Kinderschutzverfahrens kann das Baby nicht als eigenständiges Individuum in der Welt beobachtet werden, das mit beiden Elternteilen interagiert und in einer sichtbaren Beziehung zum Vater steht. Die Daten dieser Studie liefern insgesamt nur wenige Belege für eine nachhaltige und sinnvolle Einbindung von Männern und eine Reihe von Beispielen, in denen Väter in der vorgeburtlichen Kinderschutzarbeit mit Familien übersehen, ausgeschlossen und unsichtbar gemacht wurden. Damit verleihen sie der gut dokumentierten Hervorbringung von Geistervätern in der Kinder- und Jugendhilfe noch mehr Gewicht (Brown et al., 2009).
Diese Studie stellte fest, dass es entscheidend war, dass Sozialarbeitende Väter als „Zweck an sich“ sahen und nicht als Hindernisse für die Arbeitsbeziehung mit der Mutter oder für die Überwachung der Sicherheit des Babys. Eine solche Haltung lag jeder sinnvollen Einbeziehung von Männern in Kinderschutzsitzungen und -abklärungen zugrunde. Wie Zanoni et al. (2013) argumentiert haben, bleibt eine stärkere Einbeziehung von Vätern in Praxis und Forschung eine dringende Priorität für die Soziale Arbeit, trotz umfangreicher Literatur, die in den letzten Jahrzehnten eine wirksamere Einbindung von Männern als Vätern gefordert hat (Daniel and Taylor, 1999; O’Hagan, 1997). Leider tragen die Befunde dieser Studie zu einem überquellenden Fundus an Belegen dafür bei, dass es der Sozialen Arbeit nicht gelingt, im Interesse des Wohls der Kinder respektvoll mit Vätern zu arbeiten. Die Einbeziehung der Väter in die Forschung hätte vollständiger sein können, und eine Reihe von Faktoren erschwerte sie, darunter Gatekeeping sowohl durch Sozialarbeitende als auch durch Mütter. Dennoch war der Beitrag, den die Väter zur Forschung leisten konnten, wichtig. Daten mit Beteiligung der Väter lieferten Belege dafür, dass sich die begrenzte Einbindung von Männern durch die Soziale Arbeit auch auf die vorgeburtliche Arbeit erstreckt. Zudem deuteten die möglich gewordenen Forschungsbegegnungen mit Vätern darauf hin, dass weniger agendagesteuerte, offene Gespräche mit Vätern zu reflektierteren und aufschlussreicheren Ergebnissen führen können.
Anhand von Daten von und über Väter habe ich argumentiert, dass Verfahren und Praxis des vorgeburtlichen Kinderschutzes so wirken können, dass der Beitrag von Männern übersehen oder aktiv ausgeschlossen wird. Die Befunde dieser Studie unterstreichen, dass Fachkräfte Väter anders sehen, anders mit ihnen sprechen und sie anders verstehen müssen. Obwohl das Problem der „Geisterväter“ in der Kinder- und Jugendhilfe von der Forschung wiederholt benannt wurde, haben Strategien zu seiner Bewältigung bislang keine wesentlichen Veränderungen in der Praxis bewirkt. Wege zu finden, Männer wirksam in die Risikoabklärung in ihren Familien und in die Versorgungsplanung einzubeziehen, bleibt eine fortwährende Herausforderung für die Kinder- und Jugendhilfe.
Weitere Forschung, die sich gezielt mit den Männern in den Familien von Kindern befasst, die Gegenstand von Interventionen der Kinder- und Jugendhilfe sind, bleibt notwendig. Auch die Methoden, um Väter in diese Forschung einzubeziehen, müssen weiterentwickelt werden. Die in diesem Beitrag vorgestellte Forschung zeigt das Potenzial ethnografischer Methoden, einen sinnvollen Raum zu schaffen, in dem Väter ihre Anliegen und Sichtweisen äußern können. Darüber hinaus legt die Art, wie Männer die durch diese Studie geschaffenen Forschungsräume nutzten, nahe, dass weniger agendagesteuerte Begegnungen mit Vätern es Männern ermöglichen, Informationen zu liefern, die für die Kinderschutzabklärung potenziell von Bedeutung sind. Um sich von den Geistervätern des Kinderschutzes zu verabschieden, müssen Fachkräfte die Männer im Leben von Kindern als reale, vielschichtige Menschen behandeln, die innerhalb ihrer Familien sowohl zu schädigendem als auch zu fürsorglichem Verhalten fähig sind.
Complexe Systémique: Kernpunkte
Diese Ethnografie macht einen Mechanismus sichtbar, der weit über die Zeit vor der Geburt hinausreicht: Das Schutzsystem ist um die Mutter-Kind-Dyade herum gebaut, und der Vater tritt nur als Risikofaktor in Erscheinung. Das Bill zugeschriebene Risiko breitet sich allmählich aus, vom Baby auf seine Partnerin und dann auf die Fachkräfte selbst, während seine Freude, wieder Vater zu werden, keinen Ort findet, an dem sie geäußert werden könnte. Systemisch gelesen schützt es nicht, den Vater an den Rand zu drängen: Es macht die Mutter überverantwortlich, macht sie mitunter zum Informationskanal eines gewalttätigen Mannes und nimmt dem Kind eine Bindung, die Teil seiner Geschichte sein wird, wie auch immer entschieden wird. Für die klinische Praxis ist der nützlichste Hinweis fast methodischer Art: Gespräche, die weniger von einer Agenda gesteuert sind, bringen Ressourcen zum Vorschein, die der formellen Abklärung entgehen, ohne die Gefahr zu leugnen. Vorsicht bleibt dennoch geboten: zwölf Familien, nur zwei interviewte Väter, eine einzige schottische Kommunalbehörde, und die besorgniserregendsten Väter außerhalb der Reichweite der Forschung selbst. Zu lesen zusammen mit dem Artikel über Schattenväter und den gesamtfamiliären Ansatz in der Sozialen Arbeit und dem Artikel über Männlichkeit und Bindung in der Arbeit mit Vätern.
Anmerkungen aus dem Original
Erklärung zu Interessenkonflikten. Die Autorin erklärte, dass in Bezug auf Forschung, Autorschaft und/oder Veröffentlichung dieses Artikels keine potenziellen Interessenkonflikte bestehen.
Finanzierung. Die Autorin gab an, für Forschung, Autorschaft und/oder Veröffentlichung dieses Artikels folgende finanzielle Unterstützung erhalten zu haben: Diese Forschung wurde durch ein 1+3-Promotionsstipendium des Economic and Social Research Council (ESRC) mit der Fördernummer 1091282 finanziert. Die Promotionsforschung der Autorin wurde an der University of Edinburgh im Rahmen der Graduate School of Social and Political Science durchgeführt.
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Inoffizielle deutsche Übersetzung von Giving up the ghost: Findings on fathers and social work from a study of pre-birth child protection von Ariane Critchley, Qualitative Social Work, Bd. 21, Nr. 3, S. 580-601 (2022), doi: 10.1177/14733250211019463, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzung und Satz: Complexe Systémique, Oktober 2026, mit Unterstützung künstlicher Intelligenz; das Werk wurde im Sinne der Lizenz bearbeitet (Tabelle als Liste, Erklärungen in den Anmerkungen zusammengefasst). Weder die Verfasserin noch der Verlag sind für diese Übersetzung verantwortlich; maßgeblich ist die Originalfassung.
Der Originalartikel „Giving up the ghost: Findings on fathers and social work from a study of pre-birth child protection“ erschien in Qualitative Social Work (2022) unter der Lizenz CC BY 4.0. Diese Fassung ist eine inoffizielle deutsche Übersetzung, die Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt hat, mit einer für das Lesen online angepassten Darstellung, wie oben auf dieser Seite angegeben. Maßgeblich ist die Originalfassung.
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Critchley, A. (2022). Giving up the ghost: Findings on fathers and social work from a study of pre-birth child protection. Complexe Systémique. https://app.complexe-systemique.com/en_GB/articles/giving-up-the-ghost-findings-on-fathers-and-social-work-from-a-study-of-pre-birth-child (Originalwerk 2021 erschienen in Qualitative Social Work, 21(3), 580-601 (2022); 2022 erneut veröffentlicht von Qualitative Social Work, https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/14733250211019463)
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