Diese Fassung wurde von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz aus dem Englischen übersetzt. Im Zweifelsfall ist die Originalfassung maßgeblich.
Child Abuse Review · Kinderschutz
In England sind jedes Jahr mehr als 2.400 Neugeborene Gegenstand eines familiengerichtlichen Kinderschutzverfahrens, und viele ihrer Mütter kehren allein aus einer Entbindungsstation nach Hause zurück, auf der niemand ihren Verlust anerkannt hat. Auf Grundlage der Berichte von 38 Müttern beschreibt das Team um Claire Mason die Scham, die aberkannte Trauer und den uneindeutigen Verlust, die auf die Trennung folgen, und stellt anschließend die HOPE-Boxen vor, die gemeinsam mit Müttern mit eigener Erfahrung entwickelt wurden, um die Verbindung zum Baby zu erhalten.
Inoffizielle deutsche Übersetzung von Giving HOPE and minimising trauma: An intervention to support women who are separated from their babies at birth due to safeguarding concerns von Claire Mason, Harriet Ward und Karen Broadhurst, erschienen in Child Abuse Review (Wiley) (2023), doi: 10.1002/car.2809, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique im Oktober 2026 mit Unterstützung künstlicher Intelligenz: Der Originaltext wurde ins Deutsche übersetzt und für das Lesen online neu gesetzt, was eine Bearbeitung des Werks im Sinne der Lizenz darstellt. Tabelle 1 wird als Liste wiedergegeben; die Erklärungen am Ende des Artikels sind in den Anmerkungen zusammengefasst. Diese Übersetzung stammt weder von den Verfassenden noch vom Verlag, die weder für ihren Inhalt noch für etwaige Fehler verantwortlich sind. Maßgeblich ist die Originalfassung.
Unabhängig von den Umständen ist die Trennung bei der Geburt zweifellos eine traumatische Erfahrung mit weitreichenden Folgen für alle Beteiligten.
Claire Mason, Harriet Ward und Karen Broadhurst
Zusammenfassung
Unabhängig von den Umständen ist die Trennung von Säuglingen und ihren Müttern bei der Geburt eine traumatische Erfahrung für alle Beteiligten. Der Beitrag berichtet über eine Studie, die darauf abzielte, die Praxis in diesem hochsensiblen Bereich zu verbessern. Die Analyse von Daten aus halbstrukturierten Interviews mit 38 Müttern, die die Herausnahme ihres Kindes bei der Geburt erlebt hatten, ergab vier gemeinsame Themen: Isolation und nicht anerkannter Unterstützungsbedarf; Scham, Stigma und die fehlende Anerkennung ihrer mütterlichen Identität durch andere; akutes Trauma, unmittelbarer Absturz und aberkannte Trauer nach der Herausnahme des Säuglings; sowie Strategien, um Schmerz und Trauer zu lindern. Zu diesem letzten Themenfeld gehörte die Nutzung von Gegenständen, sowohl als Übergangsobjekte, die den Müttern helfen, den endgültigen Verlust eines Babys zu verarbeiten, als auch als Mittel, die mütterliche Identität lebendig zu halten und mit einem Säugling verbunden zu bleiben, der möglicherweise irgendwann nach Hause zurückkehrt. Als Antwort auf diese Ergebnisse und in Zusammenarbeit mit einer Gruppe von Frauen mit eigener Erfahrung wurden HOPE-Boxen entwickelt, um das Trauma und die psychische Belastung zu lindern, die Frauen in dieser Situation tragen. Der Inhalt der Boxen wurde so gewählt, dass er die sich wandelnden Erfahrungen auf dem Weg der Frauen widerspiegelt, aber auch die Bandbreite möglicher Ausgänge. Die Intervention hat ein beträchtliches Potenzial, das Trauma dieser schmerzhaften Erfahrung zu minimieren.
Zentrale Botschaften für die Praxis
Was auch immer die zugrunde liegenden Gründe sind: Die Trennung eines Säuglings von seiner leiblichen Mutter im ersten Lebensjahr kann Quelle anhaltender Trauer sein und langfristige Auswirkungen auf alle Beteiligten haben – die Eltern, das Kind und in vielen Fällen die Fachkräfte, die mit der Durchführung der Herausnahme betraut sind (Geddes, 2021; Mason et al., 2022a; Neil, 2013). Es gibt jedoch zunehmend Belege dafür, dass in Ländern mit niedrigem, mittlerem und hohem Einkommen eine große Zahl von Säuglingen aus einem komplexen Geflecht sozialer und wirtschaftlicher Gründe zur Adoption freigegeben, freiwillig außerhalb des Elternhauses untergebracht oder aufgrund von Kinderschutzbedenken zwangsweise aus ihren Familien genommen wird (Wulczyn et al., im Druck), und dass dies in den Vereinigten Staaten (Wulczyn et al., 2013), im Vereinigten Königreich (Mason et al., 2022a), in Skandinavien (Hestbæk et al., 2020), in Australien (O'Donnell et al., 2019) und in Teilen Afrikas (Rosenberg, 2020) Anlass zu erheblicher Sorge gibt. Wahrscheinlich sind diese Sorgen sogar noch weiter verbreitet (Backhaus et al., 2019).
In Ländern mit umfassenden Kinderschutzsystemen erfolgt die Mehrzahl der Trennungen von Eltern und Säuglingen zwangsweise, als Reaktion auf Bedenken wegen Misshandlung und Vernachlässigung (Browne et al., 2005). In England stellten die Autorinnen dieser Studie (2018) fest, dass in den zehn Jahren zwischen 2007–2008 und 2016–2017 27 % aller Kinder, die in ein familiengerichtliches Kinderschutzverfahren kamen, Säuglinge unter einem Jahr waren. Innerhalb dieser Altersgruppe hatte sich die Zahl der Neugeborenen (Säuglinge unter einer Woche) in solchen Verfahren mehr als verdoppelt, von 1.093 auf 2.447; ihr Anteil war von 32 % aller Säuglingsfälle 2007–2008 auf 42 % 2016–2017 gestiegen, und es gab große regionale Unterschiede.
Die Herausnahme Neugeborener aus ihren Herkunftsfamilien ist ein äußerst umstrittenes Thema, das Fragen der Ethik, der sozialen Gerechtigkeit und der Ideologie hinter der Kinderschutzpolitik aufwirft. Einerseits können regionale Unterschiede und eine hohe Zahl von Neugeborenen in Verfahren auf eine Missachtung der Elternrechte hindeuten und werfen Fragen der Fairness und Gleichheit auf. Die Eltern, die am ehesten an Verfahren um ihre Kinder beteiligt sind, sind zugleich am stärksten von intersektionalen Ungleichheiten betroffen (Bywaters et al., 2018; Doebler et al., 2021; Johnson et al., 2021). Andererseits machen Fallanalysen zu vermeidbaren Todesfällen und schweren Verletzungen von Säuglingen die Verletzlichkeit kleiner Kinder und ihren Bedarf an besonderer Aufmerksamkeit und besonderem Schutz deutlich (Brandon et al., 2020). Auch wenn die zugrunde liegenden Fragen zweifellos komplex sind: Unabhängig von den Umständen ist die Trennung bei der Geburt zweifellos eine traumatische Erfahrung mit weitreichenden Folgen für alle Beteiligten (Marsh, 2016; Mason et al., 2019, 2022a).
Dieser Beitrag untersucht die Befunde zu den Erfahrungen leiblicher Mütter, die die Herausnahme eines Säuglings erlitten haben, und identifiziert vier Themen, die sich aus ihren gemeinsamen Erfahrungen ergeben: Isolation, Scham, aberkannte Trauer und Trauma sowie Strategien zur Linderung des Schmerzes. Anschließend zeigt er, wie ihre Geschichten genutzt wurden, um eine Intervention (die HOPE-Boxen) zu entwickeln, die ihr Trauma und ihre Trauer lindern soll.
Das in diesem Beitrag vorgestellte Projekt ist Teil des Programms Born into Care, das vom Nuffield Family Justice Observatory finanziert wird. Ihm gingen zwei Evidenzübersichten voraus: eine zu den Sichtweisen von Herkunftseltern und Fachkräften auf die vorgeburtliche Einschätzung und die Herausnahme von Säuglingen bei der Geburt (Mason et al., 2019) und eine zum perinatalen Verlust (McGrath-Lone & Ott, 2022) – ein Thema, das eingehend untersucht wurde, weil die Erfahrungen von Eltern, die ein Baby durch eine Adoption verlieren, in vieler Hinsicht denen von Eltern ähneln, die eine Fehlgeburt oder Totgeburt erleben (Geddes, 2021). Dieser Beitrag stützt sich auf die Ergebnisse dieser Übersichten.
Die in diesem Beitrag berichteten Ergebnisse stammen aus einer qualitativen Studie, die die aktuellen Herausforderungen verstehen wollte, wenn bei der Geburt Kinderschutzmaßnahmen ergriffen werden. Die Studie mündete in vorläufige Leitlinien guter Praxis, die derzeit an den beteiligten Standorten auf ihre Umsetzbarkeit erprobt werden (Mason et al., 2022b). Der Studie ging eine umfangreiche Vorarbeit voraus, darunter statistische Veröffentlichungen (Alrouh et al., 2019; Broadhurst et al., 2018), zwei Übersichten über die einschlägige veröffentlichte Literatur (Mason et al., 2019; McGrath-Lone & Ott, 2022) sowie eine Analyse nationaler und lokaler Protokolle (Ward et al., 2022).
Datenerhebung und -analyse folgten anerkannten Standards für belastbare qualitative Forschung (Daly, 2007; Davies & Dodd, 2002).
Das Projekt wurde von der Ethikkommission der Lancaster University sowie von den Governance-Gremien der beteiligten Kommunalbehörden und der Health Research Authority genehmigt. Unterstützt wurde es von zwei Beiräten: einem aus Müttern mit eigener Erfahrung und einem zweiten aus Fachleuten aus Politik, Praxis und Wissenschaft.
Für die Studie wurden acht Kommunalbehörden und sieben zugehörige Health Trusts in England und Wales ausgewählt, und zwar wegen der hohen Zahl von Säuglingen in familiengerichtlichen Kinderschutzverfahren (Alrouh et al., 2019; Broadhurst et al., 2018).
Verschiedene einschlägige Fachkräfte wurden zur Teilnahme an Fokusgruppen eingeladen, Eltern mit eigener Erfahrung zur Teilnahme an Interviews. Die Rekrutierung folgte den Grundsätzen der Freiwilligkeit, wie sie die British Sociological Association (2017) formuliert hat. Ausgeschlossen wurden Eltern, die zuvor im Rahmen eines Kinderschutzverfahrens die Dienste des Official Solicitor benötigt hatten oder die nach Einschätzung der Kommunalbehörde zu diesem Zeitpunkt nicht ohne Schaden an Interviews teilnehmen konnten. Nach Aushändigung der Informationsunterlagen für die Teilnehmenden und vor der Datenerhebung wurde eine schriftliche Einwilligung eingeholt. Für den Umgang mit Belastungen oder Offenlegungen der Eltern nach den Interviews wurden Verfahren eingerichtet; ein ähnliches Vorgehen galt für den Beirat der Personen mit eigener Erfahrung.
Aufgrund der Einschränkungen durch die COVID-19-Pandemie fanden die Fokusgruppen online statt, die Interviews mit den Eltern jedoch persönlich und unter den erforderlichen Schutzmaßnahmen. Fokusgruppen und Interviews waren halbstrukturiert, wurden mit Einwilligung der Teilnehmenden per Video oder Audio aufgezeichnet und sicher gespeichert.
Die endgültige Stichprobe ist in Tabelle 1 dargestellt:
Tabelle 1 — Teilnehmende der Studie
Beteiligtengruppen: Anzahl Fokusgruppen/Interviews; Gesamtzahl der Teilnehmenden über alle Standorte.
Die erste Kodierung stützte sich auf die Lektüre der Literatur und die Auseinandersetzung mit dem Material aus Fokusgruppen und Interviews. Die Konsistenz der Kodierung wurde mithilfe eines Datenerfassungsinstruments abgeglichen. Die erste Kodierphase ergab eine große Zahl offener Codes, und Vergleiche zwischen diesen Codes ermöglichten die Entwicklung der Themen.
Das Forschungsteam achtete zudem auf pandemiespezifische Praxisbedingungen. Insgesamt waren Einschränkungen der Praxis schon vor der Pandemie erkennbar, hatten sich während der Pandemie aber verschärft.
Die vollständigen Ergebnisse des Projekts finden sich in einem Bericht der Autorinnen. Für diesen Beitrag stellen wir diejenigen vor, die sich speziell auf die Innovation der HOPE-Boxen beziehen; sie stammen aus Interviews mit Müttern, die wichtige Einsichten darin lieferten, wie eine Intervention dazu beitragen könnte, einen Teil der erlebten akuten Belastung zu lindern. Auch wenn in der umfassenderen Studie ebenfalls Daten von Vätern erhoben wurden, die in die Entwicklung der vorläufigen Leitlinien einflossen, konzentriert sich dieser Beitrag gezielt auf die Erfahrungen der Mütter, weil Geburt und Trennung besondere, frauenspezifische Fragen aufwerfen. Derzeit wird weiter daran gearbeitet, die Einbeziehung der Väter und entsprechende Anpassungen der HOPE-Boxen zu prüfen.
Achtunddreißig Mütter aus acht Kommunalbehörden nahmen an der Studie teil. Alle hatten nach der Geburt mindestens eines ihrer Kinder ein staatliches Eingreifen erlebt: entweder eine geburtsnahe Trennung auf der Entbindungsstation oder eine Phase formaler Begutachtung in einer stationären Einrichtung oder in einer Mutter-Kind-Pflegefamilie. Die Interviews zeigten das Ausmaß an Verlusten, Traumata und vielfältigen Belastungen, die sie im Laufe ihres Lebens erfahren hatten, sowie ihre soziale Isolation. Sie zeigten auch viele gemeinsame Erfahrungen in den drei Zeiträumen, auf die sich die Studie konzentrierte: vor der Geburt, auf der Entbindungsstation nach der Geburt und nach der Rückkehr nach Hause ohne das Baby im Anschluss an die Entlassung aus dem Krankenhaus. Auch wenn sich aus den Berichten der Mütter mehrere Themen ergaben, prägten die folgenden dominanten Themen die Intervention in besonderem Maß:
Angesichts ihrer Vorgeschichte und ihrer aktuellen Situation brauchten die Mütter in besonderem Maß eine einfühlsame, abgestimmte Versorgung. Doch trotz des besten Willens vieler Fachkräfte standen dem zahlreiche Hindernisse entgegen. Dazu gehörten die Überlastung der Hebammen, Schichtpläne, die die Kontinuität der Versorgung unterbrachen, fehlende Spezialschulungen, knappe Ressourcen, Entlassungsprotokolle und der Druck auf die Bettenkapazität.
Die Hebammen auf den Stationen waren in der Regel überlastet und hatten keine Zeit, die Mütter ausreichend zu unterstützen, so sehr sie es sich auch gewünscht hätten. Das spürten die Frauen sehr deutlich, die oft allein gelassen wurden, während sie auf den ersten Gerichtstermin warteten und sich fragten, ob man sie von ihrem Baby trennen würde:
Sie hat mich nur gefragt: „Wie geht es dir mit morgen?“ Das hat mich einfach getriggert. Ich habe stundenlang geweint. Sie hat für fünf, zehn Minuten den Arm um mich gelegt, und dann hatte sie natürlich zu tun. (Mutter 403)
Viele Mütter beschrieben, dass sie sich im Moment der Herausnahme unsichtbar gefühlt hatten, und meinten, dass niemand anerkannt habe, was das mit ihnen machte.
Die meisten Mütter hatten nur minimale Unterstützungsnetzwerke, und in manchen Fällen waren bei der Trennung lediglich die Fachkraft der Sozialen Arbeit, die gekommen war, um das Baby mitzunehmen, und die diensthabende Hebamme anwesend, mit der sie zuvor vielleicht kaum Kontakt gehabt hatten. In den extremsten Fällen standen die Frauen zudem Polizeikräften oder Sicherheitspersonal gegenüber:
Also, ich hab sie in die Babyschale gelegt, sie angeschnallt, die Decke über sie gelegt, sie haben gefragt, was ich will, ich hab sie nur angeschaut. Ich hab mir die Augen ausgeweint, ich konnte ehrlich gesagt kaum sprechen. Die zwei Polizisten standen da, falls ich ausraste. Ich war gerade erst im OP gewesen, hatte Stiche, hatte gerade vor zwei Tagen ein Baby bekommen. Und im nächsten Atemzug war sie weg. Also, ich wusste nicht, wann meine Umgangskontakte sein würden, das haben sie mir alles nicht gesagt, nur so: „Ach, wir melden uns“, das war’s. Und sobald die Kleine weg war, sagte jemand im Krankenhaus: „So, Sie können nach Hause gehen“. (Mutter 820)
Der Bericht dieser Mutter über die Trennung von ihrem Baby schildert eindringlich, wie wenig der eigene Unterstützungsbedarf der Frauen in einer derart akut belastenden Situation anerkannt wurde. Dass keine Umgangsregelung getroffen worden war, verstärkte zusätzlich ihren Eindruck, dass weder ihre Identität als Mutter des Babys noch die Not, in der sie sich befand, anerkannt worden waren.
Die Evidenzübersicht von McGrath-Lone und Ott (2022) zum perinatalen Verlust ergab, dass Mütter, die ein Baby durch Totgeburt oder Fehlgeburt verlieren, oft Gefühle des Versagens sowohl in ihrer Rolle als Frau als auch in ihrer Rolle als Mutter erleben. Bei vielen Frauen der Studie waren die Lebenschancen durch intersektionale Benachteiligung eingeschränkt. Positive Schilderungen von Ausbildung oder Arbeit kamen in ihren Interviews selten vor, und oft deuteten sie auf unterbrochene Bildungswege hin. Eine Studie der Autorinnen (2020) wies darauf hin, dass viele Frauen in dieser Situation einen fragilen und eingeschränkten sozialen Status haben; die Herausnahme eines Säuglings bei der Geburt kann doppelt verheerend sein – nicht nur, weil sie das Baby verlieren, sondern auch, weil sie ihren Elternstatus verlieren, und die Mutterschaft ist eine der wenigen Rollen, in denen sie sich anerkannt fühlten.
Ich sag ja, ich war buchstäblich gerade beim Gericht, und dann hieß es nur, dass ich sie natürlich nicht behalten darf. Und ich war so, ich gewöhne mich gerade erst daran, Mama zu sein. Wo soll sie denn hin? Wo soll ich hin? Wo stehe ich denn jetzt? (Mutter 302)
Einige Mütter wollten unbedingt stillen, fühlten sich dabei aber nicht ausreichend unterstützt, und die meisten wollten andere Aufgaben übernehmen, die ihre mütterliche Identität stärkten. Als Mutter des Babys anerkannt zu werden, war zentral für ihr Selbstverständnis. Entsprechend schmerzhaft war es für manche Mütter, wenn sie das Gefühl hatten, dass ihre Mutterrolle an den Rand gedrängt wurde. Im folgenden Zitat beschreibt eine Mutter ihre Verzweiflung, als sie ihr Baby einige Tage nach der Geburt besucht und eine Pflegemutter, die sie zuvor nie getroffen hatte, mit ihrem Baby im Arm vorfindet. Dieses Baby war nach der Entlassung der Mutter zur Beobachtung auf eine Spezialstation für Neugeborene verlegt worden.
Also, (der Vater) und ich gehen eines Tages ins Krankenhaus, und im Zimmer, in diesem Zimmer, in das ich gehe, um mein Baby zu sehen, wie ich es jeden einzelnen Tag gemacht habe, sitzt eine fremde Frau mit meinem Baby im Arm. Sie hat keine… Sie ist keine Ärztin. Sie ist keine Krankenschwester. Sie ist einfach eine fremde Frau. Was macht die mit meinem Baby? Ich wusste nicht, wer sie war. Eigentlich sollte das so sein, ich sollte diese Pflegemutter vorher kennenlernen, und das hat mich total umgehauen. (Der Vater) und ich gehen in ein Zimmer und: „Oh, hallo, ich bin die Pflegemutter. Ich bin die neue Betreuungsperson von (Baby).“ „Moment mal. Sie sitzen da mit meinem Baby im Arm, Sie haben mein Baby aus dem Bettchen genommen, ich habe also im Grunde überhaupt nichts mehr über mein Baby zu sagen“. (Mutter 703)
Die Evidenzübersicht von McGrath-Lone und Ott (2022) ergab zudem, dass Eltern, die ein Baby durch Fehl- oder Totgeburt verlieren, Gefühle von „Schock, Wut, Bedauern, Leere, Einsamkeit, Hilflosigkeit und Schuld“ (p.15) erleben. Diese ähneln sehr den Gefühlen, von denen Mütter in dieser und in früheren Studien zur gelebten Erfahrung der Herausnahme von Säuglingen berichten (Broadhurst & Mason, 2017, 2020). Doch auch wenn Schock, Wut und der Verlust der mütterlichen Identität denen von Müttern ähneln mögen, deren Kind tot geboren wurde, werden diese Gefühle bei Frauen, deren Kinder vom Staat herausgenommen werden, durch akute Scham und Stigmatisierung zusätzlich verkompliziert (Neil et al., 2010; Morgan et al., 2019; Morriss, 2019; Geddes, 2021).
Forschung zu Mutterschaft in marginalisierten Kontexten – unter Bedingungen von Gewalt, Substanzmissbrauch, Armut, jungem Alter und psychischen Schwierigkeiten – berichtet ganz überwiegend, dass Frauen aktiv Geschichten konstruieren, durch die sie sich selbst als „gute“ Mütter identifizieren und sich in die sozial konstruierte Standard- oder Formelgeschichte idealer Mutterschaft einfügen (Medina & Magnuson, 2009). Wenn der Staat einen Säugling herausnimmt, wird diese idealisierte Identität infrage gestellt. Die Mutter empfindet Scham, weil sie öffentlich als jemand beurteilt wurde, der die ihr von der Gesellschaft zugewiesene Rolle nicht erfüllt hat. Sie selbst mag sich schuldig fühlen, sie kann aber auch die Ablehnung anderer erfahren, die sie als „gescheiterte Mutter“ verurteilen. Die damit verbundene Scham und Stigmatisierung können zu einem beschädigten Selbstbild führen und die psychische Belastung nach der Trennung noch verstärken (Abrams, 2015; Morriss, 2019).
Vielen Müttern der Studie war das Stigma, dem sie wahrscheinlich begegnen würden, sehr bewusst. Viele äußerten den Wunsch nach einem Einzelzimmer, auch wenn ihm nicht immer entsprochen wurde, in dem andere Mütter weder die Besuche der Sozialen Arbeit sehen noch ihre Gespräche mithören konnten. Sie wussten auch Bemühungen zu schätzen, zu verschleiern, dass ihnen der Säugling weggenommen wurde:
Sie haben mich sogar im Auto vom Krankenhaus bis zum Haus mitfahren lassen. Es war also, als hätte ich ihn sozusagen nach Hause gebracht.… Es sah normal aus, weil wir alle einfach ins Auto gestiegen waren, es war nicht für alle offensichtlich, dass er in Obhut genommen wurde. (Mutter 103)
Und wenn sie ohne das Baby nach Hause kamen, fühlten sie sich manchmal gezwungen, die Täuschung aufrechtzuerhalten:
Ich hab geschlafen. Ich hab nicht richtig gegessen, ich hab fast den ganzen Tag geschlafen. Ich hab ungefähr eine Woche lang niemanden gesehen, und dann hab ich angefangen rauszugehen. Alle so: „Oh, wo ist sie denn?“ Und ich dann: „Ach, sie ist gerade bei ihrem Papa. Sie ist bei ihrem Papa.“ Irgendwann musste ich meinen Freundinnen dann natürlich sagen, dass ich sie nicht hatte, aber dass ich sie zurückbekomme. Natürlich wusste ich ganz sicher, dass ich sie zurückbekomme. (Mutter 302)
Manche Frauen hatten das Gefühl, das Geschehene über lange Zeit weiter verbergen oder Wege finden zu müssen, es zu vertuschen. Im folgenden Zitat beschreibt eine Mutter, wie sie zu verhindern versuchte, dass die Menschen in ihrem Umfeld die Wahrheit über ihre Trennung von ihrem Baby erfuhren.
(Ich war) völlig durch den Wind, jedes Mal, wenn ich von ihr sprach, Tränen, ich hab mich zusammengerissen…, also wenn ich draußen war, hab ich versucht, mich zusammenzureißen, aber wenn mich Leute gefragt haben, wie es ihr geht, hab ich gesagt: „Ja, gut.“ „Wo ist sie?“ „Sie ist gerade bei meiner Mutter.“ Ich konnte es ihnen einfach nicht sagen, nur ein paar Leute wissen, was mit ihr passiert ist, enge Freunde, Familienangehörige, Leute, die für mich wie Familie sind, die wissen es. Jemand, den ich nur alle Jubeljahre sehe, weiß es überhaupt nicht. Ja, so, dass sie bei meiner Familie ist, dass sie in der Schule ist, weil ich nicht will, dass jeder meine Angelegenheiten kennt. (Mutter 401)
Auch wenn die Trauer von Eltern, die eine Totgeburt oder eine Fehlgeburt erlebt haben, noch immer nicht angemessen anerkannt wird, können sie mit einer gewissen professionellen Unterstützung rechnen, die mitunter allerdings wenig einfühlsam oder unzureichend ist (McGrath-Lone & Ott, 2022). Abgesehen von der routinemäßigen Wochenbettbetreuung durch Hebammen haben Fachkräfte dagegen selten eine formale Rolle bei der Unterstützung von Müttern, deren Säuglinge vom Staat herausgenommen wurden. Nicht selten verließen die Mütter dieser Studie das Krankenhaus ohne Begleitung und kehrten allein in eine Wohnung zurück, die voll war mit der Ausstattung, die sie in der Hoffnung gekauft hatten, ihr Engagement für einen Säugling zu beweisen, der ihnen dann weggenommen worden war.
Die meisten Mütter erlebten unmittelbar danach akute Trauer.
Und es war so – ich konnte einfach nicht ohne sie in dem Haus leben. Und meine psychische Gesundheit, wenn ich jetzt zurückschaue, ich hatte einen Zusammenbruch. Ich war – ich hatte einen Zusammenbruch. Ich hab monatelang dieselben Klamotten getragen. Monatelang. War mir alles egal. Ich hab nicht mal Sozialleistungen beantragt, ich hatte keinen Cent. Ich konnte keine Leistungen beantragen, ich konnte gar nichts…. (Mutter 105)
Trotz des offensichtlichen Ausmaßes an akuter psychischer Belastung, das die Trennung verursacht, zeigen die Ergebnisse, wie wenig kontinuierliche oder spezialisierte Versorgung Frauen in dieser Situation angeboten wird. Die Soziale Arbeit konzentriert sich auf das Baby, das nun anderweitig betreut wird, und die Hebammen können größtenteils keine Versorgung über das übliche Wochenbettangebot hinaus leisten. So fallen die Mütter in ein Unterstützungsvakuum, das sie anfällig für eine akute Verschlechterung ihrer psychischen Verfassung macht.
Nein, die haben mir gar nichts gegeben. Sobald sie dir deine Kinder wegnehmen, lassen sie dich allein. Das meine ich… Dann machen sie die Leute kaputt. Sie nehmen ihnen die Kinder weg, richten so viel Schaden an, emotional, das macht sie fertig. (Mutter 404)
Es überrascht nicht, dass viele Mütter zu problematischen Bewältigungsstrategien wie dem Missbrauch von Alkohol oder Drogen griffen.
Ich bin mit dem Bus nach Hause gefahren, und an dem Abend hab ich einfach beschlossen, ich bin zu meinen alten Gewohnheiten zurück, zum Trinken. Ich dachte, nur so würde ich das durchstehen. (Mutter 201)
Verwoben mit den Gefühlen akuter Not angesichts der Trennung zeigen die Interviewdaten auch, wie die fehlende Anerkennung der Trauer der Mütter als zusätzlicher erschwerender Faktor wirkte. Wie mehrere Forschungsteams festgestellt haben (Abbott et al., 2021; Broadhurst & Mason, 2020; Brodzinsky & Smith, 2014; Geddes, 2021; Memarnia et al., 2015), bietet die Literatur zur aberkannten Trauer (disenfranchised grief) (Corr, 1999; Doka, 1999) eine wertvolle Perspektive, um die Erfahrungen von Müttern, deren Säuglinge herausgenommen wurden, besser zu verstehen.
Aberkannte Trauer lässt sich definieren als die Trauer von Menschen, die einen Verlust erleiden, der nicht offen anerkannt, öffentlich betrauert oder sozial unterstützt wird oder werden kann. Wer in der Trauer isoliert ist, kann sehr viel schwerer trauern.
Die Mütter dieser Studie hatten im Grunde ein Baby verloren, jedoch unter Umständen, die von der Öffentlichkeit wie auch von manchen Fachkräften als beschämend angesehen wurden (Mason et al., 2022a; Morriss, 2019). Sie waren Trauernde, denen das Recht auf Trauer abgesprochen wurde. Ihre Trauer wurde öffentlich nicht anerkannt. Sie hatten wenig oder keine soziale Unterstützung, und es gab keines der Trauerrituale, die normalerweise helfen, Trauer zu verarbeiten (Doka, 1999). Zudem handelte es sich um einen uneindeutigen Verlust (Boss, 1999), da ihre Säuglinge noch lebten. Auch wenn viele dieser Säuglinge schließlich adoptiert werden sollten, blieb der Ausgang ungewiss, solange das Kinderschutzverfahren lief. Selbst nach einer dauerhaften Trennung blieben die Babys, wie andere Studien belegen, für ihre Mütter physisch abwesend, aber psychisch präsent (Fravel et al., 2000), und die Mütter hegten weiter die Hoffnung auf ein Wiedersehen (Broadhurst & Mason, 2020; Geddes, 2021; Neil et al., 2010). Morriss (2019) beschreibt ihren Zustand als „heimgesuchte Mutterschaft“, im Warten auf eine imaginierte Zukunft mit ihrem Kind. Diese Art von uneindeutigem Verlust, die kaum einen Abschluss ermöglicht, ist schwerer zu verwinden als der endgültige Verlust durch den Tod (Boss, 1999). Bei so wenigen Gelegenheiten, ihre Trauer zu verarbeiten, überrascht es nicht, dass Mütter in dieser Situation, wie auch andere Studien gezeigt haben (Broadhurst & Mason, 2020; Cox et al., 2020; Neil et al., 2010; Wall-Wieler et al., 2018), eine akute psychische Belastung erleben, die zu Selbstverletzungen und in manchen Fällen zu Suizidversuchen führen kann:
Ich bin nach Hause gegangen und hab eine Überdosis genommen, weil ich ohne meine Kinder nicht mehr leben wollte. (Mutter 103)
Bis zu einem gewissen Grad ließ sich das Trauma der Mütter durch Handlungen lindern, die ihren Verlust anerkannten. Kleine Gesten von Fachkräften, die Empathie und Verständnis zeigten, wurden sehr geschätzt:
Sie (die Hebamme) hat mich total unterstützt. Sie ist auf meine Höhe runtergegangen und hat einfach meine Hand gehalten. Ich weiß noch, wie sie meine Hand gehalten hat. Das vergesse ich nie. Sie war so lieb. … Sie hat sich wirklich hingekniet und meine Hand gehalten. (Mutter 102)
Die Teilnahme an alltäglichen Tätigkeiten, die ihre Elternrolle anerkannten, half, ihre Identität als Mütter zu bestätigen und ihr Selbstwertgefühl zu stärken.
… du zeigst deinem Kind, dass es einfach etwas ganz Normales ist: „Ich bade dich.“ Ein Bad ist für die vielleicht gar nichts, aber für die Mama heißt es: „Ich kümmere mich wirklich um mein Kind, ich versuche dir zu zeigen, dass ich es kann“. (Mutter 301)
Bei Einzelheiten der Routineversorgung, bei der Wahl der Säuglingsnahrung und bei der Kleidung, die das Baby tragen sollte, wenn es der Pflegefamilie übergeben wurde oder wenn Umgangskontakte stattfanden, nach den eigenen Wünschen gefragt zu werden, erhielt für die Eltern symbolische Bedeutung.
Die in den Ergebnissen deutlich werdende Bedeutung von Übergangsobjekten und Gegenständen für die Trauerbewältigung der Eltern deckt sich mit der breiteren Literatur zum perinatalen Verlust (McGrath-Lone & Ott, 2022) und mit den jüngsten Befunden von Geddes (2021) zu Eltern, deren Kinder adoptiert wurden. Gibson (2004) erörtert, wie Trauernde – so wie Kinder Übergangsobjekte wie Teddybären und Decken nutzen, um den Prozess der Trennung von ihrer Mutter zu bewältigen – in ähnlicher Weise Gegenstände nutzen können, um den Prozess der Trennung von der verstorbenen Person zu bewältigen. Kleidung kann eine besondere symbolische Bedeutung haben, weil sie:
durch das Hervorrufen von Geruch wie auch von Bildern womöglich wirksamer ist, um die räumlich-zeitliche Trennung, die die Lebenden von den Toten entfernt, für einen Moment (wenn auch nie ganz) zu überbrücken. (Gibson, 2004, p. 290)
Manche Mütter fanden einen ähnlichen Trost in Kleidungsstücken, die sie mit den herausgenommenen Säuglingen verbanden:
Ich hab die ganzen vier Wochen mit dem ersten Strampler geschlafen, den sie anhatte. Ich hab mit der Decke geschlafen, die sie hatte, bevor sie wegkam. (Mutter 302)
Andere „melancholische Objekte“ konnten als Andenken an das Baby dienen, das psychisch präsent, physisch aber nicht mehr da war:
Ich hab noch ihre Sachen, ihre ersten Schuhe, Schnuller, Schnullerketten und so, eben das, was sie wirklich benutzt haben und so. Ja. Ich kann das mit ihr durchgehen. Ich kann darüber reden und es erzählen, damit sie, wenn sie alt genug ist, weiß, dass sie Geschwister hat. … (es ist) einfach Trost…. Einfach zu wissen, dass man noch etwas von ihnen hat. (Mutter 102)
Im Einklang mit der Forschung zu perinatalem Verlust und Adoption wurden solche Gegenstände also als etwas beschrieben, das die überwältigende Trauer lindert, Trost spendet und die mütterliche Identität bestätigt (Geddes, 2021). Für Frauen, die erst kürzlich bei der Geburt von ihrem Baby getrennt wurden, legen unsere Ergebnisse jedoch noch eine weitere, eigene Funktion solcher Gegenstände nahe: die Verbindung zum Säugling aufrechtzuerhalten.
Bis zur endgültigen gerichtlichen Entscheidung ist die Trennung eine vorläufige Maßnahme. Es dauert mindestens sechs Monate, bis das Kinderschutzverfahren abgeschlossen ist; an dessen Ende kehren etwa 15 % der getrennten Säuglinge unter einer Aufsichtsanordnung zu ihren leiblichen Eltern zurück (Broadhurst et al., 2018). Andere können, obwohl eine Sorgerechtsanordnung zugunsten der Behörde besteht, bei ihren Eltern bleiben oder in deren Obhut zurückkehren. Es ist daher von großer Bedeutung, sicherzustellen, dass Mütter in dieser vorläufigen Phase jede Gelegenheit haben, eine Bindung zum Baby aufzubauen und an ihrer elterlichen Identität festzuhalten. Wie wir an anderer Stelle dargelegt haben (Broadhurst et al., 2022), kann eine vorläufige Trennung jedoch, statt Bedingungen zu schaffen, die Bindung und eine spätere Rückführung fördern, wie ein fait accompli wirken, denn sie kann eine Kette von Ereignissen in Gang setzen, die die Voraussetzungen für eine dauerhafte Herausnahme schafft, wenn Eltern auf selbstzerstörerische Verhaltensmuster zurückgreifen, um ihren Schmerz zu lindern. Das Kinderschutzverfahren und seine Auswirkungen auf die Eltern haben, wie Morriss (2019) belegt, die Macht, Zukünfte zu machen.
Dennoch zeigen die Ergebnisse dieser wie auch anderer Studien (Broadhurst & Mason, 2017; Ward et al., 2012, 2019), dass die vorübergehende oder dauerhafte Herausnahme eines Kindes als wichtiger Motor für Veränderung wirken kann und manche Eltern dazu bringt, ihre Schwierigkeiten zu überwinden und Säuglingen, die zuvor einem erheblichen Schadensrisiko ausgesetzt waren, oder später geborenen Kindern, nachdem andere herausgenommen worden waren, ein sicheres und fürsorgliches Zuhause zu bieten:
Die Adoption hat mich richtig wachgerüttelt. Das hat mich zum Nachdenken gebracht: „Okay, komm schon. Ich muss jetzt mein Leben in den Griff kriegen, für alle Kinder. Dann kann ich (Kind 4) später erklären, dass sie der Grund war, warum ich mein Leben in den Griff gekriegt habe“. (Mutter 202)
Es ist daher von entscheidender Bedeutung, dass Mütter in dieser Situation nach der Herausnahme eine fortdauernde Verbindung zum Säugling behalten. Irgendeine Form von Verbindung ist für die psychische Gesundheit der meisten Mütter notwendig, die die Herausnahme eines Säuglings erleben, insbesondere wenn eine Chance auf spätere Rückführung besteht. Schließlich kann, wie dieses Zitat deutlich zeigt, eine fortdauernde psychische Verbindung zu einem herausgenommenen Kind und der Gedanke, beweisen zu können, dass sie „der Grund war, warum ich mein Leben in den Griff gekriegt habe“, ein starker Motor für Veränderung sein. Tatsächlich bekam diese Mutter, nachdem sie intensiv mit dem Kinder- und Jugendhilfedienst (Children's Social Care) sowie mit der Drogen- und Suchthilfe zusammengearbeitet hatte, um die Schwierigkeiten zu lösen, die zu den früheren Herausnahmen geführt hatten, später ein weiteres Kind, das bei ihr bleiben konnte.
Unsere Datenanalyse ergab vier dominante Themen, die sich aus den Erfahrungen von Frauen ergeben, die bei der Geburt von ihrem Baby getrennt wurden. Im zweiten Teil unseres Beitrags beschreiben wir die auf diesen Ergebnissen beruhende Intervention. Die HOPE-Boxen wurden gemeinsam mit einer Gruppe von Frauen mit eigener Erfahrung der Trennung bei der Geburt entwickelt, die einen Beirat der Studie bildeten. Die Gruppe, die sich etwa alle sechs Wochen traf, hat während des gesamten Projekts eine wichtige Rolle bei der Ausgestaltung der Studie gespielt. Aufbauend auf etablierter Hebammenpraxis und gestützt auf ihre eigenen Erfahrungen und die Forschungsergebnisse waren die Frauen dieser Gruppe für die Entwicklung dieser Intervention zentral.
Die Intervention besteht aus zwei Boxen: einer für die Mutter und einer für das Baby. Sie bauen auf Erkenntnissen aus der Literatur zum perinatalen Verlust und aus der Arbeit von Hilfsorganisationen auf sowie auf der Praxis einiger Hebammen, die „Erinnerungsboxen für Trauernde“ angepasst haben, um sie Frauen anzubieten, die von ihren Babys getrennt wurden. Der Inhalt jeder HOPE-Box wurde gezielt ausgewählt, um auf die Ergebnisse dieses Projekts zu antworten und die psychischen Herausforderungen widerzuspiegeln, die mit verschiedenen Etappen des Weges von Mutter und Baby verbunden sind. Die Boxen sind für eine flexible Nutzung konzipiert, um sowohl der Vielfalt der Erfahrungen als auch der Bandbreite möglicher längerfristiger Ausgänge für Mutter und Baby gerecht zu werden. In diesem Abschnitt beschreiben wir ihren Inhalt und veranschaulichen seine Bedeutung.
Der Name HOPE, ein Akronym für „Hold on Pain Eases“ („Halte durch, der Schmerz lässt nach“), wurde von der Gruppe gewählt, um ihr Mitgefühl mit der Situation der Frau und deren Unterstützungsbedarf auszudrücken, aber auch, um Hoffnung zu wecken, dass es besser werden kann. Das Bild auf jeder Box, gestaltet von einer Frau aus der Gruppe, zeigt zwei Erwachsenenhände und zwei Babyfüße; es soll Inklusivität im Hinblick auf ethnische Herkunft zeigen und ist in seiner Symbolik bewusst mehrdeutig, um der Vielfalt elterlicher Situationen Rechnung zu tragen.
Eine spezialisierte Hebamme (oder eine andere benannte Fachkraft) wird gebeten, der Frau das Konzept der HOPE-Boxen über einen Brief der Gruppe mit eigener Erfahrung vorzustellen. Der Brief geht den Boxen voraus, erklärt ihren Zweck und gibt einen Überblick über ihren Inhalt. Fachkräfte zu ermutigen, mit den Frauen ins Gespräch über die HOPE-Boxen zu kommen, soll Fürsorge vermitteln und anerkennen, dass die Mutter es wert ist, spezialisierte Aufmerksamkeit und Unterstützung angeboten zu bekommen. Der Brief bietet eine unmittelbare Gelegenheit, den Schmerz der Mutter anzuerkennen und eine Verbindung zu anderen Müttern herzustellen, die ähnliche Verluste erlebt haben, und lindert so die starken Gefühle von Isolation, Stigma und Scham, die viele Frauen in dieser und anderen Studien geäußert haben.
Gestützt auf die Erkenntnisse aus den Interviews mit Eltern und auf frühere Arbeiten (Geddes, 2021) wurden viele Gegenstände in die Box der Mutter aufgenommen, um die mütterliche Identität der Frau zu stärken und erste Erinnerungen festzuhalten, solange sie noch mit ihrem Baby zusammen ist. Sie bieten aber auch eine Gelegenheit zu psychischer Verbindung, wenn das Baby physisch abwesend und nicht mehr in ihrer Obhut ist. So enthalten die Boxen ein Babybuch der ersten Tage – eines pro Box –, mit dem die Mutter die ersten Lebenstage des Babys, solange es bei ihr ist, festhalten und mit der Pflegefamilie oder den Verwandtenpflegeeltern teilen kann. Das gibt der Mutter die Gelegenheit, ihr eigenes Wissen und ihre Kompetenz in Bezug auf ihr Baby weiterzugeben, und stellt zugleich sicher, dass dieses Wissen mit der alternativen Betreuungsperson geteilt wird – was eine Gelegenheit schafft, eine Beziehung aufzubauen. Die Pflegefamilie oder die Verwandtenpflege wird anschließend ermutigt, das Buch fortzuführen und es bei den Familienkontakten mit der Mutter zu teilen, damit sie an der Entwicklung ihres Babys beteiligt bleibt.
Die Boxen enthalten außerdem Gegenstände, die die Gespräche der Hebammen über Erinnerungsrituale in den ersten Tagen des Babys auf der Entbindungsstation unterstützen. In beiden Boxen befinden sich Sets für Hand- und Fußabdrücke von Baby und Mutter, ein Bilderrahmen, der zu einem Erinnerungsfoto anregen soll, und ein Döschen für eine Haarlocke des Babys. Auch Duplikate der Bettkarten und der Namensbändchen für Knöchel und Handgelenk liegen bei. All diese Gegenstände werden üblicherweise von frischgebackenen Eltern aufbewahrt und bieten Gelegenheit, die kostbaren ersten Momente im Leben ihres Babys festzuhalten; die Möglichkeiten, auf diese Weise Erinnerungen zu schaffen, werden jedoch häufig von den Anforderungen eines komplexen Gerichtsverfahrens überschattet, auf das sich diese Gruppe von Frauen einlassen muss. Während das Schaffen von Erinnerungen in dieser Phase wichtig sein kann, weil es „normale elterliche Tätigkeiten“ darstellt, können diese Gegenstände eine neue Bedeutung gewinnen, wenn Mutter und Baby getrennt werden. Wie Lavelle (2020) beschreibt, sprechen Gegenstände, die dem Baby körperlich nahe waren, von Intimität und „ermöglichen es, dass sich ein Moment der Vergangenheit in der Gegenwart manifestiert“ (p. 7). Für Frauen, denen eine dauerhafte Trennung droht, können sich diese Manifestationen ihres Babys während der räumlichen Trennung als wichtig erweisen, um die Motivation aufrechtzuerhalten, sich weiter sowohl auf das Gerichtsverfahren als auch auf die Unterstützungsangebote einzulassen.
In Abwesenheit des Babys und in einer Zeit akuter psychischer Belastung werden diese Gegenstände zu Repräsentationen des Babys und zu wichtigen Zeugnissen der mütterlichen Identität der Mutter (Geddes, 2021; Marsh & Leamon, 2019). In den Interviews dachten viele Mütter über die Bedeutung solcher Gegenstände nach und fühlten sich gekränkt, weil ihnen die Möglichkeit verwehrt worden war, sie zu behalten. Solche Gegenstände können auch dazu dienen, die psychische Verbindung zwischen Mutter und Baby zwischen den persönlichen Umgangskontakten zu bewahren. Gleiche Gegenstände in beiden Boxen, etwa ein Kuscheltier (ein Elefant, ausgewählt, weil Elefanten „nie vergessen“) und eine Babydecke, stellen eine sinnliche Verbindung her. Sie wurden wegen ihrer haptischen Qualität und ihrer Fähigkeit, den Geruch des anderen zu halten, ausgewählt, können bei den Umgangskontakten ausgetauscht werden und helfen möglicherweise, das Baby in seiner neuen Unterbringung zu beruhigen und die Mutter zu trösten. Eine solche sinnliche Stimulation kann besonders für Frauen wichtig sein, die weiter stillen möchten. Die Box des Babys enthält außerdem ein kleines Kinderbuch, zu dem die Mutter auf einer Speicherkarte ihre Stimme aufnehmen kann, während sie die Geschichte vorliest. Diese Aufnahme kann dem Baby vorgespielt werden, um ihm den zusätzlichen Trost der Stimme seiner Mutter zu geben.
Solche sorgfältig ausgewählten Gegenstände vermitteln Mitgefühl und bewahren eine Verbindung zwischen Mutter und Baby, können aber auch zu wichtigen Gegenständen werden, falls es nach dem Kinderschutzverfahren zu einer dauerhaften Trennung kommt. Die Boxen können für Mutter und Kind zu Aufbewahrungsorten von Erinnerungen und anderen Andenken werden. Die Boxen und ihr Inhalt können die Verarbeitung von Verlust und Trauer unterstützen und bei der künftigen Biografiearbeit und der Arbeit an der narrativen Identität mit Kindern und Erwachsenen helfen (Geddes, 2021; Watson et al., 2020).
Die Boxen enthalten auch Gegenstände, die die Mutter im Schmerz der Trennung unterstützen sollen: eine Duftkerze, die helfen soll, zur Ruhe zu kommen, und ein von der Gruppe mit eigener Erfahrung verfasstes Gedicht, das den Schmerz anerkennt, Hoffnung gibt, dass er nachlassen wird, und die Mutter ermutigt, bei anderen Unterstützung zu suchen. Außerdem liegt eine Liste nationaler und lokaler Organisationen mit Kontaktnummern bei, um die Mutter zu professioneller Hilfe zu lotsen.
Die Ergebnisse dieser Studie verdeutlichen, wie wichtig eine einfühlsame, abgestimmte Praxis ist, wenn Mutter und Baby aus Kinderschutzgründen bei der Geburt getrennt werden. Im Einklang mit der bestehenden Literatur über Eltern, die eine staatlich angeordnete Herausnahme ihres Kindes erlebt haben, zeigen die Berichte der Frauen in dieser Studie, wie komplex die psychische Aufgabe ist, die Trennung von ihrem Baby und das damit verbundene Stigma und die Scham zu bewältigen. Das Konzept der aberkannten Trauer ist ein hilfreicher Rahmen, um die Komplexität des Verlusts und die Schwierigkeiten zu verstehen, an einer „beschädigten“ mütterlichen Identität festzuhalten. Die Ergebnisse weisen auch auf die wichtige Rolle hin, die das Festhalten früher Erfahrungen und Erinnerungen durch Gegenstände spielen kann, um Frauen auf diesem Weg zu begleiten – sowohl um in der unmittelbaren Zeit nach der Trennung die Verbindung zum Baby und das Engagement aufrechtzuerhalten als auch, längerfristig, um die Verlust- und Trauerarbeit zu unterstützen, falls das Gericht eine dauerhafte Trennung anordnet. Die HOPE-Boxen, die mit einem umfassenderen Satz aus der Forschung hervorgegangener Leitlinien guter Praxis verknüpft sind, werden derzeit an einer kleinen Zahl von Standorten in England und Wales auf ihre Umsetzbarkeit erprobt. Sie bieten eine wichtige Chance, die menschlichen und wirtschaftlichen Kosten zu senken, die das Trauma der Trennung bei der Geburt verursacht. Fachkräfte, die mit Müttern arbeiten, denen eine Trennung bei der Geburt bevorsteht, werden eine entscheidende Rolle bei der Verankerung und Nutzung der HOPE-Boxen spielen und brauchen Unterstützung und Schulung, damit die Intervention ihren größtmöglichen Nutzen entfalten kann. Derzeit wird nach Finanzierung gesucht, um Schulungen und eine Evaluation dieser Intervention zu entwickeln und zu verankern.
Complexe Systémique: das Wichtigste
Der Artikel hat das Verdienst, auf das zu schauen, was Kinderschutzverfahren oft ausblenden: die Mutter in dem Moment, in dem das Baby geht. Der Rahmen der aberkannten Trauer (Doka) und des uneindeutigen Verlusts (Boss) erhellt eine Situation, in der das Kind lebt, der Ausgang ungewiss und die Trauer gesellschaftlich nicht legitimiert ist. Für die systemische Praxis sind die HOPE-Boxen interessant, weil sie an der Bindung arbeiten statt am Individuum: doppelt vorhandene Gegenstände, die bei den Umgangskontakten ausgetauscht werden, ein Buch der ersten Tage, das Mutter und Pflegefamilie gemeinsam führen, eine aufgenommene Stimme. Sie schaffen Kontinuität, wo das Verfahren zersplittert, und bereiten zugleich die spätere Biografiearbeit vor. Die Grenzen sind festzuhalten: Der Artikel beschreibt eine Intervention, ohne sie zu evaluieren, konzentriert sich auf die Mütter (die Väter werden für später angekündigt) und lässt die Rolle der Teams der Sozialen Arbeit in der Beziehung außer Acht. Lesenswert zusammen mit dem Artikel über Familientherapie mit Eltern nach der erzwungenen Herausnahme ihrer Kinder und der Studie über die durch Gegenstände rekonstruierte Adoptionsidentität.
Anmerkungen aus dem Original
Danksagung. Das Team dankt den Frauen des Beirats mit eigener Erfahrung, die diese Intervention mitentwickelt und sich selbstlos dafür eingesetzt haben, das System für andere zu verbessern. Dank auch an Kate Chivers von Birth Companions und Julie Brooks von Greenwich Pause für ihre Unterstützung der Gruppe. Wir danken außerdem der Nuffield Foundation und dem Nuffield Family Justice Observatory für die Finanzierung und Unterstützung dieser Arbeit. Wir sind den Projektverantwortlichen an jedem der beteiligten Standorte und den Fachkräften, die uns bei der Rekrutierung der Teilnehmenden geholfen haben, sowie unserem Beirat aus Politik und Praxis für ihre kontinuierlichen Beiträge zu großem Dank verpflichtet.
Ethik und Integrität. Das Projekt wurde von der Nuffield Foundation (JUS/43967) finanziert und ist ein Sonderprojekt des Nuffield Family Justice Observatory. Die Forschung wurde von den Ethikkommissionen der Lancaster University (Ref. FL19038) sowie von den Governance-Gremien der beteiligten Kommunalbehörden und der Health Research Authority (ID 278448) genehmigt. Unterstützt wurde das Projekt von zwei Beiräten: einem aus Müttern mit eigener Erfahrung und einem zweiten aus Fachleuten aus Politik, Praxis und Wissenschaft. Alle Teilnehmenden gaben vor ihrer Teilnahme ihre informierte Einwilligung. Das Forschungsteam erklärt, dass im Zusammenhang mit dieser Forschung keine Interessenkonflikte bestehen.
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Inoffizielle deutsche Übersetzung von Giving HOPE and minimising trauma: An intervention to support women who are separated from their babies at birth due to safeguarding concerns von Claire Mason, Harriet Ward und Karen Broadhurst, Child Abuse Review, Bd. 32, no 1, e2809 (2023), doi: 10.1002/car.2809, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzung und Satz: Complexe Systémique, Oktober 2026, mit Unterstützung künstlicher Intelligenz; das Werk wurde im Sinne der Lizenz bearbeitet. Weder die Verfassenden noch der Verlag sind für diese Übersetzung verantwortlich; maßgeblich ist die Originalfassung.
Der Originalartikel „Giving HOPE and minimising trauma: An intervention to support women who are separated from their babies at birth due to safeguarding concerns“ ist in Child Abuse Review (2023) unter der Lizenz CC BY 4.0 erschienen. Diese Fassung ist eine inoffizielle deutsche Übersetzung von Complexe Systémique, erstellt mit Unterstützung künstlicher Intelligenz und mit einer für das Lesen online angepassten Darstellung, wie zu Beginn dieser Seite angegeben. Maßgeblich ist die Originalfassung.
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Mason, C., Ward, H., und Broadhurst, K. (2023). Giving HOPE and minimising trauma: An intervention to support women who are separated from their babies at birth due to safeguarding concerns. Complexe Systémique. https://app.complexe-systemique.com/en_GB/articles/giving-hope-and-minimising-trauma-an-intervention-to-support-women-who-are-separated (Originalarbeit 2023 erschienen in Child Abuse Review, 32(1), e2809 (2023); 2023 erneut veröffentlicht von Child Abuse Review, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/car.2809)
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