KI-gestützte Übersetzung

Diese Fassung wurde von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz aus dem Englischen übersetzt. Im Zweifelsfall ist die Originalfassung maßgeblich.

Journal of Family Violence · Gewalt

Sicherheit suchen, das Erlebte sagbar machen und Verluste betrauern – die Genesung von Kindern nach häuslicher Gewalt

Wie erholt sich ein Kind von häuslicher Gewalt? In Schottland hat Fiona Morrison 14 Kinder und ihre Mütter nach Cedar befragt, einem zwölfwöchigen Programm mit parallel laufenden Gruppen. Im Licht des Modells von Judith Herman zeichnen ihre Berichte drei Aufgaben nach: Sicherheit zurückgewinnen, die Gewalt sagbar machen und die Verluste betrauern, einschließlich des Verlusts des Vaters.

Autorin Fiona Morrison (Childhood and Youth Studies Research Group, MHSES, University of Edinburgh, Vereinigtes Königreich)Erstveröffentlichung Journal of Family Violence, 4. Oktober 2024Übersetzung Complexe Systémique, inoffizielle KI-gestützte Übersetzung

Inoffizielle deutsche Übersetzung von Trying to find Safety, to make it Speakable, and to Mourn the Losses – Children’s Recovery from Domestic Abuse von Fiona Morrison, erschienen in Journal of Family Violence (Springer) (2026), doi: 10.1007/s10896-024-00745-5, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique im Oktober 2026 mit Unterstützung künstlicher Intelligenz: Der Originaltext wurde ins Deutsche übersetzt und neu gesetzt, was eine Bearbeitung des Werks im Sinne der Lizenz darstellt. Die Gespräche zwischen Kindern und Interviewerinnen sind als Dialog dargestellt. Diese Übersetzung stammt weder von der Autorin noch vom Verlag, die weder für ihren Inhalt noch für etwaige Fehler verantwortlich sind. Maßgeblich ist die Originalfassung.

Diese Erfahrung, umsorgt zu werden, Fürsorge zu erfahren, das eigene Wohlergehen von einem anderen Menschen an die erste Stelle gesetzt zu sehen – dass dies überhaupt bemerkenswert ist, erinnert schmerzlich daran, wovon sich die Familien erholen.

Fiona Morrison

Zusammenfassung

Ziel. Dieser Artikel schließt eine Lücke im Verständnis der „Genesung“ von Kindern nach häuslicher Gewalt. Während die Auswirkungen häuslicher Gewalt auf Kinder gut dokumentiert und erforscht sind, ist ihre Genesung davon bislang theoretisch wenig ausgearbeitet. Anhand der Analyse qualitativer Berichte über die Teilnahme von Kindern an Genesungsprogrammen nutzt der Artikel Judith Hermans Modell der Traumagenesung, um das Wie der Genesung von Kindern explizit zu machen.

Methoden. Die in Schottland durchgeführte Studie umfasste qualitative Einzelinterviews mit 14 Kindern (im Alter von 7-15 Jahren) und ihren 14 Müttern, die Cedar abgeschlossen hatten, ein zwölfwöchiges Programm therapeutischer Gruppen und Peer-Unterstützung. Ein koproduzierter Ansatz bei der ersten Datenanalyse stellte die eigenen Prioritäten von Kindern und Müttern für die Genesung der Kinder in den Vordergrund und verlieh den Ergebnissen größere Stringenz. Diese Prioritäten wurden anschließend mithilfe von Hermans Modell der Traumagenesung weiter analysiert.

Ergebnisse. Die Ergebnisse geben Aufschluss darüber, wie die in die Genesungsprogramme eingebauten Strukturen, Ressourcen und Werte die Erfahrungen von Kindern mit häuslicher Gewalt aufgreifen können, um ihnen zu helfen, Sicherheit zu finden, häusliche Gewalt „sagbar“ zu machen und Raum zu schaffen, in dem Kinder die aus häuslicher Gewalt entstandenen Verluste betrauern können. Die Ergebnisse zeigen zudem die Kraft gruppenbasierter Interventionen und die Art, wie sie die Genesung über Vorstellungen von Zuwendung und Fürsorge fördern können.

Schlussfolgerungen. Indem er Hermans theoretische Perspektive auf Genesung nutzt, leistet der Artikel einen neuen Beitrag zum Verständnis der Genesung von Kindern nach häuslicher Gewalt. Er benennt zentrale Faktoren, die zur Fähigkeit von Kindern beitragen, sich zu erholen, darunter ihr Sicherheitsgefühl, die Rolle der Mutter-Kind-Beziehung und die Bedeutung der Vater-Kind-Beziehung.

Schlüsselwörter: Kinder und häusliche Gewalt, Mutterschaft und häusliche Gewalt, Trauma, Genesung, Gruppenarbeit

In den letzten dreißig Jahren ist das Wissen über Kinder und häusliche Gewalt rasch gewachsen. Anfangs kamen Kinder in der Forschung und in den Reaktionen auf häusliche Gewalt weitgehend nicht vor. Historisch wurde häusliche Gewalt als Angelegenheit von Erwachsenen, als Privatsache und als Familienangelegenheit verstanden (Kelly, 2003). Die Bedürfnisse, Sichtweisen und Erfahrungen von Kindern wurden nicht umfassend berücksichtigt, wenn überhaupt. Während die feministische Forschung die Behandlung der Familie als „Privatsphäre“ infrage stellte und aufzeigte, wie diese der Gewalt von Männern Vorschub leistete und Frauen ihr gegenüber verletzlich machte (z. B. Stark, 2007; Marcus 1994), hat die kinderzentrierte Forschung die Bedürfnisse und Perspektiven von Kindern in Forschung, Politik und den Antworten der Hilfesysteme auf häusliche Gewalt in den Vordergrund gerückt (z. B. Callaghan et al., 2018; Katz, 2016; Humphreys & Stanley, 2006; Jaffe et al., 2003; Mullender et al., 2002). Diese Fortschritte in unserem Wissen über Kinder und häusliche Gewalt waren inhaltlicher und konzeptueller Art. Inhaltlich belegten sie das Ausmaß, die Formen und den Grad, in dem häusliche Gewalt Kinder beeinträchtigt (z. B. Jaffe et al., 1990; Holt et al., 2008; Nation et al., 2023). Konzeptuell nahmen sie die Sichtweisen und Berichte von Kindern auf und bezogen sie ein, um das Verständnis dessen zu erweitern, was häusliche Gewalt ist und wie sie erlebt wird (z. B. Callaghan et al., 2018; Morrison, 2015; Øverlien, 2013; Mullender et al., 2002; McGee, 2000). Zweifellos markiert dies große Fortschritte im Verständnis der Problematik von Kindern und häuslicher Gewalt, doch viele Fragen sind noch offen. Wie lassen sich die Auswirkungen häuslicher Gewalt am besten lindern? Was bedeutet Genesung in diesem Zusammenhang? Können Kinder heilen und sich erholen, und wie? Welche Rolle spielen Mütter bei der Genesung? Und die Väter? Dieser Beitrag will die Wissensbasis über Kinder und häusliche Gewalt erweitern, indem er diesen Fragen im Hinblick auf die „Genesungswege“ von Kindern und Müttern nachgeht. Gestützt auf Interviewdaten aus einem groß angelegten Forschungsprojekt mit Kindern und Müttern analysiert der Artikel ihre Erfahrungen mit der Teilnahme an einem therapeutischen Programm aus Peer-Unterstützung und Gruppenarbeit. Indem er die Ergebnisse in Judith Hermans (2015) etablierter Theorie der Traumagenesung verankert, trägt der Artikel zur laufenden Weiterentwicklung des Wissens über Kinder und häusliche Gewalt bei sowie zum Potenzial, die Traumatheorie in der Genesungsarbeit mit Kindern anzuwenden.

Der Artikel beginnt mit einer Bestandsaufnahme der Literatur zu Kindern und häuslicher Gewalt, gibt einen Überblick über die vorhandene Evidenz zu Kindern und häuslicher Gewalt, stellt das Gruppenprogramm selbst vor und führt in Hermans (2015) Modell von Trauma und Genesung ein. Damit werden die konzeptuellen Ressourcen benannt, auf denen die spätere Analyse beruht. Anschließend beschreibt der Artikel die Methoden der Datenerhebung der umfassenderen Studie, gefolgt von einer ausführlichen Darstellung der spezifischen Methoden für die Daten dieses Artikels sowie einem Überblick über die Teilnehmenden. Der Methodenteil schließt mit einer Darstellung der zentralen ethischen Fragen und ihrer Auswirkungen auf Erhebung, Analyse und Verbreitung der Ergebnisse. Im dritten Teil stellt der Artikel die Ergebnisse vor und verbindet die empirischen Daten mit Hermans Theorie der Traumagenesung, um das Verständnis dafür zu erweitern, wie Genesung geschieht und welche zentralen Faktoren dazu beitragen. Der vierte und letzte Teil führt die Bedeutung der Ergebnisse zusammen und hebt hervor, wie sie unser Verständnis dessen vertiefen, worauf es Kindern bei ihrer Genesung von häuslicher Gewalt ankommt. Der Artikel schließt mit einer Erörterung der Grenzen und Möglichkeiten der beschriebenen Ansätze und plädiert für weitere Forschung, die die Beteiligung von Kindern an Forschung, die ihr Leben beeinflussen soll, weiter voranbringt.

Literaturüberblick

Frühere Forschung zu Kindern und häuslicher Gewalt befasste sich mit der Messung des Ausmaßes und der Auswirkungen häuslicher Gewalt auf Kinder (z. B. Kitzmann et al. 2003; Wolfe et al., 2003; Jaffe et al. 1990). Sie konzentrierte sich darauf, welche Kinder Probleme entwickeln könnten, und auf Fragen wie den „Kreislauf der Gewalt“, die weiterhin umstritten sind (z. B. Haselschwerdt et al., 2019). Es gab einen starken Fokus auf den „Kinderschutz“, aber kaum darauf, häusliche Gewalt selbst anzugehen oder die Genesung der Kinder davon. In diesem Kontext sehen wir, wie Frauen an den Rand gedrängt werden und in Politik und Praxis Narrative wie das „Versagen der Mütter beim Schutz“ ihrer Kinder aufkommen (Lapierre, 2008). Obwohl die frühe, an der kindlichen Entwicklung orientierte Forschung wichtig war und das dringend nötige Bewusstsein für die Auswirkungen häuslicher Gewalt auf Kinder geschärft hat, war ihr Einfluss auf die Praxis mit Kindern eher begrenzt.

Seit Anfang der 2000er-Jahre ist eine Fülle von Forschung entstanden, die auf dem Gedanken der Kinderrechte beruht und sich auf die eigenen Erfahrungen von Kindern mit häuslicher Gewalt konzentriert. Diese Forschung versteht Kinder als Rechtssubjekte mit eigenen Sichtweisen und Bedürfnissen (z. B. Morrison et al. 2020; Kelly & Mullender, 2000). Dies hat das Verständnis häuslicher Gewalt und der Gewalt von Männern gegen Frauen und Kinder erweitert. Kinder werden seltener als „verborgene Opfer“ betrachtet, sondern als eng in häusliche Gewalt verstrickt und von ihr betroffen (z. B. Katz, 2022; Callaghan et al. 2018; Holt et al. 2008; Øverlien, 2014; Mullender et al., 2002; McGee, 2000). Dadurch verändert sich die Sprache, mit der über Kinder gesprochen wird, und spiegelt das sich wandelnde Verständnis von Kindern im Kontext häuslicher Gewalt wider – vom Bezeugen über das Ausgesetztsein und das Leben mit ihr bis hin zum eigenen Erleben. Diese Veränderungen spiegeln den sich entwickelnden Status wider, den Kinder im Verständnis häuslicher Gewalt einnehmen, auch in Praxis, Politik, Recht und Forschung. Kinder werden seltener als passive Opfer positioniert, sondern als Individuen mit eigenen Erfahrungen, spezifischen Bedürfnissen sowie einer einzigartigen Expertise und einem eigenen Verständnis häuslicher Gewalt anerkannt.

In feministischer Forschung und Interessenvertretung werden die Interessen von Kindern und Frauen im Kontext häuslicher Gewalt zusammengeführt. Liz Kelly (1994) beschrieb häusliche Gewalt als eine Form von Gewalt mit „doppelter Absicht“ – einen kombinierten Angriff auf Frauen und Kinder. Dieser „Angriff“ erstreckt sich auf die Mutter-Kind-Beziehung, denn als Teil der Gewalt unternimmt der Täter direkte und indirekte Versuche, die Mutter-Kind-Beziehung zu untergraben. Ein Bündnis zwischen Frauen und Kindern zu schmieden, galt als Mittel, die Kinder zu schützen. Morley und Mullender (1994:10) argumentierten, dass, auch wenn die Interessen von Frauen und Kindern mitunter in Konflikt geraten können – außer wenn dies nachweislich und unwiderruflich der Fall sei –, der wirksamste Weg, Kindern zu helfen, darin bestehe, zu verstehen, was ihren Müttern widerfährt, und im Bündnis mit ihnen zu arbeiten. Doch die Bedürfnisse und Interessen von Frauen und Kindern stehen durchaus in Konflikt und dürfen nicht als deckungsgleich oder als Stellvertreter füreinander angenommen werden (z. B. Morrison and Houghton, 2023). Die Beziehung zwischen Kindern und Frauen kann zugleich eine Quelle der Stärke und der Verletzlichkeit sein (z. B. Humphreys and Stanley 2006; Baly, 2010; Humphreys et al., 2015; Katz, 2016; Buchanan and Moulding 2021). Daraus folgt, dass zur Unterstützung der Genesung von Kindern nach häuslicher Gewalt Anstrengungen unternommen werden müssen, die Mutter-Kind-Beziehung zu stärken und wiederherzustellen.

Genesungsinterventionen für Kinder und Mütter bei häuslicher Gewalt

Die Evidenz dazu, wie Kindern geholfen wird, sich von häuslicher Gewalt zu erholen, ist begrenzt, vielleicht wegen der Fragilität vieler dieser Interventionen selbst. Das macht ihre Evaluation und Erforschung besonders schwierig. Oft fehlt Klarheit darüber, welche Ergebnisse auf häusliche Gewalt ausgerichtete Interventionen für Kinder erreichen können und sollen und wie diese gemessen werden könnten. Howarth et al (2015) plädieren für einen breiteren Konsens über die Ergebnisse und betonen, wie wichtig es ist, dass diese die Sichtweisen der Kinder und Eltern einbeziehen, die die Angebote nutzen. Arai et al. (2021) unterstreichen zudem, wie wichtig es ist, dass Interventionen die Vielfalt der Erfahrungen von Kindern mit häuslicher Gewalt anerkennen, ebenso wie ihre Handlungsfähigkeit und ihre Hoffnungen für die Zukunft. Mit Blick auf die „Bereitschaft“ zur Teilnahme an therapeutischen Interventionen empfehlen Howarth et al (2019), die Bereitschaft von Eltern und Kindern durch eine ökologische Brille zu betrachten und dabei zu unterscheiden zwischen dem Bewusstsein der Mütter für die Auswirkungen häuslicher Gewalt auf ihre Kinder und ihrer Fähigkeit, ihren Fokus auf die Bedürfnisse ihrer Kinder zu verlagern. Vikander und Källström (2024) berichten über die Eigenschaften, die Kinder an Fachkräften der Sozialen Arbeit schätzen, wenn es um häusliche Gewalt geht. Diese reichen von Vertrauenswürdigkeit über das Einbringen von Spaß und Freude bis hin zur Hilfe dabei, die Erfahrungen der Kinder mit häuslicher Gewalt anzuerkennen.

Cedar und das Community Group Treatment Programme

Cedar besteht in Schottland seit über einem Jahrzehnt und ist als Intervention fest im Community Group Treatment Programme (CGTP) verwurzelt, einem Gruppenprogramm für Kinder und Mütter, das in London (Ontario) entwickelt wurde. Cedar nutzt weiterhin das ursprüngliche strukturierte zwölfwöchige Curriculum des CGTP und dessen Durchführungsweise und folgt weitgehend dem in den 2000er-Jahren vertretenen Ansatz (siehe Sharp et al., 2011, für einen Überblick über diese Durchführungsprinzipien). Die Gruppen für Kinder und für Mütter finden getrennt, gleichzeitig und parallel zueinander statt. Thema beider Gruppen, der Kinder- wie der Müttergruppen, sind Kinder und häusliche Gewalt. Die Gruppen erkunden die Erfahrungen, das Verständnis und die Gefühle der Kinder in Bezug auf häusliche Gewalt und helfen so den Müttern, die Genesung ihrer Kinder zu unterstützen.

Das CGTP-Modell selbst hat eine lange Geschichte: Es wurde Mitte der 1980er-Jahre entwickelt, und seine erste Evaluation veröffentlichten Jaffe et al. 1986. Trotz seiner Langlebigkeit ist die Forschung zum CGPT-Modell begrenzt. Debbonaire (2007) berichtete positiv über eine Umsetzung des CGTP-Modells in Sutton (Vereinigtes Königreich). Die teilnehmenden Kinder berichteten, das Programm habe ihnen geholfen, etwas über häusliche Gewalt zu lernen, sich weniger verantwortlich oder weniger allein mit ihren Gewalterfahrungen zu fühlen, und ihr Wissen über Sicherheitsplanung erweitert. Die Kinder berichteten auch, besser mit ihren Gefühlen umgehen und über ihre Erfahrungen sprechen zu können. Sudermann et al. (2000) führten eine fragebogenbasierte Evaluation mit Kindern und Müttern durch, die das CGTP in London (Ontario) abgeschlossen hatten. Auch sie berichteten Positives über die Sichtweise der Kinder auf die Verantwortung für die Gewalt, ihre Fähigkeit, über die Gewalt zu sprechen, sowie über die Einschätzung der Mütter, dass die Teilnahme an der Gruppe ihren Kindern geholfen habe. Sudermann et al. weisen auch auf Bereiche hin, in denen die Intervention weiterentwickelt werden könnte. So äußerten Mütter den Wunsch, mehr darüber zu erfahren, „wie es ihrem Kind in der Gruppe ging“, und das Gefühl, dass einige Kinder am Ende des Programms von mehr Unterstützung profitiert hätten. Sie regen außerdem an, Wege zu finden, Kinder zu unterstützen, denen Gruppensettings schwerfallen. Die Aktionsforschungsevaluation von Sharp et al. (2011) zur ersten Pilotphase von Cedar in Schottland bestätigte die Befunde zum Nutzen des CGTP für Kinder. Sie ergänzte neue positive Befunde zur Stärkung der Mutter-Kind-Beziehung und dazu, dass die Familien nach ihrer Teilnahme hoffnungsvoller in die Zukunft blickten.

Zusammengenommen verweisen diese Befunde auf den Nutzen, den Interventionen wie Cedar für Kinder im Kontext häuslicher Gewalt haben können. Weniger klar ist jedoch, wie Interventionen wie Cedar zur Heilung und Genesung von Kindern beitragen und sie fördern. Wie helfen sie Kindern, zu heilen und sich zu erholen? Was sind die Zutaten dafür? Was behindert die Genesung? Hermans (1992, 2015) Arbeit war wegweisend für das Verständnis der Genesungswege Überlebender, insbesondere von Gewalt durch Männer gegen Frauen und Kinder. Dieser Artikel nutzt dieses Modell der Traumagenesung als konzeptuelle Grundlage, um zu verstehen, wie Kinder sich im Kontext häuslicher Gewalt erholen können. Das Modell beschreibt drei zentrale Phasen der Genesung: Herstellung von Sicherheit; Rekonstruktion der Traumageschichte durch Erinnern und Trauern; und schließlich die Wiederverbindung der Überlebenden mit ihrer weiteren Gemeinschaft. Herman beschreibt Genesung als den Moment, in dem die überlebende Person sich auf das Alltagsleben einlassen und Freude daran finden kann (2015, S. 171).

Es gibt zwei zentrale Unterschiede zwischen Hermans Darstellung ihres Modells der Traumagenesung und der Intervention Cedar: Hermans Fokus liegt auf der Genesung von Erwachsenen, nicht von Kindern; und dieser Fokus betrifft die Genesung der einzelnen erwachsenen Person, nicht der Mutter-Kind-Dyade, mit der Cedar ausdrücklich arbeitet. Dennoch bestehen, wie die Analyse zeigt, Synergien zwischen Cedar und Hermans Arbeit.

Methoden

Die hier besprochene Forschung ist Teil eines umfassenderen Forschungsprojekts im Vereinigten Königreich, das Innovationen in der sozialen Versorgung von Kindern und Familien in Situationen häuslicher Gewalt untersucht. Das Projekt umfasst drei inhaltliche Untersuchungsbereiche – Kinderschutz, Strafjustiz und therapeutische Interventionen. Dieser Teil der Forschung trägt zum dritten Untersuchungsbereich bei; er soll erkunden, wie ein Gruppenarbeitsmodell Kinder und ihre Mütter bei der Genesung von häuslicher Gewalt unterstützt.

Die hier berichteten Methoden umfassen getrennte qualitative Interviews mit 14 Kindern im Alter von 7-15 Jahren und ihren 14 Müttern, die das Cedar-Programm abgeschlossen hatten. Die Interviews verwendeten nicht ausdrücklich die Sprache der „Genesung“, sondern zeichneten die Sicht der Teilnehmenden auf ihr Wohlbefinden und ihre Sicherheit im Zeitverlauf nach und erkundeten sie. In den Interviews mit Kindern kamen verschiedene kreative, kunstbasierte Methoden zum Einsatz (Tisdall et al., 2009), zum Beispiel das physische Aufzeichnen des Weges zu Cedar, durch Cedar und aus Cedar heraus; das Sortieren und Ordnen der Arten, wie Cedar geholfen hatte; und die Einladung an die Kinder, anderen Kindern Ratschläge zu geben. Quantitative Ergebnismaße zur Sicherheit und zum Wohlbefinden von Kindern und Müttern wurden zudem bei einer größeren Studienstichprobe erhoben; sie werden an anderer Stelle berichtet (Callaghan et al., im Erscheinen). Eine Beobachtung der Gruppen selbst war nicht Teil der Methoden, aus ethischer Rücksicht auf die Privatsphäre der Teilnehmenden und um die Belastung durch die Forschung für die Teilnehmenden und die Intervention selbst zu begrenzen.

Die Teilnehmenden und ihre Teilnahme an den Interviews

Die Forschung wurde mit Teilnehmenden aus 4 Frauengruppen und 4 Kindergruppen durchgeführt. Diese Gruppen wurden von 3 verschiedenen Koordinierenden geleitet und von 3 verschiedenen Co-Moderierenden unterstützt. 8 der teilnehmenden Kinder waren Mädchen und 6 Jungen. Die Interviews fanden innerhalb von 2 Monaten nach Abschluss von Cedar statt; die meisten führte die Autorin, eine Minderheit Friskney. Das Forschungsteam traf die Familien am Ende von Cedar, um sich und die Studie vorzustellen. Cedar vermittelte dann den Zugang des Forschungsteams zu den Familien, die an der Studie teilnehmen wollten. Nicht alle eingeladenen Familien entschieden sich für ein Interview. Da der Zugang über Cedar vermittelt wurde, lassen sich schwer endgültige Gründe für diese Entscheidungen angeben; genannt wurden unter anderem: Der Dienst konnte die Familien nicht erreichen; Veränderungen in der Lebenssituation der Familien erschwerten die Teilnahme; und manche Familien wollten schlicht nicht teilnehmen. Alle Interviews mit Kindern fanden persönlich statt, ebenso die meisten Interviews mit Müttern. 3 der Interviews mit Müttern wurden auf deren Wunsch telefonisch geführt, sodass die Mütter sie in ihren Alltag einschließlich Arbeit und Kinderbetreuung einpassen konnten. Die meisten persönlichen Interviews fanden in der Wohnung der Familien statt; drei Familien baten darum, dass die Interviews bei Cedar stattfanden. Die Interviews waren halbstrukturiert und wurden mit Einverständnis als Audio aufgezeichnet und anschließend transkribiert. Ein Kind lehnte die Aufzeichnung seines Interviews ab und war stattdessen einverstanden, dass die Forscherin während des Interviews Notizen machte und es danach ausformulierte. Trotz der Zusicherung von Vertraulichkeit und Anonymität fühlte sich das Kind mit einer Tonaufnahme unwohl. Die Interviews mit Kindern und mit Müttern konzentrierten sich auf ihren Weg zu Cedar, durch Cedar und danach und fragten, welche Ratschläge sie Fachkräften und politisch Verantwortlichen zur Unterstützung von Kindern geben würden, die von häuslicher Gewalt betroffen sind.

Vorgehen bei der Datenanalyse

Die Daten wurden zunächst von der Autorin mittels der reflexiven thematischen Analyse nach Braun und Clarke (2006) ausgewertet. Da die Autorin die meisten Interviews geführt hatte, war ihr ein Großteil der Inhalte bereits in der ersten Kodierphase vertraut. Daraus wurden Themen entwickelt, anschließend überprüft und mit dem erweiterten Forschungsteam diskutiert. Die Themen wurden weiter verfeinert und zu einer übergeordneten Analyse ausgearbeitet, zu der die Teilnehmenden der Studie dann konsultiert wurden. Die Beteiligung der Teilnehmenden an der Analyse war sowohl ein Versuch, Macht im Forschungsprozess zu dezentrieren, als auch ein Weg, der Analyse zusätzliche Stringenz zu verleihen (Autorin; Coad & Evans, 2008). Praktisch wurde dies durch eine künstlerische Zusammenarbeit umgesetzt, die die übergeordnete Analyse in eine visuelle Karte der Wege der Familien durch Cedar übertrug. Die Familien, die an den ursprünglichen Interviews teilgenommen hatten, wurden dann zu zwei Gruppenworkshops mit dem Forschungsteam eingeladen, um die entstehende Analyse zu hören, Rückmeldung zu geben und sie einem „Plausibilitätscheck“ zu unterziehen. An diesen Sitzungen nahm eine kleinere Stichprobe teil: 6 der 14 Kinder und 6 der 14 Mütter, die an den ursprünglichen Interviews teilgenommen hatten. Die Gründe für die Nichtteilnahme an den Analyseworkshops reichten von anderen Verpflichtungen über das Gefühl, „damit abgeschlossen“ zu haben, bis hin zu einem Fall, in dem Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Umgangsregelung dazu führten, dass die Mutter fürchtete, die Teilnahme an den Workshops würde ihr Kind belasten. Während der Workshops wurden die Reaktionen der Teilnehmenden auf die Analyse festgehalten und in die Analyse eingearbeitet. Daraus entstanden zwei überarbeitete Karten, eine für die Kinder und eine für die Mütter, die erneut mit den teilnehmenden Kindern und Erwachsenen geteilt und besprochen wurden. Näheres zum Vorgehen bei der Koproduktion der Analyse siehe Morrison (im Erscheinen).

Die Diskussionen in den Workshops und die daraus entstandenen Karten knüpften an Vorstellungen von Genesung und Heilung nach häuslicher Gewalt an. Dies gab den Anstoß zu einer weiteren Analyse der Interviewdaten mit Hermans Modell der Traumagenesung als konzeptuellem und analytischem Rahmen; davon handelt dieser Artikel.

Ergebnisse

Die Ergebnisse sind um sieben zentrale Themen gegliedert: Fortschritte auf dem Weg zur Genesung, den Ton für die Genesung setzen, Sicherheit, das Unsagbare sagbar machen, ein Ort zum Erinnern und Trauern, die Kraft der Gruppe und die Rolle der Gruppenleitung in Zuwendung und Fürsorge. Diesen Themen liegen Hermans übergeordnete Phasen der Genesung zugrunde: Herstellung von Sicherheit, Rekonstruktion der Traumageschichte durch Erinnern und Trauern und Wiederverbindung der Überlebenden mit ihrer weiteren Gemeinschaft.

Fortschritte auf dem Weg zur Genesung

Herman stellt fest, dass das Durchlaufen der Genesungsphasen nicht linear verläuft (2015, S. 128) – ein Gedanke, der besonders bei den Müttern Anklang fand:

„Es ist kein gerader Weg nach vorn, manchmal geht man ein kleines Stück zurück, um dann nach vorn zu schießen.“ (Mutter, 11)

Die Mütter beschrieben Zeiten, in denen sie und ihre Kinder Schritte auf die Genesung zu und Schritte von ihr weg gemacht hatten. Trotz dieses unordentlichen Verlaufs herrschte unter den Müttern das Gefühl, dass Cedar ihnen geholfen habe, die Werkzeuge zu entwickeln, mit denen sie und ihre Kinder sich weiter auf die Genesung zubewegen konnten. Rückschritte entstanden meist aus den Nachwirkungen der häuslichen Gewalt – Straf- und Zivilverfahren, Probleme mit Wohnung und Geld, Sorgen um das Wohlergehen der Kinder. Das unterstreicht, dass Mütter und Kinder den Täter und die Nachwirkungen der Gewalt weiterhin deutlich spürten, obwohl sie nicht mehr mit ihm zusammenlebten. Fortschritte in der Genesung betrafen typischerweise Verbesserungen in der Beziehung der Mütter zu ihren Kindern und wichtige Errungenschaften wie eine neue Wohnung, eine Arbeitsstelle oder die Wiederaufnahme des Kontakts zu Familienangehörigen nach dem Ende der Beziehung mit dem gewalttätigen Partner. Die Mütter äußerten auch das stillschweigende Gefühl, dass Genesung bedeute, sich selbst wiederzuentdecken und wieder mit sich in Verbindung zu kommen; dies veranschaulicht der folgende Auszug aus einem Interview mit einer Mutter:

Ja. Ich fühle mich auf jeden Fall, ich weiß nicht genau, wie ich es beschreiben soll, ich fühle mich auf jeden Fall mehr wie ich selbst. Ich kann reden, und ich fühle mich richtig gut, schon ein paar Wochen nachdem ich in die Gruppe gegangen bin, hatte ich einen riesigen, fast so etwas wie einen Schub an Selbstvertrauen bemerkt. (Mutter 12)

Den Ton für die Genesung setzen

Hermans Modell beruht auf dem Gedanken, dass Genesung durch Beziehungen geschieht, und verbindet dies mit der Bedeutung, in der Genesungsarbeit Verbindung wiederherzustellen. Bei Cedar entstehen diese Verbindungen und Beziehungen unter und zwischen Kindern, Müttern und Gruppenkoordination. Herman (2015, S. 111) argumentiert, die „überlebende Person ist Urheberin und Schiedsinstanz“ ihrer eigenen Genesung; Genesungsansätze müssen daher das Empowerment der überlebenden Person widerspiegeln und unterstützen. Bei Cedar beginnt diese Urheberschaft der Genesung damit, dass die Anmeldung bei Cedar direkt durch die Familien erfolgt und nicht über Fachkräfte vermittelt wird. Das bedeutet, dass die Familien aktiv selbst entscheiden, ob sie teilnehmen. Sorgfältig wird darauf geachtet, wie Kinder diese Entscheidung zum Ausdruck bringen. Vor der Teilnahme der Kinder treffen die Koordinierenden die Kinder gemeinsam mit ihren Müttern und verbringen auch Zeit mit den Kindern allein. Über mehrere Treffen hinweg erkunden die Koordinierenden mit den Kindern, ob sie eine Erinnerung an die Gewalt haben und ob sie anerkennen können, dass es in ihrer Familie häusliche Gewalt gegeben hat. Jede Entscheidung zur Teilnahme an Cedar liegt eindeutig bei Kindern und Müttern; sie ist nicht Teil eines behördlichen Kinderschutzplans, in dem über die „Mitarbeit in der Gruppe“ berichtet wird. Wie wichtig es ist, dass Cedar von behördlichen Angeboten getrennt ist, zeigt ein Auszug aus einem Interview mit einer Mutter:

Und das war schön, denn normalerweise redet man mit jemandem, und es geht zurück an die Sozialarbeit, den Gesundheitsdienst, die Polizei, wohin auch immer. Während es gut war, dass das hier nicht passiert ist. Man konnte buchstäblich sein ganzes Innerstes ausschütten, und das war’s. Niemand hat etwas gesagt, niemand hat etwas getan. (Mutter, 3)

Die ersten Treffen zwischen den Familien und der Gruppenkoordination halfen, den Ton für die Beziehung der Familien zu Cedar zu setzen; Kinder und Mütter beschrieben, wie wertvoll diese Treffen waren, um Verbindungen und Vertrauen aufzubauen. Besonders die Kinder schätzten nach eigenen Worten Koordinierende, die positiv, energiegeladen und lustig waren. Im folgenden Auszug denkt ein Kind darüber nach, wie wichtig der Spaß, der Cedar durchzog, dafür war, sich mit häuslicher Gewalt auseinandersetzen zu können:

Ich finde Cedar toll, es macht Spaß. [..] Es ist ernst, aber es fühlt sich nicht ernst an. Schade, dass es vorbei ist, aber es war toll, und es hilft. (Kind, 6)

Zusammengenommen setzten diese Eigenschaften den Ton für das Engagement der Familien bei Cedar und halfen ihnen, ihrer Teilnahme an Cedar und ihrer eigenen Genesung optimistisch entgegenzusehen.

Sicherheit

Die Frage der Sicherheit ist im Fall häuslicher Gewalt komplex. Forschung zeigt, dass häusliche Gewalt nach einer Trennung oft weitergeht und sich verschärfen kann, wobei die Umgangsregelungen der Kinder nach der Trennung zu einem Brennpunkt werden (z. B. Spearman et al. 2023; Birchall & Choudhry, 2018). Herman (2015, S. 142) argumentiert, dass Sicherheit notwendig ist, bevor die Genesungsarbeit beginnen kann, dass aber kein einzelnes Ereignis Sicherheit markiert; vielmehr geschieht der Übergang allmählich, oft „in Schüben“. Bereitschaft zur Genesung besteht, wenn ein „rudimentäres Gefühl von Sicherheit oder Vorhersehbarkeit im Leben“ erreicht ist. Für Cedar übersetzt sich diese Idee der Vorhersehbarkeit in ein Kriterium: Mutter und Kind leben nicht mehr mit dem Täter zusammen. Das bedeutet: Auch wenn die Gewalt möglicherweise andauert oder ihre Nachwirkungen noch spürbar sind, war das Leben der Kinder und Mütter nicht mehr von täglicher Beherrschung und Kontrolle geprägt. Darin spiegelt sich Hermans irritierende, aber pragmatische Sicht, dass man sich nicht darauf verlassen kann, dass der Täter für Sicherheit sorgt, weshalb die überlebende Person sie selbst herstellen muss (2015, S. 138.). Wie bereits erörtert, ist Hermans Arbeit auf Erwachsene ausgerichtet; die Vorstellung, dass Kinder als Überlebende für ihre eigene Sicherheit verantwortlich sind, ist noch schwerer erträglich als bei Erwachsenen. Wie können Kinder (und mitunter Mütter) für Sicherheit verantwortlich sein, wenn ihr Status und ihre Macht geringer und ihre Verletzlichkeit größer sind? Wie können Genesungsinterventionen wie Cedar die Sicherheit erhöhen, wenn sie sich nicht direkt an den Täter und die Ursache des Schadens richten?

In den Interviews stellten die Kinder gängige Vorstellungen darüber infrage, wer Sicherheit herstellen kann und wie dies geschieht. Die Kinder beschrieben, dass sie sich sicherer fühlten, weil andere Bereiche ihres Lebens aufgeblüht waren. In den folgenden Auszügen verbinden Kinder ihr Sicherheitsgefühl mit ihrer weiteren sozialen Welt und der Stärkung ihrer Beziehungen zu ihrer Mutter und ihren Geschwistern:

Kind 2: Ich fühle mich auf jeden Fall sicherer, weil ich meine Freunde habe, ich habe meine Familie, ich habe meine Katze, ich habe meine Haustiere.

Int: Was für Haustiere hast du? Also, du hast eine Katze, und was noch?

Kind 2: Ich habe ein Meerschweinchen; ich habe vier Fische. Ich hab Glück.

Int: Schön. Sag mal, bevor du zu Cedar gekommen bist, hast du dich da sicher gefühlt?

Kind 13: Na ja, ich wusste über vieles nicht Bescheid. Und dann, als ich drin war…als ich mich daran gewöhnt hab, hab ich mich sicherer gefühlt, und sicherer, über meine Sachen zu reden.

Für viele Kinder hatte die Teilnahme ihrer Mutter an Cedar dazu beigetragen, ihre Sorgen und Bedenken um sie zu lindern:

Kind 7: Ich fand, das war gut für meine Mama, weil meine Mama auch Probleme hatte und, ja, das war…ich war froh, dass sie in ihre Gruppe ging, und ich ging in eine Gruppe.

Die Gewissheit, dass die Mütter durch Cedar unterstützt wurden, ermöglichte es den Kindern, sich an den Aktivitäten von Cedar und an ihrem Leben darüber hinaus zu beteiligen. Die Kinder von Sorgen um ihre Mütter zu entlasten, half, ihre Beziehungen neu auszutarieren, was wiederum dazu beitrug, dass sich die Kinder sicherer fühlten. Dieser Gedanke – dass die Unterstützung der Mütter eine Neuausrichtung der Mutter-Kind-Beziehung ermöglicht und dadurch die Sicherheit und Genesung der Kinder stärkt – fand sich auch in den Interviews mit den Müttern. Mehrere Mütter beschrieben, Cedar habe ihnen geholfen, „einfach wieder Mutter sein zu können“ – eine schlichte, aber tiefgründige Aussage: schlicht, weil sie eine Beziehung neu benennt, tiefgründig, weil sie anerkennt, dass eine so gewöhnliche Beziehung gefehlt hatte. Dies knüpft an Hermans Indikatoren für die Auflösung an (2015, S. 171), wonach sich Überlebende wieder auf das gewöhnliche Leben konzentrieren, Freude an Beziehungen finden und sich mehr für ihre Zukunft als für die Vergangenheit interessieren können.

Sicherheit oder Geborgenheit zu erreichen, liegt jedoch nicht immer „in der Hand der Kinder oder Mütter“. Mehrere Kinder beschrieben Gefühle von (Un-)Sicherheit und (Un-)Geborgenheit, obwohl sie nicht mehr mit der täglichen Beherrschung und Kontrolle häuslicher Gewalt lebten. Manchmal fiel es den Kindern schwer, diese Gefühle der Unsicherheit in Worte zu fassen und zu verstehen. Die Gefühle hingen nicht immer mit bestimmten Ereignissen oder Personen zusammen. So zeigt sich etwa die beunruhigende Ungewissheit über den Ursprung der Angst im folgenden Austausch:

Kind 11: Ich fühl mich ein bisschen sicher, es ist so, als ob ich nicht erwarte, nicht sicher zu sein, wenn du verstehst…

Int: Du fühlst dich also ein bisschen sicher, aber nicht ganz sicher?

Kind 11: Mhm.

Int: Was müsste sich deiner Meinung nach ändern, damit du dich sicher fühlst, also was würde…

Kind 11: Weiß ich nicht genau.

Int: Gibt es etwas, das du…kannst du…oder weißt du, was es ist, das dir das Gefühl gibt, nicht sicher zu sein?

Kind 11: Ich weiß nicht, wodurch ich mich unsicher fühle, ich glaube, es ist einfach…ich komm nicht auf das Wort, aber es ist irgendwas.

Auch wenn es den Kindern schwerfiel zu erklären, warum sie ein unterschwelliges und fortbestehendes Gefühl von Unsicherheit und Ungeborgenheit hatten, wird es verständlich, wenn man die Umstände betrachtet, die ein Mädchen als „normales Leben“ erlebt hatte, bevor sie, ihre Schwester und ihre Mutter vor ihrem Vater flohen:

Er hat sie [meine Mutter] immer so geschlagen und so, und ihr halt wehgetan, und ich musste mich vor meine Mama stellen, aber wenn dann [meine Schwester] sich davorgestellt hat, wurde sie meistens einfach weggeschubst, und dann hab ich mich davorgestellt und Mama gesagt, sie soll gehen. Und dann so, wenn Mama oben fertig war und ihre Tür abgeschlossen hatte … weil wir hatten ein Zimmer, das man von innen abschließen konnte, und das war so das Chill-Zimmer. Da sind wir dann rein, und da drin hatten wir so einen Kühlschrank, wir hatten Essen, wir hatten Wasser, und wir hatten einen Fernseher da drin, also ging’s uns ziemlich gut, bis er es geschafft hat, heimlich reinzukommen, als meine Schwester und ich aufs Klo gegangen sind. (Kind 9)

Diese Schilderung, wie sie eingriff, um ihre Mutter und ihre Schwester zu schützen, und wie sie sich während der Angriffe in einen faktischen „Panikraum“ zurückzogen, war für das Mädchen und ihre Geschwister selbstverständlich. Angesichts der alltäglichen und katastrophalen Herausforderungen, die häusliche Gewalt für das Sicherheitsgefühl von Kindern bedeuten kann, erscheint es unwahrscheinlich, dass alle Kinder oder ihre Mütter vor dem Eintritt in Cedar ein ausgeprägtes Sicherheitsgefühl erreicht haben. Es erscheint daher unwahrscheinlich, dass eine Intervention wie Cedar „ausreicht“, um das rudimentäre Sicherheitsgefühl, das für die Genesung aller Kinder notwendig ist, vollständig wiederherzustellen.

Von besonderer Bedeutung für dieses Sicherheitsgefühl waren die vergangenen und andauernden Beziehungen der Kinder zu ihren Vätern. Die Mütter berichteten, dass unvorhersehbare, unsichere Kontakte zwischen Kindern und Vätern das Sicherheitsgefühl ihres Kindes untergruben und damit die Genesungswege von Kindern wie Müttern faktisch blockierten. Wie in anderer Forschung gut dokumentiert (z. B. Spearman et al., 2023), durchdringt häusliche Gewalt Zeit, Raum und Beziehungen; sie ist oft weder vorbei noch auf die Vergangenheit beschränkt, sodass das Sicherheitsgefühl von Kindern und Müttern noch lange über die Dauer der Beziehung der Erwachsenen hinaus untergraben werden kann.

Das Unsagbare sagbar machen

Im Kern zielt Hermans (2015, S. 11) Modell darauf ab, Menschen, die ein Trauma erlebt haben, zu helfen, Wege zu finden, um „dem Unsagbaren näher ins Auge zu sehen“. Sie argumentiert, dass Menschen auf traumatische Gräueltaten reagieren, indem sie versuchen, „sie aus ihrem Bewusstsein zu verbannen“, wodurch diese Gräueltaten „unsagbar“ werden. So stark dieser Wunsch, „die Wahrheit zu begraben“, auch ist, die Bemühungen, Gräueltaten zu leugnen, sind oft vergeblich und führen zu anderen Formen von Schaden. Herman legt vielmehr nahe, dass wir uns an die unsagbaren Ereignisse erinnern und über sie sprechen müssen, um die soziale Ordnung wiederherzustellen, die sie umgestürzt haben, und den einzelnen Opfern zu ermöglichen, zu heilen. Bei Cedar werden Kinder und Mütter darin unterstützt, eine Sprache für häusliche Gewalt zu entwickeln, die hilft, den Kindern und den Beziehungen zwischen Kindern und Müttern zugefügten Schaden sichtbar zu machen und anzuerkennen. Im folgenden Auszug denkt ein Junge darüber nach, wie ihm die Teilnahme an den Aktivitäten von Cedar half, seine Gefühle auszudrücken, was ihn gewissermaßen von ihnen befreite:

Kind 10: Mir [hat] gefallen, wie es mir geholfen hat, alle meine Gefühle zu machen, zu sagen, über sie zu reden, die ich hatte, und wie ich sie [vorher] nicht loslassen konnte, weil sie [meine Gefühle] mich nicht gelassen haben, und dann hab ich einfach…sie sind einfach richtig weggegangen.

Gelegenheiten zu schaffen, das Unsagbare – die Gefühle und Erfahrungen der Kinder mit der Gewalt – sagbar zu machen, kann grundlegend für ihre Genesung von häuslicher Gewalt sein. Seine Wirkkraft findet ein Echo in Forschung mit Kindern, die zeigt, dass Gefühle von Scham, Stigma und Angst aus ihren Erfahrungen mit häuslicher Gewalt erwachsen (z. B. Mullender et al., 2002), und in Forschung mit Frauen, die zeigt, dass sie das Wissen und die Erinnerung ihrer Kinder und mitunter die Auswirkungen häuslicher Gewalt auf das Leben ihrer Kinder unterschätzen können (z. B. Edleson 1999). Indem Cedar die Gräuel häuslicher Gewalt für Kinder sagbar macht, bietet es einen Weg, mit der Reparatur des angerichteten Schadens zu beginnen. Diese positiven Wirkungen, die entstehen, wenn häusliche Gewalt zwischen Kindern und Müttern sagbar wird, und ihre Auswirkungen auf ihre Beziehung zueinander spiegeln sich in den folgenden Interviewauszügen mit zwei Müttern wider:

[…] Es hat uns Türen geöffnet, offen zu reden…weil ich sie immer beschützen wollte und sie mich immer beschützen wollte, und wir wollten über nichts reden, also hat es Tore geöffnet, dass wir zusammen über alles reden können, was in der Vergangenheit passiert ist, dass du dir keine Sorgen machen musst, mich aufzuregen, und ich mir keine Sorgen machen muss, sie aufzuregen. Ich lasse sie sagen, was immer sie will, und dann reden wir darüber, und dann kommen wir zu irgendeinem Ergebnis, was auch immer es ist. (Mutter 14)

Also, es war etwas, das wir konnten, weil wir ja offensichtlich beide gelitten haben. Ich schiebe meine ganzen Sachen irgendwie einfach nach hinten in meinen Kopf, um mich zuerst um die Kinder zu kümmern. Also war es schön, dass, es war etwas, das wir beide machen konnten, und es würde ihr irgendwie helfen, und mir, wieder miteinander reden zu können. Weil wir früher miteinander reden konnten, und dann in den letzten Jahren, ist es irgendwie, haben wir uns auseinandergelebt. (Mutter 1)

Die Mehrheit der Kinder äußerte, ähnlich wie ihre Mütter, dass sie besser offen mit ihnen über häusliche Gewalt sprechen könnten. Es gab jedoch eine bedeutende Minderheit von Kindern, die ihrer Fähigkeit, mit ihrer Mutter zu sprechen, ambivalenter gegenüberstand. Dies veranschaulicht der folgende Auszug aus einem Interview mit einem Kind:

Interviewerin: Ja. Und du und deine Mama, redet ihr manchmal darüber, was passiert ist, oder redet ihr nicht darüber?

Kind 13: Ich rede nicht so gern darüber, weil ich nicht will, dass es wieder ein großes Ding wird. Weil jedes Mal, wenn ich über was rede, denkt Mama, dass es ein riesiges Problem ist, und dann geht sie hin und erzählt es allen

In diesem Fall hemmte die Reaktion der Mutter darauf, dass ihr Kind vor der Teilnahme an Cedar über die häusliche Gewalt gesprochen hatte, weiterhin die Fähigkeit des Kindes, mit seiner Mutter darüber zu sprechen. Das zeigt, wie häusliche Gewalt und die Reaktionen darauf, wenn Kinder über sie sprechen, nachhaltige Auswirkungen auf die Mutter-Kind-Beziehung und die Genesung der Kinder haben können. Während ein paralleles Modell wie Cedar es Kindern und Müttern ermöglicht, eine Sprache für häusliche Gewalt zu entwickeln und diese in der Peergruppe einzuüben, droht sein Erfolg darin, häusliche Gewalt zwischen Kindern und Müttern sagbar zu machen, brüchiger zu sein. Wege zu finden, eine direktere Kommunikation zwischen Kindern und Müttern zu fördern, könnte häusliche Gewalt in manchen Familien sagbarer machen und möglicherweise auch der Mutter-Kind-Beziehung größeren Nutzen bringen, den angerichteten Schaden reparieren und die Genesung der Kinder unterstützen.

Ein Ort zum Erinnern und Trauern

Durch die Brille von Hermans Genesungsmodell betrachtet, ist die Arbeit von Cedar in der Phase des Erinnerns und Trauerns angesiedelt (2015, S. 176). Durch das Curriculum der Gruppenarbeit werden Kinder und Mütter ermutigt, ihre Geschichte häuslicher Gewalt in Worte zu fassen und sie dann neu zu rahmen und dabei ihre Auswirkungen anzuerkennen. Diese Erinnerungsarbeit hilft, die Reaktionen der Überlebenden auf die erlittenen Gräuel zu normalisieren, und bietet eine Sprache für die Gefühle und Reaktionen, die diese hervorgerufen haben. Ziel dieser Genesung ist die Integration, nicht der Exorzismus des Traumas: Die Überlebenden finden eine heilsame Kraft darin, die „Wahrheit über ihre Erfahrungen auszusprechen“ (S. 147).

Die Verluste betrauern

Es gibt viele Verluste – eingebildete und reale, materielle und abstrakte –, die in kindlichen Erfahrungen häuslicher Gewalt oft unerkannt bleiben: der Verlust idealisierter Bilder einer Mutter, eines Vaters und einer Familie; der Verlust eines Zuhauses, von Haustieren und Habseligkeiten; der Verlust einer Schule mit ihren vertrauten Abläufen, Rhythmen und Regeln; der Verlust einer Gemeinschaft mit ihren Freundschaften, ihrer Nachbarschaft und ihren Beziehungen; und der Verlust einer bestimmten Zukunft. Das Betrauern solcher Verluste, so Herman (2015, S. 143), sollte als Akt des Mutes und des Stolzes und nicht der Demütigung angenommen werden. Auf diese Weise kann eine überlebende Person (hier ein Mädchen) „ihr unzerstörbares Innenleben entdecken und die Kontrolle über ihre eigene Genesung übernehmen“ (S. 153). Akte des Erinnerns und Trauerns bekräftigen den Wert des Kindes. Seine Traumageschichte wird zu einer neuen, nicht mehr von Gefühlen der Scham und Demütigung durchtränkt, sondern von Gefühlen der Würde und des Wertes. Die Integration des Traumas ist nie abgeschlossen, Lebensereignisse wecken es unweigerlich und lassen es wiederaufleben, doch die Erinnerung an das Trauma und die Intensität seiner Verluste verblassen (S. 158). Gelegenheiten zu bieten, über diese Erfahrungen zu sprechen und mit dem Trauern zu beginnen, war eine zentrale Aufgabe des Gruppencurriculums von Cedar. Dieser Auszug aus einem Interview mit einem Kind veranschaulicht, wie Cedar dazu beiträgt:

Ich würde es (Cedar) so erklären, dass es etwas ist, das dir bei all deinen Sorgen hilft, und wenn du wegen etwas traurig bist, kommst du einfach zu Cedar und redest darüber… sie helfen echt, wenn ich wegen Sachen traurig bin, und ich rede einfach mit ihnen darüber, und dann machen sie, dass es mir besser geht, wenn ich traurig bin. (Kind, 8)

Die Traumageschichte rekonstruieren

Auch die Mütter sprachen eindringlich über die positive Wirkung, ihre Erfahrungen häuslicher Gewalt rekonstruieren zu können. Im folgenden Auszug beschreibt eine Mutter, wie die Teilnahme an Cedar dazu beitrug, ihr Bild von sich selbst zu verändern, ihr half, ihre eigene Stärke zu entdecken, und ihr Selbstgefühl wiederherzustellen begann:

Ich wäre nicht da, wo ich heute bin, wenn ich Cedar nicht gemacht hätte, weil ich mir immer noch die Schuld geben würde, ich würde immer noch die ganze Zeit in die Vergangenheit zurückgehen, ich könnte nicht damit umgehen, über die Vergangenheit zu reden, ich würde mich nicht wohlfühlen, über die Vergangenheit zu reden, ich hätte niemand anderem helfen können, weil ich wieder zurück gewesen wäre…von wegen sechs Jahre davon entfernt, ich wäre wieder bei sechs Monaten gewesen. Und da wäre ich geblieben, da wäre mein Kopf geblieben, und es [ich] einfach…es hat mir geholfen, zu einer Art neuen, wenn man so will, heranzuwachsen, oder zurück zu meinem wahren [Ich] zu finden. (Mutter 13)

Die Kinder beschrieben diese Idee der Rekonstruktion der Traumageschichte anders als ihre Mütter. Sie beschrieben Cedar regelmäßig als etwas, das ihnen half, die Verantwortung für die Gewalt zu verstehen. Doch das war kompliziert, und vielleicht ist die Trauerphase bei Kindern länger oder verläuft in einem anderen Tempo als bei Erwachsenen. Bei manchen Kindern war die Rekonstruktion noch nicht abgeschlossen oder schlicht anders als bei den Müttern. Für die Kinder waren Fragen der Verantwortung für die Gewalt und ihre Folgen nicht immer sauber geklärt. Manche Kinder fühlten sich weiterhin für die Gewalt verantwortlich. Manche waren immer noch verwirrt und wütend über die erheblichen Auswirkungen, die die Gewalt und die Trennung ihrer Eltern auf ihr Leben hatten. Manche waren noch immer aufgewühlt und wütend, dass ihre Mutter nicht früher gegangen war. Die verbleibenden Gefühle, die Kinder haben können, veranschaulicht das folgende Zitat einer Mutter:

Wenn es einen…weil da ja natürlich viel Schuldkram drin ist bei Cedar, und wer eigentlich schuld ist, und natürlich mein Sohn immer noch…er gibt mir nicht mehr die Schuld, aber er hat immer noch…da ist immer noch dieses Ding, das er nicht loslassen kann, so, warum bist du nicht einfach gegangen? (Mutter 3)

Väter – das Ideal und die Wirklichkeit – waren eine erhebliche Quelle der Trauer und eine anhaltende Herausforderung für die Rekonstruktion der Traumageschichte durch die Kinder. Der folgende Auszug aus einem Interview mit einem Kind zeigt, auf welche Weise Väter für Kinder ein Verlust sein können:

Int: Was waren das für Sachen, über die du dir Sorgen gemacht hast, weißt du das noch?

Kind 1: Vor allem mein Papa.

Int: Was für Sachen wegen deines Papas?

Kind 1: Nur, dass er nicht mehr bei mir gewohnt hat.

Int: Also, war es, dass du ihn vermisst hast, oder war es…?

Kind 1: Ja, ich hab ihn sehr vermisst.

Während die Gefühle mancher Kinder gegenüber ihren Vätern ambivalent waren, waren diese Beziehungen – ihre Anwesenheit und ihre Abwesenheit – eine Konstante in den Erzählungen der Kinder. Die Kinder fanden das Verhalten ihres Vaters und ihre daraus folgenden Gefühle ihm gegenüber verwirrend und daher schwer zu rekonstruieren oder zu integrieren. Dies veranschaulicht der folgende Auszug, in dem ein Mädchen versucht, das gewalttätige Verhalten ihres Vaters ihr gegenüber zu verstehen:

Kind 11: Eigentlich mochte mein Papa mich nicht, und dann, aber eigentlich mochte er mich doch, aber er wohnt nicht mehr bei uns.

Im Kontext häuslicher Gewalt werden Väter oft als Quelle von Risiko und Schaden betrachtet, die es zu managen gilt. Das ist verständlich, und die Risiken und Schäden für Kinder und Frauen müssen tatsächlich anerkannt und angegangen werden. Die Erzählungen der Kinder über ihre Väter unterstreichen jedoch auch, wie wichtig es ist, dass sich die Genesungsarbeit mit der Komplexität der Gefühle der Kinder und ihrer Beziehungen zu ihren Vätern – in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – auseinandersetzt, damit diese integriert werden können. Im folgenden Auszug denkt ein anderer Junge darüber nach, wie seine Gefühle gegenüber seinem Vater ungelöst bleiben und wie sehr er damit ringt:

Kind 6: Meistens [haben wir] über Wehtun und Gefühle geredet und…meistens über Wehtun und Gefühle, [..] Und dann hab ich es [Cedar] da echt vermisst, weil ich noch ein bisschen mehr zu erzählen hatte, aber dann hab ich manchmal mit meiner Mama darüber geredet, wenn ich manchmal wegen meinem Papa traurig bin.

Cedar half den Kindern, diese Gefühle gegenüber ihren Vätern zu äußern, um sie und ihre Beziehung zu ihnen zu trauern. Die Tiefe dieser Verluste kann jedoch seismisch sein, und wenn sie ungelöst bleiben, können sie die Genesung von häuslicher Gewalt erschweren. Die Kinder berichteten weiterhin, dass es ihnen enorm schwerfiel, über ihre Väter zu sprechen, ob abwesend oder anwesend – vielleicht ein Hinweis darauf, dass die Kinder noch nicht in der Lage waren, über die Trauer hinauszugelangen.

Die Vielschichtigkeit der Gefühle, die bei Kindern ausgelöst werden können, veranschaulicht der folgende Auszug aus den Interviews:

Int: Gibt es etwas, worüber du dir noch Sorgen machst oder worüber du traurig bist?

Kind 1: Immer noch traurig wegen meinem Papa.

Int: Worüber bist du traurig?

Kind 1: Traurig, ich darf ihn nicht sehen, und meine Schwester darf ihren sehen.

Int: Ja, das hast du gesagt. Wann hast du ihn zuletzt gesehen, weißt du das noch?

Kind 1: Das war ungefähr, als ich vier oder fünf war […]. Ich bin eifersüchtig, weil meine Schwester ihren Papa sehen darf. Das hab ich gestern Morgen gesagt, glaube ich.

Eifersucht ist ein schwer auszudrückendes Gefühl, das oft weder ermutigt noch toleriert wird. Offen mit der Mutter darüber sprechen zu können, war ein bedeutender Schritt. Es zeigt, wie Interventionen wie Cedar Kindern beim Trauern helfen können, indem sie ihre Kommunikation und das Entwirren komplizierter Gefühle unterstützen. Damit liegt ein anschauliches Beispiel dafür vor, wie Hermans Genesungsmodell und Cedar Wege bieten, Opfer wieder mit ihren Erfahrungen zu verbinden, Verluste zu betrauern und mit ihrer Integration zu beginnen.

Die Kraft der Gruppe

Herman betont, dass das Trauma entmenschlicht, die Gruppe aber in der Genesung erhebt und die Gefühle von Isolation, Stigma und Scham der Überlebenden lindert (2015, S.173). Damit die Gruppe gelingt, müssen ihre primären therapeutischen Aufgaben jedoch mit der Genesungsphase ihrer Mitglieder übereinstimmen; andernfalls droht die Gruppe wirkungslos oder sogar schädlich zu sein (S.173–190). Ein klares Verständnis der therapeutischen Aufgabe sowie eine Struktur und ein Rhythmus der Gruppe schützen ihre Mitglieder davor, vom Trauma überwältigt zu werden. Das Curriculum von Cedar mit den Ritualen und Routinen der wöchentlichen Gruppentreffen bot Kindern und Müttern Struktur und Vorhersehbarkeit. Beginn und Ende der Treffen wurden durch das Öffnen und Schließen einer Schatztruhe markiert, die für die Fürsorge und Vertraulichkeit stand, die die Mitglieder für die in der Gruppe geteilten Zeugnisse erwarten konnten und selbst gewährten.

Herman (2015, S. 174) vertritt die Auffassung, dass Überlebende einander in Gruppen helfen, den Schrecken und die Verwirrung traumatischer Erinnerungen sowie den Schmerz von Trauer und Verlusten zu ertragen. Die Gruppe bietet den Verlusten ihrer Mitglieder einen Ort und verleiht ihnen Feierlichkeit; sie gibt ihnen Gelegenheit zu trauern, die Vergangenheit zu würdigen und sich Zukünfte mit neuen Ideen und Gefühlen der Hoffnung vorzustellen. Herman beschreibt eine Spiegelung, die sich vollzieht, wenn sich Genesungsgruppen bilden: Indem sie sich anderen Gruppenmitgliedern zuwendet, wird die Überlebende fähig, „die Geschenke, die andere machen“, anzunehmen. Die Toleranz und das Mitgefühl, die sie anderen Gruppenmitgliedern entgegenbringt, fallen auf sie zurück. Es entsteht ein Gefühl kollektiven Empowerments, wenn Überlebende einander als Ebenbürtige sehen, die zugleich Hilfe brauchen und einander helfen können. Diese Gedanken werden in den folgenden Auszügen aus Interviews mit Kindern auf schöne Weise veranschaulicht: Sie denken über die Kraft nach, die sie aus dem Wissen schöpften, mit ihren Gewalterfahrungen nicht allein zu sein, und darüber, was dies zur Bewältigung ihrer eigenen Gefühle von Isolation, Stigma und Scham beitrug:

Kind 3: „Ich bin nicht allein. Ich hab gefühlt, als ich zu Cedar gegangen bin, war es, ja, ich hab mich sicher gefühlt, ich hab mich geborgen gefühlt.“

Int: Wie fandest du es, mit anderen Kindern zusammen zu sein, in deren Familien ähnliche Dinge passiert waren?

Kind 7: Ich hatte das Gefühl, dass ich nicht die einzige Person bin.

Interviewerin: Ja.

Kind 7: Ich hab mich besser gefühlt.

Herman zufolge werden die Ressourcen der Gruppe genutzt und geteilt, sodass die Gruppe eine größere Fähigkeit besitzt, traumatische Erfahrungen zu ertragen und zu integrieren, als jeder einzelne Mensch (S. 174). In den folgenden Auszügen führen Mütter dies weiter aus und beschreiben, wie die Gruppe ihnen half, ihr Trauma sowohl zu ertragen als auch zu einer Auflösung zu bringen:

Das war wahrscheinlich einer der schwersten Teile an Cedar. Dass man Dinge noch einmal durchleben musste, und es ist nie etwas ungeklärt geblieben, wenn das Sinn ergibt? Also, wenn etwas hochkam, haben wir darüber geredet, und es war sozusagen fast abgeschlossen, bevor die Sitzung zu Ende war. Ich bin nie gegangen und hab gedacht, ich hab etwas nicht verarbeitet, oder ich hätte darüber sprechen sollen. (Mutter 4)

Herman (2015, S. 186) argumentiert, dass die integrative Arbeit am Trauma gegen Ende der Gruppe stattfindet und dass der Abschluss mit Abschiedsritualen formalisiert wird. Bei Cedar waren diese mit Feiern, wertschätzenden Worten und Geschenken verankert, die die Errungenschaften der Kinder und Mütter würdigten:

Diese Geschenktüte, also, mit so was rechnet man am Ende nicht, und wir haben all die kleinen Sachen bekommen. Und das war richtig schön, weil wir nichts erwartet hatten. Es war toll, weil es einem diesen kleinen Extra-Kick gegeben hat, bevor man gegangen ist, so, ein Erfolgserlebnis. (Mutter 10)

Für viele war das Ende der Gruppe schwierig; manche hatten das Gefühl, sie sei zu schnell zu Ende gegangen. Frauen knüpften Beziehungen zu anderen Frauen und konnten sich auch außerhalb der Gruppe weiter gegenseitig unterstützen. Für Kinder war dies jedoch schwerer selbstständig zu bewerkstelligen. Das unterstreicht die Notwendigkeit, sorgfältig über die Genesung von Kindern nach einer intensiven Intervention nachzudenken, insbesondere wenn das Tempo der Genesung von Müttern und Kindern auseinandergeht und die eigenen Unterstützungsnetze der Kinder begrenzter und auf ihre Mütter angewiesen sind.

Die Kraft der Gruppenleitung in Zuwendung und Fürsorge

Die Phase des Erinnerns und Trauerns beinhaltet das Teilen von Erfahrungen vergangener, nicht gegenwärtiger Traumata. Dieses Teilen wird von einer koordinierenden Person der Gruppe begleitet. Wie Herman bemerkt, ist dies eine emotional anspruchsvolle Rolle, da sie vorlebt, wie man Traumageschichten zuhört, ohne von ihnen überwältigt zu werden. Bei Cedar zeigte sich dies darin, dass die Koordination die Grenzen der Gruppe hielt, etwa indem sie etablierte Rituale wiederholte (wie das Öffnen und Schließen der Schatztruhe), dafür sorgte, dass alle Stimmen gehört wurden (S.180), und die Aktivitäten des Treffens im Zeitrahmen hielt – praktische Handlungen, die in ihrem nach außen sichtbaren Ausdruck von Fürsorge die Sicherheit nährten, die es Müttern und Kindern ermöglichte, sich an einem emotional anspruchsvollen Austausch zu beteiligen. Bei Cedar beschränkten sich das Nähren von Sicherheit und das Zeigen von Fürsorge nicht auf die zeitlich begrenzten Gruppentreffen, sondern umfassten auch die Art, wie Erstgespräche durchgeführt wurden; die Organisation von Fahrten für die Familien zu den Gruppentreffen; dafür zu sorgen, dass Lieblingssnacks bereitstanden; und das Verteilen von Bestärkungskarten, die zu geschätzten Gegenständen der Kinder wurden, mit denen sie sich an ihre Arbeit bei Cedar erinnerten und darauf stolz waren. Eine Mutter erkannte sich in der unscheinbaren Gestalt dieser Fürsorge wieder und schätzte sie umso mehr:

Von dem Moment an, in dem man durch diese Tür geht, am Anfang der Gruppe, bevor man sich überhaupt hingesetzt hat, bietet einem jemand eine Tasse Tee an. Für viele Leute ist es nun mal so, dass man das zu Hause nicht bekommt. Man ist selbst diejenige, die die Tasse Tee macht, und man ist diejenige, die aufstehen und etwas für sich selbst tun muss. Also, für diese zwei Stunden, ja, zwei Stunden, in denen wir in der Gruppe waren, wurde für einen gesorgt. (Mutter 7)

Diese Erfahrung, umsorgt zu werden, Fürsorge zu erfahren, das eigene Wohlergehen von einem anderen Menschen an die erste Stelle gesetzt zu sehen – dass dies überhaupt bemerkenswert ist, erinnert schmerzlich daran, wovon sich die Familien erholen.

Diskussion

Dieser Artikel wollte das Verständnis der Genesung von Kindern nach häuslicher Gewalt voranbringen, indem er empirische Daten mit Hermans Theorie der Traumagenesung verbindet. Damit liefert er neue Erkenntnisse zu einem wenig erforschten Bereich und zeigt, wie theoretische Rahmen helfen können, die Analyse der Genesungsprozesse von Kindern zu vertiefen. Indem er die Ergebnisse in einer etablierten Traumatheorie verankert, trägt der Artikel zur Weiterentwicklung dieser Theorie im Kontext von Kindern und häuslicher Gewalt bei und zeigt ihr Anwendungspotenzial in der Genesungsarbeit mit Kindern.

Bevor die Einzelheiten der Genesungsarbeit erörtert werden, ist noch einmal zu betonen, wie grundlegend Vorstellungen von Zuwendung und Fürsorge für die Gefühle von Kindern und Müttern gegenüber Cedar waren und dafür, dass sie Cedar als eine Intervention ansahen, die ihr Leben verbessert hat. Der Artikel zeigt, wie Zuwendung und Fürsorge, so wie die Gruppenkoordination sie umsetzte, den Boden für die Genesung bereiteten. Sie waren nicht bloß „Extras“, auf die man verzichten kann, und ihre Wirkung sollte auch nicht unterschätzt werden. Weil den Überlebenden Wahlmöglichkeiten angeboten wurden und so gehandelt wurde, dass ihr innerer Wert sichtbar geschätzt wurde, konnten Kinder und Mütter sich auf eine therapeutische Arbeit von hoher Intensität einlassen und sie durchhalten. Dies ist hoch qualifizierte Arbeit: Die Gruppenleitenden müssen sich in komplexen und schwierigen Emotionen nach häuslicher Gewalt zurechtfinden und zugleich eine Umgebung schaffen und aufrechterhalten, in der die Überlebenden gemeinsam daran arbeiten, den Schrecken und die Verwirrung traumatischer Erinnerungen und den Schmerz von Trauer und Verlusten zu ertragen.

Nun zur Frage, was Genesung im Kontext häuslicher Gewalt bedeutet. Der Artikel hat die Komplexität der Genesung untersucht, die eine Balance erfordert zwischen dem Optimismus hinsichtlich Genesung und Heilung – wenn sich Überlebende auf das gewöhnliche Leben konzentrieren, Freude an Beziehungen finden und sich mehr für ihre Zukunft als für die Vergangenheit interessieren können – und der Realität, dass häusliche Gewalt grenzenlos sein kann und Zeit und Beziehungen überdauert. Häusliche Gewalt endet nicht mit der Trennung (z. B. Spearman et al., 2023), ihre Nachwirkungen können dauerhaft und weitreichend sein (z. B. Katz, 2022; Callaghan et al. 2018; Holt et al. 2008; Øverlien, 2014; Mullender et al., 2002; McGee, 2000). Daher ist fraglich, ob eine Genesung von Kindern in einem Kontext möglich ist, in dem das Trauma oft noch andauert. Die Analyse hat gezeigt, wie unordentlich Genesung verlaufen kann und wie eng sie mit Fragen von Sicherheit und Risiko verflochten ist. Das Sicherheitsgefühl von Kindern kann gestärkt werden, wenn sich ihre soziale Welt erweitert und ihre Beziehungen zu ihren Müttern, Geschwistern und der weiteren Familie gefestigt werden. Ihr Sicherheitsgefühl kann auch wachsen, wenn sie von Sorgen um ihre Mutter entlastet werden. Interventionen wie Cedar erreichen dies, indem sie helfen, die Mutter-Kind-Beziehung neu auszubalancieren, und die Kinder dadurch freimachen, sich auf andere Bereiche ihres Lebens zu konzentrieren. Für manche Kinder blieb Sicherheit jedoch schwer greifbar, und ein Gefühl der Unsicherheit lastet weiterhin schwer auf ihnen. Hermans Modell wurde mit Erwachsenen entwickelt, und vielleicht ist das Konzept des „rudimentären Sicherheitsgefühls“ für Erwachsene eher erreichbar als für Kinder. Dies legt nahe, dass in der Praxis – und auch in Recht und Politik – die alltägliche und katastrophale Erosion, die häusliche Gewalt und ihre Nachwirkungen für das Sicherheitsgefühl mancher Kinder weiterhin bedeuten, stärker anerkannt werden muss. Ohne zuerst Wege zu finden, sie einzudämmen und das grundlegende Sicherheitsgefühl der Kinder wiederherzustellen, droht die Genesung der Kinder brüchig zu werden, wenn nicht ganz gefährdet.

Ein zentraler Aspekt der Genesung von Kindern besteht darin, ihnen zu helfen, eine Sprache für häusliche Gewalt und ein Vokabular für ihre Gefühle dazu zu entwickeln. Dies half, die Erfahrungen der Kinder und ihre Gefühle dazu sagbar zu machen – gegenüber Gleichaltrigen, Müttern und Familien. Auf diese Weise wurden die Kinder darin unterstützt, sich mit den Gefühlen von Scham, Stigma und Angst auseinanderzusetzen, die kindliche Erfahrungen häuslicher Gewalt oft prägen (z. B. Mullender et al., 2002). Hermans Modell beruht auf der Vorstellung, dass Genesung in Beziehungen stattfindet. Dies klingt an andere feministische Forschung an und fügt sich gut in sie ein, die der Mutter-Kind-Beziehung einen hohen Stellenwert und Vertrauen beimisst, wenn es darum geht, Kinder zu schützen und bei ihrer Genesung von häuslicher Gewalt zu unterstützen. Die hier erörterten Ergebnisse zeigen, dass dieser Stellenwert und dieses Vertrauen für viele Kinder gut begründet sind, aber nicht für alle. So wie Beziehungen zwischen Kindern und Frauen Quellen der Stärke sein können, können sie auch Quellen der Verletzlichkeit für die Genesung von Kindern sein (z. B. Humphreys and Stanley 2006; Baly, 2010; Katz, 2016; Buchanan and Moulding 2021). Für manche Kinder besteht das Risiko, dass die Mutter-Kind-Beziehung nicht stark genug ist oder Interventionen sie nicht ausreichend stärken. Das bedeutet, dass sie Gelegenheiten und Wege zur Genesung nicht voll ausschöpfen können, was an die Überlegungen von Howarth et al (2019) zur „Bereitschaft“ für Interventionen anknüpft. Der Artikel fordert daher eine kritischere Auseinandersetzung damit, ob, wie und was Interventionen noch tun können, um diese Beziehungen zu stärken. Und wenn sie es nicht können, muss bedacht werden, wie alternative Genesungsmodelle aussehen könnten, in denen die Mutter-Kind-Beziehung nicht als Hauptträgerin der Genesung von Kindern vorausgesetzt wird.

Indem die Analyse die Rahmen von Verlust, Kummer und Trauer zur Erkundung der Genesung von Kindern heranzog, ermöglichte sie eine weitere und umfassendere Perspektive auf die Erfahrungen von Kindern und damit auf ihre Bedürfnisse bei der Genesung von häuslicher Gewalt. Im Kontext häuslicher Gewalt werden Väter oft auf Diskussionen über Risiken reduziert, etwa darauf, ob der Umgang nach der Trennung sicher ist oder nicht. Dieser Fokus liegt gut begründeten Kritiken am Versagen des Familienrechts zugrunde, Kinder und Frauen bei Regelungen der Elternschaft nach der Trennung zu schützen (z. B. Morrison, 2015; Birchall & Choudhry, 2018). Die Erzählungen der Kinder unterstreichen jedoch, wie wichtig es ist, über das Risiko und darüber hinaus nachzudenken. Das Ende von Beziehungen zwischen Erwachsenen im Kontext häuslicher Gewalt ist nicht dasselbe wie das Ende der Vater-Kind-Beziehung oder die Veränderungen, die es für sie mit sich bringt. Die Art, wie Väter im Kontext der Genesung von Kindern betrachtet werden, muss erweitert werden, indem diese Beziehungen als Formen von Verlust anerkannt werden, die Kinder erleben können, ebenso wie die Komplexität der Gefühle, die Kinder dazu haben können. Wenn diesen Verlusten in der Genesungsarbeit keine Aufmerksamkeit geschenkt wird, drohen sie die Fähigkeit von Kindern zu erschweren und zu blockieren, ihre Geschichte über das Trauma zu rekonstruieren und sich von häuslicher Gewalt zu erholen.

Schlussfolgerung

Indem der Artikel die Berichte von Kindern und Müttern über „Genesung“ durch die Brille von Hermans Modell der Traumagenesung analysiert, hat er explizit gemacht, wie Interventionen gegen häusliche Gewalt Hermans Aufforderung aufgreifen können, „die Fragmente wieder zu verbinden, die Geschichte zu rekonstruieren, den gegenwärtigen Symptomen im Licht vergangener Ereignisse einen Sinn zu geben“ (Herman, 2015 S. 13). Am Fallbeispiel Cedar veranschaulicht der Artikel, wie Kinder durch sorgfältig begleitete Erfahrungen therapeutischer Gruppenarbeit Sicherheit finden, häusliche Gewalt sagbar machen und ihre Verluste betrauern können. Er unterstreicht auch die Brüchigkeit des Sicherheitsgefühls mancher Kinder und wie wichtig es ist, es wiederherzustellen, damit Genesung für Kinder möglich wird.

Weitere Beiträge bestehen darin, neue theoretische Rahmen – Verlust, Kummer und Trauer – aufgegriffen zu haben, um das Verständnis der Erfahrungen von Kindern mit häuslicher Gewalt zu erweitern. Der Artikel hat außerdem die Rolle der Mutter-Kind-Beziehung und die Bedeutung der Vater-Kind-Beziehung für die Genesung von Kindern hervorgehoben. Damit wirft er wichtige Fragen zu den relationalen Komplexitäten und Spannungen auf, die dem Konzept der Genesung von Kindern nach häuslicher Gewalt innewohnen, und betont die Notwendigkeit, in der Genesungsarbeit dem Sicherheitsgefühl von Kindern und der Dynamik sowohl der Mutter-Kind- als auch der Vater-Kind-Beziehung erneut Aufmerksamkeit zu schenken.

Stärken und Grenzen

Diese Studie leistet einen wertvollen und tiefgehenden Beitrag zur begrenzten Evidenzbasis über die Genesung von Kindern nach häuslicher Gewalt. Durch die Einbeziehung der Teilnehmenden in die erste Datenanalyse stellt die Studie die Prioritäten von Kindern und Müttern im Genesungsprozess in den Vordergrund und erhöht so die Stringenz der Ergebnisse. Die Tiefe der Studie beruht jedoch auf ihrer Konzentration auf eine bewusst kleine Stichprobe, was die Abbildung unterschiedlicher Gruppen oder Perspektiven einschränken kann. Die Studie umfasste keine direkte Beobachtung der Gruppen – eine Entscheidung, die getroffen wurde, um die Privatsphäre der Teilnehmenden zu respektieren und das Maß an Eingriff und Belastung, das die Forschung für die Teilnehmenden und den Dienst bedeutete, möglichst gering zu halten. Infolgedessen stützt sich die Studie bei Aspekten wie den Kompetenzen der Gruppenkoordination oder dem Einfluss der Gruppenzusammensetzung auf die Genesung ausschließlich auf die Berichte der Teilnehmenden. Die Teilnehmenden wurden über einen einzigen Unterstützungsdienst für häusliche Gewalt gewonnen, der ein bestimmtes Unterstützungsmodell anwendet. Das bedeutet, dass die Studie Unterschiede in den Genesungswegen, die sich aus unterschiedlichen Unterstützungsmodellen ergeben, möglicherweise nicht erfasst. Um diese Lücke zu schließen, könnte künftige Forschung eine größere und vielfältigere Stichprobe einbeziehen, einschließlich Teilnehmender aus verschiedenen Unterstützungsmodellen. Letztlich ist es wichtig, weiter nach Wegen zu suchen, Kinder in Forschung einzubeziehen, die ihr Leben positiv beeinflussen soll.

Complexe Systémique: Kernpunkte

Dieser Text hat das Verdienst, die Genesung eines Kindes als relationalen Prozess zu denken und nicht als bloßes Verschwinden von Symptomen. Das Setting von Cedar ist selbst systemisch: Gruppen für Kinder und für Mütter laufen parallel, entlasten die Kinder von ihrer Wachsamkeit gegenüber der Mutter und bringen die Beziehung neu ins Gleichgewicht. Drei Befunde verdienen klinische Aufmerksamkeit. Sicherheit ist nicht gewährleistet, wenn der Täter geht: Für manche Kinder bleibt sie schwer greifbar, besonders wenn der Kontakt zum Vater unvorhersehbar bleibt. Die Gewalt unter Gleichaltrigen sagbar zu machen, garantiert nicht, dass sie zwischen Mutter und Kind sagbar wird; manchmal braucht diese Bindung direkte Arbeit. Schließlich ist der Vater nicht nur ein Risiko, das es zu managen gilt: Er ist auch ein Verlust, und nicht anerkannte Trauer behindert die Rekonstruktion der Geschichte. Die Studie beruht auf einer kleinen schottischen Stichprobe, einem einzigen Dienst und keiner Beobachtung der Gruppen. Zu lesen zusammen mit dem Artikel über Dyaden, die gemeinsam häuslicher Gewalt ausgesetzt waren, und dem Artikel über das integrierte Modell der Mutter-Kind-Beziehung.

Anmerkungen aus dem Original

Ethik. Die ethische Genehmigung der Studie wurde von der Ethikkommission der University of Stirling erteilt. Während der Forschung standen informierte Einwilligung, Schutz und Wohlergehen bei der Konzeption und Durchführung der Studie besonders im Vordergrund. Die informierte Einwilligung wurde von allen teilnehmenden Kindern und Erwachsenen eingeholt und deckte zentrale Punkte ab (z. B. zugängliche Informationen, Erklärung, warum sie zur Teilnahme eingeladen wurden, Vertraulichkeit/Anonymität, fortlaufende freiwillige Einwilligung, Kontaktdaten für Fragen/Beschwerden, Informationen zur Weitergabe/Archivierung der Daten). Alle Kinder unter 18 Jahren wurden gebeten, ihrer Teilnahme ausdrücklich zuzustimmen; bei Kindern unter 16 Jahren war in Schottland (gemäß dem Age of Legal Capacity (Scotland) Act 1991) zusätzlich die Einwilligung eines Elternteils (der Mutter) erforderlich. Informationen und Einwilligung wurden an die Kommunikationsbedürfnisse der Teilnehmenden angepasst (z. B. barrierearme Formate). Die Forschung hatte Schutzprotokolle eingerichtet, darunter Vermittlungswege für die Teilnehmenden und Nachbesprechungen für das Forschungsteam. Im Rahmen der informierten Einwilligung wurden die Teilnehmenden über die Grenzen der Vertraulichkeit informiert, falls Bedenken bestünden, dass jemand von erheblichem Schaden bedroht sei. Während der Forschung erhielten die teilnehmenden Kinder und Erwachsenen eine zusammengestellte Liste von Unterstützungsorganisationen. Alle Teilnehmenden erhielten eine Karte und einen Geschenkgutschein als Dank für ihre Teilnahme an der Forschung.

Danksagung. Ich danke den Kindern und Müttern, die ihre Geschichten der Genesung geteilt haben, sowie Tracy Hutcheson und den weiteren Mitarbeitenden von Cedar, die die Forschung möglich gemacht haben. Ich danke Ruth Friskney, die einige der Interviews mit Müttern geführt hat. Jane Callaghan und Hannah Hale für die Diskussion der ersten Datenanalyse. Claire Houghton, Camille Warrington und Laura Reid, die geholfen haben, die Konsultation der Familien zu den Ergebnissen zu organisieren und zu moderieren. Außerdem danke ich Lily Greenan dafür, dass sie ihr Wissen über Hermans Modell der Traumagenesung geteilt hat.

Finanzierung. Diese Forschung wurde vom ESRC unter der Fördernummer ES/T001399/1 finanziert.

Interessenkonflikt. Die Autorin hat keinen.

Literatur

Arai, L., Shaw, A., Feder, G., Howarth, E., MacMillan, H., Moore, T. H. M., Stanley, N., & Gregory, A. (2021). Hope, Agency, and the Lived Experience of Violence: A Qualitative Systematic Review of Children’s Perspectives on Domestic Violence and Abuse. Trauma, Violence, & Abuse, 22(3), 427–438. https://doi.org/10.1177/1524838019849582

Baly, A. R. (2010). Leaving abusive relationships: Constructions of self and situation by abused women. Journal of Interpersonal Violence, 25(12), 2297–2315. https://doi.org/10.1177/088626050935

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Inoffizielle deutsche Übersetzung von Trying to find Safety, to make it Speakable, and to Mourn the Losses – Children’s Recovery from Domestic Abuse von Fiona Morrison, Journal of Family Violence, Bd. 41, Nr. 3 (2026), doi: 10.1007/s10896-024-00745-5, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzung und Satz: Complexe Systémique, Oktober 2026, mit Unterstützung künstlicher Intelligenz; das Werk wurde im Sinne der Lizenz bearbeitet. Weder die Autorin noch der Verlag sind für diese Übersetzung verantwortlich; maßgeblich ist die Originalfassung.

Inoffizielle Übersetzung des Originalartikels „Trying to find Safety, to make it Speakable, and to Mourn the Losses – Children’s Recovery from Domestic Abuse“, erschienen in Journal of Family Violence (2026) unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt und neu gesetzt von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz, wie am Anfang dieser Seite erläutert; maßgeblich ist die Originalfassung.

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Morrison, F. (2026). Trying to find Safety, to make it Speakable, and to Mourn the Losses – Children’s Recovery from Domestic Abuse. Complexe Systémique. https://app.complexe-systemique.com/en_GB/articles/trying-to-find-safety-to-make-it-speakable-and-to-mourn-the-losses-children-s-recovery (Originalwerk erschienen 2024 in Journal of Family Violence, 41(3), 431-443 (2026); 2026 erneut veröffentlicht von Journal of Family Violence, https://link.springer.com/article/10.1007/s10896-024-00745-5)

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