KI-gestützte Übersetzung

Diese Fassung wurde von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz aus dem Englischen übersetzt. Im Zweifelsfall ist die Originalfassung maßgeblich.

Australian and New Zealand Journal of Family Therapy · Familientherapie

Systemisches Denken: Zusammenarbeit und Verbindungen fördern, um das Feld zu stärken. Ein Gespräch mit Umberta Telfener

Zunächst in Philosophie ausgebildet, dann in Philadelphia und an der Mailänder Schule bei Boscolo und Cecchin, ist Umberta Telfener seit 2022 Präsidentin der European Family Therapy Association. In ihrem Haus in der Toskana erzählt sie Deisy Amorin-Woods, was sie Minuchin, Lynn Hoffman und Heinz von Foerster verdankt. Und sie plädiert dafür, von systemischer statt von Familientherapie zu sprechen: Traditionelle Familien gibt es nicht mehr, und klinische Arbeit ist immer politische Arbeit.

Autorinnen Deisy Amorin-Woods (Insight Counselling & Relationship Centre und Edith Cowan University, Perth, Australien); Umberta Telfener (European Family Therapy Association, Sorinnes, Belgien, und Milan Center for Family Therapy, Mailand, Italien)Erstveröffentlichung Australian and New Zealand Journal of Family Therapy, 1. März 2024Übersetzung Complexe Systémique, inoffizielle KI-gestützte Übersetzung

Inoffizielle deutsche Übersetzung von Systems thinking: fostering collaboration and connections to strengthen the field. A conversation with Umberta Telfener von Deisy Amorin-Woods und Umberta Telfener, erschienen in Australian and New Zealand Journal of Family Therapy (Wiley) (2024), doi: 10.1002/anzf.1577, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique im Oktober 2026 mit Unterstützung künstlicher Intelligenz: Der Originaltext wurde ins Deutsche übersetzt und für die Online-Lektüre neu gesetzt, was eine Bearbeitung des Werks im Sinne der Lizenz darstellt. Diese Übersetzung stammt weder von den Verfassenden noch vom Verlag, die weder für ihren Inhalt noch für etwaige Fehler verantwortlich sind. Maßgeblich ist die Originalfassung.

Wir denken, Therapie sei ein einfacher linearer Prozess, aber Therapie ist eine Chance, sie ist ein Tanz.

Umberta Telfener im Gespräch mit Deisy Amorin-Woods

Zusammenfassung

Umberta Telfener ist eine hoch angesehene Persönlichkeit, bekannt für ihre vielfältigen Beiträge zu den unterschiedlichsten Facetten der Familien- und systemischen Therapie. Ihr Führungsstil hat ihr den Ruf eingebracht, eine Art „Kulturanthropologin“ zu sein, was ihre Begabung widerspiegelt, Verbindungen zu schaffen, Beziehungen aufzubauen und Partnerschaften zu entwickeln. Ihr unverwechselbarer „Umberta-Stil“ steht für grenzenlose Energie, aktive Führung und das entschlossene Engagement, den Status quo infrage zu stellen. Obwohl sie erst seit einem Jahr im Amt bei der European Family Therapy Association (EFTA) ist, hat Umberta zahlreiche Projekte konzipiert und entwickelt und Netzwerke mit Fachkräften und systemisch Denkenden auf der ganzen Welt geknüpft. Verwurzelt in einer klassischen philosophischen Ausbildung, folgt ihr Streben dem systematischen Studium grundlegender Fragen über Existenz, Vernunft, Wissen, Wert, Geist und Sprache. Umbertas Rolle erinnert an einen „Chasqui“, ein Quechua-Wort für einen „Boten“, das ihre wendige Fähigkeit zur Vernetzung treffend beschreibt. Sie kommuniziert und teilt aktiv wichtige Botschaften und unterstützt so die internationale Gemeinschaft systemischer Fachkräfte. Dieser Beitrag beruht auf einem persönlichen Gespräch, das im Juli 2023 in Umbertas Landhaus in der Toskana geführt wurde. Unser Gespräch vertieft ihre umfangreiche berufliche Erfahrung, von der Ausbildung an der Philadelphia Child Guidance Clinic und der Begleitung durch Boscolo und Cecchin in Mailand bis zu ihrer Führungsrolle als derzeitige Präsidentin der EFTA. Umberta reflektiert über frühe Pioniergestalten, die ihr Denken geprägt haben, und über ihre wirkungsvolle Arbeit mit Systemen.

Kernpunkte

  1. Umberta Telfeners familientherapeutische Anfänge liegen in der Familientherapie der Child Guidance Clinic in Philadelphia, wo sie ganz in die Welt der „Systeme“ eintauchte.
  2. Später schloss sie ihre familientherapeutische Ausbildung in Italien an der Mailänder Schule für Familientherapie ab, unter der direkten Anleitung und Supervision von Gianfranco Cecchin und Luigi Boscolo.
  3. Umberta hat umfangreich publiziert: Sie hat Bücher für die breite Öffentlichkeit wie für die familientherapeutische Fachwelt verfasst und herausgegeben. Sie hat Artikel in italienischen und anderssprachigen Zeitschriften veröffentlicht.
  4. Zu Umbertas Zielen für die European Family Therapy Association gehören der Aufbau von Netzwerken mit der internationalen Gemeinschaft über systemische Institutionen und einzelne Fachkräfte weltweit sowie der Aufbau von Forschungsnetzwerken, die alternative qualitative Methoden berücksichtigen, welche Komplexität anerkennen, ohne reduktionistisch zu sein.
  5. Umberta ist überzeugt, dass wir als systemisch Denkende darauf achten müssen, uns nicht einfach nur als Therapierende zu verstehen, denn es gibt viel mehr zu tun als nur Therapie und viel mehr zu tun, als nur Familien zu sehen.

ÜBER UMBERTA TELFENER

Ursprünglich in Philosophie ausgebildet, promovierte Umberta Telfener anschließend in Gesundheitspsychologie an der Universität La Sapienza in Rom. Die gebürtige Italienerin und hoch angesehene Familien- und systemische Therapeutin genießt seit über vier Jahrzehnten weit über die italienische und europäische Fachwelt hinaus große Wertschätzung. Mit dem Wachsen ihres Beitrags zu unserem Feld ist sie zunehmend zu einer „Kraft, mit der man rechnen muss“ geworden, bekannt für ihre Leidenschaft und ihr Engagement für die Pflege von Beziehungen und die Entwicklung von Partnerschaften.

Ihre familientherapeutische Ausbildung begann an der Child Guidance Clinic in Philadelphia, wo sie ganz in die Welt der „Systeme“ eintauchte (Dreyer, 1976). Später schloss sie ihre familientherapeutische Ausbildung in Italien an der Mailänder Schule für Familientherapie ab (Barbetta & Telfener, 2019, 2021; Telfener, 2024; Telfener & Ticozzelli, 2023), unter der direkten Anleitung und Supervision von Gianfranco Cecchin und Luigi Boscolo, und wurde dort später Mitglied des Lehrkörpers. Bis heute ist sie der Mailänder Schule verbunden und dort für die Außenbeziehungen zuständig.

Umberta hatte im Laufe ihrer beruflichen Laufbahn verschiedene Funktionen inne. Sie arbeitete 10 Jahre lang in einem öffentlichen Gesundheitszentrum und ist seit 1980 in eigener Praxis tätig. 20 Jahre lang war sie Lehrbeauftragte an der Postgraduierten-Schule für Gesundheitspsychologie der Universität La Sapienza in Rom. Sie supervidiert weiterhin die Arbeit von Fachkräften und Gruppen. Sie bietet Seminare, Fortbildungen und Supervision in öffentlichen wie privaten Instituten an.

Umberta hat zahlreiche Veröffentlichungen für eine breite Leserschaft vorgelegt. Sie hat Einzel- und Ko-Publikationen sowie Bücher über Theorie und Praxis der Psychotherapie und des systemischen Denkens verfasst. Außerdem hat sie Bücher für die breite Öffentlichkeit über Liebe, Beziehungen und relationale Themen aus postmoderner und hypermoderner Sicht geschrieben (Telfener, 2007, 2011b, 2013, 2015b, 2018, 2020, 2021). Zu ihren jüngsten Fachpublikationen gehören Strategizing: the state of the art in the Milan School (Telfener & Ticozzelli, 2023), Milan School of Family Therapy (Telfener, 2024), The spiritual dimension in psychotherapy (Telfener, 2015a) sowie Community work and psychotherapy as two sides of the same cooperative practice in systemic therapy as transformative practice, einem von Imelda McCarthy und Gail Simon herausgegebenen Buch (Telfener, 2016).

Umberta schuf ein systemisches Wörterbuch, angelegt als dialogischer Hypertext, das sie unter der Supervision eines weiteren ihrer Mentoren, Heinz von Foerster, herausgab (Telfener, 2003). Sie ist zudem Autorin von Learning contexts (Telfener, 2011a) und Reflexivity in psychotherapy (Bianciardi & Telfener, 2014) und hat Bücher für die breite Öffentlichkeit wie für die familientherapeutische Fachwelt herausgegeben. Sie hat Artikel in italienischen und anderssprachigen Zeitschriften veröffentlicht.

Dr. Telfener ist der European Family Therapy Association (EFTA) seit Langem verbunden. Sie trat als Einzelmitglied bei und vertrat ab 2010 das Mailänder Institut für Familientherapie. 2016 wurde sie Mitglied des Vorstands der Kammer der Ausbildungsinstitute (TIC), und im November 2020 übernahm sie deren Vorsitz. Auf der Mitgliederversammlung der EFTA-Konferenz im September 2022 wurde Umberta zur Präsidentin gewählt.

Umberta ist eine scharfsinnige, praxisnahe Führungspersönlichkeit. Im Rahmen ihres Amtes als Präsidentin der EFTA hat sie sich zum Ziel gesetzt, positive Veränderungen zu festigen, Forschungsnetzwerke zur Steigerung der Publikationstätigkeit aufzubauen, einen Raum für jüngere Generationen zu schaffen und die EFTA mit der internationalen Gemeinschaft und anderen systemischen Institutionen weltweit zu verbinden. Mit Leidenschaft verfolgt sie die Bedrohungen, die Klimawandel und Biodiversitätsverlust für das menschliche Wohlergehen, das Überleben der Ökosysteme und die psychische Gesundheit darstellen (Telfener, 2023b).

ENGAGEMENT IM FELD: DIE EUROPEAN FAMILY THERAPY ASSOCIATION

Die EFTA wurde 1990 als unabhängiger, gemeinnütziger Verein gegründet. Sie hat Mitglieder aus den meisten europäischen Ländern sowie „ausländische Mitglieder“.

Der Verband hat eine dreigliedrige Struktur aus drei Kammern:

  1. Die Kammer der Einzelmitglieder (CIM), die ein breites Spektrum an Fachkräften versammelt (z. B. aus Sozialer Arbeit, Psychiatrie, Psychologie und anderen Gesundheitsberufen), die eine mindestens vierjährige Ausbildung in Familientherapie bzw. systemischem Ansatz abgeschlossen haben und mit Familien, Paaren und größeren Systemen arbeiten.
  2. Die Kammer der nationalen Familientherapie-Organisationen (NFTO), die nationale Verbände und Dachverbände vereint.
  3. Die Kammer der Ausbildungsinstitute (TIC), die Ausbildungsinstitute miteinander verbindet und die Vernetzung auf der Grundlage von Richtlinien zu Mindeststandards der Ausbildung fördert.

Die EFTA trägt zum Feld bei, indem sie:

  1. europäische nationale Organisationen, Institute und Einzelpersonen im Bereich der Familientherapie und systemischen Praxis verbindet und koordiniert;
  2. höchste Kompetenz und Qualität in Praxis, Forschung, Supervision und Lehre in der Familientherapie und verwandten Feldern fördert;
  3. die Ausbildung systemischer und familientherapeutischer Fachkräfte auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene stärkt;
  4. Ausschussarbeit zu den Zielen der EFTA wie Forschung, Ausbildungsstandards, Ethik und Außenbeziehungen umsetzt;
  5. Informationen verbreitet – über Familientherapie und systemische Ansätze, in ganz Europa, an Personen, Institutionen und Organisationen, die sich mit der Gesundheit und Entwicklung von Familien und menschlichen Systemen befassen;
  6. Forschung, Kongresse, Publikationen, audiovisuelle Hilfsmittel und anderes wissenschaftliches Material im Feld fördert (Borcsa, 2017).

HINTERGRUND DES INTERVIEWS

Umberta Telfener ist ein Mensch, dem ich wegen ihres breiten und vielseitigen Beitrags in den unterschiedlichsten Bereichen unseres Feldes tiefen Respekt und Bewunderung entgegenbringe. Ihr Engagement in Verbandsgremien ebenso wie ihr Einsatz für die Weiterentwicklung unseres Berufs, für die Wahrung hoher Standards und letztlich für den Erhalt unseres Feldes sind bewundernswert. Das ist eine seltene Eigenschaft, etwas, vor dem viele zurückschrecken, wegen des enormen Engagements und des Arbeitsaufwands, meist hinter den Kulissen und ohne direkten Nutzen für sich selbst.

Man hat mich eine „Kulturanthropologin“ genannt; Grenzen halten mich nicht davon ab, Kontakt aufzunehmen und Beziehungen zu pflegen. Das gilt auch für die Interviews und Gespräche, die ich rund um den Globus mit Fachleuten der systemischen Praxis führe (Amorin-Woods et al., 2020, 2021, 2022; Amorin-Woods & Imber-Black, 2024; Amorin-Woods & Mosconi, 2023; Amorin-Woods & Saccu, 2023; Amorin-Woods & Selvini, 2023). Für mich ist auch Umberta eine Kulturanthropologin, aber in viel größerem Maßstab. Sie ist interessiert, neugierig, eifrig und leidenschaftlich darin, Verbindungen zu knüpfen, Kontakte herzustellen, Beziehungen aufzubauen und Partnerschaften zu entwickeln. Ihre rastlose Energie und der kreative Aufwand, den sie betreibt, um Netzwerke zu entwickeln, sind weithin als Umberta-Stil bekannt, der rasch legendär wird. Als Führungspersönlichkeit ist sie äußerst aktiv, aufrichtig engagiert, zeigt grenzenlose Energie und setzt sich voll und ganz für eine Sache ein. Sie stellt den Status quo entschlossen infrage und ist überaus wortgewandt. Sie äußert ohne Scheu ihre Meinung und erkundet gern neue Sichtweisen. Sie lässt eine Idee nicht los, bis sie sie verwirklicht hat. Ihr letztes Ziel ist es, unserem Feld Lösungen und Fortschritt zu bringen. Das zeigt ihre Authentizität, eine Eigenschaft, die unser Feld dringend braucht. Obwohl sie erst seit einem Jahr das höchste Amt der EFTA innehat, hat sie bereits viele Projekte konzipiert und entwickelt – kleine, mittlere und große. Umberta hat Netzwerke mit Praktizierenden, Forschenden und in großem Umfang mit nationalen und internationalen systemisch Denkenden unseres Feldes aufgebaut und weiterentwickelt (Telfener, 2023b).

Getreu den Ursprüngen ihrer klassischen philosophischen Ausbildung ist ihr Streben stets das Streben nach Weisheit, Wissen und Wahrheit, denn Philosophie ist die systematische Untersuchung allgemeiner und grundlegender Fragen zu Themen wie Existenz, Vernunft, Wissen, Wert, Geist und Sprache (Merriam-Webster, 2024). Umberta sucht aktiv nach dem Verständnis grundlegender Wahrheiten über das „Selbst“ und die „anderen“ in unserer Welt, erkundet Sinn und Zweck und beleuchtet eigenständige Weisen, über systemisches Denken und Psychotherapie nachzudenken.

Als Peruanerin kann ich Umberta, wie ich finde, treffend als Chasqui beschreiben. Das ist ein Quechua-Wort (eine indigene Sprache Perus) und bedeutet ein Bote des (Inka-)Reiches. Wendig, bestens trainiert und körperlich fit, waren sie dafür zuständig, Botschaften in Form von „Quipus“ oder mündlichen Informationen von einem Ort zum anderen zu überbringen (Guaman Poma de Ayala, 1615/2009). Genau wie ein Chasqui ist Umberta eine wendige Netzwerkerin, die Kommunikation austauscht und wichtige Informationen und Botschaften überbringt, um unsere internationale Gemeinschaft systemischer Fachkräfte zu unterstützen.

Dieser Beitrag beruht auf einem persönlichen Gespräch, das ich im Juli 2023 mit Umberta Telfener in ihrem Landhaus in Capalbio in der Toskana (Italien) geführt habe. In diesem Gespräch vertiefen Umberta und ich ihre vielseitige berufliche Erfahrung und ihren Beitrag zu unserem Feld. Sie spricht über ihre erste Ausbildung an der Philadelphia Child Guidance Clinic, über Ausbildung und Berufserfahrung an der Mailänder Schule für Familientherapie und über ihr vielfältiges Engagement in der EFTA, einschließlich ihrer Führungsrolle und ihres derzeitigen Amtes als Präsidentin der EFTA. Umberta teilt ihre Gedanken über einige der frühen Pioniergestalten, die ihr Denken und ihre Arbeit mit Systemen tief geprägt haben.

DAS GESPRÄCH

Deisy Amorin-Woods

Ciao Umberta! Danke, dass du mich empfängst. Es ist wunderbar, hier bei dir zu sein, an deinem spektakulären Ort in Capalbio in der wunderschönen Toskana. Ich schätze es sehr, dass du mich in deinem einzigartigen Landhaus willkommen heißt. Was für eine ruhige, friedliche Atmosphäre, einfach wunderschön! Ich bin sicher, dass du an diesem Ort leicht zu dir kommst. Ich glaube sogar, dass du dieses schöne Haus selbst entworfen hast; du bist zwar keine Architektin, hast aber davon geträumt, eine zu sein – dein Haus zu entwerfen war also eine Möglichkeit, eine Fantasie Wirklichkeit werden zu lassen.

Umberta Telfener

Ciao Deisy, willkommen. Ja, das habe ich, und so war es. Dieser Ort ist mir sehr wichtig.

Deisy Amorin-Woods

Ich freue mich sehr über diese Gelegenheit, gerade wegen der Verbindung, die ich zu dir habe. Du bist seit Langem eine prominente Praktikerin und Führungspersönlichkeit im Feld der Familientherapie, besonders in Europa. Als solche bist du natürlich beeinflusst worden, hast Einfluss ausgeübt und beeinflusst weiterhin viele Menschen in unserem Feld. Was deine familientherapeutische Ausbildung betrifft, so begann sie, glaube ich, in den Vereinigten Staaten am Philadelphia Child Guidance Institute. Dann hast du diese Ideen nach Italien gebracht und sie mit der italienischen Note verschmolzen.

Umberta Telfener

Genau, dort hat mein Weg begonnen. Ich bin zuerst nach England gegangen, dann in die Vereinigten Staaten an das Child Guidance Institute, wo mich Jay Haley, Sal Minuchin und Harry Aponte geprägt haben. Nach meiner Rückkehr nach Italien kam ich an die Mailänder Schule für Familientherapie, unter der direkten Anleitung von Gianfranco Cecchin und Luigi Boscolo, die meine Mentoren wurden.

Deisy Amorin-Woods

Das schätze ich sehr, denn ich glaube, wenn wir uns in andere Kontexte und Kulturen begeben und ganz in sie eintauchen, kommen wir mit neuen und ungewohnten Ansätzen und Denkweisen in Berührung, die unsere kritischen und reflexiven Fähigkeiten schärfen. Das hilft uns, andere Wurzeln und andere Wege, unser Denken zu formulieren, in Betracht zu ziehen. Was deine berufliche Laufbahn betrifft, bist du im europäischen Kontext eine prominente Gestalt gewesen, insbesondere durch dein spezifisches Engagement in der EFTA. Du hast viel geschrieben und akademische Funktionen als Professorin an der Universität La Sapienza innegehabt.

Umberta Telfener

Als die Machtloseste an der Universität, weil ich mein Leben lang nur Lehrbeauftragte war: Ich hatte nie eine feste Stelle.

Deisy Amorin-Woods

Nun, das hat seinen Wert, denn es gibt dir auch die Möglichkeit, dich in andere Bereiche des Berufs zu vertiefen. Außerdem hast du viel über Theorie und Praxis der Familientherapie geschrieben und auch eine Reihe von Büchern über Beziehungen und die „Liebe“.

Umberta Telfener

Diese Bücher, eigentlich sieben, sind für die breite Öffentlichkeit geschrieben. Dazu habe ich eine kleine Geschichte. Mein erstes trug den Titel I married a narcissist (Telfener, 2007). Im Original ist von einem „narcizo“ die Rede (das hat übrigens eine doppelte Bedeutung, denn es bezeichnet auch die Narzisse). Ich fühle mich ein bisschen schuldig, weil es eine Zeit eingeläutet hat, in der Frauen begannen, Männern gegenüber sehr kritisch zu sein und sie direkt anzuklagen. Ich fühle mich also schuldig, weil ich der breiten Öffentlichkeit in Italien den Begriff Narzissmus gegeben habe, der heutzutage, würde ich sagen, wirklich missbraucht wird.

Deisy Amorin-Woods

Das Buch ist 2006 erschienen, es ist also fast 20 Jahre her, und seitdem ist viel passiert. Es sind viele Ideen darüber entstanden, wie deine Arbeit in den Kontexten von damals und heute in unserer Welt gewirkt hat. Du bist also nicht nur eine erfolgreiche Autorin für „die breite Masse“, sondern auch eine großartige Kooperationspartnerin und eine Art „Guru“ der Partnerschaften. Das hat dich auch zu deinem langjährigen Engagement in der EFTA geführt, wo du eine sehr prominente Rolle gespielt hast. Und seit September 2022 bist du zur Präsidentin der EFTA gewählt.

Umberta Telfener

Ja, mein Engagement in der EFTA ist ein langes. Ich bin zu Beginn ihrer Entwicklung in die EFTA gekommen, als die Person mit der geringsten Macht. Ich war eine der Schülerinnen von Boscolo und Cecchin und war in den Anfangsphasen der EFTA dabei, als sie gegründet wurde. Dann bin ich gegangen, um meine Kinder zu bekommen und mich anderen Dingen zu widmen. Bei meiner Rückkehr kam ich über die EFTA-TIC hinein. Mony Elkaim hatte damals den Vorsitz der EFTA-TIC inne.

Deisy Amorin-Woods

In welchem Jahr war das ungefähr?

Umberta Telfener

Oh, das muss vor 12, 13 Jahren gewesen sein. Ich war dabei, als die EFTA-TIC begann, und als Mony dann leider starb (2020), übernahm ich den Vorsitz. Ich habe durch meine Mitarbeit dort so viel gelernt. Es gab Workshops, Sitzungen und den Kongress, der einmal im Jahr stattfand. Es wurde auch gelehrt, man unterrichtete andere Fachleute auf eine Weise, die Spaß machte, lehrreich und angenehm war. Ich habe also viel gelernt. Ich glaube, ich habe mich in die EFTA verliebt und in das Projekt, ein europäisches Netzwerk zu haben. Dafür setze ich mich mit ganzer Kraft ein.

Deisy Amorin-Woods

Das ist großartig! Interessanterweise geht es bei dem, was ich für die Zeitschrift mache, bei diesem Projekt von mir, Gespräche zu führen, darum, Verbindungen herzustellen und Brücken zu schlagen. Davon verstehst du viel: die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verbinden und auf die künftige Richtung unseres Feldes zu blicken. Es gibt einen wechselseitigen und fortwährenden Einfluss. Er beginnt bei denen, die uns in unserem Beruf beeinflusst haben, bei denen, die wir beeinflussen, und auch bei denen, die wir noch beeinflussen werden. Es ist ein fortlaufender Prozess, deshalb sind diese Verbindungen so wichtig.

Mich interessiert, was du gegenwärtig als Präsidentin der EFTA vorfindest. Vielleicht können wir mit den Menschen beginnen, die dich auf deinem Weg begleitet und angeleitet haben. Wie hat dich das genährt und dir geholfen, dein Denken zu formulieren, und wie ist das heute Teil der Klinikerin, der Lehrenden und der Führungspersönlichkeit geworden, die du bist?

Umberta Telfener

Weißt du, das war, als ich anfing, in das Feld der Familientherapie und des systemischen Denkens einzusteigen. Das war um 1975. Ich hatte mein Philosophiestudium abgeschlossen und wollte praktisch arbeiten und sehen, wie die Welt ist. Ich ging zuerst nach England, aber dort fand ich nur schwer Zugang zur systemischen Welt. Also ging ich in die Vereinigten Staaten und lernte Sal Minuchin, Harry Aponte und Jay Haley kennen, sie alle. Und es war einfach, das Feld war sehr klar: die Arbeit, die Systeme und die Fachleute der Familientherapie, die dort tätig waren. Manche hatten einen psychoanalytischen Hintergrund, manche waren verhaltenstherapeutisch oder kognitiv orientiert … und dann gab es die systemische Richtung, die bei Weitem die interessanteste war.

Deisy Amorin-Woods

Was hat sie deiner Meinung nach zur interessantesten gemacht?

Umberta Telfener

Sie befassten sich mit Komplexität, und das war fantastisch. Ich habe mich verliebt. Ich habe mich in dieser Zeit viele Male verliebt. Damals war es einfach, wir hatten Großväter. Die Situation, die wir heute haben, ist nicht klar genug, wir haben nicht viele Väter. Es gibt viele Institute, die mit vielen verschiedenen Theorien gearbeitet haben, und sie sind verwirrter. Sie beschließen zum Beispiel, dass sie systemisch sind, kennen aber den Hintergrund nicht oder haben keine rechte Vorstellung davon, was das eigentlich bedeutet oder wie es aussieht. Während also damals sehr klar war, wer „drinnen“ und wer „draußen“ war, haben wir heute viele Leute, die sich für systemisch erklären, es aber nicht sind. Sie wollen zu uns gehören, und es ist fantastisch, dass sie das wollen; allerdings stellt sich eine Frage der Kriterien. Sollen wir uns zum Beispiel an die Kriterien der EAP (European Association of Psychotherapy) anpassen, die sehr hohe Standards hat, oder sollen wir eigene Standards haben? Die Situation im Bereich der psychischen Gesundheit und der Psychotherapie ist also derzeit sehr durcheinander.

Deisy Amorin-Woods

Bei dieser Verwirrung frage ich mich: Wie können wir Menschen, die verwirrt sind, unterstützen, wenn wir selbst verwirrt sind?

Umberta Telfener

Genau. Wie können wir das? Das ist ein großer, ein gewaltiger Isomorphismus. Ja, es herrscht Verwirrung, weil es so viele Institute gibt. In Deutschland zum Beispiel gibt es sehr viele Leute, eine unglaubliche Zahl von Fachkräften, und nur sehr wenige sind Mitglied der EFTA.

Deisy Amorin-Woods

Woran liegt das deiner Meinung nach?

Umberta Telfener

Das ist eine gute Frage: warum? Wahrscheinlich, weil wir nie eine Vertretung hatten, eine deutsche Vertretung, der sehr daran gelegen gewesen wäre, die Menschen darüber zu informieren, dass es die EFTA gibt. Die EFTA war anfangs frankophon, dann gab es einen griechischen Präsidenten, und viele Menschen aus Griechenland kamen dazu. Dann gab es einige italienische Präsidenten wie Luigi Onnis und vor mir Rodolfo de Bernard, die ich zutiefst respektierte, und so kamen einige Menschen aus Italien dazu. Dann gibt es noch etwas, das die Lage verändert hat: Die EFTA war ewig lang die Stelle, die Institute akkreditierte. Heute werden die Institute von ihrem eigenen Land akkreditiert, und Deutschland war eines der ersten Länder mit Akkreditierung, also brauchten sie uns nicht mehr so sehr.

Deisy Amorin-Woods

Verstehe, die Governance hat sich also in Bezug auf die Akkreditierungskriterien verändert.

Umberta Telfener

Die Governance hat sich völlig verändert, vielleicht liegt also zum Teil darin die Verwirrung.

Deisy Amorin-Woods

Meinst du, dass vielleicht eine Neujustierung der Anforderungen an das Mandat nötig ist?

Umberta Telfener

Ja, wir verändern unser Mandat. Es ist ganz klar, dass wir uns von einem Mandat, bei dem es um die Legitimierung von Institutionen ging, zu einem Mandat bewegen, das wir sehr ernst nehmen und das mit „kulturellen“ Aspekten zu tun hat. Ich habe viele Initiativen angestoßen, weil ich denke, dass die EFTA jetzt ein sehr wichtiges Mandat hat, ein „kulturelles“, das zum Handeln auffordert.

Deisy Amorin-Woods

Ich schätze dein Engagement und deinen Einsatz in diesem Bereich sehr, denn ein wichtiger Aspekt unserer familientherapeutischen Rolle ist ihre Vielschichtigkeit, besonders wenn man eine Führungsrolle innehat. Ich glaube, ein Teil dieser Pflicht besteht darin, den Boden dafür zu bereiten, nicht nur anerkannt zu werden, sondern auch wirklich auf die Bedürfnisse unserer vielfältigen Gemeinschaft einzugehen, denn sonst klammern wir uns an einen sehr begrenzten Rahmen, der in seiner Wirkung scheitert. Wie ich oft sage, müssen wir uns bewusst davon abwenden, monokulturelle Mittel für multikulturelle Zwecke bereitzustellen (Amorin-Woods, 2020).

Umberta Telfener

Absolut, das ist nicht realistisch.

Deisy Amorin-Woods

In der Tat, nicht realistisch. Ich bin mir aber sicher, dass du dich als Präsidentin der EFTA durch deinen fortwährenden Einsatz, deine Hartnäckigkeit und deine Hingabe – einige deiner wertvollsten Eigenschaften – dafür einsetzen wirst, diese und andere Lücken anzugehen.

Umberta Telfener

Nun, das Erste, was ich vorgeschlagen habe und wozu wir uns als Verband verpflichtet haben, war die Gründung einer Taskforce für soziale Gerechtigkeit und systemisches Denken. Das ist in unserer globalen Gemeinschaft relevant, bei allem, was in der Welt geschieht, etwa den ungerechtfertigten Kriegen, von denen wir umgeben sind. Wir hatten mit Menschen zu tun, die in den Krieg gezogen sind, oder mit Menschen auf der Flucht, die mit Armut und Obdachlosigkeit konfrontiert sind. Ich denke, unsere Arbeit ist immer und ausnahmslos politische Arbeit! Im Rahmen unserer Taskforce für soziale Gerechtigkeit und systemisches Denken haben wir uns im Juni 2023 bei der NFTO in Sofia zum ersten Mal getroffen und danach regelmäßige Sitzungen und Diskussionsgruppen abgehalten. Einige unserer Diskussionen zu diesem Thema sind sogar über die Website der EFTA zugänglich (O'Brien et al., 2023).

Deisy Amorin-Woods

In der Tat, ob auf der Mikro-, Meso- oder Makroebene, auf allen Ebenen wird es politische Verflechtungen geben (Amorin-Woods, 2021). Vor Kurzem habe ich ein Gespräch mit einer der angesehensten Persönlichkeiten unseres Berufs geführt, Evan Imber-Black, und wir haben genau darüber gesprochen (Amorin-Woods & Imber-Black, 2024). Was sich in diesem Gespräch gezeigt hat, wie jetzt mit dir, ist, dass wir die Präsenz der Politik in unserem Feld nicht leugnen können, denn sie ist in allen Systemen gegenwärtig, auch in Familien oder Institutionen; man kann ihr unmöglich entkommen.

Umberta Telfener

Absolut, wir müssen politisch sein und wir müssen reagieren. Wenn wir uns bewusst geworden sind, was geschehen ist, müssen wir handeln und antworten; wir müssen uns fragen: Was machen wir von da an damit? Es ist wichtig, nicht in eine soziale Kollusion zu verfallen, die sich mit den auftauchenden Problemen befasst, statt den kulturellen und kontextuellen Hintergrund zu analysieren, der das Problem gerade durch die Mittel aufrechterhält, mit denen man es zu lindern versucht. Fachkräfte der psychischen Gesundheit dürfen nicht riskieren, die Folgen des Krieges zu reproduzieren, und ich persönlich erinnere an Artikel 11 der (italienischen) Verfassung: „Italien lehnt den Krieg als Mittel der Konfliktlösung ab.“ Dieser Artikel umfasst zentrale Grundsätze zur Rolle Italiens in der internationalen Gemeinschaft und zu seinem Bekenntnis zur Förderung von Frieden und Gerechtigkeit unter den Völkern (Telfener, 2023a).

Deisy Amorin-Woods

Genau dahin möchte ich jetzt gehen, was deine Arbeit und deine Interessen betrifft, wer du bist und welche Qualitäten du einbringst, wenn du dich mit anderen zusammenschließt, um in den verschiedenen Gemeinschaften, die du vertrittst, etwas zu bewirken. Deine Rolle als Präsidentin der EFTA besteht also darin, das Bindeglied zu anderen familientherapeutischen Verbänden und zu einzelnen Fachkräften zu sein, die bereits voller Zweifel in den Beruf einsteigen; denn wie du vorhin beschrieben hast, und das ergibt so viel Sinn, lautet die Frage: Wie bietet man Orientierung, wenn Verwirrung herrscht?

Umberta Telfener

Absolut.

Deisy Amorin-Woods

Verwirrung erzeugt Verwirrung, so wie Angst Angst erzeugt. Ich denke da zum Beispiel an die Bindung: Wenn die Mutter ängstlich ist, wird auch das Kind ängstlich sein. Es ist also etwas, das wir als Teil des Prozesses brauchen, ein gewisses Maß an Sicherheit. Gespräche müssen geführt werden, denn wie du vorhin beschrieben hast, wird es je nachdem, wohin man geht, unterschiedliche Ansätze geben, weil auch Interpretation und Anwendung von Kontext und Kultur abhängen.

Umberta Telfener

Wir denken, Therapie sei ein einfacher linearer Prozess, aber Therapie ist eine Chance, sie ist ein Tanz. Man kann zu einer therapeutischen Fachkraft gehen, die angeblich sehr gut ist, die einem aber nicht hilft. Oder man kann zu jemandem gehen, der gerade erst anfängt, und der einem sehr hilft. Was also diese große Herausforderung betrifft, von der du gesprochen hast, denke ich, was wir als Therapierende, aber auch als systemisch Denkende brauchen (denn es ist wichtig, dass wir uns nicht nur als Therapierende verstehen), ist die Erkenntnis, dass es viel mehr zu tun gibt als nur Therapie und viel mehr, als nur Familien zu sehen. Die Familien sind in einer Krise. Es gibt 200 Familienmodelle. Hier in Italien sehe ich ständig viele Konstellationen, die diese Vielfalt widerspiegeln. Was wir tun müssen, ist offen zu sein und bereit, unsere Therapie ständig zu verändern und uns an ihre Denkweisen anzupassen, statt von den Menschen, die zu uns kommen, zu verlangen, sich an unsere Denkweise anzupassen. Ich suche also immer nach neuen Wegen und neuen Ideen. Ich lese jeden Tag die Zeitung und bitte meine Studierenden, jeden Tag die Zeitung zu lesen, denn ich denke, man kann nicht einfach ignorieren, was in der Welt geschieht, wenn man psychotherapeutisch arbeitet oder als Fachkraft in einer Institution tätig ist.

In einer Rede vor Fachleuten aus unserem Feld, die ich Anfang dieses Jahres in Sofia gehalten habe, habe ich einige Punkte angesprochen: „Wir sind mehr als Familientherapeutinnen und -therapeuten, wir denken systemisch. Politik und Ministerien haben uns nicht auf diese Position festgelegt. Wir müssen diese systemischen Ideen ausweiten. Der Unterschied zwischen uns und den anderen Modellen ist unser Mandat für Komplexität. Komplexität auszuhalten ist schwierig, aber sehr lohnend. Wir müssen nicht nur über Therapie sprechen. Therapie ist eine Intervention zweiter Ordnung. Wir müssen über alle möglichen gemeinwesenbezogenen Interventionen sprechen. Es sind die Institutionen, die zu Trägern des Wandels werden. Tatsächlich haben wir so angefangen. Wir waren mehr als Therapierende. Wir haben so viele Dinge getan“ (Telfener, 2023a).

Deisy Amorin-Woods

In der Tat, ich stimme dir voll und ganz zu. Das sage ich aus meiner eigenen Berufserfahrung auf verschiedenen Ebenen: in der Politikgestaltung, bei der Entwicklung und Koordination von Programmen, die auf die Bedürfnisse des Gemeinwesens eingehen, und in meiner direkten Arbeit mit Familien, Paaren und Einzelpersonen. Ich glaube, du betonst die Bedeutung der drei Ebenen – Mikro, Meso und Makro – unserer Rolle als systemisch Denkende, als Handelnde im Gemeinwesen und als Einflussnehmende auf die Politik (Amorin-Woods, 2021). Ich stimme zu, dass man informiert sein muss; man muss „im Bilde sein“, was zu einem bestimmten Zeitpunkt relevant ist, denn die Dinge ändern sich. Wie du gesagt hast, hat sich das Governance-Mandat der EFTA verändert, und jede neue Person dort wird eine andere beeinflussen, so wie du von Hayley, Minuchin und Aponte beeinflusst wurdest. Auf diese Weise werden diese Einflüsse nicht vergessen, sondern es kommen weitere Schichten hinzu.

Umberta Telfener

Viele, viele Schichten … Es gibt ein sehr schönes Buch von Deleuze und Guattari mit dem Titel Mille le pian/plateaux A thousand layers/plateaux (Deleuze & Guattari, 1980/1987). Das Leben besteht aus tausend Schichten, und wir befassen uns gleichzeitig mit all diesen Schichten. Ich finde das sehr interessant, weil du von meinen Anfängen gesprochen hast. Ich würde sagen, Sal Minuchin, sicherlich Harry Aponte, der mich an The Child Guidance Institute, eingeladen hat, sicherlich Jay Hayley – ich habe Jay und Gregory Bateson getroffen – und insbesondere Lynn Hoffman hatten alle einen enormen Einfluss auf mich.

Deisy Amorin-Woods

Inwiefern?

Umberta Telfener

Lynn wurde eine sehr gute Freundin von mir. Wir sprachen stundenlang über systemische Ideen. Sie vertrat ein unglaublich breites Spektrum an Ansichten.

Deisy Amorin-Woods

Was genau an Lynn hat dich so stark beeindruckt?

Umberta Telfener

Nun, wir befanden uns in einer Zeit des Übergangs von der Kybernetik erster Ordnung zur Kybernetik zweiter Ordnung, und wir verstanden das Konzept der Kybernetik zweiter Ordnung noch nicht sehr klar. Das war ein Begriff, den Hans von Foerster und Margaret Mead während der Mercy-Konferenzen erfunden hatten (von Foerster, 2003). Wir rangen also mit dieser Idee, denn, weißt du, vom Objektivsein und dem Satz „Das geschieht gerade“ zum Teilnehmen überzugehen, sich selbst mit den eigenen Emotionen, der eigenen Sichtweise, den eigenen Vorurteilen einzubringen, war ein großer Übergang, und ich glaube, wir haben uns bei diesem Übergang an den Händen gehalten. Dieser Übergang hatte etwas von einem Ritual. Es war unglaublich, wir rangen mit diesem Gedanken, und es war nicht leicht, aber wir setzten die Diskussionen fort. Ich hatte auch ausführliche Diskussionen mit Boscolo und Cecchin, da sie meine Mentoren waren.

Ich habe immer gedacht, dass ich gern auf irgendeine Weise Journalistin der Familientherapie wäre. Nun, in gewisser Weise tue ich das ja. Was ich mir vorstellte, war, ständig herumzureisen und diese führenden Köpfe zu besuchen, Whittaker in Wisconsin, Framo in San Diego … herumzureisen, Ideen aufzugreifen und sie zu beschreiben … dann – und das ist das dritte Mal, dass ich diesen Ausdruck verwende – „habe ich mich“ in das „Mailänder Modell“ „verliebt“. Es war ungefähr 1981, als man mich bat, eine der Lehrenden von Boscolo und Cecchin zu werden. Ich habe bei ihnen die Ausbildung als Lehrende gemacht. Ich habe nicht noch einmal die Ausbildung gemacht, die ich in Philadelphia absolviert hatte, sondern die Ausbildung als Lehrende in Mailand, und das war 1980; ich bin also seit 40 Jahren treu (Barbetta & Telfener, 2021).

Deisy Amorin-Woods

War das ausschließlich mit Cecchin und Boscolo?

Umberta Telfener

Ja, die Gruppe der „Mailänder Vier“ hatte sich bereits getrennt. Ich war 3 Tage dort, Lynn Hoffman war auch da, ich half also hinter dem Spiegel mit allen vieren. Boscolo und Cecchin hatten mich eingeladen, Lehrende in Ausbildung zu werden, und ich nahm um 5.30 oder 6.00 Uhr morgens ein Flugzeug in Rom, um um 7.30 Uhr in Mailand anzukommen; manchmal landete ich wegen Nebels in Genua, kam dort an und verbrachte dann den Tag mit dem Team.

Deisy Amorin-Woods

Einiges von dem, was ich bisher über dich erfasst habe, ist also deine Neigung zur „journalistischen Sichtweise“, dazu, in andere Kontexte einzutreten und in unterschiedlichen Umgebungen Gespräche mit prägenden Persönlichkeiten zu führen, um dein Denken zu stärken und deine Praxis zu nähren. Das ermöglicht dir dann wiederum, mit Aufmerksamkeit und Absicht in die Welt der Menschen einzutauchen, die zu dir kommen, Offenheit in deinen Ansatz einzubringen, bereit zu sein, Anpassungen vorzunehmen und dich auf das einzustellen, was dir diese Menschen vorlegen. Dein „anthropologischer“ Ansatz, dein Eintauchen in den Kontext, in Kulturen, in Gemeinschaften und verschiedene Modelle, verschafft dir also vieles. Er leitet dich an, diese vielfältigen Formen mit Sicherheit und Respekt zu behandeln, und hilft dir auch, deine Ideen zu entwickeln, um dieses einheitliche Ganze zu schaffen, sozusagen. Deine Erfahrung und dein offener Ansatz wären sicherlich ein enormer Gewinn für eine Fachperson an der Spitze eines Verbandes, denn als Präsidentin wirst du auf viele Unterschiede stoßen.

Umberta Telfener

Ich LIEBE Unterschiede. Wir müssen diese Unterschiede willkommen heißen, statt zu versuchen, sie zu verringern; ich glaube, je mehr Unterschiede es gibt, desto besser und desto besser sind wir gerüstet, um den Herausforderungen in unseren Gemeinschaften zu begegnen.

Deisy Amorin-Woods

In der Tat, es geht nicht darum, die vielfältigen und unterschiedlichen Formen zu verwässern, denn gerade das hilft uns und bereichert und stärkt unsere Ansätze mit Klientinnen und Klienten, Institutionen und Gemeinschaften.

Umberta Telfener

Absolut, und die Unterschiede, die ich vorfinde, bestehen zwischen westlichen und östlichen Instituten, die „sehr verschieden“ sind. In mancher Hinsicht sind die Institute im Osten viel leidenschaftlicher. In mancher Hinsicht sind sie wirtschaftlich weniger eingeschränkt. Sie sind wie Pioniere, die in ihren Ländern etwas Neues beginnen. Es ist schön zu sehen, wie diese frischen Ideen entstehen.

Deisy Amorin-Woods

Und neben der Leidenschaft gibt es eine gewisse Naivität …

Umberta Telfener

Ja, sehr, ein sehr schönes Gefühl, für eine neue und humanistischere Denkweise zu „kämpfen“. Die Folge dessen, was wir im Westen verloren haben, ist, dass wir uns jetzt den Gesetzen der großen Institutionen anpassen müssen. Wir haben etwas „Terrain“ verloren. Wir haben einige öffentliche Räume verloren. Wir haben einen Teil der wertvollen Arbeit, die wir mit psychotischen Menschen geleistet haben, zugunsten der Medikation verloren. Manche würden sagen, die „Medikation“ sei wie „die neue Anstalt“ für die Menschen. Sie ist der neue „goldene Käfig der Psychiatrie“.

Deisy Amorin-Woods

Dem stimme ich voll und ganz zu. Am Ende kehren wir zur „Entmachtung“ zurück, nach all der umfangreichen, reichhaltigen Arbeit, die wir geleistet haben, um „Empowerment“ zu ermöglichen. Wir müssen dafür sorgen, dass wir die Zügel wieder in die Hand nehmen.

Umberta Telfener

Ja, es ist ein entmachtetes und verwässertes systemisches Denken. Wir mussten zu viele Kompromisse eingehen. Es liegt also an uns allen, besonders an denen in Führungspositionen, zu handeln.

Deisy Amorin-Woods

Absolut, wir müssen diese Prozesse miteinander verweben und in unterschiedliche Bereiche vordringen, um etwas daraus zu machen, etwas Neues. Abgesehen davon, dass ich dich persönlich kenne, ist ein Teil dessen, was ich ebenfalls höre, deine Beharrlichkeit. Es braucht einen besonderen Menschen, um das tatsächlich zu tun. Man muss Mut und Stärke haben und auch resilient sein, denn man kann leicht von größeren Kräften demontiert und pathologisiert werden, weil in allem Politik steckt. Es braucht auch dieses Gefühl der Authentizität sich selbst gegenüber, denn wie können wir die Authentizität anderer, ihr authentisches Selbst und ihre Räume wecken oder erfassen und sie mit Respekt behandeln, wenn wir das selbst nicht tun?

Ich halte also deine Fähigkeit zu verbinden, deine Fähigkeit, dieses Verständnis, diese Ideen und Konzepte mit den Bedürfnissen von Einzelnen, Familien, Gemeinschaften und Nationen zu verknüpfen und zu verweben, um alles zu einem Ganzen zu fügen, für eine Führungspersönlichkeit für entscheidend, insbesondere für eine Führungspersönlichkeit, die einen ganzen Kontinent überblickt, wie in deinem Fall in Europa, mit so vielfältigen Nationen, die in diesem Raum zusammenleben. Als Schlüsselbereiche sehe ich die Notwendigkeit, sich für den Beruf und für die Gemeinschaft einzusetzen. Die Realität ist, dass man in bestimmten Ländern noch nicht einmal von Familientherapie gehört hat, und das ist traurig. Wann immer wir systemische Ideen nutzen, habe ich jedes Mal das Gefühl – nach meiner Erfahrung an den Orten, an denen ich gearbeitet habe, sei es in leitender Funktion oder als Fachkraft an vorderster Front, im staatlichen, im nichtstaatlichen Bereich oder in eigener Praxis –, dass in genau dem Moment, in dem wir mit systemischen Ideen arbeiten, ein realistischerer Blick möglich wird. Es stärkt den Raum; es erweitert das aktuelle Bild und den Horizont. Ich frage mich also, was du als Leiterin eines multinationalen Verbandes als Stärken siehst, um dies und unser Pflichtgefühl aufrechtzuerhalten.

Umberta Telfener

Ich stimme dir über unsere Pflicht völlig zu, und diese Pflicht besteht darin, systemisches Denken in weitere Räume zu tragen. Wenn du sagst, ich sei eine starke Theoretikerin: Ich hatte Heinz Von Foerster mehr als 10 Jahre lang als Mentor. Er war ein „Philosophist“ und einer der Begründer der Kybernetik zweiter Ordnung (von Foerster, 2003). Wir lernten uns 1983 kennen, und so waren wir 20 Jahre lang, bis zu seinem Tod, befreundet, und ich war seine Schülerin. Ich fuhr nach Pescadero zu seiner Familie. Ich war gut mit seiner Frau May und seinem Sohn befreundet, und wir besuchten uns gegenseitig. Sie kamen zu Besuch. Ich fuhr zu Besuch. Ich hatte eine Leidenschaft für Theorie, und ich habe eine Leidenschaft für Epistemologie, wegen meines philosophischen Hintergrunds. Mein erster Abschluss war in Philosophie, erst der zweite in Psychologie. Ich habe also eine fundierte, solide Plattform, auf der ich stehe, und das hilft mir. Es gibt mir die Kraft, für meine Ideen zu arbeiten und zu kämpfen, wirklich. Ich bin ein bisschen unbescheiden, aber Mony war genauso, und er war ein Riese der Therapie!

Deisy Amorin-Woods

In der Tat, Mony hatte eine magnetische Präsenz und einen einzigartig reichen Arbeitsstil. Durch das Lernen und Eintauchen und durch den Austausch mit unseren Vorbildern und dem Kollegium, indem wir die theoretischen Leitkräfte mit den praktischen Komponenten erfassen, „verheiraten“ wir also weiterhin Theorie und Praxis.

Umberta Telfener

Na ja, ich weiß nicht, eigentlich mag ich das Wort „verheiraten“ nicht. Heirat ist ein zu starkes Wort. Ich fürchte, ich habe nie geheiratet. Ich habe mit Partnern zusammengelebt, aber ich habe nie geheiratet.

Deisy Amorin-Woods

Das respektiere ich. Wenn ich von diesem Wort einmal absehe, will ich wohl sagen, dass wir uns auf einen fortlaufenden Prozess einlassen müssen, Theorie und Praxis miteinander zu verbinden. Es gibt also einen ständigen, fortwährenden Tanz, den du in deiner Rolle als Präsidentin der EFTA vollführst. Du hast uns erzählt, wer dich beeinflusst hat, wen du beeinflusst, wie du beeinflusst wurdest und wie du andere beeinflusst hast: Was glaubst du, in welche Richtung geht die Familientherapie? In vielen Ländern gibt es kein tiefes Verständnis dafür, was Familientherapie leistet oder was systemisches Denken eigentlich ist, oder welchen Nutzen es hat. Das ist zum Teil unsere eigene Schuld, denn als Lehrende, Begleitende und Praktizierende müssen wir diese Arbeit bekannt machen.

Umberta Telfener

Gut, ich sehe zwei Dinge. Erstens: Ich fürchte, du hast recht, dass wir in Bezug auf Theorie und Praxis von einer Ehe und nicht von einer Affäre sprechen müssen, denn es ist wirklich für immer. Es ist nichts, was man verbergen kann. Ich muss also zu deinem Begriff zurückkehren und von einer Ehe sprechen. Das ist das eine.

Das Zweite ist: Wie dringen wir in Bereiche vor, die uns nicht sehen? Ich habe das Gefühl, dass wir nicht nur in Begriffen von „Familie“ sprechen sollten, denn ich halte Familie in der heutigen Zeit für einen sehr engen Begriff. Ich würde gern von „systemischer“ Therapie sprechen. Zum Beispiel die Art von Therapie, die man mit dem Vater und zwei Söhnen macht, weil die Mutter gegangen ist, oder mit Geschwistern; Geschwister, die zusammenleben, weil ihre Eltern im Krieg gestorben sind, und Geschwister, die einander nicht einmal kennen; Jugendliche, die wegen all der Folgen des Krieges im selben Haus leben. Das geschah im schrecklichen Krieg zwischen Tutsi und Hutu. Es gab Geschwister und Kinder etwa im Jugendalter, die zusammenlebten und sich wie eine Familie verhielten. Wir müssen also den Begriff „Familie“ erweitern und nicht zuerst an Mutter, Vater und Kinder denken, und zweitens müssen wir wahrscheinlich von systemischer Therapie statt von Familientherapie sprechen. Denn die systemische Therapie eröffnet uns 1000 Möglichkeiten, Techniken, Strategien, Möglichkeiten, Menschen zu sehen, und dergleichen.

Deisy Amorin-Woods

Wenn ich dich richtig verstehe, sagst du also, dass Sprache von größter Bedeutung ist. Die Art, wie wir Konzepte beschreiben, kann ihr Verständnis und ihre Verwendung einschränken oder sie erweitern. Manche Menschen haben vielleicht eine starre Vorstellung von dem Konzept, und das verengt den Weg dessen, wie es in der Praxis aussieht. Was wir in Betracht ziehen müssen, ist, seine Sichtweise zu erweitern, was uns eine Erweiterung seiner Anwendungen ermöglicht. Wenn wir also unseren Beruf oder das, was wir tun, als „systemische Therapie“ bezeichnen, erweitert sich die Sicht, sodass die vielen verschiedenen Konstellationen berücksichtigt werden, und es unterstützt einen „allumfassenden“ Ansatz und das Gemeinwesen insgesamt. Ich glaube, dass wir die Diskussion in diesem Bereich fortsetzen müssen.

Umberta Telfener

Absolut. Ich arbeite mit vielen Einzelpersonen und sehe sie im systemischen Rahmen … du vermutlich auch.

Deisy Amorin-Woods

Ja, absolut.

Umberta Telfener

Ich bezeichne das, was ich tue, nicht als Familientherapie. Ich bezeichne Therapie als systemische Therapie, weil ich denke, dass wir breiter aufgestellt sind. Es ist eine Falle, in die wir getappt sind, unsere Arbeit Familientherapie zu nennen, denn wir tun viel mehr, und wir können viel mehr tun … wir sehen nicht nur traditionelle Familien. Es gibt keine traditionellen Familien mehr!

Deisy Amorin-Woods

In der Tat, es gibt unterschiedliche Zusammensetzungen und unterschiedliche Formen, und wie du betont hast, begegnen uns viele verschiedene Situationen. Das ist also eine viel realistischere Art, Therapie darzustellen und zu machen.

Umberta Telfener

Absolut.

Deisy Amorin-Woods

Da wir uns nun dem Ende unseres Gesprächs nähern, frage ich mich, wer Umberta „als Mensch“ ist. Ich würde gern etwas mehr über dich als Mensch erfahren, wie du vom persönlichen Raum in die systemische Welt, den systemischen Raum, gekommen bist; und wohl auch, wie du von deinem eigenen „persönlichen System“ dazu gekommen bist, beruflich andere Systeme zu beeinflussen. Während ich das sage, klingt es wie ein Rätsel … ich vermute, es ist ein ständiger Austausch.

Umberta Telfener

Es ist ein ständiger Austausch. Nun, eines kann ich sagen: Ich glaube, Therapierende müssen geerdet sein und sich in ihrer Haut sehr wohlfühlen; das ist ein Weg. Jetzt bin ich alt genug, dass es mir gelungen ist, aber es war ein langer Weg, eine lange, lange Suche von Anfang an, seit ich ein Kind war. Warum sind wir auf dieser Welt? Was ist der Sinn? Ich liebe diese Fragen, und ich glaube, viele Menschen, die diese Art von Arbeit machen, tragen diese Fragen in sich und gelangen zu einer Art Lösung. Meine Lösung ist, dass wir geboren werden, um zu lernen, um zu leben; dass wir geboren werden und leben, um zu lernen, wie man lebt. Und das ist ein Weg, der ein ganzes Leben dauert. Ich glaube, wenn ich tot bin, wird das Lernen enden, aber selbst nach meinem Tod hoffe ich, ein Molekül im Universum zu sein, das weiter lernt und weitergeht. Das hoffe ich wirklich. Weißt du, ich denke, als Therapierende haben wir das Glück, dass unser Wissen nie endet. Wir können nie sagen: „Ich weiß.“ Wir müssen weiter danach suchen. Wir müssen Artikel lesen, Bücher lesen und über das nachdenken, was wir dabei lernen, weiterhin Menschen begegnen und von ihnen lernen und natürlich solche Gespräche führen.

Deisy Amorin-Woods

Das kann ich gut nachvollziehen: Wir müssen bewusst und absichtsvoll hinausgehen und Menschen begegnen und zugleich spontane Begegnungen schätzen. Ich glaube wirklich, dass mich diese Gespräche rund um die Welt mit dem Kollegium, mit systemisch Denkenden und Praktizierenden aktiv halten. Sie bieten mir ein so tiefes und reiches, vielschichtiges fortlaufendes Lernen, das mich auf dem Laufenden und wach hält und mich zugleich mit einer größeren Gruppe verbindet, unserer internationalen systemischen Gemeinschaft. Es nährt weiterhin meine Liebe und meinen Hunger nach unserem Beruf. Das Opfer, allein in diesem Jahr dreimal ins Ausland zu reisen, um Familientherapie-Kongresse zu besuchen, einschließlich jetzt des internationalen Kongresses (organisiert von Andolfi und seiner APS-Schule), hat so viele Gelegenheiten für Begegnungen und Austausch geschaffen. Es hat mir auch die Gelegenheit gegeben, deine kollegiale Großzügigkeit zu erfahren, als du mich eingeladen hast, bei dir zu wohnen, in Verbindung zu treten, mich auszutauschen und noch mehr zu lernen. Ich verwende den Ausdruck Lernen hat kein Verfallsdatum (Amorin-Woods, 2020).

Umberta Telfener

Unser Beruf hat kein Verfallsdatum! Du hast kein Verfallsdatum! Du bist der neugierigste Mensch, dem ich in meinem Leben begegnet bin!

Deisy Amorin-Woods

Wenn wir also von Neugier sprechen … was siehst du als Richtung der EFTA und der Familientherapie, ich meine die Vision des systemischen Denkens, und wie siehst du sie?

Umberta Telfener

Wir befinden uns in einem sehr, sehr schwierigen Moment, denn wie ich dir gesagt habe, haben wir kein festes, aktives und starkes Mandat mehr, darüber zu entscheiden, welche Institute „drinnen“ oder „draußen“ sind. Wir arbeiten daran, ein Verzeichnis von Supervisionsfachkräften in den verschiedenen Ländern zu erstellen. Ich arbeite sehr intensiv mit dem Gesamtvorstand daran, ein wichtiger „kultureller“ Anziehungspunkt zu werden, ein Attraktor für Kultur, für systemische Kultur; einer meiner Kollegen, Matthias Ochs, und sein Ausschuss versuchen, den Diskurs über qualitative Gesundheitsforschung anzustoßen. Für uns „Systemische“, denn es ist unsere Art, Komplexität zu betrachten und zu respektieren, die es uns nicht erlaubt, strukturierte, naturwissenschaftliche Forschung zu betreiben oder reduktionistische Rezeptoren zu sein, und wir müssen andere Wege der Forschung finden.

Deisy Amorin-Woods

Da wir mit „gelebten Erfahrungen“ arbeiten, müssen wir sie respektieren und mit Sorgfalt halten, um sicherzustellen, dass wir sensibel, achtsam und ansprechbar sind; das unterstreicht mein großes Interesse an deiner Arbeit: diese vielfältige Bandbreite an Erfahrung zu haben, was für mich Teil wahrer Führung für dieses Amt ist … akademische Erfahrung ebenso wie Forschungserfahrung zu haben.

Umberta Telfener

An Forschungserfahrung fehlt es mir ein bisschen …

Deisy Amorin-Woods

Ebenso wie Supervision und klinische Praxis. Wie gibst du dieses Wissen weiter? Während wir dem Wissen anderer ständig aufmerksam und aktiv zuhören, müssen wir dafür sorgen, dass wir uns um diese Bereiche kümmern. Wir dürfen die Bedeutung der vier Schlüsselbereiche unserer Arbeit nicht abtun: Forschung, Lehre, Supervision und Praxis; wir müssen diese vier Bereiche beachten, uns ihrer bewusst sein und sie verheiraten!

Umberta Telfener

Da haben wir es, schon wieder dieses Wort!

Deisy Amorin-Woods

… okay … und uns in sie verlieben …

Umberta Telfener

Ja, absolut. Und auch, weil wir, fürchte ich, in einer sehr naturwissenschaftlichen und reduktionistischen Welt leben. Wie ist es möglich, in einer Welt zu leben, in der Krieg herrscht und Menschen auf der Flucht sterben? Wir sitzen hier, statt etwas gegen den Krieg und den Völkermord an Geflüchteten zu tun; wir müssen mitten im Geschehen sein, und wir müssen konkrete Schritte unternehmen.

Deisy Amorin-Woods

Absolut. Ich stimme zu. Wir dürfen nicht schweigen, wir müssen uns einsetzen, Teil des Gesprächs, des Handelns, des „Know-hows“ sein. Wir müssen Bewusstsein und Wissen verbreiten, diesem Wissen zuhören können und darauf eingehen. Nun meine letzte Frage aus Neugier, da dies wahrscheinlich von Lehrenden, klinisch Tätigen, Supervisionsfachkräften und Studierenden gelesen wird. Was möchtest du teilen oder weitergeben? Was wäre die „Umberta-Weisheit“? Etwas, das in dir anklingt und das du über den Beruf, über deine Führungsrolle teilen möchtest … vielleicht etwas, worüber man im Anschluss an unser heutiges Gespräch nachdenken kann?

Umberta Telfener

Nun, ich denke, die Essenz dieses Gesprächs ist Neugier, und wir beide haben viel davon. Ich wünschte, die Menschen in unserem Feld wären neugieriger. Die Essenz wäre wahrscheinlich auch das Wort Respekt. Ich wünsche mir für die Welt, dass sie voller Respekt für alle ist, ungeachtet aller Unterschiede, und ich wünsche mir eine Welt, in der man sich um die psychologischen Werte kümmert, in der aber in ihnen oder mit ihnen verbunden die spirituellen stehen; es sind zwei Bereiche. Ich denke, als Therapierende müssen wir sie zusammenführen und manchmal auch in den spirituellen Bereich eintreten, um der Therapie mehr Gewicht, mehr Schwere zu geben!

Deisy Amorin-Woods

Also robuster …

Umberta Telfener

Ja, genau, robuster!

Deisy Amorin-Woods

Da kommt mir noch ein anderes Wort in den Sinn, ein weiteres Wort, das sich zur Neugier gesellt, nämlich Kreativität; was ich aus deinen Worten heraushöre, ist, dabei kreativ zu sein, beim Verweben dieser beiden Bereiche oder Domänen …

Umberta Telfener

Ja, absolut, absolut, mehr Gewicht haben, die Welt ernst nehmen und dankbar sein; das letzte Wort, mit dem ich dieses Interview beenden möchte, ist also wahrscheinlich Dankbarkeit. Dankbarkeit dir gegenüber, weil du mich interviewt hast, Dankbarkeit und Respekt gegenüber den Menschen, die sich an uns wenden und die Hoffnung bewahren, Dankbarkeit gegenüber dem Kollegium und Dankbarkeit gegenüber dieser wunderbaren Welt.

Deisy Amorin-Woods

Vielen herzlichen Dank, Umberta! Es war mir ein großes Vergnügen. Mein aufrichtiger Dank dafür, dass du mich in deinem bezaubernden und ruhigen Paradies willkommen geheißen hast, in deinem Zuhause und an deinem Ort in der Toskana. Ich bin dir wirklich dankbar.

Umberta Telfener

Ich danke dir sehr.

Complexe Systémique: Kernpunkte

Dieses Gespräch ist das Zeugnis einer Generation, die die „Großväter“ des systemischen Denkens von Philadelphia bis Mailand noch kannte und heute erlebt, wie das Etikett „systemisch“ beansprucht wird, ohne dass immer klar ist, was es umfasst. Zwei Thesen betreffen unmittelbar die klinische Arbeit. Erstens, von systemischer statt von Familientherapie zu sprechen: Der Rahmen ergibt sich nicht aus der Zahl der Personen im Raum, sondern aus der Art, wie das Problem gedacht wird, was die Arbeit mit einer einzelnen Person, einer Geschwistergruppe oder jungen Menschen ermöglicht, die der Krieg zusammengeführt hat. Zweitens, der Wandel der EFTA von einem Akkreditierungsmandat zu einem „kulturellen“ und politischen Mandat, bei dem die klinische Arbeit Krieg, Migration und Klima nicht ausblenden kann. Die Lektüre sollte kritisch bleiben: Das Genre der Würdigung lässt wenig Raum für Widerspruch, und mehrere Aussagen (die „200 Familienmodelle“, die „leidenschaftlicheren“ Institute im Osten) sind Eindrücke. Vor allem lässt die Ablehnung „reduktionistischer“ Forschung bei gleichzeitig eingeräumtem Mangel an Forschungserfahrung die Frage offen, wie systemische Therapien Anerkennung erlangen sollen. Zu lesen zusammen mit der Würdigung Gianfranco Cecchins und seiner systemischen Vorurteile und dem Artikel über Kybernetik erster und zweiter Ordnung.

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Inoffizielle deutsche Übersetzung von Systems thinking: fostering collaboration and connections to strengthen the field. A conversation with Umberta Telfener von Deisy Amorin-Woods und Umberta Telfener, Australian and New Zealand Journal of Family Therapy, Bd. 45, Nr. 1 (2024), doi: 10.1002/anzf.1577, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzung und Satz: Complexe Systémique, Oktober 2026, mit Unterstützung künstlicher Intelligenz; das Werk wurde im Sinne der Lizenz bearbeitet. Diese Übersetzung stammt weder von den Verfassenden noch vom Verlag, die weder für ihren Inhalt noch für etwaige Fehler verantwortlich sind. Maßgeblich ist die Originalfassung.

Inoffizielle deutsche Übersetzung des Originalartikels „Systems thinking: fostering collaboration and connections to strengthen the field. A conversation with Umberta Telfener“, erschienen in Australian and New Zealand Journal of Family Therapy (2024) unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt und veröffentlicht von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz, wie am Anfang dieser Seite angegeben; maßgeblich ist die Originalfassung.

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Wie dieser Artikel zitiert wird

Amorin-Woods, D., und Telfener, U. (2024). Systems thinking: fostering collaboration and connections to strengthen the field. A conversation with Umberta Telfener. Complexe Systémique. https://app.complexe-systemique.com/en_GB/articles/systems-thinking-fostering-collaboration-a-conversation-with-umberta-telfener (Originalwerk 2024 erschienen in Australian and New Zealand Journal of Family Therapy, 45(1), 109-128 (2024); 2024 neu veröffentlicht von Australian and New Zealand Journal of Family Therapy, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1002/anzf.1577)

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