KI-gestützte Übersetzung

Diese Fassung wurde von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz aus dem Englischen übersetzt. Im Zweifelsfall ist die Originalfassung maßgeblich.

Families, Relationships and Societies · Familie

Relationales Trauma: Die Auswirkungen der Inhaftierung von Müttern auf familiäre Beziehungen

Wenn eine Mutter ins Gefängnis kommt, sind nicht nur ihre Kinder betroffen. Auf der Grundlage von Interviews mit 19 englischen Müttern mit Hafterfahrung beschreibt Sophie Mitchell wütende Jugendliche, bis zum Äußersten belastete Mutter-Kind-Bindungen und erschöpfte Großmütter, die über Nacht die Verantwortung für die Kinder übernehmen. Sie schlägt vor, den Begriff des relationalen Traumas auf die ganze Familie auszuweiten und ihn bei der Strafzumessung zu berücksichtigen.

Verfasserin Sophie Mitchell (Northumbria University, Vereinigtes Königreich)Erstveröffentlichung Families, Relationships and Societies, 29. November 2024Übersetzung Complexe Systémique, inoffizielle KI-gestützte Übersetzung

Inoffizielle deutsche Übersetzung von Relational trauma: the impact on family relationships of maternal imprisonment von Sophie Mitchell, erschienen in Families, Relationships and Societies (Bristol University Press) (2025), doi: 10.1332/20467435y2024d000000039, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique im Oktober 2026 mit Unterstützung künstlicher Intelligenz: Der Originaltext wurde ins Deutsche übersetzt und neu gesetzt, was eine Bearbeitung des Werks im Sinne der Lizenz darstellt. Die Erklärungen des Originals (zugrunde liegende Dissertation, Förderung, Danksagung, Interessenkonflikte) sind in den Anmerkungen zusammengefasst. Diese Übersetzung stammt weder von der Verfasserin noch vom Verlag, die weder für ihren Inhalt noch für etwaige Fehler verantwortlich sind. Maßgeblich ist die Originalfassung.

Es sind die anhaltenden und generationenübergreifenden Auswirkungen auf die Beziehungen, die viele am Sinn der Inhaftierung von Müttern zweifeln lassen: Wer wird in dieser Situation letztlich eigentlich bestraft?

Sophie Mitchell

Zusammenfassung

Dieser Artikel stellt Ergebnisse zu den Auswirkungen der Inhaftierung von Müttern auf die weiteren Beziehungen innerhalb der Familie vor. Frühere Forschung hat ausführlich dargelegt, welch erhebliche Folgen die Inhaftierung einer Mutter für Mütter und ihre Kinder haben kann. Die relationale Theorie legt nahe, dass Bindungen und Beziehungen für Frauen wichtiger sein könnten und dass sich dies auf Desistance (die Abkehr von Straffälligkeit) und Genesung auswirkt. Dieser Artikel wendet die relationale Theorie auf die weiterreichenden Folgen der Inhaftierung von Müttern an und präsentiert neue Ergebnisse zu den generationenübergreifenden Auswirkungen auf die Familie. Dazu gehören Auswirkungen auf die Mutter-Kind-Beziehung und auf ältere Kinder (ab 13 Jahren) sowie auf die Beziehungen der Mütter zu verwandten Betreuungspersonen, insbesondere Großmüttern. Die vorgelegten Befunde zeigen, wie Beziehungen innerhalb der Familie durch die Inhaftierung oft irreparabel geschädigt werden – ein Geschehen, das als „relationales Trauma“ bezeichnet werden kann. Die Ergebnisse legen nahe, dass die erheblichen Auswirkungen der Inhaftierung von Müttern auf die weitere Familie berücksichtigt werden sollten, wenn Mütter zu Freiheitsstrafen verurteilt werden.

Einleitung

Die Inhaftierung von Frauen und insbesondere von Müttern wird zunehmend infrage gestellt, vor allem weil die Mehrheit der Frauen wegen gewaltfreier und geringfügiger Delikte in Haft ist (House of Commons Justice Committee, 2022). Obwohl die Inhaftierungsraten von Frauen in England in den letzten fünf Jahren weiter gesunken sind, hat die britische Regierung dennoch 500 zusätzliche Haftplätze für Frauen vorgeschlagen (Ministry of Justice, 2021). Es ist bereits bekannt, dass die Inhaftierung von Frauen größere Auswirkungen auf Kinder hat, da die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Kinder ihr Zuhause verlassen und in staatliche Obhut kommen, wenn eine Mutter inhaftiert wird (Booth, 2017; Minson, 2019; Baldwin, 2022). Weniger gut erforscht sind die traumatischen Auswirkungen auf familiäre Beziehungen, insbesondere zu älteren Kindern (ab 13 Jahren) und zu verwandten Betreuungspersonen, die während und nach der Haft immer weitere Schichten von Benachteiligung hinzufügen.

In den letzten Jahren ist die Bedeutung der Aufrechterhaltung familiärer Bindungen für Inhaftierte stärker in den Vordergrund gerückt, vor allem als Weg zur Verringerung der Rückfälligkeit. Die britische Regierung beauftragte Lord Farmer zu untersuchen, wie gestärkte familiäre Bindungen inhaftierten Männern zugutekommen könnten (Farmer, 2017). Der erste Bericht beschreibt familiäre Bindungen als den „goldenen Faden“, der sich durch die gesamte Arbeit mit Inhaftierten ziehen sollte. Ein zweiter Bericht, der sich speziell mit inhaftierten Frauen befasst, erkennt an, dass viele inhaftierte Frauen zutiefst negative Erfahrungen in der Familie gemacht haben, insbesondere in Bezug auf Missbrauch und Partnerschaftsgewalt (Farmer, 2019). Er erkennt an, dass die Familie für Frauen nicht immer ein sicherer und positiver Einfluss ist, während für Männer oft das Gegenteil gilt: Ehefrauen, Partnerinnen und Mütter stellen die Mehrheit der Personen, die inhaftierte Männer besuchen. Die Empfehlungen legen den Schwerpunkt auf Haftvermeidung und eine bessere Berücksichtigung der Bedürfnisse von Frauen, insbesondere von Müttern.

Dieser Artikel plädiert dafür, Rehabilitation ganzheitlicher zu denken und die Auswirkungen auf die gesamte Familieneinheit einzubeziehen. Die relationale Theorie beruht auf der Vorstellung, dass Menschen auf vernetzte Weise mit der Welt interagieren (Miller, 1976; Gilligan, 1982). Es wird angenommen, dass Frauen eher ein Selbstgefühl und Selbstwertgefühl entwickeln, wenn ihr Handeln aus Verbindungen zu anderen hervorgeht und wieder zu ihnen zurückführt (Covington, 1998). Die Theorie legt somit nahe, dass Frauen stärker als Männer durch Bindungen und Beziehungen motiviert sein dürften. Für die Inhaftierung von Müttern bedeutet dies, dass die Störung familiärer Beziehungen für Frauen schädlicher und problematischer ist als für Männer. Die durch die Inhaftierung von Müttern verursachte Störung der Beziehungen lässt sich als Ursache eines „relationalen Traumas“ verstehen – für die Mütter ebenso wie für ihre Kinder und weitere Familienmitglieder (Alexander, 2013).

Frühere Forschung hat die relationale Theorie genutzt, um Desistance vor allem im Hinblick auf die positiven Wirkungen von Beziehungen zu untersuchen (Gålnander, 2020; Rutter and Barr, 2021). Dieser Artikel geht darüber hinaus der Frage nach, ob die Inhaftierung von Müttern zu einem relationalen Trauma führt (Alexander, 2013; Schore, 2013) und wie sich dies auf die Betroffenen auswirkt. Relationales Trauma wird im Rahmen der relationalen Theorie als Trauma definiert, das aus der Störung einer Beziehung zu einer Bezugsperson in der Kindheit entsteht. Dazu können Missbrauch, Verstrickung und Verlassenwerden gehören. Relationales Trauma beeinträchtigt häufig Bindungen und hat emotionale und beziehungsbezogene Folgen (Weld, 2014). Es wird auch als Ursache für Schwierigkeiten bei der Emotionsregulation, beim Verstehen von Ereignissen sowie für Schamgefühle genannt (Weld, 2014). Dieser Artikel erweitert die Definition des relationalen Traumas um die Auswirkungen auf Mütter und Großmütter und betrachtet die Auswirkungen auf Beziehungen als wechselseitig, statt sie ausschließlich bei den Kindern zu verorten. Es wird argumentiert, dass die Inhaftierung von Müttern und die daraus folgende erzwungene Trennung von Mutter und Kind je nach den Umständen der Familie und den daraus entstehenden Problemen ein relationales Trauma verursachen können. Es wird angenommen, dass auch Mütter und Großmütter dieses relationale Trauma erleben können, was die Definition der relationalen Aspekte von Trauma erweitert. Die vorgelegten Befunde werden zeigen, dass diese Erfahrung für ältere und jüngere Kinder sowie für die Beziehungen zu verwandten Betreuungspersonen von Bedeutung ist.

Kriminalisierte Mütter und familiäre Beziehungen

Zunehmend wird ein geschlechtersensiblerer Umgang mit Frauen im Gefängnis und im gesamten Strafjustizsystem gefordert. Historisch wurden Frauen im System aufgrund ihrer geringen Zahl marginalisiert, was zu einem Ansatz geführt hat, der die Bedürfnisse von Frauen und Müttern oft nicht berücksichtigt (Carlen, 2013). In jüngster Zeit haben geschlechterspezifische Ansätze und Versuche, Veränderungen im Hinblick auf die Bedürfnisse von Frauen herbeizuführen, deutlich zugenommen. Traumainformierte Ansätze und Forschung mit inhaftierten Frauen haben zudem die Viktimisierungsgeschichten von Frauen sichtbar gemacht, die in vielen Fällen mit ihrer Straffälligkeit zusammenhängen (DeHart, 2008; Tripodi and Pettus-Davis, 2012; DeHart et al, 2014). Viele werden jedoch einwenden, dass noch mehr zu tun bleibt (Auty et al, 2023). Die Bewährungshilfe bietet in vielen Teilen Englands auch reine Frauengruppen und -angebote an, und in einigen Regionen bündeln Frauenzentren mehrere Dienste an einem Ort (National Offender Management Service, 2013).

Für viele Frauen gehen ihre traumatischen Erfahrungen auf enge Beziehungen zurück, sei es innerhalb der Familie oder in Partnerschaften. Es ist offensichtlich, wie eng die Rolle von Beziehungen mit der Straffälligkeit von Frauen verflochten ist (Kreis et al, 2016; Barlow and Weare, 2019). Die Pathways-Theorie, die die Viktimisierung und die Lebensgeschichten von Frauen in den Blick nimmt, hat versucht, geschlechterspezifische Wege in die Straffälligkeit von Frauen aufzuzeigen, mit dem Argument, dass sich die festgestellten Einflüsse oft stark von denen bei Männern unterscheiden und daher einen anderen Ansatz erfordern (Daly, 1992; Salisbury and Van Voorhis, 2009; DeHart et al, 2014). Während es für Männer Belege dafür gibt, dass Beziehungen zu Partnerinnen, Familie und Kindern ein stabilisierender Faktor von großer Bedeutung für Desistance sein können, gilt dies für Frauen häufig nicht. Einige Studien zeigen, wie die Aufrechterhaltung der Mutterrolle oder die Wiederannäherung an die Kinder ein positiver Antrieb für Veränderungen im delinquenten Verhalten von Frauen sein kann (Mignon and Ransford, 2012; Barnes and Stringer, 2014). Während die Wegnahme der Kinder ein Gefühl der Verzweiflung auslösen und weitere Straftaten nach sich ziehen kann, haben Frauen, die damit rechnen, nach der Entlassung das Sorgerecht für ihre Kinder zu erhalten, ein positives Ziel, auf das sie hinarbeiten können (Barnes and Stringer, 2014; Broadhurst and Mason, 2020).

Eine Kritik an traumainformierten und auf Viktimisierung ausgerichteten Ansätzen betrifft die „Responsibilisierung“ der einzelnen Frau, die diese Arbeit impliziert (Rutter and Barr, 2021). Psychologische Interventionen konzentrieren sich eher auf die individuelle Verantwortung als auf soziale Faktoren, was dazu führen kann, dass das „Reparieren“ individueller Reaktionen auf Ereignisse betont wird, die in vielen Fällen durch übergeordnete soziale Faktoren wie geschlechtsspezifische Gewalt, Armut sowie Regierungs- und staatliche Politik verursacht wurden. Für viele inhaftierte Mütter ist das zentrale Trauma, von dem sie berichten, die Trennung von ihren Kindern, in vielen Fällen zum ersten Mal. Die Forschung hat gezeigt, dass die Auswirkungen sowohl unmittelbar als auch langanhaltend sein können (Baldwin, 2017; Aiello and McCorkel, 2018). Erhebliche Auswirkungen gibt es auch auf andere Familienmitglieder, insbesondere auf Großmütter, die möglicherweise plötzlich auf unabsehbare Zeit für die Kinder sorgen müssen (Raikes, 2016; Tasca, 2016). Das Gefängnis kann daher als an sich traumatisierend betrachtet werden.

Anders als bei der Inhaftierung eines Vaters, bei der die meisten Kinder im Familienhaushalt bleiben und weiterhin von ihrer Mutter versorgt werden, bleiben nur 5 % der Kinder im Familienhaushalt, wenn ihre Mutter inhaftiert wird (Corston, 2007). Aktuelle Daten darüber, wer in dieser Situation für die Kinder sorgt, fehlen weitgehend (Joint Committee on Human Rights, 2019). Häufig werden die Kinder von Großmüttern (25 %) oder von anderen Verwandten oder Bekannten (meist Frauen) (29 %) betreut; 9 % werden vom Vater versorgt und 12 % kommen in staatliche Obhut (Corston, 2007). Daher wirkt sich die Inhaftierung auch erheblich auf viele Beziehungen in der weiteren Familie aus. Abgesehen von einigen wenigen Organisationen des gemeinnützigen Sektors gibt es im Vereinigten Königreich kaum oder gar keine finanzielle oder emotionale Unterstützung für die Betreuungspersonen von Kindern, deren Elternteil inhaftiert ist, und da der Haftantritt oft unerwartet erfolgt, müssen die Betreuungspersonen kurzfristig einspringen (Joint Committee on Human Rights, 2019).

Forschung mit Müttern mit Hafterfahrung hat gezeigt, dass die Trennung von ihren Kindern für Mütter einer der schwersten Aspekte der Haft ist (Slotboom et al, 2011; Baldwin and Epstein, 2017). Forschende haben sich gezielt mit der Inhaftierung von Müttern sowie ihren Implikationen und Folgen befasst (Masson, 2019; Booth, 2020; Lockwood, 2020a; Baldwin, 2021). So befragte Baldwin (2017) Mütter zu ihren Erfahrungen im Gefängnis, insbesondere im Hinblick auf ihre Emotionen und die Räume des Strafvollzugs. Die schmerzhafte Erfahrung der Trennung umfasst den zusätzlichen Kummer, den Kindern in schwierigen Zeiten nicht helfen zu können. Für kriminalisierte Mütter entsteht durch ihre Berührung mit dem Strafjustizsystem ein weiteres relationales Trauma, wie diese Forschung zeigen wird.

Allen et al (2010) beschreiben, wie Frauen von der Ohnmacht sprachen, die sie angesichts der Trennung von ihren Kindern erlebten. Auch Scham erwies sich als zentrales Thema, zusammen mit Schuldgefühlen und dem Gefühl, als Mutter unzulänglich zu sein. Die Forschung hat die Auswirkungen der Inhaftierung von Müttern auf abhängige Kinder beschrieben und sich dabei oft auf Kinder im Grundschulalter konzentriert, mit besonderem Augenmerk auf die durch kurze Haftstrafen verursachten Brüche (Baldwin and Epstein, 2017; Masson, 2019). Weniger gut erforscht sind die Auswirkungen auf ältere Kinder. Lockwood (2020b) erörtert, welche Bedeutung die Abwesenheit der Mütter für ältere Kinder beim Übergang ins Erwachsenenalter hat, und hebt die Sorge um ihre Unterstützung sowie die Sorge darum hervor, wie sie ihre Beziehungen und die damit verbundenen Entscheidungen bewältigen.

Easterling et al (2019) greifen auf das Konzept des uneindeutigen Verlusts (ambiguous loss) zurück, um zu verstehen, wie Mütter und Kinder die haftbedingte Trennung erleben. Nach diesem Konzept können Familienmitglieder zwar physisch abwesend, psychisch aber bis zu einem gewissen Grad anwesend sein, was zu widersprüchlichen, verwirrenden Gefühlen führt. Da Frauen ihre gewohnten mütterlichen Aufgaben nicht wahrnehmen können, fühlen sie sich gestresst und unsicher in Bezug auf die Beziehungen zu ihren Kindern. Arditti (2012) beschreibt zudem die traumatische Trennung und die aberkannte Trauer (disenfranchised grief), die Familien in dieser Situation erleben. Dies deckt sich mit anderen Studien, die als wiederkehrendes Thema festgestellt haben, dass Frauen im Gefängnis großen Kummer erleben, weil sie sich um die Menschen draußen sorgen und sich zugleich hilflos fühlen, ihnen beizustehen (Masson, 2019; Baldwin, 2021). Da sie dazu sozialisiert wurden, für andere zu sorgen, erzeugt die Störung der Beziehungen einen emotionalen Konflikt, wenn diese Rolle durch die Haft unmöglich wird.

Die Personen, die die Kinder inhaftierter Frauen betreuen, sind eine weitere von der Inhaftierung betroffene Gruppe, die von Politik und Forschung in diesem Bereich oft übersehen wird. Die meisten verwandten Betreuungspersonen sind unter diesen Umständen Frauen, in der Regel Großmütter oder in manchen Fällen Schwestern (Minkler and Fuller-Thomson, 1999; Birchall and Holt, 2023). In vielen Fällen müssen verwandte Betreuungspersonen umziehen und ihre Erwerbstätigkeit aufgeben, um diese Aufgabe zu übernehmen (Hairston, 2003; Raikes, 2016). Möglicherweise betreuen sie bereits andere Kinder oder Enkelkinder, und ihre körperliche Gesundheit kann darunter leiden. Die Forschung in diesem Bereich ist im britischen Kontext besonders spärlich, da sich ein Großteil der Studien auf die straffällige Person oder deren abhängige Kinder konzentriert. In vielen Fällen haben die Betreuungspersonen das Gefühl, keine andere Wahl zu haben, als diese Aufgabe zu übernehmen, da die Kinder sonst in staatliche Obhut kommen könnten. Bachman und Chase-Lansdale (2005) beschreiben ausführlich, wie sich die Vollzeitbetreuung von Enkelkindern auf Großmütter auswirkt, die häufig ohnehin über ein geringes Einkommen verfügen. Der wichtigste beobachtete Faktor war eine Verschlechterung der körperlichen Gesundheit und der finanziellen Stabilität. Der zusätzliche Druck, den Kontakt zur inhaftierten Person aufrechtzuerhalten, verstärkt die Betreuungslast. Betreuungspersonen müssen sich zudem mit Stigmatisierung in ihrem sozialen Umfeld auseinandersetzen und sind womöglich diejenigen, die den Enkelkindern erklären müssen, wo ihre Mutter ist und warum (Lockwood and Raikes, 2015; Raikes, 2016). All dies kann zu einer schlechten psychischen Gesundheit und zum Verlust sozialer Kontakte führen und sich auf andere Familienmitglieder auswirken (Young and Smith, 2000; Vallely and Cassidy, 2012).

Relationales Trauma als Aspekt der umfassenderen relationalen Theorie wurde im Kontext der Inhaftierung von Müttern bislang nicht untersucht – insbesondere nicht im Hinblick auf die Auswirkungen auf die Beziehung zwischen Mutter und Kind und, so lässt sich argumentieren, auch zwischen Großmutter und Mutter. Relationales Trauma wird als Trauma definiert, das aus missbräuchlichen Beziehungen, aber auch aus Vernachlässigung, Verlassenwerden und erheblichen Störungen von Beziehungen hervorgeht. Es kann bei einem Kind Verwirrung und Unsicherheit hinterlassen sowie lebenslange Schwierigkeiten, Beziehungen einzugehen (Alexander, 2013; Schore, 2013; Weld, 2014). Dieser Artikel vertritt die These, dass die Inhaftierung von Müttern ein relationales Trauma mit traumatischen Folgen für Mutter, Kind und weitere Familienmitglieder wie Großmütter verursacht und im weiteren Sinne als Zerstörung von Beziehungen verstanden werden kann, die für Entwicklung und Desistance entscheidend sind. Dies lässt sich in Situationen beobachten, in denen Mütter aufgrund einer Freiheitsstrafe abwesend sind; Befunde aus der Studie werden in den folgenden Abschnitten erörtert. Die relationalen Auswirkungen der Inhaftierung von Müttern zu verstehen, ist daher entscheidend, um fortdauernde Schäden zu verhindern und Leben wieder aufzubauen. Diese „relationalen“ Traumata oder Vulnerabilitäten (Few-Demo and Arditti, 2014) haben potenziell weitreichende und generationenübergreifende Folgen, die über die Haftzeit hinausgehen und einen Kreislauf der Benachteiligung für künftige Generationen erzeugen. Im Folgenden stellt dieser Artikel eine Untersuchung zum Ausmaß dieser Traumata bei Müttern mit Hafterfahrung vor.

Methodik

Die Studie wurde 2019 als Promotionsforschung der Verfasserin im Kontext des englischen Strafjustizsystems durchgeführt. Die Verfasserin führte Interviews mit 19 Müttern mit Hafterfahrung. Da im Rahmen dieser Studie nicht direkt mit Kindern, Jugendlichen und verwandten Betreuungspersonen gesprochen wurde, geben die berichteten Erfahrungen die Sicht der Mütter selbst wieder. Die Frauen wurden über eine Bewährungshilfeeinrichtung und eine Organisation des gemeinnützigen Sektors gewonnen. Alle Mütter bis auf eine standen unter Bewährungsaufsicht, 14 von ihnen infolge ihrer jüngsten Haftzeit und die übrigen (4) wegen neuer Straftaten, die sie nach der vorherigen Haftzeit begangen hatten. Die Strafen von 6 Wochen bis 2 Jahren waren unter anderem wegen Betrugs, Drogendelikten, Brandstiftung und Behinderung der Justiz verhängt worden. Die Frauen waren zwischen 22 und 60 Jahre alt. Sie wurden entweder von einer Fachkraft der Bewährungshilfe vermittelt oder bei ihrer Teilnahme an einer Frauengruppe der Bewährungshilfe angesprochen. Die Frauen hatten jeweils ein bis vier Kinder, die zum Zeitpunkt der Haft zwischen 6 Wochen und 19 Jahre alt waren; sechs Mütter hatten ihre Kinder vor der Haft nicht in ihrer Obhut, drei weitere wurden nach der Haft dauerhaft von ihnen getrennt. Die Interviews fanden in Dienststellen der Bewährungshilfe und in Frauengruppen der Bewährungshilfe statt und dauerten zwischen 25 und 80 Minuten. Sie konzentrierten sich auf die Geschichten der Mütter und ihre Erfahrungen mit der Haft sowie deren Auswirkungen auf ihr Leben, sodass die Frauen selbst bestimmen konnten, was sie preisgaben (Squire et al, 2014).

Ethische Erwägungen wie informierte Einwilligung, Anonymität und Datenschutz hatten während der gesamten Forschung Vorrang, und alle Teilnehmerinnen wurden in einem Umfeld befragt, in dem Unterstützung leicht verfügbar war. Alle Frauen erhielten vor ihrer Teilnahme an der Studie und erneut während der Interviews Informationen. Jedes Interview folgte einem festgelegten Ablauf, der aus einer Reihe von Maßnahmen bestand, die eine faire und ethisch einwandfreie Behandlung der Befragten sicherstellten. Dazu gehörte, die Teilnehmerinnen über die Ziele der Forschung zu informieren, darüber, wie mit ihren Daten umgegangen würde, wie die Anonymität gewährleistet würde und wann die Vertraulichkeit durchbrochen würde. Die Befragten wurden außerdem darüber informiert, dass die Teilnahme freiwillig war, dass sie nicht alle Fragen beantworten mussten und das Interview jederzeit abbrechen konnten. Frauen, die vom Personal als besonders vulnerabel eingestuft wurden, wurden nicht für die Teilnahme ausgewählt. Am Ende war bei Bedarf Zeit für zusätzliche Unterstützung vorgesehen. Durchgängig wurden Pseudonyme verwendet, und es wurden nur minimale personenbezogene Daten erhoben und gespeichert. In den dargestellten Fällen wurden einige persönliche Angaben geändert, um die Anonymität zusätzlich zu sichern (etwa das Geschlecht der Kinder). Das angegebene Alter der Kinder ist das Alter zum Zeitpunkt des Haftantritts der Mutter. Vor Beginn der Forschung wurde die vollständige ethische Genehmigung von HM Prison and Probation Service (HMPPS) und der gastgebenden Universität eingeholt; zudem fand eine fortlaufende Abstimmung mit den Einrichtungen statt, deren Dienste während der Feldforschung in Anspruch genommen wurden.

Dieser Artikel stützt sich auf Daten zu den Beziehungen der Frauen zu ihren Kindern und zur weiteren Familie bzw. zu verwandten Betreuungspersonen. Für diesen Artikel wurden sechsundsiebzig Seiten Datenmaterial analysiert, die aus 12 Interviews mit reichhaltigen Daten zu diesem Thema stammen. Die Daten wurden thematisch analysiert, und die Interviews wurden von der Verfasserin vollständig transkribiert; damit wurde bereits während der laufenden Datenerhebung begonnen, um das Verständnis der Interviews zu bewahren. Die Transkripte wurden mehrfach gelesen und wieder gelesen, um die Narrative und die darin enthaltenen Geschichten vollständig zu erfassen. Zunächst wurden Mindmaps zu den Hauptthemen und Gemeinsamkeiten in den Geschichten der Frauen erstellt. Anschließend wurden für jede Frau Kurzporträts verfasst und grundlegende quantitative Daten zu biografischen Angaben und Delikten extrahiert. Für jedes Transkript wurde eine Liste von Codes erstellt, und die Codes (insgesamt 95) wurden dann zu Themen (insgesamt 15) zusammengefasst. Dieser Artikel stützt sich auf Daten aus vier Themen, die sich auf die Trennung von den Kindern, die Auswirkungen auf Familienmitglieder, die Beziehung zur verwandten Betreuungsperson und die Wiedervereinigung bzw. die Wiederaufnahme der Mutterrolle beziehen. Da alle an der Studie beteiligten Frauen weiß waren, ist eine Analyse der Erfahrungen von Müttern aus Minderheitengruppen nicht möglich. Zudem spiegeln die Erzählungen die Erfahrungen von Frauen aus einer einzigen geografischen Region Englands sowie der Dienste und Frauengefängnisse wider, mit denen sie zu tun hatten.

Auswirkungen auf die Beziehungen zu den Kindern

Ausgehend von der relationalen Theorie und dem Konzept des relationalen Traumas stellt dieser Abschnitt die berichteten Auswirkungen auf die Beziehungen der Mütter zu ihren Kindern während ihres Weges durch das Strafjustizsystem dar. Dazu gehörten schwere emotionale Belastungen, Probleme in der Schule sowie finanzielle und praktische Schwierigkeiten. Die größte Frustration der Mütter bestand darin, nichts tun zu können, um zu helfen: Sie fühlten sich hilflos und hatten keinerlei Möglichkeit, die auftretenden Probleme zu lösen. Die Mütter blieben Zuschauerinnen, während ihre Familien draußen immer weiter zerfielen; in den meisten Fällen blieb ihnen nichts anderes übrig, als dem zwangsläufig zuzusehen.

Wie dargelegt, gibt es weniger Daten über die Auswirkungen der Inhaftierung von Müttern auf ältere Kinder und junge Erwachsene. Ein Großteil der Forschung hat sich stattdessen auf die Auswirkungen auf Säuglinge und Kinder im Grundschulalter konzentriert (Minson, 2019; Booth, 2020). In dieser Studie hatten sechs der Frauen ältere Kinder über 13 Jahren. Die Auswirkungen beschränkten sich nicht auf die Zeit, in der eine Mutter in Haft war, sondern setzten schon vorher ein – in vielen Fällen während des Wartens zwischen Anklage und Urteil – und hielten danach an. Diese Auswirkungen müssen stärker berücksichtigt werden, wenn Mütter zu Freiheitsstrafen verurteilt werden, sofern Desistance bei Müttern erreicht werden soll. In dieser Studie berichteten Mütter, dass ältere Kinder und Jugendliche starke und komplexe Gefühle über das Geschehene äußerten: „Mein Ältester, manchmal wurde er wütend, während ich auf das Urteil und alles wartete, er war sauer auf mich und fragte mich ständig ‚Warum?‘“ (Samantha, zwei Söhne, 19 und 14 Jahre).

Auch Lisa sprach über die Wut und die Unzufriedenheit, die ihr Sohn während der gesamten Verurteilung und darüber hinaus in sich trug: „Manchmal ist er sehr enttäuscht von mir, aber ich weiß nicht, ob es Enttäuschung ist oder was, ich krieg’s einfach nicht raus, wissen Sie, weil wir diese Offenheit hatten. Ich glaube, es hat ihn verunsichert, ich glaube, er hat sich unsicher gefühlt“ (Lisa, 1 Sohn, 18 Jahre).

Sie erklärte, dass ihr Sohn den Respekt vor dem Strafjustizsystem verloren habe, und äußerte die Sorge, welche Folgen dies für sein künftiges Leben haben werde. Diese Erfahrungen spiegeln Definitionen des relationalen Traumas wider, die beschreiben, wie junge Menschen sich unsicher fühlen und selbst Beziehungsschwierigkeiten erleben: „nachdem er mit seiner Freundin Schluss gemacht hat, weil er nicht damit klarkam, dass ich im Gefängnis war, ein Riesenstreit, und er hat seinen Job verloren, weil er einfach auf andere losgegangen ist, seine Wut hat sich so gezeigt, dass er, na ja, einfach explodiert ist“ (Lisa).

Während Lisas Sohn sehr wütend wurde, machte sich Tammy Sorgen, weil ihre älteste Tochter mit den Besuchen im Gefängnis zu kämpfen hatte und offenbar zum Alkohol griff, um mit diesen schwierigen Gefühlen umzugehen: „Ich glaube, meine Älteste hat das sehr mitgenommen, wie gesagt, sie hat angefangen, jeden Tag zu trinken, und solche Sachen“ (Tammy, zwei Töchter, 17 und 15 Jahre).

[S]ie sind an dem Abend gekommen, als ich entlassen wurde, ein paar von ihnen haben uns Briefe geschickt, während ich drin war, und das sind die Freunde von meinem jüngsten Sohn. Ich meine, sie kommen natürlich immer noch und fragen immer, ob es mir gut geht. Und sie meinten: „Schön, dass du draußen bist!“ – dann muss es sie ja auch mitgenommen haben! Aber das merkt man gar nicht, man weiß nicht, wen man da alles mit reinzieht … (Naomi, zwei Söhne, 18 und 21 Jahre)

Ich hatte ihn noch nie allein gelassen, und es hat ihn wirklich mitgenommen, er hat ins Bett gemacht und alles, ich meine, er wusste nicht, wo ich war, ich hab ihn nicht gesehen oder so, ich wollte nicht, dass er kommt, und es hat mich natürlich mitgenommen, weil es ihn mitgenommen hat. (Cheryl, 1 Sohn, 5 Jahre)

Ich fand es echt schwer, weil meine Tochter, sie ist jetzt 7, also weiß sie Bescheid, verstehen Sie, was ich meine, und sie hat Fragen gestellt: „Wieso warst du so lange im Urlaub?“ und so was, und ich wollte eigentlich nicht lügen … die sind ja nicht dumm. (Diane, 1 Tochter, 7 Jahre)

Er ist mit 11 zu seinem Vater gezogen, ich hab die Bindung verloren, die ich zu ihm hatte, ich hatte nie eins von meinen Kindern allein gelassen, und meine Mädchen auch nicht, als ich ihn allein gelassen hab, da hab ich es einfach nicht geschafft, das wiederherzustellen, obwohl es nur sieben Wochen waren, war es trotzdem so … sieben Wochen sind wirklich eine lange Zeit für einen 6-Jährigen und für eine Mutter ohne ihr Kind, ich konnte mir nicht verzeihen, dass ich ihn allein gelassen hab. (Cheryl)

Ich hab meine Kleine zwei Wochen lang nicht gesehen, das hat mir das Herz gebrochen. Und dann, als ich rauskam … die Bindung, die ich vor der Haft zu meiner Kleinen hatte, war unzerbrechlich, jetzt ist sie ganz distanziert, weit weg von uns, diese Haftstrafe hat mein Kind also von uns entfernt, sie kommt nicht mal mehr zum Kuscheln. (Danielle, 1 Tochter, 10 Jahre)

Die hier geäußerten Empfindungen zeigen die langanhaltenden Folgen selbst kurzer Haftzeiten. Es sind die anhaltenden und generationenübergreifenden Auswirkungen auf die Beziehungen, die viele am Sinn der Inhaftierung von Müttern zweifeln lassen: Wer wird in dieser Situation letztlich eigentlich bestraft?

Mit Blick auf die Auswirkungen auf die Familieneinheit wird deutlich, dass Beziehungen nicht einfach wieder so werden, wie sie vor der Haftzeit waren. Die Bindungen sind möglicherweise zu stark strapaziert und in manchen Fällen durch das Trauma der mütterlichen Inhaftierung dauerhaft zerrissen worden. Die Mütter beschreiben eine Mischung aus Schuld, Scham und Stigmatisierung rund um die Auswirkungen ihrer Haft auf die Familie. Gelegentlich gab es jedoch auch Positives – etwa bei Samanthas Sohn, der zur Armee gegangen war, was sie nach eigener Aussage nicht erlaubt hätte, wenn sie zu Hause gewesen wäre. Auch Tammy konnte nun darüber nachdenken, dass das Großmutterwerden ein Grund war, sich um Stabilität für ihre Familie zu bemühen. In einem anderen Fall waren die Kinder zwar wieder mit ihrer Mutter vereint, emotional blieb es aber sehr schwierig: „Ich hatte solche Angst vor Ablehnung, dass ich sie im Stich gelassen hatte. Ich hatte das Gefühl, dass sie mir nicht verzeihen würden. Ich dachte, sie würden sich von mir lossagen. Aber sie waren unglaublich“ (Alison, 2 Söhne, 18 und 20 Jahre).

Für viele Frauen wird die Wiedervereinigung mit den Kindern nach der Entlassung durch Wohnungs- und Geldprobleme erschwert: „Ich weine immer noch beim Einschlafen, weil ich meine 4-Jährige nicht bei mir habe, sie hat jede einzelne Nacht bei mir geschlafen“ (Janette, 1 Tochter, 4 Jahre, 1 Sohn, 14 Jahre).

Janette hatte keinen Zugang zu einer geeigneten Wohnung, in der ihre Tochter bei ihr hätte wohnen oder übernachten können, da sie ihre Unterkunft während der Haft verloren hatte – zum Teil wegen ihres Delikts, das eine Rückkehr in ihre frühere Wohnung unmöglich machte. Tammy wollte sich bereit fühlen, ihre Tochter wieder nach Hause zu holen, damit es diesmal klappt, und sie brauchte Zeit, um an diesen Punkt zu gelangen: „Na ja, meine Älteste ist im Moment noch in einer Pflegefamilie, wir haben Probleme, sie hat gerade ein paar Probleme, ich glaube, weil ich draußen bin, sie will wieder nach Hause und so, aber sie muss einsehen, dass ich erst seit fünf Monaten draußen bin.“

In manchen Fällen wollten die Kinder in den Familienhaushalt zurückkehren, in anderen nicht – beides führte zu schwierigen Situationen. Selbst wenn die Kinder in ihre frühere Wohnsituation zurückkehrten, wurde häufig von Schwierigkeiten in diesen Beziehungen berichtet, oft gefärbt von Schuld, Wut und Verwirrung. Diese Erfahrungen zeigen die relationalen Auswirkungen der Inhaftierung von Müttern und wie diese Erfahrung selbst für ältere Kinder und junge Erwachsene emotional schädlich und traumatisch sein kann.

Auswirkungen auf die Beziehungen zu verwandten Betreuungspersonen

Die Auswirkungen der Inhaftierung von Müttern auf die weitere Familie werden seltener dokumentiert und berücksichtigt. In vielen Fällen übernehmen weibliche Verwandte die Betreuung der Kinder, wenn eine Mutter in Haft kommt. In dieser Studie übernahmen Großmütter und Schwestern in zehn Fällen die Betreuung, Großeltern gemeinsam in drei Fällen, ein Großvater in einem Fall und die Väter in vier Fällen; die Kinder einer Frau lebten bereits in einer Pflegefamilie. In drei dieser Fälle waren die Kinder zeitweise in der Obhut des Jugendamts. Die Betreuungslast kann finanziell, emotional und körperlich zehren, wie später ausgeführt wird. In vielen Fällen geraten die Beziehungen zwischen Müttern und verwandten Betreuungspersonen unter starke Belastung und erholen sich nach der Entlassung womöglich nicht mehr. Die Kinder können zwischen die Beziehungsprobleme von Mutter und Betreuungsperson geraten. Dies verdeutlicht den fortdauernden Schaden, der nach der Entlassung einer Mutter entstehen kann: Die Rückkehr in die Mutterrolle ist nicht immer möglich oder leicht, und diese Rolle verändert sich oft grundlegend.

Lisas Erzählung kreiste um den sichtbaren körperlichen Verfall ihrer Mutter, die sich um ihren jugendlichen Sohn kümmerte: „Meine Mutter hat fast zwanzig Kilo abgenommen, die sie sich nicht leisten konnte zu verlieren, sie kam [ins Gefängnis] und war gealtert, und es hat mir das Herz gebrochen, jedes Mal, wenn sie kam, sah sie älter und älter aus.“

Es war eine riesige finanzielle Belastung für meine Mutter und meine Kinder, solange ich drin war, riesig. Weil es für sie überhaupt keine Hilfe gibt, wissen Sie, meine Mutter hat keinerlei Leistungen bekommen, um meine Kinder großzuziehen, weil sie eine Großmutter war, weil sie in Rente war, konnte sie keine Steuergutschriften für Erwerbstätige beantragen, also gab es nichts – Kindergeld (Child Benefit), das war’s. (Samantha)

Finanzielle Sorgen verschärfen Beziehungsprobleme und emotionale Belastungen. Dieser Punkt zur finanziellen Unterstützung wurde bereits früher angesprochen, zuletzt in einer Untersuchung des britischen Parlaments (Ministry of Justice, 2019, Punkt 13), und dennoch hat sich kaum etwas bewegt, um etwas zu ändern.

Zu Hause bleiben, seine Sachen um sich haben, wie gesagt, das hat meine Mutter gemacht, also hatte er das, wenn ich meine Mutter nicht gehabt hätte, wäre es eine ganz andere Geschichte gewesen, wirklich, ich habe ihr also viel zu verdanken, aber unsere Beziehung wird nie wieder dieselbe sein, die Beziehung, die ich zu meiner Mutter habe, ist irgendwie weg, wirklich, also …

Diese Befunde legen nahe, dass viel mehr getan werden muss, um die Auswirkungen auf die weitere Familie über die Kinder hinaus zu berücksichtigen, da diese Beziehungsprobleme auch Kinder und Jugendliche direkt und indirekt fortlaufend beeinträchtigen. Der durch die Inhaftierung von Müttern verursachte Schaden wird hinsichtlich der Auswirkungen auf die Mütter und ihre Beziehungen zu ihren eigenen Müttern seltener dokumentiert, wie oben ausgeführt. Im Fall von Samantha besserte sich dieser Bruch nach der Entlassung nicht: Es fiel ihr schwer, wieder in die Mutterrolle für ihre Söhne zu finden, und sie fühlte sich beschämt und stigmatisiert. Ihr Sohn stand mitten in dem so entstandenen relationalen Trauma. In einigen dieser Fälle waren die Beziehungen schon vorher angespannt, und die Haftstrafe brachte zusätzlichen Stress. Stacey schilderte Folgendes: „Drei Wochen bevor ich rauskam, hat meine Mutter versucht, eine gerichtliche Regelung zum Aufenthalt meiner Tochter (child arrangement order) zu erwirken, damit sie sie bekommt. Mir wurde der Beschluss drei Wochen vor meiner Entlassung zugestellt“ (Stacey, 1 Tochter, 1 Jahr).

Ich wollte einfach einspringen und wieder Mama sein, und mein Sohn wollte, dass ich einspringe und wieder Mama bin, aber ich bin meiner Mutter auf die Füße getreten – sie hatte zehn Monate lang alles übernommen, wissen Sie, Kleinigkeiten, da kamen so kleine Bemerkungen, wenn ich mal das Abendessen gekocht hatte oder was auch immer, sagte sie: „Warum hast du das gemacht? Das hätte ich doch gemacht.“ (Samantha)

Als ich versucht habe, sie [die Großmutter] anzurufen, ist sie am Geburtstag meiner Tochter nicht ans Telefon gegangen, also musste ich meine Tante anrufen, damit sie meine Mama anruft, damit die sie anruft, und dann hieß es: „Nein, auf keinen Fall kriegt sie Kontakt“, weil das Gefängnis Besuche für Kinder anbietet, also hab ich versucht, das zu bekommen, und sie wollte davon nichts wissen: „Warum sollte ich sie, so ein kleines Kind, in ein Gefängnis bringen?“ (Caitlin, 1 Tochter, 3 Jahre)

Von seinem Vater habe ich ein bisschen Rückmeldung bekommen, wie peinlich es ihm [dem Sohn] war und dass er nicht mehr zu uns als Vorbild aufschaute und wie sehr er sich für uns und alles schämte und dass es Zeit brauchen würde, bis er bereit wäre, mit uns zu sprechen oder uns zu sehen, aber das war, bevor ich ins Gefängnis kam, jetzt sind also Monate vergangen, und es gab überhaupt keine Bemühungen, dass wir irgendeinen Kontakt haben, nicht mal einen Anruf, nichts, keine Karte, keinen Brief, nichts, absolut nichts, also weiß ich nicht, wohin ich mich wenden soll, ich weiß nicht, an wen ich mich damit wenden kann … (Tanya, 2 Söhne, 13 und 27 Jahre)

Die Mittel für die Unterstützung von Familien sind knapp – früher gab es in dieser Region zusätzliche Fachkräfte für Familienkontakte, deren Aufgabe es war, den Kontakt für Mütter in dieser Situation zu verbessern. In vielen Fällen führt das Zusammenspiel aus dem Zerbrechen der Beziehung zur verwandten Betreuungsperson und der Stigmatisierung kriminalisierter Mütter zu Schwierigkeiten beim Kontakt mit den Kindern, sowohl während als auch nach der Haftzeit. Dies verstärkt das erlebte relationale Trauma.

Für viele waren die anhaltenden Folgen der Haft schwer zu bewältigen. Zu einem Zeitpunkt, an dem sie eigentlich froh sein sollten, aus der Haft entlassen zu sein und neu anfangen zu können, lösten Probleme beim Kontakt mit den Kindern unerträgliche Verlustgefühle aus, wie bei Tanya: „Seit er acht war, haben sie uns jedes Mal ausgeschlossen, jedes Weihnachten, jeden Geburtstag und jeden Muttertag – keine Karten, keine Anrufe, nichts. In ihren Augen bin ich keine Priorität.“

Die relationale Theorie betont die Bedeutung empathischer, nährender Beziehungen für das Wohlbefinden von Frauen und für Desistance (Covington, 1998), weshalb diese Fragen von zentraler Bedeutung sind. Es zeigt sich, dass Beziehungsprobleme durch die Inhaftierung von Müttern verschärft werden und nicht nur die Kinder betreffen, sondern auch diejenigen, die sich im Gemeinwesen um sie kümmern.

Fazit

Dieser Artikel hat die traumatischen relationalen Auswirkungen der Inhaftierung von Müttern dargestellt, insbesondere die weniger erforschten, darunter die Auswirkungen auf ältere Kinder und das mögliche Zerbrechen der Beziehungen zu verwandten Betreuungspersonen. Betrachtet man diese relationalen Traumata im Licht der relationalen Theorie (Covington, 1998; Weld, 2014), wird deutlich, dass die Inhaftierung von Müttern weitreichende und langanhaltende Folgen über die Generationen hinweg hat. Dieses relationale Trauma verschärft die praktischen und finanziellen Probleme, die bei der Entlassung aus der Haft ohnehin bestehen. Den Blick auf die Auswirkungen der Inhaftierung von Müttern auf die weitere Familie und die Beziehungen zu richten, ermöglicht ein genaueres Bild der erlittenen Schäden und damit die Bestimmung der Bereiche, in denen zusätzliche Arbeit nötig ist.

Die relationale Theorie legt nahe, dass die Art und Weise, wie Frauen mit der Welt in Verbindung treten, den Beziehungen zu anderen und deren Bedeutung für Entwicklung, Stabilität und psychische Gesundheit mehr Gewicht beimessen könnte. Die gegenwärtige Kriminalpolitik erkennt zwar die Bedeutung von Beziehungen an, ist aber an sich schädigend, da sie Mütter von ihren Kindern trennt und Betreuungspersonen und Kindern im Gemeinwesen kaum oder keine Unterstützung bietet (Comack, 2018; Anderson, 2021). Kinder werden weiterhin am Tag der Urteilsverkündung plötzlich von ihrer Mutter getrennt, mit wenig Vorwarnung oder Zeit, sich praktisch, finanziell oder emotional vorzubereiten. Dieser Artikel hat die daraus folgende Störung der Beziehungen dargestellt, sowohl im Hinblick auf verwandte Betreuungspersonen als auch auf jüngere und ältere Kinder. Da verwandte Betreuungspersonen über den Kontakt zu den Kindern wachen können, hat die Störung dieser Beziehungen zusätzliche Auswirkungen auf die Mutter-Kind-Beziehung (Tasca, 2016).

Die in diesem Artikel beschriebene Störung der Beziehungen zeigt, dass viele Beziehungen nach der Haft als „nie mehr dieselben“ empfunden wurden, geprägt von einem Gefühl des Verlusts, als fehle tief im Inneren etwas in dieser Beziehung, sei es zu einem Großelternteil oder zu einem Kind. In manchen Fällen gab es auch körperliche Spuren des Traumas der Haftzeit. Die Forschung hat gezeigt, dass Mütter bei der Entlassung aus dem Gefängnis an einem besonders verletzlichen Punkt stehen und dass diese Phase auch für Überlegungen zu Desistance wichtig ist (Few-Demo and Arditti, 2014; Gålnander, 2020). Es ist wahrscheinlich, dass diese Beziehungsprobleme oder Vulnerabilitäten nach der Haft dem weiteren Leben der Mütter schaden (Few-Demo and Arditti, 2014) und sich auf erneute Straffälligkeit auswirken können. Im Hinblick auf die Beziehungsarbeit wurde auch die Beziehung zu den Fachkräften der Bewährungshilfe als potenziell zentrale Stärke im Leben der Frauen nach der Haft hervorgehoben (Aisling et al, 2021), da sie Vertrauen, Empathie und Kontinuität der Betreuung bietet. Weitere Forschung zu diesem Arbeitsbereich wäre hilfreich.

Eine weitergehende Prüfung des Spektrums an Alternativen zur Haft und der Frage, ob diese wirksam sind und angemessen eingesetzt werden, ist unerlässlich. Im Vereinigten Königreich gab es eine Zurückhaltung, etwas an der Art und Weise zu ändern, wie für inhaftierte Mütter und ihre Kinder gesorgt wird. Obwohl vorgeschlagen wurde, dass Haft immer das letzte Mittel sein und nach Möglichkeit auf Alternativen zurückgegriffen werden sollte (Ministry of Justice, 2018), sind keine neuen Alternativen geschaffen worden. Berichte vor der Urteilsverkündung (pre-sentence reports) wurden als nützliches Instrument vorgeschlagen, um die Betreuungspflichten, die persönlichen Umstände und die Beziehungen einer Mutter vor der Verurteilung umfassend zu berücksichtigen. Die Befunde deuten jedoch darauf hin, dass sie nach wie vor uneinheitlich genutzt werden (Centre for Justice Innovation, 2018).

In Deutschland können Mütter unter bestimmten Umständen während der Haft weiterhin für ihre Kinder sorgen und tagsüber die Verantwortung für sie übernehmen, um abends in die Haftanstalt zurückzukehren (Dolan, 2019). Dadurch bleiben ihre Bindungen zu den Kindern erhalten, und die Mütter müssen daran arbeiten, ihre elterlichen Kompetenzen zu entwickeln und zu erhalten. Es erscheint wahrscheinlich, dass die meisten Frauen diesen Weg wählen würden, wenn er ihnen angeboten würde; er könnte ihnen die Möglichkeit eröffnen, sich mit ihren Erfahrungen und ihrer Straffälligkeit auseinanderzusetzen, voranzukommen und zu wachsen, statt den Beziehungen irreparablen Schaden zuzufügen. Zugleich würde dies den Druck von den Großeltern nehmen, die eine geringere Last zu tragen hätten, was womöglich auch diese Beziehungen für die Zukunft erhalten würde. Es gibt viel Spielraum, um dem relationalen Trauma zu begegnen, das durch die Inhaftierung von Müttern entsteht.

Wie im Farmer-Bericht (2019) dargelegt, können positive, nährende Beziehungen als der „goldene Faden“ oder als ein „kriminogener Bedarf“ von straffällig gewordenen Frauen betrachtet werden. Es besteht ein Widerspruch zwischen den Auswirkungen der Inhaftierung von Müttern auf Familien – die Forschung zeigt, dass sie Beziehungen schadet – und einer Kriminalpolitik, die weiterhin auf Freiheitsstrafen setzt. Zusammenfassend machen die vorgelegten Befunde zu den relationalen Auswirkungen der Inhaftierung von Müttern deutlich, dass Familien nach der Entlassung zusätzliche Unterstützung benötigen. Da die Daten, auf denen dieser Artikel beruht, jedoch einen Ausschnitt aus den Daten eines größeren Projekts darstellen, ist darauf hinzuweisen, dass diese Einschränkungen die Qualität der Ergebnisse im Hinblick auf Reliabilität und Validität beeinträchtigen könnten. Weitere Arbeit könnte bereits im Gefängnis vor der Entlassung in Form von Peer-Unterstützung stattfinden, um Erziehungsfragen zu besprechen und zu überlegen, wie sich die Abwesenheit der Mütter auf die Kinder ausgewirkt haben könnte. Nach der Entlassung können von der Bewährungshilfe angebotene Gruppensitzungen ebenfalls eine Gelegenheit bieten, zusätzliche Unterstützung bei diesen wichtigen Beziehungsfragen zu leisten, ergänzt durch Fachkräfte der Familienhilfe, die bei Fragen des Umgangs mit den Kindern helfen und Erziehungsberatung anbieten können.

Complexe Systémique: Kernpunkte

Der Text stammt aus der Kriminologie, seine Bewegung aber ist systemisch: Er verlagert die Aufmerksamkeit von der Mutter-Kind-Dyade auf das gesamte Beziehungsgefüge, das die Haft neu ordnet. Drei Beiträge sind für die klinische Arbeit nützlich. Erstens reagieren Jugendliche und junge Erwachsene, die oft übersehen werden, mit Wut, Scham oder Alkohol, und die Beziehung „kehrt“ nach der Entlassung nicht einfach zurück. Zweitens wird die Großmutter, die einspringt, zugleich zur Ressource und zur Hüterin des Kontakts, und die Rückkehr der Mutter eröffnet eine Rivalität um Rollen, die Familientherapeutinnen und Familientherapeuten gut kennen. Drittens wird das relationale Trauma als wechselseitig verstanden: Es betrifft auch Mütter und Großmütter. Eine gewisse kritische Distanz ist angebracht: Die Stichprobe ist klein und ausschließlich weiß, und nur die Mütter kommen zu Wort, sodass die Stimmen der Kinder und der Betreuungspersonen nur über ihre Schilderungen bekannt sind; die Annahme, dass Beziehungen für Frauen wichtiger seien, bleibt eine umstrittene theoretische Voraussetzung. Zusammen zu lesen mit dem Artikel über eine Lotsenstelle im Hilfesystem für Kinder inhaftierter Mütter und dem Artikel über relationale Therapie nach der Haft.

Anmerkungen aus dem Original

Hinweis. Dieser Artikel stützt sich auf Material und Ideen, die im Rahmen der folgenden Dissertation entwickelt wurden: Mitchell, S. (2021) The Intergenerational Traumatic Impact of Maternal Imprisonment, Northumbria University.

Förderung. Diese Arbeit wurde durch ein Stipendium an der Northumbria University unterstützt, das Lady Edwina Grosvenor zur Verfügung stellte.

Danksagung. Die Verfasserin dankt den Begutachtenden für ihre Kommentare und Anregungen, die zur Weiterentwicklung und Verbesserung des Artikels beigetragen haben.

Interessenkonflikt. Die Verfasserin erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

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Inoffizielle deutsche Übersetzung von Relational trauma: the impact on family relationships of maternal imprisonment von Sophie Mitchell, Families, Relationships and Societies, Bd. 14, Nr. 4 (2025), doi: 10.1332/20467435y2024d000000039, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzung und Satz: Complexe Systémique, Oktober 2026, mit Unterstützung künstlicher Intelligenz; das Werk wurde im Sinne der Lizenz bearbeitet (Erklärungen in den Anmerkungen zusammengefasst). Weder die Verfasserin noch der Verlag sind für diese Übersetzung verantwortlich; maßgeblich ist die Originalfassung.

Inoffizielle Übersetzung des Originalartikels „Relational trauma: the impact on family relationships of maternal imprisonment“, erschienen in Families, Relationships and Societies (2025) unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt und neu gesetzt von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz, wie am Anfang dieser Seite erläutert; maßgeblich ist die Originalfassung.

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Mitchell, S. (2025). Relational trauma: the impact on family relationships of maternal imprisonment. Complexe Systémique. https://app.complexe-systemique.com/en_GB/articles/relational-trauma-the-impact-on-family-relationships-of-maternal-imprisonment (Originalwerk 2024 erschienen in Families, Relationships and Societies, 14(4), 507-522 (2025); 2025 erneut veröffentlicht von Families, Relationships and Societies, https://bristoluniversitypressdigital.com/view/journals/frs/14/4/article-p507.xml)

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