KI-gestützte Übersetzung

Diese Fassung wurde von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz aus dem Englischen übersetzt. Im Zweifelsfall ist die Originalfassung maßgeblich.

Frontiers in Psychology · Familientherapie

Metaphern enaktieren in der systemisch-kollaborativen Therapie

Warum hilft eine Metapher in einer Sitzung? Für die Philosophin Zuzanna Rucińska und den Therapeuten Thomas Fondelli zählt nicht, was sie sagt, sondern was man mit ihr macht. Der Beitrag bringt systemisch-kollaborative Therapie und verkörperte, enaktive Kognition miteinander ins Gespräch und zeigt anhand zweier Sitzungen mit Jugendlichen, wie Handlungswörter, die der eigenen Metapher einer Person aufgepfropft werden, ein Gefühl von Handlungsmacht eröffnen.

Verfassende Zuzanna Rucińska (Centre for Philosophical Psychology, Department of Philosophy, University of Antwerp, Belgien) und Thomas Fondelli (Interactie Academie, Antwerpen, Belgien)Erstveröffentlichung Frontiers in Psychology, 4. Mai 2022Übersetzung Complexe Systémique, inoffizielle KI-gestützte Übersetzung

Inoffizielle deutsche Übersetzung von Enacting Metaphors in Systemic Collaborative Therapy von Zuzanna Rucińska und Thomas Fondelli, erschienen in Frontiers in Psychology (Frontiers Media) (2022), doi: 10.3389/fpsyg.2022.867235, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique im Oktober 2026 mit Unterstützung künstlicher Intelligenz: Der Originaltext wurde ins Deutsche übersetzt und für die Online-Lektüre neu gesetzt, was eine Bearbeitung des Werks im Sinne der Lizenz darstellt. Die Erklärung zur Datenverfügbarkeit wird nicht wiedergegeben. Diese Übersetzung stammt weder von den Verfassenden noch vom Verlag, die weder für ihren Inhalt noch für etwaige Fehler verantwortlich sind. Maßgeblich ist die Originalfassung.

Nicht das, was die Metapher sagt, sondern das, was man mit der Metapher tun kann, um ein Gefühl von Handlungsmacht hervorzubringen, lässt die Metapher wirken.

Zuzanna Rucińska und Thomas Fondelli

Zusammenfassung

Was macht Metaphern zu guten therapeutischen Werkzeugen? In diesem Beitrag beantworten wir diese Frage, indem wir analysieren, wie Metaphern in systemisch-kollaborativen therapeutischen Praktiken wirken. Wir betrachten die neueren verkörperten, enaktiven und ökologischen Ansätze zu Metaphern und legen unsere eigene, dialogisch-enaktive Konzeption vor, nach der Metaphern Werkzeuge sind, um Veränderung in therapeutischen Dialogen zu enaktieren. Wir heben die Rolle des Enaktierens von Metaphern in der Therapie hervor, bei dem es darum geht, wie man Metaphern in einem gemeinsamen Kommunikationsprozess verwendet. Unsere Antwort lautet, dass Metaphern gute Werkzeuge sind, um an Handlungswörter anzuknüpfen, über die sich die Verkörperung und die Handlungsmacht der Klientinnen und Klienten erkunden lassen. Zur Veranschaulichung unserer Sichtweise analysieren wir zwei Beispiele für das Enaktieren von Metaphern in therapeutischen Begegnungen mit Jugendlichen. Unser enaktiver Ansatz zu Metaphern unterscheidet sich von anderen dadurch, dass er nicht auf explizite Darbietungen setzt, sondern innerhalb eines sprachlichen Dialogs bleibt. Wir verstehen metaphorisches Engagement als einen Akt partizipativer Sinnbildung, der sich in der Interaktion entfaltet. Diese Einsicht geht auf enaktive Denkweisen zurück, die Sprache als einen Prozess auffassen, der von verkörperten Handelnden in Interaktion vollzogen wird, und die auch das Sprechen als eine Form des Tuns sehen.

Einleitung

Metaphern werden in vielen Therapien häufig verwendet, sei es, um die Probleme der Klientel zu erkunden, neue Einsichten zu gewinnen oder einen neuen Blick auf ihr Leben einzuführen (siehe z. B. Tay, 2013; Stoddard and Afari, 2014; Stilwell et al., 2021). Metaphern sind auch für systemisch-kollaborativ arbeitende Therapierende ein wichtiges Werkzeug gewesen; sie nutzen sie, um die Erfahrungen der Klientel zu erkunden und Veränderung zu erleichtern (Anderson, 1997; Antoine, 2017).

Doch was macht Metaphern zu guten therapeutischen Werkzeugen? Die klassische konzeptuelle Metapherntheorie (Lakoff and Johnson, 1980, 1999) geht davon aus, dass metaphorisches Denken auf einer bewussten Verletzung etablierter Kategorien und auf einer Projektion von Ursprungs- auf Zielbereiche beruht. Diesem linguistischen Rahmen zufolge ermöglichen Metaphern eine „Bedeutungsübertragung“, also das Denken einer Sache in Begriffen einer anderen. In diesem Beitrag schlagen wir vor, diese Frage aus einer anderen Perspektive zu beantworten: aus der Perspektive der verkörperten und enaktiven Kognition (Embodied and Enactive Cognition, EEC) und der systemisch-kollaborativen Therapie. Verkörperte und enaktive Konzeptionen von Metaphern (Gallagher and Lindgren, 2015; Stilwell et al., 2021) verankern metaphorisches Denken in körperlichen und motorischen Prozessen und gehen davon aus, dass Metaphern in fortlaufenden physischen Interaktionen enaktiert werden. Insbesondere der enaktive Ansatz schlägt eine neue Art vor, über Metaphern nachzudenken. Er rückt von der Sicht auf Metaphern als sprachliche Symbole ab, die eine Sache lediglich als eine andere „umbenennen“. Stattdessen legt er nahe, dass Metaphern in Aktivitäten partizipativer Sinnbildung (participatory sense-making) entstehen können (De Jaegher and Di Paolo, 2007), als Mittel für weiteres Engagement dienen und als nützliche Werkzeuge für Interaktion und Kommunikation behandelt werden sollten (Rucińska et al., 2021). Darüber hinaus betonen wir die Idee, dass wir Metaphern enaktieren können. Beim Enaktieren von Metaphern geht es darum, wie man die Worte in einem gemeinsamen Kommunikationsprozess verwendet. Wir werden zeigen, dass im therapeutischen Kontext – und das ist entscheidend – nicht immer die Metapher für sich allein die Veränderung bewirkt; es ist der geschickte Umgang der therapierenden Person mit der Metapher, der es dem metaphorischen Dialog ermöglicht, neue Bedeutungen und Handlungsmöglichkeiten hervorzubringen. Um unsere Einsichten zu kontextualisieren, werden wir Beispiele aus der systemisch-kollaborativen therapeutischen Praxis zeigen. Der systemisch-kollaborative Ansatz der Psychotherapie geht bereits davon aus, dass es in der Psychotherapie darum geht, einen Kontext zu schaffen, in dem die therapierende Person und ihre Klientel im Gespräch gemeinsam neue Bedeutungen erkunden und ko-konstruieren (Anderson, 1997; Rucińska and Reijmers, 2015).

Unser enaktiver Ansatz zu Metaphern unterscheidet sich von anderen, in jüngerer Zeit vorgelegten Ansätzen (Gallagher and Lindgren, 2015; Stilwell et al., 2021), die sich überwiegend auf die Körperbewegungen und Darbietungen konzentrieren, die beim Enaktieren von Metaphern beteiligt sind, und damit eine Erklärungslücke lassen, wenn es um das Enaktieren von Metaphern allein im Dialog geht. Wir vertreten die Auffassung, dass Metaphern nicht nur im Spiel und in der Bewegung, sondern auch im Dialog enaktiert werden können, da Sprechen ebenfalls eine Form des Tuns ist. Infolgedessen können wir im therapeutischen Gespräch verschiedene Möglichkeiten enaktieren und neuen Sinn oder neue Bedeutungen finden. Tatsächlich muss eine Wendung nicht einmal eine feststehende Metapher sein, damit man sie im Dialog als solche enaktieren kann.

Der Beitrag ist wie folgt aufgebaut. Im Abschnitt „Systemisch-kollaborative Therapie trifft auf verkörperte und enaktive Kognition“ stellen wir die Grundprinzipien der systemisch-kollaborativen Therapie vor und zeigen, wie sie zur EEC passt. Im Abschnitt „Metaphern in der Psychotherapie und in systemisch-kollaborativen Praktiken“ erörtern wir, wie Metaphern in der systemisch-kollaborativen Praxis verwendet werden, und im Abschnitt „Verkörperte, enaktive und ökologische Metaphern“ erläutern wir, wie die EEC Metaphern sieht. Im Abschnitt „Wie wirken Metaphern?“ analysieren wir, wie verkörperte, enaktierte und ökologische Metaphern wirken sollen. Im Abschnitt „Metaphern im Dialog enaktieren: Beispiele aus der therapeutischen Praxis“ veranschaulichen wir anhand zweier Beispiele aus der systemischen therapeutischen Praxis, was es heißt, Metaphern im Dialog zu enaktieren. Im Abschnitt „Was macht Metaphern zu guten therapeutischen Werkzeugen? Eine Analyse“ legen wir dar, was Metaphern unserer Ansicht nach zu guten therapeutischen Werkzeugen macht. Der Kern unseres Vorschlags lautet, dass Metaphern im therapeutischen Dialog am besten wirken, wenn sie mit Handlungswörtern verknüpft werden. Handlungswörter ermöglichen es der therapierenden Person, die Bedeutung von Metaphern, die von der Klientel hervorgebracht wurden, zu verändern und die Bausteine dafür zu legen, dass ihr Gegenüber zunehmend ein Gefühl von Handlungsmacht erlebt. Der transformative Charakter von Metaphern in therapeutischen Begegnungen liegt also in ihrem Gebrauch, sofern sie mit Handlungswörtern verknüpft werden können und auf diese Weise die Handlungsmacht der Person in Therapie stärken und die Ko-Konstruktion gemeinsamer Bedeutungen (oder partizipative Sinnbildung) fördern.1 Der Abschnitt „Schlussfolgerung und Ausblick“ schließt den Beitrag mit Überlegungen zur Übertragbarkeit unseres Vorschlags auf andere therapeutische Kontexte und mit Anregungen für künftige Arbeiten.

Systemisch-kollaborative Therapie trifft auf verkörperte und enaktive Kognition

Ein systemischer Ansatz der Psychotherapie geht davon aus, dass Menschen Knotenpunkte in einem komplexen Beziehungsnetz sind, das ihr Denken, Fühlen und Handeln beeinflusst; er richtet den Blick auf die wechselseitigen und komplexen Einflüsse zwischen der Klientin oder dem Klienten und den Netzwerken, in die sie oder er eingebunden ist (Bertrando, 2007). Entgegen einer verbreiteten Annahme beschränken sich systemische Ansätze der Psychotherapie nicht auf die Arbeit mit Paaren oder Familien: Das systemische Paradigma, in dem Menschen als Knotenpunkte in Beziehungsnetzen verstanden werden, erlaubt die Arbeit mit Einzelnen, Paaren, Familien und Gruppen (Boscolo and Betrando, 1996; Viou and Georgaca, 2019). Die systemisch-kollaborative Therapie, wie sie unter anderem von Harlene Anderson entwickelt wurde, ist eine Form systemischer Therapie, die besonders darauf ausgerichtet ist, eine kollaborative Beziehung zwischen der therapierenden Person und dem Individuum zu entwickeln und Dialoge zu führen, die Wachstum und Veränderung fördern. Die systemisch-kollaborative Therapie betont, dass soziale Systeme sprachliche Systeme sind (Anderson, 1997): Durch Sprache, gesprochene wie ungesprochene, geben Menschen sich selbst, anderen und der Welt, in der sie leben, Bedeutung (Anderson and Goolishian, 1992). Die Bedeutungen, die Menschen gemeinsam hervorbringen, sind sozial konstruierte Bedeutungen – sie nehmen in Dialogen und Interaktionen Gestalt an (Rucińska and Reijmers, 2015), die ihrerseits von umfassenderen sozialen und kulturellen Diskursen beeinflusst werden und in diesen verortet werden müssen. In der kollaborativen Konstruktion von Geschichten und Bedeutungen streben therapierende Person und Klientel danach, dass die Klientel ein „relationales Gefühl von Handlungsmacht“ (relational sense of agency) erlebt (De Mol et al., 2018); gemeint ist, wie Klientinnen und Klienten wieder erleben können, dass sie in den Beziehungsnetzen, in denen sie leben, einen Unterschied machen (können). In dem dialogischen Raum, der zwischen therapierender Person und Gegenüber entsteht, kann die ratsuchende Person neu erfahren, auf wie vielfältige Weise sie in Beziehungskontexten in Erscheinung tritt, und so neue Perspektiven auf sich selbst, auf andere und auf die Welt entwickeln.

Diese systemische Perspektive, die vom postmodernen Denken geprägt ist, verlangt auch einen kritischen Blick auf die Position der therapierenden Person. In manchen therapeutischen Strömungen wird ihr die Position einer Expertin oder eines Experten zugewiesen: Sie kann beurteilen, was normal oder pathologisch ist, was Pathologie verursacht und was nötig ist, um wieder gesund zu werden. Aus postmoderner systemischer Sicht ist die therapierende Person jedoch ebenfalls ein Knotenpunkt in einem Beziehungsnetz, das beeinflusst, wie sie dem, was sie wahrnimmt, Bedeutung gibt. Ihr Denken ist, ebenso wie das ihrer Klientel, sozial konstruiert und daher nicht mehr (oder weniger) „wahr“ als das der Person in Therapie. Die Vorstellung von der psychotherapierenden Person als Expertin im Leben der Klientel wird aufgegeben, und es vollzieht sich eine Verschiebung hin zur Psychotherapie als Ko-Konstruktion (Gergen and Warhus, 2001). Dabei ist die Aufgabe der therapierenden Person zweiseitig. Einerseits ist sie dafür verantwortlich, einen Kontext zu schaffen, in dem sich die Klientel sicher genug fühlt, ihre Geschichten zu erzählen. Andererseits ist es ihre Aufgabe, aus einer Haltung des Nicht-Wissens heraus (einer Haltung, die durch Neugier und Reflexivität gekennzeichnet ist und in der die therapierende Person offen dafür ist, etwas über ihr Gegenüber zu lernen, und nicht zu schnell annimmt, sie „wisse“, worin dessen Problem besteht) einen Dialog zu ermöglichen, in dem neue, tragfähigere Bedeutungen entstehen können (Rober, 2005; Anderson, 2012). Der Fokus systemisch arbeitender Therapierender liegt somit nicht darauf, Erfahrungen als solche zu „entdecken“ oder „aufzudecken“, sondern auf der Wirkung, die der therapeutische Dialog auf die Person in Therapie sowohl innerhalb als auch außerhalb des Therapieraums hat.

Obwohl Verkörperung und nonverbale Interaktionen in der systemischen therapeutischen Praxis schon immer eine zentrale Rolle gespielt haben (Jackson, 1957; Satir et al., 1991; Wilson et al., 2020),2 scheinen neuere theoretische Entwicklungen mit ihrem Fokus auf Sprache und Geschichten eine „Lücke“ zwischen systemischer Theorie und Praxis geschaffen zu haben (Bertrando and Gilli, 2008).3 Wir schlagen vor, dass genau hier der EEC-Rahmen hilfreich sein kann.

Die verkörperte und enaktive Konzeption der Kognition (EEC), zwei Säulen der „4E Cognitive Science“ – siehe Newen et al. (2018) –, verfügt über eine Reihe von Kernbegriffen, die dem systemischen Denken sehr nahestehen und die systemische Theorie daher bereichern könnten. Die EEC wendet sich gegen klassische kognitivistische und computationale Auffassungen von Kognition, die kognitive Prozesse auf die Manipulation von Information im Gehirn reduzieren. Kognition, so die Argumentation, ist in umfassenderen Wahrnehmungs- und sensomotorischen Systemen verankert und entwickelt sich in der Interaktion mit der Umwelt. „Verkörperte“ Kognition bezeichnet die Idee, dass Kognition nicht auf das beschränkt ist, was im Gehirn geschieht, sondern Prozesse innerhalb wie außerhalb des Gehirns umfasst. „Enaktive“ Kognition bezeichnet die Idee, dass Kognition mehr umfasst als nur den Körper; sie umfasst explizite, adaptive und wechselseitige Interaktionen zwischen dem handelnden Wesen und seiner Umwelt. Häufig beziehen EEC-Ansätze den Begriff der Affordanzen aus der ökologischen Psychologie ein. Affordanzen sind Handlungsmöglichkeiten, die die Umwelt einem handelnden Wesen bietet und die aus ihrer Beziehung hervorgehen.

Es überrascht vielleicht nicht, dass körperorientierte Therapien und Kunsttherapien rasch den Weg zu diesem neuen Ansatz der Kognition als Grundlage und Inspiration für ihre Praxis gefunden haben (Röhricht et al., 2014; Samaritter and Payne, 2016). Für therapeutische Ansätze, die Bewegung und nonverbale Interaktion betonen, bietet ein solcher Ansatz der Kognition eine Grundlage, auf die sich das Handeln der Therapierenden stützen kann und die klärt, wie therapeutische Veränderung zustande kommt. Doch wie steht es mit der systemisch-kollaborativen Therapie mit ihrem Fokus auf Sprache und Dialog?

Hier weisen wir darauf hin, dass sich die EEC auch auf sprachliche Praktiken erstrecken kann. Sprache ist nach enaktivistischer Auffassung ein Strom von Aktivität in einer soziomateriellen Welt von Praktiken (Di Paolo et al., 2018). Sie ist keine entkörperte oder abgekoppelte Tätigkeit höherer Geister, sondern eine, die in sozialer Interaktion entsteht. Enaktivistinnen und Enaktivisten verwenden den Begriff Languaging, um von sprachbezogenen Aktivitäten zu sprechen, zu denen das Sprechen gehört, aber auch nonverbale Verhaltensweisen wie Gestik und Mimikry. Languaging erfasst die „Kontinuität zwischen körperlichen Engagements und Aktivitäten einschließlich Sprechen und verbalen Verhaltensweisen“ (Jensen, 2014, p. 6). Sprache ist daher ein kultureller Prozess, verankert in der menschlichen Biologie und in soziomateriellen Praktiken, der sowohl die emotionale als auch die affektive Dimension menschlicher Interaktionen erfasst. Dies erlaubt es der systemisch-kollaborativen Therapie, aus der EEC zu schöpfen, da sie dort eine Stütze für die Idee findet, dass auch der Dialog eine verkörperte Aktivität ist.

Wir betrachten nun kurz die Rolle von Metaphern in klassischen und systemischen Psychotherapien und analysieren anschließend, was wir aus der EEC-Perspektive über Metaphern lernen können.

Metaphern in der Psychotherapie und in systemisch-kollaborativen Praktiken

In der psychotherapeutischen Literatur wird dem Begriff „Metapher“ meist eine sehr weite Bedeutung gegeben. Metapher bezeichnet schlicht „eine Sprechweise, in der eine Sache in Begriffen einer anderen ausgedrückt wird“ (Kopp, 1971, p. 28). Die Reflexion über die Rolle von Metaphern in der Psychotherapie hat eine lange und reiche Tradition (siehe z. B. Tay, 2013). Um die Vielzahl der Weisen zu ordnen, in denen Metaphern therapeutische Prozesse beeinflussen können, schlugen Lyddon et al. (2001) folgende Klassifikation vor: (1) Beziehungsaufbau zwischen therapierender Person und Klientel, (2) Zugang zu Emotionen der Klientel und deren Symbolisierung, (3) Aufdecken und Infragestellen impliziter Annahmen der Klientel, (4) Arbeit mit dem Widerstand der Klientel und (5) Einführung neuer Bezugsrahmen.

Nach Tay (2016) zeigt die Literatur zu Gebrauch und Rolle von Metaphern in therapeutischen Prozessen zwei Haupttendenzen: einen therapeutenzentrierten und einen klientenzentrierten Ansatz. Im therapeutenzentrierten Ansatz liegt der Fokus auf der therapierenden Person als Urheberin der Metapher. Untersucht und beschrieben wird, worauf sie achten muss, wenn sie Metaphern entwirft, Metaphern in den Dialog mit ihrer Klientel einbringt und Metaphern in therapeutischen Prozessen verwendet. Manche therapeutischen Richtungen sehen in der Schichtung von Metaphern für Therapierende eine Möglichkeit, indirekt mit dem Unterbewussten der Klientel zu kommunizieren und so bewussten Widerstand zu umgehen (Erickson and Rossi, 1976; Roffman, 2008; Burns, 2012). Die Literatur beschreibt jedoch auch Weisen, Metaphern expliziter zu verwenden. Metaphern bieten Therapierenden eine Möglichkeit, oft abstrakte Hypothesen, Ideen oder Ratschläge mit der Klientel auf konkrete Weise zu besprechen (Lakoff and Johnson, 1980; Tay, 2013, 2017). Um Therapierende dabei zu unterstützen, gibt es Handbücher mit zahlreichen Metaphern, die sie verwenden können, wenn sie es für nützlich oder notwendig halten (Blenkiron, 2011; Stoddard and Afari, 2014).

Die Literatur aus einem klientenzentrierten Ansatz zu Metaphern konzentriert sich in erster Linie auf die Klientel als Urheberin der Metapher. Dieser Ansatz steht im Einklang mit eher nicht-direktiven Richtungen der Psychotherapie und sieht in Metaphern ein Mittel, mit dem Klientinnen und Klienten in Worte fassen, was sie denken, fühlen und erleben (Lakoff and Johnson, 1980; McMullen, 1996). Der Fokus liegt vor allem auf dem Inhalt der Metapher, da die therapierende Person die Metapher ihres Gegenübers aus ihrem eigenen Bezugsrahmen heraus deutet. Die Metapher wird somit als Zugang zur Aufdeckung von Psychopathologie (Rhodes and Jakes, 2004; Coll-Florit et al., 2021) oder von unbewussten Gedanken und Gefühlen (Borbely, 2008) gesehen. Ein stärker prozessorientierter Ansatz wie die systemisch-kollaborative Therapie betont hingegen, wie wichtig es ist, die eigenen Deutungen einzuklammern und sich so weit wie möglich an den Prozess und die Bedeutungsbildung der Person in Therapie zu halten (Kopp and Craw, 1998; Sims, 2003; Rucińska et al., 2021). Aus systemisch-kollaborativer therapeutischer Sicht können Metaphern sowohl von der Klientel als auch von der therapierenden Person hervorgebracht werden (Rober, 1999). Unabhängig davon, wer die Metapher hervorbringt, dient sie der Ko-Konstruktion neuer Geschichten. Die Metapher an sich verbirgt keine „Wahrheit“ und soll auch kein „Wissen“ oder keine „Einsichten“ vermitteln, sondern kann einen Zugang bieten, um Erfahrungen aus einer anderen Perspektive zu erkunden.

Obwohl Metaphern fester Bestandteil der psychotherapeutischen Praxis sind und im Lauf der Jahre viel über die Rolle von Metaphern in psychotherapeutischen Prozessen geforscht und geschrieben wurde, beklagt Tay (2017), wie wenig Aufmerksamkeit der Frage geschenkt wird, wie die zeitgenössische Metapherntheorie die psychotherapeutische Praxis bereichern kann. Das hat uns zu der Frage angeregt: Was an Metaphern macht sie zu guten therapeutischen Werkzeugen? Unsere Antwort auf diese Frage verorten wir innerhalb der EEC-Ansätze zur Metapher – insbesondere des enaktivistischen Ansatzes, der Metaphern als Werkzeuge gemeinsamer Bedeutungsbildungspraktiken sieht. Um die Prozesse der Bedeutungsbildung im metaphorischen Engagement zu verstehen, wenden wir uns nun der EEC zu, die Metaphern als verkörpert, enaktiert oder ökologisch betrachtet, und erörtern, wie sie den Gebrauch von Metaphern, die von der Klientel hervorgebracht werden, in der systemisch-kollaborativen Therapie bereichern und fundieren kann.4

Verkörperte, enaktive und ökologische Metaphern

In der philosophischen Literatur wird die Metapher üblicherweise als literarisches Stilmittel betrachtet, das eine bewusste Verletzung etablierter Kategorien beinhaltet und es uns erlaubt, eine Art von Sache (oft abstrakt oder unvertraut) in Begriffen einer anderen (konkreteren und vertrauteren) zu verstehen (Lakoff and Johnson, 1980; Stilwell et al., 2021). In jüngerer Zeit werden Metaphern jedoch nicht mehr nur als sprachliche Entitäten (Redefiguren) oder sprachliche Prozesse (Abbildungen von Ursprungs- auf Zielbereiche) behandelt, sondern als kognitive und imaginative Prozesse (Gibbs, 2006), als Wahrnehmungsprozesse (Szokolszky, 2019) oder sogar als Affordanzen und Handlungsfiguren (Jensen and Greve, 2019) gesehen. So schlägt etwa die dynamische Sicht der Metapher (Müller and Tag, 2010) eine dynamische Verflechtung sozialer, kognitiver und affektiver Prozesse bei der Hervorbringung und dem Verstehen von Metaphern vor und integriert soziale und kognitive Prozesse systematisch in die Analyse der Aktivierung von Metaphern in der Gesprächsinteraktion. In diesem Beitrag streben wir keinen umfassenden Überblick über alle vorliegenden Vorschläge an, wie Metaphern zu denken sind. Wir werden jedoch einige der neuesten verkörperten, enaktiven und ökologischen Ansätze zur Metapher (Machielsen, 2019; Szokolszky, 2019; Stilwell et al., 2021) kurz charakterisieren, um unseren eigenen, dialogisch-enaktiven Ansatz zum Gebrauch von Metaphern in der Therapie zu verorten.5

Wir beginnen mit der Behauptung, dass Metaphern verkörpert sind – eine Idee, die so populär ist, dass sie nicht umstritten sein sollte. Doch was genau bedeutet es, dass eine Metapher verkörpert ist? Die Literatur über Metaphern bezieht sich auf verschiedene Bedeutungen von Verkörperung, die es lohnt, im Einzelnen aufzuzeigen. Mit der Aussage „Metaphern sind verkörpert“ könnte man zumindest eines der Folgenden meinen: Metaphern haben sensomotorische Wurzeln, beruhen auf motorischen Simulationen, erfordern die Aktivierung physischer Schaltkreise im motorischen Kortex oder beinhalten affektive körperliche Prozesse – und diese Liste ist nicht erschöpfend. Wir werden versuchen, einige dieser verschiedenen Bedeutungen aufzuschlüsseln.

So kann sich der Begriff „verkörperte Metapher“ etwa darauf beziehen, dass bestehende Metaphern körperliche Wurzeln haben, wie die Beispiele von Lakoff (2008, 2012) und Lakoff and Johnson (1999) zeigen. Sie vertreten die Auffassung, dass Metaphern zwar sprachliche Zeichen sind, die Sprache, die Menschen entwickelt haben, aber in ihren körperlichen Erfahrungen verankert ist und konzeptuelle Metaphern auf verkörperten Erfahrungen aufbauen können. Nach Lakoff (2008) lassen sich alle komplexen konzeptuellen Metaphern in primäre Metaphern zerlegen, und primäre Metaphern werden erworben, indem man sich „in der Welt bewegt und dabei ständig in Bewegung ist und wahrnimmt“ (Lakoff and Johnson, 1999, p. 57). So ist etwa „ZUNEIGUNG ist WÄRME“ eine primäre Metapher, durch die wir körperliche Wärme mit Freundlichkeit verbinden. Dies ist laut Lakoff so, „(w)eil primäre Metaphern beständige (lang anhaltende oder dauerhafte) physische Schaltkreise im Gehirn sind“ (Lakoff, 2012, p. 782, siehe auch Kompa, 2017, p. 203).

Manchmal dient unser Körper jedoch nicht nur als Grundlage metaphorischen Denkens, sondern scheint auch als Bezugspunkt für das Verstehen kreativen und einzigartigen Sprachgebrauchs zu dienen. Metaphern lösen körperliche Reaktionen aus, die es uns ermöglichen, die Bedeutung einer Metapher zu „erleben“. So heißt nach Raymond Gibbs (2006), Metaphern zu verstehen, die ein Handlungsverb enthalten, sich aktiv vorzustellen, wie man selbst genau diese Handlung ausführt. Und nach Littlemore (2019) ist die verkörperte Metapher durch eine viszerale körperliche Erfahrung gekennzeichnet, mit der etwas Abstraktes beschrieben wird. Verkörperte Metaphern können eine starke körperliche Assoziation haben oder starke körperliche Reaktionen hervorrufen. „Verkörpert“ wird hier verwendet, um Situationen zu beschreiben, in denen man auf Worte offen und körperlich reagiert.

Nach Littlemore (2019) unterscheiden sich Metaphern im Grad ihrer Verkörperung. Es gibt Metaphern, die eine neurologische Reaktion auslösen; es gibt Metaphern, die an unsere Erfahrungen mit unserem Körper und unser Wissen über ihn appellieren können; und es gibt Metaphern, die auch deshalb verstanden werden können, weil sie Teil unserer Sprache oder Konvention sind, da sie aus der Geschichte unserer verkörperten Erfahrungen und Interaktionen erwachsen sind. Die Bedeutung von Verkörperung, die wir hervorheben möchten, ist jedoch, dass dem Körper eine explizite Rolle bei der Gestaltung des Metaphernverstehens zukommt, verbunden mit Enaktion: aktuell ablaufender körperlicher Bewegung und Aktivität. Wir wenden uns nun dem enaktiven Ansatz zu.

Wir betrachten Gallagher und Lindgren (2015) als gutes Beispiel für eine enaktivistische Sicht auf Metaphern. Wie sie schreiben,

bezeichnet der Begriff enaktiv hier nicht eine andere Art von Metapher als solche, sondern eine andere Art des Umgangs mit der Metapher. Genauer gesagt können wir sagen, dass eine enaktive Metapher eine ist, die wir enaktieren – das heißt eine, die wir in Handlung umsetzen oder die wir durch unser Handeln hervorbringen (p. 392).

Sie stellen enaktive Metaphern „sitzenden“ Metaphern gegenüber (solchen, die man beim Lesen eines Buches findet und die auf der Seite „sitzen“ und darauf warten, von den Lesenden entdeckt zu werden). Enaktive Metaphern hingegen „bewirken etwas, aber nur, wenn wir uns auf irgendeine Weise auf sie einlassen“ (ibid., p. 392). Ihr Fokus liegt darauf, wie wir Metaphern in realen Lernsituationen einsetzen können, und sie geben ein Beispiel für das Enaktieren von Metaphern in spezifischen Kontexten.6 Der enaktivistische Vorschlag lautet, kurz gesagt, dass Metaphern in partizipativem Handeln zustande kommen, ihre Bedeutungen in der Interaktion entstehen und sie Teil der gemeinsamen Konstruktion einer neuen Wirklichkeit sind (Rucińska and Reijmers, 2015).

Aus ökologischer Sicht schlagen Jensen und Greve (2019) eine in gewisser Weise ähnliche Konzeption von Metaphern als Produkten von Organismus-Umwelt-Systemen vor. Sie sehen metaphorisches Engagement als „eine Form des Tuns, die in die Art und Weise eingebettet ist, wie wir in der Welt Dinge tun, und als solche kann sie als geschickte Handhabung von Umwelten jeglicher Art verstanden werden“ (p. 2). Sie schlagen vor, Metaphern über den Begriff der Affordanzen zu denken, was den Vorteil hat, uns zu helfen, „die Metapher als Teil unseres aktiven Tuns in den Blick zu nehmen statt als inneren mentalen Prozess oder stilistisches Merkmal“ (p. 12–13). Weiter sprechen sie von Graden der Metaphorizität von Wörtern, um der Vorstellung zu widersprechen, wörtliche und übertragene Bedeutungen ließen sich scharf voneinander trennen. Sie schlagen vor, dass

Metaphorizität als skalarer Wert gesehen werden muss; als etwas, das mehr oder weniger aktiviert oder präsent ist (…). Bemerkenswerterweise ist Metaphorizität nicht auf (die Bedeutung von) Wörter(n) oder verbale Handlungen beschränkt, sondern [beruht] auf einer Vielzahl körperlicher Aktivitäten und Empfindungen (2019, p. 10).

Sowohl enaktivistische als auch ökologische Ansätze stellen fest, dass metaphorische Bedeutungen in Interaktionen zustande kommen. Enaktivistische Positionen argumentieren, dass wir unsere Bedeutungen durch partizipative Sinnbildung konstruieren, also durch die Idee, dass Bedeutung gemeinsam über eine Geschichte von Zusammenbrüchen und Wiederherstellungen in der interaktiven Koordination erreicht wird (De Jaegher and Di Paolo, 2007). Wir bilden aktiv und fortlaufend Sinn aus unserer Umwelt: Wir beteiligen uns an interaktiven Prozessen, in denen eine Welt der Relevanz hervorgebracht oder enaktiert wird. Die ökologische Sicht auf Metaphern als Affordanzen erlaubt es, Metaphern als Teil solcher Bedeutungsbildungspraktiken zu begreifen.

Die verkörpert-enaktiv-ökologischen Ansätze bilden die Grundlage der Sicht auf Metaphern, die wir teilen. Worin sich unser Vorschlag von den übrigen unterscheidet, ist die Frage, wie das Enaktieren von Metaphern tatsächlich Veränderung bewirkt. Wir wenden uns nun einer Analyse der Frage zu, wie EEC-Metaphern wirken sollen, und anschließend unserem Vorschlag, Metaphern im therapeutischen Dialog zu enaktieren.

Wie wirken Metaphern?

Oben haben wir dargelegt, worin der Kern der verkörperten, enaktiven und ökologischen Sicht auf Metaphern besteht. Das reicht jedoch noch nicht aus, um zu erklären, wie Metaphern wirken oder was es am Verkörpert-, Enaktiert- oder Ökologisch-Sein ist, das es Metaphern erlaubt, uns neue Bedeutungen zu erschließen. In diesem Abschnitt versuchen wir einen kurzen Überblick darüber zu geben, wie Metaphern nach den verkörperten, enaktiven und ökologischen Modellen wirken sollen; auf jede Analyse folgt eine Kritik oder ein Bedenken zu dem jeweiligen Ansatz. Anschließend schlagen wir vor, eine Lücke in den vorliegenden Erklärungen mit unserem eigenen Vorschlag zu schließen.

Eine Erklärung dafür, wie Metaphern wirken, lautet, dass sie uns Ähnlichkeiten zwischen zwei Entitäten erkennen lassen, die normalerweise als verschieden gelten (Szokolszky, 2006, 2019). Aus repräsentationaler Sicht ist dies eine komplizierte kognitive Aufgabe (Norbury, 2005).7 Die ökologische Psychologie kann sie jedoch gut erklären. Ökologische Psychologinnen und Psychologen sprechen von der direkten Aufnahme eines invarianten Musters in einer Informationsanordnung, die sowohl für die Quelle der Metapher als auch für ihr Ziel spezifisch ist (zum Beispiel die Informationsanordnung, die sowohl für Feuerwerk als auch für Blumen spezifisch ist und es erlaubt, Feuerwerk metaphorisch als „Blumen am Himmel“ zu betrachten).8 Nach Agnes Szokolszky (2006) beruht die prototypische Metapher auf einer klar wahrnehmbaren gemeinsamen Ähnlichkeit (und/oder „gemeinsamen Affordanzen“) zwischen zwei Objekten. Das Auffinden einer Ähnlichkeit legt den Grund für eine Metapher, da es die Möglichkeit schafft, eine Sache in Begriffen einer anderen wahrzunehmen (z. B. einen Schuh in Begriffen des Bootes) und daraufhin etwas metaphorisch auszudrücken. Diese Sicht verankert die Fähigkeit, mit Metaphern zu handeln, in einfachen Wahrnehmungsprozessen und nicht in komplexen kognitiven Prozessen wie kontrafaktischem Denken oder der Fähigkeit, eine Sache als eine andere zu repräsentieren. Während man also glaubte, die Metapher setze Klassifikationsfähigkeiten voraus, über die Kinder im Vorschulalter nicht verfügen, betrachtet die ökologische Perspektive Metaphern als Lernwerkzeuge, die schon kleine Kinder entwickeln können, denn aus ökologischer Sicht ist Metaphorizität ein Wahrnehmungsphänomen.

Auch wenn wir mit dem ökologischen Ansatz das Anliegen teilen, die Mechanismen metaphorischen Engagements nicht zu überintellektualisieren, sind wir der Ansicht, dass Quelle und Ziel einer Metapher keine strukturellen Ähnlichkeiten aufweisen und einander in keiner Weise ähneln müssen. Viele Metaphern sind konzeptuell (z. B. „Liebe ist ein Schlachtfeld“) und erlauben es nicht, irgendwelche wahrnehmbaren Informationsmuster aufzunehmen. Und die Behauptung gemeinsamer Affordanzen ist viel zu weit gefasst, da Quelle und Ziel einer Metapher unendlich viele Affordanzen (Handlungsmöglichkeiten) teilen können, etwa die Möglichkeit, über sie zu sprechen. Das ist nichts, was die Wahrnehmungssicht bei der Erklärung der Wirkweise von Metaphern auszeichnet, zumindest nicht im systemisch-kollaborativen therapeutischen Kontext. Und selbst wenn ökologische Psychologinnen und Psychologen einwenden können, dass sie nur von prototypischen und nicht von konzeptuellen Metaphern sprechen, stellt sich ein weiteres Problem: die Passivität dieses Ansatzes. In der Therapie liegt der Akzent auf der aktiven Rolle dynamischen Handelns und Interagierens im Verhältnis zu den Affordanzen für einen metaphorischen Diskurs. Der bloße Akt, Ähnlichkeiten zwischen der Metapher und ihrer Quelle zu sehen oder sich der körperlichen Ursprünge von Metaphern bewusst zu sein, reicht nicht aus. In unserem Vorschlag werden wir uns auf das Handeln mit Metaphern konzentrieren. In dieser Hinsicht sehen wir Metaphorizität nicht als etwas, das die Wahrnehmung von Ähnlichkeiten oder von „gemeinsamen Affordanzen“ erfordert, sondern schlagen vor, Metaphern als Werkzeuge für neue Weisen des Sehens und Interagierens zu denken.

Eine weitere Erklärung dafür, wie verkörperte Metaphern wirken, lautet, dass sie sich auf unsere persönlichen, gelebten Erfahrungen beziehen (z. B. Littlemore, 2019). Diese Metaphern beruhen auf erfahrenen Korrelationen zwischen Ursprungs- und Zielbereich und nicht auf wahrgenommenen Ähnlichkeiten. Erfahrene Korrelationen beziehen sich auf unsere vergangenen verkörperten, gelebten Erfahrungen und Gefühle und lösen daher mit größerer Wahrscheinlichkeit neurologisch etwas in uns aus, wenn wir sie hören.

Ein Bedenken gegenüber der Behauptung, Metaphern seien in körperlichen Erfahrungen verankert, besteht darin, dass sie nahezulegen scheint, diese Metaphern würden personalisierte, individuelle Verständnisse auslösen, da jede Metapher auf der eigenen, individuellen, verkörperten Erfahrung beruht. Dies sähe sich dem Einwand ausgesetzt, dass die Metaphern für andere nicht verständlich wären. Diese Sicht ist jedoch kein Problem, wenn sie mit dem Enaktivismus und der partizipativen Sinnbildung verbunden wird. Partizipative Sinnbildung ist teilweise in unseren körperlichen Erfahrungen verankert, legt aber vor allem nahe, dass Bedeutungsbildung ein gemeinsamer Akt ist, der sich intersubjektiv entwickelt. Unsere sozialen Interaktionen verändern, wie wir die Welt wahrnehmen und verstehen. Kein einzelner Mensch wählt die Bedeutungen seiner Erfahrungen selbst; Erfahrungen werden in der Interaktion mit anderen bedeutsam und innerhalb einer kulturellen Praxis ausgehandelt. Praktisch heißt das, dass die Bedeutung einer Metapher flexibel ist und innerhalb des Kontexts, in dem sie verwendet wird, Gestalt annimmt. Ein und dieselbe Metapher könnte sogar „wiederverwendet“ werden, wie wir weiter unten zeigen werden. Auf dieser Einsicht bauen wir im nächsten Abschnitt auf, um zu erörtern, wie Metaphern im Kontext eines therapeutischen Dialogs ihre Bedeutungen erhalten.

Noch eine weitere Erklärung dafür, wie verkörperte Metaphern wirken, lautet, dass sie sensomotorische Reaktionen auslösen, wie es einige verkörperte Ansätze beschreiben (Schaefer et al., 2015; siehe auch Kompa, 2017). Hier müssen Quelle und Ziel der Metapher einander in keiner strukturellen Weise gleichen; vielmehr werden die Hirnregionen aktiviert, die auch dann aktiviert würden, wenn wir das in der Metapher Ausgedrückte tatsächlich erlebten. Kompa (2017) nennt dies zwar „Simulation“, bezieht sich aber auf sensomotorische Prozesse, die am Wieder-Enaktieren (re-enactment) einer verkörperten Erfahrung beteiligt sind.9 Betrachten wir die Erklärung von Kompa (2017), wie Metaphern durch Simulation wirken:

Die Idee ist also im Grunde, dass man, um einen sprachlichen Ausdruck zu verstehen, die entsprechende Erfahrung simulieren muss. Wenn ich das Wort „greifen“ höre, simuliere (reenaktiere) ich die Handlung des Greifens. Und da ich schon früher gegriffen habe, wird mir das gelingen, und ich werde das betreffende Wort verstehen. Simulation wiederum erfordert Aktivierung in sensorischen und motorischen (sowie affektiven) Regionen des Gehirns, denn beim Simulieren einer bestimmten Erfahrung zeigen wir in etwa dasselbe Muster neuronaler Aktivität, das die ursprüngliche Erfahrung begleitet hat. Sprachverstehen beinhaltet ganz wesentlich die Rekrutierung des sensomotorischen Systems (p. 196–197).

Wir stimmen der Behauptung zu, dass Sprachverstehen ein sensomotorisches Unterfangen ist. Eine Vielzahl von Belegen aus den Neuro- und Kognitionswissenschaften stützt dies, darunter die Tatsache, dass manche Handlungsverben eine Aktivierung des motorischen Kortex im Gehirn hervorrufen (Barsalou, 1999; Hauk et al., 2004).10 Kompa (2017) argumentiert jedoch, dass die Simulation (wie oben beschrieben) das Verstehen von Metaphern nicht erklären kann, weil sie „uns eine Theorie der wörtlichen Interpretation liefert. Metaphern zu interpretieren erfordert aber, dass wir die wörtliche Bedeutung hinter uns lassen (…). Metaphern zu verstehen erfordert, dass man die Dinge anders betrachtet als zuvor“ (p. 206). Nehmen wir die Metapher „eine IDEE BEGREIFEN“ (to GRASP an IDEA). Ist es die Aktivierung derselben Neuronen wie beim tatsächlichen Ergreifen einer Tasse, die uns die betreffende Metapher verstehen lässt? Kompa stellt dies in Frage und argumentiert, dass das Simulieren (oder in EEC-Begriffen das Reenaktieren) unserer früheren körperlichen Erfahrungen – durch Aktivierung der entsprechenden sensomotorischen Prozesse des Greifens beim Nachdenken über die Metapher „eine IDEE BEGREIFEN“ – uns noch nicht dazu bringt, ihre Metaphorizität zu verstehen.

Auch wenn Kompas Einwand künftig genauer analysiert werden sollte, meinen wir, dass für therapeutische Zwecke die Idee einer bloßen Aktivierung sensomotorischer Schaltkreise, die beim Aussprechen von Handlungswörtern mit diesen verbunden sind, tatsächlich nicht zentral ist: Das Enaktieren der Metapher findet nicht im Auslösen sensomotorischer Prozesse statt (etwa der sensomotorischen Aktivierung des Greifens mit der Hand), sondern im Dialog. Würden wir in der systemischen Therapie mit der Metapher „eine IDEE BEGREIFEN“ arbeiten, so wirkte sie als Metapher, weil die Tätigkeit des Greifens mit dem weiteren Netz von Bedeutungen verbunden ist, die wir mit dem Handlungswort „greifen“ assoziieren und schaffen können, etwa einem Gefühl, etwas erreicht zu haben, oder der Emotion des Erfolgs. Unserer Ansicht nach ist es das, was man mit der Metapher tun kann, um Veränderung herbeizuführen, was die Metapher wirken lässt, wie wir weiter unten erläutern werden.

Während es also mehrere Wege gibt, auf denen Metaphern wirken können, jeder auf seinen eigenen Kontext zugeschnitten,11 konzentrieren wir uns auf die Idee von Gallagher und Lindgren (2015), dass Metaphern wirken, weil sie enaktiert werden: Sie laden uns ein, „unser Verständnis mit [unserem] Körper auszuagieren“ (p. 398), statt die Abbildungen von Ursprungs- auf Zielbereiche gedanklich nachzuvollziehen. Wie Gallagher und Lindgren festhalten, sind enaktive Metaphern keine andere Art von Metaphern – der Unterschied liegt darin, wie wir sie gebrauchen. Der Enaktivismus kann dadurch eine andere Sichtweise darauf vorschlagen, wie Metaphern im Dialog zur Wirkung gebracht werden können, was wir für einen therapeutischen Kontext für am ergiebigsten halten.

Wir schließen uns diesem enaktivistischen Zugang zum Enaktieren von Metaphern an und stehen den oben genannten enaktivistischen Vorschlägen wohlwollend gegenüber. Eine Grenze der vorliegenden Vorschläge besteht jedoch darin, dass sie Enaktion recht wörtlich nehmen. Gallagher und Lindgren (2015) sprechen vom Enaktieren von Metaphern in Handlungen, die verkörperte Als-ob-Darbietungen sind: Indem die Handelnden ihren Körper bewegen, handeln sie metaphorisch. Jensen und Greve (2019) sagen, dass Enaktieren „in-und-durch die gestischen Bewegungen“ geschieht (p. 18).12 Und zuletzt erörtern Stilwell et al. (2021) das Enaktieren von Schmerzmetaphern in der Therapie und schlagen vor, dass die Metapher enaktiert wird, wenn die therapierende Person manuellen Druck auf die Schmerzquelle der Patientin oder des Patienten ausübt. Nicht vorher, nicht nachher, sondern in der Berührung wurden die Metaphern enaktiert.13 In all diesen Beispielen wird die Metapher buchstäblich dargeboten, mit Bewegung, Geste oder körperlicher Berührung. Stilwell et al. stellen enaktive Metaphern sogar ausdrücklich verbalen Metaphern gegenüber; Letztere werden als Teil „passiver Patientenedukation“ gesehen (p. 243). Das ist eine recht eingeschränkte Sicht des Enaktierens, da sich der Enaktivismus auch auf Sprache erstreckt. Auch wenn wir also zustimmen, dass wir Metaphern manchmal auf diese Weise enaktieren können (so wie wir unsere Vorstellungen in Darbietungen des Als-ob-Spiels explizit enaktieren können – siehe Rucińska and Gallagher, 2021), ist unser Punkt in diesem Beitrag, und unsere Anpassung der vorliegenden enaktiven Sichtweisen auf Metaphern, dass das Enaktieren von Metaphern auch im Sprechen geschehen kann, da Sprechen ebenfalls eine Art des Tuns ist. Wir schlagen vor, dass außer der sprachlichen Verbalisierung keine explizite Darbietung stattfinden muss, damit die Metapher dennoch enaktiert wird, denn auch Sprache ist ein verkörperter und enaktiver Prozess. Im nächsten Abschnitt erläutern wir, wie das Enaktieren von Metaphern im Dialog unserer Auffassung nach funktioniert.

Metaphern im Dialog enaktieren: Beispiele aus der therapeutischen Praxis

Im Anschluss an die obige Analyse schlagen wir vor, dass wir in der systemischen Therapie Metaphern im Dialog enaktieren können. Das bedeutet, dass die therapierende Person in einem therapeutischen Kontext Handlungswörter und Verben, die mit der Metapher verbunden sind, nutzen kann, um für die Person, die die Metapher einbringt, neue Handlungsmöglichkeiten hervorzubringen. Die therapierende Person muss die Bedeutung der Metapher nicht analysieren; sie schafft mit der Metapher, so wie die Person in Therapie sie eingeführt hat, neue Bedeutungen, um gemeinsam neuen Sinn in deren Situation zu stiften.

Nehmen wir zum Beispiel das Sprechen über Depression. Eine solche Diagnose rechtfertigt für sich genommen keine neuen Verhaltensweisen. Das Narrativ der „Depression“ ist statisch und oft einschränkend: Ist sie einmal diagnostiziert, kann sie eine lähmende Wirkung auf einen Menschen haben (man weiß nicht, was man dagegen tun soll, außer ihre Folgen hinzunehmen). Sucht jedoch eine Person eine Therapie auf, um mit ihrer Depression zurechtzukommen, könnte es für sie und die therapierende Person hilfreich sein, in Metaphern zu sprechen. Das könnte wirken, weil sich handlungsorientierte Verben leicht mit solchen Metaphern verbinden lassen. Die therapierende Person kann sich geschickt auf Metaphern einlassen und mit ihnen spielen (mehr als mit klinischen Diagnosebegriffen), um neue Gespräche mit ihrem Gegenüber in Gang zu bringen. Wir zeigen dies im folgenden Beispiel.

Unser Punkt ist vorerst, dass Metaphern eine transformative Erfahrung ermöglichen, wenn sie im Dialog enaktiert werden. Diese Enaktion muss aber keine körperliche Darbietung sein. Als sprachliche Affordanzen begriffen, also als durch Sprache ermöglichte Möglichkeiten künftigen Handelns, hängen Metaphern vom Gebrauch ab. Metaphern können in der Therapie als Objekte oder Werkzeuge der Handhabung fungieren. Auch wenn Metaphern also aufgrund ihrer symbolischen Eigenschaften wirken könnten, möchten wir eine andere Wirkweise von Metaphern hervorheben, die bisher nicht im Einzelnen erörtert wurde: dass sie wirken, wenn sie als sprachliche Affordanzen für Handeln fungieren. Als sprachliche Affordanzen für Handeln zu fungieren bedeutet, dass sie neue Weisen eröffnen, Dinge zu „languagen“, über sie zu sprechen und ihnen Sinn zu verleihen.14 Im Folgenden geben wir zwei Beispiele aus systemischen therapeutischen Begegnungen, um unseren Punkt zu veranschaulichen.

Fall eins: Andy

Andy ist 15 Jahre alt und leidet seit mehreren Jahren an einer krankhaften Form von Adipositas. Seine Eltern ließen sich scheiden, als er 10 Jahre alt war. Er erinnert sich, wie er kurz nach der Scheidung immer mehr zu essen begann. Essen, sagt er, bot eine Form von Trost. Seine Mutter war nach der Scheidung auf sich allein gestellt. Um die neue Situation finanziell zu bewältigen, arbeitete sie lange. Deshalb war Andy oft allein zu Hause. Anfangs störte Andy das Gewicht, das er nach und nach zunahm, nicht wirklich. Das änderte sich jedoch mit dem Wechsel auf die weiterführende Schule. Dort wurde er wegen seines Gewichts gemobbt und ausgegrenzt. Jugendliche schleuderten ihm Wörter wie „Elefant“ und „Fettsack“ entgegen. Er schämte sich zunehmend für sein Aussehen und schloss sich in seinem Zimmer ein. Er versteckte sich hinter dem Computer und schloss sich einer Online-Gaming-Community an. Seine ungesunden Essgewohnheiten und sein bewegungsarmer Lebensstil führten dazu, dass er eine krankhafte Adipositas entwickelte. Jede Hoffnung auf Veränderung schmolz dahin wie Schnee in der Sonne. Er fühlte sich in seinem eigenen Körper gefangen und seiner Situation gegenüber machtlos. Es fiel ihm immer schwerer, zur Schule zu gehen und die Blicke anderer Jugendlicher zu ertragen. Als Andy 14 Jahre alt war, schlug seine Mutter vor, Hilfe in einem medizinischen Rehabilitationszentrum für Kinder und Jugendliche zu suchen, in dem adipöse Jugendliche eine multidisziplinäre stationäre Behandlung erhalten, die ihnen helfen soll, gesunde Ess- und Lebensgewohnheiten wiederaufzubauen und ihr Selbstvertrauen zurückzugewinnen. Es dauerte ein Jahr, bis Andy es wagte, diesen Schritt zu tun.

In einem seiner Gespräche mit Andy (A) erkundet sein Therapeut (T), auf welche Weise die Blicke anderer ihn getroffen haben.

T: Ich erinnere mich aus einem unserer früheren Gespräche, dass du in der Schule oft ausgegrenzt und gemobbt wurdest. Trotz dieser schwierigen Situation bist du weiter zur Schule gegangen. Wie hast du das geschafft?

A: Mit der Zeit habe ich mir einen Harnisch [angelegt]. Dieser Harnisch hat mir geholfen, mit all diesen Worten fertigzuwerden. Das war das Einzige, was ich gegen all die hässlichen Sachen tun konnte, die die Leute zu mir gesagt haben.

T: Du hast dir also einen Harnisch angelegt, um dich zu schützen? Stimmt das?

Man beachte, wie Andy spontan eine Metapher verwendet, um auf die Frage des Therapeuten zu antworten. Die Metapher ist nicht zufällig gewählt. Andy ist Gamer und spielt Spiele, in denen häufig ein Harnisch verwendet wird, um den eigenen Avatar vor einer gefährlichen virtuellen Welt zu schützen. Seine Erfahrungen mit dem Gaming bieten ihm ein Arsenal von Bildern, aus denen er auswählen kann, um seine Erfahrungen im Gespräch mit dem Therapeuten auszudrücken.

Der Therapeut möchte, aus der Haltung des Nicht-Wissens heraus, Andys Erfahrungen mit dem Schulbesuch weiter erkunden. Er beschließt, dies zu tun, indem er „bei“ der Metapher „bleibt“, die Andy ihm gegeben hat (indem er sie weiter verwendet und erkundet), und stellt Andy weitere Fragen:

T: Wenn du deinen Harnisch trägst, spürst du dann das [Gewicht der verletzenden] Worte nicht mehr?

A: Doch, aber nur ein bisschen. Wenn man [von diesen Worten] getroffen wird, spürt man den Schlag trotzdem. [Mit dem Harnisch] tut es einfach weniger weh.

T: Okay, du spürst den Schlag der Worte also noch, aber er ist gedämpft.

A: Ja, genau.

T: Und wie war es für dich, mit so einem Harnisch herumlaufen zu müssen?

A: Ich habe mich so oft wie möglich in meinem Zimmer eingeschlossen, damit ich niemanden sehen musste. So musste ich meinen Harnisch nicht anlegen.

T: Und warum genau? Wie war es für dich, mit so einem Harnisch herumlaufen zu müssen?

A: Es war sehr anstrengend, ihn die ganze Zeit anbehalten zu müssen. Es hat viel Energie gekostet, die Leute nicht sehen zu lassen, wie es in mir aussah. Auch wenn das von Tag zu Tag unterschiedlich war.

T: Ach ja, und womit hatte dieser [Unterschied] zu tun?

A: Zum Teil [lag es] daran, wie viele Schläge ich einstecken musste. Und am Ende einer Schulwoche fühlte sich der Harnisch auch viel schwerer an als am Anfang der Woche.

Aus therapeutischer Sicht könnten wir sagen, dass Andy das Bild eines „Harnischs“ als Metapher für sein Ringen darum verwendet, sich vor schmerzhaften Erfahrungen abzuschirmen. Er nutzt die Metapher als Mittel, um auszudrücken, wie er mit dem Mobbing umgegangen ist. Das konkrete Bild des Harnischs hilft ihm, die Komplexität seiner Erfahrungen in Worte zu fassen. Aus enaktiver Sicht bietet die Metapher jedoch einen „gemeinsamen Raum von Affordanzen“ (Gallagher, 2020, p. 113), in dem sich Andy und sein Therapeut bewegen können, um seine Erfahrungen weiter zu erkunden. Weil ein Harnisch etwas Greifbares und Konkretes ist, können sich sowohl Andy als auch der Therapeut auf die multisensorischen Aspekte beziehen, die mit dem Gebrauch oder Tragen eines Harnischs verbunden sind, um Andys Erfahrungen zu erhellen. Harnische kann man ablegen und anlegen; sie können schwer oder leicht sein (was von Tag zu Tag oder von Moment zu Moment variieren kann); und sie können die Schläge von außen abfangen, auch wenn manche Schläge sich dennoch härter anfühlen mögen als andere.

Durch seine Fragen zum Harnisch (wie er sich anfühlt oder welche Handlungen er erlaubt) lädt der Therapeut Andy ein, über einen statischen Vergleich hinauszugehen. Andys Erfahrungen mit Mobbing werden in der Sprache der Metapher kontextualisiert und differenziert. In und durch diesen metaphorischen Dialog vollzieht sich eine merkliche Bedeutungsverschiebung. Im Kontextualisieren und Differenzieren erscheint Andy dem Therapeuten zunehmend als junger Mann, der hart daran gearbeitet hat, sich auf einem „Schlachtfeld“ aus Bemerkungen und verletzenden Worten zu behaupten. Er ist nicht nur ein „geharnischter“ junger Mann, der sich hinter einem Schild versteckt. Er ist ein junger Mann, der „eine Rüstung“ anlegt, Schläge einsteckt und der Erschöpfung trotzt. Wo die Metapher anfangs das Sich-Verstecken ermöglichte, ermöglicht sie nun auch Widerstand und Gegenwehr. Indem der Therapeut den Fokus von einem statischen Vergleich auf eine dynamische Erkundung verlagerte, legte er die Bausteine dafür, dass Andy sich zunehmend als junger Mann sehen und erleben kann, der handelt, interagiert und Entscheidungen trifft – als junger Mann mit Handlungsmacht. Das wird auch im folgenden Auszug greifbar:

T: Ich höre dich davon sprechen, wie du Schläge einstecken musstest und wie anstrengend es war, einen Harnisch zu tragen. Und trotzdem hat es ein Jahr gedauert, bis du den Schritt in unser Zentrum gemacht hast. Kannst du mir helfen, das zu verstehen?

A: Ich habe den Schritt erst gemacht, als es zu anstrengend wurde, die Rüstung zu tragen.

T: Und warum nicht vorher?

A: Ich dachte, ich könnte die Rüstung anbehalten. Als ich gemerkt habe, dass das nicht mehr ging, habe ich den Schritt ins Zentrum gemacht.

T: Du hast den Schritt in unser Zentrum also erst gemacht, als du gemerkt hast, dass du sie nicht mehr anbehalten konntest. Was für eine Ausdauer!

A: Vielleicht (lacht).

Bei der Arbeit mit Metaphern aus systemisch-kollaborativer Perspektive achtet die therapierende Person darauf, die Metapher nicht zu analysieren, sondern vielmehr einen Raum zu schaffen, in dem die Klientel ihre Erfahrungen so teilen und erkunden kann, dass sich neue Facetten dieser Erfahrungen aus einer anderen Perspektive erschließen und beleuchten lassen. Im Auszug hebt der Therapeut Andys Ausdauer beim Tragen des schweren Harnischs hervor und lädt Andy so ein, seine Erfahrungen aus einer anderen Perspektive neu zu betrachten. Andy scheint den Vorschlag anzunehmen und schafft einen Raum, um gemeinsam mit seinem Therapeuten neue Geschichten über sich selbst hervorzubringen.

Nachdem erkundet wurde, was Andy geholfen hat, diese Ausdauer aufzubringen, lädt der Therapeut Andy im nächsten Auszug ein zu erkunden, was sich seit Beginn des Adipositas-Rehabilitationsprogramms verändert hat. Man beachte, wie der Therapeut seine Ausgangsfrage wiederum so stellt, dass sie Andy einlädt, über sich als jemanden mit Handlungsmacht zu sprechen, als jemanden, der Entscheidungen trifft und wohlüberlegt handelt.

T: Irgendwann hast du diesen Schritt [in die Therapie] gemacht. Und dann? Was hast du mit dem Harnisch gemacht?

A: In den ersten paar Monaten habe ich den Harnisch anbehalten. Als ich die Gruppe besser kennengelernt habe, habe ich ihn abgelegt, damit sie mehr davon sehen konnten, wer ich wirklich bin.

T: Haben dir deine Erfahrungen mit der Gruppe den Mut gegeben, den Harnisch abzulegen?

A: Ja.

T: Und was hast du bemerkt, das dir die Zuversicht gegeben hat, dass du den Harnisch ablegen kannst?

A: Ich habe mich in der Gruppe zu Hause gefühlt. Ich hatte das Gefühl, dass ich nicht darauf achten muss, wie ich rüberkomme, und dass ich mich einfach so verhalten kann wie zu Hause. Ich hatte das Gefühl, dass ich nicht so tun muss, als wäre ich jemand, der ich nicht bin.

T: Und kannst du mir mehr darüber erzählen, wie du die Rüstung abgelegt hast? Wie ist das gelaufen?

A: Stück für Stück.

T: Stück für Stück? Und was hat dir nach jedem Stück geholfen, das nächste abzulegen?

A: Ich habe einfach gemerkt, dass sich nicht viel geändert hat. Alle haben mich weiter genauso angeschaut und sind weiter genauso mit mir umgegangen.

T: Und das hat dir die Zuversicht gegeben, deinen Harnisch Stück für Stück abzulegen?

A: Ja

T: Und jetzt, wo ist dein Harnisch jetzt?

A: Er hängt an der Garderobe. Und verstaubt. Man weiß nie, wann ich ihn vielleicht wieder brauche.

T: (Lacht). Du hast ihn also noch nicht weggeworfen?

A: Nein.

Zunächst schuf der Therapeut einen Gesprächsraum, in dem Andy über seine Erfahrungen sprechen konnte, Schläge einzustecken und das Gewicht des Harnischs zu tragen. Der Fokus lag auf Andys Last. Im Verlauf des Gesprächs ging der Therapeut zu einer stärker handlungsorientierten Erkundung über. Er lädt Andy ein, darüber zu sprechen, was Andy mit dem Harnisch „gemacht“ hat und warum. Der Fokus des Therapeuten liegt nun darauf, was Andy erlebt hat und wie er darauf als aktiver Beteiligter am Geschehen reagiert hat. Die Fragen des Therapeuten laden Andy ein zu erkunden, wie er mit seiner Situation umgegangen ist, als jemand, der kritisch abwägt und informierte Entscheidungen trifft. Er entschied sich dafür, „einen Harnisch anzulegen“, um sich zu verteidigen; er entschied sich, mit der Aufnahme in das Rehabilitationsprogramm zu warten; und als er allein nicht mehr weiterkam, entschied er sich, in den ersten Monaten „den Harnisch anzubehalten“, woraufhin er beschloss, „den Harnisch“ nach und nach, Stück für Stück, „abzulegen“. Die handlungsorientierten Fragen luden Andy ein, sich nicht mehr nur als jemanden zu sehen, der einfach gelitten hat, sondern auch als jemanden, der die Situation so gut bewältigt hat, wie er konnte.

Auch wenn der Therapeut seine Fragen bewusst wählte und „das Gespräch mit einem Gerüst stützte“ (scaffolded the conversation; White, 2007), bestimmte er nicht einseitig, welche Richtung das Gespräch nehmen und welche Bedeutungen in den Vordergrund treten würden. Im Kontext der Therapie war das Gespräch ein Prozess partizipativer Sinnbildung, in dem beide Beteiligten beeinflussten, wie das Gespräch verlief. Mittels einer enaktiven Metapher schufen Andy und der Therapeut gemeinsam neue Handlungsstränge, in denen Andy als aktiver Beteiligter in den verschiedenen Beziehungsknoten erscheint, in die er verstrickt ist. Inspiriert von diesem neu gefundenen relationalen Gefühl von Handlungsmacht ermutigt es ihn hoffentlich, sich in den verschiedenen Beziehungsknoten, in die er verstrickt ist, anders zu positionieren: nicht nur als Opfer von Mobbing, sondern auch als mutiger und starker Mensch.

Fall zwei: Ben

Ben ist ein 17-jähriger junger Mann mit Autismus. Er ringt mit negativen Gedanken. Das Ringen ist nicht immer von außen sichtbar – es spielt sich „in seinem Kopf“ ab. Die negativen Gedanken lassen ihn nicht los. In einem der Gespräche erzählt Ben dem Therapeuten von seinem selbstverletzenden Verhalten: Manchmal, wenn es ihm wirklich schlecht geht, schneidet sich Ben. Er erzählt dem Therapeuten, dass er, wenn es ihm so schlecht geht, sowohl das Bedürfnis hat, in Ruhe gelassen zu werden, als auch, dass ihm geholfen wird. Kurz bevor er sich schneidet, überwiegt das Gefühl, in Ruhe gelassen werden zu wollen. Nachdem er sich geschnitten hat, wird ihm klar, dass er Hilfe braucht. Nur weiß er nicht, wie andere ihm helfen könnten.

Der Therapeut ist neugierig auf diese Verschiebung im Erleben und fragt Ben, was geschieht, nachdem er sich geschnitten hat, sodass er das Bedürfnis verspürt, dass ihm geholfen wird. Ben erzählt dem Therapeuten, dass ihm das Schneiden hilft, seine Gedanken herauszulassen. Wenn sein Kopf überläuft, schneidet er sich. Und in diesem Moment wird ihm klar, dass er Hilfe braucht. Der Therapeut sagt Ben, wie bemerkenswert er es findet, dass das Schneiden eine Verschiebung in seinem Erleben bewirkt, vom Bedürfnis, in Ruhe gelassen zu werden, hin zum Bedürfnis, dass ihm geholfen wird. Ben bestätigt das, findet es aber anfangs schwer, in Worte zu fassen, was genau diese Verschiebung bewirkt. Nach einem kurzen Schweigen sagt Ben plötzlich:

B: Das ist wie mit Tattoos. Wenn man gegen Tattoos ist, findet man sie eine Form von Selbstverstümmelung. Aber wenn man Tattoos mag, kann man ein Tattoo als eine Geschichte sehen, die man sich in den Körper ritzt. Das Schneiden wirkt bei mir so, wie ein Tattoo bei [anderen] wirkt.

T: Ich höre dich das Wort „Geschichte“ verwenden. Ein Tattoo ist eine Geschichte, die erzählt wird. (…) Und was ist die Geschichte hinter deinen Tattoos?

B: Eine große Geschichte der letzten zwei Jahre.

T: Und hat sie einen Titel?

B: Ich weiß nicht, ob ich ihr einen Titel geben könnte.

(…)

T: Darf ich dir eine seltsame Frage stellen? Sagen wir, wir würden uns in einem Jahr wiedersehen und du ließest dir ein Tattoo über deine Narben stechen? Was für ein Tattoo würdest du wählen? Welche Form hätte es?

B: Das ist eine schwierige Frage. Ich glaube, ich würde ein Bild von einem Skelett im Smoking nehmen, das mit einer gewöhnlichen Dame einen Engtanz tanzt. Eigentlich könnte das auch der Titel meiner Geschichte sein.

T: Das Skelett im Smoking, das mit einer Dame Engtanz tanzt?

B: Ja.

T: Okay, und was ist die Geschichte hinter diesem Tattoo?

B: Die Dame könnte jeder Mensch sein, der sich aus irgendeinem Grund selbst verletzt. Und sie tanzt Engtanz mit dem Tod. Denn man weiß nie, wann man zu tief schneidet.

T: Warum hast du eine Dame gewählt?

B: Weil ich mich eher als das Skelett sehe als als die Dame. Manchmal fühle ich mich dem Tod sehr nah.

T: Es sagt etwas darüber aus, wie nah du dem Tod bist oder warst?

B: Deshalb ist es ein Engtanz, weil ich mich manchmal so nah fühle.

(…)

T: In einem Jahr wäre dieses Tattoo also eine Geschichte darüber, wie nah du dem Tod warst und wie innig dieser Tanz damals war. Und vielleicht auch darüber, wie mutig du warst?

B: Ja, wahrscheinlich.

Bei der Besprechung der Tattoo-Metapher traf der Therapeut einige Entscheidungen darüber, welche Fragen er stellte und welche er wegließ. Die Fragen, die er stellte, waren sowohl von seinen therapeutischen Hypothesen als auch von Bens Antworten geleitet. Bei der Arbeit mit der von Ben eingeführten „Tattoo“-Metapher hätte der Therapeut das Gespräch auf viele handlungsorientierte Weisen fortführen können. So hätte die Metapher etwa genutzt werden können, um verschiedene Arten von Fragen zur Handlungsmacht zu stellen, wie: „Ist das Tattoo ein fertiges Produkt?“, „Welche Farben wird es in einem Jahr haben?“, „Wie sichtbar könntest du es für die Außenwelt machen?“ oder „Wirst du es verdecken oder sichtbar lassen?“ Solche Fragen öffnen Ben den Raum, über seine Zukunft nachzudenken. Auch wenn „Tattoo“ ein Substantiv ist und sich am leichtesten auf Bens Narben beziehen lässt, verfügt der Therapeut über die Werkzeuge, die Bedeutung der Metapher weiterzutreiben, um in Ben Gedanken daran anzustoßen, die Kontrolle zu übernehmen und in der Zukunft zu handeln. Die Arbeit mit der Metapher eines Tattoos gibt dem Therapeuten Raum, Handlungsmöglichkeiten zu erkunden, die nicht verfügbar sind, wenn man unter ähnlichen Umständen eine Diagnose erhält wie etwa „Ben ist depressiv“.

Wie verhalten sich diese beiden Beispiele zur enaktivistischen Idee der Sinnbildung? In Andys Fall half ihm das Sprechen über den „Harnisch“, die Komplexität seiner Erfahrung in Worte zu fassen, und ließ eine neue Art von Gespräch entstehen, eines, das Andy half, gemeinsam mit dem Therapeuten seinen verletzenden Erfahrungen neuen Sinn zu geben. Ebenso ermöglichte es in Bens Fall das Sprechen über das „Tattoo“, dass er sich verstanden fühlte, da es das Gespräch mit dem Therapeuten vorankommen ließ, in dem sie seiner Situation gemeinsam neuen Sinn gaben. Der Wert beider Metaphern liegt darin, dass sie den Weg zu anderen Gesprächen ebneten und dadurch neue Perspektiven auf die eigenen Probleme ermöglichten – Perspektiven, die es dank der anschließenden handlungsorientierten Gespräche sowohl Andy als auch Ben erlaubten, sich ihren Problemen gegenüber handlungsmächtig zu fühlen. Auf diesen Mehrwert des Enaktierens von Metaphern gehen wir im Folgenden näher ein.

Was macht Metaphern zu guten therapeutischen Werkzeugen? Eine Analyse

Aus unserer dialogisch-enaktiven Perspektive sind Metaphern gute therapeutische Werkzeuge nicht, weil sie Erfahrungen aufdecken, sondern weil sie es ermöglichen, diese Erfahrungen zu teilen und zu verändern. Von einem „Aufdecken von Erfahrungen“ zu sprechen, ist unserer Ansicht nach problematisch, weil es nahelegt, es gebe verborgene Wahrheiten, die mit der Metapher aufgedeckt werden können, Wahrheiten, die irgendwie „verdrängt“ waren und nun an die Oberfläche geholt werden. Auch wenn es also möglich ist, durch das Enaktieren von Metaphern eine neue Einsicht zu gewinnen, ist dies nicht das Ziel der systemisch-kollaborativen Therapie, da die neue Einsicht als eine weitere Perspektive gesehen werden sollte, die die Person in Therapie auf ihr Problem einnehmen kann. Wir sehen Metaphern als Werkzeuge, die der therapierenden Person verschiedene Möglichkeiten bieten, ihrem Gegenüber das Gefühl zu geben, verstanden zu werden. Sie eignen sich auch gut, um die Erfahrungen der Klientel zu erkunden und neue Ideen in den Vordergrund zu rücken. Metaphern ermöglichen es, neue, andere Geschichten zu erzählen, und mit den Fragen, die sie stellt, kann die therapierende Person bei ihrem Gegenüber Erfahrungen von Handlungsmacht hervorbringen. Schließlich fungieren Metaphern als Linsen, durch die die Person nach der Therapie der Außenwelt begegnen und sie erleben kann.

Wie leisten die Metaphern das in unserem Bild? Kurz gesagt: Metaphern wirken, wenn sie im Dialog geschickt auf Handlungen ausgerichtet werden. Die Metaphern, die Andy und Ben teilten, wurden vom Therapeuten auf Handlungen ausgerichtet. Und obwohl ihre Metaphern Substantive waren, ließ der systemisch-enaktive Ansatz des Therapeuten ihn auf mögliche Handlungen achten, die mit diesen Substantiven verbunden sind. Ein Harnisch ist etwas, hinter dem man sich verstecken oder mit dem man kämpfen kann. Ein Tattoo ist etwas, das man kolorieren, zeichnen oder mit dem man eine Geschichte erzählen kann. Aus systemisch-enaktiver Perspektive lässt sich jede Metapher (selbst „sitzende“ Metaphern) auf eine Handlung zurückführen. Der Inhalt der ursprünglichen Metapher ist nicht so wichtig wie das, was man mit der Metapher tut. Der beste Weg, Veränderung herbeizuführen, führt über Handlungswörter, mit denen die therapierende Person Veränderung bewirken kann, wenn sie ihr Gegenüber einlädt, gemeinsam etwas mit der Metapher zu tun.

Warum wirkt das Enaktieren von Metaphern mit Handlungswörtern in der Psychotherapie? Um es zu wiederholen: Es bietet Klientel und therapierender Person Möglichkeiten, Erfahrungen so zu erkunden, dass sich die Klientinnen und Klienten gehört und verstanden fühlen, mitteilen können, wie sie denken oder fühlen, und eingeladen werden, ihre Handlungsmacht zu erkunden – und es hilft der Person nicht nur, eine Einsicht in ihren Zustand zu gewinnen. Klarheit ist zwar wichtig, aus systemischer Perspektive reicht Einsicht für einen Fortschritt jedoch nicht aus (wie Watzlawick, 2009 bekanntlich sagte: „Einsicht kann blind machen“). Auch führt die Wahl der Metapher für sich genommen nicht zu einer transformativen Erfahrung. Eine Analogie zu bilden, um die eigenen Erfahrungen zu erfassen, genügt an sich nicht, denn nicht die Metapher selbst (dank ihrer symbolischen oder verkörperten Eigenschaften) leistet die Arbeit, sondern die Art, wie die Metapher in einer Interaktion gebraucht wird und wie auf sie geantwortet wird (wie sie also enaktiert wird). Unserer Ansicht nach ist es der kommunikative Akt mit der Metapher, der für die Klientel zu einer transformativen Erfahrung wird. Die Metapher muss von jemand anderem aufgenommen, angenommen und erwidert werden. Metaphern wirken am besten, wenn sie Teil eines kollaborativen Engagements sind.

Nehmen wir das Beispiel von Ben, der die Tattoo-Metapher verwendet hat, um über sein Ringen zu sprechen. Wir haben festgestellt, dass Ben sich nicht verstanden fühlte, als er dieselbe Metapher im Gespräch mit seiner Mutter verwendete. Aus unserer Perspektive liegt das daran, dass die Kommunikation zwischen ihnen abbricht, wenn seine Mutter die Metapher in ihren Gesprächen nicht aufgreift oder in keiner Weise auf sie eingeht, und das Engagement für Ben nicht zu einer transformativen Erfahrung führt. Mit dem Therapeuten hingegen wirkt die Metapher, da er sie nutzt, um das Gespräch voranzubringen. Für systemisch Therapierende ist die Metapher ein Vehikel der Veränderung.

Kurz gesagt: Die Metaphern selbst leisten nicht die Hauptarbeit. Wichtig ist, was man mit der Metapher tut, nicht, was die Metapher bedeutet. Was die Metapher therapeutisch nützlich macht, ist die Art, wie die therapierende Person Metaphern enaktiert, indem sie Handlungswörter entdeckt, die es ihrem Gegenüber ermöglichen, über die Metapher hinauszugehen. Man betrachte zum Vergleich das Big Book of ATC metaphors (Stoddard and Afari, 2014), das eine „erschöpfende Liste von Metaphern“ für die Behandlung verschiedener Störungsbilder bieten will, von Angst, Depression und Trauma bis zu Essstörungen. Wir widersprechen der Vorstellung, dass das Finden der „richtigen“ Metapher einem Menschen hilft, sein Problem zu lösen.

Schließlich ermöglicht der Fokus auf Handlungswörter der Klientel, ein Gefühl von Handlungsmacht zurückzugewinnen. Wenn Metaphern mit Handlungswörtern besprochen werden, kann die therapierende Person die Metapher mit Fragen weiterentwickeln, durch deren Beantwortung die Person in Therapie ein Gefühl von Einfluss auf ihr Leben zurückgewinnen kann. Wir sehen das Gefühl von Handlungsmacht als mehr als nur das Wissen um die Art von Einfluss, den man hat; es ist eine verkörperte Erfahrung, handeln, tun, sich bewegen und verändern zu können. Metaphorisches Engagement kann die Möglichkeit bieten, die eigenen Erfahrungen so zu erkunden, dass man spüren kann, dass Veränderung möglich ist. Da die therapierende Person ihrer Klientel das Gefühl vermitteln möchte, das, womit sie außerhalb des Therapieraums ringt, im Griff zu haben, besteht die Hoffnung, dass das Gefühl von Handlungsmacht der Person auch nach Ende der Therapie erhalten bleibt und sich in die Bewältigung des Alltags überträgt.

Schlussfolgerung und Ausblick

Zusammenfassend haben wir in diesem Beitrag einen Vorschlag vorgelegt, Metaphern im systemisch-kollaborativen therapeutischen Kontext als Werkzeuge des Handelns zu sehen. Wir haben für die Sicht argumentiert, dass Metaphern am besten wirken, wenn sie enaktiert werden, und dass explizite Bewegungen oder Darbietungen nicht der einzige Weg sind, Metaphern zu enaktieren. Metaphern können auch im Dialog enaktiert und gemeinsam erkundet werden. Da systemisch-kollaborativ arbeitende Therapierende das Ziel verfolgen, der Klientel neue Erfahrungen zu ermöglichen, sind Metaphern für sie nützliche Ressourcen, wenn sie mit Handlungswörtern enaktiert werden. Das Enaktieren von Metaphern ermöglicht es, bei der Klientel neue Perspektiven und ein Gefühl von Handlungsmacht hervorzubringen, weil die therapierende Person die Metapher dynamisch mit ihrem Gegenüber ko-konstruiert und Handlungswörter nutzt, um gemeinsam neue Bedeutungen zu schaffen. Unsere Antwort auf die Frage „Was macht Metaphern zu guten therapeutischen Werkzeugen?“ lautet daher, dass sie mit Handlungswörtern verknüpft werden können, über die sich die Verkörperung und die Handlungsmacht der Klientel erkunden lassen.

Auch wenn unsere Analyse auf dem kollaborativen systemischen Ansatz der Psychotherapie beruht, sind wir überzeugt, dass sich auch andere therapeutische Modelle davon inspirieren lassen können. Eine wichtige Bedingung ist jedoch, dass der Fokus der Therapie nicht auf dem Entdecken oder Offenlegen „feststehender“, „verborgener“ oder „verdrängter“ Bedeutungen liegt, sondern auf der kreativen Ko-Kreation lebbarerer Wirklichkeiten; deshalb profitieren möglicherweise nicht alle Gesprächstherapien von unserer Interventionsstrategie.15

Wir möchten drei praktische Einsichten teilen, die sich aus unserem Vorschlag ergeben. Erstens muss man unserer Ansicht nach nicht mit einer kulturell etablierten Metapher arbeiten: Jedes Wort ist geeignet. Die therapierende Person sollte ein offenes Auge für Wörter haben, die enaktive metaphorische Erkundungen ermöglichen. So lassen sich gerade durch den Gebrauch gewöhnlicher Wörter (wie „Tattoo“ oder „Schild“) und die Erkundung der damit verbundenen Handlungswörter Fortschritte erzielen. Zweitens sind wir uns bewusst, dass die Arbeit mit bestehenden Metaphern mitunter sogar schädlich sein kann, besonders wenn deren wörtliche oder vereinfachende Deutungen von Patientinnen und Patienten oder Therapierenden aufgegriffen werden. So stellen Stilwell et al. (2021) fest, dass der Gebrauch linearer struktureller Metaphern (etwa: Schmerz ist ein „Knoten“, der Körper ist eine „Maschine“ oder jemandem fehle die „Rumpfstabilität“) die Fähigkeit einer Person einschränken kann, ihren Zustand zu verstehen, da er ihr nahelegt, die Ursache ihres anhaltenden Schmerzes sei z. B. „einfach ein Muskelknoten statt einer komplexen Erfahrung“ (p. 6). Daher ist es wichtig, dass die therapierende Person für die Wirkungen sensibel ist, die eine Metapher (und ihre Ko-Konstruktion) auf ihr Gegenüber haben kann. Drittens: Auch wenn es manchmal nützlich ist, die Metapher bis ins Letzte auszuschöpfen, sollte die therapierende Person auch wissen, wann sie loszulassen ist. Sie sollte die Metapher voll ausschöpfen und sie, wenn sie nicht mehr nützlich ist, loslassen, damit sich die Person in Therapie auf neue Erfahrungen auf ihrem weiteren Lebensweg konzentrieren kann. Man sollte nicht an erfolgreichen Metaphern „hängen bleiben“, sondern sie als Werkzeuge sehen. Sobald eine Metapher erfolgreich eingesetzt wurde (ihre Bedeutung mit dem Gegenüber ko-konstruiert wurde und es ihm ermöglicht hat, eine neue Perspektive zu finden), sollte sie beiseitegelegt werden, damit sie die Person auf ihrem weiteren Weg nicht einengt.16

Wir können daher die Rolle von Metaphern in unserem Vorschlag weiter hinterfragen. Wenn es der Gebrauch von Handlungswörtern ist, der die relevante Veränderung bewirkt, warum wenden wir Handlungswörter dann nicht einfach auf beliebige Wörter an statt auf Metaphern? Könnten wir uns nicht einfach darauf konzentrieren, viele Handlungswörter in einen therapeutischen Dialog einzuführen, oder Handlungswörter auf Diagnosebegriffe anwenden, ohne zuerst eine Metapher zu finden? Was ist das Besondere am Enaktieren von Metaphern?

Um diese Frage zu beantworten, ist es wiederum nützlich, sich an die verkörperten Qualitäten von Metaphern zu erinnern, wie sie aus der EEC-Perspektive erörtert wurden. Erstens haben Metaphern verkörperte Wurzeln, die erkundet werden können. Sie ermöglichen es, über multisensorische Aspekte unserer Erfahrungen zu sprechen (Abrahamson, 2020). Sind die verkörperten Wurzeln und sensorischen Aspekte von Metaphern einmal entdeckt, ist es leichter, Handlungswörter zu finden, um diese Metaphern weiter zu erkunden. Zweitens verweisen Metaphern auf ein Netz von Bedeutungen. Sie können Assoziationen auslösen, die in verschiedenen Kontexten entstanden sind, und erlauben es uns, sie auf einen gegenwärtigen Kontext anzuwenden. So sind etwa die Ursprungsobjekte von Metaphern (Harnisch und Tattoo) in verschiedene Praktiken und Tätigkeiten eingebettet (Literatur, Filme oder Alltag), was es ermöglicht, auf neue Weise über das Ziel zu sprechen: Die therapierende Person kann auf unsere gemeinsamen Erfahrungen und kulturellen Narrative rund um Schilde und Tattoos zurückgreifen, um relevante Handlungswörter zu finden, mit denen sich das Gespräch voranbringen lässt. Metaphern helfen der therapierenden Person dadurch, den Dialog zu erschließen und viele Handlungswörter zu finden, um das Gesprächsthema zu vertiefen. Schließlich wirken manche Metaphern womöglich besser als gewöhnliche Wörter, weil sie konkrete sensomotorische Visualisierungen ermöglichen. So kann eine systemisch arbeitende therapierende Person im therapeutischen Dialog ihr Gegenüber einladen, eine Aussage in ein Bild umzuwandeln, und dessen Aufmerksamkeit auf die impliziten phänomenologischen Modalitäten lenken (somatisch, propriozeptiv und kinästhetisch).17 Nehmen wir als Beispiel die Wörter „hilflos“ und „machtlos“ (Fondelli and Rucińska, 2021). Obwohl sie in einem Gespräch austauschbar erscheinen, lassen uns diese Wörter vorstellen, in unterschiedlichen Situationen zu sein. Hilflos zu sein lässt sich vorstellen als ohne jemanden in der Nähe zu sein, auf den man sich verlassen kann (in der Vorstellung ist man allein). Machtlos zu sein lässt sich vorstellen als nicht in der Lage zu sein, jemanden zu beeinflussen, der da ist (in der Vorstellung ist man nicht allein). Diese Vorstellungen laden wiederum zu unterschiedlichen Handlungswörtern ein. Sobald man sich also vergegenwärtigt, wie der Körper in diesen Beziehungen platziert ist, können neue Handlungswörter mit neuen Handlungsmöglichkeiten entstehen. Die enaktive Konzeption der Vorstellung, nach der Vorstellungen tief in körperlichen Erfahrungen und Affekten verwurzelt sind (Rucińska and Gallagher, 2021), kann weiter klären, wie mit dem Vorstellen neue körperliche Erfahrungen entstehen können.

Um es zu wiederholen: Unserer Ansicht nach ist es nicht das, was die Metapher sagt, sondern das, was man mit der Metapher tun kann, um ein Gefühl von Handlungsmacht hervorzubringen, was die Metapher wirken lässt. Wie wir die ganze Zeit betont haben, können sich die Bedeutungen von Metaphern in verschiedenen Kontexten und Interaktionen mit dem Gebrauch verändern.

Complexe Systémique: das Wichtigste

Der Beitrag verschiebt eine Frage, die sich die klinische Praxis oft stellt: Sollte man nach der „richtigen“ Metapher suchen? Nein, antworten Rucińska und Fondelli: Eine Metapher ist so viel wert wie das, was zwei Menschen mit ihr tun. Andys Harnisch wird zu einer Rüstung, die man anlegt, Stück für Stück ablegt, an die Garderobe hängt; Bens Tattoo wird zu einer Geschichte, deren Farben und Sichtbarkeit man wählen kann. Jedes Verb verwandelt ein statisches Bild in eine Handlungsmöglichkeit und eine Opferposition in eine Erfahrung von Handlungsmacht. Man erkennt die Haltung des Nicht-Wissens von Anderson und Goolishian wieder, aber auch eine alte Intuition aus Palo Alto: Einsicht genügt nicht, im Austausch muss etwas geschehen. Für die Praxis drei konkrete Orientierungspunkte: von den eigenen Worten der Person ausgehen, auch von ganz gewöhnlichen; niemanden in eine strukturelle Metapher einschließen („der Körper ist eine Maschine“); wissen, wann man die Metapher loslässt, sobald sie ihre Arbeit getan hat. Grenzen: nur zwei Vignetten, ohne Analyse längerfristiger Wirkungen, und ein Fall von Selbstverletzung, der auch eine Risikoeinschätzung erfordert, auf die der Beitrag nicht eingeht. Lesenswert dazu der Beitrag über die Kraft von Metaphern in der Paartherapie und der Beitrag über den Weg von der Expertenintervention zum kollaborativen Gespräch.

Anmerkungen des Originals

1Wir danken der anonymen begutachtenden Person für die hilfreiche Formulierung.

2So betonte etwa Jackson (1957), wie wichtig es ist, auf die analogen Aspekte der Kommunikation wie Atem, Tonfall und Körperbewegungen zu achten; Satir et al. (1991) betonten die Bedeutung des „Erlebens“ in therapeutischen Gesprächen und luden Familienmitglieder ein, ihre Beziehungen mit ihren Körpern zu skulpturieren. Und in jüngerer Zeit heben Wilson et al. (2020) hervor, dass es in der systemischen Therapie in erster Linie um Enactment geht, also um eine Darbietung, die zwischen allen Beteiligten entsteht.

3Bertrando und Gilli (2008) stellen fest, dass eine Lücke besteht zwischen dem Fokus der systemischen Theorie auf Sprache und Geschichten einerseits und der systemischen Praxis mit ihrer Aufmerksamkeit für die Wirkung dieser Geschichten auf die körperlichen Erfahrungen der Klientel andererseits. Sie beschreiben, wie der enge Fokus auf Sprache und Dialog in der systemischen Theoriebildung und ihre „zunehmende Tendenz (…), Worte und Narration zu betonen und dabei die Relevanz körperlicher Interaktion zu verdecken“ (Bertrando and Gilli, 2008, p. 368), zur Entstehung sogenannter „entkörperter Dialoge“ geführt haben: Dialoge, die sich so sehr auf den Inhalt des Gesagten konzentrieren, dass sie verkörperte Erfahrungen und nonverbale Interaktionen zu wenig beachten.

4Wir halten fest, dass unsere Einsichten über Metaphern unserer Ansicht nach nicht nur für die systemisch-kollaborative Therapie gelten und auch auf andere Therapien angewendet werden könnten; es gibt jedoch zwei Hauptgründe, weshalb wir bei der systemisch-kollaborativen Therapie bleiben. Erstens ist der systemische therapeutische Kontext ein geeigneterer Kontext für das Enaktieren von Metaphern, da wir in der systemischen Therapie Metaphern nicht verwenden, um Bedeutungen aufzudecken, sondern um sie zu schaffen. Zweitens kann das Enaktieren von Metaphern in typischen Gesprächstherapien, in denen der Fokus nach wie vor auf dem „Aufdecken von Bedeutungen“ liegt, Ergebnisse hervorbringen, die denen entgegengesetzt sind, die wir aus unserer Perspektive für förderlich halten. Wir kommen weiter unten darauf zurück.

5In diesem Beitrag stützen wir uns nicht auf die technische Unterscheidung zwischen Metapher, Vergleich und Analogie. Diese Unterscheidungen sind für unsere Argumentation nicht relevant: Selbst wenn sich herausstellen sollte, dass es in einigen unserer Beispiele stricte nicht um Metaphern geht, sondern diese sprachwissenschaftlich als Vergleiche oder Analogien einzuordnen wären, sind unsere Einsichten für therapeutische Kontexte ebenso relevant.

6Der Kontext, den sie betrachten, ist ein Als-ob-Spiel, in dem man so tut, als sei man ein Meteor, um etwas über dessen Flugbahnen und die damit verbundenen physikalischen Begriffe zu lernen. Sie beschreiben ein Experiment, in dem Kinder etwas über die Flugbahnen von Meteoren lernten, indem sie sie im Als-ob „verkörperten“, etwa durch Laufen und Springen und durch explizite Navigation im Raum um sie herum. Im Kontext des Spiels hatte das Laufen der Kinder einen metaphorischen Charakter, da es die Bewegung des Meteors enaktierte. Das Als-ob-Spiel beinhaltet eine metaphorische Transformation, bei der man so handelt, als ob eine Sache eine andere wäre, und genau in diesem Handeln ist die Banane (Ziel) ein Telefon (Quelle).

7So wird etwa die Fähigkeit, Ähnlichkeiten zwischen zwei verschiedenen Objekten zu erkennen, von Norbury (2005) als „ein komplexer Entwicklungsprozess“ beschrieben, „der den Erwerb einer Reihe von Fähigkeiten erfordert, [etwa] hinreichend breiter semantischer Repräsentationen, um den angestellten Vergleich zu erfassen“ (p. 384). Norbury ist der Auffassung, dass die Entscheidung, in welcher Hinsicht zwei Objekte einander ähneln, ein gedankliches Durchgehen der Abbildungen vom Ursprungs- auf den Zielbereich unter Einsatz „analogischer Denkfähigkeiten“ erfordert (2005, p. 385).

8„Im Kern der Metapher steht die direkte Aufnahme eines (die Resonanz auf ein) invarianten Musters in einer Informationsanordnung, die sowohl für das Thema als auch für das Vehikel spezifisch ist (etwa bei Blumen und Feuerwerk Invarianten, die eine fortschreitende Ausdehnung von einem Mittelpunkt aus spezifizieren). Auf diese Weise beruht die Metapher, wie andere Formen des Erkennens, auf einem grundlegend wahrnehmungsbezogenen Prozess“ (Szokolszky, 2006, p. 87).

9Eine so weite Charakterisierung der Simulation verpflichtet nicht auf die repräsentationale Simulationstheorie.

10Wie Kompa erörtert, „gibt es fMRT-Studien, die zeigen, dass die Verarbeitung von Verben, die mit der Hand (pflücken, greifen), dem Fuß (treten) oder dem Mund (lecken) ausgeführte Handlungen bezeichnen, eine Aktivierung im motorischen (und prämotorischen) Kortex hervorruft (und zwar somatotopisch organisiert)“ (2017, p. 197).

11So könnte ein therapeutischer Kontext eine andere Art von Metaphern erfordern als das Erlernen einer Fertigkeit; zu Letzterem siehe Abrahamson (2020).

12Sie geben das Beispiel „langer, ausholender Bewegungen von links nach rechts und wieder zurück“ (p. 19), um den Begriff einer „Brücke“ zu enaktieren.

13„Diese Metaphern wurden durch die Interaktion zwischen Behandelnden und Behandelten enaktiv; wir beobachteten, wie sich dynamische Sinnbildung zwischen beiden Seiten entfaltete, wenn die Behandelnden an den Stellen des Rückens, an denen Schmerzen bestanden, sowie in den umliegenden Bereichen die Behandelten berührten. Während die Behandelnden manuellen Druck auf das Gewebe ausübten, wurden die Behandelten darauf aufmerksam gemacht, wenn die Muskeln von den Behandelnden als verknotet, verspannt oder strangartig wahrgenommen wurden“ (Stilwell et al., 2021, p. 239, Hervorhebung hinzugefügt).

14Wir danken der anonymen begutachtenden Person für die hilfreiche Formulierung.

15So kann das Enaktieren von Metaphern in Therapien, in denen der Fokus nach wie vor auf dem „Aufdecken von Bedeutungen“ liegt, Ergebnisse hervorbringen, die denen entgegengesetzt sind, die wir bei dieser Interventionsmethode für förderlich halten (nämlich das Hervorbringen eines Gefühls von Handlungsmacht bei der Person in Therapie). So ist es etwa möglich, Metaphern zu enaktieren, indem man sich auf damit verbundene Handlungswörter konzentriert, um weitere „verborgene Wahrheiten“ über eine Person aufzudecken. Man täte dies, indem man sich auf Handlungswörter konzentriert, die das ursprüngliche Verständnis der Metapher vertiefen (z. B. indem man sich auf die Schwere des Tragens eines „Harnischs“ konzentriert). Das würde die Person jedoch nur in den alten Bedeutungen bestärken (z. B. der Harnisch als Repräsentation des Gewichts des Mobbings) und ihr keine neuen Perspektiven eröffnen, die letztlich den Mehrwert unseres Ansatzes ausmachen.

16Man betrachte eine nützliche Analogie von Abrahamson (2020) dazu, wie eine Cellolehrkraft die Metapher „greif es wie eine Erdbeere“ verwendet, um zu vermitteln, wie der Griff der lernenden Person sein sollte (sanft, als hätte man Angst, eine Erdbeere zu zerdrücken). Sobald die lernende Person den Griff erlernt hat, um für sich einen musikalischen Fluss zu finden, hat die Metapher ihren Zweck erfüllt und sollte losgelassen werden. Die lernende Person sollte beim Spielen nicht mehr an die Metapher der Erdbeere denken, sondern sich auf die neuen musikalischen Erfahrungen und die Affordanzen zum Spielen konzentrieren, die die Beherrschung des Griffs ermöglicht hat.

17Nach Abrahamson (2020) liegen das Verstehen von Metaphern und die Fähigkeit, aus Metaphern zu lernen, im Hervortreten „mehrerer Sinnesmodalitäten, die stillschweigend [im Enaktieren der Metapher] hervorspringen, darunter die visuelle, auditive, kinästhetische, propriozeptive und somatische“ (p. 216).

Ethikerklärung. Gemäß der örtlichen Gesetzgebung und den institutionellen Vorgaben war für die Studie mit menschlichen Teilnehmenden keine ethische Begutachtung und Genehmigung erforderlich. Von den an der therapeutischen Begegnung beteiligten Personen und ihren gesetzlichen Vertretungen bzw. nächsten Angehörigen wurde eine Einwilligung nach Aufklärung zur Veröffentlichung aller in diesem Artikel enthaltenen potenziell identifizierenden Bilder oder Daten eingeholt.

Beiträge der Verfassenden. Alle aufgeführten Verfassenden haben einen wesentlichen, direkten und intellektuellen Beitrag zur Arbeit geleistet und deren Veröffentlichung zugestimmt.

Förderung. Diese Arbeit wurde durch die Förderung „Enactive Approach to Pretending“ (12J0419N) der Research Foundation – Flanders (FWO) ermöglicht.

Interessenkonflikt. Die Verfassenden erklären, dass die Forschung ohne kommerzielle oder finanzielle Beziehungen durchgeführt wurde, die als potenzieller Interessenkonflikt ausgelegt werden könnten.

Anmerkung des Verlags. Alle in diesem Artikel geäußerten Aussagen sind ausschließlich die der Verfassenden und geben nicht notwendigerweise die ihrer angeschlossenen Organisationen oder die des Verlags, der Herausgebenden und der Begutachtenden wieder. Für Produkte, die in diesem Artikel bewertet werden, oder für Angaben ihrer Hersteller übernimmt der Verlag keine Gewähr und keine Billigung.

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Inoffizielle deutsche Übersetzung von Enacting Metaphors in Systemic Collaborative Therapy von Zuzanna Rucińska und Thomas Fondelli, Frontiers in Psychology, Bd. 13 (2022), doi: 10.3389/fpsyg.2022.867235, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzung und Satz: Complexe Systémique, Oktober 2026, mit Unterstützung künstlicher Intelligenz; das Werk wurde im Sinne der Lizenz bearbeitet. Diese Übersetzung stammt weder von den Verfassenden noch vom Verlag, die weder für ihren Inhalt noch für etwaige Fehler verantwortlich sind. Maßgeblich ist die Originalfassung.

Inoffizielle Übersetzung des Originalartikels „Enacting Metaphors in Systemic Collaborative Therapy“, erschienen in Frontiers in Psychology (2022) unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzung ins Deutsche durch Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz, wie am Anfang dieser Seite angegeben; maßgeblich ist die Originalfassung.

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Rucińska, Z., und Fondelli, T. (2022). Enacting Metaphors in Systemic Collaborative Therapy. Complexe Systémique. https://app.complexe-systemique.com/en_GB/articles/enacting-metaphors-in-systemic-collaborative-therapy (Originalwerk erschienen 2022 in Frontiers in Psychology, 13, 867235 (2022); 2022 erneut veröffentlicht von Frontiers in Psychology, https://www.frontiersin.org/journals/psychology/articles/10.3389/fpsyg.2022.867235/full)

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