KI-gestützte Übersetzung

Diese Fassung wurde von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz aus dem Englischen übersetzt. Im Zweifelsfall ist die Originalfassung maßgeblich.

Journal of Solution-Focused Brief Therapy · Theorie und Forschung

Theoretische und empirische Grundlagen der Ko-Konstruktion von Bedeutung im Dialog

de Shazer (1991) führte eine poststrukturalistische Sicht auf Sprache in der Therapie ein, der zufolge die soziale Interaktion der Beteiligten die Bedeutung der Wörter bestimmt, die sie verwenden. Umfassendere Theorien der sozialen Konstruktion sind ähnlich, lassen aber Einzelheiten zur Rolle der Sprache vermissen. Dieser Artikel konzentriert sich auf die beobachtbaren Details der Ko-Konstruktion von Bedeutung im Dialog. Die psycholinguistische Forschung hat experimentelle Belege dafür geliefert, wie Sprechende und die von ihnen angesprochenen Personen ihre Dialoge gemeinsam ko-konstruieren. Wir stellen mehrere Experimente vor, die den Einfluss und die Bedeutung der angesprochenen Person für die Gestaltung dessen gezeigt haben, was die sprechende Person sagt. Auf dieser Forschung aufbauend, beschreiben wir eine dreischrittige Grounding-Sequenz, die sich von Moment zu Moment vollzieht: Die sprechende Person präsentiert eine Information, die angesprochene Person zeigt, dass sie verstanden hat, und die sprechende Person bestätigt dieses Verständnis. Wir schlagen vor, dass dieses Mikromuster und seine Varianten der beobachtbare Prozess sind, durch den die Beteiligten eines Dialogs gemeinsame Bedeutungen aushandeln und ko-konstruieren.

Verfassende Janet Beavin Bavelas (University of Victoria), Peter De Jong (Grand Rapids, MI), Sara Smock Jordan (Texas Tech University), Harry Korman (SIKT, Malmö, Schweden)Erstveröffentlichung Journal of Solution-Focused Brief Therapy, Bd. 1, Nr. 2, 2014Übersetzung Complexe Systémique, inoffizielle KI-gestützte Übersetzung

Inoffizielle deutsche Übersetzung von The Theoretical and Research Basis of Co-Constructing Meaning in Dialogue von Janet Beavin Bavelas, Peter De Jong, Sara Smock Jordan und Harry Korman, erschienen in Journal of Solution-Focused Brief Therapy, Bd. 1, Nr. 2 (2014), doi: 10.59874/001c.75100, unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique im Oktober 2026 mit Unterstützung künstlicher Intelligenz: Der Originaltext wurde ins Deutsche übersetzt und neu gesetzt, was eine Bearbeitung des Werks im Sinne der Lizenz darstellt. Für die Online-Lektüre wurden Zwischenüberschriften ergänzt. Diese Übersetzung stammt weder von den Verfassenden noch vom Verlag, die weder für ihren Inhalt noch für etwaige Fehler verantwortlich sind. Maßgeblich ist die Originalfassung.

Eine Zweitmeinung

Eine der verfassenden Personen empfing kürzlich einen jungen Mann, der sich eine Zweitmeinung einholen wollte. In der Sitzung sagte er, er sei „mein ganzes Leben lang ängstlich“ gewesen und habe früher gedacht, das sei „ein Persönlichkeitsmerkmal“, mit dem er leben müsse. Vor Kurzem war er in ärztlicher Behandlung gewesen: Man hatte bei ihm eine „generalisierte Angststörung“ diagnostiziert und ihm gesagt, es gebe Medikamente (SSRI), die ihn „heilen“ würden, die „immer wirken“ und „keine Nebenwirkungen haben“. Der Klient fuhr fort, er habe Zweifel an SSRI, weil er Bekannte habe, die sie einnähmen und mit ihrer therapeutischen Wirksamkeit oder ihren Nebenwirkungen nicht so zufrieden seien; daher seine Entscheidung, eine Zweitmeinung einzuholen.

Er beantwortete die Wunderfrage mit vielen Details darüber, wie er fühlen, denken, handeln und mit anderen umgehen würde, wenn über Nacht, während er schlief, ein Wunder geschehen wäre, das das Problem gelöst hätte. Als er nach Momenten gefragt wurde, in denen Teile des Wunders bereits geschahen, nannte er kleine Teile, die derzeit geschahen, und größere Teile, die vor zwei Jahren über ganze Monate hinweg geschehen waren. In der Pause bereitete die therapeutische Fachkraft folgende Rückmeldung für ihn vor:

Ich glaube, ich verstehe, dass die Dinge sehr, sehr lange Zeit wirklich, wirklich schwer waren. [Der Klient nickt.] Ich glaube allerdings nicht, dass eine generalisierte Angststörung zu dem passt, was ich heute hier von dir höre und sehe. Du bist nachdenklich und reflektiert, hell wie ein Licht, und du hast eine so hohe Beziehungsintensität. Du hast auch ein sehr klares Bild davon, wie du in der Welt sein willst. [Der Klient nickt wieder.] Und dann hast du dieses breite emotionale Register. [Der Klient nickt.] Ein solcher Mensch zu sein, hat seinen Preis.

Er nickte ernst und sagte: „Ja. Es wäre einfacher gewesen, beschränkt und glücklich zu sein.“ Die therapeutische Fachkraft antwortete „ja“, und beide brachen in Gelächter aus.

Lösungsorientiert arbeitende Fachkräfte werden die Bedeutung dessen, was in diesem Gespräch geschah, sofort erkennen. Wie die therapeutische Fachkraft wissen sie, wenn sie hören, wie sich die Sprache des Klienten von „mein ganzes Leben lang ängstlich“ und „generalisierte Angststörung“ zu „es wäre einfacher gewesen, beschränkt und glücklich zu sein“ (lachend) verschiebt, dass etwas potenziell Wichtiges und Hoffnungsvolleres geschieht:

Wir sind zu der Auffassung gelangt, dass die Bedeutungen, zu denen man in einem therapeutischen Gespräch gelangt, durch einen Prozess entstehen, der eher einer Aushandlung gleicht als der Entwicklung eines Verständnisses oder der Aufdeckung dessen, was „wirklich“ vor sich geht.

Berg & de Shazer, 1993, S. 7

Strukturalistische und poststrukturalistische Sichtweisen der Sprache

Vor allem Steve de Shazer verdanken wir es, auf die therapeutische Bedeutung aufmerksam geworden zu sein, die es hat, wenn Klientinnen und Klienten ihre Sprache über sich selbst und ihre Situation verändern. Mitte der 1980er-Jahre hatten er und sein Team am Brief Family Therapy Center Techniken entwickelt (z. B. Ausnahmefragen, die Wunderfrage, Skalierungen), um gemeinsam mit den Ratsuchenden Lösungen zu konstruieren, statt ihre Probleme zu lösen. Damals begann er zu beobachten, dass die alten Arten, über Therapie zu sprechen, nicht mehr funktionierten, und, wie er später sagte, es wurde notwendig, neue Wege zu finden, um zu beschreiben und zu analysieren, was Ratsuchende und Fachleute im Therapieraum tun (de Shazer, 1991, S. xiii–ix). Er betonte, dass Therapie durch sprachliche Interaktion vollzogen wird – eine offensichtliche Tatsache, die das Feld der Psychotherapie, wie er meinte, weitgehend ignoriert hatte –, und begann, auf die Ideen mehrerer Philosophen und Sprachwissenschaftler zurückzugreifen, darunter Bakhtin (1981), Berger und Luckman (1966), Derrida (1978, 1981), Lyotard (1984) und vor allem Wittgenstein (1958), um eine nützlichere Beschreibung dessen zu schaffen, was in der Therapie geschieht. Er baute diese neue Beschreibung um die Unterscheidung zwischen einer strukturalistischen und einer poststrukturalistischen Sicht der Sprache herum auf (de Shazer & Berg, 1992; de Shazer, 1991, 1994).

Nach der strukturalistischen Sicht der Sprache (Chomsky, 1968; Saussure, 1959) sind die in einem Gespräch verwendeten Wörter (die sogenannte Oberflächenstruktur) Repräsentationen zugrunde liegender, wahrer Bedeutungen (Tiefenstruktur), die sich – so die Annahme – für jedes Wort ermitteln lassen (de Shazer & Berg, 1992; Harland, 1987). In dieser Denkweise haben die Worte der Ratsuchenden wesenhafte, erkennbare Bedeutungen, die Therapierende durch ihre fachkundige Diagnostik und Bewertung aufdecken können. Kommt beispielsweise in strukturalistischer Sicht jemand in die Praxis und sagt: „Ich bin depressiv“, sollte die therapeutische Fachkraft eine professionelle Diagnostik durchführen und Fragen stellen, um das Vorliegen und den Schweregrad eines bestimmten klinischen Zustands namens „Depression“ aufzudecken.

Der Poststrukturalismus dagegen verortet die Bedeutungen von Wörtern in bestimmten Interaktionskontexten. Statt als stabil und unter der Oberfläche liegend betrachtet zu werden, entstehen die Bedeutungen von Wörtern also auf der Oberflächenebene des Gesprächs und sind „durch soziale Interaktion und Aushandlung“ erkennbar (de Shazer, 1991, S. 45). In dieser Sicht verschieben sich die Bedeutungen und Beschreibungen, die der Klient aus unserer Einleitung seinen Erfahrungen zuschrieb, von „die ganze Zeit ängstlich“ und vielleicht einer „generalisierten Angststörung“ hin zu „es wäre einfacher, beschränkt und glücklich zu sein“. Diese Bedeutungen können sich durch weiteren therapeutischen Dialog noch weiter verschieben, ebenso durch das, was er mit seinem neuen Selbstverständnis macht, wenn er den Therapieraum verlässt.

de Shazer nannte seine poststrukturalistische Sicht darauf, wie Wörter in der Therapie wirken, interaktionellen Konstruktivismus (1991, S. 48). Er schlug vor, „wir müssen betrachten, wie wir die Welt in unserer Sprache geordnet haben und wie unsere Sprache … unsere Welt geordnet hat“ (1994, S. 9). Die Implikation, dass wir unsere Welt mit Sprache neu ordnen können, veranschaulichten de Shazer und Berg (1992; de Shazer, 1991) an einem Fall, in dem die Therapeutin (Berg) und das Paar die Bedeutung des Zustands der Ehefrau und des Problems des Paares aushandelten – von einer anfänglichen Beschreibung als „Nymphomanie“ (das Wort der Ehefrau) hin zu „eher ein Schlafproblem von uns beiden“ (die Worte des Ehemanns, die die Ehefrau annahm). Die Bedeutungsverschiebung scheint für das Paar hilfreich gewesen zu sein, denn zwei Wochen später schickte die Frau der Therapeutin eine Nachricht, in der sie schrieb, ihre „Schlafmuster und ihre Libido“ hätten sich normalisiert und weitere Therapie sei nicht nötig (de Shazer, 1991, S. 67). Dieser Fall, so de Shazer, habe ihn und sein Team davon überzeugt, dass sie neue Wege entwickeln mussten, um zu beschreiben und zu analysieren, was in der Therapie geschieht.

Sozialer Konstruktionismus

De Shazers interaktioneller Konstruktivismus kommt in seiner Bedeutung dem Begriff sehr nahe, der in Psychologie und Soziologie allgemeiner verwendet wird, nämlich dem sozialen Konstruktionismus. Insbesondere Kenneth Gergen (1985, 1999, 2009) hat ausführlich über soziale Konstruktion in der Psychologie geschrieben. Gergen bezeichnet mit dem Begriff die Annahme, dass Menschen durch ihre sozialen und sprachlichen Interaktionen fortlaufend die Bedeutungen erschaffen und umarbeiten, die ihr Leben beeinflussen. Er betrachtet den Ansatz der kollaborativen Sprachsysteme (Anderson & Goolishian, 1992; Anderson, 1997; Hoffman, 1990), die narrative Therapie (White & Epston, 1990), den Ansatz des reflektierenden Teams (Andersen, 1991), die lösungsfokussierte Kurzzeittherapie und die lösungsorientierte Therapie (O’Hanlon & Weiner Davis, 1989) als Beispiele des sozialen Konstruktionismus, in denen im therapeutischen Dialog zwischen Therapierenden und Klientel neue, hoffnungsvolle Möglichkeiten ko-konstruiert werden.

Laut Gergen (2009) unterscheiden sich die Praktiken dieser sozialkonstruktionistischen Therapien in zweierlei Hinsicht von anderen im Feld. Erstens zeigen sie keinerlei Interesse daran, persönliche oder zwischenmenschliche Probleme der Ratsuchenden zu kategorisieren oder die Ursachen von Problemen herauszufinden. Nichts davon gilt als hilfreicher Weg, therapeutische Veränderung zu fördern. Ein zweiter Unterschied liegt in der Haltung der therapeutischen Fachkraft gegenüber der ratsuchenden Person. Die therapeutische Fachkraft ist keine getrennte, neutrale Begutachtungsinstanz für objektiv erkennbare Probleme. Sie ist vielmehr (in der Terminologie von Anderson & Goolishian, 1992) bewusst ein „nicht-wissendes“, kollaboratives Gegenüber, das sich fortwährend von der Sprache der ratsuchenden Person und ihrer Expertise für die eigene Situation informieren lässt und sie einlädt, an einem Dialog teilzunehmen, der neue Bedeutungen ko-konstruiert, die das zufriedenstellendere und produktivere Leben hervorbringen, das sie anstrebt. Ein zentrales Konzept des sozialen Konstruktionismus und dieser konstruktionistischen Therapien ist folglich der Prozess der Ko-Konstruktion neuer Bedeutungen im therapeutischen Dialog.

Bemerkenswert ist, dass der Prozess der Ko-Konstruktion zwar zentral für den sozialen Konstruktionismus ist, aber ein breites theoretisches Konzept geblieben ist, das nicht spezifisch an den Dialog gebunden ist. Wie wir an anderer Stelle festgestellt haben (De Jong, Bavelas, & Korman, 2013, S. 19), sind die angenommenen Ergebnisse der Ko-Konstruktion ebenso abstrakt wie der Begriff der sozialen Konstruktion selbst. So haben verschiedene Psychotherapietheorien vorgeschlagen, dass Ko-Konstruktion zu neuen subjektiven Bedeutungen, Verständnissen, Wirklichkeiten des Alltagslebens, Wissen, narrativen Wirklichkeiten, die Machtverhältnisse widerspiegeln, dem Selbst und vielen anderen breiten Bedeutungskategorien führt (Anderson & Goolishian, 1992; Berger & Luckmann, 1966; Gergen, 2009; Hoffman, 1990; White & Epston, 1990). Dies sind jedoch verdinglichte Endprodukte ohne Beschreibung des Prozesses. Kurz gesagt: Die Beschreibung der Ko-Konstruktion in der Literatur ist abstrakt geblieben. Um diese Sichtweise weiterzuentwickeln, müssen wir das Ko-Konstruieren als Tätigkeit untersuchen, statt es als Ko-Konstruktion zu abstrahieren.

Ziel dieses Beitrags ist es, das Ko-Konstruieren konkret und beobachtbar zu machen, das heißt, ein empirisch fundiertes Verständnis davon zu entwickeln, wie Ko-Konstruieren (als Verb) in therapeutischen Dialogen geschieht. Dazu wenden wir uns zunächst einem Bereich der psycholinguistischen Literatur zu, in dem die Forschung gezeigt hat, wie die Beteiligten eines Face-to-Face-Dialogs zusammenarbeiten, um gemeinsame Bedeutungen zu schaffen – genau wie de Shazer (1991, 1994) und Gergen (1985, 1999, 2009) es vorgeschlagen haben. Nachdem wir diese Forschung zusammengefasst haben, schlagen wir ein Mikromodell eines beobachtbaren Prozesses vor, durch den die Beteiligten eines Face-to-Face-Dialogs zusammenarbeiten, um gemeinsame und neue Bedeutungen zu ko-konstruieren. Abschließend erörtern wir die Implikationen unseres Modells für das Feld der Psychotherapie und zeigen sinnvolle Richtungen für empirische Forschung auf, die das Modell weiter belegen kann.

Experimentelle Belege für das Ko-Konstruieren in Dialogen

Derselbe Paradigmenwechsel in zwei verschiedenen Feldern

Wie oben dargelegt, ist die traditionelle und vorherrschende Sicht darauf, wie Sprache in der Therapie funktioniert, die strukturalistische Sicht, in der Sprache Bedeutungen aus dem Kopf einer Person in den Kopf einer anderen überträgt. Wir haben uns anderen angeschlossen, darunter Berg, de Shazer und Gergen, die eine alternative und scharf kontrastierende Sicht vorschlagen, nämlich dass Menschen im Dialog – auch in Therapie und Beratung – Bedeutungen gemeinsam ko-konstruieren. Diese Position impliziert, dass man, um zu verstehen, wie Therapie wirkt, den Fokus auf den interaktiven Prozess des Ko-Konstruierens richten muss.

In der experimentellen Psycholinguistik schlugen auch Clark und sein Team (z. B. Clark, 1992, 1996) eine alternative Sicht des Dialogs vor. Sie nannten die traditionelle und vorherrschende Sicht eine autonome Sicht, in der die sprechende Person die Sprache wählt, die ihre Bedeutung am besten vermittelt, und sie an eine empfangende Instanz sendet, deren Rolle lediglich darin besteht, diese Bedeutung korrekt zu verstehen. In ihrer alternativen kollaborativen Theorie des Dialogs schlugen Clark und sein Team vor, dass die Beteiligten eines Dialogs von Moment zu Moment zusammenarbeiten, um gemeinsame Bedeutungen zu schaffen. In der kollaborativen Sicht wird Bedeutung durch ihre wechselseitigen Handlungen geschaffen, verändert und aufrechterhalten – eine Sicht, die Theorien der Ko-Konstruktion bemerkenswert ähnlich ist (Bavelas, 2011). Der nächste Abschnitt fasst einige der zentralen Belege aus der experimentellen Psycholinguistik zusammen, die zeigen, dass eine kollaborative Theorie besser vorhersagen kann als eine autonome, was im Dialog geschieht.

Überprüfungen der kollaborativen Theorie

Die autonome Sicht des Sprachgebrauchs erscheint als gesunder Menschenverstand und hat daher eine intuitive Anziehungskraft. Sie hat zu einer Fülle von Forschung über Individuen als Sprechende und Zuhörende geführt und praktisch zu keiner über deren Interaktion. In der autonomen Sicht ist die Interaktion irrelevant, weil eine zuhörende Person im Dialog genauso ist wie jede andere zuhörende Person, etwa ein Publikum oder jemand, der zufällig mithört. Diese Forschungsrichtung konzentriert sich auf die kognitiven Prozesse einer zuhörenden Person, die in der Interaktion als „stumm oder unsichtbar“ behandelt wird (Clark & Wilkes-Gibbs, 1986, S. 3) und keinen Einfluss auf die sprechende Person hat.

Demgegenüber wiesen Schober und Clark (1989) darauf hin, dass sich Zuhörende in einem Dialog grundlegend von anderen Arten des Zuhörens außerhalb eines Dialogs unterscheiden. Die zuhörende Person in einem Dialog ist eine angesprochene Person, das heißt das einzigartige Individuum, an das sich die sprechende Person wendet und für das sie gestaltet, was sie sagt. Die angesprochene Person hat das Recht – und die Verantwortung –, Verständnis anzuzeigen und bei Bedarf zu helfen. Dadurch hat sie erheblichen Einfluss sowohl darauf, was die sprechende Person sagt, als auch darauf, wie sie es sagt: „Sprechende und Angesprochene gehen über … autonome Handlungen hinaus und arbeiten von Moment zu Moment zusammen, um sicherzustellen, dass das Gesagte auch verstanden wird“ (Schober & Clark, 1989, S. 211). Die folgenden Experimente konzentrierten sich auf den Einfluss der angesprochenen Person auf den Dialog.

Clark und Wilkes-Gibbs (1986)

In diesem Experiment hatten die sprechende und die angesprochene Person, die durch eine Trennwand voneinander getrennt waren, denselben Satz von 12 Karten. Jede Karte zeigte eine abstrakte geometrische Figur („Tangram-Figur“). Wie in Abbildung 1 zu sehen ist, haben diese Figuren keine festen Namen und lassen sich daher auf sehr unterschiedliche Weise beschreiben. Die Karten der sprechenden Person lagen in einer bestimmten Reihenfolge, die der angesprochenen Person in zufälliger Reihenfolge. Die Aufgabe der sprechenden Person bestand darin, der angesprochenen Person die richtige Reihenfolge mitzuteilen, in der die Karten zu legen waren. Dies geschah sechsmal, jedes Mal in einer anderen Reihenfolge.

Complexe Systémique · Hinweis zu dieser Ausgabe

Abbildung 1 des Originals – die zwölf Tangram-Figuren – wird hier nicht wiedergegeben. Sie ist im Originalartikel zu sehen.

Das autonome und das kollaborative Modell unterscheiden sich deutlich in ihren Vorhersagen darüber, wie die Paare ihre Aufgabe bewältigen würden. Zur Erinnerung: Im autonomen Modell wählt die sprechende Person die Sprache, die ihre Bedeutung am besten vermittelt, und die Rolle der empfangenden Person besteht darin, diese Bedeutung korrekt zu verstehen. Die sprechende Person hätte also die Führung und würde die beste Art wählen, jede Figur zu beschreiben, indem sie einseitig einen Begriff oder eine Formulierung vorgibt, die beide in den sechs Durchgängen immer dann weiterverwenden könnten, wenn sie sich auf diese bestimmte Figur bezogen. Es zeigte sich jedoch, dass nicht die Sprechenden die Namen bestimmten, die die Paare für diese Figuren verwendeten. Vielmehr entwickelten die sprechende und die zuhörende Person im Verlauf der sechs Durchgänge mit denselben Figuren in unterschiedlicher Reihenfolge gemeinsam Bezeichnungen für jede Figur. Oft war es die angesprochene Person, die eine Bezeichnung einführte, die dann beide übernahmen, wie in diesem Beispiel (adaptiert nach Schober & Clark, 1989, S. 216–217):

Beispiel 1. Durchgang 1, Beschreibung von Nr. 12 in Abbildung 1

  • 1. Sprechende Person: „Dann Nummer 12, ist (lacht) sieht aus wie ein, ein Tänzer oder irgendwas echt Komisches. Ähm, und, hat einen eckigen Kopf, und ähm, da ist so, da ist äh – so ein ähm,“
  • 2. Angesprochene Person: „In welche Richtung ist der Kopf geneigt?“
  • 3. Sprechende Person: „Der Kopf ist, äh – nach links, und dann d– ein Arm könnte so nach oben rechts gehen?“
  • 4. Angesprochene Person: „Mhm.“
  • 5. Sprechende Person: „Und, es ist –“
  • 6. Angesprochene Person: [überlappend] „ein –, ein großes, dickes Bein? Weißt du, welche?“
  • 7. Sprechende Person: [überlappend] „Ja, ein großes, dickes Bein.“
  • 8. Angesprochene Person: „und ein kleines Bein.“
  • 9. Sprechende Person: „Genau.“
  • 10. Angesprochene Person: „Okay.“
  • 11. Sprechende Person: „Okay?“
  • 12. Angesprochene Person: „Ja.“

Sie bezogen sich in mehreren folgenden Durchgängen weiter auf diese Figur, und im letzten Durchgang hatten sie gemeinsam eine Bezeichnung für die Figur geschaffen, die kurz war und nur je einen Redebeitrag erforderte; sie enthielt Merkmale, die jede der beiden Personen vorgeschlagen hatte:

Beispiel 1a. Durchgang 6, dasselbe Paar beschreibt dieselbe Figur

  • 1. Sprechende Person: „Ähm, 12, der Tänzer mit dem großen, dicken Bein?“
  • 2. Angesprochene Person: „Okay.“

Clark und Wilkes-Gibbs stellten fest, dass die durchschnittliche Anzahl der Redebeiträge und die durchschnittliche Länge jedes Redebeitrags über die sechs Durchgänge mit denselben Figuren signifikant abnahmen. Dieser Effekt passt dazu, dass die Paare zusammengearbeitet hatten, um ein gemeinsames Vokabular aufzubauen, mit dem sie sich eindeutig auf jede Figur beziehen konnten. Zwar können wir ihre Zusammenarbeit in Beispielen wie dem obigen sehen, doch bestätigen die Zahlen allein nicht, dass ein kollaborativer Prozess stattgefunden hat; es hätte auch sein können, dass die Sprechenden im Laufe der Zeit einfach besser darin wurden, knappere Informationen zu geben. Das nächste Experiment ging dieser Möglichkeit nach.

Schober und Clark (1989)

Diese Studie verwendete dieselbe Aufgabe mit einem Versuchsplan, der die kollaborative Theorie direkter überprüfte. Es wurden zwei Bedingungen geschaffen, die hinsichtlich der Informationen, die die sprechende Person lieferte, identisch waren, sich aber darin unterschieden, ob Zusammenarbeit möglich war. Zu jedem Paar aus sprechender und angesprochener Person gab es eine dritte Person, ebenfalls hinter einer Trennwand, die alles mithören konnte, was die beiden sagten. Der Unterschied in dieser Studie bestand darin, dass diese dritte Person nicht mit der sprechenden Person interagieren und sich überhaupt nicht äußern durfte. Durch diese Anweisungen entstanden zwei Arten von Zuhörenden derselben sprechenden Person: eine angesprochene Person, die die sprechende Person frei in einen Dialog verwickeln konnte, und eine mithörende Person, die das nicht konnte. Die mithörende Person konnte weder ihr Verständnis klären noch Begriffe vorschlagen, Fragen stellen oder auch nur anzeigen, wann die sprechende Person zur nächsten Figur übergehen konnte. In jeder Triade verfügte die mithörende Person also über genau dieselben Informationen wie die angesprochene Person, hatte aber nicht den Vorteil, mit der sprechenden Person interagieren zu können. Das autonome Modell sagt voraus, dass nur die Qualität der Informationen der sprechenden Person zählen würde. Es zeigte sich jedoch, dass auch die Möglichkeit zur Zusammenarbeit zählte: Die Ergebnisse zeigten, dass die angesprochenen Personen die Figuren signifikant häufiger in die richtige Reihenfolge brachten als die mithörenden Personen mit denselben Informationen.

Isaacs und Clark (1987)

Dieses Experiment zeigte ebenfalls, dass die angesprochene Person einen wichtigen Einfluss hatte, selbst wenn es – anders als bei den Tangram-Figuren – einen korrekten Namen für die Bilder gab, die die sprechende Person beschrieb. Es musste also kein neuer Name gefunden werden. Wie in den beiden eben beschriebenen Experimenten musste die sprechende Person der angesprochenen Person die richtige Reihenfolge einer Reihe von Bildern mitteilen, doch diesmal handelte es sich um Postkarten bekannter Sehenswürdigkeiten in New York City (z. B. das Rockefeller Center, der See im Central Park). Für diese Sehenswürdigkeiten gibt es natürlich Eigennamen, doch Isaacs und Clark (1987) sorgten dafür, dass nicht alle sie kannten, und zwar folgendermaßen: Sie testeten vorab die New-York-Kenntnisse der möglichen Teilnehmenden und unterschieden „Ortskundige“, die dort gelebt hatten und die Stadt gut kannten, von „Ortsunkundigen“, die nie in New York City gewesen waren und die Eigennamen der Sehenswürdigkeiten nicht kannten. Dann bildeten Isaacs und Clark vier mögliche Paarungen von sprechender und angesprochener Person: ortskundig mit ortskundig, ortsunkundig mit ortsunkundig, ortskundig mit ortsunkundig und ortsunkundig mit ortskundig. Wenig überraschend begannen die Paare, in denen beide Personen ortskundig waren, mit den Eigennamen und blieben dabei. Die Paare aus zwei Ortsunkundigen glichen den Paaren, die Tangram-Figuren beschrieben: Sie fanden eine Möglichkeit, ein auffälliges Merkmal jeder Postkarte zu beschreiben (z. B. „das hohe Gebäude mit der dreieckigen Spitze“), und verwendeten ihre vereinbarte Beschreibung.

Man könnte annehmen, dass in den gemischten Paaren eine ortskundige Person, die mit einer ortsunkundigen spricht, die korrekten Begriffe einführen würde und das Paar diese danach verwenden würde – doch das geschah nicht. Die Ergebnisse zeigten überraschenderweise, dass das Fachwissen der sprechenden Person über den korrekten Begriff nicht bestimmte, wie das Paar die Bilder beschrieb. So lernten ortskundige Sprechende rasch, dass ihr ortsunkundiges Gegenüber die Eigennamen nicht erkannte, und ihr Gebrauch dieser Namen nahm über die Durchgänge signifikant ab, während sie dazu übergingen, gemeinsam Beschreibungen zu entwickeln.

Beispiel 2. Die sprechende Person kennt New York City, die angesprochene Person nicht

  • 1. Sprechende Person (ortskundig): „Zehntens das Cidicorp – Citicorp Building?“
  • 2. Angesprochene Person (ortsunkundig): „Ist das das mit dem schrägen Dach?“
  • 3. Sprechende Person (ortskundig): „Ja.“
  • 4. Angesprochene Person (ortsunkundig): „Okay.“ (adaptiert nach Isaacs & Clark, 1987, S. 28)

Waren die Sprechenden hingegen ortsunkundig, verwendeten auch sie signifikant häufiger Eigennamen – weil sie sie von ihrem ortskundigen Gegenüber lernten, das sie oft beiläufig nachlieferte; zum Beispiel:

Beispiel 3. Die sprechende Person kennt New York City nicht, die angesprochene Person schon

  • 1. Sprechende Person (ortsunkundig): „Vierzehn ist der Brunnen mit dem Bogen im Hintergrund.“
  • 2. Angesprochene Person (ortskundig): „Richtig, Washington Square, gut.“ (S. 33)

Sowohl in den Paaren aus ortskundiger und ortsunkundiger als auch in denen aus ortsunkundiger und ortskundiger Person passte sich die sprechende Person, die ja die richtige Reihenfolge kannte, an den Kenntnisstand ihres Gegenübers an. Ortskundige, die mit Ortsunkundigen sprachen, verwendeten Beschreibungen, die nicht „korrekt“ waren, aber funktionierten, und Ortsunkundige, die mit Ortskundigen sprachen, lernten einige der Eigennamen. Es liegt nahe, diese Ergebnisse auf die Art zu übertragen, wie Expertise in verschiedenen therapeutischen Praktiken wirkt: Lernt die ratsuchende Person, über ihr Leben in einer Sprache zu sprechen, die für die therapeutische Fachkraft funktioniert, oder lernt die therapeutische Fachkraft, über das Leben der ratsuchenden Person in deren Sprache zu sprechen? Oder ein wenig von beidem?

Bavelas, Coates und Johnson (2000)

Dieses Experiment zeigte die Bedeutung einer responsiven, interagierenden angesprochenen Person in einer anderen, typischeren Art von Dialog. Jede erzählende Person erzählte einer angesprochenen Person in einem Face-to-Face-Dialog eine persönliche Geschichte von einer knapp abgewendeten Gefahr (in der etwas Schlimmes hätte passieren können, am Ende aber alles gut ausging). Die beiden kannten sich nicht, sodass die angesprochene Person die Geschichte nicht kennen konnte. In der Versuchsbedingung musste sich die angesprochene Person auf einen irrelevanten Aspekt der Erzählung konzentrieren (z. B. zählen, wie viele der von der erzählenden Person verwendeten Wörter mit dem Buchstaben t begannen). Diese angesprochenen Personen zeigten signifikant weniger Zuhörreaktionen (z. B. Nicken, Zusammenzucken, Kommentare zur Geschichte), und – das ist das Wichtigste – die Erzählenden erzählten ihre Geschichten signifikant schlechter als die Erzählenden, deren Gegenüber normal zuhörte. So sprachen Erzählende mit abgelenktem Gegenüber tendenziell weniger flüssig und neigten eher dazu, abrupt aufzuhören oder zu viel zu erklären. Obwohl also keine der angesprochenen Personen etwas zum Inhalt der Geschichte beitragen konnte, machte das reaktionslose „t-Zählen“ dennoch einen Unterschied für die Qualität des Erzählens.

Zusammenfassend stützte jedes dieser Experimente eine kollaborative statt einer autonomen Sicht der Sprache. Insbesondere war es nicht so, dass die sprechende Person die Sprache vorgab, die das Paar verwenden würde. Vielmehr spielte die angesprochene Person eine wesentliche Rolle dabei, eine Sprache mitzugestalten, die für beide funktionierte (Clark & Wilkes-Gibbs, 1986; Isaacs & Clark, 1987). Zuhörende, die nicht zusammenarbeiten konnten, schnitten schlechter ab (Schober & Clark, 1989), ebenso Sprechende mit reaktionslosem Gegenüber (Bavelas et al., 2000). Wenn, wie wir vorschlagen, Zusammenarbeiten gleichbedeutend mit Ko-Konstruieren ist, stützen diese Ergebnisse auch eine ko-konstruktionistische, poststrukturalistische Sicht des Dialogs.

Grounding-Sequenzen als Prozess der Zusammenarbeit

Die nächste Frage lautet, wie Zusammenarbeit genau funktioniert: Was tun die Beteiligten eines Dialogs, wenn sie in ihrer Interaktion Bedeutungen ko-konstruieren? Eine interaktive Sicht der Bedeutung hat alte Wurzeln, darunter die Schriften von George Herbert Mead (1934):

Es ist bei dem Versuch, dieses Problem [der Bedeutung von Bedeutung] zu lösen, nicht notwendig, auf psychische Zustände zurückzugreifen, denn die Natur der Bedeutung ist, wie wir gesehen haben, in der Struktur der sozialen Handlung implizit enthalten, implizit in den Beziehungen zwischen ihren drei grundlegenden individuellen Bestandteilen; nämlich in der triadischen Beziehung zwischen einer Geste [d. h. einer beliebigen kommunikativen Handlung] eines Individuums, einer Reaktion eines zweiten Individuums auf diese Geste und der Vollendung der gegebenen sozialen Handlung, die durch die Geste des ersten Individuums eingeleitet wurde. (S. 81; Hervorhebung hinzugefügt)

Markova und Linell (z. B. Linell, 2001; Linell & Markova, 1993; Markova, 1990) griffen Meads Triade wieder auf und hoben sie hervor, nämlich eine minimale Einheit, in der eine Person etwas initiiert, die andere Person reagiert und die erste Person die Triade vollendet, indem sie auf diese Reaktion reagiert. Wie Mead überprüften sie diesen Vorschlag jedoch nicht anhand eines Datenkorpus.

Auf der Grundlage ihrer intensiven Analyse einer großen Sammlung von Dialogen schlugen auch Clark und Schaefer (1987, 1989) vor, dass Bedeutung im Dialog kollaborativ hergestellt wird, und zwar durch einen Prozess, den sie Grounding nannten: Die sprechende und die angesprochene Person arbeiten von Moment zu Moment zusammen, um sicherzustellen, dass sie einander gut genug verstehen, um weiterzumachen. Etwas zu „grounden“ heißt, ein Fundament dafür zu legen oder es auf eine feste Grundlage zu stellen (OED Online, Juni 2014). In ihrem fortlaufenden Dialog sichern die sprechende und die angesprochene Person ständig eine feste Grundlage gegenseitigen Verstehens.

Die Grounding-Theorie von Clark und seinem Team (Clark & Schaefer, 1987, 1989; Clark & Brennan, 1991; Clark, 1996) betonte zwei große Phasen: Die sprechende Person präsentiert etwas, und die angesprochene Person muss es annehmen. Sie erwähnten jedoch auch eine dreischrittige Sequenz auf der Mikroebene, ähnlich der von Mead und der von Linell und Markova:

  • a. Die Sprecherin sagt etwas zum Adressaten.
  • b. Der Adressat zeigt der Sprecherin, dass er verstanden hat.
  • c. Die Sprecherin bestätigt, dass der Adressat sie richtig verstanden hat. (adaptiert nach Clark & Schaefer, 1987, S. 22)

Clark und Schaefer wiesen darauf hin, dass die Reaktion der angesprochenen Person im zweiten Schritt einseitig ist; sie gibt der sprechenden Person eine Rückmeldung. Für gegenseitiges Verstehen muss auch die sprechende Person der angesprochenen Person eine Rückmeldung geben und bestätigen, dass sie richtig verstanden hat. Das heißt, sowohl die angesprochene als auch die sprechende Person benötigen Belege dafür, dass sie einander verstehen, was zu vertrauten Sequenzen wie dieser führt:

Beispiel 4. Eine britische Telefonvermittlung nennt einer anrufenden Person die Nummer eines Restaurants

  • a. Vermittlung: „Es ist Cambridge 12345.“
  • b. Anrufende Person: „12345.“
  • c. Vermittlung: „Richtig.“ (adaptiert nach Clark & Schaefer, 1987, S. 25)

In diesem Beispiel präsentierte die Vermittlung eine neue Information, die anrufende Person zeigte ihr Verständnis, indem sie einen Teil der Information wiederholte, und die Vermittlung bestätigte, dass die anrufende Person richtig verstanden hatte. Clark und Schaefer (1987, 1989; Clark, 1996) entwickelten diesen dreischrittigen Prozess jedoch nicht weiter; obwohl die drei Schritte in den meisten ihrer Beispiele erkennbar sind, blieb ihre Analyse auf einer zweischrittigen Ebene.

Die systematische empirische Untersuchung des Dreischrittmodells steht noch ganz am Anfang. Bavelas, Gerwing, Allison und Sutton (2011) überprüften ein Dreischrittmodell an fast 600 Präsentationen in 22 Dyaden und stellten fest, dass eine dreischrittige Sequenz praktisch perfekt zu diesen Daten passte. (Siehe auch Roberts & Bavelas, 1996.) Zudem haben wir (Bavelas, De Jong, Korman, & Smock Jordan, 2012) auf der Grundlage intensiver Beobachtung von Face-to-Face-Dialogen ein Mikromodell dreischrittiger Grounding-Sequenzen vorgeschlagen und begonnen, es empirisch zu belegen:

  • a. Die sprechende Person präsentiert eine neue Information.
  • b. Die angesprochene Person zeigt, dass sie die Information verstanden hat (oder nicht verstanden hat oder sich nicht sicher ist).
  • c. Die sprechende Person bestätigt, dass die angesprochene Person verstanden hat (oder nicht).

Wenn diese Sequenz abgeschlossen ist, haben die sprechende und die angesprochene Person ein bestimmtes Stück Information „gegroundet“, das heißt, sie haben offen gezeigt, dass sie einander bis hierhin verstanden haben. Wir haben vorgeschlagen, dass diese Sequenzen den gesamten Dialog fortlaufend durchziehen und die Bausteine des Ko-Konstruierens und der Bedeutungsbildung sind (De Jong et al., 2013).

Empirische Belege für dreischrittige Grounding-Sequenzen

Die folgenden Analysen von Grounding-Sequenzen stellen wir in Tabellenform dar. (Es ist oft einfacher, zuerst die Spalte mit dem Transkript zu lesen und dann zurückzugehen, um die Grounding-Sequenzen nachzuvollziehen.)

Complexe Systémique · Hinweis zur Darstellung

Im Original ist jede der folgenden Analysen als zwei- oder dreispaltige Tabelle angelegt: das Transkript, die Grounding-Sequenz und – wo zutreffend – eine überlappende Sequenz. Für die Online-Lektüre wird hier jedes Beispiel zuerst als Transkript wiedergegeben, gefolgt von seiner Analyse Redebeitrag für Redebeitrag, wie es die Verfassenden selbst vorschlagen. In der Analyse sind 1a, 1b und 1c die drei Schritte der ersten Grounding-Sequenz, 2a, 2b und 2c die einer zweiten, überlappenden Sequenz und so weiter; ein und derselbe Redebeitrag kann gleichzeitig zwei Sequenzen dienen.

Beispiel 4a. Die anrufende Person hatte die Vermittlung nach der Telefonnummer eines bestimmten Restaurants gefragt (adaptiert nach Clark & Schaefer, 1987, S. 25)

  • #1 Vermittlung: „Es ist Cambridge 12345.“
  • #2 Anrufende Person: „12345.“
  • #3 Vermittlung: „Richtig.“

Grounding-Sequenz

#1 — 1a: präsentiert eine Information.

#2 — 1b: zeigt Verständnis der Information.

#3 — 1c: bestätigt, dass die anrufende Person richtig verstanden hat.

1: Grounding erreicht: Die Nummer ist Cambridge 12345.

Das nächste Beispiel aus einem unveröffentlichten Therapievideo ist ebenso einfach:

Beispiel 5. Zu Beginn einer Beratungssitzung an einer Hochschule hatte die therapeutische Fachkraft gefragt, im wievielten Studienjahr die ratsuchende Person sei

  • #1 Ratsuchende Person: „Ich bin im dritten Jahr.“
  • #2 Therapeutische Fachkraft: „Du bist hier im dritten Jahr.“
  • #3 Ratsuchende Person: [nickt kurz]

Grounding-Sequenz

#1 — 1a: präsentiert eine Information.

#2 — 1b: zeigt Verständnis der Information.

#3 — 1c: bestätigt, dass die therapeutische Fachkraft richtig verstanden hat.

1: Grounding erreicht: Die ratsuchende Person ist im dritten Studienjahr an dieser Hochschule.

Es gibt mehrere Varianten des Grundmusters, die die dreischrittige Sequenz dennoch bewahren. In Beispiel 2 oben präsentierte die Verständnisanzeige der angesprochenen Person zugleich eine neue Information, wodurch eine zweite, überlappende Sequenz begann, in der manche Äußerungen zwei Funktionen hatten, wie die folgende Tabelle zeigt.

Beispiel 2a. Eine in New York ortskundige Person spricht mit einer ortsunkundigen und beschreibt die zehnte Postkarte der Reihe (adaptiert nach Isaacs & Clark, 1987, S. 28)

  • #1 Ortskundige Person: „Zehntens das Cidicorp – Citicorp Building?“
  • #2 Ortsunkundige Person: „Ist das das mit dem schrägen Dach?“
  • #3 Ortskundige Person: „Ja.“
  • #4 Ortsunkundige Person: „Okay.“

Grounding-Sequenz und überlappende Sequenz

#1 — 1a: präsentiert eine neue Information.

#2 — 1b: zeigt Verständnis mit einer alternativen Beschreibung. · 2a: präsentiert eine neue Information.

#3 — 1c: bestätigt, dass die Verständnisanzeige zutrifft. · 2b: zeigt Belege für das Verständnis der alternativen Beschreibung.

1: Grounding erreicht: Die zehnte Postkarte ist das Citicorp Building.

#4 — 2c: bestätigt, dass die ortskundige Person die alternative Beschreibung verstanden hat.

2: Grounding erreicht: Die zehnte Postkarte ist auch das Gebäude mit dem schrägen Dach.

Im Modell von Bavelas et al. (2012) kann jede der beiden Personen im zweiten oder dritten Schritt ein fehlendes gegenseitiges Verständnis signalisieren, sodass Grounding-Sequenzen auch Fehler erkennen und korrigieren. Das heißt, die angesprochene Person kann zeigen, dass sie nicht verstanden hat, und die sprechende Person kann anzeigen, dass die angesprochene Person etwas falsch verstanden hat. Beispiel 6 veranschaulicht ein komplexeres Muster, in dem die Beteiligten Grounding-Sequenzen nutzten, um ihr Problem zu klären.

Beispiel 6. Die Telefonvermittlung hatte nach dem Namen der Person gefragt, nach der sich die anrufende Person erkundigte, verstand aber zunächst nicht, was diese sagte (adaptiert nach Clark & Schaefer, 1987, S. 20)

  • #1 Anrufende Person: „Mrs. Lane.“
  • #2 Vermittlung: „Entschuldigung, würden Sie das bitte wiederholen?“
  • #3 Anrufende Person: „Lane.“
  • #4 Vermittlung: [buchstabierend] „M-A-I?“
  • #5 Anrufende Person: [buchstabierend] „L-A-N-E.“
  • #6 Vermittlung: „N wie Nellie, A-N-E.“
  • #7 Anrufende Person: „Nein, L wie London.“
  • #8 Vermittlung: „Oh! Entschuldigung, Lane, L wie Leonard.“
  • #9 Anrufende Person: „Ja.“

Grounding-Sequenz und überlappende Sequenz

#1 — 1a: präsentiert eine neue Information.

#2 — 1b: zeigt NICHT-Verstehen.

#3 — 1c: bestätigt das NICHT-Verstehen der Vermittlung, indem die Information erneut präsentiert wird. · 2a: präsentiert eine neue Information (in einfacherer Form).

1: Grounding erreicht: Die Vermittlung hat den Namen „Mrs. Lane“ nicht verstanden.

#4 — 2b: zeigt MÖGLICHES Verstehen.

#5 — 3a: präsentiert eine neue Information. · 2c: bestätigt FALSCHES Verstehen, indem die richtige Schreibweise präsentiert wird.

2: Grounding erreicht: Die Vermittlung hat den buchstabierten Nachnamen nicht verstanden.

#6 — 3b: zeigt FALSCHES Verstehen.

#7 — 3c: bestätigt FALSCHES Verstehen („Nein“). · 4a: und präsentiert erneut („L wie London“).

3: Grounding erreicht: Die Vermittlung hat den buchstabierten Namen nicht verstanden.

#8 — 4b: zeigt RICHTIGES Verstehen.

#9 — 4c: bestätigt RICHTIGES Verstehen.

4: Grounding erreicht: Der Name ist „Lane“.

Es mag eng technisch erscheinen, so viel Gewicht auf die dreischrittige Mikrosequenz zu legen, doch sie hat einige radikale Implikationen. Erstens stellt sie die weitverbreiteten individualistischen und mentalistischen Sichtweisen des Dialogs offen infrage, in denen die Grundeinheit des Dialogs der Redebeitrag jedes einzelnen Individuums ist. In dieser Sicht entnimmt jede sprechende Person ihrem Kopf ein Bedeutungspaket und liefert es aus (d. h. eine einschrittige, nicht interaktive Sicht). Es gibt auch eine zweischrittige Sicht, in der die angesprochene Person passiv Verständnis anzeigt. Unsere dreischrittige Sequenz besteht darauf, dass kein Grounding stattgefunden hat, bevor die sprechende Person der angesprochenen Person bestätigt hat, dass sie richtig verstanden hat. Die minimale Analyseeinheit des Dialogs ist somit eine dreischrittige Grounding-Sequenz, in der die Beiträge der angesprochenen Person ebenso wichtig sind wie die der sprechenden Person.

Die zweite Implikation unseres Modells ist, dass der Dialog ein Mikroprozess ist, der in kleinen Handlungssequenzen voranschreitet, die oft unbemerkt bleiben, aber nicht belanglos sind. In den obigen Beispielen war Grounding keine gelegentliche Pause, um alle paar Minuten zusammenzufassen. Es geschah ständig, und jeder Beitrag zählte, auch Wiederholungen, Nicken oder ein „Okay“. Sekunde für Sekunde zeigten und bestätigten die Beteiligten bei jedem Schritt fortlaufend ihr Verständnis und schufen so nach und nach eine Grundlage vereinbarten Wissens.

Eine dritte entscheidende Implikation unseres Modells ist, dass die Beteiligten nicht notwendigerweise auf das „grounden“, was die sprechende Person präsentiert hat. Vielmehr kann ihre Grounding-Sequenz die sprechende und die angesprochene Person dazu führen, eine veränderte Version anzunehmen. In Beispiel 1 unterbrach die angesprochene Person bei Redebeitrag 6 und zeigte ihr Verständnis, indem sie eine völlig neue Beschreibung lieferte („ein großes, dickes Bein“), die die sprechende Person annahm; darauf groundeten beide dann und verwendeten sie später (Beispiel 2a). Ebenso trug in den gemischten Paaren von Isaacs & Clark (1987) die angesprochene Person zu der Version bei, auf die sie groundeten.

Implikationen für die Psychotherapie

Eines der ersten Dinge, die bei der Beobachtung jeder beliebigen Therapiesitzung ins Auge fallen, ist, dass Ratsuchende und Therapierende ein Gespräch führen; sie verwenden Sprache. Und doch ist die Tatsache, dass Therapie zu machen bedeutet, Sprache zu verwenden, praktisch versteckt worden, versteckt wie Poes entwendeter Brief. Die Tatsache, dass Therapie zu machen bedeutet, Sprache zu verwenden, lag immer schon offen an der Oberfläche der Dinge, wurde aber irgendwie übersehen. (de Shazer & Berg, 1992, S. 71; Hervorhebung im Original)

Obwohl die Sprache, wie de Shazer und Berg feststellten, immer schon offen für die Beobachtung dalag, ignoriert das Feld der Psychotherapie weitgehend, wie Sprache in der Interaktion zwischen Ratsuchenden und Therapierenden funktioniert. Wir teilen die Neugier von de Shazer und Berg in Bezug auf Sprache und Therapie. Konkret schlagen wir vor, sprachliche Interaktionen zwischen Ratsuchenden und Therapierenden zu identifizieren, die direkt beobachtbar sind. In einem bestimmten Moment präsentiert die ratsuchende Person ihre Sicht auf etwas; die therapeutische Fachkraft kann darauf reagieren (z. B. indem sie es paraphrasiert); und die ratsuchende Person kann die Version der Fachkraft annehmen, korrigieren oder zurückweisen. In einem anderen Moment präsentiert die therapeutische Fachkraft ihre Version von etwas anderem, die die ratsuchende Person verändern kann und die die Fachkraft wiederum annehmen, korrigieren oder zurückweisen kann. Diese Grounding-Sequenzen sind Mikroverhandlungen, die die gemeinsamen Bedeutungen aufbauen, die wir Ko-Konstruktionen nennen.

Obwohl sie vor allem über die ko-konstruktive Natur postmoderner Therapiemodelle schrieben, vertraten sowohl de Shazer (1991, 1994) als auch Gergen (1985, 1999, 2009) die Auffassung, dass alle therapeutischen Gespräche – unabhängig vom Modell, das die therapeutische Fachkraft anwendet – ko-konstruktiv sind. Auf empirischer Ebene stützt unsere Analyse der Grounding-Sequenzen diese Behauptung. Im Folgenden stellen wir unsere Analyse der Grounding-Sequenzen in zwei kontrastierenden Therapiedialogen vor; der eine ist lösungsfokussiert, der andere stammt aus einer Sitzung motivierender Gesprächsführung.

Beispiel 7. De Shazer fragte den Klienten: „Was führt Sie her?“ (aus einem unveröffentlichten Video; auch in de Shazer, 1994, S. 247. Dieser Ausschnitt des anschließenden Dialogs dauerte 17,3 Sekunden.)

  • #1 Klient: „Na ja, gerade jetzt kümmere ich mich um ein Alkoholproblem.“
  • #2 de Shazer: „Mhm.“
  • #3 Klient: „Ja“ (sehr leise).
  • #4 (de Shazer machte eine Pause, während er nach unten schaute und schrieb, dann sagte er: „Okay, und, äh“ und machte erneut eine Pause.)
  • #5 Klient: „Manchmal trinke ich –“
  • #6 de Shazer: „Sie sagen ‚gerade jetzt‘“ (mit Nachdruck).
  • #7 Klient: „Na ja, ich kümmere mich schon länger darum –“
  • #8 de Shazer [überlappend]: „Mhm.“
  • #9 Klient (fährt fort): „– aber gerade jetzt habe ich einfach das Gefühl, dass in meinem Leben die Zeit gekommen ist, es wirklich anzupacken, etwas dagegen zu tun.“

Grounding-Sequenz und überlappende Sequenz

#1 — 1a: präsentiert eine neue Information.

#2 — 1b: zeigt Verständnis mit einer minimalen Reaktion.

#3 — 1c: bestätigt die Verständnisanzeige, ebenfalls mit einer minimalen Reaktion.

1: Grounding erreicht: Der Klient kümmert sich gerade jetzt um ein Alkoholproblem.

#4 und #5 — Bei de Shazers zweiter Pause in #4 begann der Klient zu sprechen (#5), brach aber ab, sobald de Shazer wieder sprach (#6). Bei #6 waren sie wieder synchron.

#6 — 1b′: zweite Anzeige des Verständnisses dessen, was der Klient in #1 gesagt hat, diesmal expliziter.

#7 — 1c′: Der Klient bestätigt de Shazers Verständnisanzeige (in #6), indem er beginnt, mehr darüber mitzuteilen, was „gerade jetzt“ bedeutete. · 2a: präsentiert eine neue Information.

1′: Grounding erreicht: Er kümmert sich „gerade jetzt“ darum.

#8 — 2b: zeigt Verständnis.

#9 — 3a: präsentiert eine neue Information zu diesem Thema. · 2c: bestätigt de Shazers Verständnisanzeige als zutreffend, indem er bei diesem Thema bleibt.

2: Grounding erreicht: Er „kümmert sich schon länger“ (um sein Alkoholproblem).

In #1 präsentierte der Klient zwei zusammenhängende Informationen: „Gerade jetzt kümmere ich mich um“ und „ein Alkoholproblem“. De Shazer hätte die eine oder die andere kommentieren, wiederholen oder paraphrasieren können. In seiner expliziten Verständnisanzeige in #6 wählte er den Teil von #1, in dem der Klient sagte, dass er sich „gerade jetzt“ um sein Alkoholproblem kümmere – was den Beginn einer Lösung darstellen könnte. In #7 bestätigte der Klient de Shazers Verständnisanzeige, indem er begann, das Thema des Sich-darum-Kümmerns auszubauen. Dann, in #9, bestätigte der Klient de Shazers Verständnisanzeige, indem er „gerade jetzt“ aufgriff und eine stärkere Aussage der Entschlossenheit hinzufügte, nämlich dass „in meinem Leben die Zeit gekommen ist, es wirklich anzupacken, etwas dagegen zu tun“, und auch darauf groundeten sie. Nach #9 lieferte der Klient weiterhin Informationen zu diesem Thema. Eine andere therapeutische Fachkraft hätte ihr Verständnis von #1 vielleicht mit „Sie sagten ‚Alkoholproblem‘“ angezeigt, was stattdessen zu weiteren Einzelheiten zu jenem Thema hätte führen können.

Das nächste Beispiel zeigt eine andere Wahl durch einen Therapeuten.

Beispiel 8. In einem Video zur motivierenden Gesprächsführung fragte Miller (Lewis & Carlson, 2000) den Klienten, ob er eine Sucht habe, die zu einem Problem werde. (Der folgende Dialog dauerte 12,7 Sekunden.)

  • #1 Klient: „Das Rauchen ist zum Problem geworden, weil ich anfange, Fußball zu spielen, okay?“
  • #2 Miller: „Sie bekommen also keine Luft.“
  • #3 Klient: „Und deshalb bekomme ich keine Luft.“
  • #4 Miller: „Ja.“
  • #5 Klient: „Die Jungs werden immer jünger, okay?“
  • #6 Miller: „Ja.“
  • #7 Klient: „Sie sind halb so alt wie ich und doppelt so groß.“
  • #8 Miller: [nickt]
  • #9 Klient: „Ich habe ein Problem damit.“

Grounding-Sequenz und überlappende Sequenz

#1 — 1a: präsentiert eine neue Information.

#2 — 1b: zeigt Verständnis, indem eine Schlussfolgerung präsentiert wird. · 2a: präsentiert eine neue Information.

#3 — 1c: bestätigt die Verständnisanzeige, indem er sie wiederholt. · 2b: zeigt Verständnis der neuen Information.

#4 — 1: Grounding erreicht, dass das Rauchen zum Problem wird, weil er anfängt, Fußball zu spielen. · 2c: bestätigt diese Informationsanzeige.

2: Grounding erreicht: Das Problem mit Rauchen und Fußball ist, dass er keine Luft bekommt.

#5 — 3a: präsentiert eine weitere neue Information zu diesem Thema.

#6 — 3b: zeigt Verständnis.

#7 — 3c: bestätigt Millers Verständnisanzeige, indem er mehr Einzelheiten über das Problem nennt. · 4a: präsentiert eine zusätzliche neue Information.

#8 — 3: Grounding erreicht, dass die Jungs beim Fußball immer jünger werden. · 4b: zeigt Verständnis.

#9 — 5a: präsentiert eine weitere neue Information. · 4c: bestätigt das Verständnis, indem er fortfährt.

4: Grounding erreicht: Die Jungs beim Fußball sind halb so alt wie er und doppelt so groß.

Wie in Beispiel 7 präsentierte die Eingangsaussage des Klienten zwei verschiedene Informationen: „Das Rauchen ist zum Problem geworden“ und „ich fange an, Fußball zu spielen“. Die Verständnisanzeige des Therapeuten („Sie bekommen also keine Luft“) bezog sich auf das Rauchen als Problem, das die fußballerische Leistung des Klienten beeinträchtigt, und der anschließende Dialog häufte weiter Probleme an. Eine andere therapeutische Fachkraft hätte sich dafür entscheiden können, ihr Verständnis des anderen Teils dessen anzuzeigen, was der Klient sagte, etwa mit „Oh! Sie fangen an, Fußball zu spielen?“, was zu einem Gespräch über eine gesunde Entscheidung hätte führen können.

Neben dem Nachweis, dass Therapien ko-konstruktiv sind, hat die Analyse von Therapiedialogen mit unserem dreischrittigen Mikromodell der Grounding-Sequenzen spezifischere Implikationen dafür, was in der Psychotherapie zwischen Therapierenden und Ratsuchenden geschieht. Eine davon ist, dass Therapierende einflussreicher sind, als oft angenommen wird. Sie tragen fortlaufend zur Richtung der Ko-Konstruktion bei – durch die Paraphrasen, Ausarbeitungen und Fragen, mit denen sie ihr Verständnis anzuzeigen wählen. So entschied sich de Shazer in Beispiel 7 bei #6 dafür, seine Verständnisanzeige auf das zu richten, was der Klient in der Gegenwart tat, statt das Problem weiter auszuführen. Ebenso entschied sich Miller in Beispiel 8 bei #2, sein Verständnis anzuzeigen, indem er mehr Einzelheiten zu einem Problem lieferte, statt eine mögliche gesunde Entscheidung zu kommentieren. Offensichtlich standen diese Entscheidungen im Einklang mit ihren jeweiligen Theorien.

Eine zweite Implikation für das, was in der Psychotherapie geschieht, ist, dass Ratsuchende meistens mit den Beiträgen der therapeutischen Fachkraft kooperieren, und zwar insbesondere, indem sie deren Verständnisanzeige bestätigen. Die Therapeuten in den Beispielen 7 und 8 lieferten Verständnisanzeigen, die den Dialog in unterschiedliche Richtungen lenkten, und in beiden Fällen folgten die Klienten der Führung des Therapeuten. De Shazers Klient bestätigte, dass „gerade jetzt“ das war, was seine Eingangspräsentation gemeint hatte, indem er begann, mehr Einzelheiten über seine aktuelle Motivation zu präsentieren. Millers Klient bestätigte, dass „das Rauchen ist zum Problem geworden“ das war, was seine Eingangspräsentation gemeint hatte, indem er mehr Einzelheiten darüber präsentierte, wie das Rauchen ihm Probleme bereitete.

Schlussfolgerung

Ziel dieses Beitrags war es, das Ko-Konstruieren in der Therapie konkret und beobachtbar zu machen. Eine reiche Quelle für unser Vorhaben fanden wir in der psycholinguistischen Literatur, die überzeugende experimentelle Belege für eine kollaborative statt einer autonomen Sicht darauf enthält, wie Bedeutung im Dialog entsteht. Ausgehend von sozialwissenschaftlichen und psycholinguistischen Arbeiten, die nahegelegt haben, dass Zusammenarbeit im Dialog in interaktiven Sequenzen erfolgt, haben wir ein dreischrittiges Mikromodell der Grounding-Sequenzen als den empirisch beobachtbaren Prozess vorgeschlagen, durch den das Ko-Konstruieren von Bedeutungen in therapeutischen Dialogen geschieht. Bislang haben die von uns analysierten Dialoge dieses empirische Modell durchgängig gestützt, was wiederum die theoretischen Ideen von de Shazer und Gergen darüber stützt, was in psychotherapeutischen Interaktionen zwischen Therapierenden und Ratsuchenden geschieht.

Wir sehen die Konzeptualisierung und erste Überprüfung unseres Mikromodells der Grounding-Sequenzen als Beginn eines wichtigen Bereichs der wissenschaftlichen Erforschung therapeutischer Interaktionen. Während wir hier einige erste Befunde zu Grounding-Sequenzen vorgestellt haben, planen wir, in einem künftigen Artikel weitere Befunde sowie Einzelheiten zu den Beobachtungsregeln für die Mikroanalyse von Grounding-Sequenzen in psychotherapeutischen Dialogen vorzustellen. Über unsere eigene Forschung hinaus ist Raum für andere Forschungsteams, diese Regeln für die Mikroanalyse von Grounding-Sequenzen aufzugreifen und in weiteren Untersuchungen anzuwenden, etwa bei der Mikroanalyse von Grounding-Sequenzen in der Paar- und Familienarbeit, wo drei oder mehr Personen gleichzeitig am Dialog beteiligt sind. Wir halten dies für eine potenziell fruchtbare Forschungslinie für die gesamte Psychotherapie – eine, die eindeutig de Shazers Überzeugung respektiert, dass wir mehr darüber lernen werden, wie Psychotherapie wirkt, wenn wir uns auf das konzentrieren, was in der Interaktion zwischen ratsuchender Person und therapeutischer Fachkraft geschieht, statt auf das, was im Denken und in den Gefühlen der Ratsuchenden vor sich gehen mag.

Die Verfassenden

Janet Beavin Bavelas ist aktive emeritierte Professorin für Psychologie an der University of Victoria auf Vancouver Island in British Columbia, Kanada. Sie hat ihre Laufbahn als experimentelle Psychologin der Erforschung von Sprache und Kommunikation im Face-to-Face-Dialog gewidmet und ist (gemeinsam mit den Pionieren der Familientherapie Don Jackson und Paul Watzlawick) Mitverfasserin von Pragmatics of Human Communication: A Study of Interactional Patterns, Pathologies and Paradoxes. In den letzten Jahren hat sie mit dem Team aus Korman, De Jong und Smock Jordan diese Forschung (und insbesondere die Methode der Mikroanalyse) auf theoretische und praktische Fragen der lösungsfokussierten Kurzzeittherapie angewandt.

Peter De Jong ist emeritierter Professor für Soziologie und Soziale Arbeit am Calvin College in Michigan, USA, und war früher als lösungsfokussierter Praktiker in der psychischen Gesundheitsversorgung tätig. Er hat viele Veröffentlichungen gemeinsam mit Insoo Kim Berg verfasst, darunter vier Auflagen von Interviewing for Solutions, und begleitet, schult und berät derzeit Menschen, die die lösungsfokussierte Kurzzeittherapie erlernen möchten. Außerdem betreibt er gemeinsam mit Bavelas, Korman und Smock Jordan Mikroanalyse-Forschung zu Therapiegesprächen.

Sara Smock Jordan ist außerordentliche Professorin für Paar- und Familientherapie an der Texas Tech University in Lubbock, Texas. Sie hat das Solution Building Inventory entwickelt, Outcome- und Prozessforschung zur lösungsfokussierten Kurzzeittherapie durchgeführt und engagiert sich aktiv für die wachsende Anerkennung dieses Ansatzes als evidenzbasierte Praxis. Sara ist die unmittelbare Altpräsidentin der Solution-Focused Brief Therapy Association.

Harry Korman ist Kinderpsychiater und Familientherapeut in eigener Praxis am SIKT in Malmö, Schweden. Er arbeitet vor allem als Ausbilder und Supervisor für Menschen, die die lösungsfokussierte Kurzzeittherapie erlernen möchten. Sein Forschungsinteresse gilt der Aufgabe, Ko-Konstruktion in der Interaktion zwischen Menschen von Moment zu Moment sichtbar zu machen. Harry betreut außerdem die Internet-Diskussionsliste zur lösungsfokussierten Therapie (SFT-L).

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Originalartikel The Theoretical and Research Basis of Co-Constructing Meaning in Dialogue von Janet Beavin Bavelas, Peter De Jong, Sara Smock Jordan und Harry Korman, erschienen in Journal of Solution-Focused Brief Therapy, Bd. 1, Nr. 2 (2014), doi: 10.59874/001c.75100, unter der Lizenz CC BY 4.0. Inoffizielle deutsche Übersetzung von Complexe Systémique im Oktober 2026 mit Unterstützung künstlicher Intelligenz: Der Originaltext wurde ins Deutsche übersetzt, neu gesetzt und für die Online-Lektüre mit Zwischenüberschriften versehen, was eine Bearbeitung des Werks im Sinne der Lizenz darstellt. Diese Übersetzung stammt weder von den Verfassenden noch vom Verlag, die weder für ihren Inhalt noch für etwaige Fehler verantwortlich sind. Maßgeblich ist die Originalfassung.

Dies ist eine inoffizielle deutsche Übersetzung des Originalartikels „The Theoretical and Research Basis of Co-Constructing Meaning in Dialogue“, erschienen in Journal of Solution-Focused Brief Therapy (2014) unter der Lizenz CC BY 4.0. Übersetzt von Complexe Systémique mit Unterstützung künstlicher Intelligenz; die Darstellung wurde für die Online-Lektüre angepasst, wie zu Beginn dieser Seite erläutert. Maßgeblich ist die Originalfassung.

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Bavelas, J. B., De Jong, P., Smock Jordan, S., & Korman, H. (2014). The Theoretical and Research Basis of Co-Constructing Meaning in Dialogue. Complexe Systémique. https://app.complexe-systemique.com/en_GB/articles/the-theoretical-and-research-basis-of-co-constructing-meaning-in-dialogue (Originalwerk erschienen 2014 in Journal of Solution-Focused Brief Therapy, Bd. 1, Nr. 2; 2014 erneut veröffentlicht von Journal of Solution-Focused Brief Therapy, https://journalsfp.org/article/75100)

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